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Ich bin Ulrich Haage und ich bin heute auf Podcast-Exkursion. Genau gesagt melde ich mich aus Hamburg, Hauptbahnhof, auf Gleis 11. Und ich bin auf dem Weg zu meinem heutigen Gast. Wir treffen uns heute in einer Gärtnerei und ich rechne damit, dass mir heute so viele Stacheln begegnen werden, wie ich auch zu Hause in den Gewächshäusern gestochen werden könnte.
Ich treffe heute Philipp bei seiner Arbeit und zwar in einer Rosengärtnerei. Warte! Es geht heute trotzdem um Kakteen! Philipp ist Mitte 20 und ich mutmaße, dass er seit etwa 15 Jahren vernarrt in Kakteen ist. Mit 12 hat er denn Chemnitzer Umweltpreis bekommen. Und einen Brief an seine Oberbürgermeisterin geschrieben und sich für den Erhalt des Botanischen Gartens eingesetzt. Er ist Künstler, malt in seiner Freizeit und. hat gerade sein Studium an der HTW Dresden abgeschlossen. In seiner Bachelorarbeit hatte sich tief in ein ziemlich spannendes Thema eingearbeitet. Ganz grob, es geht um Pflanzenlicht bei der Kultur von Lophophora.
Last but not least Philipp engagiert sich bei der Deutschen Kakteengesellschaft und kümmert sich dort um die Social Media Belange.
Und ich bin echt neugierig, was er uns darüber erzählt.
Ich habe jetzt eine Verabredung.
von Ulrich Haage | Kaktusgärtner, Blogger und Podcaster auf cactusblog.de | CactusPodcast
**Ulrich:** Weißt du, was dich angefixt hat? Hast du den Stich erlebt, als der Kakteen-Virus bei dir injiziert wurde?
**Philipp:** Auch das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich habe mir irgendwann mal einen Kaktus auf die Fensterbank gestellt. Eine Mammillaria geminispina – und dazu kam dann irgendwann ein zweiter und ein dritter und ein vierter, und dann war die Fensterbank irgendwann voll. Und dann war die nächste Fensterbank dran. So ging es bei mir los. Ich bin zwischendurch mal umgezogen, weil die Fensterbretter voll waren. Nein, nein, das nicht, aber ich hatte in der nächsten Wohnung tatsächlich ein paar Fensterbretter mehr.
**Ulrich ** Deine Eltern haben dich da unterstützt?
**Philipp:** Oh ja, doch, kann man so sagen. Meine Mutter hat mir zum Geburtstag mal einen Gutschein zum CactusWorkCamp geschenkt, das war unsere erste Begegnung.
**Ulrich ** Gab es jemanden, der dich bei den ersten Kakteen begleitet hat? Gab es einen Mentor für dich, der dir so bei den ersten Sammlungen, bei den ersten Pflanzen geholfen hat und dir erklärt hat, wie das geht, oder hast du das alles selber erobern dürfen?
**Philipp ** So richtig an die Hand genommen wurde ich nicht. Ich habe mich viel in Büchern und in Foren belesen. Wahrscheinlich gab es eine ganze Menge Leute, die mich da inspiriert haben. Aber ich glaube, wenn ich jetzt anfangen würde, Namen aufzuzählen, würde ich irgendjemanden vergessen.
Ich blättere gerne durch die „KuS“ (Kakteen und andere Sukkulenten) und bleibe an verschiedenen Artikeln hängen. Vor allem Reiseberichte.Aber auch da ist jetzt kein Autor, der mich ganz besonders beeinflusst hätte.
**Ulrich ** Okay, muss ja nicht, das war jetzt nur so die Überlegung. Manchmal hat man dann irgendwie eine Person in Erinnerung. Also ich müsste bei mir auch graben, ich wüsste jetzt auch nicht, aber eben gut, ich habe natürlich auch so ein Stück weit an der Quelle gesessen. Wenn es in der Pflanzenwelt etwas gibt, das bei mir initial das Interesse geweckt hat, dann war das die Zeit im Botanischen Garten in Chemnitz. Da gab es einen Lehrer, im Schulbiologiezentrum der hat diese AG gemacht, der hat mich in das ganze Thema Pflanzen reingebracht – nicht speziell Kakteen, aber ich bin ja vielseitig interessiert, sonst würde man wahrscheinlich als Kakteenliebhaber auch nicht in der Baumschule lande. Das kann man als den Anfang sehen.
