(Bildquelle: Sony / 1997 Madhouse / Bearbeitung GIGA)
Ihr seid noch auf der Suche nach einem Film, der euch von den Socken hauen wird? Dann solltet ihr ab dem 25. Mai ins Kino gehen. Denn nach 29 Jahren läuft hier ein Anime-Meisterwerk erneut auf der großen Leinwand – und das in einer 4K-Restauration.
Vor 29 Jahren kam einer der besten Animes der Filmgeschichte in die japanischen Kinos. Die Rede ist von „Perfect Blue“ von Satoshi Kon, der damit sein Regie-Debüt feierte. Als Anime-Frischling kam ich bisher noch nicht ins Vergnügen, mir diesen Psychothriller zu Gemüte zu führen.
Dabei ist nicht nur für mich jetzt der beste Zeitpunkt, um Versäumtes nachzuholen. Denn Sony bringt den Klassiker in einer wunderschönen 4K-Restauration zurück auf die größten Leinwände der Welt.
„Perfect Blue“ oder auch: Das bessere „Inception"
Ich weiß, Christopher Nolans „Inception“ ist ein filmisches Meisterwerk und nicht viele Streifen reichen vermutlich an die Komplexität der Plot Twists und Handlungsstränge heran. Doch ich bin der festen Meinung, dass „Perfect Blue“ das bessere „Inception“ ist – aus diversen Gründen.
Doch erst einmal zur Handlung. Im Mittelpunkt von „Perfect Blue“ steht J-Pop-Idol Mima, die ihren Job als Sängerin an den Nagel hängt, um als Schauspielerin durchzustarten. Das Showbiz-Leben ist allerdings nicht so, wie sie es sich vorgestellt hat – und sie wird regelrecht heimgesucht von ihrem alten Leben, welches auch einen Stalker mit sich bringt. Schon bald verschwimmt Mimas Realität mit Träumen und Wahnvorstellungen, und die junge Frau ist sich nicht sicher, wer sie ist oder wer sie sein soll.
„Perfect Blue“ ist eine Masterclass des Psychothrillers
Man merkt also schon an der Handlungszusammenfassung: Hier ist nichts, wie es scheint. Genau dieses Konzept des „unzuverlässigen Erzählers“ ist es, was Satoshi Kons Anime zu einem Meisterstück im Genre des Psychothrillers macht. Die zahlreichen (psychologischen) Ebenen überschneiden sich miteinander und am Ende des Films muss man erst einmal tief durchatmen – und sich am besten in diversen Foren schlaumachen, welche Ebene und welcher Handlungsstrang wohin gehören.
Doch genau das habe ich an „Perfect Blue“ geliebt. Zu keiner Zeit wusste ich, wohin der Film mich im Endeffekt führen möchte, und gerade als ich dachte, ich hätte den Knoten in meinem Kopf gelöst, zog mir der nächste Plot Twist erneut den Boden unter den Füßen weg.
Hinzu kommt die Auseinandersetzung mit dem Showbusiness, welche schon 1997 deutlich machte, dass hinter dem Glitzer und Glamour eine dunkle Welt stecken kann. Kein Wunder also, dass sich viele Filme „Perfect Blue“ als Vorlage nahmen. So ließ sich der 2010-erschienene Film „Black Swan“ im Großteil seiner Handlung von dem Anime-Klassiker inspirieren.
„Perfect Blue“ ist so relevant wie vor 29 Jahren
Was „Perfect Blue“ auch so zeitlos macht, ist seine andauernde Relevanz. Im Jahr 1997 steckte das Zeitalter des Internets noch in den Kinderschuhen. Doch schon damals wurde schnell klar, dass das World Wide Web einiges an Schaden anrichten kann.
Besonders deutlich wird das an einer Szene in „Perfect Blue“, in welcher Mima eine Website von ihrem „Tagebuch“ findet. Hier sind intime Details aus ihrem Leben und Alltag nachzulesen – und keine einzige Zeile wurde von ihr selbst verfasst. Dieser Moment markiert einen Wendepunkt im Film; Mimas mentale Gesundheit verschlechtert sich so rapide, dass sie schon bald die Wirklichkeit nicht mehr von Vorgestelltem unterscheiden kann.
Und leider ist es auch heute, im Zeitalter von Instagram, TikTok und Co. kein Einzelfall, dass die mentale Gesundheit von jungen Leuten in Mitleidenschaft gezogen wird – insbesondere durch den Missbrauch der Anonymität des Internets.
Mit „Perfect Blue“ erschuf Satoshi Kon ein Anime-Meisterwerk für die Ewigkeit und den Blueprint für so manch anderen Psychothriller der Moderne. Ab dem 25. Mai können sowohl Fans als auch Anime-Frischlinge wie meine Wenigkeit den Film in einer 4K-Version noch einmal auf der großen Leinwand sehen – es lohnt sich!