das ist Lean Hospital

das ist Lean Hospital

By Jörg GottschalkBusinessScienceManagement
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das ist Lean Hospital episodes

  • Jörg Gottschalk - über meine Arbeit und mich
    ich stelle mich vor

    Hallo und herzlich Willkommen zu dieser quasi Extraausgabe von „das ist Lean Hospital“. Extra - weil es in dieser Episode einmal nicht um ein explizit fachliches Thema geht, sondern - um mich. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich mich Ihnen niemals richtig vorgestellt habe. Das möchte ich nachholen.

    Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass die meisten Menschen auf die Frage, was sie denn beruflich machen, mit „ich bin“ antworten? Ich bin - oder besser war - Berater, Geschäftsführer, Krankenhausgeschäftsführer, Verbandsvorstand. Ich bin immer noch Ökonom, systemischer Coach, Autor, Trainer und Organisationslehrer.

    Ich bin und ich war.

    Seit 1995 beschäftige ich mich in unterschiedlichen Funktionen und Rollen mit unserem Gesundheitswesen, mit Krankenkassen, Krankenhäusern und ihren diversen Unter- und Seitenorganisationen, mit Führung, Organisation, mit Geld und vor allem anderen mit Menschen in Organisationen.

    Diese unterschiedlichen Rollen haben mir die Gelegenheit gegeben, manchen radikalen Blickwechsel zu vollziehen, Organisationen und Menschen aus unterschiedlichen Perspektiven zu erleben. Der Wechsel von der Krankenkassen- auf die Krankenhausseite beispielsweise. Oder - nach meinem Ausscheiden aus der Krankenhausgeschäftsführung - zahlreiche Chefarzt-Coachings. Führung selbst leben und trotzdem immer wieder tief abtauchen in die tiefen der Organisation. Zwei Blickwinkel - zwei Welten. Solche Perspektivwechsel sind es, die mir heute dabei helfen, als Führungs- und Prozesscoach neue Wege aufzuzeigen.

    Heute liegt mein Denk- und Arbeitsschwerpunkt auf den Themen Lean Hospital und Agiles Arbeiten in der Krankenhausorganisation. Zwei Seiten einer Medaille, von der ich überzeugt bin, dass sie nicht nur einen großen Teil unserer heutigen Probleme lösen, sondern auch die Krankenhauswelt in den nächsten zehn Jahren maßgeblich mit prägen werden.

    Es geht stets um drei Anforderungen, die wir unter einen Hut bringen wollen:

    • effiziente, kundenorientierte Prozesse

    • Vernünftige wirtschaftliche Ergebnisse
    • Und mitarbeiterfreundliche Arbeitsbedingungen

    Anforderungen, die sich nicht automatisch wechselseitig ausschließen, sondern sich wechselseitig bedingen. Wenn man die üblichen Denk- und Handlungsmuster überwindet.

    Begonnen hat meine persönliche Lean-Reise im Jahr 2010 mit der Einführung von Lean Management in meinem damaligen Berliner Krankenhaus. Ich habe erlebt, wie enorm groß das Potenzial ist, das sich in unseren Prozessen verbirgt. Zeit-, Geld-, Patienten- und Mitarbeiterzufriedenheits-Potenzial. Ich habe erlebt, wie engagiert und kompetent Mitarbeitende ihre eigenen Prozesse verbessern und ihre Probleme lösen, wenn man ihnen eine vernünftige Struktur dazu gibt. Für die meisten Themen braucht es keine Berater, sondern lediglich Möglichkeiten. Ich habe erfahren, dass sich Berufsgruppengrenzen und auch Hierarchiegrenzen förmlich pulverisieren, wenn man das Setting und die Struktur ändert. Und Gelegenheiten schafft.

    Für die nun vermutlich letzte Periode meines Berufslebens habe ich mir vorgenommen, genau diese Gedanken in die Krankenhauswelt zu tragen und daran mitzuwirken, dass wir überkommene Prozesse und Strukturen neu denken, um sie dann neu zu gestalten.

    Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass wir diese Art der unklaren Führung und der chaotischen Organisation noch lange durchhalten. Wir verlieren unsere Mitarbeitenden, unsere Qualität leidet und wir verbrennen Geld. Und all das ohne Not.

    Ich leiste meinen Beitrag zu dieser Entwicklung auf unterschiedliche Weise.

    Zunächst einmal mit meinen Büchern. Zuletzt erschienen sind mein erster Sach-Roman „Krankenhaus Melbeck - Disruption“ und „Das ist Lean Hospital“.

    Mit diesem Podcast erreiche ich regelmäßig mehr als 2000 interessierte Menschen - und hoffe natürlich, dass es kontinuierlich mehr werden.

    Seitdem Corona nicht mehr derart unser Leben bestimmt, halte ich wieder mehr Vorträge - intern wie extern. Ich rege zum Neudenken an und zeige Wege auf. Mich freut es, wenn aus solchen Vorträgen und Diskussionen dann neue Initiativen entstehen. Mein Eindruck heute ist mehr denn je, dass die Zeit ganz offensichtlich reif für neue Ideen ist. Wie hat es vor kurzem ein Krankenhausgeschäftsführer so treffend formuliert: „letzter Ausweg lean“.

    Selbstverständlich begleite und unterstütze ich Organisationen auf ihrer Leanreise. Ich bilde interne Unterstützer aus, führe Teams in die kontinuierliche Verbesserungsarbeit ein und unterstütze die Organisation und ihre Führungskräfte durch gezieltes Coaching und gezielte Trainingsangebote.

    Als Führungs- und Prozesscoach begleite ich Vorstände, Geschäftsführer/Geschäftsführerinnen, Chefärzte/Chefärztinnen und Pflegedirektoren/Pflegedirektorinnen im Sinne eines kritischen Weg- oder Situationsbegleiters. Als systemischer Coach bemühe ich mich um einen Blick von außen auf das gesamte Beziehungssystem. Ich scheue mich auch nicht, meine persönliche Erfahrung und meine Meinungen aktiv in einen solchen Prozess einzubringen, ohne allerdings meinem Gegenüber seine eigene Sicht, Wahrheit und vor allem nicht seine Verantwortung abzunehmen.

    Eine besondere Herausforderung stellt die Begleitung sogenannter „kritischer Teams“ dar. Teams also, die frustriert sind, in ihrer eigenen Konfliktwelt gefangen sind und sich so quasi bewegungslos dem „ungeliebten“ Alltag ausliefern. Meine Erfahrung ist, dass diese Teams nicht in erster Linie „Vereinbarungen“ benötigen, wie es klassischerweise im Teamcoaching passiert. Stattdessen ringen sie um einen Ausweg. Konflikte in der Arbeitswelt resultieren meist aus lange ungelösten Organisationsproblemen, die sich über die Zeit zu Beziehungsproblemen mit teils persönlicher Dimension auswachsen. Die Lösung für solche Störungen liegt praktisch nie in der Bearbeitung der sichtbaren Beziehungsprobleme, sondern in der gemeinsamen Lösung der zugrundeliegenden Organisationsprobleme. Wenn sich Zusammenarbeit verbessert, verbessert sich auch fast immer Beziehung. Es sei denn, es wäre dafür bereits zu spät.

    Das ist, was ich heute tue. Lean oder Agil beschäftigten sich sehr viel mit Handwerk, Mechaniken, Methoden. Ungeachtet dessen sind sie vor allem eines: nämlich Führungsthemen. Fortschritt entsteht durch fortschrittliche Führung. Denn es bewahrheitet sich immer wieder der Satz: Veränderung wird von unten gewollt und von oben behindert. Daran möchte ich etwas verändern und dazu beitragen, dass wir einen neuen Blick auf die Art und Weise werfen, wie wir in Zukunft Krankenhaus organisieren und Prozesse gestalten. Und natürlich - wie wir führen.

    Insofern ist Lean für mich ein Angebot zum Neudenken und Andershandeln, so wie auch meine eigene berufliche Biografie genau davon immer wieder geprägt war und ist: von Neudenken und Andershandeln, das uns auf einen Weg bringt, die Qualität unserer Krankenhäuser zu erhalten und auszubauen und unseren Mitarbeitenden wieder dazu bringt, den Beruf, den sie einst aus guten Gründen gewählt haben, wieder gerne auszuüben.

    Scheuen Sie nicht, mich zu kontaktieren, wenn Sie sich darin wiedererkennen, wenn Sie nach Veränderung suchen, wenn Sie bereit sind, einen neuen Weg einzuschlagen. Ich begleite Sie gern und freue mich auf Ihre Initiative.

    Ihr Jörg Gottschalk

    9 min
  • Episode 12: Nur mehr Personal ist auch nicht die Lösung
    oder warum wir (erst) unsere Prozesse verbessern sollten

    Herzlich Willkommen im Lean Hospital. Mein Name ist Jörg Gottschalk.

    In dieser Episode möchte ich mit Ihnen über Personalmangel sprechen – heute und in der Zukunft. Ein zentrales Thema, das endlich in der öffentlichen Aufmerksamkeit an Fahrt gewinnt. Es wird Zeit. Das wissen wir alle. Nur mit mehr Personal können wir die Leistungsfähigkeit unserer Krankenhäuser und aller anderen Institutionen im Gesundheitswesen aufrechterhalten.

    Ohne mehr Personal sind wir dem Untergang geweiht. So lautet die kollektive Gewissheit.

