BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

By Ralph Würschinger und Lukas FleischmannSociety & CultureScienceEducation
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BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders episodes

  • Die ultimativen Weinfacts vom Master-Sommelier - das Korkenziehermuseum Kaiserstuhl

      BITTE NICHT ANFASSEN! #16 – Das Korkenzieher Museum und der Master Sommelier

      Show Notes 

      Achtung: Diese Folge enthält kein unnützes Wissen, sondern den puren Service für Weinklugscheisser und solche, die es werden wollen. Denn ihr bekommt nicht nur die überaus spannende Geschichte des Korkenzieher(museum)s vorgelegt, sondern erhaltet Wissen über Wein, mit dem ihr bei der nächsten Party richtig Eindruck machen könnt. Denn neben der Korkenzieher-Sammelleidenschaft von Bernhard Maurer aus dem Kaiserstuhl geht es in dieser Folge auch um die Expertise von Master-Sommelier Frank Kaemmer. Er erklärt, warum ein Wein korkt, was gute Böden sind und warum ein Schraubverschluss besser als sein Ruf ist. 

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      Hilfreiche Links: 

      So sieht Bernhard Maurer aus: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Bernhard-Maurer-scaled.jpeg

      So sieht der Kaiserstuhl aus: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Der-Kaiserstuhl-1-scaled.jpeg

      Das ist der Korkenzieher mit CO2-Kartusche: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/der-CO2-Korkenzieher-1-scaled.jpeg

      Und das hier ein Bild der Korkenzieher Peep-Show: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Korkenzieher-Peepshow-scaled.jpeg

      Diverse seeeeehr alte Korkenzieher: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Diverse-alte-Korkenzieher-scaled.jpeg

      Eine Übersicht der Deutschen Weinregionen

      https://www.weingutscout.de/weinregionen/deutsche-weinregionen/uebersicht-der-weinregionen/

      Ein Artikel über die Prüfung zum Master Sommelier: https://www.weinfreunde.de/magazin/weinwissen/master-of-wine-oder-master-sommelier/

      Die Webseite des Court of Master Sommeliers: https://www.courtofmastersommeliers.org/

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      Infos zum Museum:  

      Korkenzieher Museum Kaiserstuhl

      Mittelstadt 18

      79235 Vogtsburg-Burkheim

      Willkommen in der Welt der Korkenzieher!

      Infos zu Frank Kämmer:

      Frank Kämmer M.S.

      Weinservice – Marketingdienstleistungen rund um den Wein

      Hadergasse 5

      71332 Waiblingen

      www.frank-kaemmer.de

      [email protected]

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      über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

      Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

      Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

      Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

      Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

      BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

      Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

       Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
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      Kontakt: 
      Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
      E-Mail: info[at]escucha.de  

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      Wollt ihr uns unterstützen?  

      Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

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      Podcast-Credits:  
        

      Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
      Produktion: Escucha GbR  
      Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
      Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

      Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

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      Transkript:

      Lukas

      Platz drei für Wein Fans und solche die es werden wollen. Mehr Klugscheisser wissen aus der Bitte nicht anfassen! Zentrale.

      Und zwar wenn der Wein korrekt, dann handelt es sich um eine Pilzinfektion im Kartenmaterial.

      INTRO

      Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von ist gucke.

      Lukas

      Ja, hallo, Servus und herzlich willkommen zu. Bitte nicht anfassen! Hallo lieber Ralf.

      Ralph

      Hallo lieber Lukas und hallo an alle Hörer und Hörerinnen da draußen.

      Lukas

      Ja, wir sind der Qualitäts Podcast, wenn es darum geht kleine, skurrile alternative Museen auf die Bild- bzw Hörfläche der Menschen zu bringen. Unsere Idee ist schnell erklärt. Wir sind einmal im Monat in einem kleinen alternativen, skurrilen Museum in Deutschland und darüber hinaus. Wobei der eine immer nie weiß, wohin es geht. Also wir wechseln uns da immer Monat für Monat ab.

      Ralph

      So ist es. In der vergangenen Folge war ich im Museum der unerhörten Dinge in Berlin. Das heißt, dass du in dieser Folge wieder dran bist. Bevor wir aber zu dieser Folge kommen, wollen wir ein bisschen Feedback einfließen lassen. Wir haben nämlich Feedback bekommen von unserem Hörer. Dominik. Vielen lieben Dank, Dominik. Du hast uns nämlich darauf aufmerksam gemacht, dass in der vorletzten Episode über das Klo Museum in Olching, ähm ja, wie sagt man das bei uns eine Ungereimtheit.

      Lukas

      Ist eine Fehlerteufel eingeschlichen hat. Ja, es ist schlimm.

      Ralph

      Schlimm, schlimm.

      Lukas

      Schlimm. Und das wollen wir natürlich nicht so stehen lassen. Und zwar ging es konkret darum, die geneigten Bitte nicht anfassen. Hörerinnen erinnern sich natürlich daran. Es ging um das sogenannte Xylospongium. Der aus dem alten Rom stammende schwamm in Essig getränkt mit einem Holzstab dran und wir hatten da gesagt, dass das benutzt wurde, um sich den Arsch ab zu putzen.

      Lukas

      Das ist aber faktisch falsch, denn.

      Ralph

      Denn inzwischen weiß man, dass das Xylophon Bongo zum Klo saubermachen verwendet worden ist. Also nicht zum Hintern abwischen, sondern tatsächlich wie eine heutige Klobürste. Und darauf deuten beispielsweise auch Stoffreste, die man in alten Toiletten gefunden hat, hin. Auch der Fakt, dass das sehr unhygienisch ist, wenn man dieses Bongo untereinander austauscht, ja.

      Lukas

      Damit haben wir das jetzt hier ein für alle Mal richtiggestellt. Und die geneigten Hörerinnen wissen zu Das Bongo ist nicht etwa der Vorläufer, der Clou des Papiers, sondern eher dafür der Vorläufer der Klobürste.

      Ralph

      Wo haben wir das erst mal gelassen? Das heißt, wir können in die Zukunft blicken. Und du warst ja diesmal wieder unterwegs in einem Museum. Lukas wohin hat sich verschlagen?

      Lukas

      Das wirst du gleich hören. Ich habe aber erst mal eine Frage an dich. Und zwar wenn du an Schottland denkst. An was denkst du da?

      Ralph

      Whiskey, Schotten, Röcke, Baumstamm werfen, Golf, Nessie.

      Lukas

      Drüber. Es könnte wie aus der Pistole geschossen. Krass Genau.

      Ralph

      Dudelsack Vergessen.

      Lukas

      Okay, Aber ich glaube, was du wahrscheinlich am wenigsten mit Schottland verbindest, ist Champagner und Rotwein, richtig?

      Ralph

      Ja, richtig.

      Lukas

      Genau in diesem Land hat die Geschichte eines Gegenstandes begonnen, um den es heute geht und in dessen Museum ich heute bin und der eigentlich mit diesem Land so rein, wenn man sich das jetzt mal so durch den Kopf gehen lässt, überhaupt nichts zu tun hat. Es geht nämlich heute um die Geschichte des Wein. Denn der wurde nämlich zum Ersten Mal serienmäßig in Schottland benutzt, um Wein zu verschließen.

      Lukas

      Und das Ganze hat wiederum mit einer anderen Erfindung zu tun, die quasi diese Entwicklung erst möglich gemacht hat, nämlich die Erfindung der serienmäßig hergestellten Glasflasche. Die gibt es nämlich tatsächlich erst so in Serien Herstellung seit 250 bis 300 Jahren entweder in Italien hergestellt oder aber in Schottland bzw England. So, und jetzt könntest du dir vorstellen, worum es heute in diesem Museum geht, Nämlich um.

      Ralph

      Die hast du doch schon gesagt. Um die Korken?

      Lukas

      Ja, nicht ganz, denn es geht nämlich um ein Gerät, das man dazu braucht, um diese Korken aus den Weinflaschen zu entfernen. Und zwar es geht um die Korkenzieher und es geht um die Geschichte der Korkenzieher. Und dazu war ich im Korkenzieher Museum im Kaiserstuhl. Aber das ist noch nicht alles, denn in dieser Folge, es wird eine lange Folge.

      Lukas

      Ich hoffe auch eine interessante Frage, denn in dieser Folge geht es auch darum, dass wir ein für alle Mal klären, was guten Wein ausmacht, wie man guten Wein erkennt, was der Korken für einen Einfluss auf den Wein hat. Und dafür habe ich mich noch mit einem Master Sommelier unterhalten und das wird auf jeden Fall sehr spannend. Das kann ich dir versprechen und hat auch Service Charakter für alle BNA Hörerinnen da draußen.

      Ralph

      Endlich mal kein unnützes Wissen. Ja. Ja, okay, sehr interessant. Ich bin ja eher Biertrinker als Weintrinker.

      Lukas

      Ich auch.

      Ralph

      Und selbst beim Wein gibt es ja dann auch noch mal Unterscheidungen. Da gibt es ja die Leute, die eher Weißwein trinken, dann die Leute, die Rotwein trinken. Ich weiß gar nicht, ob dann eher verpönt ist. Ja, bin sehr gespannt. Kaiserstuhl Wo ist das denn genau?

      Lukas

      Das wäre meine nächste Frage gewesen, ob du da schon mal gewesen bist. Aber da du das nicht kennst.

      Ralph

      Das klingt nach Gebirge.

      Lukas

      Gehe ich mal davon aus, dass da doch nicht was? Also pass auf, der Kaiserstuhl, das ist eine kleine Erhebung am Rhein zwischen dem Schwarzwald auf der rechten Seite, das ist die deutsche Seite und den Vogesen, auf der linken Seite die Vogesen. Das ist so bei Straßburg Mittelgebirge, und da wird jedenfalls seit Jahrhunderten Wein angebaut. Jetzt ist es auch neben dem Weinanbau so eine richtige Touri Region.

      Lukas

      Also das musst du dir vorstellen. Da gibt es ganz viele Dörfer, die natürlich alle in diese riesige Weinanbau Region eingebaut sind, mit Fachwerkhäusern, mit Burgen, mit Schlössern. Also das ist so eine richtige. Ja, man kann fast schon sagen, so eine kleine Märchen Landschaft und einer der daherkommt, genauer gesagt aus Bergheim ist Bernhard Maurer und Burgherr, misst, wie bereits erwähnt, eine kleine Ortschaft.

      Lukas

      Da und dort hat Bernhard Maurer das Korkenzieher Museum eröffnet. Er ist eigentlich gelernter Grafikdesigner, aber er hat schon immer Surprise für alle Leute, die wir hier bitte nicht anfassen vorstellen, gerne Sachen gesammelt und gehört. Und irgendwann war er damals mit seinen Kolleginnen auf einem Betriebsausflug und dann war er auf einem kleinen Markt. Es wird wahrscheinlich so ein Antiquitäten Markt gewesen sein.

      Lukas

      Genau weiß ich es jetzt gerade auch nicht mehr. Und da hat ein Korkenzieher gesehen. Und dann war er auf einmal von diesen Korkenzieher ziemlich fasziniert. Er ist auch selber passionierter Weintrinker. Ja, und genau. Damit du mal hörst, wie sich Bernhard Maurer so anhört Ton eins.

      Bernhard Maurer

      Wir haben hier in Burg Antiquitätenhändler gehabt und da bin ich dann hingegangen, habe gesagt, ich habe ein neues Sammelgebiet, aber da kommst du nicht drauf, weil ich kenne niemanden, der das Sammelns dann sagt Ich weiß was jetzt, aber ich sag Korkenzieher. Und dann sagt er Oh je, spät dran mit dem Sammeln. Also ich habe viele Kunde, die nur Korkenzieher sammeln und vielleicht habe nur so drei vier Stück da.

      Bernhard Maurer

      Ich kann ja dir mal zeige. Dann hat er mir Moderne zeigt und dann habe ich die natürlich sofort gekauft. Und dann hat er mir noch einen Katalog gezeigt über Korkenzieher. Und da waren ganz verrückte Korkenzieher drin. Da dachte ich ja, Mensch, ist sicher richtig interessante Sammelgebiet. Da fängt es jetzt mal richtig an Mensch.

      Ralph

      Das scheint ja nicht der Einzige zu sein, was mich überrascht, weil ich kenne niemanden, der Korkenzieher sammelt.

      Lukas

      Ich auch nicht. Aber es gibt viele Leute, die Korkenzieher sammeln. Es gibt auch eine Korkenzieher Sammler Vereinigung in Deutschland, die sich da regelmäßig treffen und austauschen. Zu den neuesten Facts sind Figures in der Korkenzieher Branche. Du hast ja vielleicht am Turn schon gehört. Also Bernhard Maurer hat dann richtig Blut geleckt und dann ging es weiter und dann hat er ziemlich schnell richtig angefangen.

      Lukas

      Das hat er eben auch schon erwähnt. Irgendwann hat er sich Kataloge zuschicken lassen, zum Beispiel aus Schottland, dan Schottland. Also er hat das Erfinder Land des Weins morgens in der Serienproduktion und damit auch das Erfinder Land des Korkenzieher, so wie wir ihn heute kennen. Da gibt es eben ganz viele Korkenzieher Sammler und auch ganz viele Kataloge für seltene Korkenzieher und natürlich musste er dann mit seiner Frau immer wieder auf Sammel Reisen gehen und ist dann in Deutschland, in Schottland, in England, auf Flohmärkten unterwegs gewesen, auf Antiquitäten Märkten unterwegs gewesen und hat sich nach Korkenzieher umgehört.

      Bernhard Maurer

      Man geht quasi auf die Jagd, dann gehste auf den Flohmarkt und dann läufst du die ganze TGA und guckst überall hier. Ja oder Manchmal habe ich auch gesagt oder gefragt haben sie auch, weil oft sie ja die kleine Kurve gezielt geerntet. Und da haben manche gesagt ja, ich habe keinen mehr, da war ja einer. Na ja, dann kommt der Ehrgeiz.

      Bernhard Maurer

      Aha, ich muss jetzt irgendwie den überholen, damit ich vorne dran bin, damit ich der Erste bin, der einen Korkenzieher kommt. Und so war das natürlich immer interessant.

      Ralph

      Ich denke ja. Spannend. So ein wichtiges Wettrennen. Epische Geschichte.

      Lukas

      Ja, also du siehst, er nimmt es nicht auf die leichte Schulter, sondern für ihn ist Korkenzieher sammeln tatsächlich ganz wichtig. Zentrale Inhalt. Aber man kann sagen, dass es sich ja für ihn bislang ganz gut rentiert hat. Denn auf seinen Sammel, Reisen und Einkaufs, Reisen usw hat er mittlerweile 1600 verschiedene Korkenzieher gesammelt.

      Ralph

      Ja und wie lange sammelt der denn schon?

      Lukas

      Seit 25 Jahren, glaube ich. Und dann war es so, dass im Jahr 2003 wurde das Rathaus in Bergheim saniert und das Rathaus in Bergheim. Das ist ein total schönes mittelalterliches Dorf, Rathaus mit Fachwerkhäusern außenrum. Also es sieht aus wie im Bilderbuch und da gab es einen Festsaal. Und dann wurde Bernhard Maurer vom Bürgermeister gefragt, ob er da nicht ein bisschen seiner Korkenzieher Sammlung ausstellen könnte.

      Lukas

      Weil es hat sich natürlich in dem Dorf schon rumgesprochen und das hat er dann auch gemacht. Und dann kam das ganz gut an und im Nachhinein hat er gemerkt, dass in Bergheim doch ein paar Räume in seinem Haus übrig hatte. Auch so ein total schönes Fachwerkhaus. Also es ist total malerisch da. Dann hat er sich gedacht Well, ich mache ein Museum.

      Lukas

      In den ersten Jahren hat Bernhard Maurer gemeint, dass da über 5000 Besucher im Jahr kamen. Es gibt da noch ein anderes Museum in Deutschland, das Korkenzieher ausstellt. Aber die haben da noch andere Exponate. Also keine Ahnung, irgendwelche Geräte, die man zur Herstellung braucht oder irgendwie so was. Aber er hat quasi das einzige exklusiv dem Korkenzieher gewidmete Museum in Bergheim im Kaiserstuhl.

      Lukas

      Wenn du jetzt in dieses Museum reingehst, dann ist es so im Mittlerweile hat es sogar einen Shop, wo er verschiedene Sachen anbietet, das aber erst nach dem Korkenzieher Museum gekommen. Das Korkenzieher Museum ist quasi exklusiven Museum. Das ist, wenn du vor seinem Haus stehst, geht an der Seite noch so ein kleines Gässchen hoch mit Pflastersteinen in der Kiste hoch und dann öffnet er eine Tür den Gäste links rein und dann siehst du dem großen Raum einfach hunderte Korkenzieher.

      Lukas

      Insgesamt hat er 350 ausgestellt, in dem Museum, die da an der Wand hängen. Und es sind ganz unterschiedliche, also von Korkenzieher, die man halt so kennt. Zum Beispiel dieser Korkenzieher in Form, den man einfach so in den Korken rein bohrt und dann rausziehen kann bis hin zu diesem Flügel Korkenzieher. Also das kennt man ja auch. Das ist diese Schraube, die man rein dreht.

      Lukas

      Dann geht die Flügel an der Seite hoch, dann drückt man diese Flügel runter und sieht dann den Korkenzieher hoch. So was. Und dann halt aus verschiedensten Epochen, aus verschiedensten Ländern, aus verschiedensten Regionen. Ganz unterschiedlich.

      Ralph

      Und dann ist da die Aufmachung im Museum. Ist es, hat es eine bestimmte Systematik oder Präsenz? Wie ist das?

      Lukas

      Es gibt verschiedene länderspezifische Korkenzieher, weil Bernhard Maurer nämlich sagt, dass du meistens erkennen kannst, aus welchem Land ein Korkenzieher kommt, je nachdem, wie er gebaut ist. Auch die Mechaniken sind da ganz anders. Das kannst du dir so ein bisschen vorstellen wie beim Mausefallen Museum bei unserer ersten Folge. Denn da hat ja auch Helga Weißenborn gesagt, dass sie an der Art und Weise, wie die Mausefalle konstruiert ist, erkennen kann, aus welchem Land die Mausefalle kommt.

      Lukas

      Und bei den Korkenzieher ist es genauso. Also das liegt einfach daran, dass jedes Land so ein bisschen seine eigene, seine eigenen Korkenzieher Mechaniken hat. Und wie bei allem gibt es natürlich dafür wahnsinnig viele Patente. Und an diesen Patent Zeichnungen kann man quasi zurückverfolgen, aus welchem Land, welcher Korkenzieher kommt. Und da hat sich das sozusagen gefestigt, dass quasi immer eine spezielle Form von Korkenzieher dann in dieser Ausprägung natürlich gibt es Flügel, Korkenzieher aus Frankreich und es gibt auch Flügel, Korkenzieher aus Deutschland oder aus England.

      Lukas

      Aber man kann an so einigen Spezifika wohl ganz gut erkennen, aus welchem Land die dann kommen.

      Ralph

      Ist es dann bei den Korkenzieher genauso wie bei den Mausefallen, dass der ganze Dörfer von gelebt haben, von der Herstellung von Korkenzieher.

      Lukas

      Oder was weiß ich nicht? Keine Ahnung, aber ich glaube, dass wir nicht vorstellen. Ich glaube es nicht näher aber nicht glaube nicht, aber keine Ahnung. Er kann sagen, jetzt ist es so, dass es diese Korkenzieher Sammler nicht nur in Deutschland gibt, sondern die gibt es in der ganzen Welt. Und damit du mal vielleicht einen Eindruck bekommst, in was für schwindelerregende Höhen das gehen kann, kann dir mal Bernhard Maurer erklären, was so der teuerste jemals gehandelte Korkenzieher war.

      Bernhard Maurer

      Bei Christie's in London gab's bis vor ein paar Jahren jedes Jahr zwei Auktionen.

      Lukas

      Nur Korkenzieher und, weiß man, das Teuerste war?

      Bernhard Maurer

      Also da konnte ich schon mal so 15.000 £ sind da weggegangen für einen Korkenzieher.

      Lukas

      Und was war das denn?

      Bernhard Maurer

      So ein seltener Korkenzieher. Also, wenn bei allem so, wenn man irgendwo was findet, und dann gibt es kaum mehr, dann geht der Preis natürlich in die Höhe.

      Ralph

      Als hätte man sich schon mehr Details zu diesen Coins hier gewünscht.

      Lukas

      Ja, ich mir tatsächlich auch. Aber ich kann dir später anhand von Bernhard Maurers teuersten Exemplar erklären, worauf er da achtet oder war. Woher sein, woher dieser Wert zustande kommt. Also ganz so teure Stücke hat er jetzt natürlich nicht. Also 15500 0 € Korkenzieher oder nicht, aber tatsächlich sehr, sehr wertvolle. Sein ältester Korkenzieher ist tatsächlich über 300 Jahre alt, auch aus Schottland, und das ist ein sogenannter te Korkenzieher, also Grundform mit diesem Gewinde, das reingeht.

      Lukas

      Und da kommen wir jetzt auch schon zur Korkenzieher Einordnung, wenn man nämlich vom Gewinde ausgeht. Da gibt es nämlich drei verschiedene und wir benutzen heute fast nur noch das sogenannte rund Gewinde. Es gibt aber noch das Schrauben Gewinde und das Gewinde beim Schrauben Gewinde. Das ist sozusagen das älteste und ursprünglichste Gewinde. Das kannst du dir vorstellen, wie wenn du jetzt eine Schraube hast mit einem Kreuz Schlitz und dann würdest du quasi die Schraube in den Korken rein drehen und dann rausziehen.

      Lukas

      Der Nachteil ist aber dadurch, dass das Gewinde sich so rein schraubt, machst du erstens den Korken kaputt und zweitens kann es sein, dass der Korken bricht. Weil wenn du das nämlich raus ziehst, ist zu viel von dem Material schon schon schon brüchig geworden und dann ziehst es raus. Und hast du vielleicht den halben Korken in der Hand? Deswegen wurde das weiterentwickelt.

      Lukas

      Das Gewinde kannst du dir vorstellen. Das sind wie so ein paar Scharen oder so kleine Klingen, die an diesem an dem untersten Stück befestigt sind. Und da musst du nur ganz wenig drehen, nur drei oder vier mal drehen und dann sind diese Klingen schon im Korken drinnen und du kannst den rausziehen.

      Ralph

      Das kann ich mir nicht vorstellen.

      Lukas

      Ich habe ein Bild da von den Zahnarzt. Das ist ein bisschen schwer zu erklären. Für alle, die sich dafür interessieren, haben wir das Bild in den Schauen uns und was aber für uns viel wichtiger ist und deswegen gehe ich da am meisten drauf ein, ist es das Gewinde. Das ist quasi das, was man so kennt. Was das Heutige, also der STANDARD, dass STANDARD Korkenzieher Gewinde ist.

      Ralph

      Wie so ein Ringe Schwanz von einem Schwein.

      Lukas

      Genau, Genau. Und beim Gewinde spricht man übrigens davon, dass das rund Gewinde, dass dieser Korkenzieher eine Seele hat. Und die Seele des Korkenzieher besteht darin. Das ist auch ein Test, ob ein Korkenzieher von der Qualität her gut ist und vor allem aber gut ausgerichtet ist. Du musst ein großes Streichholz nehmen und wenn du dieses Streichholz in das runde Gewinde so reinschieben kannst, dass du quasi mit dem Streichholz bis oben an die Korkenzieher festmachen kommt, dann hat der Korkenzieher eine Seele.

      Ralph

      Genau das will ich jetzt mal so hin. Genau. Und das andere sind die seelenlosen Korkenzieher.

      Lukas

      Genau das andere sind die seelenlosen Korkenzieher.

      Ralph

      Warum ist es dann wichtig, ob ein Korkenzieher jetzt eine bestimmte Länge hat? Weil die je länger, desto besser. Ist nicht unbedingt der Fall. Weil es ja auch nur eine bestimmte spezielle Länge lang.

      Lukas

      Es gibt auch zum Beispiel Speed, Korkenzieher. Ja, da ist die Länge dann so ausgerichtet, dass man nur dreimal fest drehen muss und dann ist der Korkenzieher schon komplett drinnen. Dann ist es halt häufig auch so, dass man da quasi Druck ausüben will, ohne den Korken zu zerstören. Denn im besten Falle ist es ja so, dass du den Korken wenn du zum Beispiel die Weinflasche dann nicht ganz austrickst, machst du den Korken wieder drauf und stellst es in den Kühlschrank.

      Lukas

      Und je austarierte das Verhältnis von Korkenzieher Länge zum eigentlichen Korken ist, desto nachhaltiger kannst du damit halt den Korken entfernen. Das ist das simple Grund. Aber wie gesagt, es gibt auch Korkenzieher, die gänzlich ohne diesen Gewinde funktionieren und davon hat. Dann hat man natürlich auch nicht nur einen, sondern etliche. Aber ein Beispiel.

      Bernhard Maurer

      Also Sie sehen hier Kunststoff Prüfbericht ungefähr so groß wie eine Zigarre und unter kommt eine Nadel raus und mit dieser Nadel stechen sie den Korken durch. Und jetzt hat der Ober an dem Griff so kleine Hebel. Wenn sie da draufdrücken, dann zischt und Luft in die Flasche rein, dann gibt es einen Überdruck in der Flasche und dann kommt der Kollege ganz langsam hoch.

      Bernhard Maurer

      Also durch die CO2 Kartusche drin, wie bei den es an die Maschine und das ist, gibt es aber noch ein manuelles System, das ich auch wieder mit Nadel und dann müssen sie so pumpen, dann pumpen Sie Luft praktisch manuell in die Flasche rein.

      Ralph

      Also ich habe verstanden, dass man so einen Griff hat und ich weiß nie, ob das jetzt ein Tee auch wie dieses Stück ist bei mir.

      Lukas

      Es sieht aus wie eine Zigarre. Eine weiße Zigarre?

      Ralph

      Ja, und da kommt eine Nadel raus. Und mit dieser Nadelstich man durch den Korken hindurch.

      Lukas

      Komplett durch die Nadel in der Flasche. Schon drin.

      Ralph

      Und die bleibt aber dann da drin. Und dann kann man per Knopfdruck in diese Nadel, die anscheinend so eine Art Kanüle ist oder so richtig kann man dann Luft rein lassen in die Flasche und dadurch entsteht ein Überdruck, der den Korken anhebt und aus der Flasche hebt oder was genau.

      Lukas

      Und und. Das Prinzip kannst du übrigens super einfach übernehmen, wenn du zum Beispiel mal und das ist hier Service korrekte Nummer eins für alle. Bitte nicht anfassen. Hörer:innen da draußen zum Beispiel. Ihr habt keinen Korkenzieher zu Hause und ihr wollt aber einen Cocktail, wollt aber einen Wein? Unbedingt aufbekommen. Vielleicht habt ihr ja eine Ball Luftpumpe zur Hand, denn die funktioniert nach demselben Prinzip.

      Lukas

      Da ist ja auch diese Nadel dran. Und damit könnt ihr einfach den Korken durchstechen, mit der Luftpumpe Luft reinpumpen und dann geht der Korken heraus und es hat auf den Geschmack überhaupt keine Auswirkung. Also außer natürlich in der Kanüle drin, den ihr dann schön in die Flasche, aber sonst hat das keinerlei Auswirkungen darauf.

      Ralph

      Aha. Na ja, wenn ich keinen Korkenzieher zur Hand hatte, dann habe ich halt versucht, den Korken rein zu drücken in die Flasche. Das ist ja die Alternative. Aber dann kommt es halt nicht mehr an den Korken.

      Lukas

      Richtig? Genau. Da muss man auch aufpassen, denn beim ersten Schluck, wenn man den Korken rein drückt, ist es so Beim ersten Schluck sollte man dann noch einen Löffel nehmen, um den Korken noch mal rein zu drücken. Weil wenn man das nicht macht, dann verschließt der Korken wieder von unten die Weinflasche ab dem zweiten Schluck. Allerdings braucht man es nicht mehr.

      Lukas

      Das fand ich auch sehr faszinierend. Aber es funktioniert.

      Ralph

      Was ausprobiert im Museum?

      Lukas

      Nee, habe ich nicht. Aber ich habe mir danach ein paar Videos angeguckt, wie man Weinflaschen aufmachen kann. Das war eigentlich auch meine Idee, diese Folge einzuleiten, dass ich dir eine Nadel, eine Luftpumpe habe. Keine Ahnung, was der mit.

      Ralph

      Den Flaschen Wein aufmacht.

      Lukas

      Aber da dachte ich mir es ein bisschen und nachhaltig und wer weiß, was das für eine Sauerei geworden wäre. Deswegen habe ich mich für die elegantere Schottland Variante entschieden. Hoffe ich doch mal! Ja, ja und jetzt ist natürlich eine Frage noch nicht geklärt, nämlich Was ist denn jetzt Bernhard Maurers teuerster, wertvollster und im Land ist der Korkenzieher. Und ich sage das deswegen erst jetzt, weil das ein Korkenzieher ist, der nicht dafür gedacht ist, was du denkst.

      Bernhard Maurer

      Früher waren die Fläschchen auch verkalkt, und dann brauchte man einen Kolben Zielsetzung. Und von da habe ich diesen Korkenzieher beim Juwelier in Hamburg, und der lag dort zwischen den Schmuckstücken in der Auslage drin. Da dachte ich ja, das ist ein seltsamer als Korkenzieher beim Juwelier. Und dann bin ich in das Geschäft reingegangen und habe gefragt, ob sie den Korkenzieher verkaufen.

      Bernhard Maurer

      Er sagte ja, wollte natürlich den Preis wissen. Und dann sagt sie 1100 Mark, das war noch zu dem uhrzeiten, und dann wollte ich mit ihr handeln, aber die überhaupt nicht drauf eingegangen. Und sie hat mir gesagt, das Material ist es schon wert. Ja, dann war mir das zu teuer. Und ich bin dann, als er wieder in der Kaiserstuhl war und Wochen später sage ich zu meiner Frau Wir fliegen nach London in zwei Tagen eine Korkenzieher Auktion bei Christie's.

      Bernhard Maurer

      Und da meinte sie also jetzt so langsam wird es bedenklich mit seiner Sammelleidenschaft, wie er nach London flog und bei der Auktion bei Christie's war, ungefähr so an die 300 Leute aus der ganzen Welt und so unähnliche Korkenzieher, ähnlich ich für 3.000 £ versteigert wurde. Und da habe ich gesagt Mensch, war ich blöd, hätte ich doch den für 1100 Mark gekauft und bei meinem nächsten Besuch in Hamburg lag er immer noch da, und so kam das im Besitz.

      Lukas

      Also gleich gekauft.

      Bernhard Maurer

      Dann haben wir den Kauf natürlich.

      Ralph

      Findet damit ein Korkenzieher extra hergestellt.

      Lukas

      Damit sie sich ihre Parfüm Fläschchen aufmachen kann. Der ist total klein und super unscheinbar. Wenn ich jetzt so durch die Sammlung durchgegangen wäre, ich wäre nie darauf gekommen, dass das der teuerste Korkenzieher ist. Wenn du dann natürlich nur hinschaust und die ganzen Ornamente siehst und das ganze Material und so was, dann siehst du schon, dass er eine gewisse Wertigkeit hat.

      Ralph

      Aber ja auch gesagt, dass die Verkäuferin meinte, das Material ist das schon wert. Was ist denn das für Material?

      Lukas

      Das weiß ich gar nicht mehr.

      Ralph

      Ich glaube, so ungefähr sind das jetzt.

      Lukas

      Ich glaube, das war sogar der Stein. Elfenbein mit Edelsteinen drinnen. Und so weiter. Und der hängt da jetzt auch. Er ist natürlich alles hinter einer verglasten Vitrine und so, und man merkt auch, dass Bernhard Maurer Grafikdesigner ist, weil das Museum ist schon ziemlich, ziemlich gut eingerichtet. Das hat jemand gemacht, der da wirklich Ahnung von hatte. Das sieht auch dafür, dass es so ein kleines Museum ist, sehr professionell aus.

      Lukas

      Und das sind auch noch ganz viele Sachen dabei, wie zum Beispiel Der hat eine Peepshow für Korkenzieher gemacht.

      Ralph

      Na ja, das heißt die.

      Lukas

      Gut. Das heißt, du kannst da 0,50 € reinwerfen und dann öffnet sich quasi so eine Peepshow und dann kannst du dahinten die hinter die die Korkenzieher angucken und so was. Also sind auch ein paar lustige Sachen, aber es ist.

      Ralph

      Echt eine witzige Idee.

      Lukas

      Oder auch riesengroße Korkenzieher, die dann mit denen du gar nichts aufmachen kannst oder wo die Weinflaschen einfach gefühlt keine Ahnung riesengroß sein müssten.

      Ralph

      Kannst du mit einem Korkenzieher ein Separee gehen?

      Lukas

      Genau. Und ja, genau, ein paar Korkenzieher verkauft auch mittlerweile, weil er jetzt nämlich einen Laden da unten dran dazu eingerichtet hat, in dem es allerlei Sachen gibt von Korkenzieher in übermäßige Nuss Materialien, alles mögliche Sachen aus der Region. Aber so ein Genuss, weil es gibt auch viele Touris da und genau das betreut er jetzt eben.

      Ralph

      Aber er sammelt auch weiterhin.

      Lukas

      Er sammelt auch weiterhin. Genau. Und er tauscht auch regelmäßig die Sammlungen so ein bisschen aus. Und er kennt wirklich jedes Exponat, was da drin ist. Und das sind noch total schräge Sachen drinnen. Aber ich glaube, da ist es besser, wenn man wirklich mal hingeht und sich das anguckt, weil diese Korkenzieher nur akustisch zu beschreiben gar nicht so einfach ist.

      Lukas

      Deswegen also an alle die von euch, die da mal in der Nähe sind, kann ich wirklich empfehlen. Ist ein tolles Museum.

      Ralph

      Kriegt man dann, wenn man durch diese Ausstellung geht, auch Informationen über die Geschichte des Korkenzieher ist.

      Lukas

      Ja, aber die meisten Informationen sind wirklich die, die Bernhard Maurer oder dann jemand anderes dir dann in der Führung erklärt. Viel Textbausteine oder so was gibt es da leider nicht.

      Ralph

      Ja, verstehe.

      Lukas

      Genau. Und jetzt kommen wir natürlich zur Frage aller Fragen, nämlich jetzt kommt der eigentliche, noch größere Service für alle Wein, Klugscheißer und solche, die es werden wollen. Für alle Leute, die mal an so einem schönen Abend mit Freunden angeben wollen und sagen können Hey, macht der Korken was am Geschmack des Weines oder nicht? Was glaubst du?

      Ralph

      Also das gibt es doch als Beschreibung, dass man sagt Oh, der Wein, der Kork. Deswegen sage ich jetzt einfach mal Ja.

      Lukas

      Sehen wir gleich auch, was es mit dem Wein korken auf sich hat? Ja.

      Ralph

      Da fällt mir doch ein, es gibt ja auch unterschiedliche Materialien inzwischen beim Korken.

      Lukas

      Komm, ich könnte mir.

      Ralph

      Schon vorstellen, dass das da irgendwie Auswirkungen hat und dass sich vielleicht dann in der neueren Zeit die Leute überlegt haben Ah, okay, der alte natürliche Korken, der hat vielleicht Einfluss auf den Geschmack. Dann entwerfen wir doch mal einen aus. Ich weiß nicht, was die neuen sind. Vielleicht sind ja ein bisschen aus Kunststoff oder so.

      Lukas

      Komme gleich dazu. Ja, aber jetzt erst mal die Frage Macht der Korken was am Geschmack oder nicht?

      Ralph

      Ich habe ja gesagt.

      Frank Kämmer

      Eigentlich hatte man ja lange Zeit gedacht, der Korken hätte keinen Einfluss auf den Beinen. Genau deshalb ist das so ein optimales Verschluss Medium für eine Weinflasche. Aber mittlerweile haben doch viele Studien herausgebracht, dass die Olivenöle und auch Tannine doch auch in den Wein übergehen und Wein prägen. Und ich meine jetzt nicht den gefürchteten Kork Geschmack, diesen Wein Fehler, sondern tatsächlich auch ein gesunder Korken prägt durchaus den Wein, man könnte sogar fast sagen in Anführung gesprochen, jeder Wein, der mit einem Korken verschlossen wird, Korpus in einem gewissen Sinne im Geschmack, denn der Cook nimmt schon ein wenig Einfluss auf den Wein, auch im positiv, wie aber auch im negativen Sinne.

      Frank Kämmer

      Beides ist möglich.

      Ralph

      Total.

      Lukas

      Ja, der Wein Korken hat einen kleinen Einfluss, aber der ist minimal. Also den kannst du eigentlich nicht nicht mehr nachvollziehen. Und wenn der Wein kommt, dann liegt es nicht am Korken Geschmack, sondern warum? Ein Wein korrektes kommt später noch. Vielleicht erst mal kurz zur Erklärung wenn du da gerade gehört hast, dass es Frank Kemmer, Frank Kemmer ist Master Sommelier und jetzt ist die Frage Sommelier im Begriff?

      Lukas

      Hast du schon mal gehört, nehme ich an?

      Ralph

      Ja, das ist ein wie sagt man auf Deutsch ein Wein Tester? Nein, ich sage mal.

      Lukas

      Sommelier ist der französische Begriff für Weinkenner erst mal gar nix anderes. Also jeder, der in Frankreich Wein kellnert, ist ein Sommelier. In unserem Sprachgebrauch und auch im internationalen Sprachgebrauch wird sozusagen damit jemand bezeichnet, der sich professionell mit Wein und dessen Geschmack auseinandersetzt. Aber eben nicht nur mit Wein, sondern auch mit zum Beispiel Bier, Cocktails, Sake, alles Mögliche. Also Sommelier.

      Lukas

      Es gibt Bier, Sommeliers, Sake, Sommeliers. Und so weiter. Aber wir verbinden uns erst mal mit dem Wein. Ich glaube einfach davon, weil das, so glaube ich, der bekannteste.

      Ralph

      Aber er kommt halt auch.

      Lukas

      Genau und jetzt gibt es natürlich Sommeliers und Sommeliers, weil Frank Kemmer ist nicht nur Sommelier, er ist nämlich Master Sommelier und das ist die höchste Bezeichnung und die höchste Qualifikation, die du als Wein Experte bekommen kannst. Und jetzt ein kleiner Funfact dazu Es gibt weniger Masters Sommeliers auf der Welt als Menschen, die im Weltall waren. Weltweit gibt es nur rund 280 Menschen, die diesen Titel haben.

      Ralph

      Wie viele davon gibt es denn in Deutschland oder ist das sogar der einzige?

      Lukas

      Nein, da gibt es mehrere. Aber wie viel genau in Deutschland sind, weiß ich nicht. Aber die Szene ist international total vernetzt. Also die treffen sich regelmäßig und tauschen sich dann aus. Aber wie gesagt, die Szene super klein, 80 Leute, wenn du diesen Titel möchtest, dann musst du dazu eine Prüfung bestehen, die eine Durchfallquote von 95 % hat. Und um dahin zu kommen, musst du vorher noch mal zwei Prüfungen bestehen Vorprüfung um dich für die schlussendliche Prüfung dann zu qualifizieren.

      Lukas

      Und wie gesagt, 95 % schaffen diese Prüfung nicht. Frank Kemp hat diese Prüfung 1997 bestanden und ist jetzt sozusagen absoluter Experte, wenn es darum geht, Wein zu erkennen und Wein auch natürlich zu zu bewerten. Wein zu empfehlen. Und damit verdient er auch sein Geld, als er berät. Firmen, Unternehmen, aber auch andere Kunden, auch Restaurants, alles mögliche, was Sie sich für Weine raussuchen.

      Lukas

      Wie er das genau macht. Und das ist jetzt vielleicht ein kleiner Exkurs. Das soll er dir am besten selber mal erklären.

      Frank Kämmer

      Man nennt es deduktiv Tasting, ein deduktiv es verkosten. Man analysiert zuerst den Wein mit allen Sinnen, Augen, Nase, Mund und zerlegt in alle seine Einzelteile. Also wenn ich ihn meines am Gaumen habe, danach sich auf die Säure, auf Distanz hin, auf den Alkohol, auf die Länge, die Dichte. Es gibt sehr, sehr viele Parameter und alles wird jedes einzelne dieser kleinen Einzelteile.

      Frank Kämmer

      Und am Ende setzt man dieses gesamte Bild wieder zusammen und zieht aus den Verkostung Schlüssen einen Schluss hinterher über den man auf den Wein Charakter oder auch die Herkunft kommen kann.

      Ralph

      Komplex.

      Lukas

      Ja. Er sagt aber auch, dass er unterscheidet zwischen dem Singen, zwischen dem sogenannten hedonistischen Weintrinken und dem professionellen Wein Verkosten, also hedonistischen. Weintrinken ist quasi das hat er mir dann auch im Interview so erklärt.

      Ralph

      Was wir machen.

      Lukas

      Ja, bzw er sitzt halt abends auch mit seiner Frau auf der Couch, trinkt einen guten Wein und er sagt halt, finde ich gut oder finde ich nicht so gut. Also bezeichnet man als hedonistisch Weintrinken und das professionelle Wein Tasting, also dieses deduktive Wein Tasting. Das ist eben auch zum Beispiel Teil dieser Prüfung. Also das ist einer von drei Teilen dieser Prüfung.

      Lukas

      Der andere ist noch Getränk und im Allgemeinen das andere Service und wahnsinniges geografisches Wissen auch, weil zum Beispiel habe ich ihn gefragt Im Kaiserstuhl wird Silvaner angebaut und in Franken, da wo ich herkomme, wird ja auch viel Silvaner angebaut. Und dann habe ich gefragt, ob er sagen kann, woher welcher Silvaner kommt. Und da hat er gesagt.

      Frank Kämmer

      Aber ein Kaiserstuhl aus Silvaner und ein fränkischer Silvaner, auch wenn es vielleicht Luftlinie nur 300 Kilometer auseinanderliegen, sind in im sensorischen Ausdruck so weit davon voneinander entfernt, als würden sie auf der anderen Seite des Planeten wachsen.

      Lukas

      Und ich habe ihn natürlich auch noch mal gefragt, wie der Kaiserstuhl so als Weinregion ist. Und er hat natürlich gemeint Ausgezeichnet.

      Frank Kämmer

      Kaiserstuhl ist ja die wärmste Weinregion in Deutschland. Vor allem, wenn das Kaiserstuhl ist, ist er auf die burgundische Pforte blickt, wo der warme Wind die Wärme von Burgund von Südfrankreich herauf zurück einerseits reinfährt. Andererseits gibt es beim Kaiserstuhl zwei bedeutende Bodenplatten. Zum einen den Löss und zum anderen den vulkanischen Boden. Und es gibt völlig unterschiedliche. Aber um dann im Wein auch für den Laien Wenn ich Ihnen das jetzt einstellen würde, ist es ganz einfach zu unterscheiden, ob da Bein auf dem Boden gewachsen ist.

      Frank Kämmer

      Sehr ausdrucksvolle, aber vielleicht ein bisschen einfach oder fruchtig keit, während, wenn er auf dem Vulkangestein gewachsen ist, aber eine wirklich fast salzige Würze im Charakter und nicht so diese explosive Fruchtbarkeit.

      Ralph

      Wirken sich seine Wein kenntnisse bzw seine Sensibilität für den Geschmack eigentlich dann auch auf andere Bereiche seines Lebens auf was das gefragt?

      Lukas

      Nee, habe ich nicht gefragt. Ich habe mich da bestechen lassen. Anhand dessen interessante Frage habe ich, habe ich mir aber leider nicht gestellt. Jedenfalls. Und jetzt kommen wir noch mal zum Korken zurück. Also wir müssen geklärt. Ja, Böden machen wahnsinnig viel aus, Korken ein bisschen was und du hast da schon eben angesprochen, diese negativen Auswirkungen, wenn der Wein korrekt sorgt, dass die ziemlich kacke sind.

      Lukas

      Ja, hat drei für Wein Fans und solche, die es werden wollen. Mehr Klugscheißer wissen aus der Bitte nicht anfassen. Zentrale. Und zwar wenn der Wein korrekt, dann handelt es sich um eine Pilzinfektion im Korken Material. Also Kork ist ja. Kommt ja von der Kork Eiche. Das ist diese Eiche, die meistens aus Portugal kommt und die dann eben alle 5 bis 10 Jahre wird die Rinde abgenommen.

      Lukas

      Das schadet dem Baum übrigens nichts, das wächst wieder nach. Und wenn diese Rinde abgenommen wird, dann wird die erst mal getrocknet. Und häufig ist es so, dass da natürlich Feuchtigkeit hinkommt. Und das ist erst mal nicht schlimm, denn im Prinzip hat jeder Korken, der hergestellt wird, jeder Naturkost, der hergestellt wird, um so eine leichte Feuchtigkeit und immer so eine leichte Schimmelbildung drinnen.

      Lukas

      Das Problem ist aber, wenn diese Korken, dann die werden häufig mit Chlor behandelt, damit es eben desinfiziert wird. Und dieser Schimmelpilz, der wehrt sich dann gegen seinen Todfeind, das Chlor. Und das bildet wiederum den Stoff Striche an die Sohlen. Und dieser Stoff sorgt dafür, dass dieser Wein so abgeraten, modrig, widerlich schmeckt. Jetzt ist es so, dass Korken per se eigentlich gar nicht mehr geklaut werden.

      Lukas

      Aber ganz häufig ist es so, dass es ja noch einen gewissen Chlor Anteil zum Beispiel im Grundwasser gibt. Und dann kann es auch sein, dass der Korken damit in Verbindung kommt und dann kann es immer noch sein, dass ein Wein leicht kommt, aber das riecht es sofort, weil wenn der Kork dann dann dann riecht der modrig und vergammelt.

      Ralph

      Aha.

      Lukas

      Du hast ja vorhin schon erwähnt, dass es so ist, dass es ja auch Alternativen zum Natur Korken gibt und eine davon ist ja zum Beispiel der Kunststoff Korken und den kann aber meistens Frank Kemmer nur bedingt empfehlen.

      Frank Kämmer

      Die dicht Fähigkeit ist nicht so sehr wie beim Natur Korken. Naturgemäß ein hoch spannendes Material, das seine Elastizität über Jahre, teilweise über Jahrzehnte erhalten kann und deshalb auch kleine Unterschiede Unebenheiten im Flaschenhals sehr sehr gut ausgleichen kann und deshalb eine sehr gute Dickfelligkeit hat. Und das schafft ein Kunststoff eben noch nicht. Deshalb sind Kunststoff Korken eigentlich ideal für Weine, die man jung und frisch trinkt, die nach einem Jahr, ja die man im Supermarkt kauft.

      Frank Kämmer

      Da ist Kunststoff Korken absolut okay.

      Ralph

      Da bin ich ja beruhigt. Aber wie sieht es denn dann mit Schraubverschluss aus? Das gibt es ja auch inzwischen bei Weinen.

      Lukas

      Du kommst mir so vor, denn tatsächlich sagt Frank Kemmer seiner Ansicht nach gibt es zwei Top Verschlüsse für Weinflaschen. Das ist zum einen der Plopp Verschluss, den man von der Bierflasche kennt. Das ist ein super Verschluss Technik, aber eben auch den Schraubverschluss. Der ist eigentlich so ziemlich die beste Alternative, eine Weinflasche zu verschließen. Es gibt aber damit ein kleines Problem Meine Frau.

      Frank Kämmer

      Wenn ich die zum Hochzeitstag ausführe, dann beides Restaurant bestelle eine feine Flasche Wein und Kellner kommt ja, ihre Flasche dafür bröckelt, und dann macht er den Schraubverschluss auf. Das ist einfach nicht romantisch. Es ist für uns schwer zu ertragen. Aber rein vom Technischen her gibt es so gut wie keinen Grund, der gegen einen Schraubverschluss spricht. Ganz im Gegenteil.

      Frank Kämmer

      Es sind ja sehr, sehr praktische Verschlüsse. Und da gibt es auch in Australien schon wirklich große Erfahrungswerte, teilweise 30 Jahre alt. In Australien werden Rieslinge fast ausschließlich mit Schraubverschluss abgefüllt haben, reifen lassen und die Reifen ganz, ganz wunderbar.

      Ralph

      Also ich persönlich finde Schraubverschluss ja auch sehr, sehr praktisch, weil ich kenne das tatsächlich mit diesen, tja, wie sagt man romantischen Begegnungen. Wenn dann der Punkt gekommen ist, wo man an den Wein öffnen muss und es klappt irgendwie, vielleicht nicht. Das sind mir auch schon einige Malheur passiert, wie zum Beispiel, dass ich schlecht den Korkenzieher benutzt habe. Man hat den ganzen Kontinent zerfleddert undsoweiter oder kein Korkenzieher zur Hand.

      Ralph

      Der Was machst du dann durch Drücken?

      Lukas

      Du kannst auch einfach wenn du ein Schuh hast, kannst du, kannst du den Schuh nehmen, die Weinflasche reinstellen, gegen die Wand zimmern. Das geht schon.

      Ralph

      Alles ausprobieren.

      Lukas

      Aber das ist eben das Problem beim Wein oder bei den Verschlüssen ist halt eben nicht nur die Tatsache, was da drin ist und wie das Etikett ist und wie alles möglich ist, vor allem auch wieder Ruf ist, sondern dieser Korken. Dadurch, dass sich halt so lange durchgesetzt hat, hat natürlich dieser Natur Korken einfach diesen traditionellen Wert und diese Wertigkeit mit dem Korkenzieher.

      Lukas

      Und man sieht ja auch anhand von Korkenzieher Sammlern wie Bernhard Maurer. Und dann hat man anhand von dem Korkenzieher Museum, dass der Korkenzieher ja auch ein ästhetisches Objekt ist.

      Ralph

      Das was kulturelles, irgendwie schon so ein kulturelles Gut geworden. Auch wenn man jetzt du hast ja eingangs die Champagner auch erwähnt, dass es ja auch so, dass die auf den Korken haben, die haben dann ja noch diese Aluminium Haube drüber und es gehört irgendwie so dazu. Das verbinde ich zumindest mit Champagner, dass man den richtig mit so einem Plopp öffnen oder Korken wegfliegt.

      Lukas

      Und es gibt sogar die eine Theorie, aber da war ich mir nicht sicher. Deswegen wollte ich damit nicht beginnen, dass tatsächlich die Champagner Produktion der Grund für die Korken Herstellung war. Weil früher hat man nämlich Weinflaschen zugemacht indem man entweder Holz Tropfen mit Stoff umwickelt hat und das reingemacht hat. Das war aber nicht so gut für die Dichtigkeit, oder indem man aus Glas Verschlüsse hergestellt hat.

      Lukas

      Aber das ist natürlich auch nicht serienmäßig, weil die Glasflaschen Produktion serienmäßig ja dann erst viel später stattfand. Und Kork als Material hat man eigentlich schon in der Antike verwendet, aber da hat man dann halt die Amphoren. Also diese großen Tongefäße zugemacht oder halt die Holz Fässer. Aber Weinflaschen, so wie wir es jetzt kennen eben erst seit rund 350 Jahren.

      Lukas

      Jetzt noch mal die Frage aller Fragen Ist der Preis entscheidend oder ist es nicht beim Wein? Und das sagt Frank Keller Nein, Preis ist nicht das ausschlaggebende Kriterium. Aber er sagt halt, Man kann sich immer daran orientieren, was ist die Erwartungshaltung und was möchte man bekommen. Also er meint, wenn man jetzt im Supermarkt ist und kauft sich für 5 € einen Wein und erwartet dafür aber 15 € Qualität, dann ist das Bullshit.

      Lukas

      Wenn man aber für 5 € Wein 5 € Qualität bekommt, kann das ein sehr guter Wein sein. Und an dem ist gar nichts auszusetzen. Und dann ist es natürlich so, dass auch das Renommee mit dazu kommt. Also zum Beispiel einer der derzeit teuersten Weine, die so gehandelt werden. Also das ist ein Chateau Petrus aus Frankreich, und da hat er zum Beispiel gesagt der Chateau Petrus, der ist jetzt nicht viel besser als ein Chateau Lafitte Rothschild, aber fünfmal so teuer.

      Lukas

      Dieser Chateau Petrus ist zum Beispiel von fast allen Weinkenner mit 99/100 Punkten ausgezeichnet worden. Also gibt es dann verschiedene Wein, Portale und Experten, die die testen. Dann geben Punktewertung bis 100 und der hat eben 99 bekommen. So was denkst du denn, was so eine Flasche Chateau Petrus, Jahrgang 2016 kostet, der diese 99 Punkte bekommen hat, eine Flasche?

      Ralph

      Ach, das ist so schwierig.

      Ralph

      Ich sage jetzt einfach mal 5.000 €.

      Lukas

      Genau 5.000 €. Sehr gut, sehr gut gesetzt. Und die teuerste jemals verkaufte Rotwein Flasche ging für mehr als eine halbe Million über den Tresen. Aber ich glaube, die ist Jahrgang 1943 oder irgendwie so was. Also die ist halt uralt. Ja, also man kann auch sagen, die teuersten Flaschen sind teurer als die teuersten Korkenzieher.

      Ralph

      Ja, wegen des Inhalts auch.

      Lukas

      Du weißt schon, irgendwie faszinierend finde, weil der Wein ist ja vergänglich, wenn der mal weg ist. Also ich meine nicht, dass der schlecht wird, aber ich mein, wenn der weg ist, ist er weg. Ja, und den Korken kannst du ja immer benutzen.

      Ralph

      Ja, das ist schön, aber das macht ja den Wert so aus, weil wenn es weg ist, es weg. Dann kann es niemand anders mehr haben. Ich merke auch bei mir, wenn ich Wein kaufe, was ich ja wirklich sehr selten mache, dass ich inzwischen. Ja, also ich schaue schon ein bisschen auf den Preis, dass ist wahrscheinlich wie so ein Anfänger halt nicht den billigsten nehmen.

      Ralph

      Schätze ich nehme jetzt auch nicht unbedingt den teuersten und inzwischen achte ich da auch drauf, ob da zum Beispiel Bio oder Bio ist oder so weiter. Ich weiß nicht, wie das bei dir ist.

      Lukas

      Ähm, also bei Bio Wein ist es halt so eine Sache, weil da weiß der nur, dass der halt dann ohne Pestizideinsatz hergestellt wurde. Aber ich glaube, der sagt erst mal noch gar nichts über die Qualität aus. Aber ich glaube, dass es halt ganz viele kleine Weingüter gibt, die einfach das Siegel nicht haben. Wenn ich eine Rotwein kaufe, ich weiß nicht, welche Sorten mir ganz gut schmecken und woher die sein müssen, dass sie mir ganz gut schmecken.

      Lukas

      Und dann schaue ich beim Preis immer so ein bisschen drauf, dass der auch so mittleren Bereich ist. Also ich gebe selten mehr als 13 € für eine Flasche Wein aus, aber auch selten weniger als 8 €. Das ist für mich dann immer so ein bisschen so ein Mittelding. Hmm, ja, lieber Ralf, das war, außer dass natürlich noch irgendwelche zentralen Fragen meine Folge über das Korkenzieher Museum im Kaiserstuhl und darüber, was Wein Korken eigentlich sind, was sie ausmacht.

      Lukas

      Und das Interview mit Masters Sommelier Frank Kemmer.

      Ralph

      Ja, ich habe viel gelernt heute. Vielen Dank. Ich hätte sogar gerne noch mehr gelernt. Ja, weil ich denke, na ja, ich weiß trotzdem noch nicht viel. Aber ich schätze mal, was jetzt das Tasting angeht, ja, woran erkenne ich, ob jetzt ein Wein gut oder schlecht ist? Ist ja nicht ohne Grund meine langjährige Ausbildung.

      Bernhard Maurer

      Ja.

      Lukas

      Also ich habe ja auch überlegt, wie viele Sachen ich nur mit reinbringen und erwähnen. Aber das ist halt Wahnsinn, wie viel es da an verschiedenen Dingen gibt, die man da berücksichtigen muss. Frank Meyer hat zum Beispiel auch gesagt Als junger Sommelier denkt, man man weiß dann auf einmal alles, weil man sich so krass auf diese Prüfung vorbereitet hat und dann auf einmal Je älter du wirst, desto mehr weißt du, dass du eigentlich nichts weißt, weil du dann halt mehr Erfahrung und da hat er auch gemeint, da muss er sich dann auch selber mal zurückweisen.

      Lukas

      Also auf mich hat er auch gar nicht so sehr den Eindruck gemacht, als wäre er irgendwie jemand, der keine Ahnung Menschen verurteilen würde. Wenn es sich jetzt da ne 3 € ungarische Mädchen Traube im Supermarkt kaufen, sondern er hat halt einfach sehr gefallen dran.

      Ralph

      Dann vielen Dank Lukas, dass ich mit dir oder wir alle wahrscheinlich dann mit dir im Korkenzieher Museum sein dürften, am Kaiserstuhl und noch bei Herrn Kemmer.

      Lukas

      Gerne, Gerne. Ja, und wir werden einfach viel in die schauen. Uns packen diesmal. Vielleicht gibt es ja noch ein anderes Museum, das mit Wein zu tun hat. Dann könnten wir uns ja darauf stürzen. Mal gucken. Vielleicht kannst du noch einen kleinen Hinweis darauf geben. Wo ist denn bei dir das nächste Mal gehen wird?

      Ralph

      Ich kann schon einen kleinen Hinweis zum nächsten Museum geben. Ich war in einem anderen Teil von Deutschland unterwegs. Ich war ja so in der Mitte, sage ich jetzt mal Also das gehört noch zu Nordrhein Westfalen. Geht aber schon nahe an Niedersachsen ran. Und da war ich in einem Museum, das einen ja, wie soll ich sagen, eine Metamorphose hinter sich hat, das sich neu entdeckt hat und damit sehr erfolgreich ist.

      Lukas

      Ich bin gespannt.

      Ralph

      Schon irgendeine Idee, was es sein könnte.

      Lukas

      Überhaupt, dass es so.

      Ralph

      Besser war?

      Lukas

      Es kann alles sein.

      Ralph

      Na ja, es hat mir da entgegen. Es hat vielleicht mit einem Gegenstand zu tun, den wir alle kennen und der aber unscheinbar auf den ersten Blick ist, Aber so viel zu erzählen hat.

      Lukas

      Knopf, Korkenzieher, Mausefalle, Peitsche.

      Ralph

      Das kann ja alles nicht sein.

      Lukas

      Genau das war mir schon gut. Ich Untergrund.

      Ralph

      Vor allem. Du kennst das Museum auch.

      Lukas

      Ich kenn das Museum.

      Ralph

      Du kennst das Museum. Du warst da wahrscheinlich noch nicht. Aber du kennst das Museum.

      Lukas

      Ja. Ich bin gespannt. Das Museum, wenn ich es angeblich kenne. Gut. Wenn ihr unser Format toll findet, was wir erwarten, dann bitte bewertet uns großzügig. Bitte. Leitet uns weiter. Macht Mundpropaganda für uns. Wenn ihr zum Beispiel auch Hinweise habt oder Feedback wie jetzt am Anfang dieser Folge, nennt uns das gerne. Wir nehmen es auch gerne mit auf und nehmen auch immer wieder gerne Empfehlungen auf für Museen, die wir für euch mal besuchen oder vielleicht auch für Expertinnen, die wir dazu holen können.

      Lukas

      Also das ist ja auch immer unser Anspruch, das dann möglicherweise auch noch eben ein Experte und Experten aus der Wissenschaft zum Beispiel mit dabei.

      Ralph

      Und dann sage ich mal Tschüss, Lucas, Tschüss! Alle Hörerinnen und da draußen. Und wir hören uns dann im Mai wieder.

      Lukas

      Ciao.

      Der Beitrag Das Korkenzieher Museum und der Master Sommelier erschien zuerst auf Escucha.

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      46 min
    • Hier ist alles fake, aber witzig! - das Museum der unerhörten Dinge in Berlin

        BITTE NICHT ANFASSEN! #15 – Das Museum der unerhörten Dinge in Berlin 

        Show Notes 

        Wart ihr schon einmal im Museum und habt euch gedacht: Was, wenn die Beschriftung zu dem Objekt einfach erfunden ist? Wenn das Objekt gar nicht so alt ist wie angegeben und auch nicht zu jener berühmten Persönlichkeit gehört? Wenn alles nur fake ist? In dieser Folge hat sich Ralph mit dem Faker Roland Albrecht getroffen. Ihm gehört das Museum der unerhörten Dinge in Berlin; eine Sammlung an gewöhnlichen Objekten, zu denen sich der Künstler außergewöhnliche Geschichten ausdenkt, die auf den ersten Blick wahr erscheinen, sich aber als Dichtung herausstellen. Eine Folge über Verschwörungstheorien, Johann Wolfgang von Goethe und Muscheln aus dem Urlaub.  

        ~~~~~~~ 

        Hilfreiche Links: 

        Foto von Museumsbetreiber Roland Albrecht: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220504_163250-scaled.jpg  

        Tagesschau-Artikel über Birds arent real: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-verschwoerung-birds-arent-real-101.html  

        So sieht die Goetherose aus: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220808_214650-scaled.jpg  

        Das Buch zur Ausstellung: 
        https://www.wagenbach.de/buecher/titel/1217-museum-der-unerhoerten-dinge-2.html  

        ~~~~~~~ 

        Infos zum Museum:  

        Museum der unerhörten Dinge 

        Crellestraße 5-6 

        10827 Berlin 

        http://www.museumderunerhoertendinge.de/  

        ~~~~~~~ 

        über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

        Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

        Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

        Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

        Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

        BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

        Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

         Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
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        Kontakt: 
        Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
        E-Mail: info[at]escucha.de  

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        Podcast-Credits:  
          

        Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
        Produktion: Escucha GbR  
        Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
        Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

        Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

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        Transkript:

        Roland Albrecht

        Meistens ich seh etwas und dann habe ich in dem Moment, wo ich das sehe oder finde, habe ich eine Assoziation. Ja und dann muss sich das Ding insofern bewähren, dass ich dann auf eine Woche auch noch die Assoziation habe, damit ich mit dem Ding was verbinde. Und dann entsteht daraus eine Geschichte.

        (Intro)

        BITTE NICHT ANFASSEN! Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha.

        Ralph

        Hallo liebe Hörerinnen und Hörer! Hallo Lukas, es ist wieder so weit. Bitte nicht anfassen. Neuer Monat, neue Folge.

        Lukas

        Ja, hallo Ralph und auch von mir noch mal Hallo an alle draußen.

        Ralph

        Bitte nicht anfassen ist ja der Podcast eures Vertrauens, wenn es um skurrile kleine Museen geht. Das Konzept ist recht einfach erklärt. In jeder Folge besucht einer von uns ein Museum und erzählt dem anderen darüber, wie es war.

        Lukas

        Genau. Und da sind wir in so ganz verschiedenen kleinen, skurrilen, alternativen Museen und meistens ist das Spannende daran nicht nur das Museum, sondern auch die ganzen Geschichten, die dahinter schlummern. Und ich sage mal so ein bisschen die Metaebene hinter dem Museum, die wir für euch besuchen. Und jetzt sind wir schon mittlerweile angelangt bei Folge 15.

        Ralph

        Ne, Warte mal, ja doch, Du hast recht.

        Lukas

        15 ist es dann schon.

        Ralph

        Hast recht, du hast mir auch schon eine gute Steilvorlage gegeben mit diesen Geschichten, denn ich fang heute mal mit einer Geschichte an, sagt dir der Name Peter McIndoe was?

        Lukas

        Noch nie gehört.

        Ralph

        Also Peter McIndoe ist US-Amerikaner. Er ist Mitte 20 und hat das College abgebrochen und vor ein paar Jahren, also 2017, war Peter in Memphis, Tennessee, unterwegs mit Freunden. Als er zufällig eine Demonstration entdeckt hat.

