Haecksenwerk

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Haecksenwerk episodes

  • hckn011: Der Python-Kurs für absolute Anfängerinnen*

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Im August geht der Python-Kurs für absolute Anfängerinnen* in eine neue Runde. Zu diesem Anlass sprechen C_ristina und Piko darüber, wie der Kurs bisher gelaufen ist, wie er ab August laufen wird, warum eins Python lernen sollte und wie Piko Python gelernt hat. Aber auch darüber, warum es wichtig ist, dass der Kurs sich ausschließlich an FINTA richtet – also Frauen, intesex, nonbinary, trans und agender Personen. 

    Die E-Mail-Adresse, für Frauen und intersex, nonbinary, trans und agender Personen, um sich beim Python-Kurs anzumelden:

    piko (at) riseup.net

    Python-Ressourcen

    Eine gute Einführung zum Selbstlernen:

    • Automate the boring stuff with python: http://automatetheboringstuff.com/

    Wenn eins sich schon ein bisschen auskennt und Übung sucht: 

    • Project Euler für Mathe-Liebhabende: https://projecteuler.net/
    • Advent of code (am besten in einer Gruppe, damit eins nicht steckenbleibt): https://adventofcode.com/
    • Pong: Hierfür findet sich eine Anleitung unter https://jugendhackt.org/oer/projekte/python-einfuehrung/
    Links
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    • Ein öffentlicher BigBlueButton-Videokonferenzserver, auch gut zum Kennenlernen: https://senfcall.de/
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    • Hedgedoc Kennenlernen: https://community.hedgedoc.org/t/public-instances/282
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    Stichworte

    Python, Kurs, Selbstlernen, FINTA

    Credits
    • Redaktion: & Sprechende: piko, c_ristina
    • Produktion: piko, naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    c_ristina: Willkommen beim Haecksenwerk, hier ist C_ristina von den Haecksen und ich spreche heute mit Piko über den Pythonkurs. Wir hören uns mal an was Python ist, was in dem Kurs bisher so gemacht wurde und auch was eins so zum Programmieren lernen braucht. Hallo Piko schön, dass du da bist.

    Piko: Hallo! Hallo, cristina.

    c_ristina: Ja, dann erzähl uns gerne, wie sieht das denn überhaupt aus?

    Über den Pythonkurs

    Piko: Ja, also der Pythonkurs, der läuft im Moment wöchentlich. Wir treffen uns also einmal wöchentlich, und zwar nicht real, sondern in einem BigBlueButton, also in einer Videokonferenz. Ich erzähl dann so ein bisschen was, wie Python geht, und Menschen stellen Fragen, Menschen sind neugierig. Der Pythonkurs ist ja aus dem Dunstkreis der Haecksen entstanden und richtet sich deswegen an FINTA Personen, das heißt das sind Frauen, intersex Personen, nonbinary Personen, trans Personen und agender Personen. Das sind sozusagen Leute, die in der IT unterrepräsentiert sind und deshalb auch ein bisschen es schwieriger haben, in diese Wissensgebiete einzudringen, sich da, ja, anfangen, auszukennen.

    c_ristina: Mhm, da kommen wir auch dann später auch noch mal kurz dazu, wie das dann in der weiteren Zusammensetzung auch aussieht. Kannst Du auch was dazu sagen, was denn so für Dinge dabei gemacht werden?

    Piko: Ja! Ähm. Er lief jetzt fast ein Jahr und, natürlich, also wir haben absolut von Null angefangen, und ich hab mir auch wahnsinnig Mühe gegeben, dass das Niveau sich nicht krass schnell steigert. Der Kurs ist ja für absolute Anfänger*innen, das heißt, ich ziele wirklich auf Leute, die von sich selbst glauben, dass sie das sowieso nie lernen können, oder zumindest das immer wieder erfahren haben, oder Angst haben, das vielleicht auch selber mal zu erfahren, dass das irgendwie alles total schwierig ist und schwarze Magie – und wenn man das nicht entweder mit der Muttermilch aufgesogen hat oder studiert hat, dann kann man das auch gar nicht wissen… Das heißt, die ersten paar Monate waren wirklich Grundlagen und viele sehr, sehr farbige Erklärungen. Das ist eine wichtige Sache, die wir machen, oder die ich mache, nämlich, ich gebe viele intensive Beispiele.

    Ein besonders beliebtes ist das Lego-Beispiel. Und zwar für die, die schon ein bisschen Ahnung von Python haben, wenn man andere Funktionalitäten aus so ner Bibliothek importiert und verwenden will, die nicht standardmäßig dabei sind, sondern die man so sich dazuholen kann, dann ist das ungefähr so, als würde man eine Legokiste nehmen und Python zeigen: “Guck mal hier. Da sind die Legosteinchen drin, die du nehmen sollst, wenn ich dir sage: Nimm diese Kiste. Ich stelle die Kiste jetzt einfachmal – zum Beispiel diese Grafikkiste – Diese Grafikkiste, die stelle ich jetzt einfach mal hier ins Regal. Wenn du Grafiksachen machen willst, dann gehst du an diese Kiste und nimmst dir ein Steinchen raus.” Das kann man zum Beispiel machen. Man kann aber auch anders so Steinchen importieren und sagen: “Guckmal, Python, ich möchte aus der Grafikkiste jetzt immer diese fünf, äh, Steinchen nehmen. Ich leg dir diese fünf Steinchen direkt mal auf den Boden, dann kannst du damit spielen. Oder – und wenn ihr ein bisschen aufgepasst habt: so Legobeispiele enden doch immer genau so, dass man einfach die Kiste nimmt und auf dem Boden ausleert. Das gibt aber dann halt die üblichen Lego-Probleme und deshalb, ähm, mag man es nicht. 

    Das ist zum Beispiel eins von den, ja, sehr farbigen, sehr intensiven Beispielen, die ich verwende, damit solche Konzepte auch wirklich klar werden. Aber ich erzähle natürlich nicht nur, sondern wir coden auch viel zusammen. Und zwar haben wir im Winter es geschafft, zusammen ein Spiel zu programmieren: Mastermind. Sozusagen das Spiel Mastermind nachzuprogrammieren. und dann im Frühjahr haben wir uns an die Card10 gemacht. Das ist eine mit Python programmierbare, ähm, Smartwatch, die praktisch total einfache kleine Python-Programme drauf hat, die man auch einfach verändern kann, die man anpassen kann, und mit denen man einfach auch ein bisschen lernen kann, wie man wirklich Programme macht, in Python – und eben nicht immer nur irgendwelche kleinen Beispiele oder Hangman. 

    c_ristina: Das klingt total super, vor allem weil es auch eine direkte Anbindung so an den Alltag oder alltägliche Sachen tatsächlich hat, und, ich sag mal, jetzt nicht so völlig abstrakte Sachen wie “Dinge berechnen” einfach nur, sondern wirklich eine Anwendung dann tatsächlich dabei rauskommt.

