(Bildquelle: IMAGO / blickwinkel / Bearbeitung GIGA)
Falls ihr euch auch schon gefragt habt, wo eure Katze nachts um die Häuser zieht, seid ihr nicht allein. Die Sorge, dass der geliebte Freigänger nicht mehr nach Hause findet, kennen viele. Da klingt die Idee, einfach einen günstigen Apple AirTag am Halsband zu befestigen, verlockend. Doch ist das wirklich eine gute Idee? Wir erklären euch, wie die Technik funktioniert, wo die Risiken liegen und welche Alternativen es gibt.
Wie funktioniert ein AirTag überhaupt?
Um zu verstehen, warum ein AirTag für Haustiere problematisch ist, muss man seine Funktionsweise kennen. Anders als ein GPS-Tracker hat der AirTag kein eigenes GPS-Modul und keine SIM-Karte. Er sendet in regelmäßigen Abständen ein verschlüsseltes Bluetooth-Signal aus. Kommt ein beliebiges iPhone, iPad oder ein anderer Mac aus Apples „Wo ist?“-Netzwerk in die Nähe, empfängt dieses Gerät das Signal, erkennt den AirTag und leitet dessen Standort anonym an die Apple-Server weiter. Ihr seht dann in eurer „Wo ist?"-App, wo der AirTag zuletzt geortet wurde.
Die Vorteile: Warum die Idee mit dem AirTag so verlockend ist
Zunächst sprechen einige Punkte klar für den AirTag als Katzentracker, was die Idee so populär macht:
- Lange Batterielaufzeit: Eine einzige Knopfzelle hält oft über ein Jahr.
- Wasserbeständigkeit: Ein Regenschauer macht dem AirTag nichts aus.
- Geringes Gewicht: Mit nur 11 Gramm ist der Tracker selbst sehr leicht.
- Niedriger Preis: Im Vergleich zu GPS-Trackern ist die Anschaffung mit rund 35 Euro unschlagbar günstig und es gibt keine laufenden Kosten.
Warum ihr eure Katze nicht mit AirTag tracken solltet
AirTags wurden aber vor allem dafür entwickelt, Gegenstände wie einen Rucksack oder Schlüssel zu orten. Haustiere gehören hingegen nicht zum primären Einsatzgebiet. Schon 2021 hat die damalige Vizepräsidentin für das weltweite iPhone-Produktmanagement, Kaiann Drance, darauf hingewiesen, dass die Apple-Tracker nicht für die Verfolgung von Tieren und auch nicht für die Ortung von Kindern gebaut wurden.
Die technischen Grenzen:
- Kein Live-Tracking: Der Standort wird nur aktualisiert, wenn ein Apple-Gerät in der Nähe ist. Auf einem Feld, im Wald oder in einer ländlichen Gegend ohne viele iPhones in der Nachbarschaft ist eine Ortung unmöglich. Ihr seht also nicht, wo euer Vierbeiner jetzt ist, sondern nur, wo sie irgendwann mal war.
- Anti-Stalking-Ton: Um zu verhindern, dass Personen heimlich verfolgt werden, gibt ein AirTag nach einiger Zeit einen Ton von sich, wenn er vom iPhone seines Besitzers getrennt ist. Dieser plötzliche Piepton kann euer Haustier enorm erschrecken, verängstigen und in Panik versetzen.
Die echten Gefahren:
- Strangulationsgefahr: Befestigt ihr den AirTag an einem normalen Halsband, kann euer Freigänger beim Klettern hängen bleiben und sich strangulieren. Ein Sicherheitshalsband, das sich unter Zug öffnet, ist zwar Pflicht für Freigänger, führt aber dazu, dass ihr den teuren Tracker schnell verliert.
- Gewicht und Größe: Der AirTag selbst wiegt 11 Gramm. Hinzu kommt eine meist klobige Halterung, die das Gesamtgewicht schnell verdoppelt. Für eine zierliche Katze ist das eine erhebliche Belastung am Hals.
- Gefahr durch Verschlucken: Löst sich der AirTag aus der Halterung, könnte euer Stubentiger ihn als Spielzeug ansehen und Teile oder die Batterie verschlucken. Die Knopfzelle ist hochgiftig und kann zu schweren inneren Verletzungen führen.
Eigenschaft
Apple AirTag
Echter GPS-Tracker (z.B. Tractive)
Technologie
Bluetooth ("Wo ist?"-Netzwerk)
GPS & Mobilfunk (eigene SIM-Karte)
Reichweite
Begrenzt, abhängig von Apple-Geräten
Unbegrenzt, solange Mobilfunkempfang besteht
Live-Tracking
Nein, nur letzter bekannter Standort
Ja, Standortaktualisierung alle paar Sekunden
Anschaffungskosten
Günstig (ca. 35 €)
Teurer (ab ca. 50 €)
Laufende Kosten
Keine
Ja, Abo erforderlich (ca. 5-10 € / Monat)
Sicherheit fürs Tier
Bedenklich (Strangulationsgefahr etc.)
Hoch (speziell entwickelt, oft mit Sicherheitsclip)
Zusatzfunktionen
Keine
Aktivitäts-Tracking, virtuelle Zäune, Schlaf-Analyse
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist die Strahlung eines Trackers schädlich für meine Katze?
Sowohl AirTags als auch GPS-Tracker senden mit sehr geringer Leistung, ähnlich wie ein Smartphone. Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass dies für Haustiere schädlich ist.
Funktioniert der AirTag auch mit einem Android-Handy?
Nein. Um einen AirTag einzurichten und aktiv zu orten, benötigt ihr ein iPhone oder iPad. Android-Nutzer können lediglich einen gefundenen AirTag scannen.
Fazit: Lieber sicher als günstig
Theoretisch könnt ihr eure Katze mit einem AirTag orten. Wir raten euch aber dringend davon ab. Die technischen Einschränkungen machen ihn unzuverlässig, und die Sicherheitsrisiken für euer Tier sind einfach zu groß.
Wer seine Katze liebt und wirklich wissen möchte, wo sie sich aufhält, sollte etwas mehr Geld in die Hand nehmen. Ein echter GPS-Tracker mit einem Sicherheits-Halsband ist die einzig sichere und verlässliche Lösung (bei Amazon ansehen). Auch wenn hier laufende Abo-Kosten anfallen, ist die Sicherheit diesen Preis wert.