ERF Mensch Gott (Video)

ERF Mensch Gott (Video)

By ERF - Der SinnsenderReligion & SpiritualityChristianity
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ERF Mensch Gott (Video) episodes

  • Die Trauer war ein schwarzes Loch
    © ERF

    Nicole hat ihren 16-jährigen Sohn bei einem Motorradunfall verloren. Ein Autofahrer hatte ihm die Vorfahrt genommen. Nach seinem Tod beschreibt Nicole ihren Alltag als „Überleben und nicht leben“. Sie trat aus der Kirche aus und wollte sich an dem Mann rächen, der den Unfall verursacht hatte. Der Wendepunkt kam durch Julia, eine gläubige Arbeitskollegin: Julia hat für Nicole gebetet, und Nicole hat dabei nach ihren eigenen Worten erlebt, dass Gott sie berührt. Später fand Nicole in einer Freikirche zum Glauben an Jesus und entschied sich, dem Unfallfahrer zu vergeben. Heute sagt sie, ihre Trauer sei umgewandelt „in Dankbarkeit, dass ich meinen Sohn 16 Jahre haben durfte“.

    Christian war das einzige Kind von Nicole und ihrem Mann, und das war eine bewusste Entscheidung der beiden. Er hatte gerade eine Ausbildung begonnen. An einem warmen Septembermorgen fuhr er mit seiner 125er-KTM ganz normal zur Arbeit, als ein geparktes Auto losfuhr und ihn abdrängte. Ein Gutachten bestätigte nach drei Monaten, dass Christian nichts falsch gemacht hatte. Der Fahrer bekam 3.000 Euro Strafe und drei Monate Fahrverbot. Nicole bestand auf eine Gerichtsverhandlung und bezahlte sie selbst. Sie wollte, dass der Mann ihr in die Augen sieht. Nicoles Geschichte greift Fragen auf, die viele Trauernde beschäftigen: Wie lebt man weiter, wenn das eigene Kind gestorben ist? Was macht man mit der Wut auf den Verursacher? Und kann man an Gott glauben, wenn so etwas passiert?

     

    Wie fühlt sich Trauer nach dem plötzlichen Tod eines Kindes an?

    Nicole beschreibt die Zeit nach Christians Tod als „Dunkelheit. Schwarz. Schmerzen.“ Morgens hoffte sie, dass bald Abend ist, und abends, dass bald Morgen ist. Nicole und ihr Mann hatten in dieser Zeit nach eigener Aussage auch starke körperliche Schmerzen, beide mit Bandscheibenvorfällen. Drei Jahre lang ging Nicole jeden Tag zur Unfallstelle und zum Friedhof, trug Christians Kleidung und legte sich in sein Bett.

    Darf man wieder lachen, wenn das eigene Kind gestorben ist?

    Nicole hat erlebt, dass ein erstes Lächeln zuerst wie ein Verrat wirken kann, aber trotzdem ein Zeichen neuer Lebenskraft war. Als sie nach einem Gebet im Rückspiegel sah, dass sie lächelte, dachte sie: „Ich darf nicht lachen, mein Sohn ist tot.“ Zugleich spürte Nicole, wie Freude und Lebenswille zurückkamen, obwohl sie vorher nicht mehr leben wollte. Nach ihrer Erfahrung war das kein schlagartiger Wandel, sondern ein Prozess.

    Wie kann man jemandem vergeben, der den Tod eines geliebten Menschen verursacht hat?

    Für Nicole begann die Vergebung mit einer bewussten Entscheidung, nicht mit einem Gefühl. Eine Predigt über Vergebung machte ihr klar, dass sie den Unfallfahrer jeden Tag in Gedanken „hinterherträgt“, während er selbst davon kaum etwas merkt. Nicole räumte ihr Messer weg, verbrannte die Handynummer des Mannes und betete: „Herr, ich entscheide mich jetzt, ihm zu vergeben.“ Einen „großen Knall“ gab es nach ihren Worten nicht, aber die Rachegedanken verschwanden mit der Zeit, und heute weiß Nicole nicht einmal mehr seinen Namen.

    Warum lässt Gott zu, dass ein unschuldiger Mensch stirbt?

    Eine abschließende Antwort darauf hat Nicole nicht, aber sie stellt heute statt der Frage nach dem Warum die Frage nach dem Wozu. Nicole sieht, was nach Christians Tod an Gutem entstanden ist: Sie selbst fand zum Glauben, zerstrittene Menschen versöhnten sich in der Trauerzeit bei ihr zu Hause, und eine Kollegin ging wieder auf ihre Tochter zu. Dass Christian sterben „musste“, sagt Nicole ausdrücklich nicht. Nach ihrer Sicht hat ein Mensch den Unfall verursacht, und Gott verhindert nicht alles, was in der Welt passiert.

    Was hilft Trauernden mehr als gut gemeinte Trostworte?

    Nicole hat vor allem ehrliche Anteilnahme ohne schnelle Erklärungen geholfen. Sätze wie „Mein Kind ist bei Gott und alles ist gut“ stießen sie damals ab. Ihre Kollegin Julia sagte dagegen: „Warum Gott das zugelassen hat, kann ich dir nicht beantworten. Aber ich kann für dich beten.“ Genau diese Offenheit hat Nicole nach eigener Aussage von allen Gesprächen am meisten berührt. Schwer war für Nicole dagegen, dass Freunde nach ihren Besuchen in ihr normales Leben zurückkehrten und sie selbst in ihr „Nicht-Leben“.

    Was ist Lobpreis und warum kann diese Musik in der Trauer guttun?

    Lobpreis ist christliche Musik in moderner Form, oft mit Gitarre und Schlagzeug, und unterscheidet sich von klassischer Kirchenmusik. Julia schickte Nicole solche Lieder, als Nicole von Gott noch nichts wissen wollte. Nicole berichtet, dass die Musik sie ruhig machte, obwohl sie ständig Herzrasen hatte, verkrampft war und die Zähne zusammenbiss. Das ist Nicoles persönliche Erfahrung und keine allgemeine Wirkungsaussage.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn dich Trauer um einen geliebten Menschen, Wut und Rachegedanken oder der Gedanke, nicht mehr leben zu wollen, belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF

    Gerne stellen wir Ihnen unsere Inhalte zur Verfügung. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Arbeit von ERF Mensch Gott mit Ihrer Spende fördern. Herzlichen Dank! Jetzt spenden

    29 min
  • Wenn Vertrauen zerbricht
    © ERF

    Melanie wird als Kind von ihrem Stiefvater sexuell missbraucht. Als sie sich mit neun Jahren ihrer Mutter anvertraut, stellt sich die Mutter im späteren Gerichtsverfahren an die Seite ihres Partners und bestreitet gemeinsam mit ihm die Tat. Melanie lernt daraus, sich auf niemanden verlassen zu können. Vertrauen findet sie erst Jahre später wieder, als sie nach einer gescheiterten Beziehung beginnt, Gott persönlich zu suchen, und offen bekennt, dass sie ihm nicht vertrauen kann. Heute beschreibt Melanie Gott als „lebendigen Beistand, der mich wirklich kennt“. Sie hat ihrer Mutter vergeben, obwohl beide die Vergangenheit bis heute unterschiedlich sehen.