        Lukas

        Zufällig von Elvis Anhängern?

        Ralph

        Ne, Wurzelanhänger. Nee, das war, ähm. Das war im Zusammenhang mit der Wahl von US Präsident Trump. Und es gab eben eine Gegendemonstration und dann kam ihm der Einfall: Hey, wir könnten da jetzt einfach mal mit demonstrieren, Ich bastel mir jetzt mal ein Schild und schreib da was drauf, was überhaupt nichts mit der Demonstration zu tun hat. Gesagt, getan, hat halt ein Schild genommen und hat draufgeschrieben Birds aren’t real. Also Vögel sind nicht echt. Und dann ist er mit diesem Schild halt mitmarschiert und wurde dann auch ab und zu von Leuten angesprochen und gefragt: Was heißt das dann? Was machst du da? Und dann hat er halt so eine Rolle angenommen und hat gesagt: Ja, Vögel existieren nicht. Das ist alles Bullshit, was uns da erzählt wird und hat dann so ein mediales Interesse erweckt, dass er quasi übers Internet bekannt wurde, über YouTube und andere Seiten, über Social Media.

        Ralph

        Dann hat sich echt relativ schnell so eine Bewegung draus gebildet, nämlich die Birds Aren’t Real Bewegung. Und das Ganze hat er dann auch nach einer Weile unterfüttert mit Informationen. Er hat wirklich wie so eine seine Geschichte drumrum gesponnen, in der es darum geht, dass die US-Regierung von 1959 bis 1971 alle Vögel umgebracht hat und durch Drohnen ersetzt hat, die aussehen wie echte Vögel und die sich aber auch aufladen, indem sie sich auf so ein Stromkabel setzen. Und wenn sie auf dem Auto kacken, dann ist der Vogelschiss eigentlich ein Peilsender, mit dem dann die Autos getrackt werden. Und die ganze Zeit hat Peter halt da diese Rolle gespielt und hat dann eben Leute gefunden, die da mitgemacht haben. Und so ist er dann immer wieder in Shows eingeladen worden. Es wurde drüber diskutiert und erst im Jahr 2021 hat er dann öffentlich zugegeben: Hey, das Ganze war nur ein Spaß. Ich wollte einfach mal gucken, wie so eine Verschwörungstheorie funktioniert. Und die Leute, die ihm gefolgt sind, die sagen auch: Hey, wir wussten ja die ganze Zeit, das war eigentlich nur Spaß. So, und warum erzähle ich dir eigentlich jetzt diese Geschichte? Was hat das mit dem Museum zu tun? Es ist so, dass diese Geschichte von Peter McIndoe, die hat auch Roland Albrecht mitbekommen. Roland Albrecht ist der Direktor von dem Museum, das ich besucht habe. Ich habe es ja in der letzten Folge schon angekündigt. Ich war ja in Berlin für dieses Museum. Und diese Geschichte von Peter, die ist bei ihm ja, sagen wir mal, auf fruchtbaren Boden gefallen. Und da können wir uns mal einen Ton anhören, nämlich Ton eins.

        Roland Albrecht

        Ich war mal mit Leuten zusammengesessen, und dann gab es so Verteilerkasten, da fing ich an, dass ganze Verteilerkasten hängen alle zusammen. Alle Verteilerkasten sind verkabelt auf der ganzen Welt miteinander. Ja, wenn genügend viel ein Netzwerk von Verteilerkasten sind, dann bilden die ja eine eigene Intelligenz heraus. Und die haben uns schon lang unterworfen. Und die Verteilerkasten haben die Menschen unterworfen, dahingehend, dass wir immer mehr Verteilerkasten bauen. Wir sind die Sklaven der Verteilerkasten, um immer die Reproduktion der Verteilerkasten zu garantieren. Und das habe ich erzählt, und die waren alle: Was? Stimmt das wirklich?

        Lukas

        Hä? Okay. Also, Moment, er hat sich jetzt quasi seine eigene Verschwörungstheorie ausgedacht, mit den Verteilerkasten. Und das heißt, es geht heute ums Verschwörungstheorie Museum in Berlin?

        Ralph

        Nee, das gibt's leider noch nicht. Wäre mal eine gute Idee, finde ich. Aber es geht im Endeffekt um um Geschichten, ums Ausdenken. Und Roland Albrecht? Der hat das Ganze ja auch nicht ernst gemeint, sondern er hat das ja gleich nachdem er es seinen Freunden erzählt hat, hat er gesagt Hey, war nur Spaß. Ihm gefiel diese Idee einfach so gut, dass er gesagt hat, ich schreib da jetzt einen Text dazu.

        Und diesen Text, den kann jeder, der mal ein Museum kommt, lesen. Und das Museum, um das es heute geht, das ist eben nicht das Verschwörungstheorie Museum, sondern das ist das Museum der unerhörten Dinge. Das ist jetzt ein Begriff, der klingt relativ abstrakt, aber das erkläre ich dir Bzw. Roland. Du musst dir das so vorstellen das Museum der unerhörten Dinge, das liegt in Berlin Schöneberg. Und zwar zwischen den Hausnummern fünf und sechs in der Straße. Das hat wirklich jetzt keine eigene Hausnummer, sondern das liegt dazwischen. Ist ja, find ich, ganz passend für dieses Museum. Und von außen sieht es recht klein aus. Also es ist auch sehr klein und ein bisschen wie ein Atelier. Also man kann durch so ein großes Fenster reingucken und dann sieht man da weiße Wände, relativ leerer Raum. Aber an diesen Wänden sind so Regale befestigt und auf diesen Regalen stehen ganz kleine Gegenstände, Dinge. Und das sind eben die Ausstellungsstücke von Roland Albrecht, Stücke aus ganz verschiedenen Materialien. Und eins dieser Stücke, das ist mir gleich aufgefallen, gleich ins Auge gestochen, nämlich eine Rose, eine Rose mit zwei Blättern, die aber aussieht, als wäre sie verrostet. Und darunter steht dann auf dem Text Blatt Goethe Rose. Also nicht Gürtelrose, sondern Goethe Rose, benannt nach Johann Wolfgang von Goethe. Und es geht eben darum, wenn man jetzt diesen Text liest, dass Goethe 1786 seine erste Italienreise unternimmt, und er reiste unter falschem Namen, nämlich unter dem Namen Johann Philipp Möller, und verbringt dann auch Zeit im tschechischen, also im heute tschechischen Karlsbad. Und ab hier lese ich jetzt mal einen kleinen Ausschnitt der Beschreibung vor. Hier zitiere ich.

        Lukas

        Vom Museum oder von was jetzt?

        Ralph

        Vom Museums Text.

        Lukas

        Alles klar. Ich habe keine Ahnung, worum es geht.

        Ralph

        Das klärt sich gleich. Ich fange an zu lesen: Der falsche Name sollte ihn vor dem allzu schnellen Zugriff seines Herzogs Karl August schützen, aber auch vor Neugierigen, denn er war mit seinem Werther in ganz Europa ein berühmter Mann. Unter falschem Namen aufzutreten, gab ihm zusätzlich ein Gefühl der Freiheit. Goethe fühlte sich schon eine ganze Weile unwohl in seiner Haut. Nichts wollte sich entwickeln, nichts gelingen. Die Arbeit für Herzog Karl August war ihm nach zehn Jahren fad geworden. Die Beziehung zu Charlotte von Stein entwickelte sich überhaupt nicht. Es wurde nur komplizierter. Er fühlte sich von ihr kontrolliert, in seiner Art getadelt. Alles um ihn herum empfand er als zäh und frisch, dunkel und versteinert, sich selbst als fixiert, festgezurrt und eng. Er fühlte sich wie die versteinerten Rosen aus Karlsbad, die es damals wie heute in diesem mondänen Kurort zu kaufen gibt. Papier Rosen, an denen sich, nachdem sie zwei Wochen im heißen Karlsbader Mineralwasser gelegen haben, Sprudel Stein ablagert, der so den Rosen ein versteinertes, rostiges Aussehen verleiht. Johann Wolfgang von Goethe nahm als Johann Philipp Möller eine dieser versteinerten Rosen in seinem Reisegepäck mit. Sie sollten ihn fortan auf seiner Reise daran erinnern, wie erstarrt er sich in Deutschland fühlte. Zitatende.

        So, das heißt dann weiter. Ich muss jetzt ein bisschen zusammenfassen, weil das wirklich ein langer Text ist. Es heißt dann weiter, dass Goethe die Rose einem Gärtner in Palermo geschenkt hat. Und bis heute wird die Rose im Botanischen Garten in Palermo ausgestellt unter dem Namen La Rosa piertificata del Signor Goethe bzw kurz Rosa del Goethe.Und jetzt kommts! Schau mal, was ich hier hab. So, weil ich ich habe nämlich so eine Rose.

        Lukas

        Ja, hast du das Museum mitgehen lassen.

        Ralph

        Nee, es ist so, dass ich ja anscheinend offensichtlich auch so eine Goethe Rose habe. Ich habe die aber von meinem Onkel Erich geschenkt bekommen. Da war ich noch ein Kind und ich habe die eben bis heute, weil ich in meinem Kinderzimmer so eine Vitrine mit so Andenken drin habe. Und ich habe dann Roland Albrecht auch davon erzählt, worauf er gelacht hat und folgendes gesagt hat.

        Roland Albrecht

        Das ist eine ganz einfache Rose, die kann man bis heute noch kaufen. In Karlsbad, im Bad, da war ich mal, und da gab es einen Kiosk, das ist eine Papierrose, und die kann man da kaufen. Und dann ist mir eingefallen an so einem Kiosk, wo ich sie sah: Goethe ist von Karlsbad abgereist, seine Italienreise, das fiel mir dann ein. Und seine Frau, die war Papier Rosen Hersteller. Und diese zwei Basisinformationen, die hatte ich im Kopf. Und dann sah ich die Rose in Karlsbad, aber die hat er mitgenommen. Und dann schreib ich die Geschichte.

        Lukas

        Hä?

        Ralph

        Ja, ja, das ergibt alles Sinn. Also wir haben ja jetzt so eine Parallele zu dem, was Roland Albrecht ja vorhergesagt hat. Also er hat quasi irgendwie eine Inspiration, eine Idee. Dann schreibt er einen Text und dann gibt es diesen Text im Museum zu sehen, zu lesen. Dieser Dinge gibt es quasi 20 zu sehen im Museum, zumindest als ich da war. Die sind alle von ihm selbst ausgedacht, diese Geschichten, die sind also nicht echt, aber haben halt trotzdem so ein Fünkchen Wahrheit mit drin. Wie zum Beispiel, dass Goethe ja in Karlsbad war. Also das greift er ja auf. Nur er spinnt die Geschichte quasi weiter und fügt dann was Fantasievolles ein. Und das ist dann so, dass er wirklich auch viel dafür recherchiert und vermischt dann eben Fakt und Fiktion.

        Und das hat er mir auch ein bisschen anschaulicher erklärt anhand von zwei Kerzen. Es gibt da noch auf einem Regal zwei Kerzen, die da stehen. Das sind, ich würde mal sagen, faustgroße Kerzen, die aussehen wie Hasen und darunter werden die betitelt als Ur-Hasen, als die Ur-Hasen von Joseph Beuys. Joseph Beuys sagte was?

        Lukas

        Klar, Künstler Düsseldorf Ja, sehr abstrakte Kunst und ist auch von Beuys das Zitat Jeder ist Künstler?

        Ralph

        Das ist gut möglich. Das würde auf jeden Fall zu ihm passen. Beuys hat viel Aktionskunst gemacht und den kennt wahrscheinlich auch jeder oder sehr viele Leute vom Sehen, weil er ja immer als Markenzeichen diesen Filzhut aufhatte. Wie jetzt Roland Albrecht auf diese Ideen kommt und wie er Fakt und Fiktion vermischt, das soll er jetzt uns mal erzählen.

        Roland Albrecht

        Als Beuys abgestürzt ist mit seiner JU auf der Krim, wie er beschrieben hat, dann ist er von Tataren gefunden worden, die haben ihn mit Filz umwickelt und Fett eingerieben und dann ist er aus Ohnmacht aufgewacht. Es beschreibt Beuys dasselbe in seiner Autobiographie. Und dann hat der gesehen, wie zwei Kerzen – die haben ihm die hingestellt – jetzt von mir dazu über, das ist von mir zwei Kerzen und drum hat Beuys sich immer wieder in seinem Kunstwerk auf den Hasen berufen. Das ist wieder Beuys, der hat sich ja wirklich darauf berufen, und der bringt auch Originalzitate vom Hasen. Jetzt füge ich also mehrere Sachen zusammen und füge dazu etwas von mir. Und ich sah diese Hasen, die hab ich wirklich in Russland gesehen, einmal. Und dann habe ich, da habe ich an Beuys gedacht. Und dann habe ich die Story irgendwie im Kopf gehabt. Aber um die zu schreiben, musste ich recherchieren.

        Lukas

        Okay, also Moment, das heißt, sein Museums Konzept ist, dass er einfach Geschichten erfindet und die zu bereits bestehenden Geschichten irgendwie hinzu dichtet und dazu jeweils Objekte hat. Und die stellt er aus.

        Ralph

        Genau. Aber es geht immer bei den Objekten los. Also er hat nicht die Geschichte und dann sucht er sich irgendwie ein Objekt, sondern es ist umgekehrt. Er hat halt erst diese Dinge, nachdem das Museum ja benannt ist und dann hat er eine Assoziation dazu. Das erklärt er auch gleich noch mal, Also nur damit man jetzt das noch mal versteht Es sind abgesehen von dieser Papierrose, die verrostet ist, sind das wirklich sehr gewöhnliche Dinge. Also das ist zum Beispiel das gewöhnlichste Objekt überhaupt, einen Stein, den er ausgestellt hat zum Beispiel, oder ein Spielzeugauto oder ein Löffel oder Schrottteile. Und er findet diese Dinge halt oft auf der Straße, wo das dann jemand anders weggeworfen hat oder wo es vielleicht am Straßenrand auch jemand bewusst zurückgelassen hat. Und dann nimmt Roland Albrecht halt diese Dinge, zieht sie sich an, hat Assoziationen damit und er hört sie. Ton Nummer vier.

        Roland Albrecht

        Natürlich ist es nicht ein Hören mit dem Ohr, ich nehme jetzt kein, kein Stethoskop für dieses Ding. Das Ding ist saublöd. Das sagt nichts (Gelächter). Nein, ganz ehrlich gesagt, meistens ich seh etwas und dann habe ich in dem Moment, wo ich das sehe oder finde, habe ich eine Assoziation. Ja, und dann muss sich das Ding insofern bewähren, dass ich dann auf eine Woche auch noch die Assoziation habe, damit ich mit dem Ding was verbinde. Und dann entsteht daraus eine Geschichte.

        Lukas

        Was macht Roland denn eigentlich sonst so? Was hat der für einen Background?

        Ralph

        Guckst du mir ins Skript oder was? Das würde jetzt tatsächlich als nächstes kommen. Roland Albrecht ist Künstler.

        Lukas

        Ich habe mir das fast gedacht.

        Ralph

        Er war jahrelang als Fotograf tätig und holt sich seine Inspirationen, wie er diese Dinge aufbereitet, auch ganz klar, sagt das selbst, von der Kunstrichtung Fluxus hast du vorher schon mal gehört?

        Lukas

        Ja, tatsächlich. Berühmteste Vertreterin von Fluxus ist doch zum Beispiel Yoko Ono.

        Ralph

        Ja, genau. Also Fluxus, das ist so eine auch eine Aktionskunst, oftmals Performancekunst. Also es ist halt in den 60er Jahren entstanden, des vergangenen Jahrtausends, Jahrhunderts, ja doch Jahrtausends. Stimmt doch beides. Egal, ist in den 60er Jahren entstanden und sollte halt so eine Gegenbewegung sein zu der elitären Kunst und Anti zu auch zu der Kunstszene. Und dass Kunst halt so vermarktet wird und dass nur reiche Leute sich Kunst leisten können und dass ist so ein Bildungs Ding ist. Und da gab es dann auch ganz ganz wüste Performancekunst, wo zum Beispiel ein Konzertflügel einfach zersägt worden ist oder wo man auch bewusst darauf verzichtet hat, Kunstwerke zu signieren, weil es ja auch oft so ist, man hat das Signatur Du was von welchen Künstlern das ist und dann wird dadurch der Wert gesteigert von einem Kunstobjekt. Beuys war übrigens auch eine Zeit lang im Fluxus unterwegs. Ein anderer Vertreter ist George Brecht, den Roland Albrecht sehr schätzt. Über den kann er auch mal ganz kurz was erzählen.

        Roland Albrecht

        Zum Beispiel George Brecht hat ein Bild gemacht. Unheimlich schön ist aber die Idee hier die Insel of Men, die bei England liegt, die sieht so ähnlich aus wie eine Insel in der Karibik. Und dann hat er gemeint, die müsste man alle 20 Jahren austauschen. Da ist ein Bild gemacht worden von einem Dampfer, der diese Insel in die Karibik bringt, weil da ist es immer so kalt. Und diese karibische Insel zur Abkühlung, die kommt dann 20 Jahre da hoch und allein so eine Idee zu haben, die finde ich einfach toll. Ja, und Fluxus hat etwas mit sehr ernst Gemeinten, Überlegtem, aber auch Blödsinn zu tun. Aber jetzt nicht blödsinnig im Sinne von Hahaha, so Schenkelklopfer, sondern da steckt mehr dahinter. Es gibt zum Nachdenken. Ich sage jetzt nicht, dass ich Fluxus Künstler bin, Gotteswillen, aber ich fühle mich dem nahe.

        Lukas

        Es korrespondiert ja mit dem, was er vorher gesagt hat. Dass er quasi sagt, er hat was ernst Gemeintes, also zum Beispiel irgendwelche Künstler, Biografien und fügt etwas hinzu, wo sicherlich auch der eine oder andere Blödsinn dabei ist.

        Ralph

        Ja, du lernst schon was, aber du musst da echt aufpassen, dass das nicht einfach so glaubst. Und diese Idee für das Museum der unerhörten Dinge, die ist Roland Albrechts 1997 gekommen. Also es ist schon über 20 Jahre alt. 25 Jahre gibt es ja dieses Museum. Da wurde nämlich in Dresden angefragt für die Galerie Raskolnikow. Das sollte eine Ausstellung konzipieren. Die hat er dann damals schon Museum der unerhörten Dinge genannt, und das hat er dann auch schon eben das gleiche Konzept. Danach wollte er das digital weiterführen, da wollte er so was wie eine Wikipedia Seite aufbauen, wo er quasi Artikel schreibt, die halt auch nur halb wahr sind, mit Verlinkungen auf irgendwelche anderen Halbwahrheiten, andere Dinge. Und dann war es aber so, also der war zu dem Zeitpunkt ja auch schon in Berlin, dass ihm eine Raum Einheit angeboten worden ist, nämlich in der Straße, in dem heutigen Sitz des Museums der unerhörten Dinge und dann hat er halt die die Chance wahrgenommen und das halt da reingesetzt als echtes Museum. Und das ist auch wirklich im Teil des Museums Verbunds, weil er erfüllt auch tatsächlich sehr viele Kriterien, die andere Museen auch haben. Er hat einen öffentlich zugänglichen Ausstellungsraum, er hat regelmäßige Öffnungszeiten, er hat Objekte, die er ausstellt, er arbeitet wissenschaftlich und er hat sogar ein Depot mit über 300 Objekten, die nach Gewicht sortiert sind.

        Wie er schon angedeutet hat. Er ist Fluxus sehr nahe und bei Fluxus ist vieles lustig, aber es gibt auch einen ernsten Anspruch dabei. Und so ist es ja bei seinem Museum auch. Da ist es so, dass es zwar einfache Dinge sind, aber es sind jetzt keine besonderen Dinge, und und und. Das zu hinterfragen besondere Dinge. Damit meine ich jetzt zum Beispiel im Haus der Geschichte in Bonn. Da ist ja der Pullover von Helmut Kohl ausgestellt, den er anhatte, als er da die Verhandlungen hatte mit Gorbatschow. Und es ist eigentlich auch ein normales Ding. Aber dadurch, dass so eine historische Persönlichkeit wie Kohl den zu diesem Zeitpunkt auch noch anhatte, gewinnt das an Bedeutung. Und das kannst du ja nicht einordnen. Was das ist, welche Bedeutung das hat. Wenn du den Kontext nicht hast, dann ist das für dich einfach ein Ding. Aber im Gegensatz dazu hat halt Roland Albrecht diese ganz, ganz gewöhnlichen und vor allem unbedeutenden Dinge. Und das ist ihm ganz, ganz wichtig, dass es halt nur so unbedeutende Dinge sind. Er will gar nicht irgendwelche Prunkgegenstände haben.

        Roland Albrecht

        Jedes Ding hat eigentlich eine Bedeutung, wenn man es zulässt, wenn man die mit Bedeutung auflädt und das ist die Erzählung. Es ist so ähnlich, wie wenn man in Urlaub ist an der Nord Ostsee oder weiß der Teufel wo. Man findet am Strand eine Muschel, die soll mir niemand erzählen, dass es die erste Muschel des Lebens ist. Muscheln gibt es zu Zigtausenden, aber man nimmt die Muscheln mit nach Hause und an der Muschel hängt die Geschichte des ganzen Urlaubs. Und man denkt sich immer wieder, wenn man die Muschel sieht: Ich war dort im Urlaub und verbindet damit viele, viele angenehme oder blöde. Ich weiß, wie der Urlaub verlaufen ist, aber man verbindet damit etwas. So ist es bei allen Dingen glaube ich. Ich nehme es auf und gib den Dingen wieder eine Geschichte.

        Lukas

        Ja, sehr philosophisch, aber würde ich auf jeden Fall so unterschreiben. Erinnert mich auch übrigens wieder ans Elvis Museum, wo ja auch lauter Dinge drin sind, die eigentlich total alltäglich sind. Und nur weil es irgendwie mit Elvis Presley in Verbindung stehen, haben sie eine Bedeutung. Aber wären die nicht von Elvis Presley, dann wären die halt irgendwo anders. Also dann hätten die überhaupt keine Bedeutung. Und so stimmt es also. Letztlich sind die Erzählungen, die Objekten erst zu dem verhelfen, was es sind. Ja, ist ja eine ähnliche Strategie. Zum Beispiel mit dem Hosensack Museum in in Basel. Wo, wo ich war, falls du dich noch dran erinnern kannst, da war es ja auch so, das sind ja komplett alltägliche Gegenstände. Holzlöffel, Fiat 500 Modelle, das ist ja nichts, was irgendwie einen hohen materiellen Wert hat. Und nur aufgrund der Anordnung und nur aufgrund der Präsentation wird diesen Objekten eine Bedeutung gegeben und damit hat es musealen Wert.

        Ralph

        Oder wenn wir jetzt zum Beispiel das Wurzel-Museum heranziehen, diese Objekte sind ja nicht bearbeitet, sondern es sind ja einfach nur Wurzeln, die halten für den Aussteller, für den Bernd eine bestimmte Assoziation haben und dadurch halt eine Bedeutung gewinnen, dass zum Beispiel, dass er sagt: Ach, das ist doch ein Biber.

        Lukas

        Wir könnten ja vielleicht mal so eine Art Kategorisierung für die Bitte nicht anfassen Museen reinbringen, weil ich schon das Gefühl habe, dass je mehr Museen wir besuchen, desto mehr lassen sie sich in diese Kategorien einteilen. Zum Beispiel: Es gibt diese Museen, bei denen wir waren, die so ganz viel über Handwerk beschreiben, was vor Ort für ein Dorf ganz wichtig war Mausefallen, Peitschen und so was dann haben wir so diese Museen, die so ein bisschen anarcho sind, sag ich mal, wo es eigentlich eher darum geht, was macht ein Objekt zu einem Objekt, da würde ich sagen passt das Sack-Museum, Wurzel-Museum und jetzt auch hier Museum der unerhörten Dinge. Dann haben wir häufig noch so eher naturhistorische Geschichten oder generell Material Geschichten, wie zum Beispiel hier das Ziegelstein Museum oder das Zusatzstoffe Museum. Also ich finde wir könnten mal so eine Liste, so eine Kategorisierung irgendwie einführen.

        Ralph

        Wie würdest du denn eigentlich das Museum Vieille Montagne einordnen? Das war ja das, wo es um dieses Grenzgebiet geht. Das ist ja schon ein geschichtliches Thema.

        Lukas

        Ja, so wie das Levi Strauss Museum, das ist für mich Geschichtliches Museum, Lokal, Geschichtliches Museum. An alle Hörer:innen dann da draußen. Ihr müsst jetzt natürlich, so ihr das noch nicht geschafft habt, alle vorangehenden Folgen.

        Ralph

        Aber was Roland Albrecht erzählt hat, dass man quasi diesen Dingen einfach selber eine Bedeutung gibt. Das ist ja glaube ich was, wo jeder nachvollziehen kann. Mit dieserMuschel als Beispiel jetzt, weil ich weiß nicht, wie es dir geht, Du hast doch bestimmt auch Gegenstände, oder?

        Lukas

        Hunderte, Hunderte. Eines ist mir aufgefallen. Ich war vergangenen Sommer in München, habe da Freunde besucht. Da waren wir am Flaucher also quasi so eine Strand Region an dem Fluss, an der Isar, und da war ein Kieselstein. Es, es besteht ja nur aus Kieselsteinen, dieses Ufer. Dann habe ich einen umgedreht und stand da hinten hat jemand mit Edding Schand draufgeschrieben. Also Schande, nur ohne E. Da dachte ich mir Hey, wie geil ist das? Ja, den hab ich mitgenommen, weil ich mir dachte: es ist schon sehr geil, den Schandstein zu haben. Der Kontext ist so witzig, dass ich zufällig von Millionen von Steinen, die da liegen, genau einen habe, wo hinten was drauf steht.

        Ralph

        Ja und dass du jetzt auch noch weißt, unter welchen Umständen du den gefunden hast, in welchem Kontext sozusagen. Dadurch hat es auch Erinnerungswert. Ich habe nämlich auch kurz nachgedacht und mir sind sofort einige Gegenstände eingefallen, zum Beispiel habe ich so einen ganz kleinen Holzsplitter, der ist 15 Jahre alt und den habe ich damals eben auf der Abifahrt mitgenommen von Paris. Der erinnert mich jetzt immer an Paris oder ich habe noch in so einer Kiste ein Haarbüschel, wo ein Kaugummi drin klebt, Also der erinnert mich an eine Party, wo halt ein Mädel war und die hatte da diesen Kaugummi drin und dann sollte ich den irgendwie rausmachen. Dann habe ich den mit der Schere rausgeschnitten und weiß nicht, warum, aber irgendwie habe ich dieses Haarbüschel behalten.

        Lukas

        Vielleicht hattest du dich in die verguckt gehabt oder so?

        Ralph

        Ich habe es leider vergessen, wie die aussieht keine Ahnung, wobei vielleicht damals. Aber ich finde das total wichtig. Also diese Dinge, die eigentlich nichts wert sind, wie Haare, so oder ein Holzsplitter. Die haben für mich persönlich halt wirklich diesen Erinnerungswert. Das sind sie, die sind so eine Stütze für mich, weil hätte ich diese Gegenstände nicht, würde ich mich wahrscheinlich auch nicht mehr an diese Situation erinnern.

        Lukas

        Kann gut sein.

        Ralph

        Es ist also total subjektiv. Naja, was man halt mit diesen Dingen assoziiert, was man mit diesen Dingen in Verbindung bringt. Und so ist es ja bei Roland Albrecht im Endeffekt auch. Der sieht was und dann drückt er einem ja seine Geschichte quasi auf. Also freundlich. Es klingt so hart.

        Lukas

        Wie viel Zeit hast du denn in dem Museum verbracht? Bei Roland Albrecht?

        Ralph

        Na ja, ich war da schon zwei Stunden, aber halt auch um viel mit ihm darüber zu reden. Wie so oft in Museen ist es ja ganz spannend zu erfahren, was sich die Leute dabei gedacht haben.

        Lukas

        Und wie viele Leute gehen da so hin?

        Ralph

        Schon viele. Ich weiß nicht wie viele, aber er sagt, dass es Berlins meistbesuchtes Museum ist, wenn man es auf die Quadratmeterzahl herunterbricht.

        Lukas

        Besucher pro Quadratmeter Museumsfläche. Aber ist das jetzt die Wahrheit oder ist das jetzt die Behauptung?

        Ralph

        Ich würde mal sagen, es ist eine Behauptung, die schwer nachzuprüfen ist.

        Lukas

        Das ist richtig.

        Ralph

        Also bei ihm weiß man nie so wirklich, wie er es jetzt meint. Ich habe ihn ja zum Beispiel auch gefragt, wie es mit seinem Museum weitergehen soll in Zukunft. Weil Roland Albrecht ist ja jetzt auch schon 70 Jahre alt und dann hat er gesagt, er macht eine Hafenkneipe draus, weil wenn das ja mit dem Klimawandel so weitergeht, dann steigt der Meeresspiegel und irgendwann liegt es dann quasi am Meer und dann kann er aus dem Museum der Dinge eine Hafenkneipe machen.

        Lukas

        Also ganz ein verrückter Typ.

        Ralph

        Sehr sympathisch, sehr lustig. Ja, und ich habe mich mit ihm auch nach dem Museumsbesuch noch ein bisschen vor das Museum gesetzt und haben einen Kaffee getrunken. Also es war wirklich sehr angenehm. Und um auf deine Frage zurückzukommen, da war ja wahrscheinlich gefragt wieviel Zeit braucht man eigentlich, um durch dieses Museum zu kommen? Weil es ist ja ein sehr textlastiges Museum. Das heißt, es geht ja darum, wirklich diese Sachen durchzulesen. Diese Texte, und ich denke, da bist du in vielleicht einer Stunde, eineinhalb Stunden durch. Aber weil das eben so textlastig ist und er auch ein gewisses Vorwissen braucht, richtet sich das Museum jetzt nicht an Kinder oder Jugendliche.

        Lukas

        Also wahrscheinlich. Du musst doch zumindest grundlegend Ahnung von Kunstgeschichte im 20. Jahrhundert haben, schätze ich mal?

        Ralph

        Ja.

        Lukas

        Zumindest einige Namen gehört haben, um es irgendwie einordnen zu können.

        Ralph

        Also wer jetzt nicht weiß, wer Goethe ist, das sollte vielleicht auch nicht in das Museum gehen. Also würde ich das jetzt mal von der Dimension her nahelegen.

        Lukas

        Und würdest du noch mal hingehen?

        Ralph

        Ja, ich würde noch mal hingehen. Aus zwei Gründen. Der eine ist ja der, dass viele Dinge noch unerhört sind. Die liegen ja im Depot und immer wieder findet er neue Dinge und tauscht das dann aus. Das heißt, wenn ich das nächste Mal hingehe, das sind dann bestimmt andere Dinge ausgestellt. Und zweitens würde ich ihn tatsächlich einfach gern mal wieder auf einen Kaffee treffen und mich mit ihm darüber unterhalten, was es Neues gibt. Das klingt jetzt vielleicht irgendwie echt doof, aber ich habe mich sehr, sehr wohlgefühlt.

        Lukas

        Ich finde, es klingt überhaupt nicht doof. Das ist mir auch schon ein paar Mal passiert, dass diese Leute, die so ehrenamtlich oder halt nebenbei so von Museen, dass es echt ziemlich coole Leute sind.

        Ralph

        Die haben echt interessante Sachen zu erzählen.

        Lukas

        Ja, auf jeden Fall. Ja, du hast das schon angekündigt, dass es ein bisschen so um die Metaebene geht, Aber mir fällt jetzt auch nichts mehr ein, was jetzt noch irgendwie offengeblieben ist. Ich müsste mir halt auch mal angucken. Das mache ich vielleicht mal, wenn ich in Berlin bin.

        Ralph

        Kann ich sehr empfehlen. Ich finde halt, dass das ein Museum ist, das, wenn du dich darauf einlässt, dass das dich halt noch mal zum Nachdenken anregt. So wie wir halt jetzt auf dieser Metaebene ein bisschen drüber sprechen. Was macht ein Museum aus oder auch mit diesen Kategorien, dass wir jetzt überlegt haben, okay, in welche Kategorie fallen eigentlich die Museen, die wir besucht haben? So ein Museum ist das und das ist ein Besuch, von dem du zehren kannst oder was mitnimmst oder nicht, nur halt jetzt was lernst, während du da bist, sondern wo du halt dann ins Denken kommst.

        Lukas

        Wir könnten hier mal das bitte nicht anfassen Museum gründen, wo wir quasi Dinge ausstellen, die alle in kleinen Museen drin sind und dann quasi jedes Mal, dass wir quasi aus unserem Podcast ein Museum machen.

        Ralph

        Hey, ganz ehrlich, habe ich auch schon überlegt.

        Lukas

        Jeder soll also bei jedem Museum, wo wir bislang waren, die sollen uns alle ein Objekt irgendwie als Dauerleihgabe zur Verfügung stellen und dann stellen wir das irgendwo außen an, nennen wir das das Museums Museum.

        Ralph

        Ja, genau. Museum der Museen. Ja, warum nicht?

        Lukas

        Dann sammeln wir von jedem ein Foto und quasi die Leute hinter skurrilen Museen und widmen denen ein Museum. Und die kriegen alle freien Eintritt. Jedes Jahr. Lass uns das mal überlegen. Ich finde die Idee, ein Museums-Museum zu gründen gar nicht so doof. Müsste mal überlegen, wie wir das machen.

        Ralph

        Ich habe jetzt schon so einen langen Zeitplan, so lang Zeitplan oder Wunsch, besser gesagt, dass wir das jetzt noch drei Jahre machen oder bis jetzt noch zwei Jahre, weil dann haben wir 36 Museen besucht und dann können wir daraus ein Kartenspiel machen, ein Quartett.

        Lukas

        So ein Quartett?

        Ralph

        Ja, das ist doch geil.

        Lukas

        Ja, aber wir dürfen unsere ganzen zukünftigen Ideen nicht so raus plappern, weil sonst wird es vielleicht von jemanden kopiert. Ja gut, dann würde ich sagen, bevor es jetzt zu sehr ins Wilde abdriftet und bevor wir zu viele unsere Marketing Ideen hier raus posaunen. Vielen Dank, Ralph, dass du für mich, für uns, für alle da draußen in Berlin warst und das Museum der unerhörten Dinge besucht hast.

        Ralph

        Gerne, hat mir Spaß gemacht.

        Lukas

        Gut.

        Ralph

        Und kannst du denn was über deinen nächsten Besuch erzählen? Wohin soll es gehen?

        Lukas

        Ja, also es wird aller Voraussicht nach, aller Voraussicht nach – Es ist noch nicht ganz sicher. Es wird wieder um Dinge gehen, die dafür sorgen, dass es Menschen danach besser geht.

        Ralph

        Ja, das finde ich gut. Ein positiver Ansatz finde ich gut.

        Lukas

        Ja, es ist ein sehr positiver Ansatz. Das sind Dinge, die die Menschheit schon seit Jahrtausenden benutzt. Jeder von uns einmal in der Hand hatte, die aber eigentlich nur dafür gut sind, an was anderes ranzukommen, was die Menschen glücklich macht. Und darum wird es gehen.

        Ralph

        Hm. Ja, ich weiß Bescheid.

        Lukas

        Ganz klar.

        Ralph

        Ja, dann sind wir jetzt am Ende angelangt. Vielen Dank für alle, die so lange durchgehalten haben. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn ihr den Podcast weiterempfehlen würdet, wenn ihr fünf Sterne da lasst, wenn ihr eine Bewertung schreibt. Wir lesen auch gerne diese Bewertungen Und ja, bleib gesund.

        Lukas

        Macht's gut. Bis dann. Ciao.

        Ralph

        Ciao, Ciao.

        Der Beitrag Das Museum der unerhörten Dinge in Berlin erschien zuerst auf Escucha.

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        34 min
      • Gänsehals als Klopapier und die Geschichte der Toilette - das Klomuseum in Olching

          BITTE NICHT ANFASSEN! #14 – Das Klomuseum in Olching 

          Show Notes 

          Sitzt man auf der Toilette, grübelt man gerne über allerlei Dinge, aber vermutlich eher weniger darüber, wie das, worauf man sitzt, erfunden worden ist. Für die Geschichte über das ‘stille Örtchen’ haben sich Lukas und Ralph Verstärkung geholt. Manuel Rauch, Journalist und Freund der beiden, hat vor kurzem das Klomuseum in Olching besucht. Dort hat ihn Museumsbetreiber Hans-Joachim Gregor über den Einsatz von Gänsehälsen und Kordeln als Vorläufer des modernen Klopapiers erzählt. Es geht um Körperhygiene und Missverständnisse über das Bidet. Triggerwarnung: Fäkalsprache. 

          ~~~~~~~ 

          Hinweis: In dieser Folge hat die Tonqualität aus unerfindlichem Grund gelitten. Wir bitten das zu entschuldigen.  

          Hilfreiche Links: 

          Instagram-Account von Manuel Rauch: https://www.instagram.com/manuelrauch_/  

          Radio-Feature Ludwig XIV: https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/audio-zeitzeichen-klassiker–warum-der-koenig-so-stinkt-100.html  

          Dokumentation zur Gates Stiftung:  

          https://www.gatesfoundation.org/our-work/programs/global-growth-and-opportunity/water-sanitation-and-hygiene

          Foto von Lukas’ Waldtoilette in Schweden:  

          ~~~~~~~ 

          Infos zum Museum:  

          Klomuseum 

          Hans-Joachim Gregor 

          Daxerstraße 21 

          82140 Olching 

          ~~~~~~~ 

          über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

          Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

          Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

          Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

          Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

          BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

          Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

           Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
          ~~~~~~~ 

           
          Kontakt: 
          Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
          E-Mail: info[at]escucha.de  

          ~~~~~~~ 

          Wollt ihr uns unterstützen?  

          Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

          ~~~~~~~ 

          Podcast-Credits:  
            

          Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
          Produktion: Escucha GbR  
          Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
          Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

          Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

          ~~~~~~~ 

          Transkript 

          [Teaserton Hans Joachim Gregor] 

          Wir waren ja überland in Südindien und da sehe ich den tollen Steinbruch. Bin in den Steinbruch rein und habe mich gewundert, dass überall bin ich mit meinen Stiefeln praktisch in Scheiße getreten, drehe mich um. Steht das Dorf am Eingang des Steinbruchs, starrt mich an: Was macht Mann in Klo? 

          [Intro] 

          Lukas 

          Hi, Ralph. 

          Ralph 

          Hi, Lukas. 

          Lukas 

          Und hallo an euch da draußen zu dieser neuen Folge von „Bitte nicht anfassen! Museum mal anders“ Euer Qualitätspodcast über kleine alternative und skurrile Museen. 

          Ralph 

          In jeder Folge reisen wir in ein anderes Museum. Wir, das heißt Lukas und ich abwechselnd und erzählen uns dann darüber. Und in dieser Folge ist es mal ein bisschen anders. 

          Lukas 

          Genau, weil wir haben nämlich einen Gast eingeladen. Hallo, Manuel. 

          Manuel 

          Ja, Hi. Danke für die Einladung. 

          Lukas 

          Ja, jederzeit. Denn wir haben uns mal gedacht, wir hatten überhaupt keinen Bock, ins Museum zu gehen. Deswegen dachten wir, wir holen uns mal einen alten Kollegen, einen Freund, mit ins Boot, der auch Erfahrung mit alternativen Museen hat. Und das heißt, Ralph, wir können uns heute, glaube ich, zurücklehnen, weil Manu wird uns hoffentlich ein tolles Museum vorstellen. 

          Ralph 

          Ja, für die Leute, die Manuel noch nicht kennen, mit vollem Namen heißt er Manuel Rauch, ist Journalist und tätig beim Bayerischen Rundfunk in München. 

          Manuel 

          Genau. Das stimmt so alles. Dann würde ich mal anfangen. Ich nehme euch heute mit an einen ganz besonderen, ich würde sagen fast schnuckeligen Ort. Also als allererstes wollte ich euch mal fragen: Seid ihr eher Typ Falter, Knüller oder Wickler? 

          Ralph 

          Äh Falter, Knüller oder Wickler? 

          Lukas 

          Also, ich glaube, ich kann mir vorstellen, worum es geht. Okay. Ich glaube, ich bin der Knüller. 

          Manuel 

          Was meinst du, Ralph? 

          Ralph 

          Also, ich weiß nicht, was ein Wickler ist. 

          Manuel 

          Aber Falter und Knüller ist, den Begriff. 

          Ralph 

          Ja, Ja. Ja, Du meinst, es geht ums Geschäft. 

          Manuel 

          Es geht ums große Geschäft Heute in der Sendung. Das heißt, ihr solltet vielleicht nicht unbedingt essen, während ihr den Podcast hört. Weil jeder verbringt so von uns ungefähr 20 Minuten am Tag auf Klo. Und meine Eingangsfrage dreht sich natürlich ums Klopapier. Es gibt Leute, die falten fein säuberlich so Eck auf Eck, die anderen knüllen es einfach zusammen vorm Benutzen und die anderen wickeln das so um ihre Hand und ziehen es dann hinten durch. 

          Manuel 

          Das habe ich auch noch nicht so ganz verstanden. 

          Ralph 

          Übrigens gibt es ja auch noch was, da gibt es ja Leute, die es hinten durch und dann gibt es Leute, die zieht es vorne durch. 

          Manuel 

          Also ich verstehe das jetzt nicht so ganz. Ich würde auch ganz klar sagen, ich bin Falter. Das ist tatsächlich auch die Mehrheit der Deutschen. Es gibt natürlich, wie zu allem eine Studie. 70 % der Deutschen falten, nur 7 % knüllen und der ganze Rest läuft dann unter Sonstige, was auch immer das dann so im Detail heißen mag. Denn es gibt ja auch abseits von Klopapier noch Alternativen, habe ich alles erfahren im laut Besitzer kleinsten privaten Klo Museum der Welt. Ich wollt jetzt euch mal fragen, was war denn so das kleinste Museum, das ihr bisher im Podcast hattet? 

          Lukas 

          ganz klar das Hosensack Museum. 

          Manuel 

          Das Hosensack Museum. Wie groß war das? 

          Lukas 

          70 auf 70 Zentimeter. 

          Manuel 

          Ja, okay, da ist meins dann doch ein bisschen größer. Tatsächlich? Ich dachte, ich könnte euch schlagen. Denn das Museum, in dem ich war, das ist gerade mal zwei Quadratmeter groß. Das steht in Bayern. Und zwar in Olching. Das ist ein kleiner Ort in der Nähe von München, also so ein paar Kilometer aus München raus. Und da wohnt in einem, ja, einem beschaulichen Wohngebiet Hans Joachim, Gregor. 

          Der ist 79 Jahre alt und Paläontologe. Ja, ich würde sagen, der sieht so ein bisschen aus, wie man sich jetzt vielleicht so einen ganz typischen Oberbayern vorstellt, sage ich jetzt mal so ganz gemütlicher Typ, kariertes Hemd, graue Haare, Brille. Bei dem war ich daheim. 

          Lukas 

          Kann ich kurz eine Zwischenfrage stellen? Bzw. Eine kurze Information? Also Paläontologe ist ja ein Dinosaurier Forscher. Wenn man das jetzt umgangssprachlich erklärt. 

          Manuel 

          Das ist vielleicht ein bisschen zu speziell, nur auf Dinosaurier gesehen, aber ja, kann man im Prinzip so beschreiben. Ralph, du hast ja mal Archäologie studiert, Korrigiere mich, wenn ich was falsches sage, aber Archäologen beschäftigen sich ja quasi mit dem, was Menschen hinterlassen haben, also was weiß ich irgendwelchen antiken Töpfe und Krüge und Paläontologen sind rein naturwissenschaftlich unterwegs, Also die suchen nach versteinerten Überresten und Spuren von Tieren und Pflanzen, die eventuell ausgestorben sind. 

          Lukas 

          Alles klar. 

          Manuel 

          Das ist der Hans Joachim Gregor von Beruf. Oder er war es. Er ist jetzt in Pension. Ja, und das Klomuseum, das ist jetzt kein Museum, wie man sich das vielleicht klassischerweise vorstellt. Also es ist kein öffentlicher Ort, wo man einfach hingeht, sich ein Ticket kauft und dann da reingeht, sondern es ist halt einfach die private Toilette bei Hans Joachim Gregor in der Wohnung, also der Raum, wo er und seine Frau ihr tägliches Geschäft verrichten, bedeutet, das ist das Museum. 

          Ralph 

          Das wird wirklich von denen noch als Toilette verwendet? 

          Manuel 

          Ja, auf jeden Fall. Also ich habe mich jetzt nicht ganz so genau umgeguckt in der Wohnung, aber ob es noch ein zweites Klo gibt? Aber er hat gemeint, es ist noch in Betrieb. Wie gesagt, zwei Quadratmeter ist der Raum groß, in der Mitte die Kloschüssel, wie man das kennt. Und rundrum sind die Wände im voll gehängt mit eingerahmten Bildern, historischen Darstellungen, Fotos aus aller Welt und eben, ja, Utensilien sage ich jetzt mal also da gibt es den klassischen Porzellan Nachttopf aus Omas Zeiten. 

          Alte Zeitungen aus der Nachkriegszeit, die man damals noch oft als Klopapier verwendet hat, historische Griffe von so alten Klospülungen, an denen man so gezogen hat, bunt bedruckte Klopapierrollen, die Hans Joachim, Gregor irgendwo im Urlaub gekauft hat. Also es gibt sogar ein kleines Regal mit so Büchern, steht direkt links neben der Spülung und allerhand Zeug. Da kommen wir später noch genauer zu, über das man jetzt vielleicht auch nicht unbedingt denken würde, dass das jetzt ins Klo Museum gehört. 

          Wer Interesse hat und das Museum besichtigen will, der muss sich also vorher bei Hans Joachim Gregor anmelden. Oder man wartet einfach auf den Welt Toiletten Tag. Der ist immer am 19. November und da sperrt er eben jedes Jahr seine Klotür für Besucherinnen und Besucher auf. Fünf Personen gehen maximal gleichzeitig in den Raum rein, hat er gesagt. Wobei ich sagen muss, also ich fand es schon allein mit Hans Joachim Gregor da drin relativ eng. 

          Also wenn man zu fünft da drinsteht, ich glaube, da kann man sich dann nicht mehr so richtig bewegen. Jetzt ist es so Hans Joachim Gregor ist in seiner aktiven Zeit als Paläontologe weit rumgekommen. Also ich habe es ja schon erklärt, was ein Paläontologe macht. Der war auf vielen Ausgrabungen und man merkt auch einfach, dass er das mit Leib und Seele gemacht hat. 

          Also der hat als Kind einen Artikel über Dinosaurier gelesen und wusste eben ab da, das will ich mal studieren. Vor 20 Jahren, da ist in Bayern ein Elefant ausgegraben worden, der sogenannte Augsburger Elefant. Der hat für große Schlagzeilen damals gesorgt. 15 Millionen Jahre alt sind die Knochen und es ist weltweit das bisher vollständigste Skelett von so einem Elefanten dieser Art, und gefunden hat dieses Skelett eben Hans Joachim Gregor. 

          Und zwar quasi ganz per Zufall, als er auf einer Kiesgrube unterwegs war. Also das nur mal so nebenbei. Der ist Paläontologe mit Leib und Seele und deshalb war der eben auch gefühlt schon überall auf der Welt, auch und gerade vor allem an Orten, wo es halt nicht so viel Zivilisation gibt. Und einmal war er, das war 1979, also mittlerweile mehr als 40 Jahre her. 

          Da war er auf einer Sahara Expedition und da ist ihm was aufgefallen. Und hier kommt Ton eins. 

          Hans Joachim Gregor 

          Am Abend saß ich mit den ägyptischen Kollegen zusammen beim Abendessen, und dann haben die die Konservendosen genommen, die Ägypter, und sind dann in der Dunkelheit verschwunden, Kamen wieder ohne Konservendosen, frage ich, was tut ihr mit diesen Konservendosen? Abputzen. Wir nehmen das zum Abschaben und da wurde mir erst mal klar: Wir haben Toilettenpapier. Aber das ist eine völlig andere Kultur. 

          Die kratzen das ab und fühlen sich dann wohler. 

          Ralph 

          Aua! Also entweder haben sie ganz andere Konservendosen oder wie machen sie das? Also wenn ich das richtig verstanden habe, Manuel, dann benutzen die die Dosen ja nicht, um da rein zu machen, sondern um sich damit sauber zu machen. Hinten rum. 

          Manuel 

          Ganz genau. Also die kratzen quasi die Überreste, die dann noch dran kleben, einfach ab mit dem Rand von der Konservendose. Die schleifen das oder hobeln das irgendwie noch ab, dass es nicht ganz so scharf ist. Ich glaube, das hat er noch irgendwie gesagt. Aber genau wie du es gesagt hast, also die die Reste fallen dann quasi in die Dose. 

          Ralph 

          Ja, spannend. 

          Lukas 

          Ich will es nicht ausprobieren.  

          Manuel 

          Ja, ich glaube auch, es ist nicht so angenehm. Unbedingt, wenn man das schöne Toilettenpapier gewohnt ist wie wir heutzutage. 

          Ralph 

          Ich würde schon ausprobieren. 

          Manuel 

          Na ja, das kannst du ja jederzeit machen in die Konservendose und dann. 

          Ralph 

          Müsste ich auch schleifen, weil also anders ist es zu gefährlich. 

          Lukas 

          Das ist die Bitte nicht anfassen! Selbsttest Ralph geht in den Wald. 

          Manuel 

          Das hören wir dann in der nächsten Folge auch wie das ausgegangen ist. Genau. Ja, es ist tatsächlich so Nach der Tradition haben die Ägypter da in der Sahara sich früher mit Muscheln aus dem Mittelmeer abgeputzt. Es ist im Prinzip: sie sind ja auch so kleine Näpfchen, die man dafür ganz gut verwenden kann und irgendwann sind sie dann eben auf Konservendosen übergegangen. 

          Da geht natürlich ein bisschen mehr rein. Und es ist auch so Tatsächlich sollte man in der Wüste auch kein Klopapier verwenden, denn der nächste Wüstenfuchs gräbt es dann natürlich wieder aus und dann flattert es da rum. Also das ist eben der Hintergrund von den Konserven Dosen. Und dieses Erlebnis, das war der Start von allem, von diesem nischigen Hobby von Hans Joachim Gregor. 

          Manuel 

          Und deshalb hat er natürlich so eine Konservendose auch bei sich im Museum hängen, also eine unbenutzte. Also das ist klar. Man muss sagen, es ist blitzeblank da bei ihm auf der Toilette, da kann man alles auch anfassen, auch wenn euer Podcast anders heißt. Aber man muss sich jetzt nicht ekeln vor den Sachen, die da irgendwo ausgestellt sind. Und grundsätzlich muss man auch sagen, es ist super, dass Hans Joachim Gregor da ist, wenn man in dem Raum steht, weil sonst würde man als Laie die ganzen Bilder und Gegenstände auch nicht wirklich verstehen. 

          Also das lebt einfach davon, dass der einem einfach das erzählt und es ist großartig, dem zuzuhören, weil der weiß einfach so viel kuriose Geschichten und erzählt die einfach sehr spannend. Was mir zum Beispiel auch sofort ins Auge gestochen ist. Da hängt ein ausgestopfter Gänsehals an der Wand. Was glaubt ihr warum? 

          Ralph 

          Ich habe überhaupt keine Ahnung. 

          Lukas 

          Ein ausgestopfter Gänsehals. 

          Manuel 

          Genau so ein weißer Gänse Hals. 

          Lukas 

          Na, ich könnte mir vorstellen, dass das zum Reinigen ist. So eine Art Klobürste. 

          Ralph 

          Das ist eine gute Idee. 

          Manuel 

          Ja, das seid ihr schon ganz gut. Also, dazu müsst ihr euch jetzt mal ganz kurz vorstellen. Wir reisen ins späte 17. Jahrhundert zurück nach Russland, an den Hof von Zar Peter dem Großen. So, und was macht er jetzt? Und zwar, wenn er sein großes Geschäft erledigt hat? Das Gute Klopapier gab's noch nicht. Der Peter gönnt sich einfach mal so einen frisch geschlachteten Gänsehals. 

          Hans Joachim Gregor 

          Der ist so schön weich. Für Kinder ist es das eine Erfahrung. Das ist von einem guten Bekannten. Der war Präparator, der hat mal einen Gänsehals besorgt. Ist ausgestopft und den hat der Zar zum Abputzen verwendet. 

          Manuel 

          Und da hat er regelmäßig die Gänse dafür schlachten lassen? 

          Hans Joachim Gregor 

          Richtig, Richtig. Na gut, ich meine, der hatte natürlich seine Leute dafür und hat sich halt da dann seine Gänsehälse geholt und die waren ja wahrscheinlich noch blutig. Aber gut, Zar Peter war nicht zimperlich. 

          Lukas 

          Well, wieso nicht? Ich meine, die Viecher sind ja wahrscheinlich sowieso gestorben und ich könnte mir vorstellen, dass ein Hof von Zar Peter dem Großen wahrscheinlich etliche Gänse pro Tag vertilgt hat. 

          Ralph 

          Ja, aber ja, aber was hat er dann mit den Hälsen gemacht? Also die mussten ja irgendwo entsorgt werden. 

          Lukas 

          Na ja, dann hat er sie halt verbrannt. 

          Manuel 

          Ja, oder in den Hof geschmissen. Ich weiß nicht, aber ich denke auch, es war natürlich so, dass die die Gänse wahrscheinlich geschlachtet haben, allein zum Essen und um den Hals isst man ja nicht, soweit ich weiß. 

          Lukas 

          Doch, doch, den isst man. 

          Manuel 

          Kann man den auch essen? Ja, ja. Okay. Ja, gut, dann ist es natürlich noch umso dekadenter, wenn man den auch hätte essen können. Es ist auch schön, tatsächlich wie Hans Joachim Gregor gemeint hat. Es ist schön zum Streicheln, es fühlt sich gut an, ich kann mir das schon vorstellen. Eher als die Konservendose. Also es ist total spannend. Übrigens auch folgende Geschichte – Ich weiß nicht, seid ihr halbwegs bibelfest? 

          Lukas 

          Immer, Ja. 

          Manuel 

          Immer. Das habe ich von euch nicht anders erwartet. Dann klappen wir mal ganz kurz unsere Bibeln auf, die wir natürlich immer alle dabeihaben. Ihr kennt alle die Kreuzigung Christi. 

          Haben wir 1.000 Mal auf Bildern gesehen und vielleicht erinnert ihr euch aus dem Reli Unterricht im Johannesevangelium. Das habe ich extra noch mal nachgeschlagen. Da sagt Jesus, wenn er am Kreuz hängt und schon im Sterben ist, da sagt er mich dürstet. Also das sind so fast die letzten Worte von Jesus und direkt der nächste Satz also nach dieser Aussage von ihm im Johannesevangelium lautet folgendermaßen: Ich lese euch das mal kurz vor. Ein Gefäß mit Essig stand da. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Zweig und hielten ihn an seinen Mund. So, das ist auf manchen Darstellungen aus dem Mittelalter auch zu sehen, wie ein Soldat so einen in Essiggetränkten Schwamm dem Jesus da mit einen Stock ans Kreuz hält. Jetzt wundert ihr euch wahrscheinlich, warum ich euch das erzähl. Hat jetzt mit unserem Thema erst mal nicht so wahnsinnig viel zu tun. 

          Da kommen wir noch gleich genauer dazu. Aber könnt ihr diese Szene irgendwie interpretieren? Was soll dieser Schwamm? 

          Lukas 

          Na ja, also jetzt mal ist ja, als wäre Verbrecher aufgehangen worden. Jetzt könnte man sagen, das ist quasi noch eine zusätzliche Demütigung ist, wenn man quasi ihm einen Schwamm mit Essig gibt, der sonst eigentlich zum Putzen gedacht war. 

          Manuel 

          Das ist tatsächlich komplett richtig. Ja, also es ist natürlich erst mal so eine reine Demütigung. Jesus sagt, er hat Durst und die geben dem Essig. Das kann man ja nicht trinken, Das macht alles noch viel schlimmer. Also das ist schon mal Beleidigung genug. Es wird aber noch krasser, diese Geste. Wenn man jetzt, wenn wir uns mal anschauen, für was die Römer in der Antike eben solche Schwämme benutzt haben und auch die hatten natürlich kein Klopapier. 

          Aber wir wissen ja, die alten Römer waren trotzdem sehr reinlich. Also es gab ja schon öffentliche Badehäuser zum Beispiel. Also Sauberkeit war denen schon wichtig und deshalb haben sie natürlich schon geputzt, und zwar mit einem sogenannten Xylospongium. Leitet sich aus dem Altgriechischen ab, Xylo wie in Xylophon, also Holz und Spongos. Da denkt man an SpongeBob. Klar, der Schwamm, das ist jetzt ein Holzstock und obendrauf steckt eben ein Schwamm. 

          Damit hat man sich den Allerwertesten abgewischt. Schriftlich überliefert ist es auf einem Fresko, und zwar schon in den Thermen der Sieben Weisen in Ostia. Das ist eine Hafenstadt im antiken Rom, und auf dem Fresko steht schon im zweiten Jahrhundert der Hinweis Utaris Xylospongio, also auf Deutsch, benutzt diesen Stab. 

          Ralph 

          Aber jetzt habe ich eine Frage Woraus bestand denn zu dieser Zeit da schon? 

          Manuel 

          Na ja, ich vermute, das waren schon echte Schwämme, also aus dem Meer. 

          Ralph 

          Ah okay. 

          Manuel 

          Also würde ich schon sagen, die hatten ja noch keine Kunststoff Schwämme, wie wir das heute zum Putzen haben. 

          Lukas 

          Hätte ich jetzt auch gesagt. Ja, so rein aus Intuition. 

          Manuel 

          Jetzt ist es nicht ganz sicher, dass es tatsächlich zum Abwischen gedacht war. Es gibt auch Wissenschaftler, die sagen Nein, diese Schwämme auf Stöcken hat man eher zum Putzen der Latrinen verwendet. Also das gleiche Prinzip wie heute eben eine Klobürste. Aber so oder so ist es natürlich eine krasse Beleidigung, wenn der römische Soldat Jesus da so ein Klo-Schwamm hinhält. Natürlich hängt auch so ein Schwamm im Klo-Museum bei Hans Joachim Gregor daheim und er kann auch einiges zu den alten Römern sagen. Auch da kann man wieder sagen, die waren relativ weit, die hatten ja diese Latrinen, Da saßen meistens so um die 20 Römer:innen, kann man hier sagen, denn eine Geschlechtertrennung gab es damals nicht auf dem Klo. Also die saßen da gemütlich Po an Po, da gab es auch keine Trennwände dazwischen oder so. Es gab sogar richtig große Latrinen, wo bis zu 80 Leute sitzen konnten. Und das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Aber das war einfach so ein richtiges Get together, also ein sozialer Treffpunkt wie in der Kneipe, wo man geratscht hat, da wurde gefeilscht, da wurde gehandelt. Und tatsächlich vermutet man, dass daher auch die Redewendung kommt „sein Geschäft verrichten“.  

          Ralph 

          Ja.  

          Manuel 

          Und man muss auch sagen, das war eine ziemlich luxuriöse Angelegenheit. Es standen eben diese Stöcke mit den Schwämmen bereit, man saß auf Marmor sitzen, es gab eine Fußbodenheizung und tatsächlich auch schon eine Wasserspülung. Also die Sitze waren direkt über Wassergraben gebaut, durch die ständig laufend Wasser geflossen ist. Und das heißt, die Fäkalien wurden sofort weggespült und dann eben weiter in die Cloaca Maxima. Das war dieser große Abwasserkanal und trotzdem muss man aber sagen aus heutiger Sicht so wirklich hygienisch war das Ganze natürlich auch nicht. Also Forscher gehen da inzwischen auch davon aus, dass diese Latrinen regelrechte Keimschleudern waren und auch für viele Krankheiten damals schon verantwortlich waren. 

          Lukas 

          Ergibt Sinn. 

          Manuel 

          Also ich denke, das ist nicht so überraschend. Ja, was es auch gab, es gab sogenannte Urin Latrinen. Das waren im Prinzip einfach so Art Vasen, die auf den Straßen standen und in die man halt rein gepinkelt hat. Das war im Prinzip eine ganz frühe Form von Recycling, denn der Urin, der wurde nicht weggeschüttet, der wurde da drin einfach gesammelt. 

          Manuel 

          Und zwar könnt ihr euch vorstellen, für was? 

          Lukas 

          Dünger! 

          Manuel 

          Naja. Das wäre eher das größere Geschäft, glaube ich. 

          Lukas 

          Ah, ich glaube, ich weiß es, oder, Ralph, weißt du es? 

          Ralph 

          Nee, nee, ich weiß es nicht. 

          Lukas 

          Kann es sein, dass es für die Lederherstellung verwendet wurde? Zum Gerben. 

          Manuel 

          Richtig gut. Tatsächlich. Also für Gerbereien und für Wäschereien. Die konnten den Urin gut gebrauchen, um Leder zu gerben. Das Ammoniak nämlich, das da drin ist, hilft da. Und auch um Flecken aus der Kleidung zu entfernen. Haben Sie das in Wäschereien auch benutzt? Ich weiß nicht, ob das hilft, ob das ein Haushalts-Tipp ist, ob das ein Hack ist, den man heute noch verwenden kann. Das müsste man auch mal ausprobieren, aber die konnten auf jeden Fall mit dem Urin schon was anfangen. Und jetzt gab's den Kaiser Vespasian, der war so um 70 nach Christus römischer Kaiser und der hat jetzt auf diese öffentlichen Pinkellatrinen eine Steuer eingeführt. Man sollte also zahlen dafür, dass man in diese Vasen rein pinkeln kann. Darüber wiederum hat sich sein Sohn der Überlieferung nach aufgeregt. 

          Es war Titus und daraufhin hat ihm Vespasian eine Münze aus den Steuereinnahmen unter die Nase gehalten und ihn gefragt, ob ihn jetzt der Geruch irgendwie stört. Und da sagt Titus natürlich Nee, weil es ist ja Geld. Und sein Vater antwortet Ja, und doch ist es Urin. Und daher kommt dieser Spruch, den man heute noch verwendet Pecunia non olet, Geld stinkt nicht. 

          Lukas 

          Ah ja. 

          Ralph 

          Wieder was gelernt. 

          Manuel 

          Also der Vespasian wusste schon recht früh, wie man Scheiße oder in dem Fall Pisse zu Geld macht, würde ich mal sagen. Später im Mittelalter sah es dann wiederum ganz anders aus. Da war von dieser ganzen gehobenen Kultur dann halt nicht mehr viel übrig, wie man da so aufs Klo gegangen ist. Es hing halt stark davon ab, zu welchem Stand du gehört hast. 

          Also die einfachen Bauern, die haben halt einfach aufs Feld gekackt, das ist ja klar, das stört ja niemand. In der Stadt war es schon komplizierter. Da sagen jetzt immer viele, die haben einfach alle wild auf die Straße gemacht. Aber ganz so war es halt wohl doch nicht. Also das war wohl schon auch verboten in den Städten, allein schon wegen dem Gestank. 

          Die besseren Patrizierhäuser jetzt, die hatten sogenannte Abort-Erker. Also das gab es auch an Burgen öfter mal, also so ein Vorbau der im Haus steht, gerade so breit, dass sich da eine Person reinsetzen kann. Und da drin war ein Holzbrett mit Loch, also ein Plumpsklo im Prinzip. Und es fiel dann halt alles durch den Latrinenschacht nach unten. 

