Doreen Rehfeld mag es, Dinge auszuprobieren und neue Menschen kennenzulernen. Als studierte Psychologin sicher ein Plus. Denn in diesem Beruf passiert regelmäßig Unerwartetes, man trifft Leute unterschiedlichster Prägung. Verschlossene, offene, traurige, verzweifelte, hilflose, lustige, gewalttätige, sanfte, kreative. Aber immer interessante. "Jeder hat eine Geschichte", findet Doreen. Ihre eigene beginnt in Brandenburg, noch zu Zeiten der Deutschen Demokratischen Republik. In Wusterwitz, nahe der Stadt Brandenburg an der Havel. Ein Landstrich, den Seen, Wälder und Moore prägen. "Ich liebe Wasser", sagt die Frau mit der frechen Kurzhaarfrisur. Mit fünf oder sechs Jahren hat Doreen Rehfeld das Schwimmen gelernt. Von ihrem Vater, in einem der zahlreichen Moortümpel, wo das Wasser tiefschwarz ist, es gelegentlich mystisch blubbert und über die sich manche gruselige Geschichte erzählen ließe. "Für mich war es dennoch das Normalste von der Welt, hier schwimmen zu lernen", erinnert sich Doreen, "auch weil mein Vater aus den Spukgeschichten kein großes Bohei gemacht hat." Und so entdeckt das junge Mädchen die große und wunderschöne Welt des H20. Bis heute. In Seen, am Meer, in Flüssen. Immer mit einer großen Portion Gelassenheit und Neugier. Und mit Humor. Denn ohne die gelegentlich andere und mutige Perspektive "kann das Leben zu einer Belastung werden." Wer will das schon? "Wir wollen doch irgendwie alle ein Stück vom Glück", sagt Doreen Rehfeld. Auch die Sträflinge in einem Gefängnis. Seit vielen Jahren kümmert sich die Psychologin um die Insassen der JVA Bützow. Sie kennt die Ängste, Sorgen, Nöte, die indirekt immer mit der Freiheit zu tun haben. In diesem Zusammenhang gefällt der Psychologin ein Zitat des altgriechischen Denkers und Staatsmanns Perikles. "Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit. Und das Geheimnis der Freiheit ist der Mut." Frau Rehfeld liebt die Freiheit. Wer mutig genug ist, in dunklen und schlammigen Moorlöchern das Schwimmen zu lernen, darf wohl auch als glücklich gelten.