Federlese - Philosophie-Podcast

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Federlese - Philosophie-Podcast episodes

  • Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus
    Im März 1913 erwarb die Königliche Bibliothek in Berlin bei einer Auktion einen Hegel-Autographen von der Firma Leo Liepmannssohn, die keine genauere Auskunft über die Herkunft des fragmentarischen Manuskripts geben konnte. (Es ist nur das letzte Blatt erhalten, welches mit dem Ende eines Satzes beginnt: »... eine Ethik.«). 1917 wurde der Text als das »älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus« von Franz Rosenzweig herausgegeben, der, obgleich die Handschrift eindeutig von Hegel stammt, die Verfasserschaft Schelling zuschrieb. Fast zehn Jahre später wurde Hölderlin als Autor erwogen, was eine Debatte auslöste, die Anfang der 30er Jahre zu der landläufigen Meinung führte, daß Schelling zwar der Autor gewesen sei, Hölderlin jedoch entscheidende Gedanken beigesteuert habe; Hegel hingegen habe den Text nur abgeschrieben. Die nun bis heute nicht widerlegten Gründe dafür, daß doch Hegel der geistige Vater des Systemprogramms sei, wurden erst 1965 von Otto Pöggeler vorgetragen.
    Wer auch immer der Autor gewesen sein mag, das Systemprogramm verweist – wenn auch in jeweils anderer Hinsicht – auf die drei berühmten Tübinger Stiftler Hegel, Hölderlin und Schelling. So erwartet der heute von Tübinger Studenten als Podcast vorgestellte Text über 200 Jahre nach seiner Entstehung auf Hörer, denen die Frage noch etwas sagt: Wie muß eine Welt für ein moralisches Wesen beschaffen sein?
    7 min
  • F.W.J. Schelling »Über das Wesen der menschlichen Freiheit«
    Schellings »Freiheitsschrift« von 1809 gehört zu den faszinierendsten Texten der Philosophiegeschichte. In ihr werden das Wesen der Freiheit und das damit einhergehende Problem des Bösen im Zusammenhang mit der Geschichte der Schöpfung behandelt. Der von uns ausgewählte Textabschnitt (Sämmtliche Werke, 357-364) hebt an mit der Unterscheidung zwischen der Existenz Gottes und dem Grund seiner Existenz, »den Gott in sich hat […]. Er ist die Natur – in Gott; ein von ihm zwar unabtrennliches, aber doch unterschiednes Wesen.« Wenn Gott das höchste Leben bedeuten soll, kann er nicht mehr als statische Substanz gefaßt werden und bedarf einer realen Unterlage, die zu Gott selbst gehört. Aus dieser entfaltet sich stufenweise die Schöpfung durch die Scheidung des Verstandes (Ein-Bildung), während der Grund (die Sehnsucht) danach strebt, den »im Dunkel der Tiefe leuchtenden Lebensblick« verschlossen zu halten.
    Die fortschreitende Ausdifferenzierung, d.h. Verklärung, des Grundes kommt schließlich im Menschen zu ihrem Äußersten (»In ihm ist der tiefste Abgrund und der höchste Himmel.«), womit auch der Gegensatz zwischen Verstand und Sehnsucht am schärfsten hervortritt. Doch anders als in Gott ist die Einheit der Prinzipien im Menschen nicht unauflöslich, sondern zertrennlich – »und dieses ist die Möglichkeit des Guten und des Bösen«.
    18 min
  • W. v. Humboldt »Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues«
    Unser Text ist der Einleitung einer Abhandlung über die sogenannte Kawi-Sprache malayischer Volkstämme entnommen: »Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaues und ihren Einfluß auf die geistige Entwicklung des Menschengeschlechts«, 1836 erstmals veröffentlicht. Diese Einleitung glaubt Humboldt, „allgemeineren Betrachtungen widmen zu müssen“.
    Er entdeckt eine rätselhafte Zwischenstellung der Sprache zwischen Subjektivität und Objektivität, zwischen Unverfügbarkeit und Gemachtheit durch den Menschen. »Sie bedienen sich ihrer, ohne zu wissen, wie sie dieselbe gebildet haben.« Das Sprechen verleiht dem Menschen die Möglichkeit seines Denkens auch »in abgeschlossener Einsamkeit«: Der klingende Laut, der von uns ausgesprochene Gedanke, dringt in unser Gehör zurück, das Sprechen eines Subjekts wird für es selber zum Objekt, ohne die Sphäre der Subjektivität zu verlassen.
    Humboldts Abhandlung weist bis weit ins zwanzigste Jahrhundert voraus: hier finden sich eine Art Dialektik des Verstehens und Nicht-Verstehens sowie fundamentale Einsichten zur Weiterentwicklung der Hermeneutik; nicht zuletzt sind auch Grundzüge des Heideggerschen Sprachgeschehens in diesem Text präfiguriert.
    25 min
  • F. Nietzsche »Nur Narr! Nur Dichter!«
    Als »Lied der Schwermuth«, vom alten Zauberer gesungen, ging dieses Gedicht in den 1885 erschienenen vierten Teil von »Also sprach Zarathustra« ein. 1889 tauchte es in überarbeiteter Fassung als Eingangslied der »Dionysos-Dithyramben« wieder auf, nun mit dem Titel »Nur Narr! Nur Dichter!«. Die Gedichte greifen zwar nicht auf den echten Dithyrambos zurück, einer Form griechischer Chorlyrik, aus der die Tragödie entstanden ist, sie bringen jedoch den ‚Geist‘ des Dionysischen in berückender Weise zum Ausdruck: das Zerbrechen des überkommenen Wahrheitsverständnisses und die Entlarvung des Scheins subjektiver Identität.
    6 min

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