          Oft war es über einem Stadtpark gebaut oder über einer Grube. In manchen Städten waren auch zwischen den Häuserblocks extra so kleine Gassen, auf die das dann eben von oben, vom Abort Erker, alles runtergefallen ist. Und es blieb dann halt alles liegen und hat natürlich auch bestialisch gestunken. Aber es war halt nicht direkt auf der öffentlichen Straße, wo alle vorbeigegangen sind, und deswegen hat man dann auch immer wieder mal den sogenannten Wasenmeister gerufen. 

          Das war oft tatsächlich der gleiche Typ, der auch der Henker in der Stadt war. Also der hat wirklich alle scheiß Jobs gemacht und der hat es dann halt alles aus den Gassen raus geschaufelt und auf den Wagen und dann halt einfach vor die Tore der Stadt gefahren. Und für die einfachen Leute, die jetzt nicht in Patrizier Häusern mit so einem Erker gewohnt haben, für die blieb halt einfach nur der Nachttopf. 

          Also den hat man dann einfach im Stadtpark oder im Graben eben irgendwo entleert. Problem war halt auch da einfach was flüssig ist, sickert halt nach unten einfach durch und da sind dann halt sämtliche Bakterien ins Grundwasser gesickert und konnten sich so die übelsten Krankheiten ausbreiten. Hier ist der Latrinenschacht und ein paar Meter daneben steht der Brunnen. Aus heutiger Sicht können wir schon sagen, ist relativ klar, dass das nicht gesund sein kann. 

          Lukas 

          Ist ja auch mal wieder einer der großen Vorteile, nicht im Mittelalter in Zentraleuropa gelebt zu haben, glaube ich. 

          Ralph 

          Aber hat man dann im Mittelalter auch diese Schwämme benutzt, um sich da sauber zu machen? Oder wann kam dann das Klopapier? 

          Manuel 

          Also im Mittelalter, das hat mir der Hans Joachim Gregor gesagt, da haben viele einfach Stroh benutzt. Also gerade die einfachen Leute. Stroh gab's zuhauf auf dem Land natürlich auch. Deswegen hat er tatsächlich auch so ein Bündel Stroh ausgestellt. Symbolisch, weil es wohl das Mittel der Wahl war im Mittelalter für die meisten Leute. Skurril fand ich auch, er hat da so ein mittelalterliches Bild und da sieht man zwei Mönche im Kloster auf dem Nachttopf, denn die durften tatsächlich auch nie allein aufs Klo gehen, wegen der Versuchung, was weiß ich, was da passieren kann hinter der Klotür. 

          Also musste da immer jemand mit. Habt ihr eine Ahnung, wie sich damals die Mönche so den Hintern geputzt haben? 

          Ralph 

          Vielleicht haben die ja Wasser verwendet. 

          Manuel 

          Na, das hat sich nie in Europa durchgesetzt, dass Leute am Hintern mit Wasser putzen. 

          Bis heute ja irgendwie nicht. Auf die Idee ist man glaube ich auch noch nicht so richtig gekommen. Also der Hans Joachim Gregor sagt halt immer, man hat das genommen, was da war. Klar, die Mönche hatten natürlich was, er hat es mir gezeigt. Ton drei. 

          Hans Joachim Gregor 

          Hier sind ja die Kordeln von den Mönchen. 

          Manuel 

          Können Sie es noch mal kurz erklären? Die Kordeln sind ja um die Kutte. 

          Hans Joachim Gegor 

          Um die Kutte herum. Und wenn der aufs Klo gegangen ist, dann hat er die Kordel weggemacht und hat die durch die Po-Spalte gezogen. 

          Manuel 

          Ja, das stelle ich mir weniger angenehm vor. 

          Hans Joachim Gregor 

          Ist völlig klar. Und da gibt also Literatur Stellen dazu und die hatten halt nichts anderes außer Stroh natürlich, das konnte man auch verwenden, aber jeder hatte da andere Vorstellungen. 

          Manuel 

          Und dann musste man es halt immer wieder waschen. 

          Hans Joachim Gregor 

          Ja, die hatten natürlich draußen einen Brunnentrog, war also kein Problem. 

          Manuel 

          Was haltet ihr von der Methode? 

          Lukas 

          Also Moment, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, die haben ja immerhin das Gewand an ihre Kutte. Ich glaube, das nennt man Habit. Und da ist es ja bei vielen so, dass die Kordeln außen rum haben und die genannten drunter, also die baumeln so über. Und die haben die genommen und sich durch die Schlitze durchgezogen. 

          Manuel 

          Und damit, sagt Hans Joachim Gregor, das muss wohl auch in Überlieferungen zum Teil so irgendwo stehen. Hygienisch ist es, glaube ich auch nicht. 

          Ralph 

          Na ja, da würde ich noch eher Stroh nehmen. Sonst musst du ja jedes Mal sonst diese Kordel wieder waschen. 

          Manuel 

          Ich glaube, das haben die nicht jedes Mal gewaschen. 

          Ralph 

          Das ist ja umso schlimmer. 

          Manuel 

          Aber wenn du halt nix mitnimmst aufs Klo, womit willst es machen? Das war halt zur Hand. Also ganz pragmatisch. Ähnliches Prinzip übrigens auch auf hoher See. Die Seemänner auf Segelschiffen haben es ganz ähnlich gemacht. 

          Hans Joachim Gregor 

          Da gab es eine kleine Luke, da konnte man sich raushängen und hat dann sein Geschäft verrichtet und dann hat man einen Tampen. Das sind diese ganz dicken Taue, einen Meter lang etwa, raufgeholt an einer dünneren Schnur; hat sich mit dem Seewasser getränkten Tampen gereinigt, hat wieder reingeschmissen ins Meer. Der fuhr dann neben dem Schiff her und der nächste konnte das wieder verwenden. War nicht so arg hygienisch natürlich, aber Hygiene hat da nicht interessiert. 

          Ralph 

          Ach finde ich eine ganz gute Lösung. 

          Lukas 

          Ich wollte gerade sagen, es ist doch schlauer als das mit der Mönchskutte. Vor allem, weil es ist halt die ganze Zeit im Salzwasser. Und jetzt mal eine blöde Frage, aber ich meine, dass Salzwasser desinfiziert und Keime abtötet. 

          Manuel 

          Ja, also wahrscheinlich war es besser als das, was die Mönche gemacht haben. Wenn ich so drüber nachdenke, hast wahrscheinlich recht. 

          Lukas 

          Das einzige ist natürlich, dass jeder Mönch seinen eigene, seine eigene Kordel hatte und sich natürlich die Seemänner eine geteilt haben. 

          Ralph 

          Die haben dann ein Abschnitt vom Tau verwendet, oder? Na ja, dann ist ja sowieso die Wahrscheinlichkeit relativ groß, dass die unterschiedliche Abschnitte verwendet haben. 

          Manuel 

          Es ist halt natürlich auch so, eine Kordel ist natürlich auch dünner als so ein Schiffs Tampen da. Also die sind ja schon echt fett. Also ob das so angenehm ist… 

          Ralph 

          Hast du auch eins gesehen im Museum? 

          Manuel 

          Ja ja genau, da hängt auch eins, was ich auch ganz krass finde: in Paris das Schloss Versailles, der vornehme Königshof vom Sonnenkönig Ludwig dem XIV.. Da gab es mehr als 200 Appartements. Tausende Höflinge haben da gewohnt, aber es gab einfach so gut wie keine Klos. Also die ganzen Bewohner und Bediensteten haben halt wahrscheinlich einfach auf die Gänge gemacht, hinterm Vorhang oder hinter die Statue. Und auch da muss es übelst gestunken haben auf Schloss Versailles. Das denkt man nicht, wenn man da so durchläuft. Aber das muss alles andere als schön gewesen sein und man hat das halt einfach mit Parfüm übertüncht. 

          Lukas 

          Das hat mir aber auch schon ein paarmal in diesem Podcast, dass wir auf französischen Absolutismus eingegangen sind und dass es da auch immer relativ schwierig war, lässt sich immer fiel irgendwie auf Versailles und Absolutismus zurückführen. 

          Manuel 

          Es läuft immer auf die gleichen Sachen raus. 

          Ralph 

          Ich hab so ein Radio Feature oder einen Radiobeitrag vor einiger Zeit gehört. Über Ludwig den XIV. 

          Manuel 

          Kam das mit dem Klo auch vor? 

          Ralph 

          Nee, das mit dem Klo nicht. Aber dass der selber auch so stark aus dem Mund gerochen haben muss, ja, weil der Mundfäule und alles Mögliche hatte auch am After irgendwelche Ekzeme oder keine Ahnung. 

          Manuel 

          Ich glaube, er ist auch an so einem Ekzem am Hintern tatsächlich gestorben. Letztendlich auch hat man dann, glaube ich, später rausgefunden, meine ich, hätte ich gelesen. Aber der König selber, also Ludwig der XIV. der soll wohl tatsächlich ein Klo gehabt haben. Und von seinem Urenkel Ludwig dem XV, da hängt auch ein Bild bei Hans Joachim Gregor im Museum. Der soll nämlich seine Gesandten dann sogar mal ganz gern auf dem Klo, also auch auf der Schüssel, empfangen haben. Tatsächlich, um mit den zu sprechen. Der hat sich übrigens mit Watte abgewischt. Deswegen hängt im Museum neben dem Bild auch so ein Ast von so einem Baumwollstrauch, wo man dann eben die Watte abgenommen hat. 

          Ralph 

          Ganz schön viel Zeug auf zwei Quadratmetern. 

          Manuel 

          Ja, das ist es, muss man gesehen haben. Tatsächlich, es ist sehr dicht. 

          Lukas 

          Ich finde es aber schon mal als Konzept irgendwie ziemlich cool, weil ich glaube, das kann man echt gut nachvollziehen, weil es ja letztlich irgendwie alles fast schon Alltagsgegenstände sind, die es ja heute immer noch gibt, die nur halt damals anders genutzt wurden. Das ist doch total spannend. 

          Manuel 

          Absolut. Wenn man da mal sitzt auf diesem Klo bei Hans Joachim Gregor und eine längere Sitzung hat, da wird es einem auf jeden Fall nicht langweilig. Da sieht man ganz schön viele. Viele öffentliche Klos auf der Straße gab es damals noch nicht so wirklich. Wobei ja, es gab so eine Art Mobile Dixi Klos, wenn man das so sagen kann. 

          Also es waren aber keine Häuschen, sondern Menschen. Das ist zum Beispiel aus Edinburgh in Schottland so bekannt. Da sollen auf der Straße Männer und Frauen mit langen Umhängen rumgestanden sein und die sollen Passanten angeboten haben, mal eben unter den Mantel zu schlüpfen. Da drunter standen Eimer. Und die, die das in Anspruch genommen haben, konnten dann eben abgeschottet von den Augen der Öffentlichkeit zumindest pinkeln. 

          Lukas 

          Weiß man, wann es diesen Übergang gab zwischen öffentlich aufs Klo gehen bei den Römern? Und dann dieses sich dafür schämen später. 

          Manuel 

          Dass es tatsächlich ganz schwierig. Ich weiß auch nicht, ob da der Übergang schon so war, weil viele haben natürlich im Mittelalter wohl schon auch die Kenntnis, da glaube ich noch nicht so die Hemmungen, auch mal auf die Straße zu machen. Also wie gesagt, es war wohl in vielen Städten verboten, aber es wurde halt trotzdem auch gemacht. Wann da dann genau der Übergang war, glaube ich, ist schwer zu sagen. 

          Lukas 

          Ja, weil normalerweise haben ja solche gesellschaftlichen Entwicklungen ganz häufig mit der Ausbreitung des Christentums zu tun. Also unser Verständnis von Sexualität ist ja zum Beispiel bis heute noch total krass durch christliche oder katholische oder kirchliche Entwicklungen geprägt. Und vielleicht ist es ja bei der Schamnehaftung, beim aufs Klo gehen ähnlich, aber das ist nur eine Vermutung. 

          Manuel 

          Kann ich mir schon auch gut vorstellen, weil zumindest seit dem Mittelalter gab es dann auf einmal zumindest nicht mehr diese großen Anlagen, wo man einfach direkt nebeneinander saß. Also da hat sich ja schon viel verändert. Die Römer kannten da wohl anscheinend gar nichts. 

          Lukas 

          Ja, ich könnte mir vorstellen, dass es vielleicht mit diesem Reinsein zu tun hat. Also irgendwie keine Ahnung. Maria, die reine Jungfrau, ist so reine Religion. Vielleicht hat es dann einfach nicht gepasst, Aber es ist eine Mutmaßung. Müssten wir mal recherchieren. 

          Manuel 

          Ja, genau. Und dann hat sich das halt langsam entwickelt, so ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dann Anfang des 20. Jahrhunderts. Da kommen dann halt so die ersten Kanalisationen auf. Also da checkt man dann so langsam, dass sich Krankheiten auch über Bakterien ausbreiten. Und in München zum Beispiel hat Max von Pettenkofer –  den Namen kennt man so ein bisschen auch weil es auch eine Einkaufsstraße gibt in München. 

          Das war ein Mediziner, und der hat im 19. Jahrhundert ein unterirdisches Kanalnetz bauen lassen. Und München, das war davor so, als Typhus.Nest verschrien, wurde dazu dann tatsächlich zum Hygienevorreiter. Also dem hat man damals ziemlich viel zu verdanken gehabt. Und dann natürlich Ende des 19. Jahrhunderts verbreitet sich dann endlich eine richtig gute Erfindung, nämlich? 

          Ralph 

          Das Klopapier. 

          Manuel 

          Das vermutlich dann auch. 

          Lukas 

          Die Spülung halt. 

          Manuel 

          Oder genauer: die Toilette mit der Wasserspülung, das Waterklosett. Das ist eine englische Erfindung, tatsächlich bizarrerweise viel älter als man denkt, nämlich hat es der Dichter Sir John Harrington erfunden, und zwar schon im Jahr 1596. Aber irgendwie hat es damals niemand so richtig gecheckt. Es gab auch noch keine Kanalisation, und so hat man dann erst 200 Jahre später hat dann Alexander Cummings das Patent für genauso ein Wasserklo angemeldet. Dem haben wir übrigens auch das gekrümmte Abflussrohr zu verdanken. Also dass Ziffern, wie man das auch heute noch verwendet, einfach aus dem Grund, damit es nicht stinkt. Also 1775 wurde dieses Patent für das Wasser Klo angemeldet und dann ging es aber nochmal fast 100 Jahre, bis man dann in England zuerst solche Toiletten auch in Häuser einfach eingebaut hat. Eben dann, so Ende des 19. Jahrhunderts, kam dann die Erfindung so langsam auch nach Deutschland und so hat es sich langsam ausgebreitet. 

          Lukas 

          Wenn man sich überlegt, man ist jetzt so eine Großstadt, wobei ich glaube, seit dem 19. Jahrhundert wird es nicht so viele hier gegeben haben. Ich könnte mir vorstellen, dass die großen Städte vielleicht so Köln, Hamburg, Frankfurt irgendwie so was in der Richtung waren, dass da keine Ahnung, vielleicht 200, 300.000 Menschen wohnen. Und da gibt es keine Klospülung. 

          Manuel 

          Das habe ich mir eben auch gedacht. Also vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert haben die das irgendwie so gemacht. Also das ist schon erstaunlich. Ja, weil du sagst, bis zum 19. Jahrhundert hat es gedauert. Tatsächlich war es auch noch im 20. Jahrhundert, Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Land oft so, dass die Leute wirklich noch in Nacht Töpfe gemacht haben. 

          Manuel 

          Also auch da war es noch nicht so der STANDARD, wie es heute ist, dass es einfach selbstverständlich ist. 

          Lukas 

          Tatsächlich du das Haus von meiner verstorbenen Großtante, das ist, glaube ich, gebaut 1928 und es hatte ursprünglich nur ein Plumpsklo drin, eine Jauchegrube und bin mir sehr sicher, dass das Klo ist irgendwann später in den Fünfzigern und Sechzigern im Nachhinein rein gebaut wurde.  

          Ralph 

          Es war dann so ein klassisches Plumpsklo, so ein Häuschen, das außen steht mit so einem Herz? 

          Lukas 

          Ja da bist reingegangen und hast dann quasi so einen Holzdeckel hoch gemacht. Und dann ging das quasi. Also das war zwischen dem Wohnhaus und der Scheune. Da ist so eine kleine Grube, weil dazwischen war früher mal ein Schweinestall. Und dann hatten sie noch ein paar Viecher, also halt Rinder. Und in diese Jauchegrube wurde natürlich die Jauche von den Schweinen reingegeben und von den Kühen auch. Aber dann halt auch quasi die menschlichen Hinterlassenschaften. Und irgendwann haben wir natürlich diese Jauchegrube nicht mehr geleert oder so, aber du konntest als Mensch da immer noch reinmachen, weil das war so wenig, das hatte dann keine Auswirkungen. Das alles haben wir also aus erlebnistechnischen Gründen gemacht und weniger aus Notwendigkeit, weil es gab ein Klo schon, ist ja klar. 

          Manuel 

          Ja, ist total spannend. Da sieht man mal, das ist alles nicht so lang her. Es, klingt es alles total lustig und skurril. Man muss aber auch sagen, da ist natürlich auch ein ernster Hintergrund hinter dem Ganzen. Was glaubt ihr denn, wie viel Prozent der Menschheit hat auch heute immer noch keinen Zugang zu einer Toilette? 

          Lukas 

          Also ich bin bei sowas immer zu pessimistisch. Ich hätte jetzt gesagt 30 %. 

          Ralph 

          Nein, ich glaube, dass es fast sogar mehr sind, wenn man sich überlegt irgendwie in Indien wohnen so viele Leute und ich weiß nicht, ob die alle so eine – Also ist jetzt die Frage, was Toilette definiert wird, Aber wenn sie so eine Toilette ist, dann würde ich sagen, dass das es mehr sind, vielleicht 60 % kein Zugang. 

          Manuel 

          60 % keinen Zugang. Meinst du? Ja. Also sie ist quasi in der Mitte zwischen euch beiden. Es ist fast die Hälfte sind mehr als 40 % haben eben keine sicheren sanitären Anlagen irgendwo bei sich in der Nähe. Das ist natürlich ein Riesenproblem, weil so können sich natürlich in armen Ländern immer noch rasant Krankheiten ausbreiten. Und genau darauf macht halt eben auch jedes Jahr dieser Welt-Toiletten-Tag aufmerksam. Also das ist jetzt nicht nur ein reiner Spaß-Tag, wie man das von was weiß ich, vom verlorenen Socken Tag oder was weiß ich was es alles gibt kennt, sondern dieser Welt-Toiletten-Tag wurde 2001 von der Welt Toiletten Organisation ausgerufen und ist auch inzwischen von den Vereinten Nationen anerkannt. Und auch Hans Joachim Gregor will eben auf diesen Missstand aufmerksam machen, weil er hat natürlich auch als Paläontologe schon vieles auf der Welt gesehen hat. 

          Hans Joachim Gregor 

          Wir waren ja über Land in Südindien oder solchen tollen Steinbruch und habe schon bei den umliegenden Gesteinen gesehen. Also ein Gestein, das aus großer Tiefe kommt, hat mich interessiert. Bin in den Steinbruch rein und habe mich gewundert, dass überall bin ich in meinen Stiefeln praktisch in Scheiße getreten und ich drehe mich um. Steht das Dorf am Eingang des Steinbruchs, starrt mich an: Was macht man in Klo? Das war das Klo. Das ganze Feld vor dem Steinbruch war halt einzeln benutzt worden. Wenn die dann eine einfache Zentral Toilette hätten, dann wäre schon viel gewonnen. 

          Lukas 

          Es erinnert mich gerade an was, der Oton. Und zwar, ich habe wiederum eine Doku angeguckt über ein Projekt der Bill und Melinda Gates Stiftung. Und zwar haben die, glaube ich, investieren die Milliarden von Dollar in Toiletten, die so gut wie kein Wasser brauchen, aber trotzdem dieselben hygienischen Standards haben. Weil die nämlich sagen, dass gerade dieses Trockenheits-Problem dafür sorgt, dass halt die Kanalisation unten fließend Wasser aufbauen gerade in sehr trockenen Regionen super schwierig ist. Wir gucken im Nachhinein der Folge schauen wir dann noch mal, ob wir da was finden und stecken es dann in die Show Notes rein. 

          Manuel 

          Genau. Das ist auf jeden Fall eine gute Idee. Ja, es gibt natürlich genau solche Hilfsprojekte, die auf genau so was abzielen, weil es eben, wie du sagst, in trockenen Gegenden schwierig ist mit Kanalisation. Und in Indien ist es auch so, meint der Hans Joachim Gregor, weil seine Frau kommt aus Indien, hat er gemeint. Die hat gesagt, dass wenn da Leute auf dem Feld stehen, also einige knien auch, aber wenn auch, stehen auch Frauen mit ihren Rücken, dass man die dann nicht ansprechen sollte, weil die dann wohl gerade beim Pinkeln sind. Es gibt einfach noch Regionen, wo es einfach keine Klos gibt und wo man einfach aufs Feld immer noch macht, wie bei uns vor vielen Jahren. Das ist halt der ernste Hintergrund hinter dem Klo-Museum und um den geht's Hans Joachim Gregor schon auch, wenn er da sein Museum jedes Jahr am Welt-Toiletten-Tag aufmacht. 

          Hans Joachim Gregor 

          Wir haben jetzt mal von neun bis 4 Uhr gehabt, wobei es erstaunlich war, die ersten kamen um 8:30 und die letzten gingen nach 5:00. Also das Interesse war da. Wir hatten an dem Tag fast 100 Leute. Ich war also erstaunt und ich hatte also nette Bekanntschaften auf die Weise, wie ich gesagt habe. Ich hab daheim ein Bild von dem und dem und dem. Das stelle ich Ihnen zur Verfügung. Auch Kollegen von mir, die hier in der Gegend wohnen, haben sich schon mal privat zwischendrin angemeldet und sind dann mit dem Sohn gekommen. Zum Beispiel. Und man diskutiert ja auch dann, wenn – die waren auch viel unterwegs in Island und dann nimmt man halt Schnee. Und bei den Eskimos genauso. Und da kriegt man doch wieder Tipps ab. 

          Manuel 

          Also Save the date: 19. November ist wieder Welt-Toiletten-Tag. Da könnt ihr dann auf jeden Fall bei Hans Joachim Gregor mal aufs Klo gehen. 

          Ralph 

          Es ist ja auch die Frage – wir haben jetzt viel über die Geschichte des Klos gehört – wo sich auch das Klo in Zukunft dann hinbewegt. Weil ich war vor kurzem ja in Japan und Japan ist ja bekannt dafür, dass da die Toiletten noch mal einen ganz anderen Stellenwert, sag ich jetzt mal, haben als hier in Deutschland, wo das ja so ist, dass dann die Klobrille, die wird ja beheizt, man kann dann die Wasser Taste drücken, dann kommt so eine Wasser Fontäne von unten und man braucht eigentlich das Klopapier nur noch um sich trocken zu machen von dem Wasser. Aber die Reinigung erfolgt übers Wasser. 

          Manuel 

          Ja und es soll ja auch tatsächlich hygienischer und gesünder sein mit Wasser als mit Klopapier. Ist eigentlich auch Blödsinn, weil man sich ja auch nur wund reibt. 

          Ralph 

          Und man verteilt es eigentlich nur auf der Fläche, oder? 

          Manuel 

          Genau. Also Wasser ist eigentlich viel, viel vernünftiger. Also es ist auch echt interessant, dass sich das nie durchgesetzt hat bei uns. 

          Lukas 

          Vor allem, da habe ich ein kleines Anekdötchen zu erzählen, wo ich mich mal ziemlich blamiert habe. Und zwar war ich in Südspanien und da ist ja das Bidet sehr verbreitet. Ich glaube, das gibt es hauptsächlich in Italien und Spanien. Also dieses kleine was ja genau dafür gedacht ist, dieses kleine Mini Waschbecken neben dem Klo, wo man sich draufsetzen kann und du kannst das warme Wasser machen und dann machst du das ja weg. So, ich wusste aber nicht, dass es das ist und hatte keine Ahnung, weil du bist natürlich, wenn du aufs Klo gehst, irgendwie so einen mitteleuropäischen STANDARD Klogang gewohnt. Und ich dachte lange Zeit, dass das eine Badewanne für Babys ist, dass das einfacher ist, die irgendwie reinzulegen, keine Ahnung. Oder dass sie halt nicht irgendwie ausrutschen, was weiß ich. Ich dachte, dass ist eine Säuglings Badewanne. Bis ich 20 war, dachte ich, dass das eine Säuglings Badewanne ist. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, in 100 Jahren wäre ich nicht auf die Idee gekommen, hätte mir das nicht mal jemand gesagt, ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich da drüber zu stellen und dieses Bidet auszunutzen, so wie es gedacht ist. Niemals. 

          Manuel 

          Und du dachtest immer, die im Süden sind so wahnsinnig kinderlieb, dass sie überall extra eine Badewanne einbauen. 

          Ralph 

          Zum Bidet muss ich aber auch noch mal ganz kurz ergänzen, weil ich wusste tatsächlich auch nicht, dass es dafür gedacht ist. Ich dachte lange Zeit, dass man da seine Füße wäscht. 

          Manuel 

          Ja, tatsächlich. Genau das dachte ich auch, da ja, ich habe es auch für eine Fuß-Waschanlage gehalten. 

          Lukas 

          Ich habe total viele Klo-Erlebnisse, die mir echt ins Gedächtnis, also die mir echt im Gedächtnis sind. Auch zum Beispiel vom Ort her, vom Gefühl her. Ich war im vergangenen Jahr mit einem Kumpel waren wir auf einer Kanu Tour in Schweden; auf der von Insel zu Insel gefahren, mehrere Tage im offenen Kanu und da gibt es manche sogenannte Shelter und da kannst du hingehen. Also du kannst da immer wildcampen, aber das sind quasi wie so kleine Verschläge, wo Feuerholz drin ist und es gibt auch welche mit Plumpsklos, also mit so kleinen Klos und die sind teilweise mitten im Wald aufgebaut und wir hatten eines. Wir hatten eine Insel, eine kleine Insel, die war mitten im See. Da war nichts drauf. Außer dieser Shelter. 

          Lukas 

          Und dann bist du reingegangen und dann war das, also bist du so in den Wald reingegangen. Und das war so eine Mischung aus Birkenwald und Kiefernwald. Und in der Mitte stand einfach so ein Holz-Plumpsklo, nebendran Moos und noch ein paar Reissäcke und keine Ahnung, was es war, war der erste Abend von dieser Reise. Also der erste Abend mit in die Wildnis reinkacken. 

          Lukas 

          Ich habe mich echt ein bisschen unwohl gefühlt, weil es auf einmal…Ich hab mich total ausgeliefert gefühlt. Ich sitze auf diesem Klo mitten im Wald. Es gibt quasi gar nichts außenrum. Du hörst Biber, du hast keine Ahnung. Vögel, sonst ist da nichts. Und dann geht aber die Sonne unter und du siehst dann einfach – Also es war schon super spät – aber du siehst dann einfach, wie dieses, wie dieses Sonnenlicht so durch den Wald durchschimmert und du und es ist so ein bisschen dampfig, weil der Waldboden schon so feucht ist. Und dann hörst du und dann riechst du diese Waldgerüche und dann sitzte da, lässt einfach genüsslich ein ab. 

          Manuel 

          Ich kann es mir tatsächlich richtig gut vorstellen, wenn man so im idyllischen schwedischen Wald irgendwo sitzt. Kann ja nichts Schöneres geben. Da braucht man keine luxuriöse Schüssel mit Heizung. 

          Lukas 

          Ich glaube, ich habe noch ein Bild von dieser wunderschönen Toilette. Das können wir auch in die Show Notes reinmachen. 

          Ralph 

          Aber ist es dann so, dass ihr das dann auch zu zweit macht? Also einer guckt den anderen an und dann wird das Geschäft verrichtet, weil ich kenne das… 

          Lukas 

          Wie? 

          Ralph 

          Ja, sicherheitshalber. Weil bei Hunden ist das so, habe ich mal gelesen. Ein Hund, der jetzt mit Herrchen oder Frauchen unterwegs sind, dann gucken die oft das Herrchen oder Frauchen an und erwarten ja quasi, dass die auch gleichzeitig in die andere Richtung gucken, ob da nicht irgendwie ein Feind ist oder so, während die kacken. Versteht ihr das? 

          Lukas 

          Ich könnte mir sehr gut vorstellen, hätte ich gewusst, dass quasi mein Kumpel 100 Meter hinter mir einfach steht und bisschen so in die andere Richtung guckt, wäre das Gefühl glaube ich nicht so mulmig. Das Gefühl, da zu sitzen und nur einen gewissen Blick zu haben, weil sonst müssten sie sich umdrehen. Und so war es schon bedrohlich. 

          Manuel 

          Du hast immer noch nicht gesagt, Ralph, was du jetzt für Typ bist. 

          Ralph 

          Ich bin ein Falter. 

          Manuel 

          Du bist der Typ, du nimmst nur ein Blatt wahrscheinlich. 

          Lukas 

          Äh, ja. Lieber Manuel, vielen Dank für diese tolle Geschichte über das Museum in München.  

          Manuel 

          Bei München genau. 

          Lukas 

          Ja, ich habe viel gelernt. Total, total spannende Geschichte. 

          Ralph 

          Ja, ich finde es total wichtig, dass wir jetzt über diese Geschichte erzählen, weil ja tatsächlich Klo irgendwie noch so ein Tabuthema ist. Und wir müssen das aus der Tabuzone hieven. 

          Manuel 

          Das haben wir, glaube ich, hiermit wirklich gemacht. 

          Lukas 

          Ja, also vielleicht noch ein letztes: Was mir bei Klos immer total unangenehm ist und es ist eigentlich total weird, wenn man mich hört. und das würde mich mal interessieren, warum ist das so Scham behaftet? Weil ich mein, jeder Mensch macht das und bei jedem Menschen macht es mal keine Geräusche, dann macht es kaum Geräusche und dann macht es halt sehr viele Geräusche. Aber das ist ja was, wo sich jeder eigentlich tagtäglich hineinversetzen kann und trotzdem ist es teilweise super unangenehm. Das wäre mal eine Frage, die wir vielleicht noch mal der Wissenschaft irgendwann mal stellen müssten, sollten wir noch mal ein anderes Fäkalien Museum porträtieren. Warum das so ist? 

          Ralph 

          Hm. Manuel Vielen Dank für deinen Besuch im Klo Museum in Olching bei München. War ja wirklich sehr, sehr spannend und auch sehr interessant tatsächlich. Also jetzt nicht nur hahahaha, wir machen Fäkalhumor. Da war schon auch viel dabei, muss man sagen. Aber es ist halt einfach ein Grundbedürfnis, auf Toilette gehen zu können und gleichzeitig ist ja auch Gesundheitsthema. 

          Manuel 

          Es Betrifft jeden. 

          Lukas 

          Superwichtig. Auf jeden Fall. 

          Manuel 

          Jetzt würd mich noch interessieren, was euch in der nächsten, was uns da alle erwartet als Hörer. 

          Lukas 

          Ja, mich würde das interessieren. Ralph, du warst ja unterwegs. 

          Ralph 

          Ja, ich war unterwegs und ich habe es eigentlich schon in der letzten Folge angekündigt. Es verschlägt mich in ein sehr ungewöhnliches Museum, das aber größer ist als das Klomuseum. Das kann ich schon mal verraten, das aber mit dem Begriff Museum schon anders umgeht, als man es jetzt sonst zu vermuten würde. 

          Lukas 

          Und wohin hat sich verschlagen? 

          Ralph 

          Nach Berlin. 

          Lukas 

          Vielen Dank euch Zuhörenden für diese Folge. Wie immer wir sind natürlich über sämtliche fünf Sterne Bewertungen, Weiterempfehlungen, Mundpropaganda und alles was dazugehört sehr dankbar Und vor allem haben wir auch einen Steady Account, denn wir betreiben BITTE NICHT ANFASSEN! komplett unentgeltlich just for fun und weil wir natürlich Lust auf kleine, skurrile Museen haben. Das heißt, wenn ihr uns da vielleicht ein bisschen bei den Spritkosten unterstützen wollt oder ähnliches, würden wir uns sehr drüber freuen. 

          Der Beitrag Das Klomuseum in Olching erschien zuerst auf Escucha.

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          50 min
        • Der King of Rock'n'Roll lebt im Westerwald - das Elvis Museum Kircheib mit exlusiver Perfomance

            BITTE NICHT ANFASSEN! #13 – Das Elvis-Museum in Kircheib 

            Show Notes 

            Im Jahr 1973 bringt ein Mann 1,5 Milliarden Menschen vor die Fernseher. Nicht etwa der US-Präsident, der Papst oder ein Fußballspieler. Nö. Es ist Elvis Presley, ein Star der Superlative. Für Irma und Jonny aus dem Westerwald ist er immer ein Idol geblieben und daher widmen sie ihm im beschaulichen Kircheib ein Museum. Bei so viel Hingabe mussten wir hin und hatten extrem viel Spaß. Eine Folge über Musikgeschichte, den Tod des Rock’n’Rolls in Deutschland und eine Folge mit einer exklusiven Performance für alle Bitte Nicht Anfassen Fans.  

            ~~~~~~~ 

            Hilfreiche Links: 

            Das Elvis-Konzert von 1973 gibt es auf YouTube in voller Länge zu sehen: 

            Ein Artikel über die Zeit von Elvs in Deutschland:  

            https://www.ndr.de/geschichte/1-Oktober-1958-Als-Elvis-nach-Deutschland-kam,elvis268.html

            Foto von Jonny und Lukas nach der Perfomance  

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Elvismuseum-Johnny-Lukas.jpg

            Das Video von der gemeinsamen Perfomance  

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Video-Perfomance-Elvis-Museum.mp4

            Der Cadillac vor dem Museum:  

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/IMG_6213-scaled.jpg

            Elvis‘ Barberstuhl:  

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/IMG_6215-scaled.jpg

            So sieht das Museum von innen aus:  

            https://www.escucha.de/wp-content/uploads/IMG_6228-scaled.jpg

            ~~~~~~~ 

            Infos zum Museum:  

            Elvis-Museum  

            Irma Stanton 

            Röttgenstraße 6 

            57635 Kircheib  

            https://www.jonnywinters.de/elvis-museum.html

            ~~~~~~~ 

            über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

            Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

            Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

            Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

            Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

            BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

            Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

             Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
            ~~~~~~~ 

             
            Kontakt: 
            Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
            E-Mail: info[at]escucha.de  

            ~~~~~~~ 

            Wollt ihr uns unterstützen?  

            Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

            ~~~~~~~ 

            Podcast-Credits:  
              

            Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
            Produktion: Escucha GbR  
            Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
            Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

            Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

            ~~~~~~~ 

            Transkript 

            00;00;00;01 – 00;00;03;18 

            Ralph 

            Witzig aber auch, dass du das gemacht hast. Na ja. 

            00;00;04;02 – 00;00;22;09 

            Lukas 

            Ich hatte den richtigen Scheißtag. Ich hatte auch eine scheiß Woche davor und ich muss ehrlich gestehen, ich hatte an dem Samstag, es war ein Samstag, wo ich da war, eigentlich gar nicht so Bock, da hinzufahren, um ehrlich zu sein. Und dann war ich da und es war einfach sau witzig. 

            00;00;22;18 – 00;00;36;04 

            INTRO 

            Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha 

            00;00;36;04 – 00;00;54;03 

            Ralph 

            Halli Hallo, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer! Hallo Lukas, Hallo Ralph! Wir haben 2023. Wir haben jetzt ein Jahr. Bitte nicht anfassen hinter uns und es geht gleich nahtlos weiter mit einem neuen Museum. Auch in dieser Folge. Vielleicht magst du kurz erklären, was ist dann? Bitte nicht anfassen. 

            00;00;54;19 – 00;01;17;17 

            Lukas 

            Ja, bitte nicht anfassen ist ein Format, in dem wir einmal im Monat kleine, skurrile, absurde Museen besuchen, die so ein bisschen abseits der großen Häuser sind, die jeder kennt und wir wollen es in dem Format vorstellen, warum Menschen sich dazu entscheiden, Museen zu eröffnen über skurrile kleine Dinge. Und wir haben einfach rausgefunden, jetzt auch in dem ersten Jahr 2022. Da meistens total interessante und total spannende Geschichten dahinter stecken. Und das ist einfach was, was glaube ich uns sehr fasziniert. Ja, die Idee ist, dass einer von uns immer einmal im Monat bei einem dieser Museen ist, die in diese Kategorie reinpassen, wobei der andere nicht weiß, in welchem Museum das genau ist. Und dann stellen wir uns das Museum vor und wir lassen auch immer dabei die Menschen zu Wort kommen, die dieses Museum betreiben oder die total wichtig für das Museum sind. 

            00;01;44;26 – 00;01;52;24 

            Ralph 

            In dieser Folge warst du wieder in dem Museum unterwegs. Aber in welchen? Das weiß ich nicht. Also jetzt bin ich gespannt. Womit starten wir das neue Jahr? 

            00;01;53;13 – 00;02;10;22 

            Lukas 

            Wir starten das neue Jahr mit einer Folge, in der es um Liebe gehen wird, in der es um Musik gehen wird, in der es um Rekorde gehen wird und in der es auch um ganz viel Tragisches gehen wird. Aber bevor ich dir erkläre, worum es genau geht, möchte ich dir eine kurze Anekdote aus der Geschichte erzählen. 

            00;02;11;23 – 00;02;12;10 

            Ralph 

            Ja, gerne. 

            00;02;12;16 – 00;02;35;27 

            Lukas 

            Es geht eigentlich um die Musikgeschichte, damit um einen Vergleich Hast das WM Finale 2018. Wir nehmen diese Folge gerade im Dezember auf. Das heißt, das aktuelle WM Finale hat noch nicht stattgefunden. Aber das WM Finale 2018 wurde weltweit von ungefähr 1,2 Milliarden Menschen geguckt. Das ist ganz schön viel, aber es gibt ein Event, was das sogar noch toppt. Und zwar handelt es sich um den 14. Januar 1973, denn da überträgt ein Satellit ein Live Konzert in rund 40 Länder weltweit. Und dieses Live Konzert erreicht schätzungsweise 1,5 Milliarden Menschen. So im Jahr 1971 gab es aber erst knapp 4 Milliarden Menschen auf der Welt. Und wenn du dir jetzt überlegst, wie viel weniger Fernseher es damals gab und dass es kein Internet gab und keine Ahnung was, kannst du dir mal vorstellen, was das für ein mega Event war? Zum Vergleich Die Mondlandung von Neil Armstrong sahen nur 600 Millionen Menschen und ich habe natürlich meine Mama angerufen und wollte wissen, ob sie sich auch noch dran erinnern kann, dass sie dieses mega Event angeguckt hat. Und ich habe sie angerufen und gesagt Ja, da kann sie sich total gut dran erinnern. Sie war zwar noch relativ jung, aber sie hat gesagt, es war für sie ein prägender Fernseh Moment. Sie fand es einfach genial. Jetzt kannst du dir überlegen was bringt 1,5 Milliarden Menschen im Jahr 1973 hinter die Mattscheibe? 

            00;03;41;27 – 00;03;45;21 

            Ralph 

            Ja, du hast ja schon angedeutet, es geht um Musikgeschichte. Also denke ich jetzt mal, es war ein Konzert. 

            00;03;46;02 – 00;03;46;23 

            Lukas 

            Genau richtig. 

            00;03;47;01 – 00;03;53;22 

            Ralph 

            War das. War das dieses Live Aid, wo ganz viele Bands zusammengekommen sind oder war das was anderes? 

            00;03;54;02 – 00;04;04;03 

            Lukas 

            Nee, das live war erst später es war tatsächlich ein Live Übertragen des Konzerts aus Honolulu von Elvis Presley. 

            00;04;05;03 – 00;04;06;29 

            Ralph 

            Ja, okay, das hätte ich jetzt nicht gedacht. 

            00;04;07;00 – 00;04;22;29 

            Lukas 

            Und dieses Konzert gilt immer noch als eines der meistgesehenen und meist rezipierten Konzerte der Geschichte. Also, du kannst dir vorstellen, wer der Protagonist unseres heutigen Museums ist, das wir besucht haben. Und zwar handelt es sich um Elvis Presley. 

            00;04;22;29 – 00;04;23;17 

            Ralph 

            Der King. 

            00;04;23;29 – 00;04;50;16 

            Lukas 

            Genau, The King of Rock'n'Roll. Und ich war im Elvis Museum in heißen Kaffee. Jetzt noch mal Ach Kacke, Kirche oder Kirche? Ich, äh, Moment. Und zwar geht es in das Elvis Museum nach Kirchheim. Das liegt im Westerwald, in Rheinland-Pfalz. Und heute wird es um die Geschichte von Elvis Presley gehen und um die Geschichte von diesem Museum. Und es wird auch ein Special geben, was ich in der vergangenen Folge schon angekündigt habe. Ein Novum. Eine eine künstlerische Darbietung, die Bitte nicht anfassen in ganz andere Sphären des Podcast Horizonts hochheben wird. Genau. Du kannst dich also darauf freuen, hoffe ich mal! 

            00;05;02;28 – 00;05;06;21 

            Ralph 

            Ich freue mich auf jeden Fall. Vor allem ich weiß über Elvis so gut wie gar nichts. 

            00;05;07;13 – 00;05;33;16 

            Lukas 

            Vielleicht gehen wir jetzt noch mal kurz auf das Museum ein. Das Museum wurde vor ungefähr 16 Jahren gegründet, und zwar von Irmas Studenten und Johnny Winters. Jonny Winters ist Musiker und ist selbst seit über 40 Jahren Elvis Imitator und Irma Stanton ist die jetzige Ehefrau von Johnny Winters, und sie ist sozusagen die Kuratorin. Sie ist auch Expertin, wenn es um die Einschätzung und Verifizierung von Elvis Objekten gehen soll. 

            00;05;33;19 – 00;05;41;24 

            Lukas 

            Bevor ich aber da noch mal mehr darauf eingehe Es soll dir Irma Stanton erst mal erklären, was sie an Elvis so faszinierend findet. 

            00;05;41;24 – 00;06;05;27 

            Irma Stanton 

            Sein Auftreten, seine Musik, sein Aussehen, sein Leben ist auch sehr tragisch irgendwo. Und wenn man durch dieses Leben geht, das sehe ich auch an den Besuchern bei uns hier im Museum. Die bekommen ja dann da eine halbstündige Führung von vorne, vom Stammbaum, vom Baby bis zu seinem Tod. Und die sind da sehr beeindruckt. Auch jetzt zwar nicht so ein direkter Elvis Fan ist, der fühlt sich doch sehr berührt, weil viele Dinge so bekannt auch gar nicht waren und sind. Und was man so durch die Jahre, wenn man Elvis so durch die Jahre verfolgt, an Feststellungen machen kann und muss, was er so durchlitten hat, auch. 

            00;06;16;08 – 00;06;18;18 

            Ralph 

            Und erzählst du jetzt ein bisschen was über die Geschichte von Elvis? 

            00;06;19;13 – 00;06;43;15 

            Lukas 

            Ja, genau. Also ich versuch die Geschichte des Museums immer mal wieder mit der Geschichte von Elvis zu verbinden, weil es da erstaunliche Ähnlichkeiten gibt, oder? Bzw erstaunliche, ja eine gewisse Dramaturgie. Die finde ich total schön, weil das Elvis Museum in Kircheib ist nämlich auch eine Liebesgeschichte. Irma, die du gerade gehört hast, die war in einem Verein in Friedberg aktiv. Warum? Friedberg Das liegt in Hessen für die Geschichte von Elvis. Wichtig ist dazu später mehr. Und Johnny war als Elvis Imitator bei einem Konzert da vor Ort und dann haben sich die beiden nicht nur kennengelernt, sondern auch lieben gelernt. Nur wenige Zeit vorher sind die Eltern von Johnny Winters gestorben und das Elternhaus in Kirchheim stand komplett leer. Jonny hatte aber, weil er innerhalb seiner 40 Jahre als Elvis Imitator immer in Las Vegas war, in Nashville war, in Memphis war und immer so Elvis Fanartikel gesammelt hat. Der hatte tausende Elvis Sachen zu Hause. Dann hatte er immer eine Idee, die sowohl Johnnys Leben als auch ihr Leben verändert hat. Aber das soll jetzt einmal kurz erklär. 

            00;07;33;01 – 00;07;54;01 

            Johnny Winters 

            Mir machen Museum! Was sag, ich ein Museum? Ja, und dann hammwa angefangen und gleich einen Termin gemacht. Dann und dann wird er eröffnet. Ja, dann habe ich mich drangegeben. Ich mache ein bisschen Schreinern und sowas. Und dann darf ich da schreinern für die Rahmen, wo die Bilder reinkommen oder die Platten, so Dinge, das habe ich dann alles gemacht. Das hat mir Spaß gemacht und ist nicht umsonst gewesen. Wir haben viele Leute, die kommen. Jeden Sonntag kommen die an ner. Ich bin bis heute sprachlos. Man hat die Leute angerufen, von Bremen, von Hannover, von München. Also totale Ehre, Satire. 

            00;08;11;06 – 00;08;18;28 

            Ralph 

            Also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, hat die Irma eines Tages gesagt Mach doch aus dem ganzen Zeug ein Museum. Und dann hat er das zusammengeschreinert. Oder wie war das jetzt? 

            00;08;19;06 – 00;08;53;00 

            Lukas 

            Jonny hat eben Irma dann zu diesem Haus gebracht, zu seinem Elternhaus, und die haben dann dieses komplette Elternhaus, in das Elvis Museum umgebaut. Und das ist das einzige Elvis Museum in Deutschland. Was ist im Leben und der Musik von Elvis Presley gewidmet? Wenn du da hinkommst, siehst du sofort, sofort, dass es das Elvis Museum ist, weil vor dem Museum steht eine Cadillac Stretch Limo aus den Siebzigern und überall sind so Elvis Papp Aufsteller und es ist riesengroß Elvis Museum an der also zum Schild festgemacht. 

            00;08;53;06 – 00;09;23;10 

            Lukas 

            Das fällt komplett auf, dass das dieses Elvis Museum ist. Da kommst du erst mal rein und da ist so ein Raum mit Tischen und und Bankett und alles hängt voller Sachen aus den 50er, 60er, 70er Jahren. Das ist schon ein riesen Raum und ich dachte, dass es schon das Museum ist. Dann geht es dann nach rechts. Weiter wird eine kleine Treppe hoch, da ist da noch ein Tisch und eine Bar und da gibt es einen Elvis Presley Fanshop und da ist auch eine Karaoke Maschine und Musikinstrumente und keine Ahnung was. 

            00;09;23;11 – 00;09;42;01 

            Lukas 

            Dann dachte ich okay, das ist jetzt vielleicht schon das ganze Museum, weil das ist schon ordentlich viel. Und dann hat er ein Licht angemacht und eine Tür aufgemacht und dann ging es nach links und da ging dann das eigentliche Museum erst los und es sind dann noch mal drei große Räume, die sich biografisch dem Leben von Elvis Presley annähern. 

            00;09;42;01 – 00;10;04;18 

            Lukas 

            Das heißt, im ersten Raum geht es um seine frühe Kindheit und so die ersten Karriere Schritte. Und so weiter und so fort. Und es geht dann so biografisch, so ein bisschen durch. Deswegen würde ich dir einfach sagen, dass ich dir jetzt ein perfektes über Elvis erzähle, die dann Irma oder Johnny natürlich auch immer einordnen. Und je weiter wir uns quasi im Leben von Elvis befinden, desto mehr sind wir auch in den verschiedenen Räumen dieses Museums unterwegs. 

            00;10;05;14 – 00;10;06;07 

            Ralph 

            Ja, das klingt doch gut. 

            00;10;06;17 – 00;10;34;03 

            Lukas 

            Ich fange mal mit seiner Geburt an Elvis Presley wurde am 8. Januar 1935 in Tupelo, Mississippi, geboren. Er kommt auf jeden Fall aus sehr ärmlichen Verhältnissen. Das lässt sich zum Beispiel darin festmachen, dass die Familie total häufig umziehen muss, weil die sich die Häuser nicht mehr leisten können. Und genau die müssen dann halt immer viel nach neuen Wohnungen Ausschau halten und so irgendwann wohnen sie in einem Viertel in Tempelhof, in dem eigentlich vorwiegend Afroamerikaner leben. 

            00;10;34;19 – 00;11;05;04 

            Lukas 

            Du musst überlegen damals, in den dreißiger, 40er und 50er Jahren, war natürlich die Rassentrennung in den USA natürlich noch viel, viel krasser. Und das heißt, es gab natürlich auch Viertel, in der die Arme vorwiegend afroamerikanische Bevölkerung gelebt hat. Und natürlich die reiche weiße Bevölkerung. Die hat natürlich in anderen Vierteln gelebt. Für die Biografie von Elvis ist das aber ein totaler Glücksfall, weil Elvis mit schwarzer Musik, also mit Rhythm and Blues, mit Blues generell, aber vor allem auch mit Gospel in Kontakt kommt. 

            00;11;05;21 – 00;11;27;29 

            Lukas 

            Und Elvis und seine ganze Familie war tief religiös und eigentlich war es ein Berufswunsch. Er wollte immer professioneller Gospel Sänger werden, denn davon konnte man in Memphis und in Tupelo oder generell halt im amerikanischen Süden von leben. Also das ist bis heute ein Beruf, mit dem man eine Familie ernähren kann. Das heißt, Elvis kommt also sehr früh mit schwarzer Musik in Kontakt. 

            00;11;27;29 – 00;11;52;13 

            Lukas 

            Aber die Familie, die fasst da keinen Fuß mehr und entscheidet sich dann, 1948 nach Memphis umzuziehen und Memphis, Tennessee ist natürlich dann die Stadt, mit der Elvis immer verbunden werden wird. Elvis fällt damals schon in der Schule auf, weil er sich kleidet und weil er sich nach außen so ein bisschen gibt wie seine Mitschülerinnen und Mitschüler, die Afroamerikaner sind. 

            00;11;52;13 – 00;12;02;19 

            Lukas 

            Zum Beispiel hat er lange schwarze, gefärbte Haare und starke Koteletten. Das war damals was, was er Afroamerikaner getragen haben hat. 

            00;12;02;22 – 00;12;13;19 

            Ralph 

            Darf ich da eine kleine Frage stellen? So, bitte. Ich habe das mal gehört, aber nicht weiter nachgeguckt. War Elvis ursprünglich blond und hat sich die Haare schwarz gefärbt oder ist das nur eine Legende? 

            00;12;13;27 – 00;12;31;07 

            Lukas 

            ööööh weiß ich nicht. Keine Ahnung. Also ich lese immer, dass er schwarz gefärbte Haare hatte, aber ob die jetzt ursprünglich blond waren, weiß ich nicht. Und er hat immer gesungen. Er hat immer Gospel gesungen und er hat dann in der Schule bei einem Gesangswettbewerb den ersten Platz geholt, und zwar auch, indem er Rhythm and Blues gesungen hat. 

            00;12;32;01 – 00;12;58;08 

            Lukas 

            Aber danach deutet eigentlich erst mal wenig darauf hin, dass Elvis eine Musikerkarriere einschlagen wird. Er hat dann erst mal LKW Fahrer gearbeitet oder als Hilfsarbeiter in der Industrie. Er hat auf eigene Kosten damals in den Sand Studios in Memphis Musik aufgenommen. Und zwar musst du dir das so vorstellen, dass man damals Studios bezahlen konnte. Also es geht ja heute auch, aber damals war es natürlich noch ein ganz anderes Preisleistungsverhältnis. 

            00;12;58;19 – 00;13;13;17 

            Lukas 

            Du konntest da quasi hingehen, hast gesagt Herr, ich habe so und so viel Dollar dabei. Ich würde gern einen Song aufnehmen und das hat er dann gemacht und parallel mal eben im Jahr 1954 eine eigene Musikrichtung quasi gegründet und erfunden. 

            00;13;14;12 – 00;13;16;08 

            Ralph 

            Aha, den Rock n Roll oder was? 

            00;13;17;04 – 00;13;19;06 

            Lukas 

            Nee, eben nicht. Na, da kommt. 

            00;13;20;04 – 00;13;21;15 

            Ralph 

            Haha das war jetzt eine Falle 

            00;13;22;01 – 00;13;35;25 

            Lukas 

            Und zwar hat er 1954 mit That‘s All right den ersten kleineren Durchbruch. Und der gilt als erster Rockabilly Song der Geschichte. So, weißt du, was Rockabilly ist? 

            00;13;37;01 – 00;13;53;21 

            Ralph 

            Rocker? Ja, ich. Also, ich weiß, wie sich ein Rockabilly Song anhört, aber ich kann Rockabilly jetzt gar nicht so wirklich definieren. Also, ich glaube, so Rockabilly Bands bestehen immer aus einem Kontrabass, Schlagzeug und Gitarre, oder? 

            00;13;54;13 – 00;14;21;13 

            Lukas 

            Ja, also ich glaube, die Besetzung ist gar nicht mal das entscheidende Kriterium. Ich glaube, dass das Interessante ist dabei, dass es quasi diese Mischung war aus den schwarzen Einflüssen, also die quasi Rhythm and Blues und Blues generell hatten, das aber mit der als weiß interpretierten Countrymusik vermischt wurde. Und es war quasi zum Ersten Mal so, dass diese beiden Klang Elemente in dieser Form und auch in dieser Geschwindigkeit vereint worden sind. 

            00;14;21;13 – 00;14;23;24 

            Lukas 

            Und das ist das, was den Rockabilly so auszeichnet. 

            00;14;25;01 – 00;14;25;27 

            Ralph 

            Und er hat es erfunden. 

            00;14;26;09 – 00;14;52;00 

            Lukas 

            Also das All right von Elvis Presley gilt als der erste Rockabilly Song der Geschichte war. Nur wenige Monate später kommt 1954 der erste Live Auftritt mit seiner Band und bereits da macht er ein etwas, was ihn sein Leben lang definieren wird und was für sein Fame ein Leben lang interessant sind wird. Und zwar die Elvis typischen rhythmischen Hüften Bein Bewegungen. 

            00;14;52;00 – 00;15;15;05 

            Lukas 

            Also dieses Tanzen auf der Bühne damals bei diesem Live Auftritt, der auch in Memphis stattfindet, es ist ein Open Air Auftritt, raste das Publikum total aus. Also die Szene auf einmal jemanden, der da total, ja wie sagt man total krass auf der Bühne da anfängt rum zu tanzen und der es aber weiß und spielt halt so eine Melange aus weiß und schwarzer Musik. 

            00;15;15;11 – 00;15;18;01 

            Lukas 

            Und das ist die totale Revolution. Das hat gar keiner gemacht. 

            00;15;18;09 – 00;15;32;28 

            Ralph 

            Na ja, ich glaube, man muss sich das bewusst machen, dass das das Novum war damals, dass es so ungewöhnlich gewesen sein muss und heute denken Ja, okay, ist das normal, dass das Performance zu einem Live Auftritt dazugehört? 

            00;15;33;09 – 00;16;07;18 

            Lukas 

            Absolut. Aber das geht bei ihm in den 50er Jahren sogar so weit, dass einige US Bundesstaaten später, als er dann nationalen Erfolg hatte. Die wollten ihm sein Tanzen verbieten, weil es als zu anstößig und anrüchig empfunden wurde. Dann entwickelt er seine Musik weiter und ganz, ganz wesentlich ist dafür, dass er von den lokalen Sun Studios in Memphis zu RCA gegangen ist, also einem großen Label, einem großen Musiklabel, was seine Musik dann quasi national, also innerhalb der Vereinigten Staaten, herausgebracht hat und damit beginnt sozusagen der Rock'n Roll. 

            00;16;07;18 – 00;16;13;01 

            Lukas 

            Also die Geburtsstunde des Rock'n'Roll sind die Platten, die Elvis dann bei RCA aufnimmt. 

            00;16;13;23 – 00;16;15;00 

            Ralph 

            In welchem Jahr sind wir dann jetzt? 

            00;16;15;06 – 00;16;44;13 

            Lukas 

            56, Zwei Jahre später, Ja, da beginnt sozusagen diese Elvis Mania. Also vielleicht ein kleines Anekdötchen dazu. Es gibt ein geflügeltes Wort, das nennt sich also auf Englisch Elvis Presley of the Building. Also Elvis hat das Gebäude verlassen, und zwar hat man das nach Konzerten immer durchgegeben bei den Organisatoren und bei der Security. Und so weiter und so fort, um das aufgeregte Publikum davon abzuhalten, nach Elvis Konzerten die Bühne zu stürmen. 

            00;16;45;02 – 00;16;59;03 

            Lukas 

            Also völlig irre. In dieser Zeit, also von 1956 bis 1959, da kaufte er zum Beispiel auch die Graceland Villa in Memphis. Graceland sollte, die ist ein Begriff, schon mal gehört. 

            00;16;59;07 – 00;17;00;02 

            Ralph 

            Habe ich mal gehört, jop. 

            00;17;00;12 – 00;17;21;05 

            Lukas 

            Damals für 103.000 $ im Jahr 1957. Und was sehr spannend ist, das ist natürlich heute auch ein Museum. Das lockt heute jährlich 600.000 Besucher an, und damit ist es das zweitbeliebteste Haus der USA. Nur das Weiße Haus in Washington hat mehr Besucher. Danach kam Graceland in Memphis. 

            00;17;21;18 – 00;17;30;03 

            Ralph 

            Wahnsinn, Wahnsinn. Das hätte ich jetzt irgendwie nicht gedacht. Wenn ich jetzt nach Amerika reisen würde, wäre das jetzt nicht meine Top Sehenswürdigkeit, die ich mir angucken würde. 

            00;17;30;13 – 00;17;34;12 

            Lukas 

            Zu dieser legendären Zeit seit den 50er Jahren hat Irma noch was zu sagen. 

            00;17;34;28 – 00;18;02;13 

            Irma Stanton 

            Die bedeutendste Zeit, musikalisch gesehen. Für Elvis Presley war er natürlich auf jeden Fall 56 bis 58, bis er zum Militär kam, weshalb ja auch John Lennon sagte Der Rock'n'Roll ist gestorben, als Elvis zum Militär kam. Im Grunde, weil diese wilde und gezähmte Auftrittsmöglichkeiten des Rock'n'Roll, der ja eigentlich auch verboten werden sollte, der am besten ins Gefängnis gesteckt werden sollen. 

            00;18;03;02 – 00;18;11;09 

            Irma Stanton 

            Dieses Wilde, was die Jugend ja so wirklich faszinierte, die starb in dem Moment, als Elvis ein braver Soldat wurde. Weil er hat ja eigentlich gar nichts falsch gemacht danach. 

            00;18;11;22 – 00;18;36;24 

            Ralph 

            Okay, also als Elvis zum Militär gegangen ist, dann war der 35 geboren, 23 Jahre alt. Er hatte quasi diesen ganzen Erfolg wirklich in seinen jungen Jahren. Das muss ich mir auch noch mal bewusst machen, wurde jetzt von dieser ganzen Elvis Mania gesprochen. Er war ja erst 23 Jahre alt und dann ging er zum Militär. Okay. Und er war beschreibt es ja jetzt als den großen Bruch. 

            00;18;36;24 – 00;18;37;22 

            Ralph 

            Also, was ist da passiert? 

            00;18;38;02 – 00;19;05;25 

            Lukas 

            Na ja, also du musst überlegen, der Rock'n Roll damals, er war als junger Mann ungezähmt. Er hat diese Erotik, diesen Sexappeal auf die auf die Bühne gebracht. Er war so der Gegenpol zu dieser, zu diesen prüden 50er Jahren. In den USA. Und er war ja damals so ein absoluter Star. Also der hat ja damals nicht nur schon Musikgeschichte geschrieben, sondern er war auch, aber da kommen wir auch später noch mal dazu, ja auch Schauspieler und hat auch schon in anderen Filmen mitgewirkt. 

            00;19;05;25 – 00;19;26;28 

            Lukas 

            Der war ein absoluter Star. Und jetzt ist es natürlich so, dass gerade in den USA dieser patriotisch sein muss und der Militärdienst natürlich unglaublich wichtig sind. Und ein junger Mann, der 23 ist, körperlich fit ist. Und so weiter. Der kann sich dem Ganzen natürlich nicht ganz entziehen. Das wäre ja unpatriotisch, wenn er jetzt sagen würde, er geht nicht zum Militär oder er verweigert oder irgendwas. 

            00;19;26;28 – 00;19;49;23 

            Lukas 

            Und Elvis hat auch gesagt, er wird seine Pflichten erfüllen. Aber natürlich ist es so, dass wenn du halt so total ungebändigte Rock'n'Roller bist und du kommst dann zum Militär mit Drill und keine Ahnung was. Ich glaube schon, dass sich das dann verändert und viele meinen, dass es ihn halt so aus dieser Phase rausgerissen hat. Also dass er dann auf einmal von seinem wilden Konzert leben dann zu einem Soldaten wurde. 

            00;19;50;05 – 00;20;11;24 

            Lukas 

            Aber natürlich war er nicht irgendein Soldat, er war natürlich ein Star. Jetzt haben sie auch viele Kasernen darum bemüht, ihn zu bekommen, weil es natürlich für die Kaserne auch selbst ein riesen PR Ding war. Und jetzt ist die Frage Weißt du, wo Elvis seinen Militärdienst abgeleistet hat, Also in welchem Land? Und so könnte man sagen, in welchem Land ist sozusagen laut John Lennon, der Rock'n'Roll gestorben ist. 

            00;20;13;02 – 00;20;13;27 

            Ralph 

            In Deutschland. 

            00;20;14;15 – 00;20;35;00 

            Lukas 

            Genau, genauer gesagt in Bad Nauheim. Bzw in einem Stadtteil von Bad Nauheim in Friedberg. Und da noch mal zum Anfang, weil in dem historischen Verein in Friedberg, da saß Irma nämlich im Vorstand. Also sie war auch schon zeitlebens Elvis Fan. Genau. Und da gab es ein Konzert und da ist schon die Winters gekommen und da haben sich die beiden kennengelernt. 

            00;20;35;10 – 00;20;42;05 

            Ralph 

            Ah, okay, Ich dachte, dass Elvis auch in Grafenwöhr war, aber vielleicht war er da nur für ein Konzert. Das weiß ich jetzt nicht. 

            00;20;43;00 – 00;20;47;14 

            Lukas 

            Der war auch mal da stationiert. Aber die meiste Zeit hat er tatsächlich in Friedberg verbracht. Ja, genau. 

            00;20;47;28 – 00;20;50;29 

            Ralph 

            Nur zur Info Grafenwöhr ist halt bei mir um die Ecke, wo ich herkomme. 

            00;20;50;29 – 00;21;05;24 

            Lukas 

            Deswegen wie genau das ist? Noch mal ich glaube, man könnte eine eigene Folge machen über Elvis Militärdienst in Deutschland. Ja, das ist so aus. Also man kann generell übers Leben von Elvis, ich glaube 20 Folgen aufnehmen. Das ist wirklich viel. 

            00;21;06;09 – 00;21;11;23 

            Ralph 

            Ja, wahrscheinlich. Aber halten wir fest Der Rock'n'Roll ist gestorben, als Elvis nach Deutschland gekommen ist. 

            00;21;12;00 – 00;21;30;05 

            Lukas 

            Genau. Und diese Kaserne gab es bis 2007. Dann sind die Amerikaner da abgezogen und da gab es dann noch relativ viel Zeugs aus der Zeit, was da rumgestanden ist. Und natürlich gab es in der Kaserne auch einen Barbershop und da hat er sich als fixieren lassen. Hat er sich sein Bad machen lassen. Und so weiter und so fort. 