    Und an dieser kollektiven Gewissheit möchte ich einmal heftigst rütteln. Sie führt uns nämlich in die Irre oder sorgt zumindest dafür, dass wir deutlich zu kurz springen in unserem Bemühungen, Krankenhausversorgung auf höchstem Niveau aufrecht zu erhalten.

    Hier sind meine vier Gründe:

    Erstens:

    Mit dem Verweis auf personelle Knappheit gehen wir einmal mehr einen bequemen Weg. Wir haben einen sprachlosen und gleichsam bequemen Schuldigen für die allermeisten Organisationsprobleme ausgemacht. Also müssen wir keine Zeit mehr damit verschwenden, nach den wahren Ursachen zu forschen.

    Zweitens:

    Der zentrale Grund für Mitarbeiterflucht aus den Krankenhäusern ist das tägliche Arbeitschaos.

    Dabei behaupten praktische Alle, das Chaos wäre die Folge von Zeitknappheit, also Personalknappheit. Diese Annahme ist falsch. Das Chaos gab es schon vor der personellen Knappheit, wir haben es nur besser bewältigen können. Chaos führt zu Verschwendung und zu unnötigen Risiken. Jetzt merken wir diesen unleugnenbaren Sachverhalt.

    Drittens:

    Wenn wir in dieses Chaos neue und mehr Mitarbeitende werfen, werden wir nicht über mehr Zeit verfügen, sondern nur noch mehr Chaos erleben. Das ist nämlich das Wesen von Chaos. Chaos ist ein schwarzes Loch, das Zeit frisst und an ihr wächst. Deshalb wird mehr Personal nicht zu den erhofften Wirkungen führen.

    Viertens:

    Wenn wir jetzt mehr Personal einstellen, ohne dass wir das Chaos beseitigt haben, vergeben wir die allerbeste Gelegenheit für Veränderung. Wenn der Druck wieder entweicht, wird wieder organisatorischer Stillstand herrschen.

    Vier gute Gründe also, um einen anderen Weg einzuschlagen. Mehr Personal wird das Grundproblem nicht lösen: unsere desorganisierten Behandlungsprozesse und Führungsstrukturen. Wir verlieren nur Zeit.

    Jetzt mal eins nach dem anderen.

    Mitarbeitende fliehen

    Stellen Sie sich auch die Frage, warum es derart viele Mitarbeitenden aus unseren Krankenhäusern förmlich heraustreibt? Wahrscheinlich. Da wird viel spekuliert. Von Gehalt, über fehlende Dienstfahrräder, mangelnde Kommunikation oder mangelnde Wertschätzung. Alles möglich. Auf die ein oder andere Weise wird all das ihre Entscheidung beeinflussen. Keine Frage. Der Hauptgrund ist aber ein anderer.

    Mitarbeitende treibt es aus den Krankenhäusern heraus, weil sie einmal weit höhere Erwartungen daran hatten, wie sie im Krankenhaus Menschen helfen können und jetzt erkennen müssen, dass ihre Arbeitssituation das nicht mehr zulässt.

    Sie leiden täglich unter den organisatorischen Bedingungen, unter denen sie heute arbeiten müssen. Sie leiden unter dem täglichen Arbeitschaos, der Unstrukturiertheit ihrer Tätigkeit, dem immer spontan Handeln müssen und dem stetig sprudelnden Quell neuer Alltagsprobleme in den Abläufen. Sie macht es fertig, keine Aufgabe ungestört und vollständig abzuschließen und ihre Arbeit praktisch nie innerhalb ihrer Arbeitszeit erledigt zu bekommen. All das kostet mehr Energie und Anstrengung, als selbst die engagiertesten Menschen bereit sind dauerhaft einzusetzen.

    Weil sich daran absehbar nichts ändern wird, fliehen sie. Wie fast alle gehen sie davon aus, dass das Chaos durch Personalmangel und zunehmende Bürokratie hervorgerufen wird. An beiden Fronten zeichnet sich keine Besserung ab.

    Sie glauben nämlich unbewusst - wie fast alle Politiker und Führungskräfte übrigens auch - an den einfachen Dreisatz: mehr Personal, also bessere Arbeitsbedingungen, also mehr Zufriedenheit.

    Und genau dieser Dreisatz gilt nicht. Zumindest gilt er nicht so absolut.

    So leicht macht es uns Organisation nicht.

    Weil wir so quasi reflexhaft und kollektiv die falschen Ursachen für den Mitarbeiterschwund und den Zeitmangel unterstellen, suchen wir nicht mehr nach den richtigen Ursachen. Mit fatalen Folgen.

    Das Grundübel ist nicht der Mangel an Personal, sondern die Art und Weise, wie wir Behandlungsprozesse gestalten. Diese Arbeitsweise ist prädestiniert dafür, Chaos und Verschwendung zu erzeugen. Wenn man in eine solche, unattraktive, strukturell chaotische Organisation mit unzufriedenen Mitarbeitern mehr Mitarbeiter hineinwirft, wird man unweigerlich noch mehr unzufriedene Menschen in einer immer defizitärer, immer chaotischer werdenden Organisation beschäftigen, die automatisch nach immer mehr Menschen ruft. Das ist leider die organisatorische Wahrheit.

    Ein guter Teil von mehr Zeit bzw. mehr Personal wird deshalb schlicht verpuffen, ohne dass irgendetwas besser würde. Weder die Patientenbehandlung noch die Zufriedenheit unserer Mitarbeitenden. Sie wird lediglich teurer.

    Sobald wir dagegen damit beginnen, an den Grundlogiken der Krankenhausorganisation zu arbeiten, reduziert sich dieses Chaos, und die Verschwendung. Das Arbeiten wird strukturierter, ruhiger und weniger anstrengend. Sicherer.

    Wenn wir in ein solches Setting neue Mitarbeitende integrieren, arbeiten sie unter besseren Bedingungen und bleiben - vielleicht.

    Wenn wir weiterhin auf den Zeitpunkt in ferner Zukunft warten, zu dem wieder mehr qualifiziertes Personal zu Verfügung steht, verlieren wir nur wertvolle Zeit. Stattdessen wäre es sinnvoller, wenn man jetzt damit begönne, radikal an unseren Behandlungsprozessen zu arbeiten.

    Das Chaos

    Vielen ist der Zusammenhang zwischen Chaos und Viel-Arbeit nicht unmittelbar präsent. Deshalb hier ein paar Worte dazu. Über die Folgen von Chaos habe ich an anderer Stelle bereits berichtet.

    Für jeden ist klar, dass Zeitknappheit entsteht, wenn wir Personal reduzieren, aber die Arbeit bleibt. Zeitknappheit tritt jedoch vor allem dann ein, wenn wir unnötigerweise zu viel Arbeit bewerkstelligen müssen, weil wir uns zu viel Arbeit machen. Ein Arbeitsproduzent ist das Chaos. Chaos produziert unendlich viel Arbeit, weil alles adhoc passiert, jeder maximal flexibel reagieren muss, Abstimmungsbedarf exponentiell ansteigt, Störungen zunehmen. Mit anderen Worten: Zeit fließt immer weniger in die primäre Patientenversorgung, sondern in den Teil, den ich Organisationsbeherrschungsaufwand nenne.

    Das Problem besteht darin, dass organisatorisches Chaos die Tendenz hat, mehr zu werden, je mehr Zeit man ihm gibt. Es verhält sich wie ein schwarzes Lock, dass Zeit frisst und an ihr wächst.

    Dieser Sachverhalt lässt sich nicht leugnen: Chaos reduziert sich nicht von alleine, es wächst nur von alleine. Das ist sein Wesensmerkmal. Mit mehr Personen bzw. Mehr Zeit lässt sich Chaos zwar besser bewerkstelligen, was allerdings sehr viel Geld und Energie kostet. Der normale Mensch ist für Chaos nicht geschaffen. Außer vielleicht ein typischer Notarzt.

    Es ist also ein völliger Trugschluss anzunehmen, dass sich Arbeitsbedingungen verbessern und Mitarbeitende zufriedener würden, wenn man die Organisation nur mit mehr Zeit füttert.

    Was tun?

    Jetzt ist der Zeitpunkt schon längst gekommen, um unsere Organisationen in die Lage zu versetzen, radikal an den eigenen Prozessen zu arbeiten. Dafür plädiere ich seit vielen Jahren.

    Die Zukunftsaufgabe besteht darin, unsere riesigen, extrem komplexen und risikosensiblen Organisationen zu befähigen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln und Schritt für Schritt zu verbessern. Wir müssen sie erst einmal veränderungsfähig machen. Das sind sie nämlich heute in keiner Weise. Alle Versuche, Veränderungsfähigkeit über zentrale Instanzen, das Qualitätsmanagement, Arbeitsgruppen und Projektinflationen zu bewerkstelligen, sind nach meinem Dafürhalten weitgehend gescheitert. Weil sie scheitern mussten. Auf der operativen Ebene herrscht weitgehend operativer Stillstand.

    Diesen Stillstand aufzuheben und die Organisationen in Bewegung zu setzen, das ist der erste Schritt. Für mich ist das ein fester Bestandteil eines Lean Hospitals und - konkret - die Einführung von Teamboarding. Teamboarding stellt ein agiles Setting her, in dem dezentrale Teams eigenverantwortlich und in kleinen Schritten ihre eigenen Probleme lösen und Prozesse verbessern. Damit geht es los, weil sich so Kompetenzen aufbauen und - im Tun - Strukturen verändern. Man muss ein Schubkarre anschieben, wenn man wissen möchte, wo sie quietscht.

