Extrem günstige Preise, hohe Rabatte – die Shopping-App Temu lockt mit verlockenden Angeboten. (Bildquelle: IMAGO / Bihlmayerfotografie / Bearbeitung GIGA)
Angebote auf Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress sind verlockend, doch die Kosten können massiv steigen, wenn bald zusätzliche Gebühren anfallen. Ab Juli 2026 werden die Regeln für Importe aus China und anderen Nicht-EU-Ländern deutlich strenger. Wir zeigen euch, weshalb die günstigen China-Schnäppchen in Zukunft deutlich teurer werden könnten.
Die große Änderung: Die 150-Euro-Freigrenze fällt ab Juli 2026
Die wichtigste Nachricht zuerst: Die EU hat beschlossen, die bisherige Zollfreigrenze für Warensendungen mit einem Wert von unter 150 Euro abzuschaffen. Diese Änderung soll im Juli 2026 in Kraft treten.
Bisher galt: Bestellungen unter 150 Euro Gesamtwert waren von Zollabgaben befreit. Das führte zu einer Flut von Milliarden kleiner Pakete, vorwiegend aus China. Laut EU-Angaben kamen 2024 ganze 4,6 Milliarden solcher Sendungen in die Union.
Die EU will jetzt für fairere Wettbewerbsbedingungen sorgen. Europäische Händler, die auf alle ihre Produkte Steuern zahlen, sind gegenüber den Billig-Anbietern klar im Nachteil.
Zudem entgehen den Staaten durch die Paketflut und falsche Wertangaben massive Steuereinnahmen. Die EU-Kommission schätzt, dass 65 Prozent der Pakete falsch deklariert werden, um Gebühren zu umgehen.
Aktuelle und kommende Gebühren im Detail
Grundsätzlich können 3 Arten von zusätzlichen Gebühren anfallen, wenn ihr etwas aus einem Land außerhalb der EU bestellt, wie ihr auch bei „Zoll online“ nachschlagen könnt:
- Zoll: Die Höhe richtet sich nach dem Zollsatz jeder einzelnen Ware in der Sendung. Bei einem Gesamtwert der Sendung von unter 150 Euro müsst ihr bis zum 1. Juli 2026 keinen Zoll bezahlen.
- Einfuhrumsatzsteuer: Die Höhe dieser Steuer richtet sich nach der Art der Waren und beträgt entweder 7 oder 19 Prozent. Sie ist eigentlich seit Juli 2021 immer fällig, auch wenn der Warenwert nur 1 Euro beträgt.
- Verbrauchssteuern: Für Waren wie Alkohol, Kaffee und Tabakwaren müsst ihr zusätzlich noch Verbrauchssteuern zahlen.
Je nach Art der Waren und Höhe des Bestellwertes kann das also zu hohen Zusatzkosten führen. Bei der Berechnung dieser Kosten kommt es auch darauf an, ob in der Rechnung die Versandkosten extra ausgewiesen wurden. Wenn für eure Bestellung nur ein Gesamtwert angegeben wurde, der die Waren und Portokosten zusammenzieht, wird die Summe als „Sachwert“ der Sendung betrachtet, für die dann Gebühren fällig werden.
Tipp: Ihr solltet bei der Bestellung versuchen, mit dem Gesamtpreis (Warenwert plus Porto) unter 150 Euro zu bleiben und andere Waren eventuell getrennt bestellen. So spart ihr euch die Zollgebühren. Das lohnt sich in der Regel oft selbst dann, wenn für die zweite Sendung wieder Portokosten anfallen.
Zollregeln für Temu und Co. ab Juli 2026
- Nach den neuen Regeln, die übergangsweise bis zum Juli 2028 gelten, müsst ihr demnächst für jede einzelne Temu-Sendung zusätzliche Gebühren zahlen.
- Um das Verfahren bis zur Reform des EU-Zollrechts zu vereinfachen, wird eine pauschale Zollabgabe erhoben, die sich nach den Warengruppen im Päckchen richtet.
- Diese Regelung betrifft nur Sendungen mit einem Warenwert von höchstens 150 Euro.
- Für jede Warengruppe innerhalb einer Sendung wird ein pauschaler Zollsatz von 3 Euro fällig. Das bedeutet, dass zum Beispiel für ein Paket mit einem T-Shirt, einem Becher, einem Schmuckstück, einem Werkzeug und einem Aufkleber 15 Euro zusätzlich zu zahlen sind, da es sich hier um 5 verschiedene Warengruppen handelt. Für manche Bestellungen bedeutet das eine Verdoppelung des Kaufpreises.
