5 Minus

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5 Minus episodes

  • Sind Frauen und Kinder die Verlierer des GKV-Spargesetzes? | Ricarda Lang

    Der Terminkalender ist voll, trotzdem hat sie Zeit für „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ gefunden: Ricarda Lang ist zu Gast bei Dr. Laura Dalhaus.

    Laura startet mit einer grundsätzlichen Frage: Sind Frauen beim Beitragsstabilisierungsgesetz die größeren Verlierer:innen? Care-Arbeit, der hohe Frauenanteil in Pflege und Ärzteschaft sowie pflegende Angehörige in der Häuslichkeit sorgen dafür, dass die Folgen dieser „Reform“ Frauen besonders stark treffen.

    Ricarda sieht in der Regierung eine Ignoranz gegenüber der Lebensrealität von Frauen.


    Denn Wohnen ist inzwischen für viele Familien kaum noch finanzierbar, wenn nicht beide Elternteile arbeiten. Laura greift dazu ein Gedankenexperiment auf: Es braucht ein Dorf, um Kinder erfolgreich großzuziehen. Müssen wir deshalb auch darüber nachdenken, wie Menschen künftig in Lebensgemeinschaften zusammenleben?


    Kinder großzuziehen und gleichzeitig als Arbeitnehmer:in dauerhaft 100 Prozent leisten zu sollen, ist eine enorme Belastung. Gleichzeitig wird das Festhalten am traditionellen Familienbild durch die AfD immer stärker.


    Die Frage ist also: Müssen wir Gesellschaft grundsätzlich neu denken?


    In der Theorie heißt es immer wieder, Familie und Karriere müssten gleichzeitig möglich sein. In der Praxis werden die damit verbundenen Probleme stark individualisiert. Andere Länder lösen das besser. Laura sieht vor allem in den skandinavischen Ländern Modelle, von denen Deutschland lernen könnte. Würden Frauen hier so viel arbeiten können, wie sie möchten, entspräche das rund 850.000 zusätzlichen Vollzeit-Äquivalenten.


    Laura macht außerdem deutlich, dass Kinder und Jugendliche keine Lobby haben. Genau das macht sie zunehmend wütend, denn gerade bei ihnen wird immer wieder gekürzt.

    Ricarda beobachtet bei Jugendlichen gleichzeitig immer mehr Resignation und Politikverdrossenheit.

    Ihr Anspruch ist deshalb, Kindern und Jugendlichen Instrumente mitzugeben, auf denen sie in den kommenden Jahren aufbauen können: ein funktionierendes Bildungs- und Gesundheitssystem.


    Doch braucht es vielleicht auch Veränderungen im politischen System selbst?


    Laura und Ricarda sprechen darüber, ob Regierungszeiten anders organisiert werden müssten, damit politische Entscheidungen langfristiger umgesetzt werden können. Ricarda plädiert dafür, die Landtagswahlen auf einen gemeinsamen Termin zu legen.

    Denn sie erlebt Politik inzwischen als permanenten Wahlkampf. Entscheidungen werden dadurch ständig danach bewertet, ob sie besser vor oder lieber nach einer Wahl getroffen werden sollten.

    Ricarda wünscht sich deshalb auch einen neuen Generationenvertrag, der langfristiger denkt und Prävention stärker in den Mittelpunkt stellt.


    Ein weiteres Thema ist die Aufmerksamkeitsökonomie auf Social Media. Komplexe Zusammenhänge lassen sich dort nur schwer abbilden. Gleichzeitig müssen genau dort Antworten gefunden werden.

    Das Problem: Um an vielen politischen Debatten überhaupt fundiert teilnehmen zu können, braucht es inzwischen enorm viel Wissen.

    Emotionen dürfen dabei nicht den rechten Kräften überlassen werden. Für Ricarda gehören Wut und Ärger zur politischen Realität. Diese Gefühle müssen nicht künstlich gedrosselt werden.

    Auch den Erhalt der Öffentlich-Rechtlichen hält sie für wichtig – allerdings nicht ohne Reformen.


    Die Fakten liegen auf dem Tisch. Trotzdem werden sie immer wieder verdreht. Laura nennt als Beispiel die Argumentation von Julia Klöckner gegen die Zuckersteuer.

    Eigentlich sollte Wissenschaft die Grundlage solcher Diskussionen sein.

    Gleichzeitig hat die politische Mitte massiv an Bindekraft verloren. Vertrauen ist verschwunden.

    Ein Grund dafür ist, dass nicht für alle dieselben Spielregeln gelten. Dazu gehört auch die Debatte darüber, ob Abgeordnete in die sozialen Sicherungssysteme einzahlen sollten.


    Auch Lobbyismus spielt eine Rolle. Und dann steht noch die Frage im Raum, warum Menschen die AfD wählen.


    Laura und Ricarda wollen nicht glauben, dass es sich dabei ausschließlich um überzeugte Rechtsextreme handelt. Ricarda wünscht sich, dass sich der politische Betrieb wieder stärker an gesellschaftlichen Zielen orientiert.


    Die Grundvoraussetzung für gute Politik ist für sie am Ende ziemlich einfach: Man braucht ein positives Menschenbild – und muss die Menschen lieben, für die man Politik macht.



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    58 min
  • Hybrid-DRGs - und wie politisch damit umgegangen wird | Robert Weindl

    Eine Lücke wird in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ von Dr. Laura Dalhaus geschlossen: Diesmal spricht sie mit Dr. Robert Weindl, einem ambulant tätigen Chirurgen.

    Denn auch das ambulante Operieren steht massiv unter Druck. Dabei wird politisch ständig darüber gesprochen, Medizin stärker zu ambulantisieren und mehr Eingriffe aus dem stationären in den ambulanten Bereich zu verlagern.

    Nur ganz so einfach ist das nicht.

    Ein Grund dafür sind die unterschiedlichen Abrechnungssysteme, darunter der EBM. Seit drei Jahren gibt es zusätzlich die Hybrid-DRGs, über die bestimmte Eingriffe aus dem stationären in den ambulanten Bereich überführt werden.

