Der Geschichtspodcast
Der Reaktorunfall von Tschernobyl ist scheinbar weit weg passiert, aber durch den Wind kam die radioaktive Wolke auch zu uns. Wir besprechen, wie Deutschland reagierte, was das Besondere an der deutschen Atomangst ist und fragen, ob diese Angst etwas mit der deutschen Geschichte zu tun hat.
Am 26. April 1986 kommt es in Tschernobyl zur Katastrophe: Es ist das bisher schwerste Reaktorunglück überhaupt. In Deutschland erschüttert der GAU das Vertrauen in Technik und staatliche Krisenvorsorge. Ein Einschnitt, der die Debatten über Atomkraft über Jahrzehnte prägen wird. Gemeinsam mit den Historikern Frank Uekötter und Frank Biess gehen wir in dieser Folge des Geschichtspodcast von Frankfurter Allgemeiner Zeitung und Konrad-Adenauer-Stiftung diesen langfristigen Folgen für Deutschland und Europa nach.
Wir blicken auf die unterschiedlichen Wahrnehmungen in Ost und West und vergleichen die deutschen Reaktionen mit denen Frankreichs, Schwedens und Italiens. Dabei gehen wir der Frage nach, welche Rolle die Friedensbewegung und die Proteste von Wyhl, Brokdorf und Gorleben in den 70ern spielten und prüfen die These, ob die Erinnerung an den Nationalsozialismus ganz entscheidend war für die spezifisch deutsche Atomangst.
Außerdem schauen wir auch auf die Reaktorkatastrophe von Fukushima im März 2011 und klären, wie es in der Folge zum deutschen Atomausstieg kam. Schließlich fragen wir, welche Zukunft die Kernkraft in Deutschland haben könnte. Jens Spahn, Markus Söder und Ursula von der Leyen fordern die Rückkehr zur Kernkraft. Die Forschung setzt auf Fusionsreaktoren und kleine modulare Reaktoren (Small Modular Reactors, kurz SMR).
Haben Sie Fragen an Frank Biess? Schreiben Sie uns! Außerdem interessiert uns:
Denken Sie, dass Tschernobyl unsere Gesellschaft bis heute prägt?
Was sollte man aus Tschernobyl für den heutigen Umgang mit Risiken und Krisen lernen?
Hat sich Ihre Position pro oder contra Kernkraft über die Jahre verändert und gab es dafür wichtige Wendepunkte?
Schicken Sie Ihre Fragen oder Kommentare gern an [email protected] oder schicken Sie eine Sprachnachricht an das Podcast-Handy: 0172 - 778 2384.
Ihre Fragen und Kommentare besprechen wir in der Q&A-Folge, am Donnerstag, den 30. April. Einsendungen können gekürzt oder auszugsweise verwendet werden.
Frank Uekötter, Professor für Umwelt- und Technikgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum
Frank Biess, Professor für Europäische Geschichte an der University of California, San Diego
Christian Hübner, Leiter der Abteilung Globale Ressourcen und Nachhaltigkeit bei der Konrad-Adenauer-Stiftung
Angelika Fey (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Christine Brunzel (Konrad-Adenauer-Stiftung)
Biess, Frank: Republik der Angst. Eine andere Geschichte der Bundesrepublik. Reinbek bei Hamburg 2019.
Bilhöfer, Peter: 26. April 1986: Tschernobyl. Folgen einer Katastrophe. Stuttgart 2021.
Higginbotham, Adam: Mitternacht in Tschernobyl. Die geheime Geschichte der größten Atomkatastrophe aller Zeiten. Frankfurt am Main 2019.
Jordan, Katrin: Ausgestrahlt. Die mediale Debatte um “Tschernobyl” in der Bundesrepublik und in Frankreich 1986/87. Göttingen 2018.
Pausewang, Gudrun: Die Wolke. Ravensburg 1987.
Autoren & Redaktion: Christine Brunzel, Angelika Fey
Sprecher: Felix Hoffmann
Produktion: F.A.Z. Audio in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung
Soundlogo: David Brucklacher
Redaktionelle Beratung: Michael Götz
Mitarbeit: Johanna Westermann und Lena Barozzi
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