In der vorliegenden Arbeit wurde der Einfluss des dreidimensionalen
Strahlungstransportes, insbesondere der differentiellen Einstrahlung,
auf die Wolkenbildung und -entwicklung untersucht. Hierzu wurde ein
Verfahren zur Berechnung der Bestrahlungsstärke am Boden unter inhomogener
Bewölkung entwickelt und in das Grobstruktursimulationsmodell EULAG
implementiert. Durch Vergleich von Simulationen mit der originalen
Modellversion und dem weiterentwickelten Modell wurde der Einfluss
der differentiellen Einstrahlung, verursacht durch Wolkenschatten,
auf die konvektive Grenzschicht untersucht.
Das Verfahren beruht auf der tilted independent column approximation
(TICA). Hierbei werden einzelne Säulen, die in Richtung der Sonne
ausgerichtet sind, betrachtet und für diese die Strahlung unabhängig
voneinander berechnet. Die Methode wurde optimiert, parallelisiert
und dadurch so stark beschleunigt, dass die Rechenzeiten der in dieser
Arbeit durchgeführten Simulationen mit EULAG-TICA nur maximal 3%
über denen mit EULAG ohne Strahlung liegen. Durch Vergleich mit exakten
dreidimensionalen Strahlungstransportrechnungen wurde gezeigt, dass
die TICA eine sehr gute Näherung zur Berechnung solarer Bestrahlungsstärken
am Boden für unterschiedliche Wolkensituationen und verschiedene Sonnenzenitwinkel
darstellt. Hingegen ist die verbreitete independent column approximation
(ICA) zur Berechnung von Bestrahlungsstärken am Boden nur für im Zenit
stehende Sonne geeignet, da die ICA aufgrund der Beschränkung auf
den Strahlungstransport in senkrechten Säulen keinen realistischen
Schatten produziert. Die berechnete Bestrahlungsstärke wurde an die
Modellphysik gekoppelt durch die Anpassung des Wärmeflusses am Boden.
Dieser wirkt sich auf die Temperatur in der Atmosphäre aus. Anhand
von Vergleichen mit Messreihen unter gleichen Wolkenbedingungen wurde
gezeigt, dass die durch die Wolkenschatten verursachten Temperaturfluktuationen
am Boden in Simulationen mit EULAG-TICA realistisch sind.
Zur Untersuchung des Einflusses der differentiellen Einstrahlung auf
die Wolkenbildung wurden Simulationen einer einzelnen konvektiven
Wolke durchgeführt. Der Einfluss auf die Wolkenentwicklung wurde anhand
von Simulationen der konvektiven Grenzschicht untersucht. Die Simulationen
mit und ohne Wolkenschatten zeigen deutliche Unterschiede. Im Bereich
des Wolkenschattens ist der Aufwind wie erwartet schwächer ausgeprägt
als in der Referenzsimulation ohne Schatten. Als Folge des schwächeren
Aufwindes reicht die Wolke in den Simulationen mit Schatten weniger
hoch und weist daher ein geringeres Volumen und einen geringeren Flüssigwasserpfad
auf. Ist das Wolkenwachstum nach oben durch eine Inversion begrenzt,
so wie in der konvektiven Grenzschicht, zeigen sich kaum Unterschiede
im Bedeckungsgrad und Wolkenvolumen zwischen den Berechnungen mit
und ohne Wolkenschatten. In jedem Fall hat die differentielle Einstrahlung
jedoch einen starken Einfluss auf die Zirkulation. Vertikalprofile
der horizontalen Windgeschwindigkeiten zeigen mittleren Wind von der
Wolke in Richtung ihres Schattens in Höhe der Wolken und in entgegengesetzter
Richtung in Bodennähe. Dies bedeutet, dass die an konvektiven Wolken
vorhandene Zirkulation (aufsteigende Luft unterhalb der Wolke, Ausfließen
in der Höhe der Wolke aus der Wolke heraus in alle Richtungen, absinkende
Luft neben der Wolke und am Boden Luftbewegung von allen Seiten unter
die Wolke) in Richtung des Schattens orientiert wird. Des Weiteren
zeigen die Ergebnisse eine Bewegung der Wolken weg von ihrem Schatten,
bzw. eine Auflösung der Wolken oberhalb ihres Schattens und Wolkenwachstum
auf der der Sonne zugewandten Seite. Steht die Sonne im Zenit ist
die Lebensdauer der einzelnen Wolken kürzer. Sie lösen sich schneller
wieder auf, da der sie bildende Aufwind durch den Schatten abgeschwächt
wird.