Blattgold. Der Schweizer Buchpodcast

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Blattgold. Der Schweizer Buchpodcast episodes

  • Blattgold #52: Hayat Erdoğan – Hauptsache kein Zeitgeist
    In dieser Folge spreche ich mit der Dramaturgin, Kuratorin und Autorin Hayat Erdoğan über ihren Debütroman «Hauptsache kein Zeitgeist» (Claassen 2026).
    Der Roman spielt an einem einzigen Tag. Am 6. Februar 2023 erschüttert ein Erdbeben den Südosten der Türkei und den Norden Syriens. Zehntausende Menschen sterben, Hunderttausende werden verletzt.
    Die Geschichte beginnt aber nicht mit diesem unheilvollen Ereignis, sondern am Morgen danach, als die ersten Nachrichten aus dem Katastrophengebiet zur Erzählerin nach Zürich schwappen. Die Geschichte erstreckt sich über die nächsten 24 Stunden – jeder Stunde ist ein Kapitel gewidmet –, 24 Stunden, in denen die Katastrophe langsam beginnt, Realität anzunehmen, in dem Nicht-Verstehen erst Ohnmacht und Ohnmacht einer Trauer weicht, die tiefer greift, und dabei auch Verschüttetes anderer Art an die Oberfläche befördert – eigene schmerzhafte Erinnerungsschichten freilegt.
    Als Dramaturgin und ehemalige Co-Leiterin des Theater Neumarkts beherrscht Hayat Erdogan die szenisch-dramatische Zuspitzung, als Literaturwissenschaftlerin und Philosophin kennt sie die Theorien, die Macht-, Identitäts- und Erinnerungsdiskurse, und auch die Narrative um solche Naturkatastrophen, für die in Vergangenheit immer wieder religiöse, politische, mythische Erklärungen gefunden wurden.
    In ihrem Debütroman interessiert Hayat Erdoğan jedoch vor allem eine Frage: Was geschieht mit einem Menschen, wenn das vermeintlich feste Terrain ins Wanken gerät?
    «Hauptsache kein Zeitgeist» ist ein kluges, zartes und zugleich politisches Buch. Ein Buch über Erinnerung und Zugehörigkeit. Über Sprache als Halt – und als Bruchstelle. Und über Trauer, persönliche und kollektive, und die Frage, wie Trauer uns verbinden kann.
    Die folgende Aufnahme entstand Anfang März im Cabaret Voltaire in Zürich.
    Schnitt: Okan Yilmaz
    Foto © Nils Lucas
    Musik: Haftbefehl – 'Odyssee'
    56 min
  • Blattgold #51: Ozan Zakariya Keskinkilic – Hundesohn
    „Werden, was du liebst, das muss das Geheimnis sein. Keine Angst mehr zu haben vor dem, was du begehrst, wenn es verschwindet.“
    In der 51. Folge von Blattgold spricht Okan Yilmaz mit Ozan Zakariya Keskinkılıç über dessen Debütroman "Hundesohn". Gemeinsam sprachen sie im Zürcher Kaufleuten darüber, wie Codeswitching zu einem literarischen Werkzeug werden kann, über die körperliche Dimension von Sprache und darüber, was geschieht, wenn Wörter Erinnerungen, Begehren und Herkunft zugleich in sich tragen. Ihr Gespräch führte sie zu Fragen nach Sehnsucht und Projektion, nach den Geschichten, die über Liebe erzählen, und nach dem rituellen Ton, der den Roman wie eine Litanei beschwört und zugleich unterläuft.
    Redaktion und Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Sezen Aksu – 'Her Şeyi Yak'
    Foto © Max Zerrahn/Suhrkamp Verlag
    49 min
  • Blattgold #50: Daniel Mezger – Bevor ich alt werde
    In dieser Folge von Blattgold spreche ich mit Daniel Mezger über seinen neuen Roman "Bevor ich alt werde" (atlantis, 2025) – ein ebenso zarter wie kluger Text über Musik und Jugend, über eine latent lauernde Krankheit und über die Frage, wie wir leben wollen, angesichts der eigenen Endlichkeit.
