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  • CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG – Deutsche Kakteengesellschaft
    CactusPodcast: Episode 044 – Philipp inside DKG – Deutsche Kakteengesellschaft

    Ich bin Ulrich Haage und ich bin heute auf Podcast-Exkursion. Genau gesagt melde ich mich aus Hamburg, Hauptbahnhof, auf Gleis 11. Und ich bin auf dem Weg zu meinem heutigen Gast. Wir treffen uns heute in einer Gärtnerei und ich rechne damit, dass mir heute so viele Stacheln begegnen werden, wie ich auch zu Hause in den Gewächshäusern gestochen werden könnte.

    Rosen?

    Ich treffe heute Philipp bei seiner Arbeit und zwar in einer Rosengärtnerei. Warte! Es geht heute trotzdem um Kakteen! Philipp ist Mitte 20 und ich mutmaße, dass er seit etwa 15 Jahren vernarrt in Kakteen ist. Mit 12 hat er denn Chemnitzer Umweltpreis bekommen. Und einen Brief an seine Oberbürgermeisterin geschrieben und sich für den Erhalt des Botanischen Gartens eingesetzt. Er ist Künstler, malt in seiner Freizeit und. hat gerade sein Studium an der HTW Dresden abgeschlossen. In seiner Bachelorarbeit hatte sich tief in ein ziemlich spannendes Thema eingearbeitet. Ganz grob, es geht um Pflanzenlicht bei der Kultur von Lophophora.
    Last but not least Philipp engagiert sich bei der Deutschen Kakteengesellschaft und kümmert sich dort um die Social Media Belange.
    Und ich bin echt neugierig, was er uns darüber erzählt.
    Ich habe jetzt eine Verabredung.

    CactusPodcast Episode 044 - Philipp inside DKG - Deutsche Kakteengesellschaft

    von Ulrich Haage | Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster auf cactusblog.de | CactusPodcast

    https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2025/08/CP44-philipp-inside-dkg-deutsche-kakteengesellschaft.mp3
    Kakteen im Gewächshaus: Eine dann doch unerwartete Begegnung
    Wir sind im Gewächshaus und wir gucken heute auf Araukarien – weil ich mit meiner Erwartung völlig falsch lag!
    Wir sind heute nicht bei Rosen Kordes, sondern bei Kordes Jungpflanzen. Hier werden keine Rosen angebaut, sondern Jungpflanzen für Baumschulen in ganz Europa produziert. Vorhin hatten wir noch einen kurzen Schnack mit Christian Kordes, der Chef. Philipp ist hier in der Gärtnerei in Züchtung tätig 
    Philipp war sehr nett und hat uns in ein Gewächshaus eingeladen. Vor uns auf den Tischen stehen etwa 5000 Araukarien-Sämlinge. Ich habe sowas vorher noch nicht gesehen. Man kann schon die Araucaria erkennen, manche haben wie ein Hütchen – also noch die Reste der Samenhülle oben am Austrieb stecken – und die wachsen hier vor sich hin. Es ist richtig schön warm, die Sonne scheint, und wenn ihr zwischendurch ein lautes Quietschen und Getöse hört, dann ist das der automatische Schatten, damit es uns nicht unangenehm warm wird. Manchmal gibt es auch Flugzeuge oder anderes Geflügel über uns.
    Jetzt die erste Frage:wie bist du zu den Kakteen gekommen?
     
    Philipps Weg zu den Kakteen
    ** Philipp ** Das weiß ich ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau. Ich interessiere mich schon mein Leben lang für Pflanzen und schon in der Schule war ich in einer Botanik-AG im Botanischen Garten in Chemnitz, da komme ich her. Pflanzen waren immer irgendwie interessant für mich.
    Das mit den Kakteen kam irgendwann, ungefähr zu Beginn meines Studiums – ich habe Gartenbau in Dresden studiert und da ging das los, im Zierpflanzenbau. Und ja, dann bin ich dieses Rabbit Hole immer tiefer hinabgestiegen. (Also es sind keine 15 Jahre, wie ich es vorhin erzählt habe.)

    **Ulrich:** Weißt du, was dich angefixt hat? Hast du den Stich erlebt, als der Kakteen-Virus bei dir injiziert wurde?

    **Philipp:** Auch das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich habe mir irgendwann mal einen Kaktus auf die Fensterbank gestellt.  Eine Mammillaria geminispina – und dazu kam dann irgendwann ein zweiter und ein dritter und ein vierter, und dann war die Fensterbank irgendwann voll. Und dann war die nächste Fensterbank dran. So ging es bei mir los. Ich bin zwischendurch mal umgezogen, weil die Fensterbretter voll waren. Nein, nein, das nicht, aber ich hatte in der nächsten Wohnung tatsächlich ein paar Fensterbretter mehr.

    **Ulrich ** Deine Eltern haben dich da unterstützt?

    **Philipp:** Oh ja, doch, kann man so sagen. Meine Mutter hat mir zum Geburtstag mal einen Gutschein zum CactusWorkCamp geschenkt, das war unsere erste Begegnung.

     

    Mentoren und die Faszination für Kakteen

    **Ulrich ** Gab es jemanden, der dich bei den ersten Kakteen begleitet hat? Gab es einen Mentor für dich, der dir so bei den ersten Sammlungen, bei den ersten Pflanzen geholfen hat und dir erklärt hat, wie das geht, oder hast du das alles selber erobern dürfen?

    **Philipp ** So richtig an die Hand genommen wurde ich nicht. Ich habe mich viel in Büchern und in Foren belesen. Wahrscheinlich gab es eine ganze Menge Leute, die mich da inspiriert haben. Aber ich glaube, wenn ich jetzt anfangen würde, Namen aufzuzählen, würde ich irgendjemanden vergessen.

    Ich blättere gerne durch die „KuS“ (Kakteen und andere Sukkulenten) und bleibe an verschiedenen Artikeln hängen. Vor allem Reiseberichte.Aber auch da ist jetzt kein Autor, der mich ganz besonders beeinflusst hätte.

    **Ulrich ** Okay, muss ja nicht, das war jetzt nur so die Überlegung. Manchmal hat man dann irgendwie eine Person in Erinnerung. Also ich müsste bei mir auch graben, ich wüsste jetzt auch nicht, aber eben gut, ich habe natürlich auch so ein Stück weit an der Quelle gesessen. Wenn es in der Pflanzenwelt etwas gibt, das bei mir initial das Interesse geweckt hat, dann war das die Zeit im Botanischen Garten in Chemnitz. Da gab es einen Lehrer, im Schulbiologiezentrum der hat diese AG gemacht, der hat mich in das ganze Thema Pflanzen reingebracht – nicht speziell Kakteen, aber ich bin ja vielseitig interessiert, sonst würde man wahrscheinlich als Kakteenliebhaber auch nicht in der Baumschule lande. Das kann man als den Anfang sehen.

     

    Umweltschutz und Kakteen: Philipps frühes Engagement

    **Ulrich ** Du hast mit zarten zwölf Jahren schon einen Umweltpreis gekriegt?

    **Philipp:** Den Umweltpreis der Stadt Chemnitz. Damals haben wir uns mit Ackerwildkräutern im Raum Chemnitz beschäftigt

    **Ulrich ** Und dann stand irgendwann dem Botanischen Garten das Wasser bis zum Hals. Da hast du dich dann dafür eingesetzt und hast gesagt: Liebe Stadtverwaltung…

    **Philipp:** …so nicht!

    Da hast du aber ganz schön tief gekramt!

    **Ulrich ** Zurück zu den Kakteen: Was sticht dich sozusagen? Gibt es irgendwas, wo du sagst, das fasziniert mich ganz besonders an den Kakteen?

    **Philipp:** Ich glaube, es ist diese Vielfalt an Überlebensstrategien, die diese Pflanzenfamilie über Jahrmillionen entwickelt hat. Also wenn du die Lebensräume anschaust, die von Epiphyten die Regenwälder im Amazonas oder auch in anderen feuchten Gebieten bewohnen – auch ganz, ganz wild habe ich neulich gesehen, eine Mammillaria, die auf so einer Eiche auf dem Kork wächst – eher zufällig, das ist ja kein geplanter Epiphyt, aber sowas ist total interessant. Und dann die Küstennebelregionen, wo Pflanzen das Wasser aus der feuchten Luft auskämmen, und das reicht denen, um zu wachsen. Oder im Extremen: großartige Pflanzen, die gehen dort Meter tief, bis sie irgendwann am Grundwasser sind. Sind die eigentlich gar keine Sukkulenten? Irgendwo scheint dieser Überlebensinstinkt oder diese Überlebensstrategie dazu geführt zu haben, dass diese Pflanzen bis jetzt nicht ausgestorben sind, und das ist einfach Wahnsinn. Also das holt mich halt so ab, diese Vielfalt an Methoden, unter widrigsten Bedingungen einfach weiterzuleben und diesen Lebensraum für sich zu erschließen.

