BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

By Ralph Würschinger und Lukas FleischmannSociety & CultureScienceEducation
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BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders episodes

  • Jedes dritte Haus eine Kneipe, kaum Steuern und nur ein Polizist - das Museum Vieille Montagne

      BITTE NICHT ANFASSEN! #6 – Das Museum Vieille Montagne 

      Show Notes 

      Jedes dritte Haus eine Kneipe, kaum Steuern und nur ein Polizist für ein ganzes Land. In der heutigen Folge geht es um Neutral-Moresnet, ein kleines Gebiet im heutigen Belgien, das über Jahrzehnte umstrittenes Gebiet war und zum ersten Esperanto-Staat der Welt werden sollte. Existieren konnte dieses unmögliche Land nur weil sich Preußen und die Niederlande, später Belgien, nicht darauf einigen konnten, wem die darauf liegende Zinkmine gehören sollte. Warum diese Mine so wichtig war und was aus Neutral-Moresnet wurde, hat Ralph bei seinem Besuch im Museum Vieille Montagne in Kelmis erfahren. Dort hat er mit der Direktorin Celine Ruess gesprochen, die diese Folge nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit viel Hintergrundwissen versorgt hat.  

      Hilfreiche Links: 

      Foto von der Zinkwanne Napoleons (abfotografiert aus der Ausstellung): https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Die-Zinkwanne-scaled.jpg 

      Hier sieht man die Zinkdächer von Paris: 

      https://dachundfassade.blog/2019/10/28/ein-meer-aus-zink/

      Landkarte des Gebiets Neutral-Moresnet (abfotografiert aus der Ausstellung): https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Karte_Gebiet-scaled.jpg  

      Hier befindet sich der Dreiländerpunkt Belgien/Deutschland/Niederlande: https://www.google.com/maps/place/Three-Country+Point+Belgium,+Germany+and+the+Netherlands/@50.754348,6.0206033,125m/data=!3m1!1e3!4m12!1m6!3m5!1s0x0:0xdf7e0dae3f65e6a3!2sLabyrint+Drielandenpunt!8m2!3d50.7553533!4d6.018589!3m4!1s0x0:0xd1943f8d121476dd!8m2!3d50.7543949!4d6.0209946  

      Hier ein Artikel über den Prostitutions-Tourismus in Saarbrücken: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.prostitutionshochburg-saarbruecken-aus-paris-in-den-puff-nach-burbach-page1.526a5062-bf4c-41ec-824b-5d91a7a4a42b.html  

      Lesenswert dazu und hilfreich für die Recherche ist Philip Dröge, Niemands Land, erschienen bei Piper: https://www.piper.de/buecher/niemands-land-isbn-978-3-492-31429-9 

      Infos zum Museum:  

      Museum Vieille Montagne 

      Lütticher Straße 278 

      4720 Kelmis 

      Belgien 

      http://www.mvm-kelmis.be  

      über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

      Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

      Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

      Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

      Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

      BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

      Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

      Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

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      Kontakt 
      Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/ 
      E-Mail: info[at]escucha.de 

      Podcast-Credits: 
       

      Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger 
      Produktion: Escucha GbR 
      Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/ 
      Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik) 

      Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

      Transkript: 

      Lukas: 

      Ort der Freundschaft, Ort der 3000 Kneipen, Ort der illegalen Alkohol Produktion, Ort der Anarchie. 

      Ralph: 

      Und Ort der steuerlichen Vergünstigungen. 

      Intro: 

      Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha. 

      Lukas: 

      Hi Ralph. 

      Ralph:: 

      Hi Lukas. 

      Lukas: 

      Also wohin geht's heut? 

      Ralph: 

      Ja, heut geht's mal über die Grenzen hinweg, die wir sonst zu haben. Ich habe aber auch gleich was mitgebracht aus dem Museum, das wir uns anhören können. Da bitte ich dich, ich stehe doch mal kurz auf. Hand auf die Brust und ab der Ton. 

      (Es wird Marschmusik gespielt) 

      Ralph: 

       Was hat das dir gegeben? 

      Lukas: 

      Äh, tja, halt ist halt ein Marsch, ne. Er hat halt was Hymnenartiges. Was Marschierartiges. Ein bisschen befremdlich, um ehrlich zu sein. Weil ich das mal nicht so ganz nachvollziehen kann, wie Menschen irgendwo vor einer Flagge oder irgendwas stehen und dann mit stolzgeschwellter Brust sich damit identifizieren. Genau. 

      Ralph: 

      Und das, was ich mitgebracht habe, das ist ja auch in dem Museum anzuhören, über das wir heute sprechen. Kannst du dir vorstellen, worum es da gehen könnte? 

      Lukas: 

      Das Hymnen Museum? Keine Ahnung. Irgendwas mit Heimat, irgendwas mit Herkunft, Heimat, irgendwie sowas in der Richtung. 

      Ralph: 

      Na ja, haben wir oft gerade bei so kleinen Museen, dass es irgendwie um Heimat geht. Also was du gerade gehört hast, das sollte die Hymne eines Landes werden, nämlich neutral Moresnet, das letztlich aber nie existiert hat und trotzdem weltweit für Schlagzeilen gesorgt hat. Und ich habe das Museum besucht, das darüber erzählt. Also es wird heut echt aufregend, muss man sagen. 

      Es wird aufregend, es wird illegal und ja, also wirklich, Mindblowing. Zumindest war es für mich Mindblowing, vielleicht hast du davon auch schon mal gehört. Es wird um Alkohol Schmuggel gehen, um Glücksspiel, Prostitution und um den Traum vom eigenen Land. 

      Lukas: 

      Also gut, ich bin gespannt. 

      Ralph: 

      Und normalerweise ist es ja so, dass wir Museen in Deutschland besuchen. Und mit dieser Folge geht es aber über die Grenze hinaus, wenn auch nur knapp. Ich wohne ja in Aachen, das liegt ja nahe an der Grenze und da bin ich einfach mal nach Belgien rübergefahren, in einen Ort namens Kelmis. Der liegt nur eine halbe Stunde Busfahrt entfernt und zeichnet sich dadurch aus, dass da eine große Nationalstraße durchführt. Und der Ort, der liegt entlang dieser Straße. Da wohnen heute so 11.000 Leute. Der Ort befindet sich in einer Art Tal, also außenrum steigt quasi die Landschaft an und ist auch bewaldet und fast schon außerhalb des Ortes befindet sich das besagte Museum, in dem ich war. Das ist in einem alten Gebäude einer Bergbau-Gesellschaft mit dem Namen Vieille Montagne. 

      Lukas: 

      Also alter Berg. 

      Ralph: 

      Ja genau, alter Berg. Eben deswegen, weil dieser Berg, der daneben liegt, eben Altenberg auf Deutsch heißt. Und in diesem Altenberg hat man eben einen Rohstoff gefunden, der sehr lohnenswert war. Was kannst du dir vorstellen, was könnte da abgebaut worden sein? 

      Lukas: 

      Gold? 

      Ralph: 

      Nee. 

      Lukas: 

      Silber? 

      Ralph: 

      Nein. 

      Lukas: 

      Kohle? 

      Ralph: 

      Ja, ich dachte jetzt kommt eigentlich Bronze. 

      Lukas: 

      Das ist eine Legierung. Die kann man nicht abbauen.  

      Ralph: 

      Ja. Du hast recht. Ne. Galmei. Hast du davon schon mal gehört? 

      Lukas: 

      Nein. 

      Ralph: 

      Ja. Galmei ist so eine alte Bezeichnung für verschiedene Zinkerze. Und der Name der Ortschaft Kelmis, der leitet sich auch von dem Galmei ab. Da hat man schon begonnen, im 15 Jahrhundert diesen Galmei abzubauen. Man hat dann mit Kupfer zusammen Messing draus gemacht. Daraus werden dann eben Kessel oder Dosen oder Pfannen usw. hergestellt. Man kann aber auch aus dem Galmei selber Zink heraus gewinnen. 

      Ralph: 

      Das ist aber relativ kompliziert, sodass es lange Zeit gedauert hat, bis das erstmals passiert ist, das ist nämlich so dass wenn man jetzt Eisen oder Kupfer und so weiter einer hohe Temperatur aussetzt, dann schmilzt das ja. Man bekommt dieses Eisenerz Also so flüssiges Metall zum Beispiel. Und beim Galmei ist es so, dass das eine hohe Temperatur braucht und die ist dann so hoch, dass das Zinkerz gleich gasförmig wird. 

      Ralph: 

      Und deswegen ist es lange Zeit einfach entwichen in die Luft, bis dann ein Erfinder aus Lüttich kam, der Jean Jacques Daniel Dony. Der hat sich 1805 die Genehmigung zum Zink Abbau vom Altenberg geholt und zwar von Napoleon. Warum von Napoleon? Weil dieser um die Jahrhundertwende, also vom 18. ins 19. Jahrhunderts, Teile Europas erobert hatte, wie zum Beispiel das heutige Belgien. 

      Das heißt das Gebiet, das Dony wollte, um den Altenberg, das war französisch zu dieser Zeit. Dony hat also diese Genehmigung erhalten und aus Dank schenkte er Napoleon eine Badewanne aus Zink und das Zink dazu das hat er mithilfe seiner bahnbrechenden Erfindung gewonnen, dem Reduktions-Ofen. Das kannst du dir so vorstellen, ein bisschen wie beim Destillieren von Alkohol. 

      Also das verdampft ja in einem Kessel. Und dann wird das weitergeleitet in einen anderen Behälter, wo dann das Gas wieder flüssig wird. In dem Fall von Galmei ist es so, dass dieses Zink dann erstarrt, und dann kann man es abkratzen. 

      Lukas: 

      Für was braucht man denn Zink? 

      Ralph: 

      Ja, wofür man dieses Zink braucht, das hat mir auch die Museumsleiterin Celine Ruess: erzählt, die ich dort getroffen habe. Und da hören wir einfach mal rein. 

      Celine Ruess: 

      Man kannte schon früher Kupfer und Blei, aber Zink ist natürlich leichter als diese Metalle. Aber was wirklich den Aufschwung für Zink war, das ist die Entwicklung der Städte, unter anderem die Entwicklung von Paris. Wenn neue Regelungen gekommen sind, zum Beispiel um Regenrinnen zu haben, solche Sachen, wenn man auch versucht hat oder einen Bedarf hatte in verschiedenen Städten höhere Gebäude zu machen, mit Dächern, die ein bisschen flacher sind, damit man noch eine Etage gewinnen kann. Und für das alles war Zink ein wichtiges Metall. 

      Lukas: 

      Du hast mir jetzt immernoch nicht verraten, worum es in dem Museum geht. Also um die Zink Produktion? 

      Ralph: 

      Im Museum geht es einerseits um die Geschichte der Bergbau-Gesellschaft, die dort ansässig war, und um die Zink-Herstellung an sich und andererseits geht es um die politische Geschichte Europas im 19. Jahrhundert, die zur Entstehung von Neutral-Moresnet geführt hat. Und beide Aspekte sind miteinander verknüpft. Das Zink Vorkommen im Altenberg das hat nämlich die ausschlaggebende Rolle dabei gespielt. 

      Als Napoleon 1815 bei der Schlacht von Waterloo verloren hat, hatte das zur Folge, dass die von ihm eroberten Gebiete neu aufgeteilt werden sollten. Im selben Jahr gab es deswegen den Wiener Kongress, auf dem sich unter anderem Preußen und die Niederlande getroffen haben, um über Gebiete im heutigen Belgien zu entscheiden, also wem was gehört. Und darunter eben auch das Gebiet um Kelmis. Wie da die Grenzverläufe festgelegt wurden das kann dir Celine Ruess erzählen. 

      Celine Ruess: 

      Damals wurden die Entscheidungen nicht auf einer Landkarte gezeichnet, sondern in Artikeln geschrieben. Und es gab einen Artikel für die niederländische Grenze und einen Artikel für die preußische Grenze. Und jeder hatte dann unterschiedliche Meinungen oder Interpretierungen. Also es gab dann eine bilaterale Verhandlung zwischen den Niederlanden und Preußen um den genauen Ablauf der ganzen Grenze zu bestimmen. Und das wurde dann im Aachener Grenzvertrag von 1816 festgelegt. Und überall konnten sie sich einigen nur am Altenberg nicht. Das Gebiet ist umstritten geblieben und das wurde dann später als Neutral-Moresnet bezeichnet. Warum? Weil die beiden Mächte keine Soldaten dorthin schicken durften. 

      Ralph: 

      Dieses Gebiet hieß ja dann Neutral-Moresnet. Und das Kuriose dabei ist ja dass das benannt ist nach dem Gebiet Moresnet, das zurückzuführen ist auf ein Dorf. Also man muss sich das so vorstellen, dass wie bei uns, dass es Landkreise gibt, du hast eben ein Stadtnamen oder eben in dem Fall Moresnet, was wirklich eine Ortschaft ist, was aber dann noch mal als Gebiet Moresnet heißt und zu diesem Gebiet Moresnet gehört halt eben unter anderem auch Kelmis dazu. 

      Was jetzt aber verwirrend ist, dass dieses Moresnet gar nicht in dem Neutral-Moresnet liegt, sondern das liegt auf niederländischer Seite. 

      Lukas: 

      Okay, das heißt dann einfach nur auch Moresnet als Reminiszenz an diesen Ortsnamen, aber hat quasi mit dem Namen Moresnet gar nichts zu tun. Also wenn quasi die Museumsdirektorin von Neutral-Morsnet spricht, dann spricht sie von dem Gebiet, auf dem die Zink Mine ist, also auf dem Altenberg ist. 

      Ralph: 

      Genau, die konnten sich eben auch nicht einigen wegen des Altenbergs, weil die natürlich diese Mine haben wollten, Preußen und Niederlande, weil die ja gesehen haben: okay, Zink ist sehr gefragt und Preußen hatte zwar im Osten auch eine Mine, die wollten natürlich aber dann dieses Monopol nicht verlieren und dann ist dadurch eben dieses Gebiet von Neutral-Moresnet entstanden. Das 3,4 Quadratkilometer umfasst. 

      Lukas: 

      Und das ist ein komplett staatenlos neutrales Gebiet gewesen. 

      Ralph: 

      Es ist ein neutrales Gebiet in dem Sinn gewesen, dass eben, wie Celine Ruess gesagt hat, keine Soldaten hingeschickt werden konnten und dass dort so ein bisschen andere Regeln gegolten haben. Es war eher ein umstrittenes Gebiet als ein neutrales Gebiet. Also das hatte zur Folge, dass es einige Probleme gab, weil man wusste halt nicht mehr wie behandelt man die Leute, mit welchem Recht und so weiter. Und was ist da auch so praktisch Vorfälle gab, das kann uns Celine Ruess auch mal erzählen. 

      Celine Ruess: 

      Es gab so Fälle wie zum Beispiel ein Deutscher aus Preußen, der nach Neutral-Moresnet kommt, verlor seine Staatsangehörigkeit an Preußen. Er war nicht mehr Untertan vom Königreich Preußen, musste dann auch keinen Militärdienst mehr machen. Aber das bedeutet nicht, dass er automatisch neutral wurde. Und dann waren es immer so Zwischenfälle. Man hat es einfach so weitergemacht. Okay, man hat ihn dann einfach als neutral behandelt. 

      Er hatte aber nicht einen Pass, der sagt, ich bin neutral und das war einfach zurzeit normal die Zwischenfälle; oder jemand, der zum Beispiel in Belgien wohnt, aber für die Vieille Montagne in arbeitet, und dann später nach Neutral-Moresnet kommt, konnte als Neutraler betrachtet werden. Es gab immer so Einzelfälle, Zwischenfälle, wo man in jedem Einzelfall überlegen musste, wie wird das betrachtet. Und es gab nie wirklich eine feste Regel, weil das einfach nicht eine Lage war, die irgendwie im Vorfeld ganz systematisch überlegt wurde. 

      Ralph: 

      Also hat es halt Regeln gebraucht. Und es war ja so, dass die Niederlande und Preußen sich noch nicht einig werden konnten. Die hatten dann eben zwei Kommissare eingesetzt, die das verhandeln sollten, wem was gehört. Und diese Kommissare wiederum haben sich auf einen Bürgermeister verständigt, der für das Gebiet zuständig war. Bei den Regeln oder bei den Gesetzen haben sich dann diese Kommissare darauf verständigt, dass nicht das preußische Recht galt, aber auch nicht das niederländische Recht, sondern das napoleonische Recht. Und genauso war auch offizielle Währung in diesem Gebiet der französische Franc. 

      Lukas: 

      Okay. Und wieso das? 

      Ralph: 

      Es war halt so, dass dann der eine Kommissar gesagt hat: Ja, wir machen dann preußisches Recht dort. Und da war der niederländische Kommissar eben dagegen. Also man wollte sich halt wirklich gar nichts zugestehen gegenseitig. Also es war einfach eine Übergangslösung. 

      Lukas: 

      Welche Sprache hat man in Neutral-Moresnet eigentlich gesprochen. War das dann Deutsch? 

      Ralph: 

      Es war eine Mischung aus mehreren Sprachen, so wie es im Endeffekt auch in Belgien ist. Es ist ja in Belgien immer noch so, dass quasi der nördliche Teil, dass der niederländische Sprache ich, der südliche Teil, dann französischsprachige. Und ganz im Osten, an der Grenze zu Deutschland, sprechen die Leute Deutsch. Und dieser Code Napoleon, also dieses napoleonische Recht, das war eigentlich ein recht besonderes, muss man sagen, weil es halt Prügelstrafen zum Beispiel hatte oder Stockschläge oder so weiter als Bestrafung. Es führte dann oft dazu, dass Leute, die sich in dem Gebiet in Neutral-Moresnet aufgehalten haben und was verbrochen haben, vermeintlich härter bestraft worden sind als Leute, die halt außerhalb davon waren. Weißt du, wenn jetzt zum Beispiel ein Kutscher zufällig durch Moresnet gefahren ist und hat durch Neutral-Moresnet gefahren ist und hat dort was verbrochen, wie zum Beispiel da gibt es einen Fall, wo einer in einer Herberge Essen stiehlt, dann musste der dafür fünf Jahre ins Gefängnis. 

      Das waren so die, ich sag mal schrecklichen Sachen, aber gleichzeitig hat halt diese Neutralität auch ihre Vorzüge gehabt für die Leute, die dort gelebt haben, es durften ja keine Soldaten von Preußen oder Niederlande rein geschickt werden. Das heißt, es sind in relativ kurzer Zeit sehr viele junge Leute nach Neutral-Moresnet gekommen, um der Wehrpflicht zu entgehen. Auch mit den Steuern war es schwierig. 

      Dann hatten sich diese Kommissare eben darauf geeinigt, dass es nur eine Luxussteuer gebe, also nur auf Grundbesitz, auf Fenster oder Patente. Und diese Steuern, die wurden dann auch von den beiden Kommissaren eingetrieben. Mehr nicht. Also es gab zum Beispiel auf Verbrauchsgüter oder so, keine Steuern. 

      Lukas: 

      Aber wie haben sie sich denn dann finanziert? Also ich meine, wenn die sozusagen so eine eigene Neutralität haben, so eine eigene Staatlichkeit, dann haben die ja auch eine eigene Verwaltung und diese eigene Verwaltung, oder? Oder war das dann die komplette Anarchie? 

      Ralph: 

      Na ja, die hatten halt ihren Bürgermeister und noch einen Gehilfen, aber eine richtige Behörde in dem Sinn hatten die gar nicht. 

      Lukas: 

      Von wie vielen Menschen sprechen wir denn da, die da gelebt haben? 

      Ralph: 

      Ich glaube, so um die 300. 

      Lukas:  

      Aso, okay. 

      Ralph:  

      Aber diese Zahl ist dann auch noch angewachsen. Und die Arbeit in der Bergbau Gesellschaft, die war aber gleichzeitig eine sehr harte Arbeit und auch eine sehr gefährliche Arbeit, die hauptsächlich von Männern ausgeübt worden ist. Diese Bergbau Gesellschaft, die Vieille Montagne, die hatte ja in Moresnet nur einen Standort. Also es war eigentlich eine viel größere Gesellschaft, aber dazu kann uns Celine Ruess auch mehr erzählen. 

      Celine Ruess: 

      Moresnet blieb immer noch für ein paar Jahrzehnte die wichtigste Gruppe. Dann haben sie wirklich sehr sehr sehr intensiv Zink Erz gewonnen, bis die Grube Altenberg leer war. Also 1884 war sie leer, da war kein Bergbau in Kelmis selbst, aber die Aktiengesellschaft Montagne hatte auch ein Gebiet, also ein Bergbau Gebiet, das viel größer war. Und hat sie ganz ganz systematisch Probebohrungen gemacht, um neue Erzvorkommen zu suchen. Und so wurden Ende vom 19. Jahrhunderts und bis in die dreißiger Jahre verschiedene kleinere Gruben betrieben, nicht bis sie leer waren, sondern bis es sich wirtschaftlich nicht mehr gelohnt hat. 

      Lukas: 

      Okay, das heißt diese Bergbau Gesellschaft Vieille Montagne hat also dann noch kleinere Gruben ausgehoben und in dieser Region, um da einfach weiterhin Bergbau zu betreiben, obwohl die große ursprüngliche Grube, über die wir die ganze Zeit gesprochen hatten, also die Grube, aus der auch das Zink für Napoleons Badewanne geliefert wurde, die war dann erschöpft. 

      Ralph: 

      Genau. Also Celine Ruess hatte schon gesagt, die war 1884 oder so erschöpft, aber trotzdem wurde dann auch Zink in die Gegend geliefert, jetzt auch von Gruben außerhalb, die weiter weg waren, um dort verarbeitet zu werden. Also die Vieille Monatgne, die hatte auch europaweit Gruben. Diese ganze Entwicklung der Vieille Montagne, die kann man auch schön im Museum verfolgen. Das ist so, dass es dort Jahrbücher gibt und die Vieille Montagne hat auch sehr viel dokumentiert mit Fotos und so weiter. Und im Museum ist das alles ja teilweise auch digital aufbereitet. Also man kann dann zum Beispiel an einer Station sich so ein Buch angucken, so ein Finanz Buch und dann auf verschiedene Persönlichkeiten treffen, die auch interessante Geschichten haben, wo ich jetzt auch gar nicht überall drauf eingehen kann. Und es gibt dort auch einen Audioguide und diese Audioguide, der ist personalisiert. 

      Also dort gibt es wirklich eine Person aus der damaligen Zeit, die dich durch das Museum führt. Das ist ein gewisser Guillaume Martens, ein Arbeiter jetzt kein besonders hoher Arbeiter in der Bergbau Gesellschaft und der hat eben Mitte des 19. Jahrhunderts dort gearbeitet. Und das wir von dem wissen und auch ein Bild von dem haben, das war wirklich zu der Zeit was sehr sehr Ungewöhnliches. Das passt aber ganz gut zu dem Image, das das Unternehmen damals gepflegt hat. 

      Da hat Celine Ruess nämlich auch was zu zu sagen. 

      Celine Ruess: 

      Das war wirklich ein Beispiel für Paternalismus. Also die Idee war, es gibt eine enge Verbindung zwischen die Arbeiter und den Direktor und dieses Album sollte ein bisschen die Familie sozusagen darstellen, was es für verschiedene Arbeiter in der Region gibt. Wenn man von Paternalismus spricht, es war die Idee, die Arbeiter müssen dem Unternehmen treu sein, gut dienen. Und so gab es im Lohn ein fester Teil und ein Teil, der dann proportional zur Leistung berechnet wurde. 

      So hat die dann auch Schule, Kirche dann finanziell unterstützt. Aber hat auch Musikverein gegründet, zum Beispiel um den Arbeitern eine gute moralische Aktivität zu bieten, dass da nicht Kneipe war. 

      Lukas: 

      Diese Bergbau Gesellschaft hat sich auch ganz schön um das Privatleben der jeweiligen Arbeiterinnen und Arbeiter gekümmert. Wenn ich das so richtig verstanden hab. 

      Ralph: 

      Genau, das Unternehmen war sehr darauf bedacht, dass die Arbeiter und die Familien was Sinnvolles auch machen in ihrer Freizeit und dass es denen gut geht. Weil Kelmis hatte ein Kneipen Problem muss man einfach so sagen können. Es hat ein Kneipen Problem oder ein Alkoholproblem dahingehend, dass sehr viele Arbeiter sich in den Kneipen versammelt haben, getrunken haben, aber nicht nur getrunken haben, sondern da fanden Boxkämpfe statt, dort gab es Glücksspiel mit dem Arbeiter versuchten da ihr Gehalt aufzubessern und das war in dieser Zeit etwas sehr Verruchtes. 

      Preußen, die Niederlande, aber auch andere Länder hatten das Glücksspiel verboten. Das war nämlich so, dass die Staaten halt diese Entwicklung des Glücksspiels und der Casinos im Laufe der Jahre verfolgt hatten. Und das hat auch zu vielen Selbstmorden geführt tatsächlich, weil die Leute halt ihr ganzes Hab und Gut verspielt hatten. Und das hat Preußen und Niederlande halt gar nicht gefallen. 

      Und eigentlich durften die ja auch nicht eingreifen, die durften ja keine Soldaten reinschicken. Und dann war es aber so, dass sie im Code Napoleon so eine Passage gefunden haben, in der es heißt, dass eine Versammlung von mehr als 20 Leuten ohne Genehmigung verboten ist. Und dann haben wir damit im Endeffekt auch das ganze Glücksspiel in Neutral-Moresnet beendet und im gleichen Zug haben die die Prostitution noch verboten. 

      Die haben dann nämlich so eine Regel eingeführt, dass in einer Kneipe oder Wirtschaft nicht mehr als eine Frau arbeiten darf. 

      Lukas: 

      Okay. 

      Ralph: 

      Wir befinden uns ja jetzt schon Ende des 19. Jahrhunderts, das heißt die Kommissare und auch die Nachfolger, die haben es einfach nicht geschafft sich zu einigen. Und dieses Gebiet bestand halt weiter und weiter und Ende des 19. Jahrhunderts lebten in Moresnet, ich habe es ja vorher erwähnt, wie viele es am Anfang waren, so 300. Es lebten dort 4000 Menschen. 4000 Menschen, ein Bürgermeister, ein Polizist und kein Gefängnis. 

      Und ja, also es ist wirklich fast Anarchie. Alkoholschmuggel war auch ein großes Problem in Kelmis. So ein Arbeiter, der konnte halt schnell mal seinen Tageslohn verdoppeln, wenn er zehn Liter über die Grenze geschmuggelt hat. Und die Leute, die sind dann auf ganz verrückte Ideen gekommen, denn die haben dann zum Beispiel Fahrräder genutzt mit wasserdichten Rahmen, wo sie dann Alkohol eingefüllt hatten. 

      Oder haben sich halt Gummi Beutel um den Leib geschwungen oder teilweise haben die auch so Hunde benutzt, die 15 Liter Fässer über die Grenze geschmuggelt haben und es hat sich ja keiner an den Hund rangetraut. Es gab ja auch, wie gesagt, nur diesen einen Polizisten und ein paar Grenzbeamte. 

      Oder es wurden Grenzbeamte ins Gespräch verwickelt, sodass die dann weitere Leute rüber gewunken haben und es war dann so, dass es Anfang des 20. Jahrhunderts in Moresnet drei Destillen gab, die rund um die Uhr gearbeitet haben, die rund um die Uhr Alkohol hergestellt haben. Die Begebenheit der Grenze von Moresnet, die hat auch beim Schmuggel geholfen. Das kann dir aber Celine Ruess auch erzählen. 

      Celine Ruess: 

      Die Nationalstraße, das war ja die Grenze und das Besondere mit dieser Nationalstraße: Sie hat auch die Arbeit der Schmuggler ein bisschen erleichtert, weil sie war eigentlich neutral. Das bedeutet, die Zollbeamten durften auf der Straße nicht eingreifen. Nur wenn man dann auf der preußischen Seite ging, dann war es Schmuggel, aber auf der Straße nicht. 

      Lukas: 

      Verrückt. Irre, wenn man sich überlegt, wie viele verschiedene Regelungen es gibt. Einfach nur gemessen an der Tatsache, wo du dich gerade befindest. Ist doch verrückt, oder? Aber es ist ja heutzutage teilweise immer noch so, also warst du mal in Saarbrücken? 

      Ralph: 

      Ne. 

      Lukas: 

      Saarbrücken ist eine der Hotspots der Prostitution in Deutschland, weil Saarbrücken ja direkt an der französischen Grenze liegt. Und wenn ich mich richtig erinnere, dann ist Prostitution in Frankreich illegal und deswegen gehen sehr viele Freier aus Frankreich nach Saarbrücken. Und deswegen hat Saarbrücken glaube ich die höchste Bordelle Rate in Deutschland pro Einwohner, obwohl Saarbrücken direkt an der Grenze liegt. 

      Lukas: 

      Also du kannst von der französischen Ortschaft, hab den Namen vergessen, kannst du dann direkt reinfahren und der ist quasi auf der Straße das Grenzschild zwischen Frankreich und Deutschland. Also wenn du da nicht drauf achtest, dann fährst du einfach durch und merkst es gar nicht. Und das heißt, wenn du dich jetzt rechts von der Grenze befindest, 20 Zentimeter, gelten andere Regelungen für dich, als wenn du dich links von dem Schild befindest. 