**Ulrich ** Du hast mit zarten zwölf Jahren schon einen Umweltpreis gekriegt?
**Philipp:** Den Umweltpreis der Stadt Chemnitz. Damals haben wir uns mit Ackerwildkräutern im Raum Chemnitz beschäftigt
**Ulrich ** Und dann stand irgendwann dem Botanischen Garten das Wasser bis zum Hals. Da hast du dich dann dafür eingesetzt und hast gesagt: Liebe Stadtverwaltung…
**Philipp:** …so nicht!
Da hast du aber ganz schön tief gekramt!
**Ulrich ** Zurück zu den Kakteen: Was sticht dich sozusagen? Gibt es irgendwas, wo du sagst, das fasziniert mich ganz besonders an den Kakteen?
**Philipp:** Ich glaube, es ist diese Vielfalt an Überlebensstrategien, die diese Pflanzenfamilie über Jahrmillionen entwickelt hat. Also wenn du die Lebensräume anschaust, die von Epiphyten die Regenwälder im Amazonas oder auch in anderen feuchten Gebieten bewohnen – auch ganz, ganz wild habe ich neulich gesehen, eine Mammillaria, die auf so einer Eiche auf dem Kork wächst – eher zufällig, das ist ja kein geplanter Epiphyt, aber sowas ist total interessant. Und dann die Küstennebelregionen, wo Pflanzen das Wasser aus der feuchten Luft auskämmen, und das reicht denen, um zu wachsen. Oder im Extremen: großartige Pflanzen, die gehen dort Meter tief, bis sie irgendwann am Grundwasser sind. Sind die eigentlich gar keine Sukkulenten? Irgendwo scheint dieser Überlebensinstinkt oder diese Überlebensstrategie dazu geführt zu haben, dass diese Pflanzen bis jetzt nicht ausgestorben sind, und das ist einfach Wahnsinn. Also das holt mich halt so ab, diese Vielfalt an Methoden, unter widrigsten Bedingungen einfach weiterzuleben und diesen Lebensraum für sich zu erschließen.
*Ulrich ** Ist das eine Sache, die auch mit dem Klimawandel vielleicht erklärbar ist?
**Philipp:** Wie meinst du das genau?
**Ulrich ** Naja, also als ich in deinem Alter war, da hat die Braunkohleheizung die Luft versaut. Und dann gab es das Ozonloch, was wir irgendwie wieder zu kriegen mussten. Und heute brennt die ganze Welt.
[Ich weiß nicht, ob man die Möwen über dem Gewächshaus hört, wir sind wirklich richtig im Norden.]
**Philipp:** Das Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz, Klimawandel – klar, das beschäftigt, glaube ich, jeden Menschen in meiner Generation und in den Generationen, die jetzt nach mir noch kommen, die wird das noch mal mehr beschäftigen. Es gibt von Detlef Metzing, dem Artenschutzbeauftragten der DKG, einen sehr interessanten Vortrag, wie sich die Kakteenpopulation mit den aktuellen Klimawandelprognosen verschieben würden. Also welche Arten sich ausbreiten, vorausgesetzt, die Pflanzen sind schnell genug in der Reproduktion.
**Ulrich ** Wenn du jetzt auf deine Fensterbänke guckst, was steht da? Ist deine Sammlung auf eine bestimmte Gattung fokussiert oder bist du da völlig frei?
**Philipp:** Ich habe schon so meine Lieblingsgattungen, das sind vor allem Lophophora und aber auch ganz viele kurze Säulen aus Brasilien. Die Catinga ist ein wahnsinnig interessanter Lebensraum, und Minas Gerais, diese Region. Aber an sich muss ich zugeben, ist meine Sammlung eher sehr dynamisch. Ich bin interessiert an Pflanzen, die besonders blühen. Wir haben vorhin über Rebutia gesprochen, da gibt es einige Blütenfarben, die kriegst du auf dem Foto schlecht eingefangen. Wie du vorhin erklärt hast geht das mit Dias schon irgendwie.
