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Wir befinden uns in der Konzernzentrale eines Tamponherstellers. Hier ringen fünf Frauen und ein Mann um ihre Existenzen. Im Zentrum: Franka König und Bettina von Fürstenberg. In ihrer Jugend waren sie Freundinnen, inzwischen sind sie Rivalinnen.
Als CEOs der Damenhygieneartikelhersteller Never und Immer kämpfen die Frauen mit allen Mitteln um Innovation und Marktanteile. Für Franka König wird es eng: Sie hat ihre Happinessmanagerin Luna entlassen, nachdem sie sie mit einem Schwert verletzt hat. Davon gibt es eine Videoaufzeichnung, und nun droht eine Anzeige. Darin wittert nun die Fürstberg ihre Chance auf eine feindlichen Übernahme. Um an die Videoaufnahme zu kommen, schickt Luna ihre Schwester Mary als Praktikantin zu Never, die schnell das Vertrauen der Chefin gewinnt und Karriere macht. Währenddessen wittert Frankas Sohn Karsten, der sein Leben lang um die Anerkennung der erfolgreichen Mutter ringt, in der Krise seine Chance: Er will der nächste CEO von Never werden. Und Bettinas Tochter Rebekka, die als Tradwife auf Insta berühmt ist, ist im Dauerkonflikt mit ihrer Mutter …
In diesem rasanten Plot in drei Akten fliegen die (feministischen) Fetzen. Die Autorin Svenja Viola Bungarten – mit allen diskursiven Wassern der Gegenwart gewaschen – hat eine Komödie geschrieben, die Fragen von Frauensolidarität und patriarchalem Verhalten, von Karriere und Macht, Mutterschaft und Tochter-Sein, von Freundinnenschaft und Konkurrenz verhandelt. Für Zeiten, in denen ein erzkonservatives Frauenbild ein besorgniserregendes Revival erlebt.
Tina Laniks künstlerische Handschrift ist geprägt von zeitgenössischer Dramatik, gesellschaftspolitischen Themen und präzisen psychologischen Beziehungsstudien mit besonderem Interesse für weibliche Perspektiven und feministische Narrative. Dazu passend engagiert sie sich seit über zwei Jahrzehnten für die Gleichberechtigung und Sichtbarkeit von Regisseurinnen, gegen den Gender Pay Gap und für bessere Vereinbarkeit von Familie und Theater.
Der Liebling / von Svenja Viola Bungarten / Regie: Tina Lanik / Mit: Jele Brückner, Karin Moog, Abenaa Prempeh, Carla Richardsen, Mara Romei / Danai Chatzipetrou, Jakob Schmidt / Ort: Kammerspiele / Dauer: ca. 1:45, keine Pause / Premiere: 03.10.2026
„Es sind Dinge in dieser Tapete, die niemand weiß oder jemals wissen wird, außer mir.“
Eine Frau zieht sich zurück. In ein altes Haus auf dem Land. In ein Zimmer mit vergitterten Fenstern. Sie braucht dringend Ruhe – sagt ihr Mann und der ist Arzt und muss es also wissen. Schreiben soll sie nicht. Denken bitte nicht zu viel. Stattdessen: Isolation. Beobachtung. Kontrolle. Doch zunehmend sabotieren die Wände ihres Zimmers den verordneten Stillstand. Linien halten nicht still, Formen lösen sich auf. Und hinter der gelben Tapete gerät etwas in Bewegung. Charlotte Perkins Gilmans Erzählung von 1892 gilt als früher feministischer Klassiker. Was als Geschichte einer angeblichen Heilung beginnt, wird zum radikalen Bericht einer Frau, die in der Enge der vorgeschriebenen Ordnung ihre eigene Wirklichkeit entwirft.
Mit der unheimlichen Studie über Imagination als Überlebensstrategie, Fürsorge und Macht stellt sich Leonie Mevissen erstmals als Regisseurin dem Bochumer Publikum vor.
Die gelbe Tapete / nach Charlotte Perkins Gilman / Regie: Leonie Mevissen / Mit: Abenaa Prempeh / Ort: Oval Office / Dauer: 1:05, keine Pause / Premiere: 30.05.2026
Ein Abend über die faszinierende Einigkeit der zweisamen Geschwister.
Von Castor und Pollux über die Olsen-Twins bis zu Patty und Selma: Zwillinge beschäftigen die Menschheit seit jeher. Allein in Shakespeares Stücken findet man gleich drei Zwillingspaare. In der Antike war meist ein Gott im Spiel: So war Herkules’ Zwillingsbruder Iphikles der Sohn eines Sterblichen, während der Halbgott niemand Geringeren als Zeus seinen Vater nannte. In anderen Kulturen galten sie als Zeichen von Unheil und gehörten mitsamt der Mutter beseitigt. Ob nun ein Gott oder ein Dämon mitgewirkt hatte, „normal“ kam das den Menschen nie vor. Und auch heute noch sind sie fasziniert von der besonderen Einheit, die Zwillinge bilden. Endet die individuelle Identität mit der genetischen Kopie? Und was heißt es, seit dem ersten Moment der Existenz zu zweit zu sein?