    Melanie wächst mit einem alkoholkranken Vater auf. Nach der Trennung der Eltern zieht die Mutter mit Melanie, ihrem Bruder und einem neuen Partner in den Rhein-Sieg-Kreis. Nach dem Missbrauch kommen Melanie und ihr Bruder zum Vater und zur Stiefmutter, später ins Heim. Melanie lebt bis 17 in einem katholischen Kinderheim und wird Erzieherin. In Beziehungen verliert sich Melanie lange: Sie will andere retten und gibt sich dabei selbst auf. Ihre Geschichte zeigt, wie tief Bindungsabbrüche in der Kindheit nachwirken können – und wie Melanie trotzdem lernt, Menschen und Gott zu vertrauen.

     

    Wie kann ich wieder vertrauen lernen, wenn ich als Kind enttäuscht wurde?

    Für Melanie begann neues Vertrauen damit, sich ehrlich einzugestehen, dass sie nicht vertrauen kann. In einem seelsorgerlichen Gespräch hat sie genau das im Gebet ausgesprochen und gehofft, dass Jesus diese Wunde heilt. Ein dramatischer Moment war das nach ihrer Aussage nicht: „Wir haben einfach nur gebetet und ähm ich habe das bekannt und mehr ist da nicht passiert.“ Vertrauen in Freundschaften hat Melanie erst später gelernt, während ihrer Zeit auf einer Bibelschule – einer theologischen Ausbildungsstätte.

    Kann man vergeben, wenn der andere das Unrecht nicht zugibt?

    Melanie hat ihrer Mutter vergeben, obwohl diese ihre Sicht auf den Missbrauch nicht geändert hat. Zuerst fühlte sich Vergebung für sie an, als würde sie der Mutter recht geben und ihr Gesicht verlieren. Entscheidend wurde für Melanie der Gedanke, dass Gott alles weiß, was ihr passiert ist – sie erlebte es so, dass Gott zu ihr sagte: „Ich weiß alles, was dir passiert ist. Und ich glaube dir.“ Seitdem ist sie nicht mehr davon abhängig, dass ihre Mutter ihr glaubt: „Ich konnte sie in dem, wie sie das sieht, so stehen lassen und das kann ich bis heute.“

    Warum verliere ich mich in Beziehungen immer wieder selbst?

    Melanie hat bei sich ein Muster erkannt: Sie suchte sich Menschen, die sie als hilfebedürftig erlebte, und zog Selbstwert daraus, diese Menschen zu „retten“. Dabei gab sie sich nach eigener Aussage völlig im anderen auf und sah nur noch, was der andere braucht. Als in einer Beziehung eine Hochzeit im Raum stand, merkte Melanie: „Dann gebe ich mich so auf, dass ich nicht mehr existent bin.“ Sie trennte sich und begann, sich dem Muster zu stellen, unter anderem mit therapeutischer Begleitung.

    Wie kann ich Gott vertrauen, wenn mir Schlimmes passiert ist?

    Melanie hat sich die Frage nach dem „Warum“ ausdrücklich gestellt und mit ihrem Bruder darüber gesprochen. Hilfreich war für sie ein Gedanke, den ihr Bruder als Eindruck von Gott aufschrieb: Jesus habe am Kreuz eine Lösung für das Leid geschaffen, und Melanie sei für Gott wie ein „Schatz im Acker“. Melanie sagt, dieser Gedanke habe ihren Blick verändert und trage sie bis heute, auch wenn schwierige Dinge nicht aufhören. Eine allgemeine Antwort auf die Frage nach dem Leid ist das nicht, sondern Melanies persönliche Erfahrung.

    Was bedeutet der „Schatz im Acker“?

    Der „Schatz im Acker“ ist ein kurzes Gleichnis von Jesus aus dem Matthäusevangelium: Ein Mensch findet einen verborgenen Schatz in einem Acker und gibt alles, was er hat, um diesen Acker zu kaufen. Melanie versteht das Bild persönlich: Sie selbst ist der Schatz, für den Gott alles hingibt. Darin findet sie nach eigener Aussage „eine tiefe Verbindung, die nichts erschüttern kann“ – gerade dann, wenn ihr Zugehörigkeit fehlt.

    Wo findet man Halt, wenn die engsten Menschen sterben?

    Als nach ihrem Vater auch ihr Bruder starb, fühlte sich Melanie „richtig entwurzelt“ und allein. Halt gab ihr der Glaube an einen Gott, der sie will und kennt, sowie das Bild vom „Schatz im Acker“. Melanie sagt offen, dass ihr Glaube das Gefühl fehlender Zugehörigkeit nicht vollständig weggenommen hat. Sie erlebt Gott aber als „tröstenden Gott, der eine Antwort hat auf meine Fragen, der meine Verzweiflung sieht“.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn dich Erfahrungen von Missbrauch, Einsamkeit, ungesunde Beziehungsmuster oder Trauer belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF.

    Autor: Martina Eibach

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    50 min
  • Meine Seele war überfordert
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    Dominik nimmt seit seinem 13. Lebensjahr Drogen und arbeitet als Softwareentwickler. Dann treffen ihn kurz hintereinander drei Schocknachrichten: Seine Freundin trennt sich von ihm. Ein Jugendfreund wird tot aus dem Main gezogen. Und seine Mutter, die Krebs hat, kommt ins Krankenhaus und stirbt wenig später auf der Palliativstation. Mit Trauer umzugehen, hat Dominik nie gelernt. Er nimmt noch mehr Drogen, am Tag „drei bis sieben unterschiedliche“, und überlebt eine Überdosis GBL. GBL ist eine Droge, die auch Liquid Ecstasy genannt wird. Ein Brief der Führerscheinstelle bringt ihn schließlich an seinen Tiefpunkt. Dominik kniet vor seinem Bett und betet: „Hey, Jesus, hol mich da raus.“ In den Tagen danach merkt er nach eigener Aussage, dass sein Verlangen nach Drogen verschwunden ist.