     

    Kakteen, Klimawandel und dynamische Sammlungen

    *Ulrich ** Ist das eine Sache, die auch mit dem Klimawandel vielleicht erklärbar ist?

    **Philipp:** Wie meinst du das genau?

    **Ulrich ** Naja, also als ich in deinem Alter war, da hat die Braunkohleheizung die Luft versaut. Und dann gab es das Ozonloch, was wir irgendwie wieder zu kriegen mussten. Und heute brennt die ganze Welt.

    [Ich weiß nicht, ob man die Möwen über dem Gewächshaus hört, wir sind wirklich richtig im Norden.]

    **Philipp:** Das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Klimawandel – klar, das beschäftigt, glaube ich, jeden Menschen in meiner Generation und in den Generationen, die jetzt nach mir noch kommen, die wird das noch mal mehr beschäftigen. Es gibt von Detlef Metzing, dem Artenschutzbeauftragten der DKG, einen sehr interessanten Vortrag, wie sich die Kakteenpopulation mit den aktuellen Klimawandelprognosen verschieben würden. Also welche Arten sich ausbreiten, vorausgesetzt, die Pflanzen sind schnell genug in der Reproduktion.

    **Ulrich ** Wenn du jetzt auf deine Fensterbänke guckst, was steht da? Ist deine Sammlung auf eine bestimmte Gattung fokussiert oder bist du da völlig frei?

    **Philipp:** Ich habe schon so meine Lieblingsgattungen, das sind vor allem Lophophora und aber auch ganz viele kurze Säulen aus Brasilien. Die Catinga ist ein wahnsinnig interessanter Lebensraum, und Minas Gerais, diese Region. Aber an sich muss ich zugeben, ist meine Sammlung eher sehr dynamisch. Ich bin interessiert an Pflanzen, die besonders blühen. Wir haben vorhin über Rebutia gesprochen, da gibt es einige Blütenfarben, die kriegst du auf dem Foto schlecht eingefangen. Wie du vorhin erklärt hast geht das mit Dias schon irgendwie.

    **Ulrich ** Ja, aber das ist eine Technik, die ich nicht mehr nutze, mein Vater hat das noch benutzt.

    **Philipp:** Ich habe eine Rebutia zum Beispiel mal für ein paar Jahre stehen. Warte auf die Blüte, schau sie mir an, mache ein Foto und gucke, ob ich es einfangen konnte, und dann habe ich mich gewissermaßen sattgesehen und geb die Pflanze dann eben an den nächsten, der das meines Erachtens auch mal sehen sollten. Da ist viel Bewegung drin und ich tausche gerne hin und her und lass mich da auch inspirieren und anstecken, wenn jemand sagt, guck dir das mal an, dann kommt das auf die temporäre Wishlist.

    **Ulrich ** Du sammelst also nicht Echinocereus coccineus in all seinen Verbreitungsgebieten im Gewächshaus zusammen, sondern es geht um veränderliche Interessen?

    **Philipp:** Ja, das ist für mich spannend. Ich finde es total charmant, wenn das jemand macht und wenn das so das Ziel ist, aus einer Gattung irgendwie alles haben zu wollen. Manchmal geht das ein bisschen ins Klinische über, das finde ich dann merkwürdig, aber hey, das gibt verschiedenste Menschen und Charaktere in der DKG unter den Ortsgruppen und von daher. Wenn das der Anspruch von jemandem ist, dann ist das auch vor allem von der Bewahrung der Genetik saucool, wenn jemand eine ganze Gattung dastehen hat in all ihren Subspezies und Formen und Varietäten.

    Wissen akkumulieren und das soziale Miteinander

    *Ulrich ** Das hat ja auch mit Wissen zu tun. Ich glaube, man kann das schön nebeneinanderstellen. Spleenig ist das Ganze sicher, aber in meinen Augen eine sehr fruchtbare Form von Spleen, weil es natürlich dadurch sorgt dass wir Wissen akkumulieren, wir tragen Wissen über bestimmte Pflanzen zusammen.  Was ich auch ganz spannend finde, ich würde dich das gerne noch mal in 15 Jahren fragen, ob sich da was ändert oder neues rauskristallisiert.

    Wir kennen ja Carl Spitzweg, den Maler der unter anderem den Kakteenfreund oder den Kakteensammler in verschiedenen Facetten dargestellt hat, das ist ja immer so ein introvertierter Typ.

    Wo siehst du dich? Bist du also eher einer, der bei seinen Pflanzen Ruhe und Zuflucht sucht, oder bist du eher einer, der über die Pflanzen rausgeht und sagt, darüber lerne ich andere Menschen kennen?

    Outro
    Zurück auf dem Bahnhof in Hamburg – diesmal auf Gleis 5. Und ich bin noch voller Begeisterung von dem Besuch bei Philipp!
    Ich gehe ja davon aus: Ich kenne die Kakteen-Szene einigermaßen – aber ich muss sagen, ich habe mich sehr gefreut, weil manches von dem, was Philipp mir aus seiner Kakteenwelt erzählt hat, mich überrascht hat. Und zwar positiv! Vor allem der Blick in die neue Generation Kakteenfreunde. Der stimmt mich einfach zuversichtlich. 
    Wenn du dich für die Deutsche Kakteengesellschaft interessierst – und das kann ich dir wirklich ans Herz legen: Du findest sie unter www.dkg.eu  und den Insta-Account einfach unter @deutschekakteengesellschaft. Mir war es schon lange ein Anliegen, mal über die Deutsche Kakteengesellschaft zu berichten, um die gute Arbeit, die dort von vielen engagierten Menschen geleistet wird, auch hier mal sichtbar zu machen – und ich mag die Art sehr, wie Philipp davon erzählt. Ruhig, entspannt und unaufgeregt.
    Und nachdem wir die Mikros ausgeschaltet haben, hatten wir noch sehr viel mehr zu erzählen, so viel, dass es eine Fortsetzung unseres Gesprächs geben muss. Aber eigentlich haben wir das schon vorher gewusst – und deswegen treffen wir uns schon bald wieder – in Erfurt.
    Du darfst also gespannt sein auf die CactusPodcast Episode 45.
    Das war die Nummer 44 – mit einem ganz speziellen Shoutout an Markus Tirok, für seine Unterstützung beim Gedanken sortieren – und ich bin jetzt raus – mein Zug fährt!
     
    Tschüss!
     
     
    Zusammenfassung
    [vorerst und temporär]

    Wenn du bis hierher gelesen hast, dann hast du das Ende des KI-Transkripts erreicht, das ich bislang überarbeitet habe – und dann darfst du mir eine Nachricht schicken. Ich bin noch nicht sicher, ob ich den Rest noch ergänzen werde, denn es kostet unheimlich viel Zeit, die Mitschrift zu straffen und die Zuordnung der Sprecher wieder auseinanderzudröseln. Das ist übrigens auch der Grund für die Verzögerung der Episode, die wir bereits Anfang Juni in Hamburg aufgezeichnet haben – die Episode 043 „Im Gewächshaus“ ist zwar schon on Air, wurde aber erst danach aufgenommen. Ein paar kleine Insider-Infos.

    Das war mein erster Versuch, im Gegensatz zu den bisherigen Interviews hier ein Transkript zu hinterlegen. Was ich lustig finde, die KI lernt noch fleißig. Im Originaltext habe ich Philipp beispielsweise mal auf dem Avocadofeld getroffen, aber auch in Arcadien. Ich fürchte, ich muss etwas an meiner Aussprache arbeiten – so ein Genuschel geht ja gar nicht!

    Wir hören uns!
    Besser.
     
