Der Aachener Vertrag beraubt Deutschland und Frankreich eines Teils ihrer Souveränität, um beide Länder kriegsbereit zu machen.
Von Aaron Rosenbaum.
Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in Paris den Élysée-Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Dieser Vertrag dient in erster Linie der Völkerverständigung und dem Frieden. Der Aachener Vertrag vom 22. Januar 2019 dient dagegen in erster Linie dem Krieg, denn das gemeinsame militärische Agieren beider Staaten und die militärische Aufrüstung stehen im Vordergrund.
Wie bei allen internationalen Pakten und Verträgen, die jüngst unterschrieben wurden, so fehlt es auch diesem Vertrag nicht an Diabolik. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte große Probleme mit Protesten im eigenen Land, als der Vertrag vorbereitet wurde. Die „Gelbwesten“ in Frankreich machten international von sich reden.
Wie bei allen Protesten hätte die französische Regierung auch diesen als Bürgerkrieg bezeichnen können. In dem Augenblick, wo der Regierung ein Protest außer Kontrolle gerät, setzt sie das Militär ein. Der Aachener Vertrag würde es erlauben, dass die Bundeswehr Proteste französischer Bürger niederschlägt. Der Einsatz der Bundeswehr zur Unterdrückung von Volksaufständen ist also keine Fiktion.
Letztes Jahr übte die Bundeswehr in Schnöggersburg Häuserkämpfe und Straßenschlachten im Inneren, weil man sich auf Bürgerkriegsszenarien vorbereitet. Im Aachener Vertrag findet sich dazu die harmlose Formulierung: „Zusammenarbeit zwischen ihren Streitkräften mit Blick auf eine gemeinsame Kultur und gemeinsame Einsätze.“ (1)
Es ist erstaunlich, dass zeitgleich mit der Ausarbeitung des Aachener Vertrages die Bundeswehr seit 1955 das erste Mal solch eine Übung durchführt. Die Problematik bei der gewaltsamen Unterdrückung von Protesten im eigenen Land sind die Polizei und die eigenen Soldaten, denn diese sind psychologisch gehemmt. Mit einer fremdstaatlichen Armee lassen sich Aufstände einfacher niederschlagen.
Die Autonomie Deutschlands, selbst zu bestimmen, wo Bundeswehrsoldaten eingesetzt werden, ist durch diesen Vertrag abgeschafft. Die Bundesregierung kann jetzt freundschaftlich dazu genötigt werden, an einem Krieg teilzunehmen, an dem sie nicht teilnehmen will.
Vielleicht in kälteren Regionen, anstatt den behaupteten wärmeren Regionen der Welt. Das ist einer der größten fremdstaatlichen Eingriffe in die Verteidigungs- und Außenpolitik der BRD seit ihrem Bestehen.
Mit diesem Vertrag wird die Beziehung zu Russland geschwächt (2). Umso stärker sich Deutschland an Frankreich bindet, wie es der Vertrag vorsieht, desto eingeschränkter ist Deutschland im Aufbau einer freundschaftlichen Beziehung zu Russland. Dieser Vertrag hätte nur zeitgleich mit einem Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und Russland unterschrieben werden dürfen.
Hauptziel dieses Vertrages soll die Bildung eines französisch-deutschen Superstaates im Herzen Europas sein. Dass zur Vertragsunterzeichnung Aachen ausgewählt wurde, kommt dabei nicht von ungefähr, war diese Stadt doch Residenz Karls des Großen, dessen Frankenreich sich über das heutige Deutschland und Frankreich erstreckte.
Vollkommen offen ist, wer die Regierung in diesem neuen „Nicht-Nationalstaat“ bilden soll, welche Gesetze Anwendung finden, welche Verfassung gelten soll, wie der Ausstieg aus der Atomenergie funktionieren soll und vieles mehr.
In Artikel 20 heißt es: „Beide Staaten vertiefen die Integration ihrer Volkswirtschaften hin zu einem deutsch-französischen Wirtschaftsraum mit gemeinsamen Regeln.“ Diese Erklärung kommt praktisch der Auflösung der europäischen Währungsunion gleich. Es ist nicht mehr von einem vereinten Europa, von einem Zusammenwachsen aller Mitgliedsstaaten oder einer Beteiligung aller Mitglieder die Rede,