Playdurizm (2020) — queerer Horrorfilm aus Tschechien, mit Gästin Amina Balajo
Amina Balajo hat ihre Masterarbeit über queeres Kino geschrieben, zwei Jahre beim Hamburg International Queer Film Festival gearbeitet und ist passionierte Horrorfilmfan mit Schwerpunkt queer Horror. Kurz: genau die Person, die man für diese Folge braucht.
Sie hat Playdurizm mitgebracht — Debütfilm des tschechischen Regisseurs Gem Deger aus dem Jahr 2020, der ihn seit seinem 16. Lebensjahr im Kopf trug und schließlich mit 21 in Produktion brachte. Der Film spielt in einer Filmproduktion, ist dreamy, neonbeleuchtet und glitzert in einer Ästhetik zwischen Gregg Araki (The Living End, Doom Generation), Sion Sonos Antiporno und der Euphoria-Palette — bis er es plötzlich nicht mehr tut. Der dritte Akt wechselt die Ästhetik radikal, und genau da sitzt der emotionale Impact. Trigger Warning für eine lange, intensive Szene gegen Ende, auf die der Film allerdings gut vorbereitet.
Lars, Nisan und Amina sprechen darüber, warum der Film mehr Ebenen hat als eine erste Sichtung zeigt, was es bedeutet, dass Deger sich selbst in der Hauptrolle besetzt hat — als kleine, zerbrechliche Figur, der man die ganze Zeit in den Arm nehmen möchte — und was dieser Selbst-Casting-Entscheidung von Joe Swanberg bis Hollywood-Indie grundsätzlich unterscheidet. Außerdem: warum eine Filmästhetik, die ihre eigene Prämisse parodiert, paradoxerweise die ehrlichste sein kann.
Danach gibt Amina ihre persönlichen Empfehlungen für queeren Horror — darunter Fade to Black, in dem ein Außenseiter Schwarzweiß-Pulp-Noir der 1930er lebt, bis er anfängt, Leute umzubringen, und der visuell das genaue Gegenteil von Playdurizm ist: ausgewaschene Realität gegen bunte Schwarzweiß-Phantasie. Dazu eine Debatte über Body Horror, wer ihn macht, wie er gemacht wird — und warum Lars dabei immer schlecht wird, was er nicht zugeben möchte.
Themen der Folge: Playdurizm · Gem Deger · Queerer Horror · Queer Cinema · Hamburg International Queer Film Festival · Gregg Araki · Sion Sono · Body Horror · Fade to Black · Endless Summer Syndrome · Tschechisches Kino · Queer Film Empfehlungen · Pride Month
Gästin: Amina Balajo — Hamburg International Queer Film Festival, Masterarbeit queeres Kino.
Außerdem: Neue Folge Das Haus an der Grenze kommt (leicht verspätet, dafür gut), Miskatonic Game Night mit Beverly Hell 90210 läuft weiter — und die Patreons haben abgestimmt: Juli wird Hellraiser-Monat. Wer im August mitentscheiden will, muss 20€-Patron werden. Amina würde es sofort tun, wenn sie Geld hätte.
Club Miskatonic ist der Podcast für Horrormedien aus den antikyno Studios des Miskatonic Theaters Hamburg. Neue Folge wöchentlich. Patreon: exklusive Hörspielserien (Dunkeldeutschland, Das Haus an der Grenze), Behind-the-Scenes-Reality-Serie The Miskatonics und das Game-Format Beverly Hell 90210.