    Piko: Ja, wir haben dadurch, dass wir so eine super diverse Gruppe haben mit Leuten, die schon ewig im Beruf sind und einfach nie zum Programmieren gekommen sind, als auch Schulkinder, ist es ein bisschen schwierig da zu sagen, wir machen jetzt genau dieses Projekt. Wenn man zum Beispiel nur Ingenieurinnen hat, dann kann man direkt sagen: “OK, wir machen dieses Data-Science-Projekt, wir machen dieses Data-Science-Projekt, wir machen diese Steuerungstechnik und hat dadurch zwar etwas wirklich konkretes, aber andererseits, ähm, Sachen, die halt wirklich schon relativ komplex sind. Aber, hmmmm, dadurch, dass wir eben kein so gemeinsames Fachgebiet haben, müssen wir, äh, ja, suchen wir unsere Beispiele von überall her. 

    c_ristina: Das finde ich aber auch total wichtig, zumindest in unseren Communitys, dass wir dort direkt erleben, wie Diversität einfach zu superproduktiven und vielfältigen Ergebnissen führt, die einfach auch gesellschaftlich relevant sind, so; weil wir diese Diversität auch tatsächlich innerhalb der IT unbedingt brauchen.

    Piko: Ja, das fällt mir auch immer wieder auf, dass es wahnsinnig unterschiedliche Stärken gibt. Und das, ähm, in dem Python-Kurs tatsächlich ganz unterschiedliche Stärken zusammenkommen und zusammenarbeiten. Wenn dann irgendwelche Projekte sind, dass die eine Person sich _darum_ kümmert, die andere Person sich _darum_ kümmert, und die einen, die sich vielleicht genauer auskennen mit, ähm, ja, mit diesem ganzen Programmierzeugs die anderen mitziehen, während die anderen sich vielleicht an einer anderen Stelle auskennen, oder zum Beispiel Zeit investiert haben, um zu schauen, wie genau funktioniert jetzt dieser Sensor, wie können wir den ansprechen? 

    c_ristina: Ich finde, das ist wirklich eine bisher total unterschätzte Komponente, kannst du uns auch noch etwas zu den Tools sagen, die ihr dabei dann verwendet?

    Tools, die im Pythonkurs benutzt werden

    Piko: Ja! Das wichtigste ist BigBlueButton. Da bin ich ganz froh, dass wir unsere Heimat gefunden haben auf einem Server, der aus dem Umfeld des Chaos Computer Club kommt, und wo wir uns total, ja, problemlos einfach treffen können. Ich mag die Software BigBlueButton sehr, sehr gerne. Ich verwende sie ja auch schon eine ganze Weile und habe viel Freude an den Features – also zum Beispiel verwende ich wahnsinnig viele Umfragen in BigBlueButton. Man hat das große Problem, wenn ich als Vortragende Sachen erkläre, dann bin ich nicht im selben Raum und dadurch hab ich nicht so viel Zug zu den Leuten, die mir zuhören. Ich möchte die anderen nicht dazu zwingen, die Kamera anzuschalten, und das hat sich dann eingependelt, dass ich die Einzige bin mit eingeschalteter Kamera. Und das führt dazu, dass… also mir ist es wahnsinnig wichtig, dass sich meine Lernenden wohl fühlen, das heißt, ich werd da auch – ich mach da keinen Druck. Das führt aber dazu, dass man noch weniger in den Computer “reingezogen” wird. Und da sind gerade diese Umfragen in BigBlueButton extrem hilfreich, wo ich immer wieder fragen kann: “Ja, habt Ihr das jetzt verstanden? Habt Ihr das Gefühl, Ihr könntet diesen Sachverhalt jetzt der Person erklären, die Ihr vor fünf Stunden wart?” Das ist eine von meinen Lieblingsfragen, dieses “Ok, könnte ich das jetzt meinem alten Selbst erklären?” – das ist mir wahnsinnig wichtig, dass ich praktisch da doch irgendwie so ins Gespräch komme und die Leute ein bisschen rausfordere.

    c_ristina: Auf jeden Fall. Es klingt auch nach einer weiteren Herausforderung, wie wir Probleme auch lösen – oder Lösungsansätze finden –, um das überhaupt anbieten zu können und auch inklusiv sein zu können, denke ich mal. 

    Piko: Mhm. Eine weitere Sache zur Kommunikationsermöglichung sind Hedgedocs; das heißt, das sind Markdown-Pads sowas. Also wem diese ganzen Wörter jetzt nichts sagen, es ist so ein bisschen wie Google Docs; nur, dass es nicht an Google hängt und noch mal ein bisschen schöner funktioniert – meiner Meinung nach. Das heißt da kann sich, wenn wer die URL kennt, kann sich jeder einwählen und da drin schreiben. Das heißt, da können zum Beispiel Hausaufgaben drin geteilt werden, dann kann ich mir die Hausaufgabe live anschauen und ähm auf Sachen hinweisen. Da können zum Beispiel auch Links geteilt werden. Das ist eine Sache, in der wir das anschauen und dann haben wir zu guter letzt das Gitlab. Da kommen einfach die Informationen rein, da ist ein Ort für mich, dass ich praktisch Hausaufgaben stellen kann und so weiter. Aber das allerwichtigste Tool, das ich verwende, habe ich jetzt noch nicht erwähnt, nämlich: Wir haben Kleingruppen gebildet. Genauer gesagt haben wir Banden gebildet. Es war nämlich so, dass ich nicht erwartet habe, dass so viele Leute sich anmelden. Ich hab diesen Kurs geöffnet und denen gesagt: Ja kommt alle rein. Ich dachte mir, dann sind wir so 20 Personen; dann wird das nett, dann wird das flauschig und hat ein bisschen Drive… und hatte dann nach einer Woche oder so 50 Anmeldungen.

    c_ristina: Oha!