Nach Der Hamiltonkomplex, Baroque und Werther (Love & Death) kehrt die belgische Regisseurin zurück ans Schauspielhaus Bochum. In ihren Inszenierungen collagiert sie Texte, Bilder und emotionale Soundtracks und bringt nichtprofessionelle Darsteller*innen und Schauspieler*innen zusammen. Diesmal nimmt sie den Kosmos rund um Zwillinge in den Blick.
Same Same / Ein Abend mit Zwillingen / Regie, Text: Lies Pauwels / Mit: Jad Abbas, Adam Abbas, Puk Brouwers, Sophie Daehre, Marleen Daehre, Risto Kübar, Miriam Poersch, Rebecca Poersch, Mara Romei, Antonia Schnitt, Franka Schnitt, Nina Steils / Ort: Kammerspiele / Dauer: 1:50, keine Pause / Premiere: 27.06.2026
Die Jugend probiert den Umsturz aus. Feiern oder fürchten wir sie?
Da lebt ein 17-Jähriger seit Jahren gefangen in einer despotischen Militärakademie und schreibt sich den ersehnten Umsturz von der Seele. Schreibt von Vatermord und Bandenbildung, vom Aufstand der Jungen gegen die Ordnung der Eltern, von extremer Gewalt, in selbstverständlicher Beiläufigkeit auch gegen Frauen, und von radikalem Denken. Im Zentrum: das beliebte Motiv der verfeindeten Brüder, die auf unterschiedliche Weise Rache nehmen. Am Ende: der Geschmack von Freiheit, die über Leichen geht.
Schiller hat sich mit Karl und Franz Moor den doppelten Angriff auf sein Zeitalter imaginiert. Bis heute brennt sein dramatisches Debüt als Schullektüre die revolutionäre Geste in die Köpfe immer neuer Teenager. In Zeiten, in denen die extreme Rechte den Umsturz propagiert und das Patriarchat sich neu formiert, stellt sich die Frage, ob wir den Aufstand in Schillers Räubern feiern oder fürchten.
Lucia Bihlers Inszenierungen sind voller einprägsamer Bildkompositionen und traumwandlerisch starker Setzungen. Mit Die Räuber stellt sich die Regisseurin erstmals dem Bochumer Publikum vor.
Die Räuber / von Friedrich Schiller / Regie: Lucia Bihler / Mit: Jakob/Joscha, Jakob/Benedikt, Sylvia Andura, Eftelia Bali, Henriette Brandt, Claudia Chur-Stiens, Michelle Diener, Samira Dokoohaki, Dominik Dos-Reis, Henrike Dusella, Jasmin Freerksema, Jennifer Hagenguth, Monika Hufnagel, Stacyian Jackson, Nina Karsten, Susanna Keye, Pauline Lahme, Lelia Lanz, Anne Leopold, Oliver Möller, Annika Naßwetter, Carina Olmes, Viktoria Pfeiffer, Johanna Schlüter, Jakob Schmidt, Johanna Treffts, Alexander Wertmann, Maren Winkler, Payam Yazdani, Katharina Örnek / Ort: Schauspielhaus / Dauer: ca. 1:40, keine Pause / Premiere: 20.06.2026
Ein epochaler Roman des 20. Jahrhunderts trifft auf Schostakowitschs 10. Symphonie.
„Ich habe erkannt, dass nicht der Mensch machtlos ist gegenüber dem Bösen, sondern das mächtige Böse ist machtlos gegenüber dem Menschen.“
Gleich einem Kaleidoskop erzählt Leben und Schicksal – das als Krieg und Frieden des 20. Jahrhunderts gilt – ein ganzes Geflecht von Leben inmitten der Grauen des Krieges: an der Front, in den Lagern, in Wohnzimmern und Kellern. Der russisch-jüdische Schriftsteller Wassili Grossman spürt dem nach, was das Lebendige auszeichnet, und sucht nach Menschlichkeit. Von dieser Suche und den Spannungen zwischen Künstler und Staat zeugt auch Dmitri Schostakowitschs 10. Symphonie von 1953, die die Bochumer Symphoniker im Anschluss an die ersten vier Vorstellungen im Anneliese Brost Musikforum Ruhr spielen.