**Ulrich ** Ja, aber das ist eine Technik, die ich nicht mehr nutze, mein Vater hat das noch benutzt.
**Philipp:** Ich habe eine Rebutia zum Beispiel mal für ein paar Jahre stehen. Warte auf die Blüte, schau sie mir an, mache ein Foto und gucke, ob ich es einfangen konnte, und dann habe ich mich gewissermaßen sattgesehen und geb die Pflanze dann eben an den nächsten, der das meines Erachtens auch mal sehen sollten. Da ist viel Bewegung drin und ich tausche gerne hin und her und lass mich da auch inspirieren und anstecken, wenn jemand sagt, guck dir das mal an, dann kommt das auf die temporäre Wishlist.
**Ulrich ** Du sammelst also nicht Echinocereus coccineus in all seinen Verbreitungsgebieten im Gewächshaus zusammen, sondern es geht um veränderliche Interessen?
**Philipp:** Ja, das ist für mich spannend. Ich finde es total charmant, wenn das jemand macht und wenn das so das Ziel ist, aus einer Gattung irgendwie alles haben zu wollen. Manchmal geht das ein bisschen ins Klinische über, das finde ich dann merkwürdig, aber hey, das gibt verschiedenste Menschen und Charaktere in der DKG unter den Ortsgruppen und von daher. Wenn das der Anspruch von jemandem ist, dann ist das auch vor allem von der Bewahrung der Genetik saucool, wenn jemand eine ganze Gattung dastehen hat in all ihren Subspezies und Formen und Varietäten.
*Ulrich ** Das hat ja auch mit Wissen zu tun. Ich glaube, man kann das schön nebeneinanderstellen. Spleenig ist das Ganze sicher, aber in meinen Augen eine sehr fruchtbare Form von Spleen, weil es natürlich dadurch sorgt dass wir Wissen akkumulieren, wir tragen Wissen über bestimmte Pflanzen zusammen. Was ich auch ganz spannend finde, ich würde dich das gerne noch mal in 15 Jahren fragen, ob sich da was ändert oder neues rauskristallisiert.
Wir kennen ja Carl Spitzweg, den Maler der unter anderem den Kakteenfreund oder den Kakteensammler in verschiedenen Facetten dargestellt hat, das ist ja immer so ein introvertierter Typ.
Wo siehst du dich? Bist du also eher einer, der bei seinen Pflanzen Ruhe und Zuflucht sucht, oder bist du eher einer, der über die Pflanzen rausgeht und sagt, darüber lerne ich andere Menschen kennen?
Wenn du bis hierher gelesen hast, dann hast du das Ende des KI-Transkripts erreicht, das ich bislang überarbeitet habe – und dann darfst du mir eine Nachricht schicken. Ich bin noch nicht sicher, ob ich den Rest noch ergänzen werde, denn es kostet unheimlich viel Zeit, die Mitschrift zu straffen und die Zuordnung der Sprecher wieder auseinanderzudröseln. Das ist übrigens auch der Grund für die Verzögerung der Episode, die wir bereits Anfang Juni in Hamburg aufgezeichnet haben – die Episode 043 „Im Gewächshaus“ ist zwar schon on Air, wurde aber erst danach aufgenommen. Ein paar kleine Insider-Infos.
Das war mein erster Versuch, im Gegensatz zu den bisherigen Interviews hier ein Transkript zu hinterlegen. Was ich lustig finde, die KI lernt noch fleißig. Im Originaltext habe ich Philipp beispielsweise mal auf dem Avocadofeld getroffen, aber auch in Arcadien. Ich fürchte, ich muss etwas an meiner Aussprache arbeiten – so ein Genuschel geht ja gar nicht!
Der Beitrag CactusPodcast 044 – Philipp inside DKG – Deutsche Kakteengesellschaft erschien zuerst auf Cactusblog.
Da ist so manche Geschichte unerzählt geblieben – und damit das so nicht bleibt, geht’s jetzt hier weiter – und als Entschädigung wird die Folge heute wohl etwas länger.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Das deutsche Gartenbaumuseum ist in Erfurt zuhause. Wie kam das?