    Dominik wächst in Würzburg auf und kommt als Achtklässler zu Drogen: Nach dem Nachsitzen bietet ihm ein älterer Schüler einen Joint an. Weil Dominik sich in keiner Clique richtig zugehörig fühlt, werden die Drogen und die Freunde, mit denen er sie nimmt, zu seiner Identität. Seine Mutter spricht ihn immer wieder auf den Konsum an. Dominik fühlt sich dadurch von ihr abgelehnt, obwohl er ihr eigentlich nahe sein will. Als Jugendlicher überlebt er einen Suizidversuch und verbringt zwei Wochen in einer Psychiatrie. Den Ausschlag für seinen Weg zum Glauben gibt am Ende das Sterben seiner Mutter. Die gläubige Christin strahlt in ihren letzten Tagen einen Frieden aus, der Dominik überzeugt: Ihr Glaube ist echt. Seine Geschichte zeigt, wie Trauer einen Menschen überfordern kann, der jedes Gefühl mit Drogen betäubt hat.

     

    Warum greifen manche Menschen in der Trauer zu Drogen?

    Bei Dominik lag es daran, dass er nie gelernt hatte, mit schweren Gefühlen umzugehen. Er hatte, wie er sagt, „wirklich jede Emotion direkt mit einer Masse an Drogen behandelt“. Nach der Trennung, dem Tod seines Freundes und dem Tod seiner Mutter griff er deshalb zu dem Einzigen, was er kannte. Den Schmerz über die Verluste beschreibt er als „wie eine Explosion“. Das ist Dominiks persönliche Erklärung, keine allgemeine Aussage über Trauer und Sucht.

    Kann man drogenabhängig sein und trotzdem im Job funktionieren?

    Dominik hat das jahrelang so erlebt. Er war jeden Tag auf Drogen und ging trotzdem zur Arbeit: unter der Woche Schmerzmittel und Cannabis, am Wochenende Partydrogen auf Technopartys. Er hatte das Gefühl, sein Leben im Griff zu haben, weil er sein Geld verdiente und „alles so auf die Reihe“ bekam. Im Rückblick sagt Dominik, er sei gefangen gewesen und hätte allein nicht herausgefunden.

    Wie kann man Abschied nehmen?

    Für Dominik und seine Familie waren die letzten Tage mit seiner Mutter auf der Palliativstation schwer und schön zugleich. Sie besuchten sie jeden Tag und schauten mit ihr Fotoalben aus der Kindheit an. Wegen der Metastasen im Kopf konnte Dominiks Mutter nur noch kurze Sätze sagen, zum Beispiel „Ich liebe dich“. Dominik konnte sich bei ihr entschuldigen und spürte, dass sie ihre Liebe ernst meinte: „Das haben auch ich und meine gesamte Familie gebraucht in dieser Zeit.“

    Kann der Glaube an Gott helfen, von einer Sucht loszukommen?

    Dominik hat das so erlebt, kann es aber nach eigenen Worten „bis heute nicht ganz erklären“. Nach dem Brief der Führerscheinstelle zog er eine große Menge Ketamin, war aber nach eigener Schilderung plötzlich „komplett nüchtern“ und erkannte: „Krass, mein Leben ist in Trümmern.“ Er betete zu Jesus. In den Tagen danach merkte er, dass das Verlangen weg war, das er wie „ein Feuer oder so ein Hunger unter dem Brustkorb“ gespürt hatte. Das ist Dominiks persönliche Glaubenserfahrung und kein Versprechen, dass eine Sucht auf diese Weise endet.

    Warum fühlt man sich abgelehnt, obwohl man dazugehören möchte?

    Dominik hat sich seit der Schulzeit in keiner Gruppe ganz zugehörig gefühlt. Auch die Sorge seiner Eltern über den Drogenkonsum empfand er als Ablehnung. Als er später in die Kirchengemeinde zurückkehrte, in der er getauft worden war, rechnete er wieder damit, nicht hineinzupassen. Dort wurde er aber willkommen geheißen, fand Freunde und seine heutige Frau. Rückblickend sagt Dominik: „Viel von dieser Ablehnung, die war in mir drin.“

    Wie lernt man, mit schwierigen Gefühlen umzugehen, ohne sich zu betäuben?

    Dominik sagt, er musste das nach dem Ende der Drogen erst lernen und sei „noch auf dem Weg“. Wenn heute Angst, Wut oder Ablehnung hochkommen, hilft ihm, rauszugehen, durchzuatmen, zu beten, mit einem Freund zu reden oder direkt das klärende Gespräch zu suchen. Eine allgemeine Lösung gibt es dafür nach seiner Erfahrung nicht.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn dich Trauer, eine Drogensucht, Suizidgedanken oder das Gefühl, nirgends dazuzugehören, belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF.

    Autor: Martina Eibach

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    52 min
  • Auf spiritueller Suche
    © ERF

    Matheo, ein Musikproduzent, der in Berlin aufgewachsen ist, hat jahrelang nach innerem Frieden gesucht: im Leistungssport, auf Partys, mit Drogen, in der Meditation und in esoterischen Praktiken wie dem Öffnen des sogenannten „dritten Auges“. Bei einer Meditation wurde es plötzlich hell um ihn, und er hörte eine Stimme sagen: „Matheo, ich warte immer noch auf dich.“ Matheo war sich sofort sicher, dass Jesus zu ihm sprach. Danach suchte er Jesus noch eine Zeit lang auf esoterischen Wegen, bis er Christen kennenlernte und sich zum christlichen Glauben bekehrte. Heute sagt Matheo über Jesus: „Er ist der Friede, den ich mein Leben lang gesucht habe.“

    Matheos Suche beginnt in seiner Kindheit. Er ist in Deutschland geboren, hat einen Teil seiner Kindheit in Kolumbien verbracht und erinnert sich an nächtliche Schattengestalten, die ihm große Angst machten. Als Matheo 12 Jahre alt war, wackelte beim Abendessen plötzlich ein Familienfoto heftig an der Wand. Seine Mutter rief in Panik, jemand sei gestorben. Wenige Minuten später kam der Anruf, dass Matheos Patenonkel erschossen worden war. Später erkrankte Matheos Mutter an Krebs und starb 2013. Matheo verdrängte die Trauer über Jahre. Seine Geschichte zeigt, wie ein Mensch nach Verlust und Angst überall nach Halt sucht und wie er diesen Halt nach eigener Erfahrung im Glauben an Jesus gefunden hat.