            00;21;30;08 – 00;21;58;02 

            Lukas 

            Ich habe gesagt, dass ich dieses Museum auch chronologisch so ein bisschen den einzelnen Stationen von Elvis Leben widmet. Und genau dieser Barber Stuhl mit dem Tisch, mit dem Material, mit allem Möglichen steht gleich im ersten Raum des offiziellen Museums links da aus dieser Kaserne, also so ein pompöser 50er Jahre Barber Tisch mit allem, was dazu gehört. Man erkennt es also, man kann es sofort assoziieren, dass es aus dieser Zeit kommt mit diesen Leder bezug und allem was dazu gehört. 

            00;21;58;02 – 00;22;19;25 

            Lukas 

            Und das steht jetzt da, weil Johnny Winters den Barbier von Elvis persönlich kennt. Da kam dann sozusagen der Kontakt zur Kaserne zustande und dadurch haben sie das geschafft, dass da einiges hin und her, also dadurch wurde das eben ermöglicht, dass sehr viele Exponate aus dieser Kaserne auch jetzt im Elvis Museum bei Johnny Winters und Irma standen, sind. Aber das soll jetzt noch mal kurz erklären. 

            00;22;20;11 – 00;22;33;21 

            Johnny Winters 

            So ist in die Tasche von Elvis Presley, das haben wir bekommen von diesem Karl Heinz Barbershop in Friedberg und die Ausgabe an die Jacke jetzt also original ist das hier. 

            00;22;33;21 – 00;22;35;14 

            Lukas 

            Also das ist die originale. 

            00;22;35;29 – 00;22;36;11 

            Johnny Winters 

            Jacke, ja. 

            00;22;38;06 – 00;22;59;14 

            Irma Stanton 

            Uniform, das Oberteil der Uniform von Elvis und das, was da in der Vitrine zu sehen ist. Genau da hat er auch schon die Streifen aufgenäht. Denn auch er bekam ja im Januar 1960 in Grafenwöhr die Sergeant Streifen verliehen. Keine besondere Auszeichnung, aber immerhin. Es zeigt, dass die zwei Jahre ohne Probleme durchlaufen worden sind. 

            00;23;00;18 – 00;23;02;14 

            Ralph 

            Ha! Da kam jetzt sogar Grafenwöhr vor. 

            00;23;02;14 – 00;23;30;19 

            Lukas 

            Dann kommt er vom Militär zurück als Sergeant. Das haben wir gerade gehört. Dann geht er eben in die USA zurück. Und in dem Zeitpunkt verlässt du quasi auch den ersten Raum des Museums und gestern in den nächsten Raum des Museums. Weiter. Und der kümmert sich sozusagen um die 60er Jahre von von Elvis Presley. Und wenn du diesen zweiten Raum reingehst, dann kannst du dich schon hinsetzen, weil das sind ein paar 60er Jahre Sessel mit so einem typischen 60er Jahre Tisch. 

            00;23;30;19 – 00;23;54;06 

            Lukas 

            Das hat jetzt zwar nix mit Elvis zu tun, aber er ist halt genau aus der Zeit. Und die 60er Jahre waren für Elvis eine sehr schwierige Zeit. Tatsächlich. Ich zum Beispiel hatte Elvis eigentlich immer eher mit den frühen Sechzigern verbunden und gar nicht so sehr mit den Fünfzigern. Aber tatsächlich waren die 60er Jahre für Elvis, er war da eher als Schauspieler erfolgreich und viel weniger als Musiker. 

            00;23;54;17 – 00;24;16;09 

            Lukas 

            Als Schauspieler wurde er schon in den Fünfzigern entdeckt, aber von 1960 bis 1969 hat er quasi die meisten Filme rausgebracht. Es waren halt meistens so Musik, Komödien, ein paar Schnulzen. Heute also kein, kein krasses Kino, aber halt das, was zu seiner Person so ein bisschen dann gut entsprochen hat. Und insgesamt hat er in der Zeit in 27 Filmen mitgespielt. 

            00;24;16;09 – 00;24;48;26 

            Lukas 

            Für seine musikalische Entwicklung war das ziemlicher Mist, weil er da wenig gemacht hat und vor allem, weil es halt ziemliche Knebelverträge seitens dieser Filmstudios gab. Und so kam es dazu, dass in den 60er Jahren sein letztes Konzert für ganz lange Zeit 1961 war. Und es war bei dem Benefiz Konzert für den Angriff auf Pearl Harbor. Also Pearl Harbour ist ja der Hafen auf Hawaii, der von den Japanern angegriffen wurde und woraufhin ja die USA einen zweiten Weltkrieg eingetreten sind und dass er ein großer Teil der Pazifik Flotte zerstört worden. 

            00;24;49;05 – 00;24;55;14 

            Lukas 

            Und 61 gab es eben um diesem Ereignis zu gedenken, ein Benefizkonzert. Da hat Elvis gespielt. 

            00;24;55;14 – 00;25;25;10 

            Irma Stanton 

            Nach diesem 1900 60er Auftritt bei Pearl Harbour. Das Benefizkonzert war für die Errichtung des Monuments der Opfer von Pearl Harbour, an dem er teilgenommen hat. Als einer von vielen hatte Elvis dann wirklich tatsächlich keine Liveauftritte mehr genehmigt bekommen. Von diesem vielen Vertrag und durfte dann erst wieder 1970 tatsächlich richtig live auf der Bühne erscheinen. Das war für Elvis deswegen von 65 bis 68 eine ziemlich öde Zeit. 

            00;25;25;10 – 00;25;36;03 

            Irma Stanton 

            Seine letzte Goldene Platte Return to Sender erschien 1962 aus dem Film Girls Girls. Bis er 1968 in The Ghetto aufgenommen hat, hatte er keine weiteren goldenen Platten. 

            00;25;36;19 – 00;25;44;09 

            Ralph 

            Ah, jetzt macht es sogar ein bisschen Klingeling bei mir in der Ghetto hörende Ghetto. 

            00;25;44;09 – 00;26;04;08 

            Lukas 

            So richtig, richtig. Und dieser Song markiert sozusagen auch das Comeback, was er dann hatte, weil er hat natürlich in den Sechzigern den Anschluss dann total verpasst an die Musik, dadurch, dass er ja die ganze Zeit in diesen Schmonzetten da da rum getingelt ist. 

            00;26;04;08 – 00;26;05;27 

            Ralph 

            Die dann irgendwie so altbacken waren, oder? 

            00;26;06;01 – 00;26;21;06 

            Lukas 

            Ja, total. Also der hat einfach den Puls der Zeit zu der Zeit nicht mehr getroffen und du musst dir überlegen, während er, da ihn von einem Knebel Vertrag in den nächsten geht um irgendwelche Filme zu drehen, stehen da noch ganz andere Bands und Musikrichtungen genau zu dieser Zeit in den Startlöchern. 

            00;26;21;15 – 00;26;52;03 

            Irma Stanton 

            Da kamen die Beatles und die Stones in Woodstock und Elvis turnte durch diese faden Komödien wie Frankie und Johnny, ein Uralt Musical in USA und hatte damit halt den Mainstream überhaupt nicht mehr getroffen. Das gelang ihm dann erst wieder mit In The Ghetto, mit der Aufnahme und auch mit dem im Anschluss erschienenen Comeback Special auf NBC, wo er sich dann im schwarzen Anzug präsentierte und wo er dann auch eigentlich noch mal den Mut fasste, sich noch mal neu zu erfinden für die 70er Jahre. 

            00;26;53;01 – 00;27;11;15 

            Ralph 

            Haha. Ja, spannend, einfach diese Referenzen jetzt auch zu hören, damit man es so verorten kann. Okay, er macht sich bewusst jetzt Beatles und Stones kommen auf und Flower Power und Woodstock. Und dann kommt jetzt halt der Elvis noch daher, der ja eigentlich in den Fünfzigern sehr groß war und jetzt wirklich Zeit. 

            00;27;11;18 – 00;27;32;08 

            Lukas 

            Später erst erfindet er eine komplette. Also er ist ja nicht der einzige Rock'n'Roller, es gab ja andere, aber er steht halt sinnbildlich dafür für dieses Wilde, Ungezähmte. Dann kommt er zum Militär, dann kommt er zurück und ist noch mal ein paar Jahre erfolgreich, will Musiker werden, will aber auch gleichzeitig Schauspieler sein. Und in den 60er Jahren kommt er von einem Knebelvertrag in den nächsten. 

            00;27;32;08 – 00;27;38;16 

            Lukas 

            Ich meine jetzt schon paar mal gehört, aber das ist doch total krass, wie ein komplettes Jahrzehnt ihn so musikalisch rausgerissen hat. 

            00;27;38;18 – 00;27;54;17 

            Ralph 

            Ja und er macht diese Schmonzetten und eher so Love Songs usw, also eher was was sehr ruhiges. Dann im Gegensatz zu dieser wilden Zeit und in der Ghetto ist für mich jetzt auch eher was was ruhiges, aber ich war gespannt, was du da vielleicht erinnert. Mich auch total und jetzt wird's wieder richtig wild. 

            00;27;55;12 – 00;28;21;27 

            Lukas 

            Also natürlich knüpft er wieder an die Rockn Roll Zeit an und natürlich ist halt dieses Natürlich ist dieser Elvis Stil aufgrund der seiner Stimme sehr unverkennbar. Was er halt super gut kann, ist halt diese Emotion, dieses leicht weinerliche und dann aber was Wildes und das packt halt einfach wahnsinnig gut in die Musik. Gleichzeitig ist glaube ich die Musik, die dann danach kommt, auch ein bisschen, vielleicht eingängiger und ein bisschen zeitloser und dessen aber diese diese frühen 70er Jahre. 

            00;28;22;15 – 00;28;38;11 

            Lukas 

            Das Problem bei den Siebzigern, also am Anfang schaut es so aus, als würde dieses Comeback super gelingen. Und er hat auch wieder Liveauftritte und Konzerte und und das ist jetzt eine kurze Referenz zu Beginn der Folge, dann passiert dieses Mega Event mit dieser Konzert übertragen 1973. 

            00;28;38;17 – 00;28;39;09 

            Ralph 

            Auf Honolulu. 

            00;28;39;21 – 00;29;12;25 

            Lukas 

            Genau von 1,5 Millionen Menschen da, was da angeguckt wird. Aber eigentlich geht es zu dieser Zeit schon gar nicht mehr so gut. Also im Privatleben hat er wahnsinnig viele Probleme, seine Frau Priscilla trennt sich von ihm und 73 gibt es dann auch die Scheidung und er hat gesundheitliche Probleme. Diese Mischung setzt und Teufelskreis in Gang. Das bedeutet, er muss nach wie vor auf Konzerte gehen, weil er hauptsächlich durch Konzert Einnahmen Geld verdient und nicht mehr so sehr durch den platten Verkauf, weil all diese alten Erfolge kann er dann nicht mehr anknüpfen. 

            00;29;14;01 – 00;29;40;11 

            Lukas 

            Gleichzeitig kann er die nicht absagen, weil er erstens finanziell das sonst nicht überstehen würde und zweitens, weil er halt einen in Verträgen drinnen ist. Und gleichzeitig wollen die Plattenfirmen, dass er immer mehr Songs trotzdem noch produziert, weil die halt trotzdem noch damit Geld machen wollen. Das ist halt ein immenser Druck. 1973 kommt er dann auch erstmals in einem lebensbedrohlichen Zustand ins Krankenhaus, weil er während eines Aufnahme während einer Aufnahme zusammengebrochen ist. 

            00;29;40;11 – 00;30;02;24 

            Lukas 

            Wir werden zu einer Session und dann wird natürlich geguckt, Woran liegt es und was ist so das Problem? Und keine Ahnung, was man hat bei ihm so eine Herzinsuffizienz vermutet. Und dann kam aber zum Ersten Mal raus, dass er ursprünglich mal wegen Rückenschmerzen beim Arzt war und der hat ihm wahnsinnig starke Medikamente gegen Rückenschmerzen gegeben, die dafür gesorgt haben, dass er total aufgedunsen ist. 

            00;30;02;24 – 00;30;27;24 

            Lukas 

            Also wenn du dir Elvis aus den Mitte der 70er Jahre anguckst, dann ist er richtig. Also so Hamster backen und speckig und keine Ahnung was. Und es liegt wohl an dieser Dauer Medikation und was aber für sein Leben noch schlimmer war. Er ist halt stark abhängig davon geworden. Also er musste dann sehr sehr viele Medikamente genommen. Dann kommt er in Behandlung und dann schaut es auch kurzfristig so aus, als würde es besser werden. 

            00;30;27;24 – 00;30;41;24 

            Lukas 

            Und als würde er sich davon sogar erholen. Aber schließlich, 1977, findet man Elvis tot in seinem Badezimmer. In der Villa Graceland. Mit 42 Jahren. 

            00;30;41;24 – 00;30;47;09 

            Ralph 

            Also ich dachte lebt noch. Ja, jetzt sag das mal. 

            00;30;48;06 – 00;31;14;26 

            Lukas 

            seitdem gehen natürlich die Gerichte rum, was genau passiert ist. Und es gibt unglaublich viele Nachuntersuchungen, offizielle Untersuchungen nach Obduktionen. Und so weiter. Was der Punkt ist, ich glaube die aktuellste sogar von 2016. Was ziemlich irre ist. In der offiziellen Todesursache standen Herzfehler als Begründung. Dann hieß es, dass man eine Überdosis mit Medikamenten nachweisen konnte, dann nicht. 

            00;31;15;08 – 00;31;37;18 

            Lukas 

            Dann hieß es eine Zeit lang Elvis hat an Morbus Hirsch Parker gearbeitet. Das ist eine Darm Krankheit, die als Nebenwirkung im schlimmsten Fall Herzprobleme verursachen kann. Und so weiter und so fort. Womöglich ist es einfach alles zusammen. Also es ist dieser dauerhafte Stress. Es ist die krasse Überdosierung an Medikamenten. Es ist wahrscheinlich auch chronische Krankheiten, die er hatte. 

            00;31;38;04 – 00;31;39;20 

            Lukas 

            Ja, das ist womöglich alles zusammen. 

            00;31;40;21 – 00;32;01;27 

            Ralph 

            Ja, es ist schon traurig, wenn man überlegt, dass der diese Musik Geschichte so geprägt hat und dann, wie tatsächlich so schon einige Musiker dann aufgrund von weiß ich nicht Drogenproblemen oder dem Druck auch durch die Industrie und Erfolgsdruck dann daran zerbricht. 

            00;32;02;22 – 00;32;21;03 

            Lukas 

            Also ich glaube auch, dass die Hilfsmöglichkeiten für so was halt gerade noch in den Siebzigern einfach viel geringer waren als jetzt heute. Und ich glaube auch, wenn du halt wirklich das Symbol einer Generation was für the King bist, wenn du irgendwie so du, du bist ja keine Person mehr, du bist ein Mythos, du bist schon Mythos, während du lebst. 

            00;32;21;03 – 00;32;25;20 

            Lukas 

            Und du kannst aber an den eigenen Mythos nicht mehr anknüpfen. Dazu hat aber auch immer noch mal was zu sagen. 

            00;32;26;04 – 00;32;51;16 

            Irma Stanton 

            Das war ja auch letztendlich deine Todesspirale, weil durch diese Medikamente, die er nahm, um sich bei Laune zu halten und sich auftritt, weg zu halten. Und diese Belastungen, die er sonst noch so privat hatte, hatte er eben dann diesen frühen Tod erfahren, was natürlich, wie Zyniker sagen, die natürlich auch irgendwo recht haben. Sein größter Karrieresprung war. Einen größeren hätte er nicht mehr machen können zu Lebzeiten. 

            00;32;52;10 – 00;32;54;04 

            Ralph 

            Was, was war sein größter Karrieresprung? 

            00;32;55;01 – 00;33;22;19 

            Lukas 

            Sein Tod? Wenn Künstlerinnen und Künstler oder Musikerinnen und Musiker sterben, dann ist es und die haben vorher schon nen gewissen Bekanntheitsgrad. Dann ist es ja so, dass sie durch den Tod erst wirklich zur Legende werden. Also ein Jim Morrison von The Doors wäre sicherlich nicht so ein Symbol der Sixties, wenn er nicht gestorben wäre. Ähm, Kurt Cobain von Nirvana wäre sicherlich nicht so ein Jugend Idol bis heute, wenn er nicht auch gestorben wäre. 

            00;33;22;19 – 00;33;31;15 

            Ralph 

            Weil die so jung gestorben sind und auf dem Höhepunkt ihrer Karriere sozusagen und nicht irgendwie noch Jahrzehnte gelebt haben und schlecht schlecht abgeliefert haben. 

            00;33;31;19 – 00;33;53;10 

            Lukas 

            Ist eine wirkliche. Legenden gibt es halt erst dann, wenn die Leute tot sind, die quasi keine Projektionsfläche mehr für die Realität sind, sondern wenn die so abgehoben sind. Und bei Elvis kann man das auch monetär nachvollziehen, denn kommerziell war das ja nach seinem Tod mit 200 Millionen verkauften Platten das erfolgreichste seiner Karriere 1977. 

            00;33;53;20 – 00;33;54;07 

            Ralph 

            Ja, okay. 

            00;33;54;23 – 00;34;12;22 

            Lukas 

            Diese ganze Elvis Manier mit Leuten, die dann anfangen Elvis nachzumachen und so was, das hat dann erst wirklich begonnen, weil dann sozusagen das eigentliche Idol Elvis weg war und der Mensch endgültig zu einem Mythos wurde. Und bei Johnny Winters war es auch so. 

            00;34;13;17 – 00;34;37;10 

            Johnny Winters 

            Ich habe mit zwölf Jahren angefangen, Gitarre zu lernen und nachher, wie Elvis dann gestorben war, habe ich gedacht. Da probierst du dann jeden Fall auch mal und da gab es ja, in Köln gibt es ja immer der Tanzboden da am Rhein, da und da habe ich mal mitgewirkt haben mit dem Udo Werners Talent Probe, und dadurch bin ich wirklich ein bisschen reingekommen in die Welt auch. 

            00;34;37;16 – 00;34;47;02 

            Johnny Winters 

            Und ich hab ja keinen großen Preis gemacht. Aber mir hat das dermaßen imponiert. Und bis heute spiele ich noch, Die anderen spielen nimmer. 

            00;34;47;24 – 00;34;58;11 

            Ralph 

            Der Johnny Winters macht es immer noch, hat gesagt Habe ich das richtig verstanden, wie sie halt essen? Derweil anhand der Stimme klingt er für mich relativ alt, aber ich kann es überhaupt nicht einschätzen. 

            00;34;59;02 – 00;35;20;05 

            Lukas 

            Ja, also Johnny Winters, ich weiß, sein genaues Alter weiß ich nicht. Ich würde mal sagen, irgendwas zwischen Ende 60 und Mitte 70, So was in der Richtung würde ich mal behaupten. Auf jeden Fall ein total drahtiger Typ, der halt auch mit den Elvis Hemden rumläuft, der auch so eine Elvis Tolle hat, der diesen 50er und 60er Styl lebt. 

            00;35;20;05 – 00;35;32;24 

            Lukas 

            Also alles an dem ist Elvis Imitation. Das ist super witzig und ein total lieber und zuvorkommender Typ. Du hast natürlich vollkommen recht, seine Stimme hört sich aufgenommen ein bisschen. Ähm. 

            00;35;33;04 – 00;35;36;02 

            Ralph 

            Bisschen sehr kratzig. 

            00;35;36;05 – 00;35;55;03 

            Lukas 

            Und das ist total faszinierend, weil ich habe das in meinem Leben noch nie gesehen, dass eine Sprechstimme und eine Gesangsstimme so unterschiedlich sein können. Wenn Johnny Winters singt, also es gibt auch verschiedene Videos von ihm auf YouTube, dann es sind auch in The Ghetto, das ist sein Lieblingssong. Das singt er mit einem glasklaren Bariton, und der macht es wirklich gut. 

            00;35;55;28 – 00;36;14;09 

            Lukas 

            Und das sage ich jetzt nicht, weil wir ein Museum besucht haben, sondern weil ich einfach selber von diesem Kontrast überrascht war. Diese sehr hohe, leicht kratzige Sprechstimme. Und dann haute diesen Elvis Bariton raus. Das ist total krass geil. Na ja, und jetzt ist es so Ich habe hier ein großes Special angekündigt. 

            00;36;14;09 – 00;36;18;06 

            Ralph 

            uiuiuiui. 

            00;36;18;19 – 00;36;25;26 

            Lukas 

            Zu jedem Besuch im Museum gehört natürlich auch eine Performance, die von Johnny Winters über seine Karaoke Einlage dargeboten wird. 

            00;36;25;27 – 00;36;30;01 

            Ralph 

            Oh Gott, da muss jeder durch. 

            00;36;31;01 – 00;36;51;08 

            Lukas 

            Ja, aber glaub mir, das ist. Das ist kein Stress, das wirklich Spaß. Er hat dann angefangen für mich zu singen und ich war dann ganz alleine dagesessen und halt mit immer noch mit Irma nebenbei. Und er hat mich angeguckt und hat performt. Dann hat dazu getanzt. Es war richtig, richtig schön. Aber natürlich, irgendwie weird, dasss Ich so der einzige Mensch, der es weiß außerhalb der Öffnungszeiten. 

            00;36;51;08 – 00;37;18;09 

            Lukas 

            Dazu komme ich später noch. Und dann habe ich irgendwann mal gesagt Du pass auf, lass doch einen Song zusammen singen. Und dann hat seine gesagt Ja, das können wir gerne machen. Und er hat in dem Studio ein paar andere Backgrounds, also halt Karaoke Versionen von den Songs aufgenommen, so mit seiner eigenen Geschwindigkeit und mit seiner eigenen Attitüde, sag ich mal und jetzt geht es hier für dich, für alle Hörenden da draußen. 

            00;37;18;13 – 00;37;26;22 

            Lukas 

            Bitte nichts anfassen. Einen Elvis Song, den ich gemeinsam mit Jonny Winters live im Elvis Museum in Kirchheim spiel. 

            00;37;27;01 – 00;37;27;24 

            Ralph 

            Für Irma. 

            00;37;28;16 – 00;37;53;03 

            Lukas 

            Für Irma und für alle hörenden da draußen. Und zwar ist es eigentlich ein Song, der von John Fogerty 1969 geschrieben wurde, der besonders in der Version von CCR berühmt ist, aber der auch von Elvis gecovert wurde und eines der erfolgreichsten Live Lieder von Elvis in den 1970 er Jahren war. Und Without You würde ich dich bitten, da mal reinzuschauen. 

            00;37;53;19 – 00;37;54;01 

            Ralph 

            Ja. 

            00;37;54;15 – 00;37;57;24 

            Lukas 

            Also auf jetzt zwei Minuten. 40 Das müssen wir nicht alles. 

            00;37;57;24 – 00;37;59;24 

            Ralph 

            Selber bis zum Schluss sagen. Klar. 

            (MUSIK)   

            Witzig aber auch, dass du es gemacht hast. 

            00;40;54;25 – 00;41;16;05 

            Lukas 

            Na ja, ich hatte den richtigen Scheißtag. Ich hatte einen richtigen Scheißtag und ich hatte auch eine scheiß Woche davor. Und ich muss ehrlich gestehen, ich hatte an dem Samstag, das war ein Samstag, wo ich da war, eigentlich gar nicht so Bock, da hinzufahren, um ehrlich zu sein. Und dann war ich da und wir haben dann noch vier, fünf andere Songs gespielt. 

            00;41;16;05 – 00;41;40;05 

            Lukas 

            Ich habe dann noch ne Akustikgitarre ausgepackt, wir haben dann noch zusammen gejammt und es war einfach sau witzig und es hat Spaß gemacht, dass ich glaube ich wirklich danach, als ich zurückgegangen bin. Also ich saß dann im Auto und fuhr zurück und habe mir einfach gedacht Witzig, das war einer der coolsten Nachmittage meines Lebens, weil ich einfach weil es so komplett baller war, weil ich einfach mit was anderem gerechnet habe und nicht gedacht hätte, dass ich das so viel Spaß habe. 

            00;41;40;14 – 00;42;03;26 

            Ralph 

            Na ja, glaube ich. Never stellt sich dann vor, er geht jetzt ins Museum und dann? Dann machst du halt Musik mit jemandem, den du nicht kennst und eskaliert irgendwie zu arg. Aber ich habe auch gemerkt, hat der Performance, dass er da dann schon noch ein bisschen Ehrgeiz hattest. Dann hast du gedacht okay, was machst du jetzt, wie heißt der Harmonie drauf, was der höher gesungen. 

            00;42;04;09 – 00;42;07;03 

            Lukas 

            Schon wurde, war es schon ab der ersten Strophe ist es Harmonie. 

            00;42;07;16 – 00;42;07;27 

            Ralph 

            Rechts. 

            00;42;08;20 – 00;42;10;02 

            Lukas 

            Er singt tief, ich singe hoch. 

            00;42;11;04 – 00;42;12;10 

            Ralph 

            Aber du bist dann noch höher gegangen. 

            00;42;13;00 – 00;42;25;03 

            Lukas 

            Weil wir dann in der kompletten Stimme höher gegangen. Ich hatte so Spaß, weil es so absurd war. Und Johnny Winters ist so abgegangen. 

            00;42;33;07 – 00;42;34;16 

            Ralph 

            So Hüftschwung gemacht und alles, oder? 

            00;42;34;26 – 00;42;39;03 

            Lukas 

            Ja, alles. Alles ist total witzig. Einfach einfach schön. 

            00;42;39;10 – 00;42;41;09 

            Ralph 

            Was so ein Foto von Johnny Winters. 

            00;42;41;18 – 00;43;00;16 

            Lukas 

            Selbstverständlich. Die Performance gibt es natürlich auch auf Video und es gibt auch zahlreiche Bilder vom Elvis Museum, wo man dann noch mal genau sieht, was es da alles, was es da alles so Objekte gibt. Also ich kann jedem kann ich empfehlen, in dieses Museum reinzugehen. Es ist total schön. Es ist immer am Sonntag offen. 

            00;43;00;16 – 00;43;23;04 

            Lukas 

            Die Homepage Johnny Winters, die wir verlinken, wir auch. Das sind die ganzen Informationen drinnen, auch die Handynummer von Irma. Man kann das mieten, das Museum, Bares für Rares war da zum Beispiel auch schon mal diese erfolgreiche ZDF Sendung und und es ist noch so ein kleines Special von den beiden. Die beiden sind nicht nur Elvis Museums Betreiber, sondern auch Organisatoren von Elvis Reisen. 

            00;43;23;20 – 00;43;47;17 

            Lukas 

            Das heißt sie bieten regelmäßig im Jahr Reisen an, die die beiden führen und begleiten, die zum Beispiel nach Memphis oder nach Nashville oder nach Las Vegas gehen. Und alle, die sich dafür interessieren, können da auf der Homepage mal nachgucken und sind total faszinierendes Programm. Früher waren tatsächlich auch noch mehr Elvis Zeitzeugen dabei, zum Beispiel eine Krankenschwester, die Elvis behandelt hat. 

            00;43;47;28 – 00;44;08;22 

            Lukas 

            Aber die sitzen mittlerweile weit über 90 und deswegen nicht mehr so ganz fit. Aber manchmal ist sie auch noch dabei. Also ich glaube, wenn man sich für Rock'n'Roll interessiert, wenn man Memphis und Nashville mal angucken will. Ich Das ist einfach extrem und super witzig, mit Irma und Jonny diese Reise anzutreten. Also für alle, die sich dafür interessieren, wir machen da auch noch mal den Link in die Shownotes rein. 

            00;44;08;22 – 00;44;09;01 

            Lukas 

            Genau. 

            00;44;09;13 – 00;44;34;02 

            Ralph 

            Ich finde es immer wieder faszinierend, jetzt durch unsere Folgen wie sich Leute reinsteigern. Klingt jetzt krass, aber wie sehr sich Leute halt mit einem Thema so beschäftigen können, dass es echt ein großer Teil ihres Lebensinhalt ist wie Elvis Reisen. Hallo, das macht man ja nicht so mal eben, das frisst ja viel Zeit. Und auch diese ganze Sammlung und natürlich ein Museum zu betreiben frisst auch viel Zeit. 

            00;44;35;04 – 00;44;42;20 

            Ralph 

            Ja, Wahnsinn. Und dann so wie Johnny Winters das in sich aufzusaugen verstand, halt als Elvis Imitator auch aufzutreten. 

            00;44;43;02 – 00;45;07;04 

            Lukas 

            Ja, irre. Also ich habt ihr auch gefragt, ob man da nicht irgendwann mal müde ist mit so viel Beschäftigung mit Elvis? Und auch als Musiker wird gemeint, ne, weil das löst in ihm so ein Gefühl von Jugend, von jung sein, von Emotion, von allem aus. Und immer. Und Johnny sind jetzt nicht mehr die Jüngsten. Und natürlich sind die beiden auch in einer gewissen Art und Weise verrückt, aber positiv verrückt. 

            00;45;07;04 – 00;45;08;10 

            Lukas 

            Weißte, das ist nicht so. 

            00;45;08;22 – 00;45;09;18 

            Ralph 

            Das haben wir ja oft hier. 

            00;45;10;11 – 00;45;18;20 

            Lukas 

            Es ist authentisch, verrückt, weiß, was ich meine. Es ist, das ist hundertProzentig authentisch, was die machen. Und die ziehen da ihren Stiefel durch. Und das finde ich bewundernswert. 

            00;45;18;25 – 00;45;28;12 

            Ralph 

            Also, ich habe jetzt auch viel gelernt. Das. Vielen Dank dafür, dass du im Museum warst. Ähm, ja. Und bleibt mir eigentlich nur noch, mich zu verabschieden. 

            00;45;29;02 – 00;45;33;01 

            Lukas 

            Na ja, Moment, du musst das so ein bisschen sagen, worin es in der nächsten Folge gehen wird. 

            00;45;33;17 – 00;45;57;03 

            Ralph 

            Ja, in der nächsten Folge geht es um ein sehr kleines, putziges Museum, das von einer Person betrieben wird. Und da wird so ein bisschen. Tja, da wird so ein bisschen auf den Kopf gestellt was macht eigentlich ein Museum aus? Und vor allem die Dinge, die drin ausgestellt werden. Also ab wann sind Dinge denn wertvoll genug, um in Museum präsentiert zu werden? 

            00;45;57;03 – 00;46;00;28 

            Ralph 

            Und was erzählen diese Dinge? Darum wird es in der nächsten Folge gehen. 

            00;46;01;08 – 00;46;24;05 

            Lukas 

            Ach, ich bin gespannt. Ja, und wenn euch jetzt bitte nicht anfassen! Gefallen hat dieser Podcast über skurrile Museen, den wir mit sehr viel Liebe und Hingabe für euch und für alle da draußen produzieren, dann könnt ihr uns natürlich auch unterstützen und zwar in Form einer Steady Patenschaft. Wir betreiben bitte nicht anfassen ehrenamtlich, unentgeltlich, aus Liebe an der Kultur und aus Liebe an den Museen. 

            00;46;24;05 – 00;46;45;10 

            Lukas 

            Wir freuen uns immer über Leute, die uns ein bisschen Sprit Geld zu schießen. Außerdem ist es so, dass wir natürlich an Feedback interessiert sind. Kontaktmöglichkeiten dazu findet ihr in der einen Tonart und leitet uns weiter. Empfehlt uns, spielt uns eurer Oma vor, die Elvis Fan ist. Genau. 

            00;46;45;16 – 00;47;04;14 

            Ralph 

            Alle Leute, die mal mehr über Elvis erfahren, sollten sich dann diesen Podcast anhören und vor allem Feedback nicht nur zu den bisherigen Folgen, sondern wir sind natürlich auch sehr dankbar darüber, wenn ihr uns so kleine Geheimtipps zuschustern könnt. In welches Museum sollen wir mal gehen? Welches Museum soll andere Leute auch kennenlernen? 

            00;47;04;14 – 00;47;07;18 

            Lukas 

            Und in diesem Sinne würde ich sagen Ralph. Bis nächsten Monat. 

            00;47;08;06 – 00;47;17;17 

            Ralph 

            Ja, bis bald. Ciao. 

            Der Beitrag Das Elvis Museum in Kircheib erschien zuerst auf Escucha.

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            48 min
          • Humorforscher anylsiert den Slapstick von Dick und Doof - das Laurel und Hardy Museum Solingen

              BITTE NICHT ANFASSEN! #12 – Das Laurel & Hardy Museum Solingen 

              Show Notes 

              Es ist Cocktail-Time! Wir feiern das Ende des Jahres mit einem großen Schluck Filmgeschichte: dem Slapstick-Duo Stan Laurel und Oliver Hardy oder wie sie hierzulande genannt werden, Dick und Doof. 

              Zu Ehren der beiden Komiker betreibt Wolfgang Günther das Laurel & Hardy Museum in Solingen. Eine Sammlung voll mit Filmplakaten, Merchandise und persönlichen Gegenständen der beiden. Darüber hinaus hat er den ersten Fanclub dazu in Deutschland gegründet. 

              In dieser Folge ergründen wir, wie das Museum entstanden ist, wie Dick und Doof zueinander gefunden haben, was ihren Reiz ausmacht und wir gehen der Frage nach: Warum lachen wir eigentlich? Dazu erhalten wir Einblicke in die Humorforschung von Professor Willibald Ruch von der Universität Zürich. 

              Achja und was Cocktails mit Dick und Doof zu tun haben, erfahrt ihr auch noch. 

              ~~~~~~~ 

              Hilfreiche Links: 

              Sehenswerte Dokumentation zu Stan und Ollie (u.a. mit Wolfgang Günther): Laurel und Hardy – Die komische Liebesgeschichte von Dick & Doof Doku (2011) 

              Wikipedia-Artikel zu “The Artist”: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Artist_(Film)  

              The Music Box auf YouTube: The Music Box – 1932 with Laurel and Hardy 

              Offizielle Website der Sons of the Dessert: https://sonsofthedesertinfo.com/  

              Literaturempfehlungen von Willibald Ruch: 

              Ruch, W. (2008). The psychology of humor. In V. Raskin (Ed.), A primer of humor (pp. 17-100). Berlin, Germany: Mouton de Gruyter.  

               Ruch, W. (2016). Humor und Charakter. In B. Wild (Ed.), Humor in Psychiatrie und Psychotherapie (2nd edition) (p. 8-31). Stuttgart, Deutschland: Schattauer 

              ~~~~~~~ 

              Infos zum Museum:  

              Postanschrift 
              Locherstraße 17 

              42719 Solingen 
              https://www.laurel-hardy-museum.de/  

              ~~~~~~~ 

              über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

              Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

              Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

              Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

              Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

              BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

              Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

               Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/
              ~~~~~~~ 

               
              Kontakt: 
              Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
              E-Mail: info[at]escucha.de  

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              Wollt ihr uns unterstützen?  

              Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

              ~~~~~~~ 

              Podcast-Credits:  
                

              Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
              Produktion: Escucha GbR  
              Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
              Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

              Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

              ~~~~~~~ 

              Transkript 

              Lukas 

              Hey, was machst du morgen? Wir haben Laurel und Hardy- Fanclub Treffen . Oh, neun Cocktails! Ja, ist Vereinssatzung. Ich kann nicht anders. Ich kann nicht anders. (Lachen) 

              Ralph 

              Okay, dann muss ich Urlaub machen. (Lachen) 

              (Intro) 

              Lukas 

              Einen wunderschönen guten Tag, Ralph. 

              Ralph 

              Grüß dich. 

              Lukas 

              Ein neuer Monat. Eine neue Folge Bitte nicht anfassen. Das Qualitätsmerkmal für kleine Museen, für absurde Museen, für skurrile Museen. Die Idee ist die: Wir besuchen einmal im Monat ein Museum für euch, wobei der andere nicht weiß, in welches Museum der jeweils andere Partner geht. Und dann erzählen wir uns davon. 

              Ralph 

              Ja, so ist es. Wir wollen mit dem Podcasts auch die Leute hinter dem Museum zeigen und wollen natürlich auch ein bisschen ergründen, Warum ist das jetzt wirklich besuchenswert dieses Museum? Und was stecken da eigentlich für tolle Themen drin, von denen man vielleicht vorher gar nicht wusste? 

              Lukas 

              Im letzten Monat war ich für euch im Zusatzstoffe Museum in Hamburg, da ging es ganz viel um die Geschichte von Lebensmitteln. Es ging darum, was wir eigentlich alles zu uns nehmen und ob das alles so gut oder schlecht ist. Aber hört da selbst mal rein. Und das bedeutet, dass in diesem Monat Ralph, da warst du unterwegs. 

              Ralph 

              Das heißt, du kannst dich zurücklehnen, einen Cocktail trinken und mir zuhören. Heute werde ich dich mitnehmen in die wundervolle Messerstadt Solingen, wo ich zu einem Museum gereist bin, bei dem du heute erfahren wirst über eines der berühmtesten Paare Hollywoods. Wir werden einen kleinen Ausflug zu den Beatles unternehmen und was ganz, ganz Grundlegendes beantworten, nämlich die Frage Warum lachen wir eigentlich? Da kommt noch ein Special Guest zu Wort heute.  

              Ich reise gern mit dem Zug an und dann mit den öffentlichen Verkehrsmitteln konnte ich auch in Solingen ein bisschen rumfahren und dann kommst du auf ein Gelände, wo du erst mal durch so ein Gartentürchen gehst, da gehst du auch auf Pflastersteinen ein Stückchen weiter und dann triffst du auf zwei lebensgroße Figuren.  Die eine Figur ist sehr groß und schmal, die andere Figur ist auch groß, aber eher breit. Und beide tragen einen schwarzen Anzug, so Bowler Heads, also Melonen. Und der korpulente Mann, der hat noch einen Schnauzer. Vielleicht ist auch jetzt schon der, wie sagt man… 

              Lukas 

              Der Groschen gefallen. 

              Ralph 

              Richtig, richtig! 

              Vielleicht ist jetzt schon der Groschen gefallen und du weißt, worum es geht. 

              Lukas 

              Ja, ich könnte mir vorstellen, es geht um Dick und Doof oder um, ich glaube Laurel und Hardy, Stan Hardy und Ed Laurel. Irgendwie sowas, ne? 

              Ralph 

              Stan Laurel und Oliver Hardy und der Ed Hardy ist der mit dem T-Shirt. 

              Lukas 

              Ja stimmt. Ist auch lustig. 

              Ralph 

              Die haben mich quasi begrüßt und haben mich dann auch weitergeleitet zum Museumsgebäude selbst. Das ist ein ganz kleines Gebäude. Wenn du das betrittst, dann bist du halt sofort umgeben von von Laurel und Hardy. Also aus allen Poren trieft es da richtig raus. Du hast Plakate, du hast kleine Figürchen, du hast anderen Merchandise wie Becher, Tassen usw. alles mit Aufdruck von Laurel und Hardy und dann begrüßt dich auch noch der Museums Betreiber Wolfgang Günther. Das ist so ein älterer Herr, der hatte einen Dreitagebart, Brille und natürlich auch ein Bowler Head auf. Der betreibt dieses Museum, das Laurel und Hardy Museum in Solingen, zusammen mit seiner Frau Vera. Und wie das Ganze dazu kam, dass er dieses Museum gegründet hat, das geht zurück bis in seine Kindheit. Und das soll er mal erzählen. 

              Wolfgang Günther 

              Ich komm  aus der Zeit noch – Kino für Jugendvorstellungen, sonntags, morgens, samstags, mittags oder auch mal mit den Eltern zum Vater ins Kino zu gehen. Und damals waren die Filme von Stan und Ollie, von Dick und Doof immer dabei, kann man fast sagen. Da liefen sie im Kino als Vorfilm oder man sah auch mal einen der langen Filme von den beiden. Und Dick und Doof waren damals schon mit die beliebtesten Komiker des Films überhaupt. 

              Lukas 

              Okay, also es scheint, dass er sehr gerne schon seiner Kindheit Dick und Doof Filme geguckt hat. 

              Ralph 

              Und zu dieser Zeit waren das ja auch schon alte Filme, muss man sagen. Und auch, dass er erzählt hat, der hat das in Vorfilm gesehen, so was gab es ja eigentlich, oder? Aber das gibt es ja eigentlich gar nicht mehr, oder kannst du dich daran erinnern, jemals im Kino gewesen zu sein und da gab es einen Vorfilm? 

              Lukas 

              Nee, es gibt immer nur Werbung, aber kein Vorfilm. 

               Ralph 

              Das hat eben auch mit der Vermarktung tatsächlich zu tun. Also es ist halt einfach lukrativer, das an Werbung zu verkaufen. Ja, und dann war es so, dass Wolfgang Günther eben generell ein großer Filmfan ist und angefangen hat, Filme zu sammeln. Und irgendwann dann ist es halt ein bisschen ausgeartet und im Speziellen eben bei Dick und Doof, Laurel und Hardy. Er hat dann nicht nur gesammelt, sondern er hat sich auch diese Filme angeguckt, mit Freunden zusammen und es hat sich dann rumgesprochen, dass er so eine große Sammlung hat. Und irgendwann dann standen fremde Leute vor der Tür. 

              Wolfgang Günther 

              Kam ein Reporter und dann kam noch mal ein Reporter und so hat sich das entwickelt, bis wir praktisch dann über Nacht, sage ich jetzt mal ein bisschen übertrieben, meine Frau und ich über Nacht zum Museum wurden und plötzlich standen in unserer Wohnung wohlgemerkt, standen plötzlich Reisebusse vor der Tür. 

              Lukas 

              Okay, das heißt, wenn ich das richtig verstanden habe, die haben angefangen, Filmvorführungen zu geben, das hat sich so rumgesprochen und irgendwann sind auch Reisebusse angekommen. 

              Ralph 

              Ja. 

              Lukas 

              Aber wie? Wer hatte diese Reisebusse organisiert? Wie kann es sein, dass auf einmal ein Reisebus da war? 

              Ralph 

              Also das weiß ich nicht. Ich muss dazu auch sagen, das war ja in der damaligen Wohnung von den beiden und dann haben die auch entschieden, nee, das kann nicht so weitergehen und haben sich eine andere Räumlichkeit gesucht, in der es jetzt eben dieses Museum gibt, sodass die jetzt nicht mehr privat von Leuten in Anführungsstrichen belästigt werden, besucht werden. 

              Lukas 

              Und die leben jetzt von dem Museum? 

              Ralph 

              Nein, das ist nur ein Hobby.  

              Okay, also da haben wir schon erfahren, woher die Sammelleidenschaft von Wolfgang Günther rührt, und habe auch schon Dick und Doof angesprochen. Laurel und Hardy, die beiden sind ein Begriff, aber ich weiß gar nicht, wie viel weißt du denn von denen? 

              Lukas 

              Also ich meine, dass so die Schaffenszeit von denen in den Dreißigern war oder hauptsächlich dreißiger und 40er, dass es halt Stummfilme waren, weil ich glaube, dass es damals noch gar nicht die Vertonung gegeben hat. Aber da will ich mich jetzt nicht festlegen, ich habe ja als Kind manchmal geguckt, ich glaube, das ist ein alter Klassiker, oder? Das ist ja eigentlich immer witzig. 

              Ralph 

              Ja, die beiden haben zusammen insgesamt über 100 Filme gedreht, also eine beachtliche Anzahl, und das ging schon ein bisschen früher los, als du es gesagt hast. Also schon in den Zwanzigern, und ging dann bis in die 50er Jahre. Und ich erzähl mal ein bisschen was über die beiden, weil ich das Leben von denen auch spannend find. Der Dünne, also Stan Laurel, der ist ja gebürtiger Engländer, und der hat mit 16 Jahren angefangen, Theater zu spielen, während Oliver Hardy Amerikaner ist. 

              Der kommt aus Georgia und hat mit 18, also ähnliches Alter, hat er angefangen, am Theater zu arbeiten. Da war der sogenanntes Mädchen für alles. Und dann ist es so gewesen, dass Stan Laurel 1913 mit seiner Theatergruppe nach Amerika gekommen ist. Und in seiner Theatergruppe befand sich noch ein anderer Typ, der eigentlich sehr bekannt ist, nämlich Charlie Chaplin.  

              Lukas 

              Ah, okay. 

              Ralph 

              Und Stan Laurel, der war in dieser Gruppe der Ersatz für Charlie Chaplin, also die Zweitbesetzung. Und dann war es so, nachdem Chaplin eben nach Amerika gekommen ist, wurde der entdeckt und hat dann bald die Truppe verlassen, um sich auf Film zu spezialisieren. Also weg vom Theater. Und daraufhin hat sich die Gruppe erst mal aufgelöst. Stan, der blieb aber dann in Amerika und hat eine eigene Comedy Gruppe gegründet. 

              Währenddessen war Ollie in verschiedenen Filmproduktionen schon tätig und hat da immer den Schurken gespielt, also immer den Bösewicht, und 1921 haben sich die beiden dann in einem Film getroffen, wo Stan der Hauptdarsteller war und Oliver Hardy eben der Schurke, der ihn überfallen hat. 

              Lukas 

              Also Oliver Hardy ist jetzt Doof äh Dick. 

              Ralph 

              Dick, ja. Da war dann aber noch nicht klar, was da für eine lustige Dynamik zwischen den beiden herrscht. Und dann ist ein bisschen Zeit vergangen, in der Stan auch nicht als Schauspieler unter Vertrag genommen worden ist, sondern als Regisseur und Gagschreiber. Also da hat man schon sein komödiantisches Talent entdeckt. Eines Tages kam es dazu, dass Oliver Hardy, also Dick, eine Hauptrolle gespielt hat oder spielen sollte. Der hat sich aber kurz vorher verletzt, so dass der dann einspringen musste, also Doof; und der Film, der lief so gut. Und der Produzent, der fand beide eben gut, dass er gesagt hat, Okay, ich will mal gucken, wie die beide miteinander harmonieren. Und dann hat er schnell rausgefunden, dass die einen Comedy Duo abgeben. Die haben dann auch recht bald ihren Look kreiert. 

              Also diese Anzüge, die der eine zu groß, der andere ist zu klein und dazu diese Melonen und haben auch ein sehr unterschiedliches Arbeitsverhalten an den Tag gelegt. Also das merkt man ja den Filmen nicht an, aber Stan Laurel, der war ein echter Workaholic und und der hat die ganze Zeit gearbeitet und war auch so ein so'n Schürzenjäger. 

              Ja, und der Ollie, und der Oliver Hardy dagegen, der war immer froh, wenn die Drehs vorbei waren, weil dann ist er zu Pferderennen gegangen, wo er gewettet hat oder war auch auf dem Golfplatz und da kann Wolfgang Günther auch was erzählen. 

              Wolfgang Günther 

              Der ging lieber um Fünf Uhr auf den Golfplatz, weil er ein ganz hervorragender Golfspieler war. Der gewann immer diese Turniere der Hollywoodstars damals in den dreißiger Jahren. Nur kleine Geschichten, auch zwischendurch, der oder der Stan Laurel, der war ja auch oft mal als Regisseur eingesetzt oder zumindest auch als Hilfs Regisseur. Und wenn es in einem Film, eine Szene gab, in der Ollie sich immer wieder richtig sehr gern aufregte. Und wenn es eine Szene gab, in der Ollie sich so richtig aufregen musste, richtig echauffieren soll, dann hat der Stan Laurel als Regisseur diese letzte Szene an den letzten Tag als Ende des Tages gelegt, weil der Ollie wollte auf dem Golfplatz und hat sich erst richtig aufgeregt. 

              Lukas 

              Okay. Ja, also das natürlich. Hört sich nach schönen Anekdötchen an, aber ist es gesichert? Oder sind es so Geschichten, die Wolfgang Günther jetzt irgendwie so erzählt? 

              Ralph 

              Also dass Oliver Hardy ein sehr guter Golfspieler war und auch Preise gewonnen hat, das ist gesichert. Und Wolfgang Günther hat meines Wissens, also wenn ich mich richtig erinnere, der hat sogar einen Pokal von ihm im Museum ausgestellt und ich habe da noch ein bisschen recherchiert, dass das wird schon so gestimmt haben. Ob das jetzt mit dem Aufregen so war oder nicht, das kann ich natürlich nicht beurteilen. 

              Lukas 

              Alles klar. 

              Ralph 

              Du hattest ja schon den Stummfilm angesprochen und die beiden haben es geschafft, vom Stummfilm in den Tonfilm erfolgreich überzusetzen. Weil das war ja keine Normalität, sondern ganz viele Schauspieler und Schauspielerinnen haben das eben nicht geschafft. Diesen Schritt von Stummfilm zu Tonfilm. 

              Lukas 

              Da gibt es einen tollen Film darüber, und zwar einen tollen, relativ aktuellen Film. Hast du schon mal die Artist geguckt? Ich glaube, da geht es doch genau darum, dass ein Schauspieler seine Karriere verliert, weil er auf einmal sprechen muss. Und das kann er gar nicht richtig. 

              Ralph 

              Ja, da sieht man auch, wie das dann gemacht worden ist, wie die die Mikrophone angebracht hatten. Und so weiter. 

              Lukas 

              Wann war denn da der Übergang? Also ab wann gab es denn dann offiziell Tonfilm? 

              Ralph 

              Wir befinden uns ja jetzt gerade in der Zeit 20er Jahre, also der erste Tonfilm, den gab es Anfang der 20er Jahre. 

              Lukas 

              Ach, so früh schon? 

              Ralph 

              Ja. 

              Lukas 

              Krass. Okay. 

              Ralph 

              Die beiden haben dann auch entsprechend des Tonfilms dann eine eigene Melodie bekommen und zwar den Tanz der Kuckucksvögel. Ich weiß nicht, ob du den kennst, da können wir auch mal kurzen Ausschnitt einspielen, oder? 

              (Kuckucks-Song) 

              Lukas 

              Ich habe die Melodie noch nie gehört, aber ich habe jetzt eine Frage, weil du sagst Tonfilm und Stummfilm, es gibt einen Unterschied, weil Musik im Hintergrund, die gab es schon länger. Aber dass die Stimme der Schauspieler aufgenommen wurde und quasi drunter gelegt wurde, also wir reden jetzt darüber? 

              Ralph 

              Wir reden darüber, dass Stan Laurel und Oliver Hardy auch gesprochen haben in den Filmen. 

              Lukas 

              Alles klar, okay. 

              Ralph 

              Aber du hast natürlich recht. Ja, beim Stummfilm, da gab es auch schon Musik und als Stummfilme gezeigt worden sind, also live vorgeführt worden sind, da hat ja dann auch oftmals jemand Klavier oder Orgel oder so gespielt. 

              Lukas 

              Noch mal zurück zu der Melodie: Die sagt mir gar nichts. Noch nie gehört. 

              Ralph 

              Ja, macht nichts. Aber diese Melodie, die bleibt den beiden halt auch über die weiteren Jahre erhalten. Also dann erkennt man die daran. Und was ich auch nicht wusste; vorher, die haben ja sogar einen Oscar bekommen. Also ich wusste auch gar nicht, dass es die Oscars gibt, aber die hatten dann eben einen Oscar bekommen für den Film the Musicbox. 

              Ralph 

              Dann geht es um Dick und Doof, die beide eine Kiste mit einem Klavier eine endlos lange Treppe hochtragen müssen. Ganz witzig. Und dafür haben die einen Oscar bekommen. 1932. 

              Lukas 

              Gibt es die irgendwie auf YouTube oder so, weil dann könnte man denen die Show nutzen stellen. 

              Ralph 

              Bestimmt ja. 

              Lukas 

              Alles klar. Super. 

              Ralph 

              Ich nehme mal beides auf. Nein, leider nicht. (Lachen) 

              Ja, und nach dem Oscars, da haben die beiden dann sich eine kleine Auszeit gegönnt und sind verreist. Dazu hat Wolfgang Günther auch eine kleine Anekdote. 

              Wolfgang Günther 

              Stan, der ja Engländer war, der wollte noch mal nach England. Also sein Vater lebte noch da und der Olli wollte mit nach England, weil er, wie gesagt, ein hervorragender Golfspieler war. Gesagt, getan. Sie fahren im Zug von Los Angeles nach New York, schiffen sich ein und kommen in England im Hafen von South Hampton an. Wie sie in den Hafen fuhren, sahen sie, dass der ganze Hafen, alle Kais waren voll schwarz, voll Menschen. Und diese ganzen sechs Wochen in England, das war praktisch nur PR Auftritte in Kinos, in Rathäusern. Und so weiter. Die hatten nicht einmal einen Golfschläger in der Hand gehabt. War gar nicht möglich. Und am Ende dieser sechs Wochen haben Sie dann in London diese Platte produziert. Der Stan hat mal eben ein Sketch geschrieben, der jetzt auf der ersten Seite der Platte zu hören ist und auf der Rückseite ist dann diese Erkennungsmelodie, vom großen Salon Orchester gespielt, zu hören und diese Platte, 1932 in London produziert, ist die einzige Platte, die die beiden jemals selbst besprochen haben. Es gab später natürlich Platten mit Ausschnitten aus ihren Filmen, aber selbst besprochen haben sie es nie mehr. Und produziert wurde diese Platte, aufgenommen in dem Studio, aus dem später die Abbey Road Studios wurden. 

              Lukas 

              Wow. Okay, also das ist eine coole Geschichte. Das heißt, wenn ich es richtig verstanden habe, die wollten eigentlich Urlaub in England machen, aber offensichtlich war der Ruhm schneller als ihre Atlantik Überfahrt. Das heißt, die wurden schon von Fans belagert. Das mit der Platte habe ich jetzt nicht so ganz verstanden. Das heißt, sie haben da eine Platte eingesprochen? Das versteh ich nicht so ganz, weil sie sind doch Filmstars. 

              Lukas 

              Was heißt also Platte, ist also Schallplatte oder? 

              Ralph 

              Eine Schellack Platte. 

              Lukas 

              Ein Tonträger? 

              Ralph 

              Wolfgang Günther hat eben diese Schellack Platte in seiner Sammlung, hat sie mir gezeigt und die Geschichte dazu erzählt, die wir jetzt gerade gehört haben und wie gesagt, das ist die einzige Platte, die die beiden selbst besprochen haben. 

              Lukas 

              Und da ist ein Audio Sketch drauf. 

              Ralph 

              Ja richtig. 

              Lukas 

              Okay. 

              Ralph 

              Aufgenommen in den Abbey Road Studios, also in dem Vorläufer der Abbey Road Studios und daher ja, die Verbindung, die ich am Anfang gesagt habe zu den Beatles. 

              Lukas 

              Weil die quasi auch am selben Ort waren und am selben Ort Tonträger erstellt haben. Alles klar? Ja, cool. 

              Ralph 

              Und nach dem –  in Anführungsstrichen – Urlaub sind die natürlich wieder zurück nach Amerika gereist, haben dort weiter Filme produziert, auch mal längere Filme, weil angefangen haben die ja mit eher kürzeren Filmen und dann auch längere Film Filme, die halt in die Kinos kommen sollten. Und in den 40er Jahren sind die beiden dann auf Tournee gegangen, nicht nur in Amerika, sondern eben auch nach Europa. 

              1944 gab es eine Tournee nach England, die dann ausgedehnt wird, nämlich auf Dänemark, Frankreich, Schweden und Belgien. Und die sind dann fast ein Jahr unterwegs. 

              Lukas 

              Und spielen da ihre Sketche live vor. Oder wie muss man sich das vorstellen? 

              Ralph 

              Ja, die gehen auf die Bühne und halten Reden. Sie machen halt Sketche. 

              Lukas 

              Und war das dann alles auf Englisch. 

              Ralph 

              Ja. 

              Lukas 

              Na ja, keine Ahnung, weil ich könnte mir vorstellen, wenn ich mir das 1930 oder so Deutschland angucke oder Belgien oder Frankreich oder wo auch immerbin ich nicht davon ausgegangen, dass das Publikum automatisch Englisch versteht, ja. 

              Ralph 

              Da kommt bestimmt zugute, dass die Komik, die die beiden betreiben, nicht unbedingt auf Wortspielen oder so basiert, auf Wörtern, sondern eher aus Bewegungen und Slapstick eben. 

              Lukas 

              Also gut. 

              Ralph 

              Ja, die waren dann eben auch eine längere Zeit in Paris, nämlich in dem Revue Theater Lido. Das war eigentlich bekannt dafür, dass da Damen in sehr aufreizenden Kostümen auftreten und da Dick und Doof sich vorzustellen, ist schon ein ganz schöner Kontrast. Dann sind Sie aber weitergereist. Es folgen eben diese erfolgreichen Tourneen. Filme drehen sie dann in der Zeit gar nicht mehr so viele. Der letzte gemeinsame Film, den Sie machen, ist von 1951, und das ist eine ausländische Produktion, also eine europäische Produktion, und die heißt Atoll K. Sechs Jahre später stirbt dann Oliver Hardy. 

              Lukas 

              Und wie geht es dann mit Stan weiter? 

              Ralph 

              Stan ist dann auch als Gagschreiber zwar noch aktiv, sein Gesundheitszustand verschlechtert sich aber auch nach dem Tod von Oliver Hardy und 1965 stirbt er dann an einem Herzinfarkt. 

              Lukas 

              Aber das heißt, Laurel und Hardy haben nie unabhängig voneinander Filme gedreht. Die waren dann immer zusammen ab dem Zeitpunkt, wo die einmal zusammen waren? 

              Ralph 

              Also nach dem Tod von Oliver Hardy hat Stan Laurel schon noch Filmangebote bekommen, aber er hat die alle abgelehnt. Er wollte nicht mehr ohne Dick auftreten und war eigentlich nur noch für Interviews oder Gespräche zu haben. 

              Lukas 

              Weil überleg mal, was das für eine krasse Beziehungsebene ist. Wenn du irgendwie mit jemanden so viele Jahrzehnte verbringst, überall. Immer nur gemeinsam auftrittst, obwohl es ja offensichtlich ganz unterschiedliche Persönlichkeiten waren und dann stirbt dein Partner. Das ist schon irgendwie, das ist eine ziemliche Zäsur. 

              Ralph 

              Ich habe in den Recherchen auch herausgelesen, dass die beiden wirklich eine enge Beziehung geführt hatten, also auch abseits der Filme. 

              Lukas 

              Also die waren auch befreundet. Ja, weil es gibt ja auch so berühmte Fernseh Paare wo immer gerätselt wird, verstehen die sich jetzt oder nicht? Oder wie sind die abseits der Bühne? 

              Ralph 

              Ja oder hassen die sich? 

              Lukas 

              Ja, zum Beispiel Joko und Klaas, da weiß man nie, was die machen und die haben sich jetzt voneinander getrennt, mehr oder weniger. Also die machen doch Sachen zusammen, aber trotzdem letztlich ihren größten Ruhm hatten die ja als Joko und Klaas. Und da wusstest du ja nie, ob die sich jetzt mögen oder nicht. Die haben ja auch damit kokettiert. 

              Ralph 

              Das ist ja auch so tragisch, dass Stan Laurel gar nicht auf die Beerdigung von Oliver Hardy gehen konnte, weil der Arzt ihm abgeraten hatte, aus gesundheitlichen Gründen. 

              Lukas 

              Krass. Wieso denn das? 

              Ralph 

              Na ja, weil der halt auch schon sehr alt war zu dem Zeitpunkt. 

              Lukas 

              Okay, krass. 

              Ralph 

              Und er hat ja dann auch noch sechs Jahre gelebt und dann ist er ja auch verstorben. 

              Lukas 

              Hatten die eigentlich Familie? 

              Ralph 

              Ja, beide waren verheiratet. Stan Laurel war ja der Draufgänger, der Schürzenjäger. Der war mehrmals verheiratet, ich glaube fünf Mal oder so, und er hat auch mehrere Kinder. Und Oliver Hardy hatte meines Wissens keine Kinder.  

              Das muss man sich mal überlegen. Die beiden sind ja in den Sechzigerjahren gestorben und jetzt haben wir 2022 und noch so viele Jahrzehnte danach kennen wir alle Dick und Doof oder Laurel und Hardy. Es gibt sogar Sammler wie Wolfgang Günther und es gibt eben auch Fanclubs. Wusstest du, dass es da richtig so eine Fanclub Mania gibt um Dick und Doof? 

              Lukas 

              Nein. 

              Ralph 

              Na dann, trinkst du erst mal einen Cocktail drauf. Das hat nämlich tatsächlich mit den Fanclubs zu tun. Also es ist so, dass sich der erste Fanclub von Dick und Doof 1965 oder 1964 gegründet hat. Also auf jeden Fall kurz vor dem Tod von Stan Laurel. Auch mit dessen Unterstützung hat sich dieser Club gegründet. Was es damit auf sich hat, erzählt kurz mal Wolfgang Günther. 

              Wolfgang Günther 

              Dieser Club wurde gegründet in New York, von einem College Professor, der einfach Stan Laurel mal besucht hat und später viel öfters besucht hat. Die beiden wurden Freunde und er hat gesagt: Ich möchte gerne in New York mit ein paar Freunden einen Club gründen und, Hardy, mach für uns mal, wenn du willst noch ein paar Texte. Und er hat dann für diesen Club eine Satzung geschrieben. 

              Ralph 

              Und diese Satzung ist tatsächlich sehr interessant. Es gibt eine Passage, die beschreibt, wie ein jährliches Treffen ablaufen soll. Und zwar beginnt es dann erstens mit einem Cocktail, zweitens mit einem Business Meeting mit Cocktails, dann danach gibt es Abendessen mit Cocktails, danach Besprechungen und Cocktails, dann Cocktails, dann Kaffee und Cocktails. Dann kommt man sich im Film von Laurel und Hardy an, danach gibt es eine Kritik dazu, Cocktails und danach gibt es noch mal eine Kritik zu der Filmkritik und Cocktails. 

              Und ja, am Ende dann noch mal einen auf den Club. 

              Lukas 

              Also wir haben dann insgesamt gesoffen. 

              Ralph 

              123456789 Stück. 

              Lukas 

              Neun Stück. Ja gut, je nach Cocktail, komatös saufen, glaube ich. 

              Ralph 

              Und dieser, dieser Fanclub, der bezeichnet sich als die Wüstensöhne, Sons of the Desert. Das ist ein Film von Laurel und Hardy gewesen, in dem die beiden in so eine Loge, also auch in so eine Art Club eintreten, der sich eben so nennt. Das Erkennungsmerkmal dieses Clubs ist ein Fez, den man sich auf den Kopf setzt. 

              Lukas 

              Fez ist dieser Hut, den man vor allem aus der Türkei kennt oder dieser spitz zulaufende rote Hut, der meistens aus Filz ist und Bommel dran ist. 

              Ralph 

              Ja, genau. Und dieser Fanclub, der hat sich dann im Laufe der Jahrzehnte noch erweitert. Also es gibt dann Clubs in verschiedenen Ländern und auch regionale und örtliche Gruppen. Und in Deutschland zum Beispiel gibt es sieben Clubs und diese Clubs, die bezeichnen sich als Zelte, eben auch wieder in Anlehnung an diesen Film. Und eines davon liegt in Solingen. Wer hätte das gedacht, gegründet von Wolfgang Günther. 

              Ralph 

              Und diese Clubs, die benennen sich auch nach Filmen von Laurel und Hardy, so dass der Club von Wolfgang Günther two Tars tent heißt also zwei Matrosen, auf Deutsch Teerjacke, und dann haben sie noch eine Nummerierung. Dann heißt es nämlich zweitens Oase Nummer 63, weil das eben der 63. Club ist, der gegründet worden ist. 

              Lukas 

              Und gibt es dann eine jährliche Vereinigung aller Laurel und Hardy Fanclubs oder wie muss man sich das vorstellen? 

              Ralph 

              Es gibt auf jeden Fall Fantreffen, auch europaweit und in den örtlichen und regionalen Clubs gibt es natürlich öfter Treffen. Und es gibt auch Newsletter, die die rausgeben, Magazine. Und so weiter. Und der Club von Wolfgang Günther, der hat 140 Mitglieder. 

              Lukas 

              Okay, also eine ganz beachtliche Zahl. 

