BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

By Ralph Würschinger und Lukas FleischmannSociety & CultureScienceEducation
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BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders episodes

  • Zwoelfer-Special Folge 1: Der Zoigl: Vom Hausgebrautem zum Craft-Beer-Champion

      BITTE NICHT ANFASSEN! #Zwoelfer-Special 1: Der Zoigl und die Fassbinderei

      Show Notes 

      Der Zoigl ist ein Bier, das einzigartig ist. Von einem Kellerbier für arme Leute in der Oberpfalz hat er sich zu einem fancy Lifestyle Produkt mit Tradition entwickelt, der sogar schon schändliche Plagiate hervorgebracht hat! Er steht für das Gegenteil von Industriebier: Denn der Brauprozess des Zoigls wird in kleinen Kommun-Brauhäusern begonnen und zu Hause bei Privatleuten zu Ende gebraut. In dieser Folge klären wir, woher das Bier kommt, und wie ihr als künftige Zoigl-Connaisseure einen echten von einem falschen unterscheiden könnt.

      Wir sprechen darüber, wie es fast verschwand, um dann wieder voll einzuschlagen. Außerdem machen wir einen Abstecher in eine Scheune, in der Menschen ein fast ausgestorbenes Handwerk wieder zum Leben erweckt haben: Die Fassbinderei. Denn was nutzt das beste Bier, wenn’s nicht in die Wirtschaft oder zu euch nach Hause transportiert werden kann?! In diesem Sinne: Prost und zurücklehnen.

      Die Kooperation von das zwoelfer und dem Podcast „BITTE NICHT ANFASSEN!“ wird gefördert von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern.

      #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #oberpfalz #mitterteich #tirschenreuth #zoigl #bier #kellerbier #genuss #biergarten #handwerksscheune #fassbinderei

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      Hilfreiche Links: 

      So sieht der Zoiglstern aus:

      https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Zoiglstern-scaled.jpeg

      So sieht das Kühlbecken im Kommun-Brauhaus aus:

      https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Kuehlbecken-im-Kommunbrauhaus-scaled.jpeg

      Weitere Informationen zum Zoiglbier mit der Seite des Zoigl-Kalenders:

      https://zoiglbier.de

      Das ist der Arbeitskreis Historisches-Handwerk, der unter anderem die Fassbinderei wiederentdeckt hat:

      https://ak-historisches-handwerk.de

      Das ist ein Video über die Fassdaubenmaschine:

      https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Video-Fassdaubenmaschine.mp4

      Und das hier über die Stemmmaschine:

      https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Video-Stemmmaschine.mp4

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      Infos zum Museum:

      Museum Mitterteich
      Tirschenreuther Straße 10
      95666 Mitterteich

      https://tourismus.mitterteich.de/freizeit-erlebnis/museum/museum-mitterteich

      Museumsquartier Tirschenreuth

      Maximilianplatz 35

      95643 Tirschenreuth

      https://www.stadt-tirschenreuth.de/museumsquartier

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      über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

      Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

      Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

      Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

      Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

      BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

      Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

       
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      Kontakt: 
      Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
      E-Mail: info[at]escucha.de  

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      über „Das Zwoelfer – Museen im Landkreis Tirschenreuth!“:

      Wir sind die Museen im Landkreis Tirschenreuth und hier gibt es viel zu sehen, staunen und entdecken. 12 Monate im Jahr gibt es ein vielseitiges Programm: Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Aktionstage zum Mitmachen.

      Das Stiftland und der Steinwald haben einiges zu bieten und auch die Museen in unserem Landkreis sind immer wieder einen Besuch wert. Nicht nur in den größeren Städten wie Tirschenreuth, Waldsassen, Mitterteich, Kemnath und Erbendorf finden Sie mancherlei Museumsschätze, sondern auch in Bärnau, Bad Neualbenreuth, Mähring, Plößberg und nicht zuletzt auf der Burg in Falkenberg gibt es viel Neues und Altes zu entdecken.  

      Wir laden Sie ein auf eine spannende und abwechslungsreiche Entdeckungsreise durch die Museen im Landkreis Tirschenreuth und wünschen Ihnen dabei einen angenehmen Besuch, bleibende Eindrücke und interessante Begegnungen. Wir freuen uns auf Sie!

      Wollt ihr uns unterstützen?  

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      Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

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      Podcast-Credits:  
        

      Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
      Produktion: Escucha GbR  
      Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/  
      Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

      Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

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      Transkript 

      Transkript

      Lukas

      Hallo und herzlich willkommen zu Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Normalerweise hört ihr hier einen Ausschnitt aus unseren Interviews, aber diesmal ist alles anders, denn wir haben eine kleine Ankündigung. In diesem Monat könnt ihr euch auf ganze vier Folgen freuen und das liegt an unserer Kooperation mit dem Museumsverbund. Das Zwölfer museen im Landkreis Tirschenreuth.

      Ralph

      Genau das ist ein Museumsverbund in der nördlichen Oberpfalz, also in Ostbayern. Und die haben uns eingeladen, damit wir ihre schrägen Alternativen und liebenswerten Museen besuchen. Und ihr könnt euch auf krasse Geschichten über Bier, über verrückte Grenzen, über mutigen Widerstand und ganz viel Handwerkskunst freuen.

      Lukas

      Und jetzt geht's los. Juhu!

      Lukas

      Ja. Hi, Ralph

      Ralph

      Hallo Lukas und hallo an alle Leute da draußen, die uns hören. BNA ist. Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Und was sie jetzt hört, ist der erste Teil einer vierteiligen Reihe, in der es um Museen in der Oberpfalz geht.

      Lukas

      Genau richtig. Und vielleicht ganz kurz das Konzept erklärt. Wir besuchen abwechselnd Museen und stellen diese Museen dem anderen vor. Und wir haben schon Kriterien, was diese Museen betrifft, denn wir gehen nicht in die großen Häuser, in die großen Galerien, sondern uns interessieren die kleinen Museen, die ein bisschen abseits gelegenen Museen, die vor allem mit schrägen, aber vor allem liebenswerten Geschichten aufwarten.

      Lukas

      Und auch jetzt, in dieser zwölf Special Edition, wird es so sein.

      Ralph

      Und normalerweise ist es ja so, dass der eine nicht weiß, wo der andere hingeht, welches Museum er besucht. In dem Fall ist es so, dass wir das wissen, welches Museum der andere besucht hat. Aber abseits davon wissen wir nichts. Das heißt, die Ahnungslosigkeit bleibt. Also wenn dumme Fragen auftauchen, dann ist das nicht gestellt.

      Lukas

      Vielleicht noch kurz zu der Region, in der wir uns jetzt im September aufhalten werden. Die Oberpfalz ist einer von sieben bayerischen Regierungsbezirken und ist in Nordostbayern, also an der Grenze zu Tschechien zum Beispiel oder im Süden zu Niederbayern angrenzend. Städte, die man in der Oberpfalz kennt, sind normalerweise Regensburg, Amberg, vielleicht noch Weiden. Genau. Und diese Museen von Zwölfer, vom Museumsbund, die befinden sich in der Nord Oberpfalz.

      Lukas

      Und das ist eine Region, die sehr ländlich geprägt ist, die aber trotzdem ganz schön viel Museen in petto hat.

      Ralph

      Zwei Diese Museen hast du ja für diese Folge besucht.

      Lukas

      Genau. Und deswegen würde ich sagen fangen wir an mit der eigentlichen Geschichte. Und bevor ich dir diese Museen vorstelle und die Objekte und worum es in dieser Folge geht, will ich dir eine ganz allgemeine Frage stellen. Und zwar, weißt du, lieber, als warum der Mensch sesshaft geworden ist. Also wir waren ja alle mal Jäger und Sammler und dann, ungefähr vor 10.000 Jahren beginnt ja diese neolithische Revolution.

      Lukas

      Also wir werden sesshaft, Wir werden von Jägern und Sammlern zu Bauern. Weißt du eigentlich, warum der Mensch das gemacht hat?

      Ralph

      Weil er die Landwirtschaft für sich entdeckt hat. Und dadurch konnte er halt kontrolliert Lebensmittel anbauen.

      Lukas

      Das ist eine der Theorien dazu. Und eine andere Theorie dazu, die so ein bisschen mit deiner Theorie einhergeht, ist tatsächlich die Erfindung des Bieres. Davon gibt es zwei Varianten Variante Nummer eins, die von der Wissenschaft auch wirklich als seriös wahrgenommen wird. Menschen haben mit dem Ackerbau begonnen und mit dem, was sie über hatten, haben sie Bier hergestellt und das hat dann wiederum die Menschen motiviert, weiter Ackerbau zu betreiben, weil sie neben der Nahrungsaufnahme auch den berauschenden Effekt von Bier gut fanden oder aber und auch das ist eine ernst genommene Theorie, die ich persönlich fast besser finde.

      Lukas

      Jemand hat zufällig vergorenes Getreide mit Wasser irgendwo stehen lassen, dann getrunken und gemerkt alles wird gut. Und es gibt auch einen Rausch. Weil man dieses wortwörtliche Kultgetränk halt nicht auf Wanderschaft herstellen konnte, musste man sich nebenbei sesshaft machen. Das heißt, es gibt wirklich Archäologen, die davon ausgehen, dass Bier der Grund ist, warum die Menschheit sesshaft wurde und nicht die Menschheit wurde sesshaft.

      Lukas

      Und dann wurde in der Folge das Bier kultiviert.

      Ralph

      Nur das es schon damals abhängig gemacht hat.

      Lukas

      Also jedenfalls ist es so, dass Bier einen sehr großen Teil der Menschheit im Prinzip seit tausenden von Jahren begleitet. Und so ist das natürlich auch für Bayern und natürlich auch für die Nord Oberpfalz. Denn in dieser heutigen Folge wird es um eine ganz besondere und ziemlich verrückte Biertradition gehen. Die ist so nur noch in fünf Dörfern und Städten in der Nord Oberpfalz gibt.

      Lukas

      Es geht um den sogenannten Zoigl. Dazu war ich in zwei Museen, nämlich in Tirschenreuth und in Mitterteich. Darüber hinaus habe ich noch eine Handwerkscheune besucht und ich war in einem Kommun Brauhaus. Also es wird eine sehr, sehr ausschweifende und sehr lange und hoffentlich auch sehr schöne Folge. Und weil ja weiß, dass ich Bier Liebhaber bin, kann ich dir schon mal sagen, dass ich bei der Aufnahme und natürlich auch bei der Verkostung sehr viel Spaß hatte.

      Ralph

      Ja, freut mich. Ich freu mich jetzt auch sehr auf die Folge, weil Zoigl kenne ich vom Namen her und hab sie auch schon öfter getrunken, aber viel weiß ich nicht darüber genau.

      Lukas

      Du kommst sie aus der Region, du kommst ja aus Weiden und von daher ist dir der Begriff Zoigl natürlich geläufig. Aber wir werden im Laufe dieser Folge klären, ob du in deinem Leben bislang immer nur falschen Zoigln getrunken hast oder möglicherweise immer nur echten Zoigl.

      Ralph

      Hmm.

      Lukas

      Also ich hab den Begriff Zoigl vorher auch schon mal gehört, aber ich hatte überhaupt keine Ahnung, was es ist. Also keine Ahnung. Ich dachte, es handelt sich nur um eine Biersorte, aber es handelt sich um deutlich mehr. Ich wusste nur, dass das jetzt bei Touristen ziemlich beliebt ist, die alle auf den Zoll gehen. Also nicht nur bei Touristen, auch bei Einheimischen.

      Lukas

      Aber es ist auf jeden Fall eine ziemliche Touristenattraktion geworden. Um mich dieser Geschichte anzunähern, bin ich erst mal nach Tirschenreuth ins Museumsquartier gefahren, um erhellt zu werden. Das Museumsquartier Tirschenreuth ist ein Museum, das sich in mehreren Gebäuden befindet und das sich so ein bisschen um lokale Geschichte dreht. Ich finde es sehr modern. Ich finde es auch sehr ansprechend und vor allem fand ich dafür, dass Tischenreuth jetzt keine Großstadt ist, sehr, sehr groß und sehr, sehr ausführlich.

      Lukas

      Es ist wirklich, da kann man echt mehrere Stunden drin verbringen. Jedenfalls, als ich in dieses Museum gefahren bin, da sind mir auf dem Weg ein paar Dinge aufgefallen und die fand ich ziemlich verwirrend. Und zwar gab es an sehr vielen Häusern, wie ich dachte, Davidstern. Und dann war ich verwirrt, weil ich mir gedacht hab Hä? Gab es zu viele jüdische Gemeinden da in der Nord Oberpfalz?

      Lukas

      Was hat es damit zu tun? Aber diese Davidsterne an den Häusern haben überhaupt gar nichts mit Juden zu tun, oder? Judentum, sondern mit Bier. Wie das genau zusammenhängt, das hat mir Marianne Stangl erklärt. Weil sie hat mir eine kleine Führung über den Säugling im Museum Tirschenreuth gegeben.

      Marianne Stangl

      Das Wort Zoigl kommt wahrscheinlich von dem Wort vor oazeign anzeigen. Und damit wollte man einfach sagen Unser Bier ist fertig, kommt her und trinkt mal damit man das gesehen hat, hat man einen Zoiglstern rausgehängt oder manchmal auch einem Fichtenbusch.

      Lukas

      Können Sie mir kurz erklären, wie schaut der aus?

      Marianne Stangl

      Ja, das ist wie ein Davidstern. Er hat sechs Zapfen und auf der einen Seite ist praktisch Hopfen und Malz und Wasser und auf der anderen Seite die Elemente Erde, Luft und Feuer, die wichtig sind, dass man solche brauen kann. Früher hat man dann aus dem Giebelfenster einen langen Stab rausgehängt und vorne war eben der Zoigl Stern dran. Also ich schätze jetzt mal mindestens 2 Meter ist es rausgegangen.

      Und der Zoigl Stern so einen halben Meter. Damit hat jeder gesehen. Da kann ich jetzt reingehen und als Zoigl fertig, da darf ich trinken.

      Ralph

      Hmmm. Okay, ja, da waren einige Sachen dabei, die ich noch nicht kannte. Sei es, wo das Wort herkommt, also auch die Bedeutung der Zacken. Aber es ist schon ein riesen Zufall, dass das genauso aussieht wie ein Davidstern, oder nicht?

      Lukas

      Das liegt wirklich an diesen drei Elementen plus einen drei Zutaten des Bieres. Im Mittelalter wusste man noch nicht, dass Hefe auch essenzieller Bestandteil von Bier ist und deswegen müssten sie eigentlich vier Bestandteile sein. Aber in dem Fall sind es halt drei. Es ist halt auch schon seit dem Mittelalter als das Symbol für das brauen Mälzer Handwerk überliefert. Jetzt wusste ich auf einmal, woher diese ganzen Sterne in den Ortschaften kommen und woher auch der Name Zoigl kommt.

      Lukas

      Der richtige Artikel ist übrigens auch der Zoigl. Ich dachte Was heißt das? Zoigl Aber es ist wirklich der Zoigl.

      Ralph

      Ganz wichtig. Hast du dir die Finger verbrannt?

      Lukas

      Ja. Und, äh, Marianne Stangl hat ja schon im O-Ton anklingen lassen, was jetzt das Besondere an diesem Bier ist, an diesem Bier. Denn Zoigl ist sozusagen das Gegenteil von Industriebier. Denn dieses Bier wird seit Jahrhunderten von den Bürgerinnen und Bürgern der Dörfer und Städte in dieser Region selbst gebraut und normalerweise zu Hause dann zum Zoigl ausgeschenkt.

      Lukas

      Und dazu gibt's feste Listen, wo sich die Bürger die Hausbrauer damals in Listen eintragen konnten. Dann wussten sie okay, heute gibt es Zoigl Ausschank. Bei dem Morgen gibt es Zoigl Ausschank bei dem und in zwei Wochen gibt es zwei Ausschank bei denen.

      Ralph

      Es gibt ja heutzutage auch noch Zoigl Kalender, aber den findet man online.

      Lukas

      Und der wird auch natürlich in den Song verlinkt werden. Zu Hochzeiten gab's in zum Beispiel in Tirschenreuth 360 diese Hausbrauer. Also müssen wir vorstellen, 360 Minibrauereien in den Häusern von Leuten, die ihre Wohnzimmer heute würde man sagen als Pop up Kneipe zur Verfügung stellen. Denn was auch ganz wichtig für die Zoigl-Tradition ist, ist, dass man einen Zoigl in einer sogenannten Zoiglstube trinkt.

      Lukas

      Da gibt es bei den muss sie nicht besucht habe auch eine, und zwar aus den 1930 er Jahren und die steht im Museum mit der Teich mit der Teich das es von Tirschenreuth etwa 10 bis 15 Minuten mit dem Auto entfernt. Und in diesem Museum geht es ganz viel um die Porzellangeschichte der Stadt. Aber eben auch und darum soll es ja vorwiegend in dieser Folge gehen, um die Tradition.

      Lukas

      Die haben da eine Zoiglstube aus den 1930 er Jahren vor der Zerstörung oder vor der Verschrottung gerettet und eins zu eins im Museum ausgestellt. Rainer Gottas gibt in diesem Museum Führungen. Er ist ziemlicher Zoigl, Fan. Er soll uns mal beschreiben, wie diese Zoiglstube aussieht aus den 1930 er Jahren.

      Rainer Gottas

      Dann hat man einen Schanktisch, der wird dann immer extra, wenn ausgeschenkt wird reingestellt und auch die Garnitur, die Stühle und der Tisch, der sind extra für die Stube gemacht worden, die sind schmäler, weil man muss einfach sagen, früher ist ja das Zoigl nicht in der Wirtsstube ausgeschenkt worden, sondern zu Hause im Wohnzimmer. Dann ist das Wohnzimmer ausgeräumt worden und es sind dann extra Tische reingestellt.

      Rainer Gottas

      Deswegen sind die etwas schmäler, damit ein bisschen mehr reinbringt. Dann ist natürlich früher Karten gespielt worden, knüpft worden.

      Lukas

      Und dann siehst du im Hintergrund schwarz-weiß Bilder mit Aufnahmen aus einem Zoiglausschank aus den 1930 Jahren. Also das ist wirklich die Spucknäpfe. Du siehst die Herren in ihren Anzügen, in dem Gewand, die da ja halt Karten und ihr Bier trinken. Keine Ahnung, was und was ich auch extrem cool find. Du siehst also, dass es nicht auf den Fotos, das ist wirklich vor Ort den alten Schanktisch.

      Lukas

      Mich hat es ein bisschen wie an so ein Altar erinnert, nur dass anstatt irgendeiner keine Ahnung christlichen Statue oder halt statt irgendeinem Kreuz halt es Bierfass so eine Art. Und obendrüber ist so ein Haken und das sind Biergläser dran. Und dann gibt es zwei verschiedene. Es gibt sozusagen die Biergläser für die StammZoiglgänger und da hat jeder dann sein eigenes Bierglas, das es dann zum Beispiel im Zinndeckel einer Gravur drinnen oder irgendwie so was.

      Lukas

      Und dann gibt es halt noch die Biergläser von den Leuten, die halt spontan vorbeikommen. Heute wie damals ist der Zoigl im Prinzip also von der Biersorte her. Wir haben jetzt ja ganz viel darüber gesprochen, woher das kommt, was diese Tradition ausmacht, was es mit der Teufelstube auf sich hat. Aber was ist das jetzt eigentlich für ein Bier?

      Rainer Gottas

      Es ist ja Kellerbier. So in der Richtung kann man sagen, es ist ein ungefiltert das Bier. Jeder hat halt sein eigenes Rezept, nachdem er Braut gebraut wird im Brauhaus. Nach den eigenen Rezepten von denjenigen, der es dann auch schenkt, der gibt seine Zutaten dazu. Nach den Zutaten wird dann der Sud gemacht und dann der Sud nach Hause gefahren und dann wird es bei ihm zu Hause fertig gemacht. Da kommt dann die erste Hefe dazu.

      Ralph

      Hast hast aufpasst. Der hat ganz am Anfang gesagt ist s‘Zoigl

      Lukas

      Ja, ja, ja, ja, da muss ich nochmal nachfragen. Ich wurde jedenfalls mehrfach darauf hingewiesen. Es handelt sich um der Zoigl und das Zoigl sagen nur Leut, die nicht Bescheid wissen. Das sind jetzt ein paar Stichworte gefallen, die wir vielleicht noch mal so ein bisschen nacheinander abklappern müssen. Also zunächst Reiner Gottas hat gesagt, Zoigl ist ein Zwickel oder Kellerbier. Noch mal, das ist eine ungefilterte Natur, trübes Bier, das sich dadurch auszeichnet, dass es in der Regel wenig Kohlensäure hat und es ist ziemlich würzig und süffig.

      Lukas

      Eine Zeit lang war Zwickel oder Kellerbier so ein bisschen verschrien als so plumpes äh, ja, plumpe Plörre. Keine Ahnung, weil es halt nicht gefiltert war oder so, aber seit ein paar Jahren vielleicht doch schon seit ein paar Jahrzehnten ist es wieder ziemlich und wog. Und auch große Brauereien brauen Kellerbiere und Zwickel Biere als es gibt es überall in Kiosken, Supermärkten.

      Lukas

      Keine Ahnung was. Also das hat ein ziemliches Comeback gefeiert. Dieses Comeback, also die Entwicklung, dass es erst unbeliebt war und wiederbelebt wurde, das hat auch letztlich der Zoigl erlebt. Und da müssen wir uns noch mal die Geschichte anschauen. Das heißt, wir gehen jetzt ganz kurz noch mal auf die Geschichte des Zoigls ein, und dann gehen wir noch mal darauf ein, was Rainer Koch das gesagt hat, was es mit diesem Kommunbraurecht eigentlich auf sich hat.

      Lukas

      Aber ich glaube, man versteht es nicht so gut, wenn man sich nicht erst die Geschichte anguckt und dann in das Kommun Brauhaus geht.

      Ralph

      Na dann, auf geht's.

      Lukas

      Man fragt sich ja, warum gibt es den Zoiglgenau in dieser Region und nicht irgendwo anders? Und warum hat sich der Zoiglgenau in dieser Region bis heute gehalten? Und das liegt vor allem daran, dass halt die Region ziemlich arm war. Punkt. Das heißt, in der Regel haben sich die Leute das teurere Brauereibier nicht leisten können. Und bis heute ist es ja so, dass Bier in den Brauereien vor Ort.

      Lukas

      Es gibt natürlich auch in der Region Brauereien und Wirtschaften und natürlich ist es auch heute noch so, dass das Brauereibier teurer ist als es Bier. Deswegen sind die Leute halt damals vorwiegend in die Zollstuben gegangen. Das erste Zoiglbraurecht, dieses Recht, das Bürgerinnen und Bürger, also in dem Fall Bürger, weil wir sprechen hier übers Mittelalter bzw über die frühe Neuzeit, dass Bürger zu Hause brauen können in den Ortschaften, das ist zuerst in Neuhaus, das ist auch ein Ort, da in der Oberpfalz im Jahr 1415 nachgewiesen, in der Theiß, da wo das Museum steht und da, wo ich auch das Kommun Brauhaus besucht habe, da gehen wir später noch mal drauf ein.

      Lukas

      Da ist es im Jahr 1516 nachgewiesen, also eine über 500 Jahre alte Tradition. Und weißt du, warum zu dieser Zeit im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hauptsächlich Bier getrunken wurde?

      Ralph

      Ich bin mir nicht ganz sicher, aber hängt das mit dem Fasten zusammen?

      Lukas

      Also da wär es Starkbier. Wie Also das ist die Erfindung des Starkbieres. Wie soll man quasi gesagt hat man Flüssiges, bricht es Fasten nicht und deswegen hat man in der Fastenzeit so viel Starkbier gebraut. Daher kommt auch dieser Ausdruck Flüssigbrot. Aber das hat damit nichts zu tun.

      Ralph

      Hm, nee, war sie nicht. Erhelle mich.

      Lukas

      Es gab ja damals keine Kanalisation, keine Wasserleitungen. Das heißt, häufig war halt einfach Wasser ziemlich verdreckt und kein belastet. Und indem man Wasser zu Bier gebraut hat, hat man halt relativ viele Keime abgetötet. Und deswegen war es so, obwohl man die ganze Zeit Alkohol zu sich genommen hat. Trotzdem war fast gesünder Bier zu trinken, als es Wasser zu trinken, was halt viel mehr keimbelastet war.

      Lukas

      Also weil wir in dieser Zeit von einer relativ armen Region sprechen, ist es halt so, dass die Leute halt relativ viel Bier gebraucht haben und zu relativ günstigen Preisen. Und das hat halt dazu geführt, dass dieses Haus braurecht entstanden ist und dass alle Leute dann angefangen haben, dieses Bild zu Hause zu brauen und sich eben in diesen Kommunen, Brauhäusern zusammenzutun.

      Lukas

      Noch mal zu den Kommunen Brauhäusern also was es mit denen auf sich hat. Da kommen wir gleich dazu. Ja, genau. Das heißt also, dass also eigentlich bis bis ins 20. Jahrhundert rein kannst du sagen, der Zoigl ohne Edelstahlfässer und Kühlhäuser letztlich gemacht wurde? Und das soll noch mal kurz Reiner Gottes erklären.

      Rainer Gottas

      In den 50er Jahren war das noch ganz gut, aber dann ist es immer weniger geworden. Die Nachfrage hat nachgelassen, es ist der Brauerei Bier getrunken worden und es ist, weil es auch teilweise qualitätsmäßig ein bisserl geschwankt hat, immer ein bisschen in Vergessenheit geraten.

      Ralph

      Du hast ja jetzt schon mehrfach auf diese Kommunbrauhäuser verwiesen. Was genau hat es denn mit denen auf sich? Also ein bisschen was weiß ich schon, dass das das sozusagen Häuser sind, die die Leute halt nutzen konnten zu Gemeinschaftshäuser, aber mehr auch nicht.

      Lukas

      Beim Zoigl ist es ja so jeder Zoigl schmeckt unterschiedlich und es liegt daran, dass hinter jedem Zoigl ein eigenes Rezept steht, was halt logischerweise von den Hausbbrauern da verwendet wird. Damit es soweit kommt, müssen wir jetzt erst mal uns angucken. Okay, wie wird der Zoigl denn überhaupt hergestellt? Und da ist es eben, dieses Kommunbrauhaus ganz wichtig.

      Lukas

      Früher gab es davon etliche, heute sind noch fünf Stück geblieben und zwar in Mitterteich, da wo das Museum steht, in Falkenberg, in Windisch Eschenbach in Eslarn und in Neuhaus. Falls du dich an den Anfang der Folge erinnern kannst, da waren wir Museumsquartier Tirschenreuth. In Tirschenreuth gibt es zum Beispiel kein Brauhaus mehr. Und jetzt sind wir schon bei der Definition Was ist echter Zoigl und was ist falscher Zoigl?

      Lukas

      Echter Zoigl ist der Zoigl, der aus Kommunbrauhäusern kommt, das heißt in der der Biersud in Kommunbrauhäusern hergestellt wird. Und falscher Zoigl oder das falsche Echtfalsch, das vielleicht ein bisschen hart, die Unterscheidung aber nicht traditioneller Zoigl ist. Zoigl, der einfach dann auf der Karte in der Wirtschaft als Zoigl deklariert wird. Aber das ist dann einfach nur ein Kellerbier.

      Lukas

      Hat aber mit der Herstellung nix zu tun. Ein Kommun Brauhaus. Das hast ja auch schon gut zusammengefasst, dass es halt ein Brauhaus im Ortskern und das da von allen Bürgerinnen und Bürgern dieser Ortschaft genutzt werden. Wenn die ein Haus oder Immobilienbesitz in dieser Ortschaft besitzen.

      Ralph

      Kürze von Fakt Ja, in Folge zehn war ich doch im Knopfmuseum in Bernau. Ja, und das ist ja angesiedelt in einem ehemaligen Kommunbrauhaus.

      Lukas

      Ich war jedenfalls in einem Kommunbrauhaus in was noch als solches genutzt wird, und zwar in Mitterteich. Und als wir da reingekommen sind, habe ich natürlich Rainer Gottes gefragt, Da sind wir dahingegangen. Das hat mir das mal kurz erklären soll.

      Rainer Gottas

      Der Raum hier oder das Kommunbrauhaus ist jetzt circa 160 Jahre alt. Es ist damals neu gebaut worden, weil die Eisenbahn nach Mitterteich da gekommen ist. Und genau in dem Bereich, wo dann die Bahnhofstraße gebaut werden sollte, stand das alte Kommunbrauhaus. Das war damals schon baufällig. Und dann haben wir gesagt Gut, dann reiß mers ab, jetzt bauen wir da die Straße in die Bahnhofstraße rein und dann stellen wir das neue Brauhaus hier hin.

      Ralph

      Ja, man hört es schon. Es muss ein großes Gebäude sein, weil es ja halt und du was dort wurde zu der zu dem Zeitpunkt dann auch was gebraut.

      Lukas

      Nee, als ich da war wurde nix gebraut. Von der Größe kannst du sie vielleicht vorstellen wie so eine Kapelle. Du hast es ja auch vom Hall her gehört. Also es ist recht.

      Ralph

      Hell.

      Lukas

      Es sind drei Stockwerke, aber die Stockwerke sind jeweils unterschiedlich hoch. Und es liegt vor allem daran, dass halt in dem KommunBrauhaus verschiedene Einrichtungen drin sind. Also ganz unten. Ebenerdig ist sozusagen der Maische-Bottich und der Sudkessel. Das sind zwei sehr, sehr große Kessel aus Kupfer Farben und dann sind da die ganzen Leitungen usw und so fort und da wird es dann gebraut.

      Lukas

      Wir können jetzt natürlich nicht auf das Bierbrauen im Allgemeinen eingehen, weil es ist halt echt ein sehr komplizierter Prozess. Und dann gehst du aber durch die verschiedenen Stockwerke hoch und unterm Dach und das fand ich ziemlich witzig. Da ist 1 Meter, ein paar Meter breit und ein paar Meter lang eine metallene Wanne und in der wird der Sud dann gekühlt.

      Lukas

      Ich habe natürlich ganz viele Bilder davon gemacht. Ich habe auch Videos gemacht, die sind alle in den Shownotes, damit ihr euch das alles angucken könnt. Das ist natürlich immer ein bisschen schwierig im Podcast zu beschreiben, aber wie gesagt, da wird es auf jeden Fall Materialien dazu geben. Und der Unterschied zwischen einem Kommun Brauhaus und einer Brauerei ist der, dass in einem Kommun Brauhaus, das was da gebraut wird, ist noch kein Bier, das ist der Sud und der wird dann über Fässer oder über Tanks wie auch immer zu den jeweiligen Hausbauer nach Hause gebracht. Die versetzen das dann zum Beispiel mit Hefe und lassen es zu Hause gären. Das, was in den Kommunbrauhäusern gebraut wird, das nennt man die Anstellwürze. Deswegen ist auch der Geschmack immer anders, weil jeder zu Hause halt einen anderen Hefe Stamm hat.

      Lukas

      Jeder hat andere Kellertemperaturen, jeder hat andere Feuchtigkeitswerte usw und so fort. Und deswegen schmeckt jeder anders, weil du eigentlich bei den Hausbrause nie dieselben Bedingungen hast.

      Ralph

      Ja okay, aber das heißt das jetzt nicht derjenige, der führen soll am Abend oder so öffnet, dass der in das Kommun Brauhaus geht und dort halt alle Schritte durchmacht, sondern der bekommt den Sud und finalisiert das dann zu Hause.

      Lukas

      Genau. Und da gibt es ja verschiedene Brautage. Ja, und da im Mittelteil ist es so in der Regel werden dann 42 Hektoliter gebraut und diese 42 Hektoliter werden dann an die Hausfrau verteilt Und in mit dabei sind zum Beispiel noch zwölf. In den anderen Ortschaften dieser fünf Zoll Ortschaften sind es teilweise noch viel mehr. Also da gibt es auch eine Homepage, Zoigln wir die Ehe, die habe ich auch verlinkt in den Shownotes.

      Lukas

      Da gibt es dann alle möglichen Zahlen, Daten und Fakten dazu. Heute ist eben dieser Zoigln wieder ziemlich on vogue, weil natürlich sich auch die Herstellung professionalisiert hat und weil natürlich jetzt auch hochwertiges Brauereiequipment genommen wird. Also die Zeiten sind vorbei, in denen man irgendwelche keine Ahnung halb verschimmelten Biersud da in der Gegend auf dem auf dem Ochsenkarren rumgetragen hat.

      Ralph

      So war das früher. Und dieses Braurecht, das liegt auf diesen Kommunbrauhäusern. Oder die Leute müssen dort hingehen, um es zu brauen. Die können es jetzt nicht einfach zu Hause brauen.

      Lukas

      So, genau. Der Sud muss im Kommun brauhaus hergestellt sein. Und was? Und der letzte Schliff und die Reifung und so was. Das passiert dann jeweils bei den Leuten zu Hause. Zoigl Keller und bei dem ganzen Bierkonsum, bei dem ganzen Hin und her tragen zum Kommunen Brauhaus und dann wieder zu den Hausbrauern und dann wieder wohin auch immer hat man natürlich Behältnisse für das Bier gebraucht.

      Lukas

      Heute sind das Edelstahlkessel. Sind es Tanks, sind es alles möglich. Heute ist das alles viel einfacher. Früher waren das natürlich Holzfässer. Lieber Ralph, aus meiner kleinen Expedition möchte ich dir jetzt noch die letzte Station vorstellen, denn wir fahren jetzt aus dem Kommun Brauhaus Mitterteich wieder zurück zum Museumsquartier nach Tirschenreuth. Da waren wir ganz am Anfang, wo auch der Zoiglnstand war.

      Lukas

      Wir gehen aber nicht in das Hauptgebäude, sondern wir gehen ein paar Kilometer entfernt in die Handwerksscheune. Da habe ich Herbert Konradgetroffen und Herbert Konrad hat mit seinen Kollegen eine fast ausgestorbene Tradition wieder zum Leben erweckt.

      Herbert Konrad

      Unsere Herausforderung war eben, das Fassbinderhandwerk Nach 50 Jahren Stillstand wieder zum Leben zu erwecken, wieder in Betrieb zu nehmen, wo zwischenzeitlich kein gelernter Fassbinder mehr vorhanden ist. Und das heißt, wir mussten uns alles wieder aneignen, dieses Wissen, was die Fassbinder damals besessen haben.

      Lukas

      Also du könntest jetzt, du kannst jetzt wieder Fässer bauen herstellen.

      Herbert Konrad

      Ja. Wir sind jetzt wieder soweit, dass wir wieder Fässer herstellen können.

      Ralph

      Ja, ein fast verloren gegangenes Handwerk. Ich kenne auch niemanden, der das macht oder auch nur irgendeinen Bezug dazu hat. Finde ich aber sehr, sehr spannend. Fassbinder, Böttcher oder Das ist doch auch ein Begriff dafür, oder? Oder Büttner Oder irgendwie so?

      Lukas

      Genau. Büttner, Böttcher, Fassbinder. Es gibt ganz viele deutsche Nachnamen, die auf dieses Handwerk hinweisen. Das mal ganz kurz zu dieser Handwerkscheune, diese Handwerkscheune, das ist eine Außenstelle des Museumsquartier. Und im Prinzip ist der Name Programm. Es ist wirklich eine riesengroße Scheune, in der ganz viele verschiedene handwerksbezogene Dinge ausgestellt sind. Es geht vom Schuster Handwerk über. Keine Ahnung, was eben Handwerks Tradition, die aus der Region kommen Und dieses Herzstück dieser Handwerkscheune ist, dass man eine alte Fassbinderfabrik bzw die Maschinen der alten Fassbinderfabrik wieder in diese Scheune reingebaut hat, und zwar der alten Fassbinderfabrik Mikesch.

      Lukas

      Und diese Maschinen, die da jetzt drin stehen in dieser in dieser Handwerkscheune und von Herbert Konradeben auch mitbenutzt werden, die sind über 100 Jahre alt und die wurden in einen sehr aufwändigen Prozess vor der Verschrottung bewahrt und können heute wieder benutzt werden.

      Ralph

      Aber macht er das jetzt zu Demonstrationszwecken oder kommerziell zu Demonstrationszwecken?

      Lukas

      Es gibt auch Kurse, wo du selber deine eigenen Fässer binden kannst usw. Das ist total spannend. Da macht doch viel mit Kindern, mit Schulklassen. Ich habe die Seite auch in den schon uns verlinkt. Da gibt es einen kleinen Eindruck darüber, was da alles angeboten wird. Aber ich hab mir echt überlegt an so einem Fassbinderkurs mal teilzunehmen, weil die Kulissen des Du gehst da irgendwo hin und dann kommst du am Ende mit einem mit einem schönen Holzfass, das kannst du für alles benutzen.

      Ralph

      Was willst du mit dem Fass machen?

      Lukas

      Hey, das kannst als Nachttisch benutzen, das kannste als Dekoartikel benutzen. Das schaut total cool aus. Das kannste Gartenstellen als. Als schanktisch. Bierfässer sind so schöne alte Bierfässer sind schon was wert. Und wenn du die selber baust. Ich finds cool.

      Ralph

      Aber ich merke es mir für deinen Geburtstag.

      Lukas

      Genau da muss man viel Geld ausgeben.

      Lukas

      300 bis 450 Euro das Fass allein. Also so ein Holzfass, wenn du dir das jetzt kaufst. Es gibt da noch Fassbinder Fabriken und wir haben ja beide mal in München gelebt und da gibt es dann auch etliche Biergärten, die zum Beispiel nur das Bier aus Holzfass ausschenken und die müssen ja irgendwo gebaut werden und so Bierfässer kosten paar 100 €. Also da biste, da kannst du schon sehr schnell sehr viel Geld los sein.

      Ralph

      Ja, nee, okay, okay, weiter.

      Lukas

      Damit du mal jetzt einen Eindruck bekommst, wie sich diese 100 Jahre alte, reaktivierte Fassbinder fabrik anhört, kriegst du einen Höreindruck von der sogenannten Stemmmaschine. Was das ist, was die genau macht, das erkläre ich dir dann im Anschluss.

      Herbert Konrad

      Denn Maschine setzen wir jetzt über den Transmissionsantrieb. Der gibt dann Kraft

      Herbert Konrad

      Ist also die Stehmaschine und der Riemen Antrieb. Der setzt also die zwei Fräsköpfe in Gang.

      Ralph

      Hmmmm, ja, Kopfkino. Da können jetzt mal alle Hörerinnen und Hörer kurz mal pausieren und sich überlegen, was da eigentlich passiert ist.

      Ralph

      Alle wieder da? Also ich. Ich kanns mir gar nicht vorstellen, weil er hat gemeint okay, da werden die Fräsköpfe da angeschaltet. Und fräsen bedeutet doch im Endeffekt, dass man Loch irgendwie reinmacht oder halt irgendwie ja doch schon irgendwie was in ins Holz rein reinbohrt sozusagen. Aber was macht man denn bei einem Fass? Was bohrt mir dann? Ich dachte, es sind einfach nur so so wie heißen es?

      Ralph

      Daumen oder so? Also Holzbretter und die werden dann irgendwie, die müssen gebogen werden und dann kommt ein Eisenring drüber und gerade ich hab keine Ahnung.

      Lukas

      Paar der Ideen, die du gesagt hast, sind gar nicht so falsch. Ein paar Dinge sind grob unterschätzt. Transmission. Musst du dir so vorstellen: Da hast du ein Motor, der eine ganz große Achse zum Drehen bringt. Der ist wirklich. Und diese Achse, die diesen Meter breit. Und damit du mehrere Maschinen betreiben kannst, musst du über kurze Keilriemen und Holzräder verschiedene Maschinen rein klinken.

      Lukas

      Und das ist halt irgendwie fast voll verrückt, finde ich, weil du hast nur einen einzigen Motor, der einfach nur eine Drehbewegung auslöst und der betreibt aber alle Maschinen, je nachdem wie du die da rein klingst. Und das ist das, was quasi im Hintergrund die ganze Zeit so rum wabert. Genau. Ja, und das, was du da gehört hast, diese Stemmmaschine, die ist dazu da.

      Lukas

      Die dort keine Löcher rein. Das wären riesengroße Löcher. Die ist dazu da, ein Holzfass von innen zu bearbeiten. Das musst du dir vorstellen. Das ist auch so ein wirklich und gusseiserne 10 Meter langes Ding, wo das Fass eingespannt wird. Und dann hassen sich drehende Fräsköpfe, die dieses Fass von innen sozusagen glatt schaben.

      Ralph

      Ja, verstehe, Auch.

      Lukas

      Davon habe ich ein Video in den Shownotes verlinkt, damit man sich das besser vorstellen kann. Ja, ganz viele dieser Maschinen sind halt in Handwerk schon aufgebaut, so dass sie wirklich von vorne bis hinten Unfassbar. Und kannst um das auch Herbert Konradund seine Kollegen wieder machen. Aber bevor jetzt natürlich so ein Fass in die Stamm in diese Stemmmaschine reinkommt und dieses Stichwort hast du ja auch so eine genannt, brauchts erst mal Fassdauben.

      Lukas

      Also da spricht man von den von diesen Holzblöcken, die die Fasswand bilden, also so Holzlatten, die zu der, die dem Fass zu dem machen, was es eigentlich ist, Dafür nimmt man normalerweise amerikanische oder slawonische Eiche. Das ist tatsächlich so, dass auch bei der Rettung der Maschinen noch ganz altes Holz gefunden wurde, was heute noch eben benutzt wird, um daraus die Fässer herzustellen, die noch einen kleinen Holzvorrat sichern können.

      Lukas

      Was echt cool ist, So ein Baum, der wächst logischerweise nicht in kreissrunder Fassform. Weißt du, wie man diese Form hinbekommt?

      Ralph

      Ich glaube, dass das mit Wasserdampf gemacht wird.

      Lukas

      Ja, fast.

      Ralph

      Also. Oder mit Wasser? Bad? Ich weiß es nicht. Also irgendwie oder war das mit Rauch oder so?

      Herbert Konrad

      Dieses Holz wird zunächst in einem Bottich gekocht. Und dieser Bottich, das war früher bei der Mikisch, wo das eingemauert der Bottich, der unten mit mit Kohlen und Holz beheizt worden ist. Und da kommen diese Holzteile, die in der Länge vorgefertigt sein, kommen in diesen Bottich und in den Bottich kommen sie mindestens eine Stunde, und dann wird das Holz weich, ein trockenes Holz.

      Herbert Konrad

      Wenn mir dann in die Maschine hinein legen würden und fressen würde brechen steht. Man sieht, dieses ist auch gebrochen.

      Ralph

      Ja, ich finde, er erklärt das ja sehr schön mit viel Dialekt, aber ich war ja nah dran. Es.