    Shownotes zur Episode 044 – Philipp inside DKG
    Alle Links und weiterführende Informationen hier noch einmal auf einen Blick:
    • mehr zur DKG auf DKG.eu
    • hier findest du die OG in deiner Nähe – https://www.dkg.eu/ortsgruppen/
    • der Insta-Kanal – https://www.instagram.com/deutschekakteengesellschaft/ @deutschekakteengesellschaft
    • Kordes Jungpflanzen – dort haben wir im Gewächshaus aufgezeichnet – https://www.koju.de/
    • Markus Tirok – hat mich maßgeblich in der Vorbereitung dieser Episode auf den Weg gebracht – https://www.tirok-training.de/
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      Der Beitrag CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG – Deutsche Kakteengesellschaft erschien zuerst auf Cactusblog.

      52 min
    • CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum
      Espostoa lanata – und was hat das mit Dynamit oder Löwenzahn zu tun​ – Episode 041
      Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum schafft die Verbindung beim Jubiläum bei Kakteen-Haage – Teil 3
      Hey, ich bin Ulrich Haage, ich bin Kaktusgärtner und heute geht es gleich mehrfach um Geschichte, nochmal um Löwenzahn, Sprengstoff und wieder um einen Kaktus. 
      In Teil drei der Jubiläumsserie geht es um Dynamit, Espostoa lanata und Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum. Und letzteres ist nicht ganz zufällig in Erfurt beheimatet.
      Nachtrag zur letzten Episode
      Stichwort Löwenzahn – ich hab meine Hausaufgaben aus der letzten Episode gemacht – vielleicht erinnerst du dich – ich habe beim Besuch des mexikanischen Botschafters hier bei Kakteen-Haage über eine Löwenzahngärtnerei in Vietnam philosophiert – und wann ich zum letzten Mal selbst Löwenzahn gegessen habe.
      Update: letzte Woche – ich war im Wald und habe eine Handvoll Bärlauchblätter und -Knospen und Löwenzahnknospen mitgebracht und in einem scharfen Gewürzsud eingelegt. Löwenzahnkapern – lecker, bitter, geiler Stoff – wenn du mal selbst probieren willst: Link ist in den Shownotes.
      Und: wo bleibt die nächste Episode im CactusPodcast?
      Wenn du dich in den vergangenen 10 Monaten gefragt hast: wo ist denn nun die nächste Folge vom CactusPodcast? Kommt der Haage nochmal wieder?
      • Ja, der ist immer noch da, der war auch nie weg, aber der hatte in der Gärtnerei zu tun, gefühlt ohne Unterlass.
      • Und dann gibt es da noch ein anderes Podcast-Projekt, dass eine ganze Menge Energie und Kraft gefressen hat – darüber kann ich hoffentlich in Kürze mehr erzählen.
      • Der letzte Grund: der eine oder andere wird mitbekommen haben, dass mich das Leben Anfang 2022 etwas aus der Bahn geworfen hat. Ich stehe heute zwar wieder auf beiden Füßen, trotzdem hab ich manchmal das Gefühl ich laufe wie im Teer durch meine Tage. Und da fällt zeitweise manches vom Tisch, was mir sehr am Herzen liegt – unter anderem auch mein geliebter CactusPodcast.
      • Da ist so manche Geschichte unerzählt geblieben – und damit das so nicht bleibt, geht’s jetzt hier weiter – und als Entschädigung wird die Folge heute wohl etwas länger.

        Disclaimer:
        ich gebe mir Mühe, dranzubleiben. Falls es doch mal wieder eine längere Pause geben sollte, dann könnten die Gründe dafür ggf. dort liegen. Danke an alle, die nachgefragt haben, oder kommentiert oder mir anderweitig eine Nachricht zukommen ließen. Der letzte Anstoß kam gestern auf dem 24er Forumtreffen, es war für mich überraschend zu hören, bei welcher Gelegenheit Ihr dem CactusPodcast zuhört, deswegen special Thanks to Henry & Jan für eure Geschichten.
        Und bei der Gelegenheit auch einen Gruß an Ralf im Harz, der wenn ich richtig informiert bin, heute Geburtstag hat – und wenn das nicht stimmt – auch nicht wild, dann einfach welcome home von deiner weiten schönen Reise.
        Apropos Geschichten:
        CactusPodcast 041 Kakteengeschichte - Espostoa lanata - Dynamit und Deutsches Gartenbaumuseum

        von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte

        https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2024/04/cactuspodcast-041-espostoa-lanata-dynamit-und-deutsches-gartenbaumuseum.mp3
        Dynamit, Kakteenerde und Durchschlagkraft?
        Was hat Alfred Nobel mit Kakteenerde zu tun?
        Ist Ulrike Richter explosiv?
        Nein, die neue Vorständin des Deutschen Gartenbaumuseum will bewegen, über sprengen hat sie bislang noch nichts erzählt.
        Um die Bedeutung des Dynamit kurz und bündig zu klären: wir befinden uns im Jahr 1866. Der schwedische Chemiker Alfred Nobel sucht nach einem sicheren Sprengstoff, denn Jahre zuvor werden vier Menschen getötet, als bei seinen Versuchen mit dem empfindlichen Nitroglycerin sein Haus in die Luft gejagt wird. Einer der Menschen ist sein Bruder.
        Ob dieser Verlust ihn beflügelt, ob Zufall oder emsige Forschung – der Durchbruch gelingt Nobel jedenfalls mit einem für uns alten Bekannten aus der Kakteenwelt: Kieselgur! Als er das bis dahin schwer zu kontrollierende „Sprengöl“ oder Nitroglycerin in Kieselgur mischt, hat er die Lösung: Dynamit. Und zugleich die Quelle seines späteren unglaublichen Reichtums. Dass seine Erfindung, das „Sicherheitssprengpulver“ von den Menschen nicht nur für die großen Bauwerke seiner Zeit wie Gotthard-Tunnel oder Panama-Kanal, sondern auch für Waffen im Krieg verwenden, macht Nobel nicht glücklich.
        Er engagiert sich immer mehr als Friedensstifter und bringt einen großen Teil seines Vermögens in die Friedensarbeit ein – der Friedensnobelpreis ist sicher der heute bekannteste, nicht jeder weiß: das Geld dafür stammt aus den Kriegen seit 1870.
        Das Kieselgur stammte damals aus der Lüneburger Heide, unser Kieselgur heute kommt aus Dänemark.
         
        Und um das klar zu sagen: wir machen damit Kakteenerde, keinen Sprengstoff.
        Wie ist das mit dem Deutschen Gartenbaumuseum?

        Das deutsche Gartenbaumuseum ist in Erfurt zuhause. Wie kam das?

        Erfurt, Blumenstadt und Ursprung des kommerziellen Gartenbaus

        Erfurt gilt als der Ursprung des deutschen Gartenbaus. Sicher hat es zu der Zeit auch in anderen Regionen der deutschen Landen schon Erwerbsgartenbau gegeben. Die Art und Weise mit der die Professionalisierung vonstatten ging war aber in Erfurt einzigartig.
        Die Gründe lagen in meinen Augen in der Vorgeschichte. Der Gartenbau hat die Grundlage für den Reichtum der Erfurter Patrizier gesorgt. Ein Reichtum und eine wirtschaftliche Bedeutung wie sie später vielleicht noch mit den großen Hansestädten vergleichbar würden. Die Gärtner selbst waren dabei nicht die die Rahm abschöpften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, der Verdienst landete in erster Linie bei den Händlern. Aber die sorgten für den Erhalt ihrer Wohlstandquelle.
        Nicht ohne Grund bezeichnete schon Luther die Erfurter als „des Heiligen Römischen Reiches Gärtner“. In Erfurt waren Gärtner ansässig, die über lange Zeiträume die Gartenbaugeschichte schrieben. Dazu gehören große Namen wie Benary, J. C. Schmidt, Platz, Franz Anton Haage, Fischer, Heinemann, Pabst, Czeckalla, Haage & Schmidt, Chrestensen, Jühlke – und auch Friedrich Adolph Haage.

        Gartenbau in der DDR und Gründung des Deutschen Gartenbaumuseum 1961

        Als 1961 in Erfurt die erste Internationale Gartenausstellung nach dem Krieg stattfindet wird zeitgleich auf das Deutsche Gartenbaumuseum eingeweiht. (die erste Allgemeine Deutsche Gartenbauausstellung mit internationaler Beteiligung findet übrigens im Jahr 1865 in Erfurt statt. Die Ausstellungstradition reicht aber noch weiter in der Geschichte zurück)
        Das Museum trägt bis 1989 eine eindrucksvolle Sammlung zusammen und erfreut sich auf der iga alljährlich zahlreicher Besucher. Mit der Wende bleiben die gewohnten Besuchermassen aus und auch die Zukunft des Museums ist nicht mehr sicher. Auch wenn der Erfolg immer viele Väter hat, ist mir ein Name in Erinnerung, den ich immer wieder höre, wenn es damals darum ging „bleibt das deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt?“. Der damalige Präsident des Zentralverband Gartenbau Karl Zwermann hat gemeinsam mit dem langjährigen Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar die Weichen gestellt, dass das Museum in Erfurt bleibt.
        Und dort ist es bis heute.