    Bei der Vergütung liegen Hybrid-DRGs zwischen der stationären Vergütung und der Vergütung nach EBM.

    Für Krankenhäuser bringt das allerdings Probleme mit sich. Durch die Vorhaltepauschalen können sie bestimmte OPs wirtschaftlich kaum noch durchführen – entsprechend wenig attraktiv sind diese Eingriffe für sie.

    Laura sagt deshalb ganz pragmatisch: Dann könnten diese Operationen eben von ambulant tätigen Mediziner übernommen werden. Gleichzeitig gibt es politisch den Willen, eine ambulante Parallelstruktur aufzubauen. Bestimmte Leistungen können dann nur noch stationär abgerechnet werden, wenn Patient tatsächlich eine Nacht im Krankenhaus verbringen.

    Laura und Robert diskutieren die Vor- und Nachteile ambulanter Operationen. Robert operiert auch ältere Patient:innen. Entscheidend ist dabei für ihn, dass das Umfeld stimmt und die Versorgung nach dem Eingriff zuverlässig sichergestellt ist.

    Er arbeitet in einem Zentrum mit eigenem OP. Auch dort spielt Wirtschaftlichkeit natürlich eine Rolle. Kurze Wege und effiziente Abläufe sind deshalb wichtig.

    Gleichzeitig wird politisch über eine Budgetierung der Hybrid-DRGs diskutiert. Für Robert ergibt das keinen Sinn – und kann am Ende sogar zusätzliche Kosten verursachen.

    Hinzu kommt die Nachsorge. Nach Operationen im Krankenhaus landet diese häufig bei ambulanten Zentren wie dem von Robert oder bei Hausärzt:innen. Die Vergütung dafür ist allerdings unterirdisch.

    Besonders problematisch ist auch die Vergütung von Eingriffen bei Kindern, etwa im HNO-Bereich. Operationen an Rachenmandeln oder Polypen sind teilweise nicht kostendeckend. Trotzdem wird von Ärzt:innen erwartet, dass sie diese Eingriffe irgendwie „mitmachen“.

    Parallel steigt die Morbiditätslast in der Gesellschaft, während Facharzttermine immer knapper werden.

    Eine Möglichkeit ist das Kostenerstattungsverfahren. Patient:innen können darüber Privatpraxen aufsuchen, wenn sie keinen regulären Termin bekommen. Allerdings akzeptieren nicht alle Krankenkassen dieses Verfahren.

    Für Robert geht in seinen Augen zunehmend die Lust an der Versorgung durch die Kolleg:innen verloren.

    Er wünscht sich, dass sich Krankenhäuser stärker auf die Aufgaben konzentrieren, in denen sie wirklich gut sind. Dafür braucht es vor allem eine sinnvolle Steuerung.

    Auch die ärztliche Weiterbildung ist Thema. Im ambulanten Bereich wird bislang vergleichsweise wenig ausgebildet. Das liegt unter anderem daran, dass ambulante Medizin für viele Ärzt:innen in Weiterbildung bisher keine naheliegende Option ist.

    Dabei bietet sie einen entscheidenden Vorteil: Der Patient:innendurchlauf ist sehr hoch. Für die Ausbildung ist das extrem wertvoll.

    Robert hält die Hybrid-DRGs grundsätzlich für ein sehr gutes Instrument. Eine Abschaffung wäre für ihn ein klarer Rückschritt.

    Was ihm vor allem fehlt, ist Verlässlichkeit. Denn ohne verlässliche Rahmenbedingungen lässt sich ambulante Versorgung kaum langfristig planen.


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    57 min
  • Arbeitsmedizin und BGM kritisch hinterfragt | Dr. Jeanine Engelhardt

    Dr. Laura Dalhaus hat sich kritisch zu den Themen Schweigepflicht und Arbeitsmedizin geäußert. Das hat unter Arbeitsmediziner:innen für deutliche Reaktionen gesorgt.

    In der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ spricht sie deshalb mit Jeanine Engelhardt, die selbst als Arbeitsmedizinerin tätig ist.

    Jeanine erklärt, dass Arbeitsmediziner:innen in einer besonderen Konstellation arbeiten. Sie werden im Auftrag des Arbeitgebers tätig und untersuchen dessen Mitarbeitende. Trotzdem dürfen Gesundheitsdaten unter keinen Umständen an den Arbeitgeber weitergegeben werden. Auch für Arbeitsmediziner:innen gilt die Schweigepflicht.

    Komplizierter wird es beispielsweise dann, wenn Mitarbeitende aus medizinischen Gründen nicht mehr in der Nachtschicht eingesetzt werden können. In solchen Situationen muss darauf geachtet werden, dass für die Patient daraus kein Kündigungsgrund entsteht.

    Die Arbeitsmedizin hat nicht immer den besten Ruf. Schwarze Schafe gibt es allerdings in jeder Branche. Jeanine selbst arbeitet sehr gerne in diesem Bereich.

    Ein weiterer Punkt, den Laura kritisiert, sind Blutuntersuchungen in der Arbeitsmedizin. Diese werden dort durchgeführt, die Ergebnisse sollen anschließend aber teilweise in der Hausarztpraxis besprochen werden. Auch Jeanine hält dieses Vorgehen nicht für sinnvoll.

    Dadurch entstehen Parallelstrukturen und verschiedene Sektoren, die sich gleichzeitig um dieselben Patient kümmern.

    Laura berichtet außerdem von ihren Erfahrungen mit der Arbeitsmedizin in den Niederlanden. Dort wird deutlich stärker versucht, Mitarbeitende umzuschulen und andere berufliche Möglichkeiten zu schaffen, bevor Erwerbsminderungsrente oder Berufsunfähigkeit zum Thema werden.

    Kritisch sieht Laura auch Teile des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Teilweise werden umfangreiche Präventionspakete angeboten, die wiederum zu Überdiagnostik führen können – etwa beim Schilddrüsen-Screening.

