(Bildquelle: nicoletaionescu / iStock)
Bei michverlieben geht es nicht zwingend um echte Dates. Wer dort chattet, sollte vorher genau wissen, mit wem die Gespräche stattfinden können.
michverlieben: Dating-Plattform oder Unterhaltung?
Wer sich bei michverlieben anmeldet, könnte auf den ersten Blick eine klassische Flirt- oder Dating-Plattform erwarten. Genau hier liegt aber der entscheidende Punkt: michverlieben beschreibt sich selbst nicht als Kennenlern-Plattform, sondern als reines Unterhaltungsportal.
In den Hinweisen der Plattform heißt es, dass Nutzer dort „fiktive prickelnde Gespräche“ führen können. Diese Gespräche laufen mit professionellen Chatpartnern, die fiktive Profile betreiben. Sie dienen laut Anbieter der Unterhaltung und stehen nicht für Treffen außerhalb der Plattform zur Verfügung.
Wie geht michverlieben mit Fake-Profilen um?
Michverlieben weist selbst darauf hin, dass es auf der Plattform fiktive Profile gibt. Diese sollen mit einem roten Herz gekennzeichnet sein. Dahinter stehen professionelle Chatpartner, die für michverlieben arbeiten und Gespräche mit Mitgliedern führen.
Im laufenden Chat muss der professionelle Chatpartner laut den Bedingungen nicht noch einmal offenlegen, dass er nicht real ist. Aussagen, persönliche Daten und Rollen der fiktiven Profile können frei erfunden sein. Auch das Geschlecht muss nicht zum Profil passen. Ein weibliches Profil kann also von einem männlichen Chatpartner geführt werden und umgekehrt.
Selbst wenn ihr für Nachrichten bezahlt, vermittelt michverlieben nach eigenen Angaben keine Kontakte zu wirklich existierenden Personen. Die Umsätze entstehen durch die moderierten Chats.
Gab es Ärger wegen michverlieben?
Michverlieben war bereits Thema vor Gericht. Der Bundesverband der Verbraucherzentrale hatte gegen frühere Werbung der Plattform geklagt.
Das Landgericht Flensburg entschied 2022, dass die Werbung irreführend war, weil sie den Eindruck erweckte, Nutzer könnten dort neue Bekanntschaften oder eine Partnerschaft finden. Tatsächlich sei nur Kontakt zu professionellen Chatpartnern mit fiktiven Profilen möglich gewesen. Ein persönliches Kennenlernen war ausgeschlossen. Das Urteil ist rechtskräftig.
Auch bei echten Dates bleibt euch manche merkwürdige Begegnung oft nicht erspart. Die häufigsten Phänomene im Video:
» Video ansehen: Ghosting, Benching & Mosting: 5 Online-Dating-Phänomene, die ihr kennen solltet
Wie funktionieren Fake-Flirts auf solchen Portalen?
Dass fiktive Profile auf Flirtportalen nicht nur ein Randproblem sind, zeigte auch eine Recherche des NDR. Die Journalistin Nadia Kailouli bewarb sich undercover als Chatschreiberin und blickte hinter die Kulissen solcher Portale. Laut dieser Recherche ging es dabei darum, Nutzer möglichst lange im Chat zu halten.
Das Geschäftsmodell ist leicht erklärt: Jede Nachricht kostet Geld. Je länger ein Gespräch läuft, desto mehr verdient der Anbieter. In der Recherche wurde beschrieben, dass Chatschreiber mit offenen Fragen arbeiten, Nähe aufbauen und kritischen Nachfragen ausweichen sollten. Für Nutzer kann sich das wie ein echter Flirt anfühlen, obwohl hinter dem Profil kein realer Dating-Kontakt steht.
Genau deshalb ist der Hinweis auf fiktive Profile so wichtig. Wer erst nach mehreren bezahlten Nachrichten merkt, dass ein Treffen gar nicht vorgesehen ist, fühlt sich schnell getäuscht.
Die Verbraucherzentrale weist allgemein darauf hin, dass Begriffe wie „Animateure“, „Controller“, „Moderator“, „moderierter Dienst“ oder „fiktive Profile“ in den AGB ein Warnsignal sein können. Ein Blick in die Geschäftsbedingungen lohnt sich also vor jeder Anmeldung.
Ist michverlieben seriös?
Das hängt davon ab, was ihr erwartet. Formal stellt michverlieben klar, dass es sich um ein Unterhaltungsportal handelt. Es gibt Hinweise auf professionelle Chatpartner, fiktive Profile und fehlende Treffen außerhalb der Plattform. Wer genau so einen Fantasiechat sucht, kann das Angebot entsprechend einordnen.
Problematisch wird es aber, wenn Nutzer die Seite für eine normale Singlebörse halten. Die Aufmachung, Flirttexte und Gespräche können den Eindruck echter Kontakte erzeugen. Gerade unerfahrene Nutzer könnten deshalb Geld ausgeben, obwohl reale Treffen nicht Teil des Angebots sind.
Wie bewerten Nutzer michverlieben auf Trustpilot?
Auch die Nutzerbewertungen fallen sehr kritisch aus. Auf Trustpilot kommt michverlieben aktuell nur auf einen sehr niedrigen TrustScore von 1,3 von 5 Sternen bei mehr als 2.000 Bewertungen.
Auffällig ist dabei die starke Spreizung: Ein großer Teil der Bewertungen vergibt fünf Sterne, gleichzeitig liegt der Anteil der Ein-Stern-Bewertungen bei rund 30 Prozent. Trustpilot weist grundsätzlich darauf hin, dass Bewertungen persönliche Nutzermeinungen wiedergeben und nicht automatisch geprüfte Fakten sind.
Viele negative Erfahrungsberichte drehen sich um genau den Punkt, der auch in den AGB eine Rolle spielt: Nutzer fühlen sich getäuscht, weil sie mit echten Kontakten gerechnet hatten, das Chatten aber kostenpflichtig ist und Treffen ausbleiben.
Woran erkennt ihr fiktive Profile?
Bei michverlieben sollen fiktive Profile nach Angaben der Plattform mit einem roten Herz markiert sein. Zusätzlich solltet ihr bei Flirtportalen auf typische Warnzeichen achten:
- sehr schnelle und sehr intensive Nachrichten
- auffällig attraktive Profilbilder
- viele Ausreden, sobald es um ein Treffen geht
- Gespräche, die immer weiterlaufen sollen
- Hinweise in den AGB auf Moderatoren, Controller oder fiktive Profile
- kostenpflichtige Nachrichten oder Coins pro Chat
Ein einzelnes Zeichen beweist noch nichts. Kommt aber vieles zusammen, solltet ihr vorsichtig sein.
Was solltet ihr vor der Anmeldung beachten?
Bevor ihr Geld in Coins oder Nachrichten steckt, solltet ihr klären, welche Art von Plattform ihr nutzt. Die wichtigste Frage lautet: Geht es um echte Kontakte oder nur um Unterhaltung?
Bei michverlieben ist die Antwort nach den eigenen Hinweisen klar: Die Plattform bietet fiktive Unterhaltungen mit professionellen Chatpartnern. Reale Treffen mit diesen Profilen sind nicht vorgesehen. Wer echte Dates sucht, sollte deshalb besser eine Plattform wählen, auf der reale Kontakte tatsächlich Teil des Angebots sind.