Dieses E-Auto wird bei einer Panne mit Generator geladen – ein realistisches Szenario? (Bildquelle: GIGA / KI-generiert)
Wenn ein Auto mit herkömmlichem Motor nicht mehr weiterfährt, kann man mit einem Ersatzkanister Benzin besorgen. Aber welche Optionen hat man bei einem elektrischen Fahrzeug? Ein Generator könnte eine Lösung bieten – auch wenn sich dabei einige Herausforderungen stellen.
Wann muss ich ein E-Auto mit einem Generator laden?
Bevor ihr euch Gedanken über das Laden mit einem Generator macht, stellt euch die Frage, in welchen Situationen das überhaupt nötig ist. Oft gibt es dafür keine Notwendigkeit und bessere Lösungen. Hier zwei Gedankenexperimente.
Der Klassiker: Liegenbleiben
Das klassischste Szenario ist, dass ihr mit eurem E-Auto liegenbleibt, weil der Akku leer ist. Die Fallzahlen seien allerdings äußerst gering, wie der ADAC gegenüber der Autobild erklärte. Zudem zeigt ihre Pannenstatistik, dass Stromer deutlich seltener liegen bleiben als Verbrenner. Falls es dennoch dazu kommt, müsstet ihr einen Generator dabei haben, um euer E-Auto wieder aufzuladen.
In der Praxis wird das wohl kaum vorkommen, da die Generatoren viel Platz im Kofferraum wegnehmen und schwer sind. Die beste Lösung ist daher, den Pannendienst zu rufen. Der ADAC beispielsweise nutzt mobile Ladegeräte, um das E-Auto wieder aufzuladen. Alternativ kann der Wagen aber auch an die nächstgelegene Ladesäule geschleppt werden. Das geht immer noch schneller, als ihn mit einem Generator wieder aufzuladen.
Blackout-Szenario: Großflächiger Stromausfall
Bei einem Blackout wie dem auf der iberischen Halbinsel 2025 fällt das gesamte Stromnetz aus und infolgedessen die Ladesäulen (im Übrigen auch die Zapfsäulen, da ihre Pumpen Strom benötigen). Man könnte also meinen, wer einen Generator zu Hause hat, ist hier klar im Vorteil.
Dass der Generator während dieser Phase auch zum Einsatz kommt, ist unwahrscheinlich. Schließlich sollte ein E-Auto bei einem Stromausfall immer noch Reststrom im Akku haben. Insbesondere dann, wenn man davon ausgeht, dass E-Auto-Besitzer nicht mit einem komplett leeren Akku an die Ladesäule fahren, sondern bereits bei 20 bis 30 Prozent. Das heißt, es sollte jederzeit noch Strom im Akku vorhanden sein.
Damit hätten sie bei vielen Modellen noch eine Reichweite von mindestens 60 bis 90 Kilometern. Das reicht locker für die meisten Pendelstrecken, da rund 78 Prozent der Pendler unter 25 Kilometer am Tag zurücklegen (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Zudem müsste mit diesem Akkustand nur eine kurze Zeit überbrückt werden, wie ein Blick auf die Statistik zeigt. In Deutschland kam es 2023 im Durchschnitt gerade mal zu 12,4 Minuten Stromausfall (Quelle: Bundesnetzagentur). Auch wenn wir den spanischen Extremfall nehmen, hätte ein E-Auto-Fahrer mit seinem Reststrom durchhalten können, denn da war der Strom nach 19 Stunden wieder da.
Das Balkendiagramm zeigt die durchschnittlichen Zeitspannen von Stromausfällen in Deutschland. Im Jahr kommen gerade mal wenige Minuten zusammen.
Die Wahrscheinlichkeit, einen Generator für sein E-Auto zu benötigen, fällt also sehr gering aus. Es gibt jedoch ungewöhnliche Situationen, in denen aus anderen Gründen keine Stromversorgung möglich ist. Sei es bei einem Camping-Ausflug oder weil ihr sehr abgeschieden wohnt. Aber lässt sich ein E-Auto in solchen Fällen überhaupt mit einem Generator laden?