    Ich würde jetzt damit beginnen, jedes einzelne Krankenhaus organisatorisch in eine klare Richtung zu treiben: zuverlässige und stabile Prozesse – raus aus dem Chaos. Ein eisernes Prinzip.

    Ich würde jeden Organisationsbereich für sich genommen in Bewegung setzen und in die Kompetenz bringen, die eigenen Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Teamboarding also. Ich würde eben dieses unternehmensweite Verbesserungssystem überall und sukzessive installieren und kontinuierlich ausbauen.

    Ich würde allen Unterstützern, also Einkauf, Logistik, Personal und allen anderen, unmissverständlich deutlich machen, für was sie da sind: um dafür zu sorgen, dass Behandlungsprozesse perfekt funktionieren und die Mitarbeitenden in den Behandlungsprozessen ebenso perfekt arbeiten können. Dort wird behandelt und das Geld verdient. Ich würde alle Unterstützer in das Verbesserungssystem integrieren, wie es Teamboarding vorsieht.

    Ich würde außerdem mit allen Führungskräften arbeiten, mit jedem einzelnen, und sie dahin fordern und fördern, sich aktiv und vor Ort an dieser Verbesserung zu beteiligen. Ich würde sie vom Forderer zum Unterstützer bewegen. Auch Führungskräfte werden in das Verbesserungssystem integriert. Auch das sieht Teamboarding vor.

    Und – zu guter Letzt – ich würde mich selbst dazu zwingen, jeden Tag vor Ort dazu beizutragen, dass gemeinsame, berufsgruppen- und hierarchieübergreifende Verbesserung keine Pause macht. Von alleine wird das nämlich nicht passieren.

    So würde ich heute damit beginnen, meine Organisation, für die ich verantwortlich bin, fit für die Zukunft zu machen. Ich würde dafür sorgen, dass Behandlungsprozesse besser werden, dass sich die Arbeitsbedingungen zum Besseren wenden. Ich würde dafür sorgen, dass neue Mitarbeitende bessere Bedingungen vorfinden und sie vom ersten Tag an mitgestalten.

    Anders gesagt: ich würde in Führung gehen und meine Organisation zukunftsfest machen.

    Und zwar jetzt - so gewalttätig es sich anhören mag - weil jetzt die Schmerzen groß sind. Jetzt ist es vergleichsweise leicht, eine Organisation in Bewegung zu setzen. Energie zu erzeugen. dem Unzufriedenen gehört die Zukunft, denn der Unzufriedene will und muss etwas verändern. Wenn wir wieder sämtliche Schmerzen mit Pflastern zugeklebt haben, ist das Zeitfenster wieder auf unbestimmte Zeit geschlossen. Was schade wäre.

    Schlusswort

    Wir brauchen mehr Personal. Keine Frage. Zumindest aus heutiger Sicht.

    Ich würde aber gerne sehen, dass wir dazu auch die notwendigen Voraussetzungen schaffen und wir neues Personal nicht erneut in den Wellen unseres Chaos verbrennen.

    Ich würde gerne sehen, dass dieses neue Personal in eine vernünftigere Arbeitsumgebung integriert wird und wir nicht in ein paar Jahren erneut eine Debatte darüber führen, wie schrecklich Arbeit im Krankenhaus ist. Wir haben selbst einen großen Einfluss darauf.

    Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, ich hoffe, ich konnte Sie dieses Mal davon überzeugen, dass der Zeitpunkt schon längst gekommen ist. Wenn nicht - ich werde es weiter versuchen.

    In Wort und Schrift. Auf allen Kanälen.
    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende, bleiben Sie mir gewogen,
    bis bald
    Ihr Jörg Gottschalk

    14 min
  • Episode 11: Besprechungswahn
    Radikal denken heißt (auch): Besprechungen radikal weglassen

    Hallo und herzlich Willkommen zur 11. Ausgabe meines Podcasts „das ist Lean Hospital“.

    Ich habe einmal grob überschlagen, wie viel Geld Deutschlands Krankenhäuser allmorgendlich für ihre ritualisierten Ärztebesprechungen aufwenden. Unter vermutlich sehr positiven Annahmen komme ich auf ca. 2,1 Milliarden Euro pro Jahr. Tatsächlich wird die Summe erheblich höher liegen, rechnet man die irre vielen Besprechungen jenseits von „Arzt“ mit hinzu. Weil diese Zahl so hoch ist, wird auch dieser Podcast etwas länger als gewohnt.

    Angesichts dieser Dimensionen stellt sich doch die Frage, welche Wirkungen Besprechungen tatsächlich auf die Leistungsfähigkeit einer Krankenhausorganisation ausüben. Welchen Wert schaffen sie? Vor allem für unsere Patientinnen und Patienten.

    Nicht nur die Summen, die Besprechungen verschlingen regen zum Nachdenken an, sondern auch die Tatsache, dass sich die allermeisten Beteiligten über den ritualisierten Besprechungswahn beklagen. Kaum jemand geht zufrieden aus einer solchen Sitzung hinaus.Wenn es aber alle komisch finden, ineffektiv, ja teilweise langweilig und wir trotzdem viele Defizite unserer Organisationen nicht beheben können, was bringt dann das gesamte Besprechungsunwesen.

    Diese Fragen möchte ich in dieser Episode aufgreifen und einmal der selbst aufgestellten Behauptung nachspüren, ob sich der Besprechungsaufwand nicht um mindestens 50 Prozent reduzieren ließe, ohne dass irgendetwas schlechter würde.

    Ich bin mir sicher: die Antwort lautet Jaaa!

    Arzt-, Pflege-, Stations-, Abteilungs-, Verwaltungs-, Hygiene-, Arbeitssicherheits-, Projekt- oder Arbeitsgruppenbesprechungen. Der Vielfalt sind offensichtlich keine Grenzen gesetzt. 5, 10, 20, 30 Menschen sitzen in einem Raum, hören zu, bearbeiten heimlich emsig ihre Laptops oder touchen sich durch ihre Smartphones. Meist redet nur eine Person oder alles zielt auf eben diese eine Person ab.Kaum jemand empfindet derartige Treffen als besonders produktiv. Viele langweilen sich.

    Angeblich dienen diese Treffen der Information, dem Wissens- und Erfahrungsaustausch, manchmal der Lösungsfindung. Am Ende gibt es – meist mit zeitlicher Verzögerung – ein Protokoll, das kaum jemand liest, zumindest nicht bis kurz vor dem nächsten Treffen.

    Ich weiß, ich male ein recht düsteres Bild. Aber ich bin nicht der Einzige.

    Ich glaube, es hat sich etwas eingenistet in unseren Organisationen, das wir für „normal“ und abstrakt „notwendig“ halten. Wir befinden uns in der Besprechungs-Normalitätstrance, in der wir nicht mehr hinterfragen, was wir da eigentlich tun. Welchen Benefit wir erzielen. Wir machen einfach.
    Wir verbrennen Zeit und Energie, über die wir in unseren Organisationen längst nicht mehr verfügen. Eigentlich müssen wir Zeit sparen, Wirkungen erzielen und Ergebnisse abliefern. Stattdessen verbringen wir viel Zeit in Besprechungen, ohne uns über den Sinn, Unsinn und die vermeintliche Wirkung Gedanken zu machen. Wir machen es uns bequem, in dem wir Wahrheiten setzen. Wir müssen kommunizieren. Wir müssen Besprechungen abhalten.

    Die wichtigste und gleichsam schwierigste Aufgabe in der Verbesserungsarbeit besteht jedoch genau darin, Fragezeichen hinter unsere Aktivitäten zu setzen, die wir täglich, immer schon oder auch nur deshalb tun, weil Führungs- und Leitungskräfte mit gewichtigen Mienen behaupten, sie seien unverzichtbar – quasi alternativlos.Ohne Fragezeichen gibt es jedoch keine Verbesserung, weil alles so bleiben soll, wie es vermeintlich richtig und wichtig ist.Sinnvoller wäre es, alles radikal zu hinterfragen und auf den Prüfstand zu nehmen.

    Was bringt die monatliche Abteilungsleitersitzung für die Behandlung unserer Patienten?

    Was bringt unseren Patienten eine morgendliche Arztbesprechung mit 10 und mehr Ärztinnen und Ärzten?
    Oder auch:
    Welche Ergebnisse soll eine Besprechung bringen? Was ist genau ihr Benefit? Wer profitiert von ihr?

    Erst wenn wir Fragen mit offenem Ergebnis stellen, suchen wir nach Antworten. Und befreien uns aus unserer Normalitätstrance und dem Stillstand.

    Neben dieser Normalitätstrance, der Gewohnheit und unseren Glaubenssätzen existiert noch eine zweite Denk-Hürde. Ich bezeichne Sie auch gerne als das Nicht-Weglassen-Können-Syndrom.

    Als Mensch in einer Krankenhausorganisation verhalten wir uns tendenziell risikoscheu. In jeglicher Hinsicht – und das ist vermutlich auch gut und richtig. Allerdings bedeutet das eben auch, dass wir nicht gerne etwas weglassen. Wir machen lieber von allem zu viel als zu wenig.