- Da Temu am IOSS-Verfahren teilnimmt, sind die Pakete von der Einfuhrumsatzsteuer befreit. Das ändert sich auch 2028, wenn diese Gebühren zusätzlich erhoben werden.
Wie zahlt ihr Zoll und Steuern für Temu-Waren?
Ab Juli 2026 werden die Zollkontrollen verschärft. Das betrifft einerseits den Warenwert der Sendung und andererseits die verschiedenen Warengruppen, für die eine Zollpauschale zu entrichten ist. Damit legt der Zoll die Gebühren fest und will sie dann bei euch kassieren.
Üblicherweise gibt es für die Bezahlung von Steuern und Zollgebühren zwei Wege, wenn ihr Waren aus China bestellt:
- Entweder bekommt ihr eine Aufforderung vom Zollamt, die Gebühren zu bezahlen,
- oder der Paketzusteller kassiert die bereits berechneten Gebühren bei euch ein. Dafür berechnet er aber unter Umständen auch noch eine Verarbeitungspauschale, wodurch die Gesamtkosten zusätzlich steigen.
Beim Zollamt müsst ihr gegebenenfalls persönlich vorsprechen und dort auch nachweisen, wie hoch der zu verzollende Wert der Ware ist. Dazu solltet ihr die Rechnung aus dem Internet ausdrucken, um zeigen zu können, dass die Portokosten getrennt aufgelistet werden. In dem Fall bezieht sich der Warenwert nämlich nur auf die Kosten für die bestellten Artikel.
Temu-Retouren: Was ist mit Zoll und Steuern nach Rücksendung?
Ihr könnt Artikel an Temu zurücksenden, wenn ihr mit der Ware nicht zufrieden seid. Die Retoure an Temu ist allerdings nicht ganz unkompliziert. Doch bei einer Rücksendung möchtet ihr euer ganzes Geld zurückbekommen und dazu zählen auch die Zollgebühren. Wer die deutsche Bürokratie kennt, dem ist klar, dass die Forderung nach einer Erstattung kein Spaß sein wird.
Habt ihr eine Großbestellung komplett zurückgesandt, dann könnt ihr euch auf der Erstattungsseite des deutschen Zolls die entsprechenden Vorschriften ansehen und dort auch die nötigen Formulare herunterladen. Ihr müsst dann aber auch die Warengruppen der retournierten Artikel angeben, um für jeden die Zollpauschale erstattet zu bekommen.
Für den Antrag auf Zollrückerstattung habt ihr mindestens 1 Jahr Zeit. Denkt daran, dass die Rücksendung nahtlos nachweisbar sein muss und bewahrt den Schriftverkehr und Einlieferungsbelege am besten ausgedruckt auf.
Was tut Temu gegen dieses Problem?
Temu hat bereits erste Gegenmaßnahmen ergriffen, da diese Gesetzesänderung schon seit längerem bekannt ist. Mit EU-Lagern in Italien, Polen und Tschechien sorgt der Händler dafür, dass die Sendungen weiterhin zollfrei sind.
Dazu werden große Mengen an gut laufenden Waren in diese Länder importiert, wobei Temu dort bereits die Zollgebühren entrichtet und sie in seine Preisgestaltung einbezieht. Die Ware kommt in diesen Fällen aus einem EU-Land und kann hier problemlos und ohne Zollkontrollen eingeführt werden.
In Zukunft will Temu weitere EU-Lager eröffnen, während andere Anbieter wie etwa Shein inzwischen auch in der Türkei produzieren lassen. Bei EU-Importen von dort gelten deutlich bessere Zollsätze.
Wie soll man als Kunde reagieren?
Die Zeit der 1-Euro-Schnäppchen ist vorbei. Die Handyhülle oder das Ladekabel für 1,50 Euro kostet dann fast 5 Euro und dafür bekommt ihr es auch hier.
Wenn dann noch für jede Warengruppe in einem Mischpaket 3 Euro fällig werden, lohnt sich die Bestellung beim Billiganbieter oft kaum noch.
Als Kunden müsst ihr beginnen, eure Einkäufe nach Warengruppen zu trennen. 5 gleichartige T-Shirts kosten nur einmal 3 Euro. Im nächsten Paket bestellt ihr Haushaltsartikel und im nächsten dann Schmuck oder Kabel.
Das Problem dabei: Was für euch wie eine Warengruppe aussieht, kann für den Zoll aus mehreren Gruppen bestehen. Wenn ihr also T-Shirts bestellt, können die je nach Materialzusammensetzung in unterschiedlichen Warengruppen sein – und dann wird's wieder teuer.
In erster Linie sollte man also abwarten, wie Temu reagieren wird, denn wenn die Bestellungen und der Traffic zurückgehen, wird der Umsatz mit Sicherheit einbrechen.