    Was beginnt wie ein nostalgischer Indie Coming-of-Age-Roman, wird bald zum vielschichtigen Psychogramm einer Frau, Charlotte, deren Leben von einer Erbkrankheit namens Morbus Jackson untergründig beherrscht wird. Dieser Erbkrankheit ist die Großmutter zum Opfer gefallen, die Mutter zeigt Symptome, bevor sie bei einem Autounfall stirbt, möglicherweise war es ein Suizid.
    Charlotte spricht nur widerwillig über die Krankheit. In ihrem Leben geht es eher um ihre (schwindende) Karriere als Indie-Musikerin, Partys, Tourneen, Liebesgeschichten. Hinter Charlottes Coolness wird jedoch zunehmend ihre Angst sichtbar: vor dem Altwerden, vor der möglicherweise ererbten Krankheit, die ihr die Zukunft verstellt – Beziehungen, Kinder, Lebenspläne.
    Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Literaturkritikmagazin VOLLTEXT, das seit diesem Monat auch dezidiert Schweizer Literatur abdeckt – mit klugen Rezensionen von Literaturwissenschaftler:innen, einem monatlichen Literaturkalender, sowie literarischen Beiträgen und Leseproben von Autor:innen wie Ilma Rakusa, Martin R. Dean und Nora Gomringer.
    Mehr unter www.volltext.net.
    Moderation und Schnitt: Salomé Meier
    Musik: Feist – I feel it all
    Bild: © Ayse Yavas
    48 min
  • Blattgold #49: Çiğdem Akyol – Geliebte Mutter. Canim Annem
    Çiğdem Akyol – Geliebte Mutter. Canim Annem
    Was schulden Kinder eigentlich ihren Eltern? Und wie viel sollten Kinder ihren Eltern verzeihen, die selbst Opfer ihrer Verhältnisse waren? In dieser Folge von Blattgold spricht mein Kollege Okan Yilmaz mit der Journalistin und Autorin Çiğdem Akyol – bekannt durch ihre Erdogan-Biografie – über ihren ersten Roman Geliebte Mutter. Canim Annem. Ein Gespräch über Mutter-Tochter-Bindungen, Migrationserfahrungen zwischen Istanbul und dem Ruhrgebiet, die Traumata der Gastarbeit und die Suche nach Zugehörigkeit inmitten gesellschaftlicher Widersprüche.
    Moderation und Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Selda Bağcan – Yaz Gazeteci Yaz
    Foto: Heiko Fischer
    39 min
  • Blattgold #48: Sagal Maj Čomafai – Fast nichts all inclusive
    In dieser Folge von Blattgold spricht Okan Yilmaz mit Sagal Maj Čomafai über dessen Debütroman Fast nichts all inclusive (Die Brotsuppe, 2025), ein Text, der mit leiser Wucht Fragen von Integration, Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Druck verhandelt. Die beiden sprechen über Konzepte der Liebe und Entfremdung, über gesellschaftskritische Töne und über das Gefühl permanenter Überforderung in einer Welt, in der einem formal alle Möglichkeiten offenstehen, man aber gerade aus einem Moment des Widerstands heraus nicht alles machen will. Sie sprechen über die feinen Symbiosen zwischen Musik und Literatur, über das Schweigen als Haltung und über den lakonischen Humor, der in den Kurztexten des Romans immer wieder als subversives Gegengewicht aufblitzt.
    Diese Folge ist eine Aufnahme des Gesprächs im Rahmen der Zürcher Sofalesung.
    Musik: Mr. Oizo - No Tony (feat. Phra)
    Moderation und Schnitt: Okan Yilmaz
    Foto: Jara Francalancia
    42 min
  • Blattgold #47: Regina Dürig – Frauen und Steine
    „Frauen und Steine“ (Droschl, März 2025) – Schon der Titel von Regina Dürigs neuem Erzählband bringt Bilder ins Rollen: Da denkt man an Stolpersteine, die im Weg liegen, an Trittsteine, die uns weiterbringen und dann den berühmten „Stein des Anstosses“. Aber was genau es mit diesen Steinen auf sich hat, das erschliesst sich erst beim Lesen – und so viel kann ich verraten: Es ist selten das, was man erwartet.