     

    Was ist mit dem „dritten Auge“ gemeint?

    Mit dem „dritten Auge“ ist in esoterischen Kreisen ein inneres Wahrnehmungsorgan gemeint, mit dem man angeblich Geistiges sehen kann. Matheo beschreibt es als Möglichkeit, „in der geistlichen Welt“ zu sehen. Beim Versuch, sein drittes Auge zu öffnen, erlebte Matheo eine plötzliche Kälte und eine Angst, die so stark war, dass er drei Tage lang nicht in seine Wohnung konnte. Danach ließ er diese Praxis bewusst bleiben.

    Was passiert, wenn man Trauer verdrängt?

    Für Matheo führte verdrängte Trauer nicht zu Heilung, sondern zu innerer Härte. Er beschreibt, dass er nach dem Tod seiner Mutter nach außen gut zurechtkam, aber bitter, kalt und egoistisch wurde und keine echten Beziehungen führen konnte. Wie sich verdrängte Trauer bei anderen Menschen auswirkt, lässt sich aus Matheos Geschichte nicht allgemein ableiten.

    Kann Meditation inneren Frieden bringen?

    Matheo erlebte Meditation zuerst als hilfreich: Nach Wochen täglicher Atemübungen wurde er ruhiger, und das innere Chaos ließ nach. Im Rückblick sieht er darin aber vor allem eine Methode, mit der er schmerzhafte Gefühle und herausfordernde Menschen wegschob. Den Frieden, den er gesucht hat, verbindet Matheo heute mit seiner Beziehung zu Jesus.

    Was bedeutet der Satz „Jesus ist mein Hirte“?

    Das Bild vom Hirten steht im christlichen Glauben dafür, dass Gott Menschen führt und für sie sorgt. Es geht unter anderem auf Psalm 23 in der Bibel zurück („Der Herr ist mein Hirte“). Matheo ließ sich den Satz mit 17 tätowieren, ohne die Bedeutung zu kennen. Nach seiner Jesus-Begegnung verstand er den Satz für sich so: Ein Schaf hört auf den Hirten, wenn der Hirte ruft.

    Darf man als Christ Angst haben?

    Für Matheo gehört Angst zum Glauben dazu: „Es ist okay, Angst zu haben.“ Er verweist darauf, dass auch Jesus vor der Kreuzigung Angst hatte. Nach seiner Krebsdiagnose hatte Matheo zwei Wochen lang Gedanken wie „Werde ich Weihnachten noch leben?“. Geholfen hat ihm, die Angst auszusprechen und trotzdem zu sagen: „Ja, ich habe Angst, aber ich vertraue Jesus.“

    Wie kann eine Bekehrung zum christlichen Glauben aussehen?

    Eine Bekehrung bezeichnet die bewusste Entscheidung, sich dem christlichen Glauben zuzuwenden. Bei Matheo geschah das allein in seinem WG-Zimmer: Er kniete nieder, bat Jesus, ihn kennenzulernen, und setzte Sätze wie „Du bist geliebt, du bist was wert“ gegen alte Selbstbilder. Matheo betont, dass danach nicht alles auf einmal anders war. Die Lösung von früheren esoterischen Bindungen und die Verarbeitung der Trauer erlebte er als längeren Prozess.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn dich Trauer, Angst, eine schwere Krankheit oder Probleme mit Drogen belasten, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF.

    Autor: Jonathan Plaß

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    51 min
  • Lebenswende am Mount Everest
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    Steve, ein Bergsteiger aus Hamburg, wollte den jeweils höchsten Berg aller sieben Kontinente besteigen und so Anerkennung und das Gefühl finden, angekommen zu sein. Nach sechs Gipfeln steht er im Basislager des Mount Everest vor dem Khumbu-Eisbruch, einem gefährlichen Gletscherabschnitt, und hört eine leise, klare innere Stimme: „Dieses Jahr ist es zu gefährlich.“ Steve bricht die Expedition ab. 48 Stunden später tötet eine Lawine an genau dieser Stelle 16 Menschen. Zurück in Hamburg fühlt sich Steve trotz beruflichem Erfolg innerlich leer, wendet sich an Gott und findet über Jahre einen Glauben, in dem er sich gesehen fühlt, bevor er etwas leistet.

    Steves Suche beginnt 2007 auf dem Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. Dort erlebt der Fitnesstrainer und Coach eine Intensität an Gefühlen, von der er „mehr in meinem Leben“ haben möchte. Daraus entsteht ein Plan bis 2014: Jedes Jahr ein Kontinent, am Ende der Everest. Das Projekt kostet ihn nach eigener Aussage rund 250.000 Euro, bringt ihm aber Vorträge, Bücher und Medienaufmerksamkeit. Steves Geschichte berührt eine Frage, die viele Menschen kennen: Was bleibt, wenn Anerkennung vor allem an Leistung hängt?

     

    Warum fühlen sich manche Menschen nur wertvoll, wenn sie etwas leisten?

    Steve erklärt das in seinem Fall mit seiner Prägung: Zuwendung und Nähe hat er als Kind vor allem erlebt, wenn er etwas leistete. Deshalb suchte er sich später ein Umfeld, in dem Erfolge Anerkennung brachten, von 30 Kilogramm Muskeln bis zu den höchsten Bergen. Das ist Steves persönliche Deutung, keine allgemeine Erklärung.

    Warum macht Erfolg nicht automatisch glücklich?

    Steve hat erlebt, dass äußerer Erfolg eine innere Leere nicht füllen konnte. Nach dem Everest war er beruflich auf dem Höhepunkt und fühlte sich zugleich innerlich leer wie noch nie. Das Glück, das er auf den Gipfeln gesucht hatte, fand er dort nach eigener Aussage nicht, wohl aber einen tiefen Sinn.

    Wie kann man ohne Glaubenshintergrund Zugang zu Gott finden?

    Anstatt eines schnellen Weges, beschreibt Steve eine jahrelange, beharrliche Suche. Er begann mit einem ehrlichen Gebet, schaffte bewusst Ruhe im Alltag, las viel und besuchte verschiedene Kirchen, bis er eine Gemeinde fand, in der er sich zu Hause fühlte. Er sagt auch offen, dass ihn vieles überfordert hat. Seine Erfahrung ist ein persönlicher Weg, keine allgemeine Anleitung.