      Lukas

      Ja, also du hast es halt nicht gesagt. Das sind sie, die wollte ich, war aber geschenkt. Jetzt ist es so, dass dieses Holz, äh, bearbeitbar bzw biegbar ist. Und damit das aber alles möglichst einheitlichen möglichst präzise ist, wird das dann in die Maschine reingebaut. Und nach diese Daumen Maschine es an die Transmission angeschlossen. Und da steckst du diese Hölzer rein.

      Lukas

      Das ist auch ein ein Stahl Eisenkoloss, wo du diese Holzplanken darein steckst und dann hast du einen Metallstempel, der von oben kommt. Es ist so ein Metallkeil letztlich, der drückt die da oben dann von oben nach unten, so dass die sich biegen und gleichzeitig drückt die Maschine an der Seite die Daumen zusammen. Und so wird diese Taube von oben und von der Seite in die Form gepresst.

      Lukas

      Aber damit diese da oben die Form bewahren und ich gleichzeitig dann aber die weiteren Daumen bearbeiten kann, weil ich kann jetzt diese Tauben da nicht wieder in der Maschine drin lassen, bis sie getrocknet sind, brauche ich ja fünf fast drei Wochen und dann werden am Ende Spannklammern draufgemacht. Spannklammer das sind so wirklich martialisch wirkende Eisenklammern, die man dann so an die Ecken reinschlägt.

      Lukas

      Und die halten dieses Holz auf Spannung, bis es trocken ist.

      Ralph

      Dass es diese Klammern erwähnt. Aber Ringe oder so? Kommt die dann auch noch drauf oder gibt es das gar nicht?

      Lukas

      Doch wenn du jetzt von diesen Tauben je nach Größe und Form, sagen wir mal 15 Stück hast, dann musst du die ziemlich genau anordnen und dann muss so einen Spannring rum machen, dessen diese komischen Metallringe und das kommt dann in die Stemmmaschine rein. Weil jetzt hast du den Außenbereich und die Stemmmaschine fressen den Innenbereich so aus, dass dieses Fass, das da fast in den Raum entsteht.

      Lukas

      Aber ich fasse es auch sehr, sehr stark zusammen, weil die Spinnerei ist noch mal deutlich komplexer. Natürlich noch die Löcher für den Zapfhahn und natürlich auch der Fußboden. Und ich dachte, na ja, so ein Fußboden, den schlägt man dann halt rein und gut ist. Aber dass es deutlich komplizierter.

      Herbert Konrad

      Da muss immer hineingepresst werden. Aber wenn es zu wenig stark ist, dann bringts er nicht dicht. Nee, also es muss wirklich haargenau auf zehntel Millimeter muss diese Nut zu dem zu der Boden Stärke passen.

      Ralph

      Vielleicht kannst du mir das noch mal kurz erklären, wie dann der Boden aussieht. Sind das dann auch mehrere Holzbretter, die nebeneinander angeordnet sind? Ich weiß nicht ob die verleimt sind oder sonst irgendwas.

      Lukas

      Nein, nein, da wird nichts geleimt. Also meistens kommt noch noch so ein Dichtring rein. Das hat man früher tatsächlich mit Schilf gemacht. Dann wird dieser Boden wirklich rein geschlagen. Der wird den Kreis vom ausgeschnittenen und rein geschlagen. Aber damit es fast dicht ist, also die Dichtigkeit wird nicht hergestellt, indem man dann keine Ahnung ist von innen mit Gummi versiegelt oder was?

      Lukas

      Die Dichtigkeit wird nur dadurch hergestellt, dass diese Hölzer so präzise wie möglich zueinander gebaut werden. Und das ist schon cool, weil da musst du schon wirklich wissen, was du tust, damit dieses Fass halt auch dicht bleibt. Ja, und da kommen noch die Löcher rein und der Deckel. Aber das kann ich jetzt nicht weiter ausführen, auch mit Blick auf die Zeit.

      Lukas

      Was aber dann noch interessant ist, zumindestens ein Bier was sein soll, weil wir reden ja von von Zoiglnfässern. Das ist ja sozusagen der der Zusammenhang. Das muss dann auch ausgepicht werden. Weißt du was?

      Ralph

      Pech ist immer im Moment Pech, ja, dass es doch flüssiges. Tja, was ist denn das eigentlich?

      Lukas

      Flüssiger.

      Ralph

      Flüssiger Teer oder was ist das? Ist das Scheiße? Ich dachte, das ist es gar nicht. Oder ist es Harz oder so? Ne.

      Lukas

      Doch, ja, aber ich dachte bei Pech auch, das muss doch irgendwas ölige sein. Und dann war ich erstmal verwundert, dachte ich Häme macht doch nicht so einen Satz damit. Erdöl oder was? Es kann eine gut sein. Und es ist tatsächlich so, dass Paech aus Baumharzen hergestellt wird. Und auch da gab es noch von der Fassbinder Fabrik einiges und er stand nicht neben so einem Fass mit getrocknetem Pech drinnen und es sieht aus wie eine riesen Klumpen Bernstein, aber den kannst du wesentlich leichter halt wieder flüssig machen.

      Lukas

      Und da muss man dieses Fass dann von innen auspichen. Warum? Um dicht zu machen, sondern damit vom Holz keine Gerbstoffe in das Bier reinkommen. Und das ist jetzt der Unterschied zwischen einem Bierfass und einem Weinfass oder einem Whiskyfass. Wenn es aus Holz ist, willst du diese Gerbstoffe bei einem Wein oder bei einem Whisky, weil sich das auf den Geschmack auswirkt?

      Beim Whisky ganz besonders. Deswegen sind dann die Fassgrößen und was das für ein Holz ist usw für den Whisky super wichtig. Bei einem Bier möchtest du das nicht, weil das Holz für die Gerbstoffe in das Bier reinbringen und dann wird es halt ziemlich scheußlich. Ich weiß jetzt nicht, ob es Biere gibt, die das wollen. Keine Ahnung, aber in der Regel macht man das nicht.

      Lukas

      Herbert Konradund sein Team haben mir diese Handwerkstradition wieder zum Leben erweckt und die lernen auch noch wahnsinnig viel dazu. Also die Fässer werden auch besser. Am Anfang sind ganz viele Daumen gebrochen. Man hat sich dann Beratung aus einer Fassbinderfabrik in München geholt, die das tatsächlich noch machen. Genau. Und jetzt ist es halt so wirklich, dass auch Leute, die interessiert sein können, die können da Kurse belegen, die können da Fassbinderei mitmachen.

      Lukas

      Und ich glaube, es gibt einen Vormittag in der Woche, wo diese Fassbinder einfach so Tag der offenen Tür, da kann jeder reinkommen und halt gucken, worauf er Bock hat. Aber es ist auf jeden Fall darauf ausgelegt, dass man viel mitmacht, dass man sich das nicht nur anguckt, sondern dass man auch wirklich selbst mit diesen Fässern, also selber auch an Fässern herstellen kann.

      Lukas

      Ja, lieber Ralf, das war jetzt alles, was ich dir zu sagen habe. Meine sehr, ich würde mal sagen ausführliche Folge über den Zoigl und die Fassbinderei. Ich hoffe, dass ich dir einige Wissenslücken schließen konnte. Hast du noch Fragen?

      Ralph

      Ja, ob du denn die Gelegenheit hattest, dann ein bisschen Zoigl zu probieren?

      Lukas

      Ja, das habe ich ganz vergessen. Ja, klar. Logisch. Ich bin dann vom Brauhaus in Mitte. Gleich bin ich dann in so einen Keller gegangen und da habe ich ein Zoigl getrunken und es war sehr schmackhaft, was sehr gut. Da waren ja auch wirklich in so einem alten Keller. Es war auch faszinierend, weil dieser, weil da war auch keinen, keine Kühlanlage, nix drin ist.

      Lukas

      Wirklich einfach nur ein alter Felsenkeller und da ist das ganze Jahr über acht Grad, egal wie heiß es draußen es war voll kommen verrückt, weil es ein sehr heißer Tag war und dann Gäste rein und bis auf einmal in der Gefriertruhe, ohne dass da irgendwie Nachschub. Julian habe ich da schon. Das war sehr, sehr gut.

      Ralph

      Na schön, schön, freut mich. Ja, wie gesagt, ich habe einiges gelernt, viel sogar gelernt. Und jetzt erst mal ich bin erst mal erschlagen von all den Informationen da.

      Lukas

      Dann würde ich sagen, vielleicht findet bis zur nächsten Folge noch was. Einfällt, kannst du ja das in der nächsten Folge noch mal stellen und vielleicht kannst du schon mal so ein bisschen darauf hinweisen, was denn unsere Hörerinnen und Hörer in der zweiten Folge von Bitte nicht anfassen im Zwölferspecial erwarten können.

      Ralph

      In einer zweiten Folge geht's auch wieder um ein Handwerk, eigentlich sogar um zwei Handwerks berufe, die sehr selten geworden sind. Ehrlich gesagt, von dem einen wusste ich gar nicht, dass du existiert.

      Ralph

      Und ich habe auch sehr viel Fachjargon gelernt. Zum Beispiel, was ein Koelbl ist. Und der Durandl, habe ich gehört, also dass das wird auf die Hörer und Hörerinnen, auf euch da draußen zukommen in der nächsten Folge. Und sehr wissenswert auf jeden Fall auch wieder.

      Lukas

      Ich bin gespannt. Ein kurzer Hinweis noch zu dieser Folge Bitte nicht anfassen! Zwölfer-Edition ist eine Kooperation aus Bitte nicht anfassen und dem Zwölfer. Das sind Museen im Landkreis Tirschenreuth. Diese Kooperation wird gefördert von der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern.

      Der Beitrag Zwoelfer-Special Folge 1: Der Zoigl: Vom Hausgebrautem zum Craft-Beer-Champion erschien zuerst auf Escucha.

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      41 min
    • Über eine Giftmörderin und wie der Kaffee nach Deutschland kam – das Bremer Geschichtenhaus

        BITTE NICHT ANFASSEN! #33 – Das Bremer Geschichtenhaus

        Show Notes 

        Es gibt Museen zur Stadtgeschichte und dann gibt es das Bremer Geschichtenhaus. Statt schnöder Objekte stellen hier Menschen verschiedene Szenen aus der Stadtgeschichte dar; weder cringe noch langweilig, sondern ziemlich witzig und vor allem ziemlich interessant. Darüber hinaus ist das Geschichtenhaus auch noch ein soziales Projekt: Denn die Darstellenden sind Langzeitarbeitslose, die hier die Möglichkeit haben über sich hinauszuwachsen. Lukas berichtet von seinem ganz spontanen Besuch im Bremer Schnoorviertel.

        #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #Bremen #sozial #impro  #Geschichte

        ~~~~~~~ 

        Hilfreiche Links: 

        Hier noch ein paar Infos zu Gesche Gottfried:

        https://www.bremen.de/bildung-und-beruf/politische-bildung/gesche-gottfried

        Insgesamt behaupten Leipzig, Regensburg und Hamburg das erste Kaffeehaus in Deutschland zu haben. Alles Quatsch. Es ist Bremen:

        https://www.faz.net/aktuell/reise/nah/bremen-ein-hort-deutscher-kaffee-kultur-1438233.html

        Infos und Videos zum Schnoorviertel.

        https://www.bremen.de/tourismus/sehenswuerdigkeiten/schnoor

        ~~~~~~~ 

        Infos zum Museum:  

        Bremer Geschichtenhaus

        Wüstestätte 10

        28195 Bremen

        https://bremer-geschichtenhaus.de

        ~~~~~~~ 

        über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

        Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

        Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

        Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

        Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

        BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

        Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

         
        ~~~~~~~ 

         
        Kontakt: 
        Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
        E-Mail: info[at]escucha.de  

        ~~~~~~~ 

        Wollt ihr uns unterstützen?  

        Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

        ~~~~~~~ 

        Podcast-Credits:  
          

        Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
        Produktion: Escucha GbR  
        Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/  
        Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

        Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

        ~~~~~~~ 

        Transkript 

        Sara Fruchtmann

        Hier packen Leute was an, was sie nie gedacht hätten Dass sie das machen, nie geglaubt hätten, dass sie das können. Wir werden mächtig unterstützt von uns, kriegen jede Menge Training. Aber sie schaffen etwas, das in ihrem Leben noch nie vorgekommen ist. Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Scooter.

        Lukas

        Hallo an alle da draußen und herzlich willkommen zu dieser brandneuen Folge von Bitte nicht anfassen! Muss jemand anders. Ich bin Lukas.

        ´

        Ralph

        Und ich bin Ralph. Und zusammen haben wir diesen tollen Podcast über kleine, skurrile, ungewöhnliche Museen in Deutschland, aber auch darüber hinaus. Bei dem wir abwechselnd die Museen besuchen, mit den Betreiber Betreiberin sprechen und dem anderen davon erzählen.

        ´

        Lukas

        Und das Tolle ist, dass es nicht ausschließlich um die Museen geht, sondern dass in jedem Museum sich immer fantastische kleine Geschichten verstecken, die gut für Fun Facts auf Partys. Und ich habe so einen Fun Fact in der letzten Folge gelernt. Ralph. Und zwar, als du mir erklärt hast, wo hier die Ursprünge der Nachrichtenagentur Reuters kommt, nämlich von Brieftauben, die von Brüssel nach Aachen organisiert worden sind.

        Lukas

        Und das hat mich ehrlich gesagt ziemlich geflasht.

        Ralph

        Freut mich. So soll es ja sein. Vielleicht hat es den einen oder anderen da draußen auch geflasht. Wir hatten ja am Ende der Folge auch über die auflagenstärksten Zeitungen ein bisschen gesprochen, wo ich gesagt habe na ja, es gibt da dieses Japanische und das gemeint, dass durch die chinesische Zeitung, also die der Kommunistischen Partei, eigentlich mehr Auflagen haben müsste.

        Ralph

        Ich hab da jetzt mal nachgeguckt und die Parteizeitung heißt Renmin Ribao und die hat eine Auflage von nur 2,5 Millionen Exemplaren.

        Lukas

        Alles klar?

        Ralph

        Ja, und ich hab nochmal geguckt, weil die New York Times hast ja auch genannt und die New York Times, die hat, wenn man jetzt wirklich alle Abonnenten auch mit dazu nimmt, auch online und so, dann kommt die auf 10 Millionen. Aber im Print ist es dann doch deutlich weniger. Da hat sie nur eine Auflage von knapp 300.000 Stück.

        Lukas

        Das ist ja weniger als der Spiegel, oder? Ich glaube, der Spiegel hat noch irgendwie acht oder 900.000. Ich glaube.

        Ralph

        Dass die Bild auch deutlich mehr hat. Ich habe mal geguckt. Die auflagenstärksten Zeitungen der Welt und da ist die BILD. Ich möchte jetzt nicht lügen, aber die ist glaube ich, in den Top fünf.

        Lukas

        Hätten wir das auch geklärt. Ähm, genau. Und da du ja in der vergangenen, im vergangenen Monat die Folge vorgestellt hast, das Museum vorgestellt hast, bin ja dieses Mal echt dran.

        Ralph

        Genau. Hoffentlich mit einer sommerlichen Folgewoche.

        Lukas

        Ja, es ist auf jeden Fall was für ein Städtetrip. Sagen wir's mal so.

        Ralph

        Na schön, lasse ich mich mal überraschen.

        Lukas

        Hast du weiße Flecken in Deutschland, wo du schon immer mal hinwollte, es aber noch nie warst? Oder Städte, in die du schon immer mal besuchen wolltest, Aber wo du es noch nie geschafft hast.

        Ralph

        Oh, hier jetzt schon einige. Tatsächlich? Ich war zum Beispiel noch nicht in Dresden. Das sind noch auf meiner Liste. Ich war aber auch nicht in der. Wie heißt die Mecklenburgische Seenplatte? War ich auch noch nicht. Und hm. Und ich war zum Beispiel auch noch nicht mal im Schloss Neuschwanstein. Warst du da mal?

        Lukas

        Ja. Also, alles das, was du gesagt hast. Da war ich schon. Und das kann ich auch alles empfehlen. Bis auf Neuschwanstein. Das fand ich nicht so cool. Ein bisschen Disneyland bei mir wars Bremen. Tatsächlich ein bisschen. Beruflich viel unterwegs gewesen. Und ich war ja schon in Deutschland. Echt fast überall. Aber ich war eben noch nicht in Bremen. Für diese Folge bin ich ganz spontan über das Museum gestolpert, weil eigentlich hatte ich einen anderen beruflichen Termin in Bremerhaven und habe mich dazu entschlossen, eine Nacht in Bremen zu verbringen, um mir mal so ein bisschen das Stadtzentrum von Bremen anzuschauen.

        Lukas

        Ja, was weißt du über Bremen, dass ich da.

        Ralph

        Schon mal war und dass im Stadtzentrum eine Statue der Bremer Stadtmusikanten steht?

        Lukas

        Genau, Bremer Stadtmusikanten, ganz bekannt. Darüber hinaus ist es der zweitgrößte deutsche Hafen. Man kennt den Roland noch, dass es diese dritter Statue die gibt es übrigens weltweit 27 Mal hab ich nachgeguckt, die ist sehr häufig und sehr gerne kopiert worden. Er ist eine schöne Stadt und ich weiß nicht, Wenn du in Bremen warst, warst du im Schnoor Viertel.

        Ralph

        Nee, ich war das so kurz. Nur ich hab da. Ich war da auch beruflich.

        Lukas

        Also das Schnoor Viertel, das ist ein Stadtviertel, was bei Touristen besonders beliebt ist. Das ist total süß. Sind lauter so kleine Häuser, Teehäuser, Läden. Keine Ahnung, was. Manche Gassen sind so eng, dass man da kaum durchkommt. Also, das ist irgendwie so ganz, ganz süßes, mittelalterliches Gässchen Viertel. Und ich bin da natürlich auch durch, weil ich am Spätnachmittag abends noch Zeit dafür hatte und auf einmal stehe ich, bleib ich von dem Haus stehen mit roter Fassade auch ich schätze mal 16. Jahrhundert, 16., 17. Jahrhundert.

        Lukas

        Irgendwie so was. Und da stehen zwei Leute vor dem Haus, zwei Männer mit so Spitzhüten. Diese historischen Spitzhüte, die man vielleicht kennt. Wenn du an so klassische Piratenhüte denkst, diese Dreieckshüte.

        Ralph

        Na ja.

        Lukas

        Genau. Mit zwei, drei Spitz, genau, mit so einem Gehrock usw und so fort. Und ich habe dann rausgefunden, dass dieses Haus früher ein Witwenhaus war, das von bremischen Kaufleuten finanziert wurde. Also das heißt, verarmte Witwen haben da sozusagen Unterkunft kostenlos gefunden. Und heute hat es aber eine ganz andere Funktion. Diese zwei Männer, die da in den Spitzhüten und historischen Ausstattungen vor diesem Museum standen, deren Funktion war, so ein bisschen dich in dieses Haus reinzuführen.

        Lukas

        Und ich habe dann mit den Leuten gesprochen, die haben auch geantwortet, wie man im 18. Jahrhundert antworten würde, also schwülstig bis hin zu pittoreske Sprache. Die haben mir dann erklärt, worum es in diesem Haus geht. Ich habe mich dann vorgestellt und gesagt, dass sie DNA machen und was es mit Bitte nicht anfassen soll auf sich hat. Und die fanden es dann ziemlich cool und meinten ja, wir könnten spontan was machen.

        Lukas

        Und dann habe ich gesagt Scheiße, ich habe mein Aufnahmegerät vergessen und dann bin ich wirklich zurückgerast zum Hotel, habe das Aufnahmegerät geholt und bin dann wieder hin, habe das Aufnahmegerät angeschaltet und die haben tatsächlich für mich noch ein bisschen länger aufgemacht und haben das ganz spontan für mich ermöglicht, dass ich da eine BNA Folge machen konnte. Also noch mal, noch mal vielen Dank.

        Lukas

        So was sich im Inneren dieses Hauses verbirgt. Da haben wir mal ganz kurz in einen Ton rein.

        Ralph

        Da bin ich ja mal gespannt.

        (Ton aus dem Geschichtenhaus. Georg, Schauspieler, stellt sein fiktives Bremer Kaffeehaus aus 1810 vor)

        Ralph

        Okay, machen wir das. Gut. Okay. Das war ja mal strange. Ja, Ja. Also, ich habe mich ja am Anfang gewundert. Okay, sind auch noch andere Leute da. Und das wirkt ja dann irgendwie wie so ein Theaterstück. Aber ist es ja nicht.

        Lukas

        Ja, also du hast schon echt paar gute Schlagworte genannt und was du da gerade gehört, dass das war eine Stelle, aus der aus dem Bremer Geschichtenhaus und das Bremer Geschichten Haus. Das ist eine Mischung aus Museum und Improtheater, was sich um die Stadtgeschichte Bremens dreht und was du da gehört hast. Dass es eine von bis zu sieben Stationen, die es auf drei Stockwerken gibt.

        Lukas

        Und alle diese Stationen haben eine Gemeinsamkeit Es gibt eigentlich keine Museumsobjekte, es gibt nur ein bisschen Kulisse. Es gibt dafür aber immer Menschen, die Geschichten aus dieser Zeit nacherzählen. Und was du jetzt gerade gehört hast, das ist der fiktive Kaffeehausbesitzer Georg, der 1810 in das Kaffeehaus einlädt. Also wir sind da zu der Zeit, in der Bremen von von Franzosen besetzt ist, also von napoleonischen Truppen besetzt ist.

        Lukas

        Und der erklärt dann zum Beispiel weiter im Ton, aber das dauert noch zu lange. Deswegen hab ich nur den ersten Eindruck da rein gemacht, dass zum Beispiel in Bremen das erste Kaffeehaus im deutschsprachig Raum eröffnet wurde, noch zehn Jahre vor Wien, weil die Wiener ja immer behaupten, dass sie die ersten Kaffeehäuser im deutschsprachigen Raum gehabt hätten. Es stimmt nicht.

        Lukas

        Es war in Bremen, das lag am Hafen usw und so fort. Genau, genau nimmt das Wien. Und diese Menschen, die wie Georg in diesem Fall die spielen also nicht wirklich historische Menschen nach, die es wirklich gegeben hat. Also das ist kein Fake Napoleon der irgendwas vorstellt, sondern die spielen Menschen nach, die und das ist so ein bisschen das Motto, die es hätte geben können.

        Lukas

        Ja, das ist sozusagen schon mal die erste Idee dieses Bremer Geschichtenhauses. Es gibt aber noch eine zweite Besonderheit und diese Besonderheit soll dir SaraFrucht Mann erklären. SaraFruchtmann ist diejenige, die die Idee des Bremer Geschichtenhauses hatte und die einen ganz besonderen Twist in das Geschichten aus eingebaut hat.

        Sara Fruchtmann

        Was sie gemeinsam haben, ist Sie waren lange arbeitslos. Wir gehören zu einem Beschäftigungsträger. Das heißt, wir bieten Arbeit an für Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Arbeit finden und in dem Rahmen lernt man hier als Darstellerin zu agieren und mit großem Erfolg. Das kommt sehr gut an bei den Besucherinnen.

        Ralph

        Sehr, sehr cool. Ein soziales Projekt, das den Leuten wahrscheinlich dann auch wieder so ein bisschen Selbstvertrauen gibt. Und vor allem sie kommen unter Menschen werden ja auch sozial eingebunden. Finde ich super. Also bin ich jetzt schon Fan.

        Lukas

        Ja, es ist ein tolles Projekt und vor allem Langzeitarbeitslosigkeit ist in Bremen ein Riesenproblem. Davon hat nämlich Bremen überdurchschnittlich viel. Aktuell sind es um die 16.000 Menschen die Langzeitarbeitslos sind. Und statistisch ist es so Je länger du arbeitslos bist, desto schwieriger findest du auch was. Da auch noch mal zu Relation was Langzeitarbeitslosigkeit mit dir macht. Noch mal ein kurzer Ton von SaraFruchtmann.

        Sara Fruchtmann

        Glücksforscher ordnen lange Arbeitslosigkeit so knapp unter chronischer Krankheit an, wenn es um das Unglück geht, das das mit sich bringt. Und das heißt, eine unserer Aufgaben ist, die Menschen wieder aufzubauen. Das Schöne, wenn man mit Spiel mit Darstellen im Spiel arbeitet, ist das ist ja nichts anderes als Leben. Also einer meiner Lieblingssätze ist Spiel ist konzentriertes Leben. Was tut man schon, wenn man spielt?

        Sara Fruchtmann

        Man steht, man geht, man lacht, man redet. Alles Dinge, die wir sonst auch tun. Aber in einem, wenn Sie so wollen, in einer kontrollierten Versuchsanordnung. Das heißt, da gibt es Möglichkeiten, das Verhalten, das Selbstempfinden neu auszurichten.

        Ralph

        Ja, kann ich voll nachvollziehen. Klingt total logisch und auch cool. Ich habe eine Frage noch Langzeitarbeitslosigkeit. Also auf welche Dauer geht es dann los?

        Lukas

        Langzeitarbeitslosigkeit ist natürlich eine Definitionsfrage, aber im Prinzip spricht man davon, Menschen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. Das Klientel von SaraFruchtmann. Es sind wirklich Menschen, die mehr als ein Jahr würde ich mal sagen, in der Regel keine Arbeit hatten. Also mehrere Jahre.

        Ralph

        Was sind das denn für Menschen dann vom Alter her?

        Lukas

        Also ich komme da später noch ein bisschen drauf zurück, aber vielleicht jetzt schon mal, die sind vom Alter her. Also als ich da war, würde ich sagen, dass es eher Menschen waren jenseits der 50, wo es womöglich auch aus Altersgründen schon relativ schwierig sein könnte, auf dem ersten Arbeitsmarkt noch mal eine Anstellung zu finden. Also das war, als ich hatte, als ich da war, nicht den Eindruck, dass es jemand gab, der da unter 50 war.

        Lukas

        Aber vielleicht habe ich auch einfach jemanden übersehen. Das war jedenfalls mein Eindruck.

        Ralph

        Und das sind alles Leute, die vorher noch keine Erfahrung mit Theater hatten.

        Lukas

        Genau. In der Regel vielleicht noch mal kurz, um dir das zu erklären. Also SaraFruchtmann ist eigentlich Regisseurin und hat halt fürs Theater und so gearbeitet. Und sie hat aber diese Idee gehabt mit dem Geschichten aus und leitet es seitdem. Und wir sprechen hier seit 18 Jahren hauptberuflich. Ich habe ihr kurz erklärt, dass in diesem großen Haus ursprünglich mal dieses Witwenhaus drin war, wo arme und mittellose Witwen versorgt worden sind.

        Lukas

        Und danach war ein Museum zur Stadtgeschichte drin. Das lief aber nicht wirklich und es ging bankrott. Jetzt war aber der Besitzer dieses Hauses immer noch dieser Beschäftigungsträger und da sollte wieder irgendein Projekt rein und vielleicht irgendwas, was auch mit der Stadtgeschichte zu tun hat. Und dann wurde Sara Fruchtmann gefragt, ob sie sich das Haus nicht einfach mal angucken könnte und vielleicht mal so ihre Ideen mitteilen könnte.

        Lukas

        Und sie hat man dann im Interview gesagt. Eine Regisseurin, das heißt, ab dem Zeitpunkt, wo sie quasi ein leeres Haus sieht, sieht sie Bühnen und das muss bespielt werden. Und dann war diese Idee geboren. Das heißt, die Leute waren dann relativ schnell begeistert. Es gab am Anfang natürlich einige Bauchlandung, logischerweise, weil es ist natürlich nicht einfach so, aus dem Nichts so ein Improtheater Schrägstrich Museum mit Langzeitarbeitslosen auf die Beine zu stellen.

        Lukas

        Aber eben wie bereits erwähnt, jetzt gibt es Geschichtenhaus, mittlerweile seit 18 Jahren stark. Zu den einzelnen Herausforderungen habe ich Sara Fruchtmann natürlich auch noch mal gefragt.

        Sara Fruchtmann

        Eine Grundschwierigkeit ist, dass sie einem nicht Schauspieler kein Text auf Papier geben können und sagen So, jetzt spricht das mal, als wäre das gerade eingefallen. Wenn Sie in Schauspieler Papier reintun, kommt Leben raus. Und wenn Sie in Nicht Schauspieler Papier reintun, kommt Papier raus oder etwas. Das klingt wie Papier. Konsequenz Wir arbeiten ohne geschriebenen Text. Wir entwickeln die Rollen ausschließlich aus der Improvisation und da, das ist vielleicht spezifisch, fällt dann auch das Problem weg, dass durchaus nicht alle lesen oder unsere Schrift lesen können.

        Sara Fruchtmann

        Und es entsteht etwas, das beweglich plastisch genug ist, das man sich dann auf jeden Gast, jede Gruppe, wie sie so reinkommen, einstellen kann.

        Ralph

        Also, wenn ich das richtig verstanden habe, ist auch ein Aspekt, also ein Aspekt, warum das so extrem improvisiertes? Weil die Leute halt keine Schauspielerfahrung haben und das einfach besser funktioniert und zweitens, weil sie das an das Klientel anpassen können, das Konzept.

        Lukas

        Genau, und das hast du am Anfang auch gehört. Bei meinem Beispiel aus dem Kaffeehaus mit Georg, dass er dann gefragt hat Ja, warum sind Frauen im Kaffeehaus? Weil zu dieser damaligen Zeit durften Frauen halt nicht ins Kaffeehaus. Es geht also darum, dass man sich so eine gewisse Bandbreite an Wissen draufschafft. Dazu gibt es, habe ich später auch noch ein paar Töne mitgebracht.

        Lukas

        Wir hören auch noch mal andere Ausschnitte rein. Genau. Also ich will ja nicht zu viel vorwegnehmen, aber damit eben schon mal weiß, die erzählen ja nicht irgendeinen Stuss. Aber das Prinzip ist Improvisation. Und die Leute, die bleiben auch wirklich in ihrer Rolle. Also egal ob die Menschen am Eingang, die mich dann das Haus reingeholt haben und die mir dann auf schwülstiger Sprache erklärt haben, dass er in dem Podcast schon möglicherweise interessiert sein könnten.

        Lukas

        Oder halt die Person an der Kasse. Also die bleiben da von der Rolle, die haben auch alle ihre Kostüme an und normalerweise ist es so, dass für das Geschichtenhaus 80 Menschen in der Regel arbeiten, also sowohl als Darstellerinnen, aber auch in der Verwaltung oder hinter den Kulissen. Und natürlich ist es so, dass diese Leute dann nicht einfach so ins kalte Wasser reingeschmissen werden.

        Lukas

        Sie sind immer hier. Hast jetzt fünf Texte zu Historisches Material über Bremen, Jetzt such dir eine Figur aus und spielt es dann. Die bekommen auch eine Ausbildung und da kann dir vielleicht auch Sarafruchtbar noch mal kurz was zu erklären.

        Sara Fruchtmann

        Bin heilfroh, dass man niemanden zum Spielen zwingen kann. Das wird nix. Das heißt, ich habe von vornherein keine Chance, irgendwie autoritär zu werden. Der Mensch muss so weit sein und da kriegt hier jeder und jede so viel Zeit, wie er sie braucht. Es ist, glaube ich, noch nie jemand unter drei Monaten ins Spiel gekommen. Aber es hat schon Leute gegeben, die haben zwei Jahre was anderes gemacht.

        Sara Fruchtmann

        Genau gesagt Ich will gar nicht spielen, ich will hier. Ich finde den Besucher im Service toll und ich denk nicht dran, vor Publikum spielend aufzutreten. Nach zwei Jahren kamen sie plötzlich und sagten Ich würd jetzt doch ganz gerne mal ne Rolle spielen.

        Ralph

        Also die bekommen eine Ausbildung im Sinne von so eine Schauspielausbildung.

        Lukas

        Also Improausbildung genau, oder Improausbildung.

        Ralph

        Ja stimmt, ist auch was anderes, aber nur.

        Lukas

        Wenn die das halt auch wollen. Also natürlich, wenn die im Geschichtenhaus mitarbeiten wollen, dann müssen die auch was machen und die müssen auch in der Regel Kostüme zumindest anhaben oder irgendwie so was, weil das ist halt die Idee von dem Geschichtenhaus. Also da laufen halt nur historische Persönlichkeiten rum. Letztlich aber ob die spielen wollen oder nicht, das bleibt ihnen überlassen.

        Lukas

        Und das ist natürlich schon krass. Jetzt überleg dir mal, du bist irgendwie lange arbeitslos, du bist jenseits der 50, du hast irgendwie keine Ahnung. Also ich kann mir vorstellen, ich bin nicht in der Situation, aber ich kann mir vorstellen, dass das natürlich einiges an dem Selbstbewusstsein macht und noch an einem Selbstwert möglicherweise. Und dann stellst du dich auf einmal vor wildfremde Menschen hin und imitierst eine historische Persönlichkeit.

        Lukas

        Das finde ich schon ziemlich krass.

        Ralph

        Ja, finde ich auch. Mein größter Respekt dafür. Wie ist das denn mit den Leuten? Du hast jetzt die ganze Zeit von diesen Langzeitarbeitslosen gesprochen. Sind die dann trotzdem nach wie vor langzeitarbeitslos oder sind die beschäftigt, also angestellt in diesen Geschichten aus. Wie ist das?

        Lukas

        Also die sind nicht Angestellten im Geschichtenhaus, weil das ja von dem Beschäftigungsträger ist. Das heißt, die Idee ist, dass die über dieses Geschichtenhaus und über die Darstellung als Skills erwerben, also im Sinne von mit Menschen reden, also eigentlich klassische Dienstleistung, Skills auf Menschen, eigenen Kundenkontakt usw und so fort. Die trainieren ihre Stimme und das soll eine Weiterbildungsmaßnahme sein, die dann wiederum den Staat zurück auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglicht?

        Ralph

        Denn ja.

        Lukas

        Ja und vielleicht noch mal ganz kurz zum Aufbau. So ein bisschen habe ich es ja schon anklingen lassen. Also du gehst da rein, nachdem ich diese Leute da erfolgreich angeworben haben. Bei mir hat das gut geklappt, dann gehst du erst mal sonst ein Souterrain, Das ist so ein Felsenkeller und der ist auch. Also das ist doch dieses ganze historische Mauerwerk und so was.

        Lukas

        Du siehst einfach sofort, Du bist in so einem spätmittelalterlichen Gebäude und dann warten die Leute, bis eine Gruppe zusammenkommt und dann geht es durch diese drei Stockwerke durch und da gibt es bis zu sieben Spielstätten. Normalerweise hätten die mehr Geschichten, aber mehr als sieben, da hält keiner aus. Also weil das dauert dann einfach zu lang. Und insgesamt würde ich mal sagen, dass du je nach Gruppe, je nach Interaktionen zwischen zwei und drei Stunden drin bist.

        Ralph

        Ja.

        Lukas

        Genau, weil ich für den eigentlichen Start der Führung zu spät gekommen bin. Ich habe dir erklärt, dass das eine total spontane Aktion war. Habe ich leider nur das dritte Stockwerk mitbekommen. Das hat aber gereicht, weil ich, während ich auf die eigentliche Gruppe gewartet habe, das heißt die Gruppe, die du am Anfang gehört hast. Im Kaffeehaus habe ich mich so ein bisschen mit den Darstellern unterhalten können, die im dritten Stockwerk waren und die sich auf ihre Rollen vorbereitet haben.

        (Darstellerinnen beschreiben ihre Kostüme und ihre Vorbereitung. Einmal ist ein Kostüm von 1821, dann von 1910, am Ende werden wir drauf hingeweisen, dass wir uns zu laut unterhalte haben)

        Ralph

        Solltet ihr leise sein?

        Lukas

        Ja, wir. Waren zu laut. Ist es auch so. Ein mittelalterlicher Holzdielen Boden, Der halt knarzt. Alles mögliche. Nur Gäste sind dann das Treppenhaus hoch und ja, möglicherweise hat man uns halt gehört und der, der seinem Ende zu es ein bisschen zurück gewiesen hat. Es war dann Georg. Also das hat derjenige, der da der Schauspieler war, der Kaffeehausbesitzer.

        Ralph

        Ja und wie ist das, wenn man da jetzt so durchgeht? Ich habe es noch nicht ganz verstanden, Ich hab nur verstanden, Es dauert halt 2 bis 3 Stunden und man geht da durch mehrere Räume bzw Stockwerke. Äh, und dann setzt man sich hin, wie bei deinem ersten Ton. Oder steht man dann oder.

        Lukas

        In der Regel sitzt man und dann dann kommt der Darsteller, die Darstellerin rein in einem Kostüm und erzählt halt eine Geschichte. Und damit du dir das noch mal besser vorstellen kannst, hab ich natürlich noch mal eine zweite Szene mitgebracht. Das ist die Szene, die auf das Kaffeehaus, äh, danach gefolgt ist. Im Nachhinein werde ich dir noch so ein bisschen erklären lassen nach dem Ton, warum ich, also was ich besonders cool an dieser Szene find einen Platz.

        Anna (Darstellerin

        Unter also bitte schön jetzt.

        Ja, schön, dass ihr mich besuchen kommt. Seit ihr den Bremer? Ja noch nicht. Bremer Ich auch nicht mehr da.

        Nicht draufgekommen.

        Ja, die Liebe hat mich hier nach Bremen geführt. Mein Mann, der Johann Lang und ich, wir haben uns in Leipzig bei der Messe kennengelernt. Der arbeitet hier beim Schiffsbau und brauchte noch Teile für sein Schiff. Und als wir uns sahen, haben wir uns doch gleich ineinander verliebt. Und er fragte mich Anna, möchtest du mit mir nach Bremen kommen?

        Ja, sagte ich, und so waren wir hier schon viele Jahre hier in Bremen, in Babelsberg Straße und gegenüber wohnte meine Nachbarin, die geheiratet. Bisher war schon Bescheid. Ich hab mich ja, ja, sie wollte ja mit den Johann Miltenberg, den Zack war Meister mit 21 verheiratet, damit sie in höhere Kreise kommt. Aber ich kann euch verraten, diese Ehe, die war alles andere aber nicht gut. Jeden Abend ist er in die Schenke, hat das Geld besoffen und verspielt. Und wenn man nach Hause kam, haben sie geschlagen und beschimpft. Und mit dem hatte sie ja auch noch drei Kinder.

        Ralph

        Hmmm, ja, wahrscheinlich spricht sie von einer historischen Persönlichkeit, die ich jetzt zumindest nicht kenne.

        Lukas

        Genau. Und ich finde, dass das zweite nicht werde jetzt gleich zu dieser historischen Persönlichkeit noch mehr erzählen. Aber ich finde, dass du hier dieses Konzept supergut mitbekommst. Was du. Die Idee ist, wie die Leute ihre Rolle entwickeln, Denn Anna kommt und das hast du mal Dialekt al gehört aus Sachsen. Und jetzt ist es natürlich so, dass eine historische Figur, die in Bremen ist, womöglich mit einem sächsischen Dialekt halt irgendwie auffallen würde und deswegen hat sie für die Entwicklung ihrer historischen Figur ihren eigenen Dialekt halt so ein bisschen mit in die Waagschale geworfen und hat die Geschichte erzählt, dass sie ihren Mann 1820 auf der Messe in Leipzig kennengelernt hat und es sehr sie mitgenommen hat.

        Lukas

        Und in dieser Rolle ist sie auch gleichzeitig nicht nur die Ehefrau, sondern auch so eine Tante, die strickt auch die ganze Zeit. Währenddessen hat schon so so ein schwarz weißes Kleid an und sitzt da auf ihrem Holzschemel und erklärt immer so nebenbei sie will ja eigentlich gar nicht tratschen, aber das habe ich mitbekommen. Eigentlich will ich ja auch da nicht raten, aber das habe ich mitbekommen.

        Lukas

        Das ist halt total sympathischen total lieb und sie geht halt auch wirklich mit dem mit dem Publikum in Kontakt. Gesche Gottfried. Was es damit auf sich hat, weil man da auch mal sieht, wie die Geschichten so entwickelt werden. Also es geht darum, sie ist die fiktive Nachbarin von Gesche Gottfried und weil sie halt auch so ein bisschen so ein Waschweib ist, kriegt sie den ganzen Gossip aus den Straßen mit.

        Lukas

        Was man über Gesche Gottfried weiß: Sie ist eine Serienmörderin, die 15 Menschen vergiftet hat und dann 1831 hingerichtet wurde, nachdem man vier Jahre später die Mordserie nachweisen konnte. Sie wurde auch Engel von Bremen bezeichnet, weil die Leute ursprünglich alle Mitleid hatten, dass es so viele Leute in ihrem Familien und Bekanntenkreis verloren hat. Bis man halt mitbekommen hat, dass sie diejenige, die es tat, alle Genau.

        Lukas

        Also es ist jetzt irgendwie lustig, aber damals irgendwie ziemlich krass. Also die hat von 18, 12 bis 18 17 nahezu wahllos Arsen an Menschen verteilt und sehr viele verletzt, womöglich auch Menschen getötet, von dem man das gar nicht weiß. Und es gibt zwei so Mordserien und in ihrer ersten Mordserie hat sie jeweils zwei Ehemänner umgebracht mit Arsen. Ihre Mutter, ihren Vater, ihren Bruder, zwei Töchter und ein Sohn.

        Lukas

        Das sei die erste Mordserie. Dann hat sie ein paar Jahre aufgehört, und dann hat sie sich damals von einer Magd sogenannte Mäusebutter holen lassen. Das ist Butter, die zu einem Teil aus Arsen bestand und mit der man dann teilweise Mäuse vergiften wollte als Mausefalle. Und da sind auch insgesamt ihr Verlobter und Freundinnen und Freunde draufgegangen. Also ziemlich krass, ja.

        Lukas

        Irgendwann hat ihr Vermieter mal Verdacht geschöpft, als er im Schinken so kleine weiße Körner gefunden hat und die hat er dann zu untersuchen geschickt und dabei kam raus, dass das Arsen ist. Dann ist halt festgenommen worden. Ihre Hinrichtung war dann 1831 durch das Schafott und das sind 35.000 Menschen gekommen. Und diese Hinrichtung war die letzte öffentliche Hinrichtung in Bremen.

        Lukas

        Und seitdem ist diese Gottfried ein bisschen so, ja, historisches True Crime Format. Also es gibt auch Theaterstücke und Filme und auch Hörspiele und keine Ahnung was. Also es ist auf jeden Fall eine sehr interessante Persönlichkeit. Und Anna also, die du da gehört hast, die möchte halt einfach so das Waschweib sein, die halt das alles mitgekriegt hat. Und dann sagt sie mir wusste das ja nett und dachte immer, dass sie so gut ist und dann hat die so tragisch alle Menschen verloren und ja, aber dann ist rausgekommen, dass sie das war uns so weiter und so fort.

        Lukas

        Also die gehen voll in ihrer Rolle auf, aber alle, die da arbeiten, das ist echt cool.

        Ralph

        Und geht man da chronologisch durch dieses Gebäude, durch die Räume, weil dem Georg war 1810 glaube ich, habe ich in Erinnerung, jetzt immer schon ein bisschen weiter.