        Jetzt Bühne frei für Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum, die zu Beginn über ein Bild spricht, dass eben die Inhalte dieser Episode umfasst: Dynamit und Espostoa lanata:

        Espostoa lanata – entdeckt 1802 durch Humboldt
        Wir haben von Ulrike Richter schon gehört, dass die Pflanze von Humboldt entdeckt wurde, hier die Geschichte wie das passiert ist:
        August 1802, Alexander von Humboldt war unterwegs im Huancabamba-Tal, wo das liegt ist heute Peru. Es war anstrengend und beschwerlich, diese Reise. Humboldt und seine Gefährten mussten allein „27mal den Río Huancacabamba mit vieler Gefahr überqueren“. Was Humboldt aber beeindruckte, das waren „ganze Cactuswälder“. Er notierte in seinen Aufzeichnungen einen „kandelaberartig verzweigter Säulenkaktus, der auch ohne Blüten durch seine schneeweiße, dichte Behaarung sehr auffällig ist.“
        Beat Leuenberger, von dem die meisten diese Hintergrundinformationen stammen, hat hier etwas tiefer geschürft und Informationen zusammengetragen, die weder auf Wikipedia, aber auch nicht in „Kakteen von A bis Z“ von meinem Großvater Walther Haage zu finden sind – und das hat mich etwas überrascht.
        Nochmal der Reihe nach:
        Die Geschichte einer Entdeckung
        1802 wird die wollige Espostoa von Humboldt und Bonpland gefunden. Beide identifizieren die Pflanze als neue Art. Im Feldbuch gibt es eine kurze Beschreibung unter dem Namen Cactus lanatus in Humboldts Handschrift, dazu eine schematische Skizze eines Querschnitts eines blühfähigen Triebs. Was fehlt ist Herbarmaterial und eine Zeichnung die Karl Sigismund Kunth erwähnt ist anscheinend auch verschollen. Die Notizen und die Zeichnung waren damit die alleinige Grundlage für die von Kunth bearbeitete Beschreibung
        1823 erscheint dann die formelle Publikation, also die Erstbeschreibung von Cactus lanatus durch Humboldt, Bonpland und Kunth im großem Werk „Nova genera et species plantarum“. Humboldt erwähnt dort auch die pflaumengroßen, roten essbaren Beerenfrüchte und bezeichnet sie als „piscol colorado“.
        1828 Cereus lanatus (Kunth) DC. – (Augustin-Pyrame de Candolle)
        1870 kommt Haage ins Spiel So lange braucht es, bis die Pflanzen nach Europa in Kultur kommt. Benedikt Roezl stammt aus Prag und sammelt in Lateinamerika Pflanzen. Und die schickt er an die Kakteengärtnerei Friedrich Adolph Haage jun. in Erfurt. Noch bis zur Jahrhundertwende wurde sie als vermeintlich neue Art unter dem Namen Pilocereus dautwitzii geführt, benannt nach dem K. K. Hofbauverwalter und Architekt Dautwitz, der ein eifriger Kakteensammler ist und auf Schloß Schönbrunn bei Wien lebt.
        1898 Pilocereus lanatus (Kunth) F.A.C.Weber (Frédéric Albert Constantin Weber)
        1904 Cleistocactus lanatus (Kunth) F.A.C.Weber
        1916 Oreocereus lanatus (Kunth) Britton & Rose
        1920 Nathaniel Lord Britton und Joseph Nelson Rose stellten die Art in die Gattung Espostoa
        Beschreibung Espostoa lanata
        Wuchsform, Habitus
        Espostoa lanata wächst baumförmig mit in den oberen Teilen verzweigten Trieben und erreicht Wuchshöhen von 1,5 bis 7 Metern. Der Stamm kann bis zu 1 Meter hoch werden und bis 20 Zentimeter Durchmesser erreichen. Die ausgebreiteten oder aufsteigenden Triebe werden mehrere Meter lang und weisen Durchmesser von 6 bis 10 Zentimeter auf. Es sind 18 bis 25 gerundete Rippen vorhanden, die 5 bis 8 Millimeter hoch sind und durch gerade Furchen voneinander getrennt sind. Die darauf befindlichen elliptischen, 7 bis 10 Millimeter voneinander entfernten Areolen sind trotz der zahlreichen Haare und Dornen erkennbar.
        Dornen und Wolle
        Der einzelne Mitteldorn, der auch fehlen kann, ist 2 bis 5 Zentimeter lang. Die 30 bis 40 ausgebreiteten, rötlichen oder gelblich braunen Randdornen vergrauen im Alter und weisen eine Länge von 3 bis 8 Millimeter auf. Das vier bis fünf Rippen umfassende Cephalium ist bis zu 1 Meter lang und besteht aus hellbrauner bis grauer, bis zu 3 Zentimeter langer Wolle.
        Hübsche Blüten
        Die trichterförmigen purpur- bis hellpurpurfarbenen Blüten sind 4,5 bis 5,5 Zentimeter lang und erreichen einen Durchmesser von 3 bis 3,5 Zentimeter. Die kreiselförmigen, mehr oder weniger purpurroten Früchte besitzen eine Länge von bis zu 2,5 Zentimeter und Durchmesser.
        Die Wollige Espostoa blüht im Sommer und nur nachts. Nach und nach erscheinen die Blüten aus der schmalen ganz dicht wolligen Blühzone (Cephalium) seitlich an den Säulen. Sie sind frühmorgens schon wieder verwelkt. Die sich dunkel verfärbenden Blütenreste fallen nicht ab sondern bleiben, noch monatelang an der Pflanze.
        Espostoas wachsen langsam, benötigen viel Sonne und ihrer tropischen Herkunft entsprechend einen nicht zu kühlen Standort.
        Verbreitung, Gefährdung und Nutzung der wolligen Espostoa
        Espostoa lanata ist in Ecuador in der Provinz Loja sowie in Peru in den Regionen Piura, Amazonas, Cajamarca und Lambayeque in Höhenlagen von 500 bis 2000 Metern verbreitet.
        Die Art wird als nicht gefährdet eingestuft.
        Aus dem Cephalium gewonnene Wollhaare wurden in Peru früher als Füllung für Kissen verwendet. Oder vielleicht auch für Mützen?
        Bevor ich hier den Sack auch zu mache sage ich
        Danke fürs zuhören und:
        weil die Folge heute sowieso schon länger ist als geplant, gibt es heute auch noch einen anderen musikalischen Abspann als gewohnt. Wir haben gestern beim Forumtreffen über die Basis dazu sinniert – wenn du eine Idee hast, woher die Melodie stammen könnte, dann schick mir eine Mail an [email protected], oder in der CactusPodcast-Gruppe.
        Auch wenn du einen Themenwunsch hast für die nächste Folge.
        Ich hab zwar auch schon eine Idee aber ich freu mich noch mehr, von dir zu hören!
         
         
        Und was kommt als nächstes?
        Sei gespannt!
        Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 042 zum Thema – hast du Wünsche?
         
        Und wenn du jetzt Fragen hast – oder deine Antworten auf meine Fragen schicken willst – oder vielleicht deine eigene Kakteengeschichte erzählen möchtest – melde dich einfach.
        • Schick mir eine Mail an [email protected] oder
        • schreib mir in unserer Facebook-Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
          Wenn du mehr wissen willst – du findest die Shownotes, Fotos und viel mehr ganz einfach unter www.cactuspodcast.de/041
          Bis zur nächsten Episode – wo wir weiter in der Geschichte schauen.
          Bleib gesund und mach’s gut!
           
          Shownotes:

          Darüber habe ich erzählt:

          • Rezept für Löwenzahnkapern – https://indigo-blau.de/loewenzahnkapern-rezept 
          • Kakteenforum – https://kakteenforum.de 
          • Espostoa lanata – https://de.wikipedia.org/wiki/Espostoa_lanata 
          • Kieselgur – https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kieselgur
          • Deutsches Gartenbaumuseum – https://www.gartenbaumuseum.de/
             
            Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
            Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
             
            Wie gefällt dir diese Episode?