    Piko: Und dann war natürlich das Unterrichtskonzept eines Gesprächs irgendwie nicht mehr durchhaltbar. Und da habe ich mich tatsächlich nochmal hingesetzt und überlegt: Wie kann ich das machen, dass die Leute trotzdem dran bleiben? Und nicht so… nicht einfach irgendwann so… so wegbrechen, weil es ist sowieso egal, ob ich da bin oder nicht, ich bin ja nur eine von 50. Und hab mich dann entschlossen, alle Leute dazu zu stubbsen – ihnen zu empfehlen –, sich in Kleingruppen zusammen zu finden. Und einen Termin pro Woche eben mir zuzuhören und sich einen weiteren Termin pro Woche zu dritt, zu viert, zu fünft zu treffen und da die Aufgaben und den Stoff der Stunde gemeinsam durchzusprechen. Und das hat hervorragend funktioniert. Das hat, ähm, einige sehr fidele Gruppen jetzt gebildet, ein paar Freuntschaften, was mich total freut, und hat dadurch auch so ein bisschen den Druck von mir genommen, weil die Leute untereinander sich auch nochmal ein bisschen besser organisieren können. Und, es ist einfach immer, wenn man jemand anderen dabei hat, ist die Accountability viel höher, das heißt, man fühlt sich verantwortlich. Ja, man hat eine größere Hemmschwelle zu sagen: Ooooch, das mache ich morgen.

    c_ristina: Genau.

    Piko: Und das hat hervorragend funktioniert. Und das will ich auf alle Fälle beibehalten.

    c_ristina: Dass die Lerngruppen dann sozusagen innerhalb ihrer selbst so eine Verbindlichkeit dann untereinander entwickelt haben…

    Piko: Genau.

    c_ristina: … ich glaub das klingt nach einer sehr sehr guten Lösung. Und ich finds auch immer wieder erstaunlich, wie hoch der Bedarf auch einfach ist. Es fasziniert mich jedes Mal. 

    Piko: Genau und ich hab nicht an der großen Stelle irgendwo das angekündigt, ich hab das eigentlich sehr intern angekündigt. Und dann waren da 50 Leute, die da mitmachen wollten. Also da… da war ich auch sehr geflasht.

    c_ristina: Auf jeden Fall. Und ich glaube, hätten wir das noch tatsächlich weiter publik gemacht, hätten wir da tatsächlich irgendwie weitere Schwierigkeiten bekommen… . Und der Kurs hat auch einen sehr sehr guten Ruf auch innerhalb der Haecksen insofern, das ist schon eine Institution, kann man sagen.

    Piko: Oh fantastisch!

    c_ristina: Kannst du uns noch ein bisschen was zu Python sagen? Warum Python?

    Warum Python lernen?

    Piko: Python ist vor allem sehr anfänger*innenfreundlich. Also viel Code von Python sieht eigentlich aus wie ein englischer Satz. So: Wenn das das gleiche ist wie das, tue das. Das war natürlich ein deutscher Satz, aber sowas… teilweise lässt sich Pythoncode so lesen. Und das macht ihn total freundlich, um… ja… so anzufangen und in dieses ganze Programmieren reinzukommen; ohne sich Tausend Sachen auswendig lernen zu müssen. Python ist sonst auch sehr optimiert für Anfänger*innen. Zum Beispiel hat es sehr gut lesbare Fehlermeldungen, die inzwischen mit Python 10 – also irgendwann im letzten Jahr ist das rausgekommen – auch nochmal richtig zeigen: Hier ist Fehler, hier ist der Fehler! Die also sehr schön klar machen, wo ist irgendwo ein Problem. Ähm, Python hat eine riesige Community. Das heißt einerseits, dass es ganz viele Leute gibt, die schonmal das gleiche Problem hatten wie einer selbst und entweder eine Frage im Internet gestellt haben und eine Antwort bekommen haben; oder tatsächlich schon irgendwas gebaut haben, das man sich dann einfach nur noch runterladen muss und übernehmen kann. Und der andere große Vorteil von dieser großen Community ist, dass es auch wahnsinnig viele Ressourcen gibt. Also es gibt viele Tutorials, es gibt viele Bücher für Anfänger*innen, es gibt viele kleine Projekte, bei denen man sich einfach dazuhängen kann. Da werden wir sicher auch auch ein paar in die Shownotes reinpacken, falls jetzt eins von euch zuhört und sich denkt: Oh, das schaffe ich auch alleine; dann kann es einfach in die Shownotes gehen und da sich ein… ein oder zwei Links anschauen. 

    c_ristina: Und vielleicht auch einen kleinen Eindruck bekommen, in welche Richtung das so geht, wie so was aussieht.

    Piko: Ich hab Python gelernt, weil jemand anderes sich gedacht hat: Oh, das ist einfach, das bringen wir der bei. Das ist ein guter Einstieg.

    c_ristina: Aber es ist tatsächlich auch gar nicht so unüblich, glaube ich, ne?

    Piko: Ja!

    Wie verbreitet ist Python?

    c_ristina: So. Insofern… Wie wahrscheinlich ist es, eine Person zu treffen, die Python kann?

    Piko: Ui, das ist eine gute Frage. Also in Hackspaces würde ich sagen 70%. So normale Gesellschaft… höher als C. Also höher als Leute, die die Programmiersprache C sprechen.

    c_ristina: Ja, also würde ich auf jeden Fall sagen, auch wenn das vielleicht nicht so bewusst ist, aber … . Also zumindest in meinem Umfeld bin ich immer wieder erstaunt – das sind keine IT-Menschen, sondern Menschen, die das für ihren Beruf zum Beispiel brauchen oder um bestimmte Anwendungen zu bedienen und so weiter.

    Piko: Mhm.

    c_ristina: Insofern… ja, Python ist auf jeden Fall sehr präsent.

    Piko: Python… also so diese berufliche Anwendung von Python profitiert auch extrem davon, dass jetzt Maschine Learning so gehyped wird. Weil ganz viele von den Maschine Learning Bibliotheken setzen auf Python an, also die sind nicht in Python geschrieben, weil Python ein ziemliches Geschwindigkeitsproblem hat, also Python ist sehr langsam! Aber sie sind mit Python aufrufbar. Und zwar recht luxuriös aufrufbar, das heißt, dass es relativ einfach ist dann Maschine Learning oder Data Science allgemein mit Python zu machen.

    c_ristina: Genau. Also ich glaub die Go-Leute werden sagen so “Waaaas? Warum?”

