Wie sieht der Alltag eines professionellen Sprechers aus und wie kann man Synchronsprecher werden? (Bildquelle: Getty / edwardolive / Bearbeitung GIGA)
Möchtet ihr eure Stimme einem Videospielcharakter oder einem Schauspieler verleihen? Dann klingt der Beruf des Synchronsprechers zunächst wie ein Traumjob. Doch der Weg in die Branche ist oft anspruchsvoller, als viele denken. Wir zeigen euch, wie ihr Synchronsprecher werden könnt, welche Ausbildungsmöglichkeiten es gibt, wie der Berufsalltag aussieht und welches Gehalt ihr erwarten könnt.
Was macht ein Synchronsprecher eigentlich?
Synchronsprecher verleihen Figuren in Filmen, Serien, Videospielen oder Animationsproduktionen eine Stimme. Dabei sprechen sie Dialoge so ein, dass sie lippensynchron zum Originalbild passen. Typische Einsatzbereiche sind zum Beispiel:
- Filme und Serien
- Videospiele
- Animationsfilme
- Dokumentationen
- Hörbücher
- Werbung und Imagefilme
- E-Learning und Erklärvideos
Deutschland gehört zu den größten Synchronmärkten weltweit. Besonders viele Produktionen werden in Berlin, München und Hamburg synchronisiert.
Voraussetzungen: Diese Fähigkeiten braucht ihr
Um als Synchronsprecher zu arbeiten, reicht eine angenehme Stimme allein nicht aus. Erfolgreiche Sprecher bringen meist mehrere Fähigkeiten mit:
- deutliche Aussprache und Artikulation
- gutes Sprachgefühl
- schauspielerisches Talent
- emotionale Ausdrucksfähigkeit
- gutes Timing beim Sprechen
- Fähigkeit zur Lippensynchronisation
- sichere Arbeit am Mikrofon
Viele Profis trainieren ihre Stimme regelmäßig mit Sprech- und Atemtraining.
Ausbildung oder Studium: So werdet ihr Synchronsprecher
Eine klassische Ausbildung zum Synchronsprecher gibt es in Deutschland nicht. Der häufigste Weg führt über eine Schauspielausbildung an einer Hochschule oder Schauspielschule. Diese dauert meist 3 bis 4 Jahre, teilweise aber auch länger.
Alternativ gibt es spezialisierte Kurse und Workshops, zum Beispiel bei Sprecher-Akademien. Diese vermitteln Grundlagen wie:
- Studioarbeit
- Synchronsprechen
- Atemtechnik
- Demo-Aufnahmen
Solche Kurse ersetzen meist keine Schauspielausbildung, können aber den Einstieg erleichtern. Einige Synchronsprecher sind auch Quereinsteiger. Sie gelangen über Kontakte, Castings oder Sprecherplattformen in die Branche. Ohne Training ist das jedoch deutlich schwieriger.
So bekommt ihr eure ersten Synchronsprecher-Jobs
Der Einstieg in die Branche erfolgt häufig über kleine Rollen oder Nebenjobs. Typische Schritte sind:
- Sprecher-Demo erstellen: Ein sogenanntes Voice-Reel zeigt eure Stimme und eure Bandbreite.
- Bei Synchronstudios bewerben: Bekannte Studios in Deutschland sind zum Beispiel:
- Iyuno Germany
- FFS Film- & Fernseh-Synchron
- Arena Synchron
- Interopa Film
- Castings absolvieren: Viele Rollen werden über Vorsprechen oder Testaufnahmen vergeben.
- Agentur finden: Eine Sprecheragentur kann euch bei der Vermittlung von Jobs helfen.
Der Berufsalltag als Synchronsprecher
Wer Synchronsprecher werden will, muss sich bewusst sein, dass es sich hierbei nicht um einen normalen Beruf handelt. Synchronsprecher sind, wie auch Schauspieler, hauptsächlich freiberuflich unterwegs und werden idealerweise von einer Agentur vertreten, welche sich um die Castings und Aufträge kümmert.
Die Arbeit eines Synchronsprechers besteht aus einzelnen Projekten, die unterschiedliche Längen haben. Eine Dauerrolle wie die Stimme von Homer Simpson oder der feste Synchronsprecher eines Schauspielers zu sein, ist eine Seltenheit. Aber auch Werbespots und kleine Rollen benötigen eine Stimme. Der Einsatzbereich eines Sprechers ist also vielseitig und abhängig von vielen einzelnen Faktoren sowie den ganz eigenen Stimmlagen.
Synchronsprecher-Gehalt: Das verdient ihr mit eurer Stimme
Da Synchronsprecher selten fest angestellt sind und projektbasiert arbeiten, gibt es keine genauen Angaben zu dem Gehalt. Durchschnittlich kann ein erfahrener Synchronsprecher jedoch mit einem Bruttogehalt von 2.500 Euro rechnen.
Dieses ergibt sich aus Gagen, die Synchronsprecher für sogenannte „Takes“ bekommen. Durchschnittlich spricht ein Sprecher pro Tag um die 100 davon ein und erhält pro Take rund 3,30 Euro (Quelle: Studycheck). Das alles ist aber abhängig von eurer Berufserfahrung, sowie von eurem Kunden und dessen Budget. Das Synchronsprecher-Gehalt kann also jeden Monat fluktuieren.
Wer Synchronsprecher werden will, sollte auch die Stimmen im Geschäft erkennen können:
Quiz: Könnt ihr alle Stimmen und Synchronsprecher erraten?(Bildquelle: IMAGO / ZUMA Wire)
Frage 1 von 12
Wer teilt sich eine Stimme mit John McClane?
A) John Wick
B) Rocky Balboa
C) Ego (Guardians of the Galaxy Vol. 2)
D) Vincent Vega (Pulp Fiction)
Wenn ihr euch für Film, Serien oder Games begeistert und gerne mit eurer Stimme arbeitet, kann Synchronsprechen ein spannender Karriereweg sein. Allerdings braucht ihr neben Talent vor allem Training, Geduld und Kontakte, um euch langfristig in der Branche zu etablieren.
Häufige Fragen zum Beruf Synchronsprecher
Kann man Synchronsprecher ohne Ausbildung werden?
Ja, theoretisch ist das möglich. In der Praxis haben jedoch viele erfolgreiche Sprecher eine Schauspiel- oder Sprecherausbildung.
Wie lange dauert der Einstieg?
Je nach Ausbildung und Kontakten kann der Einstieg mehrere Jahre dauern. Viele beginnen zunächst mit kleinen Nebenrollen oder Werbejobs.
Kann man Synchronsprecher von zu Hause werden?
Für klassische Film- oder Serien-Synchronisation müsst ihr meist in ein Studio. Einige Sprecher arbeiten aber für Werbung, Hörbücher oder Onlineproduktionen auch im Heimstudio.
Wie wichtig ist eine Sprecheragentur?
Eine Agentur ist nicht zwingend nötig, kann aber helfen, regelmäßig Castings und Aufträge zu bekommen.