Am 5./6. Mai 2026 trafen sich Forschende in der Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, um über ein Phänomen des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit zu diskutieren: Den „Werwolf“. Mit dieser Folge startet eine Miniserie von 4 Episoden, deren Grundlage die Tagung „Partisanen als 'Werwölfe'. Wirklichkeit, Wirkung, Folgen““ bildet. Sie wurde organisiert von Enrico Heitzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter in Sachsenhausen und Andreas Weigelt, Leiter der Gedenkstätte Lieberose in Jamlitz.
Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten lud in einen Ort ein, der auf dem Gelände des einstigen KL Sachsenhausen (1936-45) und Sowjetischen Speziallagers Nr. 7 (1945-1950) die komplexe Nachkriegszeit (in Ostdeutschland) verortet.
Hier errichte die SS 1936 ein ‚Musterlager‘, der erste vollständige Neubau eines KZ in der NS-Zeit. Als Ende 1944 der Krieg NS-Deutschlands verloren war und auch Jugendliche im „totalen Krieg“ das Schlachten fanatisch verlängerten, wies der sog. Reichsführer SS, Heinrich Himmler, die Schaffung einer Untergrundeinheit an. Die „Organisation Werwolf“ sollte hinter den Linien Alliierte und kooperierende Deutsche angreifen. Reichspropagandaminister Goebbels verwandelte Himmlers Idee Anfang 1945 in eine Kampagne, die auch Jugendliche und Kinder mobilisieren sollte.
Angesichts ihrer Erfahrungen mit dem erbitterten Kampf vieler Jugendlicher fürchteten die Befreier Widerstand aus dem Untergrund. „Werwolf“ wurde zur Chiffre dieser Befürchtungen. 1945/46 verhafteten die Alliierten (auch willkürlich) viele von ihnen. Auch in den sowjetischen Speziallagern Nr.7 in Sachsenhausen und Nr. 6 in Jamlitz wurden „Werwolf“-Verdächtige inhaftiert.
Die Tagung fragte: Was war der „Werwolf“? Welches Verständnis hatten die Alliierten? Wer waren die Inhaftierten? Welche Mythen haben sich in Deutschland und den alliierten/befreiten Nationen herausgebildet? Welche Nachwirkungen hatten sie? Diese Folge fokussiert auf die Anfänge, die „Organisation Werwolf“, Goebbels Kampagne und auf Jugendliche.
Mein Dank gilt der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, den Referent:innen dafür, die Vorträge aufzeichnen und veröffentlichen zu dürfen, sowie Enrico Heitzer und Andreas Weigelt!
Informationen zu den Gedenkstätten der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten: unter https://www.stiftung-bg.de/ .
Inhalt:
- Intro 0:00
- Miniserie "Werwolf": Vorstellung Enrico Heitzer und Andreas Weigelt, der Miniserie und ihres Hintergrundes 1:27
- Wer oder Was war(en) "Werwolf"? Forschung, Diskurse, Institutionen und Akteure 7:10
- Der Mordfall Oppenhoff (Film von Hannes Heer, 1985) 22:13
- Vorträge aus Tagung am 6. Mai 2026 29:24
- Enrico Heitzer: Begrüßung und Einführung 29:37
- Alfons Kenkmann: Von der NS-Gegnerschaft zum antialliierten Protest? Edelweißpiraten in den westlichen Besatzungszonen 37:32
- Magnus Pahl: Der "Werwolf" im europäischen Kontext: Guerilla, Untergrund, Partisanenkrieg 1:00:19
- Kommentierende Diskussion mit Enrico Heitzer und Andreas Weigelt 1:23:47
- Sind die „Werwölfe“ "Partisanen"? Personal aus Vernichtungskrieg und Shoah 1:24:06
- Welche Wirkung hatte die Goebbels-Kampagne bei Jugendlichen und Alliierten? 1:38:14
- Aufmüpfige Jugendliche oder Jungnazis? Was motivierte widerständiges Verhalten gegen die Besatzung? 1:46:03
- Kontinuitätslinien zum 17. Juni 1953? 1:57:32
- Outro 2:05:55
Mail: [email protected]
https://www.kliopolis.de/podcasts/gespraechsfaden/
Foto im Cover: Jugendliche im HJ-Volkssturmlager Lieberose, April
1945. Stadtgeschichtliche Sammlung Lieberose