      Aber Anwohner rechts oder links des Grenzschildes würden beide zum selben Bäcker gehen, weil der 50 Meter weg ist, so nach dem Thema. Also das ist diese, diese Absurdität von Regeln, je nachdem wo du dich befindest. Das gibt es heute noch genauso glaube ich. 

      Ralph: 

      Das ist auch diese Absurdität von Grenzen, einfach von künstlich geschaffenen Grenzen, wo man sagt, okay, das verläuft jetzt genau hier. In Aachen gibt es ja auch diesen drei Länder Punkt, wo man dann, du gehst einen Schritt drüber, bist du in Belgien, einen Schritt in die andere Richtung bist du plötzlich in Niederlande, machst wieder einen Schritt in eine Richtung bist du in Deutschland. 

      Lukas: 

      Kriegst du dann jedes Mal von deinem Provider willkommen in Belgien, willkommen in Niederlande, willkommen in Deutschland? 

      Ralph: 

      Das ist eine gute Frage, wo das genau ist. Ich weiß nicht. Ich glaube, das geht nicht genau entlang der Grenze. Schon verrückt, aber generell so Grenzregionen sind einfach total faszinierend. Genau du hattest ja jetzt Saarbrücken angesprochen: Mit der hohen Prostitutionsrate in Kelmis Dd war es so, dass auf fast jedes dritte Haus eine Kneipe war, also die Kneipendichte war das sehr hoch.Es gab in dem Ort 80 Kneipen. 

      Lukas: 

      Wahnsinn. 

      Ralph: 

      Das kann man sich eigentlich, wenn man heute durch Kelmis fährt, kann man sich das nicht vorstellen. 

      Lukas: 

      Heute sieht es anders aus. 

      Ralph: 

      Ja, wobei die Straße, von der Celine gesprochen hat, die gibt es ja noch. Es ist ja nach wie vor eine große, große und vielfach genutzte Straße.  

      Am Anfang sind wir ja aufgestanden, um uns diesen Marsch anzuhören, und auf den bin ich jetzt noch gar nicht eingegangen. Denn es ist so, dass dieses Gebiet, Neutral-Moresnet, das war ja nicht souverän, aber es gab immer wieder Bestrebungen, dass man da einen eigenen Staat draus macht. Ich habe diese Plansprache oder Kunstsprache auch kurz erwähnt. Damit ist konkret Esperanto gemeint, von dem hast du bestimmt schon mal gehört. 

      Lukas: 

      Eine Sprache, die künstlich vom Menschen erschaffen wurde mit dem Ziel, als Weltsprache so einfach wie möglich eine gemeinsame Sprache zu erschaffen. Wenn ich da richtig informiert bin. 

      Ralph: 

      Ja, absolut richtig. Und es bedient sich an bestehenden Sprachen. 

      Lukas: 

      Das ist ja Deutsch, Französisch, Englisch, glaube ich. Das sind die Haupteinflüsse oder sogar Spanisch.  

      Ralph: 

      Spanisch auch, ja genau. Aber wie du richtig festgestellt hast, europäische Sprachen. Also es wurde auch in dieser Zeit ungefähr, in der wir uns jetzt gerade befinden, also Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts, wurde es entwickelt von einem polnischen litauischen Arzt namens Ludwik Zamenhof. Und der hat dann eben ein Buch geschrieben darüber, über diese Kunstsprache mit dem Pseudonym Doktoro Esperanto. Und das hat sich halt so durchgesetzt, dass diese Sprache als Esperanto bezeichnet worden ist, obwohl der Zamenhof eigentlich eine andere, einen anderen Namen sich dafür überlegt hatte, nämlich Lingwe Uniwersala. Universalsprache. 

      Hast du die schon mal gehört? 

      Lukas: 

      Ja ein paar Mal sogar. Ich kenn sogar ein paar Songs, die auf Esperanto geschrieben sind. 

      Ralph: 

      Ach, okay, weil ich habe mir jetzt hier extra aufgeschrieben einen Satz, den ich dir jetzt sagen kann. 

      Lukas: 

      Bitte. 

      Ralph: 

      Auf Esperanto. Vielleicht kriegst du heraus, worum es geht. mia nomo estas Ralph kaj tiel Tiel sonas en Esperanto. 

      Lukas: 

      Mein Name ist Ralph äh und ich spreche auf Esperanto. 

      Ralph: 

      Ja, fast. Und so klingt das auf Esperanto. Der Anfang war richtig. Um die Jahrhundertwende, also von 19 ins 20. Jahrhunderts hatte Esperanto auch schon einige Anhänger gefunden. Also es gab schon Tausende Leute, die diese Sprache gesprochen haben, die dann auch einen internationalen Verband ins Leben gerufen haben, der dann auch Weltkongress abgehalten hat. 

      Lukas: 

      Glaube ich, bis heute gibt. 

      Ralph: 

      Den gibt es bis heute genau. Und die Zentrale ist in der Schweiz, in Genf. Diese Esperanto Leute, die hatten auch schon länger die Idee, dass sich die Sprache wahrscheinlich besser etablieren würde, wenn sie auch irgendwo als Amtssprache eingeführt werden würde. So kam das dann, dass die von Neutral-Moresnet Wind bekommen haben und sich mit den Bürgern dort verständigt haben. 

      Und zwar mit einem Bürger im Speziellen, nämlich Wilhelm Molly. Der ist eine ganz wichtige Person in Kelmis, denn er war Betriebsarzt der Bergbau-Gesellschaft. Er war Freimaurer und er war stellvertretender Bürgermeister und der hat sich schon länger dafür eingesetzt, dass Neutral-Moresnet ein unabhängiger Staat wird. Und er hat auch viel Werbung gemacht und kam auf, ich sag mal, ungewöhnliche Ideen. 

      Ralph: 

      Da gibt es auch einen Ton von Celine Ruess darüber. 

      Celine Ruess: 

      Es gab einen Verkehrs Verein, der neutrale Briefmarken, Post Briefmarken, gedruckt hat und verkauft hat. Sie wussten bestimmt, dass es bald verboten werden musste, weil es ist ja nicht erlaubt, einfach so Briefmarken zu drucken. Aber diese Idee hat so gut funktioniert, weil man heute immer noch davon spricht und diese Briefmarken heute immer noch sammelt. Ich stelle mir vor, dass dieser Herr Molly auch sehr aktiv war. Er hat ja auch die Presse angesprochen über Neutral-Moresnet, über Esperanto und ist ja weitergegangen, hat die Idee gehabt aus Neutral-Moresnet einen Esperanto Staat zu machen. Sollte Amikeyo heißen, Ort der Freundschaft, ist aber nur auf Papier geblieben. 

      Lukas: 

      Ort der Freundschaft, Ort der 3000 Kneipen, Ort der illegalen Alkohol Produktion, Ort der Anarchie und Ort einer Bergbau Gesellschaft. Faszinierend. 

      Ralph: 

      Ja und Ort der steuerlichen Vergünstigung. Celine Ruess hat ja schon gemeint, dass es nie dazu gekommen ist, dass ein Staat draus geworden ist, dieses Amikeyo, weil es war ja immer noch zu diesem Zeitpunkt so, dass Neutral-Moresnet neutral war, aber weiterhin umstrittenes Gebiet. Seit 1830, seit der Gründung Belgiens eben nicht mehr zwischen Preußen und den Niederlanden, sondern zwischen Preußen und Belgien. 

      Und diese Mächte haben die Entwicklungen, die es jetzt in Neutral-Moresnet gab, verfolgt, also dass Neutral-Moresnet jetzt ein eigener Staat werden möchte und da eine sehr große Gefahr darin gesehen, so dass sie die Spannungen und den Druck auf Neutral-Moresnet und auch auf den Esperanto Verband erhöht hatten und dass es letzten Endes nicht dazu kam, dass dort ein Staat gegründet worden ist, geschweige denn, dass die Zentrale wie geplant ursprünglich von Genf nach Neutral-Moresnet verlegt worden ist. 

      Also wir befinden uns jetzt Anfang des 20. Jahrhunderts die Neutral-Moresneter, die kommen 1914 auf die Idee, jetzt ein Festkomitee einrichten, denn die Hundertjahrfeier steht ja schon an. Die Hundertjahrfeier von Neutral-Moresnett. Zu dieser Hundertjahrfeier soll es dann aber nicht mehr kommen, weil 1914 Erzherzog Franz Ferdinand ermordet wird und was passiert? 

      Lukas: 

      Erster Weltkrieg bricht aus. Krise von Sarajevo. 

      Ralph: 

      Ja, durch den 1. Weltkrieg kommt es dann wieder zu massiven Umverteilungen im Endeffekt. Also ich meine, Deutschland marschiert ja in Belgien ein, verliert aber den Krieg und dann werden eben diese Ländergrenzen, diese Ländereien ja wieder neu verhandelt. 

      Lukas: 

      Das ist dann das Ende von Neutral-Moresnet. 

      Ralph: 

      Das ist dann das Ende von Neutral-Moresnet. Also da fällt dann eben Moresnet an Belgien. 

      Lukas: 

      Spannend.  

      Ralph: 

      Es ist ja so, dass Deutschland eben in Belgien einmarschiert während des 1. Weltkriegs und auch unter anderen auch, ja, Kelmis und so weiter und Neutral-Moresnet. Und die Bürger dort werden Deutsche, also egal ob sie jetzt Niederländer waren oder Staatenlose oder so, die werden alle Deutsche. 

      Lukas: 

      Wieso? 

      Ralph: 

      Na ja, weil es Deutschland halt annektiert und so festlegt. Nach dem 1. Weltkrieg werden dann alle Belgier, weil das Belgien so festlegt und wer halt nicht Belgier sein möchte, der muss dann innerhalb von zwei Jahren Belgien verlassen. 

      Lukas: 

      Völkerrechtliche Bestimmungen sind nicht immer ganz leicht nachzuvollziehen. Das ist ganz klar ein gutes Zeichen dafür. Stimmt. 

      Ralph: 

      Und es ist ja dann so, dass während des Zweiten Weltkriegs Hitler den Versailler Vertrag aufkündigt und dadurch wird dann Moresnet wieder deutsch. 

      Lukas: 

      Also wirklich? 

      Ralph: 

      Ja, ja. 

      Lukas: 

      Krass. Aber jetzt ist es seit Ende des Zweiten Weltkriegs belgisch. 

      Ralph: 

      Genau. 

      Lukas: 

      Okay. Und seit wann gibt es das Museum? 

      Ralph: 

      Das Museum? Das gibt es noch gar nicht so lange. Das gibt es seit 2018. 

      Lukas: 

      Ah, krass. Also ganz neu. 

      Ralph: 

      Es gibt in dem Museum auch einen Raum, in dem Videos von Zeitzeugen gezeigt werden. Das fand ich auch sehr spannend. Das kann ich ja leider hier im Podcast nicht wiedergeben. Aber da gab es Leute, die von früher erzählt haben, wie das früher war oder was ja auch von den Eltern und Großeltern gehört hatten, wie das mit den Grenzen sich abgespielt hat. 

      Ralph: 

      Da gibt es zum Beispiel, ich weiß es nicht mehr, ob es jetzt ein Mann oder eine Frau war, die halt erzählt, dass sie jemanden kannte, der in einem Haus gelebt hat und wenn der sich jetzt in der Küche befunden hat, war er auf neutralem Boden. Wenn er in die ins Schlafzimmer gegangen ist, dann war er zum Beispiel auf preußischem Territorium oder so. Aber wenn man sich jetzt heute noch in dem Museum befindet und da durch die Räume geht, da gibt es auch Landkarten und man hat ja zwei Stockwerke das heißt, man hat den Vorteil, dass man von oben quasi auf diese Gegend gucken kann. 

      Und dann kann man auch richtig schön nachvollziehen, wo sich die Anlagen befunden haben. Und es ist ganz witzig, dass diese Nationalstraße zwischen dem Gebäude und den Anlagen verlief. Also es heißt, die Arbeiter, die dort gearbeitet haben, die sind tagtäglich mehrmals über die Grenze gegangen. 

      Lukas: 

      Ja, spannend, total spannende Geschichte. Hab ich noch nie von gehört. 

      Ralph: 

      Wäre das ein Museum, dass du besuchen würdest? 

      Lukas: 

      Ja, schon, weil mich jetzt vor allem die Ortschaft interessieren würde. Ich glaube, wenn man die Dimensionen vor Ort sieht, ist es noch mal was ganz anderes. Und wenn du überlegst, wie klein das dann wahrscheinlich alles vor Ort ist. Und dass du im Prinzip, wenn du auf der einen Seite dieses Gebietes ein Gewehr abfeuern würdest, der Schuss wahrscheinlich durch drei Länder durchgehen würde. 

      Und das finde ich halt so, so absurd, sich das zu überlegen, wie klein dann einfach so Geschichten sind. Und vor allem, wenn das Museum ja erst relativ neu ist, dann glaube ich auch, dass das ein sehr modernes Museum ist. Und die meisten Museen, die wir bislang ja besucht hatten, gibt es ja schon länger, weil es die irgendein Heimatverein oder irgendwas sowas gegründet hatten. 

      Und das siehst du den Museen halt auch an, dass die am Anfang mit sehr viel Pathos gebaut wurden. Aber das sind halt häufig auch die Mittel fehlen, das zu modernisieren und so ein kleines Museum, was erst ein paar Jahre alt ist, stelle ich mir total spannend vor. Ja, vielleicht noch einen Ausblick auf die nächste Folge, Ralph, weil es gibt eine Parallele zu dieser Folge, die ich schon mal vorwegnehmen kann. 

      Und zwar werden wir uns auch nächstes Mal in einem Grenzgebiet aufhalten, und zwar wirklich in dem Grenzgebiet. Denn die Stadt, die wir besuchen werden, hat zwei Bahnhöfe. Der eine Bahnhof wird noch von der Deutschen Bahn betrieben und der andere Bahnhof nicht mehr, obwohl es dieselbe Stadt ist. Und wir gehen in ein Museum, das wahrscheinlich das kleinste Museum der Welt sein könnte. 

      Ralph: 

      Das kleinste Museum der Welt. Aha. 

      Lukas: 

      Es ist so klein, dass da kein Mensch reinpasst. Aber so viel schon mal vorweg. 

      Ralph: 

      Also man kann sich das nur von außen angucken? 

      Lukas: 

      Abwarten.  

      Ralph: 

      Ja, gut. 

      Lukas: 

      Dann bis dahin. 

      Ralph: 

      Ja, bis dahin. Danke auch fürs Zuhören, Lukas, und alle Zuhörerinnen da draußen, wenn es euch gefallen hat, dann teilt die Folge gerne. Gebt uns gerne Feedback. Wir sind immer dankbar für Feedback. Wir sind dankbar für Abos und auch gerne für neue Ideen, wo wir hinwollen. Naja, vielleicht kennt ihr ja das größte Museum der Welt und kennt uns dahin führen. 

      Lukas: 

      Das ist in der Grenzregion liegt. 

      Ralph: 

      Ja. 

      Lukas: 

      Also gut, dann bis dahin. Macht's gut.  

      Ralph: 

      Ciao. 

      Der Beitrag Das Museum Vieille Montagne erschien zuerst auf Escucha.

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      38 min
    • Zwischen Sonntagspeitsche und BDSM - das Peitschenmuseum in Killer

        BITTE NICHT ANFASSEN! #4 – Das Peitschenmuseum 

        Show Notes 

        Killer – ja richtig gelesen – heißt der Ort, in dem das Peitschenmuseum 
        steht. Seit Jahrhunderten kommen aus diesem schwäbischen Dorf Peitschen 
        in allerfeinster Qualität. Und damit diese Tradition nicht in 
        Vergessenheit gerät, betreibt der Heimatverein das Museum. Eine 
        Folge darüber, was Rohrpflanzen aus Manila, das Durchbrechen der 
        Schallmauer und schwäbischer Pragmatismus gemeinsam haben und natürlich 
        geht es auch um BDSM. 

        Fotos:

        Das Peitschenmuseum von außen: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Gebaeude-scaled.jpg

        Museumsbetreiber Oliver Simmendinger: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Oliver-Simmendinger.jpg

        Die zugehörige Werkstatt: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Peitschenmuseum_Werkstatt.jpg

        Hilfreiche Links: 

        • Die Indiana-Jones-Bullwhip-Compilation: https://www.youtube.com/watch?v=ceU4oPRCwX8 
        • Eine Reportage über die ungarische Peitschentradition 
          https://www.youtube.com/watch?v=CiYsphB1XWA 

        Infos zum Museum:  

        Deutsches Peitschenmuseum des Heimatvereins Killer e.V. 

        Am Peitschenmuseum 1 

        72393 Burladingen 

        http://www.peitschenmuseum.de/  

        über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

        Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

         Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

        Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

        Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

        BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

        Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

        Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

        ~~~~~

        Kontakt 
        Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/ 
        E-Mail: info[at]escucha.de 

        Podcast-Credits: 
         

        Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger 
        Produktion: Escucha GbR 
        Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/ 
        Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik) 

        Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

        Transkript: 

        Lukas: 

        Es gibt eine Wochentagspeitsche und eine Sonntagspeitsche. Und das ist natürlich schon irgendwie aus unserer heutigen Sicht ein bisschen skurril,  

        dass ich meine Sonntagspeitsche mit in die Kirche nehm. 

        Ralph: 

        Ja, und wenn du Besuch kriegst, dann gibt es für dich die Gäste-Peitsche. 

        Lukas: 

        Ich glaube, das führt zu weit. 

        Intro mit Musik: 

        Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha. 

        Ralph: 

        Ja, schön, dass wir uns wieder treffen, Lukas, du warst ja diesmal in einem Museum. Worum geht es denn heute? 

        Lukas: 

        Heute geht es um das Durchbrechen der Schallmauer. Es geht um schwäbischen Pragmatismus. Und es geht darum, wie eine Pflanze aus Manila  

        die technische Revolution für all das war. Und jetzt ist meine Frage: Kannst du dir ungefähr vorstellen, um welches Objekt es sich heute handelt? 

        Ralph: 

        Na ja, also Durchbrechen der Schallmauer… Das könnte irgendwas mit Flugzeugen zu tun haben.  

        Und diese Pflanze, ja, keine Ahnung. Die wird dann wahrscheinlich als Material für irgendetwas verwendet und da du gemeint hast, also du hast das Schwaben auch noch genannt.  

        Deswegen schätze ich mal, du warst in irgendeinem Museum in Schwaben. 

        Lukas: 

        Ja, also von deinen drei Dingen, die du gerade gesagt hast, trifft eines zu und du wirst auch gleich sehen, welches.  

        Und dazu hören wir uns noch mal kurz in einen Ton rein. 

        Oliver Simmendinger (vom Peitschenmuseum): 

        Da bin ich total aus der Übung. Da müssen Sie aber Abstand halten, aber das hört man. [Es folgt Peitschenknallen] 

        Ralph: 

        Aua, aua. Das klingt für mich, ja, das klingt für mich nach einer Peitsche. 

        Lukas: 

        Richtig, genau. Denn heute geht's ins Peitschenmuseum nach – Aufgepasst – Killer. Also der Ort heißt wirklich Killer.  

        Und ich finde, das passt einfach perfekt zu dem Namen und dieser Ort Killer liegt 20 Kilometer südlich von Tübingen,  

        also mit Baden-Württemberg warst du da ganz richtig. Tja, und derjenige, der gerade eine ungarische Ochsen Peitsche für mich geschwungen hat,  

        ist Oliver Simmendinger. 

        Und den habe ich im Dezember besucht. Und es war ein bisschen skurril, die Situation, weil wie du gehört hast, waren wir draußen außerhalb des Museums,  

        weil diese Peitsche so lang war, dass wir die unmöglich im Inneren des Museums hätten schwingen können.  

        Und Oliver hat gesagt, dass man diese Technik wirklich lernen muss, diese Peitsche zu schwingen.  

        Und dann hat er sich auf so eine nicht befahrene Straße für mich gestellt und diese mächtige Peitsche für mich geschwungen. 

        Tja, und wenn dieser Peitschen Ton, dieses typische Peitschengeräusch entsteht, das ist eben dann, wenn die Peitsche die Schallmauer durchbricht  

        und deswegen gibt es eben diesen Ton. Und heute dreht sich quasi alles um die Geschichte der Peitsche. 

        Ralph: 

        Wie lang war denn diese Peitsche? Weil du gesagt hast, die war so lang, ihr musstet da rausgehen. 

        Lukas: 

        Also genau kann ich das nicht sagen, aber ich würde mal sagen, dass der Schaft und der Riemen zusammengerechnet schon so vier Meter waren.  

        Vier, fünf Meter. So in der Richtung dann auch. Aber was es genau für eine Peitsche ist und was es da auch für Unterscheidungen gibt, dazu kommen wir später. 

        Ralph: 

        Okay, ja, cool. Dann bin ich mal gespannt, was du mir über die Geschichte der Peitsche erzählst, weil die muss ja sehr weit zurückreichen,  

        würde ich jetzt mal vermuten. Also wenn du sagst Ochsen Peitsche, dann geht es ja irgendwie in Richtung Landwirtschaft und das machen wir ja schon sehr, sehr lange. 

        Lukas: 

        Ja und nein. Also es geht ja vor allem um die regionale Geschichte der Peitschenherstellung in Killer. Denn Killer ist ein Dorf, was quasi dafür bekannt war, dass es sich auf die Peitschen Herstellung konzentriert. Hat. Und vielleicht erinnert dich das an eine andere Folge. Da waren wir nämlich schon mal in einem Dorf, was sich auf die Herstellung eines bestimmten Gegenstandes konzentriert hat. 

        Weißt du was das war? 

        Ralph 

        Ja, das war die Mausefalle in einem Dorf in der Eifel, nämlich in Neroth. 

        Lukas 

        Genau richtig. Und in Killer ist es ein bisschen ähnlich. Also da ist es auch so, dass das halt recht bergig liegt in der Schwäbischen Alb und dass man da wenig Landwirtschaft betreiben kann. Und es gibt da sehr karge Böden und es ist alles halt sehr hügelig. Und auch da war es eben so, dass die Bewohner natürlich gucken mussten, wie sie ihr Auskommen verdienen. 

        Und ähnlich wie in Neroth hat diese Not halt einen gewissen Erfindergeist gefördert. Und in Killer ist es eben auch so. Oliver Simmendinger erklärt mal ganz kurz, wann man zum 1. Mal diese Peitschen Herstellung in Killer nachweisen kann. 

        Oliver Simmendinger: 

        Wir haben da eine urkundliche Erwähnung gefunden im Staatsarchiv in Sigmaringen. Ein Gericht Protokoll, wo jemand, der heimlich Stämme in den Wäldern geklaut hat und die verkaufen wollte. Das Holzschlagen stand damals unter Strafe. Da wurde er erwischt und der wollte das Holz, den Killermann Goiselmachern, den Peitschenmachern verkaufen und das war schon 1730. Aber da hatten die schon ihren Ruf weg. 

        Also das war damals schon die Killermer Goiselmacher. Also hat es vermutlich noch viel weiter vorne angefangen. 

        Lukas: 

        Also Goisel ist der schwäbische Ausdruck für Peitsche? 

        Oliver Simmendinger: 

         Genau so kann man sagen. 

        Lukas: 

        Seit dem 18. Jahrhundert und wahrscheinlich schon viel früher hat das Dorf eben diese Tradition, die sehr einmalig ist. Und Killer hat als Ortschaft eigentlich mehrere Jahrhunderte nur von der Peitschenherstellung gelebt. Die Hochzeit dieser Peitschenherstellung, die war um das Jahr 1930. Danach waren Peitschen einfach nicht mehr so sehr gefordert und das sind aus Killer 5.000 Peitschen pro Tag verkauft worden. 

        Und jetzt schätz mal, wenn die 5.000 Peitschen pro Tag verkauft haben, wie viele Menschen haben in Killer von der Peitschen Herstellung ungefähr gelebt? 

        Ralph: 

        5.000 pro Tag? Naja, wie lange wird man dann für so eine Peitsche brauchen? So müsste ich ja anfangen. Sagen wir mal, wir brauchen für eine Peitsche pro Person vielleicht, wenn das Material schon da ist, eine Stunde, vielleicht auch zwei, weil es ist schwierig einzuschätzen, aber selbst dann braucht man… Das müssen ja hunderte von Leuten sein. 

        Lukas: 

        Also es waren rund 1.200 Peitschenmacher. Doppelt so viele Menschen wie Killer Einwohner hatte waren um das Jahr 1930, da war eben der Peak an Peitschenmachern und mit deinen 1 bis 2 Stunden pro Peitschen liegst du sehr weit daneben, denn es dauert nämlich sehr viel länger aber dazu kommen wir auch später noch. Na ja, weil eben diese Peitschengeschichte so ganz speziell für diesen Ort ist und weil man überhaupt mal zeigen wollte, wie komplex Peitschen sein können, hat Oliver Simmendingers Vater 1993 im alten Bahnhofs Haus dieses Museum eröffnet. 

        Und das kannst du dir so vorstellen: Da gibt es einen großen Ausstellungsraum, in dem befinden sich mehrere 100 Peitschen unterschiedlichster Bauart, auch Peitschen aus der ganzen Welt. Und im Nebenraum ist sogar noch eine voll vorhandene Werkstatt zur Peitschen Herstellung. Und die funktioniert bis heute. Also bis heute werden da auch teilweise Peitschen gebaut, obwohl die Maschinen alle steinalt sind. Also ich würde mal behaupten, dass die Maschinen locker 80 bis 100 Jahre alt sind. Und das Schöne an dieser Museumsgeschichte, wenn es in Bezug auf die Familie Simmendinger geht, ist dass die Simmendinger selber noch bis vor drei Generationen professionelle Peitschenmacher waren. Die haben noch bis vor drei Generationen wirklich davon gelebt. Und Oliver Simmendinger kann auch heute noch Peitschen bauen. 

        Natürlich nicht mehr so gut wie damals, weil er sagt es einfach, da ganz viel verlorengegangen ist an Wissen. Aber er kann heute noch Peitschen bauen. So, und jetzt erst mal eine Frage an dich, Ralph, was weißt du eigentlich über Peitschen? 

        Ralph: 

        Ich weiß, dass meine Jugendheld Indiana Jones immer eine Peitsche bei sich hatte. Und die ja benutzt hat, um sich daran entlangzuschwingen. Und ich weiß nicht, ob das möglich ist. 

        Lukas: 

        Also vielleicht sollten wir erst mal kurz klären, was gibt es eigentlich für verschiedene Peitschen-Arten? Und das erklärt uns Oliver Simmendinger. 

        Oliver Simmendinger: 

        Viele wissen gar nicht mehr, was eine Peitsche überhaupt ist. Also man unterscheidet halt zunächst mal die Stockpeitschen und die Karbatschen. Die ist das, was viele eher noch kennen von Indiana Jones oder Zorro. Es ist ein kurzer Stil mit einem langen Lederseil oder mit einem geflochtenen Seil. Was für große Herden gedacht war, um große Herden zu treiben, war im Unterschied dazu eben die Stockpeitsche, die einen sehr langen Stock hat und nicht nur einen kurzen Lederriemen, wie man es eben von der Kutsche her oder vielleicht auch von der Dressur aus dem Zirkus noch kennt. 

        Ralph: 

        Als Indiana Jones Fan weiß ich ja zum Beispiel auch, dass Indiana Jones diese Peitsche ja quasi als Jugendlicher zufällig gefunden hat, weil da gibt es so eine Szene im Film, wo er sich auf einem Zug befindet, auf einem Fahrenden. Und dann stürzt er durch das Dach ins Zugabteil rein und es handelt sich um Zirkuswaggons und da ist eben ein Löwe drin und dann sieht er dort diese Peitsche. 

        Also schon in Indiana Jones wird da diese Verbindung zum Zirkus hergestellt. 

        Lukas: 

        Ich glaube, das führt zu weit. 

        Ralph: 

        Egal! Für alle Hardcore Fans da draußen. 

        Lukas: 

        Die Peitsche, die du am Anfang gehört, das war diese Peitsche aus Ungarn, das ist dann eine Karbatsche und die Karbatsche ist sozusagen auch das, was Indiana Jones hat. Also ein kurzer Schaft und ein sehr langer Riemen dran. Genau. Und die klassische Kutscher Peitsche, da ist eben der der Schaft wesentlich länger und der Riemen dafür kürzer. Und die hört sich natürlich auch ganz anders an und die habe ich für dich natürlich auch einmal aufgenommen. 

        [Peitschenknallen Kutscherpeitsche] 

        Lukas: 

        Und was ist das für eine Peitsche? 

        Oliver Simmendinger: 

        Das ist eine klassische Kutscher Peitsche, kann man sagen. Genau mit der kann man eben maximal das Geräusch was man jetzt gehört haben machen. Ansonsten ist die ja fast 2 Meter lang. Man kommt also vor zum Pferd, kann das berühren, kann auch nur so ganz leise zischen. Das kann man auch noch einmal sich jetzt vorstellen, dass ich jetzt direkt neben dem Kopf vom Pferd, dann reicht das schon so, weil der Kutscher will auch nicht viel Kraft aufwenden. 

        Ralph: 

        Bei der Kutscherpeitsche, das hört sich so an, als wäre da dieser Riemen auch viel dünner. Also der ganze Sound ist dünner als bei dieser Peitsche am Anfang. Ist das richtig? 