Erfurt gilt als der Ursprung des deutschen Gartenbaus. Sicher hat es zu der Zeit auch in anderen Regionen der deutschen Landen schon Erwerbsgartenbau gegeben. Die Art und Weise mit der die Professionalisierung vonstatten ging war aber in Erfurt einzigartig.
Die Gründe lagen in meinen Augen in der Vorgeschichte. Der Gartenbau hat die Grundlage für den Reichtum der Erfurter Patrizier gesorgt. Ein Reichtum und eine wirtschaftliche Bedeutung wie sie später vielleicht noch mit den großen Hansestädten vergleichbar würden. Die Gärtner selbst waren dabei nicht die die Rahm abschöpften. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert, der Verdienst landete in erster Linie bei den Händlern. Aber die sorgten für den Erhalt ihrer Wohlstandquelle.
Nicht ohne Grund bezeichnete schon Luther die Erfurter als „des Heiligen Römischen Reiches Gärtner“. In Erfurt waren Gärtner ansässig, die über lange Zeiträume die Gartenbaugeschichte schrieben. Dazu gehören große Namen wie Benary, J. C. Schmidt, Platz, Franz Anton Haage, Fischer, Heinemann, Pabst, Czeckalla, Haage & Schmidt, Chrestensen, Jühlke – und auch Friedrich Adolph Haage.
Als 1961 in Erfurt die erste Internationale Gartenausstellung nach dem Krieg stattfindet wird zeitgleich auf das Deutsche Gartenbaumuseum eingeweiht. (die erste Allgemeine Deutsche Gartenbauausstellung mit internationaler Beteiligung findet übrigens im Jahr 1865 in Erfurt statt. Die Ausstellungstradition reicht aber noch weiter in der Geschichte zurück)
Das Museum trägt bis 1989 eine eindrucksvolle Sammlung zusammen und erfreut sich auf der iga alljährlich zahlreicher Besucher. Mit der Wende bleiben die gewohnten Besuchermassen aus und auch die Zukunft des Museums ist nicht mehr sicher. Auch wenn der Erfolg immer viele Väter hat, ist mir ein Name in Erinnerung, den ich immer wieder höre, wenn es damals darum ging „bleibt das deutsche Gartenbaumuseum in Erfurt?“. Der damalige Präsident des Zentralverband Gartenbau Karl Zwermann hat gemeinsam mit dem langjährigen Thüringer Landwirtschaftsminister Volker Sklenar die Weichen gestellt, dass das Museum in Erfurt bleibt.
Und dort ist es bis heute.
Jetzt Bühne frei für Ulrike Richter vom Deutschen Gartenbaumuseum, die zu Beginn über ein Bild spricht, dass eben die Inhalte dieser Episode umfasst: Dynamit und Espostoa lanata:
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 041 – Espostoa lanata: Dynamit und Gartenbaumuseum erschien zuerst auf Cactusblog.
In der der letzten Episode war der Thüringer Ministerpräsident bei uns zu Gast und nun schon wieder so eine große Nummer!
Aber der Reihe nach. Seit Donnerstag, 25.5. haben wir, also Kakteen-Haage, diplomatischen Kontakt nach Mexiko.
S.E. (Seine Excellenz) Herr Botschafter Francisco Jose Quiroga Fernandes erwies unser Gärtnerei die Ehre seines Besuches.
(Wer uns besucht, das habe ich allerdings erst beim Abschied mitbekommen.)
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Kakteengeschichte
Und dann ist am Donnerstagnachmittag eine große schwarze Limousine mit einem Null-Kennzeichen auf unseren Parkplatz gerollt. Ohne ein besonderes Hoheitskennzeichen und ohne Polizei.
Damit hatte ich aber auch nicht gerechnet. Ich begrüßte eine Frau und vier Männer in gediegenen schwarzen Anzügen.
Aus der Thüringer Staatskanzlei hatte ich erfahren: am Vormittag hatte sich die Delegation mit Bodo Ramelow und mit der IHK getroffen.
Und meine Schwester hatte auf den Berliner Kakteentagen eine Einladung ausgesprochen. Ich bin mir sicher, es gab außerdem noch einen Freund bei den Berliner Kakteenfreunden, der in Berlin ein wenig Fäden gezogen hatte.
Dennoch war mir nicht klar, wie wir zu diesem hochkarätigen Besuch gekommen sind. Also hab ich ganz platt nach dem Grund für den Besuch gefragt.