    Jeanine sieht hier auch die Mediziner:innen selbst in der Verantwortung. Sie müssen klare Grenzen ziehen und entscheiden, welche Untersuchungen tatsächlich sinnvoll sind.

    Denn Prävention bietet zahlreiche Möglichkeiten, insbesondere wenn gezielt berufsbedingte Risiken berücksichtigt werden.

    Im weiteren Verlauf sprechen Laura und Jeanine über evidenzbasierte Medizin und darüber, wie sie die Bestimmung verschiedener Laborwerte bewerten.

    Auch die Zukunft der Arbeitsmedizin ist Thema. Das GKV-Sparpaket wird das Gesundheitssystem deutlich verändern und Auswirkungen auf die Versorgung der Patient haben. Jeanine wünscht sich vor allem mehr Sinnhaftigkeit in der Medizin.

    Zum Abschluss geht es um die Jugendarbeitsschutzuntersuchungen. Dabei handelt es sich nicht um eine reguläre Kassenleistung, sondern um eine Vereinbarung zwischen dem Land NRW und der Kassenärztlichen Vereinigung.

    Kinder- und Jugendärzt:innen führen diese Untersuchungen inzwischen nicht mehr flächendeckend durch, weil sie wirtschaftlich kaum darstellbar sind. Die Vergütung wurde seit den 1970er-Jahren nicht angepasst.

    Jeanine sieht die Jugendarbeitsschutzuntersuchungen deshalb als Aufgabe der Arbeitsmedizin.


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    51 min
  • Wer soll das alles bezahlen? Die große Systemfrage! | Laura zum aktuellen Stand

    Die Woche war für Dr. Laura Dalhaus alles andere als entspannt. Trotzdem startet sie diesmal mit einer guten Nachricht.

    Die FAZ hat darüber geschrieben, was Ärzt an ihrem Beruf wichtig ist – und Laura greift einige Punkte daraus auf. Denn bei all dem Frust über Politik, Bürokratie und Rahmenbedingungen darf eines nicht untergehen: Der Arztberuf selbst ist wunderbar.

    Genau deshalb lohnt es sich, für bessere Bedingungen zu kämpfen. Das System muss sich verändern, damit Ärzt:innen diesen Beruf auch weiterhin so ausüben können, wie er gedacht ist.

    Der Kanzler hat zuletzt das „Doppelsystem“ aus PKV und GKV infrage gestellt. Die Zeit hat dazu recherchiert und drei mögliche Modelle vorgestellt.

    Für Laura ist klar: Die entscheidende Diskussion muss gemeinsam geführt werden. Was kann und soll eine solidarisch finanzierte Krankenversicherung überhaupt bezahlen?

    Auch Laumann beschäftigt sich mit diesem Spannungsfeld. Er will einen fairen Ausgleich zwischen den berechtigten unternehmerischen Interessen von Praxen und dem Anspruch der Bürger auf eine Versorgung entsprechend ihrer medizinischen Dringlichkeit.

    Gleichzeitig haben Ärzt aber genauso das Recht darauf, nicht Stück für Stück in ihrer Freiberuflichkeit eingeschränkt zu werden.

    Ein weiteres Problem zeigt sich inzwischen in immer mehr Kommunen. Dort werden eigene MVZs gegründet, weil die ärztliche Versorgung anders teilweise nicht mehr sichergestellt werden kann. Nur kostet das die Kommunen viel Geld – und ob ein solches MVZ am Ende wirtschaftlich funktioniert, ist keineswegs garantiert.

    Damit landet Laura bei einer ziemlich grundlegenden Frage: Wer bezahlt eigentlich medizinische Daseinsvorsorge?

    Und dann kommt der nächste Aufreger.

    Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte fordert einen automatischen Krankenversicherungsschutz für Neugeborene. Denn der GKV-Versicherungsnachweis kommt häufig erst Wochen nach der Geburt. Für Praxen entsteht dadurch ein Regressrisiko – zum Beispiel dann, wenn Neugeborene geimpft werden.

    Es gibt aber auch eine positive Nachricht: Die Streichung der Fixkostendegression ist beschlossen.

    Das Prinzip stammt aus der Industrie: Je mehr produziert wird, desto niedriger werden die Stückkosten. Beim Autobau mag das funktionieren. In der Medizin funktioniert es eben nicht so einfach.

    Auch mit der Pharmaindustrie wird weiter verhandelt. Höhere Herstellerrabatte sollten das Gesundheitssystem finanziell entlasten. Nun wird über Ausnahmen für Unternehmen gesprochen, die ihren Sitz in Deutschland haben.

    Dann geht es wieder um Krankenhausrechnungen. Dass diese kontrolliert werden, ist grundsätzlich nachvollziehbar. Doch die Bürokratie wächst weiter – und gleichzeitig sollen auch die Prüfungen durch den MD ausgeweitet werden.

    Die Konsequenz: Health Care Professionals landen landen noch häufiger am Schreibtisch statt am Patient.

    Auch beim sogenannten „Pflegedeckel“ wird gestritten. Ein Heimplatz kostet im Durchschnitt 3.364 Euro, davon entfallen 1.775 Euro auf die reinen Pflegekosten. Ob und wie es hier Entlastungen geben soll, darüber sind sich CDU und SPD uneinig.

    Gleichzeitig werden Beschäftigte und Kinderlose stärker belastet.

    Immerhin gibt es auch hier eine gute Nachricht: Die geplanten Kürzungen bei den Rentenansprüchen pflegender Angehöriger sind vom Tisch.

    Was Laura bei all diesen Debatten nicht versteht: Die Probleme kommen nicht überraschend.

    Wir wissen seit Jahren, dass wir uns um diese Themen kümmern müssen. Dass das gesamte SGB an vielen Stellen Reformbedarf hat, ist keine neue Erkenntnis.

    Und trotzdem wirkt es immer wieder so, als hätte niemand kommen sehen, was längst vor uns liegt.