            Ich freue mich auf dein Feedback.

            • per Mail an [email protected]
            • in der FB CactusPodcast Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
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              Der Beitrag CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum erschien zuerst auf Cactusblog.

              36 min
            • CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei
              Hoher Besuch: Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei zu Gast​ – Episode 040
              Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes besucht Kakteen-Haage
              Ich bin Ulrich Haage und ich bin immer noch ein bisschen aufgeregt.
              Warum?
              Wir hatten vor zwei Tagen (wieder) hohen Besuch in der Gärtnerei und zwar aus Mexiko.
              Ich erzähle dir heute, wer uns besucht hat und warum das etwas besonderes ist für uns, was ich neues erfahren habe über den Umgang mit Kakteen in Mexiko.
              Und jetzt geht’s los, viel Spaß bei Episode 40 im CactusPodcast!
              Alles VIP bei den Kakteen
              Ganz schön viele VIP in letzter Zeit hier!

              In der der letzten Episode war der Thüringer Ministerpräsident bei uns zu Gast und nun schon wieder so eine große Nummer!

              Aber der Reihe nach. Seit Donnerstag, 25.5. haben wir, also Kakteen-Haage, diplomatischen Kontakt nach Mexiko.
              S.E. (Seine Excellenz) Herr Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes erwies unser Gärtnerei die Ehre seines Besuches.
              (Wer uns besucht, das habe ich allerdings erst beim Abschied mitbekommen.)

              Und das kam so:
              Am vorigen Freitag klingelte das Telefon, eine Dame stellte sich vor als Mitarbeiterin der Botschaft Mexikos in Berlin und erkundigte sich, ob es möglich wäre, dass der Gesandte in der folgenden Woche Kakteen-Haage einen Besuch abstattet.
              Natürlich ist das möglich!
              Es war nur nicht so einfach, mich mit meiner Freude einigermaßen angemessen zu verhalten.
              Ich meine, noch nie war ein Mitglied unserer Familie in Mexiko – und dann kommt das Land hochoffiziell zu uns – was für eine Story!
              Mein Verhältnis zu Mexiko ist nicht so ganz einfach. Einerseits – dort sind die meisten Kakteen zu Hause – es ist schon so, wie das Land meiner Träume. Nicht nur meiner Träume, auch der Rest der Familie hat vermutlich ein bisschen sowas wie Sehnsuchtsgefühle.
              Und trotzdem war noch niemand von der Haage-Familie dort drüben – auch wenn das mir oft nicht geglaubt wird. Ich treffe häufiger auf Menschen, die sogar ganz konkret wissen, welches Familienmitglied wann in Mexiko gewesen ist und wann. Meist wird mein Großvater Walther Haage dabei zuerst erwähnt. Mein Großvater wäre sehr gern nach Mexiko gereist – aber das war ihm nie vergönnt.
              Ich war der erste Haage aus unserer Familie, der es bis nach Amerika geschafft hat. Und für mich hat sich Guatemala nach 20 Jahren DDR schon sehr mexikanisch angefühlt und ich habe dort viele Menschen aus Mexiko getroffen, die Urlaub gemacht haben.
              Einige Jahre später war ich mit meiner Schwester Amrey in den USA. In Californien und Arizona sind wir auf den Süd-Highways unterwegs gewesen und haben mehr als einmal einen Blick in Richtung Mexiko geworfen. Aber auch da haben mich die Grenzsicherungsanlagen an die deutsch-deutsche Grenze erinnert und ich hab keinen Gedanken daran verschwendet, diese Grenze mal zu überschreiten.
              Auch aus diesem Grund war diese politisch hochoffizielle Kontaktaufnahme für mich etwas ganz Besonderes und ein bisschen unvorstellbar!
               
              Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein Hoheitskennzeichen und ohne Polizei – damit hatte ich aber auch nicht gerechnet.
              Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
              Aus der Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt. Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei. Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden. Klar machen wir das! Ehrensache!
              Und schon waren wir mitten im Gespräch.
              CactusPodcast - 040 Kakteengeschichte - Begegnung der Kulturen: Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei

              von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte

              https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2023/06/cactuspodcast-040-kakteengeschichte-mexikanischer-botschafter-besucht-kakteen-haage.mp3
              Wieder schwarze Limousine

              Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein besonderes Hoheitskennzeichen und ohne Polizei.
              Damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
              Aus der Thüringer Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen.
              Und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Ich bin mir sicher, es gab außerdem noch einen Freund bei den Berliner Kakteenfreunden, der in Berlin ein wenig Fäden gezogen hatte.

              Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt.
              Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei.
              Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden.
              Klar machen wir das! Ehrensache!
              Und schon waren wir mitten im Gespräch.

              Diplomdeutsch – oder Diplomatendeutsch?

              An der Stelle ein Einschub mit etwas Nachhilfe in Sachen Diplomsprache? Diplomatie, also Botschaftsbegriffe.
              Ich brauchte die jedenfalls, denn ich hab mich im Kaktusgärtneralltag nicht mit der Frage auseinandergesetzt, was ein Gesandter ist und was der Unterschied zum Botschafter.
              Hier kommt der Service-Block, falls du das auch nicht wusstest:

              Was ist eigentlich ein Botschafter?

              Ein Botschafter ist ein Diplomat und der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes. (sagt Wikipedia)

              Der Botschafter ist der Chef der Botschaft, der Gesandte sein Vertreter. In großen Botschaften gibt es manchmal auch einen ersten und einen zweiten Gesandten. Ganz praktisch: die Anrede für den Botschafter lautet „Excellenz“, der Gesandte hat keine zusätzliche Anrede. Blöd für mich: ich hab mich an den angekündigten Gesandten gehalten und war mir der Sache auch weiter sicher, denn wenn es der Botschafter gewesen wäre, dann hätten ihn seine Mitarbeiter auch mit seinem Titel oder seiner Anrede bedacht. Das kenne ich aus den Ministerien, da erscheint mir die Wortwahl selbst in der dritten Person manchmal sehr historisch: „Herr Minister hat gesagt…“, oder „Frau Ministerin wird am Dienstag um 11 Uhr hier sein …“

              In Mexiko sind diese Förmlichkeiten offenbar nicht so wichtig, oder die Menschen in der Delegation waren einfach so klassisch entspannt und locker miteinander unterwegs.
              Ich hab mal wieder was gelernt: Sei dir nie zu sicher, mit nichts!

              Kakteenessen, Tradition und Löwenzahn im Alltag

              Zurück ins Gewächshaus:
              Wir sind inzwischen bei den Mutterpflanzen angekommen.
              Opuntien! Nopales – in Mexiko werden die gern als Gemüse gegessen – erzählt ein Delegierten und alle nicken eifrig mit besonderem Gesichtsausdruck.
              Ja, ich weiß – und erzähle vom Kakteenessen in unserem Gewächshaus – und dass es im Moment schwierig ist Nopalitos als Salat im Glas zu importieren.
              Ich überlege, wie ich das einsortiere, welches Gewicht hat der Kaktus als Nahrungsmittel im Alltag in Mexiko? Ich hab Kaktusblätter auf den Märkten im Süden der USA gesehen, auch in den großen Supermärkten in der Gemüseabteilung.
              Im Nachgang mache ich mir darüber nochmal Gedanken, wie würde das erzählen? Mir kommt unser heimischer Löwenzahn in den Sinn. Würde ich in Vietnam überraschend über eine Pflanze stolpern, dann könnte ich auch erzählen: „esse ich, schmeckt, wird in Deutschland gern im Salat gegessen.“ Und es wäre wahr. Konkret ist es aber mindestens 30 Jahre her, dass ich meinen letzten Löwenzahnsalat genossen habe. Gut, „Löwenzahnhonig“ haben wir mit den Kindern im Kindergartenalter gemacht, aber auch das ist 10-15 Jahre her.
              Ich sammle mich und meine Gedanken mal – auch Löwenzahn wird gegessen und es gibt einige Landwirte, die professionell Löwenzahn anbauen. Ich glaube aber, dass Kakteen in Mexiko und auf der Welt wirtschaftlich eine größere Bedeutung haben, als Löwenzahn. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung für Mexiko ist, das kann ich ja bei meinem ersten Besuch in der Botschaft mal erfragen …

              Ich warne vor den feinen, weißen Dornen, den Glochiden an den Opuntien – aber schon hat der schwarze Anzug einen dünnen weißen Streifen auf dem Rücken.
              Au weh!
              Ich denke an die Ledersitze in der Limousine auf der Rückfahrt nach Berlin. Das wird bestimmt unangenehm.
              Manchmal verstehen sie mich vermutlich nicht und sie sind einfach zu höflich, das zu zeigen.
              Ich bemühe mich, Geschichten zu erzählen, die auch für Nicht-Kakteen-Spezialisten unterhaltsam sind.