        Lukas

        In der Regel ist es so, dass das Ganze vor dem 30-jährigen Krieg beginnt und dann glaube ich, nach dem Ersten Weltkrieg aufhört. Ah ja, ich hoffe, dass Sie da keinen kein Schmarrn erzählt hab. Da muss ich noch mal nachfragen, aber so ungefähr. Also genau, man geht auf jeden Fall chronologisch durch.

        Ralph

        Hmm.

        Lukas

        Zum Abschluss noch mal möchte ich dir noch einen Ton von SaraFruchtmann nicht vorenthalten, weil ich glaube das in dem Ton, dass sie das noch mal sehr schön zusammenfasst, worum es bei diesem Projekt eigentlich geht.

        Sara Fruchtmann

        Hier packen Leute was an, was sie nie gedacht hätten, dass sie das machen, nie geglaubt hätten, dass sie das können. Wir werden mächtig unterstützt von uns, kriegen jede Menge Training. Aber sie schaffen etwas, das in ihrem Leben noch nie vorgekommen ist. Überwinden natürlich auch Angst. Publikum ist kann was Furchterregende sein?

        Ralph

        Das glaube ich auch. Also das klingt total anders. Kann ich mir richtig gut vorstellen, dass das einfach ein Projektes, an dem die Leute, die daran teilnehmen, wachsen können und wo die viel mitnehmen können, sei es für für die künftige Arbeit. Mal schauen. Aber auf jeden Fall auch fürs Persönliche.

        Lukas

        Also ich kann das Geschichten aus jedem empfehlen. Also ich habe ja nur zwei Stationen mitbekommen, aber die waren cool genug. Also wenn ich das nächste Mal in Bremen bin, dann mache ich da auf jeden Fall eine komplette Tour mit. Es ist auch sehr gut besucht. Also vor Corona waren es 40.000 Menschen pro Jahr, da gehen die jetzt wieder so ein bisschen hin.

        Lukas

        Im Schnitt kommen 100 Leute am Tag, die da eine Führung wollen und das ist natürlich schon cool. Also ist auch immer gut geöffnet, das heißt ganz zu ganz normalen Bürozeiten.

        Ralph

        Also ich find halt was, was du mir und uns jetzt vorgestellt hast. Ich finde, dass das so eine solche Technik auch ist, die sich ruhig auch andere Museen vielleicht angucken könnten und vielleicht übernehmen könnten, weil es könnte man ja locker auch in Museumskontext von also von einem regulären Museum oder von einer Galerie oder was weiß ich was übernehmen.

        Lukas

        Voll Also es ist immer noch ein bundesweit einmaliges Projekt und das finde ich echt krass, weil es funktioniert ja super. Also da sind mehrere 1000 Menschen durch dieses Improtheater Schauspielprogramm durchgegangen und viele haben halt auch Jobs gefunden. Also SaraFruchtmann hat mir erklärt, also nicht jeder findet was, das ist ganz klar. Nur weil die da spielen, heißt es nicht, dass sie dann drei Monate später ihren Traumjob finden.

        Lukas

        Aber es gibt halt auch so Biografien von Menschen. Das hat ne SaraFruchtmann erzählt. Da dachte sie, der findet nie was. Und dann hat er was gefunden. Und da hat dieses Projekt einfach so viel Selbstbewusstsein gegeben, dass der halt dann auch ganz anders zum Beispiel in Bewerbungen reingegangen ist und ganz anders sich halt auch verkaufen konnte. Ja, das ist halt schon super.

        Lukas

        Also ich versteh's nicht, warum es das nicht häufiger gibt. Und ich denk mir, dass viele Stadtmuseen von solchen Initiativen echt profitieren könnten, weil ich glaube, dass gerade bei Stadtmuseen, die haben ja manchmal so ein Nimbus, so ein bisschen antiquiert zu sein und ich finde, das ist halt irgendwie superk cool, wie du einfach mit mit wenig Geld. Also es ist sehr, sehr, sehr viel Aufwand.

        Lukas

        Es ist ja nicht wenig Aufwand, aber es ist halt irgendwie Aufwand, der halt vielen Menschen sehr viel Gutes bringt, weil die Gäste haben ne tolle Führung. Ich glaube, dass das viel kurzweiliger ist als alle anderen Museen. Die Menschen haben was davon, weil die was Gutes bekommen und die Museumslandschaft wird wird reicher. Um dieses Projekt also von daher ich kann das.

        Lukas

        Ich kann das nur raten, wenn hier Leute zuhören im Museumskontext, die sich überlegen Hey, wie können wir unsere Ausstellung sozialer gestalten, wie könnten wir vielleicht auch ein Projekt mit Langzeitarbeitslosen machen oder so was? Ich kann mir das sehr gut vorstellen, dass man das analog zum Bremer Geschichtenhaus machen kann. Und ich glaube auch so wie SaraFruchtmann einschätzt, dass sie auch wirklich sehr kooperationsbereit wär und auch gerne ihre Erfahrungen weitergeben würde, sage ich jetzt einfach mal Frau Fuchtel, wenn Sie das wirklich.

        Ralph

        Ja, schön, schön. Ja, vielen Dank für dieses mal andere Haus, das du jetzt heut vorgestellt hast. Also mich würde es auch reizen. Ich würde auch hingehen. Also eine Frage habe ich noch, weil ich ja immer so ein bisschen so ein schüchterner Typ bin. Du kommst da hin und du würdest ja gefragt, wie du heißt und würde auch so ein bisschen fragen ans Publikum gibt es da und so, aber man hat da jetzt nicht so viel, wie soll ich sagen Interaktion oder wird da irgendwie im Mittelpunkt gestellt als Besucher, Besucherin oder doch.

        Lukas

        Doch, die gibt es dann auch, als sie. Die Leute interagieren auch mit dir, die sind ja Impro geschult, das heißt die also das heißt natürlich, die reden mit dir und du redest auch mit denen. Du kannst sie noch fragen, Die Hemmschwelle ist sehr niedrig. Also noch mal, ich habe nicht alles dazu mitbekommen. Ja, das heißt, ich kann da nur von meiner Erfahrung sprechen.

        Lukas

        Und natürlich war das dann irgendwie erst mal wird, wenn ich dann von diesem Kaffeehaus Georg angesprochen werde, aber das ist so schnell, das ist eine total entspannt und total lockere Atmosphäre.

        Ralph

        Ja schön.

        Lukas

        Ja, dann so viel zum Bremer Geschichtenhaus. Ich habe meinen Soll erfüllt für diese Folge. Und Ralph, wir haben ja für den September ein kleines Special vorbereitet, und zwar können sich ja die Hörenden von Bitte nicht anfassen auf eine Kooperation freuen und auf eine sehr große Kooperation dieses Mal Vielleicht kannst du ein bisschen was dazu erzählen.

        Ralph

        Ja, und zwar haben wir uns gedacht, wir gehen doch mal eine Kooperation mit einem Museumsverbund ein, der mehrere Museen und das sich eben verbindet und wir werden mal ein bisschen was anderes machen. Also keine Sorge, Leute, es bleibt schon noch. Bitte nicht anfassen. Und wir besuchen abwechselnd Museen und stellen das dann dem anderen vor. Aber es wird dann doch irgendwie die eine oder andere Überraschung dabei geben.

        Ralph

        Ich möchte nicht zu viel verraten, aber im Monat September werden wir wahrscheinlich mehr als eine Folge veröffentlichen. Das wird jetzt mal intensiver für euch alle.

        Lukas

        Das ist richtig. Wir freuen uns jedenfalls sehr auf dieses Projekt und sind natürlich dann auch gespannt, wenn ihr zum Beispiel Feedback zu dieser Folge habt. Vielleicht, wenn ihr auch ähnliche Ideen kennt. Museumsinitiativen. Irgendwie ist das ein rechter. Meldet euch gerne bei uns, wir bauen es gerne mit ein oder lass uns davon auch gerne inspirieren. Und natürlich wie immer der Aufruf Wenn euch bitte nichts anfassen gefällt, dann bewertet uns, schickt uns weiter, abonniert uns.

        Lukas

        Das ist für uns ganz wichtig, damit wir auch Reichweite bekommen und auch möglichst viele Menschen von diesen kleinen Museen und den tollen Geschichten profitieren können.

        Ralph

        So ist es. Dann entlasse ich euch alle mal in den Feierabend oder in den Tag, wo noch immer ihr das hört. Und wir wiederum hören uns dann im September Zack, Tschüss.

        Der Beitrag Über eine Giftmörderin und wie der Kaffee nach Deutschland kam – das Bremer Geschichtenhaus erschien zuerst auf Escucha.

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        35 min
      • Wie Paul Reuter die Nachrichtenagentur erfand und was wir aus Kleinanzeigen lernen können – das Internationale Zeitungsmuseum in Aachen

          BITTE NICHT ANFASSEN! #32 – Das Internationale Zeitungsmuseum Aachen 

          Show Notes 

          Oscar liebt Zeitungen und Reisen. Auf Arbeit hat er nicht so Lust. Als er mit Ende 30 eine reiche Frau kennenlernt, die ihm das Ja-Wort gibt und auch noch für ihn sorgt, gibt er seinen Job auf und begibt sich auf Dauerurlaub. Von überallher bringt er insgesamt 80.000 (!) Zeitungen mit und eröffnet damit ein Museum in Aachen.  

          Mehr als 120 Jahre nach seinem Tod wird das Museum heute fortgesetzt von dem Historiker Andreas Düspohl. Er gibt Einblicke in alte Zeitungsexemplare, erzählt von Paul Julius Reuter, der mit Hilfe von Brieftauben sein Nachrichten-Imperium aufgebaut hat, und erklärt uns, welchen geschichtlichen Wert Kleinanzeigen haben. Und ja, es ist das älteste Museum, das wir bislang besucht haben!  

          #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #Aachen #zeitung #reuters #Presse #Geschichte 

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          Hilfreiche Links: 

          Offizielle Homepage der Insel Tristan da Cunha: https://www.tristandc.com/index.php 

          Hier liegt Tristan da Cunha: https://www.google.com/maps/place/Tristan+da+Cunha/@-36.8447867,-12.1307037,10z/data=!4m6!3m5!1s0x25a3b1a1af6dc9b:0x69ee2d95dc98aedb!8m2!3d-37.1052489!4d-12.2776838!16zL20vMDdxNDg?entry=ttu 

          Über die Namensherkunft von Zeitung: https://taz.de/Das-gedruckte-Wort-in-digitalen-Zeiten/!5536196/ 

          Artikel über die erste Tageszeitung der Welt “Einkommende Nachrichten”: https://www.grin.com/document/134011?lang=en 

          Weitere Infos über Oscar von Forckenbeck: https://rp-online.de/nrw/staedte/wassenberg/walter-bienen-ueber-oskar-von-forckenbeck_aid-24134519 

          Wikipedia Artikel zu Paul Julius Reuter: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Julius_Reuter 

          Das meistgesprochene Wort der Welt: https://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article11856002/Der-Siegeszug-von-O-K.html 

          Auflagenstärkste Zeitungen (Stand 2016 – hier taucht auch die Zeitung der Kommunistischen Partei China auf): https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_newspapers_by_circulation 

          Artikel über Zeitungen und Zeitschriften: https://www.historia.net/de-de/geschenke-ratgeber/zeitung-vom-tag-der-geburt-verschenken/was-ist-der-unterschied-zwischen-zeitung-und-zeitschrift/#:~:text=Zeitungen%20und%20Zeitschriften%20im%20Vergleich,Inhalte%20zu%20bestimmten%20Themen%20bieten. 

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          Infos zum Museum:  

          Internationales Zeitungsmuseum 

          Pontstraße 13 

          52062 Aachen 

          www.izm.de

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          über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

          Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

          Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

          Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

          Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

          BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

          Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

           
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          Kontakt: 
          Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
          E-Mail: info[at]escucha.de  

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          Wollt ihr uns unterstützen?  

          Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

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          Podcast-Credits:  
            

          Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
          Produktion: Escucha GbR  
          Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/  
          Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

          Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

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          Transkript 

          Andreas Düspohl 

          Da geht es um die Arbeit von Presseagenturen, die interessanterweise ja zurückgehen auf Paul Julius Reuter, der sein weltweites Geschäft in Aachen gestartet hat, weil er hier Brieftauben gemietet hat, mit denen er ein Loch in dem europäischen Telegraphennetz zwischen Aachen und Brüssel überbrücken konnte.  

          (Jingle) Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha. 

          Ralph 

          Hallihallo, liebe Freundinnen und Freunde der gepflegten Museumsbesuche oder auch ungepflegtne Museumsbesuche. Herzlich willkommen zu Bitte nicht anfassen. Mein Name ist Ralph. 

          Lukas 

          Und mein Name ist Lukas und wir stellen euch in diesem Podcast einmal im Monat schräge, skurrile Alternative, aber durchaus liebenswerte Museen vor und verbinden das immer mit größeren Geschichten. Denn jedes kleine Museum hat echt ganz viele Dinge zu erzählen. Ganz viele tolle Geschichten zu erzählen. Und ja, das ist so unser Konzept. 

          Ralph 

          Und das vergangene, liebenswerte Museum. Das war ja das Rauchermuseum in Paris, das du mir vorgestellt hast. Und ich habe da mitgenommen, dass es ja um die Geschichte des Tabaks in Europa auch ging und wie dort Rauchen salonfähig geworden ist bzw. ja auch in der Medizin so seine Anwendung gefunden hat. 

          Lukas 

          Genau. Also seine zwielichtige Anwendung, wenn man das so sagen kann. Aber genau darum ging es genau. 

          Ralph 

          Und dann warst du ja noch in einer Zigarrenmanufaktur. 

          Lukas 

          Genau richtig. 

          Ralph 

          In dieser Folge bin ich wieder dran. 

          Lukas 

          Das heißt, ich kann mich zurücklehnen. 

          Ralph 

          Ja, also in der vergangenen Folge ging es ja ums Rauchen und um Rauchen als Medizin zum Teil ja auch. Und in dieser Folge geht es am Rande auch um Rauchen. Beziehungsweise möchte ich da damit einsteigen, denn Zigaretten wurden ja nicht nur geraucht, sondern auch für andere Dinge verwendet. Und da habe ich gleich einen Ton mitgebracht vom Museumsleiter, also vom Museum, wo ich war, nämlich Andreas Düspohl. 

          Ralph 

          Und das klingt dann so  

          Andreas Düspohl 

          Hier eine interessante Zeitung. The Tristan Times, das ist eine Zeitung von der Insel Tristan, der Kutscher, das ist eine Inselgruppe zwischen Südafrika und der Antarktis. Da braucht man eine Woche, um dahin zu kommen. Kommt man auf Schiffe nicht mit einem Flugzeug? Und interessant ist, dass hier der Preis der Zeitung angegeben ist. Sie sehen es hier drei Zigaretten oder vier Kartoffeln, und das ist so ein bisschen selbstironisch, weil auf der Insel wächst nicht viel anderes als Kartoffeln und deswegen gibt es die da zu Hauf. 

          Ist ja auch nur ein DIN A4 Format, das mit der Schreibmaschine geschrieben ist. Aber das ist so ganz interessant, dass wir tatsächlich diese Zeitungen, von denen wir nicht wissen, wie sie zu uns gekommen sind, in unseren Beständen drin haben. 

          Lukas 

          Okay, also, Tristan da Cunha Es geht um diese Insel. Ähm, es geht um die Zeitung. Und es geht darum, dass Zigaretten als Handelsware genutzt wurden. Bzw. Als Währung. Was man ja auch kennt. Gerade von zum Beispiel dass Deutsche nach dem Jahr der Deutschen, nach dem zweiten Weltkrieg und nach der Inflation. War ja auch eine Art Zigarettenwerbung. 

          Okay, und was ich so mitbekommen habe der der Museumsleiter bzw. die Person, mit der du dich dann gehalten hast, hat dir gezeigt, dass es eines von vielen Exemplaren ist. Das heißt, ich gehe mal davon aus, dass das, dass der Protagonist dieser Folge die Zeitung ist. 

          Ralph 

          Ja richtig, 100 Punkte. Ja, ich war im Internationalen Zeitungsmuseum in Aachen und die Tristan Times, von der er gerade gesprochen hat, also diese Zeitungsausgabe, das ist nur eine von rund 400.000 Zeitungen, die das Museum beherbergt. Es sind dort aber nicht nur Zeitungen aus verschiedenen Ländern ausgestellt, sondern es geht auch um die Geschichte der Zeitungen. Also wieder mal ein Geschichtsthema heute. 

          Und kurz zum Begriff Zeitung kommt aus dem Mittelhochdeutschen zidunge, was so viel bedeutet wie Botschaft, Nachricht und Nachricht wiederum kommt von Nachrichtung, also etwas, nach dem man sich zu richten hat. 

          Lukas 

          Ah, okay. 

          Ralph 

          Und was verstehen wir heutzutage unter einer Zeitung? Ich habe mal geguckt, was es für Definitionen gibt und so. Die gängige Definition lautet, dass eine Zeitung ein Druckwerk ist, das in regelmäßigen Abständen erscheint mit nachrichtlichen bzw. aktuellem Inhalt. Daran orientiert sich auch dieses Museum. So, jetzt ist es aber so, dass die Zeitungen nicht einfach plötzlich da waren, sondern die müssen ja irgendwie entstanden sein und die sind ja, man könnte sagen Seite für Seite gewachsen, nämlich aus Flugblättern. 

          Dazu Andreas Düspohl: 

          Andreas Düspohl 

          Eines unserer ältesten Blätter ist dieses Flugblatt hier von 1577. Da hat dann ein Drucker für ein Ereignis einen Kupferstich mit ein bisschen Schrift einmal in den Druckstock eingegeben und hat das dann verkauft. Und Leute haben das dann gelesen. Und aus diesen ja ab und an erscheinenden Flugblättern hat sich dann irgendwann jemand gedacht, man könnte doch auch so was jeden in regelmäßigen Abständen herausbringen in einer Sammlung. Und daraus ist dann die älteste Zeitung entstanden. Sehen Sie hier die Relation aus Straßburg, dass die älteste Zeitung der Welt das ist die älteste Zeitung der Welt ist allerdings in diesem Fall ein Faksimile und kein Original ist leider nicht mehr so häufig vorhanden auf der Welt.  

          Ralph 

          Und diese erste Zeitung, die da rausgekommen ist, das war dann im Jahr 1605 und die erschien dann wöchentlich so und dann haben sich halt im Laufe der der nächsten Jahrzehnte diese Zeitungen in anderen Ländern auch verbreitet und es dauert dann genau 45 Jahre, also 1650 ist es dann so weit, dass die erste Tageszeitung der Welt erscheint. 

          Die trägt den Namen Einkommende Zeitungen und es ist nicht ganz sicher, aber sehr wahrscheinlich, dass diese Zeitung in Leipzig gedruckt worden ist. Und jede Ausgabe bestand aus insgesamt vier Seiten. Warum Leipzig? Leipzig war eben damals schon eine sehr verkehrsgünstig gelegene Stadt. Die Regierung dort war nicht so stark am Zensieren wie beispielsweise in Frankfurt, habe ich gelesen und es gab dort auch schon viele Messen, die ja dann auch schon Zeitungen bzw. Zeitschriften dann an die Besucher rausgegeben haben. 

          Lukas 

          Weil du das gerade mit Leipzig und der ältesten Zeitung angesprochen hast. Ich habe vor kurzem gelesen, dass ja die älteste Zeitung, die heutzutage noch erscheint, glaube ich, die Wiener Zeitung ist. Oder wie viel älter ist sie dann? Weil die erscheint ja noch. Ich nehme an, die in Leipzig erscheint heute nicht mehr. 

          Ralph 

          Die in Leipzig erscheint heute nicht mehr. Und du hast recht, die Wiener Zeitung ist die älteste, noch veröffentlichte Zeitung und die wurde Anfang des 18. Jahrhunderts gegründet, also 1705 oder zehn oder so, okay, wir wissen es ja. Bis heute gibt es Zeitungen, also die Druckverfahren haben sich verbessert, es wurde günstiger. Der Umfang der Zeitungen nahm dann dementsprechend auch zu. 

          Und heutzutage gibt es ja auch noch Zeitungen und ich möchte auf ein bestimmtes Jahr in der Vergangenheit zurück, nämlich auf das Jahr 1854. Da war ein Deutscher im Urlaub in den Niederlanden und auf dem Boden eines Schiffs hat er eine alte Zeitung liegen gesehen, die zum Einwickeln von Fisch benutzt worden ist. Und da hat er sich gedacht: “Na ja, also für so was sind mir irgendwie die Zeitungen zu schade. 

          Ich fange mal an, die zu sammeln, dass er nicht einfach die ganze Zeit Zeitungen weggeschmissen werden.” 

          Ja, und 170 Jahre später hängt dann von diesem einen deutschen Urlauber ein Bildnis im Zeitungsmuseum, das ich besucht habe. Denn dieser Mann ist Oscar von Forckenbeck und der Gründungsvater des besagten Museums. 

          Lukas 

          Dann ist das ein Museum mit sehr, sehr langer Tradition. 

          Ralph 

          Hm, ja, und ich stand dort mit Andreas Düspohl und habe ihn auch gefragt, was denn Oscar von Forckenbeck so für ein Typ war. Und das hat er gesagt: 

          Andreas Düspohl 

          Da sehen wir ihn. Er hat also Jura studiert und war Amtmann in Rheine und war damit sehr unglücklich. Also dieses Verwaltungsbeamten da sein, das hat ihm nicht gefallen. Er ist kein gebürtiger Aachener gewesen. 

          Also er kam aus Wassenberg, und er ist dann halt durch die Umstände seiner seiner Tätigkeit ist er dann in Aachen gestrandet, sozusagen. Er hat erst so im lokalen Bereich angefangen, Zeitungen zu sammeln, hat sich damit beschäftigt, hat versucht, hier in Aachen einen Lesesaal einzurichten und hat dazu alle möglichen Verleger angeschrieben und hat auch relativ schnell einen ganz guten Fundus gehabt. 

          Aber irgendwann hat er seinen Fokus auf das Internationale ausgeweitet. Und da kam es ihm. Da kam es den ihm sehr zupass, dass er, wie wir heute sagen würden, glücklich geheiratet hat. Maria Packenius. Die brachte eine stattliche Mitgift in die Ehe rein, und fortan ist Oscar von Forckenbeck dann in der Weltgeschichte herumgereist, war in ganz vielen Ländern und hat von dort Zeitungen mitgebracht, sehr zum Verdruss seiner Ehefrau. Die hat ihn kaum noch gesehen. 

          Lukas 

          Der Wild, also jemand, der Verwaltungsbeamter war, darauf kein Bock mehr hat, dann sehr reich heiratet, um den Rest seines Lebens womöglich den Großteil seines Lebens damit verbringt, durch die Weltgeschichte zu reisen und Zeitungen zu sammeln, muss man sich auch leisten können. 

          Ralph 

          Ja, auf jeden Fall. Ich habe da auch ein bisschen in der Biografie von ihm gelesen. Der war wirklich, wie soll ich sagen, da wirklich oft in seinem Leben sehr unglücklich mit der Situation, hat dann auch ein paar Umzüge hinter sich gehabt und als er dann eben geheiratet hat, war das so irgendwie. Seine Probleme Lösung dann, dass er jetzt nicht mehr arbeiten musste und dass er viel herumreisen konnte, was so seine Leidenschaft war. 

          Er hat dann auch zu Hause sehr viel gelesen und eine Bibliothek aufgebaut. Und ja, das Verhältnis zu seiner Frau aus dem, was ich so gelesen habe, scheint das ja nicht das innigste zu sein. Meine war oft unterwegs, auch eben ohne Frau. Sie haben zwar über Briefe kommuniziert, aber ja, das war ein schwieriges Verhältnis. 

          Lukas 

          Aber der hat dann die ganzen internationalen Zeitungen, die ganzen Sammelobjekte nach Aachen gebracht. 

          Ralph 

          Richtig, Der hat dann in Aachen in den 1880ern das Zeitungsmuseum gegründet, was seine Frau dann vielleicht auch gar nicht schlecht fand, weil dann sind die Zeitungen quasi aus seinem Haus in dieses Museum ausgelagert worden und er hat dann auch mit Gründung dieses Zeitungsmuseums eine gleichnamige Zeitschrift veröffentlicht. Zeit seines Lebens hat er dann diese Zeitungen gesammelt und solange es ihm noch einigermaßen gut ging, denn er hat ja auch lange Jahrzehnte Rheuma, muss man sagen, hat er halt dann diese Sammlung weiter aufgebaut. 

          1898 ist er dann gestorben an Magenkrebs. Er hat dann insgesamt 80.000 Zeitungen schon beisammen gehabt, die, die er ja quasi seiner Witwe vermacht hatte. Und die wiederum hat gesagt Ja, das schenke ich der Stadt Aachen und die Stadt Aachen, die war erst mal nicht so happy drüber, weil die hat sich überlegt, wo kommen jetzt diese ganzen Zeitungen hin? 

           Dann haben sich aber schon Plätze gefunden. Das wurde dann also hat dann öfter so den den Platz auch gewechselt. Also es war nicht von Anfang an in dem Museum in dem ich war, sondern erst 1923 ist das dann an den heutigen Standort gekommen. Kurz zum Standort der – Wer sich da auskennt oder Bock hat, halt da hinzufahren – Das Zeitungsmuseum ist sehr im Zentrum. 

          Ralph 

          Ich würde sagen, wenige 100 Meter vom Rathausplatz entfernt in der Pontstraße. Eine also eine ganz wichtige Studentenstraße. 

          Lukas 

          Wenn man sich, du kennst dich in Aachen ja gut aus. Wenn man sich also mal Dom oder Rathaus angucken will, kann man auch einen Abstecher zum Zeitungsmuseum machen. 

          Ralph 

          Genau. 

          Lukas 

          Ja, ich würde auch sagen, also ich glaube, das ist damit auch das älteste existierende Museum, was Sie bislang vorgestellt haben. Kann es sein? Mir würde jetzt keins einfallen, was noch älter ist, weil wenn es 1870 gegründet wurde, dann ist es doch jetzt mit Abstand sogar das älteste Museum, was Sie bislang vorgestellt haben? 

          Lukas 

          Ja, aber. Also für so Alltagsmuseen ist doch 1880 extrem früh. Das sind ja keine Kunstgalerien. 

          Ralph 

          Nee, nee, stimmt schon. Äh, ja, du hast recht, weil wir haben ja oft private Sammler, die dann daraus ein Museum machen. Das ist natürlich dann sehr jung. Ja, gut, wir hatten das Museum Ville Montagne, wo ich jetzt gerade dran denk. 

          Lukas 

          Aber das ist ja nicht 1880, da haben die doch noch mal mehr abgebaut. 

          Ralph 

          Na ja, ne, stimmt, hast recht. 

          Lukas 

          Weil Altenberg gab es ja bis 1900. 

          00:13:06:05 – 00:13:20:00 

          Lukas 

          Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für unsere Serie mit Abstand das bislang älteste Museum ist. Aber wir können ja mal noch mal alle Museen durchgehen und dann geben wir euch bei der nächsten Folge Bescheid, ob es sich hier auch wirklich um das älteste Museum handelt. 

          Ralph 

          So machen wir es. Dann kommen wir zurück zum Museum. Was ich nämlich auch ganz interessant fand, dass Aachen ja in der Geschichte des Nachrichtenwesens eine besondere Rolle spielt. Ich weiß nicht, ob dir das vorher klar gewesen ist. Nein, das kommt in dem Museum auch ganz gut raus. Man geht dann also erst mal geht man halt in diesen alten Museumsbau rein, die Treppe hoch ins erste Stockwerk und dort betritt man einen Raum, in dem man auch so ein regelmäßiges Piepen von Nachrichten tickern hört. 

          Und was es damit auf sich hat, soll dir mal Andreas Düspohl erzählen.  

          Andreas Düspohl 

          Da geht es um die die Arbeit von Presseagenturen, die interessanterweise ja zurückgehen auf Paul Julius Reuter, der sein weltweites Geschäft in Aachen gestartet hat, weil er hier Brieftauben gemietet hat, mit denen er in ein Loch in dem europäischen Telegrafennetz zwischen Aachen und Brüssel überbrücken konnte und infolgedessen einen großen Geschwindigkeitsvorsprung hatte gegenüber den Agenturen, die dann Nachrichten mit einem Boten berittenen Boten zwischen Aachen und Brüssel hin und her schicken mussten. Als das Telegrafennetz dann geschlossen war, schlussendlich Mitte des 19. Jahrhunderts. Er war also nur wenige Monate hier, hatte er aber so viel Geld, dass er dann sein weltumspannendes Nachrichtenimperium gründen konnte, ist er nach London gegangen und hat die Nachrichtenagentur Reuters gegründet. 

          Lukas 

          Äh, ja, das ist ein krasser Fun Fact. Also noch mal Paul Reuter, der Typ, auf den die wohl bekannteste Nachrichtenagentur Reuters zurückgeht. Der, der hat die gegründet, weil er binnen weniger Monate so viel Kohle mit Brieftauben gemacht hat, weil die schneller waren als berittene Kuriere zwischen Brüssel und Aachen. Es hieß die weltumspannende Nachrichtenagentur Reuters ist Das ist ja auch nur der Fun Fact. 

          Ralph 

          Ja, ich kann ja noch einen weirden Fact nennen. Ich habe den nicht verifiziert, aber Andreas Düspohl hat gesagt, dass der Name Reuters der meistgedrückte Name der Welt ist. Eben aufgrund der Tatsache, dass viele diese Quellen oder die Informationen von Reuters verwenden. 

          Lukas 

          Ja, das kann schon sein. 

          Ralph 

          Also wer es nicht kennt das Geschäftsmodell ist ja, dass das Reuters, also seine Journalisten Journalistinnen hat, die dann Texte schreiben. Und diese Texte gehen dann an verschiedene Medienhäuser, mit denen halt vorher Verträge geschlossen worden sind und dann können die diese Texte halt verwenden für ihre Zeitungen, Onlineauftritte usw, müssen aber als Quellenangabe Reuters nennen und natürlich was dafür zahlen. 

          Lukas 

          Was man vielleicht auch noch in Deutschland kennt. Die dpa. 

          Ralph 

          Genau. 

          Lukas 

          Ist ja auch eine Nachrichtenagentur, Das ist ja dasselbe Geschäftsmodell Modell, nur das Reuters halt Internationales. 

          Ralph 

          Ja, genau. Also ich hab versucht das zu verifizieren, aber nichts gefunden. Und jetzt auch ein Fact. Ich habe nur gefunden, was das meistgesprochene Wort der Welt ist. Eine Ahnung, was das sein könnte? 

          Lukas 

          Das meistgesprochene Wort der Welt. Gesprochene Worte. Hi. 

          Ralph 

          Na ja, es ist nah dran. Es sind zwei Buchstaben in Englisch. Ok. 

          Lukas 

          Ah ja. Ok. 

          Ralph 

          Also, jetzt haben wir schon gehört, dass Aachen hier glänzen könnte. Durch Paul Julius Reuter. Aachen hat aber auch in jüngerer Geschichte eine Vorreiterrolle in Sachen Nachrichten Zeitung gespielt. Eine Ahnung, welche das sein könnte? 

          Lukas 

          Was ist jüngere Zeit? 

          Ralph 

          20. Jahrhundert. Ich kann auch sagen Mitte des 20. Jahrhunderts. Vielleicht ein bisschen leichter. 

          Lukas 

          Nee, keine Ahnung. 

          Ralph 

          Macht nix. Ich hab es jetzt ja auch nicht gewusst. Aber Aachen hatte die erste Freie Zeitung nach dem Zweiten Weltkrieg, weil es ja als erste Stadt erobert worden ist von den Amerikanern. 

          Lukas 

          Ah, okay. 

          Ralph 

          Am Anfang waren die Amerikaner noch ein bisschen beteiligt an dieser Zeitung, haben ja auch dann den Wert der Zeitung gesehen als Informationsquelle, in der die Leute Anordnungen oder Gesetze halt nachlesen konnten. Kurz nach dem Krieg wurde dann aber diese Zeitung auch wirklich frei und da fand man dann auch Informationen drin, ja, wo die Leute halt was zu essen bekommen oder medizinische Hilfe, aber auch Kleinanzeigen. 

          Wir hatten das ja mit den Kleinanzeigen oder mit Werbung hatten wir ja schon mal, wenn ich mich richtig erinnere in der Folge vom Kleingartenmuseum, wo du darauf verwiesen hast, sie waren das, was die Leute gegessen haben, dass das irgendwie genau rausgekommen ist. 

          Lukas 

          Also was ich gesagt habe im Kleingarten Museum, das man aus NS-Zeitschriften und den das waren keine Kleinanzeigen, das waren Rezepte. Und je nachdem was für Rezepte vorgestellt worden sind, konnte man Rückschlüsse ziehen, wie die Versorgungssituation zu Hause war. 

          Ralph 

          Ah ja. Na ja, dann habe ich das ein bisschen falsch in Erinnerung, aber, ähm, es ist jetzt in ähnlicher Weise auch so, was uns Andreas Düspohl gleich sagen wird, dass man aus den scheinbar unscheinbaren Texten dann doch einige Rückschlüsse auf die Vergangenheit ziehen kann.  

          Andreas Düspohl 

          Die Kleinanzeigen wurden damals allerdings umformuliert, damit nicht bestimmte Codes weitergegeben werden konnten an irgendwelche Werwolfverbände und irgendwelche Exnazis und dergleichen. 

          Aber der Inhalt ist interessant und in der ersten Zeit, nachdem Aachen ja 1944 erobert worden war und fast entvölkert war, es lebten nicht mal mehr 10.000 Menschen hier in der Stadt, hatten die Menschen ein Bedürfnis nach sehr fundamentalen Dingen wie Nahrung, ein Dach überm Kopf. Und da waren dann entsprechend Kleinanzeigen, dass jemand noch Kartoffeln hat, die er verkaufen kann, dass jemand ein Handwerker ist und eine Schubkarre und kann helfen, Schutt wegzuräumen. 

          Also wirklich das, was die Leute zum Überleben brauchten. Und plötzlich hat man etwas später, nachdem der Krieg auch schon zu Ende war, ist plötzlich eine Kleinanzeige drin. Klavierlehrer gesucht. Und daran sehen Sie, wie die Zeit sich gewandelt hat. Und das ist auch wieder das, wo man dann die Zeitung entsprechend umdreht und sieht, dass die, die der Quellenwert der der Kleinanzeigen in diesem Fall oftmals höher ist als das, was in der Zeitung drin stand. 

          Lukas 

          Ja, es auf jeden Fall. Es ist auf jeden Fall total spannend, sich Kleinanzeigen der letzten, ja der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte anzugucken. Was da drin steht, finde ich auch. Finde ich super interessant. 

          Ralph 

          Ja, und das hat mir da noch ein paar andere Beispiele genannt. Fand ich auch alles sehr, sehr spannend. 

          Lukas 

          Ich habe gelesen, weil ganz am Anfang von dem Ton ist er ein bisschen auf Codes eingegangen. Ich habe zum Beispiel einen Podcast vor kurzem gehört, einen Geschichtspodcast. Da wurde erzählt, dass deutsche Spione in den USA Kleinanzeigen im Chicago Tribune genutzt haben, um mit den Deutschen während des Krieges zu kommunizieren. Also die sollten immer eine bestimmte Zeit in unter der Woche eine bestimmte Kleinanzeige schalten. 

          Ist da irgendwie ein Handwerker der der irgendwie verfügbar ist? Und wenn diese Anzeige immer Donnerstag drin stand, dann wussten die okay, die Spione existieren noch und gehen ihrer Spionagetätigkeit nach oder ihre Sabotage. 

          Ralph 

          War ja spannend, Da soll es auch mal Museum drüber geben über Codes. Vielleicht wäre ja das mal was für die Zukunft. 

          Lukas 

          Ich hab so was im Kopf. Ich glaube, es gibt so ein ähnliches Museum. Ich weiß auch schon wo. Es steht auf meiner Liste. 

          Ralph 

          Ja, Andreas Düspohl hat es ja auch gerade angesprochen und ich meine, es war der zweite Weltkrieg. Aachen war da auch schwer betroffen. Es wurde vieles zerstört und und damit das Zeitungsmuseum dieser Gefahr entgehen konnte, hat man die auch dann ausgelagert. Also man hat dann diese Zeitungen zu so bündeln, so richtig großen Bündeln oder Rollen halt zusammengeschnürt und auf einem Bauernhof außerhalb der Stadt versteckt. 

          Da gab es dann auch ein paar Verluste, aber relativ wenig an Zeitungsmaterial, sodass das meiste dieser Sammlung überlebt hat und jetzt auch kontinuierlich nach dem Krieg halt weiterwächst. Das hat dann zum Beispiel während der Coroner Pandemie einen neuen Schub gegeben, weil es ist ja so, dass das Zeitungsmuseum sich natürlich immer wieder über Zeitungen freut und so können Privatleute ihre Zeitungen da auch vorbeibringen. 

          Und die Pandemie haben halt anscheinend viele Leute genutzt, um auszumisten. Und dann standen fast täglich Leute mit Farbmaske vor der Tür, um Andreas Düspohl Ihre Zeitung in die Hand zu drücken. Und so gab es dann zigtausend Neuzugänge. Es ist aber so, dass Andreas Düspohl und sein Team halt auch eigenständig Zeitungen sammeln. Und gerade zum Thema Corona haben sie das sehr intensiv betrieben. 

          Andreas Düspohl 

          Wir haben die Corona Pandemie ziemlich gut dokumentiert. Von den ersten Gerüchten, dass es ein neuartiges Virus irgendwo in China gibt, bis hin zu den ersten Fällen in Deutschland, den ersten Toten, den ersten Maßnahmen. Und da haben wir wirklich von jedem Tag mindestens eine Zeitung gesammelt, teilweise auch aus dem Ausland und irgendwann mal, wenn man sich da wieder mit beschäftigen möchte, vielleicht in einigen Jahren, dann können wir wirklich lückenlos diese Pandemie nachzeichnen. 

          So direkt nach dem Ende der Pandemie hatte da keiner Lust mehr drauf. Dann haben wir auch immer gesagt Jetzt ist Schluss, jetzt sammeln wir nicht mehr jeden Tag eine Zeitung zum Thema. Aber da sind natürlich dann etliche Hunderte von wenn nicht Tausende von Zeitungen zusammengekommen, die irgendwann mal eine wertvolle Quelle sein werden. 

          Lukas 

          Ja, spannend. Kann ich mir auch gut vorstellen.  

          Ralph 

          Und auch jetzt schon eine spannende Quelle sind. Also klar, wir haben vorhin das gehört von diesen Kleinanzeigen und die Tatsache, dass diese Zeitungen halt international sind, also aus verschiedenen Ländern. Das zeigt sich darin, dass das Zeitungsmuseum auch öfter Anfragen bekommt. So hat Andreas Düspohl zum Beispiel gesagt, dass die Universität in Lahore, in Pakistan dass die halt nach Zeitungen gefragt haben, weil damals bei der Teilung von Indien und Pakistan ganz viele Archive zerstört worden sind und damit auch ganz viele Zeitungen. 

          Und so konnte er dann mit seinem Team zusammen Zeitungen, die er halt hatte, einscannen und an die Universität schicken. 

          Lukas 

          Als wissenschaftlicher Service. 

          Ralph 

          Ja, genau. Also zum Museum gehört auch eine Bibliothek und ein Archiv eben. Also man kann da schon viel arbeiten, wenn man möchte. Was jetzt nicht erwähnt habe und das jetzt auch nur am Rande mache, ist so der Aufbau des Museums. Ich habe gesagt, klar, es geht um die Geschichte des Journalismus, es geht aber auch um Buchdruck und Typographie. 

          Es geht dann noch um Fake News und Zensur. Es sind auch ganz interessante Bilder dabei. Also man kann sich auch Bilder angucken, die ich jetzt schlecht zeigen kann. Bilder, wo man halt sieht, wie manipuliert worden ist. Das fand ich auch sehr eindrücklich. Und es geht auch um die Zukunft von Zeitungen, was ja bei uns in der Journalisten Bubble ja auch schon länger ein Thema ist. 

          Viele, viele gedruckte Zeitungen kämpfen ja ums Überleben oder zumindest nimmt die Leserschaft ab. 

          Lukas 

          Aber ich habe den Eindruck, wenn ich dich da mal kurz unterbrechen kann. Ich habe den Eindruck, dass diese Diskussion schon irgendwie seit zehn, 15 Jahren da wird. Und irgendwie jedes Jahr heißt es, die Zeitungen sind mehr und mehr unter Druck, aber deswegen gibt es die trotzdem alle noch, Die meisten. Und von daher. Also entweder ist es ein sehr langsames, sehr siechen Niedergang oder aber Totgesagte leben länger. 

          Lukas 

          Wahrscheinlicher ist es beides. Ich hätte noch mal eine noch eine andere Frage, die ja zum Wesen des. Ich habe mal gehört, dass die berühmteste Schriftart der Welt nach Comic Sans Times 's Roman, dass die auch von der Zeitung kommt. 

          Ralph 

          Ja, das ist richtig. Die kommt auch von der Zeitung und zwar, wie der Name schon sagt, von der Times, aber nicht von der New York Times, sondern von der Times, also von der britischen Zeitung. 

          Lukas 

          Ah, okay. 

          Ralph 

          Aber was jetzt auch eine spannende Frage werde ich nicht beantworten. Kann. Welchen Deal gibt es denn da zwischen Microsoft und dieser Zeitung, oder. Weil das ist ja immer standardmäßig eingestellt. Oder wenn man Wort öffnet, dass man dann sofort Times New Roman als Schriftart hat. 

          Lukas 

          Also bei mir ist es mittlerweile anders, bei mir ist eine andere Schriftart drinnen, weil ich mal gelesen hab, dass die das mit dem neuen Update irgendwie ausgetauscht haben. Keine Ahnung. Ich weiß nicht, ob es da Stil gibt, aber ich glaube, vielleicht ist ja diese Schriftart so universell und so alt, dass es da halt auch keine Urheberrechte mehr gibt. 

          Das ist ja eine freie Font dann sozusagen. 

          Ralph 

          Ja, ja, müssen wir mal recherchieren. Ja, jetzt waren wir schon bei Wort und beim Computer. Es geht auch ein bisschen ums Digitale und Multimediale. Das hat man auch in der Ausstellung. Das möchte ich jetzt auch nicht verschweigen, dass diese das dieses Museum echt sehr multimedial aufgestellt ist, was ich echt cool fand. Also das sind total viele, wo man was angucken kann. 

          Also Video angucken oder es gibt Hörstation, es gibt Sachen, wo man was drücken kann, Schubladen, die man rausziehen kann. Ganz eindrucksvoll fand ich Boah, ich kann ja nicht beschreiben, wie groß das war. Ich will es mal sagen die Diagonale von drei, vier Metern oder so, okay, also einen Bildschirm, auf dem eine Weltkarte drauf ist und du kannst dann mit dem Finger auf die verschiedenen Länder klicken und dann kannst du dir Zeitungen aus diesen Ländern angucken. 