              Ralph 

              Auf jeden Fall. 

              Lukas 

              Aber ist es nicht irgendwann mal so, wenn du dich mit Laurel und Hardy beschäftigst? Ich meine so reichhaltig das Film Angebot ist und so reichhaltig diese Personen sind, ist es denn nicht mal langweilig? 

              Ralph 

              Das Ding ist halt als Sammler gibt es ja immer wieder was Neues, was du deine Sammlung hinzufügen kannst und selbst nach diesen 60 Jahren, in denen die beiden schon verstorben sind, gibt es trotzdem noch Gegenstände, die Wolfgang Günther sich besorgt. Es sind auch Drehbücher aufgetaucht nach einiger Zeit. Es gibt tatsächlich noch verschollene Sachen, von denen Wolfgang Günther hofft, dass sie noch auftauchen. 

              Und der sammelt ja auch private, private Dinge der beiden. Er hat zum Beispiel mir einen Scheck gezeigt von Stan Laurel oder Fotos oder Briefe an Fans. Und so weiter. Also es scheint so, als wäre für ihn das Thema noch nicht abgeschlossen. Und es ist ja auch so ein get together. Dadurch, dass du halt diesen Club hast und auch. 

              Lukas 

              Eine Gelegenheit zum Saufen. Hey, was machst du morgen? Wir haben Laurel und Hardy- Fanclub Treffen . Oh, neun Cocktails! Ja, ist Vereinssatzung. Ich kann nicht anders. Ich kann nicht anders. 

              Ralph 

              Okay, dann mach ich Urlaub.  

              Lukas 

              Da wär ich gerne mal dabei. Ich glaube, das ist ziemlich witzig. 

              Ralph 

              Glaube ich auch. Wir können die mal anfragen für das nächste Treffen. 

              Lukas 

              Ja, bitte. Da müssen wir dabei sein. Das ist interessant. Ich hab echt Bock. 

              Ralph 

              Und es ist auch so, dass Wolfgang Günther nicht nur diese Gegenstände im Museum zeigt, sondern in einem Raum, da hat er ganz viele Stühle und zeigt dann über einen Beamer auch Filme von Laurel und Hardy. Und als ich dort war, wurde tatsächlich auch einer gezeigt, in dem Stan Laurel ein Boxer war. Und der hat halt im Boxring ordentlich drauf gekriegt. 

              Da habe ich auch die Atmo mal eingefangen vom Publikum. 

              (Atmo wird eingespielt, zu hören ist Musik und und in unregelmäßigen Abständen Gekicher) 

              Lukas 

              Das Gekicher steckt an, obwohl ich selber keine Ahnung habe, worum es in dieser Szene ging. 

              Ralph 

              Ja, ja, es war eben besagte Boxkampfszene. Das war ja nicht Wolfgang Günther, den du gehört hast, sondern das war ein anderer Besucher, der da war. Es waren während meiner Zeit, ich glaube zwei, drei andere Leute da und ich fand das schon auch lustig, das zu sehen, aber ich musste jetzt nicht so herzhaft lachen oder kichern oder so was, was ich meine und habe mich dann aber gefragt Ja, warum ist das so? 

              Es ist tatsächlich so eine Frage, die mich dann beschäftigt hat, weil man fühlt sich ja dann doch vielleicht irgendwie komisch, wenn alle anderen lachen, aber du selbst nicht. Ja und habe mich gefragt Na ja, also es war ja ein älterer Herr auch, der das angeguckt hat. Der kannte wahrscheinlich auch mehr Dick und Doof Filme als ich und hat vielleicht auch andere Erinnerungen daran. 

              Ich wollte das aber genauer wissen, warum das so ist und habe tatsächlich noch einen zweiten Interviewpartner für diese Folge gewinnen können, nämlich Professor Willibald Ruch, seines Zeichens Psychologe an der Universität in Zürich. 

              Lukas 

              Aha. 

              Ralph 

              Und der forscht zum Thema Humor. Und von ihm wollte ich halt wissen, ob Humor zeitlos ist oder nicht. 

              Willibald Ruch 

              Also was wir halt wissen von der Forschung, ist Humor ist sehr individuell. Was Sie lustig finden, muss ich nicht lustig finden. Da gibt es auch Alters Effekte. Also ich glaube alle Kinder lachen, wenn sie Tabu Worte aussprechen. Mit zunehmendem Alter zeigt sich halt die Persönlichkeit mehr und wir unterscheiden uns sehr in dem, was wir lustig finden. Und ich glaube nicht, dass es da so per se einen Zeit Trend nur gibt, sondern halt auch einen Teil, der halt mit der eigenen ja kognitiven Komplexität zusammenhängt. Also wie, wie einfach darfs sein? Oder wie verworren, verschroben, fein konstruiert? Mag ich denn etwas, damit ich drüber lachen kann? 

              Lukas 

              Ja, sehr schön, dass wir auch dieses Mal wieder Input aus der Wissenschaft bekommen. Cool, wenn es da Leute aus der Wissenschaft gibt, die uns da zusätzlich noch Rede und Antwort stehen. Wenn ich jetzt den Professor richtig verstanden habe, dann ist quasi Humor komplett individuell, aber von unserer sozialen Prägung abhängig und von unserem Alter und unserem Erfahrungshorizont. 

              Ralph 

              Also es hat eigentlich nichts mit der Zeit zu tun aus der der Humor ist, sondern es ist, wie du sagst, was Individuelles oder konkret halt eine Frage des Alters. Also als Kind findest du was lustig, was du als Erwachsener vielleicht nicht mehr lustig findest. Und ich wollte es dann aber auch im Umkehrschluss wissen, warum denn die Besucher im Museum den Film jetzt so witzig fanden und ich halt nicht. Und darauf hat Willibald Ruch auch eine Antwort. 

              Willibald Ruch 

              Das optimale Niveau, also gefordert zu werden, meine geistigen Fähigkeiten werden gefordert, ich sollte nicht überfordert werden und nicht unterfordert werden. Und das Problem könnte sein, dass ich nach einer gewissen Zeit einfach unterfordert werde und von daher verarbeite ich das gar nicht so tief. Der Effekt ist natürlich schon, wenn etwas zu einfach wird, wenn ich es zu schnell verstehe, dann gehe ich gar nicht so in die Tiefe beim Verarbeiten und die Inkongruenz muss ja groß sein, damit ich dann auch wirklich intensiv auch eine Lösung suche. 

              Und wenn das zu gering ist, dann engagiere ich mich gar nicht. Von daher ist die Lösung auch nicht so ein Heureka Moment. Also das sagen zumindest die kognitiven Studien, dass ich halt so ein optimales Verarbeitungsniveau haben muss. Und das wird gestört durch ein Thema, das mir nicht behagt oder wenn es zu vorhersehbar ist oder zu kompliziert. 

              Lukas 

              Das musst du mir noch mal kurz so ein bisschen zusammenfassen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich da alles verstanden habe. 

              Ralph 

              Ja, also Willibald, der hat ja den Begriff Inkongruenz genannt, der ist jetzt hier wichtig. Das heißt so viel wie nicht deckungsgleich. Und im Beispiel eines Witzes ist es so, der Witz lebt ja davon, dass er eine Pointe hat, also eine Auflösung. Und eine Auflösung, die man nicht erwartet, mit der man nicht rechnet. Und wenn man jetzt einen Witz hört, dann hört man ja einer Geschichte zu. Man baut dann so eine Erwartungshaltung auf, Spannung wird aufgebaut. Ja, und wenn eine Pointe kommt, dann ist das so ein Dreh, den man halt nicht erwartet. Also die Inkongruenz noch mal, um das zu beschreiben, ist der Unterschied zwischen dem, was man erwartet und was wirklich eintritt. Und daraus erfolgt eben dieser Humor. Also im konkreten Fall von Laurel und Hardy ist es so, dass die zum Beispiel da Gags haben, wo einer auf einer Bananenschale ausrutscht oder so. Du siehst vorher die Bananenschale und dann rutscht darauf aus oder jemand hebt eine Torte auf und wirft die jemand anderen ins Gesicht. 

              Ralph 

              Für mich war dieser Gag halt irgendwie altbacken. Also man erwartet ja eigentlich schon, wenn die Schale daliegt, dass da jemand drauf ausrutscht und deswegen fand ich das jetzt nicht lustig, weil sich das ja gedeckt hat mit meiner Erwartung. So, und wenn du jetzt Monty Python oder so hast als krasses Beispiel, das ja irgendwie manchmal so, dass so ein so total Nonsens Humor, dann finde ich den halt auch wahrscheinlich lustiger als Laurel und Hardy. 

              Lukas 

              Weil man so gar nicht weiß, in welche Richtung das geht. 

              Ralph 

              Ja genau, man wird da total überrascht. 

              Lukas 

              Ja, ergibt Sinn. 

              Ralph 

              Jetzt hat ja Willibald Ruch davon erzählt, wie Humor entsteht. Und ich habe auch kurz über den Humor von Laurel und Hardy erzählt. Jetzt ist ja trotzdem die Frage Wie ist es bei mir? Weil ich habe nicht drüber gelacht, so herzhaft in diesem Film. Ich konnte ein bisschen schmunzeln, das war es aber auch alles. Und ich habe dann auch überlegt, über was lache ich denn eigentlich sonst? 

              Lache ich überhaupt über irgendwas? Und ich lache ja schon manchmal, das musste jetzt zugeben, manchmal, ganz selten, da lache ich schon mal! 

              Willibald Ruch 

              Ja, das stimmt. 

              Ralph 

              Und bei mir ist das aber eher so Situationskomik oder halt, wenn ich mit Leuten irgendwie zusammen bin, aus Gesprächen heraus oder so. Willibald Ruch, der hat ja zu dem Thema Humor geforscht und hat auch herausgefunden, dass das was über uns aussagt, worüber wir lachen. Und ich wollte natürlich wissen, was sagt denn das über mich aus, dass ich über solche Dinge lache? 

              Und das war seine Einschätzung. 

              Willibald Ruch 

              Es gibt so fünf große Komponenten, und was Sie jetzt beschreiben, ist eine dieser Komponenten, nämlich mag ich Konserven Humor oder soll ich es möglichst live, flexibel, kreativ sein? Und es gibt halt Leute, die mögen sozusagen die Wiederholung und die mögen Witze, die ähnlich sind zu solchen, die sie schon kennen. Und das soll in einer Konservenform also in Witzen oder Cartoons vorkommen, während andere lieber spontan lustige Bemerkungen machen oder wo es um einen schnellen, schlagfertigen Austausch mit anderen geht. Das kenne ich auch gut. Und ja, das hat wahrscheinlich auch mit Ihrer, sage ich mal, mit Ihrem Grad an Kreativität oder Offenheit für neue Erfahrungen zu tun. Also wenig Kreative werden wahrscheinlich eher feste Strukturen mögen und kreativere Leute sind dann sensibler auf das, was spontan passiert. 

              Lukas 

              Okay, das heißt, er hat gesagt, du bist nicht humorlos, sondern einfach nur kreativ. 

              Ralph 

              Ja, mir hat diese Antwort natürlich sehr gefallen. 

              Lukas 

              Das kann ich mir gut vorstellen. Ja, aber es ist ja auch so, zum Beispiel, wenn wir über Humor reden. Vielleicht kannst du dich an diese Diskussionen vor ein paar Jahren noch erinnern über das kommende Programm von Mario Barth, was ja letztlich auch total vorhersehbar ist, weil es ja immer nur darum, dass er mit Geschlechterklischees um sich geworfen hat. Aber er hat damit Stadien gefüllt, also da hat er hat ja mehr Hunderttausende Menschen, wahrscheinlich sogar Millionen Menschen. Wenn du das zusammenrechnest, hat er mit dem immer gleichen Stereotyp in Stadien rein gelockt. Also das heißt, es muss ja also Konservenhumor muss ja funktionieren, zumindest für gewisse Schichten in der Bevölkerung für Schichten. Hört sich so wertend an, aber halt zumindest für eine gewisse Art und Weise, wie Humor von Leuten wahrgenommen wird oder empfunden wird. 

              Ralph 

              Ja, in unserer Gesellschaft scheint es so, dass eben sehr viele Leute etwas mit dem Humor von Mario Barth anfangen können. Aber ich glaube, das liegt auch daran, weil das so ein, wie soll ich sagen, ein alltäglicher Humor irgendwo ist. Also klar, es geht die ganze Zeit eigentlich nur um Mann, Frau, was ist der Unterschied und wie doof ist die eine Person, das eine Geschlecht. 

              Aber das sind halt Themen, mit denen viele Leute was anfangen können und wenn ich jetzt irgendwie überleg, Monty Python noch mal, um darauf zurückzukommen Was gibt es zum Beispiel… Ritter der Kokosnuss oder so, wo teilweise total schräger Humor ist, wenn ein Kaninchen plötzlich anfängt, die Leute zu killen, dass da vielleicht nicht jeder was mit anfangen kann. 

              Lukas 

              Ich finde es aber auch sehr lustig. Noch ein Shout Out an meinen Kumpel Matze aus München, wo ich jedes Mal lachen muss, wenn ich bei ihm zu Besuch bin. Ich bin auf Klo, weil der hat nämlich aus den Monty Python Sketch vom Ministry of Silly Walks hat er Screenshots gemacht und hat die an seine Klotür gemacht. 

              Das ist so witzig, falls du den Sketch kennst. Für alle anderen: Wir werden das auch hoffentlich in die Show Notes reinstellen. 

              Ralph 

              Wir verlinken die Adresse von Matze, dann könnt ihr euch mal ein eigenes Bild davon machen. 

              Ralph 

              Ja noch kurz zur Forschung von Willibald Ruch. Er hat auch untersucht, welche Arten von Humor es gibt und was das in der Interaktion mit Menschen bewirken, was sie auslösen. Also zum Beispiel gibt es ja Witze auf Kosten von anderen, dass man sich über andere lustig macht und die runter buttert.  

              Die führen dazu, dass sich halt dann die Distanz zwischen den Leuten vergrößert. Während, wenn man sich jetzt über sich selber lustig macht in Gesellschaft von anderen, dann verringert das die Distanz. Das ist ein Riesenthema, diese Humor Forschung. Also er hat auch was über Ironie geforscht und Ironie und Sarkasmus, was das ist und wer jetzt mehr darüber wissen will. 

              Ich würde sagen, wir verlinken einfach mal zwei Buchempfehlungen von Willibald Ruch in Shownotes und dann könnt ihr selbst entscheiden, ob ihr das lesen wollt oder nicht. 

              Lukas 

              Sehr gerne. Das klingt gut. Jetzt haben wir so ein bisschen die Metaebene angesprochen. Ich würde aber noch mal ganz zurück zum Museum. Für wen ist dieses Museum geeignet? Wo würdest du sagen, gibt es eine Zielgruppe? Eine spezifische? 

              Ralph 

              Also Wolfgang Günther hat gesagt, das hat sehr viele Familien. Kommen jetzt gerade so Großeltern mit den Enkeln. Ich glaube, da funktioniert der Humor auch sehr, sehr gut. Da können die Generationen was mit anfangen, die können sich halt dann kurz mal die Ausstellung angucken, aber können sich eben auch hinsetzen und diese Filme angucken und drüber lachen. Wer jetzt was Wissenschaftliches oder so erwartet oder was, was wirklich sehr in die Tiefe geht, für den ist dieses Museum wahrscheinlich nichts, für den wär eher ein Gespräch mit Wolfgang Günther interessant, weil er eben in diesem Museum auch ein Archiv hat, wo er dann mehr über die Leben der beiden Komiker erzählen kann. 

              Aber ansonsten ich würde sagen, man ist da relativ schnell durch dieses Museum. 

              Lukas 

              Aber hat sie denn gefallen? 

              Ralph 

              Ich fand es cool, mal dort gewesen zu sein, weil ganz ehrlich, wenn wir diesen Podcast hier nicht hätten, dann wäre ich wahrscheinlich nicht extra nach Solingen gefahren, um dieses Museum zu besuchen. Aber ich fand es sehr spannend von Wolfgang Günther, diese ganzen Anekdoten über Dick und Doof zu hören, weil ich von denen auch nichts wusste. Und ich kannte die ja nur als die Komiker, die eben mit Torten schmeißen oder sich irgendwo anders verletzen im Film und sich gegenseitig eine reinhauen. Alles immer freundschaftlich. Und das fand ich dann doch spannend, auch zu sehen, welche realen Personen halt hinter diesen Leuten stehen. 

              Lukas 

              Ich glaube, ich weiß jetzt Bescheid. Vielen Dank. Das war auf jeden Fall echt superspannend. Und wenn man sich mit der Geschichte von denen auseinander zu setzen und auch danke noch, dass du hier noch mal die Stimme der Wissenschaft mit ins Boot geholt hast. 

              Ralph 

              Oh ja, gerne doch. Darauf erst mal einen Cocktail oder? 

              Lukas 

              Jetzt ist ja schon bald eins. Also von daher. Jetzt kann man Cocktails trinken. 

              Ralph 

              Ja, richtig. Und wer jetzt ins Museum gehen möchte: Wir verlinken natürlich die Adresse des Museums wie immer in den Shownotes. Nächstes Jahr im März steht dann auch 30-jähriges Jubiläum an und geöffnet hat das Museum immer am letzten Wochenende des Monats.  

              Gut, dann wären wir für heute durch. Aber es gibt ja auch ein nächstes Mal und da bist du wieder unterwegs. Kannst du da schon irgendwas erzählen drüber? Ja, irgendwas? 

              Lukas 

              Ja. Ich kann Folgendes sagen: Es war der lustigste Nachmittag in Jahren, den ich in diesem Museum verbracht habe. Ich hatte wirklich ordentlich Spaß und es wird ein paar Dinge geben, die wir bei Bitte nicht anfassen einspielen, die wir bislang noch nicht hatten. Und zwar ein paar. Ein Novum sozusagen wird es in der nächsten Folge geben. 

              Ralph 

              Okay, okay, jetzt nicht zu viel verraten. 

              Lukas 

              Es wird viel um Musik gehen. 

              Ralph 

              Ja, wie praktisch. Im Podcast ist Musik nicht schlecht. 

              Lukas 

              Deswegen sage ich ja, können wir da einiges reden. Auf die nächste Folge freue ich mich ganz besonders. Da habe ich jetzt schon Lust drauf die vorzubereiten. Das heißt, wir müssen uns noch gedulden. Und dann im Januar gibt es dann die nächste Folge. 

              Ralph 

              Dann wünschen wir euch schonmal jetzt einen guten Rutsch ins neue Jahr und wir hören uns dann 2023. 

              Lukas 

              Genau. Und wenn ihr uns jetzt unterstützen wollt, dann könnt ihr das tun, indem ihr zum Beispiel eine saftige fünf Sterne Bewertung dalasst. Oder ihr könnt uns natürlich Freunden, Freundinnen, der Familie, den Großeltern, wem auch immer weiterempfehlen. Wir haben auch einen Steady Account, falls ihr uns finanziell unterstützen wollt, denn bei uns ist es so, wir betreiben Bitte nicht anfassen komplett ehrenamtlich und machen da keinen Gewinn damit. Unser Ziel ist, wirklich kleine Häuser bekannt zu machen. Falls er den einen oder anderen Cent für einen Sprit Obolus zum Museum übrig habt oder so, freuen wir uns natürlich drüber. 

              Ralph 

              Geben ist seliger denn Nehmen. 

              Lukas 

              Richtig. Jetzt in der Weihnachtszeit ist es ja schön. 

              Ralph 

              Schön so ein schlechtes Gewissen machen wenn ihr jetzt nicht spendet. 

              Lukas 

              Gut, dann würde ich sagen, mach‘s gut, Ralph. Und bis nächsten Monat. 

              Ralph 

              Jo bis dann. Ciao Ciao. 

              Der Beitrag Das Laurel und Hardy Museum Solingen erschien zuerst auf Escucha.

              Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

              45 min
            • Warum wir Gold, Aluminium und kleine Läuse verspeisen - das Zusatzstoffmuseum Hamburg

                BITTE NICHT ANFASSEN! #11 – Das Zusatzstoffmuseum Hamburg 

                Show Notes 

                Gold, Aluminium und Schelllack: Das alles habt ihr vermutlich sogar schon einmal gegessen. Denn diese Dinge sind als Zusatzstoffe in Lebensmitteln zugelassen und tragen die sog. E-Nummern, die ihr auf der Zutatenliste eurer Lebensmittel seht. Auch Aromastoffe, die den Geschmack von Döner, Schinken und Bier verstärken, gehören dazu. Aber wie gelangen die in unser Essen? Und ist das jetzt schädlich? Das Zusatzstoffmuseum auf dem Hamburger Großmarkt gibt seit 2008 Antworten darauf. Zeit für einen Trip mit Museumsdirektor Christian Niemeyer in die Geschichte, Gegenwart und Zukunft unserer Lebensmittelversorgung.

                Hilfreiche Links: 

                Hier gibt’s das Lexikon der Zusatzstoffe online: https://www.zusatzstoffmuseum.de/lexikon-der-zusatzstoffe.html

                Das Zusatzstoffmuseum setzt sich in einer Petition für faire Kennzeichnung bei Lebensmitteln ein: https://www.zusatzstoffmuseum.de/petition.html

                Weitere Infos über das Saccharin:

                https://de.wikipedia.org/wiki/Saccharin

                954 Saccharin

                Zur Entdeckung des Süßstoffs gibt es übrigens eine tolle Folge von BehindScience: https://behind-science.blogs.julephosting.de/24-constantin-fahlberg-suesses-ohne-zucker

                Infos zum Museum:  


                Deutsches Zusatzstoffmuseum
                Grossmarkt
                20097 Hamburg

                www.zusatzstoffmuseum.de

                über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                 Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

                ~~~~~
                Kontakt: 
                Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/  
                E-Mail: info[at]escucha.de  

                Wollt ihr uns unterstützen?  

                Dann schaut doch auf unserer Steady-Seite vorbei: https://steadyhq.com/en/bitte-nicht-anfassen  

                Podcast-Credits:   

                Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
                Produktion: Escucha GbR  
                Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
                Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

                Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

                Transkript

                00:00:34:08 – 00:00:34:23

                Ralph

                Hallo, Lukas.

                00:00:35:12 – 00:00:36:11

                Lukas

                Hallo, Ralph. Grüß dich.

                00:00:37:05 – 00:00:59:24

                Ralph

                Ja. Und grüße auch an alle, die uns zuhören. Wir sind hierbei. Bitte nicht anfassen! Dem Podcast eures Vertrauens. Wenn es um kleine und skurrile Museen geht. Und das Konzept dahinter ist ja, dass immer einer von uns beiden ein Museum besucht. Eben ein kleines und skurriles Museum und dem anderen und euch da draußen erzählt, worum es eigentlich geht in dem Museum.

                Und der andere, der hat ja meistens keine, keine Ahnung, worum es geht. Und in diesem Fall bin ich derjenige, der wieder mal keine Ahnung hat.

                00:01:09:18 – 00:01:33:04

                Lukas

                Ja, das hast du schön ausgedrückt. Ich jetzt nicht besser erklären können. Ja, weil ich war für dich diesen Monat in Hamburg auf dem Hamburger Großmarkt. Denn da gibt's ein Museum, das seit 2008 besteht und das sich um ganz kleine Dinge dreht, die jeder von uns schon tausendfach zu sich genommen hat. Tja.

                00:01:33:12 – 00:01:35:04

                Ralph

                Und möchtest du ein bisschen präziser werden?

                00:01:35:13 – 00:01:55:08

                Lukas

                Natürlich, damit du weißt, worum es geht. Ich habe dich ja vor der Folge gebeten, dir für diese Folge zwei Lebensmittel mit in das Studio zu holen. Und zwar einmal Sojasauce und einmal Ketchup. Und vielleicht kannst du mal die Sojasoße nehmen und mal hinten auf der Zutatenliste vorlesen, was da alles drauf ist.

                00:01:56:10 – 00:02:04:14

                Ralph

                Ja, okay. Zutaten Wasser, Sojabohnen, Weizen und Speisesalz.

                00:02:05:15 – 00:02:29:12

                Lukas

                Okay, krass. Ist gar nicht mehr drin. Okay, faszinierend. Okay. Ich hatte gehofft. Ich hatte gehofft, dass da doch ein bisschen mehr auf der Liste steht. Ich habe mal zum Vergleich auch eine Sojasauce mitgenommen. Bei mir ist das Gleiche drin, was bei dir draufsteht und noch zusätzlich ein Konservierungsstoffe und zwar Kalium Sorbet. Ich bin der Meinung, dass es dann beim Ketchup anders aussehen wird.

                00:02:30:08 – 00:02:35:15

                Lukas

                Bitte nimm mal das Ketchup zur Hand und lies dir mal vor, was hinten auf der Zusatz Liste steht. Auf der Zutatenliste steht.

                00:02:37:02 – 00:02:56:07

                Ralph

                Ja und es ist nicht gegen das Mikro gekommen. Zutaten von von Tomaten, Ketchup 72 % Tomatenmark einfach konzentriert, Zucker, Branntwein, Essig, Salz, Gewürze, Zwiebeln, Pulver und Paprika Pulver.

                00:02:57:11 – 00:03:21:00

                Lukas

                Auch hier bin ich ehrlich gesagt ein bisschen überrascht, weil ich auch hier dachte, dass mehr auf der Liste drauf steht. Ich habe hier zum Vergleich auch ein Ketchup mitgebracht Das gute Hella Gewürz Ketchup. Einer der Geschmäcker meiner Kindheit, würde ich mal sagen. Und bei mir ist nämlich noch drinnen. Und zwar Säure, eins Mittel Zitronensäure, dann Verteidigungsmittel, und zwar Guakernmehl, Johannesbrotkernmehl und ich habe noch Natrium Laktat drinnen als Säure Regulator und als Geschmacksverstärker Mono Natrium Glutamat. Also da ist die Liste ein bisschen länger als bei deinem Ketchup.

                00:03:33:00 – 00:03:40:21

                Ralph

                Ja, gut, aber meiner ist ja auch total basic, weil bei mir heißt der Tomaten Ketchup. Und ich habe genau gesehen, dass bei dir Gewürz Ketchup draufsteht.

                00:03:41:03 – 00:04:02:06

                Lukas

                Ja, das stimmt. Es kann sein, dass es aber jedenfalls ist. Meine Zutatenliste ist ein bisschen länger bei meinem Ketchup und bei meiner Sojasoße auch. Vielleicht hast du schon erahnt, worum es heute gehen wird. Es geht nämlich genau um diese Zutatenliste. Und es geht vor allem um Stoffe, die Lebensmittel hinzugefügt werden, um eine gewisse Funktion zu erfüllen. Es geht nämlich um Zusatzstoffe.

                00:04:02:24 – 00:04:09:06

                Ralph

                Hmmm, ja, gehört habe ich das schon, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht genau, was Zusatzstoffe sind.

                00:04:09:19 – 00:04:34:17

                Lukas

                Ja, also Zusatzstoffe sind. Also es sind Stoffe, die du Lebensmittel hinzu gibst, die irgendeine Funktion in diesem Lebensmittel ausüben. Also zum Beispiel wäre ein Zusatzstoff Backpulver, weil Backpulver ist ein chemisch hergestellter Stoff, der dafür sorgt, dass dein Kuchen aufgeht. Also diese Funktion des Backpulver wird erfüllt und damit ist es ein Zusatzstoff. Andere Zusatzstoffe sind die und davon hast du bestimmt schon mal gehört.

                00:04:34:23 – 00:04:54:07

                Lukas

                Die diese Nummern haben hinten, die gibt es ja auch auf diesen Zutatenliste drauf. Und ich hatte ein bisschen gehofft, dass du auf deiner Sojasoße oder auf deinem Ketchup eine Nummer hinten drauf hast, da ich schon bei mir keine gefunden habe. Vielleicht werden die gar nicht mehr verwendet, aber jedenfalls alles, was eine Nummer hat, ist dann offiziell in der EU zugelassener Zusatzstoff.

                00:04:54:12 – 00:05:27:17

                Lukas

                Da kümmert sich die Europäische Behörde um Lebensmittelsicherheit mit dem Sitz in Parma in Italien drum und diese Zusatzstoffe, die darfst du quasi in Lebensmittel reinmachen. Ja, und die Idee von dem Zusatzstoff im Museum ist es ist so ein bisschen eine Bildung dafür zu schaffen und eine Kommunikation dafür zu schaffen, was wir eigentlich zu uns nehmen, woher diese Zusatzstoffe kommen und dass die Industrie da manchmal auch wirklich sehr, sehr offen, fast so ein bisschen leichtsinnig damit umgeht.

                00:05:27:17 – 00:05:46:14

                Lukas

                Weil es natürlich wahnsinnig viele Möglichkeiten gibt, Sachen ein bisschen zu kompliziert darzustellen oder andere Bezeichnungen zu verwenden. Und so weiter und so fort. Und dann weiß man gar nicht mehr so genau, was eigentlich alles in unseren Lebensmittel drin ist. Das Zusatzstoffe Museum, das möchte das so ein bisschen verhindern oder? Bzw halt nicht verhindern. Aber halt drüber aufklären.

                00:05:47:01 – 00:06:08:12

                Ralph

                Ja, klingt unglaublich spannend, aber ich absolut mit beschäftigt, muss ich zugeben. Ich lese auch. Ja, ich lese auch nicht immer die Zutatenliste, ganz selten tatsächlich nur auf meinem Ketchup, weil ich den jetzt noch hier habe. Da heißt es auch ohne Zusatz von Geschmacksverstärker Aroma, Konservierungsstoffe. Sind diese drei Begriffe denn auch Teil von den Zusatzstoffen?

                00:06:09:00 – 00:06:34:00

                Lukas

                Ja, da kommen wir auch später noch mal dazu, gerade auch was Aromastoffe betrifft. Das ist nämlich auch superspannend. Vielleicht noch ein kurzer Hinweis, denn auf dieses Museum sind wir gar nicht selbst gekommen, sondern das war ein Hinweis von zwei unserer Stamm Hörerinnen und zwar einmal von Andreas und von Melanie. Die beiden haben uns unabhängig voneinander das Zusatzstoff Filmmuseum empfohlen und da dachten wir, wenn es uns schon zwei Leute empfehlen, dann müssen wir da hinfahren.

                00:06:34:03 – 00:06:38:19

                Lukas

                Also danke Melanie und danke Andreas dafür für den Hinweis mit dem Zusatzstoffe Museum.

                00:06:39:03 – 00:06:41:03

                Ralph

                Ja und danke Lukas, dass du da hingefahren ist.

                00:06:41:13 – 00:07:06:17

                Lukas

                Ja, das hat wirklich wahnsinnig Spaß gemacht. Es ist ein tolles Museum. Genau. Jedenfalls. Es ist 2008 gegründet und von der Hamburger Lebensmittelkette Achtung wird es betrieben. Und wie ich schon gesagt habe, ist es auf dem Hamburger Großmarkt. Das ist ein bisschen schwierig zu finden. Was Sie auch freimütig auf der Homepage zugeben. Aber an der Pforte vom Großmarkt kann man fragen, wo das Zusatzstoffe Museum ist und die helfen einem sehr freundlich weiter.

                00:07:07:09 – 00:07:09:09

                Ralph

                Okay, also per Zufall stolpert man jetzt eigentlich nicht.

                00:07:09:09 – 00:07:32:12

                Lukas

                Nein, da muss man wirklich hin wollen. Ja, aber es ist ein Besuch absolut wert. Und geleitet wird das Museum von Christian Niemeyer. Christian Niemeyer ist selbst Biologe und leitet das Museum schon etliche Jahre und kümmert sich da um die Vermittlung. Und genau ihn habe ich eigentlich mal gefragt, was diese Nummern eigentlich bedeuten und woher das kommt.

                00:07:32:12 – 00:07:35:12

                Lukas

                Weil wir kennen die E Nummern, aber was steckt hinter diesen Begriffen?

                00:07:35:22 – 00:07:58:23

                Christian Niemeyer

                Also das E wird im Allgemeinen gelesen für Europa. Einige sagen auch edible, also essbar. Man muss dazu wissen, die Nummern für diese chemischen Substanzen gab es schon vor dem System der vier Nummern. Man hat für den Handel solche Sachen durchnummeriert, damit man weiß, wo man sozusagen den Handel regeln kann. Das war so was wie eine bestimmte Nummer für Pflanzen, Kohle, eine bestimmte Nummer für Kreide.

                00:07:59:07 – 00:08:16:12

                Christian Niemeyer

                Und als man noch 74 sich wirtschaftlich darum gekümmert hat, die Vorläufer Gruppierung der heutigen EU zu gründen, wollte man wirtschaftlich diese Stoffe abstimmen und hat gesagt okay, wenn wir sie zulassen für Lebensmittel, wir listen sie jetzt mal, was ist überhaupt überall im Einsatz und dann setzen wir das auf Europa davor.

                00:08:16:22 – 00:08:17:19

                Lukas

                Okay.

                00:08:18:00 – 00:08:33:01

                Christian Niemeyer

                Wichtig ist dafür, die Nummern fangen so 1E1 100 an, gehen aber in eine Nummerierung, daher bis über 1400. Es sind aber nicht 1400 E Nummern im Einsatz, sondern es sind ja nur 340 Nummern, die für Lebensmittel Verwendung gefunden haben.

                00:08:33:24 – 00:08:40:08

                Ralph

                Ich verstehe für Europa und die sind alle 3 bis 4 stellig oder was.

                00:08:41:02 – 00:08:42:21

                Lukas

                Ja genau in der Bezeichnung gehört.

                00:08:43:06 – 00:08:45:21

                Ralph

                Worum geht es denn da nicht bei eins los? Hast du das auch gefragt?

                00:08:46:13 – 00:08:49:05

                Lukas

                Die habe ich nicht gefragt, keine Ahnung. Aber jedenfalls.

                00:08:49:14 – 00:08:51:13

                Ralph

                Gleich noch eine andere Frage.

                00:08:52:19 – 00:08:55:21

                Lukas

                Bitte stellt die andere Frage. Vielleicht weiß ich da ja auch keine Antwort drauf.

                00:08:56:08 – 00:09:00:24

                Ralph

                Ja, ist das jetzt abgeschlossen mit den E Nummern oder können da noch zukünftig neue dazukommen?

                00:09:01:13 – 00:09:26:13

                Lukas

                Es verändert sich also, es können auch neue dazukommen. Es fallen auch immer mal wieder welche raus, weil zum Beispiel gemerkt wird, dass verschiedene Nummern Reaktionen hervorrufen, die man vorher noch gar nicht gekannt hat. Also von diesen 340 zugelassenen Stoffen sind 60 bis 70 diskussionswürdig und es gibt zum Beispiel auch Nummern, die nur für einzelne Lebensmittel zugelassen sind. Also ich habe mal ein Beispiel dafür.

                00:09:26:22 – 00:09:42:19

                Lukas

                Und zwar gibt es eine Nummer, die nur im britischen Hering zugelassen ist, und die sorgt dafür, dass der britische Dosen Hering schön braun bleibt. Aber dieser Stoff ist in keinem anderen Lebensmittel zugelassen.

                00:09:43:07 – 00:09:45:16

                Ralph

                Da fragt man sich schon Warum braucht es einen eigentlich?

                00:09:46:00 – 00:10:08:10

                Lukas

                Ja, das hat ganz viel mit europäischer Essens, Kultur und mit europäischen Eigenheiten zu tun. Es gibt auch zum Beispiel Stoffe, die nur im Parmesan zugelassen sind und in keinem anderen Käse. Also das ist total interessant. Es hat auch viel mit der Geschichte zu tun, es hat viel mit traditionellen Herstellungsverfahren zu tun. Genau das wird aber von der Europäischen Lebensmittelbehörde in Parma festgelegt.

                00:10:09:09 – 00:10:29:17

                Lukas

                Und es ist ja so, also diese Kategorisierung bei Keith, das ist natürlich super schwierig, weil wenn wir uns jetzt zum Beispiel mal die Geschichte der Zusatzstoffe angucken, dann ist es so, dass so viele Nummern und diese ganze Klassifizierung, das ist ein total junges Phänomen, also vorher hat es das natürlich nicht gegeben und vorher war es natürlich kaum reguliert.

                00:10:30:03 – 00:10:34:20

                Ralph

                Der Christian Niemeyer, der hat ja, glaube ich, auch gesagt, dass das erst in den 70er Jahren aufgekommen ist, oder?

                00:10:35:11 – 00:10:55:21

                Lukas

                Ja, genau richtig. Aber die Geschichte der Zusatzstoffe ist wahrscheinlich so alt wie die Geschichte des Kochens, weil Menschen schon immer Sachen hinzugefügt haben. Aber das war nicht immer gut. Ein Beispiel, was weniger gut gelaufen ist, was aber einer der ältesten Zusatzstoffe ist, die benutzt wurden. Das erklärt ja auch Christian Niemeyer mal.

                00:10:56:04 – 00:11:18:20

                Christian Niemeyer

                Bis in die Antike zurück. Da haben wir Bleizucker im Wein. Also die Winzer haben damals sich Methoden ausgedacht, weil es ja keinen Zucker gab und Honig teuer war, den Wein zu süßen, der gut ankam. Und so hat man dann eine Substanz hergestellt, die nannte sich im antiken Rom Frutum und wurde zu Speisen und Getränken eingesetzt und hat die Leute eben mit einem langsam wirkenden Schwermetall Nervengift versehen, mit dem Blei.

                00:11:19:08 – 00:11:40:03

                Christian Niemeyer

                Und das war durchaus umstritten schon in Rom zu der Zeit. Es ist nicht so, dass man sagt, na ja, die Alchemie oder keine Ahnung, sondern man konnte es mal für Abtreibung einsetzen und das hätte man durchaus schon Haupt und Nebenwirkungen nutzen können oder besprechen können. Nur es braucht sehr lange, bis wirklich eine funktionierende Analytik die Leute davor schützen kann, dass das eingesetzt wurde.

                00:11:40:10 – 00:11:46:23

                Ralph

                Ja, Analytik. Okay, diese Analytik, die hat man jetzt seit den 70er Jahren, oder wie genau soll es so lange dauern?

                00:11:47:07 – 00:12:07:15

                Lukas

                Ja, das hat sehr lange gedauert, weil die Geschichte wirklich sehr interessant ist. Es gibt zum Beispiel heute noch Zusatzstoffe, die genauso in Lebensmitteln verwendet werden, wie das in der Antike schon der Fall war. Jetzt natürlich nicht das Frutum. Glücklicherweise, weil wir natürlich keine Lust auf eine Bleivergiftung nach dem Rotwein Konsum haben. Aber wenn wir mal beim Rotwein bleiben.

                00:12:08:03 – 00:12:34:18

                Lukas

                Rotweine werden auch heute noch geschwafelt und Schwefel ist auch schon in der Antike als Zusatzstoff hinzugefügt worden und Schwefel hat heute die Nummer 220 und Schwefel gibst du Schwefel den Wein, damit der erstens länger haltbar bleibt und damit er nicht braun wird, der würde nämlich sonst oxidieren, also eine chemische Verbindung mit Sauerstoff eingehen und deswegen fügst du dem Schwefel, dem dem Wein hinzu.

                00:12:34:18 – 00:12:57:09

                Lukas

                Und das ist, wie gesagt, die Zusatzstoff Nummer E 220. Na ja, und jetzt ist es halt so, dass jetzt ja abseits von den Zusatzstoffen, die quasi so in der Natur vorkommen, die man Sachen hinzufügen kann, wie zum Beispiel jetzt im Schwefel gibt es natürlich Sachen, die innerhalb der Geschichte der Menschheit immer also Zusatzstoffe, die hergestellt wurden.

                00:12:57:15 – 00:13:18:13

                Lukas

                Und das geht vor allem im 18. Jahrhundert los, aber erlebt den Boom im 19. Jahrhundert. Also im Prinzip hat sich da, wie wahrscheinlich alles im 19. Jahrhundert so krass geändert, dass es eigentlich erst ab dann so wirklich Auswirkungen auf unser jetziges Leben hat. Vielleicht, um ein Beispiel zu geben. Hast du schon mal Saccharin gehört? Dem Begriff Saccharin.

                00:13:18:24 – 00:13:26:07

                Ralph

                A la Saccharin? Ja, ja, ähm. Ich verbinde das irgendwie mit Zucker.

                00:13:27:09 – 00:13:56:13

                Lukas

                Ja, genau. Also, Saccharin ist ein Süßstoff. Das ist ein künstlicher, süßer Erzeuger. Und die Geschichte dahinter ist total spannend, weil Saccharin wird ja bis heute verwendet. Der Stoff ist nämlich 1878 zufällig in den USA entdeckt worden. Und zwar war da ein deutscher Wissenschaftler, Konstantin Wahlberg. Und der hat in New York bei seinem Professor Ira Ramsen geforscht. Und die wollten eigentlich die Verbesserung der Zuckerproduktion erreichen.

                00:13:56:16 – 00:14:24:08

                Lukas

                Die wollten eigentlich die Zucker Ernte optimieren, damit die da einfach eine Ernte Verbesserung haben. Und da haben die ein bisschen mit Kohlenstoff herumexperimentiert und der Legende nach ist es so, dass Konstantin Wahlberg sein Brot in dieser in einer dieser künstlichen Kohlenstoff Verbindungen hat liegen lassen. Und dann hat er bei der Mittagspause gemerkt, dass das auf einmal total süß geschmeckt hat, obwohl er keinen Zucker darin hat.

                00:14:24:18 – 00:14:54:18

                Lukas

                Dann haben die das halt weiter überprüft und haben dann einfach gemerkt Ja, krass, die haben den ersten künstlich hergestellten Süßstoff zufällig gefunden. Und dann ist es so, dass Konstantin Wahlberg aus den USA nach Deutschland gegangen ist und hat das Patent und alles dafür für das Saccharin in Deutschland angemeldet. Deswegen hat er in den USA einen ziemlich beschissenen Ruf, weil er als Verräter gilt und als derjenige, der quasi US amerikanische Erfindung einfach nach Deutschland mitgenommen hat.

                00:14:54:18 – 00:15:05:09

                Lukas

                Und in Deutschland bzw dann dem deutschen Kaiserreich hat das angemeldet. Aber und das ist total interessant, es gilt quasi als Süße für die Armen, weil es natürlich viel, viel billiger ist als Zucker.

                00:15:06:21 – 00:15:11:10

                Ralph

                Aber hat nicht Süßstoff den Ruf, dass es eigentlich gesundheitsschädlich ist? Aus Zucker?

                00:15:12:09 – 00:15:14:22

                Lukas

                Das ist so eine Frage. Welcher Süßstoff? Das gibt es auch.

                00:15:14:23 – 00:15:15:17

                Ralph

                Oder irgendwie so was.

                00:15:15:18 – 00:15:44:22

                Lukas

                Da gibt es ja mittlerweile ganz viele verschiedene und da gibt es, glaube ich keine einfache Antwort. Beziehungsweise würde ich mir jetzt die nicht zutrauen, weil ich glaube, dass halt verschiedene Süßstoffe also jeder Zusatzstoff hat natürlich auch irgendwelche Auswirkungen, von daher keine Ahnung. Und ich glaube, dass das süßes Mittel nicht ohne sind. Aber in dem Fall ist es halt einfach so, dass dieses Süße für die Armen, also das Saccharin, dafür gedacht war, um Menschen halt billig mit Lebensmittel zu versorgen.

                00:15:45:22 – 00:16:02:01

                Lukas

                Die Zusatzstoffe sind nicht immer nur billiger Ersatz für eigentlich hochwertige Produkte, sondern irgendwann entdeckt es auch die Industrie für sich. Und das wiederum passiert dann nicht in Deutschland, sondern in den USA. Aber der Konzern, der hat auch für Deutschland große Auswirkungen.

                00:16:02:11 – 00:16:25:18

                Christian Niemeyer

                Da haben wir das Saccharin 1901 mit einer Firma verknüpft Monsanto, Monsanto ist in den USA gegründet und produziert nur Saccharin, nichts weiter, weil es ein so großer Markt ist. Insgesamt und hinten in der Ausstellung können wir auch anzeigen sehen. Das ist da aus dem Jahr 1964 von der Firma Monsanto. Da wird ein zweiter Süßstoff mit beworben Sarin.

                00:16:25:18 – 00:16:55:22

                Christian Niemeyer

                Und die überdecken gegenseitig ihre viel Geschmacksrichtungen. Und deshalb ist es jetzt da, beworben als The New Super Team for Diet Foods, sehr schön dargestellt mit einer Silhouette einer Dame im Badeanzug auf der Taille sozusagen. Sind die Pfeile, die jetzt die Taille schmal machen und das zeigt, da gibt es erst diesen Wandel mit Hollywood, mit dem neuen Image sozusagen des Aussehens, hat man jetzt auch vermarkten können, dass diese Stoff eben Kalorien freisetzt.

                00:16:56:16 – 00:17:03:03

                Ralph

                Ja, das sieht man mal, wie stark dann die Werbung ist und wie man also das Drehen und wenden kann, wie man eigentlich möchte.

                00:17:04:00 – 00:17:34:12

                Lukas

                Absolut. Also gerade so in den Sechzigern merkst du ja, wie diese Werbeindustrie vollkommen beginnt, die Konsumgewohnheiten der Menschen radikal zu ändern. Der Arme Leute Zusatzstoff wurde auf einmal total kommerzialisiert und mit so einem Hollywood Gedanken verbunden, nämlich dass er dünn macht und dass er eine gute Figur macht. Da siehst du einfach, wie so Zusatzstoffe, also wie die Industrie den Sinn und den Zweck von so einem Stoff radikal ändern kann.

                00:17:35:05 – 00:17:57:18

                Lukas

                Und das ist bei ganz vielen anderen Dingen genauso passiert. Und es ist auch immer, das passiert ja die ganze Zeit, dass irgendein Stoff beworben wird, der angeblich das und das auslösen soll, der früher für was ganz anderes eingesetzt wurde. Ja, und auch ganz deutlich sieht man das bei dem Einsatz von Aromastoffen. Also Aromastoffe sind jetzt keine Zusatzstoffe, weil die Zusatzstoffe erfüllen ja eine Funktion.

                00:17:58:03 – 00:18:26:01

                Lukas

                Und bei Aromastoffen ist es so, dass die ein Aroma künstlich erzeugen oder einen Geschmack künstlich hinzufügen, den man nicht hat, weil natürliche Produkte dafür zu teuer wären oder zu aufwendig werden. Und einen ganz berühmten Stoff und auch ein Stoff, der auch im 19. Jahrhundert erfunden wurde, ist sozusagen der erste künstliche Aromastoffe ist. Den hast du garantiert auch schon mal benutzt oder zumindest zu dir genommen.

                00:18:26:07 – 00:18:56:01

                Christian Niemeyer

                Um auch zum Beispiel geht es um die Aromastoffe. Das ist jetzt wieder eine weitere Gruppe. Da wird Vanille das erste Mal synthetisiert. Das heißt, man kann einen Duftstoff aus der Berliner Art bilden und damit den schönen, nebeligen Zucker produzieren. Und da nimmt sozusagen der Bereich der Industrie Fahrt auf. Und heute haben Sie zugelassen über 200.000 zweieinhalbtausend Aromastoffe, die sechs 7000 Düfte nachbauen können,.

                00:18:56:01 – 00:19:00:09

                Ralph

                7000 Düfte können diese Aromastoffe nachbauen. Habe ich das richtig verstanden?

                00:19:00:16 – 00:19:32:21

                Lukas

                Ja, es sind mehrere 1000. Ja. Es wird quasi deutlich, dass diese Industrie hier vor allem jetzt auch natürlich wahnsinnig kreativ ist. Was das Erfinden und das Hinzufügen von neuen Zusatzstoffen betrifft. Und ich sage dir mal ein ziemlich futuristisches Beispiel, an dem auch deutlich wird, wie kompliziert dieses Verhältnis sein kann. Es gibt nämlich einen Versuch, gerade mit Viren, also mit Bakteriophagen, Joghurt und Milchprodukte länger haltbar zu machen.

                00:19:33:12 – 00:20:00:01

                Lukas

                Die sollen quasi die Viren, die Viren sollen die Bakterien abtöten, die im Joghurt dafür sorgen, dass der Joghurt verfallen würde. So, jetzt müsstest du das natürlich aber deklarieren und wenn du jetzt auf die Zusatzstoffe Liste, auf die Zutatenliste drauf schreibst dieser Stoff enthält Viren, dann ist es natürlich schwierig. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Joghurt gekauft wird, relativ gering, weil wenn der draufsteht, der enthält Viren.

                00:20:00:01 – 00:20:30:20

                Lukas

                Viren verbindet man mit Müll, mit Krankheit, mit Erkältung, mit keine Ahnung was. Das würde kein Mensch kaufen. Und jetzt ist es so, das hat natürlich auch die Industrie erkannt und sagt natürlich Ja, wir dürfen es nicht. Wir nennen aber die Europäische Lebensmittelbehörde sagt, ihr müsst es aber deklarieren. Und jetzt ist es so, dass über zehn Jahre lang haben die hin und her kommuniziert und diskutiert und keine Ahnung, was, wie sie diese Viren benennen dürfen.

                00:20:31:11 – 00:20:51:22

                Lukas

                Und es ist so, dass dabei nichts rausgekommen ist, konnten sich nicht einigen und das hat zur Folge, dass und das ist ein bisschen das Paradoxon, dass, weil diese Frist verstrichen ist, müssen Sie das jetzt nicht angeben. Das heißt, wenn in deinem Joghurt Viren drin sind, müssen sie es nicht angeben, weil es sich in der Bürokratie nicht geeinigt haben, wie die das Ding jetzt richtig bezeichnen.

                00:20:52:01 – 00:21:04:20

                Ralph

                Was? Das ist ja ein Skandal, dass es genau so läuft. Eigentlich müssten es müsste das doch sein. Die Frist ist abgelaufen, deswegen dürfen Sie nicht die Viren reinpacken, richtig? Genau umgekehrt ist es ja wirklich. Das ist irgendwie eine Frechheit.

                00:21:05:13 – 00:21:32:09

                Christian Niemeyer

                Der Europäische Gerichtshof hat gesagt Wenn ihr es nicht schafft, eine Regelung dafür zu finden, beginnend 2008 bis 2019, dann erlauben wir jetzt schon, das einzusetzen ohne Deklaration, weil es doch so ein wichtiger Stoff ist. Und inwieweit die die Kennzeichnung da durchgesetzt wird, das war eben die eigentliche Frage. Also warum bemüht man sich nicht solche neuen Stoffe? Das sind ja jetzt keine Zusatzstoffe mehr auch dem Verbraucher kenntlich zu machen.

                00:21:32:17 – 00:21:47:07

                Christian Niemeyer

                Das ist immer der Wettbewerb zwischen Verbrauchern, Wissen, Marketing und Lobbyarbeit. Und das ist etwas, was die Ausstellung durchaus versucht ein bisschen mehr Kompetenz und Fachwissen in dieser Diskussion an den Normalverbraucher zu bringen.

                00:21:48:01 – 00:22:09:09

                Ralph

                Ich bin trotzdem nach wie vor wütend, weil ich finde, dass ist schon sehr stark Lobbyarbeit des Volkes ist. Das ist einfach skandalös und ich verstehe nicht, weil ja Niemeyer. Herr Niemeyer hatte gemeint, dass das kein Zusatzstoff wäre, aber man könnte doch einfach sagen, dass diese Viren jetzt einen Zusatzstoff werden, oder nicht?

                00:22:09:21 – 00:22:27:06

                Lukas

                Ja, aber ich glaube, das Ding ist halt, es ist ja eine super neue Methode, Viren da hinzuzufügen. Und ich glaube, deswegen ist es anders als Zusatzstoffe oder auch anders als Aromastoffe. Ich glaube einfach, dass sie noch mal eine andere Funktion erfüllen, weil es eine ganz eigene Kategorie ist. Und inwieweit es dann weitergeht, keine Ahnung. Also müssen mal gucken.

                00:22:27:06 – 00:22:45:20

                Lukas

                Vielleicht wird sich das ja in den nächsten in den nächsten Jahren klären. Aber ich glaube, das Beispiel zeigt halt einen ganz wichtigen Punkt Wir brauchen Zusatzstoffe in Lebensmitteln, um unsere Lebensmittelsicherheit und überhaupt generell unsere Ernährungssicherheit zu garantieren.

                00:22:46:14 – 00:23:11:11

                Ralph

                Für mich ist das ein Beispiel, das zeigt, wie sich auch unsere Gesellschaft in neuerer Zeit verändert hat. Also hin dazu, dass wir mehr Transparenz fordern, also dass eben alles gekennzeichnet werden muss. Das jetzt nicht nur bei Lebensmitteln, sondern es ist ja generell in unserer Gesellschaft so, wir wünschen uns ja von der Politik mehr Transparenz im Arbeitsleben, was weiß ich wo generell.

                00:23:11:19 – 00:23:34:02

                Ralph

                Und das zeigt ganz deutlich, dass ich zumindest in meiner Reaktion, dass ich mich dann darüber aufregt, dass es eben nicht transparent ist bzw dass es so inkonsequent ist irgendwo. Weil einerseits gibt es ja diese Zusatzstoffe und diese Liste und die Hersteller sind verpflichtet, das anzugeben und es wahrscheinlich in Amerika oder in anderen Kontinenten noch mal anders als in Europa.

                00:23:34:02 – 00:23:45:22

                Ralph

                Vielleicht gehen wir später noch darauf ein, aber gleichzeitig versuchen dann Firmen irgendwie wieder einen Kniff raus zu spielen, um um das zu verdecken. Das ist echt schlimm.

                00:23:46:05 – 00:24:01:12

                Lukas

                Um mal noch ein bisschen Transparenz hinzuzufügen. Ein krasses Beispiel, wie zum Beispiel mit künstlichen Aromen ein Produkt erzeugt wird, das sich sonst eigentlich kaum jemand leisten könnte. Ist Himbeer Joghurt.

                00:24:02:02 – 00:24:26:22

                Christian Niemeyer

                Also die Hersteller selber sagen rund 25 % der Getränke und Lebensmittel im Supermarkt sind aromatisiert. Wir sind also relativ verwöhnt, was das Ganze angeht. Und Sie können hier so ein Extrem sich angucken. Wir haben immer so ein, zwei Preisvergleiche, da geht es jetzt hier um Joghurts, wenn Sie 100 Kilogramm Joghurt mit einem Himbeer Geschmack versehen wollen. Der Gesetzgeber gibt vor, wie viel Minimum in einem Produkt drin sein muss und Früchten.

                00:24:27:05 – 00:24:47:13

                Christian Niemeyer

                Aber wenn Sie in Europa arbeiten, dann haben Sie das heute noch für einige Hersteller. Die müssen 12 bis 15 % Früchte einsetzen bei den Himbeeren. Dann sind sie für 100 Kilo schon im Preisbereich, je nach Saison von über 30 € für die Rohware. Wenn Sie aber bei der Himbeere einen Duftstoff nachbauen, dann können Sie für 0,06 € Himbeer Duft in dieses Produkt bringen.

                00:24:47:17 – 00:24:48:23

                Christian Niemeyer

                Und das ist die Bandbreite.

                00:24:50:22 – 00:25:01:04

                Ralph

                Die Bandbreite, die auch zeigt, was was Marketing ausmacht. Weil es ist ja trotzdem. Es wird ja trotzdem als Himbeer Joghurt verkauft, wo es dann nur zum Teil so ist.

                00:25:01:23 – 00:25:23:09

                Lukas

                Ja, aber da gibt es dann verschiedene Bezeichnungen. Boah, ich weiß nicht. Also ich glaube, wenn das Frucht Joghurt heißt, dann hat soundsoviel Prozent wirkliche Früchte drinnen. Wenn es heißt Joghurt mit Frucht Erzeugnissen hat so viel drinnen und wenn es heißt mit Frucht Geschmack, dann hat es wiederum weniger Prozent. Also das können wir dann auch in die schauen und reinpacken.

                00:25:23:09 – 00:25:30:21

                Lukas

                Da gucke ich noch mal, da gibt es auf jeden Fall Bezeichnungen. Das ist ja auch so wie beim Apfelsaft der Apfelsaft Apfel Konzentrat. Und so weiter und so fort.

                00:25:30:21 – 00:25:34:08

                Ralph

                Saft, Konzentrat, direkt, Saft. Und so weiter. Gibt es ja auch.

                00:25:34:08 – 00:26:00:01

                Lukas

                Aber überleg dir mal, wenn du jetzt 100 Kilo Himbeer Geschmack möchtest oder Jogurt mit 100 Kilo Himbeer Geschmack was der mit was dich mit künstlichen Aromen 0,06 € kostet gegenüber 35 € für den Kilopreis für Himbeeren. Ich habe das mal nachgeguckt, was man so ungefähr auf dem Großmarkt nimmt. Dafür. Das heißt, dass die Aromen und das habe ich ausgerechnet 99,83 % billiger sind als die Frucht.

                00:26:00:24 – 00:26:43:05

                Ralph

                Es zeigt aber auch, wie sehr diese Zusatzstoffe schon angekommen sind bei uns und und ja, inwieweit wir vielleicht auch schon so ein bisschen den den Kontakt zu den natürlichen Lebensmitteln verloren haben oder so also das klingt jetzt so negativ, weil es hilft ja da dabei, dass es halt günstiger ist und trotzdem schmeckt. Also trotzdem glaube ich, regt es halt so, diese Erwartungshaltung, wenn man jetzt beispielsweise eine frische Himbeere kriegt oder als Kind jetzt als Kind, dann findet man immer süße Sachen sehr toll und dann kriegt man vielleicht irgendwie eine Frucht und die ist dann nicht süß und dann bleibt man nicht auf der Frucht hängen, sondern hätte gern lieber das aromatisiert.

                00:26:44:07 – 00:26:48:14

                Lukas

                Ja, absolut. Aber es geht halt nicht mehr ohne. Das ist halt so der Punkt.

                00:26:51:12 – 00:27:09:02

                Lukas

                was ich Total faszinierend finde ist Ich habe den. Ich habe das ja vorhin schon kurz erwähnt. Es gibt einen Teil im Museum, der kannst du in verschiedenen Aromen schnuppern und ich habe da gerade eine Gruppe von Gästen gesehen. Und dann habe ich mich zu dem Meeting gestellt und habe quasi gesagt, dass die für mich so ein kleines Experiment durchführen sollen.

                00:27:09:02 – 00:27:25:11

                Lukas

                Und zwar sollten die Aromen erraten. Also da gab's so kleine Fläschchen, da waren die konzentrierten Aromen drin und die kannst du aufmachen, da kannst du dann riechen. Und dann ging es ja darum Kannst du die erraten oder nicht? Und daher ist es am besten, einfach selber mal rein, weil das ist ziemlich witzig.

                00:27:26:03 – 00:27:48:24

                Gruppe Besucher

                Riecht an verschiedenen Aroma-Fläschchen, die nach Bier, Döner, Tequila oder Knoblauchbrot riechen sollen. Sie erkennen aber keine der Aromen und amüsieren sich darüber.

                00:28:28:07 – 00:28:45:04

                Ralph

                Krass, krass. Keine Ahnung davon, wie das riecht. Na gut, ich habe es jetzt auch nicht gerochen. Aber krass, hätte ich nicht gedacht, dass es so schwierig ist. Hast du das dann selber auch mal probiert?

                00:28:45:15 – 00:29:01:14

                Lukas

                Ja, ich habe es auch gemacht. Also Christian Niemeyer hat mir Muscheln gezeigt. Bei Muscheln habe ich irgendwie ein Schweinefleisch gedacht. Also das gerochen habe. Dann gab's noch Schinken an dem Döner habe ich auch gerochen, weil ich wissen wollte, ob der, ob ich das wirklich rieche. Aber keine.

                00:29:01:14 – 00:29:02:13

                Ralph

                Schinken, Döner?

                00:29:03:13 – 00:29:05:13

                Lukas

                Schinken, Döner, Schinken, Döner.

                00:29:05:13 – 00:29:05:21

                Ralph

                Was ist das?

                00:29:06:00 – 00:29:09:03

                Lukas

                Also Schinken, Schinken und Döner. Also Schinken.

                00:29:09:22 – 00:29:12:18

                Ralph

                Weiß ja nicht. Zusatzstoffe. Da gibt es ja alles nur Schinken und.

                00:29:13:01 – 00:29:18:09

                Lukas

                Käse und Döner. Tequila habe ich auch gerochen. Und dann. Also, das ist.

                00:29:18:14 – 00:29:19:23

                Ralph

                Das, war Tequila?

                00:29:20:07 – 00:29:39:03

                Lukas

                Nein, habe ich nicht. Das einzige, was ich halbwegs erraten hatte, aber auch nur so indirekt, war Pfefferminz. Weil da habe ich gesagt, es ist Zahnpasta und man hat ja, das ist ein Aroma, was in die Zahnpasta eingefügt wird. Also das war das Einzige, was ich erwartet hatte. Der Rest keine Chance. Also das ist so, also manche sind echt übel.

                00:29:39:03 – 00:29:54:15

                Lukas

                Mich hat es, glaube ich, so ein bisschen an die Folge vom Digusting Food Museum erinnert. Mit dem Altar of Stinky Cheese,. Also ich weiß nicht, ich war ja nicht im Museum in Berlin, aber da hatte ich halt wirklich auch so diese Aroma Gerüche, die ich teilweise noch ewig lang in der Nase hatte, weil die so intensiv waren.

                00:29:54:15 – 00:29:55:08

                Lukas

                Das war echt.

                00:29:57:02 – 00:29:57:21

                Ralph

                Faszinierend.

                00:29:58:19 – 00:30:23:07

                Lukas

                Und auch das zeigt wieder als Verbraucher bist du wirklich ziemlich machtlos, weil du, weil du gar nicht weiß, was halt alles wirklich drin ist und und jetzt finde ich, kommen wir zum Clou des Museums aus meiner Sicht, weil normalerweise könnte man dieses Museum ja jetzt so aufbauen, das soll diese Zusatzstoffe, sie ist in der Form und dann die Geschichte dazu, Stoffe und so, das haben ja auch alles gemacht.

                00:30:23:08 – 00:30:50:01

                Lukas

                Es ist auch alles total toll und didaktisch wertvoll. Aber was mir am besten gefallen hat, weil ich das als Konzept super cool finde Die haben einen Supermarkt nachgebildet und das sind jeweils verschiedene Täfelchen. An den Wänden und auf den Täfelchen sind Lebensmittel abgedruckt und du gehst jetzt durch das Museum durch und hast einen Einkaufskorb dabei und kannst quasi diese Täfelchen nehmen und kannst ihnen Einkaufskorb legen.

                00:30:50:13 – 00:31:14:16

                Lukas

                Und am Ende, wenn du quasi einmal durch diesen Supermarkt durchgegangen bist, hast du eine Kasse und da kannst du Dinge einscannen und dann druckt ihr das wie bei dem Kassen Beleg aus. Nur die Zusatzstoffe, die in diesem Ding drin sind und auch quasi zu was für Kategorien, die dazu gehören und wie sich das anhört, habe ich mit Christian Niemann natürlich auch noch einmal aufgenommen.

                00:31:15:13 – 00:31:42:13

                Christian Niemeyer

                Also die Idee, diese Produkte, das ist mehr oder minder die Kinder Spur. Wir haben einzelne Produkte im Supermarkt gekauft und die Zutatenliste uns angeguckt. Wir wissen ja nicht mehr als der Hersteller. Das heißt, wir gucken auf die Zutatenliste und kaufen uns meinetwegen ein Streich Fett mit Butter Geschmack. Dann kann man das mitnehmen, einen kleinen Einkaufskorb einkaufen und hier haben wir eine kleine Kasse und das werden Sie vielleicht an einigen Supermärkten kennen.

