„Wir haben gelernt, uns in einer neuen Welt einzufädeln – und das hat Kraft gekostet.“
Ein Satz, der viel von dem beschreibt, worüber Sabine Rennefanz seit Jahren schreibt: über Brüche, Herkunft, Anpassung und die langen Schatten der Nachwendezeit.
Sabine ist Journalistin, Essayistin und Bestsellerautorin. Mit Büchern wie Eisenkinder und Kosakenberg hat sie Texte geschrieben, in denen sich viele Ostdeutsche wiederfinden – nicht, weil sie einfache Antworten liefern, sondern weil sie Erfahrungen ernst nehmen, die lange überhört oder missverstanden wurden.
Geboren in Beeskow, aufgewachsen in Brandenburg, wurde sie zu einer der wichtigsten literarischen und publizistischen Stimmen, wenn es um ostdeutsche Biografien, Verlusterfahrungen und die seelischen Nachwirkungen der Transformation geht.
In dieser Folge von Calling East sprechen wir über:
die Wende als tiefen biografischen Einschnitt, die Unsicherheit der 90er Jahredas Weggehen und Zurückschauenden Versuch, in einer neuen Ordnung einen Platz zu findenOst-West-Erfahrungen, das Schreiben als Form von Selbstverständigung die Frage, warum viele Verletzungen von damals bis heute nachwirken.Eine kluge, dichte und sehr persönliche Folge über Erinnerung, Identität und die Frage, wie viel Vergangenheit in unserer Gegenwart steckt.
Die Highlights der Folge im Fokus
Warum Sabine Rennefanz die Zeit nach 1989 nicht nur als Aufbruch, sondern auch als Phase massiver Unsicherheit, Orientierungslosigkeit und Erschöpfung erinnert.
Die übersehene Erfahrung der Nachwendejugend:
Was es mit einer Generation macht, in einem sensiblen Alter mitzuerleben, wie Institutionen verschwinden, Eltern den Halt verlieren und Zukunft plötzlich ungewiss wird.
Zwischen Euphorie und Entwurzelung:
Warum Freiheit und Verlust in ostdeutschen Biografien oft untrennbar nebeneinanderstehen.
Anpassung als Überlebensstrategie:
Wie Sabine im Westen versuchte, nicht aufzufallen, ihre Herkunft klein hielt und sich eine neue Sprache, neue Codes und neue Selbstverständlichkeiten aneignete.
Der Osten als innere Landschaft:
Warum Herkunft nicht einfach verschwindet, auch wenn man erfolgreich wird, weggeht oder sich ein neues Leben aufbaut.
Warum Eisenkinder ein Schlüsseltext wurde:
Wie das Auffliegen des NSU der Auslöser war, um über die 90er Jahre, über Leere, Radikalisierung und die Verletzlichkeit einer Generation zu schreiben.
Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit:
Warum junge Menschen in Umbruchzeiten besonders empfänglich für extreme Ideologien, klare Wahrheiten und starke Gruppen werden können.
Ostdeutschland jenseits von Klischees:
Warum Sabine sich gegen einfache Zuschreibungen wehrt – und ostdeutsche Erfahrung für sie nur ein Teil von vielen ist, nicht die ganze Identität.
Literatur als Erkenntnisraum:
Wie Schreiben helfen kann, biografische Brüche, familiäre Verletzungen und gesellschaftliche Verschiebungen besser zu verstehen.
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