(Bildquelle: Xiaomi / Bearbeitung: GIGA)
Eine System-App auf eurem Xiaomi-Handy könnte euch direkt in eine Betrugsfalle locken.
Besitzer von Xiaomi-Smartphones stehen vor einer erheblichen Gefahr, die direkt vom Hersteller-System ausgeht. Grund dafür ist Xiaomis eigener Web-Browser „MiBrowser“. Die App versendet Push-Benachrichtigungen, mit denen Nutzer auf gefälschte und betrügerische Webseiten gelockt werden, die sich als offizielle Auftritte der Tagesschau tarnen.
Xiaomi Redmi: Fake-Webseiten wollen eure Daten – und der Hersteller hilft
Davor warnt die Stiftung Warentest. Die Push-Nachrichten sollen mit Texten wie „Das ist wichtig zu wissen“ zum Klick verleiten. Sie nutzen das Wappen der Bundesrepublik Deutschland, um offiziell zu wirken. Ein Klick darauf führe jedoch auf eine nachgebaute Nachrichtenseite, auf der mit einem angeblichen Interview für unseriöse Anlagemodelle geworben wird – eine Methode, die von der Stiftung Warentest als Anlagebetrug oder Phishing-Versuch eingestuft wird.
Bereits in der Vergangenheit fielen Xiaomi-Geräte durch aufdringliche Werbung in System-Apps negativ auf, etwa für den Online-Marktplatz Temu. Die direkte Verlinkung auf Betrugsseiten hat laut Stiftung Warentest jedoch eine weitaus gefährlichere Qualität. Xiaomi selbst erklärte auf Anfrage, den Vorfall „sehr ernst“ zu nehmen und eine interne Untersuchung eingeleitet zu haben. Der Hersteller vermutet die Ursache bei einem externen Inhaltsanbieter, dessen Kontrollmechanismen versagt haben – ebenso wie die von Xiaomi, zumindest in diesem Fall.
Zuerst aufgefallen sind die betrügerischen Push-Mitteilungen beim Test eines Redmi 15. Bei Redmi handelt es sich um die günstigere Einsteiger-Marke von Xiaomi. Gerade diese günstigeren Modelle enthalten viel Werbung in vorinstallierten Apps. Für eine Menge solcher Apps, deren Nutzen für Kunden zweifelhaft ist, ist Xiaomi ebenfalls seit Längerem bekannt.
So bekommt ihr das Problem mit eurem Xiaomi-Handy in den Griff
Der einfachste Weg, Probleme mit dem MiBrowser zu umgehen, ist, einen anderen Browser zu nutzen. Google Chrome dürfte für die meisten Besitzer eines Xiaomi-Handys ohnehin die erste Wahl sein und lässt sich als Standard-Browser festlegen. Dann habt ihr mit dem MiBrowser nichts mehr zu tun.
Wer dem MiBrowser treu bleiben will oder mehrere Browser nutzt, sollte zumindest die Benachrichtigungen für den MiBrowser in den Systemeinstellungen unter „Benachrichtigungen und Statusleiste“ deaktivieren. Es kann außerdem sinnvoll sein, die App-Berechtigungen für den Zugriff auf personalisierte Daten möglichst weit einzuschränken. Ruft auch dafür die Einstellungen auf, navigiert zu „Apps“ und sucht dort nach dem MiBrowser. Ihr könnt dann der App den Zugriff auf Bereiche wie euren Standort oder die Kamera entziehen. Deinstallieren lässt sich der MiBrowser hingegen nicht.
Felix Gräber (Eigene Meinung):
Xiaomi bleibt eine gute Wahl
Ich nutze seit einigen Monaten privat zum ersten Mal ein Xiaomi-Handy und hatte bisher keine vergleichbaren Probleme. Allerdings nutze ich auch so wenig wie möglich die Apps, die Xiaomi vorher installiert. Dass die zumeist Bloatware sind und vollgestopft mit Werbung, ist schließlich nichts Neues.
Das ist allerdings überhaupt keine Einschränkung. Auf den MiBrowser kann man genauso problemlos verzichten wie auf viele andere der integrierten Anwendungen. Vieles an vorinstallierten Spielen und anderen Apps könnt ihr deinstallieren, wenn auch nicht alles. Das sollte ohnehin der erste Schritt sein, wenn ihr euch ein Xiaomi-Handy oder ein anderes neues Smartphone zulegt: Erst einmal alles runter, was ihr nicht braucht.
Mit einer aktuellen Android-Version könnt ihr außerdem die Apps auf euren Smartphones zufriedenstellend unter Kontrolle halten, indem ihr deren Berechtigungen verwaltet. Auch wenn Xiaomi mit diesem Verhalten im MiBrowser keine Lorbeeren gewinnt – im Alltag spricht das nicht gegen eines ihrer Smartphones.