Kann ich ein E-Auto mit einem Generator laden?
Die kurze Antwort lautet: Ja, es ist technisch möglich, ein Elektroauto mit einem Generator zu laden. Denn für jedes E-Auto gibt es Ladekabel vom Fahrzeughersteller oder Drittanbietern wie Juice Booster, die an einem Ende einen Schukostecker verwenden. Dadurch können Elektroautos Strom von Haushaltssteckdosen beziehen oder von Generatoren.
Allerdings funktioniert dies nicht mit jedem beliebigen Gerät von der Baustelle. Die sensible Ladeelektronik eines E-Autos stellt hohe Anforderungen an die Qualität des Stroms. Ein erfolgreicher Ladevorgang hängt daher entscheidend von der Art und der Leistungsfähigkeit des Generators ab. Folgende Aspekte müsst ihr beim Laden mit einem Generator berücksichtigen:
Leistung des Generators: Der Generator muss eine ausreichende Dauerleistung liefern. Die meisten E-Autos laden über eine normale Schuko-Steckdose mit mindestens 2,3 Kilowatt (kW). Der Generator sollte diese Leistung nicht nur als Spitzenwert, sondern dauerhaft erbringen können. Ein zu schwaches Gerät wird entweder den Ladevorgang gar nicht erst starten oder durch Überlastung abschalten.
Stromqualität: Viele einfache Generatoren erzeugen eine Spannung mit starken Schwankungen und einer unsauberen Sinuskurve. Die Bordelektronik eures Fahrzeugs erkennt diese mangelhafte Stromqualität als Gefahr und verweigert aus Selbstschutz den Ladevorgang. Deshalb benötigt ihr einen sogenannten Inverter-Generator. Diese Geräte verfügen über eine zusätzliche Elektronik, die den erzeugten Strom in reinen, stabilen Wechselstrom umwandelt. Nur ein solcher Generator liefert eine konstante Spannung und Frequenz, die von der Ladeelektronik des E-Autos akzeptiert wird.
Erdung: Elektroautos führen vor dem Laden eine Sicherheitsprüfung durch, zu der auch die Überprüfung einer korrekten Erdung gehört. Viele mobile Generatoren bieten diese standardmäßig nicht. Das Fahrzeug erkennt die fehlende Erdung und bricht den Ladevorgang ab. Es kann daher notwendig sein, den Generator manuell über einen Erdungsspieß zu erden.
Effizienz und Kosten: Das Laden mit einem benzinbetriebenen Generator ist extrem ineffizient. Der Prozess der Umwandlung von chemischer Energie (Benzin) in mechanische, dann in elektrische Energie und schließlich wieder in chemische Energie (im Auto-Akku) ist mit hohen Verlusten verbunden. Pro Kilowattstunde (kWh) müsst ihr mit einem Benzinverbrauch von 0,5 bis 1 Liter rechnen. Das macht eine Ladung für das E-Auto um ein Vielfaches teurer als das Laden an der teuersten Schnellladesäule.
Ladegeschwindigkeit: Erwartet keine Wunder. Ein Generator mit 2,3 kW lädt pro Stunde etwa 10 bis 12 Kilometer Reichweite in den Akku. Für eine nennenswerte Strecke müsst ihr das Aggregat also mehrere Stunden laufen lassen.Ein E-Auto kann man auch mit solchen Ladegeräten an einer Steckdose laden.Kann ich ein E-Auto auch mit einer Powerstation laden?
Neben Generatoren, die Strom durch die Verbrennung von Benzin erzeugen, gibt es auch elektrische Varianten. Die sogenannten Powerstations bzw. Solar-Generatoren sind im Grunde eine große, tragbare Batterie, verpackt in einem robusten Gehäuse.