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    35 min
  • Notaufnahme, Reformversuche und Milliardenlöcher | Laura zum aktuellen Stand

    Gerade mal eine Woche ist seit der letzten Solofolge von Dr. Laura Dalhaus vergangen – und schon gibt es genug Stoff für die nächste.

    Gleich mehrere Medien berichten über völlig überfüllte Notaufnahmen. Die Situation hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das kaum noch tragbar ist. Patient:innen warten teilweise bis zu 24 Stunden auf ihre Versorgung. Ein bisschen politisches Pflasterkleben reicht da längst nicht mehr.

    Gleichzeitig schließen immer mehr Kreißsäle. In NRW gibt es aktuell nur noch 117 Geburtskliniken, vor neun Jahren waren es noch 153. Die Branche warnt bereits vor weiteren Schließungen. Parallel arbeiten Krankenhäuser seit Wochen an den Sparprogrammen für 2027 – und prüfen dabei besonders jene Abteilungen, die sich wegen unzureichender Vergütung wirtschaftlich nicht selbst tragen.


    Solange der ökonomische Druck nicht aus dem Gesundheitssystem genommen wird, wird die Versorgung weiter unter Druck geraten.


    Laura spricht außerdem über das Reanimationsvideo und den Beef mit der TK. Sie erklärt, dass einzelne Aussagen darin inhaltlich nicht korrekt waren, das Video aber ganz bewusst zugespitzt wurde. Dahinter steht für sie eine entscheidende Frage: Wenn Krankenkassen für einen Notfall lediglich eine Notfallpauschale vergüten – wie gut kann eine Versorgung in der Notaufnahme dann eigentlich funktionieren?


    Gesundheitsminister Carsten Linnemann möchte nun mehrere Omnibusgesetze in sehr kurzer Zeit auf den Weg bringen. Das soll kein Selbstzweck sein, sondern den Menschen zugutekommen. Was davon am Ende tatsächlich ankommt, wird sich zeigen.


    Ein weiteres Thema: das Arzt-Patienten-Geheimnis. Laura kritisiert, dass der Schutz vertraulicher Informationen auf der Kippe steht, und will sich weiterhin dafür einsetzen. Denn Ärzt:innen sollen beim Schutz solcher Informationen schlechter gestellt werden als Anwält:innen oder Geistliche.


    Auch bei der Zuckersteuer regt sich Widerstand in den Ländern – unter anderem vom Koordinator der CDU-geführten Bundesländer, Manfred Pentz. Da stellt sich schnell die Frage: Was hat eigentlich Priorität?


    Der Chef von dm wiederum hat das Gefühl, mit bestimmten Angeboten das Gesundheitssystem zu entlasten. Laura sieht darin eher zusätzliche Arbeit für die Versorgung. Denn Patient:innen möchten ihre Ergebnisse anschließend ärztlich eingeordnet bekommen. Für Laura ist klar: Sie ist nicht der Erklärbär für alle Player, die mit privaten Leistungen Geld verdienen.


    Auch Kanzler Merz sorgt für Gesprächsstoff. Mit zwei Sätzen hat er die Existenz der privaten Krankenversicherung infrage gestellt. Laura erklärt, wie vielschichtig dieses Thema tatsächlich ist.


    Ihre Antwort darauf ist das Primärarztsystem. In der grundsätzlichen Problembeschreibung liegt der Kanzler für Laura nicht falsch – bei den daraus gezogenen Schlüssen allerdings schon. Für die Zukunft erwartet sie zunehmend Ambulant-privat-Zusatzversicherungen.


    Für das geplante Primärversorgungssystem soll im November ein erster Gesetzesentwurf vorliegen.


    Und dann wäre da noch ein Thema, an dem man aktuell kaum vorbeikommt: der Finanzskandal im deutschen Gesundheitssystem. Durch verzocktes Geld der Krankenkassen entstand ein Schaden von 1,1 Milliarden Euro. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe arbeitet den Skandal und die eigene Rolle darin derzeit auf und verklagt nun den Vorstand.


    Außerdem wollen die Krankenkassen erneut Zugriff auf die Praxiskalender. Für Laura stellt sich damit eine grundsätzliche Frage: Wie viel Freiberuflichkeit bleibt Ärzt:innen dann eigentlich noch?


    Denn die niedergelassene Ärzteschaft trägt das finanzielle Risiko bis hin zur Haftung mit dem Privatvermögen. Gleichzeitig soll von außen in die Terminplanung eingegriffen werden. Damit steht für Laura auch der freie Arztberuf zur Debatte.


    Zum Schluss geht es – mal wieder – um Jens Spahn. Er nahm Kind-krank-Tage und flog in dieser Zeit nach Sardinien. Laura bezeichnet das als personifizierte Doppelmoral.



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    51 min
  • Zwischen Nutznießern, Digitalisierung und Geld-Verschleudern | Laura zum aktuellen Stand

    Dr. Laura Dalhaus trägt diesmal ein Shirt mit der Aufschrift „Nutznießer“. Schließlich hat Kanzler Merz die Health Care Professionals genau so bezeichnet. Laura stellt sich deshalb vor allem eine Frage: Was hat er eigentlich für Berater:innen?

    In der vergangenen Woche war sie beim Deutschen Hausärztetag. Dort hielt der KBV-Vorsitzende Herr Gassen einen Vortrag und sprach davon, dass die Versorgung der gesetzlich Versicherten vor einer Zäsur steht. Für ihn muss deshalb auch der Sicherstellungsauftrag neu bewertet werden.

    Denn eines funktioniert auf Dauer nicht: Der Ärzteschaft immer mehr Pflichten aufzubürden und ihr gleichzeitig die Rechte einer freien Ärzteschaft zu nehmen.


    Auf den neuen Gesundheitsminister Linnemann wartet jedenfalls eine ziemlich lange To-do-Liste. Die Primärversorgung wird weiter diskutiert, gleichzeitig steht das GeDIG an – das Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen. Ärzt:innen sehen das kritisch, weil Krankenkassen dadurch weitreichenden Einblick in die Daten ihrer Versicherten erhalten.


