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Prof. Dr. Micha Brumlik spricht über Ernst Bloch und Thomas Münzer
Thomas Münzer deutete in apokalyptischer Schau seine Zeit als Anbruch des göttlichen Gerichtes. Weizen sei vom Unkraut zu trennen; es gelte das Wort Jesu: „Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert“ (Mt 10,34). Unter Berufung auf 2 Mos 22,1 ruft er den versammelten Landesfürsten zu: „Ein gottloser Mensch hat kein Recht zu leben, wo er die Frommen behindert […] wie uns essen und trinken ein Lebensmittel ist, so ist es auch das Schwert, um die Gottlosen zu vertilgen.“ Jesus sei in einem Viehstall geboren; er stehe auf Seiten der Armen und Unterdrückten. Die, die sich in Pelzmänteln kleiden und auf Seidenkissen sitzen, sind „Christo ain greuel“. Münzer hatte einen guten Blick für die sozialen Probleme seiner Tage. Seine sozialethischen Interessen sind in engem Kontakt mit seinen mystischen und theologischen Ideen. Münzer eiferte nicht nur für die Gottesfurcht, sondern als Gottesfürchtiger für soziale Gerechtigkeit.
05.03.2020
Katholische Akademie in Berlin
Prof. Dr. Francesca Vidal spricht über Ernst Bloch.
Einführung: Stephan Steiner
„Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein …“ erklärt der Philosoph Ernst Bloch in seinem Buch ‚Atheismus im Christentum‘. Wie kommt er zu einer solchen These, welche Vorstellung vom Messianismus prägt seine Philosophie der Hoffnung? Der Vortrag zeigt, wie Bloch die rebellischen Motive des Religiösen freilegen will, damit die Hoffnungsinhalte herausarbeitet und macht deutlich, warum er davon ausgeht, dass Atheismus im Christentum selbst wirksam ist.
06.03.2020
Katholische Akademie in Berlin
In der Biographie Martin Bubers begegnen sich die Extreme, Abgründe und Neuanfänge jüdischen Lebens im 20. Jahrhundert. Es ist kaum zu fassen, dass er in einem unmenschlichen Jahrhundert ausgerechnet zum „Hüter der Menschlichkeit“ wurde. So lautet der Titel von Dominique Bourels monumentaler Darstellung des Lebens- und Denkweges Martin Bubers. Der Abend widmet sich insbesondere dem Wirken Bubers in Israel, den USA und Europa nach der Vernichtung des deutschen Judentums. Die Kontroverse mit Gandhi, Bubers Transformation des Zionismus, sein Ringen um Verständigung mit den arabischen Nachbarn oder sein Bemühen um Versöhnung sind nur einige Schlaglichter seiner Allgegenwart in den geistigen Debatten nach 1945.
12.03.2020
Katholische Akademie in Berlin
Prof. Dr. Almut Bruckstein und Prof. Dr. Michael Moxter stellen im öffentlichen Teil des Kolloquiums „Entlastung vom Absoluten. Hans Blumenberg und die Folgen“ ihre Thesen zur religionsphilosophischen Relevanz Hans Blumenbergs vor.
21.02.2020
Katholische Akademie in Berlin
„Islamischer Feminismus“, „Gender-Jihad“ – Muslimische Aktivisten und Aktivistinnen benutzen ganz unterschiedliche Begriffe und Begründungen für ihr Engagement. Ist der Feminismus kompatibel mit islamischem Denken und Positionen? Und wie genau?
Professorin Juliane Hammer zeigt in ihrem Vortrag, wie sich muslimische Aktivistinnen im Spannungsfeld von Islamfeindlichkeit und Gendergerechtigkeit positionieren. Sie analysiert die religiösen Theorien und Praktiken von muslimischen Frauen in den USA, die sich auf verschiedene Weise für die Gendergerechtigkeit in ihren verschiedenen Umfeldern einsetzen. Dabei ist das Verhältnis von Theorie und Praxis und von Einzelperson und Gemeinschaft von besonderem Interesse. Wie kann erlangtes Wissen in die Alltagspraxis einfließen? Und wie vielfältig ist der Diskurs in den Kreisen muslimischer „Feministinnen“?
Juliane Hammer ist Asscociate Professore und Kenan-Rifai-Scholar in Islamic Studies an der University of North Carolina, Chapel Hill. Schwerpunkte ihrer Forschung sind zeitgenössisches muslimisches Denken in den USA, Frauen und Gender im Islam und Sufismus. Sie ist die Autorin von Palestinians Born in Exil“: Diaspora and the Search for a Homeland (2005), American Muslim Women, Religious Authority, and Activism: More Than a Prayer (2012) und Mitherausgeberin von A Jihad for Justice (with Kecia Ali and Laury Silvers, 2012) and The Cambridge Companion to American Islam (mit Omid Safi, 2013). Gerade veröffentlichte sie Peaceful Families: American Muslim Efforts against Domestic Violence (2019), in dem sie mit Blick auf die Zusammenhänge zwischen ethischen Praktiken, Geschlechternormen und religiöser Interpretation zeigt, wie muslimische Aktivisten eine reiche religiöse Tradition gegen häusliche Gewalt mobilisieren und dabei Religion und Kultur sowohl als Ressourcen als auch Hindernisse für familiären Frieden identifizieren.