                00:31:42:13 – 00:32:19:19

                Christian Niemeyer

                Jetzt sehen nehmen wir eine Streichcreme mit Butter. Geschmack hat in dieser Zusammensetzung sechs Zusätze und es wird uns hier ein kleiner Baum ausgeworfen und dann sehen wir, welche Zusätze typischerweise in so einem Streichcreme sind. Das wird ja mit e-norm angegeben, das haben wir auch noch uns dazu aufgenommen. Würde man jetzt hier zehn 20 Produkte einkaufen, kann man sich entweder herausfordern und sagen Ich krieg die meisten Zusatzstoffe oder die wenigsten zusammen und man kann darüber nachdenken, wie sehr ist man eigentlich mit dieser Information überfordert?

                00:32:19:20 – 00:32:22:21

                Christian Niemeyer

                Also liest man wirklich alle Zutatenliste beim Einkauf oder nicht?

                00:32:24:06 – 00:32:34:05

                Ralph

                Ja, spannend auch spannender Gedanke. Liest man alle Zutaten oder nicht? Aber selbst wenn, dann weiß man ja oft gar nicht, was damit anzufangen ist. Wie jetzt gerade mit den Nummern.

                00:32:34:20 – 00:32:55:01

                Lukas

                Richtig, genau das ist ja der Punkt. Also ich habe es ist jetzt ein paar Mal so durchgegangen, aber das muss so, ich möchte einfach, dass da fairer kommuniziert wird. Das ist sozusagen die Herangehensweise. So, jetzt ist natürlich die Frage, ich wollt natürlich den Rekordhalter der Zusatzstoffe rausfinden, weil ich wissen will, okay, in welchen Dingen gibt es die meisten Zusatzstoffe?

                00:32:55:08 – 00:32:56:19

                Lukas

                Hast du eine Idee?

                00:32:57:13 – 00:32:59:04

                Ralph

                Gehören auch Fertiggerichte dazu?

                00:32:59:21 – 00:33:02:11

                Lukas

                Ja, klar, alles. Also Fertigpizza ist genauso dabei.

                00:33:02:20 – 00:33:05:00

                Ralph

                Okay, er ist jetzt irgendwie mein guess gewesen.

                00:33:05:13 – 00:33:05:22

                Lukas

                Ist nicht nur.

                00:33:05:22 – 00:33:06:14

                Ralph

                Fertigpizza.

                00:33:06:22 – 00:33:09:04

                Lukas

                Nein, Pizza.

                00:33:09:04 – 00:33:09:17

                Ralph

                Tipp geben.

                00:33:10:06 – 00:33:11:01

                Lukas

                Was Flüssiges.

                00:33:11:12 – 00:33:18:07

                Ralph

                Was Flüssiges. Aber das muss irgendwas gepanscht sein. Vielleicht irgendwie so Tomatensoße oder so.

                00:33:19:05 – 00:33:41:15

                Lukas

                Ne Tomatensoße ist relativ entspannt. Am krassesten sind Energydrinks mit Abstand die größte. Ja, und was? Was sozusagen das ist, wo er am bislang am meisten Zusatzstoffe drin gesehen hat, ist eine Götterspeise mit Vanille Soße. Da sind auch die meisten. Da ist so ziemlich alles, was.

                00:33:41:16 – 00:33:43:09

                Ralph

                Ist, wie es.

                00:33:43:16 – 00:33:46:05

                Lukas

                Ist. Da ist alles drin, was es gibt. Genau so ist.

                00:33:46:05 – 00:34:06:17

                Ralph

                Es. Noch mal kurz zum Museum. Du hast da diesen Supermarkt angesprochen und hast auch gemeint, vorher ist das didaktisch alles schön aufgearbeitet. Was ist denn das erste, wenn man reinkommt, wo man da konfrontiert wird, wenn es jetzt um Zusatzstoffe geht? Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Heißt dann wirklich so Zusatzstoffe, Definition, Geschichte oder wie ist das?

                00:34:07:10 – 00:34:25:08

                Lukas

                Nee, also du kommst rein und das ist erst mal ein längerer Flur und das links ist dann sozusagen die der Empfang. Und dann geht es auch schon los mit so einem Supermarktregal, auf dem die Zusatzstoffe in diesen kleinen Fläschchen oder halt Beutelchen drin sind. Damit du mal siehst, wie die eigentlich aussehen. Aber letztlich das sind alles weiße Pulver.

                00:34:25:20 – 00:34:48:20

                Lukas

                In diesem Fluss selbst ist dann ein Zeitstrahl, wo es um die Geschichte der Zusatzstoffe geht. Also ich muss sagen, es ist ehrlich gesagt wirklich erst mal ein bisschen verwirrend, wenn du reingehst, weil du nicht so genau weißt, wo du jetzt anfangen sollst. Das liegt daran, dass es halt einfach glaube ich, so von der Örtlichkeit ist. Sieht eher aus wie ein paar Büros oder Lager, die aneinander gemacht sind und weniger wie ein Museums Museumsgebäude per se.

                00:34:49:03 – 00:35:08:10

                Lukas

                Das heißt, es ist auf jeden Fall schwierig da reinzugehen. Du brauchst erst ein paar Minuten, um dich zurechtzufinden, weil du nicht weiß, wo du jetzt anfangen sollst. Und bei einer Führung mitzumachen, hilft da auf jeden Fall sehr. Also beim Interview war es irgendwann mal so mit Christian Niemeyer. Wir hatten dann irgendwann mal, ich glaube so zehn Leute um uns rum, die dann zugehört hatten, weil der dann sozusagen noch eine Führung gegeben hat.

                00:35:08:10 – 00:35:31:01

                Lukas

                Und es war natürlich dann schon super spannend, ohne diese Führung, glaube ich, ist es einfach so viel drinnen, da stehen so viele Sachen rum. Dann gibt es noch einen Raum, wo Maschinen drinstehen aus der Lebensmittelindustrie hier, die zum Beispiel für die Verwendung von alkoholfreien Wein verwendet werden und so was. Aber das ist jetzt noch mal eine andere Dimension, die da aufgemacht würde, das würde ich sagen.

                00:35:31:01 – 00:35:40:21

                Lukas

                Das sollen sich einfach Menschen angucken, die sich, dass die zu Besuch sind beim Zusatzstoffe. Also es ist auf jeden Fall, es ist total interessant und es ist auf jeden Fall ein Besuch wert.

                00:35:41:08 – 00:35:53:07

                Ralph

                Und wie geht es dir jetzt damit, dass dieses Museum besucht? Und du bist ja auch jemand, der beim Essen eigentlich sehr darauf achtet, was er kauft und auch wie er die Sachen zubereitet usw. Hat sich dadurch was bei dir verändert?

                00:35:54:16 – 00:36:15:19

                Lukas

                Nicht so sehr glaube ich, weil ich glaube das ist so mit den meisten Dingen, dass ich über die meisten Dinge schon vergleichsweise Bescheid wusste. Jetzt natürlich nicht, woher das kommt und so, aber gerade beim Kochen ist es zum Beispiel so, dass ich halt also eigentlich nie mit künstlichen Aromen oder irgendwie so arbeite. Also so, keine Ahnung, so fertig.

                00:36:15:19 – 00:36:23:19

                Lukas

                Soßen oder Gemüsebrühe oder irgendwie so was damit mache ich. Eigentlich koche ich sowieso nie genug.

                00:36:24:05 – 00:36:36:12

                Ralph

                Ja, dann würde mich noch interessieren. Bei diesem Museum war es dann sehr stark besucht. Wer war da drin? Weil du, hast du gemeint, es ist so versteckt, dass da eigentlich nur Leute hingehen, die davon wissen, dass es da ist.

                00:36:37:16 – 00:37:05:03

                Lukas

                Ja, also als ich da war, waren schätzungsweise so 15 andere Leute noch in dem Museum mit drinnen und es war unter der Woche an einem Vormittag. Das heißt jetzt nicht die krasseste Zeit. Also ich glaube, es wird schon wirklich wahrgenommen und es ist auch wirklich so ein bisschen Geheimtipp der Museen in Hamburg, weil Hamburg ist natürlich als Kulturstadt, die hat natürlich Museen und gute Museen ohne Ende, aber ich glaube es als Geheimtipp ist es richtig gut und ich glaube auch, dass es da mittlerweile echt angekommen ist und die machen eine tolle Arbeit.

                00:37:05:03 – 00:37:12:14

                Lukas

                Also aus meiner Sicht vollkommen gerechtfertigt und das ist wirklich, also wenn du da hingehst die Wahrscheinlichkeit, dass da noch andere Besucher sind, ist sehr, sehr hoch.

                00:37:13:16 – 00:37:27:08

                Ralph

                Ja, was du mir jetzt erzählt hast, finde ich das auch total sinnvoll, dass es dieses Museum gibt, das einfach mal so die wie sagt meinen, dass das ins Bewusstsein ruft, was in unseren Lebensmitteln eigentlich drin ist.

                00:37:27:23 – 00:37:28:19

                Lukas

                Genau. Absolut.

                00:37:29:07 – 00:37:48:21

                Ralph

                Ja, wunderbar. Dann vielen lieben Dank, Lukas. Sehr, sehr spannend. Wirklich? Ja. Na ja, am Anfang war ich da skeptisch. Weil Zusatzstoffe. Das klingt jetzt nicht besonders spannend eigentlich. Das ist so ein sehr cooles Wort, wenn ich das mal so sagen darf. Aber ist dann doch wieder mal sehr spannend gewesen. Also würde ich wahrscheinlich auch besuchen.

                00:37:49:18 – 00:38:08:04

                Lukas

                Ja, und mich hat es ein bisschen tatsächlich an das Disgusting Food Museum erinnert, weil ich mir da auch am Anfang gedacht hab Boah, was ist jetzt dann das Disgusting Food? Irgendwie so spannend, eklig. Und ich dachte, dass das eher so diesen random Aspekt hat, so dass man halt mal kurz schockiert ist. Dann, als du gesagt hast, dass es ja eher darum geht, dass es ja diesen humanistischen Grundgedanken hat.

                00:38:08:04 – 00:38:30:09

                Lukas

                Also was wir als essen, also wie wir Ekel empfinden und so. Das war total spannend. Das hat so eine Dimension noch mal aufgemacht. Und im Zusatzstoffe Museum ist es halt auch so, dass es ganz viele verschiedene Dimensionen eines grundsätzlichen, einer grundsätzlichen Situation gibt, nämlich wie essen wir und was ist da alles dabei? Und das ist halt so der übergeordnete Teil und das finde ich total interessant, wenn man sich das, wenn man sich da.

                00:38:31:01 – 00:38:55:14

                Ralph

                Ja, weil es wirklich ein Museum ist, wo man so einen persönlichen Kontakt dazu hat, so eine persönliche Ebene, das ist ja oft so bei geschichtlichen Museen oder Anthropologisches Museum oder so, das ist ja von der Lebensrealität eigentlich verhältnismäßig sehr weit weg. Selbst wenn du jetzt in Bonn wohnst und gehst ins Bonner Stadtmuseum und erfährst du was aus dem Mittelalter, dann betrifft es dich ja in deinem Alltag eigentlich kaum.

                00:38:56:01 – 00:38:57:15

                Lukas

                Weniger zumindest. Ja, da.

                00:38:57:15 – 00:38:58:15

                Ralph

                Kannst du halt sagen, das.

                00:38:58:15 – 00:39:27:04

                Lukas

                Ding ist halt das Gebäude. Genau. Na ja, dann würde ich sagen, belassen wir es dabei. Das war meine Präsentation des Zusatzstoffe Museums in Hamburg. Ihr findet natürlich alle weiteren Informationen noch in den Shownotes mit Kontaktdaten, mit zusätzlichem Material, mit einer Liste. Und so weiter und so fort. Wir werden euch damit natürlich versorgen. Und Ralf, was mich jetzt interessieren würde Du bist ja dann im nächsten Monat dran mit dem Vorstand eines Museums.

                00:39:27:04 – 00:39:28:21

                Lukas

                Kannst du mir sagen, wohin es gehen wird?

                00:39:29:12 – 00:39:59:15

                Ralph

                Ja, das ist ja immer das Ding. Man muss eine Spannung aufbauen und darf nicht zu viel verraten. Es. Es geht in ein sehr, sehr kleines Museum. Ich glaube, das ist kleiner als das Museum, das du jetzt besucht hast für die Folge. Und es ist auch persönlicher. Also es ist ja und ich bleibe in Nordrheinwestfalen Nordrhein Westfalen. Ihr ja sehr gut ist auf jeden Fall wieder ein sehr ungewöhnliches Thema, was ich so noch gar nicht hatte.

                00:39:59:15 – 00:40:03:09

                Ralph

                Also bin ich gespannt, ob du da irgendwie Bezugspunkt zu hast oder nicht.

                00:40:04:12 – 00:40:06:07

                Lukas

                Ich bin auch gespannt. Ich freue mich drauf.

                00:40:07:02 – 00:40:15:15

                Ralph

                Und wenn euch jetzt die Folge gefallen hat oder ihr jemanden kennt, der sich mal mehr mit Essen sollte, dann schickt die Folge doch weiter.

                00:40:16:06 – 00:40:38:01

                Lukas

                Ja, und ihr könnt uns auch auf Steady unterstützen. Wir betreiben Bitte nicht anfassen! Ehrenamtlich! Wir haben da keinerlei Profit raus. Und wenn ihr unsere Arbeit gut findet und uns vielleicht den einen oder anderen Euro an Fahrtkosten Zuschuss zukommen lassen möchtet, dann macht das bitte unter steady. Bitte nicht anfassen und hört auch beim nächsten Mal wieder mit rein.

                00:40:38:15 – 00:41:18:03

                Ralph

                Ja, dann bis zum nächsten Mal. Tschüss.

                Der Beitrag Das Zusatzstoffmuseum Hamburg erschien zuerst auf Escucha.

                Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.

                41 min
              • Von der pazifischen Tiefseeschnecke zum Knopf in der Oberpfalz - das Deutsche Knopfmuseum Bärnau

                  BITTE NICHT ANFASSEN! #10 – Das Deutsche Knopfmuseum Bärnau 

                  Show Notes 

                  Heute reisen wir auf dem Rücken eines modischen Accessoires durch die Zeit: dem Knopf. Seit wann gibt es den? Warum sind Hemden für Frauen und Männer unterschiedlich geknöpft und wie wird überhaupt so ein Knopf hergestellt? Antworten auf diese und weitere Fragen haben wir von Andrea Bäuml erhalten. Sie ist Leiterin des Deutschen Knopfmuseums in Bärnau, einem kleinen Ort in Bayern unweit der tschechischen Grenze, der Anfang des 20. Jahrhunderts Knöpfe in die ganze Welt exportiert hat. Für diese Folge haben wir uns außerdem die Expertise eines Überraschungsgasts eingeholt.  

                  Hilfreiche Links: 

                  Foto von Museumsleiterin Andrea Bäuml: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220805_151019-scaled.jpg  

                  Hier findet ihr ein Foto des erwähnten Knopfpaars: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220805_144458-scaled.jpg  

                  Mehr zu Fibeln: https://itv-grabungen.de/magazin/die-fibel  

                  Verschlüsse an traditionellen asiatischen Gewändern:  

                  https://ltl-chinesisch.de/chinesische-kleidung/

                  Zur unterschiedlichen Knöpfung zwischen Frauen und Männern: http://www.marquise.de/de/themes/linksrechts.shtml 

                  Zum Podcast Ungeheuer Vernünftig – Rollenspiel und Wissenschaft: https://vernunftgeheuer.podigee.io/  

                  Der Link zum Beitrag des Bayerischen Rundfunk: https://www.ardmediathek.de/video/heimat-der-rekorde/der-groesste-und-kleinste-perlmuttknopf-der-welt/br-fernsehen/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzdjMmEwMDQ5LTUwNmItNGZhZS05ZDU4LTI4M2U4ZDZiNmZiOA 

                  Infos zum Museum:  

                  Deutsches Knopfmuseum 

                  Tachauer Str. 2 

                  95671 Bärnau 

                  https://www.deutsches-knopfmuseum.de/

                  über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                  Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                  Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                  Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                  Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                  BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                  Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                  Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

                   ~~~~~
                  Kontakt: 
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                  Podcast-Credits:   

                  Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
                  Produktion: Escucha GbR  
                  Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
                  Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

                  Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

                  Transkript: 

                  (Teaserton) Andrea Bäuml 

                  Nach dem Beitrag kamen unheimlich viele Paketlieferungen und Anrufe und Leute, die was spenden wollten und wissen wollten, wo sie es hinschicken sollen. Also das war schon so ein richtiger Katalysator. Es hat die Leute richtig motiviert. 

                  Intro 

                  Lukas 

                  Ja Hallo an euch alle da draußen und Hallo lieber Ralph zu dieser, ich würde sagen, ersten Jubiläums Folge von BITTE NICHT ANFASSEN, denn wir sind bei Folge Nummer Zehn angelangt. 

                  Ralph 

                  Ja endlich im zweistelligen Bereich. Hallo Lukas, auch von mir. Hallo an alle da draußen. Es ist ja so, dass ich heute wieder dran bin. 

                  Lukas 

                  Genau in der vergangenen Folge waren wir im Ziegelmuseum in Mainz und haben uns da mit der Geschichte von Ziegelsteinen und römischen Legionären und Keilschrift auseinandergesetzt. Und du hast ja schon angekündigt, dass es auch in dieser Folge wieder um ein besonderes Objekt geht, also um ein Museum, das sich um ein besonderes Objekt dreht. Und wenn ich mich richtig erinnere, geht es wieder in unsere bayerische Heimat Bayern. 

                  Ralph 

                  Richtig! Ja, es geht hier nach Bayern, in die Grenzregion, mal wieder. Ich leg diesmal auch direkt mit einem Ton los, den ich dir und allen da draußen präsentieren möchte, weil ich glaube, der wirft uns so richtig ins Thema rein. Und kurz zum Kontext dieses Tons, den wir gleich hören werden. Es ist so: Ich war eben in diesem Museum und habe da die Museumsleiterin getroffen. 

                  Die hat mich durch die Ausstellung geführt und zwischen den Ausstellungsräumen, also sozusagen im Gang, könnte man sagen, da standen zwei Schaufensterpuppen und die hatten was sehr Ungewöhnliches an sich. Und was das war, das hören wir jetzt. 

                  Andrea Bäuml 

                  Und hier, das ist das Bärnauer Knopfpaar: ein Damenkleid und ein Herrenanzug aus insgesamt 18.500 Knöpfen und mir ist erzählt worden, dass zwei Bärnauer Frauen an den beiden Kleidungsstücken sechs Wochen genäht haben. Und wer schon mal einen Knopf angenäht hat, weiß, wie wenig schön diese Tätigkeit ist. Und ich stell mir das immer als totale Folter vor, auch 18.500 Knöpfe annähen zu müssen. 

                  Viele Besucher fragen immer, ist es fürs Museum gemacht worden? Nein. Wir hatten in Bärnau früher eine Knopffachschule und während dieser Zeit gab es in Bärnau auch die IKNOFA, die Internationale Knopfausstellung. Und für diese Internationale Knopfausstellung ist die Kleidung hergestellt worden. 

                  Lukas 

                  Wow. Okay. Ja, ich verstehe, was du damit meinst. Wenn du sagst, dass wir direkt ins Thema reingezogen werden. Also, erstens wäre ich gerne auf die Internationale Knopfausstellung in Bärnau gegangen. Stell ich mir ziemlich witzig vor. Und zweitens, ich kann mir vorstellen, worum es in deinem Museum geht, lieber Ralph, denn ich glaube, wenn ich mir die O-Töne so anhöre, es geht um Knöpfe. 

                  Ralph 

                  Ja, es geht um Knöpfe. Ja, und warum diese internationale Messe, die IKNOFA in Bärnau stattgefunden hat, das hat ja die Frau. Bäuml, die du näher kennenlernen wirst, die hat ja erzählt, dass das Museum in Bärnau ist. Warum das alles in Bärnau stattgefunden hat und damit Bärnau auch zur kleinsten Messestadt der Welt wurde darum wird sich die heutige Folge drehen. 

                  Lukas 

                  Fantastisch! Das hört sich sehr spannend. Vielleicht kannst du mal kurz erklären, wo ist denn Bärnau genau? 

                  Ralph 

                  Ja, also Bärnau liegt in Bayern, wie du schon richtig erkannt hattest, und zwar in Ostbayern bzw. in der Oberpfalz, sehr nah an der tschechischen Grenze. Da sind es nur drei Kilometer hin und Bärnau ist ein relativ kleiner Ort. Also die haben nur 3.000 Einwohner und da führt halt so eine, so eine Hauptstraße durch den Ort. Entlang dieser Hauptstraße sind eigentlich die ganzen Häuser und da ist eben auch dieses Knopfmuseum. 

                  Also man fährt so um die Kurve herum und da erstreckt sich dann dieses weiße Gebäude mit dem Namen Knopfmuseum. Bei dem Knopf Museum, da handelt es sich um ein ehemaliges Kommun-Brauhaus. Das heißt, in der Vergangenheit wurde das genutzt, um Bier zu brauen für die Gemeinde. Ich finde das kommunale Baurecht, das wäre schon wieder ein Thema für eine eigene Folge. 

                  Da gibt es bestimmt auch ein Museum drüber. Das heißt, das vertiefen wir heute nicht, sondern wir bleiben beim Knopf. Und das Knopf Museum, das gibt es seit 1975, ist entstanden aus einer Sammlung eines Knopfherstellers aus der näheren Umgebung. Und das Museum war anfangs eigentlich ganz woanders beheimatet. Das war in der Bahnhofsstraße in einem Gebäude, ist dann in die Knopffachschule umgezogen und seit 1998 ist es eben im Kommun-Brauhaus. 

                  Du hast ja gerade eben schon die Leiterin des Museums kennengelernt, Andrea Bäuml. Sie hat auch einen persönlichen Anknöpfungspunkt, sozusagen. Das soll sie dir mal erzählen. 

                  Andrea Bäuml 

                  Also der Knopf ist eigentlich schon immer Teil meines Lebens. Meine Oma hat schon Heimarbeit gemacht. Heimarbeit heißt, sie hat Knöpfe in der Fabrik geholt, hat die zum Beispiel auf Karten aufnähen müssen oder sortieren müssen. Da haben wir als Kinder schon mithelfen dürfen. Wir haben für die Oma Schachteln gemacht. Dann wurden die Karten, die genäht wurden, in die Schachteln gepackt und wir durften dann wieder in die Fabrik mitgehen. 

                  Und dass ich in der Fabrik gelandet bin, war eigentlich Zufall. Ich war fertig mit meiner Ausbildung und dann suchte ich eine Arbeit. Und ja, es hat sich so ergeben und es war total interessant. Es war wirklich eine Zeit, die ich nicht missen möchte und irgendwie bin ich immer an dem Knopf hängen geblieben. Ich komme da irgendwie nicht los von. 

                  Ralph 

                  Ja, Andrea Bäuml hat während ihrer Arbeit auch die verschiedenen Abteilungen einer Fabrik durchlaufen. Sie war dann im Verkauf tätig für England und Irland, also für den Export und ja, sie kennt sich also wirklich sehr gut aus. 

                  Lukas 

                  Aber wie muss man sich denn so eine Fabrik vorstellen? Also ich, ich tu mich einfach schwer, so eine Faszination für Knöpfe zu verstehen, weil für mich ist ein Knopf halt irgendwie ein total alltägliches Objekt. Es ist ein Ding, was man braucht, um irgendwelche Kleidungsstücke geschlossen zu halten, jetzt im klassischen Sinne. Und dass es da so verschiedene Designs gibt, verschiedene Exportländer, wo man da hin exportiert und so ist es ja irgendwie schon ziemlich – Ja, also finde ich irgendwie sehr, sehr, sehr spannend, aber gleichzeitig für mich schwer nachzuvollziehen. 

                  Ralph 

                  Na ja, ein Knopf ist ja eine Massenware, könnte man sagen. Also wenn du jetzt ein Hemd hast, da hast du ja allein schon am Hemd, weiß ich gar nicht, mehrere zehn Knöpfe oder so dran. Das heißt, Sie müssen ja wirklich in großen Mengen hergestellt werden. Und natürlich durch heutige moderne Maschinen gibt es da Möglichkeiten und um diese Verfahren möglichst effizient zu gestalten, da gibt es eben ganze Fabriken, aber angefangen hat das eigentlich ja mit, mit den Händen sozusagen. Also es ist schon jetzt in die Vergangenheit, wo Bärnau sich als Knopf Stadt etabliert hat und dazu kann Frau Bäuml auch mal mehr erzählen. 

                  Andrea Bäuml 

                  Seit 1893 werden in Bärnau Knöpfe hergestellt. Das ging auf die Initiative eines gewissen Johann Müller aus Osterlitz zurück. Der hat in Wien das Perlmutt Drechsel-Handwerk gelernt, kam dann nach Bärnau und hat hier in Bärnau seine erste Fabrik gegründet. Und die Geschäfte liefen im Laufe der Jahre so gut, dass immer mehr Werkzeugmacher sich selbstständig machten und eine eigene Fabrik gründeten. Und wir hatten in Bärnau schon weit über 40 Fabriken. Bärnau heißt auch nach wie vor Knopfstadt, also Knopfstadt Bärnau. 

                  Lukas 

                  40 Knopf Fabriken in einem Ort mit 3.000 Einwohnern. Weißt du an was mich das erinnert? 

                  Lukas 

                  Das erinnert mich an die Folge mit den Peitschenherstellern, weil da war es ja in Killer auch so, dass zur Hochzeit mehr als die Hälfte der Menschen, die da gearbeitet haben im Peitschen Macher Handwerk waren. Verrückt und in Bärnau sind es die Knöpfe. 

                  Ralph 

                  Ja. Weißt du, woran mich das erinnert hat? An Neroth und das Mausefallenmuseum. Ist wirklich spannend zu sehen, dass früher halt so bestimmte Handwerkszweige oder Wirtschaftszweige eigentlich ein Arbeitgeber für eine Ortschaft war. Wahnsinn, oder? 

                  Lukas 

                  Und dass das ganze irgendwie trotzdem mit einem Menschen zu tun hat oder irgendwie mit so einem Initiativevent in der Vergangenheit. Das kann sein, dass irgendjemand dahingezogen ist oder dass sich irgendjemand da angesiedelt hat. Aber das ist dann echt so entstanden und meistens ist es echt im 18. Jahrhundert, wo so die Beginne waren und dann 19. Jahrhundert, wo es dann so richtig abgeht. 

                  Also das ist jetzt so die Observation, die ich irgendwie hatte und so 19. Jahrhundert scheint wirklich irgendwie so die Zeit gewesen zu sein für so kleine Ortschaften, wo so ein Übergang war zwischen es sind Manufakturen, die aber trotzdem schon Massenware herstellen. Aber jetzt nicht im globalisierten riesen Bereich. Aber wirklich die Hidden Champions, die in irgendeinem Kaff irgendwo in Deutschland oder darüber hinaus sitzen und dann gefühlt für die halbe Welt so Sachen produzieren ist total interessant. 

                  Jetzt habe ich aber noch eine Rückfrage. Vielleicht eine blöde Frage, aber was ist denn Perlmutt noch mal? 

                  Ralph 

                  Da komme ich später dazu. Gut, dass du fragst. Diese Betriebe, die Frau Bäuml angesprochen hat und diese Fabriken, das darfst du dir natürlich nicht so vorstellen wie heutige Fabriken, sondern das war im Endeffekt zu Hause, dass da die Leute Knöpfe hergestellt haben. Das hat sich dann erst später gewandelt. Heute ist die Lage in Bärnau so, dass es nur noch fünf Betriebe gibt. 

                  Lukas 

                  Aber es gibt sie noch. 

                  Ralph 

                  Die gibt es noch. Und die exportieren auch in die ganze Welt, außer nach Asien, weil die stellen halt selbst sehr günstige Knöpfe her. Und im Knopfmuseum, da kann man sich eben verschiedenste Arten von Knöpfen angucken. Man kann sich auch die Maschinen angucken, die die verwendet haben und noch einiges mehr. Wie eben am Anfang schon dieses kuriose Knopfpaar. 

                  Ich würde aber sagen, ich fange einfach mal am besten damit an, über die Knopfarten oder die Geschichte des Knopfes mal was zu erzählen.  

                  Lukas 

                  Gerne. 

                  Ralph 

                  Im Kopfmuseum gibt es 26 Arten von Knöpfen. Der älteste Knopf, der ausgestellt ist, ist eigentlich kein Knopf, sondern ist eine Fibel, sagt dir das was? 

                  Lukas 

                  Ja tatsächlich. Eine Fibel ist was man vor allem in der Antike benutzt hat, um zum Beispiel eine Tunika zusammenzuhalten, also das ist quasi wie so eine Art, man könnte sagen, so ein Vorgänger von der Sicherheitsnadel. 

                  Ralph 

                  Richtig. Und dass das Stück, das die ausgestellt haben, das stammt aus dem ersten Jahrhundert vor Christus und ist keltisch und aus Bronze. Und eigentlich gab es schon davor so, weil die Fibel ist ja selbst kein Knopf, sondern eine Sicherheitsnadel Nadel, es gab dann auch schon früher Vorläufer von Nadeln oder Dingern, die Kleidung zusammen gehalten haben. Es ist ein bisschen schwierig zu sagen, wann das losging, weil das eben Definitionssache ist. 

                  Wenn man jetzt wirklich damit anfängt zu sagen, okay, wann wurden eigentlich die ersten Kleidungsstücke zusammengehalten? Dann geht es zurück bis in die Steinzeit, wo man Stücke aus Holz oder Knochen gefunden hat, die aber eher wie Nadeln waren. Also man hat die halt durch die Kleidung durchgesteckt und dann hat die die Kleidung zusammengehalten. In der Antike wurden dann hauptsächlich Fibeln verwendet zum Zusammenhalten der Kleidung. 

                  Das ist auch noch mal interessant, weil es ja in der Grabkultur so war, dass man Leute besonders angekleidet hat oder denen auch Grabbeigaben mitgegeben hat, wenn sie bestattet worden sind. Und da gab es wirklich so Regel Formen, wie viele Fibeln die Leute getragen haben und auch wo die die getragen haben. Und jetzt in der Archäologie hilft es halt den Leuten dann auch festzustellen War das jetzt eine weibliche Person, war es eine männliche Person und welchen Status hat die? 

                  Lukas 

                  Und wann ist der Übergang zwischen Fibel und Knopf? 

                  Ralph 

                  Ja, das dauert. Das dauert noch Hunderte von Jahren. Es ist so, dass wir zwar auch schon Nachweise von bronzenen Knöpfen in der Zeit haben, aber es gibt eben noch nicht dieses Knopfloch. Also es ist natürlich die Frage, ist es dann schon ein Knopf oder nicht? Es war so, dass dann die Knöpfe eher durch Schlaufen oder durch Ösen verschlossen wurden. 

                  Das kennt man vielleicht heutzutage auch noch von so traditionellen asiatischen Trachten. Vielleicht kennt das der eine oder andere. Das sind dann keine richtigen Knöpfe, die an so einem und so Westen dran sind, sondern das sind eigentlich so Knoten, die dann durch Schlaufen festgehalten werden.  

                  Mich hat natürlich auch interessiert, woher das Wort Knopf kommt, ob man da irgendwelche Rückschlüsse daraus ziehen kann. 

                  Und ursprünglich ist die Bedeutung von Knopf, Knospe, also so was rundliches oder auch Knorren, wie man das von Ästen kennt oder auch Knoten oder Klumpen also liegt es nahe, dass aus diesen richtigen Knoten halt die aus, aus, aus Stielen gefertigt worden sind, dann letzten Endes die Knöpfe geworden sind. Und noch bis zum 13. Jahrhundert sind Knöpfe sehr ungewöhnlich. 

                  Sie tauchen zwar immer mal wieder vereinzelt auf und wahrscheinlich sind es dann die Kreuzfahrer, die Knöpfe aus dem Orient nach Europa bringen. Dort gewinnen sie dann an Verbreitung, weil sich auch die Mode ändert. Die Kleidung wird in dieser Zeit nämlich enganliegend. Da helfen natürlich Knöpfe ganz gut. Und dann ist es so – Ach, da bin ich mir nicht ganz sicher – Ich habe das jetzt öfter nachgelesen bei meiner Recherche, aber hundertprozentig kann ich es nicht sagen, dass das Knopfloch auch in Deutschland erfunden wurde und dann mit dem Knopf kombiniert worden ist. Und das war eben im 13, 14 Jahrhundert. 

                  Lukas 

                  Also quasi in dem heutigen geografischen Deutschland, weil Deutschland als Land, als Nation, als im 13. Jahrhundert ja nicht gegeben, da befinden wir uns ja im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, also quasi dem losen Verbund von Territorien, also Fürstentümern, Grafschaften. Und so weiter. Das ist ja alles zersplittert gewesen. Nur noch mal Ich finde, da muss man immer präzise sein. 

                  Ralph 

                  Ja, hast absolut recht. Ja, danke für die Ergänzung. Und dann waren die halt sehr verbreitet im 14. Jahrhundert, im 15. Jahrhundert auch. Aber dann ging es wieder zurück und im 16 Jahrhundert kam es dann zu einem regelrechten Knopf Boom, der eben bis heute anhält. Also heute sind Knöpfe, was total Selbstverständliches, gerade in der Männermode der höheren Bevölkerungsschichten gewann der Knopf damals an Popularität. 

                  Da kann aber Frau Bäuml auch noch mal was zu erzählen. 

                  Andrea Bäuml 

                  Am Hof vom Sonnenkönig Ludwig dem 14.. Also da wurden Knöpfe aus Edelsteinen und was man sich nur vorstellen kann, getragen in einer wahnsinnigen Vielfalt und damals war ja auch der Knopf ein Statussymbol. Also nicht jeder durfte jeden Knopf tragen, da gab es auch strenge Vorschriften und man konnte anhand der Knöpfe sehen, in welche Schicht die Person, die dieses Kleidungsstück getragen hat, in welche Schicht die gehört hat. 

                  Lukas 

                  Kurz Fun Fact zu Ludwig dem 14. Weil du gesagt hast, dass Knöpfe erst die Männermode definiert haben, bevor sie dann quasi unisex wurden.  

                  Ralph 

                  Ja, das hat noch ziemlich lange gedauert. 

                  Lukas 

                  Okay, wusstest du, dass es bei Absatzschuhen dasselbe ist, dass Absätze auch ursprünglich nur von Männern getragen wurden? Ich glaube auch das hat mit dem französischen Absolutismus zu tun. 

                  Ralph 

                  Nee, wusste ich nicht. 

                  Lukas 

                  Also, dass Männer ursprünglich hohe Absätze getragen haben und nicht Frauen, finde ich interessant. 

                  Ralph 

                  Wahrscheinlich auch zu Machtdemonstrationszwecken, einfach um höher zu sein, sich vielleicht nicht eingeschüchtert zu fühlen, wenn man irgendwie zu klein ist als Mann. Was diese Regeln betrifft, die Frau Bäuml angesprochen hat, da war es tatsächlich so, dass sich auch die Rechtsprechung damit beschäftigt hat. Also es gab da als Beispiel jetzt Nürnberger Gesetzgeber, die wollten da also mit einem Erlass Einhalt gebieten, dass Leute halt nicht einfach unendlich viele Knöpfe und Knöpfe tragen dürfen. 

                  Diese Meinungen dazu, was, was man darf mit Knöpfen und was nicht das hat sich bis ins 17. Jahrhundert gehalten. 

                  Lukas 

                  Also das heißt, da haben dann Leute einfach gefühlt, weil sie die Kohle hatten, gefühlt 15.000 goldene Knöpfe an ihre Jacken und Gewänder dran genäht, um das als Statussymbol zu zementieren. Und dann hat irgendwann in Nürnberg, dann irgendein Ratsherr dann gesagt oder gab es da irgendein Erlass oder wie dransteht: Nö, maximal 100 Knöpfe am Gewande, nicht mehr? 

                  Ralph 

                  Ja, so in etwa. Also es war tatsächlich so, dass dem Bürgertum quasi verweigert wurde, es sich da so prachtvoll zu kleiden, das sei quasi dem Adel vorbehalten. 

                  Lukas 

                  Alles klar. 

                  Ralph 

                  Und dann mit der Entwicklung der eigenständigen bäuerlichen Trachten im 18. und 19. Jahrhundert gab es dann eben noch mal so einen Boom mit Knöpfen. Da gab es dann ganz spezifische Knöpfe, sogenannte Scheibenknöpfe, das sind Metallknöpfe mit Ösen hintendran, die auch sehr groß sind, wo dann Bauern sich da eben auch besonders präsentieren konnten, mit und ungefähr in dieser Zeit gab es dann eben auch in im militärischen Bereich Knöpfe, also bei Uniformen sehr viele Knöpfe. 

                  Hat dann auch eine eigene Gattung an Knöpfen bekommen. Und gleichzeitig gab es aber wieder so ein Revival auf die alte Zeit, wo Haken und Ösen zu finden waren, weil man damit ja die Kleidung eigentlich fast noch enganliegender machen kann. Und im 19. Jahrhundert gab es dann so maschinelle Serienfertigung von Knöpfen, und da begann dann das sogenannte Golden Age of Buttons. 

                  Und wo wir vorhin schon bei Regeln waren: Es ist ja so, heutzutage, dass Männerhemden und Frauenhemden unterschiedliche Knöpfe haben. Ich weiß nicht, ob dir das schon mal aufgefallen ist. 

                  Lukas 

                  Das eine Seite der Hemden Bluse wenn was rechts geknöpft ist, ist es ein Männerhemd, wenn was links geknöpft ist, ist es eine Frauenbluse. 

                  Ralph 

                  Genau. Und weißt du auch, warum das so ist? 

                  Lukas 

                  Nein, aber das würde mich jetzt wirklich interessieren. 

                  Ralph 

                  Ja, also, vielleicht fangen wir mal mit Knöpfen der Männer an, warum ist das überhaupt rechts? Die These, die am weitesten verbreitet ist, ist die, dass das ja aus einer Zeit kommt, als Männer noch ein Schwert oder einen Degen links getragen haben. Es waren ja oftmals Rechtshänder und wenn die dann mit der rechten Hand ihr Schwert gezogen haben, dann hätte es sich eventuell in der Links Knöpfung verfangen und deswegen, um das zu vermeiden, gibt es die rechts Knöpfung. 

                  Ralph 

                  Und jetzt bezogen auf den Mantel, wo es ja auch die Rechts Knöpfung gibt, da wird angenommen, dass das mehr Gründe hat, also dass die Leute, die wie Napoleon oder so, dass die dann ihre Schwerthand zum Aufwärmen in den Mantel stecken konnten. 

                  Lukas 

                  Ah ah okay. Er gibt jetzt also wäre zumindest irgendwie logisch. Ja, aber warum hat man es dann nicht einheitlich gemacht bei Frauen? 

                  Ralph 

                  Ja, hierzu gibt es ganz verschiedene Theorien, die auch echt sehr unterschiedlich sind. Also eine Theorie zum Beispiel, dass Frauen ihre Knöpfe nicht selbst durchs Loch geführt haben, sondern dass es Zofen gemacht haben. Dann musste es ja spiegelverkehrt sein, damit sie das auch mit der rechten Hand und so weiter durchführen können. Ich habe aber auch gelesen, dass Frauen ihre Kinder auf dem linken Arm hielten und es praktischer war, wenn sie mit der rechten Hand knöpfen konnten, um beispielsweise zu stillen oder so. 

                  Lukas 

                  Würde auch Sinn ergeben. Ja, aber halt davon ausgehend, dass natürlich die Mehrheit der Menschen Rechtshänder sind bzw. Linkshändertum ja lange Zeit als minderwertig sogar angesehen wurde. Also von daher klar. 

                  Ralph 

                  Diese Zofen-Theorie, die ist aber eher unwahrscheinlich, weil diese regelmäßige Knöpfung ja erst ab dem 18. Jahrhundert auftritt und da so viele Frauen jetzt auch nicht mehr Zofen hatten. Es gibt aber auch eine These, die besagt, dass man Knöpfe bei Frauen extra auf die andere Seite genäht hat, um der Frau ihre Minderwertigkeit vor Augen zu führen. Und dann müsste sie halt mit der minderwertigen Hand immer knöpfen. 

                  Ja, und dann gibt es noch eine andere These, die besagt, dass sich im späten 19. Jahrhundert Frauen ja sehr um Emanzipation bemüht haben und dass sie auch dadurch taten, dass sie die Frauenkleidung an Männerkleidung angeglichen haben. Und das man eben dann die Knöpfe auf die andere Seite legt hat dann ein Unterscheidungsmerkmal hervorgebracht und gleichzeitig verhindert, dass Frauen wirklich Männerkleidung getragen haben, was damals ja auch als sehr anrüchig gegolten hat. 

                  Lukas 

                  Okay, also dass man quasi sagen kann: Hey, wir tragen jetzt auch Männerhemden oder -Hosen oder was auch immer. Aber damit wir nicht exakt Männerhemden tragen, können wir sagen, dass wir es andersrum knöpfen. 

                  Ralph 

                  Genau. 

                  Lukas 

                  Ja, wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allen. Wahrscheinlich hat jede Theorie irgendwas Wahres. Bei solchen Geschichten gibt es ja selten ein auslösendes Ereignis, sondern das ist dann halt irgendwas, was vielleicht auch parallel zur selben Zeit an verschiedenen Orten entsteht und sich dann irgendwie durch die Tradition weiter tradiert und dann bis heute halt seine Gültigkeit hat. 

                  Ralph 

                  Wir waren ja jetzt quasi schon im 19. Jahrhundert, im späten 19. Jahrhundert, wo dann erst diese regelmäßige Knöpfung aufkam. Ende des 19. Jahrhunderts, wenn du dich erinnerst, ging es ja auch erst los mit der Knopf Industrie in Bärnau und ich schlag jetzt mal wieder dadurch eine Brücke zum Museum. Da ist es nämlich so, dass sich diese Knopf Industrie auf ein bestimmtes Material spezialisiert hat. 

                  Ralph 

                  Und das hast du ja ganz am Anfang auch schon rausgehört, nämlich? 

                  Lukas 

                  Perlmutt.  

                  Ralph 

                  Genau. Und wie das mit dem Perlmutt funktioniert hat in Bärnau, das kann die Frau Bäuml sagen. 

                  Andrea Bäuml 

                  Ja, es ist wirklich ungewöhnlich, dass ausgerechnet hier in Bärnau, wo es eigentlich nur die Waldnaab gibt, dass trotzdem hier Perlmutt Knöpfe verarbeitet wurden. Aber die Bärnauer kauften halt die Muscheln, die wurden halt per Schiff zu den Häfen transportiert, dann per Bahn hierher und dann sind die hier weiterverarbeitet worden. Trotz der vielen Unkosten, der Transport hat ja auch was gekostet und das Rohmaterial an sich war ja auch ein Kostenfaktor, hat sich aber trotzdem die Produktion gelohnt und auch der Verkauf der Knöpfe, dass einfach das Geschäft wirklich gut lief. 

                  Lukas 

                  Okay, das heißt, Frau Bäuml hat jetzt gerade erklärt, was Perlmutt ist und damit ja meine Frage beantwortet, als es sind Muscheln. 

                  Ralph 

                  Aber nicht nur tatsächlich, also es kann auch von Schnecken kommen. 

                  Lukas 

                  Ah, okay. 

                  Ralph 

                  Und ich bin ja jetzt auch kein Experte darin und ich fand das aber auch interessant. Perlmutt, das hat man schon öfter gehört und man hat so eine vage Vorstellung davon. Ich dachte auch, dass es nur von Muscheln kommt. Ich habe dann aber jemanden gefunden, den ich da genauer befragen konnte, und zwar Kathrin. Kathrin kenne ich über den Podcast Ungeheuer Vernünftig, in dem sie gemeinsam mit Björn über Wissenschaft und Rollenspiel spricht. 

                  Und beide haben auch selbst einen Hintergrund in Wissenschaft, und zwar in Sprachwissenschaften und Naturwissenschaften. Und bei Kathrin ist es so, dass sie Biologie studiert hat. Und von ihr wollte ich wissen, was denn Perlmutt eigentlich so genau ist. Und das erzählt sie uns jetzt. 

                  Kathrin 

                  Das ist ein Verbundsmaterial, also quasi nur eine Stoffmischung in einer ganz bestimmten Anordnung. Ja, etwa 95 % davon sind anorganisch. Die feste Knochensubstanz besteht aus Calciumkarbonat. Und was aber das Perlmutt ganz besonders macht, ist dazwischen das organische Material. Und zwar sind das bestimmte Eiweiße, also Proteine. Und Perlmutt ist eine ganz besondere Anordnung von diesen beiden Stoffen. 

                  Also wenn wir jetzt die Proteine zusammenfassen und das anorganische Material Kalziumkarbonat, die sind so ähnlich, also, wenn man das vergleicht, angeordnet wie so eine Mauer, also so eine Backsteinmauer, wenn man sich das vorstellt, dann sind die Steine quasi die die anorganischen Strukturen und dazwischen, in den Fugen verklebt, ist das Ganze mit dem organischen Material. 

                  Lukas 

                  Ich glaube so genau sind wir jetzt noch nie auf die chemische Beschaffenheit von irgendwelchen Museumsobjekten eingegangen. Aber sehr interessant, wusste ich auch nicht. 

                  Ralph 

                  Diese Backsteinstruktur trägt dazu bei, dass es so fest ist und dass es halt ordentlich was aushält. Dieses Material; hätte man jetzt quasi nur dieses Calciumkarbonat, also das ist ja so was wie Kalk. Dann wäre das Ganze halt sehr brüchig und auch anfällig für Wasser. Das würde dann halt weich werden. 

                  Lukas 

                  Übrigens. Also das fällt mir gerade ganz spontan ein. Ich habe sogar ein Objekt, von dem ich weiß, dass es sicher aus Perlmutt ist und sogar mehrere Perlmuttelemente enthält. Und es ist kein Knopf, sondern meine Gitarre. Also eine meiner Gitarren, die hat Perlmuttwirbel, bin ich mir relativ sicher, dass, doch das ist Perlmutt. Also die Teile, die du brauchst, um die Saiten zu stimmen, die sind aus Perlmutt gemacht und die Inlays, also quasi die diese Streifen zwischen den einzelnen Bünden am Griffbrett drinnen sind, die sind auch aus Perlmutt. 

                  Ralph 

                  Ja, ich habe ja auch eine Gitarre, da kenne ich das auch daher. Und das Besondere daran ist ja, dass das ja so schön schimmert, also in so Regenbogenfarben quasi. Und wie es dazu kommt, weil das ist nämlich ein bestimmter Effekt, das kann Kathrin auch mal erklären. 

                  Kathrin 

                  Diese Regenbogen Eindrücke und dieses Schillern was entsteht, das sind sogenannte Strukturfarben, die wir da haben. Also es sind keine Pigmente die eingelagert sind, wobei natürlich auch in einer Muschelschale Pigmente eingelagert sein können, aber die machen nicht diesen Effekt, sondern die Strukturfarben. Die erklären wir über Partikel, die eine ganz bestimmte Größe haben, die der Wellenlänge von bestimmten Lichtwellen, die im sichtbaren Bereich liegen, entspricht. 

                  Also das ist ein physikalischer Effekt. Diese haben dann genau die Größe, dass sie an eine bestimmte Wellenlänge des sichtbaren Lichts herausfiltern und auch streuen. Und dann kommt es zu einer Überlagerung von diesen Lichtwellen übereinander, sodass dann quasi Teile des Lichts gelöscht werden und nur die, die übrig sind quasi und reflektiert werden, für uns sichtbar sind. 

                  Lukas 

                  Also ich sagte, wie ich es verstanden habe, du sagst ob das stimmt oder nicht. Kathrin meinte das, dass Perlmutt per se eigentlich gar nicht diese ganzen Pigmente drinnen hat, sondern quasi das Licht nur unterschiedlich reflektiert bzw. unterschiedlich überlagert. Das heißt das Perlmutt hat eigentlich gar nicht die Farbe, aber aufgrund der Reflexion denken wir, dass es die Farbe hat oder nehmen das wahr. 

                  Ralph 

                  Ja, richtig. Also, sie hat gesagt, Perlmutt oder eine Muschel kann Pigmente haben, aber es ist tatsächlich das Licht, das sich da eben so streut. Auf diese Struktur, das Perlmutt, dass dann diese Regenbogenfarben entstehen. 

                  Lukas 

                  Ah, okay, spannend. 

                  Ralph 

                  Und man hat diesen Effekt tatsächlich auch noch woanders in der Tierwelt nämlich bei Flügeln von Libellen zum Beispiel. 

                  Kathrin hat gemeint, auch bei Schmetterlingen und bei manchen Vögeln sogar. Also das heißt, wenn man jetzt quasi nur ein Partikel daraus nehmen würde und unterm Mikroskop angucken, hat das eben nicht diese Regenbogenfarben. Und diese Regenbogenfarben, die sind ja auch der Hauptgrund, warum man diese Muscheln und Schnecken verwendet hat, um Knöpfe herzustellen, weil es einfach fancy aussieht. 

                  Lukas 

                  Aber wie genau hat man die denn jetzt hergestellt? Also hat man da dann einfach kiloweise Muscheln und Schnecken importiert und die in irgendeinen Schneckenreißwolf rein gejagt. Und dann ist am Ende so eine Masse rausgekommen? Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie aus einer Schnecke oder aus einer Muschel ein Knopf wird. 

                  Ralph 

                  Die kamen ja eben säckeweise an in Bärnau, diese Muscheln und Schnecken. Und dann wurden sogenannte Rondelle ausgefräst oder ausgestanzt, also das heißt so runde Scheibchen aus der Muschel und unter den Schnecken. Und die wurden dann in einer Drexel Bank weiter bearbeitet und dann auch letzten Endes so eine, das nennt man Facon, so eine bestimmte Form gegeben. Zum Beispiel hat man das ja bei Knöpfen, so dass die verschiedene Ebenen haben, dass sie so einen Rand manchmal haben, der ein bisschen raussteht oder sie haben, wenn es zur Mitte hin geht, eine Wölbung oder das Umgekehrte von der Wölbung eine Einbuchtung, sag ich jetzt mal, und dann werden noch extra diese Löcher gebohrt. 

                  Je nach Knopf sind das unterschiedlich viele. Regulär, würde ich jetzt mal behaupten, haben die meisten Griffe vier Löcher. Es gibt aber auch welche mit zweien. Und wenn das dann passiert ist, dann werden die am Schluss noch mal poliert. Und da gibt es ganz unterschiedliche Methoden dafür. Was ich ganz spannend fand, Man kann es wie in so eine Trommel, wie eine Tombola reintun, zusammen mit ganz vielen Leder Schnipseln. 

                  Und durch diese Drehung und dadurch, dass das Leder die ganze Zeit drüber reibt über die Knöpfe wird das dann schön poliert. 

                  Lukas 

                  Aber das heißt, ein Perlmutt Knopf ist auch aus einer Muschel. Das ist nicht irgendwie die Muschel, die sozusagen zerkleinert wird und in eine Form gepresst wird. Nein, weil dann müssen diese Muscheln ja also extrem dick sein. So, wenn ich jetzt noch überleg, welche Muscheln ich kenne und auch welche Schnecken ich kenne, stell ich es mir wahnsinnig schwer vor, aus der Weinbergschnecke zum Beispiel den Knopf zu machen, weil klar, das Material ist vielleicht relativ stark, aber das zerbricht doch trotzdem. 

                  Lukas 

                  Das heißt, das müssen doch dann bestimmte Muscheln und Schnecken sein, nehme ich mal an. 

                  Ralph 

                  Das sind Muscheln und Schnecken, die Perlmutt haben. Also nicht jede Muschel und nicht jede Schnecke produziert Perlmutt. Diese Struktur, von der Kathrin erzählt hat und diese Muscheln und Schnecken, die für die Herstellung in Bärnau genommen worden sind, stammen aus dem Pazifischen Ozean. Das sind Unterwasserschneckenhäuser, die da verwendet werden. Und die sind natürlich massiver als jetzt so eine Weinbergschnecke. 

                  Ralph 

                  Und es ist nicht so, dass jetzt aus einer Schnecke nur ein Rondell, also nur ein Knopf gemacht wird. Und man muss sich das ein bisschen so vorstellen, wie wenn man Plätzchen backt und einen Teig hat und dort diese süße Plätzchen Förmchen aussticht. So haben die Leute in Bärnau eben versucht, möglichst platzsparend aus den Muscheln auszustechen und eben auch das meiste rauszuholen. 

                  Lukas 

                  Ja, das heißt, Sie haben also Tiefseeschnecken und Tiefseemuscheln aus dem Pazifischen Ozean in die Oberpfalz exportiert, damit daraus Knöpfe gemacht werden können? 

                  Ralph 

                  Und die haben Sie alle in das Museum gepackt. 

                  Ja, und diese Herstellungsprozesse und auch diese Rohlinge oder Überbleibsel, die findet man ja alle noch im Knopf Museum in Bärnau. Und es ist so, dass es dort sehr, sehr viele Knöpfe gibt, aber die machen ja nicht Halt dabei zu sagen, wir stellen jetzt nur aus, was damals in Bärnau hergestellt worden ist, sondern die bemühen sich auch darum, die Sammlung ständig zu erweitern. 

                  Ralph 

                  Die machen das im Endeffekt wie andere Museen auch. Das heißt, sie kaufen halt neue Objekte oder sie erhalten Spenden. Und das sind dann oft Spenden von Privatleuten in Form von Blechdosen oder Zigarrenkisten, in denen sich Knöpfe befinden. Und teilweise kriegen die das echt in großen Schüben zugesandt. Da kann Frau Bäuml auch was sagen. 

                  Andrea Bäuml 

                  Wir hatten vor kurzem einen Beitrag im BR und nach dem Beitrag kamen unheimlich viele Pakete, Lieferungen und Anrufe und Leute, die was spenden wollten und wissen wollten, wo sie es hinschicken sollen. Also das war schon zu uns ein richtiger Katalysator. Es hat die Leute richtig motiviert, ihre Knöpfe an uns zu schicken und da kriege ich immer noch Pakete. 

                  Ich habe wieder zwei stehen, die sollte ich heute noch mal kurz sortieren und mal schauen, was da jetzt drin ist. Also es reißt eigentlich nicht ab. 

                  Lukas 

                  Also das heißt, das Fernsehen ist vor Ort und dann auf einmal werden da Knöpfe zugeschickt. 

                  Ralph 

                  Na ja, richtig. Also diese Dokumentation, die habe ich mir auch angeguckt, ist ganz kurz, kann ich auch in den Shownotes verlinken. Da geht es darum, dass Bärnau einen Weltrekord hat, nämlich kleinster und größter Knopf der Welt. 

                  Lukas 

                  Aha, okay, ja, was ist denn dann der kleinste Knopf der Welt aus Bärnau? 

                  Ralph 

                  Der kleinste Knopf der Welt. Der misst einen Millimeter. 

                  Lukas 

                  Einen Millimeter. 

                  Ralph 

                  Der ist einen Millimeter. Und das sind noch zwei Knopflöcher drin. 

                  Lukas 

                  Was hält er zu? 

                  Ralph 

                  Der hält aktuell gar nichts zu. Der liegt in der Vitrine drin. Die Frau Bäuml geht davon aus, dass das für eine Puppe oder so verwendet worden ist. 

                  Lukas 

                  Vielleicht hast du ja auch den kleinsten Knopf der Welt gehabt und ihn aber versehentlich im Klo runtergespült, weil er dir bei einem Millimeter gar nicht aufgefallen ist. 

                  Ralph 

                  Vielleicht hängt da auch immer noch irgendwo dran und ich sehe ihn nicht, weil er ja so klein ist. 

                  Lukas 

                  Kann auch sein. 

                  Ralph 

                  Ist glaube, ich noch mal auf diese Spenden zurück, weil die sind ja schon wichtig für das Museum, die honorieren das ja sozusagen auch wenn du spendest. Also die schönsten Spenden, die landen in einer Vitrine, die sehr klar einsehbar ist in der Ausstellung, da steht dann dein Name. Und versehen ist es dann auch mit einer zeitlichen Einordnung, was wann der Knopf stammt. 

                  Ralph 

                  Also selbst wenn du jetzt was hinschickst und weißt gar nicht, woher das ist, haben Andrea Bäumchen und ihre Kolleginnen, die haben das so Netzwerk an Knopfexperten sozusagen und die ordnen das dann zeitlich ein. Und durch diese ganzen Spenden, die da kistenweise Paket bei denen landen, haben die eine unglaubliche Sammlung, das ist echt krass. Also Frau Bäuml hat mich ja durch dieses Museum geführt. 

                  Ich habe gar nicht gesagt, wie groß die Dimensionen sind, aber im Endeffekt sind es drei Ausstellungsorte, vier Ausstellungsräume und zweistöckig ist es. Das heißt, man geht einmal so eine Treppe hoch und im Treppenhaus, da hängt ein Zylinder, ein Glaszylinder an so Stahlseilen, vielleicht 1,50 groß und vielleicht 50 Zentimeter breit und voller Knöpfe. Und so beiläufig hat dann Frau Bombe gemeint Ja, das sind so 1 Million Knöpfe drin. 

                  Ralph 

                  Und dann habe ich sie gefragt, Ja, wie viel Knöpfe haben Sie denn insgesamt? Und das kann sie gar nicht so wirklich beantworten. Sie sagt halt mehrere Millionen und wir waren dann auch in einem anderen Raum, was in einem von diesen vier Räumen. Und da hat sie auch gemeint, allein in dem Raum sind schon mehrere Millionen. Das ist so eine Größe, das kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen. 

                  Lukas 

                  Verrückt? Ja. An wen ist denn dieses Museum gerichtet? Wem würdest du das empfehlen? 

                  Ralph 

                  Also, ich hatte wirklich große Freude in diesem Museum und würde sagen, das richtet sich schon an Familien, aber vornehmlich kommen natürlich auch ältere Leute dahin, gerade in Reisebussen. Und es ist so, weil es sich ja in der Grenzregion befindet, sind die Beschilderungen auch in Tschechisch. Und man muss auch gar nicht so viel Zeit mitbringen, weil es ja eben nur diese vier Räume hat. 

                  Ist man da in ein bis zwei Stunden schon durch. Und wenn es geht, dann sollte man sich auf jeden Fall eine Führung geben, weil das macht es noch mal so viel greifbarer. 

                  Lukas 

                  Kann ich mir gut vorstellen. Ja, weil ich glaube, sonst ist man von der schieren Anzahl an Exponaten vielleicht überfordert. Ja, dann vielen lieben Dank, dass zumindest das Museum, die Geschichte des Knopfes und auch das Perlmutt vorgestellt hast, war auf jeden Fall sehr interessant. Es ist sehr viel, aber auch echt sehr interessant. Habe viel gelernt. 

                  Ralph 

                  Wär das Museum denn was für dich? 

                  Lukas 

                  Ach ja, ich denke schon. Ich glaube, ich würde jetzt nicht extra da hinfahren, aber ich glaube, wenn ich da keine Ahnung zum Beispiel Urlaub machen würde in der Region und es wäre irgendwie ein regnerischer Tag oder irgendwie so was, könnte ich mir das schon sehr gut vorstellen, ist mir das mal anzugucken. Ja. 

                  Ralph 

                  Da hast du, finde ich, einen wunden Punkt getroffen, weil ich glaube, das ist so das Manko an diesem Museum, dass es halt wirklich in der Peripherie liegt. Also wenn das jetzt in einer größeren Stadt wäre oder besser auch angebunden wäre, dann würden da wahrscheinlich auch mehr Leute hinkommen. Und es ist ja so bei diesem Museum, das habe ich jetzt noch gar nicht erwähnt, das hat ja nicht ganzjährig geöffnet, sondern das hat jetzt noch bis einschließlich Oktober geöffnet. 

                  Und dann schließen Andrea Bäuml und ihre Kolleginnen das Museum, machen Inventur und dann wird es erst wieder im April geöffnet und dann hat es auch nur von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. 

                  Lukas 

                  Alles klar. 

                  Ralph 

                  Dann vielen Dank fürs Zuhören. Und ja, ich möchte mich jetzt auch bei Andrea Bäuml noch mal bedanken, dass sich Zeit genommen hat und auch bei Kathrin von Ungeheuer Vernünftig. Da verlinken wir auch den Podcast gerne in den Shownotes. Und magst du denn schon was über die nächste Folge verraten, Lukas? 

                  Lukas 

                  Ja, in der nächsten Folge geht es von der Peripherie in die Großstadt und geht in den hohen Norden Deutschlands. Es geht nämlich nach Hamburg. Und da geht es um ein Museum, das sich um Dinge dreht, die du garantiert. Millionenfach schon zu dir genommen hast. Und jeder und jede, der die diesen Podcast hört auch. 

                  Ralph 

                  Also es bleibt bei großen Zahlen. 

                  Lukas 

                  Es bleibt bei großen. Ja, das stimmt. Und ich glaube also ja, ja doch, es klappt bei bei großen Zahlen. Und es geht vor allem um viele Dinge, die alle mit einem E anfangen. Also seid gespannt. 

                  Ralph 

                  Ja gut, dann bis zum nächsten Mal. 

                  Lukas 

                  Bis zum nächsten Mal. 

                  Der Beitrag Das Deutsche Knopfmuseum Bärnau erschien zuerst auf Escucha.

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                  39 min
                • Der römische Ziegel mit Penisgraffiti und irakische Abenteuer - das Ziegelmuseum Mainz

                    BITTE NICHT ANFASSEN! #9 – Das Ziegelmuseum Mainz 

                    Show Notes 

                    Der Mediziner Kaus Ewe ist in seiner Freizeit gerne in Baugruben gesprungen und hat antikes Zeugs ausgebuddelt. Irgendwann hatte er so viele antike Ziegelsteine, dass er der Hobbyarchäologe ein Museum in seiner Heimatstadt Mainz gründete. Das betreibt der 91-Jährige immer noch. Somit ist er wohl einer der ältesten Museumsdirektoren der Welt. Eine Folge über römische Penisse, die verrückten 70er und wie Fragmente einer viertausend alten Keilschrift nach Mainz gekommen sind.  

                    Hilfreiche Links: 

                    So sieht der Hoffmansche Brennofen im Schema aus:  

                    https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffmannscher_Ringofen

                    Das ist ein Artikel zum Jetavanaramaya, das aus 19 Millionen Zigelsteinen besteht:  

                    https://en.wikipedia.org/wiki/Jetavanaramaya

                    Das ist die Homepage des Zielgesteinmuseums:  

                    https://www.ziegelmuseum-mainz.de/

                    Infos zum Museum:  

                    Verein der Freunde der Ziegelei e.V. 

                    Abteilung Ziegelmuseum 

                    Alte Ziegelei 

                    55128 Mainz  

                    +41 061 261 00 11 

                    über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                    Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                    Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                    Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                    Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                    BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                    Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                     Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

                    ~~~~~
                     
                    Kontakt  
                    Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
                    E-Mail: info[at]escucha.de  

                    Podcast-Credits:  
                      

                    Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
                    Produktion: Escucha GbR  
                    Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
                    Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

                    Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

                    00:00:01:06 – 00:00:22:01 

                    Klaus Ewe 

                    Unser Pfarrer wollte eine archäologische Predigt halten und hat gefragt, ob ich ein paar Sachen hätte. Ja, ich sah ein Stück vom Turm zu Babel. Dann habe ich, dann habe ich einen Denar vom Kaiser Augustus, von dem das Gebot ausgeht. Und dann kam nachher ein Ehepaar. Sagen Sie, was haben wir auch? 

                    00:00:22:16 – 00:00:31:12 

                    Bitte nicht anfassen! Museum mal anders. Ein Podcast von ist gucke. 

                    00:00:36:10 – 00:00:42:08 

                    Lukas 

                    Hallo und herzlich willkommen an alle da draußen. Wir sind wieder hier bei einer neuen Folge von Bitte nicht anfassen! 