    Bei vielen Besprechungen beispielsweise kann zwar niemand nachvollziehbar sagen, was sie tatsächlich bewirkt. Allerdings – und jetzt kommt unsere Risikoaversion ins Spiel – wir wissen eben auch nicht, was passiert, wenn man sie einfach weglässt. Was wird fehlen? Worauf verzichtet man? Wir können es nicht sagen, deshalb lassen wir einfach alles beim Alten.
    Dieses Phänomen führt auch dazu, dass in Organisationen mit hartnäckiger Regelmäßigkeit immer neue Arbeit erfunden wird, ohne dass alte wegfällt. Es wird immer mehr, aber nie weniger. Bevor wir also überhaupt über die Ziele, Inhalte und Effizienz von Besprechungen diskutieren können, müssen wir uns erst einmal aus der Normalitätstrance befreien und anschließend auch den Mut aufbringen, etwas wegzulassen.

    Als ich behauptet habe, man könne 50 Prozent aller Besprechungen ohne den geringsten Nachteil für die Organisation schlicht weglassen, werden Sie vielleicht mit Ihrer Stirn gerunzelt haben. Eine kühne Behauptung, oder auch eine völlig unrealistische These, werden Sie gedacht haben.

    Tatsächlich handelt es sich hier um eine methodische Schliche, die Sie in der Verbesserungsarbeit praktisch an jeder Stelle einsetzen können. 50 Prozent sind keine Behauptung, sondern sie stellen eine sogenannte Setzung dar. Ich werfe irgendeine Zahl in den Raum. 20, 30, 50 Prozent. Was gerade halbwegs passt. Der Effekt ist erstaunlich. Von diesem Moment an schwirrt nämlich die Zahl 50 in ihrem Kopf herum, verschwindet nicht mehr und wenn Sie das Thema Besprechungsreduktion oder auch jedes andere angehen, werden Sie ihre Gedanken und Ergebnisse stets gegen diese Zahl spiegeln.
    Sie werden sich immer wieder fragen, wie Sie auf 50 Prozent kommen sollen. 30 Prozent wären schon zu wenig – jedenfalls objektiv weniger als 50 Prozent.

    Hätte ich dagegen die Frage gestellt, wie viel Prozent man wohl einsparen könnte, wären 10 Prozent vielleicht schon eine riesige Zahl. Die Konsequenz, mit der sie sich auf Lösungssuche begeben, wäre extrem eingeschränkt. Sie würden viel leichter gute Gründe für den Beibehalt eines Treffens finden. Das Ergebnis wäre in jedem Fall schlechter.

    Den Aspekt der Setzung wollte ich hier mal einwerfen. Es passte gerade so gut.

    In der Lean-Denke wollen wir mit jedem Arbeitsschritt Wert generieren – Wert für unsere Patienten. Alle Aktivitäten, die direkt einen Nutzen für sie schaffen und die sie auch sehen bzw. erleben, gelten als wertschöpfende Handlungen. Außer der Visite am Bett bzw. im Beisein eines Patienten existieren demnach praktisch keine wertschöpfenden Besprechungen.

    Die Striktheit mag sie irritieren. Ich bleibe aber dabei. Ich möchte Sie dazu animieren, radikal zu denken.
    Eine Visite vor der Zimmertür oder eine patientenbezogene Besprechung wäre demnach keine wertschöpfende Tätigkeit – sie bekäme bereits das erste Fragezeichen.
    Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich sage damit nicht, dass man eine Visite zwingend im Beisein eines Patienten ausführen sollte. Es gibt gute Gründe, sie zumindest vor der Tür vorzubereiten. An diesem Punkt von Verbesserungsarbeit geht es nicht darum, abschließende Entscheidungen zu treffen. Es geht immer darum, Fragezeichen zu setzen, dann Handlungsoptionen zu finden, und anschließend Entscheidungen zu treffen.

    Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich ein Besprechungsskeptiker bin. Keine andere Form der Beschäftigung schluckt mehr Zeit bei gleichzeitig zweifelhafter Wirkung. Eine einstündige Besprechung mit 10 Personen verschlingt selbst unter vorsichtigsten Annahmen mindestens 20 Personenstunden. Diese 10 Personen müssen vor Beginn der Sitzung ihre Arbeit unterbrechen und sich auf den Weg machen. Ein paar Minuten vorher eintreffen. Sie nehmen ihre Arbeit auch nicht eine Minute nach dem Ende ihrer Besprechung wieder auf. Auch da wird es Zeitverzug geben. Eine Sitzung muss vorbereitet werden. Es wird ein Protokoll verfasst und – nimmt man die Funktion eines Protokolls ernst – dann muss es jeder Teilnehmende oder sogar weitere Personen lesen. 20 Stunden sind vermutlich stark untertrieben. Eine solche Besprechung dürfte Zeitkosten in Höhe von 1.200 – 2.000 Euro verursachen. Welcher Wert steht dem gegenüber? Das ist die Frage.

    Am konsequentesten begegnet man der Thematik, wenn man das 0-Spiel spielt. 0-Spiel bedeutet, dass man sich folgende Frage stellt: Würde ich diese Besprechung in dieser Form heute neu initiieren, wenn es sie noch nicht gäbe?

    Die zweite Frage lautet: Welches Problem möchte ich mit dieser Besprechung lösen? Was ist der Ziel-Zustand und wie kann ich erkennen, ob sie – also die Besprechung – das Ziel erreicht.

    Wir folgen also im Grundsatz der klassischen Kata-Logik, wie ich sie auch in meinem Buch „das ist Lean Hospital“ beschrieben habe und allen Verbesserungsteams wärmstens ans Herz lege.

    Wir brauchen also ein Problem, ein Defizit. Etwas, das sich verbessern wird. In diesem Fall vermeintlich durch eine Besprechung.

    Wir überlegen uns, wie eine solche Besprechung exakt gestaltet werden soll und wer daran in welcher Rolle teilnimmt.

    Wir messen die Wirkung der Besprechung bzw. holen Feedback ein.

    Versuchen Sie diesen Analyse-Zyklus einmal auf Ihre Besprechungen zu übertragen. Wenn Sie weder ein Problem definieren können noch die Wirkungen messen bzw. bewerten können, dann sollten Sie sich fragen, ob sie nicht per se auf sie verzichten können.

    Das klingt zugegeben ein wenig wie ein Kochrezept. Doch so lässt sich gut ein Zugang zur Thematik schaffen.

    Die häufigste Funktion und damit Wirkungsabsicht einer Besprechung lautet: Information. Wir müssen uns oder unsere Mitarbeitenden besser informieren. Oft besteht das Problem in einem diffus festgestellten Informationsdefizit. Irgendwie weiß man offensichtlich nie richtig Bescheid.

    Meine Erfahrung nach dreißig Jahren Organisation lautet: das Problem ist nicht zu lösen. Jedenfalls nicht dadurch, dass man monatliche Besprechungen abhält. Entweder besteht ein konkreter, anlassbezogener Informationsbedarf, dann gibt es ein konkretes Informationsproblem. Existiert diese Konkretheit nicht, dann verschwendet man schlichtweg Zeit und schafft lediglich eine Feigenblatt-Pseudorunde, die zwar irgendein Gewissen beruhigt, jedoch wenig Wirkung schafft.

    In unserer Kultur ist festverankert, dass Besprechungen die beste Möglichkeit bieten, um Menschen zu informieren. Vermutlich stammt diese Annahme aus einer Zeit vor hundert Jahren, als kaum andere Medien existierten. Heute verfügen wir jedoch über beispielsweise flexible Printangebote, Audio- oder Videoformate und vieles mehr. Die Vorteile liegen auf der Hand. Sie sind individuell nutzbar, zeitlich flexibel konsumierbar und sie stehen, einmal produziert, einem deutlich größeren Anwenderkreis zur Verfügung. Sie sind skalierbar.

    Was wäre also, wenn ein Geschäftsführer oder eine Geschäftsführerin eine wöchentliche Audio- oder Videobotschaft produziert und unter die Leute bringt? Ich wende mich so direkt an alle und löse damit auch das Dauerproblem, dass Informationen, die nur über einen begrenzten Kreis an Menschen verteilt werden, praktisch nie an alle weitergegeben werden. Auch dieses Problem scheint unlösbar. Das ist nur ein Beispiel für viele.

    Was ich sagen will. Es gibt sehr viele andere, deutlich effektivere Wege, um Informationen unter die Leute zu bringen. Das bedeutet nicht den völligen Verzicht auf persönlichen Kontakt. Das bedeutet nur, dass reine Information eine sehr ineffiziente Nutzung von persönlicher Kontaktzeit bedeutet. Selbst dann, wenn einmal zwei Fragen gestellt werden. Auch das lässt sich anderweitig besser bewerkstelligen.
    Miteinander-Kommunizieren

    Ein häufig genannter Besprechungszweck lautet: wir müssen mehr miteinander kommunizieren. Gut, ich bezweifle generell, dass wir nicht genug miteinander kommunizieren. In keiner anderen Organisation wird viel miteinander telefoniert als in Krankenhäusern. Oder gemailt. Oder geredet. An Kommunikation kann es also nicht mangeln. Wahrscheinlich müsste man hier wohl eher die Frage diskutieren, ob wir über das Richtige sprechen. Oder: müssen wir überhaupt so oft miteinander telefonieren müssen. Aber das ist ein anderes Thema. Wir sprechen dann über latente Prozessprobleme. Stichwort: jeder Anruf repräsentiert ein Organisationsdefizit.