Und ich erfuhr: in der Botschaft gibt es ein großes Kakteen-Display, in denen viele verschiedene Kakteen gezeigt werden. Es soll Sinnbild sein für die Vielfalt Mexikos. Ein Teil der Kakteen stammt aus dem Botanischen Garten Berlin und vermutlich wurden einige von den Berliner Kakteenfreunden gestiftet. Das wollte uns der Botschafter zeigen. Und auch das Interesse an einer deutschen Kakteengärtnerei.
Im Laufe des Besuchs kam im Nebensatz sehr freundlich und dezent – also diplomatisch – die Frage, ob wir vielleicht auch ein paar Pflanzen stiften würden.
Klar machen wir das! Ehrensache!
Und schon waren wir mitten im Gespräch.
An der Stelle ein Einschub mit etwas Nachhilfe in Sachen Diplomsprache? Diplomatie, also Botschaftsbegriffe.
Ich brauchte die jedenfalls, denn ich hab mich im Kaktusgärtneralltag nicht mit der Frage auseinandergesetzt, was ein Gesandter ist und was der Unterschied zum Botschafter.
Hier kommt der Service-Block, falls du das auch nicht wusstest:
Ein Botschafter ist ein Diplomat und der beamtete oberste Beauftragte eines Staates in einem anderen Land oder bei einer internationalen Organisation. Er wird vom Außenministerium entsandt und ist der persönliche Repräsentant des Staatsoberhauptes seines Landes. (sagt Wikipedia)
Der Botschafter ist der Chef der Botschaft, der Gesandte sein Vertreter. In großen Botschaften gibt es manchmal auch einen ersten und einen zweiten Gesandten. Ganz praktisch: die Anrede für den Botschafter lautet „Excellenz“, der Gesandte hat keine zusätzliche Anrede. Blöd für mich: ich hab mich an den angekündigten Gesandten gehalten und war mir der Sache auch weiter sicher, denn wenn es der Botschafter gewesen wäre, dann hätten ihn seine Mitarbeiter auch mit seinem Titel oder seiner Anrede bedacht. Das kenne ich aus den Ministerien, da erscheint mir die Wortwahl selbst in der dritten Person manchmal sehr historisch: „Herr Minister hat gesagt…“, oder „Frau Ministerin wird am Dienstag um 11 Uhr hier sein …“
In Mexiko sind diese Förmlichkeiten offenbar nicht so wichtig, oder die Menschen in der Delegation waren einfach so klassisch entspannt und locker miteinander unterwegs.
Ich hab mal wieder was gelernt: Sei dir nie zu sicher, mit nichts!
Zurück ins Gewächshaus:
Wir sind inzwischen bei den Mutterpflanzen angekommen.
Opuntien! Nopales – in Mexiko werden die gern als Gemüse gegessen – erzählt ein Delegierten und alle nicken eifrig mit besonderem Gesichtsausdruck.
Ja, ich weiß – und erzähle vom Kakteenessen in unserem Gewächshaus – und dass es im Moment schwierig ist Nopalitos als Salat im Glas zu importieren.
Ich überlege, wie ich das einsortiere, welches Gewicht hat der Kaktus als Nahrungsmittel im Alltag in Mexiko? Ich hab Kaktusblätter auf den Märkten im Süden der USA gesehen, auch in den großen Supermärkten in der Gemüseabteilung.
Im Nachgang mache ich mir darüber nochmal Gedanken, wie würde das erzählen? Mir kommt unser heimischer Löwenzahn in den Sinn. Würde ich in Vietnam überraschend über eine Pflanze stolpern, dann könnte ich auch erzählen: „esse ich, schmeckt, wird in Deutschland gern im Salat gegessen.“ Und es wäre wahr. Konkret ist es aber mindestens 30 Jahre her, dass ich meinen letzten Löwenzahnsalat genossen habe. Gut, „Löwenzahnhonig“ haben wir mit den Kindern im Kindergartenalter gemacht, aber auch das ist 10-15 Jahre her.
