Welterbe Hallstatt

Zweitverwendung im Welterbe


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Materielle Substanz erhalten

In Zeiten des Überflusses verliert das Ererbte rasch an Wert, wird zerstört und weggeworfen, während in Zeiten materieller Not die lange Nutzung und die Wiederverwendung der Regelfall sind. Auf dieser Haltung basiert die Denkmalpflege. Ein anschauliches Beispiel bildet ein monolithischer Granit-Gullyschacht, dessen quadratische Öffnung mit umlaufender Nut händisch aus einem Steinblock herausgearbeitet worden sind. Die Scharniere des Deckels sind eingebleit, womit die Verbindung einerseits dauerhaft haltbar ist, andererseits aber auch bei Bedarf durch Erwärmen des Bleis zerstörungsfrei lösbar ist.

Vor dem Südportal der katholischen Kirche in Hallstatt liegen drei große Platten aus Buntkalkstein der Sorte Adneter-Rot. Sie messen etwa 2,40 mal 1,20 Meter, und waren ursprünglich Epitaphien die nun in Zweitverwendung als Pflasterung verlegt sind. Die Witterung hat die ehemals polierte Oberfläche leicht aufgeraut, was einen Mattscheibeneffekt bewirkt, bei dem die Farben des Steins heller erscheinen. Durch das Begehen der Platten im Laufe von Jahrhunderten wurden Inschrift und Bildnis abgerieben, sodass die Erinnerung an die ursprünglich dargestellte Person und die Funktion des Epitaphs nicht mehr erkennbar sind und die materielle Substanz endgültig die neue Bedeutung als Pflasterung angenommen hat. Als Folge solcher Wiederverwendungen bleibt zwar die materielle Substanz in hohem Maße erhalten, die Information geht dabei aber zum Teil verloren. Das Erbe wandelt sich und bleibt dadurch lebendig.

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Welterbe HallstattBy Friedrich Idam, Gestaltung: Reinhard Pilz