Die Batterie könnt ihr über eine Haushaltssteckdose oder aber auch über Solarmodule laden, was sie zu einem beliebten Begleiter bei Camping-Ausflügen macht. Da sie eine bis mehrere Schukosteckdosen besitzen, könnt ihr euer E-Auto-Ladegerät problemlos an den mobilen Akku anschließen und es theoretisch laden. Wie bei der Verbrenner-Variante gibt es aber auch hier ein paar Einschränkungen.
Kapazität: Powerstations gibt es in unterschiedlichen Größen. Von 500 Wh bis 5000 Wh ist alles dabei. Allerdings stellt das nur einen Bruchteil eines E-Auto-Akkus dar. Wenn ihr eine 2-kWh-Powerstation verwendet und den Strom komplett in euer Fahrzeug transferiert, kommt ihr etwa 10 Kilometer weit.
Leistung: Alle Powerstations besitzen zwar eine Schuko-Steckdose, doch die Ausgangsleistung variiert stark. Zumeist erreichen nur Modelle mit mindestens 2 kWh bis 3 kWh die 2300 Watt, die ein E‑Auto‑Ladegerät benötigt.
Gewicht: Powerstations sind sehr schwer. Pro Kilowattstunde müsst ihr mit etwa 10 kg rechnen. Ein 5-kWh-Modell käme also auf etwa 50 kg. Ziemlich viel Gewicht, um sie als Ersatzkanister im Kofferraum durch die Gegend zu fahren.
Solarmodule: Der große Pluspunkt von Powerstations ist, dass sie sich über Solarmodule aufladen lassen. So könnt ihr das E-Auto laden und gleichzeitig neue Energie von der Sonne gewinnen. Allerdings laden die Solargeneratoren langsamer auf, als sie Strom abgeben.
Erdung: Wie bei einem Benzin-Generator benötigt auch ein Solar-Generator eine Erdung, ansonsten bricht das E-Auto den Ladevorgang ab. Die meisten Powerstations besitzen aber keine.
Kosten: Powerstations sind teuer. Während ihr einen Benzin-Generator bereits für 300 bis 700 Euro etwa bei Amazon bekommt, zahlt ihr für eine Powerstation mit 3 kWh etwa das Dreifache. Die Solarmodule sind nicht inbegriffen.Solargeneratoren besitzen einen oder mehrere Schukosteckdosen für E-Auto-Ladegeräte. Das heißt aber nicht, dass das Fahrzeug auch lädt. Fazit und meine Einschätzung
Rein technisch gesehen kann man sein E-Auto mit einem Generator laden, auch wenn es nicht mit allen Modellen klappt. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass man wirklich mal in die Verlegenheit kommt, verschwindend gering. Weder das Liegenbleiben noch ein Blackout sind realistische Szenarien, in denen ein Generator nötig ist. Dafür gibt es Pannendienste und meistens noch genug Restreichweite im Akku.
Solltet ihr euch dennoch für den seltenen Fall der Fälle wappnen wollen, zum Beispiel beim Camping oder in einer abgelegenen Hütte, müsst ihr tief in die Tasche greifen. Ein billiges Baumarkt-Aggregat tut es nämlich nicht. Es braucht schon einen hochwertigen Inverter-Generator mit stabiler Spannung und korrekter Erdung, damit die empfindliche Ladeelektronik des Autos überhaupt mitspielt.
Das Ganze ist nicht nur teuer in der Anschaffung, sondern auch extrem ineffizient und kostspielig im Betrieb. Der Spritverbrauch macht jede Kilowattstunde um ein Vielfaches teurer als an der teuersten Ladesäule. Und von Geschwindigkeit kann kaum die Rede sein. Für eine Handvoll Kilometer Reichweite rattert das Ding stundenlang.
Kurz gesagt: Die Idee, einen Generator als mobile Ladesäule zu nutzen, ist in der Praxis mehr ein theoretisches Gedankenspiel als eine sinnvolle Lösung. Für den Alltag ist es schlichtweg zu umständlich, zu teuer und zu langsam.