          Lukas 

          Ja, krass. 

          Ralph 

          Das ist wirklich spannend anzugucken, wie unterschiedlich die zum Teil auch aussehen. Auch wenn man die Schrift jetzt nicht lesen kann, kriegt man trotzdem irgendwie ein Gefühl dafür, was für eine Art von Zeitung das vielleicht sein könnte. Also Boulevard oder eher weiß ich nicht, wie Süddeutsche Zeitung mehr zum Lesen. Ja, also das fand ich ganz schön. 

          Lukas 

          Also du kannst das Museum empfehlen? 

          Ralph 

          Ich kann es Museum auf jeden Fall empfehlen. Also wenn ihr nach Aachen kommt, dann macht doch da einen Abstecher hin. Man kann da schon viel Zeit verbringen in diesem Museum. Ich denke aber, dass man auch viel mitnehmen kann innerhalb von ein, zwei Stunden. 

          Lukas 

          Alles klar. 

          Ralph 

          Und eine Frage habe ich noch, weil du bist doch der Mann der Superlative. Das ist doch immer dann drin so, ja, das ist das Größte und das meiste usw. Ja, jetzt habe ich eine Frage an dich: Was meinst du ist die oder wie hoch ist die höchste Auflage einer Zeitung weltweit und aus welchem Land könnte diese Zeitung kommen? 

          Lukas 

          Äh, gute Frage. Also ich habe. Ich habe eine Theorie und du kannst es sagen, ob ich mich da annehme oder nicht. Okay. 

          Ralph 

          Ja, gerne. 

          Lukas 

          Also, ich meine, sie kommt aus China und es müsste die Parteizeitung der Kommunistischen Partei sein. 

          Ralph 

          Na ja, also nicht, dass ich wüsste, aber sehr, sehr gute Überlegungen guck ich noch mal nach. Aber was ich herausgefunden habe, ist die meistgelesene, oder die Zeitung mit der höchsten Auflage ist die Yomiyuri Shimbun aus Japan, eine Auflage von 7 Millionen Exemplaren. 

          Lukas 

          Okay, aber das ist nur eine japanische Zeitung. 

          Ralph 

          Was heißt nur eine japanische? 

          Lukas 

          Na, weil ich mal zum Beispiel die New York Times gibt es weltweit. 

          Ralph 

          Die New York Times hat aber trotzdem eine niedrigere Auflage.  

          Lukas 

          Echt? Obwohl es auf der ganzen Welt gibt, hat die weniger? Ja, krass. 7 Millionen. Ich mein, es gibt 1,4 Milliarden Chinesinnen.  

          Ralph 

          Alles Illiteraten. 

          Lukas 

          Die Frage ist was ist eine Broschüre? Was ist ein Magazin? Was ist eine Zeitung? Das also ist jetzt eine Zeitung, die täglich erscheinen, wöchentlich? Oder ist eine Monatszeitung auch eine Zeitung? Kann ja gut, aber das da wird es dann philosophisch. 

          Ralph 

          Nee, also laut Definition und was ich so gelesen hab im Internet ist eine Zeitung einfach was, Was regelmäßig erscheint, das muss nicht täglich sein, kann auch wöchentlich sein oder monatlich. 

          Lukas 

          Was ist dann der Unterschied zum Magazin? Weil ich würde jetzt den Spiegel nicht als Zeitung bezeichnen. 

          Ralph 

          Hm, eine Zeitung ist relativ aktuell und Magazin ist es zwangsläufig nicht okay. Vielleicht ist der Spiegel eine Zeitung laut dieser Definition. 

          Lukas 

          Ist auch noch mal nachzugucken, auch wenn wir das in der nächsten Folge beantworten. 

          Wir wissen es nicht. Ist der Spiegel eine Seite? Okay, na gut, dann stelle ich jetzt mal keine weiteren Fragen und philosophischen Exkurs. 

          Ralph 

          Ich schwitze auch schon so genug. 

          Lukas 

          Er ist es auch recht warm heute, von daher ist es kein Problem. Ja ja, dann vielen lieben Dank, dass du mir das Zeitungsmuseum in Aachen vorgestellt hast. 

          Ralph 

          Sehr sehr gerne. Jetzt ist meine Frage an dich Was hören wir denn das nächste Mal? 

          Lukas 

          Das nächste Mal geht's in den hohen Norden Deutschlands und es wird um ein Projekt gehen, das ich ganz zufällig besucht habe, weil ich eigentlich für ein anderes Projekt da war und dieses Museum nicht mal auf dem Schirm hatte. Ich wusste nicht von dessen Existenz und bin dann durch besagte Stadt im Norden Deutschlands gelaufen und bin da zufällig vorbei. 

          Ralph 

          Die Straße entlanggegangen und dann hast du da dieses Museum entdeckt, oder? 

          Lukas 

          Und dann habe ich einfach bin ich da einfach rein Und es war interessanterweise, ich glaube eine Stunde vor  Schluss. Ich hatte nicht mal mein Aufnahmegerät dabei. Und dann habe ich sie gefragt Ja, ich hab mich kurz vorgestellt, wer ich bin und keine Ahnung. Und dann habe ich gesagt hab ich kurz aufnehmen kann. Ich bin aber nur noch heute da. 

          Lukas 

          Und da ich ja nicht in Norddeutschland wohnt, sondern sehr weit südlich, da habe ich gesagt, ich komme auch in nächster Zeit da nicht mehr hin. Und dann haben die gesagt ja, easy, kein Stress, fahr einfach mit der Tram noch mal zu deinem Hotel, hol das Aufnahmegerät und wenn wir 20 Minuten länger aufmachen wegen dir, dann machen wir 20 Minuten länger auf. 

          Lukas 

          Wegen dir haben wir dann tatsächlich getan. Und ich freue mich, dir in der nächsten Folge ein sehr cooles Projekt vorzustellen. 

          Ralph 

          Hm, hm. Ja, wenn ich schon Sehr gespannt. 

          Lukas 

          Alles klar. 

          Ralph 

          Vielen Dank an alle Leute, die bis hierhin zugehört haben. Wir freuen uns natürlich, wenn ihr diesen Podcast abonniert, wenn ihr das schon getan habt, dann vielen Dank und empfehlt ihn doch an Freunde weiter. An Freunde, Freundinnen, Familie, Verwandte, Kollegen, Kolleginnen. Wir freuen uns wirklich über alle Leute, die uns zuhören und uns auch Feedback geben, weil ihr habt ja die Möglichkeit auch aktiv mitzuwirken, wo wir hinfahren, welches Museum wir besuchen. 

          Das wär so mein Aufruf am Schluss. 

          Lukas 

          Ein wichtiger Aufruf, ein schöner Aufruf, ein toller Aufruf und damit bis zur nächsten Folge. 

          Ralph 

          Bis zum nächsten Mal. Ciao. 

          Der Beitrag Wie Paul Reuter die Nachrichtenagentur erfand und was wir aus Kleinanzeigen lernen können – das Internationale Zeitungsmuseum in Aachen  erschien zuerst auf Escucha.

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          33 min
        • Kippen statt Mona Lisa und Montmartre – das Rauchermuseum Paris

            BITTE NICHT ANFASSEN! #31 – Le Musée du Fumeur (Das Rauchermuseum) Paris

            Show Notes 

            Paris ist die Stadt der Lichter, der Liebenden und der Raucher. Kein Wunder also, dass es eigentlich nur hier das Rauchermuseum (le musée du fumeur) geben kann. Gegründet von einer Ikone der Cannabis-Szene klärt das Museum über geschichtliche und schamanistische Aspekte des Rauchens auf. Aber weil Rauchen nun mal tödlich ist, erfahrt ihr in dieser Folge außerdem über die tragische Geschichte der Marlboro Men. Schließlich machen wir einen Abstecher in eine Zigarrenmanufaktur, die unweit des größten Tabakanbaugebietes in Europa liegt. Und all das in nur einer einzigen Folge!

            #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #Paris #Tabak #Rauchen #Lahr #Schwarzwald #lemuseedufumeur #Frankreich

            ~~~~~~~ 

            Hilfreiche Links: 

            So sieht das Musée du fumeur von innen aus:

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/rauchermuseum-von-innen-scaled.jpeg

            Das ist Museumsbetreiber Max:

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Museumsbetreiber-Max-scaled.jpeg

            So sieht der Wickeltisch für Zigarren aus dem Jahr 1924 aus:

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/der-wickeltisch-von-1924-scaled.jpeg

            Hier bereitet Monika ein Zigarrendeckblatt vor:

            Und das hier ist Gregor Grüb: https://escuchade-my.sharepoint.com/:i:/g/personal/lukas_escucha_de/ERDpwaf_DEFFtXDVy7NNx7gBoE5SfOvn0bGhYdPB9tGAvA?e=kS30tJ

            ~~~~~~~ 

            Infos zum Museum:  

            Infos zum Museum:

            Le Musée du fumeur

            7 Rue Pache

            75011 Paris

            https://www.museedufumeur.net

            –

            Herr Lehmann Cigarrenmanufaktur

            Lotzbeckstraße 47

            77933 Lahr/Schwarzwald

            Deutschland

            https://herr-lehmann.com

            ~~~~~~~ 

            über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

            Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

            Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

            Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

            Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

            BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

            Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

             
            ~~~~~~~ 

             
            Kontakt: 
            Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
            E-Mail: info[at]escucha.de  

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            Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

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            Podcast-Credits:  
              

            Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
            Produktion: Escucha GbR  
            Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/  
            Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

            Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

            ~~~~~~~ 

            Transkript 

            Max

            There’s a north American Indian saying that says what a rabbit can eat a human can smoke. So we can got over there to my peace pipe.

            INTRO

            Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha

            Lukas

            Einen wunderschönen guten Tag und ganz herzlich willkommen zu dieser brandneuen Folge von Bitte nicht anfassen Museum mal anders. Mein Name ist Lukas.

            Ralph

            Und mein Name ist Ralph. Und in diesem Podcast geht es um kleine, skurrile, ungewöhnliche Museen in Deutschland und darüber hinaus. Und der Clou an unserem Podcast ist ja der, dass wir abwechselnd immer diese Museen besuchen und dann dem anderen und auch euch da draußen davon erzählen.

            Lukas

            Und das Spannende in diesen Museen ist, dass es eben nicht nur um die Objekte geht, sondern das eigentlich in jedem Museum ganz viele tolle Geschichten dahinter stecken. Und so war es auch in der letzten Folge. Ralph, Da hast du mir das Kleingärtnermuseum in Leipzig vorgestellt und wir haben oder ich hab rausgefunden und damit ist wirklich eine Wissenslücke geschlossen worden, warum der Schrebergarten eigentlich Schrebergarten heißt. Das heißt für alle unter euch, die diese letzte Folge vom Kleingartenmuseum noch nicht angehört haben, hier noch mal die dringende Empfehlung.

            Ralph

            Ja und weil ich ja jetzt mein Soll wieder mal erfüllt habe, heißt es, dass du dran bist. Ja, ich erinnere mich ja noch daran, dass du das letzte Mal gesagt hast, dass es in dieser Folge um ein Museum gehen wird. Das, na ja, das Museum nicht. Aber ich glaube, das, was darin ausgestellt ist, dass das ein beschissenen Ruf hat.

            Lukas

            Genau so ist es.

            Ralph

            Sag aber, was das ist, das erfahren wir jetzt erst mal heute. Weil. Ich hab gar keine Ahnung.

            Lukas

            Ich steige einfach direkt ein mit einer Frage an dich Was haben Bono, Bill Kaulitz und Ben Affleck gemein, außer dass sie alle berühmt sind und dass alle Namen mit B beginnen.

            Ralph

            Sind alles weiße Männer?

            Lukas

            Auch das ist richtig.

            Ralph

            Was haben die gemeinsam?

            Lukas

            Bono, Bill Kaulitz und Ben Affleck.

            Ralph

            Okay, okay. Also Bono ist ja der Sänger von U2. Bill Kaulitz ist der Sänger von Tokio Hotel und Ben Affleck ist der Mann von Jennifer Lopez und Schauspieler und Regisseur. Ja.

            Lukas

            Vielleicht gibt es eine ganz berühmtes Bild von Ben Affleck. Das ist sogar zu einem Meme geworden.

            Ralph

            Oh Gott.

            Lukas

            Und es ist immer ein Meme. Wenn du gestresst bist, dann siehst du dieses Bild von Ben Affleck und er macht da was.

            Ralph

            Da macht er was Hujemine aus. Welche von welchem Jahrzehnt sprechen wir jetzt aus?

            Lukas

            Nicht so altes Bild. Ja, genau das ist das Problem. Also, du kommst. Du kommst nicht drauf.

            Ralph

            Ich komm nicht drauf. Keine Ahnung.

            Lukas

            Also, Bono und Bill Kaulitz und Ben Affleck eint, dass sie alles passionierte Raucher sind. Und wie du sicherlich weißt, ist Rauchen erst mal keine gute Sache. Ganz im Gegenteil. Das möchte ich ganz am Anfang mal feststellen, wenn man sich mal die Zeit anguckt. Weltweit sterben jährlich fast 8 Millionen Menschen an den Folgen von Rauchen. Das sind etwa 33-mal so viele Menschen, wie durch Kriege und bewaffnete Konflikte pro Jahr sterben.

            Lukas

            Also das mal ganz kurz Rauchen ist nicht gesund und tötet, weil Rauchen tötet. Es stimmt. Aber: Aber Tabakkonsum und Glimmstängel haben eine ziemlich interessante globale Geschichte. Und in dieser Folge soll es unter anderem darum gehen. Es geht um die Geschichte des Tabaks, es geht um die Geschichte des Rauchens und es geht um die Kulturtechnik Rauchen. Und dazu habe ich nicht nur ein Museum für diese Folge besucht, sondern auch einen Handwerksbetrieb mit Musealem Wert.

            Lukas

            Und jetzt kannst du dir wahrscheinlich vorstellen, wie das Museum heißt oder worum es in diesem Museum geht. Ich stelle trotzdem die Frage In welches Museum gehen wir heute?

            Ralph

            Ins Rauchermuseum? Richtig.

            Lukas

            Und letztendlich eine Stadt oder ein Land, das du mit Rauchen in Verbindung bringst?

            Ralph

            Ich würde jetzt sagen, aus eigener Erfahrung. Frankreich.

            Lukas

            Bingo. Genau. Das Rauchermuseum ist in der französischen Hauptstadt. Es heißt also offiziell Le Musee du Fumeur. Und es ist ein sehr, sehr, sehr, sehr, sehr, sehr eigentümlicher Ort. Und das schon mal vorweg Es ist ein Museum, was ich nicht uneingeschränkt empfehlen würde.

            Ralph

            Ja, gut für Kinder wahrscheinlich schon mal ungeeignet.

            Lukas

            Ja, aber auch für Museumsbesucher.

            Ralph

            Für Menschen generell.

            Lukas

            Okay, also vielleicht mal, vielleicht mal so ein bisschen. Also das Museum befindet sich im 15. Arrondissement in Paris und ist eigentlich ein Laden für Raucherzubehör. Und du gehst da rein und es ist ein kleines Museum, wo du allen möglichen, also wo du alles mögliche kaufen kannst, das irgendwie mit Tabak Vaping CBD. Keine Ahnung, was zu tun hat und dieser Laden ist ein bisschen unaufgeräumt und dann gibt es aber so eine zweite Tür und die öffnet sich. Und wenn du durch diese Tür durch gehst, dann kommst du in so eine richtig lange Galerie eines Pariser Altbaus. Also total schön, Alles ein bisschen runtergekommen, aber trotzdem stylisch. Und in diesen drei Hinterzimmern sind verschiedene Galerien ausgestellt, sind verschiedene Vitrinen ausgestellt und da ist alles Mögliche drinnen, was irgendwie mit Tabakrauchen, Pfeifen und allem darüber hinaus zu tun hat.

            Lukas

            Das Museum selbst ist von Mishka gegründet worden, die es in der Kifferszene ein riesen Name, die gilt als die Grande Dame des Cannabis Aktivismus. Die ist mittlerweile 80 Jahre alt und ist leider krank. Deswegen konnte ich mich nicht mit ihr unterhalten und sie hat aber damals das Museum gegründet mit dem Impetus, also mit der Idee, den spirituellen, schamanistischen und historischen Wert des Rauchens darzustellen, darauf aufmerksam machen zu wollen.

            Lukas

            Und vielleicht Funfact. Diese Mischa ist in der Kiffercommunity so berühmt, dass nach ihr sogar eine Marihuanamischung benannt wurde.

            Ralph

            Wusste ich nicht.

            Lukas

            Ja, wusste ich auch nicht. Jedenfalls hat sie das Museum und den Shop irgendwann mal aufgegeben, um sich komplett auf Verlag und Publikationen zu konzentrieren. Und Max war damals in dem Museum angestellt, also bzw. in dem Laden auch angestellt und hat dann dort sozusagen als Aushilfe begonnen und dann irgendwann mal den Laden und das Museum übernommen. Ich habe ihn natürlich gefragt, warum er der Meinung ist, dass gerade in Paris so viel geraucht wird.

            Lukas

            Und das soll dir Max mal selber erklären.

            Max

            French people love to smoke. That’s for sure and I think French people they accept their bad stuff. Some people hide, in France we don’t hide. I think that’s the main reason.

            Ralph

            Also die Franzosen gehen halt einfach offen damit um und zeigen, was sie machen, auch wenn es nicht so toll ist oder was.

            Lukas

            Der Grund, warum die Franzosen auch weiterhin so viel rauchen, liegt daran:. Die Tabak- oder Zigarettenpolitik in Frankreich ist ja deutlich restriktiver als zum Beispiel in Deutschland. Das siehst du zum Beispiel daran, dass Zigarettenschachteln nur noch in so einem einheitlichen Vogelschisskackbraun verkauft werden, dass Zigaretten fast doppelt so teuer sind wie in Deutschland und dass quasi der Staat irgendwie alles dafür macht, Zigaretten Konsum zu verhindern. Und er meint halt, dass die Franzosen dann so einen natürlichen Widerstand haben und sagen Ja, jetzt erst recht. In diesem Museum geht es halt vor allem um die Kulturgeschichte, den Anbau und halt, das habe ich ja vorhin schon so ein bisschen erwähnt, die gesellschaftliche und spirituelle Bedeutung des Rauchens. Ja, und ich habe ja gesagt, dass ich diesen Museumsbesuch nicht so uneingeschränkt empfehlen kann. Und aus meiner Sicht liegt es daran, dass das Museum ein bisschen in die Jahre gekommen ist. Und ich hatte außerdem auch nicht den Eindruck, dass es derzeit krass genutzt wird. Und das hat mich ehrlich gesagt gewundert, weil bei der Recherche gab es zahlreiche Artikel über dieses Museum von französischen Zeitungen, also wirklich auch bekannter und großen Magazinen, die da drin waren. Und deswegen dachte ich okay, das ist vielleicht wirklich was, aber ich hatte den Eindruck, dass es noch so ein bisschen so ein Anhängsel von dem Laden ist, wird aber eigentlich nicht mehr so wirklich benutzt. Und das ist eigentlich schade, weil es ein tolles Museum sein könnte, weil es wirklich differenziert ist und es ist jetzt keine Werbeplattform fürs Rauchen und es ist jetzt auch nicht keine Werbeplattform für diesen Laden, aber es ist halt einfach so ein bisschen so ein bisschen links liegen gelassen worden.

            Lukas

            Einwas, was ist in diesem Museum halt auch süß und es hat mir auch Max erklärt, dass halt Menschen so ziemlich alles geraucht haben, was sich irgendwie rauchen lässt. Aber das soll er dir nochmal erklären.

            Max

            It was smoking all plants not just tobacco. I was just saying right here you can see some opium. You can se tobacco, you can see cannabis. There is a lot of things that can be smoked. There’s a north American Indian saying that says what a rabbit can eat a human can smoke. So we can got over there to my peace pipe.

            Ralph

            Hast du das verifiziert? Ob das Zitat der indigenen Bevölkerung Amerikas ist?

            Lukas

            Nee, habe ich nicht. Aber ich find es trotzdem witzig. Was ein Hase essen kann, kann mensch rauchen. Und ein Beispiel ist eben das, was man vielleicht mit dem Rauchen so krass in Verbindung bringt. Also zum Beispiel die Friedenspfeife. Also die Friedenspfeife gab's wirklich, die wurde auch wirklich benutzt von verschiedenen Stämmen amerikanischer Ureinwohner und da gibt es auch ein paar ausgestellt in den Vitrinen, die schon noch alle wirklich ganz schön aus.

            Lukas

            Eine ganz besonders. Das ist sozusagen das krasseste Exponat in dem Museum. Das hat mir Max auch noch mal gezeigt.

            Max

            This is one of my main artifacts. It’s a peace pipe from south dakota so it’s made with real limestone. It’s a sacred earth. So you can see it’s not hooked up together because it’s not war-time. So this comes really from the South Dakota, 19th centure.

            Ralph

            Also ich finde, man hört auch viel frei heraus, dass der Bock darauf hat, das zu erzählen und dass er ganz begeistert von ist. Kurze Verständnisfrage Limestone Was ist denn das auf Deutsch?

            Lukas

            Livingston lässt sich übersetzen mit Kalkstein. Also das ist quasi der Pfeifentopf der Friedenspfeife, Der ist aus Kalkstein, und da hat man, und das ist eben auch ein Beispiel, da hat man eben gar kein Tabak verwendet, sondern für die Friedenspfeife hat man Süßgras und Salbei verwendet. Und das liegt unter anderem daran, dass traditionell Tabak, also die Tabakpflanze, als solche gar nicht in Nordamerika gewachsen ist, sondern ausschließlich in Südamerika.

            Ralph

            Kommt die ursprünglich aus Südamerika?

            Lukas

            Genau die kommt ursprünglich aus Südamerika. Und jetzt gibt es einen kleinen Exkurs in die Geschichte des Tabaks und in die Geschichte, wie der Tabak eigentlich zu uns gekommen ist, weil das ist nämlich ziemlich verrückt und auch echt interessant. Musikalisch über die können wir eigentlich machen, finde ich.

            Ralph

            Ja, ich bin gespannt.

            Lukas

            In der deutschen Sprache heißt die Pflanze ja Tabak, in der spanischen Sprache heißt sie Tabaco und es gibt verschiede Theorien, woher der Name stammt. Das ist nicht ganz geklärt. Es gibt die, die die Version, dass es aus Mundarten, spanischen Mundarten, aus Haiti oder Kuba entsteht. Die haben das damals Tauaco genannt und aus dem Tauaco ist dann Tabaco geworden.

            Lukas

            Es gibt aber auch die Theorien, dass der Name Tabak sich von dem mexikanischen Ort Tabasco ableitet oder von der Antillen Insel Tobago, denn da wurde nämlich das Rauchrohr, also quasi auch ein Rauchgerät, was indigene Stämme zum Rauchen benutzt haben. Für rituelle Leistungen. Das wurde da Tobago genannt. Andere wiederum sagen, es kommt von der neuspanischen Provinz Tabaco, aber das kann man so in 100-prozentiger Sicherheit nicht sagen. Was man aber sagen kann und deswegen auch der Ursprung Südamerika. Tabak gehört zu der Pflanzengattung der Nachtschattengewächse. So, und jetzt die Frage. Ralph, welche Pflanzen gehören denn noch zur Gattung der Nachtschattengewächse?

            Ralph

            Hm, das sind ja alles Pflanzen, die nicht so viel Sonne brauchen, Richtig, oder?

            Lukas

            Nicht unbedingt. Also der Name schon der Name ist ein bisschen irreführend. Was die eint ist, dass die aus Südamerika kommen. Was kommt alles aus Südamerika?

            Ralph

            Äh, Tomaten. Ja.

            Lukas

            Bingo.

            Ralph

            Was kommt noch aus Südamerika. Paprika. Vielleicht.

            Lukas

            Man kann eigentlich sagen, 3/4 dessen, was in der mediterranen Küche als Gemüse verwendet wird, kommt aus Südamerika. Ursprünglich also Tomaten Auberginen. Jedenfalls Tomaten, Auberginen und Tabak gehören derselben Pflanzengattung an, nämlich der Pflanzengattung der Nachtschattengewächse. Hätte ich auch nicht gedacht, dass Aubergine und Tabak dieselbe Pflanzen Pflanzengattung sind. Woher das Wort Tabak kommt, ist nicht so einwandfrei geklärt, aber es ist einwandfrei geklärt, woher das Wort Nikotin kommt.

            Lukas

            Also einer der Hauptinhaltsstoffe von Tabak ist ein Nervengift, und das ist ja das, was unter anderem in Zigaretten so suchtmachend ist. Nikotin Hast ne Idee oder willst du? Willst du dich dem annähern oder soll ich es einfach sagen?

            Ralph

            Ich könnte mir vorstellen, dass das irgendwie mit Negro oder so zu tun hat. Schwarz?

            Lukas

            Nee.

            Ralph

            Dann habe ich keine Ahnung.

            Lukas

            Der Name Nikotin kommt vom französischen Diplomaten und Gesandten am portugiesischen Hof, Jean Nicot. Der hat von 1530 bis 1604 gelebt. Und Jean Nicot war derjenige, der den Tabak nach Frankreich gebracht hat. Das heißt, die Ursprünge einer jeden französischen Raucher Geschichte beginnt, lässt sich sozusagen auf Jean Nicot zurückführen. Und das interessant dabei ist, dass Jean Nicot den Tabak vor allem als Heilpflanze eingeführt hat und dazu Tabaksamen an den französischen Hof geschickt hat. Und er hat tatsächlich mit dieser Tabak, mit der Tabakpflanze als Heilpflanze Werbung dafür gemacht, dass man mit Tabak so ziemlich alles und jeden heilen kann. Gerade im französischen Hof damals ist es dann, als Wunderkraut bezeichnet worden.

            Ralph

            Na ja, für manche Leute bis heute.

            Lukas

            Katharina de Medici, damals die französische Königin, soll zum Beispiel den Tabak gegen Migräne genommen haben und den Tabak am liebsten geschnupft haben. Eine Folge davon ist, dass zum Beispiel Schnupftabak lange als poudre de la reine, also quasi Pulver der Königin bezeichnet wurde, weil jemand Schnupftabak gegen Migräne genommen hat. Und nachdem Jean Nicot gestorben war, wurde dann einige Jahrzehnte später das Nikotin nach Jean Nicot benannt und die Pflanzengattung, also die Untergattung der Nachtschattengewächse, als Nikotiana.

            Ralph

            Okay, also.

            Lukas

            Alle nikotinhaltigen Pflanzen sind Nikotiana. Jedes Mal, wenn ich mich mit Medizingeschichte beschäftige, bin ich einfach so dermaßen froh. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts geboren worden zu sein. Weil ich glaube, dass Medizin früher mehr kaputt gemacht hat, als dass es geholfen hat. Das sieht man übrigens auch bei den Tabakblättern. Die hat man nämlich zum Beispiel auf offene Wunden gelegt und bei Magenbeschwerden sollte der kranke Tabaksaft trinken. Und es gibt eine Überlieferung dazu aus einem Kräuterbuch aus der Schweiz im Jahr 1656. Und da steht drinnen das Kraut, reinigt Gaumen und Haupt, vertreibt, die Schmerz und Müdigkeit, stillt Zahnweh, behütet den Menschen vor Pest, verjagt Läuse, heilt den Grind, Brand, alte Geschwüre, Schaden und sonstige Wunden.

            Ralph

            Das stimmt nicht, oder was?

            Lukas

            Nein, es gibt überhaupt keine Kinder. Und. Und jetzt wird's total interessant, weil mit dem Tabak hat man sogar. Also mit dem Tabakrauch, also wirklich schon der Verbrennung von Tabak hat man versucht, sogenannten Miasmen entgegenzuwirken. Miasmen das war damals eine Theorie, dass Krankheiten wie Pest vor allem aus Ausdünstungen des Erdbodens kommen. Das ist quasi verdorbene Luft und der schreibt man Verunreinigungen zu, die dann Pest oder andere Seuchen ausgelöst haben, indem man quasi einfach Tabak geraucht hat, hat man gemeint, dass man quasi damit diesen Miasmen, also den bösen Ausdünstungen aus dem Boden entgegenwirken kann.

            Ralph

            Okay, ja, noch nie gehört.

            Lukas

            Und jetzt kommt mein persönlicher Favorit der Medizingeschichte. Ich glaube, da hatten wir auch schon mal bei Bitte nicht anfassen irgendwann mal darauf rekurriert, aber ich bin mir nicht mehr sicher. Mein persönlicher Favorit ist die Humoralpathologie. Sagt dir der Name was? Humoralpathologie?

            Ralph

            Nein.

            Lukas

            Die Humoralpathologie ist die sogenannte Vier Säfte Lehre. Hast du den schon mal gehört?

            Ralph

            Uff, Ja, ich habe das schon mal gehört, aber ich habe keine Ahnung, was das wirklich bedeutet.

            Lukas

            Vier-Säfte-Lehre bedeutet, es gibt vier Säfte. Das ist unter anderem Blut und Galle. Und Krankheiten werden vor allem dann ausgelöst, wenn diese. Wenn diese Säfte nicht in Einklang sind. Und es geht auf ein antikes Prinzip zurück. Und hat sich aber in weiten Teilen eigentlich bis ins 18. Jahrhundert, sogar bis ins 19. Jahrhundert teils gehalten. Jedem Stoff werden dann verschiedene Charakteristika zugewiesen und zum Beispiel wenn man jetzt irgendwie Grippe hat, dann hat man zu wenig schwarze Galle oder zu wenig Blut. Und dann muss man Stoffe nehmen, denen gewisse Eigenschaften zugeschrieben wird. Und das wird dann wieder angeglichen. Und beim Tabak war man der Meinung, dass es quasi die schwarze Galle, Blut, Schleim und gelbe Galle ist und diese vier Säfte besonders gut in Einklang bringt. Aber das ist natürlich kompletter Schmarrn. Aber die Mythen um die Gesundheit des Tabaks halten sich bislang noch. In den 1950 er Jahren galt zum Beispiel Rauchen am Steuer als medizinisch empfehlenswert.

            Ralph

            Okay, verrückt.

            Lukas

            Die Begründung war Nikotin hält wach und es trägt zur Sicherheit im Straßenverkehr bei. Und da gibt es also es gibt einen Ausweg.

            Ralph

            Aber da ist was dran, oder?

            Lukas

            Ja, es gibt einen ADAC. Also es gibt eine Ausnahme von der ADAC Motorwelt aus dem Jahr 1952, die eine englische Studie zitiert. Die habe ich aber nicht recherchieren können. Das heißt, das jetzt bitte unter Vorbehalt. Da steht Kraftfahrer unter dem Einfluss des Nikotins neigen weniger zu alkoholischen Beeinträchtigungen ihrer Fahrtleistungen. Das heißt, wer raucht, fährt betrunken sicherer. Und der ADAC sieht eine seiner Hauptaufgaben darin, die laufende Zusammenarbeit zwischen den Tabak und den Kraftfahrer Vereinigungen zu sichern. Ja, es ist erstens schon irgendwie ziemlich wild, da. Und hast du ne Idee, wann sie dieses Image von Tabak als Heilpflanze gewandelt hat?

            Ralph

            Vor allem wie war das das als Heilpflanze dann? Könnte sich das denn gewandelt haben? Gibt es da ein auslösendes Ereignis.

            00:18:36:02

            Lukas

            Mal anders rum? Welche Epoche? Also wann? Ab wann glaubst du, wusste man, dass Tabak schädlich ist?

            Ralph

            Also auf jeden Fall 20. Jahrhunderts?

            Lukas

            Genau.

            00:18:45:19 – 00:18:50:08

            Ralph

            Ob es früher. Ich würde tatsächlich sagen, ich bleibe beim 20. Jahrhundert.

            Lukas

            Ja. Also, die erste offizielle Publikation, dass Tabak schädlich ist. Das war 1952, der Artikel Cancer by the Carton im Readers Digest. Und zum Ersten Mal gab es 1964 einen großen wissenschaftlichen Report, der den Zusammenhang zwischen Krebs und Zigaretten belegt hat, ja, der aber lange vor allem auch von der Tabakindustrie geleugnet wurde. Und ich glaube, die Tabakindustrie gerade in den USA im 20. Jahrhundert kann man schon sagen, das ist schon so eine ziemlich ruchlose und skrupellose Vereinigung gewesen. Also es ist ziemlich übel.

             Ralph

            Da gibt’s doch diesen Film. Vielleicht kennst du den auch.  Thank you for smoking.

            Lukas

            Genau da geht es unter anderem darum. Ja. Und? Hast du die Serie Mad Men angeguckt? Zufällig?

            Ralph

            Nein.

            Lukas

            Also, Serie Mad Men geht es ja darum. Um um eine Werbeagentur aus den 50er und 60er Jahren in New York. Und Don Draper. Der ist sozusagen das Mastermind der Werbeindustrie ist, und der kriegt ja damals Lucky Strike als Kunden und soll quasi diesen gesundheitsschädlichen Report anders framen und da ist eben dieses Ding entstanden, eben auch von Philip Morris, dass Tabak Ja, wir wissen, dass es das ist Schädliches, aber es ist halt vor allem Lifestyleprodukt. Und ich glaube, dass kein anderes Produkt so krass dafür steht wie der Marlboro Mann. Also den Marlboro Man, den kennst du, glaube ich, auch, oder?

            Ralph

            Also ja, das ist so ein Cowboy, der früher immer am Lagerfeuer saß, glaube ich. Das war ja die Werbefigur genannt. Na ja, da wirst mal was sagen. Aber ich glaube, da hat eine ganz tragische Geschichte dann noch.

            Lukas

            Ja, also es gibt ja nicht nur einen Marlboro Mann, es gibt ja mehrere Marlboro Men und die meisten haben ziemlich große Geschichten. Also der Marlboro Mann Wayne McLaren, der ist 1992 im Alter von 51 Jahren an Lungenkrebs gestorben, hat nach eigener Aussage am Tag eineinhalb Schachteln Zigaretten geraucht und gilt sozusagen als der berühmteste Marlboro Man. Und ab dem Zeitpunkt, wo er wusste, dass er Lungenkrebs hat, ist er krasser Anti Tabak Aktivist geworden. Ja, 1987 ist ein weiterer Marlboro Mann Darsteller gestorben, David Miller an einem Lungenemphysem. 1995 starb wiederum der nächste Mal David McLean an den Folgen des Rauchens und Eric Lawson, auch der war Marlboro Man, aber auch zwischen 78 und 81, also der hat und trotzdem eine ganz schöne Zeit gelebt. Aber der starb 2014 an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung. Und du hast ja gerade den den Film Smoking erwähnt und da spielte der Marlboro Mann auch eine Nebenrolle. Na also. Die ganze Geschichte mit dem Marlboro Men ist einfach ziemlich übel, weil die sind also ich glaub ein oder zwei gibt es, die relativ alt geworden sind, aber alle anderen sind quasi an den Folgen des Rauchens gestorben.

            Ralph

            Hmm, ja schlimm.

            Lukas

            Ja genau. Also das ist eine Geschichte des Marlboro Men, dass halt Rauchen generell einfach ein ziemlicher Scheiß ist. Das kann man nicht anders ausdrücken. Gleichwohl kann man einfach nicht negieren, dass halt Rauchen auch eine gewisse Kulturgeschichte ist, dass halt Rauchen auch als Genussmittel genutzt wird und dass halt Rauchen auch zumindest in gewissen Kreisen sehr edle Sache sein kann.

            Lukas

            So, jetzt denk mal, wenn du jetzt ans Rauchen denkst, jetzt denkt man nicht an Zigaretten und an Marlboro, Mann. Und dann drei Schachteln Lucky Strike am Tag, sondern denk mal an was Edles, an etwas, was man sich nur einmal. Keine Ahnung, alle paar Monate gönnt. An was würdest du da denken?

            Ralph

            Was man raucht oder wie? Ein paar Monate? Ja. Ähm. Ach, so eine Zigarre.

            Lukas

            Genau richtig. Eine Zigarre. Und ich habe ja schon erwähnt, dass es in diesem Teil noch einen Handwerksbetrieb mit musealen Wert geben wird. Und zwar war ich dazu im Schwarzwald, genauer gesagt in Lahr am Schwarzwald, denn da befindet sich die letzte Zigarrenmanufaktur, die aus deutschem Tabak in Deutschland deutsche Zigarren dreht.

            Ralph

            Ja, ja, ich wusste gar nicht, dass Tabak in Deutschland angebaut wird.

            Lukas

            Wusste ich auch nicht. Tatsächlich ist Südbaden das größte Anbaugebiet in ganz Europa. Und Gregor Rübder ist einer der Geschäftsführer dieser Manufaktur. Der soll dir mal kurz erzählen, was es mit dem Tabak da auf sich hat.

            Gregor Grüb

            Also die Gegend hier war ja abwechselnd Deutsch, Französisch, Französisch, Deutsch und der Name des Tabaks ist badischer Geudertheimer. Geudertheim ist ein kleines Dorf im Elsass, gehörte aber damals zu Deutschland und danach wurde der Name benannt. Es gab noch zwei weitere Sorten. Die Hauptsorte ist der Virginia, der Virginia Tabak aus dem Zigarette und Shisha Tabak gewonnen wird. Aber wir brauchen unseren badischen Geudertheimer.

            Ralph

            Wie heißt der noch mal?

            Lukas

            Badische Geudertheimer

            Ralph

            Ja, Und die stellen da noch Zigarren her?

            Lukas

            Genau. Die drehen die selbst. Und zwar gibt es diese Manufaktur, die heißt Herr Lehmann. Die gibt es seit 1924. Und damals gab es in Lahr im Schwarzwald noch über 200 Tabak Manufakturen und da war generell in der ganzen Tabakwelt recht bekannt, weil die Marke Roth-Händle auch von daher kommt. Ich weiß nicht, ob du das schon mal gehört und es war eine sehr berühmte. Ich weiß nie, ob es sie noch gibt, aber es war jedenfalls eine sehr berühmte deutsche Zigarettenmarke. Genau. Und Herr Lehmann ist die letzte Manufaktur, die noch in Lahr produziert. Und das ist das Spannende daran. Und deswegen bin ich da auch hingegangen. Die machen das noch mit originalem Equipment aus den 1920 er Jahren.

            Ralph

            Was heißt das?

            Lukas

            Das heißt alle. Also da, das ist ein Handwerksbetrieb und da gibt es Apparaturen und Werkzeuge und Tische und alles. Das ist aus den 20er Jahren. Und das siehst du auch. Und damit du mal vielleicht einen Eindruck davon bekommst, wie das genau geht, soll dir das Gregor Grüb einfach noch mal kurz erklären. Und zwar Was ist so der erste Schritt, wie man in Deutschland in der Manufaktur eine Zigarre macht?

            Gregor Grüb

            Wir stehen ganz konkret jetzt vor einem vor einem Wickeltisch. Das Tabakherstellen, ist oder Zigarrenherstellen ist ein zweistufiger Prozess. Und da möchte ich gerne einmal damit aufräumen, was das typische Bild ist, das man im Kopf hat bei Zigarren, da geht es ja immer um ganze Tabakblätter und Cuba und irgendwelche Schenkel auf denen rumgerollt wird. Das ist bei uns nicht der Fall. In Europa war es immer sogenannter gerissener Tabak, also wie bei der Zigarette auch kleine Stücke von Tabak und die werden genommen im ersten Schritt und werden auf diesem Wickeltisch wird ein Blatt ausgelegt, in das dann wiederum dieser gerissene Tabak eingefüllt wird. Und das ist wie so ein optisch so halb so wie so ein Webstuhl. Es wird nämlich mechanisch mit dem Fuß nach vorne und hinten bewegt, damit man diesen ersten Schritt ermöglichen kann. Das Ergebnis nennen wir einen einen Wickel oder eine Puppe.

            Ralph

            Gut, also wenn ich das richtig verstanden habe, haben die einen Blatt Papier oder irgendwie so was.

            Lukas

            Nee, so ein Tabakblatt.

            Ralph

            Und auf dieses Tabakblatt kommt kommen so gerissene Stücke von dem Tabak drauf.

            Lukas

            Genau

            Ralph

            Dieses große Tabakblatt, Das wird dann gerollt und ja, das ist dann irgendwie die Zigarre. Letzten Endes werden wahrscheinlich über mehrere Schichten dann.

            Lukas

            Genau das ist Schritt eins und eben, man hat ja dieses Bild im Kopf und das gibt es tatsächlich auch in Südamerika, dass man eine Zigarre wirklich nur aus Tabakblättern dreht, also dass man Tabakblätter so fest und so lange ineinander dreht, bis es quasi eine Zigarre ist. In dem Fall ist es aber so, dass das halt gerissen wird. Das hat verschiedene Vorteile, die ist dadurch länger haltbar. Zum Beispiel Gregor Grüb hat es als Webstuhl ausgedrückt. Es musste dir wirklich vorstellen, wie so ein uralten massiven Tisch, wo du unten mit dem Fuß so eine Mechanik bewegen kannst. Und diese Mechanik löst einen Dreh Mechanismus aus und die sorgt dafür, dass dieser Tabak gleichmäßig verteilt wird, sodass eine gleichmäßig dicke Puppe eben entsteht. Das ist Schritt eins der Tabakherstellung.

            Lukas

            Und wenn diese Puppe dann dann fertig ist, dann wird die in so eine Holzschablone rein gepresst. Auch das ist total des sind einfach so Holz Aussparungen, die sind auch uralt. Die sind genauso 100 Jahre alt, da werden die reingepresst und dann kommt ein Negativ obendrauf genau in die andere Richtung, wird dann eingespannt, festgezurrt und dann wird es 24 Stunden lang gepresst und erst dann ist der erste Schritt.

            Lukas

            Erst dann ist die Puppe voll und ganz fertig. Genau. Aber das ist eben noch nicht die fertige Zigarre. Also das könnte man so zwar schon rauchen, aber es fällt noch nicht gut, weil das Kronjuwelen der Zigarren Herstellung fehlt, nämlich das Deckblatt und es Deckblatt ist ja auch aus Tabak und das ist quasi das, was bei beim Zigarrendrehen besonders schwer es.

            Lukas

            Gregor Grüb und sein Team die haben ja sozusagen die Manufaktur übernommen, weil die gesagt haben, sie wollen nicht, dass diese Tradition ausstirbt, weil Gregor Grüb selbst keine Zigaretten, keine Zigarren drehen kann, haben die Leute gesucht, die diese Kunst, die Puppe mit dem Deckblatt zu verbinden, noch können.