Leben und Schicksal / nach Wassili Grossman / in einer Bearbeitung von Koen Tachelet / Regie: Johan Simons / Mit: Kostiantyn Beizerov, Pierre Bokma, Jele Brückner, Konstantin Bühler, Anton Chaikin, Guy Clemens, Linde Dercon, Thomas Fritzler, Victor IJdens, Risto Kübar, Andrii Paliarush, Carla Richardsen, Mara Romei, Yevhen Vladimirov, Mykyta Volkov, Georgios Zerdalis, Elsie de Brauw / Premiere: 25.04.2026
Eine musikalische Komödie voller doppelter Böden
Eigentlich wollte die Theatergruppe Wunderbaum am Schauspielhaus Bochum das 1987 erschienene Buch The Art of the Deal auf die Bühne bringen, halb Business-Ratgeber, halb Autobiografie eines New Yorker Immobilienmoguls namens Donald Trump. Immerhin ist es, so sagen manche, das zweitbeste Buch der Welt (nach der Bibel). Doch dann gibt es Streitigkeiten um die Aufführungsrechte, der Deal platzt und das Schauspiel-Ensemble sitzt plötzlich ohne Regie da. Mit einem Buch, das so politisch aktuell wie literarisch unterirdisch ist, einer immer schneller werdenden Wirklichkeit vor der Tür, die sich künstlerisch kaum noch einholen lässt, und einem Scherbenhaufen an Ideen. Auf der Suche nach Inspiration besuchen sie ein stadtbekanntes Musical – und plötzlich ist da ein größenwahnsinniger Plan …
Das niederländisch-flämische Kollektiv Wunderbaum, bekannt für das lustvolle Unterlaufen aller Erwartungen (u.a. Die Hundekot-Attacke, eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2024) unterzieht The Art of the Deal einer kritischen Re-Lektüre und entwickelt gemeinsam mit dem Ensemble eine hintersinnige, musikalische Satire über Geschäftemacherei, Engagement und die Lust am großen Auftritt.
**Die Kunst des Deals **/ von Wunderbaum und Ensemble / Regie, Text: Walter Bart / Mit: Moritz Bossmann, Puk Brouwers, Stacyian Jackson, Kristina Koropecki, Lukas von der Lühe, Veronika Nickl, Abenaa Prempeh, Mona Vojacek Koper / Premiere: 18.04.2026
Next Generation verweigert Familientradition. Das Erfolgsstück aus Avignon erstmals in deutscher Sprache.
In dieser portugiesischen Familie gibt es eine ungewöhnliche Tradition: Immer zum Jahrestag der Ermordung der Landarbeiterin Catarina Eufémia am 19. Mai 1954 durch Schergen der Diktatur wird ein Faschist getötet. Stets beginnt der Tag als wohlgelaunte Familienfeier und endet mit der Erschießung eines Delinquenten. Hier wird anscheinend Unrecht gerächt. Doch diesen Sommer rumort es in der Familie. Die jüngste Generation stellt infrage, was seit drei Generationen zelebriert wird. Eine Tochter lehnt als Veganerin neuerdings das Festmahl (Schweinsfüße nach Familienrezept) ab, während die andere das Ritual der Erschießung verweigert und bezweifelt, ob Gewalt überhaupt ein legitimes Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie sein kann.
Der portugiesische Autor, Schauspieler und Regisseur Tiago Rodrigues leitet seit 2023 das Festival d’Avignon und wurde mit seinem Stück Catarina e a beleza de matar fascistas international gefeiert. Die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, deren Bochumer Arbeit Kinder der Sonne 2023 zum Theatertreffen eingeladen wurde, inszeniert das Stück voller moralischer Fallstricke nun zum ersten Mal in deutscher Sprache.
Catarina oder Von der Schönheit, Faschisten zu töten / von Tiago Rodrigues / Deutsch von Niki Graça
Crash. Plötzlich ist alles anders. Von einem Moment auf den anderen. Die Zukunft neu, das Leben fremd. Nachdem die Eltern von Liz, Marty und Jules Moreau bei einem Autounfall tragisch umkommen, verlieren sich die Geschwister aus den Augen. Sie kommen auf ein Internat, in verschiedene Wohnblöcke und entfremden sich. Jules, der Jüngste der drei Geschwister, findet in seiner Einsamkeit Halt bei Alva. Er verliebt sich in sie, doch auch sie verlieren sich nach dem Ende der Schulzeit. Dreißig Jahre später erinnert sich Jules daran, wer er war, wer er wurde und wer er eigentlich mal sein wollte. An die Versuche, den Verlust zu überwinden. An die bleibende Trauer, die Einsamkeit, aber auch die herzzerreißend glücklichen Tage. Sich verlieben, vermissen, sich wiederfinden. An Familie, Freund*innen, die Veränderungen und das Unveränderliche in jedem von uns. Und er erinnert sich an Alva, immer wieder an Alva. An eine verdammt große Liebesgeschichte. An das Ende der Einsamkeit.
