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Hilflos ausgeliefert
Ich wollte nicht, aber ich wurde in diese andere Wirklichkeit hineingerissen. In das Vergangene. Das war nicht einfach nur eine traurige Erinnerung. Das war ein Gefängnis. Meine Seele wurde gefoltert. Ich konnte nichts dagegen tun. Es gab nur Gefühle von Angst und Verzweiflung.
Ich war noch ein Kleinkind.
Ich sah ein verzerrtes Gesicht. Augen, die aussahen, als wären es nicht ihre. Ein Messer in ihrer Hand. Ich habe die Finsternis auf meiner Haut gefühlt. Eine teuflische Atmosphäre. Das ist nicht meine Mama. Oder doch? Ist das wirklich meine Mama? Ich sah sie an. Ja, das ist sie. Mama, was hast du vor? Mama, warum? Ich habe Liebe für meine Mutter gefühlt und Angst vor ihr zur selben Zeit. Die Angst war stärker. Meine Oma und ich drückten gegen die Tür. Ich fühlte, es ging um Leben und Tod. Wir konnten die Tür abschließen. Ich war erleichtert, aber die Angst saß mir noch in den Knochen. „Ich will nicht mehr zu Mama gehen“, sagte ich. Ich hatte Angst, meine Mama würde mich abstechen.
Nachts quälten mich meine Gedanken. Was mache ich das nächste Mal, wenn die Mama mit dem Messer kommt? Ich habe versucht, eine Antwort auf diese Frage zu finden. Diese Unruhe in mir. Ich konnte sie nicht aushalten. Ich habe überlegt, ob ich jemanden beschützen könnte. Ob ich jemanden beschützen würde. Ich hatte Bilder vor Augen. Schreckliche Bilder. Ich habe mir vorgestellt, wie das Messer mich treffen würde. Was passiert dann? Was passiert, wenn das Messer in meinem Körper ist? Ich hatte keine Idee von einem Leben nach dem Tod, aber eine intensive Vorstellung vom Sterben. Eine Vorstellung in Zeitlupe. Mein Körper hat gezittert. Ich hatte Angst. Ich weinte. Bin ich bereit dafür? „Ich will das nicht!“, habe ich gedacht. Ich wollte mich beruhigen, aber ich konnte nicht. Ich musste mir eine andere Antwort geben: „Du beschützt die Anderen, wenn es sein muss.“ Danach habe ich mich erleichtert gefühlt. Als hätte ein erwachsenes Ich in mir gesprochen. Als hätte ich mich für das Richtige entschieden. Das Richtige, das mir irgendwie Sicherheit geben konnte. Ich konnte die Augen schließen und einschlafen.
Traumatische Erinnerungen
Ich fühlte diese Spannung, ein Überlebensdrang und das Gefühl von der Sinnlosigkeit des Lebens zugleich. Wie kann ich diese Schmerzen aushalten? Ich versuchte zu überleben. Mehr nicht. Ich wollte nichts mehr fühlen. Es wirkte, als ob allein ein Erinnerungsbruchstück in der Lage dazu wäre, mich umzubringen. Ich konnte nicht mehr. Ich wollte mich nicht mehr erinnern. Ich war total erschöpft. Jeder Atemzug tat weh. Dann habe ich mich gefragt, wie es überhaupt möglich ist, sich nicht selbst irgendwann umzubringen.
Ich habe Angst vor der Erinnerung. Angst vor der Zukunft. Angst vor dem, was in mir ist. Angst vor dem Bewusstwerden der Verluste. Vor den verletzten Teilen in mir. Vor meiner kindlichen Seite. Ich habe Angst vor den Teilen in mir, die dieses Kindliche schützen wollen. Mich vor schlimmeren Verletzungen bewahren wollen. Die mit Wut und Vorurteilen reagieren. Oder in eine Idealvorstellung fliehen wollen. Ich habe Angst vor der Trauer. Vor den Gefühlen, die ich noch unterdrücke. Vor dem Gedanken, dass ich manche Dinge nie haben werde. Vor der Tatsache, die Geschehnisse als Teil meines Lebens annehmen zu müssen. Ich habe auch Angst durch die Erinnerung weiter traumatisiert zu werden. Dass es schlimmer wird als vorher. Dass ich den Boden unter meinen Füßen irgendwann gar nicht mehr fühlen kann. Ich habe Angst vor den Triggern, die mir ein normales Leben unmöglich machen. Das können …