    Piko und c_ristina: *lachen*

    c_ristina: Das ist… dafür gibt es doch schon andere Ansätze; aber der Einstieg ist tatsächlich so und… also zumindest bei mir wären es eher so Bereiche wo ich das festgestellt habe im wirtschaftlichen Bereich… also in der Wirtschaft, in Verwaltungen auf kommunalen Ebenen, eben gerade diese ganzen Bereiche, die du erwähnt hast, auch gerade im Data Science Bereich, um Auswertungen machen zu können. Insofern ist das wirklich schon ein Ding und ich… also ich fand es für mich interessant als ich mich für die Folge vorbereitet habe, zu fragen – und dann festzustellen: Ohja, das benutze ich auch! Weil ich muss damit “Ding” machen und das halt null wirklich ein IT-Ansatz ist, sondern ein lösungsorientierter Ansatz mit “Ich muss große Auswertungen machen” oder Dinge berechnen oder ähnliches; und, dass dadurch vielleicht auch gar nicht so sehr diesen zu krassen Nerdfaktor vielleicht auch hat?

    Piko: Ja, es ist halt wirklich eine freundliche Sprache, die einen einlädt, die selber sehr durchsichtig ist für auch… für Leute, die jetzt nicht in den arkanen Künsten erfahren sind, sondern die einfach auch nach Außen erzählt, was sie gerade macht. Also insofern, dass… dass man wirklich den Code gut lesen kann. Und auch gut überblicken kann.

    c_ristina: Das klingt auf jeden Fall sehr, sehr einladend auch noch weiter da… dabei zu bleiben und weiter zu lernen.

    Wie es mit dem Kurs weiter geht

    c_ristina: Wie geht es denn jetzt weiter mit dem Kurs?

    Piko: Wir haben jetzt 10 Monate lang gemeinsam gelernt –  ich hab auch viel gelernt – und haben jetzt eine Sommerpause. Im August fange ich mit dem Kurs neu an; das heißt wir fangen wieder bei Null an. Ich möchte den diesmal nur für drei Monate machen. Wir werden in dem Kurs nicht so weit kommen, wie wir in dem Kurs vorher in den 10 Monaten gekommen sind. Aber ich möchte vor allem einen sehr sehr entspannten Einblick und so eine Einführung in die Thematik reingeben. Ich werde auf jeden Fall bei der… bei den Gruppen bleiben, das heißt wer da mitmachen möchte, braucht zwei Termine in der Woche: einen abends, einen… das muss dann die Gruppe rausfinden, wo man sich trifft und wo man sich mit Python beschäftigt. Dafür ist der Zeitplan sehr überschaubar, es sind eben nur drei Monate. Das mache ich tatsächlich, damit man weiß, worauf man sich einlässt. Weil wenn ich jetzt sagen würde: Ok, für die nächsten 12 Monate ein Abend pro Woche und dann nochmal ein 2-Stunden-Termin pro Woche, ähm, das ist echt viel. Und wenn man sagt: Ok, das sind jetzt drei Monate, dann ist das viel einfacher da auch wirklich die ganzen drei Monate bei zu bleiben. Und was mir wichtig ist, ist, dass der Kurs nochmal entspannter sein wird. Also ich hab schon jetzt im vergangenen Kurs sehr drauf geachtet da alle Leute mitzunehmen und das immer auf einer sehr anschaulichen Ebene zu behalten. Und das möchte ich im kommenden Kurs sogar noch mehr machen und noch mehr auf Übungen gehen. Also nochmal ein bisschen weniger theoretisch erklären, sondern wirklich in die Praxis gehen, dass das Programmieren nicht so sehr in die Köpfe geht, sondern mehr in die Finger. 

    c_ristina: Ja.

    Piko: Dass man den Kopf frei hat, um sich Ideen zu generieren und dann direkt weiß: Ok, ich muss jetzt nicht nachdenken, um rauszufinden, wie ich das umsetze, sondern ich weiß, wie ich das umsetze. Beziehungsweise in Anführungszeichen “meine Finger wissen das”. Also das passiert sozusagen automatisch; ok, dann brauch ich da jetzt die und die Schleife und die und die Funktion. Und dass man da nicht nachdenken muss, weil dieses Nachdenken über diese Bausteine – selbst wenn man das durch Nachdenken alles… alles parat hat – stört einen beim Nachdenken über die komplexeren Strukturen.

    c_ristina: Genau, also im Grunde wie beim Handwerk einfach, dass die einzelnen Schritte sitzen aber die Idee des Schaffens eher im Vordergrund dann dabei steht.

    Piko: Ja, ganz genau! Nach den drei Monaten möchte ich praktisch das Gegenteil anfangen und zwar einen neunmonatigen Kurs, der ein bisschen stärker anziehen wird; bei dem ich ein bisschen flotter vorangehen möchte und wo wir dann hoffentlich am Ende auch zum Microcontroller programmieren kommen und ein paar LEDs blinken lassen werden. Den werde ich vielleicht sogar auf englisch anbieten. Das wird sich dann aber erst in drei Monaten entscheiden, wenn dann praktisch der neue Kurs wieder geplant wird.

    Wie eins am Kurs teilnehmen kann

    c_ristina: Ok, und möchtest du auch ein bisschen was dazu erzählen, wie eins in deinen Kurs kommt? Muss ich dafür eine Haeckse sein?

    Piko: Nein. Es ist herzlich eingeladen: Alle FINTA Personen, also Frauen, intersex, nonbinary, trans und agender Personen, die sich einfach für die Thematik interessieren und da Lust drauf haben. Ich verlange kein Geld: Ich möchte, dass da wirklich die Einstiegshürde möglichst niedrig ist, dass es wirklich jede Person da einfach teilnehmen kann. Was man machen muss, ist, eine liebe E-Mail mit der Anmeldung an piko [ätt] riseup.net schreiben – diese E-Mail-Adresse wird natürlich auch noch in den Shownotes stehen. Von da aus sende ich die Daten und die, ähm, Einladung für den neuen Kurs, der dann im August, Mitte August wahrscheinlich, anfangen wird. 

    Warum gibt es diesen Kurs?

    c_ristina: Jetzt haben wir so viel über den Kurs erfahren und über Python. Möchtest du uns auch – weil mich das auch total interessiert – das “Warum” erzählen? Warum gibt es diesen Kurs? 