              Die nächste Frage hat mich deswegen kurz überrascht:
              „Gibt es bei Ihnen auch Peotl?“ – wir schauen gerade die großen Astrophytum Mutterpflanzen an.
              Moment – noch ein paar Schritte, dann sind wir bei den Lophophora.

              Ja, Peotl haben wir – und ich höre Geschichten vom Heiligen Kaktus aus dem alten Mexiko.
              Damals hatten die Kakteen eine ganz besondere Bedeutung – der Kaktus auf dem der Adler mit der Schlange sitzt – das war der Ursprung, dort ist das heutige Mexiko gegründet worden. Das war die Opuntie, die auch heute noch Wappenpflanze Mexikos ist.
              Aber auch sonst seien Kakteen heute wieder mehr im Bewusstsein der Bevölkerung in Mexiko.
              An der Nationalen Universität und dem zugehörigen Botanischen Garten sind die Kakteen gut vertreten, es gibt verschiedene Forschungsprojekte in denen es auch um die Erhaltung der Kakteenpopulation geht.

              Frag den Kaktusgärtner – nein – heute: Frag den Botschafter!

              Und das war das Stichwort – damit sind wir von ganz allein in die Rubrik FdK gekommen – heute besser FdB: frag den Botschafter – denn wir haben im Vorfeld ein paar Hörerfragen eingesammelt, die ich jetzt dem Botschafter stellen konnte.

              roman (Insta)
              Mich würde interessieren welchen Stellenwert Kakteen dort haben, wir hier hegen und pflegen das sie überleben, dort ist es eventuell manchmal so etwas wie Unkraut… 😍🌵🌵🌵

              Kakteen sind für die Mexikaner wichtig. Die Pflanzen sind ziemlich tief in die Kultur und Traditionen des Landes eingebettet. Sie sind ein Teil des kulturellen Erbes sind auch Symbol für die Vielfalt von Mexiko.

              Das war mir so nicht klar – aber es erklärt die Sache mit dem Kaktus-Display in der Botschaft und den Fakt, das eine so hochkarätige Delegation sich auf den Weg macht, um Kakteen zu besorgen – und das erstaunt mich ziemlich!
              Dann ist da noch der Punkt mit den Kakteen in der mexikanischen Küche.

              Opuntia zählt in manchen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln, die Kakteenblätter oder Nopales oder Tunas (Opuntienfrüchte) oder Pitahaya (Früchte von Selenicereus oder Hylocereus).
              Außerdem werden Kakteen in der Volksmedizin für alle möglichen Heilanwendungen eingesetzt.
              Übrigens auch Lophophora.

              Aure Lia (FB)
              Was wird getan, damit die Lophophora in freier Wildbahn erhalten bleibt und wie läuft es bisher?
              … und:

              philippheidelweizel (insta)
              Was für eine tolle Gelegenheit! Vielleicht könnt ihr mal nach Auswilderungsprogrammen bei Kakteen fragen.
              Die Fragen passen gut zusammen – deswegen die Antwort im Paket:

              Ja. Es gibt verschiedene Renaturierungsprogramme, die von der Regierung angeschoben werden und es gibt Programme aus Privatinitiative.
              Und nicht zuletzt zielen verschiedene Forschungsprojekte der Nationalen unabhängigen Universität Mexiko (UNAM) auf die Erforschung und Erhaltung von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen in verschiedenen Regionen von Mexiko.

              Außerdem – und das war eine meiner Fragen: „gibt es viele Gärtner in Mexiko, die die Versorgung mit Kakteen im eigenen Land sichern.“
              Die Mitarbeiterin hat diese Aussage etwas relativiert, sie sagte: „zumindest in Mexico D. C. gibt es genügend Kakteen zu kaufen.“

              Thomas Paul (FB)
              Ich würde mal fragen ob er den Chefgärtner zum Gegenbesuch nach Mexiko einlädt.

              Ich war nicht so keck, nach einer Einladung zu fragen – aber ich habe sie bekommen.
              Zwar kein Gegenbesuch in Mexiko, aber nach Berlin wurde ich eingeladen – und das finde ich schon abgefahren!

              Jetzt ist dir sicher auch aufgefallen: einige der Antworten sind in erster Linie diplomatischer Natur „politisch pauschal positiv“.
              Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass in der Botschaft in Deutschland Detail-Informationen über Artenschutz-Projekte vorliegen, das wäre definitiv zu viel erwartet, auch wenn der Besuch in der Gärtnerei einige Tage Vorlauf für die Vorbereitung gehabt hätte.

              Deswegen möchte ich gern noch eine andere Seite dazu hören.
              Mich interessiert: bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war und etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen kann?
              Wie siehst du das?

              Vom Sämling zum Kaktus und die Zukunft der Kakteen

              Im Gewächshaus sind wir nach den Samenträgern bis zur Aussaat gekommen. Ich glaube die schiere Masse der winzigen Kakteensämlinge waren sehr beeindruckend, denn es kam vom Herrn Wirtschaftsgesandten die erste „technische Frage“.
              Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier? Die Sämlinge pikiert nur eine Kollegin – aber insgesamt sind wir zwölf, die die gesamte Gärtnerei am Laufen halten.
              Ich bin manchmal selbst unsicher, ob das jetzt viel oder wenig ist – für eine normale Gärtnerei wäre es ganz schön viel – und auch die Qualifikation unserer Mitarbeiter macht mich immer wieder stolz!

              Bei den Chamaecereus unterhalten wir uns über die Kakteengärtnereien und die momentanen Veränderungen auf dem Markt. Ich erzählen vom selten gewordenen Generationenwechsel bei den Kaktusgärtnern, denn meist ist es einfach Schwund. Das erlebe ich hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der Erde.
              Ich frage, ob wir in Zukunft Kakteen direkt aus mexikanischen Gärtnereien kaufen können. Der Botschafter strahlt und erzählt vom neuen Handelsabkommen und dass das vielleicht auch den Markt für den Handel mit Kakteen erleichtern könnte. Wie das konkret aussehen kann, das weiß ich noch nicht – aber ich bin zuversichtlich.

              Wir haben die letzte Etappe unserer kurzen Rundreise durch die Kakteengärtnerei erreicht und stehen jetzt im Museum.
              Ich erzähle von den verschiedenen Standorte, an denen die Gärtnerei in Erfurt ansässig gewesen ist, ich erzähle vom Kakteenjäger Fric der im Mexiko Kakteen gesammelt hat und offenbar ist die Sammlung mit Kakteenbriefmarken aus der ganzen Welt ein interessantes Feld.

              Den Abschluss des Besuchs ist der Fototermin an der Friedrich Adolph Haage Gedenkplatte.
              Daneben gibt es noch den obligatorischen Eintrag ins Gästebuch – und erst dann wird mir bewusst, wer uns besucht hat:
              Es steht nämlich unter der Unterschrift:
              Francisco Jose Quiroga Fernandes
              Botschafter

              Bevor ich hier den Sack auch zu mache sage ich Danke fürs zuhören und:
               
              meine Fragen:
              Ich möchte gern deine Sicht hören.
              Bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war.
              Kannst du etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen?
              Und wie siehst du das, ist die Erhaltung der Kakteen in Mexiko für dich wichtig? 
               
               
              Und was kommt als nächstes?
              Der Cactuspodcast kommt wieder mit der Episode 041 zum Thema 200 Jahre Kakteen-Haage.
              In der Episode wird es um Dynamit und das Deutsche Gartenbaumuseum gehen. Es wird explosiv mit einem weiteren Kaktus und einem Gast. Ich bekomme eine Mütze – und du darfst auf die Geschichte echt gespannt sein!
               
              Und wenn du jetzt Fragen hast – oder deine Antworten auf meine Fragen schicken willst – oder vielleicht deine eigene Kakteengeschichte erzählen möchtest – melde dich einfach.
              • Schick mir eine Mail an [email protected] oder
              • schreib mir in unserer Facebook-Community https://www.facebook.com/groups/4080401532000332/
                Wenn du mehr wissen willst – du findest die Shownotes, Fotos und viel mehr ganz einfach unter www.cactuspodcast.de/040
                Bis zur nächsten Episode – wo wir weiter in der Geschichte schauen.
                Bleib gesund und mach’s gut!
                 