    Und damit nicht genug: Auch das Pflege-Neuordnungsgesetz und das Gesundheitssicherstellungsgesetz stehen auf der Agenda. Das Gesundheitssystem soll resilienter werden und im Katastrophenfall handlungsfähig bleiben. Nur: Im normalen Alltag steht es bereits kurz davor, an seine Grenzen zu kommen.


    Ein weiteres Highlight für Laura: das Bürokratieabbaugesetz. Was davon am Ende tatsächlich als Bürokratieabbau übrig bleibt, wird sich zeigen.


    Dann wäre da noch die Notfallreform. Geplant ist unter anderem eine neue Struktur mit einem zusätzlichen Hausbesuchsdienst rund um die Uhr. 24/7 also. Die entscheidende Frage: Wer soll das eigentlich leisten?


    Auch die Primärversorgung bleibt politisch auf dem Tisch. Thomas Ballers, Stellvertreter von Jens Baas, hat die Reihenfolge noch einmal bekräftigt: digital vor ambulant vor stationär.


    Gerade in der Notfallmedizin läuft schon heute vieles über Flussdiagramme. Damit sind die Chatbots schon überfordert. Dieses System für noch mehr Beratungsanlässe zu öffnen, ist für Laura eine Utopie.


    Der Digitalisierungswahn der TK hat bereits Konsequenzen: Hunderte Psychotherapeut:innen haben die TK aus Protest verlassen. Der daraus entstandene Verlust sollte bei rund vier Millionen Euro liegen.


    Für den nächsten Aufschrei sorgen 15 Krankenkassen: Sie haben bei Spekulationsgeschäften 1,1 Milliarden Euro verloren. Welche Krankenkassen betroffen sind, wird allerdings nicht veröffentlicht. Laura hält genau diese fehlende Transparenz für fragwürdig.


    Gleichzeitig soll eine neue Kommission dafür sorgen, dass die Pharma-Branche durch Subventionen geschont wird. Patient:innen dagegen sollen künftig bis zu 15 Euro zuzahlen pro Medikament.


    Und irgendwo zwischen all diesen Baustellen verhandeln Krankenkassen und Kassenärztliche Bundesvereinigung auch noch über den Orientierungswert.


    Auch die Unikliniken bekommen ihr eigenes Kapitel. Laura bringt einen Fall mit, bei dem ein Medikament für 11.000 Euro pro Monat verschrieben wurde. Würde ein:e niedergelassene:r Ärzt:in eine solche Verordnung ausstellen, könnten riesige Regresse drohen.

    Genau da liegen für Laura die Hausaufgaben der Politik.


    Dann gibt es noch die MVZs. Bei ihnen wird immer undurchsichtiger, welche Investor:innen eigentlich dahinterstehen.

    Dabei schaffen niedergelassene Praxen Arbeitsplätze und sorgen für Kaufkraft. Nur scheint genau das in der Politik nicht besonders viel Aufmerksamkeit zu bekommen.


    Praxen selbst müssen übrigens ziemlich transparent sein: Sie müssen offenlegen, wer sie sind, welche Fachärzt:innen dort arbeiten und was abgerechnet wird. Für den Medizinischen Dienst gelten diese Anforderungen nicht in gleicher Weise. Laura fordert deshalb auch beim MD mehr Transparenz.


    Und dann geht es noch um die Krankenkassen selbst. Künftig sollen sie ihre Versicherten nicht mehr über eine Erhöhung des Zusatzbeitrags informieren müssen. Das schwächt allerdings den Wettbewerb zwischen den Kassen – genau den Wettbewerb also, den die Politik eigentlich wollte.


    Zum Schluss spricht Laura über die Wahl in Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis lässt sie fassungslos zurück. Sie kann nicht nachvollziehen, wie Hass und die Abwertung anderer Menschen gesellschaftsfähig werden konnten.


    Vor allem vor Kolleg:innen zieht sie dabei den Hut.



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    41 min
  • Medizin-Controlling zwischen Widerspruch, Verschlüsselung und Wahnsinn | Martin Sonntag

    Wie kommt ein Krankenhaus eigentlich an sein Geld? Ein Teil der Antwort heißt Medizin-Controlling. Medizin-Controller:innen beschäftigen sich mit der Verschlüsselung von Leistungen, machen sie damit abrechenbar – und landen regelmäßig in Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst.

    Ein Thema, über das sich Dr. Laura Dalhaus immer wieder ordentlich echauffiert. Deshalb hat sie Martin Sonntag, selbst Medizin-Controller, zu „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ eingeladen.

    Im Krankenhaus dreht sich bei der Abrechnung vor allem alles um zwei Bereiche: die DRG-Abrechnung und die Abrechnung der Fachabteilung der Psychiatrie.

    Klingt technisch. Ist es auch.

    Medizin-Controlling kann man sogar studieren. Denn Medizin ist eben nicht schwarz oder weiß – und bei der Frage, was wie abgerechnet werden darf, gehen die Vorstellungen durchaus auseinander.

    Martins Hauptaufgabe besteht darin, Gutachten zu prüfen und Widersprüche zu verfassen. Aktuell gibt es rund 1,3 Millionen Krankenhaus-Abrechnungsprüfungen durch den Medizinischen Dienst. Durch das GKV-Spargesetz könnten es künftig rund zwei Millionen mehr werden.

    Derzeit liegt die Prüfquote bei 10 Prozent. Damit landet jede zehnte Krankenhausrechnung beim Medizinischen Dienst. Etwa die Hälfte der geprüften Rechnungen wird negativ beanstandet.

    Und wenn es anschließend vor Gericht geht, braucht niemand mit einer schnellen Entscheidung zu rechnen. Ein Klageverfahren kann allein in der ersten Instanz gut fünf Jahre dauern. Bis ein Urteil vorliegt, sind die betroffenen Patient:innen häufig schon neun oder zehn Jahre aus dem Krankenhaus entlassen.