Nach Inszenierungen wie Club 27, Wer hat Angst vor Virginia Woolf? und _Der Kissenmann _führt Guy Clemens seine Arbeit als Regisseur am Schauspielhaus Bochum fort. Mit Benedict Wells’ Erfolgsroman Vom Ende der Einsamkeit erzählt er von nicht weniger als dem Leben und was es aus uns macht.
Vom Ende der Einsamkeit / nach Benedict Wells / Regie: Guy Clemens / Mit: Dominik Dos-Reis, Mathias Max Herrmann, Karin Moog, Oliver Möller, Nina Steils, Payam Yazdani / Ort: Schauspielhaus / Premiere: 07.03.2026
In Ihrem Leben gibt es drei wichtige Ereignisse: Geburt, Tod, Gehaltserhöhung. Die ersten beiden sind gewiss, das dritte hingegen ist mehr als fraglich. Doch das Geld ist knapp und so entschließen Sie sich nach reiflicher Überlegung, Ihren Abteilungsleiter aufzusuchen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Leichter gesagt als getan: Ist Ihr Abteilungsleiter in seinem Büro? Kommt er bald zurück? Ruft er Sie herein? Klopfen Sie noch einmal? Bietet er Ihnen einen Stuhl an? Versteht er Ihr Anliegen? Unterstützt er es? Ja oder Nein?
George Perecs wuchernder Text spielt alle möglichen Variationen des Versuchs durch, die Frage aller Fragen zu stellen – und zwar buchstäblich alle. Mit viel Humor und in akribischer Auseinandersetzung mit den Regeln der Sprache seziert der Autor, dessen Texte derzeit für die Bühne wiederentdeckt werden, die Unwegsamkeiten des Arbeits- und Alltagslebens.
Albrecht Schroeder inszeniert nach Bonnie und Clyde sowie Eschenliebe ein weiteres hochnotkomisches Zeugnis der Vergeblichkeit und bringt nun erstmals ein Stück Perecs in Bochum zur Aufführung: Die Gehaltserhöhung oder wie Sie ungeachtet der sanitären, psychologischen, klimatischen, ökonomischen oder sonstigen Bedingungen ein Höchstmaß an Chancen haben, wenn Sie Ihren Abteilungsleiter um eine Angleichung Ihres Gehalts bitten.
_Die Gehaltserhöhung _/ von Georges Perec / aus dem Französischen von Eugen Helmlé / Regie: Albrecht Schroeder / Mit: Puk Brouwers, Danai Chatzipetrou, William Cooper, Linde Dercon, Jost Grix, Jakob Schmidt / Ort: Kammerspiele / Dauer: ca. 1:30, keine Pause / Premiere: 19.02.2026
„Er – denn an seinem Geschlecht konnte kein Zweifel bestehen“ – oder etwa doch? Bereits mit den ersten Worten ihres Romans Orlando wirft Virginia Woolf die Frage der Geschlechteridentität auf. Schon vor rund 100 Jahren trifft sie damit ins Herz einer zutiefst zeitgenössischen Debatte, die heute mehr polarisiert denn je. Doch statt die Frage abschließend zu beantworten, spielt sie mit ihr. Die fiktive Biografie erzählt die Lebensgeschichte Orlandos von Beginn des 16. Jahrhunderts bis in die Gegenwart des Jahres 1928, in dem das Buch erschien, das zu ihrem größten, auch finanziellen Erfolg wurde und zum Kultbuch avancierte.
Orlando wird als Sohn einer traditionsreichen Adelsfamilie geboren, durchlebt über einen Zeitraum von über 400 Jahren verschiedene Zeitalter und Gesellschaften und wechselt dabei das Geschlecht: Nach einem einwöchigen Schlaf erwacht er – oder sie – als Frau. Orlando ist eine Figur der Grenzüberschreitung und Öffnung und steht für eine Revolution der Geschlechter, in der es nur eine Konstante gibt: den Wunsch, sich zu verwandeln.
Mit Schauspiel-Studierenden der Folkwang Universität der Künste.
Orlando / nach Virginia Woolf / in einer Übersetzung von Melanie Walz / Regie: Martin Laberenz / Mit: Leona Bert, Leo Domogalski, Olga Matus, Nils Miekisch, Mika, Carlos Motolese-Trausan, Carla Njine, Emil Schüler, Pauline Stine Steger, Felina Zenner / Ort: Kammerspiele / Dauer: 2:10, keine Pause / Premiere: 20.12.2025
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