                    00:00:42:21 – 00:00:58:02 

                    Ralph 

                    Ja, Lukas, es ist ja so, dass du wieder für ein Museum unterwegs warst. Und zwar hast du in der vergangenen Folge ja wirklich hohe Erwartungen in mir geweckt, als du gesagt hast. Aha, das ist bestimmt der älteste Museums Betreiber der Welt. 

                    00:00:58:20 – 00:01:07:05 

                    Lukas 

                    Du weißt ja, dass ich Superlative mag. Und in dem Fall ist es so, also, ob es der Welt ist, weiß ich nicht. Ich muss mich so ein bisschen relativieren. Aber ja, tatsächlich. 

                    00:01:07:05 – 00:01:07:23 

                    Ralph 

                    Europas. 

                    00:01:08:13 – 00:01:35:20 

                    Lukas 

                    Ja, vielleicht. Tatsächlich. Wir besuchen heute das Museum von Klaus, Ewe und Klaus. Ewe ist 91 Jahre alt. Ich gebe jetzt mal ein paar biographische Fakten von Klaus und du sagst mir dann, was für ein Museum er betreibt. Klaus Ewe ist Mediziner und war Professor für Innere Medizin an der Universität Mainz und lehrte da Innere Medizin, war aber auch praktizierender Arzt. 

                    So, und mit diesen Infos sagst du mir jetzt über was könnte Klaus Ewe ein Museum gegründet haben? 

                    00:01:43:04 – 00:01:59:13 

                    Ralph 

                    Ja, das ist so eine Fangfrage. Das ist ja vollkommen klar. Wenn ich jetzt sage, dass doch bestimmt ein Museum über Innere Medizin, dann ist das wahrscheinlich nicht richtig. Aber ich weiß es. Ich kenne den Mann ja nicht. Deswegen ein Museum, das irgendwie am Rande mit Medizin zu tun hat.  

                    00:01:59:14 – 00:02:03:22 

                    Lukas 

                    Genau.. Es geht um Ziegelsteine. Klaus hat einen Ziegelstein Museum gegründet. 

                    Aber so, wenn du die Geschichte hörst, wie es dazu gekommen ist, ist es gar nicht so weit weg davon. Denn in den 1970 er Jahren ist in Mainz ein neues Klinikum gebaut worden, ein neues Universitätsklinikum. Und Klaus Ewe ist schon eigentlich seit seiner Kindheit Hobby Archäologe. Und deswegen ist er immer in die Baugrube rein gesprungen. Natürlich alles abgeklärt und hat quasi gefragt, ob er denn so ein bisschen rum graben dürfte. 

                    Und tatsächlich hat er dann auch immer wieder ein paar Sachen gefunden. Und damit du mal merkst, was da für eine Begeisterung inklusive auftritt, wenn er davon seinen Ausgrabungen berichtet, dachte ich Lassen wir ihn mal selbst zu Wort kommen. 

                    00:02:47:22 – 00:03:08:15 

                    Klaus Ewe 

                    Das ist ein faszinierendes Hobby, wenn man da in so einer Grube sitzt. Normalerweise ist der Lehm ja so gelblich und dann kommt ein Areal, da ist er schwarz. Das war mal irgendwas, ist auch angekommen und dann da und da kommt dann eine Scherbe raus und dann noch eine Scherbe. Na ja. 

                    00:03:09:06 – 00:03:14:11 

                    Ralph 

                    Ich merk schon in seiner Stimme die Begeisterung. Und tatsächlich kann ich das auch nachvollziehen. 

                    00:03:14:20 – 00:03:16:12 

                    Lukas 

                    Du bist ja studierter Archäologe. 

                    00:03:17:07 – 00:03:33:05 

                    Ralph 

                    Ja, ja, ich bin studierter Archäologe. So ist es. Ab und zu gehe ich tatsächlich auch über einen Acker drüber, einfach um zu gucken, ob da nicht irgendwas rumliegt. Und manchmal liegt da tatsächlich was. Roma. Keine Schätze. Aber ein paar Scherben. 

                    00:03:33:19 – 00:03:36:15 

                    Lukas 

                    Also du würdest quasi die Begeisterung von ihm teilen können. 

                    00:03:37:02 – 00:03:37:21 

                    Ralph 

                    Ja, total. 

                    00:03:38:04 – 00:04:06:06 

                    Lukas 

                    Genau wie du dir vielleicht vorstellen kannst, wenn man so was eine ganze Zeitlang mal macht, dann sammeln sich natürlich über die Jahre und Jahrzehnte einige Funde an und Klaus war besonders fasziniert von den Ziegelsteinen, weil Ziegelsteine sehr, sehr viel Aussagen über wie die Menschen gelebt haben, wie diese Ziegelsteine hergestellt wurden. Und weil man aus Ziegelsteinen wahnsinnig viel über die Geschichte lernen kann, zu diesen ganzen Details und ein paar Beispielen, die wirklich verrückt sind. 

                    Also die sind wirklich verrückt, die haben nämlich, und das ist kein Witz mit dem Turm zu Babel zu tun, zum Beispiel, oder mit sehr, sehr alten Keilschrift, die auf Ziegelstein gefunden hat. Also es wird wirklich sehr, sehr Indiana Jones lastig. Heute. Aber bevor wir soweit gehen, wollte ich dich fragen Weißt du denn überhaupt, wie Ziegelsteine hergestellt werden? Damit wir das mal geklärt haben. 

                    00:04:29:14 – 00:04:57:02 

                    Ralph 

                    Ja, ich habe so eine grobe Ahnung davon. Da bin ich jetzt kein Experte drin. Aber die bestehen ja, so gut ich weiß, aus Lehm und Lehm findet sich ja im Boden und der Lehm hat so eine Konsistenz, die so ein bisschen Knete artig ist. Ja, ich glaube dann, dass dieser Lehm halt in so eine Form reinkommt, dass ihn seine Kasten formen, wahrscheinlich ein Ziegelstein. 

                    Und dann wird das in einem Ofen erhitzt bzw gebrannt und man hat ein Ziegelstein. Und das ist dann quasi so ähnlich wie wie bei Keramik auch, glaube ich. 

                    00:05:06:22 – 00:05:35:19 

                    Lukas 

                    Genau. Also im Prinzip ist es alles richtig, was du gesagt, denn es geht darum, dass du eben diesen Lehm hast, den tust du in die Form. Das ist dann der sogenannte Rohling. Dann wartest du, dass es dir ein bisschen trocknet, aber nicht zu sehr trocknen, weil sonst würde der porös werden, auseinanderbrechen und dann tust du den in den Ofen und dann wird der so bei 1.200 Grad gebrannt und so hat man Ziegel hergestellt ab dem Jahr 3000 vor Christus bis in die Neuzeit. 

                    Warum ich sage bis in die frühe Neuzeit: Das hat für die Sammlung und auch für das Ziegelstein Museum eine sehr große Auswirkung, denn das Ziegelstein Museum in Mainz befindet sich in der alten Ziegelei und die Alte Ziegelei ist eine Ziegel Fabrik, die 1904 gegründet wurde und bis 1972 betrieben wurde und als 1972 diese Ziegelei eben dichtgemacht wurde, weil es halt woanders günstiger zu produzieren war, hat Klaus EwE in den ersten Stock dieser alten Ziegelei sein Museum eingerichtet und dort erstens viele seiner persönlichen Ausgrabungen Gegenstände reingestellt, aber auch Ausgrabungen, Gegenstände, die ihm geschenkt wurden. 

                    Und jetzt fragst du dich vielleicht Warum nur der erste Stock?  

                    Ralph:  

                    Haha ja genau: Was ist im Erdgeschoss?  

                    Das hat damit zu tun, dass diese alte Ziegelei nach dem Prinzip eines Hofmann Ring Ofens aus dem Jahr 1864 zurückgeht. Das brauchst du dir nicht merken.  

                    Aber ich finde das Prinzip dahinter super faszinierend. Deswegen würde ich das gerne als kleinen Exkurs erklären. Und ich glaube, dann verstehst du auch und kannst dir besser vorstellen, wie dieses Museum dann im ersten Stock aussieht, denn es ist sozusagen einem total authentischen Ort. Diese alte Ziegelei kannst du dir vorstellen, wie eine Ellipse, die ungefähr 50 bis 70 Meter lang ist und so 30 bis 40 Meter breit ist? 

                    So, und diese Ellipse besteht aus zwei Teilen. In der Mitte ist der Ofen und der große Schornstein, der aus dieser aus diesem Gebäude rausgeht. Das Gebäude selbst ist übrigens auch aus Ziegelsteinen gemacht, also ist irgendwie witzig. Genau. Also in der Mitte geht quasi ein riesiger Ziegel Schornstein raus und um diesen Ofen herum befindet sich ein innerer Mauer Ring. 

                    Und dann gibt es noch den äußeren Ring. Das ist sozusagen die Außenmauer dieser Ellipse. Kannst du dir das ungefähr vorstellen? 

                    00:07:37:18 – 00:07:40:02 

                    Ralph 

                    Ja, so ungefähr. Aber das Ganze ist auch überdacht, oder? 

                    00:07:40:05 – 00:08:03:12 

                    Lukas 

                    Genau das ist komplett überdacht, denn dieser Ring. Deswegen heißt das Ganze auch Ringofen. Der besteht aus verschiedenen Kammern, die sich aneinander reihen. Das heißt, da sind einmal diese Kammern, die eben auch gemauert sind und auch mit Mauern dazwischen sind. Die reihen sich aneinander und bilden sozusagen diesen Ring. Und in der Mitte von diesem Ring, da ist der Ofen und der, also wo halt der Brennstoff reinkommt und der Kamin. 

                    Ja, und jetzt ist es so Das sind alle diese Kammern werden Ziegel rein gefüllt und die werden da bis oben hin gestapelt und die sind riesig. Diese Kammern, also da passen, da passen, in eine Kammer passen so schätzungsweise 25.000 Ziegel rein, da werden diese Rohlinge rein geschlichtet und dann wird dieser Ofen angemacht und über eine ganz raffinierte Konstruktion aus Belüftung, Schächten und Zugluft schächten wird dafür gesorgt, dass die Hitze, die in einer Kammer ist, in die nächste weitergegeben wird. 

                    Und so sorgt es quasi dafür, dass eine Kammer so viel Hitze erzeugt, dass das in die nächste weiter geht. Und alle diese Kammern, die da einmal so außen gehen, sind alle mit Ziegelsteinen gefüllt, die aber schon zu einem unterschiedlichen Grad gebrannt sind, je nachdem, wo sich gerade der heißeste Punkt befindet, wo gerade am meisten rein gefeiert wird. 

                    00:09:00:21 – 00:09:16:07 

                    Ralph 

                    Heißt das, dass die Hitze erst in einer Kammer entsteht und dann in die nächste weitergetragen wird und dann in die nächste?  

                    Lukas 

                    Also nicht gleichzeitig genau an mehreren Orten, sondern wirklich eine Kammer nach der anderen. Genau so geht es dann im Kreis herum. 

                    Genau, weil das hat nämlich den riesengroßen Vorteil. Und deswegen hat sich das auch durchgesetzt, dass ich kontinuierlich Ziegelsteine rein füllen kann und wieder rausnehmen kann, ohne den kompletten Ofen aus zu machen. Und ich kann quasi letztlich eine Fließband Produktion von Ziegeln erstellen, weil ich immer wenn eine Kammer fertig gebrannt ist, kann ich da die Ziegeln rausnehmen und dann in diese Kammer wieder die Ziegel reintun, ohne den Vorgang in den anderen Kammern zu unterbrechen, weil ich das über diese Lüftungsschlitze regeln kann. 

                    00:09:45:09 – 00:09:54:05 

                    Lukas 

                    Und das ist sozusagen das Geniale. Das hat dazu geführt, dass in den Hochzeiten der alten Ziegelei in Mainz an einem Tag 25.000 Ziegelsteine produziert werden konnten. 

                    00:09:56:15 – 00:09:57:15 

                    Ralph 

                    Was? 20.000. 

                    00:09:57:21 – 00:10:01:17 

                    Lukas 

                    25.000 Ziegelsteine. Damit kannste ein Einfamilienhaus bauen. 

                    00:10:02:06 – 00:10:04:05 

                    Ralph 

                    Na ja, wollte ich grad fragen, wie viel es denn braucht. 

                    00:10:04:13 – 00:10:06:05 

                    Lukas 

                    Da kannst du ein Einfamilienhaus bauen. Genau. 

                    00:10:06:18 – 00:10:27:20 

                    Ralph 

                    Ja, und eine ganz kurze Rückfrage noch: Die Kammern werden nacheinander erhitzt und das heißt, am Anfang sind ja alle kalt, die Kammern und dann ist Kammer eins warm und dann wird Kammer zwei warm. Und so weiter. Genau. Und irgendwann sind ja dann doch alle gleichzeitig warm. Man öffnet eine Kammer, nimmt Ziegelstein raus, macht einen neuen Rohling rein, macht die Kammer wieder zu und es geht weiter und. 

                    00:10:27:24 – 00:10:50:09 

                    Lukas 

                    Und es dauert 14 Tage. Das dauert 14 Tage, bis die Hitze einmal komplett durch ist und deswegen Ring, Ofen, weil die Hitze ringförmig zirkuliert und es immer unterschiedliche Stadien des Brennen in den jeweiligen Kammern gibt. Und das ist insofern interessant für das Ziegelstein Museum, wenn du in das Ziegelstein Museum gehst, was natürlich auch eine riesengroße Fläche hat, weil es ist der komplette erste Stock dieses Brennofen. 

                    Jetzt ist es so, dass du in dem Ziegelstein Museum so kleine Dinger siehst, das sieht aus wie Gullydeckel sie da angeordnet sind, denn du kannst in jede Kammer, die kannst du mit so einem Gullideckel aufmachen von oben. Und da konnten die Mitarbeitenden in der Ziegelei noch zum Beispiel Kohle nachfüllen. Wenn die gemerkt haben, dass die Hitze nicht ganz ausreicht, dann konnten die von jeder Kammer quasi oben noch mal so ein Loch aufmachen und da rein füllen. 

                    Und deswegen ist es ganz wichtig, dass du von oben an jede Kammer hinkommst. Und jetzt, da die Ziegelei ja nicht mehr genutzt wird, ist es quasi einfach nur eine riesengroße Fläche. Wo du aber noch siehst, für was diese Öffnung genutzt worden sind. 

                    00:11:27:10 – 00:11:43:11 

                    Ralph 

                    Jetzt würde ich aber trotzdem ne Frage stellen, weil du sagst Ja, man kann von oben auf jede Kammer zugreifen. Das heißt, haben wir jetzt quasi nur eine Etage voller Kammern oder gibt es da schon mehrere?  

                    Lukas  

                    Genau. Aber es gibt quasi einen kleinen Abstand dazwischen, sodass man immer von oben aus rein schauen kann. Genau. Und das ist wahnsinnig kompliziert zu erklären. Und deswegen gibt es in den Shownotes einen ausführlichen Plan, dass es eine schematische Darstellung dieses Hoffmann Ring Ofens, das heißt alle, die sich dafür interessieren, einfach in die Shownotes gucken. Da gibt es eine Grafik, wo detailliert erklärt wird, was in jedem Ding passiert, damit er euch das besser vorstellen könnt. Wenn du dir mal diese Fläche anguckst, dieser riesengroß. 

                    Und das sind Tausende von Ziegelsteinen. Ich habe keine genaue Nummer, aber diesen, die sind groß, also von Dachziegeln, sogar über über Rohre, die wie ein Ziegel gebrannt worden sind und als Wasserleitungen fungiert haben in römischer Zeit. Also der hat da alles Mögliche. 

                    00:12:19:17 – 00:12:25:21 

                    Ralph 

                    Wie darf ich mir das vorstellen? Also waren da diese Ziegel in Vitrinen drin oder auf Regalen. Wie war das so? 

                    00:12:26:06 – 00:12:55:12 

                    Lukas 

                    Also ganz unterschiedlich. Die waren teilweise in Vitrinen drinne. Wenn es natürlich sehr, sehr wertvolle Exponate waren, teilweise, wenn es sehr große Steine waren, wie zum Beispiel auch Steine für diese römische Fußbodenheizung, dann waren die auf dem Boden drapiert oder in Regalen. Also, aber du wirst, wenn du da mal hoch gehst wirst, einfach sehen, das ist ein riesengroßes Areal und das sind so viele Steine drinnen, dass es wahnsinnig schwer dafür alles Glasvitrinen zu finden. 

                    00:12:56:00 – 00:13:02:23 

                    Ralph 

                    Und wenn ich dann da reingehen, dieses Museum, dann finde ich da eine Infotafel zu diesem Objekt, oder wie ist das genau? 

                    00:13:02:23 – 00:13:30:21 

                    Lukas 

                    Und da steht dann noch eingeschrieben, von welcher Zeit das ist, woher man das weiß. Eben zum Beispiel, indem man es mit Datenbanken von Eigenschaften, von Königen vergleicht oder indem man sagen kann Ja, diese Signatur ist von der mazedonischen Legion. Und so weiter und so fort. Genau. Nein, jetzt fragt du dich natürlich, wie ist er da rangekommen? Und das sind meistens tatsächlich Spenden oder halt Menschen, die gesagt haben Hey, du kümmerst dich doch darum, wir haben da bei uns was im Garten gefunden oder wir haben da was ausgegraben. 

                    Wenn es was Sensationelles ist, wird es natürlich meistens den offiziellen Museen oder den Lehrstuhl für Archäologie angeboten. Aber bei kleineren Geschichten oder bei so fragmentarischen Geschichten, die nimmt Klaus Ewe dann gerne an, da gibt es aber Geschichten sind sehr abenteuerlich. Also ein Bekannter Mag den Namen nicht nennen, der war in den 70er Jahren zu Besuch im historischen Babylon, also nachdem auch der Turm zu Babel benannt ist. 

                    Diese Ausgrabungsstätte befindet sich im heutigen Irak. 

                    00:14:00:09 – 00:14:29:10 

                    Klaus Ewe 

                    Und dann lag da so ein kleines Stück auf der Erde. Aber was drauf, also die Tasche gesteckt. Und dann hat er gesagt, das liegt jetzt seit 40 Jahren auf einem anderen verstaubten Regal. Mast es haben? Und ich bin dann in die Uni zu Pressesprecherin, die kann Keilschrift lesen und hatte schon eine Hoffnung. Und sie hat sich bewahrheitet. Die erste Zeile ist Nebukadnezar, der zweite der Erbauer, Restaurator des biblischen Turmbau zu Babel. 

                    00:14:29:10 – 00:14:31:00 

                    Lukas 

                    Das heißt, wie alt ist dieser Ziegel jetzt? 

                    00:14:31:05 – 00:14:38:01 

                    Klaus Ewe 

                    Nebukadnezar ist also im sechsten Jahrhundert vor Christus. 

                    00:14:38:18 – 00:14:42:24 

                    Lukas 

                    Also quasi ein 2600 Jahre alter Ziegel, der da ist mit Keilschrift. 

                    00:14:43:09 – 00:15:02:09 

                    Klaus Ewe 

                    Unser Pfarrer wollte eine archäologische Predigt halten und hat gefragt, ob man so Sachen hätte. Ja, ich sage ein Stückchen vom Turm zu Babel, dann habe ich, dann habe ich einen Denar vom Kaiser Augustus, von dem das Gebot ausgeht. Und dann kam nachher ein Ehepaar sagen So was haben wir auch. 

                    00:15:04:11 – 00:15:12:03 

                    Ralph 

                    In diesem Ton, da ist ja einiges drin, das auch mit dieser archäologischen Predigt. Der Pfarrer, der würde mich aber auch mal interessieren. 

                    00:15:12:24 – 00:15:18:02 

                    Lukas 

                    Der ist doch witzig, oder? Der Pfarrer sagt Ja, hast du was Archäologisches? Ja, ein Stück vom Turm zu Babel, als…. 

                    00:15:18:02 – 00:15:21:21 

                    Ralph 

                    … Wäre das ganz normal. Ja, gleich. Guck mal, hinten im Schupfen. 

                    00:15:22:12 – 00:15:46:08 

                    Lukas 

                    Ja, aber wenn du musst nur überlegen. Dieser Bekannte, der lässt halt diesen Ziegelstein 40 Jahre bei sich im Schrank stehen und er verstaubt einfach nur. Und dann kommt raus, dass es halt 2100 Jahre alte Keilschrift ist. Also ich will damit sagen, davon kann man halten, was man will, aber das ist keine Ausnahme. Und zwar hat ja Klaus Ewe gerade gesagt, dass dann während dieses Gottesdienstes ein Paar auf ihn zugekommen ist, ein Ehepaar auf ihn zugekommen, wissen gesagt, der so was haben wir auch. 

                    00:15:46:17 – 00:16:16:13 

                    Lukas 

                    Das hat Klaus Ewe in den letzten paar Sekunden, ist uns gerade gesagt. Ja, und da kam raus, dass der Mann dieses Ehepaars in den 70er Jahren auch im Irak gearbeitet hat und da als Straßenbauer Ingenieur tätig war. Und da ist er natürlich auch, weil die alles Mögliche umgegraben haben, auf Ziegel mit Inschriften gestoßen. Und die hat er, und das ist natürlich aus heutiger Sicht schon extrem schwierig, einfach mitgenommen, aber waren halt die 70er Straßenbahnen im Irak keine an ich möchte das jetzt nicht werten. 

                    00:16:16:13 – 00:16:17:08 

                    Lukas 

                    Das ist nicht so, wie. 

                    00:16:18:01 – 00:16:18:20 

                    Ralph 

                    Dass das passiert. 

                    Ja, ja und sicher auch das hat er dann analysieren lassen. Also der, der, der, der Freund von ihm. Und da kam raus. Die Dinger sind sogar 4000 Jahre alt. Und diese Ziegelsteine sind eine der frühesten Zeugnisse von menschlicher Keilschrift. Und das hat Klaus Ewe auch noch mal kurz erklären. 

                    00:16:41:16 – 00:17:12:00 

                    Klaus Ewe 

                    Der hat zwei kompletten Ziegel, aber die bringen auf dem Kunstmarkt fünf fünfstellige Beträge. Und dann hat er aber vier Fragmente, und die hat er mir gegeben. Das ist eine weiße Handschrift, und da ist der Name Amor Sin. Und dann gibt es eine Liste der Könige und Amor Sin sind, aber sind 2046 bis 2038. Ich kann also fast genau sagen, wie alt die Ziegel sind. 

                    00:17:12:11 – 00:17:14:06 

                    Lukas 

                    Ja, das ist so eine verrückte Geschichte. 

                    00:17:14:07 – 00:17:40:11 

                    Ralph 

                    Na ja, aber das ist halt wirklich schwierig, dass die Leute da halt einfach diese Sachen mitgehen lassen. Natürlich ist es jetzt eine schöne Geschichte, aber aus archäologischer Sicht ja halt bedenklich, weil wir halt jetzt dadurch halt den Fund Kontext ja auch gar nicht kennen und nicht wissen. Was kann uns das noch für Aufschluss über die Vergangenheit geben? Wir haben jetzt quasi nur dieses Objekt, aber wissen nicht wie. 

                    War das eingebettet und gab's da vielleicht noch mehr und so? 

                    00:17:43:19 – 00:18:11:06 

                    Lukas 

                    Da gebe ich dir absolut recht. Deswegen darüber, wie es da hingekommen ist, möchte ich nicht urteilen. Aber und das kann man ja Klaus Ewe schon zugutehalten er kümmert sich darum, dass diese Ziegelsteine erstens erhalten werden, zweitens auch ausgestellt werden. Und er hat ja auch wirklich Kontakt mit der Archäologie der Universität Mainz. Das heißt, er stellt ja nicht einfach so aus, sondern ist auch in Kontakt mit denen und die sagen, dass das für diese Fragmente in Ordnung ist, weil sonst dürfte die da auch gar nicht ausstellen. 

                    00:18:11:06 – 00:18:37:03 

                    Lukas 

                    Aber es ist auf jeden Fall so: Wenn man in einen Ziegelstein reingeht, kann man da 4000 Jahre alte Inschriften betrachten, und das erwartet man ja von Mainz nicht. Denn was man von Mainz ja erwartet aus archäologischer Sicht, ist ja ganz viel römisches von Mainz Wie viele andere Städte in Deutschland war Mainz eine Gründung der Römer und die Römer waren richtige Cracks im Ziegel bauen. 

                    Die haben wahnsinnig viel Gebäude aus Ziegel gemacht und deswegen konnten die auch überall relativ schnell ihre Kastelle, Anlagen, Bäder und Tempel hinbauen, weil die sehr gut im Produzieren von Ziegelsteinen waren. Und das hat natürlich auch dafür, dass gerade aus römischer Zeit sehr, sehr viel übrig ist. Wusstest du, wer bei den Römern dafür verantwortlich war, dass Ziegelsteine hergestellt wurden? 

                    00:19:00:12 – 00:19:00:23 

                    Ralph 

                    Nein. 

                    00:19:01:13 – 00:19:24:01 

                    Lukas 

                    Die Soldaten, die Legionäre haben nämlich nicht nur gekämpft, sondern die waren auch Handwerker. Die mussten quasi, wenn es gerade keine Kriegszeit gab, so ziemlich alles andere, was uns so eingefallen ist, machen. Und die waren tatsächlich auch spezialisiert. Also es gab wirklich innerhalb der Legionen einzelne Leute, die auch verschiedene handwerkliche Tätigkeiten spezialisiert waren und da war eben auch der Ziegelstein Brand mit dabei. 

                    Und diese Tatsache ist heute ein riesengroßer Schatz, denn diese Legionen haben quasi nicht nur unterschiedliche Ziegelsteine hergestellt, sondern haben in die Ziegelsteine auch verschiedene Symbole rein gebrannt, damit alle wussten, von welcher Legion dieser Ziegelstein kommt. Dadurch kann man, wenn man jetzt einen Ziegelstein findet und diese Signatur, der eben ausfindig macht, sogar bis ins Jahr hinein sagen, von wann dieser Ziegelstein ist. 

                    00:19:51:18 – 00:20:01:08 

                    Klaus Ewe 

                    Die müssen gebrannt sein in der Zeit zwischen 43 und 70, weil die mazedonische Legion zu dieser Zeit hier in Mainz gelegen hat. Das weiß man. 

                    00:20:03:10 – 00:20:05:18 

                    Ralph 

                    Ja der Herr Ewe, da weiß einiges über seine Ziegel. 

                    00:20:06:05 – 00:20:36:01 

                    Lukas 

                    Ja, und wir standen da gerade in diesem Raum. Also er hat einen Raum komplett abgetrennt, wo es speziell nur um römische Ziegel geht. Das hätte ich vielleicht vorhin noch erwähnen sollen und da stand neben davor und dann hat er mir eben diese Ziegel gezeigt und hat eben gesagt, worauf man da achten muss. Und Funfact Übrigens diese Beschreibungen in den Ziegeln, die nennt man Graffiti, also das heutige Markieren von Stein kommt quasi daher, dass man Ziegelsteine damals mit den jeweiligen Signaturen versehen hat. 

                    Und deswegen daher kommt das Wort Graffiti, denn da gibt es zum Beispiel S förmige Stempel, da gibt es Hufeisen, Stempel, da gibt es ganz, ganz unterschiedliche Sachen. Und natürlich, natürlich haben die römischen Soldaten nicht nur ernsthaftes Zeugs da rein gemacht, sondern die haben sich auch Witze erlaubt. Und zwar, das fand ich ziemlich witzig, gibt es einen Ziegelstein, wo man rekonstruieren konnte, dass die Seite mit der Signatur nach innen gezeigt hat? 

                    Und da hatten römische Soldaten Penis rein geritzt mit so einem Ding, so komplett random mäßig hat er sie erfunden, sondern Penis da eingeritzt. Und der ist bis heute da. 

                    00:21:14:02 – 00:21:15:04 

                    Ralph 

                    Sicher, dass das ein Penis ist. 

                    00:21:15:11 – 00:21:16:04 

                    Lukas 

                    Ja, das ist. 

                    00:21:16:04 – 00:21:17:07 

                    Ralph 

                    So eindeutig, das. 

                    00:21:17:07 – 00:21:28:04 

                    Lukas 

                    Ist unzweifelhaft ein Penis. Da siehst du die Hoden. Das ist ein Penis. Das ist die Eichel. Das ist unzweifelhaft Penis. Also, das ist klar, wie 12-jährige einen Penis malen, aber es ist ein Penis. 

                    00:21:28:12 – 00:21:33:06 

                    Ralph 

                    Ja, ich meine, die Soldaten waren ja auch oft mit ihren Familien da. Also vielleicht war es wirklich ein 12-jähriger. 

                    00:21:33:24 – 00:21:38:16 

                    Lukas 

                    Kann sein. Und was es zum Beispiel auch gibt, und das finde ich auch super spannend, sind Fußabdrücke. 

                    00:21:39:04 – 00:21:59:03 

                    Klaus Ewe 

                    Wir haben hier zu sehen, ein römischen Ziegel, der zum Trocknen aussah und da ist ein römischer Legionär dahergekommen und hat da aufgetreten und seine Schuhe waren genagelt. Und diesen genagelten Schuhen habe ich auch selbst ausgebuddelt. 1986 war das. 

                    00:21:59:04 – 00:22:13:08 

                    Lukas 

                    Dieser römische Legionär ist dann versehentlich auf den noch nicht ganz getrockneten Ziegel gestiegen. Und diesen Abdruck sieht man heute noch richtig. Und es hat sich tatsächlich herausgestellt, dass Klaus Ewe den Schuh aus gegraben hat, der zu diesem Fußabdruck passt. 

                    00:22:13:14 – 00:22:14:22 

                    Ralph 

                    Ach, gibts es ja gar nicht. 

                    00:22:15:04 – 00:22:15:11 

                    Lukas 

                    Ja. 

                    00:22:15:24 – 00:22:18:13 

                    Ralph 

                    Aber der war doch am selben Ort, oder? Hey, wie kam es dazu? 

                    00:22:18:22 – 00:22:39:09 

                    Lukas 

                    Vielleicht kann es auch sein, dass es andere Schuhe. Aber halt, in derselben Schuhgröße habe ich jedenfalls Zeit und Abdruck passen zusammen. Das heißt nicht, dass quasi Abdruck und exakt der Schuh sich dann 2000 Jahre später wieder treffen. Aber auf jeden Fall ein baugleicher Schuh oder ungleicher Schuh. Das Römische Reich ist ja im Verlauf des fünften und sechsten Jahrhunderts nach Christus untergegangen, also des Weströmischen Reiches. 

                    Da gab es ja die Teilung des Oströmische Reich hat ja letztlich bis ins 15. Jahrhundert existiert, aber das weströmischen Reich, also wo er auch Mainz gelegen ist, ist er dann untergegangen und damit mit dem Untergang des römischen Reiches ist auch die Ziegel Produktion ziemlich zum Erliegen gekommen und deswegen ist es wahnsinnig schwer aus dem Mittelalter Ziegeln zu finden. 

                    Also aus dem frühen Mittelalter. Ziegel zu finden ist fast unmöglich. So sieben acht Jahrhundert, da findet man gar nichts. Und wenn man da was krasses findet, das ist eine wirkliche Sensation. Und man sieht auch, dass mit dem Untergang des Römischen Reiches ganz viel Wissen um die Ziegel Produktion verloren gegangen ist. Also zum Beispiel hat Klaus natürlich auch Ziegelstein aus dem Mittelalter ausgestellt, aber man erkennt da, dass die nicht immer an die römische Qualität herangekommen sind. 

                    00:23:30:12 – 00:23:41:19 

                    Klaus Ewe 

                    Aus dem schätzungsweise 14 15 Jahrhundert habe ich ein paar Backsteine gesehen, auch abenteuerlich aus ganz krumm und schief. Aber das ist auch selten. 

                    00:23:43:03 – 00:23:54:11 

                    Ralph 

                    Der Klaus Ewe, der hat ja dann Ziegelsteine wirklich aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten. Gibt es dann aber was. Also hat er irgendwie so ein Lieblings Objekt oder ein bestimmtes Jahrhundert? 

                    00:23:55:00 – 00:24:23:06 

                    Lukas 

                    Was er wahnsinnig gern hat ist, er hat barocke Dachziegel, das sind sehr Ziegeln, die sind früher benutzt worden, da hat man in diese Ziegel Muster rein geschnitzt. Also es hat so ein bisschen wie ein Mandala, die hat man da rein geschnitzt und dann hat man das gebrannt und die hat man sozusagen als Kunstwerke ausgestellt. Und Klaus hat zu seinem 75 Geburtstag von seiner Frau so eine barocke vier Ziegel bekommen und das ist so sein Lieblings Ziegel. 

                    00:24:23:07 – 00:24:30:01 

                    Lukas 

                    Aber der hängt halt bei ihm zu Hause an der Wand und nicht im Museum. Aber denke sogar über dem Bett genau. 

                    00:24:31:06 – 00:24:38:07 

                    Ralph 

                    Aha. Ja, und jetzt ist Klaus Ewe ja auch nicht mehr der Jüngste. Wie geht es da mit dem Museum weiter? Sind da gefragt. 

                    00:24:38:14 – 00:25:01:08 

                    Lukas 

                    Ja, er hatte einen Nachfolger. Da war es aber tragischerweise so, dass dieser Nachfolger verstorben ist. Dann war er lange Zeit auf der Suche nach jemanden, weil das ist viel Arbeit. Also da muss man sich erstens gut auskennen, zweitens ist das ein riesen Areal. Drittens sitzt Klaus Ewe jeden Sonntag da und macht Führungen in diesem Museum. Also das ist auch wirklich ein sehr hohes persönliches Engagement, was er damit kann. 

                    Jetzt hat er aber wieder jemanden gefunden, einen Jungspund, wie er es sagt von 72 Jahren, der das selbst dann übernehmen wird. Aber natürlich auch noch mal der Ruf an alle Zuhörenden Wenn ihr aus der Mainzer Region seid und ihr Lust habt, euch bei einem tollen Projekt zu engagieren, mit jemanden, der sich wirklich gut auskennt, dann wendet euch gerne an Klaus. 

                    00:25:21:18 – 00:25:31:04 

                    Lukas 

                    Der freut sich da wahnsinnig, wenn auch mehr junge Leute und jüngere Leute, sagen wir mal, na so, Jungspunde unter 70, die sich dafür interessieren. Genau. 

                    00:25:31:20 – 00:25:35:16 

                    Ralph 

                    Das heißt, das Ziegelstein Museum hat nur sonntags geöffnet. 

                    00:25:35:23 – 00:25:54:18 

                    Lukas 

                    Genau. Das hat nur sonntags geöffnet und nach Absprache. Also, ich war ja auch nicht an dem Sonntag da. Ich habe da angerufen. Es gibt auch eine Homepage vom Ziegelstein Museum und eine Homepage von der alten Ziegelei. Das ist auch alles in den Shownotes und da sind die Kontaktdaten und da kann man einfach anrufen und gegen eine Spende bekommt man da eine Führung und das ist es wirklich wert. 

                    Also erstens ist es total imposant, wenn man sieht, wie jemand, der sich da der 70 Jahre ausgräbt, sich da auch auskennt. Und es ist einfach total schön zu sehen, mit was für einer Leidenschaft er dann diese Ziegelsteine rangeht. Das ist schon sehr cool. Na ja, gut, und jetzt kommen wir noch mal ganz kurz zurück zu den Ziegeln. Das ist jetzt sozusagen mein Abschluss dieser Folge war ein Exkurs, ja, ein mini Exkurs. 

                    Es geht mir so Du weißt ich magSuperlative und deswegen geht es jetzt um die Superlative des Ziegelsteinbaus. 

                    00:26:22:00 – 00:26:24:20 

                    Ralph 

                    Und zwar der kleinste Ziegelstein, der größte Ziegelstein. 

                    00:26:25:04 – 00:26:41:09 

                    Lukas 

                    Na ja, nicht so ganz. Es geht eben die Menge an Ziegelsteine, weil es total faszinierend find. Also tatsächlich ist in unserer wunderschönen Heimat Bayern ein Superlativ des Ziegelstein Baus. Weißt du zufällig, welcher vor ist? 

                    00:26:41:09 – 00:26:47:04 

                    Ralph 

                    So eine schwierige Frage. Was könnte das denn sein? Das höchste Gebäude, das höchste. Der höchste Ziegelstein. 

                    00:26:47:04 – 00:26:58:20 

                    Lukas 

                    Bau fast. Also der höchste Kirchturm aus Ziegelstein. Der steht in Bayern. Das ist nämlich der Kirchturm der Martinskirche, und der ist 130 Meter hoch. 

                    00:26:58:20 – 00:27:00:16 

                    Ralph 

                    Wo steht der? 

                    Lukas  

                    In Landshut. 

                    Und der ist aus rund 2 Millionen Ziegelsteinen gebaut worden. Also nur der Turm, die ganze Kirche aus Ziegelstein, das ist die sogenannte Backstein Gotik, die man ja eigentlich eher aus Norddeutschland kennt. Du hast du schon gesagt. Was ist das höchste Ziegelstein? Gebäude der Welt. Das ist der Anaconda Smoke Steg in Montana von 1918. Das ist ein Schornstein einer ehemaligen Industrieanlage. 

                    Der ist 178 Meter hoch, also fast 180 Meter, und dafür hat man 2,5 Millionen Ziegelsteine gebraucht. Aber ist halt nun Schornstein, ne.. 

                    00:27:35:14 – 00:27:37:17 

                    Ralph 

                    180 Meter. 

                    00:27:37:17 – 00:27:59:07 

                    Lukas 

                    Aber das ist alles gar nichts gegen den Rekordhalter im historischen Ziegelstein Bau. Und das ist was, von dem ich noch nie gehört habe. Und da merkt man einfach mal, was man für einen eurozentristischen Blick hat, weil man immer denkt, dass alles Krasse irgendwie der westlichen Welt passiert ist. Und das ist Bullshit, denn das wohl imposant ist und wahrscheinlich historisch. 

                    Eines der bedeutendsten Ziegelstein Bauten ist der Jetavanarayama in Sri Lanka. Das ist eine Tempelanlage aus dem dritten Jahrhundert, das dritte, sondern nach Christus, ein riesiges buddhistisches Kloster, und das besteht schätzungsweise aus 90 Millionen Ziegelsteinen. Also wenn du dir mal so eine riesige Backstein Kirche in Bayern vorstellst mit 2 Millionen Ziegelsteinen und das Jetavanarayama in Sri Lanka mit 90 Millionen Ziegel aus dem dritten Jahrhundert nach Christus. 

                    00:28:30:19 – 00:28:33:11 

                    Ralph 

                    Da hatten die wahrscheinlich noch nicht diesen Ring Ofen. 

                    00:28:34:08 – 00:29:02:00 

                    Lukas 

                    Du bringst mich zu meiner Nächsten. Ich habe das natürlich nachgerechnet, und zwar mit diesem Hoffmann Ring Ofen von 1864. Den hätte man zehn Jahre lang ohne Pause in maximal Auslastung Ziegelsteine produzieren lassen müssen. Nur für dieses Gebäude. Zehn Jahre lang, jeden Tag ohne Pause, mit 25.000 Ziegeln pro Tag, um das Jetavanarayama zu bauen. Dadurch, dass man weiß, dass man Sri Lanka diesen Ring of noch nicht gegeben hat. 

                    Kannst du dir mal vorstellen, wie viele Menschen über Dekaden hinweg nur dafür Ziegelsteine gebaut haben, dass diese Tempelanlage gebaut wird? Faszinierend. 

                    00:29:14:02 – 00:29:19:20 

                    Ralph 

                    Ja, schon. Aber du hast nicht rausgefunden, wie lang der Bau gedauert hat, oder? Man weiß es vielleicht auch gar nicht, oder? 

                    00:29:19:22 – 00:29:37:05 

                    Lukas 

                    Ich glaube nicht so ganz genau. Also, ich. Ich weiß nicht. Ich muss auch ehrlicherweise gestehen, bei der Recherche, ich bin jetzt nicht zu tief gegangen. Also da gibt es sicherlich Literatur drüber. Ich habe aber eben nur diese Infos rausgegeben, nur diese Infos gefunden, wie genau, wie gesagt, dass es drittes Jahrhundert nach Christus ja, also. 

                    00:29:37:20 – 00:29:43:14 

                    Ralph 

                    Na ja, also, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, falls ihr wisst, wie lange es gedauert hat, lasst es uns wissen. 

                    00:29:44:09 – 00:29:50:22 

                    Lukas 

                    Und mit diesem Superlativ, glaube ich, können wir diese Folge über das Ziegelstein Museum beenden oder so? Noch Fragen? 

                    00:29:51:11 – 00:30:01:05 

                    Ralph 

                    Ich habe noch Fragen. Und zwar, wenn ich an so einen klassischen Ziegelstein Bau denke, dann sind die Ziegelsteine da immer rot. Aber es gibt doch auch Ziegelsteine in anderen Farben, oder? 

                    00:30:02:01 – 00:30:07:09 

                    Lukas 

                    Es kommt einfach auf die Konsistenz des Lehms an und wie hoch der gebrannt wird. Da gibt es alles Mögliche. 

                    00:30:07:23 – 00:30:29:01 

                    Ralph 

                    Wenn jetzt zum Ersten Mal Ziegelstein hört oder jetzt auch, wie ich das jetzt so gehört hatte, denkste. Ja, okay, klingt jetzt nicht so spannend. Du hast das Gegenteil bewiesen. Es war recht spannend, aber dieses Museum ist es dann auch für für Kinder interessant, oder? Wir gehen so in dieses Ziegelstein Museum rein. Ich kann es überhaupt nicht einschätzen. Es ist das volle Geheimtipp. 

                    00:30:29:19 – 00:30:52:02 

                    Lukas 

                    Ja, also, ich glaube, es ist wirklich ein Geheimtipp, weil man muss. Man muss schon wissen, wie man da hinkommt. Und ich glaube aber, das ist für Familien genauso interessant wie für Alleinstehende, die da hingehen und auch von der Altersspanne her mit 9-jährigen würde ich da nicht reingehen. Und vielleicht haben Pubertierende jetzt auch nicht so wirklich Bock, sich mit Ziegelsteinen auseinanderzusetzen. 

                    00:30:52:12 – 00:31:01:01 

                    Lukas 

                    Aber so Alle Leute, die so ein bisschen historisches Interesse haben und vielleicht auch sich für römische Geschichte interessieren, die sind das sehr gut aufgehoben. 

                    00:31:02:01 – 00:31:02:10 

                    Ralph 

                    Okay. 

                    00:31:03:03 – 00:31:14:06 

                    Lukas 

                    Also gut. Und damit sind wir am Ende angelangt. Dieser Folge bitte nicht anfassen. Diesmal über das Ziegelstein Museum. Und vielleicht kannst du mir schon mal einen kleinen Vorgeschmack geben, wohin es das nächste Mal gehen wird. 

                    00:31:14:16 – 00:31:36:02 

                    Ralph 

                    Ja, es wird tatsächlich wieder nach Bayern gehen, aber das sehr kurz angesprochen hatten mit Landshut ist in Niederbayern, da geht es nicht hin, sondern es geht in die Oberpfalz. Mal wieder muss man sagen, wir hatten das ja schon mal, es geht um ein sehr kleines Objekt, das da im Mittelpunkt steht und das auch jeder kennt. 

                    00:31:37:11 – 00:31:38:05 

                    Lukas 

                    Ich bin gespannt. 

                    00:31:39:06 – 00:31:39:20 

                    Ralph 

                    Darfste sein? 

                    00:31:40:14 – 00:32:04:05 

                    Lukas 

                    Ja, und wenn ich jetzt diese Folge und bitte nicht anfassen gefällt, dann abonniert uns gerne oder hinterlasst uns auf Spotify zum Beispiel ein fünf Sterne Rating. Wir freuen uns natürlich auch über Kommentare und Feedback, die Möglichkeiten dazu findet ihr auch in der Podcast Beschreibung. Und wenn ihr uns unterstützen wollt, wir betreiben bitte nicht anfassen ohne eine Form von Profit. 

                    00:32:04:14 – 00:32:07:05 

                    Lukas 

                    Dann gibt es die Möglichkeit uns bei Steady zu unterstützen. 

                    00:32:07:20 – 00:32:25:08 

                    Ralph 

                    Richtig, wir würden uns sehr darüber freuen. Wir freuen uns aber auch einfach über Feedback und wenn ihr die Folge mit Leuten teilt, die sich unter anderem für Ziegelsteine interessieren. 

                    Der Beitrag Das Ziegelmuseum Mainz erschien zuerst auf Escucha.

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                    33 min
                  • In Robben eingenähte Seevögel und andere Leckereien - das Disgusting Food Museum Berlin

                      BITTE NICHT ANFASSEN! #8 – Disgusting Food Museum Berlin 

                      Show Notes 

                      Na, habt ihr schon gegessen? Heute wird es eklig. Zumindest verspricht das der Name des Disgusting Food Museum Berlin, um das es diesmal geht. Ob gegrilltes Meerschweinchen, Mäusewein oder stinkendster Käse der Welt – Museumsdirektor Martin Völker hat sich durch die Ausstellungsstücke seines Hauses probiert und gibt einen Einblick, worum es ihm dabei wirklich geht: um den Abbau von Vorurteilen und das Nachdenken über die eigenen Essensgewohnheiten. Da sich über Geschmack bekanntlich streiten lässt, tun das auch Lukas und Ralph in dieser Folge rund um “alte Chips”, fermentierte Oliven und den Endgegner Schafskäse. 

                      Hilfreiche Links: 

                      Foto von Museumsdirektor Martin Völker: 

                      https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220506_133739-scaled.jpg

                      Die offizielle Homepage der humanistischen Vereinigung:  

                      https://www.humanistische-vereinigung.de/

                      Hier sieht man den erwähnten Mäusewein: 

                      https://www.escucha.de/wp-content/uploads/20220506_134728-scaled.jpg

                      Die eingenähten Seevögel in einer Robbe ist eine Spezialität mit dem Namen Kiviak. Hier der Wikipedia-Artikel (ohne Foto): 

                      https://en.wikipedia.org/wiki/Kiviak

                      Infos zum Museum:  

                      Disgusting Food Museum Berlin 

                      Schützenstraße 70 

                      10117 Berlin 

                      https://disgustingfoodmuseum.berlin/

                      über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                      Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                      Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                      Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                      Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                      BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                      Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                      Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

                      ~~~~~

                      Kontakt 
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                      Podcast-Credits:  
                        

                      Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger  
                      Produktion: Escucha GbR  
                      Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/  
                      Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)  

                      Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

                      Transkript: 

                      (Teaser) Martin Völker: 

                      Dinge, die völlig entlegen waren, beispielsweise unsere Seevögel, eingenäht in eine Seerobbe. Das ist sozusagen so eine regionale Spezialität, dass wir die nicht probiert haben, aber sonst so wie es möglich war. 

                      Intro BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders 

                      Lukas: 

                      Hallo, Ralph und Hallo an alle da draußen, die zuhören. Heut ist mal wieder bitte nicht anfassen Tag, denn es ist ein neuer Monat und das heißt, dass wir mal wieder in einem Museum waren. Und diesmal, Ralph, warst du ja, unterwegs. Und zwar wo? 

                      Ralph: 

                      Genau! Hallo. Ähm, ja, ich möchte nicht einfach sagen, ich war in diesem und jenem Museum, sondern ich würde gerne mit einem Gedankenexperiment starten. 

                      Lukas: 

                      Okay. 

                      Ralph: 

                      Und zwar gehen wir beide, gehen wir mal einkaufen. Wir gehen in den Supermarkt. Also wir nehmen erst mal unseren Einkaufskorb. Also der Supermarkt beginnt ja oft mit einer Gemüseabteilung usw. Also da würde ich ja mal vorschlagen, wir nehmen mal einen Bund frischen Koriander, nehmen auch gleich noch rote Beete mit und Süßigkeiten wäre vielleicht auch nicht schlecht bzw. so Knabbereien. 

                      Also ich würde dann gerne noch so ein bisschen Lakritz mitnehmen, aber auch Erbsen in Wasabi Mantel, Mehlwürmer, Grillen. Ja und auch zum Trinken vielleicht einen Eierlikör und dann noch aus der Kühltheke oder sagen wir aus dem Kühlregal so die Bärchen Wurst, das ist doch was Schönes. 

                      Lukas: 

                      Die Kombination hat sich auf jeden Fall explosiv an. 

                      Ralph: 

                      Ja, aber ich mein, du kannst da natürlich auch gern was mitnehmen. Was würdest du denn da noch reinpacken? 

                      Lukas: 

                      Muss es in diese, ich sag mal, Kategorisierung reinpassen? 

                      Ralph: 

                      Ja, klar. 

                      Lukas: 

                      Ja. Also ich glaube, noch so ein richtig vergammelter Fisch. Also so ein richtig billiger Hering in so eine Paprika Sahne Soße, die drin ist; Ich finde, das passt ganz gut mit rein. 

                      Ralph: 

                      Na, ich glaube du hast verstanden, worum es so geht, was so die Gemeinsamkeiten sind. 

                      Lukas: 

                      Es ist halt alles irgendwie ein bisschen Joko und Klaas Style. Ich esse so lange, bis ich mich übergeben muss-Kategorie, oder? 

                      Ralph: 

                      Ja, ja, das trifft's wirklich sehr, sehr gut. Also, ich war natürlich nicht in einem Supermarkt, sondern im Museum, wie du ja schon angedeutet hast. Aber das Museum, in dem ich war, das ist so ähnlich aufgebaut wie ein Supermarkt. Und dort gibt es eben auch Lebensmittel. Und diese Lebensmittel, die es dort gibt, sind tatsächlich auch die, die ich jetzt alle aufgezählt habe. Also die gehören dazu. Und zwar ist es das Disgusting Food Museum in Berlin. 

                      Lukas: 

                      Das Disgusting Food Museum in Berlin, also ein Museum, über möglichst ekliges Essen. 

                      Ralph: 

                      Richtig. 

                      Lukas: 

                      Zu welcher Tageszeit war es denn da? Vormittags? Mittags? Beziehungsweise hattest du Hunger oder nicht? 

                      Ralph: 

                      Ich hatte Hunger. Ich war vormittags. 

                      Lukas: 

                      Hattest du danach noch Hunger? 

                      Ralph: 

                      Das kann ich später beantworten. Da kann ich eine kleine Anekdote zum Besten geben. 

                      Lukas: 

                      Das heißt, du stellst heute das Museum über jegliches Essen in Berlin vor? 

                      Ralph: 

                      Das klingt ja schon total eklig, skurril und auch einzigartig. Tatsächlich ist es das aber nicht. Es gibt weltweit zwei Museen dieser Art. 

                      Lukas: 

                      Wo ist das andere? 

                      Ralph: 

                      Das andere ist in Schweden, in Malmö. Und das Museum, in dem ich war, das ist quasi das Franchise von und betrieben wird das Museum von der Humanistischen Vereinigung in Deutschland. 

                      Lukas: 

                      Ich kenne da diese Partei, die Humanisten. Hat es mit denen zu tun?  

                      Ralph: 

                      Nee, aber es steckt in beiden das Wort Humanist drin. Also das ist halt schon die Gemeinsamkeit, dass die eben diese Weltanschauung des Humanismus haben. 

                      Lukas: 

                      Also quasi, dass der Mensch im Mittelpunkt von allem steht und dass das Wohl des Menschen über allem anderen ist. Ich glaube, die sind auch sehr religionskritisch. Also die lehnen, glaube ich, Religion in jeder Form eigentlich ab, weil die sagen, der Mensch ist quasi das Zentrum der Welt und nicht irgendwie Gott oder irgendwie Ideologie oder keine Ahnung was. Wenn ich das richtig verstanden habe. 

                      Ralph: 

                      Da hast du absolut in Schwarze getroffen. Das ist so, das ist eine Weltanschauungsgemeinschaft oder auch Interessenvertretung von nichtreligiösen Menschen. Und denen liegt daran, dass sie den humanistischen Ansatz oder diese humanistische Weltanschauung gleich behandeln mit religiöser Anschauung. Also wir haben es ja in Deutschland so, dass wir zum Beispiel in der Schule Religionsunterricht haben. Und die Humanistische Vereinigung, die setzt sich dafür ein, dass es auch ein humanistisches Unterrichtsfach gibt. 

                      Lukas: 

                      Okay, und was hat das Ganze jetzt mit täglichem Essen zu tun? Weil Menschen, die Religionen ablehnen, beschissen kochen oder was? 

                      Ralph: 

                      Es hat mit dem zu tun, was du vorher gesagt hast, dass der Mensch im Zentrum steht und dass es um das Wohl des Menschen geht. Es geht aber auch beim Humanismus darum, dass man halt jedem Menschen mit Respekt begegnet und die Würde des Menschen wahrt. Und darum geht es im Endeffekt bei dem Museum auch, dass man halt von ganz unterschiedlichen Weltteilen Essen vorgesetzt bekommt und sehr viele diese Lebensmittel, die man dort sieht, vielleicht als eklig empfindet, die aber andere Leute in anderen Teilen der Welt eben nicht als eklig empfinden. 

                      Lukas: 

                      Also gut. 

                      Ralph: 

                      Es ist so, man geht da in dieses Museum rein, das sieht auch sehr modern aus. Hat so eine Glasfassade mit so automatisch sich öffnenden Schiebetüren und dann hat man links eine Theke. Ich hoffe, ich erinnere mich richtig. Ich glaube, das war auch so in Weiß gehalten. Also alles wirklich sehr steril, sage ich jetzt mal, wo man Karten kauft. 

                      Ralph: 

                      Und rechts hat man dann noch eine andere Theke mit Glas Zylindern, in denen sich ganz unterschiedliche Dinge befinden. Ich habe mich dort mit dem Direktor des Museums getroffen, mit Martin Völker, und bin auch gleich an diese Theke gegangen mit diesen Glas Zylindern. Was es damit auf sich hat, das kann dir Martin Völker mal erzählen. 

                      Martin Völker: 

                      Wir befinden uns jetzt hier an der Tasting Bar. Die Tasting Bar ist der wichtigste Ort im Museum, wo die Leute nach ihrem Rundgang zurückkehren an die Bar und dann Dinge probieren, die sie schon aus der Ausstellung kennen. Das heißt, einen Teil der Exponate, die wir zeigen, kann man hier verkosten, an der Tasting Bar und das wird auch sehr dankbar angenommen, um auch den Unterschied klar zu machen, dass wir eine ganz andere Form von Museum sind. 

                      Das heißt, das, was man in einem normalen klassischen bürgerlichen Kultur Museum nicht machen darf: Also Sachen anfassen, riechen oder Sachen sogar in den Mund stecken. Das darf man bei uns. Insofern sagen wir immer so ein bisschen flapsig, Wir sind die Punkband unter den Berliner Museen. 

                      Lukas: 

                      Das heißt aber, dass das ein bisschen unserem Titel widerspricht, wenn man da alles anfassen darf und bei uns darf man nichts anfassen. Aber gut, der ist ja auch ironisch gemeint. 

                      Ralph: 

                      Na ja, teilweise. Es ist ja wirklich in vielen Museen so, dass man nichts anfassen darf. In dem Museum ist es tatsächlich anders, wobei man jetzt auch nicht alles anfasst oder so, also man kriegt dann an diese Tasting Bar die Sachen auch serviert von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter. 

                      Lukas: 

                      Und das ist dann wirklich möglichst ekliges Essen. 

                      Ralph: 

                      Naja, das ist ja sehr individuell, das definiert ja jeder anders, was möglichst eklig ist, also was es dort gab. Es sind halt eben Mehlwürmer oder auch größere Würmer. Maikäfer, Grillen, die Lakritze, die ich schon beschrieben hatte und auch Rote Beete Saft. Und ja, das habe ich alles probiert, das fand ich jetzt nicht so schlimm, muss ich zugeben. 

                      Lukas: 

                      Was hat dir am besten geschmeckt? 

                      Ralph: 

                      Der Rote Beete Saft! Der finde ich noch am besten. 

                      Lukas: 

                      Okay, alles klar. 

                      Ralph: 

                      Ich weiß nicht, hattest du, hast du schon jemals Insekten probiert? 

                      Lukas: 

                      Ja. Grillen. Und ich finde, die haben mich ein bisschen an Chips erinnert, um ehrlich zu sein, die waren halt sehr stark gesalzen und sehr stark ausgetrocknet. Also ich fand jetzt nicht, dass die so einen krassen Eigengeschmack hatten und auch vom Gefühl her, fand ich, waren die sehr chipslastig, zumindest die, die ich damals gegessen habe. 

                      Ralph: 

                      Also ich finde es nicht wirklich lecker, so wie Chips, aber von der Konsistenz her ist es ähnlich oder manchmal auch wie so ältere Chips, je nachdem was das ist. Und Mehlwürmer finde ich, das schmeckt eher so wie ältere Chips, der ist nicht mehr ganz so knackig. Aber eine Grille ist schon ziemlich knackig. 

                      Lukas: 

                      Ja, okay. 

                      Ralph: 

                      Also die Leute sind wirklich angehalten, in diesem Museum halt sich da durch zu probieren und dann diese inneren Widerstände da abzubauen. Und lustigerweise gibt es auch neben dieser Theke so eine Tafel, wo dann –  wortwörtlich stimmt das nicht, aber da steht im Endeffekt drauf x Tage spielfrei. Also jedes Mal, wenn jemand speit, wird dann halt wieder die Anzahl der Tage auf null gestellt. 

                      Ralph: 

                      Und ich glaube, als ich da war, waren es, glaube ich, vier Tage oder so. 

                      Lukas: 

                      Also seit vier Tagen hatte zum letzten mal jemand rein gekotzt, weil er sich so vor dem Essen geekelt hat. 

                      Ralph: 

                      Ja, wobei kotzen jetzt ein extremer Ausdruck ist, aber ausgespuckt. 

                      Lukas: 

                      Okay. 

                      Ralph: 

                      Ich glaube, gekotzt hat tatsächlich noch keiner. 

                      Lukas: 

                      Das klingt wirklich nach einer Punkband unter den Museen. 

                      Ralph: 

                      Ja, genau. Also diese Tasting Bar ist eben dieses Herzstück, wo man die Sachen ausprobieren kann. Und dann gibt es noch einen Ausstellungsraum, wie man es aus Museen so kennt, mit Vitrinen und Sockeln, auf denen eben Objekte stehen. Und dieser Ausstellungsraum, der befindet sich weiter hinten im Museum, nachdem man eben diese Kasse passiert hat. Und der ist, würde ich mal schätzen, vielleicht so 14 mal 14 Meter. 

                      Ralph: 

                      Man stand gleich an so einer Station, wo erst mal beschrieben wird, was Ekel ist. Und anstatt dass ich jetzt diese Tafel vorlese, habe ich auch Martin Völker darum gebeten, dass er mal erklärt, was es damit auf sich hat. 

                      Martin Völker: 

                      Der Ekel ist so eine Art Grundgefühl, das mich davor warnt, Dinge zu essen, die, weil sie stark riechen oder stark schmecken oder übel schmecken, mich warnen wollen, Dinge zu essen, die verdorben sind, die im schlimmsten Fall dazu führen, dass ich tot umfalle. Insofern hat der Ekel als Gefühl eine ganz wichtige Funktion. 

                      Lukas: 

                      Ja, klingt logisch. 

                      Ralph: 

                      Es ist aber auch so, dass Sachen nicht nur eklig riechen oder schmecken können, sondern die können auch sehr eklig aussehen. Und das erfährt man halt gleich am Anfang dieser Ausstellung, wo man auf so einem Tisch eine acht Liter Flasche sieht, so eine bauchige Flasche, in der sich so eine orange rote Flüssigkeit befindet, und am Boden dieser Flüssigkeit sind, tja, ich würde sagen, dutzende von haarlosen Mäuse, Babys. 

                      Lukas: 

                      Okay. 

                      Ralph: 

                      Ja, ich habe sowas vorher noch nie gesehen und habe dann auch Martin Völker gefragt, was es damit auf sich hat. Ja, er hat mir gesagt, dass das was ganz Gewöhnliches sei. 

                      Martin Völker 

                      Das ist der berühmte Mäusewein und so wie man ihn auf Food Märkten oder auch in China halt kaufen kann. Für die innere Anwendung, aber auch für die äußere Anwendung, auch gegen Asthma Leber Erkrankungen wird das eingesetzt. Also ein Produkt, was jetzt nicht nur besticht durch einen bestimmten Geschmack, sondern auch einen medizinischen Wert hat, über den wir also gar nicht richten wollen. Dass das Kraft des Glaubens vielleicht wirkt, aber eigentlich nicht nachgewiesen wirken kann. 

                      Lukas: 

                      Wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, es sieht folgendermaßen aus: Das ist Wein, in dem Mäusebabys unten drin sind, die da quasi eingelegt werden wie sonst irgendwie ein Topf, wo Früchte in Rum eingelegt werden. Und da sind quasi Mäusebabys, die in diesen Topf da in dieser Karaffe oder was da drin sind. Und diese Kombination aus Wein und Mäusebabys wird in der traditionell chinesischen Medizin heilende Wirkung zugesprochen. 

                      Ralph: 

                      Genau. 

                      Lukas: 

                      Wow. 

                      Ralph: 

                      Es ist wirklich noch mehr Wow, weil ich habe ja noch gar nicht gesagt, diese Objekte, die man da sieht, die sind alle echt. Also es ist wirklich so, dass man da diesen echten Wein auch hat, das heißt, es sind da wirklich tote Tiere drin. Aber Martin Völker hat mir versichert, dass für das Museum kein Tier sterben musste. Also das waren dann schon bestehende Produkte, die die irgendwie bekommen hatten. 

                      Lukas: 

                      Ja, klingt super eklig. 

                      Ralph: 

                      Ich war da auch sehr dankbar, dass Martin Völker mich das so durchgeführt hat. Weil die Infotafeln, die man bei diesen Objekten findet, schon relativ knapp sind. An sich finde ich das sehr gut, dass nicht zu viel Text an den einzelnen Objekten zu finden ist. Was Martin Völker zum Beispiel gemeint hat, dass er diese heilende Wirkung da so, so kritisch sieht, das findet man bei den Tafeln halt nicht. 

                      Lukas: 

                      Was gab es da noch abseits vom Mäusewein für Sachen, die dich da besonders beeindruckt haben? 

                      Ralph: 

                      Ja, es gab eine beeindruckende Sache, von der ich dachte, dass das gar nicht eklig wäre, weil es ja wirklich was, ja was Traditionelles bei uns eigentlich schon ist, nämlich der Eierlikör. 

                      Lukas: 

                      Hey, du weißt, dass ich wenige 100 Meter neben Deutschlands größtem Eierlikör Produzent wohne. Das ist ein Bonner Urgestein aus Bonn.  

                      Ralph: 

                      Aha. Nee, wusste ich tatsächlich nicht. 

                      Lukas: 

                      Okay. Aber das heißt, ich bin kein Eierlikör Fan und du wirst mir jetzt sagen, dass das auch noch super eklig ist. 

                      Ralph: 

                      Und zwar, dass es für Martin Völker super eklig ist. 

                      Martin Völker 

                      Ausschlaggebend war eigentlich so eine eigene Kindheitserfahrung, die ich hatte. Oft in meiner Familie war es so, dass Eierlikör so ein Lieblingsprojekt war und nach dem Essen oder sonntags zur Kaffeetafel gab's Eierlikör. Im besten Fall trinkt man in Deutschland den Eierlikör aus den kleinen Schoko Bechern oder aus den kleinen Waffel Bechern isst man danach den Becher mit. Im schlechteren Fall trinkt man ihn aus ganz normalen kleinen Schnaps Gläsern. 

