Herzlich Willkommen bei „Alte Musik von A bis Zett.“
Mein Name ist André von Linsengericht und ich erzähle spannende und ungewöhnliche Geschichten aus der Welt der alten Musik.
Heute sind wir bei B wie Brahms und die Geschichte heißt: Der gebrochene Steg.
Johannes Brahms war ein bedeutender Musiker, Dirigent und Komponist, der 1833 in Hamburg geboren wurde und 1897 im Alter von fast 64 Jahren in Wien starb. Dort kann man heute noch am Karlsplatz das Brahmsdenkmal bewundern. Bekannt ist Brahms vor allem für seine sogenannten „Ungarischen Tänze“. Auch sein „Deutsches Requiem“ dürfte vielen etwas sagen. Unvergessen und in aller Kindermund ist jedoch die Vertonung des Wiegenlieds:
Das op.25 besteht aus 4 Sätzen. Der 4. Satz trägt den Namen: Rondo alla Zingarese. Presto. Übersetzt wäre das „schnelles Zigeuner-Rondo“, doch das darf man ja heute nicht mehr sagen. Darin hört man zum ersten Mal die sogenannten ungarischen Einflüsse, die Brahms von verschiedenen Bekannten einbaute, unter anderem von Josef Joachim, der bei der Bestattung Schumanns mit dabei war. Joachim war Ungar und einer der besten Geiger seiner Zeit.
Dieser vierte Satz hatte es bei der Premiere in Hamburg in sich. Denn der Cellist Louis Lee spielte so temperamentvoll, dass kurz vor Schluss der Steg seines Cellos brach. Der Steg ist jener Teil, über den die Seiten geführt werden und von dort die Schwingung zur Decke des Cellos übertragen wird und man daher die Musik hört. Und es kann durchaus geschehen, dass im Eifer des Gefechts solch ein Steg einmal bricht. Deshalb haben Cellisten und Cellistinnen immer Ersatzsteg dabei.
Das Publikum tobte, nicht aus Empörung, sondern vor Begeisterung. Denn Louis Lee musste einen neuen Steg anbringen, die Saiten neu stimmen, damit der vierte Satz nochmal komplett wiederholt werden konnte. Ich habe eine Cellistin gefragt, wie lange das dauert. Sie meinte, 5 bis 10 Minuten. Man stelle sich das einmal vor. Johannes Brahms saß im Publikum und die gefeierte Clara Schumann am Klavier. Sie werden wohl ein wenig geschmunzelt haben.