        Lukas: 

        Das ist absolut richtig. Der ist wirklich nur so dick und bei der Backe bei der ungarischen Karbatsche am Anfang war der Riemen, ich würde mal sagen 1,5 bis 2 Zentimeter breit. Also das war ein richtiges Trum und bei der Kutsche Peitsche eben viel, viel kürzer. Oliver hat jetzt gesagt, dass die Kutscher Peitsche die Tiere auch berührt hat. Das stimmt, aber wirklich nur, um die Tiere quasi zu berühren, aber nicht um Schmerz zuzufügen. Also die Haupt Navigations Funktion einer Peitsche besteht wirklich darin, akustische Signale auszusenden, auf die das Tier reagiert und wo das dann quasi in eine andere Richtung geht, als wenn ich jetzt die Peitsche am rechten Ohr des Pferdes knallen lasse, dann würde das Pferd nach links gehen, sozusagen. 

        Und je nachdem, wie ich die Peitsche halte, ist es natürlich auch so, dass es die Hupe derzeit ist, in der es noch keine Autos gab. Denn du musst jetzt mal Städte vorstellen, in denen Pferdefuhrwerk rumfahren. Da ist es natürlich so, dass es wie in allen alten Städten ganz enge Gassen gab. Und damit sich diese Pferdefuhrwerke nicht gegenseitig über den Haufen fahren, hat man quasi jedes Mal, bevor man in die Kurve rein gegangen ist, also vorher mit der Reiter Peitsche ins Signal gegeben, was sozusagen die Hupe war. 

        Und dadurch hat man eben auch versucht, Unfälle zu vermeiden. Also deswegen muss diese Peitsche, also diese Kutscher Peitsche, halt relativ agil sein und relativ leicht sein, weil du musst sie aus dem Sitzen mit wenig Kraft so schnell auslösen können, damit dieser Signalton eben ganz easy ertönt. 

        Ralph: 

        Du hat vorhin Reiter Peitsche gesagt. Ist damit die Kutsche Peitsche gemeint? Ist das ein und dasselbe? 

        Lukas: 

        Genau, was du vielleicht noch im Kopf hast, das ist die Reitgerte. Aber bei der Gerte ist es so, eine Gerte hat ja keinen langen Riemen, sondern ja nur so einen kleinen Zusatz. Ich weiß gar nicht, wie der richtig heißt. Und mit dieser Gerte, da würde man Pferde auch tatsächlich berühren, also auch wirklich sozusagen kinetische Energie auf das Pferd übertragen. 

        Aber das ist keine Peitsche, das ist eine Gerte. Und in unserem Fall geht es wirklich nur um Peitschen. 

        Ralph: 

        Okay. 

        Lukas: 

        Wenn wir uns jetzt mal mit der Herstellung dieser Peitsche beschäftigen, ist es natürlich so, dass wir immer zwischen dem Peitschenschaft und dem Riemen unterscheiden müssen. Was wir jetzt beschreiben werden ist der Peitschenschaft, also das ist quasi das, wofür ich die konische Form brauch. Und an diesem Peitschenschaft wird vorne der Riemen befestigt, der Riemen, da gibt es auch ganz verschiedene Herstellungsweisen, aber für uns interessant, weil es sozusagen ein komplexere Teil ist. 

        Normalerweise war es so, dass Peitschen immer aus Eichenholz gefertigt sind, denn Peitschen müssen ja stabil und biegsam sein. So, und jetzt ist natürlich die Frage, Oliver, hat ja gesagt, dass man möglichst wenig Kraft für diese Peitsche braucht, sondern dass das alles Technik ist. Es liegt natürlich auch daran, wie die Physik einer Peitsche funktioniert. 

        Denn damit die Peitsche überhaupt knallt und damit überhaupt so viel Energie von dem Schaft auf den Riemen übertragen wird, ist die Peitsche in einer konischen Form gebaut. Weißt du, was eine konische Form ist? 

        Ralph: 

        Ja, das ist doch eine Kegelform also etwas, was spitz zuläuft, richtig? 

        Lukas: 

        Genau. Je konischer die Peitsche ist, desto mehr Energie wird übertragen. Aber auch das erklärt Oliver Simmendinger noch mal ein bisschen genauer. 

        Oliver Simmendinger: 

        Wir haben einfach eine Masse, die durch die Armbewegung in Schwung gebracht wird und der eine oder andere kennt vielleicht noch aus dem Physikunterricht den Energieerhaltungssatz. Wenn ich einmal eine Energie reinsteckt, dann wird die ja nicht weniger, sondern bleibt erhalten. Aber dadurch, dass die Masse sich nach vorne hin verjüngt, die Peitsche wird ja immer dünner, erhöht sich die Geschwindigkeit. 

        Und dadurch, dass die Geschwindigkeit sich erhöht, bricht dann sozusagen am Ende die Schnur, durchbricht die Schallmauer und dadurch entsteht dann auch dieser laute Knall, wie man das kennt.  

        Ralph: 

        Und alle Peitschen sind konisch gestaltet, was dann nicht irgendwie vorne dran noch so ein Tropfen oder so. 

        Lukas: 

        Alle konisch. 

        Ralph: 

        Also das ist bei dieser Ochsen Peitsche so und ist das bei dieser Kutscher Peitsche auch so? 

        Lukas: 

        Ist bei allen Peitschen so. Also eine Peitsche, die nicht konisch zuläuft, würde gar nicht richtig funktionieren, weil die Übertragung vom Schaft auf den Riemen gar nichts hätte. Und das ist nämlich auch der springende Punkt, wo die Herstellung von Peitschen mit der Meisterhaftigkeit des Handwerks verbunden wird. Denn je besser eine Peitsche, desto konischer läuft sie zu und desto stabiler und biegsamer ist sie gleichzeitig. 

        Denn je dünner ich vorne bin, desto weniger Energie brauche ich, weil desto mehr Energie wird ja konzentriert. Und je dünner das Material vorne ist, desto brüchiger wirds. Und gleichzeitig brauche ich ja auch noch ein relativ biegsamen Material. Also das sind verschiedene Faktoren, die diese Herstellung gar nicht so ohne machen. Und ganz am Anfang hat man das mit Ebenholz gemacht. 

        Das ist sozusagen das, was diesen Ansprüchen an das Material, an die natürlichen Ressourcen die wir hier im deutschsprachigen Raum haben, am besten entspricht. Bei den Peitschen ist es so, die sind von Killer aus in ganz Deutschland vertrieben worden und irgendwann ist mal ein Peitschen Macher an einen Hochseehafen in Deutschland gekommen und da ist er mit einem Material konfrontiert worden, was die Peitschen Herstellung in Killer revolutioniert hat. 

        Und das ist das sogenannte Manila Rohr. Und auch das erklärt uns Oliver Simmendinger kurz. 

        Oliver Simmendinger: 

        Ja, die Schiffe damals, ja noch so Holz Schalen, sag ich mal, die waren ja nicht so schöne Containerschiffe und so schön ausbalanciert wie heute, sondern die musste man je nach Ladung. Das waren Säcke oder lose Ware oder Kisten musste man die entsprechend dem Seegang auch noch ausbalancieren, damit die einigermaßen gerade im Wasser liegen. Und für das Ausbalancieren da haben die in Asien, sind die hergegangen und haben dieses Manila vorgeschlagen. 

        Das ist durchzogen mit so vielen feinen Fasern und deswegen im frisch geschlagenen Zustand quasi voll mit Wasser, was sich die Pflanze versorgt und deswegen sehr schwer. Und diese Bündel haben aber nicht viel Platz weggenommen, konnten sich gut in die Ecken und überall rein stapeln lassen. Und so hat man das mit diesen schweren Manilastangen das Schiff ausbalanciert. Nach der Überfahrt und Ankunft in den deutschen Seehäfen war das Material aber vertrocknet und deshalb für die Seefahrer wertlos. 

        Ralph: 

        Hmmm, also quasi aus einem Abfallprodukt haben die dann Peitschen hergestellt? 

        Lukas: 

        Genau. Und es wurden mit Abstand die besten Peitschen und das liegt daran, wie man das Manila Rohr eben bearbeiten kann. Vielleicht noch mal ganz kurz für dich die Information, wenn man an eine Pflanze denkt oder an Rohr generell, dann denkt man ja an etwas, was innen hohl ist, wie zum Beispiel Bambus, der ja auch für seine Stabilität bekannt ist. 

        Beim Manila Rohr ist es so, das ist nicht innen hohl, also das ist wirklich einfach ein Stecken, kann man sagen, der halt relativ groß ist. Ich habe da auch einen gesehen im Peitschenmuseum, das sind natürlich auch ein paar Manila Rohr Stöcke ausgestellt, in verschiedenem Bearbeitungszustand, also vom Rohzustand bis hin dann zu, wenn sie zu einer Peitsche verarbeitet werden. 

        Und das sieht erst mal komplett unscheinbar aus, wenn es getrocknet ist. Das sieht aus wie ein helles Holz. Man hat am Anfang versucht, einfach nur aus diesem Manila Rohr, das in eine konische Form zu drechseln. Also man hat es in so eine Drechsel Bank rein gemacht, hat dann ein Messer genommen, hat quasi versucht, dieses Manila Rohr nach vorne hin immer dünner zu drechseln. 

        Kannst du dir das vorstellen, wie ich das meine? 

        Ralph: 

        Also ich verstehe das total. 

        Lukas: 

        So und jetzt ist es natürlich so, es gab auch diese Herstellung, dass man quasi das Manila Rohr nur verjüngt, dass man es quasi so entlang drechselt. Aber um so eine richtig ultimative Killerer Peitsche zu bauen…. 

        Ralph: 

        Eine Killer Peitsche. 

        Lukas: 

        Um die ultimative Killer Peitsche zu basteln, hat man das Manila Rohr noch mal ganz anders bearbeitet. Auch das erklärt uns noch mal Oliver Simmendinger: 

        Oliver Simmendinger: 

        Wenn man jetzt hergeht und das einfach abkoppelt, sodass die Peitsche nach vorne hin dünner wird, dann ist eigentlich die gute Außenhaut von diesem Manila Rohr, war dann weg und dadurch auch die Spannkraft und die Haltbarkeit. Deswegen haben dann die Peitschenmacher, hier schwäbischer Erfindergeist sage ich mal, versucht quasi die Peitsche von innen auszuhöhlen. Und das hat man so gemacht, dass man das Rohr komplett aufgeschnitten hat in Einzelteile in Viertel, so dass man ins Innere reinkommt, hat dann mit Hobel Messern das Innere quasi raus gearbeitet und dann am Ende diese 4/4 Stücke wieder zusammen geleimt und dann war quasi nur das Beste vom Äußeren erhalten und die Peitsche nach vorne hin trotzdem dünner. 

        Und bei dieser Gelegenheit ist man dann hergegangen und hat noch zusätzlich mit Stahl Einlagen gearbeitet. Mit Stahl Einlagen.  

        Ralph: 

        Die Stahl-Einlagen, hast du das dann auch gesehen? 

        Lukas: 

        Dieses Manila Rohr ist ja dann sozusagen hohl und es ist wieder zusammengeleimt und das ist so fein gearbeitet, dass man wirklich sehr genau hingucken muss, um überhaupt zu sehen, wo diese Viertel waren. Also Oliver Simmendinger musste mir das wirklich zeigen, sonst hätte ich das gar nicht gesehen. Und innendrin kommt quasi noch ein Federstahl rein, der sozusagen zusätzlich dieses ganze Konstrukt noch mal stabilisiert. 

        Lukas: 

        Und bei der Manila Peitsche, wo die so hergestellt ist, die kannst du fast, also kannst du den Peitschenschaft fast um 180 Grad drehen, ohne dass sie auseinanderbricht. Also der hat es für mich in dem Museum gemacht und hat diese Dinger, hat die gedreht und ich dachte, okay, jetzt krachts hier, jetzt ist gut, aber die sind komplett flexibel. 

        Das ist jetzt auch nur eine von vielen Herstellungsarten, wie man mit diesem Manila Rohr umgehen kann. Es gibt noch ganz andere Herstellungsweisen und natürlich wie alles was irgendwie hergestellt wird, von den Menschen wurden auch Peitschen irgendwann mal dafür benutzt um den Status von Menschen bzw auch den Reichtum von Menschen zu demonstrieren. Denn letztlich ist es so, dass die Sonntags Peitsche das war, was heute Markenklamotten waren. 

        Damals waren quasi Peitschen richtige Statussymbol und je nachdem wie die hergestellt waren und ob die Verzierungen drin hatten und ob da noch irgendwie wertvoller Stoff um den Schaft gewickelt wurde. Und so weiter und so fort war das ein Statussymbol. 

        Denn ist es tatsächlich auch wieder so? Also da gibt es sehr viele Parallelen zum Auto, das werden Sie feststellen. Man hat damals schon hat sich dann eine Sonntags Peitsche etabliert, das heißt, die Leute, die am Sonntag dann mit dem Pferdewagen in die Kirche gefahren sind, der wollte dann der Bauer am Sonntag eine besondere Peitsche in der Hand haben. 

        Nicht die, die die ganze Woche über vielleicht bei der Arbeit im Einsatz war und dementsprechend sind die Peitschen Betriebe dann drauf eingestiegen. Haben eben unterschiedliche Möglichkeiten gesucht, wie man die Peitsche verzieren und noch schöner machen kann.  

        Ralph: 

        Ja, genau wie beim Auto. Da fahre ich auch Sonntag mit meinem besonderen Auto zum Gottesdienst und sonst habe ich meinen Dienstwagen. 

        Lukas: 

        Ja gut, vielleicht nicht ganz so, aber du weißt, worauf ich hinauswill. Also es gibt halt eine Wochentags Peitsche und eine Sonntags Peitsche. Und das ist natürlich schon irgendwie aus unserer heutigen Sicht ein bisschen skurril, dass ich meine Sonntags Peitsche mit in die Kirche nehm. 

        Ralph: 

        Wenn du Besuch kriegst, dann gibt es für dich die Peitsche. 

        Lukas: 

        Und bei den es ist übrigens auch so, dass die Killerner Goiselmacher sich auch ihre, also die krasseste Peitsche, die wertvollste Peitsche haben die sich auch über ihre Stuben Tür gehangen, damit jeder der gleich reinkam wusste okay, das ist jetzt ein richtig krasser Peitschenmacher, weil der das und das Material verwendet und weil er das und das gemacht hat. 

        Und so weiter und so fort. Also es ist auf jeden Fall ein Statussymbol was glaubst du, wie lang eine Peitsche hält, wenn sie richtig gut hergestellt ist und wenn man sie täglich braucht. Also nicht die Sonntags Peitsche, sondern so eine Wochentags peitsche. Was glaubst du wie lange hält die ungefähr? 

        Ralph: 

        Also meinst du jetzt so eine Kutscherpeitsche? 

        Lukas: 

        Ja egal, die halten ungefähr gleich lang. 

        Ralph: 

        Ich glaube, dass sie mehrere Jahre halten. Ich würde mal sagen vielleicht wie so ein Computer. So zwei Jahre. 

        Lukas: 

        Ja, also wenn man die wirklich täglich benutzt und intensiv benutzt, hält die ein bisschen über ein Jahr, weil es ist trotzdem eine krasse Kraft, der Energie Transfer. Also die muss man schon regelmäßig austauschen. Und natürlich, wenn man sich überlegt, wie viele Fuhrwerke und Ochsen Gespanne und Kutschen und alles mögliche es noch 1930 in Deutschland gegeben hat, kann man sich vorstellen, was da für eine Peitschen Produktion notwendig war, um das natürlich alles am Laufen zu halten. 

        Und wenn dann noch diese Luxuspeitschen und diese Sonntagspeitschen hinzukommen, hat man natürlich eine wahnsinnige Nachfrage nach Peitschen. 

        Ralph: 

        Hmmm gehst du eigentlich noch auf den Riemen ein? 

        Lukas: 

        Nicht wirklich, weil der Riemen ist halt nicht zu spannend, weil das ist halt meistens geflochtene Leder. 

        Ralph: 

        Ahja, okay. 

        Lukas: 

        Jetzt hast du diese unglaubliche Nachfrage und wie kommen jetzt die Menschen zum Angebot? Hast du da eine Idee wie es damals geklappt hat? 

        Ralph: 

        Hmm Na ja, vielleicht über Märkte, dass die Peitschen Hersteller vielleicht irgendwie auf Märkte gefahren sind oder halt irgendwo in die Städte, wo die Peitsche noch oft gebraucht worden sind von Kutschen oder vielleicht Anzeigen in der Zeitung? Ich weiß es nicht. 

        Lukas: 

        Ja und nein. Es war auch so, dass das ein bisschen war wie bei den Mausefallen in Neroth. Es gab tatsächlich fahrende Peitschenhändler, die im Sommer von Stadt zu Stadt gereist sind und die haben da ihre Aufträge angenommen, haben die im Winter dann gebaut und im Sommer ausgeliefert. Das heißt, man hat jedes Mal eine Peitsche für das nächste Jahr bestellt. 

        Lukas 

        Und es gab natürlich nicht nur eine Peitsche, sondern es gab ganz verschiedene. Es gab sogar einen richtigen, richtigen Katalog von Peitschen, und zwar in Form von Peitschen-Miniaturen. Das heißt, die Peitschen Macher haben in der Zeit gebaut, und haben die dann mitgenommen. 

        Oliver Simmendinger: 

        Und drum gingen die Peitschen Macher her und haben ihre verschiedenen Typen, die es gab im Modell, quasi nachgebaut. Und mit solchen Modellen dann hat man eine Kollektion zusammengestellt und ist dann mit diesen Kollektionen auf Reisen gegangen, um so ihre Peitschen an den Mann zu bringen.  

        Ralph:  

        Und das war ja dann noch im 20 Jahrhundert so? 

        Lukas: 

        Genau. Das ist natürlich weniger geworden und ich kann mir gut vorstellen, dass es dann 1930, dass es dann nicht mehr so viele fahrende Händler gab. Also ich glaube, dass sich diese Produktion tatsächlich eher auf Ende des 19. Jahrhunderts fokussiert. Ich glaube, dass es da einfach 1930 schon andere Möglichkeiten gab, aber sicherlich wird man das damals auch noch so gemacht haben. 

        Ralph: 

        Ja, ich meine, es wurden ja irgendwann in 20 Jahrhundert kam ja das Auto auf und wurde dann ja auch die die Kutsche als Transportmittel verdrängt. Und wahrscheinlich ging ja dann die Nachfrage nach Peitschen auch ein bisschen runter. 

        Lukas: 

        Absolut. Also ab dem Zeitpunkt, wo das Auto den Straßenverkehr revolutioniert hat und ab dem Zeitpunkt, wo die Landwirtschaft primär von Maschinen durchgeführt wurde, ist es natürlich so, dass die Peitschen in den Bedeutungsverlust gegangen sind. So, und jetzt noch eine Information zum Schluss: Wenn es um die Kategorisierung von Peitschen geht; es gibt ja noch abseits von Kutschen und von Reit Veranstaltung eine andere Domäne, in der Peitschen verwendet werden. Das ist ja zum Beispiel die BDSM Szene und das ist ziemlich witzig, weil wenn es darum geht, sich im Schlafzimmer auszupeitschen, benutzen die meisten Leute eigentlich eine Peitsche, die gar keine Peitsche ist, sondern ein Reinigungsgerät. 

        Ralph: 

        Wie ein Wischmopp, oder was? 

        Lukas: 

        Ja, so in der Richtung. Und zwar handelt es sich bei einer klassischen Peitsche, die für BDSM verwendet wird, zum Beispiel um eine französische Klopf Peitsche und da gibt es auch einen Ton dazu. 

        Oliver Simmendinger: 

        Wobei ursprünglich die Peitsche die Peitsche wie man sie hier sieht. Also das sind mehrere Lederriemen an einem kurzen Griff dran. Das tut sicherlich arg weh, wenn man da, wenn man da feste zuschlägt, Ursprünglich kommt die tatsächlich aus Frankreich und wurde dort verwendet, um die damals noch sehr aufwendig hergestellten Uniformen der Soldaten von Staub und Schmutz zu befreien. Die haben dann quasi an der Uniform sich so runter geklopft, deswegen Klopfpeitsche. 

        Ralph: 

        Du musst mir jetzt diese Klopf Peitsche erklären, weil ich bin da nicht so bewandert drin. Also wenn ich jetzt an BDSM denke, dann denke ich, glaube ich, eher an so eine Gerte oder an so ein Paddel. Ich glaube, es gibt noch irgendwie so was Paddelartiges, aber ich weiß jetzt nicht, was diese Klopfpeitsche ist. 

        Lukas: 

        Genau. Aber dieses Paddelartige sind ja letztlich auch Gerten, nur mit einem breiteren Blatt oben dran. Diese Klopfpeitschen sind diese Teile, die man auch immer aus so ganz martialischen Filmen sieht, wenn jemand ausgepeitscht wird. Das ist ein relativ kurzer Schaft und an diesem Schaft gibt es mehrere Lederriemen, also nicht einen Riemen, sondern mehrere. Und das ist eigentlich ein Reinigungsgerät und gar nicht dafür gedacht, um Leute auszupeitschen, also um Schmerz zu verursachen. Und ich finde es eigentlich witzig, wie quasi eigentlich ein Reinigungsgerät dann als Peitsche benutzt wird und die eigentlichen Peitschen ja so kaum mehr benutzt werden. 

        Ralph: 

        Aber es passt ja total. Ich bin so dreckig, reinige mich also ich glaube, ich weiß jetzt auch was du meinst. Also mit so mehreren Riemen dran. Ist es nicht auch diese neunschwänzige Katze oder ist das wieder was anderes? 

        Lukas: 

        Weiß ich nicht. 

        Ralph: 

        Okay, ist aber nicht aus dem BDSM Bereich. Also das ist glaube ich aus dem Mittelalter, dachte ich. Ich habe noch eine Frage und zwar zur Benutzung dieser Peitschen. Du hast jetzt diese Kutscher Peitsche erklärt. Wie verwendet man denn diese Ochsen Peitsche? 

        Lukas: 

        Die Ochsen Peitsche ist letztlich dafür da, dass man ganze Ochsen-Herden mit akustischen Signalen lenken kann und deswegen hat man da auch so viel Platz gebraucht, weil die sind extrem laut. Also das hat man dann in ganz Killer gehört als Oliver Simmendinger diese ungarische Ochsen Peitsche da für mich geschwungen hat. Die ist wirklich laut, also einfach deswegen, um halt große Herden lenken zu können. 

        Und das muss man auch wirklich trainieren. Also da gibt es verschiedene Techniken, wie man das machen kann. Ich glaube nicht, dass wir beide jetzt aus dieser Peitsche einen Ton rausbekommen würden. 

        Ralph: 

        Und was kostet so eine Peitsche? 

        Lukas: 

        Das weiß ich nicht. 

        Ralph: 

        Okay, also man kann jetzt dort vor Ort nicht einfach so eine Peitsche kaufen. 

        Lukas: 

        Nein, das geht nicht. Jetzt ist natürlich so, das Peitschen-Museum in Killer ist ein sehr, sehr kleines Museum, das hat nur ein paar 100 Besucher pro Jahr und während der Pandemie musste das Museum komplett dichtmachen. Und das Museum wird auch vom Heimatverein getragen. Das heißt, sie haben jetzt nicht wahnsinnig viele Ressourcen, aber, und das hat man gemerkt, das macht Oliver Simmendinger natürlich auch, weil es ein Stück Familiengeschichte ist, aber auch mit sehr viel Herzblut. 

        Lukas: 

        Und alleine schon die Tatsache, dass die das wiederherstellen, dass sie auch wieder angefangen haben, Peitschen zu produzieren, ist natürlich super. Die sind auch regelmäßig zum Beispiel auf Heimattagen unterwegs, wo die dann diese Killerer Peitschenmacherei zeigen. Und es ist schon echt ein schönes kleines Projekt. Also wenn man sich dafür interessiert, sich das mal anzugucken. Es gibt die Homepage des Peitschen Museums in Killer, das kann man einfach mal Googlen oder wir stecken es in die Show Notes und da kann man auch Führungen ausmachen. Und das ist auf jeden Fall denke ich eine tolle Gelegenheit. Also eine blöde Nachricht da noch irgendwie zum Schluss. Es gab leider einen Brandanschlag vor kurzem auf dieses Museum. Kein Mensch weiß wieso, weil das ist wirklich ein tolles kleines Heimatmuseum und das Peitschen Museum wäre natürlich auch sehr dankbar, wenn es vielleicht die einen oder anderen geben würde, die ein bisschen was spenden an den Heimatverein in Killer, damit da die Schäden möglichst schnell beseitigt werden. 

        Am Museum selbst sieht man das gar nicht, dass ist nur in einem dieser Räume. Genau. Also wem jetzt diese Geschichte gefallen hat, oder wer das Museum in Killer unbedingt mal besuchen möchte, der kann ja vielleicht den einen oder anderen Euro an den Heimatverein überweisen, damit die diese schöne Lokalgeschichte die auch darüber hinausgeht. Denn auch diese Peitschen sind in ganz Deutschland und darüber hinaus verkauft worden. 

        Ralph: 

        Da finde ich eine gute und wichtige Sache, weil uns ist ja daran gelegen, dass wir kleine Museen vorstellen und natürlich, dass die auch erhalten bleiben, weil die ja so spezielle Themen haben, die, wenn die Museen schließen, dann vielleicht auch in Deutschland aussterben. 

        Lukas: 

        Absolut. Tja, Ralph, das war mein Besuch mit dir im Peitschen Museum in Killer. 

        Ralph 

        Der hat mir jetzt sehr gefallen. Ich bin da wirklich total neugierig drauf, das selber mal zu besuchen, weil ich mir da vorher ehrlich gesagt gar keine Gedanken darüber gemacht habe. Peitschen Das ist soweit weg von mir. Ich nutze die weder privat jetzt für BDSM noch für Zirkus Auftritt, sonst irgendwas. Aber wie viel Handwerk da drinsteckt, wusste ich nicht. Und ich wusste auch nicht, wie das so funktioniert mit dem Peitschen. Also finde ich sehr cool. Finde ich sehr interessant und es hat auf jeden Fall mir persönlich jetzt Lust auf mehr gemacht, weil ich glaube, dass da noch ganz viel zu erfahren ist, wenn man da hingeht. 

        Lukas: 

        Ja, das glaube ich auch. Und außerdem, man kann es auch super kombinieren. Mit einer Wanderung in der Schwäbischen Alb. Die Natur da außen rum ist natürlich super. Killer hat ja direkt einen Bahnhof, das heißt, das Museum ist ja direkt am Bahnhof und da ist es auch relativ gut angeschlossen, wenn man da nicht mit dem Auto hinmöchte. Also es ist einen Besuch wert, auf jeden Fall. 

        Ralph: 

        Ja, dann danke fürs Vorstellen, Lukas, danke auch für alle, die jetzt zugehört haben. Wir freuen uns natürlich immer über Feedback. Wir freuen uns auch, wenn ihr den Podcast an Freunde und Familie weiterleitet, damit einfach mehr Leute in den Genuss von diesen besonderen Themen kommen. Und wenn ihr Vorschläge habt, wo wir mal hinfahren sollten, in welches Museum, dann könnt ihr uns auch gerne eine Mail schreiben, die Infos dazu findet ihr alle in der Beschreibung unseres Podcasts. 

        Lukas: 

        Ich würde jetzt gar nicht mehr groß Tschüss sagen. Punkt. Podcast. 

        Ralph: 

        Punkt Podcast, so! 

        Der Beitrag Das Peitschenmuseum erschien zuerst auf Escucha.

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        33 min
      • Apocalypse und der Rubik's Cube - das Puzzleum in Bochum
          BITTE NICHT ANFASSEN #4 – Das PuzzleumSHOW NOTES

          200 Gramm in den Händen von Robinson haben sein Leben verändert. Der professionelle Zauberer aus Bochum hat diesem Gegenstand ein eigenes Museum gewidmet: das Puzzleum. Es geht aber nicht nur um diesen einen Gegenstand, sondern um hunderte weitere Spielereien. Wir reden über einen ungarischen Exportschlager, zersägte Landkarten und den Untergang der Welt.  

          Hilfreiche Links:

          Foto von Robinson mit einem Rubikwürfel in der Hand: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Robinson_puzzleum.jpg  

          Mehr zum Turm von Hanoi: https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%BCrme_von_Hanoi  

          Weitere Infos zu Tangram: https://de.wikipedia.org/wiki/Tangram  

          Weiterführender Link zum Ostomachion: https://de.wikipedia.org/wiki/Stomachion  

          Diese Seite war hilfreich für die zeitliche Einordnung der Puzzles: https://www.siammandalay.com/blogs/puzzles/95858310-chronological-history-of-puzzles-a-timeline  

          Infos zum Museum:  

          Puzzleum 

          Lothringer Straße 36C 

          44805 Bochum 

          https://www.puzzleum.de/

          über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

          Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

           Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

          Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

          Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

          BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

          Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

          Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

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          Kontakt 
          Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/ 
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          Podcast-Credits: 
           

          Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger 
          Produktion: Escucha GbR 
          Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/ 
          Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik) 

          Wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns und empfehlt uns weiter. Welches Museum sollen wir unbedingt vorstellen? Schreibt uns eure Vorschläge! 

          Transkript:

          Ralph 

          Hey, ich bin Ralph. 

          Lukas 

          Und ich bin Lukas. Und in diesem Podcast nehmen wir euch zu Museen aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit.  

          Aber es geht nicht um die großen, berühmten Museen, sondern um kleine, alternative, skurrile und manchmal auch ganz schön lustige Museen. 

          Ralph 

          Wir wollen wissen, was Menschen dazu bringt, Dinge zu sammeln und in ein Museum zu widmen. 