    Nur geht die Rechnung dabei nicht wirklich auf: Betrachtet man allein die Zahlen, bringen die Prüfungen weniger ein, als die damit verbundenen Kosten eigentlich rechtfertigen würden.

    Durch die Rechnungskürzungen erhofft sich der Gesetzgeber Einsparungen von 1 bis 1,6 Milliarden Euro. Welche zusätzlichen Verwaltungskosten die veränderten Prüfquoten verursachen, scheint für die Politik dabei keine entscheidende Rolle zu spielen.

    Besonders absurd wird es an einem anderen Punkt: Menschen, die heute Jobs wie Martin machen, kommen ursprünglich häufig aus der Patient:innenversorgung. Gleichzeitig soll dieser Bereich weiter ausgebaut werden – und damit fehlen genau diese Fachkräfte an anderer Stelle in der Versorgung.

    Natürlich landet auch die Dokumentation wieder auf dem Tisch. Der MD hinterfragt regelmäßig, ob das Dokumentierte tatsächlich stimmt. Teilweise entsteht dabei der Eindruck, dass der Nachweis über die geleistete Arbeit wichtiger geworden ist als die eigentliche Arbeit mit und an Patient:innen.

    Laura kritisiert außerdem, dass der Facharztstandard beim Medizinischen Dienst nicht immer eindeutig ist und auch nicht in jedem Fall zu den zu prüfenden Fällen passt.

    Dahinter steckt eine Misstrauenskultur: Der MD geht davon aus, dass Controller:innen zusammensitzen und überlegen könnten, wie sich Krankenkassen bei der Abrechnung austricksen lassen.

    Auch bei der geplanten Verringerung der Zahl der Krankenkassen sieht Laura ein Problem. Gerade kleinere Krankenkassen, die sehr gute Arbeit leisten, könnten dabei verschwinden. Gleichzeitig braucht es keine 93 Krankenkassen.

    Bei all den Prüfquoten, Gutachten, Widersprüchen und Abrechnungen gerät ein Punkt erstaunlich schnell aus dem Blick: die Patient:innenbehandlung.

    Denn hinter jedem Fall, über den entschieden und gestritten wird, steht ein Mensch.

    Martin rechnet im kommenden Jahr mit noch mehr MD-Prüfungen und noch mehr negativen Gutachten. Ein ziemlich ernüchternder Ausblick.

    Die beiden wollen deshalb noch einmal miteinander sprechen, sobald das neue Jahr läuft – und dann schauen, was die Veränderungen für den Alltag im Medizin-Controlling tatsächlich bedeuten.


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    56 min
  • Apotheke oder Hausarztpraxis: Wer übernimmt was? | Leon Preschel

    Eine Berufsgruppe hat bei „5 Minus“ bislang komplett gefehlt: Apotheker:innen. Nachdem Laura Dalhaus' Aussage zum Impfen in Apotheken ordentlich Diskussionsstoff geliefert hat, ist diesmal Leon Preschel zu Gast – Apotheker und damit direkt mittendrin in einer Versorgung, die politisch immer weiter umgebaut wird.

    Sein Urteil zur Gesundheitspolitik fällt in vielen Punkten negativ aus. Bei der Apothekenreform und der Erweiterung der Kompetenzen sieht er allerdings auch Chancen.

    Los geht es mit einem Thema, das schon vorher für Reibung gesorgt hat: Impfen in Apotheken. Laura erklärt, wie Impfungen in Hausarztpraxen vergütet werden und warum Regresse dabei weiterhin ein reales Risiko sind.

    Dabei wäre das Ziel eigentlich simpel: Die Impfquote soll steigen.

    Danach geht es um POC, also Point of Care-Diagnostik. Apotheker:innen sollen damit Werte wie Vitamin D oder B12 unkompliziert bestimmen können. Leon beschreibt, dass Patient:innen teilweise schon daran scheitern, überhaupt Ärzt:innen zu finden. Apotheken könnten deshalb einen Teil dieser Versorgungslücke auffangen.

    Aber Versorgung funktioniert nicht im Alleingang. Deshalb sprechen die beiden auch über die Zusammenarbeit zwischen Apotheken und Praxen. Leon wünscht sich dafür einen funktionierenden technischen Kommunikationsweg.

    Außerdem erklärt er, was bei einer Medikationsanalyse passiert. Denn in der Realität läuft es eben nicht immer sauber zusammen: Ein:e Fachärzt:in empfiehlt das eine Medikament, ein:e andere:r das nächste – und am Ende passen die Präparate womöglich gar nicht zusammen.

    Auch bei Originalpräparaten und Generika steckt einiges an Sprengstoff drin, vor allem finanziell. Leon spricht außerdem über Import-Arzneimittel und die Unterschiede zu hier vertriebenen Arzneimitteln. Wirkungen und Nebenwirkungen können sich unterscheiden. Deshalb schaut er genau auf die einzelnen Patient:innen und mögliche Wechselwirkungen.

    Und dann geht es an ein größeres Thema: Wie blickt ein Pharmazeut eigentlich auf die Pharmaindustrie? Und was ist von Tino Sorges Aussage zu halten, die Gesundheitsversorgung sei für den Pharmastandort Deutschland verantwortlich?

    Leon trennt hier klar zwischen forschenden Pharmaunternehmen und Generika-Herstellern. Für ihn ist entscheidend, dass Produktionsstätten für Medikamente in Europa bleiben und nicht weiter nach Asien und in andere Regionen ausgelagert werden.

    Laura bringt anschließend das Dispensierrecht auf den Tisch, besonders mit Blick auf den Notdienst. Die Situation kennt sie aus der eigenen Praxis: Sie fährt im Notdienst zu einer Person, verschreibt ein Medikament – und danach darf die Person erst einmal herausfinden, wo überhaupt eine Notapotheke geöffnet hat.

    Leon hat Ideen für eine andere Organisation des Apotheken-Notdienstes. Das Dispensierrecht selbst sieht er jedoch kritisch.