    Generell bietet eine Besprechung selbstverständlich die Möglichkeit zur Miteinander-Kommunikation. Also zum miteinander sprechen. Informationen abgeben. Fragen stellen. Um Lösungen ringen. Also echte Gespräche. Echte bilaterale Kommunikation. Die meisten Sitzungen verlaufen jedoch völlig anders. 80 Prozent der Teilnehmenden schweigen. Eine Person spricht. Sie sendet. Vereinzelt gibt es einmal eine Frage, die der Sender beantwortet. Im Ausnahmefall ploppen kurze Debatten auf. Eine solche Runde bietet keine echte Kommunikation, sondern ähnelt eher einer Radiosendung, in der der Moderator vereinzelte Zuhörerkommentare entgegennimmt. Wenn Sie einmal an einer typischen, monatlichen Verwaltungs-Abteilungsleitersitzung teilgenommen haben, dann wissen Sie, wovon ich spreche.

    Dann werden Sie auch ein anderes Phänomen gut kennen. Jeder Abteilungsleiter gibt reihum ein kurzes Statement ab und informiert die anderen Teilnehmenden über die aus seiner Sicht wichtigen neuen Entwicklungen, Entscheidungen oder aufgetretenen Probleme.

    Sie sprechen in die Runde zu allen, meinen aber vor allem den Geschäftsführer als Sitzungsleiter bzw. -leiterin. Hierarchien ziehen immer. Jeder Teilnehmende weiß, dass in einer solchen Runden selten echte Probleme angesprochen werden, wenn es keine Not tut. Meist geht es letztlich um die persönliche Selbstdarstellung oder die Vermeidung der persönlichen Vernichtung. Die Informationstiefe ist gering.

    Würde man nach der Sitzung jeden Teilnehmenden dazu befragen, was sie aus der Sitzung mitnehmen oder was sie im Gedächtnis behalten haben, würde man erhebliche Erinnerungslücken konstatieren. Eine Stunde später würden aus Lücken eher Löcher. Die ohnehin geringe Wirkung verpufft praktisch vollständig.

    Häufig nehmen Besprechungen eine Pflasterfunktion ein. Ohne dass es den Beteiligten bewusst wäre. Ich heile nicht die Wunde, sondern klebe einfach etwas darüber. Visiten sind ein gutes Beispiel. Ich begebe mich auf dünnes Eis, deshalb nehme ich vorweg: ich finde Visiten sinnvoll und verstehe ihre Kernfunktionen: den medizinischen Diskurs. Und natürlich bedeuten Visiten Wertschöpfung, weil sie in der Regeln in Anwesenheit von Patientinnen bzw. Patienten stattfinden und für die eine wichtige Funktion erfüllen.

    Was ist aber die Funktion der Pflege, wenn sie die Visite begleiten? Eine Pflegekraft verbringt bis zu 15 Prozent ihrer Arbeitszeit in solchen Runden. Ärzte wollen Pflegende beteiligen, weil sie sich wichtige Informationen über ihre Patienten erhoffen. Manchmal verstehen sie deren Beteiligung auch als sogenanntes „Signal“, ein Signal für Wertschätzung. Ein teures Signal, wie ich finde.Pflegende nehmen teil, weil ihnen ansonsten wichtige Informationen über ihre Patienten verloren gehen. So sagen sie. Und genau hier beginnt das Problem. Sie nehmen im wesentlichen teil, weil ihnen ansonsten Informationen fehlen. Ein nicht unerheblicher Teil von Arbeitszeit wird eingesetzt, weil etwas fehlt. Nicht, weil es um den Diskurs geht.

    Würde eine perfekte, kontinuierliche und empfängerorientierte Dokumentation existieren, wären Anordnungen zeitnah korrekt im System oder hätte jeder Arzt bzw. jede Pflegekraft genügend Zeit, patientenbezogene Informationen für sich auszuwerten und zu nutzen, könnte dieser Teil von Visite schlicht entfallen. Alle Informationen stünden effizient und vollständig zur Verfügung.

    Wir produzieren durch große Runden oder hier speziell die Teilnahme von Pflegenden viel Zeitaufwand für den Austausch von Informationen, die in jeder guten Dokumentation enthalten sein sollten. Anstatt die Ursache zu beheben, nämlich mangelhafte Dokumentationen, kleben wir das Pflaster „Besprechung“ darüber.

    Einmal ganz abgesehen davon: auch hier könnten Sie die Teilnehmenden nach der Visite befragen, was sie sich gemerkt haben. Wir dürfen uns nichts vormachen. Wir produzieren hier enorme Risiken, weil wir auf eine detailorientierte und patientenbezogene Gedächtnisleistung setzen, die es in all dem Chaos heute schlicht nicht mehr gibt. Wir brauchen eine zeitnahe und perfekte Dokumentation, weil sich ansonsten viel zu viele Fehler einschleichen können.

    Pflaster kleben wir übrigens auch auf eine Wunde in der allmorgendlichen Ärztebesprechung. Alle sollen über alles informiert sein. Über jeden Patienten. Eigentlich wäre das überflüssig, weil nicht jeder Arzt jeden Patienten betreut. Oder doch? Vielleicht, weil das allgemeine Chaos selten eine, transparent kontinuierliche Patientenbetreuung zulässt und es besser ist, wenn alle irgendwie alles mal gehört haben. Könnte ja wichtig sein. Das Problem ist nur: es behält ohnehin kaum jemand. Zumindest nicht mit der notwendigen Verlässlichkeit und Sicherheit, wie wir sie in medizinischen Behandlungsprozessen zwingend erwarten müssen.

    Das sind nur einige wenige Aspekte, die wir bei der Hinterfragung von Besprechungsritualen diskutieren könnten.

    Was ist das Problem?
    Wie können wir es lösen?
    Durch eine Besprechung? Oder durch die Ursachenbehebung? Oder gibt es einen deutlich effizienteren Weg?

    Stattdessen heißt es allzu schnell: okay, lass uns das in einem Meeting klären. Aus einem werden 2 und dann 12. Weg ist die Zeit.Sie könnten einmal all ihre Besprechungen auf diese Phänomene und andere hin untersuchen. Sie werden überrascht sein.

    Unterm Strich können Besprechungen dann ein sinnvolles Setting darstellen, wenn sie zu einem spezifischen Thema zu einem echten Diskurs der Beteiligten führen. Wenn am Ende etwas Neues steht. Eine neue Idee. Eine Problemlösung. Eine Strategie. Oder ein verbindliches Committment zu einer konkreten Veränderung.

    Eine weitere Funktion ist die, einen Orientierungspunkt zu setzen. Wenn ich weiß, dass am nächsten Tag eine Besprechung angesetzt ist, zu der ich konkrete Ergebnisse präsentieren muss, dann bedeutet die Sitzung für mich einen Zielpunkt, auf den ich gezielt hinarbeite. Je mehr solcher Orientierungspunkte existieren, um so disziplinierter arbeite ich täglich daran, das zu tun, was ich tun soll. Wenn Sie sich in meinem Buch „das ist Lean Hospital“ einmal das Kapitel Tagespläne ansehen, finden sie eine recht ausführliche Darstellung der Wirkungsmechanismen, die derartige organisatorischen Orientierungspunkte auslösen.Solche Besprechungen, auf die ich hinarbeite und die dann – im Sinne von nächster Schritte – der Ausgangspunkt meiner folgenden Aktivitäten werden, müssen jedoch häufig und kurz erfolgen. Je seltener sie stattfinden und je langatmiger sie ablaufen, um so mehr verlieren sie ihre Wirkungen. Mit diesem Orientierungseffekt, der übrigens ein sehr starker sein kann, spielen alle agilen Verfahren. Im SCRUM finden daily meetings statt. Also jeden Tag. Die Inhalte sind wichtig, die damit automatisch auftretende Orientierungseffekt ist aber das Entscheidende.

    Stellen Sie sich vor, das Verwaltungsteam trifft sich nicht monatlich in einer einstündigen Abteilungsleiterrunde, sondern wöchentlich für 15 Minuten an einem eigens dafür geschaffenen Geschäftsführungsboard.

    Jede Woche, kurz und knapp. Im Stehen. Was ist in der letzten Woche passiert? Was hat funktioniert? Was nicht? Was steht nächste Woche an? Zeit für Information. Zeit für kurze Diskurse. In kurzen Zyklen, damit wirklich etwas passiert. Protokoll überflüssig. Fest in der Routine verankert.
    Gibt es zwischen einzelnen Teilnehmenden etwas Konkretes zu besprechen, ziehen sich die Diskutanten im Anschluss zurück und langweilen nicht alle anderen. Generell möchte ich behaupten, dass monatliche oder noch weiter auseinanderliegende Treffen im Sinne von echter Wirkung höchst ineffektiv daherkommen.

    Sie werden vielleicht festgestellt haben, dass ich Ihnen bislang nicht mit den herkömmlichen Besprechungsverbesserungshinweisen gekommen bin, wie wir sie in der klassischen Ratgeberliteratur finden. „Besprechungen effizient gestalten“, oder so ähnlich. Ich verzichte auf diese Hinweise, weil es darüber bereits so vieles gibt, dass man mühelos nachlesen kann. Ich möchte Sie vor allem in diesem Podcast nicht dazu verführen, Überflüssiges nur effizienter zu machen. Ich möchte Sie dazu animieren, radikal zu denken und radikal zu handeln. Ich möchte, dass Sie auf Besprechungen verzichten. Eine Besprechung, die nicht stattfindet, muss nicht effizient gestaltet werden.