Ich sammle mich und meine Gedanken mal – auch Löwenzahn wird gegessen und es gibt einige Landwirte, die professionell Löwenzahn anbauen. Ich glaube aber, dass Kakteen in Mexiko und auf der Welt wirtschaftlich eine größere Bedeutung haben, als Löwenzahn. Wie groß die wirtschaftliche Bedeutung für Mexiko ist, das kann ich ja bei meinem ersten Besuch in der Botschaft mal erfragen …
Ich warne vor den feinen, weißen Dornen, den Glochiden an den Opuntien – aber schon hat der schwarze Anzug einen dünnen weißen Streifen auf dem Rücken.
Au weh!
Ich denke an die Ledersitze in der Limousine auf der Rückfahrt nach Berlin. Das wird bestimmt unangenehm.
Manchmal verstehen sie mich vermutlich nicht und sie sind einfach zu höflich, das zu zeigen.
Ich bemühe mich, Geschichten zu erzählen, die auch für Nicht-Kakteen-Spezialisten unterhaltsam sind.
Die nächste Frage hat mich deswegen kurz überrascht:
„Gibt es bei Ihnen auch Peotl?“ – wir schauen gerade die großen Astrophytum Mutterpflanzen an.
Moment – noch ein paar Schritte, dann sind wir bei den Lophophora.
Ja, Peotl haben wir – und ich höre Geschichten vom Heiligen Kaktus aus dem alten Mexiko.
Damals hatten die Kakteen eine ganz besondere Bedeutung – der Kaktus auf dem der Adler mit der Schlange sitzt – das war der Ursprung, dort ist das heutige Mexiko gegründet worden. Das war die Opuntie, die auch heute noch Wappenpflanze Mexikos ist.
Aber auch sonst seien Kakteen heute wieder mehr im Bewusstsein der Bevölkerung in Mexiko.
An der Nationalen Universität und dem zugehörigen Botanischen Garten sind die Kakteen gut vertreten, es gibt verschiedene Forschungsprojekte in denen es auch um die Erhaltung der Kakteenpopulation geht.
Und das war das Stichwort – damit sind wir von ganz allein in die Rubrik FdK gekommen – heute besser FdB: frag den Botschafter – denn wir haben im Vorfeld ein paar Hörerfragen eingesammelt, die ich jetzt dem Botschafter stellen konnte.
roman (Insta)
Mich würde interessieren welchen Stellenwert Kakteen dort haben, wir hier hegen und pflegen das sie überleben, dort ist es eventuell manchmal so etwas wie Unkraut… 😍🌵🌵🌵
Kakteen sind für die Mexikaner wichtig. Die Pflanzen sind ziemlich tief in die Kultur und Traditionen des Landes eingebettet. Sie sind ein Teil des kulturellen Erbes sind auch Symbol für die Vielfalt von Mexiko.
Das war mir so nicht klar – aber es erklärt die Sache mit dem Kaktus-Display in der Botschaft und den Fakt, das eine so hochkarätige Delegation sich auf den Weg macht, um Kakteen zu besorgen – und das erstaunt mich ziemlich!
Dann ist da noch der Punkt mit den Kakteen in der mexikanischen Küche.
Opuntia zählt in manchen Regionen zu den Grundnahrungsmitteln, die Kakteenblätter oder Nopales oder Tunas (Opuntienfrüchte) oder Pitahaya (Früchte von Selenicereus oder Hylocereus).
Außerdem werden Kakteen in der Volksmedizin für alle möglichen Heilanwendungen eingesetzt.
Übrigens auch Lophophora.
Aure Lia (FB)
Was wird getan, damit die Lophophora in freier Wildbahn erhalten bleibt und wie läuft es bisher?
… und:
philippheidelweizel (insta)
Was für eine tolle Gelegenheit! Vielleicht könnt ihr mal nach Auswilderungsprogrammen bei Kakteen fragen.
Die Fragen passen gut zusammen – deswegen die Antwort im Paket:
Ja. Es gibt verschiedene Renaturierungsprogramme, die von der Regierung angeschoben werden und es gibt Programme aus Privatinitiative.
Und nicht zuletzt zielen verschiedene Forschungsprojekte der Nationalen unabhängigen Universität Mexiko (UNAM) auf die Erforschung und Erhaltung von Kakteen und anderen sukkulenten Pflanzen in verschiedenen Regionen von Mexiko.