            Gregor Grüb

            Es war nicht einfach, jemanden zu finden, der das wirklich kann. Also unsere Annahme war, als wir anfingen, Na ja, es wird noch ein paar nicht ganz mehr Junge, aber die schon mal gemacht haben, geben, die uns da unterstützen können. Und das war gleich null. Die hatten keine Lust oder waren halt dahin gestorben und haben wir diese Anzeige geschaltet, im Zigarrendreher gesucht und wir bekamen wahnsinnig viele Anrufe, wenn sie Zigaretten drehen wollen. Das kann ich auch, da kann ich Ihnen helfen. Und das hat uns aber natürlich nicht geholfen. Also mussten wir wirklich warten. Wir hatten sehr, sehr viel Glück, dass die Monika und noch zwei andere dann zu uns kamen und uns da unterstützt haben.

            Ralph

            Also insgesamt drei Leute haben sie gefunden.

            Lukas

            Die es sind keine gelernten Zigarrendreher, die haben das halt einfach ausprobiert und haben sie dann selber drauf gebracht. Das heißt verlorenes Handwerkswissen, was die sich wieder drauf gemacht haben und Monika war auch vor Ort. Also eine der Zigarren erinnern und sie macht es eben professionell für die Zigarren Manufaktur. Ich war nebendran, als sie mir das erklärt hat, wie dieser letzte Schritt, also diese Veredelung der Zigarre erfolgt. Das heißt, wir erinnern uns, vorhin gab es diese Puppe, die 24 Stunden gepresst wurde. Dann werden da die Enden abgeschnitten. Und jetzt kommt dieses Deckblatt drauf. Und wenn dieses Deckblatt drauf ist, dann schaut diese Zigarre auch richtig schön und richtig ist dieses.

            Ralph

            Deckblatt, die äußerste Schicht sozusagen.

            Lukas

            Genau. Es auch ein Tabakblatt. Genau. Und sie hat mir das jetzt erklärt. Ich habe das aufgezeichnet. Ich weiß nicht, ob das akustisch so gut rüberkommt, sonst. Ich habe auch ein Video davon aufgezeichnet und dieses Video gibt es in den Shownotes. Aber wir hören jetzt mal rein, wie Monika diese Zigarre veredelt.

            00:29:22:02

            Ralph

            Da hören wir jetzt mal rein.

            Monika

            Das ist jetzt angefeuchtet und wenn ich das nicht in der Tüte hätte, würde es in einer halben Stunde trocken sein. Wenn ich jetzt diese Mittelrippe entfernen will, sie nicht.

            Lukas

            Du kuckst dann natürlich auch Sind da Löcher drinnen? Sind jetzt große, unregelmäßige?

            Monika

            Ja, und vor allen Dingen wie rum leg ich es also hier? Das sind ja die Nähte von Ihnen. Das ist wie im Socken innendrin die Nähte. Die müssen natürlich nachher wieder drin sein. Deswegen muss ich es richtig rum hinlegen. Das sind die Nähte. Innendrin sind nicht außen. Und dann schneide ich mir das passende Stück raus.

            Lukas

            Das sieht aus wie so ein Minipizza-Roller, mit dem du ja die. Das Ding ist aber auch schon wahrscheinlich so alt wie die Möbel.

            Ralph

            Ja der Minipizza Roller. Ja, man hat halt viel oder Ich habe viel Geraschel gehört und ich glaube jetzt habe ich durch diese. Ja durch den Kommentar von Monika habe ich erst so richtig gecheckt, dass es ja ein Blatt ist, das ja auch diese Rippen hat und dass man da eben drauf achten muss, welchen Teil ich habe, welchen Teil man nimmt.

            Also wie groß ist denn eigentlich so ein Tabakblatt? Das habe ich noch gar nicht verstanden.

            Lukas

            Also das Tabakblatt wird ja geerntet, dann ist es grün und dann wird es getrocknet und irgendwann fermentiert und dann wird es so braun. Das ist so ein ganz dunkles Braun halt, wie  eben so Zigarrenblätter aussehen und es ist aber total trocken. Das heißt, wenn du das nicht anfeuchten würdest und du würdest es einfach drehen wollen, das würde dir sofort auseinanderbrechen.

            Lukas

            Das heißt, du musst es wirklich mit so einem Spray befeuchten, damit es überhaupt elastisch wird. Und deswegen lässt Monika in dieser Plastiktüte drinnen, damit quasi die Feuchtigkeit nicht rausgehen kann. Dieses Tabakblatt ist ferment iert, würde ich mal sagen. Wie? Wie hoch wird es sein? So 30 40 Zentimeter maximal. In der Regel irgendwas. Also ich, ich, ich Ich lehne mich jetzt aus dem Fenster und sag 27,5 Zentimeter im Durchschnitt Länge und 15,3 Zentimeter im Durchschnitt Breite.

            Lukas

            Und das ist so eine ovale Form, die geht genau die Rippen von dem Blatt kann es natürlich nicht verwenden. Deswegen musst du die Blätter Ränder so rausschneiden, dass du immer ein perfektes Blatt hast, in der du die Puppe dann einwickeln kannst. Da zeigt sich halt so ein bisschen die Handwerkskunst, weil es ist nämlich wirklich verdammt schwer, ein Blatt so zu finden, dass das mit der Puppe so passt, dass am Ende eine perfekte, überall gleichmäßige und gut rauch bare Zigarre entsteht.

            Lukas

            Und deswegen ist es eigentlich auch so, dass man industrielle Zigarren, also hochklassige Zigarren sind in den seltensten Fällen industriell. Es würde zwar gehen, aber dieses Deckblatt machen. Das ist halt was, was maschinell kaum umsetzbar ist.

            Ralph

            Stelle ich mir gar nicht so kompliziert vor, aber ich muss dann einfach das Video mal angucken, weil ich denke mir halt grad so ja gut, das ist ein ovales Blatt, das hat diese Mittelrippe und dann.

            Lukas

            Die musste raus machen

            Ralph

            Schneidest du halt weg und nimmst du dann nur das linke Teil oder nur das rechte Teil dafür?

            Lukas

            Aber das muss es so sein, dass es trotzdem nah an die Puppe ran gemacht wird. Also es hört sich einfach an, es ist aber wirklich nicht einfach. Da muss man wirklich reinkommen.

            Ralph

            Wenn es zu lang ist, dann schneidet man es weg mit diesem Minipizza Rolle vielleicht an oder so.

            Lukas

            Genau, aber dann sieht die Zigarre scheiße aus. Am Ende hast du quasi ein Produkt, das sowohl optisch gut ausschaut, als auch die Qualität stimmt. Das ist dann wirklich Handwerkskunst und das sieht man zum Beispiel auch. Ich habe mal geguckt, ich bin ja immer so ein Fan was es was kosten die teuersten Zigarren, was kostet der teuerste Wein blablabla Darin ist es vielleicht.

            Lukas

            Ich habe natürlich bei den Zigarren auch nach geguckt. Die teuerste Zigarre, da kostet die Kiste 15.000 € und das macht einen Zigarrenpreis von 375 € pro Zigarre. Das ist die Meister Torcedora Norma der Marke Cohiba aus Kuba. 375 € pro Zigarre. Auch ziemlich wild, oder? Wenn du überlegst, ist das nur Tabakblättern? Und dann geht noch die Gurkha Majesty’s Reserve. Und da kostet die Zigarre 400 $ das Stück.

            Lukas

            Also, das ist so ein bisschen, so ein bisschen das Spannende. Und angeblich ist sie deswegen so gut, weil das Deckblatt, was da genommen wird, 18 Jahre lang gereift hat und eine ganz streng geheime Einlagen Mischung in diesem Deckblatt diese Zigarre so außergewöhlich macht.

            Ralph

            Hattest du denn auch die Möglichkeit, da ein bisschen zu rollen oder was anzufassen?

            Lukas

            Nee, ich muss auch ehrlicherweise gestehen, ich habe Respekt vor Handwerkskunst und ich finde es dann immer so ein bisschen übergriffig, wenn ich dann sagen würde Ja, lassen Sie mich da mal hin rollen, weil ich habe halt gesehen, was es für einen, was es für ein Aufwand ist, was und dann weiß ich nicht, Finde ich es irgendwie so? Keine Ahnung.

            Lukas

            Ich habe das zugeguckt, geguckt und ich war das sehr fasziniert von und das soll reichen. Und dadurch, dass ich ja weder Zigarrenrauch noch irgendwie in nächster Zeit vorhabe, daran etwas zu ändern, ist es für mich auch voll okay.

            Ralph

            Okay. Ja.

            Lukas

            Ja, lieber Ralph, hast du noch Fragen?

            Ralph

            Du hast ja am Anfang dieses Museum in Paris beschrieben und die Friedenspfeife zum Beispiel. Da gezeigt, Was ist denn da sonst noch so ausgestellt? Also Zigarren sind da auch oder Zigarren eher nicht.

            Lukas

            Das sind auch Zigarren ausgestellt. Das sind auch zum Beispiel Überlieferungen aus alten Schriften ausgestellt, die noch mal das Thema Tabak als Heilpflanze haben. Sind alte Fotografien ausgestellt. Also alles mögliche alte Opiumpfeifen, ähm, Sachen, was man zum Beispiel in Asien geraucht hat, also verschiedenste Rauchgeräte und alles was damit zusammenhängt in der ganzen Welt. Aber wie gesagt, es ist halt und das eben noch mal, es ist halt alles so ein bisschen.

            Lukas

            Man hatte das Gefühl, dass es seit 30 Jahren keiner mehr hingegangen ist und das soll auch keiner mehr Lust hatte hinzugehen. Und deswegen wirkt es halt alles ein bisschen runtergekommen weißer und das ist halt echt schade.

            Ralph

            Ja, auf jeden Fall. Also, um es noch mal zu sagen Wir sind jetzt nicht.

            Ralph

            Wir wollen jetzt keine Werbung für's Rauchen machen, aber das Rauchen eine spannende Geschichte ist und halt einfach auch gesellschaftlichen Aspekt und und Wert hat. Das ist ja gegeben und darum ist eigentlich auch die Forschungen und Museum dahingehend eigentlich recht wertvoll. Und dann schade, dass es halt nicht so gepflegt worden ist in den letzten Jahren.

            Lukas

            Vielleicht kann man das ja mal wieder machen, Vielleicht kann man das ja wieder wieder irgendwie ein bisschen revitalisieren. Aber jetzt aktuell, glaube ich, wird es erst erstmal so weitergehen. Um ganz ehrlich zu sein. Deswegen würde ich jetzt auch sagen, jeder der jetzt in Paris ist oder da Urlaub macht, Paris ist ja die Stadt der Museen möglicherweise und wissen ja immer für Alternativen, kleinen und skurrile Museen da.

            Lukas

            Deswegen machen wir diesen Podcast. Aber das Rauchermuseum könnte ich jetzt nicht uneingeschränkt empfehlen.

            Ralph

            Ja, okay, hat dann überhaupt Eintritt gekostet.

            Lukas

            Und gute Frage. Ich weiß, es kann keinen. Ich hab nichts gezahlt. Kann ich dir nicht sagen.

            Ralph

            Ja gut, macht nix. Ja, ja, Hier. Wunderbar. Dann vielen Dank für diese Vorstellung. Ich bin auf jeden Fall schlauer geworden. Ich habe mich noch mal mit den Nachtschattengewächse auseinandersetzen. Das ist eine Bildungslücke. Auch mit der Lehre der vier Säfte.

            Lukas

            Vier Säfte Lehre.

            Ralph

            Aber ja, spannend. Also muss ich nicht auch, dass in Deutschland Zigarren hergestellt werden aus deutschen Tabak?

            Lukas

            Ja, das größte Tabak Anbaugebiet Europas.

            Ralph

            Na ja, Irre. Hm. Nie gehört.

            Lukas

            Ich habe jetzt meinen  Soll erfüllt für diese Folge. Und ich will natürlich wissen, was wird in der nächsten Folge auf mich zukommen. Also ich will es nicht komplett wissen, aber zumindest will ich so bissel erfreuen können, damit ich den ganzen Monat drüber nachdenken kann. Oha, was wird er mir erzählen?

            Ralph

            Was wird also die nächste Folge? Die wird wieder richtig spannend. Es geht um ein Museum, das nur existiert. Also wie sage ich, dass dieses Museum existiert, Nur weil ein Mann, der Gegenstände gesammelt hat, mit einer reichen Frau verheiratet war? Also diese reiche Frau, die hat ihm ermöglicht, dass er auf der ganzen Welt seine Sammelleidenschaft da erfüllen konnte und und Gegenstände sammeln konnte.

            Ralph

            Wird das nicht gegeben, wird vielleicht auch dieses Museum nicht geben und der Gegenstand ist eigentlich ein ganz, ganz alltägliche Gegenstand. Hast auch schon mal eine Hand gehabt und die gibt es halt überall auf der Welt.

            Lukas

            Ich bin gespannt.

            Ralph

            So soll es ja sein.

            Lukas

            Eigentlich ist es ja nur dazu gedacht, dass die Leute wissen, das bitte nicht anfassen, sie Gefallen gefunden haben und das Vorhaben, lange, lange, lange weiterzumachen.

            Ralph

            Und genau das Ding mit den Teasern ist halt Eigentlich möchte man schon teasern, aber man hat so Schiss, dass man zu viel Tesa hat. Oder weiß es die andere Person? Warum machen wir das so kryptisch? Das sage ich ja. Keiner weiß, was es ist. Ja.

            Lukas

            Wie dem auch sei, wenn ihr uns unterstützen möchte, wir betreiben bitte nicht anfassen ehrenamtlich, dann könnte das tun. Über Steady oder über Go fand Meter haben wir jeweils zwei Kampagnen eingerichtet. Wir würden uns natürlich wahnsinnig darüber freuen, denn für uns ist es natürlich auch ein ziemlich großer Aufwand. Wir sind ja jedes Mal bei den Museen vor Ort und machen nichts remote, sondern wir sind wirklich da und sprechen mit den Leuten.

            Lukas

            Und natürlich ist es für uns immer super, wenn ihr uns unterstützt. Das könnt ihr auch tun durch eine fünf Sterne Bewertung, durch eine Weiterempfehlung, durch Teilen mit so vielen Leuten der Bewertung schreiben, uns Briefe schreiben, Liebeserklärungen schreiben usw und so fort.

            Ralph

            Also jetzt am Ende dieser Folge, schickt das mal weiter an Leute, die sich für Zigarren interessieren. Genau die werden ihre Freude damit haben.

            Der Beitrag Kippen statt Mona Lisa und Montmartre – das Rauchermuseum Paris erschien zuerst auf Escucha.

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            40 min
          • Das Vermächtnis des Dr. Schreber – das Kleingärtnermuseum in Leipzig

              BITTE NICHT ANFASSEN! #30 – Das Kleingärtnermuseum in Leipzig

              Show Notes 

              Leipzig ist nicht nur bei jungen Leuten angesagt, sondern auch (und das schließt sich nicht aus) bei Kleingärtnerinnen und Kleingärtnern. Leipzig ist sogar DIE Kleingarten-Hochburg in Deutschland mit rund 32.000 Anlagen. Zurück geht das auf den Leipziger Turnfan Dr. Moritz Schreber.  

              Dabei wollte der Arzt doch eigentlich nur, dass Kinder mehr draußen spielten. Erlebt hat das der Arzt zwar nicht mehr, ist aber zum Namensgeber dieser speziellen Grünflächen geworden: die Schrebergärten. 

              Wo also, wenn nicht hier ein Museum für Kleingärten aufmachen. Ralph hat dort Leiterin, Diplom-Museologin und – natürlich! – Kleingartenbesitzerin Caterina Paetzelt getroffen. Mit ihr reisen wir vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart.  

              #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #Leipzig #kleingarten #Schreber #Laube #Garten #Industrialisierung #Geschichte 

              ~~~~~~~ 

              Hilfreiche Links: 

              Literatur zum Kleingartenwesen: https://www.kleingarten.de/verbandsnews/4180/der-bdg-informiert—januar-2022—100-jahre-organisiertes-kleingartenwesen 

              Literatur zum Schrebergarten: https://www.amazon.de/150-Jahre-StadtErnte-Geschichte-Schreberg%C3%A4rten/dp/3981628810 

              Foto des Laubengartens: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Laubengarten-scaled.jpg 

              Foto Kirschbaumlaube Außen: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Kirschbaumlaube-Aussen-scaled.jpg

              Foto Kirschbaumlaube Innen: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Kirschbaumlaube-Innen-scaled.jpg 

              Infos zu Regeln im Kleingarten: https://www.mdr.de/mdr-garten/podcast/audio-kleingarten-gesetz-sinn-unsinn-100.html 

              ~~~~~~~ 

              Infos zum Museum:  

              Deutsches Kleingärtnermuseum 

              Aachener Straße 7 

              04109 Leipzig 

              https://www.kleingarten-museum.de

              ~~~~~~~ 

              über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

              Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

              Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

              Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

              Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

              BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

              Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

               
              ~~~~~~~ 

               
              Kontakt: 
              Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
              E-Mail: info[at]escucha.de  

              ~~~~~~~ 

              Wollt ihr uns unterstützen?  

              Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

              ~~~~~~~ 

              Podcast-Credits:  
                

              Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
              Produktion: Escucha GbR  
              Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/  
              Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

              Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

              ~~~~~~~ 

              Transkript 

              Caterina Paetzelt 

              Um es gleich vorwegzunehmen Dr. Schreiber ist erst posthum Namensgeber geworden. Und Dr. Schreiber hatte auch nie die Idee, einen Kleingarten zu gründen. Dr. Schreiber wollte eigentlich nur, dass sich die Kinder, die er schon viel in der Schule sitzen mussten, viele, viele Stunden lang, dass die sich eigentlich sportlich betätigen.   

              INTRO 

              Ralph 

              Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe von Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Mein Name ist Ralph. 

              Lukas 

              Und mein Name ist Lukas und wir stellen euch einmal im Monat kleine, skurrile, alternative und liebenswerte Museen vor und vor allem die Geschichten dahinter. Und wenn ihr uns kennt, dann wisst ihr, dass wir normalerweise immer zu Beginn eines jeden Monats publizieren. Aber heute ist es anders, Denn heute ist der 19. Mai und das ist der Internationale Museumstag. 

              Ralph 

              Da konnten wir es natürlich nicht lassen, diesen Tag zu feiern und eine extra Episode rauszuhauen. 

              Lukas 

              In Deutschland gibt es schätzungsweise über 7.000 Museen, und das ist natürlich eine Auswahl. Die müssen wir mit Bitte nicht anfassen erst mal abklappern. Aber die meisten Museen, die wir besucht haben, die machen eine wahnsinnig tolle Arbeit. Viele davon ehrenamtlich, viele davon mit einfach unglaublich viel Engagement, Potenzial. Und wir freuen uns, einfach jedes Mal in den Museen zu sein. Und deswegen freuen wir uns, wenn wir mit dieser Bitte nicht anfassen Museumstags Folge einen kleinen Beitrag dazu leisten können. 

              Ralph 

              In der vergangenen Folge hatten wir Julia Rübisch zu Gast und sie ist an Stelle von uns ins Bikiniartmuseum gegangen, in Bad Rappenau in Baden Württemberg. Kannst du dich noch dran erinnern, worum es da ging? 

              Lukas 

              Ja da hab ich viel gelernt über die Geschichte des Bikini. An der A6 Autobahnausfahrt Bad Honnef im Bikini Museum liegen und dass man da freien Eintritt bekommt, wenn man in dieses Museum mit einem Surfbrett und mit Badehose reingeht. Was ich auch ziemlich witzig finde. 

              Ralph 

              Und du hast ja auch gesagt, du möchtest da gern mal reingehen. Wenn du's machst, mach ein Foto. 

              Lukas 

              Ja, Ja, mach ich auch. Ich habe überlegt. Ich hab einen Ständer. Paddleboard. Vielleicht kann ich das ja auch als Surfbrett dann sozusagen verkaufen und dann mal gucken. Na, wir werden sehen. Wir werden sehen. Genau. Das heißt aber, weil die letzte, ich sage mal, reguläre Folge, die kam ja von mir. Das ging ja. Dann waren wir im Gießkannenmuseum in Gießen. 

              Das heißt, dass du jetzt in dieser Folge dran bist. Und ich bin schon ganz gespannt, was du mir da mit eingepackt hast. 

              Ralph 

              Ja, dann packen wir doch mal aus. Und zwar war ich in Leipzig und Leipzig, da warst du auch schon mal, wir waren gemeinsam sogar in Leipzig. Wenn du jetzt an Leipzig denkst, woran denkst du da? 

              Lukas 

              Ich denk an Hipsterviertel. An die Thomaserkirche. Johann Sebastian Bach. Ich denk an die Buchmesse. Ich denk an krasse Altbauviertel. Und vielleicht noch an Connewitz. Connewitz, wo die Autos brennen. 

              Ralph 

              Also wirklich sehr unterschiedliche Sachen, sehr viele unterschiedliche Facetten. Ich fand es interessant, dass deine allererste Assoziation, die Hipsterviertel sind. Na ja, es gibt aber noch eine Sache, an die du jetzt dann hoffentlich denkst, wenn du an Leipzig denkst. Und zwar Kleingärten. 

              Lukas 

              Kleingärten? 

              Ralph 

              Leipzig hat deutschlandweit die höchste Kleingartendichte. Bezogen auf die Einwohnerzahl, das heißt auf 100 Einwohner kommen circa sechs Kleingärten. Im Vergleich dazu ist es jetzt in anderen Städten wie jetzt Berlin oder Hamburg da ist es so, dass nur zwei Gärten auf 100 Einwohner kommen. Und wenn man das Ganze jetzt mal hochrechnet, dann bedeutet das, dass in Leipzig rund 100.000 Leute, Kleingärtner bzw. Kleingärtnerinnen sind. 

              Lukas 

              100.000 Leute sind in Leipzig Kleingärtner:innen oder Kleingärtner? Krass, hä? Aber das ja, das ist ja ein bisschen viel. Wie soll das gehen? Das ist ja wirklich viel sehr. 

              Ralph 

              Ja, warum jetzt Leipzig für Kleingärten so bekannt ist, das werde ich dir im Laufe der Folge erzählen. Es ist auch so, dass die Kleingärten 1/3 der städtischen Grünflächen ausmachen in Leipzig. Und ich war, um natürlich jetzt wieder den Dreh zu Bitte nicht anfassen zu finden. Ich war im Kleingärtnermuseum, das behauptet von sich, das weltweit einzige seiner Art zu sein. 

              Und ja, heute mach ich so ein bisschen Rundumschlag. Die Geschichte des Kleingartenwesens, auch den sozialen Wert von Kleingärten und ja, auch ein bisschen Punk wird drin vorkommen. 

              Lukas 

              Sehr geil. Kannst du mir vielleicht erst mal kurz erklären Was versteht man denn unter Kleingärten? Gibt es eine Definition? 

              Ralph 

              Eigentlich möchte ich später dazu kommen, aber ich kann es trotzdem jetzt mal vorwegnehmen: Als Kleingarten zählt nur ein Garten, der eine Drittelregelung hat, das heißt 1/3 des Gartens ist Erholungsfläche, 1/3 ist beispielsweise jetzt eine Laube oder ein Schuppen oder so, also irgendwas Häusliches und 1/3 Anbaufläche. Und nur wenn diese Kriterien erfüllt sind und auch nicht überschritten werden oder so, dann kann man erst von Kleingärten sprechen. 

              Und dann gibt es natürlich noch verschiedene Regelungen, weil die Kleingartengärten, die sind ja in Vereinen organisiert. 

              Lukas 

              Also gut. 

              Ralph 

              Kleingärten waren auch nicht immer so, wie sie heute sind, aber da müssen wir, glaube ich, am Anfang anfangen. Ja, aber bevor wir das machen, ne kurze Frage Hast du denn eigentlich irgendeinen persönlichen Bezug zu Kleingärten? Gibt es da jemand in deiner Familie? Vielleicht hast du selber mal einen Kleingarten gehabt Oder hast. 

              Lukas 

              Du, nicht nur einen. Meine Eltern haben ja einen Kleingarten. Dann haben wir die Kleingärtnerei als Anbaufläche meiner Großtante übernommen. Das heißt, wir sind quasi voller Gärten und Kleingärtnern, alles Mögliche von Kartoffeln, Karotten, Salat im Sommer, Zucchini, Tomaten, alles Mögliche. Also wir sind da voll, voll drinnen und da du ja weißt, dass ich aus Bamberg komm. In Bamberg gibt es sogar die Gartenstadt, ein Stadtteil, in dem seit dem Mittelalter genauso Gärtnereien und Kleingärtnereien auch überall vertreten sind. 

              Lukas 

              Das heißt, ich bin eigentlich im Gartenbusiness, ziemlich up to date, okay. 

              Ralph 

              Aber da wäre ich ja gespannt, ob du auch über die Geschichte schon ganz viel weißt. Aber ansonsten ist es natürlich für viele Leute, die jetzt zuhören sehr aufschlussreich. Zumindest war es für mich sehr aufschlussreich. Ich habe nämlich gar keinen Bezug zu Kleingärten und die Person, die ich dir jetzt vorstellen werde, die hatte am Anfang auch keine Ahnung von Kleingärten. 

              Caterina Paetzelt 

              Ich hatte vorher auch keine Verbindung zum Kleingartenwesen, hatte viele mögliche und unmögliche Gedanken im Kopf. Endete dann darin, dass ich zwei Jahre später auch selber ein Kleingarten hier hatte, eine Anlage. 

              Aufgrund der Arbeit und der Erkenntnis, dass ich das schön finde. 

              Lukas 

              Aufgrund der Erkenntnis, dass ich das schön finde, habe ich beschlossen, einen Kleingarten anzulegen. Sehr geil. 

              Ralph 

              Also, wen du jetzt gerade gehört hast, das ist Caterina Paetzelt, Sie ist Diplom Museologin und die Leiterin des Kleingärtnermuseums in Leipzig und sie hat mich so herumgeführt durch das Museum. Da muss ich dazu sagen Das Museum ist so aufgebaut, dass es einmal das Museumsgebäude gibt. Das befindet sich innerhalb einer Grünanlage und außen rum, wie es natürlich auch passt Zum Thema Es sind halt Kleingärten und es gibt dann sogenannte Schaugärten, die zum Museum gehören, die man sich angucken kann und die historischen Kleingärten aus unterschiedlichen Zeiten entsprechen. 

              Wenn man jetzt in das Museum reingeht, dann stellt man schnell fest, dass das chronologisch aufgebaut ist. Also es geht wirklich um die Ursprünge und die Entwicklung das Kleingärtnerwesens und später kommen dann noch andere Aspekte dazu. Das heißt, ich fange jetzt auch mal bei dem Anfang an und es ist nämlich so, dass alles angefangen hat im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts. 

              Das heißt, wir sprechen von Industrialisierung, die ja die Arbeitsweise, aber auch die Lebensweise der Menschen stark verändert hat. Viele Leute sind dadurch in Städte gezogen, um dann in Fabriken zu arbeiten. Die Wohnpreise sind in den Städten gestiegen, Leute sind dann verarmt. Und dieser Verarmung entgegenzuwirken, hat sich dann im Jahr 1801 wie sagt man dann da eine Gesellschaft oder ein Verein dafür eingesetzt, diese Armut zu bekämpfen, nämlich die Society for bettering the conditions and increasing the conditions of the Poor hat dann 100 Parzellen an Fläche an bedürftige Familien günstig abgegeben und dann wurde darauf Kartoffelanbau betrieben und das war sozusagen der erste Kleingarten oder so ein bisschen Vorläufer, könnte man sagen. 

              Und dann ist das rübergeschwappt auf Festland, Europa, genauer gesagt jetzt Deutschland. Da gab es den ersten Kleingärtner Verein in Norddeutschland, nämlich in Kappeln an der Schlei, und da kann dir Caterina Paetzelt was zu erzählen. 

              Caterina Paetzelt 

              Der allererste Kleingartenverein überhaupt, der wurde sogar schon 1814 in Kappeln an der Schlei gegründet, also im norddeutschen Raum und ausschlaggebend dafür, dass man heute von der ersten Gründung spricht, ist, dass dieses dieser Verein, der als Armenfürsorge angedacht war, sich eine Gartenordnung gegeben hat. Also die Gartenordnung ist ausschlaggebend für die Definition des Kleingartens. Wie gesagt, schon 1814, also schon ein Weilchen her. Die Anlage gibt es auch heute noch dort. 

              Lukas 

              1814. Krass, aber ja, interessant, dass Armenfürsorge und Kleingärten so zusammenhängen, hätte ich auch nicht gedacht. 

              Ralph 

              Das waren dann immer so 500 bis 1500 Quadratmeter große Felder, die dann die Leute nutzen konnten, um da Grundnahrungsmittel anzubauen. Ja, und der damalige Pachtvertrag, also diese Ordnung, von der Caterina Paetzelt gesprochen hat, die hatte auch schon einige Aspekte drin, die es heute immer noch gibt, nämlich einmal den Gemeinschaftspachtvertrag, dann eine jährliche Pachtzahlung, festgelegte Wegbreiten ganz wichtig und zum Beispiel auch Hecken als Einrichtung der Gärten. 

              Und die Pächter waren überwiegend Handwerker, Arbeiter und Kaufleute. Das Modell, das hat sich dann aber irgendwie nicht so wirklich durchgesetzt, was zu teuer war für die wirklich armen Schichten. Und dann haben sich zeitgleich, würde ich es mal sagen oder ungefähr zur selben Zeit haben sich noch andere Ursprungslinien der heutigen Kleingärten herausgebildet. Das ist zum Beispiel Garten von Betrieben. Also es haben sich ja ganz viele Fabriken in der Zeit gegründet und die haben auch Land dazu gekauft und wollten versuchen, da die Arbeiterschaft anzusiedeln und damit auch zu ködern und bei der Stange zu halten, dass sie auch wirklich im Betrieb blieben. 

              Und sie haben das auch teilweise an Konditionen geknüpft, zum Beispiel, dass Mitarbeitende, die eine Garten Parzelle haben wollten, dass die keine Gewerkschaft beitreten dürften. 

              Lukas 

              Also Union Busting mit Kleingärten. Auch interessant. 

              Ralph 

              Ja, ja, oder auch Eisenbahnverwaltungen haben öfter Gärten gehabt. Dass es neben den Schienentrassen das gibt, haben ja heute auch immer noch neben den Schienentrassen haben sich halt sehr viele Kleingärten herausgebildet. Also wenn jetzt heute nach Berlin fährst, dann siehst du links und rechts ganz viele Kleingartenparzellen. 

              Lukas 

              Aja. 

              Ralph 

              Und der andere Ursprungslinie sind Arbeiter, Gärten des Roten Kreuzes. Also das Rote Kreuz hat sich damals dafür eingesetzt, mittellose und kinderreiche Familien mit solchen Gärten zu versorgen, damit die wiederum Obst und Gemüse anbauen konnten und auch um den Familiensinn zu stärken und auch damit Männer dem Wirtshaus fernbleiben. Eine weitere Ursprungslinie, die sich herausgebildet hat, waren die sogenannten Berliner Laubenkolonisten. 

              Ralph 

              Hast du davon schon mal gehört? 

              Lukas 

              Nee, also eine Laube. Ist es so eine Gartenhütte, oder. Richtig. Und ich könnte mir vorstellen, Laubenkolonisten sind dann Leute, die halt vielleicht einfach in diesen Lauben dauerhaft wohnen und eine Kolonie haben. Und das könnte ja wiederum eine Vorform vom heutigen Schrebergarten sein. 

              Ralph 

              Ja, da komme ich später noch dazu. Aber du bist auf jeden Fall schon sehr nah dran. Im Detail wird's der Caterina Paetzelt erklären. 

              Caterina Paetzelt 

              Berlin selbst als Stadt wurde 1871 Reichshauptstadt, und damit verbunden war ein starker Anstieg der dortigen Einwohnerschaft, weil natürlich viele Leute vom ländlichen Raum in den Großstadtraum gegangen sind, um dort Arbeit zu finden. Gründung von Fabriken. Ja, und die Leute gingen natürlich in die Stadt. Arbeit finden hat auch geklappt. Da war genug für alle da. Nur der Wohnraum war zu knapp. 

              Und aus dieser Not heraus haben die Leute sich halt auf Freiflächen, die da noch waren, ja kleine Hütten zusammengebaut und haben da nicht gewohnt, ja gehaust und aus Ermangelung des Geldes haben sie sich jetzt selber auch Kartoffeln und Kohl angebaut. Das war alles sehr autonom. Also aus der Not heraus geborener Punk. Und wurde dann aber geschluckt durch die ersten Vereinsgründung. 

              also die haben einfach gemacht, hatten natürlich das Problem, dass sie ständig wieder von den Flächen mussten. Mittlerweile gab es dann auch mobile Lauben oder gibt es auch schon wieder ein Gemeinschaftsgarten? So bewegliche Obstpflanzungen, also so was hatten die dann teilweise auch an irgendwelche Bretter Kisten gepflanzt, damit wir sie jedes Mal ausgraben mussten. 

              Lukas 

              Jo, ist er jetzt eine ähnliche Situation in Berlin? Ich kenne tatsächlich auch ein paar Leute, die mal in Berlin vorübergehend in der Laube gewohnt haben, weil sie keine Wohnung gefunden haben. 

              Ralph 

              Ach, echt? 

              Lukas 

              Ja, Kein Scheiß, kein Scheiß. 

              Ralph 

              Es gibt da noch weitere Ursprungslinien, auf die ich eingehe. Und noch zwei sind das eine davon, die auch im 19. Jahrhundert entstanden ist. Das ist die Naturheilbewegung. Die hatte da nämlich auch Gärten angelegt, um da ja verschiedene Veranstaltungen zu machen, um Gesundheitspflege zu betreiben, alternative Heilmethoden anzuwenden, aber sich auch gärtnerisch zu betätigen. Und dazu zählen Bewegungen wie Vegetarier, Antialkoholiker auch frei Körperkultur und auch die Turnbewegung. 

              Ralph 

              Und was jetzt diese dieser Ursprungslinie sehr nahe kommt, auch wenn man es vielleicht jetzt gar nicht vermuten würde. Das sind die Schrebergärten. Das ist nämlich jetzt ein ganz großer Punkt, auf den ich eingehen werde. Schrebergärten. Den Namen kennt ja glaub ich jeder. Und der kommt von Dr. Schreber. 

              Lukas 

              Echt? Ja. Krass. Okay, Weil ich dachte, Schreber heißt irgendwie so was wie. Keine Ahnung. so eine veraltete Form von Anbau. Irgendwie ein altes Verb, was es heute nicht mehr gibt. Oder irgendwas. Das ist wirklich nach einem Typen benannt? Geiler Funfact. Okay, erzähl mir mal das nächste. 

              Ralph 

              Ja, dazu hat Caterina Paetzelt auch was gesagt. 

              Caterina Paetzelt 

              Dr. Schreber wurde geboren 1808 hier in Leipzig und war dann nach seinem Studium der Medizin hier auch Arzt und Orthopäde in der Stadt. Um es gleich vorwegzunehmen Dr. Schreiber ist erst posthum Namensgeber geworden. Und Dr. Schreiber hatte auch nie die Idee, einen Kleingarten zu gründen. Dr. Schreiber wollte eigentlich nur, dass sich die Kinder, die ja schon viel in der Schule sitzen mussten, viele, viele Stunden lang, dass die sich eigentlich sportlich betätigen. 

              Dr Schreiber war nämlich Mitbegründer des ersten Turnvereins hier in Leipzig, der überhaupt gegründet wurde. Er war dort Vorsitzender und Mitglied und selbst begeisterter Sportanhänger. Und diese sportliche Idee, auch im Zusammenhang mit der Erkenntnis, dass viele Kinder halt auch orthopädische Probleme hatten, führte dazu, dass er sich dafür ausgesprochen hat, sogenannte Spiel und Tummelplätze in der Stadt einzurichten, also Spielplätze, die es ja bis dato noch nicht gab. 

              Lukas 

              Das heißt, der Namensgeber des Schrebergarten, Dr. Schreiber, ist sozusagen auch der Erfinder der Spielplätze. 

              Ralph 

              Ich lege meine Hand nicht dafür ins Feuer, aber er ist zumindest einer der Miterfinder. Ja, ob er der einzige Erfinder ist, weiß ich nicht. Aber diese Spielplätze, die wurden dann zu der Zeit nicht Spielplätze genannt, sondern Schreberplätze. 

              Lukas 

              Und aus den Schreberplätzen, wie sind dann aus den Plätzen die Schrebergärten geworden? 

              Ralph 

              Das wurde so, in dem ein Pädagoge und Schuldirektor namens Ernst Innocenz Hauschild 1864 einen Verein gegründet hat, den er dann eben zu Ehren von Dr. Schreber Schreber Verein gegründet hat. Und da war dann relativ bald festgelegt, dass halt Gärten genutzt werden und in der Mitte dieser Gartenanlagen soll sich so ein Schreberplatz befinden. Also so ein Spielplatz für Kinder. 

              Und außenrum wurden dann Beete angepflanzt. Also wurden Beete angepflanzt. Die hießen dann auch erst Kinderbeete, Also sollten sich die Kinder beteiligen. Aber irgendwie haben die dann relativ schnell die Lust daran verloren und dann wurde ein Familienbetrieb draus. Die Erwachsenen haben sich dann darum gekümmert und 1870 trat dann die erste Gartenordnung in Kraft und damit haben sich dann die Beete zu Gärten gewandelt. 

              Die haben dann so einen Zaun bekommen und einen kleinen Schuppen nebendran. Und in dieser Zeit haben sich dann auch weitere Vereine gegründet, weil das anscheinend so erfolgreich war. Dann musste das Areal in Leipzig umziehen. Eines Tages war es da so ein Straßenbauvorhaben gibt und ist umgezogen. Nämlich dorthin, wo heute das Museumsgelände ist. 

              Lukas 

              Das Museumsgelände ist auch ein historischer Ort sozusagen. 

              Ralph 

              Richtig. Und das Museumsgebäude ist auch ein historischer Ort, denn es ist das damalige Vereinsheim vom Schreberverein. Ist auch immer noch aktuell das Vereinsheim vom Verein. 

              Lukas 

              Ah, okay, krass. Gibt es da nicht diese Schreber Vereine nur in Deutschland oder gibt es die auch darüber hinaus? 

              Ralph 

              Ähm, bei den Schrebervereinen weiß ich's nicht, aber Schreberverein ist im Endeffekt ja eine Art von Kleingarten und Kleingärten gibt's weltweit. So hat mir zum Beispiel Caterina Paetzelt erzählt, dass auch öfter mal internationale Gäste kommen, um den Verein und auch das Museumsgebäude zu besuchen. Und das sind dann zum Beispiel auch Leute aus Japan dabei. Also auf internationaler Ebene gibt's eine Föderation  

              Ralph 

              Diese Vereinigung ist die größte europäische Freizeitorganisation mit über 2 Millionen Kleingärtnerfamilien und Kleingärtnern aus 13 Ländern. 

              Lukas 

              Krass. 2 Millionen? 

              Ralph 

              Ja. Und kleiner Funfact. Da habe ich jetzt aber nicht weiter recherchiert. Diese Vereinigung hat sogar einen partizipativen Status im Europarat. 

              Lukas 

              Krass. Na ja, gut, bei 2 Millionen ist auch echt einiges. 

              Ralph 

              Ich komm jetzt aber wieder zurück zum Schreberverein. Da war es nämlich so, dass ja am Anfang die körperliche Ertüchtigung der Kinder im Vordergrund stand. Also was im Turnen herauskam. Und dann kamen da diese Beete dazu. Also man hat ein bisschen Sachen angepflanzt, aber das Ganze hat auch so ein bisschen, soll ich sagen, Ja, so ein Weib wie bei weiß ich nicht, wie bei Jugendfreizeiten halt einfach das Kinder und Jugendliche da Verantwortung übernommen haben in der Gruppe, dass sie sich drum gekümmert haben, dass der Spielplatz und die Beete intakt gehalten worden sind usw. 

              Und es ging auch darum Kinder zu fördern, die benachteiligt sind. Also Kinder aus armen Familien beispielsweise. So gab es zum Beispiel eine Zeit lang die Milchkolonien. Hast du davon schon mal gehört? 

              Lukas 

              Nee. 

              Ralph 

              Bei den Milchkolonien war es so, dass auf dem Platz während der Sommerferien vergünstigt Milch verkauft wurde und kränkliche oder besonders erholungsbedürftige Kinder. Das haben sich vorab dann Ärzte oder Ärztinnen angeguckt. Die haben dann eine Milchkarte bekommen und mit der konnten die dann während der Sommerferien unentgeltlich Milch erhalten und auch ein bisschen Brötchen und Gepäckstücke.  

              Also das sind jetzt diese ganzen Ursprungslinien, die ich aufgezählt habe. 

              Ich versuche es noch mal zusammenzufassen. Also die Schrebergärten, die wir jetzt grad haben, die Berliner Lauben Kolonisten, die Arbeitergärten des Roten Kreuzes, Gärten von Betrieben und Gärten, der Naturheilbewegung und Armengärten. So also sechs Ursprungslinien gibt es. Und ich spring jetzt mal an der Zeit, weil die haben sich dann alle vermischt. Die wurden dann alle zusammengefasst zu Kleingärten. So, und nach dem ersten Weltkrieg, da war die Wohnungsnot auch sehr groß und es gab Lebensmittelknappheit und da wurde dann staatlich auch das Kleingartenwesen gefördert, indem die Pachtpreishöhe eingeschränkt wurde und städtisches Gelände zur Gartenbaustellung bereitgestellt worden ist. 

              Lukas 

              Ah, cool. 

              Ralph 

              Und auch ein Funfact als sich die Weimarer Republik gegründet hat, 1919, war die Kleingarten und Kleinpacht Landordnung eins der ersten Gesetze, die beschlossen worden ist. 

              Lukas 

              Ernsthaft? 

              Ralph 

              Ja, nur wenige Monate nach der Gründung. 

              Lukas 

              Also das heißt, der Kleingarten ist wirklich im modernen deutschen Staatswesen irgendwie sehr eng verankert. 

              Ralph 

              Ja, es ist wohl ein Stellenwert auf jeden Fall. Und 1921, also ein paar Jahre später, hat sich dann auch der erste Dachverband gegründet, in dem alle Vereine dann untergebracht waren. Der sogenannte Reichsverband, der Kleingarten vereine Deutschlands. Und der hat verfolgt, dass so eine gerechte Regelung der Pachtpreise gibt und dass auch Dauerkolonien eingerichtet werden konnten. Also dass diese Kleingärten da stehen bleiben durften. 

              Ist auch immer noch heute so in da komme ich auch noch später dazu. Ja, wir springen wieder ein bisschen in der Zeit, weil da war es dann erst mal ruhiger. Da kann ich jetzt gar nicht so viel zu erzählen. Und dann im Nationalsozialismus war es so, dass dann auch das Kleingartenwesen gleichgeschaltet worden ist. Das heißt, da sind dann halt Leute ausgetauscht worden und der Dachverband wurde dem Amt für Agrarpolitik unterstellt. 

              Und die Kleingärten? Die sollten dann helfen von Importen unabhängig zu werden. Hat letzten Endes eigentlich nicht wirklich geklappt und es gab auch ganz. Ich finde lustige Auswüchse. Also das Kleingartenwesen. Da gab es dann so eine Idee, dass man Maulbeerbüsche anpflanzen sollte. Maulbeerbüsche. Wofür braucht man die, weißt du das? 