    Erst dann, wenn Sie absolut sicher sind, dass eine Besprechung notwendig, richtig und im Sinne nachvollziehbarer Wirkung in die Organisation unverzichtbar ist, beginnt das Ringen um ihre Effizienz.

    Wenn Sie nun richtig mutig an das Thema herangehen möchten, streichen Sie radikal alle Besprechungen aus ihrem Kalender. Zumindest gedanklich. Fangen Sie einmal bei 0 an, auf der grünen Wiese. Stellen Sie sich all die Fragen, die ich hier genannt habe und alle, die Ihnen noch einfallen. Spiegeln Sie Ihre Zeit und die Ihrer Mitarbeitenden nicht nur vor dem Nutzen, den sie erzielen, sondern auch vor dem Nutzen, den Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen erzielen würden, wenn sie sich nicht in dieser Besprechung befinden würden. Den Opportunitätsnutzen sozusagen.Ich vermute, Sie werden viele Überraschungen erleben.

    Ein guter Tipp lautet, sich einmal ein authentisches, hierarchieunbelastetes Feedback von denjenigen einzuholen, die mit Ihnen in den vielen Runden sitzen. Wie schätzen die eigentlich die Wirkungen ein? Sie werden feststellen, dass Ihre persönliche Einschätzung häufig von derjenigen der Teilnehmenden abweicht. Im Guten wie im Schlechten.

    Es gäbe noch Vieles zu diesem Thema zu sagen. Ein großes und wichtiges, das uns viel Zeit kostet und damit eben auch viel Zeit sparen kann. Wenn man es konsequent angeht und sich nicht alleine darauf beschränkt, das was ist, nur ein bisschen effizienter zu machen.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein schönes Wochenende

    Ihr Jörg Gottschalk

    26 min
  • Episode 10: ohne Regeln ist alles nichts
    vom Ende des Flexibilitätsdogmas

    Hallo und herzlich Willkommen zur 10. Ausgabe meines Podcasts „das ist Lean Hospital“.

    Heute geht es um den Schlechtelaunemacher schlechthin. Um die große Achillesferse der Krankenhauskultur. Das ultimative Killerthema. Es geht um Regeln und Standards – also um standardbasiertes Arbeiten. Dramaturgisch gesehen wäre es wenig hilfreich, diesen Podcast morgens auf dem Weg zur Arbeit zu hören. Eher wohl abends, wenn Sie ihrem Frust mit einem Glas Wein oder Bier ein etwas freundlicheres Antlitz verschaffen können.

    Hilft aber am Ende des Tages auch nichts. Wenn wir dieses Thema nicht in den Griff bekommen, benötigen wir weder ein Lean Hospital noch Teamboarding. Beides würde nichts helfen, denn eine Form von Organisationsverbesserung wird es nicht geben. Man würde sich ständig großartige Prozesslösungen ausdenken, viel Arbeit und Gehirnleistung hineinstecken und am Ende entmutigt feststellen, dass sich die erhofften und wunderbaren Erfolge nicht einstellen oder schnell wieder in Luft auflösen werden. Weil, ja weil kaum dem folgt, was man sich ausgedacht.
    So wie heute. Schauen Sie sich Ihre Qualitätshandbücher oder sonstigen Dokumentationen zu organisatorischen Regeln einmal genauer an. Vermutlich werden sie mindestens 2000 oder mehr solcher Regeln und Standards dokumentiert haben, die geheimen Mails und Ansprachen der Chefärztinnen und Chefärzte noch nicht inbegriffen. Die traurige Realität lautet: kaum jemand kennt diese Regeln explizit. Niemand kann Auskunft darüber geben, ob sie eingehalten werden. Die meisten Handbücher sind Potemkinsche Dörfer.
    Wenn ich in meinen Trainings die Teilnehmenden frage, was wohl passieren würde, wenn alle Mitarbeitenden am folgenden Montag sämtliche Regeln vollständig einhalten würden, so antworten praktisch alle unisono: dann wird der Laden stillstehen. Wir werden es nie beweisen können. Doch so wird es aller Voraussicht nach kommen. Welche Ironie. Wir machen uns unglaublich viel Arbeit mit Regeln und Standards, von denen wir im Grunde genommen hoffen, dass sie niemals eingehalten werden.

    Die Bedeutung von Regeln

    Warum sind Regeln so wichtig, dass wir ohne sie niemals auskommen werden?

    Im Lean Hospital streben wir strukturierte, geplante und störungsfreie Prozesse bzw. Abläufe an. Alles soll möglichst einheitlich, ruhig und in einem Rutsch vonstatten gehen. Eine solche Organisation ist auch im Krankenhaus möglich. Doch sie kann sich nur entwickeln, wenn wir möglichst viele Abläufe und Tätigkeiten sehr genau festlegen und definieren, wer, was, wann, wie und womit tuen soll. Wir definieren also Regeln bzw. einen Standard.
    Sie repräsentieren das aktuelle Wissen einer Organisation, wie Prozesse möglichst gut und zuverlässig von allen zu erledigen sind. Sie schaffen Verlässlichkeit und Transparenz. Sie sorgen nicht nur für ein verlässliches, effizientes Arbeiten, sondern auch für ein verlässliches Miteinander-Arbeiten.
    Sie regeln eine Organisation. Sie legen medizinische Handlungen bzw. die Art und den Umfang von Diagnostik und Therapie fest. Sie regeln, was in welchem Intervall wie genau geprüft wird. Sie regeln, wie Waren und Dienstleistungen bestellt werden, oder beschreiben im Detail, was genau wo abgelegt oder gelagert wird.
    Wie funktioniert die Aufnahme? Die Entlassung. Die Visite. Die Arztbriefschreibung. Die Dokumentation. Und so weiter. Wir wollen, dass solche immer wiederkehrenden Ereignisse identisch oder zumindest so gleich wie möglich ablaufen, damit sich eine Routine einstellen kann, wir aus Fehlern lernen und in der Lage sind, Mitarbeitenden einen klaren Arbeitsrahmen zu schaffen. Nur auf diese Weise sorgen wir dafür, dass Abläufe aufeinander abgestimmt sind, reibungslos aufeinander aufbauen können und Verschwendung jedweder Art minimiert wird. Wir sorgen dafür, dass jede einzelne Tätigkeit verlässlich ausgeführt wird und das System Behandlung insgesamt stabil vonstatten geht. Wir schaffen quasi Ordnung.
    Damit reduzieren wir bewusst die Freiheit und Individualität des einzelnen Mitarbeitenden zugunsten eines funktionierenden Gesamtsystems. Wir reduzieren die Anzahl möglicher Prozessvarianten, die heute sicherlich in die Tausende gehen. Damit ersparen wir uns Arbeit und vermeiden Risiken.
    Die Verbesserung von Prozessen im Lean Teamboarding bedeutet, dass wir kontinuierlich daran arbeiten, Abläufe zu verbessern, Regeln zu formulieren und sie sicher in der Organisation zu verankern. Jeder Mitarbeitende soll diese Regeln und Standards immer zuverlässig anwenden. Jeder Prozess soll in Zukunft dauerhaft exakt so funktionieren, wie er festgelegt wurde. Solange, bis er wieder verändert respektive verbessert wird. Das ist die Grundbedingung.
    Denken Sie an eine Station, der es in mühsamer Kleinarbeit gelungen ist, ihre Visiten pünktlich zu starten. Mit allem, was daran hängt. Welcher Schaden würde eintreten, wenn sich dieser neue, komfortable Zustand nach kurzer Zeit wieder zum Schlechteren verändert, sich alte Gewohnheiten wieder einstellen? Die gesamten Vorarbeiten wären für die Katz gewesen – pure Verschwendung also.
    Und genau das passiert heute. Aus sehr vielen Gründen, die am wenigsten damit zu tun haben, dass Mitarbeitende nicht wollen. Es geht dabei eher um die Kultur der übermäßigen Individualität und einer fast schon pathologischen Flexibilitätsgläubigkeit, gepaart mit einem fehlenden Ordnungsrahmen, einem Mangel an Führungssystematik und vielem mehr. Ich könnte mich stundenlang über dieses Thema auslassen.
    Interessanter als die Erforschung der Gründe ist aber m.E. die Frage, wie wir dieser systematischen Regelaversion beikommen können.
    Was nicht funktioniert, das scheint mir eindeutig: Appelle. Oder Druck. Das haben die meisten schon ausprobiert – mit extrem mäßigem Erfolg. Was auch klar ist, denn Regeln einzuhalten setzt weit mehr voraus als nur den persönlichen Willen, die persönliche Bereitschaft. Nur darauf richten sich unsere Interventionen, wenn wir an jemanden appellieren. „Ab jetzt halten Sie sich bitte an das, was Ihnen vorgegeben wird!“ Oder auch ohne Bitte.
    Wenn das Leben nur so einfach wäre

    die 6R-Methode

    Tatsächlich ist die feste Verankerung von Regeln in der gesamten Breite der Organisation richtig viel Arbeit. Blut und Schweiß sozusagen. Sie werden es erkennen, wenn ich Ihnen nun das 6R-Schema vorstelle.

    6R ist eine Systematik, eine Methode, die hilft, Regeln nachhaltig zu verankern. Ich übe sie intensiv mit jeder Einführungsgruppe und lasse dabei niemals den Hinweis aus, dass alles nichts helfen wird, wenn sie sich nicht intensiv mit dieser Thematik beschäftigen.