    Kann eine innere Stimme die Stimme Gottes sein?

    Im Rückblick betrachtet war es für Steve so. Am Everest nannte er die Stimme zunächst Intuition oder Bauchgefühl. Erst als der Glaube in sein Leben kam, deutete er sie als Stimme Gottes. Diese Deutung ist Steves persönliche Glaubensüberzeugung.

    Warum werden manche Menschen bewahrt und andere nicht?

    Steve hat darauf keine Antwort. Warum er die Warnung gehört und befolgt hat, während 16 Menschen in der Lawine starben, weiß er nicht, und er räumt ein, dass das ungerecht erscheinen kann. Für ihn gehört es zum Glaubensweg, mit offenen Fragen zu leben und trotzdem weiterzugehen.

    Ist Leistung aus christlicher Sicht etwas Schlechtes?

    Für Steve nicht. Er ist „immer noch ein Fan von Leistung“ und glaubt, dass auch Gott Leistung gut findet. Entscheidend ist für ihn die Quelle: Leistung aus Bedürftigkeit empfindet er als „brüchig“. Leistung, die aus dem Gefühl kommt, schon vorher angenommen zu sein, erlebt er als nachhaltiger und sinnstiftender.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn du dich innerlich leer, erschöpft oder unter Leistungsdruck fühlst, musst du damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden: Gebet beim ERF.

    Autor: Sebastian Roncal

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    51 min
  • Wo finde ich Nähe?
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    Eva sucht als Jugendliche und junge Frau Liebe und Nähe in wechselnden sexuellen Beziehungen und One-Night-Stands. Statt Annahme erlebt sie dabei vor allem Zurückweisung, und sie denkt: „Mich kann man einfach nicht lieben.“ Der Wendepunkt kommt, als sie während eines Sommerjobs kurz davor ist, eine Affäre mit einem verheirateten Kollegen zu beginnen. Danach wendet sie sich wieder Jesus zu, dem sie schon als Kind begegnet war. Heute weiß Eva nach eigenen Worten, „dass ich geliebt bin, dass ich gewollt bin“. Ihr Wunsch nach einer Partnerschaft ist geblieben, aber er ist nicht mehr verzweifelt.

    Evas Suche nach Nähe beginnt in ihrer Kindheit. Als ihre Oma an Krebs erkrankt, zieht die Familie in das Haus der Großmutter, und Evas Mutter ist fast nur noch mit der Pflege beschäftigt. Das lebhafte Mädchen hört damals Sätze wie „Du bist zu laut“ und fühlt sich wie eine Last. In der Grundschulzeit erlebt Eva außerdem, wie eine Gruppe älterer Jungen ihre Grenzen massiv überschreitet. Ihre Geschichte zeigt, wie früh erlebte Ablehnung und Scham die spätere Suche nach Liebe prägen können. Sie zeigt auch, wie Eva einen neuen Blick auf sich selbst gefunden hat.

     

    Warum suchen manche Menschen Nähe in One-Night-Stands?

    Bei Eva stand dahinter der Wunsch, angenommen und geliebt zu werden. Diesen Wunsch führt sie auf Erfahrungen von Ablehnung und Einsamkeit in ihrer Kindheit zurück. Die kurzen Begegnungen gaben ihr erst ein Hochgefühl und danach das Gefühl, noch weniger liebenswert zu sein. Das ist Evas persönliche Deutung und keine allgemeine Erklärung.

    Warum fühle ich mich nach Sex manchmal einsamer als vorher?

    Eva hat genau das erlebt: Am nächsten Tag wartete sie oft vergeblich auf eine Nachricht. Daraus schloss sie: „Mich kann man einfach nicht lieben.“ Sie suchte den Fehler immer bei sich selbst. Rückblickend sieht sie darin ein ungesundes Muster.

    Kann Ablehnung in der Kindheit spätere Beziehungen prägen?

    Eva erlebt es so. Als Kind hörte sie Sätze wie „Wir können dich gerade nicht gebrauchen“ und fühlte sich als Last. Dieses Gefühl begleitete sie in ihre Partnerschaften. Wie stark solche Erfahrungen bei jemandem nachwirken, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

    Wie kann man mit Scham über die eigene Vergangenheit umgehen?

    Eva erinnert sich daran, wer sie ist: geliebt. Sie sagt der Scham innerlich, dass deren Zeit vorbei ist. Diese Haltung hat sie in ihrem Glauben an Gott gefunden, der ihr nach ihrer Erfahrung vergeben hat. Ganz verschwunden ist die Scham nicht, aber sie hat nicht mehr das letzte Wort.

    Hilft Esoterik bei der Suche nach Halt?

    Eva hat es mit Meditation und positiven Affirmationen versucht. Sie spürte aber, „dass mich das nicht halten konnte“. Halt fand sie erst in einer persönlichen Beziehung zu Jesus. Das ist ihre persönliche Glaubenserfahrung.

    Wie kann man nach langer Zeit wieder mit Gott reden?

    Eva fing ganz einfach an. Sie stellte sich vor, dass Jesus im Raum ist, und sprach ihn schüchtern an: Wenn er noch da sei, solle er sich zeigen. Danach erzählte sie ihm von ihrem Tag, „wie wenn man so ein Kind ist und der Vater bringt einen ins Bett“.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn dich Einsamkeit, Scham oder deine Beziehungen belasten, kann ein vertrauliches Gespräch ein erster Schritt sein, zum Beispiel mit einer Seelsorgerin oder einem Seelsorger, einer Beratungsstelle oder einer Psychotherapeutin oder einem Psychotherapeuten.

    Du steckst in einer schwierigen Lebenssituation und suchst konkrete Hilfe? Schreib uns eine E-Mail oder nutze unser Seelsorge-Portal.

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    29 min
  • Beinah ein Star
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    Laura ist 21 Jahre alt, und ihr Traum wird gerade wahr: Nach Gesprächen mit Warner, Sony und Universal unterschreibt die Singer-Songwriterin aus Hamburg bei Sony. Sie bekommt den Künstlernamen LuCia, zwei Manager und arbeitet mit Produzenten, die auch für bekannte deutsche Stars tätig sind. Rund 30 Songs sind fast fertig produziert – veröffentlicht wird keiner. Innerhalb eines Jahres brechen Beziehung, Freundeskreis und der Kontakt zur Mutter weg, Laura erkrankt an einer Depression und verliert den Antrieb, Musik zu machen. Der Wendepunkt kommt für sie nach einem Kreislaufkollaps in einem Einkaufszentrum. Diese Erfahrung beschreibt sie als Begegnung mit Jesus. Es folgt ihr erstes Gebet in der letzten Reihe einer katholischen Kirche. Heute, einige Jahre später, macht Laura christliche Musik – unter demselben Künstlernamen LuCia, den sie damals bei Sony bekam.