              Lukas 

              Nee. 

              Ralph 

              Für die Seidenspinnerraupe. Also, da sollten die ganz viele Maulbeerbüsche anpflanzen für diese Seidenspinnerraupe. Um so viel Seide zu gewinnen, die dann für die Fallschirmproduktion verwendet werden sollte. 

              Lukas 

              Ah, das hat aber nie geklappt. 

              Ralph 

              Nee, das hat nicht wirklich geklappt. 

              Lukas 

              Was ich mal gelesen habe. Ich glaube, das war damals im Bachelor sogar. Da habe ich mal ein Referat gehört und das fand ich irgendwie nett, weil das habe ich mir gemerkt und zwar, da hat jemand analysiert anhand von nationalsozialistischen Gärtnerzeitschriften, wie die Versorgungslage im Krieg gewesen sein musste. Gemessen an dem, was quasi als Nahrungsmittel in diesen Zeitschriften empfohlen wurde, also ab dem Zeitpunkt, wo man quasi gesagt hat Ja esst Kohl Suppe oder esst Kartoffelschalen-Suppe oder was weiß ich, weil da sind total viele Vitamine für euch drin. 

              Lukas 

              Und zweitens konnte man darüber Rückschlüsse ziehen über die Ernährungssituation und darüber auch über die aktuelle Kriegssituation. Das fand ich total spannend, wie man quasi vom Kleingarten, also wobei, das ist ja auch große Landwirtschaft. Ich meine, Kleingarten werden dann ja auch ihre Bedeutung gehabt haben. Es schon spannend, was man da für Rückschlüsse auf die gesamte Gesellschaft ziehen kann. 

              Ralph 

              Ja, total. Also Kleingärten wurden ja auch da einbezogen in diese Lebensmittelproduktion, also durch diese Gleichschaltung, das wurde ja forciert, dass dann die Kleingärten zu einem gewissen Teil die Produktion übernehmen sollten. Geklappt hat es nicht wirklich. Die Kleingärten wurden auch für andere Zwecke verwendet. Es wurden dort Zwangsarbeiter untergebracht. Auch Militärbauten wurden in Kleingartenanlagen untergebracht oder auch so Flaks zum Beispiel hat man da aufgestellt. 

              Aber zu der Zeit kann dir auch Caterina Paetzelt noch mal was erzählen. 

              Caterina Paetzelt 

              Die Kleingärten in der Zeit des Nationalsozialismus waren auch ein Ort zum Beispiel von Widerstand oder von Verstecken. Es gab Leute, die ja so ein bisschen die vermeintliche Anonymität in einem Kleingarten verwendet haben, um sich dort zu treffen, in den Lauben oder um dort auch Leute zu verstecken. Berühmtestes Beispiel ist der Hans Rosenthal, der ein Jahr und ein halbes Jahr in einer Kleingartenanlage in einem kleinen Bretterverschlag an der Seite überlebt hat, als Jude und hätte die Pächterin den nicht versteckt, hätte er das wahrscheinlich auch nicht überlebt. 

              Lukas 

              Kann ich mir auch gut vorstellen, dass das noch so eine Art Refugium in der Stadt ist. Für politisch Verfolgte. Oder auch wahrscheinlich etwas, was sich einfach wahnsinnig schwer überprüfen lässt. 

              Ralph 

              Kennst du Hans Rosenthal? 

              Lukas 

              Nee, noch nie gehört.  

              Ralph 

              Okay, dann, in ganz wenigen Sätzen erzähle ich was über den. Ich kannte den vom Namen, aber wusste auch nicht viel und habe mir dann nur den Wikipedia Artikel durchgelesen. Gibt nicht so viel auf meine Worte, aber ich fand es ganz spannend, weil der ist halt in der jüdischen Familie in Berlin aufgewachsen und sein Vater hat bei einer Bank gearbeitet. 

              Ralph 

              Aber während des Nationalsozialismus, weil er Jude war, ist ihm dann gekündigt worden. Das dann kurze Zeit später dann auch gestorben. Die Mutter von Hans Rosenthal ist dann auch nur ein paar Jahre später an Krebs gestorben. Und Hans‘ Bruder, der, der wurde verschleppt und dann erschossen. Also Hans war dann nur noch übrig und der musste dann ab 1940 Zwangsarbeit leisten, Da war er noch nicht mal 20 und ist dann getürmt. 

              1943 Und dann eben in den Kleingarten gegangen, um sich da zu verstecken, wie jetzt Katharina Pestel erzählt hat, bis der Krieg vorbei war. Und dann ging die Karriere von Hans Rosenthal los, muss man sagen, weil der war TV Moderator unter anderem von der Show Dalli Dalli. 80er irgendwie so und der war halt bekannt dafür, dass der dann immer so sich ans Publikum gewandt hat und gesagt hat, Sie sind der Meinung, das war… 

              Und dann hat das Publikum wieder gerufen Spitze! Und Hans Rosenthal ist dann in die Luft gesprungen und das Bild wurde dann eingefroren. Das sieht man ganz oft. 

              Lukas 

              Na ja, der Name sagt mir schon was. Ja, jetzt, wo du das sagst mit Dalli Dalli und so, das okay. Also das heißt, man kann sagen, dass der Kleingarten das Überleben von Hans Rosenthal garantiert hat in dieser Zeit. 

              Ralph 

              Auf jeden Fall. 

              Lukas 

              Ja, das. 

              Ralph 

              Also noch mal zusammenfassend der Kleingarten, der wurde von den Nationalsozialisten auch missbraucht, aber gleichzeitig war es irgendwie ein Ort auch von Widerstand. Und ja. 

              Lukas 

              Okay, gut. 

              Ralph 

              Und in der Nachkriegszeit war es dann so, dass 1949 in Westdeutschland der Verband Deutscher Kleingärtner gegründet worden ist, der dann auch eine Ordnung drin hatte. Dass er nicht parteipolitisch ist und auch nicht konfessionell ausgerichtet und ausschließlich gemeinnützigen Zwecken dient. Und in Westdeutschland lief das alles so ganz gut. Aber in der DDR, da gab es Widerstände. 

              Caterina Paetzelt 

              Unter Walter Ulbricht waren Kleingärten aufgrund ihrer Vereinsstruktur gar nicht so gerne gesehen. Also Ulbricht hat die gar nicht gefördert und erst mit Honecker hat sich dann auch quasi auf parteipolitischer Ebene dieses Image gewandelt. Und es wurde erkannt, dass Kleingärten wichtig sind, um auch die Standards ernährungsmäßig zu erhöhen für die Bevölkerung der DDR. Und deswegen wurden damals auch noch mal Mitte der 70er Jahre massiv Kleingartenflächen in den berühmten Neubauvierteln der DDR gleich mit eingeplant. 

              Deswegen ist es heute ganz gut sichtbar, wenn sie in so einem Neubauviertel unterwegs sind. Da ist immer irgendwo eine Kleingartenanlage. 

              Lukas 

              Jetzt mal unabhängig von dem, was Caterina Paetzelt gesagt hat, ist da eine Vogel Aufzucht im Hintergrund, weil du so krass viel Vogelgezwitscher hörst? 

              Ralph 

              Ja, wir waren im Museum und die haben so eine Zwitscherbox aufgestellt, sodass man da immer Vogelgezwitscher hört. 

              Lukas 

              Künstliches okay, aber das ist künstliches Vogelgezwitscher. Ja, okay, alles klar. Okay, zurück zu Geschichte. Auch interessant, dass der Kleingarten dann für die DDR Führung so ein Politikum dargestellt hat. Oder möchte man ja auch meinen, dass es wichtigeres gibt als Kleingärten. Aber offensichtlich ist halt dem Staat nichts unwichtig, vor allem nicht der DDR. 

              Ralph 

              Na ja, die war da schon sehr paranoid, würde ich mal sagen. 

              Lukas 

              Und da hätten wir es ja wieder. Es gibt halt viele Parallelen zur Gießkannen Folge. Ich hoffe, dass du auch ein Hörspiel vorbereitet hast über die Spionages, weil die Hans Rosenthal Geschichte die wäre zum Beispiel auch sehr cool gewesen. Oder?  

              Ralph 

              Ja. Aber nein.  

              Es hat sich jedenfalls dann 1959 in der DDR der Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter gegründet. Und darin gab es die Fachrichtungen: Ich habe die jetzt mal alle aufgelistet die Rassekaninchenzüchter, die Rassegeflügelzüchter, die Ziergeflügelzüchter, die Exoten und Kanarienzüchter, die Edelpelztierzüchter, die Ziegen- und Milchschafzüchter, die Rassehunde- und Rassekatzenzüchter und die Bienenzüchter. 

              Ralph 

              Die haben ja alle ihre eigenen Anstecknadeln und und und Symbole usw. 

              Lukas 

              Zierhuhnzüchter wäre ich gerne geworden. 

              Ralph 

              Ziergeflügelzüchter. 

              00:31:33:21 – 00:31:34:24 

              Lukas 

              Bin ich Pfauzüchter? 

              Ralph 

              Du hättest ja auch noch Rassegeflügel. 

              Lukas 

              Rassegeflügelzüchter. Zücht ich da Rebhühner, die dann nicht gegessen werden, sondern als mit gestutzten Gefieder irgendwelche ehemaligen Höfe verschönen?  

              Ralph 

              Das wäre wahrscheinlich was für die Exotenzüchter. 

              Lukas 

              Also wenn jemand von euch da draußen weiß, was der Unterschied in der DDR war zwischen einem Ziergeflügelzüchter und einem Exotenzüchter, bitte melden. 

              Ralph 

              Ja bitte.  

              Und nach der Wiedervereinigung, da wird dann dieser Verband aufgelöst und überführt in den von Westdeutschland. Und das heißt dann verband der Garten und Siedler Freunde. Und jetzt, mehr als 100 Jahre nach Gründung des ersten Kleingartenverbands Deutschland, Das war ja dieser Reichsverband der Kleingartenvereine Deutschland 1921, also über 100 Jahre her gibt es hierzulande, also in Deutschland rund 14.000 gemeinnützige Kleingartenvereine, 14 mit 5 Millionen Mitgliedern. 

              Lukas 

              5 Millionen Mitglieder. Ja krass, da muss ich ja mal meine Eltern fragen, ob sie da auch in so einem Kleingartenverein Mitglied sind. 

              Ralph 

              Bestimmt. Wenn die Kleingärtner sind. 

              Lukas 

              Millionen Mitglieder. 

              Ralph 

              Und wenn jede Stadt einen Kleingartenverein hat oder vielleicht mehrere sogar? Ja, hier, hier in meiner Kleinstadt gibt es auch einige. Da kommt schon einiges zusammen. 

              Lukas 

              Ja, es kann mir vorstellen. Aber 5 Millionen sind echt eine Zahl. 

              Ralph 

              Ja. 

              Lukas 

              Also von daher keine Ahnung. 

              Ralph 

              Ich hatte schon angekündigt, dass diese Kleingärten einen sozialen Aspekt haben und das ist auch schon, glaube ich, durch die Geschichte einigermaßen rausgekommen. Durch diese Armengärten usw. Und da sagt aber Caterina Paetzelt auch noch mal was dazu, dass sie aktuell auch immer noch einen Wert haben. 

              Caterina Paetzelt 

              Und ohne eine gesetzliche Sicherung und eine rechtliche Absicherung würde es Kleingärten heute gar nicht mehr geben, weil natürlich Schlagwort Gentrifizierung in den Städten die Grundstücke natürlich finanziell viel mehr hergeben würden und das Kleingartenwesen aber gesetzlich geschützt, also die Anlagen, die es gibt, die kann man nicht so ohne Weiteres wieder auflösen. Und dafür gibt es ja zum Beispiel das Bundeskleingartengesetz. 

              Ist natürlich verknüpft mit ein paar Bedingungen an die Vereine, an die Pächter. Das sind dann meistens die Punkte, die irgendwo mit diesen spießigen Image in Verbindung gebracht werden. Ja, aber wer was will, muss was tun. Und das ist auch beim Kleingärtner so. 

              Lukas 

              Ja krass. Nö, kann ich total nachvollziehen. Also stimmt dieses Spießerimage, was Kleingarten so anhaftet. Aber ich kann mir schon vorstellen, wie das kommt, weil ich meine, es hört sich ja auch erstmal total wild an die deutsche Kleingartengesetzgebung oder whatever. Ich glaube auch, dass wir für Artenvielfalt und Erhalt von natürlichen Lebensraum auch innerhalb einer Stadt innerhalb eines Ballungsraums total wichtig sind. 

              Ralph 

              Und dass sie halt Leuten, die nicht so viel Geld haben und die jetzt keinen Garten in ihrem Grundstück haben, weil sie vielleicht auch kein Grundstück haben, denen wird halt die Möglichkeit gegeben, dass sie dann halt einen Garten haben, weil dieses Kleingartengartengesetz, das besagt, dass die Pacht maximal der vierfache Preis von dem sein kann, was im gewerblichen Bereich gezahlt wird. 

              Ralph 

              Also es gibt so eine Preisdeckelung, um jetzt mal eine Zahl zu haben: Im Schnitt kostet ein Quadratmeter Kleingarten 0,18 € pro Jahr pro Jahr. 

              Lukas 

              Pro Jahr. 

              Ralph 

              Ja, das heißt im Endeffekt, wenn du einen Kleingarten hast, dann zahlst du pro Jahr dafür vielleicht so zwei 300 €. 

              Lukas 

              Und dann ist es dein Kleingarten. 

              Hopp! Lass uns eine Kleingartensiedlung in Weiden aufmachen! 

              Ralph 

              Das hat inzwischen halt lange Wartezeiten. Da muss man mal gucken, was man da raus kriegt. Ich kann mir ja mal anfragen. 

              Lukas 

              Komm mach, das ist witzig.  

              Ralph 

              Also in dem Museum. Da gibt es dann noch so Dokumente zu sehen und ganz viele Fotos auch von früher. Und es gibt auch eine Kabinettsausstellung mit wechselnden Themen. Als ich da war, war das Thema Kitsch, Gartenzwerg und man hat halt Gartenzwerge gesehen und auch woher kommt das usw. 

              Ralph 

              Das hebe ich mir jetzt mal auf, weil ich glaube, es gibt in Deutschland auch ein Gartenzwerg Museum. Aber was ich ja schon angesprochen habe, es gibt auch diese Schaugärten draußen vor dem Museumsgebäude und da gibt es einen Garten der sogenannte Laubengarten. In dem sind vier historische Lauben aufgestellt und die reichen vom Jahr 1890 bis 1925. 

              Also sie standen nicht von Anfang an dort, sondern die wurden da hin transportiert und aufgebaut. Viele Teile davon sind aber noch original, also was man original erhalten kann, das wird auch versucht original zu erhalten. Und bei einer Laube ist mir aufgefallen Hä? Die die Dachrinne sieht irgendwie komisch aus. 

              Caterina Paetzelt 

              Diese Regenrinnen aus Holz haben wir nacharbeiten lassen von dem Tischler. Finden Sie mal einen Tischler, der Ihnen Regenrinnen hobelt. Die ersten drei Leute haben aufgelegt am Telefon, weil sie dachten ich bin Spaß Radio. Und dann haben wir aber einen gefunden, der hat die tatsächlich selber noch aus dem Stück gehobelt und hat die auch noch geteert. Und ich lerne hier jeden Tag auch dazu, auch jetzt noch. 

              Ralph 

              Weil im Original, das eben auch eine Holzregenrinne hatte. 

              Caterina Paetzelt 

              Ja. 

              Ralph 

              Also ich habe auch für alle Leute, die es interessiert und jetzt auch für dich habe ich auch ein paar Fotos von meiner Lieblingslaube. Es ist die Kirschbaumlaube aus dem Jahr 1924. Kannst gern mal angucken. 

              Lukas 

              Die sieht wirklich schön aus. Also ich beschreibe mal kurz, was ich da sehe. So ein Haus mit so einem, mit so einem doppelten Walmdach und außen sind verschiedene Türen dran, mit Ornamenten drauf. Die Türen sind an einem Grasgrün gestrichen. Dazwischen gibt es Fenster, die wiederum auch einen eigenen Walmdachaufsatz haben und mit so Gardinen gehäkelten. Und ich weiß nicht, wie man das dann nennt gestrickten Gardinen versehen sind. 

              Also das sieht alles sehr nach 1920 aus. Stimmt. Und wenn ich jetzt in den Innenbereich gehe, hab ich mir das auch so vorgestellt. Also ein Tisch mit weißen, relativ rustikalen Möbeln, unseren Tischdeckchen drüber, eine Gasflasche im Hintergrund zwickt es die geflochtenen Korb und ich weiß nicht, was dieses rote Ding ist. Ein Ofen oder irgendwie so was oder in diesen Schrank. 

              Ralph 

              Ich glaube, das ist nur ein Schrank. Aber es gibt auch Lauben mit Ofen drinnen.  

              Das ist so mein Abschluss davon. Die habe ich mir dann auch zuletzt angeguckt. Es gibt dann auch noch einen Entdeckergarten, in dem es Veranstaltungen gibt, wo man gerade für Kinder Jugendliche, aber ich glaube auch für Erwachsene, wo man einfach so ein bisschen was erfährt über Natur, Umwelt, Garten usw. 

              Also ich war da insgesamt, ich glaube oder zwei Stunden und muss sagen bis jetzt bin ich schon so durchgesprintet, weil man kann da wirklich einen halben Tag verbringen um sich das alles in Ruhe anzugucken. Am besten an sonnigen Tag. Natürlich, um sich außen alles anzugucken und vielleicht auch mit den Kindern, weil es gibt ja auch ein Spielplatz da drin. 

              Lukas 

              Wie viele Menschen besuchen denn dieses Museum? 

              Ralph 

              Beliebte Frage also pro Jahr sind mehr als 7000 Besucher. 

              Lukas 

              Mehr als 7000? Ja, krass. Okay. 

              Ralph 

              Falls du Fragen hast, weitere Fragen. Hau raus. Ich versuchs zu beantworten. 

              Lukas 

              Nee, also, ich bin total fasziniert. Natürlich habe ich ein paar Folgefragen, aber das würde jetzt, glaube ich, zu weit gehen, weil wir so unendlich verschiedene Dinge angesprochen haben. Ich find's super spannend, wie alles miteinander zusammenhängt und wieso der Kleingarten so viele verschiedene Dimensionen hat. So cool. Also danke für die Folge habe ich wirklich viel gelernt und das mit endlich zu wissen, woher dieser Schrebergarten kommt. 

              Lukas 

              Ich bin jetzt noch nie nachts eingeschlafen, dachte mir, woher kommt der Schrebergarten? Und ich dachte mir ja auch keine Ahnung, das kann man sich auch wahrscheinlich relativ leicht ergoogeln, aber trotzdem ist es so, wenn man irgendwie viel unterwegs ist. Man kommt immer an Schrebergärtensiedlungen vorbei und ich habe mir immer gedacht okay, hä, was steckt mehr dahinter? Warum gibt es die eigentlich? 

              Warum heißen die so? Und jetzt bin ich da ein bisschen schlauer. Vielen Dank. 

              Ralph 

              Ja, aber da musst du mitnehmen, dass halt nicht jeder Kleingarten, den du siehst, ein Schrebergarten ist. Schrebergarten haben in der Mitte eben so ein Spielplatz für Kinder. 

              Lukas 

              Genau. Und ich glaube, Schrebergärten müssen auch nicht zwangsläufig für Gemüse oder Anbau von irgendwas genutzt werden, oder? 

              Ralph 

              Doch, das kommt auch noch dazu. Also diese Drittelregelung gilt dann auch für den Schrebergarten. Weil Schrebergarten ja Teil des Kleingartens und der Kleingarten der unterliegt ja diesem Bundeskleingartengesetz. Da gibt es eben diese Drittelregelung. 

              Lukas 

              Also das heißt, ich kann jetzt nicht einfach ein Schrebergarten pachten und dann quasi keine Ahnung, einfach eine Laube draufstellen, einen Baum pflanzen und irgendwie Rasen auslegen, sondern ich muss da auch wirklich auf einer Drittelfläche dann noch was anbauen. 

              Ralph 

              Ja, genau. Und es gibt sogar noch eine Maximalgröße für die Laube. Die darf nicht größer als 24 Quadratmeter sein. Okay, das hat sich irgendwie so durchgesetzt. Ich weiß schon gar nicht mehr, warum. Und in der DDR gab es ja diese ganzen Züchtervereine usw. Also Tiere darfst du auch nicht halten im Kleingarten. Das gab es in der DDR, aber danach nicht mehr. 

              Ausnahme Bienen. 

              Lukas 

              Alles klar. Ist ja sehr schön. Dann lieber Ralph, vielen Dank für diese tolle Folge und ich hab auf jeden Fall Lust, wenn ich das nächste Mal in Leipzig bin, da mal vorbeizuschauen. Das hört sich wirklich spannend an. 

              Ralph 

              Das freut mich. Und jetzt freue ich mich ja drauf, was es in der nächsten Folge zu hören gibt, denn da wirst du wieder unterwegs sein. 

              Lukas 

              Genau. Und da geht es um ein Museum und um eine Tätigkeit oder um etwas, das heute einen, ich sag mal, ziemlich beschissenen Ruf hat, aber historisch ganz anders betrachtet wurde. Also es geht um ein Museum und dann parallel habe ich noch einen zweiten Ausflug für dieses Schiff unternommen und es wird um die Geschichte von etwas gehen, von einer Tätigkeit, eines Konsums, der heute den beschissensten Ruf ever hat, aber damals eben nicht. 

              Und wie es dazu gekommen ist, was das alles impliziert und wie sich das auch auf unsere Gesellschaft ausgewirkt hat. 

              Ralph 

              Sehr vage, aber auch sehr spannend und sehr wichtig klingt dasirgendwie.  

              Dann sage ich mal, wenn euch diese Folge gefallen hat, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, dann teilt doch die Folge, teilt unseren Podcast und vergesst auch nicht, selbst den zu abonnieren und keine Folge zu verpassen. Wir betreiben Bitte nicht anfassen ehrenamtlich. Das heißt wir bekommen kein Geld dafür. Wir fahren immer sehr gerne hin, aber auf unsere Kosten, wenn ihr uns da irgendwie unterstützen möchtet. Wir freuen uns auch über Spenden. 

              Lukas 

              Das könnt ihr zum Beispiel tun über GoFundme. Da haben wir eine aktuelle Kampagne oder über Steady. Da könnt ihr ein Abonnement abschließen. Und wir sind natürlich auch immer wieder dankbar für Empfehlungen von Museen, Weiterleitungen usw. und so fort. Und Feedback genau. Von daher bis zum nächsten Mal und ciao. 

              Ralph 

              Ciao, ciao! 

              Der Beitrag Das Vermächtnis des Dr. Schreber – das Kleingärtnermuseum in Leipzig  erschien zuerst auf Escucha.

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              44 min
            • Pack die Badehose ein! – Das BikiniARTmuseum Bad Rappenau

                BITTE NICHT ANFASSEN! #29 – Das BikiniARTmuseum Bad Rappenau  

                Pack die Badehose ein! – Das BikiniARTmuseum Bad Rappenau 

                Show Notes  

                13 der 17 ältesten Bikinis der Welt plus ein Badeoutfit von Marilyn Monroe befinden sich an der Autobahnraststätte Bad Rappenau an der A6. No Joke. Denn genau hat das BikiniARTmuseum 2020 seine Pforten geöffnet. Höchste Zeit also, dass dieses Museum bei BNA auftaucht. Unsere Praktikantin Julia hat war vor Ort und ist mit Direktor Marco Preißer einmal tief in die Geschichte der Bademode eingetaucht. 
                Zurückgekommen ist sie mit jeder Menge spannendem Hintergrundwissen zu kuriosen Kleidern, ideenreichen Ingenieuren und David Hasselhoff. Denn in euren Bikinis, Badeanzügen und Badehosen steckt mehr Geschichte als ihr glaubt! 

                #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #badrappenau #autobahn #bikini #baden #badenwuerttemberg #schwimmen #bikiniartmuseum 

                ~~~~~~~  

                Hilfreiche Links:  

                Der „Goldene Réard“: https://www.bikiniartmuseum.com/die-sammlung 

                Badekarren im 18. und 19. Jhd.: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/Badekultur-in-Norddeutschland,badekultur102.html 

                Badekleider, 1906: https://assets-global.website-files.com/5d2082bb946d402df8669a1a/6181117aa9ec3aa5be1b3b65_image8-45-p-500.jpeg 

                ~~~~~~~  

                Infos zum Museum:   

                BikiniARTmuseum 

                Buchäckerring 42,  

                (An der Autobahn A6, Ausfahrt 35-Bad Rappenau), 

                74906 Bad Rappenau, Germany 

                Mail: [email protected] 

                Tel: +49 7066 91 73 700  

                https://www.bikiniartmuseum.com

                ~~~~~~~  

                über BITTE NICHT ANFASSEN!:   

                Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.  

                Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast.  

                Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht.  

                Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen.  

                BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für’s Ohr.  

                Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/  

                ~~~~~~~  

                Kontakt:  

                Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/   

                E-Mail: info[at]escucha.de   

                ~~~~~~~  

                Wollt ihr uns unterstützen?   

                Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen   

                ~~~~~~~  

                Podcast-Credits:   

                Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger, Julia Rübisch 

                Produktion: Escucha GbR   

                Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/   

                Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)   

                Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge!  

                ~~~~~~~  

                Transkript  

                folgt… 

                Der Beitrag Pack die Badehose ein! – Das BikiniARTmuseum Bad Rappenau  erschien zuerst auf Escucha.

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                34 min
              • Revolution, Spionage-Stories, und ein Chor aus Belarus – das Gießkannenmuseum Gießen

                  BITTE NICHT ANFASSEN! #28 – Das Gießkannenmuseum Gießen

                  Revolution, Spionage-Stories, und ein Chor aus Belarus – das Gießkannenmuseum Gießen

                  Show Notes

                  Gießkannen sind langweilig, werdet ihr sagen. Aber nicht mehr nach dieser Folge. Denn beim Besuch des Gießkannenmuseums in – Achtung – Gießen geht’s um so viel mehr. Es geht um Kunst und bewegende (internationale) Geschichten. Zusätzlich hört ihr Musikstücke und sogar ein kleines Hörspiel über die Stasi-Spionage-Gießkanne aus der DDR.

                  Danach seht ihr Gießkannen mit anderen Augen. Versprochen.

                  #podcastdeutsch #museenentdecken #wissenschaft #museum #gießen #gießkanne #Stasi #Havemann #hessen #giesskannenmuseum

                  ~~~~~~~

                  Hilfreiche Links:

                  Hier ist der Link zu unserem Podcastprojekt über Palliativversorgung: https://jenseits-der-schwerkraft.blogs.julephosting.de/1-new-episode

                  Das ist Ingke Günther mit dem ältesten Exponat des Gießkannenmuseums:

                  https://www.escucha.de/wp-content/uploads/ingke-guenther-scaled.jpeg

                  So sieht das Museum von innen aus:

                  https://www.escucha.de/wp-content/uploads/giesskannenmuseum-von-innen-scaled.jpeg

                  Das ist eine Beschreibung der Stasi-Gießkanne:

                  https://www.escucha.de/wp-content/uploads/stasi-giesskanne-scaled.jpg

                  Eine Bild-Meldung aus dem Jahr 2013 über die Havemann-Beerdigung:

                  https://www.bild.de/regional/dresden/stasi/so-hinterhaeltig-ueberwachte-die-stasi-ihre-buerger-30157286.bild.html

                  Zu den Gießkannen:

                  Die Igl Can: https://giesskannenmuseum.de/exponat/dri-k-111-modell-igl-can/

                  Die „Rarität aus Belarus“:

                  https://giesskannenmuseum.de/exponat/dra-m-125-modell-raritaet-aus-belarus

                  Die Einhorn-Gießkanne:

                  https://giesskannenmuseum.de/exponat/dra-p-147-modell-einhorn

                  ~~~~~~~

                  Infos zum Museum:

                  Gießkannenmuseum

                  Sonnenstraße 3

                  35398 Gießen

                  0641 – 3062028

                  https://giesskannenmuseum.de

                  Stasimuseum Berlin/ASTAK e.V.

                  Normannenstraße 20

                  10365 Berlin-Lichtenberg

                  030 553 68 54

                  ~~~~~~~

                  über BITTE NICHT ANFASSEN!:

                  Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.

                  Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast.

                  Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht.

                  Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen.

                  BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr.

                  Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/


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                  Kontakt:
                  Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
                  E-Mail: info[at]escucha.de

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                  Podcast-Credits:
                   

                  Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
                  Produktion: Escucha GbR
                  Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/
                  Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)

                  Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge!

                  ~~~~~~~

                  Transkript

                  Ralph

                  Hallo zusammen, bevor es losgeht mit unserer aktuellen Folge von Bitte nicht anfassen möchten wir auf ein Projekt hinweisen, an dem wir in den vergangenen Monaten gearbeitet haben. Mit unserer Audio Agentur mit Das Kutscher. Und zwar haben wir einen Podcast veröffentlicht namens Jenseits der Schwerkraft unterwegs mit dem Kinder Palliativ Team und haben da sehr viel Herzblut reingesteckt und würden uns natürlich freuen, wenn ihr mal rein hört.

                  Den Link dazu packen wir euch in die Shownotes und jetzt geht's los.

                  Lukas

                  Einen wunderschönen guten Tag und ganz herzlich willkommen zu dieser neuen Folge von Bitte nicht anfassen Museum mal anders. Hi Ralph.

                  Ralph

                  Hi Lukas und hallo an alle da draußen, die uns jetzt zuhören, die neu zuschalten oder auch nicht. Ich erklär's trotzdem ganz kurz für alle. Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Das ist unser Podcast über skurrile, kleine, ungewöhnliche Museen in Deutschland und darüber hinaus. Und das Konzept ist so, dass Lukas und ich abwechselnd diese Museen besuchen. Wir nehmen euch da mit, sprechen mit den Betreiberinnen, aber auch mit Expertinnen, also Wissenschaftlerinnen beispielsweise.

                  Und erzählen uns dann gegenseitig davon.

                  Lukas

                  Und glücklicherweise kommen wir aus jeder Folge immer ein bisschen schlauer raus und nicht dümmer, weil sich doch hinter diesen kleinen Häusern extrem viele tolle Geschichten, Fun Facts und Dinge verbergen, die auf den ersten Blick vielleicht gar nicht so offensichtlich sind. Letzte Folge hatten wir ja eine Kooperation mit Iris vom Podcast im Museum und da ging es ja in das Museum nach Wien, was ja auch irgendwie passt.

                  Lukas

                  Und Ralph, du hast dazu noch Feedback bekommen. Und zwar ging es noch um eine Frage, die offen war, und zwar das Herz Stich Messer.

                  Ralph

                  So ist es, denn das Bestattungs Museum in Wien, das ist ja auch ein Bestattungsunternehmen und das bietet als Zusatzleistung den sogenannten Herzstich an, also um sicher zu gehen, dass die Person auch wirklich tot ist und nicht wieder auferstehen wird als Vampir oder Zombie. Und da haben wir uns gefragt wie ist es denn in Deutschland? Geht es da auch?

                  Ralph

                  Und die knappe Antwort ist Nein. Ich habe da beim Bundesverband Deutscher Bestatter nachgefragt und die Frau aus der Presseabteilung hat mir mitgeteilt, dass sie von diesem Herz Stich noch nie gehört hat und dass es das in Deutschland ihres Wissens nach nicht gibt, dass aber auch jedes Bundesland so ein eigenes Bestatter Gesetz hat, das hast du auch in der vergangenen Folge schon eingebracht.

                  Ralph

                  Was es halt gibt in Deutschland ist die erste und zweite Leichenschau. Die erste Leichenschau wird bei allen Leuten, die sterben durchgeführt, von einem Arzt oder einer Ärztin geguckt, was da Todeszeitpunkt und soweiter. Und die zweite Leichenschau bei all denjenigen, die eingeäschert werden da, weil man dann noch mal überprüfen kann, ist die Person eines natürlichen oder natürlichen Todes gestorben.

                  Ralph

                  Weil wenn die dann verbrannt worden ist, dann kann man das ja nicht mehr nachgucken. So.

                  Lukas

                  Ja, fantastisch. Das heißt, dass ich jetzt in dieser Folge dran bin, dir ein Museum vorzustellen. Und ähm, ich bin schon ziemlich gespannt, denn es wird in dieser Folge um einen Alltagsgegenstand gehen. Es wird um sehr rührende Geschichten gehen und am Ende gibt es sogar einen Spionage Thriller der deutsch deutschen Geschichte.

                  Ralph

                  Der deutsch deutschen Geschichte.

                  Lukas

                  Und als wäre das jetzt nicht schon genug, starten wir diese Folge zum Ersten Mal in der Geschichte von Bitte nicht anfassen mit Musik

                  Ralph

                  Musikalisch haben wir noch nicht gemacht. Vorher. Nee, nö.

                  MUSIK – Giesskannensensemble

                  Ralph

                  A Hohe Berge, tiefe Täler das klingt so ein bisschen nach Alpenpanorama.

                  Lukas

                  Genau richtig in Kannst du dir vorstellen, was das in etwa für Musikinstrumente sein könnten, die du da gerade gehört hast?

                  Ralph

                  Na ja, ein Alphorn halt. Oder so ein langer Stängel.

                  Lukas

                  Fast genau, was du gerade gehört. Das ist das legendäre Gießkannen Ensemble, bestehend aus Andreas, Rene und Stefan. Und die haben tatsächlich auf drei Gießkannen gespielt und sind ein Exportschlager des Museums, das ich dir heute gerne vorstellen möchte. Und zwar das Gießkannen Museum. Und als ob dieses Intro mit dem Gießkannen Ensemble nicht schon abgefahren genug wäre, sage ich sie auch noch, wo dieses Museum liegt, nämlich in Gießen.

                  Ralph

                  Ja, passt.

                  Lukas

                  Passt. Genau. Und jetzt frage ich dich natürlich, Ralph, glaubst du, dass das Zufall ist? Und wenn ja, jetzt überleg einfach mal warum ist das Gießkannen Museum in Gießen?

                  Ralph

                  Ja? Na, ich würde vermuten nichts, auch wenn es so naheliegend ist. Aber ich werde ja bestimmt gleich erleuchtet.

                  Lukas

                  Genau. Du wirst gleich erleuchtet. Und zwar war das Gießkannen Museum in Gießen eine Idee einer Künstlergruppe aus Gießen, die aus zwei bildenden Künstlern und drei Theaterwissenschaftler besteht. Die arbeiten auch performativ zusammen und wollen einfach so ein bisschen Kunst und Alltagskultur nach Gießen bringen. Und in dieser Stadt? In Hessen gab es im Jahr 2011 die Gartenschau und dann dachten sie sich Hättest War doch so witzig, wenn wir im Rahmen dieser Gartenschau ein Museum gründen.

                  Lukas

                  Und das ziemlich Absurde an dieser Geschichte ist die hatten damals weder Sammlung noch Konzept noch Lager. Aber sie hatten halt Bock auf Museum. Und dann ging es los und dann haben sie einen Aufruf gestartet und haben gesagt Hey, wir würden gern Gießkannen Museum gründen. Und jetzt, 2024, also 13 Jahre später, ist dieses Museum mittlerweile eine Sammlung von über 1700 Objekten.

                  Lukas

                  Es hat ein krasses Konzept, es hat mehrere Lager und Depots und auch mehrere 1000 Besucherinnen pro Jahr. Ingke Günther ist eine dieser Betreiberinnen des Museums und auch Teil dieser Künstlergruppe. Und damit du dir mal so ein bisschen vorstellen kannst, wie das Museum ausschaut, soll sie das mal erklären.

                  Ingke Günther

                  Man kommt in die Räumlichkeiten rein. Das war früher mal ein Geschäft. Also von daher sieht es auch ein bisschen aus wie ein Laden. Manche denken auch, es ist ein abgefahrener Laden für Vintage Gießkannen. Man kommt rein, hat eine große Fenster Fläche. Dann rechterhand eine große Wand, die wir auch Freifläche nennen, wo eben einmal im Jahr eine kuratierte Kunstausstellung stattfindet und so und die Wand anders bespielt wird.

                  Ingke Günther

                  Und ansonsten hat man rechts und links und in der Mitte Regale mit Gießkannen, wo dann eben Gießkannen für drinnen, für draußen, Gießkannen mit Migrationshintergrund, die aus verschiedenen Ländern zu uns gekommen sind.

                  Ralph

                  Gießkannen, Gießkannen, Gießkannen, drinnen, draußen Vintage, Migrationshintergrund, irgendwie auch das erwartet.

                  Lukas

                  Ja, aber es ist halt total. Es ist ein total schöner Ort, weil ich war da im November und es war ein ziemlich verregneter November und es war vormittags. Und ich muss ehrlicherweise gestehen, ich war noch so ein bisschen so im Halbschlaf und dann so nach Gießen, guckst du so ein bisschen das Zentrum an und dann stehst du vor diesem Museum.

                  Lukas

                  Das liegt relativ zentral, ist es auch gut beschildert, Und dann trittst du ein in einen Ort voller Farben, Freude, Frohsinn und irgendwie auch so ein bisschen einfach eine gute Inneneinrichtung. Also das Museum macht einfach optisch total was her und man fühlt sich einfach wohl. Das Thema Gießkannen ist halt irgendwie so richtig banal, aber die haben einfach aus diesem Thema wahnsinnig viel gemacht und ich glaube, das ist halt diese künstlerische Leistung.

                  Ralph

                  Ja, das steckt wahrscheinlich so eine so ein Sinn für Ästhetik dann drin. Oder wenn du sagst, das ist dann alles irgendwie so schön angeordnet und das Farbkonzept dann so genau.

                  Lukas

                  Und die Idee von dem Museum ähnelt so ein bisschen einem Museum, in dem du vor kurzem warst, und zwar dem Museum of broken Relationship in Zagreb, Denn da war es ja so, dass Leute Objekte hinschicken konnten. Wenn es eine gute Trennung Geschichte war oder eine Trennung allgemein. Und beim Gießkannen Museum ist es ähnlich. Und zwar können da Leute aus der ganzen Welt ihre Gießkannen hinschicken.

                  Lukas

                  Wenn es dazu eine gute Geschichte gibt und dann entscheiden die Betreiberinnen, ob die Geschichte gut genug ist und ob die die dann mit in die Sammlung aufnehmen. Und ich glaube, dass das so auch was ganz tolles ist, weil wenn du durch dieses Museum durch gehst, dann hörst du und liest du einfach ganz viele verschiedene Geschichten, die von überall herkommen.

                  Lukas

                  Wenn du mgast, würde ich dir einfach mal ein paar vorstellen bzw Günter soll dir ein paar vorstellen.

                  Ralph

                  Also du hast das schon angeteasert. Spionage und so da bin ich ganz gespannt ob es da so eine Spionage Geschichte rauskommt.

                  Lukas

                  Die Spionage Geschichte ist dann ganz am Ende. Das ist das grande Finale dieser Folge. Ja ja und das wird auch etwas sein, was wir bislang noch nicht hatten. Aber ich möchte nicht zu viel vorwegnehmen. Wir können ja vielleicht noch mit einem ganz mit einem sehr wertvollen Objekt des Museums beginnen, weil das ist ein Objekt, das so nicht nur im Gießkannen Museum stehen könnte, sondern auch in ganz vielen anderen Museen, die sich zum Beispiel um das Thema Design oder Alltags Kunst widmen.

                  Lukas

                  Und zwar das ist eine Gießkanne des Designers Earnest Igl. Der heißt eigentlich Ernest Hoffmann und war vor allem für einen legendären Schreibtisch bekannt in Igl Desk Also, es ist ein ganz berühmter bekannter Designer. Und natürlich steht auch eine Gießkanne von Earnest Igl im Gießkannen Museum. Aber Ingke Günter erzählte kurz die Geschichte.

                  Ingke Günther

                  Also ich beschreibt sie jetzt mal Keramik Kanne, hessische, Maiolica. Und das Besondere ist, dass sie von Ernest Hoffmann, einem ganz Bekannten, später Industriedesigner, entworfen wurde. Aber das hat uns seine Tochter vor paar Monaten, die lebt noch bestätigt, dass das eines seiner ersten Entwürfe war, und der ist später total berühmt geworden. Und das ist eine kleine Keramik Kanne kugelrund mit Streifen Hand bemalt in schwarz und lila, eine dünne, lange Tülle, Kakteen, Gießkanne, die ja schön wässern kann.

                  Ingke Günther

                  Und das Besondere an dieser Kanne ist, dass die Dame, die damals schon weit über 80 war, sich erinnerte, dass sie die zum 16 Geburtstag geschenkt bekommen hat.

                  Ralph

                  Also ich dachte erst, dass das eine Teekanne ist ja zumindest optisch so vorgestellt, weil Keramik und rund, aber die hat dann doch so einen längeren Schnabel, wenn ich das richtig verstanden habe. Da sagt man dazu Ich weiß es nicht.

                  Lukas

                  Nein, das spricht man von einer Tülle. Also wenn es jetzt so eine klobige Gießkanne für draußen ist, dann ist es das Rohr Gießkannen Rohr der Kopf. Dieses Gießkannen Rohr ist quasi dann definiert, ob das Wasser jetzt in so einem Strahl rausgeht oder ob das ein bisschen gebrochen wird wie in der Dusche.

                  Lukas

                  Ähnlich wie die Dusche. Da spricht man von der Gießkannen Brause. Bei kleineren Gießkannen ist es jetzt so, also häufig bei Indoor Gießkannen, dass man da nicht von einem Rohr spricht, sondern von einer sogenannten Tülle. Das ist auch ein Wort, das ich zum Ersten Mal gehört hatte. Aber das Wissen, häufige Hören und alle Hörenden da draußen auch. Und deswegen Tülle damit.

                  Lukas

                  Darunter bezeichnet man das Rohr einer Gießkanne, wenn es halt sehr klein und zierlich ist.

                  Ralph

                  Ich habe das Wort nicht zum Ersten Mal gehört, aber weil es auch im Archäologie Studium vorkam, also da gibt es Waffen, die dann eine Tüll dran haben, zum Beispiel einen Speer oder so, kann er mit der Tülle auf den Schaft gesteckt werden. Beispiel so Ende.

                  Lukas

                  Ah, krass. Also okay, ich habe das noch nie gehört. Genau. Aber du hast ja schon was angesprochen. Und zwar wie sieht diese Gießkanne jetzt genau aus? Und ich glaube, das ist total wichtig, dass man sich das so ein bisschen vorstellen kann. Und das ist natürlich Audio mäßig immer ein bisschen schwierig zu beschreiben. Deswegen Mag ich kurz einen Hinweis geben auf die Homepage Gießkannen, Museum. Denn jedes Objekt, was die im Museum ausstellen, jedes Objekt ist fotografiert, mit der Geschichte beschrieben und online gestellt.

