„Warum darf sie schon wieder früher gehen?“
„Bei ihm wird immer eine Ausnahme gemacht.“
„Wenn ich einen Fehler mache, wird sofort darüber gesprochen, bei ihr ist das plötzlich kein Problem.“
Solche Aussagen können zunächst wie kleine Beschwerden im Arbeitsalltag wirken. Wenn Mitarbeitende jedoch über längere Zeit das Gefühl entwickeln, dass jemand bevorzugt wird, kann daraus schnell ein ernsthafter Konflikt entstehen.
Denn meistens geht es nicht nur um eine einzelne Entscheidung. Es geht um die Frage, ob die eigene Führungskraft als fair und verlässlich wahrgenommen wird.
Ein Praxisbeispiel zeigt, wie schnell eine solche Situation entstehen kann. Eine Mitarbeiterin durfte aufgrund einer persönlichen Vereinbarung regelmäßig etwas früher Feierabend machen. Eine Kollegin empfand dies zunehmend als ungerecht, weil sie bei einem eigenen Wunsch nach mehr Flexibilität eine andere Erfahrung gemacht hatte.
Das eigentliche Problem war deshalb nicht unbedingt die Arbeitszeitregelung. Es war das Gefühl, dass für unterschiedliche Mitarbeiter unterschiedliche Maßstäbe gelten.
Nehmen Sie das Gefühl einer Benachteiligung ernst, ohne automatisch davon auszugehen, dass tatsächlich eine ungerechte Behandlung vorliegt. Prüfen Sie zunächst, welche konkreten Situationen hinter dieser Wahrnehmung stehen.
Achten Sie darauf, dass unterschiedliche Entscheidungen sachlich begründet werden können. Fairness bedeutet nicht, dass alle Mitarbeiter exakt das Gleiche bekommen, sondern dass Unterschiede nachvollziehbar sind.
Überprüfen Sie auch Ihr eigenes Führungsverhalten. Fragen Sie sich regelmäßig, ob persönliche Sympathien möglicherweise Einfluss darauf haben, wem Sie Aufgaben, Informationen oder Entwicklungsmöglichkeiten geben.
Sorgen Sie dort für Transparenz, wo es möglich ist. Auch wenn vertrauliche persönliche Informationen nicht weitergegeben werden dürfen, können allgemeine Kriterien und Regeln verständlicher gemacht werden.
Wenn Sie feststellen, dass Sie tatsächlich einmal nicht konsequent oder unfair entschieden haben, dürfen Sie das offen zugeben. Ein ehrliches Eingeständnis kann Vertrauen schaffen und zeigt, dass Führung auch bedeutet, das eigene Verhalten zu reflektieren.
Wenn ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin zu Ihnen sagt: „Ich fühle mich benachteiligt“, versuchen Sie nicht sofort, sich zu rechtfertigen.
„Woran machen Sie dieses Gefühl konkret fest?“
Hören Sie zu und prüfen Sie anschließend, ob es sich um ein Missverständnis, eine sachlich begründete unterschiedliche Behandlung oder tatsächlich um ein wiederkehrendes Muster handelt.
Denn gute Führung bedeutet nicht, allen immer das Gleiche zu geben.
Sie bedeutet, fair, nachvollziehbar und professionell zu entscheiden – und dabei auch die eigene Führung regelmäßig zu hinterfragen.