          Lukas 

          In jeder Folge stellt einer von uns, dem anderen und euch natürlich ein Museum vor, das er besucht hat. 

          Ralph 

          Und jetzt geht's los. 

          Intro 

          Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha. 

          Lukas 

          So, Ralph, worum geht es denn heute? 

          Ralph 

          In der heutigen Folge geht es um Zauberei. Um einen ungarischen Architekten und ach ja, ich erzähl dir noch, wann die Welt untergeht. 

          Lukas 

          Oh ja. Gut. Danke für die Andeutungen. 

          Ralph 

          Wäre ja gut zu wissen. 

          Lukas 

          Ja, das stimmt. Wobei sich die Weltuntergangs-Vorhersagen bislang noch nicht einmal wirklich bewahrheitet haben. 

          Ralph 

          Na ja, das zeigt sich ja erst, wenn es dann wirklich so weit ist. 

          Lukas 

          Also du könntest dir vorstellen, dass es bei dir jetzt anders ist. 

          Ralph 

          Durchaus möglich. 

          Lukas 

          Also gut, ich habe keine Ahnung. Worum es geht. 

          Ralph 

          Also, ich nehm dich heute mit ins Ruhrgebiet. Und zwar in die Stadt, in der Herbert Grönemeyer aufgewachsen ist. 

          Lukas 

          Bochum? 

          Ralph 

          Genau. Bochum und Bochum war ja früher ein sehr wichtiger Standort für den Abbau der Steinkohle.  

          Es liegt ja mitten im Pott. Und das Ganze ist auch heute noch sichtbar im Stadtbild. Es gibt ganz viele Denkmäler, zum Beispiel dazu.  

          Es gibt aber auch noch die Zechen, also die Bergwerke. Und ich war in so einem. 

          Lukas 

          Das heißt, es geht um Bergwerke und Kohle-Produktion? Das Deutsche Kohle-Museum in Bochum. 

          Ralph 

          Das ist alles ein bisschen komplizierter. Es ist ja so, ich war zwar in einer Zeche aber diese Zeche, die ist seit 50 Jahren stillgelegt  

          und wird inzwischen auch ganz anders verwendet. Das ist inzwischen ein Kulturzentrum, das sogenannte Kulturmagazin Lothringen.  

          Und darin findet sich eine Yoga Schule, aber auch verschiedene Ateliers und Theater und das Puzzleum. Hast du eine Ahnung, was es in diesem Puzzleum geben könnte? 

          Lukas 

          Der Name würde ja nahelegen, dass es sich um Puzzle handelt. 

          Ralph 

          So ist es auch. Es geht auch um Puzzles. Also Puzzleum ist eine Wortkombination aus Puzzle und Museum. Und ich persönlich dachte ja, als ich  

          zum Ersten Mal von diesem Puzzleum gelesen hatte, dass es sich um diese Zusammensetzen und Puzzles handelt, wie man jetzt von Ravensburger zum Beispiel kennt. 

          Lukas 

          Also du meinst jetzt diese 3.000 € Puzzle, wo dann am Ende ein Wal drauf ist, der glitzert. Und das rahmt man sich dann ein und hängt es sich an die Wand. 

          Ralph 

          Das dachte ich. Aber es ist so, dass dieser Begriff Puzzle eigentlich viel weiter gefasst ist. Dieses Beispiel, was du jetzt gebracht hast  

          mit dem Walfisch, das ist eigentlich nur ein Jigsaw-Puzzle. Das heißt so viel wie Laubsägen-Puzzle. Und das hat der Kartograph  

          John Spilsby Mitte des 19. Jahrhunderts erfunden. Der hat Landkarten auf Holz Täfelchen drauf geklebt und dann mit der Laubsäge entlang der Ländergrenzen ausgesägt. 

          Lukas 

          Aha. 

          Ralph 

          Und das hat er dann für den Unterricht von Kindern verwendet. Kinder konnten so spielerisch lernen, wie die Welt aufgebaut ist. 

          Lukas 

          Das heißt, die ersten Puzzle waren zerschnittene Landkarten. 

          Ralph 

          Ja. 

          Lukas 

          Und die sind jetzt im Puzzleum ausgestellt. 

          Ralph 

          Die sind leider nicht im Puzzleum ausgestellt. Deswegen nur ein kurzer Exkurs. Im Puzzleum, da ist das ganz anders. Da hast du, wenn du reingehst, so Vitrinen und  

          Regale und auf denen stehen dann so bunte Würfel zum Drehen. Aber es gibt auch aufeinander gestapelte Holzscheiben, miteinander verbundene Eisenringe, Nägel.  

          Und so weiter, denn der Begriff Puzzle bedeutet eben viel mehr als nur diese ausgeschnittenen Laubsägen-Puzzle. 

          Allgemein ist damit gemeint Geduldspiele oder Rätsel und Knobel Spiele. Ja und das Puzzleum, das ist eigentlich eine private Sammlung, die öffentlich gemacht  

          wird als ein privates Museum. Und ich habe mich natürlich auch mit dem Besitzer davon getroffen, mit dem Robinson. Und der hat mir dann auch schnell erzählt,  

          wie viele von diesen Stücken denn eigentlich ausgestellt sind, weil da waren so viele da. 

          Ich konnte das überhaupt nicht einschätzen. 

          Robinson 

          Also meine Frau hat letztes Mal gezählt, die muss einmal, die darf einmal im Jahr putzen. Die Vitrinen. Und sie meinte, es sind jetzt also irgendwo knapp über 1100 Stück. 

          Lukas 

          Okay, das heißt, der Robinson hat 1100 verschiedene Geduldspiele aller möglichen Genres in seiner privaten Sammlung und das dann in einem Raum, was in diesem Kulturtreff ist. 

          Ralph 

          Genau das ist eine Sammlung, die über viele Jahre gewachsen ist, muss man sagen. Der hat das Puzzleum schon vor 20 Jahren eröffnet. Und vorher hatte der ja auch schon gesammelt.  

          Das Puzzleum ist kein abgeschlossenes Museum in dem Sinn, sondern es befindet sich im Foyer eines Theaters, nämlich dem Theater von Robinson und seiner Frau Angelika. Die beiden sind nämlich Zauberer. 

          Und obwohl die beiden schon in Rente sein könnten, machen sie noch regelmäßig Shows und in den Pausen oder auch vor und nach den Shows machen sie so kleine Führungen durch das  

          Puzzleum. Aber auch unabhängig davon kann man das Museum besuchen. Los ging das natürlich, wie bei jeder Sammlung mit einem bestimmten Stück. Was das war? Das erzählt Robinson dann auch mal ganz kurz. 

          Robinson 

          Als ich angefangen habe zu zaubern. Ich bin von Beruf Zauberer, seit 1983 hauptberuflich und kurz vor Ende der 70er Jahre kam der Rubikwürfel raus. Den habe ich mir selbst besorgt.  

          Irgendwo gab es dann Werbung in der Zeitung, Fernsehen. Das weiß ich nicht mehr genau. Und irgendwo hatten dann meine Freunde; hatte dann jeder ein. Das Tolle an dem Rubiksspiel  

          ist ja, dass eigentlich, wenn man in der Hand hat, für jeden ersichtlich ist, was man damit machen soll. 

          Lukas 

          Okay, das heißt, das erste Ausstellungsstück war der Rubik Cube. 

          Ralph 

          Kennst du den? 

          Lukas 

          Ja, ich glaube, den kennt ja eigentlich so ziemlich jeder. Na also dieser Würfel mit den Seiten. Und das Ziel ist ja, dass man alle Farben so sortiert, dass alle Würfelseiten  

          eine zusammenhängende Farbfläche ergeben. Ich glaube, die Farben sind so rot, blau, grün, gelb. Irgendwie so? Ja? 

          Ralph 

          Ja, insgesamt sechs Farben, weil es ein sechsseitiger Würfel ist. 

          Lukas 

          Ja, und ich weiß noch, dass mit solchen Sachen kann ich mich wahnsinnig machen. Weil ich nämlich glaube, ich bin für sowas der ungeduldige Mensch. 

          Ralph 

          Aber hast du es mal ausprobiert? 

          Lukas 

          Klar. Aber nie geschafft. Ich habe nur jetzt gelesen, dass es da so, dass der Weltrekord vom Lösen eines Würfels irgendwie ein paar Sekunden bloß ist. Und ich habe da mein Video gesehen.  

          Ich finde es total faszinierend, wie die so schnell mit allen möglichen Fingern an den Würfelseiten drehen, dass man das Gefühl hat, die sind Maschinen. Es ist total wahnsinnig, was sie da machen. 

          Ralph 

          Die haben ja bei diesen Wettkämpfen auch nur eine begrenzte Zeit, um sich vorher mal die einzelnen Seiten anzugucken. Und dann müssen die ja eigentlich innerhalb weniger Sekunden  

          schon wissen, wie machen sie es jetzt. Denn dann wird eben dieser Countdown gezählt drei, zwei, eins und dann geht es los mit dem Lösen. Und der Weltrekord, der liegt aktuell bei 4,22 Sekunden. 

          Lukas 

          Irre. Na also gut. Das heißt, das erste Ausstellungsstück war der Rubik Cube. 

          Ralph 

          Der Cube, der wurde auch erfunden, um das räumliche Denken zu verbessern. 

          Lukas 

          Wie Puzzle, die sozusagen als Geografie-Übung für Kinder entwickelt worden sind, wurde der Cube entwickelt, um das räumliche Denken von Kindern zu stärken, willst du das damit sagen? 

          Ralph 

          Besser gesagt von Studenten und Studentinnen. Denn es ist so, dass diese Rubik Würfel von einem ungarischen Bauingenieur und Architekten erfunden worden ist, nämlich von dem Erno Rubik.  

          Daher auch der Name. Anfangs wurde der auch gar nicht Rubik Würfel genannt, sondern Zauberwürfel und der Erno Rubik, der war eben Professor an einer Universität in Budapest und hat gemerkt,  

          dass seine Studentinnen so gar kein gutes räumliches Denkvermögen haben. 

          Und dann kam der eben auf diese Idee mit dem Würfel. So ganz konkret lässt sich das leider gar nicht mehr nachverfolgen, wie er das gemacht hat. Es gibt aber auch noch eine andere Version,  

          die besagt, dass der Rubik sich einfach allgemein mal Gedanken gemacht hat, wie kann er einen Mechanismus schaffen, wie es bei diesem Würfel mit den kleinen Mini Würfeln ist; ein Mechanismus,  

          der sich verändern lässt oder unabhängig voneinander bewegen lässt, ohne dass der Würfel auseinanderfällt und dass der dann daraus eben diesen Rubik Würfel gemacht hat. 

          Also wirklich als Geduldsspiel, das ist ihm erst später gekommen, als er ihn selber in die Ursprungslage zurückdrehen wollte. Das hat er nämlich gar nicht so leicht geschafft.  

          Und dann kam der eben drauf. Okay, da kann man ja ein Spiel draus machen. 1975 hat er das patentieren lassen, hat dann auch eine Spielzeug Firma in Ungarn gefunden, die das vertrieben hat. 

          Aber der wirkliche Durchbruch international, der kam dann erst 1979 und 1980 auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. 

          Lukas 

          Okay. 

          Ralph 

          Und in den ersten Jahren dieses Rubik Würfel auf dem International Markt haben sich schätzungsweise 200 Millionen Exemplare verkauft. 

          Lukas 

          Boah, der muss dadurch steinreich geworden sein. 

          Ralph 

          Das weiß ich gar nicht welchen Deal der hatte mit der Spielzeug Firma. Aber für die Firma war es natürlich super und es war auch nicht das einzige Produkt, was Rubik dann rausgebracht hat.  

          Der hat dann ganz andere Sachen auch noch gemacht. 

          Lukas 

          Also vom naturwissenschaftlichen Professor zum professionellen Game Designer geworden und hat dann aus mit Geduld- und Knobelspielen seinen wahrscheinlich sehr guten Lebensunterhalt verdient. 

          Ralph 

          Ja und er lebt ja auch immer noch. 

          Lukas 

          Der lebt noch? 

          Ralph 

          Ja, ja, der lebt noch. 

          Lukas 

          Okay, das heißt, Robinson ist dann so fasziniert von diesem Rubik Cube gewesen, dass er sich gedacht hat, er macht halt eine Sammlung von den Dingern? 

          Ralph 

          Ja, also Robinson war auf jeden Fall begeistert davon. Er hatte auch im ersten Ton schon erzählt, dass er Zauberer ist und er konnte dann diesen Rubik Würfel eben auch für seinen Beruf einsetzen. 

          Robinson 

          Es gibt einen Zaubertrick, da ist ein normaler Würfel, der hat eine Kantenlänge von zehn mal zehn Zentimetern, ist schwarz mit weißen Punkten und es gibt einen Kasten dazu, der hat vier Türen,  

          zwei vorne, zwei hinten, man steckt den Würfel rein und der verschwindet da. Und dann habe ich die Punkte eben abgemacht von dem Würfel, hab die Farben vom Würfel draus gemacht  

          und ich dann gesagt, ich kann den zwar nicht lösen, aber dafür kann ich ihn verschwinden lassen. 

          Also das war schon mal eine Kombination aus aus Zaubern und Rubik Würfel so. 

          Lukas 

          Das heißt, er hat sich sozusagen von dem System inspirieren lassen. Hat er dir den Zaubertrick mal vorgeführt? 

          Ralph 

          Ne, aber er hat mir seine Sammlung vorgeführt und die ist wirklich sehr umfangreich also gerade was diese Rubik Würfel betrifft, weil da ist im Jahr 2011 das Patent ausgelaufen und da  

          konnten natürlich alle möglichen Firmen das jetzt benutzen und auch für Werbezwecke in Cornflakes Packungen oder so gab es dann kleine Abarten von Rubik Würfeln oder als Schlüsselanhänger.  

          Und so weiter. Und das macht eben in seiner Sammlung einen Großteil aus. 

          Es gibt dann so thematische Würfel, die aussehen wie Star Wars Figuren zum Beispiel oder Helden aus dem Marvel Universum. Oder es gibt runde Würfel oder Würfel mit viel mehr  

          kleinen Würfeln als Original und auch in ganz unterschiedlichen Farben. Aber im Puzzleum, da erfährt man auch noch was über die Geschichte der Spiele. Der Rubik Würfel, der ist natürlich relativ neu. 

          Die Jigsaw Puzzles, die ich anfangs kurz erwähnt habe, die sind im 19 Jahrhundert aufgetaucht, und im 19 Jahrhundert da gab es dann auch noch andere Geduldsspiele.  

          Da gab es einen regelrechten Boom darauf. Und eines dieser Geduldspiele ist zum Beispiel der Turm von Hanoi. Der ist natürlich auch in der Sammlung von Robinson  

          und der erklärte hier kurz mal, worum es beim Turm von Hanoi geht. 

          Robinson 

          Da sind drei Stäbe, auf einem sind Scheiben drauf, die immer kleiner werden und man muss die umsortieren auf den anderen Stab. Es darf aber immer nur eine kleine Scheibe  

          auf einer großen drauflegen. Im Handel sind solche Sachen mit acht oder zehn Scheiben. Die Geschichte dazu ist, dass irgendwo im Himalaya ein Kloster ist.  

          Da gibt es 64 goldene Scheiben und diese acht oder zehn Scheiben kriegt man in zehn Minuten hin. 

          Bei 20 Scheiben sind es schon zwei Tage und bei den 64 goldenen Scheiben, bis die geordnet sind, ist das Ende der Welt da, so die Geschichte. 

          Lukas 

          Ah jetzt sind wir auch beim Weltuntergangs-Thema. Wie weit sind Sie denn jetzt schon da im Himalaya, weißt du das noch? 

          Ralph 

          Nicht weit, denn jemand hat es auch ausgerechnet, wie lange es dauert, wenn man pro Sekunde eine Scheibe wechseln würde und den schnellsten Weg wählen würde, dann wird es 500 Milliarden Jahre dauern. 

          Lukas 

          Echt jetzt? Also es ist ja quasi unmöglich. 

          Ralph 

          Na ja, es ist eine lange Zeit bis dahin. Sagen wir mal so. 

          Lukas 

          Wenn das sozusagen das Kriterium ist für den Weltuntergang, dann würde ich sogar sagen, das kann stimmen. Ja, ich glaube, so lang scheint ja nicht mal mehr die Sonne.  

          Also von daher, da ist die Welt save untergegangen. Okay, verstehe. Ich glaube aber, das habe ich schon mal gespielt. Und als Kinderspiel kenne ich das,  

          dass du diese drei Holzstäbchen hast und dann hast du so Holzscheiben und die musste dann so sortieren. 

          Aber ich wusste gar nicht, dass es Turm von Hanoi heißt. 

          Ralph 

          Dieses Geduldsspiel – Türme von Hanoi das ist erfunden worden von einem Mathematiker. Also der wusste schon ganz genau, dass das sehr lange dauert, je mehr Ringe man hat.  

          Und das war ein Franzose, der einen, wie du wahrscheinlich finden wirst dass er einen sehr charmanten Namen trägt, nämlich Francois Eduard Lucas. Und im selben Jahrhundert  

          gab es dann noch ein anderes populäres Geduldsspiel Tangram. 

          Hast du davon schon mal gehört? 

          Lukas 

          Nee, noch nie. 

          Ralph 

          Also Tangram ist ein Legespiel mit sieben unterschiedlich großen und unterschiedlich geformten Holz Plättchen. Also ein bisschen wie ein Puzzle, nur dass  

          die einzelnen Plättchen entweder aus Dreiecken bestehen, oder aus einem Parallelogramm oder aus einem Quadrat. Und am Anfang sind die so zusammengesetzt, dass  

          das ein Quadrat ergibt, ein großes. Und das Ziel dieses Spiels ist es, mit diesen Plättchen Figuren zu legen, also Tiere oder Menschen oder auch Gegenstände; und deutlich älter als dieses Spiel. 

          aber wahrscheinlich als Vorbild auch gedacht war das Ostomachion oder Stomachion von Archimedes. 

          Lukas 

          Also altes Griechenland. 

          Ralph 

          Sind wir in der Antike. Und dieses Geduldsspiel besteht eben auch aus verschiedenen Plättchen. Aber es sind nicht sieben, sondern 14, und die bestehen eben auch aus Dreiecken.  

          Und aus Vierecken in ganz unterschiedlichen Formen und Größen. Das Spielziel hier ist ein anderes. Man muss nämlich nicht verschiedene Figuren legen,  

          sondern nur eine Figur nämlich wieder ein Quadrat, in dem das auch zusammengesetzt ist am Anfang und um so ein Quadrat zu legen, da gibt es nicht nur eine Möglichkeit, sondern insgesamt 536. 

          Lukas 

          Und auch das ist bei Robinson in der Sammlung? 

          Ralph 

          Auch dass es bei Robinson in der Sammlung ja. 

          Und wenn wir noch weiter zurückgehen in der Zeit der Geduldspiele, dann stoßen wir auch irgendwann auf Rätsel. Die sind wahrscheinlich auch sehr, sehr alt. In der Antike da gab es  

          ja so ein ganz, ganz bekanntes Rätsel. Ich weiß nicht, ob du das kennst, das Rätsel der Sphinx, das ist ja dieses mythologische Wesen, das halb Löwe, halb Mensch ist. 

          Lukas 

          Ah, ich habe davon mal gehört. Ich glaube, wenn du das Rätsel nicht lösen kannst, dann tötet dich die Sphinx zumindest nicht. In alten Überlieferungen war es so. 

          Lukas 

          Das war so, dass die Sphinx damals vor langer, langer Zeit die Stadt Theben belagert hatte. Und die wollte dann auch nicht weggehen, bis jemand dieses Rätsel löst.  

          Und dann kam eines Tages eben der Ödipus der ist ja auch so ein tragischer Held der Antike. Da gibt es ja diesen Ödipuskomplex, weil er seinen Vater ja dann erschlagen hat und seine Mutter geheiratet hat. 

          Und der konnte das eben lösen. Und vielleicht kannst du das Rätsel ja auch lösen, wenn ich dich jetzt mal danach frage.  

          Das Rätsel lautet, welches Wesen geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei Beinen? 

          Lukas 

          Das kenn ich schon das Rätsel. Aber ich wusste nicht, dass es das Rätsel der Sphinx ist. Das ist der Mensch, der na ja, morgens, also quasi als Baby krabbelt,  

          dann mittags steht, weil er auf zwei Beinen steht und abends auf drei, weil er dann den Krückstock hat oder den Gehstock hat, wenn er ein alter Mensch ist. 

          Ralph 

          Na also, du hättest auch Theben gerettet. Und wenn wir noch weiter zurückgehen in der Zeit, und zwar bei 2300 vor Christus, dann haben wir es da mit einem Geduldsspiel zu tun,  

          das sehr populär war in der Gegend um Griechenland, aber auch um Ägypten rum, nämlich Labyrinthe. Das waren gezeichnete Labyrinthe, und die Aufgabe war es, den richtigen Weg raus aus dem Labyrinth zu finden. 

          Das gibt es ja heute auch noch, das gibt es ja oftmals in Zeitungen oder auch für Kinder in irgendwelchen Zeitschriften,  

          die dann mit dem Stift eben den Weg aus dem Labyrinth heraus zeichnen. Also du siehst, es gibt ganz viele unterschiedliche Puzzles und die sind auch wirklich sehr,  

          sehr alt und haben sich auch lange gehalten, muss man sagen. Robinson hat eben eine ganz, ganz große Auswahl. 

          Davon hat er ganz viel angesammelt in seinen jüngeren Zauberjahren und irgendwann war zu Hause kein Platz mehr. Und dann musste er umdenken. 

          Robinson 

          Ja, meine Intention ist einfach gewesen, dass ich dann so viele Sachen hatte und gemerkt habe, dass es viele Leute gibt, die sich dafür interessieren, dass ich mir gedacht habe,  

          ich kann das auch mit der Allgemeinheit teilen. 

          Lukas 

          Okay, es ist dann aus seiner Faszination der Wunsch entwachsen, dass das andere dann auch teilen können, sozusagen. 

          Ralph 

          Also es kann jeder in das Puzzleum kommen, jederzeit, aber nach Absprache, was eben privat ist. Und er ist ja mit seiner Frau die einzige Ansprechperson.  

          Das ist also geöffnet vor allem für Schulklassen, sehr beliebt, aber auch alt und jung und natürlich auch viele Gäste kommen da rein, die ja sowieso die Zaubershow besuchen. 

          Lukas 

          Wie ist das jetzt im digitalen Zeitalter? Ich meine, es gibt doch bestimmt auch Computerspiele, die irgendwie Geduldspiele sind. Widmet sich der Robinson auch dieser Gattung? 

          Ralph 

          Nein, dieser Gattung widmet er sich nicht. Also wir haben hier wirklich nur haptische Geduldspiele wie jetzt Rubik Würfel oder Tangram und so. 

          Lukas 

          Da hast du auch mal welche ausprobiert? 

          Ralph 

          Ja, ich habe zum Beispiel den Rubik Würfel angedreht, sage ich mal aber da bin ich chancenlos. Ich habe das früher auch schon mal versucht und musste dann irgendwann aufgeben.  

          Und da war ich jetzt auch keine fünf Stunden oder selbst dann hätte ich es wahrscheinlich nicht lösen können. Aber was es dort noch gab ein Geduldsspiel, das Robinson selbst gebaut hat. 

          Da hat man es mit einem Holzkreuz zu tun, das aus zwei Balken besteht und in der Mitte befindet sich ein ein metallener Knopf. Und Ziel dieses Geduldsspiel ist es,  

          die Balken auseinander zu bringen. Und ich habe dran gezogen. Und so weiter. Und es ging alles nicht. 

          Lukas 

          Hat er dir gezeigt, wie es geht? 

          Ralph 

          Ja, ja, das hat er mir gezeigt. Das war auch so ein Aha Moment, der ganz cool war. In dem Sinn, dass ich dann gecheckt habe Ja, so geht das, dass ich da nicht drauf gekommen bin,  

          aber gleichzeitig so ein Aha Moment, wo du denkst Mann, bist du doof. 

          Lukas 

          Wie gingst du dann? 

          Ralph 

          Okay, Spoiler Alert hier. Also dieser Knopf war nicht umsonst dran, sondern man muss dann dieses Kreuz umdrehen, so dass der Knopf unten liegt. Der schaut ein bisschen raus aus diesem  

          Balken und dann dreht man das Kreuz und durch die Zentrifugalkraft die Kraft, die dann durch die Drehung nach außen wirkt, bewegen sich so Stifte, die sich in diesen Balken bewegen,  

          nach außen und dann kann man einen Balken herausheben. 

          Vorher sind diese Stifte sonst eben so verzahnt, dass das nicht möglich ist. 

          Lukas 

          Ich glaube, wir packen einfach mal ein Bild von diesem Geduldsspiel in die Show Notes, dann kann man sich das vielleicht besser vorstellen, wie das dann genau gemeint ist. Okay, das heißt,  

          du hast jetzt gerade gesagt, dass der Robinson ganz schön viele Puzzle hat. Ich glaube, wenn ich mich richtig erinnere, 1100 Geduldsspiele alle, die da jetzt über die Jahre angesammelt sind  

          und du sagst ja, dass das in einem ganz großen Raum in Vitrinen so ausgestellt ist, kommt da eigentlich noch was dazu oder ist man jetzt so weit, dass quasi die Reihe der haptischen physischen Geduldsspiele sozusagen beendet ist? 

          Ralph 

          Also es gibt schon noch Stücke, die Robinson gerne hätte, aber er ist jetzt deutlich wählerischer geworden. Also alle möglichen Varianten von Rubik Würfeln hat er jetzt inzwischen.  

          Es gibt aber so Einzelstücke, von denen er geschwärmt hat, als ich da war, die in Japan gefertigt werden. So Kästchen sind das also, die man nicht normal öffnen kann,  

          sondern wo man so ein bisschen rumdrücken und -ziehen muss an den Seiten und unten und oben und überall, bis man die erst öffnen kann. 

          Und die sind eben handgefertigt und schön lackiert dann auch und alles, die wünscht er sich schon noch für seine Sammlung, aber die sind dann auch entsprechend teuer und dafür  

          muss er noch ein bisschen sparen, hat er gemeint. 

          Lukas 

          Das heißt, diese Geduldspiele gibt es auch auf der ganzen Welt. Da gibt es auch so eine Szene, die geht wahrscheinlich über das Puzzleum hinaus. 

          Ralph 

          Ja, die ist international unterwegs und Robinson fährt auch öfter in die Niederlande, zum Beispiel, um dort bei Sammlern dabeizusein und zu gucken, ob es nicht vielleicht noch  

          das ein oder andere Stück für seine Sammlung gibt. 

          Lukas 

          Glaubst du, dass man dem Robinson überhaupt noch was vormachen kann? Bei Geduldspielen? 

          Ralph 

          Ja, das auf jeden Fall. Er hat auch zu mir gemeint, er hat noch einige Geduldspiele bei sich zu Hause rumliegen, die er noch nicht gelöst hat und die Geduldspiele,  

          die auf den Tischen liegen, die man ausprobieren kann, die hat er natürlich alle schon gelöst, damit die Leute, wenn die jetzt da das verstellen, dass er das dann wieder  

          in den Ursprungszustand zurückversetzen kann oder umgekehrt oder in den gelösten Zustand. 

          Aber der hat da noch nicht ausgelernt. Jetzt hast du ja ein bisschen gehört, was es da so gibt und hast auch was über die Geschichte der Puzzles erfahren. Wäre das denn was für dich,  

          so ein Besuch in dem Museum? 

          Lukas 

          Also ich müsste ganz ehrlich sagen, ich hasse Geduldspiele, weil ich einfach ein ungeduldiger Mensch bin. Und wahrscheinlich zeigen mir diese Spiele einfach, wie ungeduldig ich bin.  

          Und dann das macht man dann glaube ich nicht, wenn man sich mit seiner eigenen Ungeduld konfrontiert sieht. Von daher weiß ich nicht, ob ich jetzt da hinfahren würde.  

          Ich finde aber die Geschichte dahinter und die Art und Weise, wie facettenreich das ist, absolut faszinierend. 

          Und was ich auch krass finde, ist, wie man aus scheinbar ganz einfachen Mechanismen Rätsel machen kann, an denen die Menschen Stunden oder Tage irgendwie sitzen.  

          Man merkt einfach, wie einfache Dinge kompliziert sein können und wie kompliziert, aber auch einfache Dinge sein können. Und das finde ich irgendwie eine schöne Message von diesem Museum.  

          Und wenn es da Leute gibt, die sich dafür interessieren und die sagen, sie knobeln gerne in ihrer Freizeit und sie haben dann Lust und Spaß dran, glaube ich, ist das eine tolle Geschichte. 

          Robinson wirkt doch für mich wie jemand, dem es auch Spaß macht, die Begeisterung mit anderen Menschen zu teilen. 

          Ralph 

          Der wirkte auf mich auch wirklich wie ein sehr ruhiger und auch geduldiger Mensch. Zu dem glaube ich, passt das ganz gut. 

          Lukas 

          Ich dachte, so Zauberer sind die Rampensäue, die dann, keine Ahnung, viel reden und die Menschen ablenken, weil die Illusion funktioniert ja meistens dann, wenn die Menschen auf irgendwas anderes fokussiert sind.  