    Jedes Mal, wenn ein im Teamboarding eine Entscheidung gefällt wird, wie eine Tätigkeit, ein Ablauf oder ein Prozess in Zukunft gehandhabt werden soll, durchläuft diese Entscheidung 6 strukturierte Segmente.

    Diese sechs Segmente lauten wie folgt:

    • Regel erarbeiten
    • Regel dokumentieren
    • Bewusstsein schaffen
    • Regel integrieren
    • Regel können
    • Regel kontrollieren.

    Lassen Sie uns diese Segmente kurz durchgehen.

    Regel erarbeiten

    Schon die Art und Weise, wie eine Regel erarbeitet wird, schafft die Voraussetzung dafür, sie künftig stabil umzusetzen. Regeln entstehen im Lean Management immer aus der gemeinsamen Arbeit der Beteiligten. Aus unterschiedlichen Sichten auf einen Vorgang/Prozess. Je repräsentativer die Sichten und Meinungen sind, die die jeweiligen Beteiligten in die Regelerarbeitung einbringen, um so besser und praktikabler wird die Regel werden.

    Regel dokumentieren

    Die Dokumentation einer Regel ist keine leichte Aufgabe. Wir kennen die üblichen, hochbürokratischen Verfahrensanweisungen im Standardformat einer Zertifizierung, sorgsam abgelegt in ordnerdicken Qualitätshandbüchern.
    Wir verstehen unter Regel dokumentieren eben nicht ein bürokratisches Dokumentenmonster, sondern eine kurze, verständliche und für die Anwender (vor Ort) ohne Zugriffsbarrieren nutzbare Beschreibung.
    Jede Entscheidung zu einer Regel sollte in dieser Weise dokumentiert sein. Die Dokumentation sorgt für Eindeutigkeit und Nachvollziehbarkeit. Und nur das, was dokumentiert ist, lässt sich auch lehren bzw. trainieren.

    Bewusstsein schaffen

    Regeln werden schnell verabschiedet, im internen QM-System abgelegt und per Mail oder Akklamation kommuniziert. Die Erwartung ist, dass diese Regel von nun an von allen Mitarbeitenden umgesetzt wird. Und genau diese Erwartung wird regelmäßig enttäuscht.
    Kein Wunder! Menschen sind keine Maschinen. Menschen lassen sich nicht programmieren und folgen dann, wie von Geisterhand gelenkt, dem vorgegebenen Code ihrer Vorgesetzten. Menschen wollen einen Sinn in dem erkennen, was sie tun und wofür sie es tun. Es hilft ihnen dabei, Dinge zu verstehen, sie zu lernen, sie im Gedächtnis zu behalten und sie verlässlich auszuführen.
    Ohnehin strömen tagtäglich Tausende von Informationen auf uns ein. Wir treffen Hunderte von großen und kleinen Entscheidungen. Es existiert auch nicht nur eine Regel, sondern sehr viele. Gemessen an unseren mentalen Kapazitäten leben wir in einer permanenten Überforderungssituation. Um nicht gänzlich den Überblick zu verlieren, verfügt das menschliche Gehirn über zuverlässige, individuelle Filter, die das Wichtige vom Unwichtigen trennen. Als wichtig wird nur das eingestuft, was eine (persönliche) Bedeutung zugewiesen bekommt. Eine Information ohne Bedeutung filtert das Gehirn dagegen gnadenlos weg.
    Wenn wir wollen, dass eine Regel befolgt wird, müssen wir ihr eine Bedeutung geben. In der Werbung würde man vielleicht sagen: Wir müssen die Regel mit Bedeutung aufladen. Wir müssen Bewusstsein schaffen. Das bedeutet unter anderem, Mitarbeitenden den Sinn einer Regel zu vermitteln. Sie vorzuleben oder als Vorgesetzte immer wieder nachzufragen und sie über verschiedene Wege solange zu kommunizieren, bis ihre Umsetzung in der Routine des Alltags ohne nachzudenken funktioniert.

    Regel (in den Prozess) integrieren

    Eine gute Regel entsteht aus vielen Sichten und gemeinsamer Arbeit. Eine gute Dokumentation sorgt für Klarheit und bildet die Voraussetzung dafür, sie zu trainieren. Bewusstsein schaffen gibt ihr eine Bedeutung. Sicher umgesetzt wird sie allerdings erst, wenn wir die Regel so in den Prozessalltag der Mitarbeitenden integrieren, dass sie nicht umgangen werden kann.
    Eine sehr entscheidende Führungsaufgabe besteht darin, es Mitarbeitenden möglichst leicht zu machen, Regeln einzuhalten und keine Fehler zu begehen.
    Wir denken deshalb bei der Gestaltung von Prozessen und ihrer Regelung sofort mit, wie wir solche Vorgaben sicher in den Abläufen verankern. Die Mitarbeitenden sollen förmlich auf sie gestoßen werden, sie nicht vergessen, sie (immer) richtig ausführen.

    Regel können

    Das vierte Element einer erfolgreichen Regeleinführung lautet Können. Etwas erfolgreich tun setzt stets voraus, dass es bekannt ist, dass es verstanden wird und die potenziellen Anwender es wirklich routiniert können. Ohne Können kein Tun.
    Auf meine Frage, ob Mitarbeitende die Regel wirklich beherrschen erhalte ich oft die Antwort, sie seinen geschult worden. Spätestens an dieser Stelle merken Sie, wie unvollständig Regelarbeit bislang daherkommt. Einmal abgesehen, dass ich bislang kaum ein wirklich funktionierendes Trainingssystem erlebt habe, habe ich danach nicht gefragt. Schulung oder Training sind nicht das Ende dieses Arbeitsschrittes. Können ist das Ergebnis. Das Können von allen, die heute im Unternehmen sind und das Können derjenigen, die neu hinzukommen.

    Regel kontrollieren

    Menschen sind freiheitliche und selbstbestimmte Geschöpfe. Dieses Menschenbild findet sein gelebtes Pendant heute in den Führungsprinzipien von Unternehmen und Organisationen. Der Umgangston wird moderater, die Zusammenarbeit hierarchieärmer und die Freiräume des Einzelnen wachsen.
    In dieser Zeit ist eine zentrale Funktion von Führung heimlich auf der Strecke geblieben: Kontrolle. Kontrolle gleicht einem ungeliebten Kind.
    Die Kontrolle von Regeln bleibt jedoch alternativlos. Sie ist ein fester, nicht abwählbarer Bestandteil von Führung. Führung hat dafür zu sorgen, dass Regeln eingehalten werden.
    Kontrolle bedeutet für eine Führungskraft …
    • zu wissen, dass das getan wird, was getan werden soll.
    • eingreifen zu können, falls einer Regel nicht gefolgt wird, zu helfen, einzufordern oder im Extremfall auch Konsequenzen zu ziehen.
    • zu erkennen, ob Regeln nicht ausreichend bekannt sind und gekonnt werden. Dann kann sich zusätzlicher Schulungsaufwand anschließen.
    • zu erfahren, ob eine Regel nur deshalb nicht eingehalten wird, weil sie als unpraktisch oder fehlerhaft erkannt wird, weil sie zu viel reguliert oder zu wenig. In solchen Fällen kann eine Regel zeitnah angepasst werden, bevor sie von allen individuell umgangen wird.
    Wird dagegen nicht kontrolliert, stehen diese wichtigen Informationen nicht zur Verfügung.
    Die Kontrolle von Regeln beginnt mit dem ersten Tag ihrer Gültigkeit. Lässt man als Führungskraft zu, dass eine Vorgabe über Tage und Wochen nicht beachtet und vollständig umgesetzt wird, kann man sie eigentlich wieder einkassieren. Es scheint ja gleichgültig zu sein, ob man sich an sie hält oder nicht.

    Regelarbeit ist Führungsarbeit!

    In meinen Trainings und Einführungsveranstaltung übe ich den Umgang mit Regel sowohl mit Führungskräften als auch Mitarbeitenden sehr intensiv. In einer Kultur des Zeitmangels und höchster Individualität ist das kein leichtes Unterfangen. Ich halte es für die große Achillesferse der heutigen Krankenhausorganisation.
    Wenn wir es nicht schaffen, eine Kultur der Regelarbeit im ganzen Unternehmen zu entwickeln, läuft jede Art der Prozessentwicklung in die Leere. Die Organisation bleibt förmlich auf Treibsand gebaut. Die Zeit, die investiert wurde, wäre verlorene Zeit.
    Für diejenigen, die Prozessentscheidungen zu treffen haben, bedeutet die Nicht-Einhaltung von Regel im Grunde die offene Darstellung ihrer Führungsschwäche. Schließlich hört die Verantwortung von Führung und Leitung nicht mit einer Entscheidung auf, sondern mit der vollständigen Umsetzung ihrer Entscheidung.
    Deshalb ist Regelarbeit Führungsarbeit!

    Liebe Zuhörenden, das war es für heute. Ich hoffe, ich habe Ihnen ihre Laune mit diesem schwergängigen Thema nicht allzu sehr verdorben. So manche Depressionen lassen sich nicht umschiffen.

