Titel: Abraham und das zugesagte Land
Prediger: Jorin Jansen
Bibeltext: Apostelgeschichte 7, 1–8
Beschreibung:
Stephanus steht vor dem Hohen Rat. Gegen ihn wurden schwere Vorwürfe erhoben, und nun soll er sich verteidigen. Doch anstatt die Anklage Punkt für Punkt zu widerlegen, beginnt Stephanus eine Geschichte zu erzählen: die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Er beginnt bei Abraham, wird später über Josef und Mose bis zum Tempel gehen – und schließlich bei Jesus ankommen. Es ist eine Heilsgeschichte, in der sich immer wieder dieselbe Frage stellt: Was tut Gott – und wie reagieren Menschen darauf?
Am Anfang dieser Geschichte steht eine besondere Bezeichnung: „Der Gott der Herrlichkeit.“ Dieser Gott begegnet Abraham in Mesopotamien – lange bevor es Israel, Mose, das Gesetz oder den Tempel gibt. Damit macht Stephanus von Anfang an deutlich: Gottes Gegenwart lässt sich nicht auf einen bestimmten Ort begrenzen. Der Gott der Herrlichkeit ist frei. Er spricht, er erscheint und er ruft Menschen in seine Geschichte hinein.
Dabei beginnt die Geschichte Abrahams nicht mit dessen außergewöhnlichem Glauben, sondern mit Gottes Handeln. Bevor Abraham aufbricht, spricht Gott. Bevor Abraham glaubt, ruft Gott. Glaube entsteht als Antwort auf das Reden Gottes. Deshalb lautet die entscheidende Frage nicht zuerst: Wie bekomme ich einen stärkeren Glauben? Sondern: Auf wen richtet sich mein Glaube? Der Gott der Herrlichkeit ist größer als unser Glaube. Seine Treue trägt ihn und sein Wort gibt ihm Halt.
Abraham hört – und Abraham geht. Mit 75 Jahren verlässt er seine Heimat, seine Verwandtschaft und seine vertraute Umgebung, ohne genau zu wissen, wohin Gott ihn führen wird. Er bekommt keine vollständige Route für die kommenden Jahre. Er bekommt Gottes Wort – und das reicht ihm, um aufzubrechen. Darin wird sichtbar, was Glaubensgehorsam bedeutet: Gott genug zu vertrauen, um den nächsten Schritt zu gehen, obwohl man noch nicht den ganzen Weg sehen kann.
Doch Glauben bedeutet nicht nur Aufbrechen. Manchmal bedeutet Glauben vor allem Warten. Abraham erreicht das verheißene Land und besitzt trotzdem keinen Quadratmeter davon. Gott verspricht ihm Nachkommen, obwohl er noch kein einziges Kind hat. Ein großer Teil dessen, was Gott ihm zugesagt hat, wird sich erst lange nach seinem Tod erfüllen. Abraham muss lernen, von einer Verheißung zu leben, deren Erfüllung er selbst noch nicht sehen kann.
Genau darin liegt eine Herausforderung für unseren eigenen Glauben. Wir beten und möchten Ergebnisse sehen. Wir gehen Schritte mit Gott und wollen wissen, wofür sie gut waren. Doch Abraham erinnert uns daran: Die Treue Gottes hängt nicht daran, wie viel von seiner Verheißung wir heute schon sehen können. Abraham hatte zunächst kein Land und kein Kind – aber er hatte eine Verheißung und den Gott, der sie gegeben hatte. Der Glaube ruht auf Gottes „Ich will“.
Und Gott hält Wort. Abraham bekommt Isaak, Isaak bekommt Jakob und Jakob zwölf Söhne. Aus einer scheinbar unmöglichen Verheißung wird Geschichte. Eine Geschichte, die schließlich zu Jesus Christus führt. Doch genau hier liegt auch die Warnung in der Rede des Stephanus: Man kann sehr genau wissen, was Gott früher getan hat, und trotzdem verpassen, was Gott heute tut. Man kann die Geschichten des Glaubens kennen und selbst längst aufgehört haben, auf Gottes Stimme zu hören.
Diese Predigt lädt deshalb dazu ein, nicht nur den Glauben Abrahams zu bewundern, sondern dem Gott Abrahams zu vertrauen.
Gott spricht. Abraham hört.
Gott ruft. Abraham geht.
Gott verheißt. Abraham wartet.
Und hinter allem steht der Gott der Herrlichkeit.
Eine Predigt über Glaubensgehorsam, das Warten auf Gottes Verheißungen und einen Gott, der seine Geschichte mit Menschen schreibt. Und eine Einladung, ihm auch dann zu vertrauen, wenn wir den ganzen Weg noch nicht sehen können.
Denn dieser Gott lebt. Dieser Gott spricht. Dieser Gott ruft bis heute Menschen in die Nachfolge Jesu.
Und dieser Gott ist auch heute noch derselbe.