09.03.2020
Katholische Akademie in Berlin
Ob Erasmus, Montaigne oder Valéry: Die Abneigung gegen jede Form von theoretischer Systematik, und naiv-optimistischem Menschenbild ist ihnen ebenso gemeinsam wie der Sinn für die verborgenen Motive menschlichen Verhaltens, die pointierte Menschenbeobachtung und die Vorliebe für die aphoristisch-essayistische Form.
Dabei lohnt es sich, den Begriff Moralistik genauer in den Blick zu nehmen, um ihn deutlich von moralinsauren Morallehren abgrenzen zu können. Denn für beide Zugänge bleibt die Frage, wie der Mensch angesichts der Fülle und der Widersprüche des Lebens angemessen mit den Phänomenen von Illusionierung, Enttäuschung, Resignation und Pessimismus umgeht. Hier formuliert die „klassische“ Moralistik, über den Gestus der Entlarvung hinaus (so z.B. bei La Rochefoucauld, Cioran oder Gomez Davilá) Klugheitsempfehlungen, die den Menschen gemäß dem Bibelwort „Seid klug wie die Schlangen!“ zu einem geschickten Sozialverhalten im Dienst individueller Selbstbehauptung anleiten (siehe Baltasar Gracián). In der Moralistik korrespondiert Skepsis mit Weltklugheit. Der christliche Humanismus könnte von der Tradition skeptischer Moralistik lernen, nicht so rasch von der Bestimmung des Menschen zu reden oder zu selbstsicher seine Gottebenbildlichkeit zu behaupten.
Dr. Robert Zimmer lebt als philosophischer Sachbuchautor in Stuttgart, Foto © Fritz-Peter Linden.
03.04.2020
Katholische Akademie in Berlin
Vortrag von Prof. Dr. Christine Büchner, Reaktion von Katharina Geskes Gottes Sein begegnet uns in allen Körpern der Welt.
Denn Gott ist der, der "Fleisch" geworden und sich in Jesus verwundbar gezeigt hat. "Was der Welt widerfährt, widerfährt auch Gott", fasst Büchner McFagues Gedanken zusammen. Deswegen ist unsere Beziehung zur Welt so entscheidend - und hat auch mit den ökologischen Zusammenhängen und Krisen zu tun, in denen wir uns zurzeit befinden.
22.09.2020
Katholische Akademie in Berlin
Warten auf. Gericht und Erlösung, Herder 2020.
Eine geschwätzige alte Dame und ein strenger Philosoph treffen im Jenseits aufeinander, und es entspinnt sich ein ebenso wundersames wie klares Gespräch über Einsamkeit und Angst, Rache und Schuld, Gerechtigkeit und Vergebung, Tod und Leben.
Lassen sie zwei frisch Verstorbene aufeinandertreffen. Im Warteraum zwischen Leben und Tod beginnen die beiden Seelen ein immer eindringlicheres Gespräch über religiöse und weltanschauliche Grundfragen. Ausgehend von Themen, die sie seit vielen Jahren beschäftigen, liefern Lewitscharoff und Hartmann eine stilistisch wie inhaltlich beeindruckende Lektüre.
Um sich den letzten existenziellen Fragen zu nähern, entwerfen Sibylle Lewitscharoff und Heiko Michael Hartmann ein Gedankenexperiment: In ihrem Buch "Warten auf ... Gericht und Erlösung: Poetischer Streit im Jenseits".
Katholische Akademie in Berlin
Anlässlich des 250. Geburtstages von Friedrich Hölderlin kamen der Literaturwissenschaftler Wolfgang Braungart, die Dichterin Daniela Danz sowie die Dichter Uwe Kolbe und Norbert Hummelt in die Katholische Akademie, um im Wechsel von Kurzvortrag, Lesungen und Interpretationen, im Gespräch untereinander zentrale Texte Hölderlins in Erinnerung zu rufen. Im Mittelpunkt stand die Elegie „Brod und Wein“, die – so Norbert Hellingrath – „die beste Grundlage bleiben [wird] zum Eindringen in Hölderlins Gedankenwelt.“
Mit Wolfgang Braungart, Daniela Danz, Uwe Kolbe und Norbert Hummelt.
Moderation: Joachim Hake.
Katholische Akademie in Berlin
Podiumsdiskussion in Kooperation mit der Deutschen Nationalstiftung am 21.09.2020, in Berlin.
Podiumsgäste: Ralf Fücks (Zentrum Liberale Moderne, Berlin); Janusz Reiter (Botschafter a.D.); Prof. Dr. Susanne Schröter (Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam, Universität Frankfurt); Prof. Dr. Gunnar Folke Schuppert (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung).
Moderation: Dr. Christoph Bertram.
Katholische Akademie in Berlin
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