Stellenanforderungen richtig einschätzen: Wann fehlende Erfahrung wirklich zählt und warum Du Dich nicht vorschnell aussortieren solltest.
Solltest Du Dich bewerben, wenn Du nicht alle Anforderungen erfüllst?
Eine lange Anforderungsliste bedeutet nicht automatisch, dass Du für den Job ungeeignet bist. Entscheidend ist zuerst, wie gut die Stelle grundsätzlich zu Dir passt, wie groß Deine tatsächlichen Lücken sind und ob Du bereit bist, fehlende Fähigkeiten zu lernen.
Ausgangspunkt dieser Folge ist eine Frage von Julia aus der Community:
Sie hat eine Stelle gefunden, die sie spannend findet. Auch das Unternehmen gefällt ihr. Das Problem: Sie erfüllt nicht alle Anforderungen.
Genau hier beginnt die eigentliche Frage.
Warum solltest Du vor der Jobsuche erst wissen, was Du willst?
Noch bevor es um Lebenslauf, Anschreiben oder Bewerbungsgespräch geht, setzt FabiQ einen Schritt davor an:
Was möchtest Du eigentlich?
Bevor Du Dich durch Jobbörsen klickst, solltest Du für Dich klären:
Welche Arbeit interessiert Dich?Was möchtest Du auf keinen Fall?Welche Werte sind Dir wichtig?Möchtest Du in Deiner Heimat bleiben oder umziehen?Möchtest Du reisen oder lieber nicht?Arbeitest Du lieber draußen oder drinnen?Welche Arbeitsweise passt zu Dir?Denn selbst wenn Du einen Job bekommst, bringt Dir das wenig, wenn Unternehmen, Aufgabe und Deine eigenen Vorstellungen langfristig nicht zusammenpassen.
Wie viele fehlende Anforderungen sind zu viele?
Hier gibt es keine feste Prozentzahl.
Wenn Du von zehn zentralen Anforderungen nur eine erfüllst, wird es wahrscheinlich schwierig. Wenn Du dagegen einen relevanten Teil mitbringst und Dir einzelne Fähigkeiten oder Programme fehlen, sieht die Situation ganz anders aus.
Besonders Berufseinsteiger kennen Stellenausschreibungen, bei denen scheinbar gleichzeitig mehrere Jahre Berufserfahrung, Abschlüsse, Auslandserfahrung und zahlreiche Zusatzkenntnisse verlangt werden.
Gerade dann solltest Du prüfen:
Ist das wirklich eine unverzichtbare Voraussetzung oder beschreibt das Unternehmen eher den idealen Kandidaten?Warum sortieren sich gute Bewerber manchmal selbst aus?Zu umfangreiche Anforderungsprofile können Menschen abschrecken, die grundsätzlich sehr gut auf eine Stelle passen würden.
Das Problem: Du triffst die Entscheidung dann bereits für das Unternehmen.
Du bewirbst Dich nicht und gibst dem Arbeitgeber damit überhaupt keine Möglichkeit zu entscheiden, ob Deine bisherigen Fähigkeiten, Deine Motivation oder Dein Entwicklungspotenzial vielleicht trotzdem überzeugen.
FabiQ stellt deshalb eine einfache Frage:
Was ist das Schlimmste, das passieren kann?
Im Zweifel erhältst Du eine Absage.
Bewirbst Du Dich gar nicht, bleibt dagegen möglicherweise lange die Frage: Was wäre gewesen, wenn?
Wie solltest Du fehlende Kenntnisse in der Bewerbung ansprechen?
Ein Beispiel aus der Folge:
In der Stellenanzeige werden acht Tools verlangt. Du hast bisher mit fünf davon gearbeitet.
Dann kannst Du klar kommunizieren:
Mit welchen Tools Du bereits Erfahrung hast.Welche Kenntnisse Du konkret mitbringst.Welche Programme Du noch nicht kennst.Warum Du motiviert bist, Dich dort einzuarbeiten.Dabei solltest Du fehlende Erfahrung nicht künstlich schönreden.
Stattdessen kannst Du zeigen, dass Du lernbereit bist und neue Inhalte schnell aufnehmen kannst, sofern das tatsächlich der Wahrheit entspricht.
Welche drei Schritte helfen Dir bei der Entscheidung?
FabiQ fasst den Weg sinngemäß in drei Schritte zusammen:
Beschäftige Dich mit Dir selbst.
Wo möchtest Du hin? Was möchtest Du? Welche Arbeit und welches Unternehmen passen zu Dir?
Prüfe Deine tatsächlichen Lücken.
Welche Anforderungen erfüllst Du bereits? Welche fehlen? Und wie wichtig sind genau diese Punkte für die Stelle?
Arbeite an Deinem Mindset.
Nur weil Dir einzelne Fähigkeiten fehlen, musst Du Dich nicht automatisch selbst aussortieren.
Wenn der Job grundsätzlich passt, kannst Du Deine Bewerbung abschicken und dem Unternehmen die Entscheidung überlassen.
Wie bereitest Du Dich auf das Bewerbungsgespräch vor?
Wenn Du eingeladen wirst, solltest Du die Chance ernst nehmen und Dich gezielt vorbereiten.
Schau Dir vor dem Gespräch unter anderem an:
die Website des Unternehmens,die „Über uns“-Seite,das Team,aktuelle Projekte und Entwicklungen,öffentlich kommunizierte Unternehmenswerte,Arbeitsweise und Unternehmenskultur.Dabei geht es nicht nur darum, im Gespräch zu glänzen.
Auch Du solltest herausfinden, ob das Unternehmen tatsächlich zu Dir passt.
Welche Rückfragen solltest Du im Bewerbungsgespräch stellen?
Allgemeine Begriffe in Stellenanzeigen solltest Du konkret hinterfragen.
Ein Beispiel: „Flexible Arbeitszeiten“.
Das klingt zunächst positiv. Aber was heißt es tatsächlich?
Du kannst beispielsweise fragen:
Gibt es Kernarbeitszeiten?Wann arbeitet das Team normalerweise?Wie flexibel kann ich meinen Tag wirklich gestalten?Gibt es Wochenendarbeit?Gibt es Früh-, Spät- oder Nachtschichten?Wie wird Flexibilität im Alltag tatsächlich gelebt?Solche Fragen helfen Dir, herauszufinden, was hinter gut klingenden Formulierungen wirklich steckt.
Was kannst Du direkt aus der Folge mitnehmen?
Definiere zuerst, was Du überhaupt willst.
Ein passender Job beginnt nicht bei der Stellenanzeige, sondern bei Dir.
Lass Dich von langen Anforderungslisten nicht sofort abschrecken.
Prüfe, welche Punkte wirklich entscheidend sind.
Sortiere Dich nicht selbst aus.
Wenn die Stelle grundsätzlich zu Dir passt, gib Dir zumindest die Chance.
Sprich fehlende Kenntnisse ehrlich an.
Zeige gleichzeitig, was Du bereits kannst und was Du lernen möchtest.
Prüfe auch das Unternehmen.
Im Bewerbungsgespräch bewirbst nicht nur Du Dich beim Unternehmen – das Unternehmen muss ebenfalls zu Dir passen.
00:00:00 Die Bewerbungsfrage
00:01:35 Selbstreflexion vor der Bewerbung
00:03:52 Anforderungsprofile verstehen
00:06:18 Mut zur Bewerbung
00:09:30 Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch
00:11:22 Wichtigkeit der Unternehmenswerte und -kultur