                      Martin Völker 

                      Und da der so schlunzig ist der Eierlikör, geht beim Trinken nur die Hälfte raus. Und was macht man, wenn aus einem kleinen Glas nur die Hälfte rausgeht? Man fängt an, mit großen Zungen kleine Gläser auszulecken. Das fand ich früher als Kind schon derartig schlimm und widerlich. Sah wirklich fürchterlich aus. Was mich auf die Idee gebracht hat, den Leuten hier zu zeigen, dass der Ekel gar nicht in dem Produkt immer nur drinstecken muss, sondern auch in der Art und Weise, wie wir mit dem Produkt umgehen, also beispielsweise, wie wir den Eierlikör trinken. 

                      Lukas: 

                      Okay, jetzt bin ich ein bisschen beruhigt. Ich dachte irgendwie, dass jetzt irgendwie kommt, dass Eierlikör in Wirklichkeit von fermentierten Eiern hergestellt wird, die irgendwie drei Jahre in der Sonne rumliegen. Aber es geht ihm wirklich nur darum, dass quasi ein Produkt was an und für sich vielleicht semi eklig ist, durch den Konsum zu was voll Ekligem wird. 

                      Ralph: 

                      Wobei es ja tatsächlich in der Ausstellung auch so ist, dass es kein normaler Eierlikör ist, sondern Eierlikör aus Straußeeiern. 

                      Lukas: 

                      Strauß. Naja schmeckt der denn anders? 

                      Ralph: 

                      Ich habe ihn nicht probiert und ich habe auch nicht gefragt. Das weiß ich daher nicht. 

                      Lukas: 

                      Mal ganz ehrlich Hast du schon mal einen Eierlikör pur getrunken? 

                      Ralph: 

                      Ja. 

                      Lukas: 

                      Ich nicht. 

                      Ralph: 

                      Ich finde, der passt halt sehr gut zu Kuchen. Aber nicht nur im Kuchen, sondern auch zum Kuchen, finde ich. Und man darf ja nicht vergessen Eierlikör, der hat auch Alkohol. Also da kannst du sowieso nicht so in großen Mengen trinken mit 20 %. 

                      Lukas: 

                      Das heißt, da gibt es den Eierlikör aus Straußeneiern und ja, ich kann mir vorstellen, ich glaube, das ist echt egal, ob du Straußeneierlikör trinkst oder normalen Eierlikör. Wenn Leute den eklig auslecken, dann schaut das bestimmt ziemlich eklig aus. 

                      Ralph: 

                      Ja, also es ist ja wirklich so, dass die Tischmanieren oder Tischsitten oder Essensgewohnheiten einfach eklig sein können. Das kennen ja wahrscheinlich viele Leute von anderen Leuten, die die Döner essen oder so zum Beispiel. 

                      Lukas: 

                      Oder die ewig laut schmatzen. 

                      Ralph: 

                      Dabei schmatzen, stört mich persönlich gar nicht. 

                      Lukas: 

                      Oh, ich hasse es.  

                      Ralph: 

                      Gut zu wissen. Also ich fand zum Beispiel jetzt den Mäusewein eklig in dem Sinne nicht. Ich fand es eher schockierend. Den Eierlikör fand ich jetzt auch nicht eklig. Aber was ich wirklich eklig fand und schockierend und was wirklich das Schlimmste in dieser ganzen Ausstellung für mich war, das war eine Station, auf der so ein Plastik Trichter war und daneben war ein Glas mit dem Produkt. 

                      Und über dieser Station hat man in einer unendlich Schleife gesehen, wie dieser Trichter eingesetzt wird, um das Produkt zu erzeugen. Und das Produkt, von dem ich hier spreche, ist die Gänsestopfleber. 

                      Lukas: 

                      Foie gras. Das kommt aus dem Französischen und heißt ja übersetzt natürlich auch einfach nur fette Gans. Ist ja eine Delikatesse. Ich mein klar, der Name impliziert, dass das nicht so lecker ist, aber weißt du, wie das dann hergestellt wird? 

                      Ralph: 

                      Also, ich weiß ungefähr, wie es hergestellt wird. Und zwar spielt da eben dieser Trichter eine große Rolle, und zwar, wie sagt man denn da, die Gänsebauern, die stecken halt diesen Trichter in die langen Hälse der Gänse rein und so ein Trichter, den man da gesehen hat, der ist fast 30 Zentimeter lang, würde ich jetzt behaupten. Und oben in den Trichter schütten die halt die Nahrung für die Gänse rein, sodass die halt dadurch direkt gemästet werden. 

                      Ralph: 

                      So entsteht diese Gänsestopfleber und in dem Video sieht man halt sehr eindringlich wie ein Bauer halt da einfach so routinemäßig, da die Gänse an den Hälsen packt und dann die Trichter einfach reinsteckt. Also Mund auf, Trichter rein, Essen rein, nächste Gans. Und so weiter. Und das war so unangenehm für mich, dass ich, während ich mit Martin Völker gesprochen habe, dass ich mich da wegdrehen musste, damit ich nicht die ganze Zeit dieses Video noch sehe. Ich stand dann mit dem Rücken zu diesem Video und war echt froh drum. 

                      Lukas: 

                      Also das ist jetzt quasi eine Dimension von ekligem Essen, die auch nicht notwendigerweise lustig ist. 

                      Ralph: 

                      Ja, es ist bei manchen Sachen lustig, das stimmt. Aber im Endeffekt geht es dem Museum halt nicht darum, dass man wie so ein Kuriositätenkabinett hat und einfach Sachen zeigt, die lustig sein sollen, sondern es soll anregen nachzudenken. 

                      Martin Völker: 

                      Auch bei der Leber ist es so, dass der Ekel, wenn man Fleisch mag, nicht unbedingt in dem Produkt drinsteckt, sondern in der Art und Weise, wie diese Tiere hier im Zuge der Produktion von Stoff lieber behandelt werden. Wir zeigen auch mit so einem Video Dinge, die bei uns im Supermarkt, wenn da die Gänsestopfleber steht, die dann nicht gezeigt werden. 

                      Und wir sagen den Leuten auch bei Führung, es gehört heute einfach mit dazu, zur Nahrungsmittel Kompetenz zu wissen, wie werden bestimmte Dinge produziert. Das heißt, ich kann den Geschmack auch nicht loslösen oder das Produkt nicht loslösen von den Ausgangspunkten, von den Lieferketten, von den Produktionsweisen und das führt letzten Endes auch dazu, dass man mehr über Ernährung nachdenkt und letzten Endes durch diese Nahrungsmittel Kompetenz auch mehr eine Möglichkeit hat eine Entscheidung zu treffen im Supermarkt. 

                      Ralph: 

                      Im Endeffekt habe ich mich auch geekelt für die Menschen oder über die Menschen, die das praktizieren, die dieses Produkt herstellen. Also man wird in diesem Museum wirklich sehr viel zum Nachdenken angeregt, in ganz unterschiedlichen Ebenen. Zum Beispiel gibt es da auch eine Station, wo man Videos sieht von Hunden, die in Käfigen gehalten werden, weil in anderen Teilen der Welt ist man zum Beispiel ein Hund. 

                      Ralph: 

                      Also es geht halt bei dieser Station eben darum, was teilen wir denn als Nutztiere ein und was als Haustiere? Und dazu hat Martin Völker folgendes gesagt. 

                      Martin Völker: 

                      Der Hund sitzt abends bei uns auf der Couch und guckt Fernsehen und wir essen die Salami. Das heißt also, irgendein Tier geht in die Wurst. Und das ist die Frage: Warum ist das so? Und gestehen wir anderen Ländern zu, dass sie eine andere Einteilung haben von Nutztieren und Haustieren? Auch in anderen Weltteilen isst man keine Kühe wie in Indien. 

                      Also das gehört auch mit dazu, dass unser Nachdenken über Tiere, unsere Einteilung nicht die ist, die es auch in anderen Ländern gibt oder geben müsste. Und das ist immer die Frage: Wie setzen wir uns damit auseinander? 

                      Lukas: 

                      Ja, es ist auf jeden Fall eine sehr interessante Diskussion und eine sehr interessante Debatte. Und dann sieht man einfach, dass unsere Essensgewohnheiten die sind nicht universell, sondern das sind wir, also das ist ja eigentlich so ein westlich eurozentristischer Blick, ja, dass du Schweine essen kannst, dass du Hühner essen kannst, dass du Kühe essen kannst. Aber weil wir halt irgendwie, keine Ahnung, mit Hunden oder Katzen anders verbunden sind, essen wir die nicht. 

                      Und wenn es dann andere machen, dann sind es Barbaren. Aber es ist eigentlich kein Unterschied. Es sind alles Säugetiere, also bis auf Vögel, es sind alles soziale Tiere, irgendwie. Aber wir verurteilen die einen, aber essen dann die anderen Tiere einfach so. Das ist sehr, sehr Doppelmoral. 

                      Ralph: 

                      Vielleicht ist es auch gar nicht so bewusst. Doppelmoral. Ich glaube, dass viele Leute sich gar nicht so viel Gedanken darüber machen. Also ich habe mir ja auch nicht so viel Gedanken darüber gemacht, muss ich zugeben. Ich meine, es gilt ja als selbstverständlich, welche Tiere wir essen und welche nicht. 

                      Lukas: 

                      Als du in dem Museum warst, hast du gerade erzählt, dass du da sehr stark reagiert hast auf dieses Video mit der Gänsestopfleber. Ich habe jetzt zwei Fragen. Erstens, wie viele Leute waren da noch so mit dir in dem Museum? Und zweitens, hast du bei denen auch so Reaktionen festmachen können. 

                      Ralph: 

                      Es waren zum Zeitpunkt, als ich drin war, vielleicht so fünf Leute dort und ich habe da nicht so genau drauf geachtet. Ich habe nur einen jungen Mann an der Tasting Bar gesehen, der mit den Mitarbeiterinnen gequatscht hat und auch was probiert hat. Ahja, zwei junge Frauen auch noch und die das alles so offen probiert hatten. Was ich eben festgestellt habe ist das, dass sie schon offen waren, eben neue Sachen auszuprobieren. Ob die jetzt in der Ausstellung so mit mit Ekel reagiert haben oder so, das kann ich gar nicht sagen. 

                      Lukas: 

                      Okay. 

                      Ralph: 

                      Aber es kostet auf jeden Fall Mut, diese Sachen zu probieren. Und für manche ist es leichter, für andere schwieriger. Und für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dieses Museums ist es halt ein Muss. Es ist tatsächlich so, dass die alles aus der Ausstellung mal probiert haben müssen. 

                      Lukas: 

                      Auch den Mäusewein. 

                      Ralph: 

                      Auch den Mäusewein. [An Lukas Völker:] Und Sie haben jetzt gesagt, sie haben jedes Ausstellungsstück hier probiert. 

                      Martin Völker: 

                      Genau. Also weitgehend. Das heißt also, Dinge, die völlig entlegen waren, beispielsweise unsere Seevögel, eingenäht in eine Seerobbe. Das ist sozusagen so eine regionale Spezialität, dass wir die nicht probiert haben, aber sonst so wie es möglich war, alles. Und das ist uns auch ganz, ganz wichtig, weil wir erwarten ja, dass die Leute sozusagen Mut aufbringen, über ihren Schatten springen und bereit sind, eine neue kulinarische Erfahrung zu machen. Und entsprechend müssen wir handeln und müssen das entweder schon gemacht haben. Oder Leute, die neu ins Team kommen, müssen auch darauf vorbereitet sein, dass sie sich einmal durch die ganze Ausstellung probieren können, um das, was man den Leuten hier abfordern, Mut, dass man den selbst schon aufgebracht hat. 

                      Lukas: 

                      Habe ich das richtig verstanden? Es gab Seevögel in einer Robbe eingenäht. 

                      Ralph: 

                      Ja. Wie bizarr, oder? 

                      Lukas: 

                      Es stellt sich die Frage, wie man Essen nicht kombinieren kann. Also weil wer kommt denn auf die Idee und denkt sich Ah, geil, ich habe einen Vogel, was mache ich damit? Ich könnt ihn jetzt irgendwie, keine Ahnung übers Feuer tun und dann irgendwie rösten, was weiß ich, ne, ich näh den in die Robbe ein und macht dann daraus Essen. Das ist ja völlig irre. Aber im Prinzip ist doch Wurst im Speckmantel dasselbe wie Seemöwe in Robbe eingenäht, oder wenn man es mal so betrachtet? 

                      Ralph: 

                      Ja, so ähnlich. Dieses Gericht mit diesen genähten Vögeln. Das ist ein Gericht der Inuit. Diese Vögel, die kommen da rein und dann wird es zugenäht. Und dann fermentieren die da drin in der Robbe und dann wird das irgendwann gegessen. 

                      Lukas: 

                      Also die Robbe wird gar nicht gegessen. Die Robbe ist sozusagen einfach nur Fermentierungsbox. 

                      Ralph: 

                      Das weiß ich nicht. Ich schätze mal, dass die Robbe auch gegessen wird. Und dann gab's noch was, was ich auch sehr schön fand. Also es gibt da ungefähr 80 Objekte, die man sich da angucken kann. Und natürlich werde ich jetzt nicht alle vorstellen, aber so verschiedene Bereiche versuche ich hier vorzustellen. Und dann gibt es eben noch einen Bereich, der nennt sich der Altar of stinky cheese. 

                      Martin Völker: 

                      Das ist eine Station. Da sind fünf Käsesorten in kleinen Gläsern, die sich jeder greifen kann, den Deckel öffnen kann, um an diesem Käse zu riechen. Und da spielen sich natürlich auch immer Dramen ab vor dem Altar, auf den die Leute, die sowieso Käse mögen, die brechen ein großes Juchzen aus, dieser super Käse. Ganz toll, jetzt ein Glas Rotwein, ein Stück Baguette, perfekter Tag. 

                      Und die Leute, die keinen Käse mögen, die finden das genau entgegengesetzt. Die sagen, um Gottes willen, der schlimmste Käse, den man sich so vorstellen kann. Es gibt aber auch die Leute, die von sich aus sagen, sie mögen eigentlich gar keinen Käse. Und wenn die an dem Käse anfangen zu riechen, sagen die, aber Der ist eigentlich gar nicht schlecht. 

                      Und da wir jeden Tag immer auch andere sind als die, die wir gestern waren, gehört der Geschmack oder gehören Geschmacksfragen immer mit dazu. Und auch der verändert sich. Und das ist doch sehr spannend, sich selbst neu kennenzulernen. Und das kann man hier mit diesen Gläsern schon in der Ausstellung und dann etwas ausführlicher vorne an der Bar. 

                      Lukas: 

                      Und da hast du jetzt was bei mir erwischt, weil ich hasse stinkenden Käse. 

                      Ralph: 

                      Aber das ist doch der, der am leckersten ist. 

                      Lukas: 

                      Ja, das sagen alle. Aber ich hasse es. Ich esse sowieso kaum Käse, aber je mehr der stinkt, desto schlimmer, finde ich ihn. Also das löst bei mir wirklich Ekel aus. 

                      Ralph: 

                      Das wäre genau deine Station gewesen. Das sage ich, weil das war so extrem. Also das war echt, vor allem, weil ich liebe stinkenden Käse und eine Käsesorte, der sogenannte Vieux Boulogne aus Frankreich. Ich hoffe, das habe ich jetzt richtig ausgesprochen und da habe ich mir die Tafel auch abfotografiert und die zitiere ich dir schnell, was da für diesen Käse da steht: Dieser in Boulogne sur Mer hergestellte, nicht pasteurisiert Käse genießt den Ruf, der geruchsintensivste Käse der Welt zu sein. Die Kühe weiden auf mit Meerwasser besprühten Wiesen, wodurch der Käse seinen ausgeprägten salzigen Geschmack erhält. Er wird 7 bis 9 Wochen lang gelagert und in Bier gewaschen. Eine wissenschaftliche Untersuchung von Käsesorten mit dem weltweit intensivsten Geruch ergab, dass Vieux Boulogne den übelsten Geruch von allen besitzt. Sein Aroma erinnert an nasse Erde, Pilze, verrottende Blätter, an einen Kuhhintern oder sechs Wochen altes Ohrenschmalz. 

                      Ralph: 

                      Und an dem musste ich natürlich riechen. 

                      Lukas: 

                      Warum isst man sowas? 

                      Lukas: 

                      Sechs Wochen alter Ohrenschmalz. Und hat sich umgehauen. 

                      Ralph: 

                      Also es war echt extrem. Ich kann es jetzt so gar nicht mehr beschreiben. Das kann schon hinkommen, dass das irgendwie so war wie Ohrenschmalz oder so, das kann schon sein. Ich weiß nur, dass ich kurz danach noch zur Tasting Bar gegangen bin, weil da wollte ich noch was anderes probieren. Was Spezielles. Milbenkäse. 

                      Lukas: 

                      Ach ja. 

                      Ralph: 

                      Es ist unser Running Gag, irgendwie mit dem Käse zwischen uns privat. Es gibt halt eben einen Käse. Das ist glaube ich sogar ein Parmesan auf dem Milben, also diese Spinnen Tierchen, da abgesetzt werden und die leben halt da und vermehren sich und essen ein Stückchen Käse. Und scheiden aber auch wieder was aus. Und das gibt dem Käse so ein ganz spezielles Aroma. 

                      Ralph: 

                      Es ist dann so bei Milbenkäse, dass man diese Milben dann vor dem Verzehr auch nicht entfernt, sondern die sind da weiterhin drauf. Die leben, die krabbeln. Und diesen Käse wollte ich dann halt probieren. Und als ich den dann gegessen hatte, dann bin ich auch kurze Zeit später wieder aus dem Museum rausgegangen. Ich habe was getrunken. Und so weiter. Aber ich habe diesen Geruch aus der Nase nicht rausbekommen und ich weiß jetzt nicht, ob das der Vieux Boulogne war oder der Milbenkäse Ich hatte den ewig lang drin. Also wirklich mehrere Stunden. Und das war richtig stechender Geruch. Das war auf jeden Fall faszinierend. Eine spannende Erfahrung. 

                      Lukas: 

                      Also, das ging mir noch nicht so, dass ich irgendwas stundenlang… Also in alledem, was du gesagt hast, Ralph, und in all dem, was ich auch von Martin Völker gehört habe, habe ich mich tatsächlich sehr häufig wiedererkannt und vor allem, wenn es um den Stinkekäse geht. Weil ich nämlich auch bei mir selber die Erfahrung gemacht habe, dass sich meine Essgewohnheiten und mein Geschmack eigentlich voll häufig ändert. 

                      Ralph: 

                      Aha, wie häufig? 

                      Lukas: 

                      Ich habe mir mal gedacht, dass ich jedes Mal, wenn ich mal eine längere Zeit im Ausland bin und dann auf einmal anfange, eine ausländische Spezialität zu essen. Die habe ich aber eigentlich vorher gar nicht gemocht. Ich habe nie rohe Tomaten gegessen. Und dann war ich drei Wochen in Georgien. Und in Georgien sind die Tomaten offensichtlich fantastisch. Ich weiß es nicht. 

                      Dann habe ich da angefangen, Tomatensalat zu essen, weil es halt eine georgische Speise ist. Aus Gastfreundschaft, weil ich da privat eingeladen war, habe ich das angenommen. Und seitdem liebe ich Tomaten. Also früher, wenn jemand eine reife Tomate reingebissen hat und diese Tomate genommen hat wie so ein Apfel und dann so rein gebissen hat, da hat sich mir mein Magen aufgestellt. 

                      Lukas: 

                      Und jetzt mittlerweile mache ich das auch, was für mich das absolute NoGo ist, was ich nicht ausstehen kann, ist wie gesagt Stinke Käse, wenn es richtig stinkt. 

                      Ralph: 

                      Also Gorgonzola oder so. 

                      Lukas: 

                      Ja und Schafskäse und Ziegenkäse. 

                      Ralph: 

                      Ich esse ziemlich viel Schafskäse, muss ich sagen. 

                      Lukas: 

                      Ja, vielleicht muss ich mal irgendwie. Keine Ahnung. Vier Wochen in Griechenland sein und dann irgendwie darauf angewiesen sein, Schafskäse zu essen. Und danach knall ich mir dann auch kiloweise rein. Ich weiß es nicht. 

                      Ralph: 

                      Es scheint auf jeden Fall immer mit einem Auslandsaufenthalt verbunden zu sein. 

                      Lukas: 

                      Irgendwie schon. Ja, was ist denn jetzt ein Fazit des Museums? 

                      Ralph: 

                      Ich hatte viel Spaß in dem Museum, muss man sagen, weil es hat auch so, so hands on ist, dass man wirklich viel mit seinen Sinnen erfahren kann. Und das finde ich eigentlich immer toll. Wenn es interaktiv ist, dann bleibt noch mehr hängen, dann hat man mehr so einen Bezug dazu. Ich fand es auch gut, dass Produkte aus dem Ausland gezeigt wurden, aber auch Produkte aus Deutschland oder aus Frankreich, also aus unseren Kulturkreisen, um zu zeigen Hey, der Ekel ist nichts, was nur die anderen betrifft, sondern uns auch. 

                      Ralph: 

                      In manchen Fällen hätte ich mir dann schon so ein bisschen eine Einordnung gewünscht oder auch eine Art Statistik oder so wie viele Gänse dafür eine Gänse stopft, Leber draufgehen oder so oder was weiß ich was. Einfach damit man so weiß. Ist das jetzt was besonders Exotisches oder so? Jetzt der Milbenmäse, das ist ja was, das wird nicht bei jedem Bauern hergestellt. Oder ist es was, was halt wirklich Massenproduktion ist? 

                      Lukas: 

                      Und an wen würdest du sagen, richtet sich das Museum? Also kann ich da mit einer Familie reingehen oder ist das sehr schwierig? 

                      Ralph: 

                      Nein, ich würde sagen, mit einer Familie ist super. Es bietet sich total an, da kommen auch Schulklassen hin, in das Museum, das ist ja auch dadurch, dass man diese Sachen auch sieht und probieren kann, ist es ja sowieso sehr niedrigschwellig aufgebaut und es sind da nicht zu lange Texttafeln. Man kriegt Führungen. Ich glaube, es ist echt für alle Altersgruppen ganz gut geeignet. 

                      Man muss halt eine gewisse Offenheit mitbringen. 

                      Lukas: 

                      Super. Danke schön. 

                      Ralph: 

                      Würdest du da reingehen? 

                      Lukas: 

                      Ja, auf jeden Fall. Weil ich glaube auch, dass du das selten hast, dass du so viele verschiedene Reize in einem Museum hast. Also optische Reize, vielleicht ja auch akustische Reize, diese Geruchsreize und die Geschmacksreize. Also das heißt, wenn du da reingehst, ist es ja eigentlich so, wenn du überlegst, wie viele verschiedene Dimensionen deiner Wahrnehmung da angesprochen werden, ist das ja schon cool. 

                      Lukas: 

                      Also ich kann mir das schon gut vorstellen, wenn ich mal wieder in Berlin bin, mir das angucken. 

                      Ralph: 

                      Also ich kann es auf jeden Fall sehr empfehlen. Wieder mal danke fürs Zuhören, Lukas, und auch an alle Zuhörer, die jetzt so lange durchgehalten haben. Hast du denn schon so einen kleinen Tipp, wohin es das nächste Mal geht, Lukas, weil da bist du wieder dran. 

                      Lukas: 

                      Ja, das nächste Mal geht es nach Mainz und da werden wir uns über ein Objekt unterhalten, was die Weltgeschichte wahrscheinlich so geprägt hat wie kaum ein anderes. Und wir werden uns auch mit einem Museumskurator unterhalten, der glaube ich, ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster. Ich würde behaupten, der ist unter den Top fünf der ältesten Museumsdirektoren Deutschlands, wahrscheinlich sogar der älteste. 

                      Ralph: 

                      Muss ich jetzt warten? Ja, bin ich gespannt. Auch weil dieser Teaser so sehr allgemein war. Das kann wirklich alles sein, dieses Objekt. 

                      Lukas: 

                      Tja. 

                      Ralph: 

                      Bevor wir euch jetzt alle entlassen, möchten wir kurz noch darauf hinweisen, dass wir ab sofort bei Steady sind. Das heißt, ihr könnt uns finanziell unterstützen, wenn ihr wollt. Wir würden uns sehr freuen, weil wir ja alles ehrenamtlich machen. Also wir reisen ja zu den Museen ehrenamtlich hin. Nehmen diese Fahrtkosten auf uns. Wenn ihr uns unterstützen wollt, wenn ihr unsere Arbeit gut findet, dann guckt doch mal bei Steady vorbei. Und ansonsten freuen wir uns natürlich auch immer wieder über Feedback. 

                      Lukas: 

                      Und weitere Empfehlungen. Und wenn ihr noch irgendwas habt, Ihr könnt uns natürlich jederzeit eine Mail schreiben, ihr könnt uns auch bewerten, da freuen wir uns auch immer drüber und dann freuen wir uns auf nächsten Monat mit dem nächsten Museum. 

                      Ralph: 

                      Ja, macht's gut. 

                      Der Beitrag Das Disgusting Food Museum Berlin erschien zuerst auf Escucha.

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                      36 min
                    • Nervige Touristen sorgen für kleinstes Museum der Welt - das Hoosesagg-Museum Basel

                        BITTE NICHT ANFASSEN! #7 – Das Hoosesaggmuseum Basel

                        Show Notes 

                        Dagmar Vergeat war von Touristen genervt und hat deswegen ein in Basel ein Museum gegründet – eines der kleinsten der Welt. Das hängt jetzt als 70 x 70 cm großer Schaukasten an ihrer Haustüre mitten in der Innenstadt und ist eine Erfolgsgeschichte. Denn seit mehr als 25 Jahren stellt das Hoosesaggmuseum allerlei kuriose und schräge Sammlungen aus. Und da stellt sich die Frage: Warum funktioniert das? Und warum sammeln Menschen eigentlich Dinge? Dazu haben wir diesmal auch Hilfe aus der Wissenschaft. Stefanie Menke von der Uni Würzburg ist zu Gast, die als Wissenschaftlerin für Museologie arbeitet und uns die Frage beantwortet, ob das Hoosesaggmuseum auch für ihre Forschung interessant wäre. 

                        Hilfreiche Links: 

                        Das ist das Imberggässlein, wo das Museum liegt: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Bild-Imberggässlein-scaled.jpg

                        Das ist die Homepage der Professur für Museologie der Uni Würzburg mit allen Infos, wie Zulassungsvoraussetzungen, etc.:

                        https://www.phil.uni-wuerzburg.de/museologie/museologie-und-museumswissenschaft/

                        Ein Interview mit Prof. Guido Fackler (Uni Würzburg) über den Drang der Menschen, Dinge zu sammeln:

                        https://www.phil.uni-wuerzburg.de/fileadmin/EXT00249/Presseberichte/1207121_Interview_Fackler_normal_JnrB3FuG5i.pdf

                        Auf der Homepage des Hoosesaggmuseums sind alle Ausstellungen seit 2009 dokumentiert:

                        Das ist die Homepage der ICOM, die Richtlinien für Museen vorschlägt:

                        Museum Definition

                        Infos zum Museum:  

                        Hoosesaggmuseum Basel

                        Imberggässlein 31

                        CH-4051 Basel

                        +41 061 261 00 11

                        https://www.hoosesaggmuseum.ch/

                        über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                        Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

                        Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

                        Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

                        Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

                        BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

                        Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                        Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

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                        Kontakt 
                        Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/ 
                        E-Mail: info[at]escucha.de 

                        Podcast-Credits: 
                         

                        Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger 
                        Produktion: Escucha GbR 
                        Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/ 
                        Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik) 

                        Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

                        Transkript: 

                        Dagmar:

                        Grüezi und herzlich willkommen. Mi Name isch Dagmar Vergeat und Sie sin do jetz im Hoosesaggmuseum in Basel. A nei, net in Basel, soll I net sagen, oder?

                        Lukas: Doch vielleicht doch.

                        Dagmar:

                        herzlich willkommen und grüezi, Mi Name isch Dagmar Vergeat und ich bin Kuratorin im Hoosesaggmuseum

                        INTRO

                        Ralph

                        Hi Lukas

                        Lukas

                        hallo Ralph und auch Hallo an alle Zuhörenden da draußen

                        Ralph:

                        Lukas, Es ist ja wieder so weit. Neues Monat, neue Podcast Folge und diesmal warst du unterwegs.

                        Lukas:

                        Du sagst auch neues Monat.

                        Ralph:

                        Ist das falsch? Ich. Für mich ist es neuer Monat.

                        Luukas:

                        Also für mich ist es ganz komisch, wenn jemand neues Monat sagt. Aber ich glaube, es gibt beides.

                        Ralph:

                        Das ist wieder so was. Bayern und Restdeutschland Monat neu, Podcast neu. Worum geht es denn diesmal?

                        Lukas:

                        Also heute geht's – und das habe ich ja schon angekündigt – Vergangene Folge wieder um ein Museum, was sich in einem Grenzgebiet befindet. Und zwar sind wir jetzt nicht im deutsch belgischen Grenzgebiet, sondern wir sind im deutsch schweizerischen Grenzgebiet, genauer gesagt es geht nach Basel.

                        Ralph:

                        Hmm, Basel? Okay, du wohnst in Bonn. Das heisst, das ist jetzt auch nicht der nächste Weg. Wie kam es denn dazu, dass du nach Basel gefahren bist?

                        Lukas:

                        Also, das war eine ganz spontane Idee, weil ich da einen guten Freund besucht habe, der da runter gezogen ist. Ja Grüße Stefan. Und mit dem war ich abends tatsächlich noch ein Bier trinken. Was man in Basel so macht, das hat eine sehr, sehr reiche Kultur. Und dann habe ich dem eben von diesem Format erzählt, was wir hier produzieren. Und dann meinte Stefan, es gibt in Basel ein Museum, das perfekt in unsere Reihe passen würde. Und tatsächlich habe ich dann, da bin ich am nächsten Tag spontan hingegangen. Ich hatte wie immer ein Aufnahmegerät dabei und wir konnten tatsächlich eine spontane Folge von Bitte nicht anfassen drüber machen.

                        Also sozusagen ein Zufallsfund dieses Mal aber, der sich, glaube ich, als sehr witzig herausstellen wird. Also ich war auf jeden Fall sehr beeindruckt davon.

                        Ralph:

                        Ja, ich erinnere mich ja noch, dass du letztes Mal gesagt hast, es wird um ein sehr, sehr kleines Museum gehen. Genauer gesagt das kleinste der Welt, hast du sogar gesagt. Genau richtig. Ja. Also, was kann das denn jetzt sein?

                        Lukas:

                        Also genau. Pass auf. Wir reden heute über besonders kleine Dinge. Wir reden über nervige Touristen und wir reden darüber, was das ganze mit der Evolution des Menschen zu tun hat. Und dazu gehen wir ins Hosensack Museum, Imberggässlein.

                        Ralph:

                        hosensack. Das ist wahrscheinlich Hosentasche, oder?

                        Lukas:

                        Richtig. Das ist ein ich habe nachgeguckt. Das ist vor allem in der Schweiz und Österreich verbreitet.

                        Analog ins Deutsche wäre es das Hosentaschen Museum. Und noch zusätzlich habe ich für diese Folge ein kleines Special vorbereitet, denn wir kriegen nämlich auch wissenschaftliche Unterstützung. Also wir fangen jetzt erst mal an mit Basel. Warst du da schon mal? Nein. Okay, Basel. Kannst du dir vorstellen, die Innenstadt liegt malerisch am Rhein? Eine richtig schöne Altstadt mit ganz viel mittelalterlichen Gässchen.

                        Und wie das bei mittelalterlichen Städten ja so ist mit den kleinen Gässchen, macht das, dass die Innenstadt sehr verwinkelt ist und dass natürlich ganz schön viele Touristen durch die Stadt gehen. So, und Basel ist ja auch und das war mir gar nicht so klar ein riesen Spot von großen Museen. Dadurch, dass da viel Pharmaindustrie ist, gibt es da sehr viele Kunst Mäzene.

                        Und es gibt in Basel über 45 Museen. Was mir gar nicht so bewusst war. Und das kleinste davon, das ist das Museum von Dagmar Vergeat. Weil das liegt, nämlich das Hosensack Museum liegt nämlich in genauso einem kleinen Gässchen. Und bevor ich jetzt mehr über das Museum erzähl, lass einfach mal Dagmar zu Wort kommen.

                        Dagmar:

                        Als ich hier eingezogen bin, vor 35 Jahren, waren diese Fenster. Das sieht man jetzt nicht. Aber das ist so eine Gasse mit großen Fenstern. Und da gab es an der Türe ein Fenster und hier bei den Zimmer das Fenster und alle Leute schauten da rein und das störte mich. Und ich wollte aber nicht so konservative Vorhänge aufhängen, also dachte ich, wir machen etwas anderes. Und so begann die Geschichte auch Museum zuerst machten wir einen Fensterladen und machten diesen Kasten vor die Türe. 70 mal 70 Zentimeter groß ist diese Kosten und dort drinnen probierte ich Gegenstände zu verkaufen.

                        Ralph:

                        Aha. Okay. Was die Dagmar jetzt erzählt hat, fasse ich mal so auf, dass das ja wirklich erst mal so eine Art Schaufenster war, das sie auch genutzt hat. Und sie hat gesagt, sie wollte da erst Dinge verkaufen. Aber wie ist es denn dann dazu gekommen, dass aus diesem Schaufenster ein Museum wurde und dann noch ein Museum, das irgendwie mit einer Hosentasche zusammenhängt?

                        Lukas:

                        Also die einfache Lösung mit dem Verkaufen Es hat nicht geklappt, es hat kein Mensch die Sachen gekauft, die sie da reingestellt hat.

                        Ralph:

                        Weißt du, was für Sachen sie da reingestellt hat?

                        Lukas:

                        Keine Ahnung. Weiß sie auch nicht mehr. Aber wir kommen später drauf, dass sie da relativ viel Sachen hat? Deswegen keine Ahnung, was da drin war. Aber dann hat sie sich gedacht Ja, gut, wenn keiner meine Sachen kauft, jetzt ist die Vitrine schon schon draußen, dann mache ich halt was Kulturelles draus. Und dann mache ich ein Museum rein und so ist das Museum entstanden. Wie der Name entstanden ist und woher das herkommt. Dazu gleich nochmal Was Dagmar uns jetzt erst noch mal erzählt, waren sie die ersten Exponate, diese dann im Hosensack Museum hatte.

                        Dagmar:

                        Die ersten Sammlungen waren ja von uns. Da war zum Beispiel diese Schnaps Gläser waren da mal drin am Anfang. Da waren ja die Fiat 500 drin, einfach solche Sachen die wir sammelten und das ging dann nicht lange, da läutete es und die Leute fragten Ah, so eine coole Idee, ich sammle das, ich sammle das. Und so hat das sich Mund zu Mund weiter entwickelt.

                        Und unterdessen haben wir regelmäßige Ausstellungen circa alle, je nachdem, was für eine Ausstellung das ist und wie gut sie ankommt. Zwischen sechs und und zwölf Wochen.

                        Ralph:

                        So Wow, genau. Also sehr viele Ausstellungen im Jahr.

                        Lukas:

                        Ja, Dagmar und ihr Mann, die kuratieren das und die sind mittlerweile in Kontakt mit Menschen aus der ganzen Welt, aus ganz Europa, die tatsächlich von diesem Hosensack Museum erfahren haben und die Sammlungen haben. Naja und Dagar sammelt wirklich viel. Die hat wahnsinnig viele Sammlungen, die da reinpassen und auch dazu später noch mal mehr.

                        Ich weiß, ich musste ich mal ein bisschen nach hinten vertrösten, aber das spielt in meine Dramaturgie rein, sage ich mal

                        Ralph:

                        okay, die Dagmar und ihr Mann, was haben die denn für ein Laden dort in der Stadt? Oder wohnen die dort?

                        Lukas:

                        Die wohnen da. Das ist das Wohnhaus. Also Fensterladen war nicht gedacht als Fensterladen, also so wie den zuklappen kannst, sondern wirklich ein Fensterladen also, das diese Vitrine kein Museum ist, sondern ein mini verkaufsstand. Die wohnen da in in diesem Haus.

                        Und es ist witzigerweise das Haus der ersten Hebamme Basels. Und da steht sogar drauf, weil es irgendwie überliefert ist und ich glaube, das Haus, in dem die wohnen, ist aus dem 13. Jahrhundert, also ein mittelalterliches Haus, das ist halt ein total schönes Haus.

                        Ralph:

                        Okay, also ein schnuckeliges Haus und die Wohnen im Zentrum, wo viele Leute vorbeigehen. Im Erdgeschoss und normalerweise konnten alle reingucken, und dann hat sie sich das überlegt, als, ja, als Sichtschutz sozusagen. Genau das die Blicke abgelenkt werden. Ja, aber vielleicht erklärt auch Dagmar noch mal, wie sie auf den Namen gekommen ist.

                        Dagmar:

                        Es gibt einen Basler Dichter, der hat ein Gedicht gemacht, das heißt mim Bueb sie Hosensack in deinem Hosensack hätte da Bueb, der Junge ganz viele Gegenstände, und die zupft er alle raus do isch ein verknülltes Taschentuch. Ein Sackmesser, ein Regenwurm, ein Stück angefressenes Brot, solche Sachen, beide Säcke voll, und das war unsere Idee. All diese Sachen haben Platz in einem Hosensack.

                        Das definiert auch ein bisschen die Grösse. Es geht darum, um die Größe vom Kasten der ist 70 mal 70. Es geht aber auch um die Größe der Gegenstände. Sie sollten können in einem Hosensack Platz haben. Wir haben auch schon Sachen ausgestellt, die hatten keinen Platz im Hosensack.

                        Ralph:

                        Ja, okay, witzige Idee. Geschenkidee. Und was heißt das denn? Also, was für Sachen werden denn da ausgestellt? Klar, die Dagmar hat jetzt schon gesagt Schnaps, Gläser, glaube ich, hatte sie ausgestellt. Es gibt ja viele Leute, die auch beitragen bei diesem Museum. Und was geben die dann der Dagmar zum Ausstellen?

                        Lukas:

                        Also sie hat mir erzählt, es gab einmal einen Fall, da hat eine eine Interessierte am Hosensack Museum ihr Steine zugeschickt, die in Herzform waren.

                        Dann muss sie so ein bisschen lachen, weil das hat mich ein bisschen an die Wurzeltiere erinnert.

                        Ralph:

                        Da ist ein Stein vom Herzen, vielleicht irgendein Freund oder Freundin im Geiste.

                        Lukas:

                        Genau. Und Dagmar meinte auch ja, ist gar kein Problem, das können wir gerne ausstellen. Und dann wollte sie diese Steine aber in die Vitrine mit Heißkleber festmachen, weil es ja klar, diese Vitrine hängt ja an ihrer Wohnungstür.

                        Also das Museum hängt ja an der Tür und diese Tür muss man ja auf und zumachen, wenn man in das Haus rein will. Und natürlich musste die die Objekte fixieren können, so so und dann wollte sie die Steine mit Heißkleber festmachen. Und dann hat natürlich die Dame gesagt, ja, sie möchte nicht, dass die Steine ausgestellt werden, weil sie mit Heißkleber festgemacht würden. So von daher ging das nicht. Aber ich kann dir mal sagen, was drin war, was gerade ausgestellt wurde, als ich vor Ort war. Und zwar das waren nämlich Holzlöffel.

                        Dagmar:

                        Jetzt ist eine junge Frau aus Genf. Sie ist eine Deutsche, die sammelt Löffel. Diese Holzlöffel, die ausgestellt sind, 72 Stück an der Zahl. Und die hat da mal geschrieben, die war auch hier zu Besuch, hat das gesehen und dann hat sie mir die zukommen lassen. Wir haben das ausgestellt in dieser Form. Finds noch cool wie es aussieht. Sieht aus wie ein Gemälde und die bleiben jetzt drin bis kurz zur Fasnacht.

                        Ralph:

                        Hast Du dazu ein Foto?

                        Lukas:

                        Dazu habe ich ein Foto. Das ist in den Shownotes und ich glaube, da wird ein wichtiger Teil oder ein wichtiges Kriterium deutlich. Denn die Dinge, die man zugeschickt bekommt, die müssen auch so sein, dass sie die arrangieren kann. Und erst wenn die, wenn diese Objekte, die sie zugeschickt bekommt, richtig arrangiert werden und richtig präsentiert werden, dann entsteht sozusagen der museale Wert. Und das ist auch bei diesen Löffeln so, also da sind tatsächlich nur Holzlöffel in unterschiedlicher Größe, Varianz, unterschiedliches Alter. Ein Objekt wäre quasi vollkommen irrelevant, aber dadurch, dass es so viele sind und dadurch, dass sie so angeordnet sind und an die hintere Seite dieser Vitrine festgemacht sind, entsteht ein Gemälde. Das heißt, aus so banalen Objekten wird nicht nur ein Museum, sondern ehrlich gesagt auch ein bisschen Kunst. Und das ist dann schon cool.

                        Ralph:

                        Ja, das klingt auf jeden Fall nach Kunst. Wenn sie das so extra noch drapiert und es ist ja dann quasi Das Museum ist ja quasi die Möglichkeit für Sammlerinnen und Sammler weltweit ihre Sammlungen zu präsentieren.

                        Lukas

                        Absolut. Und ich habe nämlich später auch noch eine Idee.

                        Ralph:

                        Ich habe mir jetzt vorher noch mal eine grundsätzliche Frage, weil ich habe das Hosensack Museum glaube ich mir vollkommen falsch vorgestellt, weil ich dachte, das wäre wie so ein schaufenster, durch das man in die Wohnung reingucken kann. Aber jetzt hast du vorhin ja gesagt, das ist an der Tür befestigt.

                        Lukas:

                        Ja, genau. Also an der Eingangstür. Das ist so eine massive alte Eingangstür. Und da ist diese Vitrine dran befestigt. Genau. Also das ist quasi in der Haustür zu ihrem Wohnhaus, das Hosensack-Museum war tatsächlich so erfolgreich und gleichzeitig ist Dagmars älteste Tochter, die ja in diesem Zimmer gewohnt hat, längst ausgezogen ist, die ist schon längst erwachsen

                        Und jetzt hat sie dieses Zimmer quasi benutzt, um ihre Sammlungen darin auszustellen und zu drapieren. Das heißt, wenn du jetzt vorbei läufst, hast du quasi eigentlich zwei Sammlungen, die du anguckst, nämlich einmal siehst du dieses Schaufenster, was da ursprünglich gestört hat, dass die Leute da durchgucken, siehst jetzt die ganzen Sammlungen, die Dagmar hat und teilweise auch Sammlungen, die sie dann bekommt, weil es gibt nämlich einige Sammlungen, die im Hosensack Museum ausgestellt werden, bei denen die Sammler dann sagen Ja, kannst du behalten.

                        Stellt sich mir rein und Dagmar fügt diese Sammlung dann zu ihren anderen Sammlungen hinzu. Und dann, 1 Meter weiter rechts ist dann die Eingangstür und da ist die Vitrine und das ist das offizielle Hosensack Museum und da sind dann die Objekte präsentiert.

                        Ralph:

                        Ja, das ist ja quasi ein Museum, das 24 Stunden geöffnet hat.

                        Lukas:

                        Richtig, weil man da ja immer vorbeigehen kann und sieht, es angucken kann. Genau. Und was aber genauso spannend ist, ist und das hatte ich ja schon erwähnt, dieser Raum daneben, denn der ist jetzt voll mit Zeugs. Und wäre das nicht so geordnet, würde man wahrscheinlich davon ausgehen, dass es eher eine Rumpelkammer oder keine Ahnung, ja ne Messiwohnung ist Aber das ist alles geordnet, also das erklärt ja auch, Dagmar mal kurz, wie das da drin aussieht.

                        Dagmar:

                        Am Anfang war das nur eine Wand, die so Ecken, wo sie jetzt sind und zum Beschreiben, das sind drei verschiedene Schaukästen, das sind Gegenstände, die hängen, stehen oder sonst irgendwie an den Wänden festgemacht sind. Sind etwa 5000 Gegenstände schätzungsweise schon bald ein Kunstwerk?

                        Ralph:

                        Jetzt hat sie ja das Kunstwerk noch mal erwähnt. Also auf mich wirkt das auch eher wie so eine Art Atelier, das verschiedene Kunstwerke präsentiert. Aber man kann die Sachen alle nicht kaufen, oder?

                        Lukas:

                        Nein, da kann man gar nichts kaufen. Aber du sitzt da einfach drinnen in diesem Raum und um dich herum ist an den Wänden alles mögliche Ansammlungen präsentiert. Es geht von PEZ Spendern zu den bereits erwähnten 1400 Modellen verschiedene Karten an der Decke hängen Blech Schilder. Also es sind ist es wirklich nur der Boden. Da ist halt ein Tisch drauf und ein Stuhl. Da kann man sich schon hinsetzen und da kann man auch quatschen. Nur da ist quasi nichts. Der Rest steht voll mit Dingen und das ist Macht, eine ganz eigene Atmosphäre. Und Dagmar erzählt, dass das so gut ankommt, dass teilweise dieser Raum mittlerweile gebucht wird und dass sie schon Heiratsanträge erlebt hat in dem Raum. Und dass sie den jetzt teilweise auch für Führungen vermietet und keine Ahnung, was das funktioniert auf jeden Fall, aber es ist wirklich mini klein. Also wie groß wird der Raum sein, wenn's hochkommt? Zwölf Quadratmeter, 11 bis 12 Quadratmeter, irgendwie so was in der Richtung.

                        Ralph:

                        Genau diesen Raum kann man aber normalerweise auch nur von außen sehen. Oder gibt es da Öffnungszeiten?

                        Lukas:

                        Nein, den kannst nur von außen sehen, oder so und was ich mich jetzt eigentlich gefragt habe und ich habe das ja als Special angekündigt. Ich habe Dagmar gefragt, warum sie eigentlich sammelt und was für sie Sammlungen sind. Und ihre Antwort war so ein bisschen:

                        Ja, sie findet es halt cool. Oder sie findet es lustig. Aber so wirklich erklären oder so, so einen stichhaltigen Grund konnte sie mir gar nicht nennen. Und dann habe ich sie gefragt Ja, aber warum schicken dann die ganzen Menschen das? Und dann hat sie gesagt Ja, das ist auch ähnlich, die finden es lustig. Und dann dachte ich mir Okay, warum sammeln Menschen eigentlich?

                        Dann habe ich mal gegoogelt und es gibt tatsächlich eine Person, die uns das sehr gut erklären kann. Und zwar ist das Stefanie Menke. Stefanie Menke ist Doktorin der Museologie. Beziehungsweise Sie arbeitet an der Professur für Museologie der Universität Würzburg. Und das ist tatsächlich eine sehr junge Professur. Und es ist meines Wissens nach die einzige in Deutschland, die sich akademisch mit Museen beschäftigt.

                        Das heißt, wir haben da die Expertin da, die uns erklärt, warum Menschen eigentlich sammeln.

                        Ralph:

                        Das ist eine Premiere hier bei bitte nicht anfassen!

                        Lukas

                        Absolut, denn wir müssen ja hier ein bisschen Wissenschaft reinbringen.

                        Ralph:

                        Absolut genau, weil ich habe mich nämlich auch gefragt, ob da ein Kontext zu den Sammlungen gibt, aber anscheinend ja nicht richtig.

                        Lukas

                        Aber jetzt hör doch einfach mal kurz rein, was Stefanie Menke sagt Warum der Mensch sammelt.

                        Stefanie:

                        Es gibt so eine Grundannahme, dass tatsächlich das Sammeln uns Menschen irgendwie gewissermaßen im Blut oder auch in der DNA liegt. Also man führt das tatsächlich zurück auf die Zeit der Jäger und Sammler, als das Sammeln von Essbarem oder auch von Gegenständen, die man noch gebrauchen konnte, tatsächlich überlebensnotwendig war. Das ist zunächst mal nur also kein Sammeln in unserem Verständnis, weil es ist noch nicht Sammeln als eine Kulturtechnik. Es ist zunächst mal nur in Anführungsstrichen Sammeln so, als eine Art Vorratshaltung.

                        Ralph:

                        Das kann ich mir schon vorstellen, dass das so ist. Ich kenne es aus eigener Erfahrung im Endeffekt auch, weil ich weiß jetzt nicht, ob ich das Sammeln nennen würde, aber die ganzen Vorratsgläser, in denen sich vielleicht irgendwie vorher so Gemüse oder Obst oder sonst irgendwas befunden hat, die sammle ich auch. Die schmeiß ich nicht weg. Naja, für schlechte Zeiten irgendwie genau.

                        Lukas:

                        Aber die sammelst du erst mal, aber damit, damit machst du noch nichts. Dass der Mensch erst mal sammelt, dass das Sammeln von Sachen quasi uns im Blut liegt. Das ist der eine Punkt. Und der andere Punkt, der da glaube ich, ganz wichtig ist. Und das ist quasi die, der Übergang von Ich sammle etwas, um mich auf schlechte Zeiten vorzubereiten oder um eine Sicherheit zu haben. Und die nächste Ebene, das ist dann, dass wenn Stefanie Menke von Sammeln als Kulturtechnik spricht und da haben wir auch noch mal kurz rein.

                        Stefanie:
                        Sammeln als Kulturtechnik, über das wir hier sprechen, meint, oder das ist eigentlich erst dann der Fall, wenn der symbolische oder ideelle Wert, der den Dingen beigemessen wird, gegenüber dem praktischen Nutzwert vielleicht im Vordergrund steht. Also das heißt nicht, dass dieser Nutzwert ganz verschwinden muss, unbedingt automatisch. Aber ich möchte die Sammlung jetzt, ich lege die nicht an, weil ich die Sachen aufessen möchte oder später irgendwas noch mit den machen möchte, sondern es ist was anderes, was ich mit dieser Sammlung oder von dieser Sammlung möchte.

                        Ralph:

                        Ja, ich glaube, manche Leute möchten sich auch vielleicht ein bisschen mit Sammlungen definieren.

                        Lukas:

                        Du nimmst mir alle weiteren Erklärungen vorweg. Genau. Du hast vollkommen recht.

                        Stefanie:

                        Ich finde es viel spannender als die Sammlung an und für sich finde ich es eigentlich die Sammler Person anzugucken und zu gucken, warum die eigentlich sammelt oder wie die sammelt. Manchmal ist es auch so, würde ich sagen, dass die Sammlung mehr über die sammelnde Person oder über die sammelnde Instanz aussagt als über den Gegenstand selbst. Das ist ja auch durchaus möglich.

                        Lukas:

                        Dagmar sammelt ja nicht nur, sondern sie sammelt ja Sammlungen. Von den hat es ja so viele. Und sie widmet Sammlungen ja sogar das Hosensackmuseum. Und jetzt ist die Frage bei der ganzen Präsentation des Museums Was ist eigentlich interessanter? Die Tatsache, dass Dagmar das macht, die Tatsache, wie das Museum entstanden ist oder was da eigentlich ausgestellt wird?

                        Ralph:

                        Na, da würde ich sagen, die Dagmar, weil sie ja quasi mit diesen Ausstellungen, wie ja auch die Frau Menke vorhin gesagt hat, den Dingen halt einen Wert gibt, der vom tatsächlichen Wert abweicht, wie jetzt bei den Holzlöffel oder so, die sind ja an sich nicht viel wert. Und der Dagmar ist es anscheinend auch wichtig. Dann also sie. Sie steht ja nicht als Person im Vordergrund, wenn ich das so verstanden habe bei diesem Hosensack Museum, sondern sie nutzt er nur einen Teilraum und möchte er eigentlich auch nicht gesehen werden selbst, sondern sie schiebt diese Sachen einfach vor, oder?

                        Lukas:

                        Also ich glaube schon, dass sie gerne gesehen würde und ich glaube auch, dass sie das sehr, sehr, sehr gerne auch durch das Museum führt, denn sie ist glaube ich schon ziemlich begeistert von ihrer Idee und die kommt ja auch gut an! Also sie hat mir gezeigt, dass sogar die New York Times schon Artikel über ihr Museum geschrieben hat und dass in irgendwelchen internationalen Museumsführer vertreten ist.

                        Ralph:

                        Witzig, das erinnert mich auch irgendwie schon wieder and as Wurzelmuseum, wo der Betreiber gemeint hat, dass sie Leute von überall auf der Welt Briefe schreiben.

                        Lukas

                        Ja, also von überall aus der Welt nicht. Aber sie hat auch gemeint, dass schon teilweise Prominente bei ihr waren und Politikerinnen bei ihr waren und so was. Also bei aller Liebe zum Sammeln Ich glaube, sie sammelt wahnsinnig gerne und das ist, glaube ich, für sie auch eine total wichtige, total wichtiges Hobby. Und sie ist ja auch super. Sie sei wirklich cool und hat viel Humor und keine Ahnung. Es hat richtig Spaß gemacht, aber ich glaube, sie definiert sich auch sehr stark oder sie präsentiert sich nicht definiert, aber sie präsentiert sich auch sehr stark über das Hosensack muss her und das ist aber völlig normal, sagt Stefanie Menke. Denn sammelnde Personen definieren sich irgendwann mal zwangsläufig sogar ein bisschen über ihre Sammlungen. Denn man muss Sammlungen auch ein bisschen als Kommunikation verstehen und als Interaktion. Das heißt, indem ich sammle und indem ich Sammlungen präsentiere, kommuniziere ich auch mit den Menschen. Und das kann auch teilweise ganz absurde Dimensionen annehmen, denn Stephanie Menke hat mir mal erzählt, was für sie als Wissenschaftlerin so die schrägsten Sammlungen sind.

                        Stefanie:

                        Es gibt auch zum Beispiel Sammler, die explizit irgendwie so, als würde ich mir da jetzt besonders creepy daherkommen möchten, weil sie Dinge sammeln, die andere vielleicht eher irritierend, abschreckend oder abstoßend finden. Also es gibt Sammler, die sammeln konservierte Leichenteile und stellen sich die ins Wohnzimmer irgendwelche schrumpf Köpfe. Oder es gibt auch Menschen, die sammeln explizit Dinge, die sich irgendwann mal im Besitz von Mördern befunden haben oder so was, was viele Leute irritiert.

                        Aber das hat dann sicherlich was damit zu tun, dass man selber irgendwie auf eine bestimmte Art gesehen werden möchte oder man möchte irgendwie besonders abgefahren und merkwürdig vielleicht daherkommt.

                        Ralph:

                        Ja, man möchte vielleicht auch irgendwie in einer bestimmten Klasse, sag ich mal, angehören zu einer bestimmten Gruppe, einfach jetzt mit diesen Schrumpfköpfen. Und so weiter. Das hat ja was elitäres, so was kann sich ja auch nicht jeder leisten.

                        Lukas:

                        Genau das ist das eine. Also dass quasi Sammlungen von Prestige Gegenständen oder von Gegenständen mit so einem hohen Aha wert. Witzigerweise ist es so, dass es weder in der Wissenschaft ist, noch irgendwie in anderen, zum Beispiel auch in der Verwaltung eine Definition von Museum gibt oder eine Definition von Sammlung. Also im Prinzip, Ralph, könnten wir unser eigenes Museum gründen und wir könnten zum Beispiel das bitte nicht anfassen Museum gründen über schräge Museen und keiner könnte es uns verbieten, weil der Begriff ist nicht geschützt, wir könnten damit machen, was wir wollen.

                        Und bei Sammlungen ist das auch so und es gibt auch keine, keine Zahl, ab wann was eigentlich wissenschaftlich gesehen eine Sammlung ist. Dagmar zum Beispiel hat gesagt Für sie ist alles ab drei eine Sammlung. Das habe ich auch Stephanie Menke gefragt, aber sie meinte dann Naja, es kommt ein bisschen darauf an, denn angenommen, man hat jetzt einen Künstler, eine Künstlerin, deren OEuvre relativ klein ist beispielsweise, es gibt nur fünf Bilder auf der ganzen Welt, dann hättest du mit zwei Bildern schon eine sehr repräsentative Sammlung und von daher muss man das immer so ein bisschen in Relation setzen.

                        Ralph:

                        Aber das muss eigentlich schon mehr als ein Objekt sein.

                        Lukas:

                        Immer mehr als ein Objekt. Absolut. Ein Objekt ist keine Sammlung. Es muss immer mehr als eins sein. Und für Dagmar gilt mehr als drei. So, und jetzt ist es natürlich so, dass wir bei Bitte nicht anfassen ja nicht nur die Museen vorstellen, sondern im besten Fall ja auch, wie der Ökonom sagen würde, Synergieeffekte zwischen diesen Museen herstellen wollen.

                        Und zwar habe ich Dagmar natürlich erzählt, in welchen Museen wir bislang waren und ob da das eine oder andere vielleicht auch fürs Museum dabei wäre.

                        O-Ton:

                        Hmm, wir waren jetzt für diese Sendereihe schon im Mausefallen Museum. Wir waren im Peitschen Museum, wir waren im Wurzel Museum und wir waren im Puzzle Museum. Welches von diesen Museen würden Sie gerne hier mal ausstellen?

                        Dagmar:

                        Mäuse natürlich. Recht lustig und was halt sehr Peitsche nett, ne Wurzel.

                        Wurzeln Wurzel ja so von Bäumen und so solche Wurzeln ist natürlich zu groß für uns, aber das ist natürlich spannend, das würde mir auch gefallen. Aber Mausefallen wir Mausefallen nicht lustig. Ich bin offen für alles.

                        Ralph:

                        Ja, perfekt. Ja, genau. Vermitteln.

                        Lukas:

                        Ja, wir können vermitteln. Das haben wir auch schon gedacht. Ich dachte, es wär doch super, wenn man eine. Wenn man irgendwie 50 Nerother Rundfallen oder irische Mausefallen dann einfach in das große Hoosesagg-Museum nach Basel schicken würde und da was draus machen würde.

                        Ralph:

                        Aber es gibt ja auch keine Wurzel Tiere, die passen auch rein. Oder die Rubik Würfel die Begriffe passen auch von Robinson.

                        Lukas:

                        Aber ich glaube, die hatten sie schon, die Rubik Würfel. Ach und ich glaube bei den Wurzeltieren ist eher die Logistik das Problem, denn die würden ja wahrscheinlich auseinanderbrechen.

                        Ralph:

                        Stimmt, das geht nicht, den darf man nicht Sonnenlicht aussetzen, da hat man schon ein Problem. Also wir haben jetzt von vielen Leuten erfahren, dass von mir erfahren, dass ich Vorrats Gläser sammel. Wir haben von Dagmar erfahren, was sie sammelt und auch was andere Leute, die bei Dagmar ausstellen, sammeln. Was sammelst du dann?

                        Lukas

                        Ich ja, ich weiß ein bis zur Sammlung nennen kann, weil ich es jetzt ein paarmal ignoriert habe. Aber ich, wir sind ja beruflich viel unterwegs. Ralph, und ich sammel immer extrem hässliche Kühlschrank Magneten.

                        Ralph:

                        Ach, das wusste ich gar nicht. Also die müssen extrem hässlich sein.

                        Lukas:

                        Die müssen extrem hässlich sein und manchmal bringen mir auch Freunde extrem hässliche Kühlschrank Magneten aus dem Urlaub mit und die werden dann gerated. Also bislang kann ich nur sagen, bislang führt der Kühlschrank Magnet aus Verona, den mir Judith mitgebracht hat. Der ist wirklich an Hässlichkeit kaum zu überbieten.

                        Ralph:

                        Ja, sehr spannende Meta Folge eigentlich auch jetzt durch Frau Menke, die das ja auch wissenschaftlich einordnet. Und ja, fand ich sehr cool. Ja, und ich glaube wirklich, dass auch fast jeder sammelt, wenn auch unbewusst.

                        Lukas:

                        Genau das sagt sie auch, also dass viele Sammlungen einfach unbewusst stattfinden. Und dann hatte ich sie auch noch gefragt, ob die Sammlung auch für sie, also ob das Museum jetzt speziell für Sie interessant wäre als wissenschaftliches Objekt. Und sie sagt auf jeden Fall, denn in ihrem Studiengang machen die auch viele Exkursionen und da wäre es auch mal interessant es Hosensack Museum wissenschaftlich zu analysieren. Und vielleicht sind ja auch Zuhörende dabei, die jetzt sagen Boah, ich würde gern mehr über dieses Fach wissen. Wir haben natürlich auch in den Shownotes die Professur für Biologie der Universität Würzburg reingepackt und ihr könnt euch das angucken. Da gibt es ganz tolle Studiengänge. Falls jemand noch gar nicht weiß, was er mit seiner Zeit anfangen soll. Oder falls jemand von Museen jetzt so begeistert ist, dass er sagt, er möchte sich da bestens ausbilden lassen. Die Kontakte gibt es jetzt über bitte nicht anfassen. Super. Also du hast ja gesagt, dass das ist keine das Museum kein geschützter Begriff ist.

                        Ja, aber trotzdem gibt es ja in Deutschland Organisationen, die sich dafür einsetzen, dass da so eine Einheitlichkeit stattfindet zu Kriterien. Jetzt zum Beispiel beim Museumsbau, und da kann ja nicht jeder mitmachen, oder oder. ICOM, glaube ich, ist ja auch ein großer Begriff in der Museumslandschaft, da gehört ja dazu Sammeln einerseits, aber auch bewahren und vermitteln und ich weiß nicht, ob ich nicht noch was vergessen hat. Aber das sind so Pfeiler. Genau.

                        Lukas:

                        Aber das gilt dann, glaube ich, für die großen Häuser. Das kann ja sein. Aber bei den kleinen Museen, und das ist ja auch eine Erkenntnis, die wir haben, aus den Folgen, die wir bislang gemacht haben, geht es ja vor allem darum, dass es ja Menschen sind, die sich in ihrer Freizeit meistens ehrenamtlich mit solchen Dingen beschäftigen. Und die haben weder die Zeit noch die finanziellen Ressourcen oder wollen das nicht investieren, was ich natürlich vollkommen nachvollziehen kann. Aber das ist auch eine Erkenntnis, die ich jetzt hatte in der Zeit, in der wir es bitte nicht anfassen, machen, dass wir gerade die Menschen, die so ein bisschen verrückt sind und diese Museen machen, dass es einfach meistens total spannende und kommunikative Leute sind. Also das ist echt, echt spannend, einfach.

                        Ralph:

                        Ich musste jetzt nur lachen, weil es so charmant gesagt, dass die auch ein bisschen verrückt sind. Ja, die sind ja, aber die sind ja positiv verrückt. Positiv wie alle, aber irgendwie positiver. Ja, das stimmt. Ja, cool. Vielen lieben Dank fürs Vorstellen des Museums. Ich kann ja schon ein bisschen was zur nächsten Folge sagen, weil da bin ich wieder unterwegs gewesen für und da verschlägt es mich in die Hauptstadt Deutschlands. Also nach Berlin. Und Berlin ist ja eine riesige Stadt mit sehr unterschiedlichen Stadtteilen, also so kleinen Kosmen, sagt man das so unterschiedlichen Kosmos. Und da gibt es natürlich auch ganz viele unterschiedliche Museen.

                        Lukas

                        Ich bin gespannt. Dann bis zum nächsten Mal.

                        Ralph:

                        Danke an alle, die zugehört haben heute bei der Folge Wenn ihr Feedback habt, dann gerne an uns schreiben per Mail.

                        Lukas:

                        [email protected] . Wir freuen uns über jedes Feedback.

                        Ralph:

                        und schickt diese Folge doch an Leute weiter, die auch eine Sammlung haben, die für die Dagmar vielleicht interessant sein könnte. Vielleicht können wir da vermitteln. Wunderbar. Dann mach's gut.

                        Der Beitrag Das HoosesaggMuseum Basel erschien zuerst auf Escucha.

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                        32 min

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                      BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders ist der Podcast, der dich mitnimmt zu den kleinen und skurrilen Museen dieses Landes. Dabei besuchen wir – Lukas Fleischmann und Ralph Würschinger -…