                Shownotes:

                Darüber habe ich erzählt:

                • Mexikanische Botschaft: https://embamex.sre.gob.mx/alemania
                • Botschafter (Wikipedia): https://de.wikipedia.org/wiki/Botschafter 
                • UNAM – Nationale Autonome Universität von Mexiko: https://de.wikipedia.org/wiki/Nationale_Autonome_Universit%C3%A4t_von_Mexiko
                • Deutsches Gartenbaumuseum – https://www.gartenbaumuseum.de/
                   
                  Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                  Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                   
                  Wie gefällt dir diese Episode?

                  Ich freue mich auf dein Feedback.

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                    Der Beitrag CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei erschien zuerst auf Cactusblog.

                    28 min
                  • CactusPodcast 034 – Artenschutz: Kakteen, Kriminelle, Anwälte
                    Sind Kakteen und ihre Pflege immer anständige und rechtschaffende Bürger? – Episode 034
                    Von den Braven, Kriminellen und Anwälten – heute räumen wir mal mit ein paar Vorurteilen auf
                    Die Fragen von Frederik Wietbrok haben mich schon oft ins länger nachdenken gebracht. 
                    Diesmal ist gleich eine ganze Episode daraus geworden.
                    Es geht um die Frage: alles rechtens bei den Kakteen? – wenigstens ganz grob.
                     
                    Kakteen – Kriminelle – Anwälte
                    CactusPodcast eine Folge für Rechtsanwälte?
                    Das war zumindest mein Arbeitstitel – aber bei der Vorbereitung wurde mir sehr schnell klar: Die Anregung kam zwar von einem Anwalt, aber die Antworten sind auch für jeden normalen Kakteensammler ganz spannend.
                     
                    Außerdem starten wir noch mit einem Hinweis auf ein Interview in den Bienengesprächen, bei dem es auch um rechtliche Veränderungen im Saatgutbereich und beim Pflanzenpass geht. 
                    In diesem Sinne – stürzen wir uns mal ins Getümmel …
                    CP034 Artenschutz - Kakteen, Kriminelle, Anwälte

                    von Ulrich Haage | CactusPodcast - Artenschutz

                    https://cactusblog.de/wp-content/uploads/2022/02/CactusPodcast-034-Artenschutz-Kakteen-Kriminelle-Anwalte.mp3
                    Fragen in dieser Episode – Artenschutz – Kakteen, Kriminelle, Anwälte
                    Diesmal gibt’s kein vollständiges Transkript der Episode – aber die Fragen und die kurz zusammengefassten Antworten.

                    Maestro,
                    uns stellen sich einige Fragen, über deren gelegentliche Beantwortung, soweit die Zeit und der Schlaf das zulässt, wir uns sehr freuen würden.

                    Gibt es Rechtsanwälte, die auf den Bereich Pflanzenrecht, Kakteenrecht spezialisiert sind ? Gibt es sowas überhaupt? Ich habe in meinen juristischen Verlagen und Datenbanken da eher nichts zu gefunden.

                    Nein, Anwälte, die auf „Gärtnerbedarf“ spezialisiert sind kenne ich auch nicht. Vielleicht gibt es am Niederrhein, im Alten Land oder in Rain am Lech, – also dort wo viele Gartenbaubetriebe konzentriert sind – tatsächlich auch Fachanwälte, die sich ganz speziell auf Gärtnerbelange eingestellt haben.

                    Und Ja: ich kenne spezielle Anwälte für den Bereich Artenschutz, die sind meist in Regierungsstellen als Justiziare tätig und kümmern sich um die Umsetzung der Artenschutzgesetze.
                    Wenn ich als Bürger in dem Bereich in „eine Situation“ käme, dann würde ich mich wohl nach einem Anwalt für Verwaltungsrecht umsehen.

                    Sind Kakteen, Zimmerpflanzen, Pflanzen allgemein ein paradiesischer Ort und Zustand, um den es keinen Streit und schon gar keine Rechtsstreitigkeiten gibt? Da fehlt mir als Anwalt allerdings die Fantasie zu.

                    Ja, ein bisschen scheint es fast so. Vielleicht sind wir Gärtner ein Völkchen, das in der Lage ist, Einigung zu erreichen. Vermutlich ist es aber eher der Fall, dass ich im Moment in erster Linie von mir spreche – mir liegen Streitereien nicht so.

                    Ich träume ja als Anwalt immer noch davon jeden Online Kakteenverkäufer auf Ebay OHNE EU Pflanzenpass abzumahnen. Böse Anwälte…:)

                    Wenn ich das richtig verstanden habe, gilt die EU Pflanzenpasspflicht ja auch für Onlinehandel, also Ebay und zwar auch für Nicht-Unternehmer. Wobei ich da bislang wenig bis gar nichts zu gehört habe. Sicher bin ich mir da auch nicht. Und viele Ebay Verkäufer schließen den EU Pflanzenpass ja auch einfach aus… Ja ist denn das überhaupt möglich ? Wenn die Pflicht dazu besteht, dann garantiert nicht.

                    Ich gehe jetzt auf dünnes Eis – ich erzähle hier von meinem Verständnis – ich kann und will hier keine Rechtsberatung leisten:
                    Der Pflanzenpass ist im Fernabsatz grundsätzlich nötig – ja!
                    Aber: ich glaube, bis zur Umsetzung ist es noch ein längerer Weg. Ich habe Zweifel, dass die Pflanzenschutzdienste überhaupt die Man-Power haben, um die dafür nötigen Neuanmeldungen zu verarbeiten – geschweige denn zu kontrollieren?
                    Der Gesetzgeber ist da immer etwas schneller als die Umsetzung möglich ist – und an der Stelle braucht es immer etwas Zeit, bis sich das zurecht geruckelt hat. Und ich gehe davon aus, dass es – wenigstens temporär – sowas wie eine Bagatellgrenze gibt, also „kleine Fische“ um die sich im Moment noch keiner kümmert. Die Frage nach den erwähnten Ebay-Händlern habe ich die Pflanzenpass-Kommission auch schon gefragt. Ich war mir danach nicht so sicher, ob man dieses Thema vorher überhaupt auf dem Schirm hatte.

                    Warum ist es trotzdem nötig, genau hinzuschauen? Klar, es gibt immer schwarze Schafe, denen es auf die Füße zu treten gilt. Aber um die wirklich sicher herauszufischen, braucht es ein gerütteltes Maß an Fachwissen, die erkennt man leider eben nicht an der Farbe.

                    Und hier kommt mein Appell an Anwälte – aus bitterer eigener Erfahrung: bitte hört auf, Menschen, Unternehmen pauschal abzumahnen.
                    Das kann schnell eine Tätigkeit sein, in der Menschen in bittere Not gebracht werden können.

                     
                     
                    Kakteen – wenn schon keine Anwälte –
                    Gibt es kriminelle Fälle, oder wenigstens Rechtsprobleme?
                    Gibt’s solche Sachen wie
                    • Mangelhafter Kaktus?
                    • Patentierte Sorten?
                    • Ausfuhrprobleme?
                    • Einfuhrprobleme?
                      Oder gibt’s dann einfach ein Pflanzenschutzzeugnis und fertig? Wendet man sich da frühzeitig an den Zoll?
                      Gibt’s da Bücher, die das erläutern? Oder einen besonderen Vordruck?
                      Ja, solche Sachen gibt es – ich habe viele Fehler gemacht und sehr viel dabei gelernt. Es ist trotzdem jedes Mal wieder neu. Ich habe gelernt – entweder du hältst dir eine Dauerinfusion Verwaltungsrecht, damit du wirklich immer auf dem aktuellen Stand bist – oder du bereitest dich vor und arbeitest mit den Behörden zusammen. Und manchmal habe ich zum Beispiel beim Zoll die Erfahrung gemacht, dass die nicht immer die Peilung haben. Andererseits – wie soll ein Zöllner den sich ständig verändernden Katalog der Vorschriften für alle Wirtschaftsgüter, die importiert werden, im Kopf haben? Und Pflanzensendungen zählen da zu seltenen Gästen, das merke ich jedes Mal. Selbst Speditionen mit Fachkompetenz in dem Bereich sind rar gesät. In Büchern gibt es dazu nichts zu finden – und die Webseiten, die helfen sollen, sind so komplex wie die Situation selbst. Wenn ein Kunde auf Jamaika einen Kaktus bestellen möchte, dann ist es auch für uns jedes Mal aufs neue eine Odyssee, bis wir eine halbwegs aktuelle und verlässliche Information haben und wissen, welche Dokumente müssen für die gewünschten Pflanzen in dieses Land beantragt werden. Und ob die Landesbehörden das dann auch noch so sehen – das steht auf einem anderen Blatt.
                      Alles in Bewegung sozusagen.
                       