    Piko: Das hängt so ein bisschen mit der Geschichte zusammen, wie auch Python gelernt habe und wie ich, äh, ja, wie ich in die Hackerszene eingeführt wurde. Und zwar bin ich damals in Wiesbaden sehr zufällig über den dortigen Erfa vom Chaos Computer Club gestolpert – das ist sozusagen der Lokalverein vom Chaos Computer Club. Öhm, ich hatte mich in der Stadt verirrt. Ich kannte einige Icons vom CCC und habe in den dortigen Vereinsräumlichkeiten – die haben ganz große Schaufenster gehabt. Und da habe ich dieses Icon in zwei auf drei Meter Flagge gesehen und dachte mir: “Oh, das ist aber ein lustiges Icon! Ich geh da mal hin und guck mir das an!” Bin dann da näher gekommen; der Rest der Schaufensterscheibe bestand aus blinkenden LEDs und lustigem Techkrams. Ich klebte da dran und war so: “OOOOOoooooh, cool!” und war total begeistert. Dann kam eine Frau raus und hat gemeint: “Hey, wenn du Lust hast, komm doch mal dienstags vorbei. 19 Uhr machen wir so einen offenen Abend. Wenn du dich dafür interessierst.” Und dann war ich natürlich pünktlich Dienstag 19 Uhr *lacht*, war ich dann vor Ort und da hat mich dann eine andere Hackerin durch den Club geführt und mir alles gezeigt. Ich war hoch begeistert. Sie hat noch versucht, ihre Maus zu reparieren und das war wahnsinnig witzig, denn es war so eine schöne Herangehensweise an Technik. Und als ich gegangen bin, hat sie gemeint: “So, wenn du wiederkommst, dann bringe ich dir Programmieren bei.” Und ich war so: “Was?! Das kann man einfach lernen? Das ist keine schwarze Magie?!” Ja, stellt sich raus, das kann man einfach lernen. Das hat wahnsinnig Spaß gemacht – die Person hat mir auch viel erklärt, dann hat sie mir ein Programmieren für Kids… also, Python für Kids, glaube ich, äh, hat sie mir ausgeliehen, das ist so ein, keine Ahnung, Dreihundert-, Vierhundert-Seiten-Buch, und ich hab das währenddessen im Studium – und das ist kein Informatikstudium gewesen – hatte ich das unterm Tisch, während des Seminars, habe ich dem Buch geblättert und bin dann irgendwie nach einer Woche, weil ich einfach so Lust darauf hatte, so Freude dran hatte, bin ich da irgendwie zweihundert Seiten durchgekommen. Daher, genau, dann hat sie mir immer wieder was erklärt und ich bin ihr wahnsinnig dankbar, weil das mein Leben immens bereichert hat. Auch, allein diese Sache, dass ich von einer Frau in den CCC eingeführt wurde, so ein bisschen zu merken: das ist ein Ort – also, nicht mal auf einer rationalen Ebene zu merken, sondern auf, ja, auf einer ganz irrationalen Ebene – zu merken, das ist ein Ort, an dem ich auch sein kann, an dem jemand wie ich auch sein kann. Vorher hatte ich da nie irgendwelche Sorgen oder Schwierigkeiten, aber ich hab im Rückblick richtig gemerkt, dass es mir das viel leichter gemacht hat, da in den Club reinzukommen.

    c_ristina: Was auch mit zum Teil auch ein Lösungsansatz ist für die Nahbarkeit von Technik von FINTA in Technikbereichen, würdest du sagen, dass es halt diese Erfahrung da irgendwas irgendwas verändert hat bei dir? So dieses “Oh, das war vorher Programmieren und Technik und Dinge und was hat das mit mir zu tun? Ich studier ja auch was ganz anderes.” und da dieser Zugang einfach mit einmal da ist.

    Piko: Total! Ja, und das will – genau das will ich auch weitergeben. Ich hab ungefähr in der Zeit, also als ich da schon ein, zwei Jahre mich in dieser Hackerszene herumgetrieben habe, habe ich eine total witzige Situation gehabt in der Hochschule – wie gesagt, es war kein MINT-Studium; es war ein, äh, Musikstudium. Also, in der Musikhochschule war irgendwo unten im Keller irgendwas kaputt und ich hatte keine Ahnung, wie es funktioniert und es geht mich nichts an. Früher wäre meine Schlussfolgerung aus diesen zwei Sachen gewesen: “Mmmmmmh, dann fass ich das mal besser nicht an.”, aber da stand ich da in diesem Hochschulkeller und dachte mir: “Es ist kaputt, ich habe keine Ahnung, wie es funktioniert, es geht mich nichts an, ich bin nicht dafür verantwortlich… Aaaach, so schwer kann das doch nicht sein!” und daran muss ich wirklich oft zurückdenken, weil ich jetzt gemerkt hab, dass dieses Hacking-Mindset sich bei mir wirklich sehr verfestigt hat mit diesem “Okay, ich finde erstmal raus, wie das hier funktioniert.” Wenn irgendwie ein Staubsauger kaputtgeht – ok, dann hab ich einen kaputten Staubsauger. Aber entweder ich reparier den; dafür muss ich ihn aufmachen und verstehen, oder ich reparier den halt nicht, aber dann ist er halt auch kaputt. Und da eine viel kleinere Angst, irgendwie “Darf man das überhaupt aufmachen? Darf man da reinschauen und verstehen, wie das funktioniert?” und damit auch eine viel größere Mündigkeit. Und das ist eine Sache, die ich weitergeben will. Also, einerseits wirklich diese Mündigkeit, andererseits einfach Spaß daran, selber Sachen zu bauen und im Rückblick, dass mir das geschenkt wurde. Ich hab mir das nicht erkämpfen müssen an der Stelle. Sondern, da war einfach eine andere Person, die sich drum gekümmert hat oder die das vorgeschlagen hat und die mir diese Möglichkeit geschenkt hat. Und das möchte ich weiterschenken. 

    c_ristina: Das ist auf jeden Fall, würde ich sagen, eine life-changing Experience, die wir auf jeden Fall als Haecksen glaube ich auch so permanent leben. Also, das ist schon so ein bisschen ein Leitbild dieses “Wir haben jetzt eine Aufgabe und das gehen wir jetzt an – so schwierig kann’s ja eigentlich nicht sein…”

    Piko: “… und kaputt ist es sowieso schon…”

    c_ristina: Und… ja, und es gab davor halt auch keine Lösung oder es hat sich auch niemand darum gekümmert, dieses Problem zu lösen. Und gerade im FINTA Bereich eben sind wir ständig damit beschäftigt, diese Benachteiligungen, diese Barrieren abzubauen, Lösungen für uns zu finden und da finde ich diesen Ansatz mit dem Kurs und auch das, was du gesagt hast, mit der Ermächtigung einer selbst, diese Erfahrung auch zu machen, einfach extrem wichtig. Genau.

    Wie geht eins mit Scheitern um?

    c_ristina: Und, aber ich denke mal, das Programmieren an sich hat wahrscheinlich ja nicht nur immer schöne Seiten dabei. Ich sag immer, es ist ein bisschen Persönlichkeitsentwicklung noch mit drin. Was sagst du dazu, dass es halt nicht nur jetzt die Hürde, da rein zu kommen, sondern Dinge eben nicht auf Anhieb funktionieren, zum Beispiel.