                  Lukas

                  Das heißt im Prinzip kann man das das Gießkannen Museum virtuell supergut besuchen und auch die Verschlagwortung funktioniert super. Das heißt da könntest du jetzt einfach Hoffmann eingeben. Also Hoffmann mit doppelt doppeln und dann kommst du eben auf diese Gießkanne und darüber hinaus haben die sich sogar und das finde ich auch irgendwie ziemlich witzig. So ein Signatur Modell überlegt, das heißt die Igl can also von Ernest Igel bzw Ernest Hoffmann wäre unter der Signatur der I.

                  Lukas

                  Das steht für drinnen. Punkt K 0.1111 Modell Igel kann so finden. Das ist doch witzig, oder?

                  Ralph

                  Ja, voll sehr aufgeräumt.

                  Lukas

                  Es gibt einfach so unglaublich viele Alltagsgeschichten. Und eines hat mich total fasziniert. Und zwar das Gießkannen Museum hat natürlich auch versucht, so eine kleine Typologie von Gießkannen einzuführen. Und dabei ist sind sie zum Beispiel auf den Begriff der Schwiegermutter Kanne gekommen. So was stellst du dir unter einer Schwiegermutter Kanne vor.

                  Ralph

                  Vor keine. Also ich würde natürlich jetzt denken, das ist irgendwas, was, was man der Schwiegermutter schenkt oder was man von der Schwiegermutter geschenkt bekommt, dass irgendwie so ein unliebsames Modell. Aber vielleicht ist das komplett falsch, was ich hier denke. Und was wäre dann das unliebsame Modell? Na ja, das wäre halt diese klassische Gießkanne, oder aus als es ist das aus Metall!

                  Ralph

                  Gut ist jetzt die Frage, ob Indoor oder Outdoor etc. aber richtig im Thema Indoor Outdoor Subsahara? Ich weiß es nicht. Ja, keine Ahnung, also bin ich es gar nicht. Bin ich zumindest nah dran.

                  Lukas

                  Du bist sehr nah dran, Du bist extrem nah dran. Also tatsächlich. Erfahrungsgemäß ist es so, dass das Museum relativ viele Gießkannen von Schwiegertöchter bekommen hat, aber die haben sich erstaunlich genähert.

                  Ralph

                  Ach was.

                  Lukas

                  Tatsächlich alles so metallische Indoor Gießkannen wie diesen direkt.

                  Ralph

                  So silber oder so oder wie ist das selber Farben?

                  Lukas

                  Da gibt es verschiedene Ausführungen, aber was halt total spannend ist und da hat mir Günther auch eine Geschichte erzählt von einer, die zeichnet sich halt dadurch aus, dass die eine relativ feine Tülle haben und dass man da zum Beispiel früher durch die Gardinen durch gießen konnte. Also man hat quasi mit der Tülle durch die Gardine durchgestochen und konnte dann die Pflanzen gießen, die hinter dieser Gardine waren zum Beispiel.

                  Lukas

                  Ja, und es gibt so viele, offensichtlich Schwiegertöchter, die ihre Gießkanne in die Hände genommen haben, loswerden wollen, dass ich hier der Begriff Schwiegermutter Kanne etabliert hat, was ich schon ziemlich witzig finde.

                  Ralph

                  Und es gibt ja zu jeder Kanne, wie du sagst, eine Geschichte. Ja, Hat es dann auch mit der Schwiegermutter zu tun? Offensichtlich, oder?

                  Lukas

                  Ja, zum Beispiel. Also dieses war dieses. Dieses eine, was ich dir jetzt gerade erzählt habe. Das war zum Beispiel, dass Inka Günther gesagt hat, dass die Schwiegertochter womöglich gedacht hat, dass ihre Schwiegermutter immer dann die Pflanzen gegossen hat, wenn sie zum Beispiel noch im Morgenmantel war, die Haare nicht gemacht waren. Da wollte sie nicht gesehen werden und deswegen hat sie durch die Gardinen durchgestochen oder so, aber da gibt es immer verschiedene Geschichten und vielleicht noch eine sehr persönliche und sehr rührende Geschichte Rund um das Thema Gießkanne versteckt sich hinter der Signatur.

                  Lukas

                  Die Raps 147 Modell Einhorn, also draußen Plastik 147 Modell Einhorn und das ist eine sehr rührende Geschichte. Und die kann dir Günter auch noch mal erklären.

                  Ingke Günther

                  Das ist eine Plastikfolie, eine eigentlich übliche Garten, Freiland Kanne. Da ist ein Einhorn drauf gemalt und oben auch noch ein einzelnes Horn in Fimo draufgesetzt. Und Kinder finden die immer ganz toll. Und wenn die danach fragen, was gibt es denn da für eine Geschichte dahinter? Dann erzähle ich die gerne, weil die so eine Mut machen, eine Geschichte ist.

                  Ingke Günther

                  Die hat nämlich ein Mädchen abgegeben, zusammen mit ihrem Großvater und die waren so ein bisschen betreten, als sie die abgegeben haben. Und die haben die zusammen gebastelt. Und dann meinte der Großvater Ja, wir geben die jetzt ab und meine Enkeltochter muss ins Krankenhaus demnächst. Und die hat eine ganz schwere OP vor sich und wir wissen nicht, ob sie das schaffen wird.

                  Ingke Günther

                  Ich habe dann die Geschichte aufgenommen und die haben sich verabschiedet und wirklich so mit dem na ja, wir wissen nicht, ob wir noch mal wiederkommen werden. Und die Geschichte würde ich nicht erzählen, wenn sie nicht wiedergekommen wären. Monate später. Die Kleine hatte das Bein unterhalb des Knies amputiert. Sie hatte Knochenkrebs und die mussten ihr das Bein abnehmen. Aber sie hat es geschafft.

                  Ingke Günther

                  Sie gilt jetzt als geheilt.

                  Ralph

                  Eine sehr tragische Geschichte. Ja, jetzt nicht vermutet.

                  Lukas

                  Tragisch, aber trotzdem irgendwie schön. Weil das Mädchen hat sie überlebt und ja, natürlich. Und was ich halt cool finde, ist diese Idee mit dem Großvater zusammen eine Gießkanne ins Gießkannen Museum zu bringen. Diese Geschichte finde ich total schön und die steht halt noch. Und weißt du, das ist so ein bisschen der Punkt. Also ich glaube, die Idee dahinter war einfach zu zeigen Gießkannen ist was so Alltägliches, aber man kann einfach tolle Geschichten mit Alltagsgegenständen verbinden und das ist halt auch eine.

                  Lukas

                  Ich könnte jetzt glaube ich, noch 25 Geschichten erzählen. Ich mache halt so eine Auswahl von denen, die ich interessant fand. Bei den ganzen Gießkannen habe ich mir natürlich als Historiker gedacht Woher kommen die eigentlich? Und ab wann gibt's eigentlich Gießkannen? Was macht eine Gießkanne zur Gießkanne und was unterscheidet sie zum Beispiel jetzt von dem Kübel oder von dem Eimer?

                  Lukas

                  Oder irgendwie so was? Und kurz der Spoiler. Das ist gar nicht so einfach. Aber ich habe natürlich dann versucht, mich anzunähern und Ingke Günter gefragt, was so das älteste Objekt ist, was sie im Museum haben. Das, was sie dir auch mal erklären.

                  Ingke Günther

                  Das ist antik. Das ist Ende des 18. Jahrhunderts eine große Dicke. Auch Kupfer kam. Ich hol die mal runter, weil die auch so eine bezaubernde dicke Brause hat. Wir nennen die auch das Brausen. Wunder schön eingestellt. Die kommt aus Paris, die hat uns ein befreundeter Künstler in Paris auf einem Flohmarkt erworben. Aber wie gesagt, wir wollen also wir kannten diese Form schon und haben gesagt, wir wollen unbedingt mal so ein Wir ein bisschen Ton auch machen, unbedingt so ein Teil haben.

                  Ingke Günther

                  Dass es die gibt, wussten wir von Grafiken. Es gibt ja ganz viele alte Grafiken, die auch Gärten zeigen. Und da wird dann natürlich auch gegossen. Und mit Sicherheit hat die mal in einem vornehmen Garten gegossen. Das war sicherlich keine Bauern Kanne da. Auf Bauernhöfen hat man mit Krügen und Eimern gegossen, Das war sicherlich ein vornehmes Teil. Also die Geschichte ist die finde Geschichte auf dem Flohmarkt und dass die extra aus Paris dann zu uns gereist ist.

                  Ingke Günther

                  Und wir haben ganz viele Gießkannen Scouts, sagen wir, die für uns dann Objekte auch finden und sagen Habt ihr das schon, Ist es interessant für euch?

                  Ralph

                  Die treiben das auf jeden Fall schon sehr weit mit der Gießkanne. Ja, das alles sehr ernst. Finde ich sehr gut.

                  Lukas

                  Die nehmen sehr ernst, aber halt auch als ich glaube, die sind sehr gut vernetzt. Und ja, es zahlt sich halt auch aus, weil das ist halt einfach ein sehr beliebtes Museum und auch sehr gut frequentiert das Museum und natürlich auch an alle Hörenden da draußen. Wenn ihr jetzt eine total witzige oder Museums würdige Gießkanne habt, dann könnt ihr euch sehr gerne bei Ingke Günter melden oder einfach bei der Homepage vorbei gucken und dann Kontaktformular nutzen.

                  Lukas

                  Aber die sind immer wieder auf der Suche.

                  Ralph

                  Also Ingke hat ja gesagt, dass das älteste Modell, das wir haben aus dem 18 Jahrhundert stammt. Und du hast ja jetzt schon angesprochen, dass du so ein bisschen geguckt hast. Wie alt sind Gießkannen eigentlich? Deswegen interessiert mich natürlich jetzt, wie weit geht das noch zurück? Was ist 18. Jahrhundert wirklich so das älteste? Oder geht das nicht noch viel weiter zurück?

                  Lukas

                  Ich habe gefürchtet, dass du diese Frage stellen wirst und ich kann dir keine eindeutige Antwort darauf geben. Also es ist so Gießkannen, die quasi dargestellt sind. Also man hat ja mehrere Möglichkeiten Sachen zu also zu wissen, welche Gegenstände benutzt worden sind. Entweder indem man sie ausgräbt, das weißt du als Archäologe ja, oder indem.

                  Ralph

                  Man Gießkanne bestattet oder.

                  Lukas

                  Indem sie beschrieben werden oder dargestellt sind. Das ist ja dann mein Metier als Historiker. Und bei der Gießkanne ist es so, dass es wohl schon einzelne Abbildungen davon auf Stichen aus dem Mittelalter gibt. Aber dass man die quasi so richtig nachvollziehen kann, dass sie häufiger auftritt auf Bildern zum Beispiel oder auf Stichen oder beschrieben wird, ist tatsächlich erst ab dem 17. Jahrhundert der Fall.

                  Lukas

                  Was es genau für Gründe hat, kann ich nicht sagen. Da würde ich mich jetzt einfach zu weit aus dem Fenster lehnen. Ich glaube, dass vieles damit zusammenhängt, dass man halt einfach Eimer oder Amphoren oder irgendwas anderes benutzt hat, das halt wirklich dieser Typus Gießkanne eine moderne Erfindung ist. Wenn du dich an die Folge mit dem Korkenzieher Museum zurückerinnern.

                  Lukas

                  Da war ja der Grund, warum der Korkenzieher erfunden wurde, dass ja erst Glasflaschen zu spät benutzt wurden für die Dinge, die wir die eigentlich selbstverständlicher scheine. Ich könnte mir vorstellen, dass das mit der Gießkanne ganz ähnlich ist. Also ich bin mir sicher, dass es schon in der Antike irgendwo Gießkanne gegeben hat, weil das Prinzip ist jetzt nicht so schwierig, aber historisch nachvollziehbar sind sie dann erst ab dem 17 bzw 18 Jahrhundert.

                  Lukas

                  Ja, wir haben jetzt darüber gesprochen, wie alt Gießkannen sind. Und natürlich ist auch spannend, wie werden diese Gießkannen produziert oder bzw wo kommen die eigentlich genau her? Und da gibt es natürlich tausende verschiedene Möglichkeiten, aber eine ganz besondere Möglichkeit und das wäre sozusagen die nächste Gießkannen Geschichte, die kommt aus Belarus. Und zwar ist es so, dass eine befreundete Organisation vom Gießkannen Museum unterwegs war, um da Spenden zu überbringen als es galt.

                  Lukas

                  Und die wollten dann tatsächlich eine Gießkanne fürs Gießkannen Museum aus Belarus mitbringen. Und da hat Ingke Günther auch noch eine coole Geschichte dazu.

                  Ingke Günther

                  Man sieht sie nicht, aber ich kann sie beschreiben. Eine, ich glaube so zehn Liter Kanne. Man sieht, dass sie selbst gemacht wurde, geflickt, ein steiles Rohr angelötet, mit einem Draht verbunden, mit einem ganz einfachen Blech versehen. Also echt handmade mit wenigen Mitteln. Und die hat uns eine Weißrussland Hilfe mitgebracht, als die in Weißrussland waren und die haben die nette Geschichte erzählt.

                  Ingke Günther

                  Sie haben wollten unbedingt eine Gießkanne mitnehmen, haben überall geguckt und haben nur neue schöne Plastik angeboten bekommen und irgendwann in einem Dorf, nachdem sie gesagt haben Nein, wir wollen was, was ein bisschen was erzählt, hat, dann ein ältere Herr sich erinnert, dass sein Vater vor Urzeiten mal eine Gießkanne gebaut hat und hat dann gesagt, die müsste noch irgendwo da oben im Hühner Haus sein und ist dann mit seinen über 80 Jahren die Leiter hoch ins Hühner Haus hat tatsächlich diese schöne Kanne gefunden und die wurde uns dann über übergeben und da war ein belarussischen Chor dabei, der dann gesungen hat zur Übergabe.

                  Ingke Günther

                  Also das war herzzerreißend.

                  Ralph

                  Ein echter Staatsakt, Aber ich kann mir die Kanne noch nicht so gut vorstellen. Das ist jetzt da beschrieben, aber irgendwie ist nicht greifbar. Können wir vielleicht auch ein Bild von der verlIngken?

                  Lukas

                  Ja, natürlich. Also vielleicht ganz kurz. Du siehst einfach, dass diese kann es sehr handmade ist und sehr alt. Es ist wie ein Blecheimer. Das könnte so eine alte Öl Dose oder irgendwas gewesen sein oder so eine Laktose und da hat er halt eine Tülle rein gemacht. Ein Rohr hat es selber verlötet und hat halt mit Draht so eine zwischen befestigen reingemacht, dass halt die Tülle oben noch mal zusätzlich stabilisiert wird, denn die ist ja schräg, die geht da weg, sonst würde sie nicht gießen.

                  Lukas

                  Und auch der Griff ist total, also Eigenbau mäßig da drauf klatscht. Ich weiß nicht wie der da verbunden wurde, aber es ist halt einfach. Du siehst das Ding und du siehst, es ist alt, es ist selbst gemacht und es war wohl aus der Not geboren. Ich nehme mal an, dass dieser Mann damals auch nicht so viel Geld hatte, sich wahrscheinlich keine Gießkanne kaufen konnte und ich finde es aber cool.

                  Lukas

                  Also du holst so eine alte in Anführungszeichen, schrottigen Gießkanne aus dem Hühner Haus und dann kommt ein belarussischen Chor und verabschiedet diese Gießkanne. Das ist doch total cool. Es heißt ja, Gießkannen sind Gute Laune Objekte und ich habe dir auch erzählt, dass das Museum so anfühlt, dass es einfach ein Ort mit schöner, guter Energien. Man merkt auch, also man merkt einfach, dass da sehr viel Liebe drinsteckt.

                  Lukas

                  Aber, aber es steckt nicht viel Liebe in allen Gießkannen, Geschichten. Und ich hatte ja am Anfang erwähnt, dass es am Ende noch einen Thriller geben wird, einen Miniserie. Du, du, du. Genau. Und eine ganz spezielle möchte ich die hier erzählen. Ja, was hast du? Hör einfach zu.

                  Ralph

                  Ja, ich war zu genau.

                  Lukas

                  Also, ganz kurz. Ich habe für dramaturgische Zwecke. Ich habe diese Geschichte ein bisschen nacherzählt und vertont. Und ich habe für dramaturgische Zwecke die ein oder andere Sache ein wenig fiktionalisiert, um es spannender zu machen. Ich war dann im Nachhinein noch mal drauf eingehen, was es ist. Bzw du oder alle hören, denn die werden es schon merken. Aber was du dir jetzt anhörst, es ist ein kleines Mini Hörspiel.

                  Lukas

                  Wir springen da ins Jahr 1982 und holen gleichzeitig noch ein zweites Museum. In dieser Folge. Es war der 17. April 1982, ein Tag, der von den ersten zaghaften Sonnenstrahlen durchbrochen wurde, als sich Friedhofs Gärtner es auf dem Waldfriedhof in Grün Heide östlich von Berlin wiederfand. Seit Stunden schon verharrte er dort, die schwere Gießkanne fest umklammert, in seinen Händen.

                  Lukas

                  Etwa 200 Gäste hatten sich einige Meter entfernt versammelt, um Abschied zu nehmen von Robert Havemann, dem einst gefeierten Chemiker, Kommunisten und prominenten Regimekritiker. Mit 72 Jahren war er wenige Tage zuvor verstorben, in Ungnade gefallen. Bei einem Regime, das seine eigene Furcht vor seinem Einfluss nicht verbergen konnte. Havemann, einst als Kämpfer gegen den Faschismus gefeiert, war zum Staatsfeind Nummer eins der Deutschen Demokratischen Republik erklärt worden.

                  Lukas

                  Die Anklage lautete auf Abweichung von der Linie des Marxismus Leninismus und Verrat an der Sache der Arbeiter und Bauern macht seit 1976 hatte er mit seiner Familie unter ständiger Überwachung des berüchtigten Ministeriums für Staatssicherheit, kurz der Stasi, in Hausarrest gelebt. In einem Land, in dem offiziell 100.000 Menschen für die Stasi arbeiteten und inoffiziell wohl noch einmal 200.000 mehr, konnte man nie sicher sein.

                  Lukas

                  Wer Freund und wer Feind war. Und so war auch es, der scheinbar unscheinbare Gärtner mit der Gießkanne, in Wirklichkeit ein Spion, von der Stasi rekrutiert, um jeden Schritt auf dieser Beerdigung zu überwachen. Die Gießkanne, ein alltägliches Ding aus Blech, 45 Zentimeter hoch und klobig, das war sein Werkzeug. Getarnt als Gärtner hatte er Zugang zu den intimsten Momenten dieser Trauerfeier.

                  Lukas

                  Mit einem einzigen Ziel vor Augen Informationen zu sammeln, die dem Regime von Nutzen sein können.

                  Felix Müller

                  Was vor allem auf den ersten Blick nicht sieht, ist, dass da eben unten

                  Einfach eingebaut war. Ohne Kamera drin saß eine westdeutsche Kamera, in dem Fall sogar eine Robostar und damit wurde nach hinten fotografiert. Man kann sich vorstellen, vorn und hinten geht.Der Griff sozusagen hinten an den Körper. Dann wieder, der geht einmal ringsherum fast.Bis zum hinteren Teil der Gießkanne. Und da ist ein Loch. Wodurch fotografiert wurde und was man auf den ersten Blick überhaupt nicht sieht, ist, dass man da immer noch gießen kann. Von oben reingucken kann man sehen. Dass die das Abteil, wo die Kamera drin war.Ist wasserdicht abgeschlossen und es ist so gebaut. Das kann man wahrscheinlich. Gar nicht sehen. Das ist so gebaut, das Wasser noch bis zur Tülle kommt.

                  Lukas

                  Das ist Felix Müller vom Stasi Museum in Berlin. Er hält heute, mehr als 40 Jahre später, so eine Kanne in der Hand, da, wo man den Griff der Gießkanne mit der Hand umfassen kann. Der Mittelfinger mit einem kurzen Druck den Auslöser betätigen. Doch was in der Theorie so einfach klingt, muss in der Praxis lange geübt werden. Es machte das nicht zum Ersten Mal und hatte jahrelange Erfahrung beim Ausspionieren seiner Mitbürger.

                  Felix Müller

                  Stellen Sie sich vor, Sie stehen und Sie sind Rechtshänder. Neben Ihrem rechten Bein. Hängt nun dieser, dieser, diese Gießkanne. Und wenn Sie die nicht falschrum halten, fotografiert sie nach hinten, so aus Ihrem Waden Bereich heraus. Damit irgendwie nützliche Aufnahmen zu machen und nicht nur irgendwie Himmel und Füße ist nicht leicht. Das heißt dann muss man trainieren, wahrscheinlich mehrere Filme verschießen, die entwickeln, gucken.

                  Was funktioniert, aber nicht manchmal. Bei solchen Objekten haben wir auch so einen kleinen Laser gehabt, mit dem man das Zielen üben konnte. Aber das ist nichts, was man einfach jemandem in die Hand drückt, sondern das macht wahrscheinlich ein Spezialist von den Abteilung acht, also von den Beobachtungs Abteilungen oder Spezialisten Abteilung des. Das mache ich einfach auch in Wald und Wiesen Stasimitarbeiter, der das mal ausprobieren würde.

                  Lukas

                  Und so versucht er es auch an diesem Tag möglichst gute Bilder zu schießen. Mit einem geübten Griff umklammerte er die Gießkanne fester, während seine Augen die Szenerie scharf beobachteten, Denn für ihn gab es keine Zweifel. Diese Beerdigung würde nicht den Abschied von Robert Havemann sein, sondern auch die Gelegenheit, die Machenschaften der Stasi weiter voranzutreiben. Heute stehen diese Gießkannen Museen in Gera, Leipzig, Dresden oder eben Berlin.

                  Lukas

                  Und weil es so viele davon gibt, wissen wir, dass das ganze System hatte.

                  Ralph

                  Ja sehr gut. So muss ich immer applaudieren. Sehr geil. Ja, coole Idee, das ist ein Hörspiel daraus gemacht, das auch sehr, sehr spannend aufbereitet. Also ja, Wahnsinn, habe ich nicht mitgerechnet.

                  Lukas

                  Ich habe mir überlegt, wie ich diese Stasi Gießkanne noch ein bisschen mit reinbringen. Und vielleicht noch mal kurz zur Einordnung Diese Gießkanne steht nicht im Gießkannen Museum, aber im Gießkannen Museum wird darauf verwiesen. So bin ich auf diese Stasi Gießkanne gekommen. Danke noch mal an das Stasi Museum in Berlin und Felix Müller, der mir diesen Fall noch mal so ein bisschen erklärt hat.

                  Lukas

                  Und jetzt noch mal zur Einordnung. Also diese Kanne, die Felix Müller an der Hand hatte. Ja, das ist nix. Das war mit ziemlicher Sicherheit nicht die Kanne, die bei der Havemann Beerdigung benutzt wurde. Und es ist nicht mal sicher, ob das überhaupt eine Gießkanne war, die da genutzt wurde. Es gibt halt noch viele Berichte, die sagen, da wurde mit der Gießkanne fotografiert und es ist halt relativ wahrscheinlich, weil wenn man sich diese Bilder ansieht, kann man ja WIngkel und Entfernung und so was zurück rekonstruieren.

                  Lukas

                  Und dann ist es halt irgendwie sinnvoll, dass es halt oder möglicherweise eine Gießkanne gewesen. Die Stasi hat ja noch ganz andere Methoden als sie, die hatten ja auch Kameras in Blumenkästen in Baumstämmen. Und so weiter und so fort. Genau. Aber ich habe jetzt einfach aus dramaturgischen Zwecken so getan, als wäre das die Kanne, die Felix Müller da an der Hand hielt.

                  Lukas

                  Und ich denke, der The Big Picture wird ja, glaube ich, dadurch gut ersichtlich.

                  Ralph

                  Aber der der Gärtner, der hat quasi auch existiert.

                  Lukas

                  Nee, das war auch eine aktualisierte Version, deswegen habe ich den einfach nur so genannt.

                  Ralph

                  Ja, ja, okay.

                  Lukas

                  Also du siehst, ich bin erst mal mit wenigen Erwartungen an das Gießkannen Museum gegangen. Ich dachte, das ist so ein bisschen die Geschichte der Gießkanne Manufaktur in Gießen. Keine Ahnung. Ach nee, also nicht, dass ich wüsste. Aber diese Geschichten gefallen einfach. Und die gefallen auch einfach einem breiten Zielpublikum. Und deswegen hörst du noch mal ganz am Ende Ingke Günther, die dir so ein bisschen erklärt, wer eigentlich alles in dieses Museum kommt.

                  Ingke Günther

                  Es kommen ganz viele Studierende mit ihren Eltern, die zeigen wollen, was Gießen für einen abgefahren Stadt ist und alt wie jung. Und man kann sich hier halt auch in unterschiedlichen Bereichen einklIngken. Man kann es nur lustig finden, man kann ein Design Geschichte eintauchen, man kann sich an den Geschichten freuen. Es ist einfach, man denkt, es ist ein Gag und dann steigt man ein bisschen tiefer ein und merkt, das kommt mitten aus dem Leben.

                  Ralph

                  Ja, ja, kann ich, kann ich voll nachvollziehen. Also ich würde auch reingehen. Ja, wie sich das anhört, das würde dir sicherlich. Wahrscheinlich bin ich mit meinen Eltern auch reingehen. Ich würde jetzt nicht meine Eltern extra in Gießen kennenlernen. Soll ich da studieren, wäre es wahrscheinlich nicht meine erste Adresse, aber ich war ja auch noch nicht da.

                  Lukas

                  Na ja, und ich glaube, ich habe jetzt alles erzählt, was ich für diese Folge erzählen wollte. Haste denn sonst noch Fragen?

                  Ralph

                  Ja, wie lang braucht man denn, um da durch diese Ausstellung zu gehen? Das ist ungefähr.

                  Lukas

                  Ja, das kann ich schlecht sagen. Also je nachdem, es gibt, ich schätze mal, diese Führungen sind 1 bis 2 Stunden und da dieses Museum im Winter nur an drei Nachmittagen und im Sommer an vier Nachmittagen geöffnet hat, haben die nicht ewig viel Zeit. Die machen das auch alles ehrenamtlich. Eintritt frei. Also du kannst 20 Minuten drin verbringen, du kannst auch zwei Stunden drin verbringen.

                  Lukas

                  Das kommt so ein bisschen darauf an, wie sehr du dich von diesen Gießkannen Storys quatschen lässt.

                  Ralph

                  Gibt es dann da auch Führungen durch?

                  Lukas

                  Ja, ja, genau.

                  Ralph

                  Und eine Frage: Was eine Gagfrage inzwischen geworden ist. Aber wie groß ist dann das Museum?

                  Lukas

                  Ungefähr ungefähr 300 Quadratmeter. Keine Ahnung. Wie groß ist es also? Kannst du dir so eine die Größe von so einer kleinen innerstädtischen Buchhandlung vorstellen?

                  Ralph

                  Von der kleinen innerstädtischen?

                  Lukas

                  Genau. Also nicht so eine riesen Buchhandlung auf drei Stockwerken, sondern so eine Buchhandlung, wo man reingeht, oder, oder.

                  Ralph

                  Ja, kann ich mir vorstellen.

                  Lukas

                  Eine Handlung, die irgendwie so Küchenutensilien wie Töpfe oder Messer oder irgendwie so was verkauft. So die Größe.

                  Ralph

                  Auch das kann ich mir gut vorstellen.

                  Lukas

                  So ungefähr. Weil du musst ja überlegen. Vorher war da ja auch ein Laden drin und die haben es dann übernommen. Und es hat auch von außen aus den Laden, also mit den Schaufenstern und so was. Das hat ja Günter am Anfang gesagt. Es hat ein bisschen so aus wie ein Shop für Vintage gehst kann. Ja und so ist es auch.

                  Ralph

                  Nur dass man die Gießkanne nicht kaufen kann. Genau. Ja, okay. Ja. Nee, sonst keine weiteren Fragen, Euer Ehren.

                  Lukas

                  Sehr gut. Dann würde ich sagen, bin ich jetzt auch interessiert, ob du mir einen kleinen Hinweis geben kannst, was dann in der nächsten Folge behandelt werden wird.

                  Ralph

                  Also bleiben der Natur treu. Wir bleiben draußen bei Pflanzen und bewegen uns so in den Hobbybereich. Und da erzähle ich ein bisschen was über die Geschichte dieses Hobbys, wenn man das Hobby nennen kann. Es führt jetzt vielleicht auf eine falsche Fährte, aber irgendwie hat es schon was mit freier Zeit zu tun. Freizeit?

                  Lukas

                  Also gut, ich bin gespannt und hoffe, dass dieses Museum dann genauso überraschend sein wird wie das Gießkannen Museum für mich. Und zwar Anyas. Wenn ihr uns jetzt unterstützen wollt, dann könnt ihr das machen. Über ein Abonnement. Über Steady. Wir betreiben bitte nichts anfassen. Ehrenamtlich. Das heißt, ihr könnt uns damit helfen. Ein Dank geht noch mal raus an einen Spender.

                  Lukas

                  Und zwar Sven, der uns bei Bitte nicht unterstützt hat. Vielen Dank. Und natürlich ist es so bewertet und leitet uns weiter. Empfehlt uns weiter auf allen Podcast Plattformen eures Vertrauens. Genau. Sonst würde ich sagen zum nächsten Mal empfehlt.

                  Ralph

                  Uns doch eure Schwiegermutter.

                  Lukas

                  Weiter. Vielleicht haben wir noch Gießkannen zu verschenken.

                  Ralph

                  Oder ein Abonnement.

                  Der Beitrag Revolution, Spionage-Stories und ein Chor aus Belarus – Das Gießkannenmuseum Gießen erschien zuerst auf Escucha.

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                  37 min
                • Klappsarg für alle! - das Bestattungsmuseum Wien

                    BITTE NICHT ANFASSEN! #27 – Das Bestattungsmuseum Wien 

                    Klappsarg für alle! – das Bestattungsmuseum Wien 

                    Show Notes 

                    Heute geht’s unter die Erde und um Särge, wilde Traditionen und – vollkommend naheliegend – Kindergruppen.  

                    Iris Borovčnik vom Podcast “Im Museum” hat für uns das Bestattungsmuseum auf dem Wiener Zentralfriedhof besucht. Mitgebracht hat sie Interviewtöne von Leiterin Cornelia Fassl und Mitarbeiter Erich Traxler. 

                    Und wie es im Song des österreichischen Sängers Wolfgang Ambros so schön heißt: “Am Zentralfriedhof is’ Stimmung!” 

                    Herausgekommen ist eine Folge, in der es viel zu lachen gab: über sargdeckelsprengende Gärprozesse, den Service des Herzstichmessers und Lego-Sets zum Beerdigung Nachspielen. 

                    ~~~~~~~ 

                    Hilfreiche Links: 

                    • Link zum Podcast “Im Museum” von Iris 
                    • Reformen unter Joseph II: https://de.wikipedia.org/wiki/Josephinismus 
                    • Nicht vergessen! Wir verlosen ein T-Shirt! Hier zu sehen: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Verlosung-T-Shirt-scaled.jpg  
                    • Schreibt uns per Mail oder Instagram, wenn ihr das T-Shirt gewinnen möchtet! 

                    ~~~~~~~ 

                    Infos zum Museum:  

                    Bestattungsmuseum am Wiener Zentralfriedhof 
                    Tor 2 (Haupteingang), rechts 
                    Untergeschoß der Aufbahrungshalle 2 

                    Simmeringer Hauptstr. 234 
                    1110 Wien 

                    https://www.bestattungsmuseum.at/

                    ~~~~~~~ 

                    über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                    Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                    Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                    Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                    Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                    BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                    Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                     
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                    Kontakt: 
                    Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
                    E-Mail: info[at]escucha.de  

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                    Wollt ihr uns unterstützen?  

                    Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

                    ~~~~~~~ 

                    Podcast-Credits:  
                      

                    Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
                    Produktion: Escucha GbR  
                    Podcast-Grafik: Tobias Trauth; https://www.instagram.com/don_t_obey/  
                    Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

                    Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

                    ~~~~~~~ 

                    Transkript 

                    folgt…

                    Der Beitrag Klappsarg für alle! Das Bestattungsmuseum Wien erschien zuerst auf Escucha.

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                    41 min
                  • Stories über Trennung – das Museum of Broken Relationships Zagreb

                      BITTE NICHT ANFASSEN! #26

                      Stories über Trennung – das Museum of Broken Relationships Zagreb 

                      Show Notes 

                      Als Dražen Grubišić und seine Partnerin Olinka Vištica  sich getrennt hatten, wussten sie nicht, was sie mit einem Aufzieh-Hasen machen sollten. Der Hase stand für gemeinsame Erinnerungen. Zu schade, um ihn wegzuschmeißen zu verletzend, um ihn zu behalten. Weil es keinen neutralen Ort dafür gab, haben die beiden einen geschaffen. Zunächst als temporäre Ausstellung konzipiert, ist das Museum of Broken Relationships in Zagreb heute das Zuhause tausender Gegenstände aus vergangenen Beziehungen. 

                      Ralph hat darin lustige, aber auch traurige Geschichten gefunden, mit Dražen Grubišić, einem der beiden Museumsgründer, gesprochen und die Neurowissenschaftlerin und Autorin Anne Freier gefragt, warum Trennungen so weh tun.  

                      ~~~~~~~ 

                      Hilfreiche Links: 

                      • Nachreichung Kernspintomographie: https://stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/koerper-wissen/was-ist-eine-magnetresonanztomographie-mrt 
                      • Kurzes Videoportrait über das Museum of Broken Relationships: https://www.youtube.com/watch?v=R6Q731asMtg&ab_channel=GreatBigStory 
                      • Interview mit Anne Freier: https://editionf.com/liebeskummer-interview-anne-freier-editionfplus/ 

                      ~~~~~~~ 

                      Infos zum Museum:  

                      Museum of Broken Relationships 
                      Ćirilometodska 2  

                      10000, Zagreb 

                      Kroatien 

                      https://brokenships.com/

                      ~~~~~~~ 

                      über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                      Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                      Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                      Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                      Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                      BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                      Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                       
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                      Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
                      E-Mail: info[at]escucha.de  

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                      Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

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                      Podcast-Credits:  
                        

                      Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
                      Produktion: Escucha GbR  
                      Podcast-Grafik: Tobias Trauth; Till-Illustration mittels KI von Canva.com https://www.instagram.com/don_t_obey/  
                      Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

                      Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

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                      Transkript 

                      Dražen Grubišić  

                      We have a ritual for all sorts of things and there is nothing when we break up. 

                      INTRO 

                      Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von ESCUCHA. 

                      Lukas 

                      Hallo, einen wunderschönen guten Tag und herzlich willkommen im Februar 2024 zur zweiten Folge von Bitte nicht anfassen im Jahr 2024. Hallo Ralph. 

                      Ralph 

                      Hallo Lukas und schön, dass wir wieder zusammensitzen und eine neue Folge besprechen. 

                      Lukas 

                      Genau das Konzept unseres Podcasts relativ schnell erklärt. Es geht darum, dass Ralph und ich abwechselnd einmal im Monat ein kleines, skurriles, alternatives, aber vor allem liebenswertes Museum besuchen. Und dass wir euch so ein bisschen erklären wollen und uns gegenseitig so ein bisschen erklären wollen, was denn für Geschichten hinter diesen ganzen Häusern, Museen, aber auch Museums Betreiber innen stecken. 

                      Ralph 

                      Ja, und in der vergangenen Folge, da warst du in einem Museum, nämlich im Draht Museum Altena. Richtig. Und was bei mir hängen geblieben ist, ist, dass es früher wohl aufgrund der Herstellung sehr stark gestunken haben muss in Altena. Und dass dort im Museum ganz unterschiedliche Drähte ausgestellt sind. Also sehr alte und dicke Drähte, aber auch sehr moderne und sehr dünne Drähte, wie zum Beispiel Supraleiter. 

                      Lukas 

                      Genau richtig. Und zu diesen Supra Leitern haben wir Feedback bekommen. Bzw wir müssen noch etwas korrigieren. Wir müssen zwei Kleinigkeiten korrigieren. Das ging in der letzten Folge ein bisschen schief. Ich bin kein Physiker, deswegen verzeiht mir das bitte. Also Nummer eins, das ist jetzt ganz formeller Natur. Es war ja Dr. Marc Uhlarz vom Helmholtz Zentrum Dresden Rossendorf als Experte dabei, der uns die Supraleitung erklärt hat. 

                      Lukas 

                      Ich hatte das Helmholtz Zentrum als Helmholtz Zentrum Dresden vorgestellt, ist es aber Helmholtz Zentrum Dresden Rossendorf. Das ist ganz wichtig und das ist auch gut so, dass man die Bezeichnungen wirklich korrekt hält. Das Zweite ist, und das ist ein fachlicher Fehler ganz am Ende geht es ja um Kernspintomografen. Und da habe ich so, also ich habe das quasi so verstanden, als dass ein hohes Magnetfeld nötig wäre, um die Supraleitung zu erzeugen. 

                      Lukas 

                      Das ist nicht korrekt. Es ist vielmehr so, dass man ein hohes Magnetfeld braucht, um die Kerne in Schwingungen anzuregen. Und das braucht man dann wiederum für die Bildgebung bei Kernspintomographie. Und dieses Magnetfeld, das wird mit einer supraleitenden Spule erzeugt. Also wir werden noch mal auch in dieser Folge die Supraleitung und auch die Funktionsweise des Kernspintomographie in Shownots packen 

                      Ralph 

                      Aber nur die Shownotes, weil ich sonst jetzt auch nichts dazu sagen kann 

                      Ralph 

                      Nein, aber wir nehmen das natürlich sehr ernst und freuen uns auch immer über Feedback und Richtigstellungen und sind immer froh darüber. 

                      Lukas 

                      Genau so! Und das heißt aber wiederum, dass wenn ich in der vergangenen Folge das Museum und die Supraleitung vorgestellt habe, das heißt, dass du jetzt in dieser Folge dran bist. Ich kann mich zurücklehnen, du wirst mir ein schönes Museum erzählen und hoffentlich richtig gute Geschichten. 

                      Ralph 

                      Das hoffe ich auch. Ja, es ist ja jetzt die Februar Folge und Februar. Der Februar ist ganz bekannt für einen besonderen Tag. Weißt du, für welchen. 

                      Lukas 

                      Der Valentinstag. 

                      Ralph 

                      Genau, Der Break-Up-Day 

                      Der ist nämlich eine Woche nach dem Valentinstag. Und da geht es eben darum, dass man so sein Singledasein feiert und auch alte Trennungen verarbeitet und alte Beziehungen hinter sich lässt. Und passenderweise war ich im dazugehörigen Museum, könnte man sagen, ich war im Museum of broken Relationship. Das werde ich heute vorstellen. 

                      Lukas 

                      Ja, sehr cool. Ich habe von dem Museum tatsächlich schon mal gelesen oder irgendwelchen Artikeln da was drüber gelesen und ist natürlich. Ich könnte mir vorstellen, dass das ein alter Klassiker der skurrilen Museen ist und deswegen freue ich mich. Ich habe gelesen, dass es in Zagreb, in Kroatien. 

                      Ralph 

                      Das ist, in Zagreb, in Kroatien. Ich war da im vergangenen Herbst. Das ist schon ein bisschen her, dass ich dort war, und bin dann mit der Managerin des Museums durch die Ausstellung gegangen. Und ich habe einen der beiden Gründer interviewt. Das sind zwei Leute, die das gegründet haben. Und ich saß, bevor ich durch die Ausstellung gegangen bin, mit dem Gründer zusammen mit Dražen Grubišić  

                      im Museums Cafe. 

                      Ralph 

                      Und der hat mir dann erzählt, wie es überhaupt zu diesem Museum kam, also wie die überhaupt auf die Idee gekommen sind, da ein Museum über zerbrochene Beziehungen hochzuziehen. Und das war eben so, dass Dražen Grubišić und Olinka Vištica. Ich hoffe nicht auf die Namen richtig ausgesprochen. Die waren ein Paar und haben beide Kulturmanagement studiert. Also die waren in der Kultur Branche aktiv. 

                      Ralph 

                      Dražen hat in Wien zuerst studiert, Olinka in Paris und nach dem Studium sind sie dann wieder zurückgekommen nach Kroatien, haben zusammen in einem Haus gewohnt, Dražen war als Bildhauer tätig und Olinka ist Theater Produzentin und im vierten Jahr der Beziehung ist es dann in die Brüche gegangen. Da war es dann vorbei mit der Beziehung. Und wie das halt so ist, weil man sich trennt und vor allem auch noch zusammenwohnt. 

                      Ralph 

                      Da geht es dann daran, den Hausstand aufzuteilen. Wer bekommt was? Und das ging für einige Gegenstände ganz einfach. Für einen Gegenstand im Besonderen war es aber bisschen schwierig und der war aber der ausschlaggebende. 

                      Dražen Grubišić  

                      „There was this one thing that little bunny-wind-up-bunny, a little toy we had sort of a joke with. It was like sort of a pet. I was here, then Olinka came up and then I wind it up and put it in the foyer. So when she opens the door he’s like running around in circles. ut in this moment of discussing about, so you take the telly, sure yeah, I take the table, okay. And then you look down and there’s this bunny. Even if I put it in the basement I would still know it’s in the basement, you know. Not to mention putting it in a shelf. You see it everyday and it just reminds you of this kind of sadness. There are objects that mean so much just for two people and for nobody else. That actually there should be a place where you can send these objects to in the moment of a breakup. And then we were sure that there must be a place where you can send it to and we looked for it and there was none. Then we decided it would be a good art project.   

                      Lukas 

                      Also, wenn ich das richtig verstanden habe, der Ton war ja auf Englisch, dann hat Drazen gesagt, dass er sich quasi getrennt hat und dann ging es um so einen Hasen. Ich nehme mal an, das war so ein Stoff Hase, so ein Kuscheltier Hase, irgendwie sowas in der Richtung. 

                      Ralph 

                      Er hat das wind up Bunny genannt. Also so ein aufzieh-Häschen, das ziehst du auf, dann geht das halt so durch die Gegend. 

                      Lukas 

                      Ah, verstehe. Und das heißt, er konnte sich dann mit seiner jetzigen Ex damals nicht einigen, wer jetzt diesen Hasen nimmt. Und dann dachte er sich, es müsste einen Ort geben, das quasi ist sozusagen ein neutraler Platz, wo dieser aufzieh-Hase dann quasi bleiben kann. 

                      Ralph 

                      Ja genau, weil der Hase halt eben so viel für die Beziehung bedeutet hat. Also die haben den Hasen halt dann oft auf Reisen mitgenommen, wenn zum Beispiel nur einer der beiden irgendwo anders hin musste oder so, dann haben die den irgendwo drapiert, zum Beispiel neben den Eiffelturm oder was weiß ich wo und haben dann Fotos gemacht. So ein bisschen wie in dem Film Die fabelhafte Welt der Amelie mit den Zwergen, mit den Garten-Zwergen. 

