Ein Tiny House bietet auf wenig Raum alles, was man zum Leben braucht. (Bildquelle: IMAGO / Funke Foto Services / Bildbearbeitung GIGA)
Tiny Houses sind beliebter denn je, doch welche Auflagen gelten in Deutschland? Was ihr zu Grundstück, Genehmigung und Mietoptionen wissen müsst.
Was ist ein Tiny House?
Ein Tiny House ist ein kleines, meist zwischen fünfzehn und fünfzig Quadratmetern großes, voll funktionsfähiges Wohnhaus mit Küche, Bad und Wohn- sowie Schlafbereich. Diese Minihäuser stehen für minimalistisches Wohnen, Nachhaltigkeit und oft auch ein niedrigeres Budget als bei klassischen Häusern. Es gibt mobile und feste Tiny Häuser.
Wann zählt ein Tiny House als Gebäude?
Ob ein Tiny House baurechtlich als Fahrzeug, Ladung oder Gebäude gilt, hängt davon ab, wie ihr es nutzt:
Als Fahrzeug gilt ein Tiny House, wenn es auf einem Trailer steht, mobil ist und als Wohnwagen zugelassen wurde. In diesem Fall zählt es baurechtlich nicht als Gebäude.
Als Ladung wird es eingeordnet, wenn das Tiny House nur vorübergehend abgestellt wird, transportierbar bleibt und kein fester Wohnsitz entsteht. Dann ist zunächst keine Baugenehmigung erforderlich.
Als Gebäude gilt ein Tiny House, sobald ihr es dauerhaft bewohnt. In diesem Moment stuft die Landesbauordnung es als bauliche Anlage ein. Es fällt dann meist in die
Gebäudeklasse eins und wird baugenehmigungspflichtig.
In der Praxis wird ein Tiny House fast immer als Gebäude bewertet, sobald ihr länger an einem Ort wohnt, unabhängig davon, ob es Räder hat oder auf einem Fundament steht.
Welche Anforderungen gelten bei Wohnnutzung?
Soll euer Tiny House als Wohnhaus genehmigt werden, müssen bestimmte Mindeststandards erfüllt sein. Dazu zählen unter anderem:
Küche und Bad müssen vorhanden sein. Die
Raumhöhe liegt meist bei mindestens 2,40 Metern; Ausnahmen sind möglich. Eine
ausreichende Lüftung ist erforderlich, besonders bei fensterlosen Bädern.
Statik, Brandschutz und gegebenenfalls Blitzschutz müssen nachgewiesen werden.
Fenster, Türen und Fluchtwege müssen den Vorgaben der Landesbauordnung entsprechen.Wo darf ein Tiny House stehen?
Für dauerhaftes Wohnen braucht ihr ein entsprechendes Grundstück im Bebauungsplan, also ein Baugrundstück dort, wo Wohnhäuser zulässig sind.
Dabei gelten einige Regeln:
Das Grundstück muss laut Bebauungsplan für
Wohnen vorgesehen sein.
Mindestabstände zu Nachbargrundstücken müssen eingehalten werden. Eine
Erschließung (Strom, Wasser, Abwasser) muss vorhanden oder möglich sein. Zusätzlich können
Bebauungspläne oder Gestaltungssatzungen Vorgaben enthalten, zum Beispiel zu Dachformen, Farben oder Mindestgrößen.
Ob ihr eine Genehmigung benötigt, hängt von der jeweiligen Landesbauordnung ab. In einzelnen Bundesländern sind kleine Gebäude bis zu einem bestimmten Volumen verfahrensfrei, das heißt, ihr braucht keine klassische Baugenehmigung.
Mit einem Balkonkraftwerk reduziert ihr eure Stromkosten erheblich. Wann es sich lohnt, erfahrt ihr im Video:
» Video ansehen: Solarstrom vom Balkon – Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?
Tiny House mieten in Deutschland: die flexible Alternative
Ein Tiny House muss nicht zwingend gekauft werden. In Deutschland gibt es zunehmend Möglichkeiten, Tiny Houses zu mieten, etwa in speziellen Tiny-House-Parks, auf Campingplätzen oder auf privaten Grundstücken. Das Mieten eignet sich vor allem, um das Leben auf kleinem Raum erst einmal auszuprobieren oder eine Übergangslösung zu schaffen.
Autarke Tiny Houses: Was ist erlaubt?
Komplett autarke Tiny Houses ohne Anschluss an Strom, Wasser oder Abwasser sind rechtlich schwierig. Sie sind nur zulässig, wenn:
das Grundstück grundsätzlich
erschlossen oder erschließbar ist Befreiungen vom Anschlusszwang
beantragt und genehmigt werden zusätzliche Anlagen wie Photovoltaik oder Windkraft
separat genehmigt werdenWochenend- oder Feriennutzung: Wie lauten die Regeln bei Erholungsgebieten?
Tiny Houses dürfen auch auf Grundstücken stehen, die als Sondergebiet zur Erholung ausgewiesen sind. Dort ist das Aufstellen häufig genehmigungsfrei, solange bestimmte Größen eingehalten werden.
Wichtig: Dauerhaftes Wohnen ist hier in der Regel nicht erlaubt, es sei denn, der Bebauungsplan sieht ausdrücklich eine Wohnnutzung vor.
Wohnwagen: Braucht es eine Baugenehmigung bei rein mobiler Nutzung?
Nutzt ihr euer Tiny House ausschließlich als Wohnwagen, ist keine Baugenehmigung nötig. Voraussetzung ist allerdings eine Zulassung als Fahrzeug. Außerhalb der Nutzung muss das Tiny House auf einem genehmigten Stellplatz stehen, etwa auf einem eigenen Grundstück oder einem dafür vorgesehenen Abstellplatz.
Auf Campingplätzen ist das Aufstellen eines Tiny Houses oft unkomplizierter als auf klassischen Baugrundstücken. Häufig ist keine Baugenehmigung nötig, wenn:
die Grundfläche
maximal 50 Quadratmeter beträgt die
Höhe höchstens 3,5 Meter erreicht der Bebauungsplan des Platzes eine
dauerhafte Wohnnutzung erlaubtWas solltet ihr bei der Planung eines Tiny Houses frühzeitig klären?
Bevor ihr ein Tiny House plant oder kauft, solltet ihr möglichst früh das zuständige Bauamt kontaktieren. Dort erfahrt ihr, ob das Grundstück grundsätzlich geeignet ist und welche Vorgaben gelten.
Zusätzlich lohnt sich eine Bauvoranfrage, mit der ihr verbindlich klärt, ob euer Vorhaben genehmigungsfähig ist. Das spart Zeit, Kosten und spätere Enttäuschungen.
Ebenfalls wichtig: Sprecht früh mit den Nachbarn. In vielen Fällen werden sie im Genehmigungsverfahren beteiligt, ihre Zustimmung kann das Verfahren erleichtern oder sogar entscheidend sein.