          Und quasi das Wichtige nämlich da wo der Trick passiert, wo die Illusion passiert, dass sie da nicht dahinter kommen. Er ist eigentlich Meister der Ablenkung und Geduldsspiele sind ja eigentlich für Meister der Konzentration. 

          Ralph 

          Ja, meinst du nicht, man kann beides sein? 

          Lukas 

          Beides ist wahrscheinlich, dass man Geschicklichkeit braucht. Aber ich finde, dass die Zauberei eigentlich das Gegenteil von dem ist, was Geduldsspiel ist, wenn man das so sagen kann. 

          Ralph 

          Ich finde, dass Geduldspiele und Zauberei sehr, sehr gut zusammenpassen. Also wenn man sich jetzt diese Ringe da vorstellt, die die Zauberer dann zusammenfügen,  

          die eigentlich in sich geschlossen sind, das sind ja auch eigentlich nur Rätsel. Zauberer, die machen oftmals das, was unmöglich erscheint, das machen die möglich. Und das ist bei den Puzzles ja irgendwie auch so,  

          wie zum Beispiel bei diesem Kreuz, das ich vorher kurz erzählt habe, glaube ich doch, das geht doch gar nicht. 

          Aber wenn du den Trick weißt, dann geht es. Und bei Zauberern ist das ja auch oft so, bei Zaubertricks. Wenn du den Trick weißt, du weißt, wo du hingucken musst oder was du machen musst,  

          dann ist das meistens doch irgendwie recht einfach. 

          Lukas 

          Also ich sehe schon, du bist auf jeden Fall da eher der Typ für Geduldsspiel und Zauberei. Vielen Dank jedenfalls, dass du mich damit hin mitgenommen hast. 

          Ralph 

          Und ich hoffe auch, dass ihr, die ihr uns zuhört, vielleicht ein bisschen schlauer geworden seid oder auch neugierig auf das Puzzleum geworden seid. Wir verlinken auf jeden Fall die Seite vom Puzzleum.  

          Wir freuen uns über Feedback und wenn es euch gefällt, was wir machen oder jemanden kennt, der damals auch den Rubik Würfel hatte, dann schickt ihm oder ihr doch einfach mal den Podcast zum Anhören. 

          Lukas 

          So Ralph. In der nächsten Folge bin ich ja wieder dran. Ich kann nicht sagen, wohin ich dich mitnehmen werde. Aber es geht nach Süddeutschland, nach Baden Württemberg und in ein Museum,  

          wo das Objekt zum Ortsnamen auf eine absurde Weise so zueinander passt, dass ich mich totgelacht habe, als ich das das erste Mal gehört habe. 

          Ralph 

          Jetzt bin ich aber gespannt. 

          Lukas 

          Du hörst es beim nächsten Mal. 

          Ralph 

          Dann ist es so, dann entlässt du mich eben mit diesen nagenden Gedanken was es sein könnte. 

          Lukas 

          Ist ein Rätsel. Du musst herausfinden, worum es geht, aufgrund der Hinweise, die ich jetzt gegeben habe.  

          Es liegt in Süddeutschland, und das Objekt des Museums und der Ortsname machen eine Kombination, die extrem witzig ist. 

          Ralph 

          Also gut, dann mache ich mich mal dran dieses Rätsel zu lösen. 

          Lukas 

          Bis dann. 

          Ralph 

          Bis dann. 

          Der Beitrag Das Puzzleum erschien zuerst auf Escucha.

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          27 min
        • Ein jüdischer Auswanderer erfindet (ein bisschen) die Jeans - das Levi-Strauss Museum Buttenheim
            BITTE NICHT ANFASSEN! #3 – Das Levi-Strauss MuseumSHOW NOTES

            Ein jüdischer Auswanderer verändert die Welt und erfindet etwas, das garantiert jeder von uns schon einmal benutzt hat. Seine Geschichte beginnt in Oberfranken, wo heute noch ein Museum in seinem Geburtshaus an ihn erinnert. Eine Folge über Goldrausch, Erfindergeist und woher der Begriff Denim eigentlich stammt. 

            Zum Album-Cover von Bruce Springsteen: https://de.wikipedia.org/wiki/Born_in_the_U.S.A 

            Ralph erwähnt folgenden Film von Otto Waalkes: https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_%E2%80%93_Der_Film (Vorsicht, der ist sehr schlecht gealtert) 

            Infos zum Museum: 

            Levi-Strauss Museum Buttenheim 
            Marktstraße 31-33 
            96155 Buttenheim 
            https://levi-strauss-museum.de/ 

            über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

            Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

             Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

            Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

            Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

            BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

            Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

            Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

            Kontakt 
            Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/ 
            E-Mail: info[at]escucha.de 

            Podcast-Credits: 
             

            Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger 
            Produktion: Escucha GbR 
            Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/ 
            Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik) 

            Transkript: 

            Ralph: 

            Hey, ich bin Ralph  

            Lukas: 

            und ich bin Lukas. Und in diesem Podcast nehmen wir euch zu Museen aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit.  

            Aber es geht nicht um die großen berühmten Museen, sondern um kleine, alternative, skurrile und manchmal auch ganz schön lustige Museen. 

            Ralph: 

            Wir wollen wissen, was Menschen dazu bringt, Dinge zu sammeln und ihnen ein Museum zu widmen. 

            Lukas: 

            In jeder Folge stellt einer von uns dem anderen und euch natürlich ein Museum vor, das er besucht hat.  

            Ralph: 

            Und jetzt geht's los.  

            Intro – Bitte nicht anfassen. 

            Intro: 

            Museum mal anders. ein Podcast von Escucha.  

            Ralph: 

            Worum geht es denn heute, Lukas?  

            Lukas: 

            Also heute geht es um eine jüdische Familie, den Goldrausch in den USA, ein großes Erdbeben und dass die Auswirkungen all dieser Ereignisse  

            zu etwas beitragen, was garantiert jeder von uns schon hunderte Male in seinem Leben benutzt hat. 

            Lukas: 

            Und es geht um das Museum, das sich genau um dieses Objekt dreht. Wir reisen nach Buttenheim, in meine oberfränkischen Heimat, und wie das Museum genau heißt,  

            das erzähle ich dir später. Ich stelle zuerst mal Tanja Roppelt vor, sie kümmert sich um das Museum und beschreibt, wo wir gerade sind. 

            Tanja Roppelt: 

            Hier befinden wir uns in der guten Stube der Familie Strauss. Das ist ein sehr kleiner Raum, vielleicht 20 Quadratmeter, mit einer niedrigen Holzdecke.  

            Und es war der einzige Raum im Haus, der beheizt werden konnte. Nebenan war eine kleine Schlafkammer, dahinter eine kleine Küche, also ungefähr 50 Quadratmeter. 

            Tanja Roppelt: 

            Und diese kleine Wohnung hat eben die neunköpfige Familie Strauss: Vater, Mutter, fünf Kinder aus der ersten Ehe des Vaters und die zwei Jüngsten bewohnt.  

            Ralph: 

            Okay, das klingt ein bisschen nach ärmlichen Verhältnissen.  

            Lukas:  

            Ja, aber kannst du dir vorstellen, um welche Familie Strauß es geht bzw. wer mit Familie Strauss gemeint ist? 

            Ralph: 

            Ja, also mir fällt da schon jemand ein. Aber da bin ich jetzt zu unsicher, um das zu äußern.  

            Lukas: 

            Also gut, dann löse ich es mal auf. Es geht um Levi Strauss,  

            den Erfinder der Jeans und wir sind dazu im Levi Strauss Geburtshaus in Buttenheim. 

            Lukas: 

            Denn das Haus, wo Levi 1829 geboren wurde, existiert heute noch. Und das ist jetzt ein Museum. Und die Geschichte hinter Levi Strauss und wie die Jeans erfunden  

            wurde, ist total faszinierend. Und auch das Museum ist total faszinierend und davon würde ich dir gern heute erzählen. 

            Ralph: 

            Ja, sehr gerne. Ich weiß nämlich so gut wie gar nichts darüber.  

            Lukas: 

            Das sind gute Voraussetzungen. Ja, wie bereits gesagt, Levi wurde 1829 in Buttenheim geboren,  

            als jüngstes Kind eines jüdischen Hausierers. Weißt du, was ein Hausierer ist?  

            Ralph: 

            Ist das so ein Vertreter? 

            Ralph: 

            Ist das so ein Typ, der von Haus zu Haus geht, um was zu verkaufen? 

            Lukas: 

            Genau richtig. Das ist quasi der Vertreter des 19. Jahrhunderts, könnte man sagen. Das waren  

            aber auf jeden Fall richtig ärmliche Jobs damals. Und das hatte den Hintergrund, dass Juden damals den war es nicht erlaubt, Landwirtschaft zu betreiben. 

            Lukas: 

            Und den war es auch nicht erlaubt, ein Gewerbe zu betreiben. Und deswegen mussten sie sich mit so anderen Berufen über Wasser halten. Und da waren sehr, sehr  

            viele Hausierer. Buttenheimn zu der damaligen Zeit: Heute ist es eine Gemeinde mit ein paar 1000 Einwohnern. 

            Lukas: 

            Damals hat es so um die 250 Einwohner und hatte für die Verhältnisse eine sehr, sehr große jüdische Gemeinde. Das heißt, jeder fünfte. Einwohner in Buttenheim 

            war jüdischen Glaubens. Sie hatten auch zeitweise einen eigenen Rabbiner, die hatten ein eigenes Ritualbad. 

            Lukas: 

            Also eigentlich alles, was man so für ein jüdisches Leben vor Ort braucht. Das war so, weil Buttenheim lange Zeit protestantisch sozusagen regiert wurde.  

            Die Herrschaft im 19. Jahrhundert, gerade zum Beginn des 19. Jahrhunderts, war ja auf dem Gebiet, was heute Deutschland ist, sehr zersplittert. 

            Lukas: 

            Das heißt, es gab ganz viele verschiedene Kleinstaaten, freie Reichsdörfer etwa und so weiter und so fort, und Buttenheim war eben eins davon. Und diese  

            protestantische Herrschaft in Buttenheim hat erlaubt, dass sich jüdische Familien ansiedeln. Oder anders gesagt: Die haben nichts dagegen unternommen. 

            Lukas: 

            Und so kam es eben dazu, dass zur Zeit der Geburt von Levi Strauss, also 1820, jeder fünfte Einwohner in Buttenheim jüdischen Glaubens war.  

            Tanja Roppelt: 

            Anscheinend ist aber so das Zusammenleben der jüdischen Einwohner und der christlichen Einwohner über viele Jahre relativ reibungslos verlaufen. 

            Tanja Roppelt: 

            Es gibt so kleinere Dinge, dass man zum Beispiel Sonntag durften Juden nicht über den Kirchhof. Da gab es so ein Gesetz. Wahrscheinlich wollte man verhindern,  

            dass da Handel getrieben worden ist. Es gab auch mal eine Beschwerde, dass eben Kinder den Lehrer geärgert hätten oder was, aber Kleinigkeiten. 

            Tanja Roppelt: 

            Ansonsten ging das Leben sehr reibungslos vonstatten.  

            Ralph: 

            Hmm, hört sich so an, als würde Religion keine Rolle spielen.  

            Lukas: 

            Ja, so indirekt. Ich mein, eine Diskriminierung  gab es schon allein deswegen, weil zum Beispiel Levis Vater ja bestimmte Berufsverbote hatte aufgrund seines Glaubens. 

            Lukas: 

            Und gerade in Bayern war es schon so, dass zu dieser Zeit Juden sehr diskriminiert worden sind. Aber die konnten halt trotzdem irgendwie über die Runden kommen,  

            bis zu dem Zeitpunkt, wo der Vater der neunköpfigen Familie stirbt. Woran genau, weiß man gar nicht so, aber man weiß, dass das halt verschiedene  

            Auswanderungsbewegungen in Kraft getreten hat. 

            Lukas: 

            Und so sind von der Familie erst recht viele von Levis Geschwistern in die USA emigriert. Und irgendwann wollte dann auch die Mutter mit den verbliebenen  

            Kindern in die USA emigrieren, einfach weil die auf ein besseres Leben gehofft haben. 

            Ralph: 

            War es zu der Zeit allgemein so war, dass die Leute dann in den USA so ihre Hoffnungen gesetzt hatten? Also gerade jüdische Leute? 

            Lukas: 

            Ja, ja, ganz viele. Ich meine, das waren nicht nur jüdische Menschen, die in die USA emigriert sind. 

            Lukas: 

            Es waren ja ganz viele Menschen, die einfach von den Gegebenheiten im alten Europa sich keine Zukunft versprochen haben und dann in die USA rüber gegangen sind.  

            Was ich Tanja Roppelt gefragt habe, wie so eine Ausreise im 19. Jahrhundert eigentlich vonstatten geht, also kann man da einfach seine Sachen nehmen und dann  

            sucht man sich das nächstbeste Schiff und dann 

            Lukas: 

            ist man irgendwann da, oder ja, keine Ahnung? Und was sie mir da erzählt hat, fand ich sehr spannend.  

            Tanja Roppelt: 

            Man musste erst mal einen riesen Behoerdenmarathon hinter sich bringen, Geburtsurkunde beibringen, Leumund, Zeugnis nachweisen, dass man genügend Geld hat.  

            Und dann ganz am Schluss ist die Auswanderungsabsicht im Amtsblatt veröffentlicht worden. 

            Tanja Roppelt: 

            Das hatte zum Zweck, wenn die Leute noch Schulden hatten, dass die Gläubiger ihr Geld noch eintreiben konnten. Und erst wenn sich daraufhin niemand gemeldet hat,  

            der Ansprüche hatte, hat man die Erlaubnis bekommen zur Auswanderung. Da hat man alles verkauft, was man nicht mitnehmen konnte, sich ein Schiffsticket  

            gebucht und sich dann auf den Weg gemacht nach Bremerhaven. 

            Ralph: 

            Was ist denn ein Leumundszeugnis? 

            Lukas: 

            Ein Leumundszeugnis ist, dass du quasi jemanden brauchst, der dir bestätigt, dass es nichts gibt, was dein Ruf schädigen könnte.  

            Sozusagen. Also die kommen dann in Bremerhaven an, also dann sind die auf das Segelschiff gegangen und je nach Seegang hat das zwischen vier und 13 Wochen gedauert. 

            Lukas: 

            Von Bremerhaven nach New York. Genau nach Bremerhaven sind die übrigens noch mit der Kutsche gefahren. Also später gab es dann Zugverbindungen.  

            Die Familie Strauss ist da tatsächlich noch mit der Kutsche hingefahren. Als das Schiff dann losgegangen ist, kannst du dir vorstellen, dass das natürlich nicht  

            gerade Kreuzfahrtverhältnisse waren, sondern die waren auf einem Zwischendeck mit hunderten anderen 

            Lukas: 

            Menschen eingepfercht, kommen halt nach einer sehr, sehr schwierigen Überfahrt irgendwann mal in New York an und das war dann 1848. 

            Ralph: 

            1848. Das heißt, Levi war da 19 Jahre alt? 

            Lukas: 

            Genau der war da sehr jung. Richtig. Wie das so üblich ist, wenn Menschen in die USA emigrieren 

            Lukas: 

            Im 19. Jahrhundert ist es ja ganz oft so, dass Namen dann amerikanisiert werden. Das berühmteste Beispiel, glaube ich, aus der jetzigen Geschichte ist Donald Trump,  

            weil dessen Familie hieß eigentlich Trumpf mit Nachnamen. Die waren ja auch deutsche Auswanderer. 

            Lukas: 

            Und da wurde dann Trumpf zu Trump. Strauss wurde tatsächlich übernommen im Amerikanischen. Was aber nicht übernommen wurde, sind die Vornamen. Also in Deutschland hieß  

            Levi oder wie man es deutsch ausspricht, Levi immer Löb. Der Name Levi oder Levi kam erst, als sein Name amerikanisiert wurde, weil das Ö wahrscheinlich damals keiner gern ausgesprochen hat. 

            Lukas: 

            Und dann hat man aus Löb Levi gemacht, genauso wie man aus seiner Schwester Vögela Fanny gemacht hat.  

            Ralph: 

            Okay, ja, interessant.  

            Lukas: 

            Also diese Familie kommt dann 1848 in New York an und dann wohnen die zuerst mal bei Geschwistern, die ja schon Jahre vorher nach New York gegangen sind, auch da. 

            Lukas: 

            Die Geschwister haben erst mal einen Hausiererhandel aufgemacht nach dem Vorbild des Vaters in Buttenheim und haben sich in Little Germany niedergelassen.  

            Weißt du, wo das heute ungefähr ist?  

            Ralph: 

            Also es liegt dann ja in New York, hast du gemeint. In New York, da gibt es verschiedene Stadtteile. 

            Ralph: 

            Es stellt sich jetzt die Frage, ob es einen Stadtteil gibt, der so deutsch heißt. Ich kenne ja fast gar nichts, muss ich sagen. Ich kenne Manhattan und, äh,  

            was kenne ich noch. Wie heißt es? Queens.  

            Lukas: 

            Genau. 

            Ralph: 

            Aber das wird es wahrscheinlich nicht sein.  

            Lukas: 

            Nein. Also du bist schon ganz richtig mit Manhattan. Es ist die Lower East Side, also da wo jetzt die ganzen Reichen wohnen in  

            New York mit den ganzen riesen Penthouses. Das war früher Little Germany. 

            Lukas: 

            Und Levi fängt dann quasi an, bei seinen Brüdern in diesem Handel mitzuarbeiten. Die arbeiten zu diesem Zeitpunkt, als Levi ankommt, schon gar nicht mehr als Hausierer,  

            sondern die haben einen Gemischtwarenhandel einfach aufgemacht. Levi bekommt 1853 die amerikanische Staatsbürgerschaft. 

            Lukas: 

            Also vier Jahre nachdem er da angekommen ist. Und bis dahin ist er auch in New York. Aber dann passiert etwas, was die Geschichte der USA und auch die Geschichte der  

            Welt verändert. Und das erklärt uns Tanja Robbelt noch mal. 

            Ralph: 

            Zum Glück. Ich dachte, jetzt kommt wieder eine Frage.  

            Tanja Roppelt: 

            Ja, dann kamen Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien an der Ostküste an, haben die größte Völkerwanderung in der  

            Geschichte der USA ausgelöst und die Brüder haben unseren Levi dann an die Westküste geschickt. 

            Tanja Roppelt: 

            Er soll eine Niederlassung ihres Geschäfts eröffnen und es gab verschiedene Möglichkeiten, um von Osten in den Westen zu kommen. Die eine war, wie wir es aus den Westernfilmen kennen,  

            mit den Planwagen über Land, die andere war mit dem Segelschiff um Kap Horn herum. 

            Tanja Roppelt: 

            Es war eine sehr stürmische und lange Reise und die dritte Möglichkeit war mit dem Dampfschiff nach Panama, mit einem Maulesel über die Landenge von Panama und dann mit  

            dem Dampfschiff weiter nach San Francisco.  

            Ralph: 

            Ja, das waren noch andere Zeiten. 

            Lukas: 

            Allerdings.  

            Ralph: 

            Ja, und für welche Variante hat er sich dann entschieden?  

            Lukas: 

            Er ist in der Panama Variante rüber gekommen. Das hat tatsächlich nur vier Wochen gedauert, was ich irgendwie faszinierend finde,  

            weil du musst ja einmal die komplette USA runter, Mexiko runter, dann bis Panama, dann mit dem Maulesel da drüben auf der anderen Seite wieder hoch. 

            Lukas: 

            Aber sie meinte tatsächlich, das ist die schnellste Route gewesen, auch noch vor dem Panamakanal. Der ist erst Jahrzehnte später gebaut worden. Also der Panamakanal, der  

            quasi zwischen Nord und Südamerika diesen Kanal macht, damit man nicht mehr um Argentinien und Chile rumfahren muss. 

            Lukas: 

            Ja, da kommt er dann an und er hat dann mit seinen Brüdern einen Großhandel gegründet für Objekte für die Goldgräber. Also diese Goldgräber, die da sind, die kommen da zu  

            Hunderttausenden. Die brauchen Sonntagsanzüge, die brauchen Schüsseln zum Goldwaschen, alles Mögliche und er lässt sich in San Francisco nieder und merkte, dass es in  

            San Francisco zwar sehr 

            Lukas: 

            viel Gold gibt, aber eigentlich nichts, was man sich dafür kaufen kann. Und das nutzt er aus und gründet quasi dieses Geschäft mit seinen Brüdern, die dafür sorgen, dass  

            von der Ostküste die Objekte rüber kommen. Er kriegt von den Goldgräbern Gold, was in San Francisco eine Währung ist. 

            Lukas: 

            Die wird dann in Dollar umgetauscht, zurückgeschickt und so funktioniert dieses Geschäft von der Ostküste zur Westküste. Mit diesen Utensilien für Goldgräber und auch  

            für Holzfäller, für eigentlich alle Menschen, die sich da ansiedeln, weil wenn das so viele Hunderttausende ankommen, das sind nicht nur Goldgräber, sondern das sind  

            auch ganz andere Berufe dabei, die man dann irgendwann 

            Lukas: 

            mal automatisch braucht dafür. Das geht dann ganze 20 Jahre so weiter. Es gibt auf jeden Fall viel Geld. Also Levi ist zu diesem Zeitpunkt schon sehr, sehr reich und  

            wohlhabend, wie die ganzen Brüder von ihm. Dann kommt es irgendwann zu einer sehr schicksalhaften Begegnung und auch die erzählt uns Tanja Roppelt noch mal! 

            Tanja Roppelt: 

            Also Levi hat dann 1872 einen Brief bekommen von einem Schneider aus Reno, Nevada. Den haben wir hier auch abgebildet. Jacob Davis, war auch ein europäischer Einwanderer, der  

            kam aus dem Baltikum und der hat für die Minenarbeiter und für die Arbeiter Hosen gemacht. 

            Tanja Roppelt: 

            Und der Legende nach haben sich bei ihm die Leute immer beschwert, dass die Hosentaschen so leicht ausreißen. Und er musste dann immer diese Hosentaschen wieder annähen.  

            Und dann kam er auf die Idee, er nimmt Nieten, die man für Pferdedecken verwendet hat und tackert diese Stellen fest. 

            Ralph: 

            Na ja, so langsam offenbart sich mir so ein Bild. Jetzt habe ich tatsächlich auch darüber nachgedacht. Es haben ja, glaube ich, wirklich nur Jeans, diese Nieten an den  

            Hosentaschen.  

            Lukas: 

            Genau. Und das ist immer noch sozusagen auch die Erkenntnis an der Jeanshose. 

            Lukas: 

            Und das ist der Grund, warum die Jeanshose als Jeanshose überhaupt erfunden wurde. Den Stoff hat es vorher schon gegeben, da komme ich später gleich dazu. Sondern die revolutionäre  

            Idee von Levi war tatsächlich einfach nur aus dieser Idee, die von diesem Schneider an ihn herangetragen wurde, das weiterzuentwickeln und für Jeanshosen, also für Hosen zu adaptieren. 

            Lukas: 

            Und das hat Levi dann auch gemeinsam mit diesem Schneider gemacht. Und dann haben die beiden ein Patent eingereicht und das war am 20. Mai 1873. Der Tag gilt als  

            Geburtstag der Jeanshose. Also das einzige, was an der Jeanshose wirklich revolutionär war, war, Taschen nicht mehr nur anzunähen, sondern auch zu vernieten. 

            Ralph: 

            Aber das heißt, es gab schon vorher Hosen aus diesem Stoff, aber ohne diese Nietentaschen oder wie?  

            Lukas: 

            Richtig. Und die waren halt nicht besonders stabil und nicht besonders reißfest.  

            Was Levi gemacht hat ist, dass er einfach damit mit diesen einfachen Konstruktionen die Hose viel praktikabler und viel ausdauernder gemacht hat. 

            Lukas: 

            Und jetzt wird es ein bisschen kompliziert, weil jetzt geht es nämlich darum, woher die ganzen Namen kommen. Und da muss jetzt gut aufpassen, denn da bringen wir viele, viele  

            Sprachen durcheinander. Das ist aber auch, finde ich, total spannend. 

            Lukas: 

            Also der Name Jeans ist eine amerikanisierte Form, wie die Franzosen das italienische Genua aussprechen, also Genua, die Stadt in Norditalien. Und die wird im Französischen  

            genauso ausgesprochen. Und weil jene in den USA keiner aussprechen kann, wird Jeans ausgesprochen. 

            Lukas: 

            Wenn du es Englisch aussprechen würdest, das hat die Bewandtnis, dass von da viele Stoffe gekommen sind. Das wurde im Englischen einfach zu Jeans. Also das war sozusagen  

            so eine Bezeichnung, das Webmuster, das der Hose, die Festigkeit und die Strapazierfähigkeit gibt, 

            Lukas: 

            Dieses Muster wurde ursprünglich im französischen Nîmes erfunden. Es ist eine Stadt in Frankreich, Nîmes heißt die. Auf Französisch heißt von Nîmes de Nîmes und aus Denim wurde  

            dann das amerikanisierte Denim. Das heißt, so wurde die Denim Jeans zur Denim Jeans. 

            Lukas: 

            Daher kommt diese Bezeichnung. 

            Ralph: 

            Ja cool, schöne Fun Facts, aber ich finde es auch interessant, wie die Amerikaner das mit der Sprache handhaben aus anderen Ländern,  

            weil die machen es einfach so, die schreiben komplett um und sprechen es anders aus. 

            Ralph: 

            Wenn ich überleg, was wir jetzt in Deutschland mit der Sprache machen oder auch gemacht haben. Wenn wir jetzt Sachen aus Frankreich hatten, wie zum Beispiel Bureau oder so,  

            da haben wir es ja genauso ausgesprochen, aber anders geschrieben.  

            Lukas: 

            Ja, so gehen halt Menschen oder generell Kulturen, ganz unterschiedlich mit Wörtern um oder mit  

            Lehnwörtern, die halt aus einer anderen 

            Lukas: 

            Sprache kommen. Ganz klar. Ein wichtiger Fakt. Es heißt ja blue Denim Jeans. Und jetzt fragst du dich sicher, woher das Blue kommt. Und das ist ein sogenanntes Indigo Blau.  

            Und das erklärt uns auch noch mal Tanja Roppelt. 

            Tanja Roppelt: 

            Zur Zeit von Levi Strauss, was es ein strapazierfähiger Baumwollstoff, der aus einem weißen und einen blauen Faden verwoben worden ist 

            Tanja Roppelt: 

            und der auch beim ersten Waschen erst noch mal kräftig eingegangen ist. Das heißt, die Cowboys haben ihre Hosen immer zwei Größen größer gekauft und sich in die Tröge ihrer  

            Pferde gesetzt, um sie auf die richtige Größe zu schrumpfen. 

            Tanja Roppelt: 

            Die Kids haben sich später dann mit in die Badewanne gelegt. Mittlerweile kommen die Jeans alle vorgewaschen auf den Markt und man kann sie in der Größe kaufen, die man auch  

            wirklich hat. Der Denim ist mit Indigo gefärbt worden. 

            Tanja Roppelt: 

            Der eine Faden, der Blaue. Und Indigo hat die Eigenschaft, dass er sich außen anlegt und diese Faser nicht komplett durchdringt.  

            Ralph: 

            Okay, Indigo durchdringt nicht die Fasern,  

            sondern legt sich außenrum an, was hat das denn dann zur Folge? Das verstehe ich nicht ganz. 

            Lukas: 

            Das hat zur Folge, dass wenn du die Jeans trägst, dann scheuert sich dieses Blau mit der Zeit ab und damit wird jede Hose zu einem Unikat. Und deswegen sind die verschiedenen  

            Waschungen der Jeans auch so entscheidend, wie die Jeans dann am Ende ausschaut. 

            Lukas: 

            Wenn ich sie zum Beispiel stoned wasche, also mit Steinen drinnen, dann sorgen die Steine dafür, dass diese Indigofasern sich halt anders ablösen oder anders einfach  

            mit dem anderen Faden verbinden. Und dadurch entstehen diese unterschiedlichen Färbungen bei Jeanshosen. 

            Ralph: 

            Also eigentlich sind die Färbungen ja Auswaschung.  

            Lukas: 

            Richtig. Genau, ja. Natürlich, was auch Tanja Roppelt schon gesagt hat, die jetzigen Jeans werden schon vorher gewaschen,  

            weil jetzt kaufst du dir keine Jeans mehr, zwei Größen größer und setzt dich dann in die Badewanne rein. 

            Lukas: 

            Wobei ich das Bild von so einem Cowboy, der im Schweinetrog drin sitzt, Pferdetrog drin sitzt, um sich seine Jeans eingehen zu lassen, schon irgendwie witzig find ich.  

            Ralph: 

            Musste da jetzt auch einen Otto Film denken, da macht das nämlich Otto auch. 

            Ralph: 

            Der hat eine zu große Jeans. Dann legt er sich in die Badewanne und dann, ich glaube der schläft dann aber ein in der Badewanne und dann wird die viel zu eng. 

            Lukas:  

            Dann hat er sich keine Vorgewaschene gekauft. Jedenfalls ist es dann so, dass die Jeanshose, also der Erfolg, kam dann wirklich schnell. 

            Lukas: 

            Die ersten Hosen sind tatsächlich noch zu Hause in San Francisco gemacht worden. Da gab es dann verschiedene Stoff, Schneiderinnen und Näherinnen und halt diese Vernietungen.  

            Und dann kam aber recht schnell eine erste Fabrik. Das Patent, das er 1873 angemeldet hat, was als die Geburtsstunde der Jeans gilt, ist in den 1990er Jahren ausgelaufen. 