Außerdem – und das war eine meiner Fragen: „gibt es viele Gärtner in Mexiko, die die Versorgung mit Kakteen im eigenen Land sichern.“
Die Mitarbeiterin hat diese Aussage etwas relativiert, sie sagte: „zumindest in Mexico D. C. gibt es genügend Kakteen zu kaufen.“
Thomas Paul (FB)
Ich würde mal fragen ob er den Chefgärtner zum Gegenbesuch nach Mexiko einlädt.
Ich war nicht so keck, nach einer Einladung zu fragen – aber ich habe sie bekommen.
Zwar kein Gegenbesuch in Mexiko, aber nach Berlin wurde ich eingeladen – und das finde ich schon abgefahren!
Jetzt ist dir sicher auch aufgefallen: einige der Antworten sind in erster Linie diplomatischer Natur „politisch pauschal positiv“.
Ich habe auch nicht damit gerechnet, dass in der Botschaft in Deutschland Detail-Informationen über Artenschutz-Projekte vorliegen, das wäre definitiv zu viel erwartet, auch wenn der Besuch in der Gärtnerei einige Tage Vorlauf für die Vorbereitung gehabt hätte.
Deswegen möchte ich gern noch eine andere Seite dazu hören.
Mich interessiert: bist du selbst schon mal in Mexiko gewesen, oder kennst jemanden der vor Ort war und etwas zu konkreten Erhaltungsmaßnahmen von Kakteen in Mexiko erzählen kann?
Wie siehst du das?
Im Gewächshaus sind wir nach den Samenträgern bis zur Aussaat gekommen. Ich glaube die schiere Masse der winzigen Kakteensämlinge waren sehr beeindruckend, denn es kam vom Herrn Wirtschaftsgesandten die erste „technische Frage“.
Wie viele Mitarbeiter arbeiten hier? Die Sämlinge pikiert nur eine Kollegin – aber insgesamt sind wir zwölf, die die gesamte Gärtnerei am Laufen halten.
Ich bin manchmal selbst unsicher, ob das jetzt viel oder wenig ist – für eine normale Gärtnerei wäre es ganz schön viel – und auch die Qualifikation unserer Mitarbeiter macht mich immer wieder stolz!
Bei den Chamaecereus unterhalten wir uns über die Kakteengärtnereien und die momentanen Veränderungen auf dem Markt. Ich erzählen vom selten gewordenen Generationenwechsel bei den Kaktusgärtnern, denn meist ist es einfach Schwund. Das erlebe ich hier in Deutschland, aber auch in anderen Ländern der Erde.
Ich frage, ob wir in Zukunft Kakteen direkt aus mexikanischen Gärtnereien kaufen können. Der Botschafter strahlt und erzählt vom neuen Handelsabkommen und dass das vielleicht auch den Markt für den Handel mit Kakteen erleichtern könnte. Wie das konkret aussehen kann, das weiß ich noch nicht – aber ich bin zuversichtlich.
Wir haben die letzte Etappe unserer kurzen Rundreise durch die Kakteengärtnerei erreicht und stehen jetzt im Museum.
Ich erzähle von den verschiedenen Standorte, an denen die Gärtnerei in Erfurt ansässig gewesen ist, ich erzähle vom Kakteenjäger Fric der im Mexiko Kakteen gesammelt hat und offenbar ist die Sammlung mit Kakteenbriefmarken aus der ganzen Welt ein interessantes Feld.
Den Abschluss des Besuchs ist der Fototermin an der Friedrich Adolph Haage Gedenkplatte.
Daneben gibt es noch den obligatorischen Eintrag ins Gästebuch – und erst dann wird mir bewusst, wer uns besucht hat:
Es steht nämlich unter der Unterschrift:
Francisco Jose Quiroga Fernandes
Botschafter
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 040 – Kakteengeschichte: Begegnung der Kulturen – Mexikanischer Botschafter in der Kakteengärtnerei erschien zuerst auf Cactusblog.
von Ulrich Haage | CactusPodcast - Artenschutz
Maestro,
uns stellen sich einige Fragen, über deren gelegentliche Beantwortung, soweit die Zeit und der Schlaf das zulässt, wir uns sehr freuen würden.
