CTO Need To Know

Der Weg zur heterogenen Cloud-Plattform


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In dieser Episode von „CTO Need to Know" beleuchten Gil Breth und Philipp Beyerlein, Consultant bei INNOQ, den Unterschied zwischen klassischen Multicloud-Ansätzen und einer heterogenen Cloud-Strategie und warum letztere ein wichtiger Schritt in Richtung digitaler Souveränität ist. Sie diskutieren, wie Unternehmen ihre Abhängigkeit von einzelnen (US-)Hyperscalern reduzieren können, ohne dabei auf Performance, Skalierbarkeit oder Entwicklungskomfort verzichten zu müssen. Philipp ordnet außerdem ein, was europäische Cloud-Anbieter heute realistisch leisten können und warum die Frage nach Alternativen zu US-Hyperscalern für viele Unternehmen längst keine theoretische mehr ist.

Der Inhalt in Kürze:
Multicloud vs. heterogene Cloud – wo liegt der Unterschied?

Multi-Cloud bedeutet oft nur eine parallele Nutzung mehrerer Anbieter, etwa AWS für externe, Azure für interne Systeme. Die heterogene Cloud geht einen Schritt weiter: Anwendungen und Daten werden bewusst nach Unabhängigkeitskriterien verteilt, und verschiedene Anbieter werden aktiv miteinander vernetzt - nicht nur nebeneinandergestellt. Das schafft echte Flexibilität und vermeidet neue Monodependenzen.

Digitale Souveränität als strategischer Treiber

Der Haupttreiber hinter dem heterogenen Ansatz ist die digitale Souveränität. Unternehmen, die ausschließlich auf einen US-Hyperscaler setzen, sind politischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt – etwa durch künstliche Preiserhöhungen oder eingeschränkten Zugang. Ein heterogener Ansatz ist keine Panikreaktion, sondern eine bewusste Risikoabwägung.

Zwei Integrationswege: API-First vs. Data-First

Die Wahl des Integrationsansatzes hängt von der bestehenden Architektur ab. Wer bereits vertikal geschnittene Systeme (z. B. nach DDD) betreibt, kann ganze Domänen in andere Clouds verschieben und über APIs integrieren. Wer noch horizontal aufgestellt ist, profitiert zunächst vom einfacheren Data-First-Ansatz: Datenbankspiegelungen oder regelmäßige Backups auf europäischen Storage-Diensten schaffen erste Souveränität ohne große Systemeingriffe.

Warnung vor künstlicher Systemaufteilung

Ein häufiger Fehler: Systeme werden aus technischen Gründen aufgesplittet, obwohl fachliche Domänen intakt bleiben sollten. Wie bei der Einführung von Microservices kann ein unkontrolliertes Aufteilen die Systemkomplexität unnötig erhöhen. Philipp empfiehlt: Domänengrenzen dürfen nicht aus Cloud-Strategie-Gründen aufgebrochen werden.

Risikobasierte Entscheidung – Threats-Analyse für CTOs

Ob und wie weit ein Unternehmen in Heterogenität investiert, sollte auf einer klaren Risikoabwägung basieren. Fragen wie „Was passiert, wenn ich den Zugang zu diesem Anbieter verliere?" oder „Wie stark hängt mein Umsatz daran?" helfen bei der Priorisierung. Der Mehraufwand – mehr Verträge, mehr Know-how, mehr Infrastruktur – ist real, muss aber dem konkreten Risiko gegenübergestellt werden.

Europäische Anbieter: Lücken und Potenziale

Kein einzelner europäischer Anbieter deckt aktuell das Gesamtportfolio eines US-Hyperscalers ab. Aber: Grundlegende Services wie Container-Orchestrierung (Kubernetes), relationale Datenbanken, S3-kompatibler Storage und Terraform-Schnittstellen bieten viele europäische Anbieter wie Telekom Cloud oder Ionos bereits an. Für viele Workloads reicht das aus.

Der Ausblick: Heterogenität als Übergang zu einer föderalen Cloud-Infrastruktur

Langfristig könnte die heterogene Cloud ein Übergang zu einer föderalen, genossenschaftlich organisierten europäischen Cloud-Infrastruktur sein. Europa hat viele spezialisierte Anbieter – von Netzwerkbetrieb über Datenbankhosting bis Containerorchestrierung. Die Technologien sind vorhanden. Was fehlt, ist die Koordination: ein gemeinsames, standardisiertes Ökosystem, das die Stärken der Einzelanbieter zusammenbringt, ohne neue Monopole zu schaffen.

Zitat-Highlight:

„Wir sind schon der Hyperscaler in Europa. Wir müssen uns nur zusammentun und eine gemeinsame, gleichwertige Lösung bauen."

Fazit:

Heterogene Cloud-Strategie ist kein Trend, sondern eine strategische Notwendigkeit für Unternehmen, die echte Unabhängigkeit anstreben. Der erste Schritt muss nicht groß sein – ein Datenbank-Backup auf einem europäischen Bucket reicht als Einstieg. Entscheidend ist, bewusst zu handeln statt einfach den Marktstandard zu kopieren.

Weiterführend:
  • Artikel von Philipp Beyerlein im INNOQ Technology Briefing: „Der Weg zur heterogenen Cloud-Plattform"
  • Kontakt und Dialog: Über die INNOQ-Website oder direkt über die Podcast-Shownotes
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