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Die Corona-Krise ist schon jetzt eine Zäsur. Für Deutschland und weltweit – und damit für Millionen von Menschen, die sich seit Wochen fragen, wo das alles hinführt. Nun würde ich als Christ gerne bezeugen, wie anders es mir geht. Dass ich mich sicher fühle bei Gott und mich das Vertrauen auf ihn trägt. Diesen Teil gibt es in mir! Und doch geht es mir nicht anders als so vielen Menschen. Auch ich bin verunsichert. Was hilft mir jetzt?
Ein Zugang, der mich anspricht
Ich habe schon viele Ratgeber-Beiträge gelesen. Händewaschen, zu Hause bleiben, keine Panik - geschenkt. Wie das Homeoffice zusammen mit Kindern überleben, wie mit dem Alleinsein umgehen, wie mich an Gott wenden. Alles verstanden. Und doch gibt es einen Teil in mir, der nicht so leicht zur Ruhe kommt. Da ist dieses Wissen, dass es jetzt anders ist als sonst. Dass es ernst ist. Und noch ernster werden könnte. Mich treffen könnte. Ich merke: Ich bin verletzlich, dem Leben und ja, auch dem Tod mehr ausgesetzt als sonst. Covid-19 konfrontiert mich mit meiner Endlichkeit.
Wenn mein Herz keine Ruhe findet, hilft mir häufig die Musik, genauer einige Lieder. Gerade in ernsten Lebenslagen mag ich die Musik vergangener Jahrhunderte. Vielleicht deshalb, weil Menschen früherer Zeit dem Leben und dem Tod mehr ausgesetzt waren als wir heute. Das spiegelt sich in ihrer Musik wider. In diesem Schatz früherer Zeit hat das Klagen, das Fragen und das Leiden seinen Platz.
Ein Trostlied
Eines dieser Lieder ist das 1641 entstandene Lied von Georg Neumark „Wer nur den lieben Gott lässt walten“. Es verbindet einen ernsten, in Reim geformten Text mit einer traurigen und gleichzeitig tröstlichen Melodie – und bietet mir gerade in dieser Kombination einen tiefen Trost, der mich abholt. Es ist ein gesungenes Gebet, das meine Gedanken zur Ruhe bringt und mich die tiefe Gewissheit fühlen lässt, dass da jemand ist, der mich trägt.
Schauen wir uns drei Strophen genauer an (und für Eilige: Lied hier schon mal anhören):
1. Wer nur den lieben Gott lässt walten
Und hoffet auf Ihn allezeit
Der wird Ihn wunderlich erhalten
In aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott dem Allerhöchsten traut
Der hat auf keinen Sand gebaut.
Das Lied beginnt mit dem Vertrauen auf Gott: Da ist jemand, der wirkt und arbeitet, schaltet und waltet. Jetzt, 2020, mitten in der Pandemie. Da tut jemand seinen Teil – und das hat etwas Befreiendes. Es hilft mir, nicht vom Gefühl des Kontrollverlusts übermannt zu werden. Ich gebe meinen Willen, alles absichern und kontrollieren zu wollen, an ein allmächtiges Gegenüber ab: an Gott. Sein Wille geschehe, denn mein Wille und mein Können sind am Ende.
Das ist keine Kapitulation. Ich tue noch immer, was in dieser Situation geboten ist. Was ich aber nicht in der Hand habe, übergebe ich der Fürsorge des Einzigen, der diese Dinge als einziger in der Hand haben kann. Die Zusage: Dieses Gegenüber trägt mich durch die Zeit von Unsicherheit und Verlust. Wer diesem Gegenüber die Kontrolle über das Unkontrollierbare abgibt und mit ihm in Verbindung bleibt, steht fest. Hat einen verlässlichen Halt. Ist nicht allein.
2. Was helfen uns die schweren Sorgen?
Was hilft uns unser Weh und Ach?
Was hilft es dass wir alle Morgen
Beseufzen unser Ungemach?
Wir machen unser Kreuz und Leid
Nur größer durch die Traurigkeit.
Wenn ich mir Sorgen mache, lasse ich nicht los. Vielmehr durchdenke ich alle möglichen Lösungswege immer und immer wieder. So grabe ich mich tiefer in die Probleme hinein und bleibe schließlich stecken. Hilft das …