Paul Ingendaay im Gespräch mit Kateryna Mishchenko über „Geteilter Horizont. Die Zukunft der Ukraine“
Seit dem Kriegsbeginn am 24. Februar 2022 habe ich in diesem Bücher-Podcast versucht, durch den Blick auf literarische Neuerscheinungen auf das Geschehen in der Ukraine zu reagieren. Zuletzt mit den Bildbetrachtungen von Katja Petrowskaja, „Als wäre es vorbei“, im Jahr davor mit dem erschütternden Gefängnistagebuch von Stanislaw Assejew., “Heller Weg. Donezk“. Assejew ist nach seiner Freilassung an die Front gegangen, um gegen die russische Invasion zu kämpfen. Sein Beitrag über die Rolle der Intellektuellen in autoritären Regimen ist Teil des Bandes „Geteilter Horizont: Die Zukunft der Ukraine“, in welchem die Autorin Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe, die Lektorin für osteuropäische Literaturen im Suhrkamp Verlag, neue Essays und Analysen zur Lage zusammengetragen haben.
Der Aufbau ist ähnlich wie in den Vorgängerbänden „Aus dem Nebel des Krieges“ (2023) und „Testfall Ukraine“ (2015): mehr als ein Dutzend Beiträge über verschiedene Aspekte des Krieges, manchmal mit wissenschaftlicher, oft aber auch mit literarischer Note, dazu zahlreiche dokumentarische Fotos. Gegen Ende des vierten Kriegsjahrs ist der Ton härter und desillusionierter geworden. Die Mitherausgeberin Kateryna Mishchenko, mit der ich mich im Podcast über das Buch unterhalte, schlägt diesen besonderen Ton schon im ersten Satz des allerersten Beitrags an: „Ermüdungskrieg, Ermüdungskrieg – das kann man sich beim Ein- und Ausatmen immer wieder vorsagen, um den Atem zu beruhigen, wenn man sich nur noch hinlegen, mitten im Wort einschlafen, den Gedanken nicht zu Ende denken und nie wieder etwas sagen möchte. Aber ich weiß, jegliche Ermüdung ist eine Chance, ein kleiner Pluspunkt für den Krieg.“
„Geteilter Horizont: Die Zukunft der Ukraine“, herausgegeben von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe, ist im Suhrkamp Verlag erschienen, hat 330 Seiten und kostet 23 Euro. Die Texte aus dem Ukrainischen wurden übersetzt von Lydia Nagel, die aus dem Englischen von Anselm Bühling und Philipp Goll.
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