    Piko: Ja, dieses Thema, sozusagen, Resilienz, oder, oder, oder, ähm, Wiederaufstehen – da ist es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, was echte Fehlschläge sind, und was Ungeplantes ist. Also, zum Beispiel, wir waren ja schon bei den Python-Fehlermeldungen: “Fehlermeldung” klingt auch schon so “Error! System aborted! Shutting down!” oder irgendwie sowas; also, “Es ist alles kaputt und es geht nichts mehr.” Aber tatsächlich sind die Fehlermeldungen bei äh, Python, gar nicht Fehlermeldungen, sondern “Exceptions”, also Ausnahmen. Und diese, äh, Ausnahmebehandlung, also die Behandlung von Ausnahmen, lässt sich auch direkt in den Code schreiben, das heißt, da ist dieses Fehlschlagen eigentlich ganz anders bewertet oder besetzt, als man es so normalerweise… “Also, das ist ein Fehler, das ist falsch.”, sondern “Ja, das ist noch nicht fertig, das funktioniert noch nicht.” Das ist eine andere Bewertung. Und da… Fehlermeldungen können wahnsinnig frustrierend sein, wenn man ewig lang den Fehler nicht findet, oder wenn man das Gefühl hat, ok, ich komm jetzt vom Hundertsten ins Tausendste; es sind, es ist einfach voller Fehlermeldungen, es funktioniert einfach nichts. Aber, wenn man ein bisschen länger dabei ist, hat man eigentlich total das Glücksgefühl, wenn man sich denkt: “Ok, ich hatte jetzt eine halbe Stunde dieselbe Fehlermeldung. Und jetzt! Jetzt habe ich ich eine andere!” Also, das ist eine Sache, über die ich inzwischen regelmäßig jubele, das ich merk, so “Oh! Es geht was vorwärts! Es verändert sich was!” Und dazu dann auch die Beobachtung, dass eigentlich vom Programmieren selber nur 30% wirklich programmiert wird. Sondern 20% vorher sollte man überlegen, was will ich eigentlich, dann kommen 30% Programmieren, und dann kommen 50% Fehler behandeln. Das ist einerseits tatsächlich Fehlermeldungen, “Ok, da hab ich jetzt einen Doppelpunkt vergessen oder Einrückungen gemischt.”, Aber kann auch sowas sein wie, ich zeig das jetzt meinen Freunden und die sagen: “Das ist blau, das kann man fast nicht lesen, kannst du das rot machen, bitte?” Das gehört auch zu diesen 50%. Und, ähm, genauso, wie die Freunde, die sagen so, “Mach das doch bitte anders.”, sollte man eigentlich diese Fehlermeldungen lesen, zu sagen “Ok, das ist jetzt noch nicht fertig, aber es ist nicht irgendwie… falsch… Sondern das sind einfach jetzt die Schritte.” 

    Und deshalb ist es mich auch so wahnsinnig wichtig, dass ich viel unvorbereitet vorprogrammiere im Kurs. Dass die Leute sehen: Ok, ich fall auch fünfmal auf die Schnauze, ich vertipp mich hier, ich schreib da die Variable falsch, und wenn sowas passiert – was ja eigentlich in so einer Stresssituation wie “Ich rede vor zwanzig Personen” eigentlich eine relativ unangenehme Situation ist – mag ich es total gerne, mich da nochmal hinzusetzen und zu sagen: “Ok, Leute, habt ihr gesehen, was ich gerade falsch gemacht habe?” Die Leute dann tatsächlich auch dazu aufzufordern, dazu zu bringen, ok, wenn das jetzt auf die Nase fällt, wie suche ich nach Problemen? Das ist glaube ich für mich eine ganz große, ganz wichtige Sache, beim Programmierenbeibringen, dass man vor allem beibringt, wie kann ich mit Problemen umgehen? Also, wie kann ich rausfinden, warum das jetzt auf die Nase fällt? Wie schlage im Internet nach? Das werde ich hoffentlich auch im nächsten Kurs noch mehr machen, dass ich wirklich meinen Browser teile und sage, “Ok! Was würdet ihr jetzt googeln? Was würdet Ihr jetzt nachschlagen?” und “Wie könnt Ihr draufkommen, was das Problem ist? Formuliert das mal!” Und oft ist es bei mir auch so, dass ich wenn ich selber irgendein Projekt habe und mir denke “Ok, das funktioniert jetzt nicht.” Und dann fange ich an, zu formulieren, was ist das Problem, und will das im Internet nachschlagen. Und während ich es formuliere merke ich: “Ja, das kann ja gar nicht gehen!” Das heißt, das ist dann praktisch der Schritt weiter, dass in dem Moment, in dem man im Internet nachschlagen muss, dass man vorher sein Problem irgendwie genauer formulieren muss und dann, ähm, schon oft selber auf die Lösung kommt.

    c_ristina: Also ich liebe ja total diesen Meta-Aspekt davon: Wie wir nochmal rauszoomen und gucken, ok das ist halt viel mehr als in Anführungsstrichen nur Codezeilen, sondern einfach der ganze Prozess, auch dich selbst verändert, wie du mit Dingen, mit Problemen oder Herausforderungen umgehst. Das finde ich total, total schön zu erleben.

    Nochmal zusammengefasst zum neuen Kurs

    c_ristina: Möchtest du jetzt noch eine Werbeeinblendung machen? Oder jemanden grüßen? *lacht*

    Piko: Also, ich weise einfach nochmal darauf hin: Ab August gebe ich meinen Kurs drei Monate lang. Es wird ein Wochentag-Abend sein, an dem man sich für eine bis anderthalb Stunden jeweils trifft, plus nochmal ungefähr zwei Stunden sich in einer Gruppe treffen. Das heißt, das werden wahrscheinlich drei bis vier Stunden in der Woche sein und das ist die Zeit, die ihr brauchen werdet. Wahrscheinlich nochmal zusätzlich ein bisschen Zeit für die Aufgaben, die ihr dann praktisch selber vorbereitet. Das heißt, es ist nicht ganz wenig Zeit, aber es wird nicht anstrengend sein, das kann ich versprechen. Es wird viel gelacht werden, es gibt viele Fehlermeldungen; auch bei mir. Wenn ihr das machen möchtet, dann schreibt mir eine E-Mail und ich freue mich sehr darauf. Ich möchte nicht mehr als siebzig Teilnehmer*innen dieses Mal. Ich glaube nicht, dass ich das erreichen werde. Aber das kann sein, dass der Kurs groß wird. Das wichtige ist, dass ihr dann diese Kleingruppe für euch habt. Ja, also, wenn ihr da Lust drauf habt, und die Zeit habt, das zu investieren, dann seid herzlich eingeladen. 

    c_ristina: Gibt es noch einen Einsendeschluss, bis wann darf eins sich bei dir bewerben?

