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Streit und Hass als Unterhaltungsgarant
Nicht nur in Kommentaren unter Youtube-Videos sind Streit und Hate Speech allgegenwärtig. Auch in der aktuellen Medienlandschaft begegnet man immer wieder Rücksichtslosigkeit und Mobbing. Im Fernsehen boomen Formate, die auf die Zur-Schau-Stellung von Personen in extremen Umständen abzielen. Was mit gut gemeinten Späßen in „Verstehen Sie Spaß“ begann, ist mittlerweile zu einem schonungslosen Bestrafen von Leuten in abgelegenen Dschungelcamps geworden. Der schelmisch lächelnde Frank Elstner, der sich stets darum bemühte, den Menschen trotz der Streiche ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern, wurde ersetzt durch Moderatoren, die gezielt emotionale Ausbrüche provozieren und denen ihr Gegenüber scheinbar egal ist.
Was mit gut gemeinten Späßen in „Verstehen Sie Spaß“ begann, ist mittlerweile zu einem schonungslosen Bestrafen von Leuten in abgelegenen Dschungelcamps geworden.
In der Musikbranche zeigt sich ein ähnliches Bild. Deutsch-Rap dominiert die Charts. Und was hier textlich vermittelt wird, ist durchaus fragwürdig. Selbstdarstellung ist der Schlüssel zum Erfolg. Neben dem Zur-Schau-Stellen von Luxus steht vor allem eins im Vordergrund: Das Beleidigen der anderen. Wo die fantastischen Vier in den Neunzigern noch freundlich grüßten, beginnen Rapper wie Apache 207 ihre Hits mit: „Du Bastard, du Schwätzer, Du kannst viel, aber Mann sein nicht.“ Das klingt erstmal gar nicht freundlich. Aber ist das wirklich so schlimm? Kunst ist Kunst und das sollte man doch von realen Motiven unterscheiden können, oder?
Dazu an dieser Stelle drei Gedanken über Medien, ihren Einfluss auf unser Denken und den persönlichen Umgang damit:
1. Medien nehmen Einfluss auf mein Verhalten.
Obwohl ich die Texte und Ansichten von Apache 207 nicht im geringsten teile, ertappe ich mich selbst doch dabei, sie zu zitieren, wenn ich durch die Stadt laufe. Warum?! Der Schweizer Kommunikationscoach Markus Knill schreibt dazu: „Es gibt keine Immunität gegen Beeinflussung.“ Verstehe ich. Trotzdem bin ich verwundert darüber, dass ich scheinbar so unreflektiert nachsinge, was ich eigentlich gar nicht unterstützen möchte. Auch dafür liefert Markus Knill eine Erklärung: Persönlichkeit und Stimme sind viel wichtiger für die Beeinflussung als der eigentliche Inhalt.
Persönlichkeit und Stimme sind viel wichtiger für die Beeinflussung als der eigentliche Inhalt. – Markus Knill
Das macht Sinn. Die Musik von Apache 207 ist gut produziert und hat Ohrwurmpotenzial. Ich öffne mich dem und ehe ich mich versehe, kreisen seine Texte in meinem Kopf herum - auch wenn ich diese gar nicht mag. Persönlichkeit und Stimme (beziehungsweise Ausstrahlung und Musik des Künstlers) faszinieren mich und lassen den Inhalt zweitrangig werden.
Ein weiterer essentieller Bestandteil von Beeinflussung ist Wiederholung. Laut einer Studie von ARD/ZDF verbringt der Durchschnittsdeutsche 7 Stunden am Tag mit dem Nutzen von Medieninhalten. Das schließt selbstverständlich auch die oben genannten Formate mit ein. Und damit tritt ein Gewöhnungseffekt ein: was mich vielleicht früher noch abschreckte, wird normal. Unterhaltung ist wichtig, macht Spaß und kann ein wichtiges Element im Bewältigen des Alltags sein. Aber deshalb vorbehaltlos konsumieren kann zum Problem werden. Denn was wir konsumieren beeinflusst uns, ob wir es wollen oder nicht.
2. Die Macht der Konsumenten
Mobbing und Hate Speech sind allgegenwärtig in den Medien, die ich regelmäßig konsumiere. Aber man muss sich bei dem Ganzen vor Augen …