            Lukas: 

            Und dann durfte jeder Jeanshosen produzieren, was dann auch wirklich jeder gemacht hat. Dann kamen die ganzen anderen Marken Modelle auf den Markt, damit quasi die  

            Jeanshosen von Levis, wie es denn damals schon hieß, sich von anderen unterscheidet und damit quasi die Leute wissen, dass sie die ursprüngliche Jeanshose kaufen,  

            ist dieser Lederaufnäher hinten drauf gemacht worden, der heute noch gleich ist. 

            Lukas: 

            Der ist seit 1890 der Gleiche und der zeigt eine Jeanshose, wo zwei Pferde versuchen die Jeanshose auseinander zu reißen. Und die schaffen es nicht.  

            Falls du eine Levis Jeans hast, guck mal drauf, da ist er hinten drauf. 

            Lukas: 

            Der Grund ist ganz einfach, man hat versucht eine visuelle Botschaft auf diesen Lederaufnäher drauf zu machen. Viele Menschen konnten zu dem Zeitpunkt noch nicht lesen oder  

            konnten kein Englisch lesen. Es gab ein Sammelsurium an Sprachen und damit jeder sofort wusste das für eine Jeans ist, hat man diese Pferde drauf gemacht. 

            Lukas: 

            Die versuchen vergeblich eine Jeans auseinanderzureißen. Jetzt weiß ich nicht, inwieweit du in der Modellreihe bewandert bist, aber sagt dir das Modell 501 was?  

            Ralph: 

            Nein, keine Ahnung. 

            Lukas:  

            Also das Modell 501 ist sozusagen DIE Jeanshose, also vom Schnittmuster und von allen. Bis heute noch. 

            Lukas: 

            Und die gibt es auch heute noch eins zu eins zu kaufen. Und die 501. Das kommt von der Katalognummer im Warenspektrum des Handels. Und warum das 501 ist und nicht 104  

            oder keine Ahnung was, das weiß kein Mensch mehr. 

            Lukas: 

            Aber das berühmteste Schnittmodell ist 501 und heißt heute noch so und war einfach die Nummer 501 in diesem Katalog. 

            Ralph: 

            Also dieser Katalog da hatte dann ganz verschiedene Waren drin.  

            Jetzt nicht nur Jeans und dann war einfach an der Position 501 die Jeans? 

            Lukas: 

            Genau, aber das hätte gar nicht notwendigerweise 501 sein müssen. Es hat auch eine andere Nummer sein können. Warum das genau 501 ist, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.  

            Das ist so der der Hintergrund.  

            Ralph: 

            Ich habe nur eine kurze Rückfrage. 

            Lukas: 

            Bitte. 

            Ralph: 

            Und zwar wenn ich an Jeans denke, dann denke ich tatsächlich ja auch an Cowboys. Das ist ja dann auch oft in der Werbung so rübergebracht worden. Aber ich denke  

            zum Beispiel auch an dieses ikonische Plattencover von Bruce Springsteen, wo man diese Jeans sieht. 

            Ralph: 

            Und das wurde ja immer so als die Arbeiterhose verkauft. Also wer und zu welchen Situationen wurde denn die Hose getragen?  

            Lukas: 

            Da müssen wir noch mal weiter in die Geschichte zurück.  

            Tatsächlich noch mal zu der Geburtsstunde der Jeans. 

            Lukas: 

            Denn da ist es ja so, dass diese Jeanshose die Arbeiterhose im Goldrausch-Zeitalter ist. Also Goldgräber haben die Jeans, Holzfäller haben die Jeans, Bauern haben die Jeans.  

            Jeder der harte körperliche Arbeit verrichtet und auf eine Hose angewiesen ist, die lange durchhält. 

            Lukas: 

            Und das war im Prinzip nach wie vor so bis zur Weltwirtschaftskrise 1929. Bis 1929 hat man die Jeans tatsächlich auch nur an der Westküste Amerikas getragen,  

            Das ist nicht in die Ostküste rüber gekommen, sondern es war wirklich lokal auf diese Goldgräber-Staaten fixiert. 

            Lukas: 

            Und dann passiert aber in der Weltwirtschaftskrise was, was mit den Urlaubsvorstellungen reicher Amerikaner zu tun hat. Und das erklärt uns auch Tanja Roppelt nochmal. 

            Tanja Roppelt: 

            Und dann in der Weltwirtschaftskrise konnten sich die reichen Ostküste der Amerikaner ihre bis dahin gewohnten Europareise nicht mehr leisten. 

            Tanja Roppelt: 

            Man hat nach neuen Zielen gesucht und hat mehr oder weniger Urlaub auf dem Bauernhof gemacht. Man ist in den Westen gefahren, auf sogenannte Dude-Ranch ist das Vieh. Ranch ist für  

            Urlauber, wo man so romantisierte Ranch-Erlebnisse inszeniert hat mit Reiten-Lernen und Würstelgrillen am Lagerfeuer, mit einem echten Cowboy durch die Prärie und so weiter. 

            Tanja Roppelt: 

            Und die Touristen haben dann als Souvenir zusammen mit dem Cowboyhut auch die Jeans an die Ostküste gebracht.  

            Lukas: 

            Also du siehst aufgrund dieser Tatsache dieses  

            romantisierten Cowboys kommt es an die Ostküste. Wirklich Mode wurde die Jeans spätestens 1935, denn da ist sie zum Ersten Mal auf dem Cover der Vogue erschienen. 

            Ralph: 

            Das ist dieses Modemagazin, das es bis heute gibt.  

            Lukas: 

            Genau was ja, quasi wenn was auf der Vogue ist, das ist ja heute noch so, dann kann man davon ausgehen, dass es sich  

            durchgesetzt hat.  

            Ralph: 

            Und von da an hat sich das dann international verbreitet oder wann kam das? 

            Lukas: 

            Das hat dann noch ein bisschen gedauert. Das hat hauptsächlich mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun und den amerikanischen Soldaten, die nach dem  

            Zweiten Weltkrieg vor allem dann viele amerikanische Einflüsse nach Europa bringen, wie zum Beispiel die Jeanshose, weil einfach dieses amerikanische Rebellen – weißte- Rock n Roll. 

            Lukas: 

            Das kam dann einfach da rüber. Und übrigens: Was die Amerikaner auch nach Europa gebracht haben, was sich auch erst seitdem wirklich durchgesetzt hat, ist das T-Shirt.  

            Das kam auch von der US-Army.  

            Ralph: 

            Was haben die Leute denn vorher getragen? Nur Hemden? 

            Lukas: 

            Offensichtlich ja. Das T-Shirt so in der Form ist ein Produkt der US amerikanischen Armee. Und dann hat es halt eben auch dieses Rebellen Image bekommen.  

            Darauf hast du mich ja schon angesprochen mit Bruce Springsteen, mit diesem legendären Plattencover. 

            Lukas: 

            Das war aber schon vorher der Fall, als James Dean mit Jeansjacke und Jeanshose oder auch Marlon Brando. Die haben ja demonstrativ Jeanshosen getragen, um gegen dieses  

            verstaubte, prüde Amerika quasi sich als Rebellen zu gerieren.  

            Ralph: 

            Und dieses Rebellische, das hat sich ja dann später auch auf die Frauen schätze ich mal übertragen,  

            weil ich denke, am Anfang haben 

            Ralph: 

            dann eher Männer das getragen und dann eben irgendwann Frauen gesagt, wir tragen das. Und dann kam es vielleicht am Anfang noch rebellisch rüber und heutzutage  

            ist es ja ganz normal.  

            Lukas: 

            Absolut. Im Prinzip kann man das genauso sagen. 

            Lukas: 

            Also ich komme auch später noch mal drauf zu sprechen, was es alles für verschiedene Produkte gibt, die man jetzt im Levi-Strauss Museum angucken kann. Das sind total  

            interessante Sachen dabei. Also der Jeansstoff an und für sich kann man wirklich sagen geht mit der Zeit. 

            Lukas: 

            Der entwickelt sich mit der Zeit weiter. Aber dazu später mehr. Weil wir wollen noch mal kurz zurück zu Levi-Strauss, der hat das Ganze natürlich nicht mehr mitbekommen.  

            Und wie Levi gestorben ist, das erklärt uns Tanja Roppelt noch mal. 

            Ranja Roppelt: 

            Den ganz großen Erfolg seines Produkts hat er nimmer erlebt. 

            Tanja Roppelt: 

            Er ist 1902 gestorben im Alter von 73 Jahren, war nie verheiratet, hatte keine Kinder, hat das Unternehmen seinen vier Neffen vererbt. Das waren die Söhne seiner  

            älteren Schwester Fanny. Und bis heute sind Nachkommen von Levi-Strauss in der Firma tätig. Und 1906 kam dann das große Erdbeben von San Francisco, was auch das Unternehmen  

            in Schutt und Asche gelegt hat. 

            Tanja Roppelt: 

            Sowohl die Wohnhäuser der Familie als auch Warenhäuser und Verwaltung. Und das ist auch der Grund, warum er über den Levi-Strauss so wenig wissen, weil im Erdbeben  

            eben alle Originaldokumente verbrannt sind. Es gibt noch eine Handvoll Bilder und das wars eigentlich. 

            Ralph: 

            Ja, das ist ja unglaublich schade, dass dann in diesem Erdbeben diese ganzen Dokumente verloren gegangen sind. Da hätte man ja was weiß ich was alles rekonstruieren können. 

            Lukas:  

            Absolut. Das ist unglaublich schade. Vielleicht hat auch dieses Erdbeben damit zu tun, dass diese Verbindung zwischen Levi-Strauss und Buttenheim solange gar nicht klar war. 

            Lukas: 

            Weil bis 1983 wusste man gar nicht, dass Levi-Strauss aus Buttenheim kommt. Weil eine Dame aus Milwaukee hat sich 1983 an den Buttenheimer Bürgermeister gewandt,  

            weil sie Infos über Levi-Strauss wollte. Der war damals verwundert, weil er nicht wusste, warum die sich jetzt an ihn wendet. 

            Lukas: 

            Und damals hat man vermutet, dass Levi aus Bad Windsheim kommt. Das ist zwar auch in Franken, aber in Unterfranken, also die nächstgrößere Stadt bei Bad Windsheim ist  

            dann Würzburg und dann haben die rausgefunden, dass das Geburtshaus noch steht und dass das außerdem eines der ältesten Häuser ist, die in ganz Buttenheim noch stehen. 

            Lukas:  

            Es ist aus dem 17. Jahrhundert und dann hat man da eben das Museum eingerichtet. Von der Inneneinrichtung war natürlich von Levi nichts mehr da, ganz klar.  

            Deswegen sieht man da auch relativ wenig. Aber man sieht noch genau die Grundrisse, weil an denen hat sich einfach nichts verändert. 

            Ralph: 

            Und hat dann jemand in diesem Haus gewohnt oder wie wurde das benutzt?  

            Lukas: 

            Das kann ich dir gar nicht so genau sagen, also bevor da das Museum war, war das, glaube ich, eine ziemliche Bauruine. Also ich glaube, da ist nicht mehr viel passiert. 

            Lukas: 

            Also wahrscheinlich war es sogar ein Glücksfall, dass man das rausgefunden hat, weil sonst wär das irgendein Haus gewesen, was man dann halt abgerissen hätte und dann wäre  

            diese schöne Geschichte quasi gar nicht mehr zutage getreten. Der Levi war persönlich nie wieder ein Buttenheim. 

            Lukas: 

            Er ist in die USA ausgewandert und dann ist er nie wieder zurückgekommen. Er hatte aber Briefwechsel mit Buttenheim und Tanja Roppelt hofft, dass es vielleicht  

            noch den einen oder anderen Buttenheimer oder die eine oder andere Buttenheimerin gibt, die auf dem Dachboden noch irgendwie Briefe finden aus dem Nachlass. 

            Lukas: 

            Weil Levi Strauss tatsächlich Zeit seines Lebens daran interessiert war, zum Beispiel auch den Juden in Buttenheim finanziell unter die Arme zu greifen.  

            Er war generell auch wohl sehr philanthropisch unterwegs und hat sich auch sehr für Schulbildung eingesetzt und und auch das muss wohl spannend sein. 

            Lukas: 

            Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ihn tatsächlich nur Levi genannt. Also nicht irgendwie Mister Strauss, sondern wirklich nur Levi.  

            Er muss wohl ein sehr umgänglicher Typ gewesen sein, was man so hört.  

            Ralph: 

            Aber interessant das eigentlich, dass das erstens so spät rausgefunden worden ist,  

            überhaupt, dass er daherkommt aus Buttenheim. 

            Ralph: 

            Und das es ja eigentlich auch nur sehr wenig Verbindungspunkte zu Buttenheim gibt. Also klar, er ist dort aufgewachsen und ist dann ja erst mit 19 Jahren  

            emigriert in die USA. Aber von der ganzen Jeans-Tätigkeit und so, 

            Ralph: 

            da ist ja gar nichts in Deutschland passiert. Das war ja alles was in Amerika.  

            Lukas: 

            Ja richtig. Und was auch total interessant ist, das Levi ursprünglich überhaupt  

            gar nicht Händler werden wollte. Auch da gibt es einen schönen Ton von Tanja Roppelt. 

            Tanja Roppelt: 

            Was wir wissen, witzigerweise, 

            Tanja Roppelt: 

            Es gibt Unterlagen im Nachlass vom Vater, wo die Mutter eben begründet, warum sie nach Amerika will. Und sie sagt eben, sie hat eben keinen Ernährer  

            mehr hier in Buttenheim. Und ihr Sohn Löw hat die Handelsschule nicht erlernt und auch keine Lust dazu. 

            Ralph: 

            Ja, was ich auch so interessant finde, es ist ja klar, dass Levis Jeans sehr bekannt ist weltweit. Aber ich dachte tatsächlich, dass dann diese Levi auch  

            Schneider wäre. Also nicht ein Händler, der dann quasi einen Schneider beauftragt und dann mit der Idee kommt: Hey, machen wir mal Nieten und jetzt sind es die Jeans. 

            Lukas: 

            Genauer gesagt hat er nicht mal den Schneider beauftragt, sondern der Schneider hat ihn ja kontaktiert mit der Idee, was er gemacht hat. Er hat  

            das Ganze wirtschaftlich gemacht, er hat das Patent angemeldet und er hat quasi dafür gesorgt, dass es eine Erfolgsgeschichte wird bis heute. 

            Ralph: 

            Also er ist eher so der Vermarkter gewesen.  

            Lukas: 

            Ja.  

            Ralph: 

            Du hast ja gerade vorhin noch gesagt, dass es im Museum ganz viele Dinge gibt, die zur Jeans gehören,  

            also die mit dem Stoff hergestellt worden sind und die mit der Zeit gehen. 

            Ralph: 

            Was sind das denn so für Dinge?  

            Lukas: 

            Also das ist ganz unterschiedlich. Wenn du in dem Museum bist, in Buttenheim, siehst du auf verschiedenen Stockwerken,  

            was für Dinge mit Jeans dann irgendwann gemacht worden sind, wie quasi dann die Jeansjacke erfunden wurde, die Jeans Hemden erfunden wurden und wie das Ganze dann auch mit der Popkultur sich weiterentwickelt hat. 

            Lukas: 

            Wir haben ein paar Leute schon angesprochen: James Dean, Bruce Springsteen, dann dass es Jeans für Frauen gab und so weiter und so fort. Das sieht man da wirklich sehr eindrucksvoll.  

            Das kann ich jedem empfehlen. Es ist total spannend und dann sieht man auch ein paar Sachen, die die Jeans sozusagen ins 21. Jahrhundert bringen. 

            Lukas: 

            Es gibt da nämlich eine Jacke, die es ausgestellt, die Levis in Kooperation mit Google erstellt hat. Da haben die nämlich eine Bluetoothfähige Jeansjacke erstellt,  

            die man anziehen kann. Und dann, wenn man zum Beispiel Fahrrad fährt, kann man mit Handgesten an den Ärmeln, Songs, die man über das Handy hört, weiter schalten. 

            Lukas: 

            Oder man kann Anrufe annehmen, indem er auf die Jeansjacke eine bestimmte Bewegung durchführt, indem er da drückt. Also es ist wohl so, dass dieses Muster,  

            dieses Jeans generell das ist einfach unglaubliches Potenzial hat. Ob wir in 20 Jahren alle mit einer Bluetoothfähigen Jeansjacke in der Gegend rumlaufen,  

            weiß ich nicht, aber das kann man auf jeden Fall alles angucken. 

            Ralph: 

            Es zeigt halt auch, dass Jeans einfach in die Kultur eingegangen ist. Das ist nicht nur eine Marke, sondern das gehört einfach zur Kultur dazu.  

            Lukas: 

            Absolut.  

            Und deswegen hab ich ja gesagt, es ist ein Objekt, was einfach jeder von uns, egal woher er kommt, egal wie alt er ist, egal was da für einen Background ist. 

            Lukas: 

            Also zumindest hier in unseren mitteleuropäisch westeuropäischen Kulturkreisen, das hat jeder schon getragen. Es gibt also ich, ich wüsste jetzt keinen Menschen,  

            der noch nie eine Jeans getragen hätte. Um vielleicht das Ganze abzuschließen. Noch eine kurze persönliche Erkenntnis zu mir: Ich hatte schon länger die Vermutung,  

            dass ich eventuell jüdische Vorfahren habe aufgrund meines Nachnamens und Tanja Roppeltt war 

            Lukas: 

            dann so nett und ist dann mit mir in ihr Büro gegangen und hat gesagt, sie hätte die ganzen Matrikelnummern aus Oberfranken und Mittelfranken, wo verschiedene  

            jüdische Familien bis ins 17. Jahrhundert hinein. Das wurde in so Listen eingetragen, so Matrikellisten, 

            Lukas: 

            die hätte sie digitalisiert da. Und dann haben wir mal geguckt und ich weiß von meinem Vater, dass meine Familie ursprünglich aus einem Dorf kommt, was  

            tatsächlich ganz in der Nähe von Buttenheim ist. Es ist echt nur ein Kaff weiter. 

            Lukas: 

            Da gab es wirklich in dieser ganzen Umgebung zehn jüdische Familien mit dem Nachnamen Fleischmann. Also die Wahrscheinlichkeit, dass ich von einer von  

            dieser Familien abstammen oder dass ich zumindest Einflüsse habe und damit ja quasi auch, dass meine Vorfahren eigentlich genau dasselbe erlebt haben wie  

            Levi Strauss, ist, finde ich irgendwie ein schöner persönlicher Bezug zu dem Museum. 

            Ralph: 

            Dann könnte es ja theoretisch auch sein, dass Vorfahren von dir auch emigriert sind, oder ? 

            Lukas: 

            Bestimmt. Das müsste man mal ausfindig machen.  

            Ralph: 

            Genau. Müsste mal nachforschen.  

            Lukas: 

            Absolut. Aber das sprengt den Rahmen dieser Episode jetzt. Aber da bleib ich dran, da bleibe ich dran. 

            Lukas: 

            Tanja Roppelt hat mir da noch ein paar Adressen gegeben, wo man dann nachgucken kann und bin gespannt, was sich daraus ergibt.  

            Ralph: 

            Ja, wunderbar.  

            Vielen lieben Dank, dass du mir heute die Jeans vorgestellt hast und Levi Strauss. War viel dabei, was ich nicht kannte. 

            Ralph: 

            Tatsächlich, was mir neu war. Und was mir jetzt auch so als Funfact hängenbleibt. Tatsächlich kann ich mal bei der nächsten kleinen Party oder was weiß ich was  

            beim nächsten Smalltalk von mir geben. Mit den Nieten zum Beispiel. 

            Lukas: 

            Ich finde am spannendsten, woher die Namen kommen, also das französische Gênes, dann Jeans und woher des Denim kommt und so, das ist auf jeden Fall ein cooler  

            Fun Fact für eine Party.  

            Ralph: 

            Ja, auf jeden Fall.  

            Lukas: 

            Ja gut, dann danke dir Ralph und danke euch allen fürs Zuhören. 

            Lukas: 

            Wir sind natürlich an Feedback interessiert. Wir sind auch daran interessiert, dass ihr die Vorlage teilt und uns damit ein kleines bisschen  

            berühmter und beliebter macht. Und wir freuen uns schon auf die nächste Folge.  

            Ralph: 

            Absolut. Dann bis zum nächsten Mal. 

            Lukas: 

            Tschüss  

            Ralph: 

            Ciao ciao. 

            Outro: 

            Bitte nicht anfassen. Museum mal anders. ein Podcast von Escucha. 

            über BITTE NICHT ANFASSEN!: 

            Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser. 

             Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

            Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

            Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

            BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

            Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 


             

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            Der Beitrag Das Levi-Strauss Museum erschien zuerst auf Escucha.

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            36 min
          • Barfuß durchs Moor auf der Suche nach Exponaten - das Wurzelmuseum in Tremmersdorf
              BITTE NICHT ANFASSEN! #2 – Das Wurzelmuseum

              Menschen aus der ganzen Welt fahren ins Museum von Bernd Donhauser. Bis zu 80 Reisebusse pro Jahr! Denn der 80-Jährige hat eine Gabe: Er findet Wurzeltiere – als einziger Mensch der Welt. Wir sprechen über Hochmoore, weiches Wasser und einen Wettstreit mit allen Ornithologen dieser Welt.

              SHOW NOTESFotos:Der Flyer zum Wurzelmuseum: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Wurzelmuseum-Flyer.png

              Museumsbesitzer Bernd Donhauser vor seinen Wurzeltieren: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Wurzelmuseum-Bernd-Donhauser.png

              Verschiedene Vogelarten – ein Ausschnitt aus der Sammlung: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Wurzelmuseum-Sammlung-scaled.jpgEin Fasan: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Wurzelmuseum-Fasan-scaled.jpgEin Adler breitet seine Schwingen aus: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Wurzelmuseum-Adler-scaled.jpgZwei Spechte und eine Eule: https://www.escucha.de/wp-content/uploads/Wurzelmuseum-Specht-Adler.jpg

              Infos zum Museum:

              Wurzelmuseum Tremmersdorf
              Hauptstraße 9
              92676 Tremmersdorf
              https://www.oberpfaelzerwald.de/wurzelmuseum

              über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

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               Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. 

              Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. 

              Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. 

              BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 

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              Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

              Kontakt
              Instagram: https://www.instagram.com/bittenichtanfassen_podcast/
              E-Mail: info[at]escucha.de

              Podcast-Credits:

              Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
              Produktion: Escucha GbR
              Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/
              Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)

              Transkript:

              Lukas 

              So Ralph. Heute nimmst du mich mit in ein Museum und ich bin schon richtig gespannt wohin. 

              Ralph 

              Also in der heutigen Folge, da geht es um nasse Füße und Nadelbäume und um etwas, das sich der Wissenschaft entzieht. 

              Lukas 

              Klingt sehr esoterisch, bin gespannt? 

              Ralph 

              Ja, ich war dazu in Tremmersdorf, das ist wirklich auch ein Dorf mit unter 100 Einwohnern und das liegt in der Oberpfalz. Rund 90 Kilometer nordöstlich von Nürnberg und dort gibt es eben auch ein Museum, das ich besucht habe, und dieses Museum, das sieht von außen sehr unscheinbar aus und gar nicht nach einem Museum weiß auch ursprünglich nicht als Museum gebaut worden ist, sondern das war ein Tierstall. 

               Lukas 

              OK. 

              Ralph 

              Und eröffnet hat das Museum Bernd Donhauser. Den habe ich ja dann auch eben kennengelernt, als ich dort war. Der ist 80 Jahre alt, hat von Beruf Kirchenfenster bemalt und wohnt gleich neben dem Museum und damit du so einen Eindruck von diesem Mann bekommst, stellt er sich hier mal kurz vor. 

              Bernd Donhauser 

              I bin Bernd Donhauser. Ich habe eine Gottesbegabung, die kann man nicht lernen. Kein Ornithologe auf der Erde würde das öffentlich sagen. Alle würden zamhalten gegen mich. Und sie hätten keine Chance nicht.  

              Lukas  

              Okay, ich seh schon für alle Zuhörenden die des Bayerischen nicht mächtig sind ja das müsste man vielleicht overvoicen. Es ist so wie ich das verstanden hab, hat er gesagt. Er hat eine Gottesgabe und er würde gegen alle Ornitologen dieser Welt bestehen oder gewinnen. 

              Ralph 

              Ja also wenn alle Ornithologen dieser Welt sich zusammentun zusammenhalten, haben sie keine Chance gegen ihn. 

              Lukas 

              Ornithologen sind doch Vogel Wissenschaftler. Geht es um das deutsche Vogel Wissenschafts Museum in Tremmersdorf? 

              Ralph 

              Nee, aber es hat mit Vögeln natürlich zu tun, ja. 

              Lukas 

              Okay worum geht's? 

              Ralph 

              Aber vielleicht vielleicht kommst du drauf, wenn ich dann einfach noch ein bisschen erzähle, was im Museum überhaupt ausgestellt ist also ich hab den Bernd Donhauser ja im Dezember besucht, da war also sehr, sehr kalt und wir sind dann auch reingekommen in den Stall. Dort gibt es auch keine Heizung, drinnen auch keine Fenster. Das war also Stock dunkel, bis Herr Donhauser, dann das Licht angemacht hat und sobald das Licht an war, habe ich gesehen ok, wir befinden uns in einem 5 * 5 Meter großen Raum sehr einfacher Raum, in dem eigentlich nichts drin ist außer ganz, ganz viele Wurzeln in ganz unterschiedlichen Ausprägungen, also Wurzeln, die so groß sind wie ein Tennisball, aber auch Wurzeln, die vielleicht so groß sind wie Bierkasten oder noch grösser. 

              Lukas 

              Die bayerische Maßeinheit ein Bierkasten. 

              Ralph 

              Das Spannende an diesem Wurzeln ist, dass sie alle verschiedene Tiere darstellen, das kleinste Tier, das der ausgestellt hat, ist ne Maus und das Größte ein Bär und es gibt dort sowohl exotische als auch heimische Tiere also man findet zum Beispiel auch im Krokodil dort aber auch so heimische Tiere wie in Reihe oder ein Adler. Und der offizielle Name dieses Museums ist auch Wurzel Museum. 

              Lukas 

              Verstehe das heißt da liegen Wurzeln rum, die aussehen wie Tiere? 

              Ralph 

              Ja, ja liegen rum das klingt jetzt irgendwie ein bisschen falsch also, der hat die schon extra so drapiert, dass es jetzt so ist du hast ne Wurzel und wenn das jetzt nen Vogel darstellt, dann hat er halt noch so 2 Drähte herangemacht die die Beine symbolisieren sollen. 

              Lukas 

              hast du diese Tiere auch gesehen? 

              Ralph 

              Ja, ich hab diese Tiere gesehen und ich hab sie auch erkannt, ja aber nicht alle erkennen, dass das jetzt essen später auch noch mal gibt es ne lustige Anekdote zu. 

              Lukas 

              Alles gut? Das heißt, das Museum dreht sich um Wurzeln, die aussehen wie Tiere. 

              Ralph 

              Dann musst du dir mal einen Eindruck machen kannst wieso ein Wurzel Tier aussieht schick ich dir grad mal eins rüber. Du kannst dir gerade mal ein Foto angucken und von den Wurzel Tier. 

              Lukas 

              Aber du sagst nicht welches ich soll quasi okay und ich muss das jetzt quasi finden. 

              Lukas 

              Ja, das ist ein Fasan. 

              Ralph 

              Ja, Du bist ja wie der Bernd Donauser keine 3 Sekunden. 

              Lukas 

              Okay, schick mir noch ein anderes rüber. 

              Ralph 

              Ich schick dir mal noch ein Foto. 

              Lukas 

              Ja, das ist ein Adler, der mir entgegen fliegt. 

              Ralph 

              Ja, richtig ist tatsächlich ein Adler. 

              Lukas 

              Ganz klar ja. 

              Lukas 

              Als es vorgestellt hast, dachte ich ok, keine Ahnung, aber das ist finde ich also aber wirklich ganz klar ein Adler. 

              Ralph 

              Ja sowas mit einem Krokodil auch und mit dem Affen, der im Baum hängt. 

              Ralph 

              Boah, also ok schick mal 1 das finde ich irgendwie ja okay mach ich einfach mal. Moment also, jetzt kommt ein Bild, das glaube ich schwieriger zu erkennen ist. 

              Lukas 

              Isn Specht. 

              Ralph 

              Es ist ein Specht. 

              Lukas 

              Ist ganz klar ein Specht, der in den Baum rein hackt,  

              Ralph 

              Dass du denen jetzt anerkannt hast, aber okay noch ein Stück. Da kann ich mir nicht vorstellen, dass du das erkennst, würd mich jetzt stark wundern, wenn du das erkennen würdest. 

              Lukas 

              Ich habe eine Theorie, aber ich muss dazu wissen. Diesmal ist es kein Vogel, richtig. 

              Ralph 

              Falsch es ist tatsächlich ein Vogel, ja. Und was hast du denn erkannt? 

              Lukas 

              Ich dachte, das ist ein Wildschweinkopf ist auf dem Bild. 

              Ralph 

              Na komm, jetzt ist doch einfach jetzt weißt du, dass es ein Vogel ist,  

              Lukas 

              Das ist eine Taube. 

              Ralph 

              Genau ne Eule. 

              Lukas 

              Nee, erkenn ich nicht. 