    Piko: Wenn wir diese siebzig Personen nicht erreichen: Bis Mitte September. Also, ihr dürft da auch gerne nachträglich noch mit reinkommen. Dann müsst ihr halt so ein bisschen den Kurs nachholen und da wird es dann halt ein bisschen schwieriger, noch mit rein zu kommen. Aber es ist nicht so, dass, wenn ich genügend Plätze habe, dass ich irgendwen irgendwie abweisen werde.

    c_ristina: Ok.

    Piko: Eine gute Nachricht habe ich noch, und zwar: Der Kurs wird ab August gefördert. Das führt dazu, dass ich mehr Zeit habe, die ich in den Kurs stecken kann und dadurch der Kurs wahrscheinlich nochmal ein bisschen besser ist; dass ich zum Beispiel mehr interessante Übungen vorbereiten kann. Die Stiftung ist sehr liebenswürdig von der Wau-Holland-Stiftung organisiert. Das heißt, die kümmern sich um die Alpha-Bit-isierung der Leute und da bin ich wahnsinnig dankbar, weil das mir sehr den Rücken frei hält. Wenn ihr also den Kurs unterstützen wollt, dann könnt ihr einfach an die Wau-Holland-Stiftung  spenden. Wenn ihr allgemein Feminismus unterstützen wollt, dann könnt ihr auch an die Haecksen spenden. Die, äh, jeweiligen Links tun wir euch auch in die Shownotes. 

    c_ristina: Dann freuen wir uns auf jeden Fall zum Einen über diese richtig gute Entwicklung, weil, wie gesagt, der Kurs hat einen sehr, sehr guten Ruf, also lasst euch das nicht entgehen, und meldet euch am besten direkt an, weil, dann habt ihr das auch schon erledigt und euch den Platz gesichert. 

    Vielen Dank für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal!

    Piko: Tschüss!

    37 min
  • hckn010: Einstieg zur Philosophie

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    In dieser Folge sprechen Waldseenixe, Smettbo und Piko darüber, was Philosophie ist und was sie uns bringen kann. Weil das so ein großes Thema ist, werden einige Kernfragen angesprochen, die euch hoffentlich neugierig machen. Von der Grundfrage “Was ist Philosophie und was machen Philosophinnen?” wird der Bogen gespannt über Werkzeuge und Bereiche der Philosphie, ihr Bezug zu anderen Wissensgebieten, bis zu der Frage “Was bringt einem die Philosophie persönlich?”. Zwischendurch werden natürlich auch Bezüge zur Robotik hergestellt oder die historische Entwicklung diskutiert.

    Links
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    Stichworte

    Metaphilosophie, theoretische Philosophie, praktische Philosophie, Ethik, Technoethik, Hermeneutik, Rhetorik, Ontologie, Postumanismus, Transhumanismus, Hinayana – Mahayana – Vajrayana

    Credits
    • Redaktion & Sprechende: Smettbo, Waldseenixe, Piko (Mastodon @[email protected] , Twitter @sudo_ithea)
    • Produktion: Smettbo
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    Piko: Hallo wieder mal beim Haecksenwerk. Heute haben wir ein etwas ungewöhnliches Thema, nämlich wir reden über Philosophie. Und wir, das sind zuammen Waldseenixe und Smettbo und ich bin Piko. Wir sind 3 Haecksen, die sich sehr für Philosophie interessieren, die da auch universitär viel mit machen. Und deshalb ganz kurz eine kleine Vorstellungsrunde. Smettbo, magst du anfangen?

    Smettbo: Ja, gerne. Also ich bin Smettbo, ich hab in meinem ersten Studium mal Luft und Raumfahrt studiert und habe mich immer schon ganz stark für Philosophie interessiert, und habe mich dann entschlossen jetzt nochmal ein Philosophie-Studium drauf zu setzen, was mir wahnsinnig gut gefällt, und was ich finde auch die Technik sehr sehr gut ergänzt. 

    Piko: Und Waldseenixe?

    Waldseenixe: Ja, ich bin von Haus aus Mathematikerin, habe mehrere Jahrzente als Consultant gearbeitet, bin jetzt in Pension und habe mich jetzt auch nochmal für Technoethik zertifiziert, und werde in diesem philosophischem Gebiet sicherlich noch weiter arbeiten. 

    Piko: Und ich, Piko, bin von Haus aus eigentlich Musiker, und habe einen ganz ähnlichen Weg wie Smettbo. Ich habe mich auch schon immer für Philosophie interessiert und das auch einfach an der Fernuni Hagen angefangen zu studieren. Und habe ganz große Freude daran an philosophischen Gedankengängen.  Ja, wir haben uns zu dritt zusammengefunden und haben uns gedacht wir wollen einfach mal über Philosophie reden. Dass da eine Podcastfolge draus werden soll, das war von Anfang an geplant, oder?

    Waldseenixe: Es kam so, es kam die Idee in der zweiten oder dritten Sitzung oder so. 

    Smettbo: Ja das ist über Umwege entstanden, würde ich sagen. Also erstmal haben wir uns über das Podcast-Kollektiv der Haecksen kennengelernt und haben daraus dann die Philo-Haecksen gegründet. Und aus dieser Gründung heraus ist dann wieder die Idee für diesen Podcast entstanden. 

    Piko: Ja, einmal im Kreis gelaufen *kichert*. Jedenfalls wollen wir in dieser Folge erst einmal darüber sprechen, was genau Philosophie eigentlich ist, und so eine überblicksartige Einführung geben. Wahrscheinlich wird es noch weitere Folgen geben, in denen wir ein paar für die Haecksen ganz relevante Themen in der Philosophie anschauen. Aber dafür haben wir uns gedacht bringen wir erstmal Grundlagen und fragen: Was ist Philosophie? 

    Smettbo: Ja da muss man erstmal unterscheiden zwischen der praktischen und der theoretischen Philosophie. Also unter der praktischen Philosophie versteht man ja auch die Ethik, das ist der Teilbereich der Philosophie, der sich mit den Voraussetzungen und der Bewertung von menschlichem Handlen befasst, auch mit dem methodischen Nachdenken über die Moral. Bei der theoretischen Philosophie geht es dann mehr um so Themen wie Wissenschaftstheorie, wie funktioniert Forschung, unter welchen Prämissen wird geforscht und wie funktioniert ein Wechsel dieser Prämissen. 