    Sie können sich aber durchaus auf mein nächsten Podcast freuen. Dann werde ich mich mit dem Besprechungsunwesen in deutschen Krankenhäusern beschäftigen. Ich behaupte mal, dass sich hier mehr Zeit herausholen ließe als mit so mancher komplizierten Effizienzsteigerungsmaßnahme. Wahrscheinlich könnte man auf fünfzig Prozent aller Besprechungen verzichten und würde es nicht einmal bemerken. Außer daran, dass nun mehrere Stunden mehr Zeit pro Woche zur Verfügung stünden.
    Vielen Dank fürs Zuhören. Für Ihr Interesse. Wenn Sie mehr erfahren möchten, werfen Sie gerne einen Blick in meine Bücher zum Thema. In meinen Lean-Roman Krankenhaus Melbeck oder auch in mein neuestes Buch: das ist Lean Hospital.

    17 min
  • Episode 9: Lean Hospital werden - der Beginn
    Wie eine Lean-Einführung im Krankenhaus gelingt

    Der Einstieg in eine Lean-Organisation beginnt niederschwellig und ist mit beherrschbarem Aufwand möglich – intern wie extern. Es braucht weder einen großen anfänglichen Wurf, noch fallen bemerkenswerte Investitionen an. Klein anfangen. In der Praxis lernen. Interne Unterstützung aufbauen. Gute Beispiele schaffen. Das System allmählich wachsen lassen. Wie eine solche Reise beginnt und was wichtig ist, darum geht es in dieser 9. Episode von „das ist Lean Hospital“.

    17 min
  • Episode 8: Störungsfallen
    Warum Störungen zerstörerisch sind und wie wir sie beseitigen

    Lean Hospital bedeutet vor allem, die eigene Organisation kontinuierlich zu verbessern und Schritt für Schritt dafür zu sorgen, dass Prozesse strukturiert, geplant, verlässlich und stabil ablaufen. Mitarbeitende sollen jede einzelne Aufgabe in einem Rutsch erledigen können. Im heutigen Krankenhausalltag ist das praktisch unmöglich, denn kaum eine Tätigkeit bleibt ungestört. Die Beseitigung von Störungen bietet deshalb ein riesiges Potenzial für mehr Ruhe in der Arbeit, für verlässliche und stabile Prozesse und für die Reduktion von Verschwendung in der Krankenhausorganisation.

    9 min
  • Episode 7: Die Managementinvasion oder warum Stationsleitungen nicht leiten
    Pflege übernimmt Prozessverantwortung

    Ein zentraler methodischer Spielzug im Lean besteht darin, Dinge grundsätzlich infrage zu stellen. Gerade dann, wenn etwas „normal“ erscheint, als unverzichtbar gilt, sehr lange unverändert existiert oder wenn der nicht seltene Zustand eintritt, dass alle es tun oder haben wollen, fragen wir radikal warum. Wer nicht verstört, der schafft nichts ab und wenig Neues. Provozieren gehört zum schnöden Handwerk. Genau darum soll es in diesem 7. Lean-Podcast gehen.

    In dieser siebten Ausgabe meines Podcasts „das ist Lean Hospital“ werde ich Ihnen zeigen, wie wir lemmingehaft immer neue Managementfunktionen erfinden, die immer neue Aufgaben schaffen, aber kaum ein Problem lösen.
    Und ich werde Ihnen zeigen, dass wir auf viele vermeintliche Managementfunktionen völlig verzichten könnten, wenn wir einmal die managen ließen, die den Begriff der Leitung bereits im Namen tragen: Stationsleitungen nämlich. Die leiten nämlich heute eigentlich nicht, weil es praktisch nichts zu leiten gibt und weil man sie nicht lässt. Doch sie könnten es.

    13 min
  • Episode 6: Buchvorstellung "das ist Lean Hospital"
    Eine kleine Lesung

    15 Jahre DRG-System bedeuten 15 Jahre Cost Cutting, Personalreduktion, Fallzahlsteigerungen, Zentralisierung, Outsourcing und Privatisierung. Vieles hat sich verändert in der Krankenhauswelt, nur die Art und Weise nicht, wie Behandlungsprozesse im Inneren gelebt werden. Krankenhausorganisation funktioniert immer noch nach den alten chaotischen Mustern: höchst individuell, maximal flexibel, weitgehend unstrukturiert und voller Verschwendung. Eine solche Organisation funktioniert zwar, sie schafft jedoch Unzufriedenheit und führt zu Verschwendung und unnötigen Risiken in Größenordnungen von mindestens 30 Prozent. Statt Chaos benötigen wir exakt das Gegenteil: Verlässlichkeit und Stabilität.

    Darum geht es im Lean Hospital. Es geht um Struktur und Planbarkeit, Transparenz, Verlässlichkeit und Stabilität – und um den Weg dorthin. Lean bedeutet: kontinuierliche Verbesserung in kleinen Schritten in der gesamten Organisation durch diejenigen, die sich auskennen: die Mitarbeitenden. Es geht selbstverständlich auch und vor allem um Führung, die operative Verbesserung antreibt, vor Ort die Mitarbeitenden unterstützt und so vom Auftraggeber zum echten Mitakteur wird. Im Grunde stellen wir mit Lean die Führungs- und Organisationsphilosophie von Heute vom Kopf auf die Füße. Wir verändern die Logik dessen, wie Prozesse im Krankenhaus künftig funktionieren. Wir schaffen bessere Arbeitsbedingungen, minimieren Verschwendung und senken Risiken.
    Methodisch fundiert, (möglichst) leicht verständlich und hoffentlich unterhaltsam transferiere ich die Philosophie des Lean Management auf die besondere Welt der Krankenhäuser. Ich möchte meine Leserinnen und Leser mit auf ihre persönliche Leanreise nehmen mit dem erklärten Ziel, Lean in seinen Tiefen, Zusammenhängen und Wirkungen zu vermitteln. Mit vielen Beispielen aus mehr als zehn Jahren Führungs- und Projektpraxis gebe ich Anregungen zum Selbermachen und präsentiere mit Teamboarding ein unternehmensweites Verbesserungssystem, das kontinuierliches Verbessern zu einem festen Bestandteil von Arbeit aller Beteiligten macht – Führung eingeschlossen.

    11 min
  • Episode 5: 13 gute Gründe für Lean Hospital
    Warum Lean Hospital das nächste große Ding ist

    In Folge 5 meines Podcast „das ist Lean Hospital“ möchte ich Ihnen für die 13 gute Gründe mit auf den Weg geben, warum es sich lohnt, sich in Zukunft mit Lean Hospital zu beschäftigen.

    13 Gründe für Lean Hospital, die da wären:

    Grund 1: Man muss kein Mathematiker sein, um vorauszusehen, dass wir nicht mit immer weniger Mitarbeitenden immer mehr Leistungen erbringen können, ohne dass wir an unseren Behandlungsprozessen gravierend etwas verändern.

    Grund 2: Wir können uns das tägliche Arbeitschaos nicht mehr leisten, denn es birgt wachsende Risiken mit sich und es treibt unsere Mitarbeitenden aus dem Unternehmen. Niemand möchte und kann auf Dauer unter diesen Bedingungen arbeiten.
    Grund 3: Wir können und sollten uns dieses enorme Ausmaß an Verschwendung nicht mehr leisten.
    Grund 4: Krankenhaus ist immer noch eine Blackbox und deswegen nicht steuer- und veränderbar. Das muss sich ändern.
    Grund 5: Veränderung passiert kontinuierlich und von denen, die sich auskennen: nämlich durch die Mitarbeitenden.
    Grund 6: Prozesse kennen keine Berufsgruppen oder Hierarchien, deswegen muss Prozessverbesserung gemeinsam, berufsgruppen- und hierarchieübergreifend erfolgen.
    Grund 7: Verschwendung und Risiken lassen sich nur im Zusammenspiel erkennen und minimieren.
    Grund 8: Führung muss in der Lage sein, Verbesserung zu gestalten.
    Grund 9: Digitalisierung darf nicht scheitern.
    Grund 10: Die Pflege kann und sollte verstärkt Organisationsverantwortung übernehmen.
    Grund 11: Ärzte werden zu einem integrativen Bestandteil von Prozessen und sind nicht länger ihr Ziel.
    Grund 12: Kulturentwicklung dauert, muss aber sein.
    Grund 13: Entwicklung dauert, deshalb ist Anfangen die wichtigste Voraussetzung.

    15 min
  • Episode 4: Verweildauer minus 30 Prozent
    oder der langweiligste Dokumentarfilm aller Zeiten

    In Folge 4 meines Podcast „das ist Lean Hospital“ werde ich die Behauptung belegen, warum sich die durchschnittliche Verweildauer deutscher Krankenhäuser in den nächsten Jahren um bis zu 30 Prozent unter das heutige Niveau reduzieren lässt. Dazu setzen wir unseren Patienten eine Kamera auf die Schulter und filmen ihren Krankenhausaufenthalt. Sie werden sehen, dass das ein ziemlich langweiliger Film wird. Es passiert einfach fast nichts. Dieses Nichts sind unsere 30 Prozent. Im Lean Hospital werden wir den Film radikal kürzen. Der Film wird nicht schlechter, sondern besser, spannender - vor allem für unsere Patienten.

    24 min

About das ist Lean Hospital

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"Das ist LEAN-Hospital" ist der erste deutschsprachige Podcast zu allem rund um das Thema Lean Management und agiles Management im Krankenhaus. Der ehemalige Krankenhausgeschäftsführer und heutige Autor, Führungscoach und Organisationslehrer Jörg Gottschalk informiert über Methoden und Instrumente, er spricht über typische Managementirrtümer bzw. Fallen in der Umsetzung und garniert alles mit lebendigen Beispielen aus der Krankenhauspraxis.