    In Dürigs Erzählungen wird das Motiv des Steins ganz unterschiedlich und auf oft überraschende Weise durchgespielt: Da ist zum Beispiel die Geschichte der vergessenen Archäologin Alice Kober, die versucht den Stein von Rosetta zu entschlüsseln oder die einer Hobby-Bildhauerin, die plötzlich merkt, dass „all ihre Hohlräume sich in den letzten Jahren mit Unsicherheit angefüllt hatten, dass hauptsächlich Geröll in ihr drin war und Schutt.“
    Mal poetisch, mal politisch, mal ganz sinnlich – Dürigs Texte lassen keinen Steinbild auf dem anderen.
    Ich habe mit der Autorin im Aargauer Literaturhaus über ihren Band gesprochen und dabei trotz der zum Teil auch ziemlich schweren Themen sehr viel gelacht. Ein Gespräch über Sprachlust, über feministische Perspektiven und über die Kraft von Bildern. Drei Lesungen sind in dieser Folge zu hören:
    „Fragmente“: 8:41 – 14:18
    „Um den heissen Brei“: 24:55 – 38:45
    „Katalog der Frauen“: 42:57 – 44:39
    Diese Folge ist eine leicht gekürzte Aufnahme von Lesung und Gespräch. Eine Kooperation mit dem Aargauer Literaturhaus.
    Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Lana del Rey - West Coast
    Soundtrack zum Buch: Butterland – "Steine"
    52 min
  • Blattgold #46: Widerstand und Übermut. Schweizer Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre
    Kaum ein anderes Buch hat die feministische Bewegung der 1970er-Jahre so geprägt wie Verena Stefans „Häutungen“ (1975). Allein in den ersten drei Jahren verkaufte sich das Buch hunderttausendfach. Das gerade einmal 120 Seiten schmale, autofiktionale Büchlein beschreibt die Befreiung einer jungen Frau aus patriarchalen Strukturen und Geschlechterrollen hin zu feministischer Selbstbestimmung. Stefans Sprache ist aufgeladen mit Widerstand und Übermut. An einer Stelle heißt es:
    „ich zerstöre vertraute zusammenhänge, ich stelle begriffe, mit denen nichts mehr geklärt werden kann, in frage oder sortiere sie aus.“
    Die Radikalität von Stefans Text ist kein Einzelfall. Auch andere Schriftstellerinnen der 1970er-Jahre kämpften mit ihren Büchern für Sichtbarkeit und Veränderung. Genau darum ging es auch bei der Buchvernissage im Karl der Grosse, wo ich mit Valerie Meyer und Nadia Brügger über ihr Sachbuch „Widerstand und Übermut“, erschienen beim Verlag Hier + Jetzt, sprach.
    Wir sprachen über die Frauenbewegung der 1970er-Jahre, über misogyne Literaturkritik, über die Gründung des ersten Frauenverlags – die Edition R + F –, über Brieffreundschaften und über den unverzichtbaren Wert von Freundschaft und Solidarität zwischen schreibenden Frauen zu einer Zeit, als weibliche Stimmen in der Literatur noch weitgehend überhört wurden.
    Diese Folge ist eine leicht gekürzte Aufnahme von Lesung und Gespräch.
    Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Uzun İnce Bir Yoldayım – Engin
    Foto: Anja Fonseka
    52 min
  • Blattgold #45: Monika Rinck – Zürcher Poetikdozentin 2024
    Die diesjährige Zürcher Poetikdozentin heisst Monika Rinck. Monika Rinck ist vielleicht eine der angesehensten deutschsprachigen Lyrikerinnen unserer Zeit. Im November sprach sie an drei Abenden im Literaturhaus Zürich über das eigene poetische Schaffen. Unter dem Titel «Raumfragen» ging es dabei um poetische, digitale und städtische Räume.
    In dieser Folge von Blattgold unterhält sich mein Kollege Anatol Heller mit Monika Rinck über ihren aktuellen Gedichtband «Höllenfahrt & Entenstaat» (Kookbooks 2024). Die beiden sprechen über ganz unterschiedliche Themen: von alten, ägyptischen Grabinschriften und den verkörperten Stimmen der Hieroglyphen über Höllenfahrten und den alltäglichen Wahnsinn des Autofahrens – bis zu gigantischen Enten, die das Ende der Welt ankündigen.
    Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Angela Winkler – Erinnerung an die Marie A.
    Foto: Ute Rinck
    36 min
  • Blattgold #44: Sophia Fritz – Toxische Weiblichkeit
    In den letzten Jahren war der Begriff «Toxische Männlichkeit» in aller Munde. Toxisch männliches Verhalten zeigt sich in Beziehungen unter Männern, aber auch in der Beziehung zu Frauen, in Form von Mansplaining, Gaslighting oder männlichem Entitlement, also überall dort, wo Männer sich Frauen gegenüber überordnen. Seit ein paar Jahren kursiert nun auch der Begriff "Toxische Weiblichkeit" in den Medien. Doch was ist damit gemeint?
    Sophia Fritz hat dies zum Anlass genommen, genauer über die Formen und Entstehung «toxischer Weiblichkeit» nachzudenken und danach zu fragen, welche destruktive Verhalten – gegenüber anderen, gegenüber sich selbst – sich Frauen angeeignet haben, um in dieser patriarchalischen Welt zu bestehen.
    Diese Folge ist eine Kooperation mit dem Gaskessel Bern, wo am 16. Oktober 2024 das hier zu hörende Gespräch mit Sophia Fritz aufgezeichnet wurde.
    Foto: Eno de Wit
    Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Tokyo Tea Room – Tell Me How
    1 hr 11 min
  • Blattgold #43: Martin R. Dean – Tabak und Schokolade
    Diese Folge von Blattgold kommt aus der Allgemeinen Lesegesellschaft in Basel. Hier, zwischen ledergebundenen Büchern der Kategorie 'Geschichte, Memoiren, Biographien', treffe ich nach der offiziellen Besucherzeit den Schriftsteller Martin R. Dean, um mit ihm über sein neues Buch «Tabak und Schokolade» (atlantis) zu sprechen.
    Der stark autobiographische Roman beginnt wenige Tage nach dem Tod der Mutter. Als es an die Aufteilung des Erbes geht, wird klar, dass der Erzähler nicht zur Erbengemeinschaft gehört. Weil er aus der gescheiterten, ersten Ehe der Mutter stammt, und von der Mutter, die sich später noch einmal verheiratet hatte, kein Testament aufgesetzt wurde, findet sich der Erzähler erneut als „Aussenseiter“, als „Kuckuckskind“ in der eigenen Familie. Während die Immobilien, das Geld und das materielle Hab und Gut an die Geschwister geht, bleibt ihm nicht mehr als ein Foto-Album und die Erinnerungen, die diese Schwarz-Weiss Fotos – Bild um Bild – in ihm freilegen.
    Ähnlich wie in W.G. Sebalds «Austerlitz» führen auch bei Martin R. Dean die im Roman abgedruckten Fotografien in eine aus unterschiedlichen Gründen lange vergessene und verdrängte Vergangenheit: Sie bezeugen die ersten vier Lebensjahre auf Trinidad, als die Mutter als Sekretärin auf einer Kaffeeplantage arbeitete, nachdem sie von ihrem gewalttätigen Ehemann geflüchtet war. Und sie bezeugen die Jahre danach, als die Mutter mit einem dunkelhäutigen Kind in die Schweiz zurückkehrt. Immer deutlicher wird im Laufe des Romans der Grund für das Schweigen in der Familie: «Ich war schuld, dass es meinen Vater gab.», resümiert der Erzähler an einer Stelle.
    Mit «Tabak und Schokolade» steht Martin R. Dean derzeit auf der Shortlist für den Schweizer Buchpreis. Der Preis wird am 17. November am Literaturfestival BuchBasel verliehen.
    Foto: Ayse Yavas
    Schnitt: Okan Yilmaz
    Musik: Natalie Cole – 'Too Young'
    42 min

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Willkommen zu 'Blattgold', dem Schweizer Buchpodcast der Universität Zürich. Einmal monatlich gibt es hier aktuelle Literaturkritik, Interviews mit Autorinnen und Autoren oder thematische Sendungen…

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