Gibt es Rechtsanwälte, die auf den Bereich Pflanzenrecht, Kakteenrecht spezialisiert sind ? Gibt es sowas überhaupt? Ich habe in meinen juristischen Verlagen und Datenbanken da eher nichts zu gefunden.
Nein, Anwälte, die auf „Gärtnerbedarf“ spezialisiert sind kenne ich auch nicht. Vielleicht gibt es am Niederrhein, im Alten Land oder in Rain am Lech, – also dort wo viele Gartenbaubetriebe konzentriert sind – tatsächlich auch Fachanwälte, die sich ganz speziell auf Gärtnerbelange eingestellt haben.
Und Ja: ich kenne spezielle Anwälte für den Bereich Artenschutz, die sind meist in Regierungsstellen als Justiziare tätig und kümmern sich um die Umsetzung der Artenschutzgesetze.
Wenn ich als Bürger in dem Bereich in „eine Situation“ käme, dann würde ich mich wohl nach einem Anwalt für Verwaltungsrecht umsehen.
Sind Kakteen, Zimmerpflanzen, Pflanzen allgemein ein paradiesischer Ort und Zustand, um den es keinen Streit und schon gar keine Rechtsstreitigkeiten gibt? Da fehlt mir als Anwalt allerdings die Fantasie zu.
Ja, ein bisschen scheint es fast so. Vielleicht sind wir Gärtner ein Völkchen, das in der Lage ist, Einigung zu erreichen. Vermutlich ist es aber eher der Fall, dass ich im Moment in erster Linie von mir spreche – mir liegen Streitereien nicht so.
Ich träume ja als Anwalt immer noch davon jeden Online Kakteenverkäufer auf Ebay OHNE EU Pflanzenpass abzumahnen. Böse Anwälte…:)
Wenn ich das richtig verstanden habe, gilt die EU Pflanzenpasspflicht ja auch für Onlinehandel, also Ebay und zwar auch für Nicht-Unternehmer. Wobei ich da bislang wenig bis gar nichts zu gehört habe. Sicher bin ich mir da auch nicht. Und viele Ebay Verkäufer schließen den EU Pflanzenpass ja auch einfach aus… Ja ist denn das überhaupt möglich ? Wenn die Pflicht dazu besteht, dann garantiert nicht.
Ich gehe jetzt auf dünnes Eis – ich erzähle hier von meinem Verständnis – ich kann und will hier keine Rechtsberatung leisten:
Der Pflanzenpass ist im Fernabsatz grundsätzlich nötig – ja!
Aber: ich glaube, bis zur Umsetzung ist es noch ein längerer Weg. Ich habe Zweifel, dass die Pflanzenschutzdienste überhaupt die Man-Power haben, um die dafür nötigen Neuanmeldungen zu verarbeiten – geschweige denn zu kontrollieren?
Der Gesetzgeber ist da immer etwas schneller als die Umsetzung möglich ist – und an der Stelle braucht es immer etwas Zeit, bis sich das zurecht geruckelt hat. Und ich gehe davon aus, dass es – wenigstens temporär – sowas wie eine Bagatellgrenze gibt, also „kleine Fische“ um die sich im Moment noch keiner kümmert. Die Frage nach den erwähnten Ebay-Händlern habe ich die Pflanzenpass-Kommission auch schon gefragt. Ich war mir danach nicht so sicher, ob man dieses Thema vorher überhaupt auf dem Schirm hatte.
Warum ist es trotzdem nötig, genau hinzuschauen? Klar, es gibt immer schwarze Schafe, denen es auf die Füße zu treten gilt. Aber um die wirklich sicher herauszufischen, braucht es ein gerütteltes Maß an Fachwissen, die erkennt man leider eben nicht an der Farbe.
Und hier kommt mein Appell an Anwälte – aus bitterer eigener Erfahrung: bitte hört auf, Menschen, Unternehmen pauschal abzumahnen.
Das kann schnell eine Tätigkeit sein, in der Menschen in bittere Not gebracht werden können.
Darüber habe ich erzählt:
Ich freue mich auf dein Feedback.
Der Beitrag CactusPodcast 034 – Artenschutz: Kakteen, Kriminelle, Anwälte erschien zuerst auf Cactusblog.
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