    Laura macht deutlich: Gerade in kritischen und akuten Situationen braucht es die Zusammenarbeit von Apotheken und Praxen vor Ort. Genau dann zählt nicht irgendeine Versandstruktur, sondern eine funktionierende Versorgung direkt vor Ort.

    Auch Leon sieht insbesondere ausländische Versandapotheken kritisch. Für ihn sind sie eher Logistikunternehmen als echte Versorgungsstrukturen.

    Und am Ende bleibt ein Punkt, der sich nicht schönreden lässt: Die Politik darf die Rahmenbedingungen dieser Berufe nicht weiter kaputtmachen. Fachkräftemangel gibt es längst, Apotheken verschwinden und immer weniger Menschen ziehen Medizin überhaupt noch als Beruf in Betracht.

    Leon auf Instagram und TikTok: @leon.pharmazie

    Leon’s Onlineshop: www.leon-pharmazie.shop

    Foto von Leon: Wort & Bild Verlag / Andreas Müller

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    1 hr 20 min
  • Gynäkologie in 2027: Wie sieht die Versorgung aus? | Esther Scherrenbacher

    Die ambulante Versorgung steht massiv unter Druck – und das betrifft auch die Gynäkologie. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in der neuen Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Dr. Esther Scherrenbacher.

    Für Esther ist derzeit völlig offen, wie viele Schwangere sie 2027 noch in ihrer Praxis betreuen kann. Grund dafür sind die Auswirkungen des GKV-Spargesetzes. Als Gynäkologin macht sie diese Unsicherheit betroffen, denn bislang war es selbstverständlich, Schwangere zuverlässig versorgen zu können.

    Laura kritisiert außerdem einen Widerspruch im System: Krankenkassen erinnern Patient:innen an Präventionsangebote – teilweise sogar dann, wenn diese Untersuchungen gerade erst stattgefunden haben. Hintergrund ist, dass die Kassen verpflichtet sind, bestimmte Mittel für Prävention einzusetzen. Gleichzeitig werden jedoch Leistungen wie die gynäkologische Krebsvorsorge und die Betreuung von Schwangeren budgetiert.

    Eine klassische Warteliste führt Esther inzwischen nicht mehr. Der organisatorische Aufwand dafür war für ihre MFAs schlicht zu groß. Stattdessen arbeitet sie erfolgreich mit kurzfristig verfügbaren Last-Minute-Terminen. Ihre offene Sprechstunde wird sie mit Blick auf 2027 allerdings neu strukturieren müssen.

    Auch Laura hat in ihrer Praxis bereits verschiedene Konsequenzstufen eingeführt. Viele Leistungen aus ihren Zusatzqualifikationen hat sie bisher ohne zusätzliche Berechnung angeboten. Im kommenden Jahr wird das so voraussichtlich nicht mehr möglich sein. Leistungen aus Bereichen wie Sportmedizin, manueller Therapie oder Ernährungsmedizin wird sie dann häufiger als IGEL-Leistungen abrechnen müssen.

    Zusätzlich kompliziert wird die Situation dadurch, dass ein und dieselbe Leistung nicht einmal gesetzlich und ein anderes Mal privat abgerechnet werden darf. Berufsrechtlich ist genau das untersagt.

    Auch bei der Mammographie zeigt sich für die beiden Ärztinnen ein Widerspruch: Die Leistung wurde budgetiert, während gleichzeitig der Kreis der Patientinnen erweitert wurde, die einen Anspruch darauf haben.

    Esther stammt selbst aus einer Familie von Gynäkologen und ist mit großer Leidenschaft Ärztin. Trotzdem sorgen die aktuellen Rahmenbedingungen bei ihr zunehmend für Unruhe.

    Ein weiteres Thema sind mögliche Regresse. So kann Esther beispielsweise in der Schwangerschaft nicht ohne Weiteres eine TSH-Bestimmung durchführen, obwohl diese Untersuchung die Versorgung in bestimmten Situationen deutlich vereinfachen könnte.

    Laura macht deutlich, dass ein funktionierendes Gesundheitssystem auch eine demokratische Bedeutung hat. Gerade angesichts der aktuellen politischen Lage ist es besonders wichtig, eine stabile und verlässliche Gesundheitsversorgung zu sichern.

    Umso wichtiger ist für beide Ärztinnen der Austausch mit Kolleg:innen. Laura beobachtet inzwischen eine Art zunehmenden Widerstand innerhalb der Ärzteschaft gegenüber politischen Entscheidungen. Die Möglichkeiten, darauf aufmerksam zu machen, sind allerdings begrenzt – streiken dürfen Ärzt beispielsweise nicht ohne Weiteres.

    Viele Patient wissen bislang kaum, welche Veränderungen 2027 auf sie zukommen könnten. Entsprechend groß dürfte bei einigen die Überraschung sein, wenn bestimmte Angebote künftig nicht mehr im bisherigen Umfang verfügbar sind.

    Von Herrn Linnemann wünscht sich Esther vor allem eine Entbudgetierung der ambulanten Versorgung. Hinzu kommen für sie der dringend notwendige Abbau von Bürokratie, eine konsequentere Digitalisierung und mehr Wertschätzung für die Arbeit der niedergelassenen Ärzt:innen seitens der Politik.

    Laura kritisiert, dass die Bedeutung der ambulanten Ärzteschaft für das Funktionieren des gesamten staatlichen Systems politisch offenbar unterschätzt werde. Viele Aufgaben und Bescheinigungen, die heute in den Praxen erledigt werden, könnten nicht einfach auf den stationären Bereich übertragen werden – insbesondere dann nicht, wenn dort zusätzlich umfangreiche Papierstapel bearbeitet werden müssten.

    Zum Abschluss geht es außerdem um § 218. Beim Deutschen Ärztetag 2025 hat sich Laura intensiv dafür eingesetzt, dass sich die Ärzteschaft geschlossen gegen die Kriminalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen positioniert. Eine einheitliche Haltung innerhalb der Gynäkologie nimmt sie in dieser Frage bislang jedoch nicht wahr.