    Lauras Sehnsucht nach Annahme begann lange vor dem Labelvertrag. Sie sang acht Jahre in einem privaten Kinderchor und reiste mit ihm als Kind bis in die USA, nach China und nach Kanada. Dort entstand ihr Traum von der Musik. Ihren ersten Song schrieb sie mit etwa neun Jahren, als ihr Hamster starb – ein Abschiedslied. Später verarbeitete sie in Liedern vor allem die Beziehung zu ihrem Vater, der nach ihrer Beschreibung „da war, aber irgendwie auch nicht“, und das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Damit erzählt Lauras Geschichte etwas, das nicht nur Musiker und Musikerinnen kennen: die Erfahrung, dass Erfolg und Anerkennung von außen ein inneres Defizit nicht auffüllen.

     

    Warum fühlt sich Erfolg manchmal leer an?

    Laura beschreibt, dass sie mit einem Major-Label-Vertrag, zwei Managern und 30 fast fertigen Songs trotzdem innerlich leer war: „Um fünf Uhr nachts aus dem Studio kommen und dann noch im Hotelzimmer sitzen und gegen die Wand starren und einfach nur Leere zu empfinden ist nicht schön.“ Ihre Erklärung im Rückblick: Hinter der Leere stand der Wunsch, geliebt und anerkannt zu werden. Anerkennung aus der Welt erlebt sie als flüchtig – das ist ihre persönliche Deutung, keine allgemeine Diagnose.

    Was passiert, wenn man seine Identität komplett auf einen Traum baut?

    Laura sagt über die Musik: „Das war alles, worauf ich meine Identität gestützt habe. Und wenn dir das dann wegfällt, dann fällst du tief.“ Als Beziehung, Freundschaften und der Kontakt zur Mutter gleichzeitig wegbrachen, fiel für sie auch die letzte tragende Säule weg. Sie beschreibt das nicht als Fehler des Traums, sondern als Risiko, wenn der Selbstwert ausschließlich an einem Bereich hängt.

    Wie kann der Vater-Mangel den Selbstwert prägen?

    Laura erzählt, dass ihr Vater körperlich anwesend, aber emotional nicht da war, und dass ihre Eltern sich trennten, als sie zwölf war. Daraus entstand für sie das Gefühl: „Ich bin nicht gut genug.“ Diese Erfahrung verarbeitete sie in Songs, unter anderem in einer Zeile, die sie minutenlang wiederholt: „Du warst nie für mich da.“ Sie schildert das als ihre Erfahrung, nicht als allgemeingültige psychologische Erklärung.

    Hilft es, Gefühle aufzuschreiben?

    Für Laura ist Schreiben seit ihrer Kindheit der Weg, schwere Gefühle abzuladen. Ihren ersten Song schrieb sie mit etwa neun Jahren, als ihr Hamster starb – „der Abschied an sich hat mir nicht gereicht, ich musste es künstlerisch verpacken“. Sie beschreibt es als Möglichkeit, „ein Stück der Last abzugeben“. Das ist ihre persönliche Erfahrung und ersetzt keine Behandlung.

    Was ist ein A&R bei einem Musiklabel?

    Ein A&R ist die Person im Label, die als Bindeglied zwischen Künstlerin und Firma arbeitet und das Projekt intern voranbringt. Laura beschreibt es so: „Der marschiert für dich.“ Sie entschied sich deshalb bewusst für das Label mit dem begeistertsten A&R – und verließ Sony nach einem Jahr, als genau diese Person das Unternehmen verließ.

    Kann man christlichen Glauben finden, ohne religiös erzogen worden zu sein?

    Laura wuchs in einer christlichen Familie auf, ging aber im Wesentlichen nur an Weihnachten in die Kirche und hatte nach eigener Aussage keine wirkliche Bindung zum Glauben; kurz vor ihrem Zusammenbruch hatte sie sich mit dem Islam beschäftigt. Ihr Weg begann für sie mit einer Erfahrung im Einkaufszentrum und einem ersten eigenen Gebet in der letzten Kirchenbank. Sie beschreibt den Weg ausdrücklich als unperfekt und schildert bis heute Zweifel und schwere Phasen.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Du denkst an Suizid, machst dir um jemanden Sorgen oder hast einen Menschen aufgrund eines Suizidtodesfalls verloren? Hier findest Du Erste-Hilfe-Tipps, Notfallkontakte und Hilfsangebote.

    Du steckst in einer schwierigen Lebenssituation und suchst konkrete Hilfe? Schreib uns eine E-Mail oder nutze unser Seelsorge-Portal.

    Autor: Sebastian Roncal

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    53 min
  • „Ich suchte Liebe und verlor mich selbst“
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    Katja hat jahrelang in Beziehungen nach Liebe und Nähe gesucht – und dabei sich selbst verloren. Aus Angst, verlassen zu werden, gab sie eigene Grenzen auf: Mit ihrem zweiten Mann Oleg ging sie fast sechs Jahre lang in Swingerclubs, obwohl sie das, wie sie sagt, innerlich zerstörte. Um die Abende auszuhalten, trank sie. Über zehn Jahre verlor sie außerdem sehr viel Geld in Spielhallen. Der Wendepunkt kam für Katja in zwei Nächten, in denen sie betete: Nach dem ersten Gebet, sagt sie, war das Verlangen zu spielen am nächsten Morgen weg – nach einem weiteren Gebet 2022 das Verlangen nach Alkohol. Heute lebt Katja ohne Alkohol, hat eine Therapie bei einer Suchtberatungsstelle abgeschlossen und beschreibt sich als „geliebte Königstochter“.

    Der Ursprung dieser Verlustangst liegt für Katja in ihrer Kindheit in Kasachstan: Mit sieben Jahren erlebte sie, wie ihr Vater an einem Herzinfarkt starb. Danach wurde sie fünf Tage lang bei einer Cousine in einem Kinderzimmer untergebracht, ohne mit ihrer Mutter sprechen zu können – ein Moment, der sie ihr Leben lang geprägt hat. Zu ihrer Mutter erlebte Katja wenig Nähe und regelmäßig Schläge. Mit 14 zog die Familie nach Deutschland, wo Katja in der Schule ausgelacht wurde. Wer selbst Verlustangst, Selbstaufgabe in Beziehungen oder eine Suchtgeschichte kennt, findet in Katjas Erzählung nachvollziehbar beschrieben, wie eine unerfüllte Sehnsucht nach Geborgenheit Entscheidungen über Jahrzehnte prägen kann – und wie ein Ausstieg für sie möglich wurde.