              Ralph 

              Ja, aber mir ging's bei ein paar Wurzel Tieren auch so, dass ich die nicht erkannt habe. Es gab zum Beispiel ein Stachel Schwein, dass ich nicht als Stachel Schwein erkannt hab. 

              Lukas 

              Aber immerhin 3 von 4 ja und vor allem du hast nur dieses Bild geschickt also ich war nicht vor Ort. 

              Ralph 

              Ja, stimmt vor Ort das zu erkennen, ist dann vielleicht nochmal einfacher. Gefunden sind die Tiere alle von den Bären Donhauser selbst aus der Region, aus der Oberpfalz und wieder die findet, das erzählt er auch. 

              Bernd Donhauser 

              Alle Tiere suche ich mit den Füßen. Ich wate durch Flachmoore, Ich wate da durch bis zur Knietiefe und der Widerstand der Wurzel ist ja ein Widerstand. Dann leg ich mich rein. Je nach dem. Über 800 Wurzeltiere sind alle mit den Händen ausgegraben.“  

              Lukas 

              Ich versuche nochmal an einer oberpfälzisch hochdeutsch Interpretation, was er quasi gesagt hat, er watet durch Moore oder durch Sümpfe oder durch Tümpel da findet er diese Wurzeln und die nimmt er damit raus. 

              Ralph 

              Das ist es ja. 

              Lukas 

              Ok also, das heißt, in seiner Freizeit geht er dann durch diese Moore und bleibt dann mit dem Fuß irgendwo hängen, oder? 

              Ralph 

              Der macht das auch in Turnschuhen, was mich sehr verwundert hat, der geht da mit Turnschuhen durchs Flachmoor durch. Wahrscheinlich weil die bisschen sensibler sind als feste Stiefel und dann merkt er halt okay, er tritt jetzt auch was drauf und das ist dann diese Wurzel. Dann legt er sich halt rein und gräbt sie aus und den Bären, die ich angesprochen habe am Anfang, der ist auch ziemlich groß, der ist ja – jetzt müsste ichs in Bierkasten wieder umrechnen – der ist wahrscheinlich 3 bierkasten groß oder so und da hat er gemeint zum Ausgraben hat er 24 Stunden gebraucht. 

              Lukas 

              Der bäugt sich dann vornüber, ist dann im Moor drinnen und gräbt dann aus diesen Monat diese Wurzel raus. Was ist denn, wenn die Wurzel noch mit Bäumen verbunden sind? 

              Ralph 

              Das ist nicht der Fall, also sind nur diese Wurzel Stöcke übrig. 

              Lukas 

              Ok und warum genau diese Moore? 

              Ralph 

              Weil sich eben dort diese Wurzel Stöcke so lange halten können. Also der ist halt generell gerne in der Natur draußen gewesen und hat früher auch Mineralien gesammelt und verschiedene Pflanzen und eines Tages, der wollte eigentlich Pilze sammeln, ist dadurch so ein Flachmoor gewatet und dann auf diese erste Wurzel gestoßen und dann hat er die halt ausgegraben als wollte er sehen wie die aussieht und sie begutachtet von allen Seiten und dann hat er sofort erkannt, isn Adler. Und dann hat er, diesen Adler mitgenommen und hat dann halt weiter, also nach weiteren Wurzeln gesucht. Ich weiß nicht kennst du den Unterschied zwischen Flachmoor und Hochmoor, weil ich kannte ihn nicht? Beide sind halt nach der Eiszeit entstanden ist natürlich sehr viele geschmolzen, also war viel Wasser da und so ein Flachmoor, das entsteht durch die Verlandung auch von nährstoffreichen Gewässern oder aus versumpften Mineralböden und dass das feucht bleibt, also dieses Boden Wasser des speist sich aus dem Grundwasser und dementsprechend enthält das halt sehr viele Mineralstoffe aus dem Boden. Und ein Hochmoor dagegen des speist sich aus Regenwasser, das einfach nicht abläuft und der Unterschied ist hierbei, dass das Wasser dann eben sehr mineralarm ist. Das ändert dann die Konservierung dieser Wurzeln, sagt Bernd Donhauser. 

              Lukas 

              Ok also gut, das heißt, diese Wurzeln liegen in diesen Mooren rum. Und wie alt sind die dann? 

              Ralph 

              Die sind bestimmt mehrere 1000 Jahre alt, während Donhauser behauptet, von manchen sogar, dass die 1000000 Jahre alt sind. Es gibt jetzt aber keine wissenschaftlichen Forschungen darüber. Es hat noch niemand so analysiert und da hat das eben mit Mitte 30 angefangen mit 34 Jahren. Das war dann 1975 und hat das genau 30 Jahre lang gemacht. Er ist dann immer an den Wochenenden mit Turnschuhen durch die Fachjury gegangen, teilweise 4 – 6 Stunden am Tag. Und hat dein pro Jahr rund 30 Wurzel Tiere gefunden. 

              Lukas 

              Also, das heißt, das hat er einmal in der Woche gemacht oder jeden Tag, weil er war auch berufstätig. 

              Ralph 

              Der war berufstätig, das heißt hatte es wirklich an den Wochenenden gemacht. 

              Lukas 

              Ok also in seiner Freizeit hat er dann gesagt du heut muss ich wieder Wurzeln suchen und ist dann mit seinen Turnschuhen in Flachmooren auf der Suche nach Wurzeln gewesen. 

              Ralph 

              Genau und dann hat er die ausgegraben und hochgehoben und sofort entdeckt, der konnte sofort sagen, was für ein Tier das ist, und dann können wir nämlich auch mit dem Ton dazu anhören. Das hatte mir nämlich auch verraten und wie schnell das geht. 

              Bernd Donhauser 

              Dann zähl ich bis drei, zieh in raus schau hinein und der Name kommt automatisch. Ich kanns net erklären, kann mir keine Mensch erklären. Kein Professor der Welt hat eine Chance. Ich hab eine Naturbegabung: Sehen. 

              Ralph 

              Das müssen wir auch Paraphrasieren weil er ja sehr schnell spricht und mit starken Dialekt als er sagt Halt er zählt gar nicht bis 3 dann sieht er schon was das für ein Tier ist er zieht es raus, dreht es rum, schaut hin und dann kommt der Name automatisch das ist so das wovon er sagt, dass es eine Natur Begabung ist, nämlich dieses Sehen. 

              Lukas 

              Glaubst du an diese Natur Begabung? 

              Ralph 

              Er ist ja nicht der Einzige, der diese Vögel dann erkennt. 

              Ralph 

              In diesen Wurzeln oder diese anderen Tiere und da hat das ja auch mal einen Wissenschaftlern getestet. Ja, was wir anfangs schon gehört hatten, dass die Ornithologen ja keine Chance gegen ihn haben. Es ist nämlich so, dass jedes Wurzel Tier in diesem Museum die Plakette hat, an dem dann dran steht was für ein Tier es ist und dann hat er mal spaßeshalber diese Plaketten entfernt, als Ornithologen kamen und hat sie dann gefragt ja, was seht mir dafür Tiere? Und dann konnten die Tiere halt nicht erkennen. Sobald der Donhauser aber wieder diese Plaketten angebracht hat an den Tieren haben die Ornithologen gesagt: Ach ja. Stimmt. Ist tatsächlich ein Haubentaucher oder ein Zaunkönig?  

              Lukas 

              Aber war das unabhängig voneinander oder haben wir das als Gruppe dann entschieden. 

              Ralph 

              Das hat er nicht genauer genannt. Ich schätze mal als Gruppe. 

              Lukas 

              Okay, weil spannend wäre ja gewesen, wenn man jetzt zum Beispiel gesagt hätte wir mal 2 Extreme Zaunkönig, ein minikleiner Vogel und dann keine Ahnung Steinadler, also ein riesen Vogel und wenn man einfach nur quasi eine Plakette hingemacht hätte auf der Vogel gestanden hätte und dann hätte man diese Ornithologen unabhängig voneinander gefragt. Was für eine Art von Vogel seht ihr da? Weil so wäre ein Schuh draus geworden aus meiner Sicht weil so schreibst du Zaunkönig hin und dann hast du die Gruppe der Ornithologen und die sagen alle ja klar ist ein Zaunkönig. 

              Ralph 

              Ja, das stimmt und seine Sammlung besteht auch tatsächlich überwiegend aus Vögeln. Er hat ganz, ganz viele Vögel ganz speziell, die er daneben auch als Haubentaucher, Zaunkönig, Austernfischer, Seidenreiher, Tölpel, Was weiß ich was bezeichnet. Ich habe ja noch gar nicht beschrieben, wie diese Wurzeln aussehen, weil die haben ganz, ganz spezielles aussehen, die darfst du nicht vorstellen, wie einfach so Feuer Holz, dass du einschürst ist, sondern die sind erstens sehr glatt und die schimmern richtig, die glänzen und sind von dunkelbraun bis rostrot gefärbt. Und das Rost rote oder diese helleren Stellen sind stellen, wo früher Harz am Baum war. Es ist aber an diesen ganzen Wurzeln sonst nichts verändert worden.Bernd Dohmen Hauser hat da nichts geschnitzt an diesen Wurzeln hat auch nichts lackiert, geleitet oder sonst irgendwas gemacht. Außer dass er so ganz kleine Wurzel Triebe abgehackt hat, aber sonst ist da alles echt, damit das auch so bestehen bleibt, weil er hat das ja aus dem nur aus den feuchten Milieu rausgeholt in ein trockenes Milieu, damit das Bestehen bleibt, musste er auch anfangs diese Tiere regelmäßig besprühen mit Wasser. Weil sonst wären die zerbröselt. 

              Lukas 

              Du sagst anfangs jetzt nicht mehr. 

              Ralph 

              Nee, weil nach ner Zeit diese Tiere zu Stein geworden sind, also dieses Holz ist dann versteinert das nimmt gar kein Wasser mehr an. 

              Lukas 

              Okay. 

              Ralph 

              Und da hat er ganz spezielles Wasser dafür, das hat er mir auch erzählt, welches Wasser er benutzt. 

              Bernd Donhauser 

              Auf dem Dach da droben hab ich Aluwasser Sonnenschutz, dass net heiß wird. Da wird’s nur 22 Grad heiß. Und das Aluwasser ist das reinste Wasser. Nicht mit Kupfer. Kupfer ist gefährlich. Das ist wahrscheinlich ausschlaggebend mit. Also das ist nicht bewiesen aber die schätzen mit – das muss nicht alles bewiesen sein – aber das ist so weich die die Säure im Moor. Des merkst an den Händen. Die Finger, die weich das Wasser ist, wie zwart. Alles andere als das Leitungswasser. Das ist hart und Kalk und tot. Würden sie alle tot sein. Weil im Flachmoor oder in Sumpfgebieten gibt es keinen Kaltanteil. Die Säure zerstören den Kalkanteil. Sonst würden die Wurzeln auch kaputt sein.  

              Lukas 

              Also gut, was ich jetzt verstanden habe also es geht darum das Wasser wird auf dem Dach über Aluminium irgendwie erhitzt, dass das immer so 22 Grad hat und der Vorteil von dem vor diesem Wasser, wenn das Aluminium irgendwie mit drin gelöst hat ist, dass es sehr weich ist und damit so ein bisschen das saure Milieu von so einem Moor irgendwie nachbildet. Das heißt, dass das Wasser quasi die Wurzeln nur minimal beeinträchtigt, weil es vom Milieu ist wie ein Moor. Habe ich das ungefähr richtig erzählt. 

              Ralph 

              Das hast du schon richtig verstanden, ne also es ist quasi Aluminium, dann in diesem Wasser auch drinnen und das ist eben ganz anders als Leitungswasser, das aus Kalzium oder halt Kalk hat, weil das einfach einen anderen PH wert hat, also dieser Kalk, der würde dann tatsächlich diese Wurzeln zersetzen, selbst wenn man jetzt Hobbygärtner ist und Moorgewächse hat zuhause vielleicht, dann darf man sie auch nicht mit Leitungswasser gießen, also das das stimmt schon so ne. 

              Lukas

              Ah okay. 

              Ja, das sollte ich mal berücksichtigen, weil ich hab ein paar Zimmerpflanzen zu Hause, von denen ich weiß, dass die in sumpfigen Gegenden wachsen und ich achte dabei allerdings nie drauf und ich glaube, dass deswegen schon einige Pflanzen hier zugrunde gegangen sind, weil ich Leitungswasser benutzt hab. 

              Ralph 

              Hm, gut möglich. Und ein weiterer Faktor dieser Konservierung ist eben die Dunkelheit, weil Bernd Donhauser eben sagt, dass die UV-Strahlung dazu beiträgt, dass sich das schneller zersetzt. 

              Lukas 

              Daher ist es so dunkel in dem Museum als ihr reingegangen seid? 

              Ralph 

              Ja, und jetzt ist es ja so, dass diese Wurzeln alle aus der Region Oberpfalz sind, gehören auch ganz bestimmten Baumarten an. Hast du eine Vermutung, welche Baumarten das sein könnten? 

              Lukas 

              Hm, Oberpfalz ist jetzt kein Hochgebirge, aber da gibt es ja schon ein bisschen höhere Lagen. Deswegen keine Ahnung. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das vielleicht Buchen sind. 

              Ralph 

              Fichten sind schon näher dran. Es sind Kiefern, Kiefern, ja. 

              Lukas 

              OK. 

              Also Nadel Baum. 

              Ralph 

              Ja, aber ist wirklich speziell Kiefern? Es sind wirklich zu 90%, wenn nicht sogar mehr nur Kiefern Wurzeln. Es gibt noch ein paar Eiben Wurzeln, aber Eiben und Kiefern, die gehören beide zur selben Ordnung zu den Kiefernartigen und warum Bernd Donhauser nur Kiefern und ein paar Eiben gefunden hat, dazu gibt es auch eine Theorie von ihm. 

              Bernd Donhauser 

              Die Kiefer ist der einzige Stock, der sich darin halten kann. Fichten und alles zersetzt sich in Harz. Und die Säuren sind da drin zu schwach, um den Wurzelstock abzulösen. Das kann nur praktisch die Luft. 

              Lukas 

              Okay, das musst Du mir nochmal kurz erklären. 

              Ralph 

              Ja, also er sagt die Kiefern sind die einzigen Bäume, die sie erhalten können, weil sie Hartz haben und dieses Harz bewahrt die Wurzeln halt vor dem Zerfall, schützt vor den Säuren, die es sonst zersetzen würde. Solange die jetzt wirklich dort unten liegen und diese Harz-Schicht haben sind die sicher, aber sobald die dann mit Sauerstoff in Kontakt kommen, würden die sich auch zersetzen. Jetzt hat aber Herr Donhauser auch gesagt, dass Fichten kein Harz Eugen. Was mich sehr verwundert hat. Denn Fichten haben auch Harz, deswegen muss man diesen Ton auch vielleicht mit Vorsicht genießen. Aber es ist durchaus möglich, dass das Harz eine Rolle spielt. Jetzt war es ja so, dass Bernd Don Hauser pro Jahr, so 30 Wurzeln mit nach Hause gebracht hat und dann hat er dir am Anfang halt schön im Wohnzimmer aufgestellt, aber irgendwann war halt kein Platz mehr und dann kam er eben auf die Idee, Museum draus zu machen, angeregt durchs Fernsehen durch ein Fernsehteam, das sie mal besucht hatte, weil er dann schon irgendwie eine regional Berühmtheit war durch das Sammeln dieser Wurzel Tiere und dann kam er tatsächlich auf die Idee und hat gesagt okay, ich habe ja noch aus den frühen Tagen der Landwirtschaft diese Tierställe. Die stehen eh da und dann bau ich die halt um. 

              Lukas 

              Und das hat er selbst gemacht. 

              Ralph 

              Das hat er selbst gemacht und das sind jetzt insgesamt 4 Räume, in denen diese Wurzel Tiere zu sehen sind und seit den 80er Jahren kann man das besuchen. 

              Lukas 

              Und wie viele Menschen haben das schon besucht? 

              Ralph 

              Also vor der Corona Pandemie waren es laut Bernd Donhauser so 60 – 80 Busse voller Besucherinnen pro Jahr und seit der Pandemie ist es deutlich weniger geworden, er zählt das jetzt nicht. Deswegen konnte da nix zu sagen, aber er hat auch als Beweis ganz, ganz viele Gäste Bücher, die voll geschrieben sind. Das glaubt man gar nicht, weil es ja ebenso unscheinbar aussieht von außen noch so klein ist. Aber das hat halt internationale Besucher von überall auf der Welt kommen hier. In 2 Räumen seines Museums sind die Wände auch voll mit Postkarten und Dankes Briefen. Israel, Vatikan, Brasilien, überall das sind alles Leute, die schon mal in dem Museum waren und sich danach nochmal bei ihnen bedanken wollten, wie toll das war. 

              Lukas 

              Es scheint ja ganz schön zu inspirieren und er hat ja dann irgendwelche Mitarbeitende oder macht er das ganz alleine? 

              Ralph 

              Nee, mach das ganz alleine. 

              Lukas 

              Mit über 80? 

              Ralph 

              Er ist jetzt genau 80. 

              Lukas 

              Okay, das heißt Bernd Donhauser macht das ganz alleine und hat vor Corona 60 – 80 Busse empfangen hat er da überhaupt noch Zeit, nach Wurzeln zu sammeln oder ist die Sammlung jetzt vollständig? 

              Ralph 

              Die Sammlung ist für ihn auf jeden Fall vollständig, also der hat dann irgendwann den Punkt erreicht, dass er gesagt hat, nee mach ich nicht mehr, mir reicht's also ich hab auch keinen Platz mehr. Es gab aber viele interessierte Besucher innen, die wissen wollten, wie es macht, die vielleicht ist, auch selber ausprobieren wollten und anfangs hat er dann noch ein großes Geheimnis daraus gemacht und er wollte das sogar mit ins Grab nehmen und dann hat er sich aber dann doch im Laufe der Zeit anders überlegt hat das alles auch niedergeschrieben und den Leuten erzählt, wie es geht und die haben ihn dann auch angekündigt, dass sie selber Wurzel Tiere suchen wollen. Allerdings ist nicht so viel bei rumgekommen, hat er mir erzählt.  

              Bernd Donhauser 

              Chancenlos, die haben alle aufgegeben. Nicht ein Wurzel. Nicht ein einziger hat eine Wurzel gebracht. Die habens nicht nachmachen können. Sinnlos. Professor hat gesagt, sie sind der erste und der letzte Mensch der Welt. Die Natur lässt mich das sehen. Ich hab die Begabung mit 34 Jahren entdeckt. Wahrscheinlich hat mich die Natur gern. Darum hab ich ihr ein Museum gebaut. 

              Lukas 

              Also das heißt, wenn ich das richtig verstanden habe, um es wieder zu interpretieren. Es sind viele gekommen, aber keiner hat eine Wurzel gefunden nur er hat diese Begabung. Er weiß auch nicht woher es kommt aber es kommt wahrscheinlich, weil er eine besondere Verbindung zur Natur hat. 

               Ralph 

              Deswegen hat er der Natur auch als Dank dieses Museum gebaut und macht das hat allen Menschen zugänglich. Wir können aber auch in die Shownotes mal ein Foto rein packen, weil ich habe auch Fotos gemacht und dann kann jeder sich davon überzeugen, ob er jetzt darin ein Tier erkennt oder nicht. 

              Lukas 

              Das heißt die grundlegende Motivation von Bernd Donhauser, das zu tun abseits von der Tatsache, dass es so ein Hobby geworden ist, ist, dass er so in der Nähe zu der Natur damit demonstrieren will. 

              Ralph 

              Bernd Donhauser möchte einfach zeigen zu was die Natur imstande ist und dass die Natur eigentlich der größte Künstler auf der ganzen Welt ist. Dass die Natur, da paraphrasiere ich jetzt tatsächlich was er mir erzählt hat, die Natur hat ja keine Augen und ihr habt keine Hand und so aber trotzdem bringt sie es halt seiner Meinung nach fertig sowas tolles wie diese Wurzel Tiere zu gestalten. Dass man quasi in der Natur, das findet, das ist für ihn einfach ein Wunder. 

              Lukas 

              Aber glaubt er daran, dass das zufällig ist, dass das jetzt ein Krokodil ist, oder glaubt er, dass das keine Ahnung und tieferen Sinn hat, dass da jetzt diese Tiere zu sehen sind? 

              Ralph 

              Nee, nen tieferen Sinn hat das nicht, das ist eher so Schönheit der Natur. 

              Lukas 

              Weil er am Anfang gesagt hat, dass er so eine göttliche Gabe hat, also das bezieht sich wirklich nur darauf, die Dinge zu erkennen. 

              Ralph 

              Ja genau er sieht sich dann eher als Seher, dass er so Sachen halt erkennt oder sieht die andere nicht sehen. 

              Lukas 

              Weißt du, wo ich mal bewusst beziehungsweise ich glaube du kennst das auch wenn du im Sommer irgendwo in den Park liegst und du guckst dir zum Beispiel die Wolken an. Dann kennst du das bestimmt auch, dass man dann bestimmt irgendwann mal in seinem Leben gesagt hat was siehst du denn dieser Wolke oder siehst du eigentlich auch in dieser Wolke ein Schiff oder ein Fisch oder was auch immer. Und das ist so ein bisschen so wie Donhauser Idee in den Wurzeln Tiere zu erkennen, finde ich. 

              Ralph 

              Ja, ich finde, da hast du recht, weil es ja auch von der Natur gegeben diese Wolken.  

              Lukas 

              Was mich jetzt aber interessieren würde: man müsste jetzt mal in einem fiktiven Experiment irgendwie 10 Leute 20 Leute zusammenbringen und alle werden am selben Platz und würden von der ähnlichen Perspektive diese Wolken angucken und man würde allen Menschen einen Stift und einen Zettel in die Hand geben und sie sollten eine Liste schreiben, was sie bei verschiedenen Wolken sehen und dann würde mich mal interessieren, was da am Ende bei rum kommt, also ob es da Übereinstimmungen gibt oder ob jeder was komplett anderes sieht, weil ich stell mir trotzdem die Frage jetzt auch analog zum Wurzel Museum. Siehst du das Krokodil, weil da Krokodil auf der Plakette steht und dann such dein Gehirn ja bewusst nach Mustern nach Pattern, die irgendwie ein Krokodil für dich entstehen lassen oder aber hättest du das auch so gesehen, wenn diese Plakette nicht dran gestanden wäre?  

              Ralph 

              Ja, daher spielt der Kontext eine wichtige Rolle. Also ich glaube, wenn ich jetzt diese Ausstellung gesehen hätte, mit den ganzen Tieren und paar Tiere hätten Plaketten und andere Tiere nicht, dann hätte ich das Krokodil auch erkannt, weil ich ja wusste, dass dieses Wurzel Stück repräsentiert irgendein Tier und dann hätte ich halt aus meinem Wissen geguckt welches Tier könnte auf diese Wurzel Form passen? Und ich glaube auch, weil es wirklich beim Krokodil sehr eindeutig war, dass ich das dann auch erkannt hätte. Wenn das jetzt einfach in der abstrakten Kunst Ausstellungen gewesen wäre, diese Wurzel, dann weiß ich nicht, ob ich das als Krokodil identifiziert hätte.  

              Lukas

              Also du meinst wenn die Wurzel des Gegenstimmen in der Galerie wäre und dann eben Stunden irgendwelche Bilder und das wäre dann quasi eine Skulptur du würdest jetzt nicht vorbei laufen und dir denken boa krass, dass sieht aus wie ein Krokodil. Würdest du das Museum empfehlen für alle Leute da mal hinzugehen oder würdest du sagen, dass du das schon ziemlich Irgendwie abgespaced is. 

              Ralph 

              Ich würde sagen, dass Bernd Donhauser ziemlich abgespaced ist und der macht ja auch die Führungen durch das Museum. Ich würde das Museum empfehlen für Familien mit kleinen Kindern, weil ich glaube, dass kleine Kinder da schon was mitnehmen können und es ist halt einfach schön anzuschauen. Das ist im Gegensatz zu anderen Museen vielleicht auch weniger anspruchsvoll und dementsprechend auch weniger anstrengend. Aber man darf jetzt nicht erwarten, dass man viel über Wurzeln erfährt, so über die Biologie und so weiter. Ich würde es auf jeden Fall mit dem Prädikat skurril versehen. 

              Lukas 

              Also gut. Abgesehen davon ob man jetzt an eine göttliche Gabe da glaubt oder nicht ich meine, das ist ein schönes Projekt und ich glaube, wenn du die eigene Fantasie anregst, ist doch cool 

              Ralph 

              Ja finde ich auch also es ist wirklich sehr außergewöhnlich, muss man sagen. 

              Lukas 

              Danke dir für die Vorstellung war sehr schön. 

              Ralph 

              Ja gerne doch. 

              Ralph 

              Ich freu mich auch, dass du so begeistert davon warst.  

              Lukas 

              Ich finde das faszinierend ja, wenn ihr jetzt also auch genauso fasziniert von der Folge seid oder aber von dem Format fasziniert Zeit, dann würden wir uns natürlich freuen, wenn ihr uns dazu Feedback schickt oder aber wenn ihr diesen Podcast teilt, bewertet weiterleitet in eurem Freundes- und Bekanntenkreis verteilt usw. oder super für uns danke euch. 

              Ralph 

              Machs gut und bis zum nächsten Mal 

              über BITTE NICHT ANFASSEN!:

              Schätzungsweise 7.000 Museen gibt es in Deutschland. Und klar, die Großen sind bekannt. Aber was ist eigentlich mit den Kleinen und Alternativen? Diejenigen, die sich um Milbenkäse, Mausefallen und Wurzeln drehen? Genau für die gibt es BITTE NICHT ANFASSEN! mit Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann. Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber und Kulturinteressierte und für alle, die skurrile Geschichten mögen. Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer der beiden ein besonderes Museum besucht hat und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen auch die Museumsbetreiber zu Wort. BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 
              Weitere Infos auf https://www.escucha.de/

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              Der Beitrag Das Wurzelmuseum erschien zuerst auf Escucha.

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              28 min
            • Geheimsprachen, Whiskey und Ingenieurskunst - das Mausefallenmuseum

                BITTE NICHT ANFASSEN! #1 – Das Mausefallenmuseum

                In der ersten Folge von BITTE NICHT ANFASSEN! reisen wir in die wundersame Welt der Mausefallen. Klingt leicht übertrieben? Definitely not. Denn seit dem Mausefallen Museum in Neroth in der Eifel wissen wir, was Mausefallen mit Ingenieurskunst, Geheimsprachen, Whiskeyproduktion und Europäischer Geschichte zu tun haben. Ein Roadtrip durch das 19. Jahrhundert.  

                SHOW NOTESFotos:Überblick über die Nerother Mausefallen

                Die Wasserfalle nach dem deutschen Reichspatent
                Infos zum Museum:

                Mausefallenmuseum Neroth
                Mühlenweg 1A
                54570 Neroth
                https://www.eifel.info/en/a-mausefallenmuseum-neroth

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                über BITTE NICHT ANFASSEN!:  

                Woran denkst du beim Wort Museum? An weltberühmte Ausstellungsstücke wie Sarkophage ägyptischer Pharaonen, an Gemälde von Picasso oder an technische Erfindungen wie das Automobil? Denkst du an das Deutsche Museum in München, das Pergamon-Museum in Berlin oder an das Städel in Frankfurt? Wir – das sind Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann – denken beim Wort Museum an etwas Anderes: an Milbenkäse, Mausefallen, an Flipper-Automaten, Nummernschilder oder auch an Gartenzwerge. Denn die schätzungsweise 7.000 Museen in Deutschland haben so viel mehr zu bieten als das Angebot der großen Häuser.  Mit „BITTE NICHT ANFASSEN – Museum mal anders“ begeben wir uns an kleine Orte, in Seitengassen großer Städte, um die kleinen und alternativen Ausstellungen zu finden, von denen du vermutlich noch nie gehört hast. Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer von uns beiden ein besonderes Museum besucht und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen Museumsbetreiberinnen und -betreiber zu Wort, aber auch die Exponate an sich werden hörbar gemacht. Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber, für Mitarbeiter aus dem Museumsbereich und für alle, die sich für Kunst, Kultur und Technik-Geschichte interessieren und skurrile Stories mögen. BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. Mehr Infos auf https://www.escucha.de/bitte-nicht-anfassen/ 

                Wenn ihr als Museum darüber nachdenkt, ob Podcasting etwas für euch ist – hier sind 10 gute Gründe dafür: https://www.escucha.de/gruende-fuer-museumspodcasts/

                ~~~~~

                Transkript:

                Ralph

                Hey, ich bin Ralph

                Lukas

                und ich bin Lukas und in diesem Podcast nehmen wir euch zu Museen aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit. Aber es geht nicht um die großen berühmten Museen, sondern um kleine Alternative, skurrile und manchmal auch ganz schön lustige Museen.

                Ralph

                Wir wollen wissen, was Menschen dazu bringt, Dinge zu sammeln und Ihnen ein Museum zu widmen. In jeder Folge stellt einer von uns dem anderen und euch natürlich ein Museum vor, das er besucht hat und jetzt geht es los.

                Intro

                Bitte nicht anfassen, Museum mal anders. Ein Podcast von Escucha.

                Lukas

                Tja Ralph, heute nehme ich dich mit zu Geheimsprachen, ich nehm dich mit zu Ingenieursmeisterleistungen, ich erzähl dir was von europäischer Geschichte und ich erklär dir was Whisky Produktion mit Mausefallen zu tun hat.