    Zum Instagram-Profil von Esther: https://www.instagram.com/dr.scherrenbacher


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  • Wir bürokratisieren die Pflege kaputt | Christine Vogler

    Wir alle werden älter – und damit wächst auch die Zahl der Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Ohne Pflege wird das nicht funktionieren. Darüber spricht Dr. Laura Dalhaus in dieser Folge von „5 Minus – Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel“ mit Christine Vogler, Vorsitzende des Deutschen Pflegerats.

    In Deutschland kommen 1,7 Millionen Pflegende auf 6 Millionen Pflegebedürftige allein in der ambulanten Versorgung. Aufgrund der demographischen Entwicklung wird der Bedarf in den kommenden fünf bis zehn Jahren massiv steigen.

    Damit nähert sich das System einem Kipppunkt: Wie lange können wir die notwendige Versorgung unter den aktuellen Bedingungen überhaupt noch finanzieren und sicherstellen?


    Ein großer Teil des Problems ist die Bürokratie. Zwischen 20 und 30 Prozent der Arbeitszeit entfallen auf Dokumentation. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Prüfmechanismen dafür, dass nahezu jeder Schritt nachgewiesen werden muss.


    Der Deutsche Pflegerat setzt sich deshalb dafür ein, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern, statt die Belastungen weiter zu erhöhen.


    Laura erlebt die Auswirkungen der Bürokratie regelmäßig im Altenheim. Besonders der Medizinische Dienst bringt sie auf die Palme, wenn für jede mögliche Eventualität eine zusätzliche schriftliche Anordnung verlangt wird.


    Für Christine beginnt der Irrsinn bereits bei den unterschiedlichen Zuständigkeiten und Finanzierungssystemen. Ein Toilettenstuhl wird beispielsweise mal von der Pflegekasse und mal von der Krankenkasse bezahlt – abhängig von der jeweiligen Situation der pflegebedürftigen Person.


    Durch das neue GKV-Stabilisierungsgesetz wurde zudem ein großer Teil dessen zunichte gemacht, was zuvor auf politischer Ebene durch die Deutsche Krankenhausgesellschaft und verdi erarbeitet worden war.


    Laura sieht noch ein weiteres strukturelles Problem: Health Care Professionals bringen häufig ein besonders ausgeprägtes Verantwortungsgefühl mit. Die Kolleg:innen im Stich zu lassen, kommt für viele schlicht nicht infrage – selbst wenn die eigene Belastungsgrenze längst erreicht ist.


    Gleichzeitig unterscheidet sich die Pflege in Deutschland deutlich von anderen Ländern, in denen sie als Studium organisiert ist. Die Pflegeausbildung ist hochkomplex und umfasst zahlreiche Bereiche – von Gyn über Kinder und Psychiatrie bis hin zur Altenpflege.


    Für Laura ist deshalb völlig unverständlich, warum diese gut ausgebildeten Fachkräfte nicht deutlich mehr Verantwortung übernehmen dürfen. Eine Pflegeverordnung kann eine erfahrene Pflegekraft in vielen Fällen besser beurteilen als ein:e Ärzt:in. Auch Christine sieht großes Potenzial in der interprofessionellen Zusammenarbeit: Jeder Beruf sollte seine tatsächlichen Kompetenzbereiche auch ausleben dürfen.


    Die beiden sprechen außerdem darüber, dass identische oder vergleichbare Leistungen unterschiedlich vergütet werden – abhängig davon, wer sie erbringt. Ein Beispiel ist das Impfen, das in der Hausarztpraxis budgetiert ist. Gleichzeitig macht Laura die Vorstellung wütend, dass das Gesundheitssystem auch noch Verantwortung für den Pharmastandort Deutschland übernehmen soll. Währenddessen müssen Pflegekräfte dokumentieren, ob sie einer pflegebedürftigen Person die Haare gekämmt haben. Wie soll das zusammenpassen?


    Auch bei medizinischen Tätigkeiten gibt es Grenzen, die Laura und Christine hinterfragen. Aufgaben wie Drainagen, Blut abnehmen oder Zugänge legen könnten teilweise von Pflegekräften übernommen werden, dürfen aber nur von Ärzt:innen durchgeführt werden. Statt Versorgung zu erleichtern, stehen solche Strukturen einer guten Patientenversorgung mitunter sogar im Weg.


    Doch wie sieht es auf politischer Ebene aus?


    Christine arbeitet als Präsidentin des Deutschen Pflegerats ehrenamtlich. In Deutschland gibt es lediglich zwei Kammern, auf Bundesebene fehlt es jedoch an einer klaren Aufgabenübertragung an die Pflege. Auch zentrale Stellen oder eine Pflegeberichterstattung existieren nicht. Für eine vernünftige Planung der Gesundheitsversorgung ist das aus ihrer Sicht eine Katastrophe.


    Hinzu kommt die aktuelle Diskussion um Kürzungen bei den Pflegegraden. Auch soziale Ungerechtigkeiten werden dadurch verschärft, dass keine Rentenpunkte mehr gesammelt werden sollen, wenn Menschen ihre Angehörigen pflegen.


    Laura würde sich stattdessen ein deutlich einfacheres Prinzip wünschen: Behandelt werden sollte das, was tatsächlich behandelt werden muss.


    Ein Kernproblem bleibt für sie der Medizinische Dienst und die damit verbundene Bürokratie. Das Misstrauen gegenüber Health Care Professionals ist enorm, während bestehende Verwaltungsstrukturen behandelt werden, als wären sie „gottgegeben“. Ähnliches erlebt sie bei den Krankenkassen: Statt Versorgung einfacher zu machen, wird nach Fehlern bei Ärzt:innen gesucht, um Leistungen am Ende nicht bezahlen zu müssen.



    Zur Website vom Deutschen Pflegerat: https://deutscher-pflegerat.de/


    Zum Deutschen Pflegerat auf Instagram: https://www.instagram.com/deutscher_pflegerat/




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5 Minus - Das Gesundheitssystem verfehlt das Klassenziel.