     

    Warum geben Menschen in Beziehungen eigene Grenzen auf?

    Weil die Angst, verlassen zu werden, größer sein kann als der eigene Widerstand. Katja beschreibt das für sich so: Sie stand vor der Wahl, ihren Traum von Familie aufzugeben oder sich selbst – und entschied sich gegen sich selbst. „Aus meiner Liebe heraus zu dieser Person und nicht verlassen zu werden, war für mich gar keine andere Option als mitzumachen.“ Das ist ihre persönliche Erfahrung, keine allgemeine Erklärung für alle Betroffenen.

    Kann ein Verlust in der Kindheit das Beziehungsverhalten als Erwachsene prägen?

    Katja erlebt es rückblickend so. Sie verbindet ihre Angst vor dem Verlassenwerden direkt mit dem Tod ihres Vaters, als sie sieben Jahre alt war, und mit den fünf Tagen danach, in denen sie mit ihrer Trauer allein blieb. In der Therapie erkannte sie, dass sie in der Sehnsucht nach ihrem Vater „stecken geblieben“ ist und in Beziehungen nach einem Ersatz suchte. Ob das im Einzelfall so zusammenhängt, lässt sich nur mit fachlicher Begleitung klären.

    Warum trinken manche Menschen, obwohl sie nach außen funktionieren?

    Weil Alkohol innere Zustände betäuben kann, während das Leben äußerlich weiterläuft. Katja arbeitete, machte Kirchendienste und ging zu Elternabenden – und trank täglich acht bis neun Flaschen Bier, am Wochenende bis zu 15. Sie sagt, sie sei mit ihrer Sucht offen umgegangen, aber ihr Umfeld habe es ihr nicht glauben wollen, weil ihr Leben nach außen perfekt wirkte.

    Was hilft, wenn man allein nicht aus einer Sucht herauskommt?

    Für Katja waren zwei Dinge entscheidend: der Gang zur Ärztin und die anschließende Suchtberatung – und ihr Glaube. Sie ging zweimal pro Woche abends in die Therapie und verlängerte dreimal, mit Gruppensitzungen und Einzelgesprächen. Wichtig ist ihr, dass Abstinenz allein nicht gereicht hätte: Sie wollte verstehen, „was ist der kleinen Katja damals passiert“. Eine erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder eine Suchtberatungsstelle sein.

    Kann man den Kontakt zu einem Elternteil wiederaufbauen, von dem man geschlagen wurde?

    Bei Katja war das möglich, aber es war ein langer Weg über Therapie und Glauben. Ihre Mutter lebt inzwischen pflegebedürftig bei ihr. Katja betont ausdrücklich, dass Vergebung das damalige Verhalten nicht rechtfertigt: „Es ist passiert, die Gefühle sind nun mal entstanden.“ Ob und wann ein solcher Schritt guttut, kann niemand von außen entscheiden.

    Wie kann man lernen, allein zu sein, ohne sich einsam zu fühlen?

    Katja beschreibt es als etwas, das sie erst lernen musste – nachdem sie jahrzehntelang durchgehend in Beziehungen war, weil sie das Alleinsein nicht aushielt. In der Therapie übte sie, Nein zu sagen, konsequent zu sein und Gefühle zuzulassen, ohne sie zu betäuben. Heute fährt sie allein in Urlaub und sagt: „Mir geht's trotzdem immer gut.“

     

    Wo kann man Hilfe finden?

    Wenn du unter Alkohol, Glücksspiel oder Gewalt in deiner Beziehung oder Familie leidest: Du musst damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden – Gebet beim ERF.

    Autor: Melanie Wied

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    53 min
  • Jeder Fehler eine Katastrophe
    © ERF

    Alexander, Vater von fünf Kindern, verliert mit Anfang 40 nach 22 Jahren Ehe seine Familie, sein Zuhause und sein Ansehen. Nach der Scheidung sitzt er mit sechs Kisten in einer kleinen Wohnung, arbeitet nach eigener Aussage „24/7“ und entwickelt starke Wut- und Hassgefühle – gegen seine Ex-Frau, gegen andere Menschen und schließlich gegen sich selbst. An einem Tag, an dem er rund 20 Menschen aus Freundes- und Familienkreis anruft und niemanden erreicht, steigt er auf das Geländer einer Autobahnbrücke. In diesem Moment sieht er seine Kinder vor Augen und wird sich bewusst, dass er ihnen denselben Schmerz hinterlassen würde, den er selbst empfindet. Er steigt vom Geländer herunter mit dem Satz: „Ich will leben.“

    Alexander und seine damalige Frau waren aktive Mitglieder einer christlichen Gemeinde. Nach außen blieb die Fassade intakt, während die Ehe zerbrach – „innen drin brodelte es“. Nach der Trennung sucht Alexander gezielt Menschen, die ihm helfen können. Ein Gesprächspartner stellt ihm die Frage, ob ihm bewusst sei, was Gott ihm selbst vergeben habe. Über Wochen betet Alexander fast ausschließlich darum, das zu verstehen – bis er eines Morgens aufwacht und die Last weg ist. Seine Geschichte ist für Menschen interessant, die eine Trennung erlebt haben, die mit Schuldzuweisungen und Bitterkeit ringen oder die erleben, dass Glaube und Alltag auseinanderfallen.

     

    Was kann helfen, wenn man nach einer Trennung völlig einsam ist?

    Alexander beschreibt, dass ihm erst der Schritt half, gezielt nach Menschen zu suchen, die ihm nicht nur zuhören, sondern konkret weiterhelfen konnten. Vorher hatte er andere vor allem als „Müllhalde“ für seine Wut genutzt und dabei immer wieder Bestätigung für seine Opferrolle gesucht – das gab kurz Luft, änderte aber nichts. Das ist seine persönliche Erfahrung, keine allgemeine Empfehlung für jede Situation.

    Warum merkt man selbst nicht, wenn aus Wut Hass wird?