                      Lukas 

                      Ja, krass, sehr coole Idee. 

                      Ralph 

                      Ja, ja, aber das war ja erst der Anfang. So einfach ist es ja nicht ein Museum zu gründen. Also es war dann so, dass er diese Idee dann in sein kleines schwarzes Buch geschrieben hat, wo er auch andere Ideen festhält. Und da ist erst mal nichts passiert. Das hat dann zwei Jahre gedauert, bis Drazen für ein Kunstfestival in Zagreb angefragt worden ist, wo das Thema Synergie war. 

                      Und dann hat er halt rumüberlegt Synergie, Synergie. Was könnte ich denn da machen? Und hat da in seinem schwarzen Büchlein geblättert. Und dann ist er wieder auf diese Idee gestoßen. Mit diesen Trennungs-Gegenständen. Und dann hat er seine Partnerin Olinka gefragt, was sie davon hält, weil die ja doch dann im Guten irgendwie auseinandergegangen sind und eine Freundschaft zumindest aufrecht erhalten haben. 

                      Und dann haben sich die halt beworben für das Kunstfestival, sind genommen worden und hatten dann zwei Wochen Zeit, was auf die Beine zu stellen. So ein Kunstprojekt. Und dann haben sie halt Freunde gefragt und Freunde von Freunden. Und letztendlich sind dann 46 Gegenstände zusammengekommen und dort ausgestellt worden. Bei dem Festival. Und dann war das Festival vorbei und für die war das Projekt abgeschlossen. 

                      Ja, aber dann ist folgendes passiert. 

                      Dražen Grubišić  

                      Then we got a call if we want to host with this exhibition somewhere else. So we brought it somewhere else and it continued for four years. And then after four years, we were stuck with couple of hundreds of objects. And my studio was full and it was taking a lot of time. And I was like, what do we do now? Do we shut down everything? But then we met all these people and they kind of gave us all their emotional heritage and we can’t just throw it away. And then we were like: maybe we open a preminant display. It was the first private museum in Croatia. It wasn’t even in the law. The law didn’t have the idea of a private person. They changed the law afterwards. And then we opened the museum, like a permanent museum. So it was actually one step after another after another.  

                      Lukas 

                      Was für eine witzige Geschichte. Also, das heißt, die sind dann angefragt worden und die sind dann vier Jahre mit dieser Ausstellung rum getourt, da ist immer mehr dazugekommen. 

                      Ralph 

                      Ja durch die ganze Welt sind sie getourt, Argentinien, Philippinen, Südafrika, USA oder auch Deutschland. 

                      Lukas 

                      Krass. Es ist aber auch einfach eine gute Idee. Es ist einfach eine wirklich gute Idee. Und dann haben die quasi gesagt, wenn ich das so verstanden habe, also dann wollten halt einen dauerhaften Platz haben. Aber es gibt in Kroatien keine legale Grundlage für ein privates Museum. 

                      Ralph 

                      Zu dem Zeitpunkt. 

                      Lukas 

                      Zu dem Zeitpunkt. Das heißt, Sie haben mit diesem Museum sogar ein stückweit kroatische Gesetzgebung verändert? 

                      Ralph 

                      Ja, Sie haben definitiv Pionierarbeit geleistet und Drazen und Olinka, Die wurden ja dann quasi Geschäftspartner auch, und die mussten mit ihrem eigenen Geld halt dann dieses Museum hochziehen. 

                      Lukas 

                      Wie alt sind die denn, wenn ich fragen darf? Also von wann sprechen wir denn da? 

                      Ralph 

                      Naja, das Museum, das ich besucht habe, das gibt es seit 2010. 

                      Lukas 

                      Okay. 

                      Ralph 

                      Und dann kann man ja jetzt zurückrechnen, wann die erste Idee war. Ich glaube, 2004 oder so müsste das gewesen sein und ich würd die vom Alter her, das weiß ich jetzt nicht wie alt die sind. Ich würde die schätzen, auf Mitte 40 oder so vielleicht. 

                      Lukas 

                      Okay. Alles klar. Ja. 

                      Ralph 

                      2010 ist dann eben dieses Museum entstanden, das ich besucht habe. Das liegt auf dem Berg von Zagreb, in der sogenannten Oberstadt. Und von dort aus kannst du total schön über die Stadt gucken, über die Unterstadt und ist auch ganz witzig, so ein kleiner Funfact: Um den Berg hoch zu kommen, kannst du natürlich Treppen steigen oder du fährst mit der Zahnradbahn. 

                      Das ist die kürzeste öffentliche Bahnstrecke der Welt mit 66 Metern. 

                      Lukas 

                      Ah ja. 

                      Ralph 

                      Ja, das Museum, das ist, ich würde sagen, vergleichsweise klein. Wobei, wenn man jetzt den BNA also den BITTE NICHT ANFASSEN- Index nimmt, dann ist es vielleicht schon wieder ein überdurchschnittlich großes Museum. Es ist eine Fläche von rund 300 Quadratmetern und es gibt noch ein Cafe dazu, das man ja auch schon gut rausgehört hat im Hintergrund und einen Shop gibt es auch. 

                      Und natürlich eine Kasse. Und dann die Ausstellung. Durch die Ausstellung bin ich mit Adriana Juraic gegangen, das ist eine Managerin von dem Museum und die hat mich das so durchgeführt durch diese circa 80 Objekte, die da gleichzeitig ausgestellt sind. Das wechselt immer, weil die dann doch wieder im Depot sehr viele andere Gegenstände haben. Drazen hat es ja vorher schon angedeutet, dass das immer mehr geworden sind und mittlerweile haben die mehr als 4.000 Gegenstände. 

                      Du musst dir das so vorstellen Wenn du da reingehst in die Ausstellung, dann sind das erst mal weiße Wände und du hast weiße Podeste, auf denen kleine Gegenstände stehen. So wie jetzt zum Beispiel dieser Aufzieh-Hase. Ganz gewöhnliche Gegenstände eigentlich. Die können aber in der Größe total variieren. Also es gibt viel Spielzeug, es gibt aber auch Kleidung, an der Wand. 

                      Habe ich mal gerade gesehen, so ein Post-it Zettel und ganz ganz unterschiedliche Sachen eben. Bei all diesen Sachen geht es halt um vergangene Beziehungen, aber das Beziehungen ist wirklich allgemein gefasst. Das heißt, es geht es nicht um Partnerschaften, die auseinandergegangen sind, sondern ja alles mögliche. Aber das soll dir mal Adriana kurz von ihrem Lieblings Exponat erzählen. Das ist so ein Pizza KIT. Das ist eine Schachtel, wo man eine Pizza ganz einfach machen kann mit Pizzateig drin und Tomatensoße. 

                      Ariana Juraic 

                      So we have the box of Pizza maker. I think there something inside is flour. Okay, the girl is writing a story to a Pizza because during the years she has found out that she has allergies for the food and she found out that she can’t eat it. I think it’s lactose. She is allergic to pizza and she is like: please stay hot and tasty. I will always love you. 

                      Lukas 

                      Also es geht darum, dass sie Ihre Beziehung zu Pizza verloren hat. 

                      Ralph 

                      Genau aufgrund einer Allergie. Und es ist ja auch eine Beziehung. 

                      Lukas 

                      Und wie ist dann dieses Objekt in das Museum gekommen? 

                      Ralph 

                      Das funktioniert über Spenden, also Leute können auf die Website gehen, füllen dann ein Formular aus, schreiben alle Infos zum Objekt rein. Dann auch noch eine Story und das ganze kann man anonym machen. Du musst nicht mal deinen echten Namen angeben. Was aber auch heißt theoretisch kannst du irgendwas angeben. 

                      Lukas 

                      Wollte Ich grad sagen, oder? Also ich meine, da kann ich irgendwas hinschicken und sagen keine Ahnung, was habe ich gerade bei mir auf dem Schreibtisch stehen? Eine Tasse mit dem Löffel drinnen und dann kann ich sagen… Ja, wobei. Mir fällt jetzt nichts ein. 

                      Ralph 

                      Ja, wenn dir was Gutes einfällt, dann hast du die Chance, dass es dort auch ausgestellt wird. Das kann man ja schlecht nachprüfen. Wie soll man das dann nachprüfen? Okay, das sind ja so Sachen, die kann man ja nicht aus dem Objekt herauslesen, ob das jetzt zum Beispiel schon im Weltall war oder nicht. Wobei das kann man vielleicht rauslesen. 

                      Ralph 

                      Wir sind ja Physiker. 

                      Aber auf jeden Fall kriegen die sehr, sehr viele Spenden, sagt Ariana Juraic. 

                      Ariana Juraic 

                      We are receiving on a daily basis a lot of items. Maybe today 5, tomorrow will be 7. these are especially small items. But there was this guy in Los Angeles, they told me, a story about it. That he wanted to donate a real car, a jeep. So it was interesting. They couldn’t transport it here. Where would they store it. But it is an interesting story.  

                      Lukas 

                      Alter, ein Jeep, ein Geländewagen. 

                      Ralph 

                      Alles geht. Du kannst auch Hautschuppen hinschicken. 

                      Lukas 

                      Aber das ist ja Wahnsinn. Das ist ja, das ist ein Riesenaufwand. Wenn die da 5 bis 7 Objekte, die müssten noch unendlich viel Fläche dann haben. Wir entscheiden dann, was dann reinkommt und was nicht. 

                      Ralph 

                      Also erst mal müssen die das ja lagern irgendwo. Das ist ja dann schon mal das Problem. Und dann gibt es da Kuratoren, also Leute aus dem Team halt, die dann entscheiden Ja, jetzt können wir mal das reinpacken und nicht. Es geht ja erst mal darum, erstmal muss er die ganze Sache sichten und dann, wenn das halt eine gute Story hergibt und vielleicht auch thematisch zur Ausstellung passt, weil die ja immer wieder sich ändert, dann landet das eben dort im öffentlichen Bereich. 

                      Aber es ist auch so, dass nach wie vor gehen sie noch auf Tour und das sind dann oftmals ja andere Gegenstände als die, die man jetzt in der Haupt Filiale muss ich ja fast schon sagen, weil es gibt noch ein zweites Museum of broken relationships, das sie in Los Angeles gegründet haben. 

                      Lukas 

                      Und da kann dann der Jeep hingeschickt werden. Hat dich ein Objekt besonders berührt? 

                      Ralph 

                      Also das mit dem Pizza Maker, das war ja jetzt was Lustiges. Aber du kannst dir vorstellen, wenn Beziehungen auseinandergehen und wenn es zwischenmenschliche Beziehungen sind, dass sie oftmals auch sehr traurig und schmerzhaft sein können. 

                      Lukas 

                      Na klar. 

                      Ralph 

                      Und ein Objekt hat mich schon sehr berührt, also mich haben tatsächlich einige Objekte berührt. Aber eins hat mich schon sehr getroffen. Und zwar war das in so einer Vitrine, das waren gefaltete Kraniche aus Papier, ganz viele aufgefädelt an so einer Schnur, die von von oben herunterhängen. Und das waren 1.000 Stück angeblich. Und dann habe ich diese Tafel daneben gelesen. 

                      Da stand dann drauf 1000 Kraniche, Beziehungs Dauer, weil das steht auch immer drauf. Beziehungs, Dauer, sechs Monate. Ort: Triest, Italien und dann noch ein Text dazu und den kann ich dir mal vorlesen, dann kriegen alle, die das jetzt hören, kriegen ein Gespür dafür, wie diese Geschichten sich anhören können. Und die sind auf Englisch und Kroatisch. Und ich hab's es jetzt mal auf Deutsch mit besten Wissen und Gewissen übersetzt. 

                      Ralph 

                      Und zwar geht der Text so: 

                      „Ich habe in Triest zwei Kinder geboren. Das erste Kind lebt gerade mit mir. Das zweite Kind ist in meinem Mutterleib gestorben. Zwei Monate vor Geburtsdatum. Das Gefühl von Schmerz und Trauer war überwältigend, aber ich kannte niemanden, mit dem ich in diesem fremden Land meine Agonie teilen konnte. Ich dachte, ich wäre nie wieder in der Lage zu lachen. Mein liebes Baby, das mit mir 24 Stunden am Tag kommunizierte, indem es sich in mir bewegt und getreten hat, war für immer fort. In der Zeit, als ich nichts machen konnte, weil ich mich so verloren gefühlt habe, absorbierte ich mich ins Falten von einem Kranich nach dem anderen, in der Hoffnung, dass mein Baby glücklich im Himmel lebt. Das pure Lächeln meines ersten Kindes haben mich zusammengehalten, aber ich konnte mich nie wieder mit meinem Ehemann verbinden, der im Gegensatz zu mir seine Gefühle rational in den griff bekommen hat. Schließlich bin ich mit meinem Kind zurück nach Japan gegangen.  

                      Ich werde nie wieder die stürmische Nacht vergessen, in der ich mein Baby verloren habe. Ich habe sogar einen Tannenbaum in Finnland gepflanzt und nach ihm benannt. Ein Baum, der jetzt vermutlich größer ist, als das Baby jemals sein würde, wenn es am Leben wäre.  

                      Ich habe diese tausend Kraniche bei mir behalten all die Zeit, aber jetzt habe ich entschieden, sie nach Zagreb zu schicken, zusammen mit all der Liebe, die ich für mein verlorenes Kind habe und mit meinem Gebet für Frieden. Mögen alle Kinder, die nicht geboren wurden, in Frieden ruhen und für alle Zeit glücklich im Himmel leben.“ 

                      Lukas 

                      Okay, das ist auf jeden Fall eine sehr berührende Geschichte. Aber das heißt, das ist quasi die eigentliche, zerbrochene Beziehung, die zum Ehemann und gar nicht die zum Kind. 

                      Ralph 

                      Für sie ist es schon die Beziehung zum Kind, war ja auch die Beziehung. Monate mit Sex Beziehung ist auch mit sechs Monaten angegeben, also okay. Und sie hatte ja quasi in der Beziehung zu diesem Kind in ihrem Bauch und da war die Beziehung natürlich weg. Als das Kind das nicht überlebt hat. 

                      Lukas 

                      Verstehe. Die Geschichte ist natürlich deutlich tragischer und tiefer als jetzt Die Geschichte zum Pizzakarton. 

                      Ralph 

                      Ja, das ist jetzt ein krasser Einschnitt.  

                      Lukas 

                      Aber Ralph, es gehört dazu. Ich meine, dass es so ist. Ich meine, das ist natürlich ein Extrembeispiel, aber ich denke mal, wenn du an deine gescheiterten Beziehungen denkst, wenn ich an meine gescheiterten Beziehungen denke, das ist immer super schmerzhaft. Natürlich kann es auch was Lustiges sein, aber es kann natürlich auch was total Tragisches sein, das ist ganz klar. 

                      Ralph 

                      Oder es kann auch was Versöhnliches sein, etwas, mit dem man dann trotzdem auf eine gewisse Art und Weise abschließen kann. Das hat mir ein Objekt gezeigt. Dabei handelt es sich um so eine kleine Dose, in der man normalerweise so Filmrollen von analogen Kamera irgendwie aufbewahrt. Worum es sich dabei handelt, das hat mir Ariana verraten. 

                      Ariana Juraic 

                      So the story is about a woman who met his partner, when he was widowed at 19 years old with a baby. So they made another baby, it was family of four in the end. And they spent together 33 years in a relationship. He got cancer, that took him in four months, so very sadly. And he said to his wife that when he died, that she gives all the ashes away in film canisters. So she put them in a lot of different film canisters and she was travelling around the world and she spread them or buried them all over the part in the caribbean ocean, indian atlantic and also here in croatian adriatic. So the story comes from the USA.  

                      Lukas 

                      Auch eine sehr schöne Geschichte. Oder Was heißt schön? Schön klingt so positiv, aber es ist so eine tiefe Geschichte.  So eine irgendwie bedeutsame Geschichte. 

                      Ralph 

                      Ja, ich weiß auch nicht, ob ich es vorher richtig benannt habe, weil es ist natürlich schon sehr tragisch, dass dieser Mann an Krebs vorzeitig quasi gestorben ist. Aber das Objekt und was sie quasi dann für ihn noch nach seinem Tod gemacht hat, hat so was, so was Friedliches in gewisser Weise. 

                      Lukas 

                      Ja, das ist ein guter Begriff oder halt einfach so irgendwie. Ich finde auch, vielleicht so eine gesunde Art des Abschiednehmens. 

                      Ralph 

                      Ja, genau. 

                      Lukas 

                      Ich glaube, wenn gescheiterte Beziehungen, wenn es auf eine irgendwie gesunde Art und Weise zu Ende geht oder auf eine friedliche Weise zu Ende geht, dann ist es, glaube ich, für alle Beteiligten einfacher. 

                      Ralph 

                      Dazu komme ich aber später noch. Ich wollte noch was zu der Geschichte sagen, weil die noch nicht zu Ende ist. Die Geschichte, die sie erzählt hat. Es ist nämlich so, dass irgendwann der Bruder des Verstorbenen ins Museum gekommen ist. Der ist dann gekommen und hat gefragt, ob diese Dose noch ausgestellt ist. Und dann haben sie gesagt Ja, und dann ist er in den Raum gegangen, hat sich die Dose angeguckt und hat sich dann lange Zeit hingesetzt und angefangen zu schreiben. 

                      Und dann ist er irgendwann halt aus der Ausstellung rausgegangen und hat einen Zettel an der Kasse dagelassen. Auf dem stand, dass er sehr dankbar dafür ist, dass sich das Museum so gut um seinen Bruder kümmert.  

                      Ich finde, das zeigt ganz gut, dass dieses Museum halt Emotion mal einen erreicht. Also viele Museen erreichen einen ja rational mit der Information, obwohl sie es auch versuchen, emotional irgendwie aufzudröseln. 

                      Aber da stehen ja wirklich die Emotionen im Vordergrund. Und dass das eine Herzensangelegenheit der Leute ist, die dort die Objekte hin spenden, das hat mir Drazen auch erzählt. 

                      Dražen Grubišić  

                      We got lot of feedback from people who donated something that it hepled them move on. Because just this act of sitting down, writing down your little story, packing the object and sending it away. You know, now you are free and can move on. It is a closure. We have rituals for a lot of things. And there is nothing when you break up. 

                      Lukas 

                      Das ist ein total wichtiger Ton, finde ich. Und da gebe ich ihm voll Recht. Er hatte eigentlich gesagt, wir haben für jeden Scheiß ein Ritual, aber wir haben keine wirklichen Rituale für das Abschiednehmen. Und Ralph, du weißt ja, wir haben ja noch ein anderes Podcast Projekt, wo es ja ganz viel um Abschiednehmen geht. Und ich glaube in diesem Podcast Projekt habe ich mich zum Ersten Mal mit Ritualen fürs Abschiednehmen auseinandergesetzt. 

                      Und das ist wirklich so! Ich glaube, dass das so heilsam sein kann, wenn du einfach den Abschied genauso ritualisiert wie du eine Taufe, eine Hochzeit, ein Geburtstag, keine Ahnung, was ritualisiert. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Und ich könnte mir auch vorstellen, dass da Psycholog:innen womöglich genau das Gleiche sagen würden, dass es einfach so einen heilenden Effekt hat. 

                      Und ich könnte mir echt gut vorstellen, wenn du gerade den Trennungsschmerz durchmachst oder so und dann hast du so Projekte, weißt du, das hat ja auch so einen symbolischen Wert, es einfach wegzuschicken. Also du hast dich damit beschäftigt, du hast dich damit auseinandergesetzt, du akzeptiert es ja auch so ein bisschen die Gefühle, weil sonst hättest du ja nicht diesen Gegenstand. 

                      Ja und dann schickst du es einfach weg. Und ich glaube, dass das was total Befreiendes hat. 

                      Ralph 

                      Ich glaub, da glaubst du richtig, weil mich hat das dieser Ton von Drazen mit dem Ritual und so, das hat mich nämlich auch total zum Nachdenken gebracht, dass ich ja mit dem Ritual da hatte schon recht. Ja, wir haben für viele Sachen Rituale, aber jetzt, wenn so eine Beziehung auseinandergeht, ohne dass jetzt der andere stirbt oder so, da haben wir ja kein richtiges Ritual dafür. 

                      Jeder geht irgendwie anders mit um. Na, jedenfalls habe ich dann angefangen, so ein bisschen drüber nachzudenken. Gibt es da vielleicht doch irgendwas? Und habe dann recherchiert. Und dann bin ich auf Anne Freier gestoßen. Anne Freier ist Neurowissenschaftlerin und die hat ein Buch geschrieben mit den Namen “Science of Breakup. How love and Heartbreak Effect the Body and brain” 

                      Und ich habe mich dann bei Anne Freier gemeldet. Also ich hatte dann angeschrieben und sie war für ein Interview bereit. Das lustige ist ja, wenn du dich zurück erinnerst, wie ist das Museum of Broken Relationships entstanden? 

                      Lukas 

                      Weil die sich getrennt haben und dann nicht wussten, was sie mit diesem Aufziehhasen machen. 

                      Ralph 

                      Genau. Und bei Anne Freier und dem Buch ist es so, dass die auch eine Trennung hinter sich gehabt hat. Und dann hat sie angefangen, dieses Buch zu schreiben. Und von ihr wollte ich aber erst mal einen Schritt zurückgehen. Und ich wollte wissen warum tun denn Trennungen eigentlich so weh? Und ja, das hat sie mir gesagt. 

                      Anne Ffreier 

                      Die ganzen pathways in deinem Gehirn, die für deinen physischen Schmerz zuständig sind, überlappen sich ja mit den pathways, die für deinen emotionalen Schmerz zuständig sind. Das soll wehtun. Wenn du dich trennst, sollst du Schmerz haben, damit du dich aufrafft und jemanden neuen suchst. Rein aus anthropologischer Sicht gesehen, will die Natur nicht, dass du alleine bist, weil a wir Gruppentiere sind und in der Gruppe besser funktionieren und sicherer sind in der Gruppe. 

                      Und b natürlich, weil rein biologisch gesehen ist der Sinn des Lebens einfach nur fortpflanzen, dann sterben, aber fortpflanzen ist der eigentliche Sinn. Und das das geht als Mensch schwer alleine. 

                      Lukas 

                      Da hat sie einen Punkt. 

                      Ralph 

                      Und auch die Aufzucht von ein Baby geht halt bei Menschen schlecht alleine, weil diese Babys ja so unbeholfen sind und viel viel Sorge brauchen. Aber ob das jetzt ein anderer Partner ist oder ob das eine Gruppe macht, das ist eigentlich also anthropologisch, das ist egal, weil es gibt ja auch Kulturen oder vielleicht ethnologisch. Es gibt ja auch kulturelle Kulturen, wo Gruppen das Aufziehen von Kindern übernehmen. 

                      Aber aufgrund dieser Gemengelage macht es total Sinn, dass man sich schnellstmöglich wieder einen Partner sucht oder zumindest irgendwie Anschluss sucht. Und da hat mir Anne Freier auch gesagt, dass es genauso gut tun kann, jetzt nicht gleich den nächsten Partner, nicht gleich den nächsten Flirt oder so zu machen, sondern einfach ja sozialen Umgang zu haben mit Freunden. Aber es gibt auch noch andere Wege, um schnell über Trennungsschmerz hinwegzukommen. 

                      Das sind zum Beispiel neue Hobbies. 

                      Anne Freier 

                      Also wenn du schon immer mal stricken wolltest, dann hast du jetzt die perfekte Opportunity, Dich in dein Stricken irgendwie voll reinzuhängen und zu gucken, wie sehr es, dass es dir hilft, deine Person so ein bisschen neu zu konstruieren, weil man ja schon gerade bei einer langen Beziehung dann schon Teil seines Partners ist. So ein bisschen mit Co-Dependance und so was und das irgendwie wieder loszuwerden, dafür muss ich mich ändern. 

                      Und wie ändere ich mich? Indem ich neue Hobbies kreiere oder in dem ich vielleicht auch mal einen Job wechsle. Es muss jetzt nicht so traumatisch sein, aber oder dramatisch sein. 

                      Lukas 

                      Ich kenne es von Freundinnen, dass die dann erst mal zum Friseur gehen und sich irgendwie nen neuen Haarschnitt machen lassen oder zumindest Spitzen schneiden oder irgendwie so was. Wir haben jetzt ja schon viel über diese Hobbys gesprochen, dass man sich Stricken sucht oder dass dann die Freundinnen, die ich kenne, eben zum Friseur gehen. Hast du sie zufällig, das würde mich interessieren, diese Binsenweisheit gefragt, das dauert immer halb so lang, bis man über eine Trennung hinweg ist, wie die Beziehung gedauert hat? Also wenn ich jetzt mit einer Person vier Jahre zusammen war, dann würde die Trennung also bis man da komplett drüber hinweg ist, zwei Jahre dauern. Hast du sie da zufällig gefragt? 

                      Ralph 

                      Nach dieser Binsenweisheit habe ich sie nicht gefragt, aber sie hat mir gesagt, dass das wirklich sehr individuell ist, weil es kommt auch darauf an, wie sich die Leute trennen. Es ist schon so, hat sie gemeint, dass die aktiven Teile, also wer sich aktiv trennt, meistens sich auch leichter damit tut mit der Trennung als jemand, der verlassen wird. Und das kommt auch darauf an, wie intensiv die Beziehung war und auch, ob sie im Guten oder Schlechten auseinandergeht und was da halt vorgefallen ist, ob es Seitensprünge gab oder nicht. Also in der Regel ist es so, dass wenn man eine sehr gute Beziehung hatte und man die Trennung auch gut macht, dass man dann leichter drüber hinweg kommt, als wenn es abrupt und schmerzhaft ist. 

                      Lukas 

                      Ja, es ergibt Sinn, ja. 

                      Ralph 

                      Aber was ich sie gefragt hab ist, was sie von der Idee das Museum of broken relationships hält, also dass die Leute da persönliche Gegenstände hinschicken und die ja dann damit auch öffentlich machen, öffentlich zugänglich für andere. 

                      Anne Freier 

                      Man kann es ja sogar noch bei solchen Sachen sogar noch aufarbeiten, indem man sich mit dem Gegenstand beschäftigt bzw die Gegenstände natürlich auch dadurch verbannt. Na, du hast ja nicht mehr unbedingt im Haus, sondern jetzt in einem konkreten Space, der nicht mehr der ist, wo du täglich irgendwie zurückkommst. Also ja, ich würde sagen, das ist eine gar keine schlechte Idee. 

                      Lukas 

                      Ja, ich glaube auch, dass das keine schlechte Idee ist. Auf jeden Fall genau deswegen. Du beschäftigst dich damit und von daher glaube ich auch, Trennungen sind ja super individuell. Deswegen. Ich kann ja immer nur so wirklich über mich sprechen, weil ich glaube, auch dafür andere zu sprechen. Ich brauchte sehr, sehr viel Kommunikation nach Trennungen, egal welcher Art, ich musste dann immer mit vielen Leuten reden, mich viel damit beschäftigen, viel über Dinge reden und das es gibt ja Leute, die dann das so komplett ausklammern können, komplett wegschicken können oder so, aber ich muss da immer wahnsinnig viel reden, machen, tun und kommunizieren. Und dann geht es auch relativ gut, glaube ich bei mir. 

                      Ralph 

                      Ja, bei mir ist es ja so, dass ich ja Anfang vergangenen Jahres eine Trennung hinter mir hatte und da hat es mir sehr, sehr gut getan, dass ein Freund für mich da war, sodass ich tatsächlich mich ablenken konnte. Wie jetzt Anne auch gesagt hat, dass ich Beschäftigung hatte und zwar auch soziale Beschäftigung. 

                      Lukas 

                      Ja, also ich meine auch so was mit Kommunikation. meine letzte Trennung war Herbst 2022, da war es auch so, also ohne ein soziales Netz, ohne eine Kommunikation, ohne Freunde. Das wär richtig schlimm gewesen, wenn da mein soziales gewesen wäre, glaube ich. 

                      Ralph 

                      Könntest du dir vorstellen, einen Gegenstand von dir in das Museum zu schicken? 

                      Lukas 

                      Ich habe mir das die ganze Zeit jetzt schon überlegt. Tatsächlich. Und ich müsste überlegen, was es denn wäre. Um ehrlich zu sein, ich bin nicht so krass der Gegenstands Mensch, um ehrlich zu sein. Also auch so Deko Sachen oder irgendwie so so Anhängsel oder irgendwas was, das mache ich nicht. Ich meine, ich habe ein paar Kühlschrank Magneten, die ich da hinschicken könnte, aber da ist die Geschichte nicht gut genug. 

                      Ich müsste, ich müsste noch mal tief in mich gehen und mal gucken, ob es da irgendwas gebe, was ich hinschicken würde. Ich würde bestimmt was finden. Ja, und bei dir? 

                      Ralph 

                      Wüsste ich jetzt bezogen auf meine letzte Beziehung eigentlich – Ich will jetzt sagen eigentlich nichts, aber jetzt komme ich ins Nachdenken und man sollte eigentlich meinen, ich bin derjenige, der diese Folge vorbereitet hat. Ob ich nicht vorher mal drüber nachgedacht habe, aber tatsächlich nicht. 

                      Ich habe schon noch ein paar Gegenstände von dieser Beziehung in meiner Wohnung rumliegen. Nicht viele. Ich würde mal sagen eine Handvoll. Da fällt mir ein Stein ein, auf dem eine Sonne drauf gemalt und diesen Stein, den haben meine Ex und ich damals bekommen, als wir so einen Hütten Bau Kurs gemacht haben. Und natürlich wird mich der immer an diesen Hütten Bau Kurs erinnern. 

                      Nur das Ding ist, dieser Hüttenbau Kurs, der war scheiße. 

                      Der war richtig richtig mies, weil ich da so schlecht Anschluss gefunden hatte und wir, also meine Ex und ich uns auch da währenddessen nicht so gut verstanden hatten. Deswegen und eigentlich würde ich ja lieber gern was hinschicken, was irgendwie mich an eine gute Zeit erinnert. Keine Ahnung. 

                      Lukas 

                      Na ja, aber guck mal, du kannst es ja so und so sehen. Du kannst sagen ja, dieser Hütten Bau Kurs war scheiße und ja, du hast dich da unwohl gefühlt. Du kannst aber auch sagen, dass ihr trotzdem so lange eine gute Zeit hattet, dass ihr da überhaupt gemeinsam hingegangen seid. Also weißt, was ich meine? Dass ihr so viel gemeinsame Interessen dann trotzdem hattet, dass ihr euch beide ähnliche Dinge begeistern konnte. 

                      Und klar, vielleicht war das dann vor Ort scheiße. Aber letztlich spricht es ja schon dafür, dass ihr beide mit so einem gewissen Recht kommt. Ihr geht auf Hüttenbaukurs, es da muss ja schon bissl. 

                      Ralph 

                      Wir hatten natürlich die Ambition, dass wir eventuell dann aus dem Wissen irgendwann zusammen eine Hütte bauen. 

                      Lukas 

                      Siehste, und von daher ist es doch ein gutes und von daher ist es doch in dem Fall der Stein, ja sogar glaube ich nicht mal nur das Scheitern der Beziehung, sondern vielleicht auch das Scheitern von gemeinsamen Vorstellungen von gemeinsamen Projekten. Dass man sagt Hey, das ist vielleicht doch nicht das, was ich wollte und es ist doch voll in Ordnung. 

                      Also ich finde es doch was Schönes. Also selbst wenn die Woche scheiße war, finde ich die Geschichte mit dem Stein schön. 

                      Ralph 

                      Ja und vor allem war dieser Hütten Bau Kurs ja jetzt nicht der Trennungsgrund. Also das ging ja dann doch noch eine Weile. 

                      Lukas 

                      Die erste Trennung ist immer die schlimmste. Ich weiß nie, ob dir das auch so ging, aber bei mir war die erste Trennung furchtbar. 

                      Ralph 

                      Die war richtig schlecht. Bei mir auch. 

                      Lukas 

                      Da habe ich wirklich Jahre, glaube ich, gebraucht. Also um das so wirklich drüber hinweg zu sein, habe ich Jahre gebraucht. Und ich habe damals, da habe ich nach München gelebt. Dann habe ich mich damals mit meinem damaligen Mitbewohner getroffen, das war im Februar, Februar, März und in München lag überall Schnee. Wir haben in der Nähe von dem Park gewohnt und ich habe dann zu ihm gesagt Weißt du was, ich will jetzt ein Brandopfer darbringen mit ihm. Und dann sind wir mit einer mit einer Flasche Whisky und einer Musikbox…Ich habe ein paar Gegenstände genommen, die mich an die Beziehung erinnert haben. Also nicht alles. Ich habe auch noch ein bisschen was zu Hause, tatsächlich aber ein bisschen. Ich muss irgendwas machen. Und dann sind wir mitten in der Nacht um 3:00 auf diesen, auf einen berühmten Hügel in in der Münchner Stadt gegangen, wo der Schnee lag, weil da haben wir ein Feuer angezündet haben, da ich glaube, Motörhead reingemacht hatte, irgendwas haben die Flasche Whisky geleert und dann währenddessen ein paar Gegenstände verbrannt und es war unglaublich cool. 

                      Das war wirklich, wirklich cool. Aber was würde ich da jetzt hinschicken? weil es ist alles verbrannt. 

                      Ralph 

                      Na ja, wenn du die Asche noch hättest. Aber die hast ja dann wahrscheinlich auch nicht mehr. 

                      Lukas 

                      Ich habe noch ein paar von den Gegenständen, die habe ich, glaube ich noch. Ich glaube das noch bei meinen Eltern irgendwo auf dem Dachboden. Keine Anmerkungen. 

                      Ralph 

                      Ich habe auf jeden Fall auch noch sehr viele Gegenstände von verschiedenen Beziehungen. 

                      Lukas 

                      Aber das fällt mir gerade ein und das war so ein Läutern. Und vielleicht war ja auch dieses Verbrennen auch so ein bisschen so was wie zum Museum hinschicken müssen. Ein Gegenstand beschäftigt damit und dann sag es einfach und es war gar nichts. Also es war nichts irgendwie Krasses oder hasserfüllt. Es war die Trennung war zwar schmerzhaft, aber das war voll okay. 

                      Also da war auch kein böses Blut geflossen. Es war halt einfach so, wie es war. Schmerzhaft, aber okay. Und deswegen war das Feuer für mich nichts Gewalttätiges oder irgendwie so was oder nichts Bedrohliches, sondern einfach so was irgendwie reinigendes zu sehen. Dass es dann alles so nach oben steigt, ist alles nur Schall und Rauch. das fand ich cool damals. 

                      Ralph 

                      Das ist die transformative Kraft. 

                      Lukas 

                      Eine Frage: Hast du Anne Freier gefragt, ob Trennungen immer leichter werden, weil das heißt ja auch immer, dass die erste Trennung die schlimmste ist. Und je mehr kommen, desto einfacher wird's. 

                      Ralph 

                      Ja, haben wir auch darüber gesprochen, aber auch das konnte sie nicht eindeutig beantworten. Das kann man so nicht sagen. 

                      Lukas 

                      Okay. 

                      Ralph 

                      Also wenn das so wäre, dann wäre es ja ein Leichtes für mich, mittlerweile. Dann würde ich das jetzt sofort vergessen. 

                      Lukas 

                      Okay, gut. 

                      Ralph 

                      Aber ist doch toll, oder? Über dieses Museum kommen wir beide jetzt ins Gespräch über vergangene Beziehungen. 

                      Lukas 

                      War mir nach fünf Minuten klar, als du das Museum vorgestellt hast. 

                      Ralph 

                      Ich will doch nur darauf hinaus, dass dieses Museum ein guter Katalysator vielleicht ist oder ein guter Grund, um mal über eigene Beziehungen auch nachzudenken und vielleicht in Erinnerungen zu schwelgen und anfangs war ja, um wieder zum Museum zurückzukehren Anfangs war ja gar nicht so klar, ob das mit dem Museum überhaupt was werden wird, weil er ja angewiesen ist auf die Spenden und was da kommt. 

                      Und da hat er ja keinen großen Einfluss drauf, aber es wurde dann eigentlich ganz gut, hat Drazen gesagt. 

                      Dražen Grubišić  

                      I was afraid it would be horribly boring. Because what we get will be plushy toys and love letters and it will be super boring. And then you get first 46 objects and everything is diverse. It is incredible how people write stories. They are able to put in 5 or 6 sentences something that sounds like a script for a movie that you would like to see and find out more. That’s how creative people are when they are in love and they will, and of course when they fall out. 

                      Lukas 

                      Das kann ich mir auch gut vorstellen. Ja, ich glaube auch, dass die Objekte, die hingeschickt werden, schon viel zu sagen haben. Vor allem, weil ich glaube, dass jemand, der da wirklich was hinschicken möchte, der muss sich damit ja auch so ein bisschen auseinandersetzen. Und ich glaube, wenn du das so der Typ bist, der dann so was hinschicken würde, ich kann mir dann schon gut vorstellen, dass das dann auch was wurde, die vorher Gedanken darüber gemacht hast. 

                      Dann ist es ja kein Kuscheltier oder irgendwie so was. Es kann natürlich sein, aber ich glaube, das ist schon eher wahrscheinlich die Ausnahme als die Regel. Ich glaube, das sind Objekte, von denen denkt man gar nicht, dass es solche Objekte sind. 

                      Ralph 

                      Ja, und was dann für Geschichten da rauskommen, das sind Geschichten, die nur das Leben so schreibt. 

                      Lukas 

                      Da gehe ich jetzt gerade nicht drauf ein. Wie viele Leute sind denn da so im Jahr? 

                      Ralph 

                      Oh, im Jahr weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, in der Hochsaison sind's pro Tag so 600 Besucherinnen. 

                      Lukas 

                      so viel. 

                      00:41:33:19 – 00:41:43:02 

                      Ralph 

                      Da das Museum jetzt nicht so besonders groß ist, muss man wahrscheinlich da auch Wartezeiten einplanen, weil es passen nur 50 Leute gleichzeitig rein. 

                      Lukas 

                      Ja, krass. 

                      Ralph 

                      Das jedenfalls, lieber Lukas, war das Museum of broken relationships, dass ich dir und allen, die zuhören heute vorgestellt habe. 

                      Lukas 

                      Ja, vielen lieben Dank. Es ist ein schönes Museum. Es ist eine tolle Idee. Es ist sehr intensiv gewesen. Ich würde es mir, glaube ich, wirklich gerne mal angucken, wenn ich mal in Zagreb bin. 

                      Ralph 

                      Ich kann es sehr empfehlen. 

                      Lukas 

                      Danke noch mal für die Zusatzinfo von Anne Freier. Auch sehr schön. Von daher würde ich sagen, lassen wir es damit bewenden. 

                      Ralph 

                      Würde ich auch sagen. 

                      Lukas 

                      Ja, in der nächsten Folge, Ralph, wird es wieder eine Kooperation geben, die erste Kooperation für das Jahr 2024. Und wir freuen uns, dass wir Iris vom Podcast “Im Museum” dafür gewinnen konnten. “Im Museum” ist ein Podcast, der sich hauptsächlich um österreichische Häuser dreht. 

                      Ralph 

                      Ich glaube sogar hauptsächlich Wien. 

                      Lukas 

                      Aber Iris war für uns unterwegs und hat ein Museum rausgesucht, was ihrer Meinung nach gut in unsere Reihe passt. Und das werdet ihr dann im März vorgestellt bekommen. 

                      Ralph 

                      Und wenn ihr jetzt noch nicht genug von uns habt, dann guckt doch gerne mal auf unserer Instagram Seite vorbei. Da findet ihr auch oftmals Zusatzinfos und auch Bilder von den Museumsbesuchen, die wir gemacht haben. Ja, wir freuen uns, wenn ihr auf Instagram uns schreibt. Ihr könnt es aber auch gern per mehr schreiben an [email protected] 

                      Lukas 

                      Wenn ihr unsere Narretei weiterhin unterstützen wollt, dann könnt ihr das über Steady tun. Wir würden uns wahnsinnig freuen. Die Links dazu findet ihr auch in den Shownotes. Damit will ich sagen bis zum nächsten Mal. 

                      Ralph 

                      Bis dahin Ciao. 

                      Der Beitrag Stories über Trennung – das Museum of Broken Relationships Zagreb erschien zuerst auf Escucha.

                      Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

                      44 min
                    • High-Voltage 2024 – zwischen Pisspott auf dem Nacken und Science-Fiction – das Drahtmuseum Altena

                        BITTE NICHT ANFASSEN! #25 – High-Voltage 2024 – zwischen Pisspott auf dem Nacken und Science-Fiction – das Drahtmuseum Altena

                        Show Notes

                        Was hat ein Ort, der früher recht stark gerochen hat, mit einer der revolutionärsten Entwicklungen der Physik zu tun?

                        Genau. Draht.

                        Daher dreht sich die heutige Folge um die Geschichte des Drahtes. Wie dünn Draht wird, warum man früher dafür eine volle Blase gebraucht hat und wie wir in Zukunft damit nicht nur Kraftwerke optimieren können, sondern sogar unser Hirn neu vermessen.

                        Dazu waren wir im Sauerland im Drahtmuseum in Altena, wo uns Christa Möntmann durch die Ausstellungen geführt hat. Außerdem haben wir mit Dr. Marc Uhlarz vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf über Supraleiter gesprochen.

                        ~~~~~~~

                        Hilfreiche Links:

                        Der Erdumfang beträgt 40.000 km. Das heißt, der Draht der Golden Gate Bridge reicht fast fünfmal um die Erde herum.

                        Das ist ein Bild von Christa Möntmann aus dem Drahtmuseum:

                        https://www.escucha.de/wp-content/uploads/christa-moentmann-scaled.jpeg

                        So sieht das Drahtmuseum von außen aus:

                        https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Drahtmuseum-aussen-scaled.jpeg

                        Und eine Impression von innen:

                        https://www.escucha.de/wp-content/uploads/drahtmuseum-innen-scaled.jpeg

                        ~~~~~~~

                        Infos zum Museum:

                        Deutsches Drahtmuseum
                        Fritz-Thomée-Str. 12
                        58762 Altena

                        https://www.burg-altena.de/museum/deutsches-drahtmuseum/

                        ~~~~~~~

                        über BITTE NICHT ANFASSEN!:

                        Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.

                        Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast.

                        Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht.

                        Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen.

                        BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr.

                        Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/


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                        Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
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                        Podcast-Credits:
                         

                        Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
                        Produktion: Escucha GbR
                        Podcast-Grafik: Tobias Trauth
                        Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)

                        Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge.

                        ~~~~~~~

                        Transkript:

                        folgt…

                        Der Beitrag Das Draht-Museum Altena und die Supraleitung erschien zuerst auf Escucha.

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                        39 min

                      About BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

                      From the publisher's feed

                      BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders ist der Podcast, der dich mitnimmt zu den kleinen und skurrilen Museen dieses Landes. Dabei besuchen wir – Lukas Fleischmann und Ralph Würschinger -…