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„Wie geht es dir?“ – „Oh, danke, mir geht es gut!“. Heutzutage ist das eine oft gestellte Frage und die oft entgegnete Antwort dazu. Auch bei mir. – Nun, es geht mir gut. Ich bin gesund, ich habe eine schöne Wohnung, die ich erst kürzlich bezogen habe und wo es immer noch genug zu tun gibt, ich habe genug zu Essen und ich habe sogar gestern eine Packung mit acht Rollen Klopapier bekommen.
Mir geht es gut. Aber – ist es wirklich so? Mir fehlt die Gemeinde. War sie doch mir, der alleinerziehenden Mutter, schon früher der Ersatz für eine heile Familie. Und auch in den letzten sechs Jahren, nachdem ich meine jetzt schon erwachsenen Kinder auf Gottes Wort hin verlassen habe, um für eine andere Gemeinde da zu sein, war sie mir alles. Sie verkörperte für mich nicht nur die Familie, sondern auch einen Bergungsort gegen Einsamkeit und Untätigkeit. Mein ganzer Freundeskreis ist dort. Und nun?
Leben ohne Familienbesuche und christliche Events
So alle sechs Wochen fahre ich mit dem Zug nach Stuttgart, um wenigstens einen Teil meiner Familie regelmäßig zu sehen. Immer, wenn ich eine Fahrkarte wegen dem Sparpreis lange im Voraus gebucht habe, freute ich mich auf die nächste Fahrt dorthin. Meine Tochter zu umarmen, mit meinem Enkel in einem Bett zu schlafen, das gab mir wieder Kraft für die nächsten Wochen ohne sie. Und nun?
Seit 18 Jahren nehme ich jedes Mal nach Ostern am SPRING GemeindeFerienFestival teil. In den letzten Jahren immer mit vielen Menschen aus meiner Gemeinde und auch mit einem Teil der Familie. Dieses Jahr wären wir eine Gruppe von 30 Personen. Wir alle freuten uns schon sehr auf diese Woche der Gemeinschaft mit 3500 anderen Christen, auf das geistliche Auftanken, auf das Miteinander im Hotel, bei den Veranstaltungen, auf dem Ettelsberg und der Skisprungschanze. Und nun?
Geht es mir wirklich gut? NEIN! Mir fehlen all diese Dinge. Es tut zunehmend mehr weh, auf sie zu verzichten! Das will ich nicht! Nein, es geht mir nicht gut. Ich bin traurig wegen dieses Verzichts. Nein, es geht mir nicht wirklich gut. Und nun?
Mir fehlen all diese Dinge. Es tut zunehmend mehr weh, auf sie zu verzichten! Das will ich nicht! Nein, es geht mir nicht gut.
Zum Verzicht gezwungen
Am liebsten würde ich morgens gar nicht aufstehen. Die Bettdecke über den Kopf ziehen und weiterschlafen. Diese schreckliche Zeit einfach verschlafen. Aufwachen, wenn die Corona-Krise vorbei ist. Oder aufwachen und erkennen, dass alles nur ein Alptraum war. Am Sonntag normal in den Gottesdienst gehen, mit Freunden Mittagessen, abends Kino oder Theater besuchen.
Am liebsten würde ich morgens gar nicht aufstehen. Die Bettdecke über den Kopf ziehen und weiterschlafen. Diese schreckliche Zeit einfach verschlafen. Aufwachen, wenn die Corona-Krise vorbei ist.
Nein, keine Angst, ich bin nicht der depressive Mensch, noch reicht mein Wille aus, dagegen anzukämpfen. Was mir jetzt also hilft ist, die Situation zu analysieren.
Es ging uns seither in Deutschland gut. Viel zu gut. Nichts ist schwerer zu ertragen, wie eine Reihe von guten Tagen, sagt ein Sprichwort. Und ist es nicht wahr? Und wenn es uns schon so viele Jahre, nicht nur Tage, gut geht? Als Christen spüren wir, dass das nicht normal ist. Sieben Wochen lang üben wir deshalb Verzicht aus. Sieben Wochen ohne Schokolade, sieben Wochen ohne Alkohol, sieben Wochen ohne Fernsehen usw. Es gibt auch Dinge, da sagen wir – nein, das halte ich sieben Wochen ohne nicht aus. Und jetzt?
Hätten Sie …