    Alexander sagt, er habe diesen Prozess der „Vertiefung von Wut in Hass“ gar nicht bemerkt. Nach seiner Erfahrung verschieben sich die eigenen Grenzen nach und nach: Was anfangs ein absolutes No-Go war, wird mit zunehmender empfundener Ungerechtigkeit normalisiert. Er beschreibt das als seinen eigenen Verlauf, nicht als allgemeingültiges psychologisches Modell.

    Warum sucht man bei Konflikten die Schuld zuerst bei anderen?

    Weil es Genugtuung verschafft, sagt Alexander rückblickend. Er habe seinen eigenen Anteil zunächst auf etwa fünf Prozent heruntergerechnet und alles Übrige anderen zugeschrieben. Erst als er länger über die Vergangenheit nachdachte, wurde ihm bewusst, wie viel er selbst aktiv beigetragen hatte – etwa durch seine Art zu kommunizieren und durch die vielen Abwesenheiten.

    Wie kann man jemandem vergeben, der einen tief verletzt hat?

    Für Alexander war der Auslöser nicht ein Entschluss, sondern eine Erkenntnis: Er begriff, dass das, was Gott ihm selbst vergeben hat, größer ist als das, was Menschen ihm angetan haben. Danach musste er nach eigener Aussage keine klärenden Gespräche mehr führen – die Last war weg. Das ist seine persönliche Glaubenserfahrung und kein Ablaufplan, der bei allen Menschen so funktioniert.

    Was bedeutet „Gnade“ im christlichen Glauben?

    Gnade meint im christlichen Verständnis, dass ein Mensch von Gott angenommen und ihm vergeben wird, ohne dass er sich das verdienen muss. Alexander beschreibt, dass ihm dieser Begriff jahrelang bekannt war, aber „wie eine Floskel“ – bis er ihn auf sein eigenes Leben bezog. Heute sagt er, er lebe aus Gnade, und leitet daraus seine Haltung der Dankbarkeit ab.

    Wie kann es sein, dass Glaube und eigenes Verhalten so weit auseinanderliegen?

    Alexander beschreibt genau diesen Widerspruch: Er war in einer christlichen Gemeinde aktiv, während zu Hause Türenknallen, Schreien und Beleidigungen den Alltag prägten. Er nennt das eine „christliche Fassade“ und sagt, er habe sich eingeredet, diese Diskrepanz sei als Mensch in einer unvollkommenen Welt normal. Erst die Frage, ob er den kenne, „der in ihm lebt“, brachte ihn dazu, Glaubensaussage und Alltag nebeneinanderzulegen.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Du denkst an Suizid, machst dir um jemanden Sorgen oder hast einen Menschen aufgrund eines Suizidtodesfalls verloren? Hier findest Du Erste-Hilfe-Tipps, Notfallkontakte und Hilfsangebote.

    Du steckst in einer schwierigen Lebenssituation und suchst konkrete Hilfe? Schreib uns eine E-Mail oder nutze unser Seelsorge-Portal.

    Autor: Jörg Würz

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    43 min
  • „Das Monster Einsamkeit“: Nadines Weg zu bedingungsloser Liebe
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    Nadine konnte als junge Frau keine Minute allein in ihrem Zimmer sein. Sie nennt es „das Monster Einsamkeit“: ein Gefühl von Kälte und Wertlosigkeit, das sie überflutete, sobald es still wurde. Ihre Lösung war Handball – Leistungssport bis in die 1. Bundesliga, ein Tagesplan von sechs Uhr morgens bis abends um sieben, kein Loch, in das die Angst hätte fallen können. Erst nach fünf Knieoperationen hörte sie auf. Und fand auf einer Reise nach Neuseeland heraus, wonach sie eigentlich ihr Leben lang gesucht hatte: nach Liebe, die nichts von ihr verlangt.

    Aufgewachsen ist Nadine in Ostdeutschland. Mit acht Monaten kam sie in die Krippe, beide Eltern arbeiteten Vollzeit und versorgten nebenbei zwei Gärten. Sie stand morgens allein auf, machte sich allein Frühstück, ging allein zur Schule. Als Kind zog sie daraus einen Schluss, der sie über Jahrzehnte prägte: Wenn niemand Zeit mit mir verbringt, bin ich nichts wert. Mit neun Jahren fand sie eine eigene Welt – und verbot ihren Eltern, zu ihren Handballspielen zu kommen.

     

    Was meint Nadine mit dem „Monster Einsamkeit“?

    So nennt sie die panische Angst, die sie überkam, sobald sie allein war. Sie beschreibt sie als Kälte, die von außen kommt und sich nicht wegdrücken lässt, verbunden mit dem Gefühl, wertlos zu sein. Um ihr zu entkommen, füllte sie ihren Tagesablauf so voll wie möglich.

    Warum hat sie mit dem Leistungssport aufgehört?

    Nach der fünften Knieoperation, mit etwa 23 Jahren. Ausschlaggebend war eine andere Leistungssportlerin, die nach einer misslungenen Operation dauerhaft mit Schiene lebte. Nadine wollte nicht so enden – obwohl Handball bis dahin ihre gesamte Identität war.

    Was hat sie in Neuseeland erlebt?

    Ihr gebrauchtes Auto ging mehrfach kaputt, und jedes Mal halfen ihr Fremde, oft kostenlos – und bedankten sich noch dafür, helfen zu dürfen. Für sie war das die erste Erfahrung von Liebe, die keine Gegenleistung verlangt.

    Warum koppeln Menschen ihren Wert an Leistung?

    Weil sie es früh gelernt haben. Bei Nadine kam beides zusammen: Eltern, die kaum Zeit hatten, und ein gesellschaftliches Umfeld, in dem Arbeit den Wert des Menschen bestimmte. Im Buch zur Jugendweihe stand ausdrücklich, dass der Wert aus dem Arbeiten kommt.

    Kann man die Angst vor dem Alleinsein wieder loswerden?

    Nadines Erfahrung ist eindeutig: Sie sagt, die Angst sei heute nicht mehr vorhanden, und sie sei gern allein. Bei ihr war es ein längerer Prozess mit seelsorgerlicher Begleitung, nicht ein einzelnes Erlebnis. Wer unter Einsamkeit oder Angst leidet, findet unten Anlaufstellen.

     

    Wo finde ich Hilfe?

    Wenn du unter Einsamkeit, Angst oder belastenden Gedanken leidest: Du musst damit nicht allein bleiben. Die TelefonSeelsorge ist rund um die Uhr kostenlos erreichbar unter 0800 1110111 und 0800 1110222. Auch beim ERF kannst du dich melden – Gebet beim ERF.

    Autor: Sebastian Roncal

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    46 min

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