                       
                       
                       
                      Kakteenjäger – sind das Kriminelle?
                      Ich lese gerade Kakteenjagd von Curt Backeberg. Herrlich wie der den Fric in einer Hafenspelunke kennenlernt. Da war der Hamburger Hafen noch voller Abenteuer.
                      Mein neuer Berufswunsch nach dem Anwalt ist Kakteenjäger.
                      • was dürfte man jetzt eigentlich in Amerika / Südamerika mitnehmen? Dürfte man da jetzt eine Samenkapsel mitnehmen? Ein Opuntia Ohr ? Oder kommt man dann gleich ins Trumps Abschiebeknast? Zumal ja wohl auch viele Bestände durch diese *Wilderei* gefährdet sind, wenn ich das richtig verfolge.
                      • Und da kommt der Bezug auf den Anfang. Was unterscheidet die Reisen von Curt Backeberg von der heutigen *Wilderei*? Also bis auf das die Zeiten anders sind und es heutzutage CITES gibt um wohl genau das zu verhindern…
                      • wenn ich durch Sizilien fahre, auf meinem Weg zu Al Capone und da von dem Straßenunkraut, sprich Opuntia ein Ohr oder eine Samenkapsel mitnehme, macht es das besser?
                      • Das sind wirklich herrliche Geschichten! Die kann ich nur empfehlen. Die Bücher von Backeberg gibt es heute immer noch antiquarisch – und ich überlege gerade, wer wen im Schreibstil beeinflusst haben könnte, denn auch mein Großvater hatte die Gabe, selbst seinen eher wissenschaftlich orientierten Büchern einen Hauch von Karl-May-Abenteuerduft mitzugeben.
                        Mitnehmen ist ganz einfach: verboten! Und zwar alle Pflanzenteile, also egal ob Pflanze, ein Ohr, eine Frucht oder nur ein paar Korn Samen, selbst Pollen oder totes Kaktusholz unterliegen den CITES-Bestimmungen.
                        Für Italien ist das im Grunde ebenso gültig. Allerdings gibt es keine Nachweispflicht und keine Grenzkontrollen. Und da wir im Segen eines Wirtschaftsraumes leben, können wir in der Praxis, ohne behelligt zu werden, das Opuntien-Ohr von Capone an die Alster fahren – solange wir die EU dabei nicht verlassen. Der Seeweg kann dabei also schon wieder Probleme bergen.
                         
                        Die Kakteenwelt früher – Mord und Totschlag?
                        Wie war das eigentlich so mit der Entdeckung der Kakteenwelt? Auftragsmorde?
                        Wann ging das eigentlich los? Mit Kolumbus? Ich stell mir das schon ziemlich räubermäßig vor. Schiff vollmachen und ab damit nach Europa. Als Gärtner seit 1685 habt ihr da ja bestimmt auch Erkenntnisse…
                        Gibt es das heute eigentlich noch? Oder ist die Kakteenwelt vermessen und alles bekannt? Ich hab von Bekannten gehört, die sind seit fast 20 Jahren einmal jährlich in Südamerika.
                        • Was sagt CITES dazu?
                        • Was darf man eigentlich noch ?
                        • Dürfte ich Amerika Pflanzen mitnehmen, oder Samen?
                        • oder alles nur angucken, aber nicht anfassen ?
                        • Bei all den Abenteuergeschichten – nein, von einem Auftragsmord habe ich noch nicht gehört.
                          Fric war in den USA inhaftiert – allerdings nicht wegen der Kakteen, sondern wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe – das war in der damaligen Zeit aber wohl nicht ungewöhnlich.
                          Zu Zeiten vor und von Kolumbus waren die kulturellen Unterschiede ein wichtiges Thema. Zur Zeit der Azteken bin ich mir bis heute nicht sicher, wessen Kultur nun fortschrittlicher gewesen ist. Schauen wir nach Amerika einige Generationen später, da konnte es schonmal passieren, dass ein Reisender sich im Wilden Westen in heiliges Land, auf dem die Kakteen wuchsen, verlief und hat dieses Sakrileg mit seinem Leben bezahlt. Es war eine wilde Zeit, damals. Manchmal habe ich den Eindruck – allzu viel hat sich bis heute nicht verändert.
                           
                          Die ersten Kakteen kamen schon vor Kolumbus nach Europa. Zumindest belegen dies sehr frühe Abbildungen. Wirtschaftlich gab es da aber wenig Bedarf, denn die Möglichkeiten, die Pflanzen auch am Leben zu halten, die gab es erst später an königlichen Höfen, mit Orangerien. Damit das „Schiff vollmachen“ – das gab es eigentlich nur bei Nutzpflanzen und auch das fand erst etwas später statt.
                          Und später – alles rechtens?
                          Nein – kriminelle Energie ist bis heute noch in den Menschen. Eine große Zahl von geräuberten Copiapoa ist erst im vergangenen Jahr in Italien „aufgegrifffen“ worden, zwei Jahre zuvor zeigte mir ein Zöllner Bilder von uralten Ariocarpus – und es ist wohl noch nicht das Ende der Story.
                          Wenn ich hier immer über andere berichte – auch meine Vorfahren haben Kakteen aus Mexiko oder Texas importiert – solange bis Krieg und später der eiserne Vorhang uns abgeschottet haben. Zu dieser Zeit – und nach meinem Empfinden noch bis in die 1990er Jahre hinein – war das Verständnis zum Thema Artenschutz ziemlich unterschiedlich bei den Menschen. Und wenn ich heute erfahre, dass eine Regierung geschützte Tiere zur Jagd freigibt, um Finanzlöcher damit zu stopfen, dann ist das bitter.
                           
                          Wie machst du das?
                          Zählst du zu den „guten Pflanzensammlern“? 
                          Oder hast du auch schon mal im Treppenhaus einen Steckling stibitzt, oder im botanischen Garten eine Samenkapsel gemopst?
                           
                          Schreib mir, was du magst! Per Mail an [email protected] 
                           
                          Stay tuned! 
                          Schöne Grüße aus der Blumenstadt Erfurt
                          Ulrich Haage mit schicken Grüßen aus der Kakteengärtnerei.
                           
                          Shownotes:

                          Darüber habe ich erzählt:

                          • Bundesamt für Naturschutz
                          • CITES.org 
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                              • CP005 – Emily Cox – Mrs Echeveria
                              • CP012 – Lothar Bodingbauer über Kakteenerde – Teil 1
                              • CP013 – Lothar Bodingbauer über Kakteenerde – Teil 2
                              • CP021 – Georg Schwarz über Kunststofftöpfe für Kakteen
                              • CP023 – Melanie Öhlenbach fragt zum Thema Aloe vera
                              • CP031 – Bundesgartenschau in Erfurt – mit Oberbürgermeister Andreas Bausewein und BUGA Chefin Kathrin Weiß
                              • CP033 – Mit dem Auto Kakteen platt fahren – Forza Horizon 5 – das Racing Game – Interview mit Wasted Journalist Jan Bojaryn
                              • noch mehr Interviews im restlichen Äther:
                                • 10/2017 – Ulrich Haage zu Gast in Bienengespräche 31 bei Lothar Bodingbauer – Thema: Kakteen, Kakteengeschichte, Kakteen-Haage und Erfurt – mit über 5 Stunden Laufzeit einer der ganz dicken Episoden
                                • 11/2021 – Ulrich Haage zu Gast im On the ledge Podcast von Jane Perrone – Thema: Kakteen und der ganze Rest 
                                • 01/2022 – Ulrich Haage zu Gast in Bienengespräche 75 von Lothar Bodingbauer – Thema: Saatgut und Vielfalt und die Einschränkungen durch die EU Pflanzenschutzverordnung
                                •  

                                  Der Beitrag CactusPodcast 034 – Artenschutz: Kakteen, Kriminelle, Anwälte erschien zuerst auf Cactusblog.

                                  48 min

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