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Gestern Mittag saß ich vor Bundestrainer Julian Nagelsmann in der DFB-Pressekonferenz in Frankfurt, um mit eigenen Augen zu verfolgen, wie er Manuel Neuers Rückkehr, Leroy Sanés Bleiben und Said El Malas Ausbootung begründet.
Das erste, was ich auf der Bühne sah, waren seine auffälligen Socken: ein dunkles Paar mit rot-weißen Zuckerstangen drauf. Sofort hatte ich eine Ahnung, woher die stammen: Hatte Oliver Baumann ihm nicht ein ganzes Bündel geschenkt?
Ja, richtig gelesen: Der Oliver Baumann, dem er unter der Woche mitgeteilt hatte, dass er zwar einen ordentlichen Torhüter-Job in der WM-Qualifikation gemacht hat, dass aber jetzt die großen Jungs aufs Spielfeld müssen - Manuel Neuer.
Das Sockengeschenk aus gemeinsamen Hoffenheimer Tagen hatte Nagelsmann vor knapp zwei Jahren beiläufig enthüllt, und jetzt beteuert er, dass er keinen Hintergedanken gehabt hat, als er die Zuckerstangen-Dinger überstülpte.
Weder wollte er eine besondere, weil verständnisvolle Beziehung zu Baumann vorgaukeln noch mit dem rotweißen Muster eine Vorliebe zu Bayern München andeuten. So viel Hintersinn traue ich Nagelsmann auch nicht zu.
Seine Erklärungen zum 26er WM-Kader, um das hier mal in aller Deutlichkeit zu schreiben, kamen souverän und überzeugend rüber, er kannte Details zu jedem Spieler, den wir Journalisten in der Pressekonferenz hinterfragten.
Sein Auftritt war gelungen, auch wenn ich nicht jede Argumentation (Stichwort: Sané) mitgehe. Aber wir sollten dem Bundestrainer zugestehen: dass er weiß, was er tut. Am Ende liegt die Wahrheit eh auf dem Platz und nicht an Socken.
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Als Fußballfan, der ich bin, will ich ein Urvertrauen zum Bundestrainer und seinen Entscheidungen haben. Julian Nagelsmann sieht ja seine Nationalspieler beim Training und in Stresssituationen, er hat ein geschultes Auge und kennt alle Daten im Detail, er weiß eine Schar von Experten um sich und Rudi Völler immer an seiner Seite. Seine Entscheidungen und Aussagen sollten Hand und Fuß haben.
Als Sportjournalist, der ich bin, wachsen seit der Personalie Manuel Neuer meine Zweifel. Über Monate hat Nagelsmann uns verklickert, dass Oliver Baumann seine Nummer 1 im Tor ist und nicht Neuer. Als am Samstag die Gerüchte um ein Neuer-Comeback in der Nationalmannschaft an Fahrt gewannen, hätte er das Thema mit einem Satz abräumen können: "An dem Gerücht ist nichts dran."
Genau das tat Nagelsmann nicht und lässt zwei Schlüsse zu. Seine Entscheidung pro Baumann war entweder halbherzig oder nicht fundiert, schlimmstenfalls beides. So oder so, mit seiner plötzlichen Unklarheit in der Öffentlichkeit riskiert Nagelsmann seine Glaubwürdigkeit; er ist entweder wankelmütig oder schlecht beraten. Weder als Fan noch als Journalist will ich den Bundestrainer so erleben.
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