                Ralph

                Ja, sehr spannend bin ich für alles offen.

                Lukas

                Kannst du dir vielleicht vorstellen, was das Objekt ist, über das das Museum gibt?

                Ralph

                Irgendwas Lokalgeschichtliches? Keine Ahnung.

                Lukas

                Nein, tatsächlich geht es um Letzteres. Es geht um die Mausefallen, denn ich war im Mausefallenmuseum in Neroth. Neroth wird dir sicherlich nichts sagen, vermute ich mal, das ist ein kleines Dorf in der Eifel, also ganz im Westen Deutschlands. Als ich da war, Mitte Dezember, war das Dorf wie ausgestorben, da war wirklich nichts los.

                Lukas

                Ich war aber schon ein bisschen angefixt von diesem Museum, weil als ich an dem Ortsschild von Neroth vorbeigefahren bin, stand schon auf dem Ortsschild “Mausefallenmuseum”; bin schon von vornherein davon ausgegangen, dass diese Mausefallen und das Museum über die Mausefallen für die Nerother ganz schön wichtig sind. Ich hab mich da mit Helga Wallenborn getroffen. Sie kümmert sich seit 7 Jahren um das Museum und sie hat mir sozusagen eine kleine exklusive Führung gegeben durch die mehr als 500 verschiedenen Mausefallen, Ratten fallen und Maulwurfsfallen, die in diesem Mausefallenmuseum ausgestellt sind.

                Ralph

                Warum ist das denn genau in Neroth? Also gibt es da irgendwie eine besondere Geschichte? Was haben die denn mit Mausefallen zu tun?

                Lukas

                Dazu gibt es nicht nur eine besondere Geschichte, es gibt im Prinzip ganz viele verschiedene Geschichten, die alle irgendwie ineinander verwoben sind, und deswegen habe ich dir diesen Teaser am Anfang gesagt. Also prinzipiell kannst du sagen, dass Neroth im Mittelalter mal relativ reich war.

                Lukas

                Aber gerade in der Neuzeit, also so ab dem 17.18. Jahrhundert, konnten die Menschen dort von der Landwirtschaft nicht mehr leben. Du musst dir vorstellen, dass die allermeisten Menschen in dieser Zeit Bauern waren und dass man dafür natürlich auch gute, fruchtbare Böden braucht und gerade in der Nerother Gegend ist das eben nicht so der Fall und das heißt, dass die Menschen, die damals sehr arm waren, natürlich auch irgendwann mal sagen, Sie wollten irgendwohin anders emigrieren. Viele sind in die USA gegangen.

                Lukas

                Andere in die Slowakei und da gab es vor allem einen, ein gewisser Klaes, der lernte dort Drahtbinden also, das heißt aus Draht verschiedene Sachen zu binden und verschiedene Objekte zu machen und mit den Skills kam er zurück nach Neroth und hat dann angefangen, einfach Sachen zu reparieren, indem er Draht benutzt hat, um kaputte Dinge zusammen zu binden. Daraus haben die das so weiterentwickelt, dass sie angefangen haben, aus Draht Mausefallen zu konstruieren, denn Mäuse und Ratten waren zu dieser Zeit eigentlich überall ne riesengroße Plage.

                Lukas

                Und je effektiver die Mausefallen waren, desto häufiger wurden sie gekauft und so haben die Nerother angefangen, ihre Mausefallen in der ganzen Gegend zu verkaufen. Und die waren dabei richtig erfinderisch und zwar so erfinderisch, dass es sogar Mausefallen Typen gibt, die nach den Nerothern benannt sind.

                Ralph

                Da wollte ich tatsächlich gerade fragen, ich dachte dann hast du irgendwie umgedreht die Mausefalle und dann war “Made in Neroth” draufgestanden.

                Lukas

                So in der Richtung ja genau da hören wir mal rein, was Helga Wallenborn dazu zu sagen hat.

                Helga Wallenborn

                Jetzt heißt sie Nerother Rundfalle. Es ist eine Reusenfalle, die 2 Eingänge hat, die innen angespitzt sind, so dass die Mäuse nicht mehr rauskönnen und ein Türchen, damit man die Mäuse wieder herausnehmen kann, ob lebend oder tot, neuerdings lebend in Nachbars Garten bringen und früher haben die Mäuse, also Speck und Käse gemocht. Heute gibt es Nutella, Schokolade und Erdnussbutter.

                Lukas

                Falls du dir diese Nerother Mausefalle, also diese Nerother Rundfalle, wir kommen nämlich später dazu, dass es noch mehrere andere gab, die kannst du dir irgendwie vorstellen wie ein Iglu. Du weißt ja wie ein Iglu aussieht, wie so ne Küchenschüssel, die umgedreht ist und die ist komplett aus Drahtgebunden. Und diese Eingänge für die Mäuse sind wie so Reusen. Das heißt, sie kommen von außen in die Falle rein, aber dann gehen diese Drähte zusammen und sie kommen nicht mehr raus. ich habe noch nie so eine Mausefalle gesehen. Es sieht aber auf jeden Fall super Fancy und super effektiv aus, und zwar so effektiv, dass diese Drahtbinderarbeiten so erfolgreich waren, dass sie eigentlich in die ganze Welt exportiert worden sind.

                Ralph

                Wie groß ist denn dann so eine Rundfalle? Weil wenn ich an ein Iglu denke; Da haben mehrere Leute Platz und haben jetzt in so einer Falle dann auch mehrere Mäuse Platz?

                Lukas

                Absolut also die gibt es in verschiedenen Größen, aber ich würde mal sagen da passen locker so 5 – 10 Mäuse rein. Also das ist gar kein Problem, die sind da drinnen und das ist natürlich eine Falle aus Nerother Produktion, die dafür sorgt, dass die Mäuse überleben.

                Lukas

                Eine andere Falle, die aus Neroth kommt, die witzigerweise irische Falle genannt wird, obwohl sie in Irland Deutsche oder Nerother Falle genannt wird. Die geht nämlich nicht so zimperlich mit den Mäusen um, da ist es nämlich leider anders. Diese Falle killt die Mäuse.

                Ralph

                Ist es dann so ne Art Bügelfalle?

                Lukas

                Ja, so in der Richtung. Wir hören mal kurz an, wie sich das anhört, denn das hat mir Helga gezeigt.

                Helga Wallenborn

                So ich löse jetzt aus. An dieser Federung ist vorne ein Galgen. Dieser Galgen wird mit einem Faden nach unten gespannt und die Maus muss erst, wenn sie an den Köder will, der hinter dem Faden ist, den Faden durchbeißen. Ja, und das war's dann, sie bricht das Genick. Und dadurch, dass überall ein Köder drin ist, gehen mehrere Mäuse rein. Diese Fallen hier gab es mit 3, 6, 9 und 12 Löchern.

                Ralph

                Ei ei ei. Das klingt irgendwie sehr brutal, aber na gut, wenn natürlich gleich das Genick gebrochen ist, dann unterscheidet sich das jetzt auch nicht von so einer herkömmlichen Falle.

                Lukas

                Ja, absolut also, vor allem musst du dir diese Nerother Holzfalle so vorstellen, dass es die in verschiedenen Größeneinheiten gibt. Die gibt es entweder als dreier, Sechser oder Zwölfer Einheit. Das Design stammt tatsächlich aus dem 19. Jahrhundert. Das, was natürlich ein bisschen, ja skurril für uns anmutet, ist, dass diese Mäuse sozusagen in diese Falle gelockt werden und wenn dieser Auslöser getätigt wird und dieser Galgen dann hochzieht, dann bleiben diese Mäuse erstmal in diesen Fallen hängen. Also man hat damals tatsächlich gewartet, bis so viele Mäuse wie möglich in dieser Falle drin sind und hat dann alle Mäuse genommen an der Falle, hat die hingetragen, wo man sie entsorgen wollte, hat ein Mechanismus geöffnet und dann sind diese Mäuse aus dieser Falle alle rausgefallen. Also du siehst, es ist ein wahnsinnig, ja wie soll man sagen ökonomisiertes Mäusefangen. Die Nerother haben das damals echt auf die Spitze getrieben, weil diese Nerother Falle, also die Falle die Mäuse nicht fängt, sondern die Mäuse tötet.

                Lukas

                Die ist für die Verhältnisse extrem klein, also diese klassischen Mausefallen, die wir kennen, sind ja vergleichsweise groß, sind ja deutlich grösser als die Mäuse selbst und bei dieser Nerother Falle ist es umgekehrt. Die haben wirklich den Platz, ich würde mal sagen, optimal ausgenutzt. Die Mausefallenproduktion in Neroth ging bis in die 1960 er Jahre.

                Lukas

                Danach wurde das alles ausgelagert nach Asien und die Mausefallenproduktion da kam zum Erliegen. Erst 1985 hat sich dann der Heimatverein gegründet und die wollten aus dieser Mausefallentradition; wollten halt auf die aufmerksam machen und haben dann das Museum gegründet. Und tatsächlich seit ein paar Jahren, also seit ungefähr 10 Jahren, bauen die Nerother wieder Mausefallen. Vor allem diese Nerother Rundfalle, aber sie benutzen ihre Draht-Skills auch, um daraus zum Beispiel Topfuntersetzer aus Draht zu bauen. Also das kann man dann noch alles kaufen, es schaut auch richtig schön aus.

                Lukas

                Die Mausefallenproduktion ist immer weiterentwickelt worden und vor allem ist sie nicht nur in Neroth weiterentwickelt worden, sondern auch auf der ganzen Welt und das sieht man daran, dass im Nerother Mausefallenmuseum Mausefallen aus der ganzen Welt ausgestellt sind. Wir haben da zum Beispiel, um einfach nur ein paar Länder zu nennen, Mausefallen aus Jemen, aus Pakistan, Irak, Australien, Ungarn, Slowakei, Polen, Kenia und Kambodscha.

                Ralph

                War da irgendeine Mausefalle dabei, die du besonders herausragend fandest?

                Lukas

                Also prinzipiell finde ich alle Mausefallen faszinierend, weil du kannst dir nicht vorstellen, was es für verschiedene Mechanismen gibt, Mausefallen zu konstruieren und vor allem auch entweder die Mäuse zu fangen oder halt umzubringen. Was ich total spannend fand, war die Mausefalle aus Kenia. Die kannst du dir vorstellen wie einen Bogen, also ein Bogen von Pfeil und Bogen, das heißt ein Stab, der mit 2 Schnüren an den Enden verbunden ist und der dadurch in Spannung gebracht wird. Am einen Ende dieses Bogens ist ein kleines Körbchen dran, da ist ein Köder drin. Und wenn die Maus dahin geht, löst dieser Köder aus. Dann wird der Mechanismus ausgelöst. Ich dachte, als das gesehen hab, dass die Maus nur gefangen wird, doch dann hat mir Helga Wallenborn gesagt, dass das nicht so ist.

                Helga Wallenborn

                Die wird darin kräftig umgebracht. Und zwar bei der Falle aus Kenia – die Kambodscha arbeitet genauso – wird das Hölzchen, dass Sie da jetzt in diesem Bogen, der mit Seil gespannt ist, sehen, vorne in das Körbchen hineingesteckt und das Seil das übrig ist, ist im Körbchen dann drin und wird zur Schlinge. Die Maus muss, wenn sie an den Köder will, der vorne an dem Hölzchen dran ist, erst mit dem Kopf durch die Schlinge und das wars und weil der Bogen hier gespannt war, kriegt sie noch einen Freiflug.

                Ralph

                Ich bin ein bisschen verwirrt. Also wie genau funktioniert das jetzt? Die geht durch die Schlinge, dann zieht sich die Schlinge um die Maus herum und dadurch, dass dieses Seil gespannt ist, wird die halt weggeschleudert und bricht dadurch das Genick, oder wie?

                Lukas

                Diese Falle ist so, dass wenn die Maus diesen Mechanismus auslöst – das hatte Helga gerade erklärt – dann wird diese Schlinge zugezogen, das heißt, diese Schlinge zieht sich durch die Bogenspannung in Richtung Mausehals und bricht der Maus das Genick.

                Ralph

                Aber stellt man die Falle im Haus auf oder außen?

                Lukas

                Die kannst du draußen und drinnen aufstellen. Das ist gar kein Problem

                Ralph

                Wieviel Meter fliegt die denn?

                Lukas

                Ich weiß es nicht. Wir haben sie nicht ausgelöst. Das ist auf jeden Fall total faszinierend wie viele verschiedene Mechanismen es gibt, das auf die Spitze zu treiben. Eine Mausefalle, auf die ist Helga Wallenborn ganz besonders stolz. Das ist nämlich die Mausefalle die automatische Wasserfalle nach dem Deutschen Reichspatent aus dem Jahr 1910 und die kann fast wie am Fließband Mäuse fangen und umbringen. Und auch die haben wir uns angeguckt. Da hat sie mir dazu was erklärt.

                Helga Wallenborn

                Das Teil hat vorne einen Vorbau. An der Seite dieses Vorbaus kann man Köder hintun, der kann aber nicht gefressen werden, weil es ein Gitter ist. In der Mitte dieses Vorbaus ist ein Eingang und in diesem Eingang ist eine Wippe. Und wenn die Maus in den Eingang reintritt, geht die Tür zu. So. Und dann muss sie hier an diesem Radteil, das hier an der Seite hochgeht, hochklettern, der Widerhaken geht rüber, sie kommt hier oben an und hat oben ein Loch, durch das sie durchkrabbelt und hier hinten auf das zweite Blech gelangt, das auf dem Aufbau des Wasserbehälters ist. Sie tritt auf das Blech und saust ins Wasser und macht die Tür auf für die nächste Maus.

                Ralph

                Boah, ist das kompliziert ohne ****** weil das ist, wenn man das nicht sieht und nur hört, wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist der Vorbau nicht mit Wasser gefüllt. Es gibt danach aber noch einen zweiten Bau. Genau da wird die Maus dann hin gelotst und dort ist Wasser drin und dann, sobald die Maus in diesem Wasserbecken ist, wird der Eingang von dem Vorbau für die nächste Maus geöffnet und die Maus in dem Wasserbecken ist gefangen.

                Lukas

                So in der Richtung, genau, also du kannst es dir vorstellen. Im Prinzip sieht diese Falle aus wie ein großes L. Der untere Teil des Ls ist sozusagen dieser Vorraum, wo der Köder hinter diesem Gitter ist. Das ist halt das, was Helga gerade auch erzählt hat und da muss die Maus rein und ab dem Zeitpunkt, wo die drin ist, kracht hinter ihr eine Tür zu. Die Maus hat nur eine Richtung, in der sie gehen kann, und das ist eine kleine Leiter, die quasi bei dem hohen Teil des Ls also entlang geht, und diese Leiter muss sie hoch, das ist die einzige Möglichkeit.

                Lukas

                Diese hat, wenn sie da hoch geht und am Dach, also ganz oben am L angekommen ist, dann öffnet sich von dem Gewicht der Maus öffnet sich das Blech und die Maus fällt in das Wasser und diese mechanische Energie wird über einen anderen Mechanismus verwendet, um vorne die Tür wieder aufzumachen. Das heißt im Prinzip ist diese Mausefalle so lang aktiv und ersäuft so lange Mäuse bis der Wassertank voll mit toten Mäusen ist. Damit dieser erneute Mechanismus nicht mehr auslösen kann.

                Ralph

                Die Mäuse, die ertrinken dann?

                Lukas

                Die Mäuse ertrinken dann, genau. Die fallen von oben in dieses Wasser rein, aber kommen von unten nicht mehr hoch und die ertrinken dann genau.

                Ralph

                Ich würde sagen, eine Meisterleistung der Ingenieurskunst, aber ich verstehe nicht ganz warum das teilweise so aufwendige Erfindungen sind.

                Lukas

                Na überleg mal, so aufwendig ist es ja gar nicht, denn diese deutsche Wasserfalle von 1910 die kannst du ja überall hinstellen, du brauchst nur einen einzigen Köder. Der Köder wird nicht mehr aufgefressen, weil der gar nicht berührt wird und du lässt sie einfach stehen und kannst damit im Prinzip so viele Mäuse fangen, bis dieser Wasser voll ist, wenn du eine normale Mausefalle hast, die löst einmal aus und dann ist die tote Maus da drinnen oder die gefangene Maus da drinnen bis du die Falle holst. Und da kannst du einfach sehr viele Mäuse fangen, ohne irgendwas dafür zu machen. Also das ist schon gar nicht so blöd und, und das wusste ich auch nicht, diese Mausefallen vor allem diese deutsche Mausefalle, die ist richtig, richtig, richtig begehrt, auch unter Sammlern und davon gibt es einige. Unter anderem auch Menschen, die natürlich Mausefallen an das Mausefallemuseum in Neroth spenden. Die kommen aus der ganzen Welt.

                Lukas

                Und es gibt aber tatsächlich den Fall eines Zahnarztes, der unbedingt die deutsche Mausefalle kaufen wollte. Und da hören wir jetzt auch mal kurz rein.

                Helga Wallenborn

                Der unbedingt diese Falle mit dem Deutschen Reichspatent haben wollte und lange gebettelt hat und Fallen geschickt hat, Blumen geschickt hat, selbst vorbeikam. Die Falle ist immer noch da, und die geht auch nicht weg.

                Ralph

                Sehr sehr skurril, dass er sogar Blumen schickt und alle möglichen, ja, Versuche wagt, da diese Falle zu bekommen. Also ich habe noch nie gehört, dass jemand Mausefallen sammelt. Da kann es ja nicht so viele Leute geben, oder doch?

                Lukas

                Da gibt es tatsächlich ein paar und das Spannende ist auch, dass diese Mausefallen teilweise richtig, richtig teuer sind. Eine funktionierende Mausefalle mit diesem Deutschen Reichspatent kostet auf Flohmärkten bis zu 1.000 €, wenn du die jetzt kaufst. Also das ist so, dass sie auch mittlerweile einen gewissen monetären Wert haben tatsächlich.

                Ralph

                Ich hab noch eine Frage zu Helga, die Helga, die gehört, zu dem Heimatverein, oder was ist da ihre Verbindung zu den Mausefallen?

                Lukas

                Genau, die Helga ist eine gebürtige Nerotherin und hat da lange als Schulrektorin gearbeitet und seitdem sie in Pension ist, hat sie quasi nach einem neuen Projekt gesucht und dann hat sie die Leitung des Mausefallenmuseums übernommen. Interessanterweise hat sie sich dann auch dieses Drahtbinden beigebracht. Und sie kann mittlerweile sogar wieder ein paar Brocken einer alten Geheimsprache, die die Mausefallenhändler untereinander benutzt haben und zwar das Jenisch und wie sich das anhört dazu hat sie mir 2 Sätze eingesprochen.

                Helga Wallenborn

                Jenisch-Beispiel

                Lukas

                Was heißt das auf Deutsch?

                Helga Wallenborn

                Der Junge und das Mädchen verstehen gar nichts.

                Lukas

                Können Sie das drunter bitte aussprechen?

                Helga Wallenborn

                Jenisch-Beispiel 2. Übersetzung: Jetzt haben Sie gut gegessen, nichts bezahlt und jetzt sind weg.

                Ralph

                Nie gehört. Also ich habe nie gehört von dieser Sprache. Kannst du mir darüber ein bisschen was erzählen?

                Lukas

                Ja, natürlich also das Jenisch ist eine Mischung aus dem Jiddischen und Rotwelsch. Jiddisch kennt man ja und Rotwelsch…

                Ralph

                Ist die Gauner Sprache oder so?

                Lukas

                Genau genau. Das ist eine Sprache, die haben verschiedene Händler benutzt, im 19. Jahrhundert, aber eben auch und besonders die Mausefallenhändler und das ist tatsächlich als Geheimsprache konzipiert. Das heißt diese Krämer, die dann im ganzen Deutschen Reich und darüber hinaus unterwegs waren, haben diese Sprache genutzt, um miteinander zu kommunizieren, damit die anderen nicht verstehen, was sie untereinander kommunizieren. Die haben sich da Tipps gegeben, in welche Herberge man gehen sollte. Bei welchem Wirt man essen sollte und so weiter und wo man am besten die Finger davon lassen sollte. Und das hat nämlich auch mit der Lebensweise dieser Menschen zu tun. Die Nerother sind tatsächlich im 19. Jahrhundert aus Neroth im ganzen Deutschen Reich zu Fuß unterwegs gewesen und haben die Mausefallen, die sie gebaut haben, an einem Ring um die Schulter dabeigehabt und sind sozusagen von Dorf zu Dorf gezogen und haben die Mausefallen verkauft. Die weiteste Route ging tatsächlich bis nach Königsberg, das heutige Kaliningrad, und damit Russland.

                Ralph

                Und diese Sprache wurde wirklich nur von den Mausefallenkrämern verwendet?

                Lukas

                Nein, sie wurde von vielen fahrenden Händlern verwendet, also Jenisch wurde auch nicht nur in Neroth gesprochen, es gibt auch Nachweise aus dem Saarland, es gibt auch Nachweis aus dem Rheinland. Es gibt auch Nachweise aus Luxemburg.

                Lukas

                Aber man weiß, dass sich diese Mausefallenhändler sehr häufig und sehr aktiv auf Jenisch unterhalten haben. Das ist natürlich was, was total speziell ist, weil überleg dir mal, dass du dir als Berufsstand eine eigene Sprache entwickelst, damit dich andere Menschen nicht verstehen. Das ist  schon wirklich was Besonderes. Und übrigens noch ein zweiter Fun Fact zu diese Geschichte: Die Händler haben nicht nur eine Geheimsprache genutzt, und ich sage jetzt bewusst die Händler, weil die fahrenden Händler waren wirklich Männer. In der Zeit haben nämlich die Frauen zu Hause an Mausefallen weitergebaut und haben alle 14 Tage Mausefallenpakete in verschiedene Dörfer und Städte per Post geschickt, sodass die Händler, wenn sie ihren ersten Ring an Mausefallen verkauft hatten, jeweils Nachschub hatten. Diese lange Mausefallen-Handelstour, zum Beispiel eine bis nach Königsberg, die ging über ein Jahr. Das heißt, sie haben sich ein Jahr nicht gesehen, weil die das ganze Jahr durch das ganze Deutsche Reich damals gelaufen sind.

                Lukas

                Das deutsche Kaiserreich. Ihre Mausefallen verkauft haben und alle 14 Tage ihren Mausefallenvorrat wieder aufgefüllt haben, während sie sich die ganze Zeit auf Jenisch unterhalten.

                Ralph

                Unfassbar also wirklich unfassbar, dass das Geschäft mit den Mausefallen so gebrummt hat, dass man sogar von Neroth bis noch Russland geht und dass man damit auch Geld verdienen kann.

                Lukas

                Also ich meine es war natürlich nicht viel. Es waren arme Menschen, das muss man auch wirklich sagen, und das haben die nur deswegen gemacht, weil sie von der Landwirtschaft halt nicht leben konnte, ne, aber es ist auf jeden Fall so, dass das eine Geschichte hat und das ist eben den Nerothern auch wichtig, dass diese Geschichte nach wie vor erzählt wird. Und im Mausefallenmuseum Neroth ist es so, dass man natürlich neben einem klassischen Museum mit ein paar Vitrinen, wo man auch diese Fallen aus der ganzen Welt sieht, da gibt es auch noch eine Werkstatt und in dieser Werkstatt siehst du nach wie vor, wie die Nerother damals die Mausefallen gemacht haben. Das sieht erstmal aus wie eine ganz normale Werkstatt, verschiedene Werkzeuge, Zangen, Hämmerchen usw. Aber wenn man da vor Ort ist kriegt man so ein bisschen den Eindruck davon, wie die damals produziert worden sind.

                Ralph

                Haben die dann irgendwann auch Fallen für größere Tiere gebaut?

                Lukas

                Nein, das waren immer nur Mause-, Ratten- oder Maulwurffallen.

                Ralph

                Du hattest am Anfang ja gesagt, dass es heute auch um Whisky geht. Wie war das gemeint?

                Lukas

                Das war insofern gemeint, als dass eine der größten Importeure von Nerother Mausefallen tatsächlich Schottland und Irland waren. Das sind noch in den 1960 er Jahren Bestellungen nachweisbar mit mehreren 1000 Bestellungen.

                Lukas

                Der einfache Grund dafür man durfte damals kein Gift und keinen Dünger auf die Felder geben, weil man damals schon gemerkt hat, dass der Whisky dadurch schlecht schmeckt. Gleichzeitig hat es aber Plagegeister wie Mäuse und Ratten natürlich im feuchten Klima von Irland und Schottland gegeben, und deswegen hat man versucht, möglichst effizient und möglichst kostengünstig Mausefallen aufzustellen und die besten und effizientesten kamen aus Neroth.

                Ralph

                Also das ist ja so viel, was du mir heute erzählt hats, von dem ich noch nie gehört hab.

                Lukas

                Ja, das ging mir auch so bei meinem Besuch.

                Ralph

                Ja, wer besucht dann jetzt das Museum in Neroth?

                Lukas

                Im Jahr gibt es 3.000 – 4000 Besucher:innen das kommt natürlich ganz drauf an. In Corona Zeiten war weniger los und das ist ganz unterschiedlich also entweder alte Menschen, die tatsächlich auf einer Kaffeefahrt sind und die dann mit dem Bus vorbeifahren. Es gibt teilweise auch Schulklassen, die dahin gehen, aber auch Leute, die zum Beispiel Eifelwanderungen machen und da über Neroth und dadurch gehen. Und dadurch, dass das Museum in ganz Neroth relativ prominent ausgeschildert ist, kommt man da auch immer mal wieder hin. Wenn du in das Museum mal gehen solltest, und das würde ich jedem empfehlen. Das ist wirklich total interessant, dann wird man sehr schnell beeindruckt davon sein, was es alles für Möglichkeiten gibt, Mäuse zu fangen oder um die Ecke zu bringen. Und da sind der menschlichen Fantasie wenig Grenzen gesetzt.

                Ralph

                Also ich muss sagen, ich bin so zwiegespalten, weil ich finde das total faszinierend, aber wenn ich dann höre wieder diese Mäuse umkommen drin. Dann schmerzt das tatsächlich ein bisschen, aber es gibt ja auch Lebendfallen, hast du gemeint.

                Lukas

                Ja ja vor allem diese Nerother Rundfalle, diese Iglu-Falle, die wir ganz am Anfang vorgestellt haben, da werden die darin gefangen und das hat ja auch Helga gesagt, dass das heutzutage eher der Fall ist, dass sie nicht mehr umgebracht werden. Aber du musst halt überlegen: Ich meine Mäuse waren Krankheitsüberträger. Mäuse haben Ernten vernichtet und damals war es halt häufig eine Entscheidung, lebt die Familie oder lebt die Maus und dann ist die Entscheidung keine schwierige, die dazu fällen.

                Lukas

                Ich glaub so mit Tier rechten und wie man damit neuestens umgeht, das ist halt so eine Geschichte, die wahrscheinlich erst in ein paar Jahrzehnten so wirklich im Bewusstsein von Menschen ist und ich denk mir vorher wird das recht egal gewesen sein.

                Ralph

                Ja, da hast du recht. Ja, na gut gut, Lukas, vielen Lieben Dank für den Einblick in diese skurrile Welt der Mausefallen.

                Lukas

                Jederzeit und gerne.

                Ralph

                Also wenn euch die Folge gefallen hat, wenn euch der Podcast gefällt, dann abonniert uns doch gerne lasst uns eine Bewertung da. Wir freuen uns auch immer über Feedback. Ihr findet auch unsere Kontaktadresse in der Beschreibung des Podcasts und wir freuen uns aufs nächste Mal.

                Lukas

                Absolut. bis dahin tschüss.

                Ralph

                Ciao.

                über BITTE NICHT ANFASSEN!:

                Schätzungsweise 7.000 Museen gibt es in Deutschland. Und klar, die Großen sind bekannt. Aber was ist eigentlich mit den Kleinen und Alternativen? Diejenigen, die sich um Milbenkäse, Mausefallen und Wurzeln drehen? Genau für die gibt es BITTE NICHT ANFASSEN! mit Ralph Würschinger und Lukas Fleischmann. Dieser Podcast ist für Museumsliebhaber und Kulturinteressierte und für alle, die skurrile Geschichten mögen. Pro Monat erscheint eine Folge, für die einer der beiden ein besonderes Museum besucht hat und sich mit dem jeweils anderen darüber austauscht. Dabei kommen auch die Museumsbetreiber zu Wort. BITTE NICHT ANFASSEN! ist eine Produktion von Escucha – Kultur für's Ohr. 
                Weitere Infos auf https://www.escucha.de/

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                Podcast-Credits:

                Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
                Produktion: Escucha GbR
                Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/
                Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)

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                Der Beitrag Das Mausefallenmuseum erschien zuerst auf Escucha.

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                25 min
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                  Sprecher: Lukas Fleischmann, Ralph Würschinger
                  Produktion: Escucha GbR
                  Podcast-Grafik: Tobias Trauth https://www.instagram.com/don_t_obey/
                  Intro/Outro: Patrizia Nath (Sprecherin) https://www.patrizianath.com/, Lukas Fleischmann (Musik)

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                  4 min

                About BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders

                From the publisher's feed

                BITTE NICHT ANFASSEN! - Museum mal anders ist der Podcast, der dich mitnimmt zu den kleinen und skurrilen Museen dieses Landes. Dabei besuchen wir – Lukas Fleischmann und Ralph Würschinger -…