    Waldseenixe: Ja, also was machen eigentlich überhaupt Philosophinnen? Das kann man sich ja auch fragen. Und man kann sagen Philosophinnen versuchen die Welt zu verstehen. Sie beschäftigen sich dabei mit Fragen wie: Was ist der Mensch? Was ist überhaupt menschlich? Was sind wir im Gegensatz zum Tier, oder im Gegensatz zu einem Roboter? Was ist die Rolle des Menschen im Kosmos? Wie können wir Menschen harmonisch zusammenleben? Und für sehr lange Zeit in der Antike gehört ja auch die Frage nach der kosmischen Ordnung dazu. Und die wird natürlich heute eher durch die Naturwissenschaften beantwortet. Mit anderen Worten: Philosophinnen wollen die Welt verstehen und was die Welt zusammen hält. Ja das sind sehr wichtige Werkzeuge die die Philosphinnen nutzen. Das ist nämlich gerade die Hermeneutik, Textverständnis, Recherchen, Logik, Rhetorik, Debattenschule und anderes. Und zusätzlich nehmen die Philosophinnen Ergebnisse aus vielen vielen anderen Bereichen der Wissenschaft, Naturwissenschaften aber auch Soziologie, Psychologie, Medizin, Politik, was auch immer es sei, was wichtig ist, um Dinge zu verstehen, zusammen und versuchen das zu vereinen. Und daraus eben die Fragen die für den Menschen ganz fundamental sind zu beantworten. 

    Piko: Jetzt könnte sich daraus so ein bisschen die Frage stellen: OK, das sind jetzt ganz, ganz viele Fachbereiche, die werden aber in den Fachbereichen auch schon erörtert. Was ist denn dann das genuin philosophische? Und ich finde eine ganz genuin philosophische Sache war schon in dieser Auftrennung in praktische und theoretische Philosophie. Das heißt die Philosophie setzt sich ganz oft hin und fragt so ja, wie können wir das eigentlich so grundsätzlich beschreiben? Wie können wir die Phänomene oder die Dinge, die uns in der Welt begegnen, wie können wir die einorden und schauen, was gibt es denn da. Was gibt es denn da für Kategorien? Und wie können wir, also sozusagen eine Botanik der Geistesphänomene. Und ich finde, das zeigt sich ganz deutlich in dieser Unterscheidung zwischen praktischer und theoretischer Philosophie, wo man wirklich sich erstmal denkt: Ok, was gibt es für Fragen und Antworten die diese Disziplin macht. Und auch wie macht sie das? 

    Waldseenixe: Piko, da hast du, glaube ich, gerade im Prinzip auf Ontologie angesprochen. Wenn du diesen Katalog der Phänomene sozusagen, wenn ich das mal so nennen darf, da angesprochen hast. Das spielt ja auch in der Informatik dann vielleicht noch in etwas veränderter Form auch eine große Rolle, so dass das vielleicht einige Hörerinnen hier auch durchaus kennen. 

    Piko: Ontologie ist ein super Stichwort, ich glaube das gehört auch ganz typisch zu disesen Wörtern, die in der Philosophie so durch die Gegend geworfen werden und wenn man sich nicht wirklich tief damit beschäftigt, nickt man so und lässt das Wort dann irgendwie wieder verschwinden. Aber das ist auch so ein philosophisches Konzept, das uns hilft ein bisschen die Welt zu verstehen, das aber eigentlich aus einer ganz interessanten Gedankenwendung kommt. Nämlich Ontologie τὸ ὄν ist “das Sein”, im griechischen, natürlich ganz viel Philosophie bezieht sich auf das alte Griechenland. Uff! Und Ontologie ist praktisch die Frage: Was gibt es alles? Und auf welche Art und Weise gibt es das? Und kann man überhaupt sagen etwas existiert, oder muss dieses Existieren noch irgendwie anders — also kann ich einfach existieren, oder muss ich direkt während ich existiere nochmal was tun? Und das ist die Ontologie. Und ihr merkt das sind super grundsätzliche Fragen. Und deshalb hat die Ontologie lange Zeit von sich selbst gesagt sie ist die “Prima Philosophia”, ja, das heißt die allererste Pholosophie, das aller erste was wir klären müssen. Und die wurde aber dann spätestens im 20. Jahrhundert so ein bisschen weggeschubbst von anderen Philosophien. 

    Waldseenixe: Da kommt dann natürlich noch ein ganz wichtiger Aspekt dazu, wenn man dann weiter geht auf der Meta-Philosophie sozusagen bleibt, dass ja auch die Begriffsdefinition  ganz wichtig ist. Man muss in der Philosophie — also Philosophinnen sind Haarspalterinnen. Die nehmen also jeden Begriff ganz genau auseinander. Und die größten Fehler in der philosophischen Argumentation passieren dann dadurch, dass man irgendeinen Begriff unscharf verwendet. Und das habe ich zum ersten mal gelernt, ich habe in meiner Vergangenheit auch buddhistische Philosophie studiert, also ich bin auch schon länger mit philosophischen Themen beschäftigt. Und da gibt es die verschiedenen Stufen, Hinayana Mahayana Vajrayana, die sich da hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass Begriffe stärker ausdifferenziert werden. So die Hinayana Schule ist so ein bisschen so die, man kann sagen die einfachste Schule, für die Allgemeinheit, für die Nichtakademiker, wenn man so möchte. Und bei Mahayana wird’s dann etwas akademischer. Und da werden also Begriffe immer weiter ausdifferenziert, und so kommt es scheinbar zu Widersprüchen innerhalb der buddhistischen Philosophie, die aber eigentlich nur daran liegen, dass man eben Begriffe eben etwas anders verwendet in dem einen oder anderen Zweig der buddhistischen Philosophie. 

    Piko: Ein bisschen frage ich mich, ob unsere Hörer*innen sich gerade denken: Ja Okay, Arbeit am Begriff, dass mache ich als Physikerin ja auch! Was ist da das besondere an der Philosophie?

    Waldseenixe: Ja das ist tatsächlich so, dass man gerade in der Mathematik beispielsweise natürlich ganz stark auch unterscheidet zwischen Hypothesen und abgeleiteten Dingen, und ganz klar alles definiert und dazu auch noch sehr viel stark formale Sprachen hat. Wobei übrigens die Aussagenlogik wird übrigens auch in der Philosophie durchaus verwendet, so ist es ja nicht. Aber in der Philosophie geht man natürlich auch noch weiter indem man ja andere Ergebnisse auch aus Bereichen wo man die Sprache oder die Begriffe nicht so scharf definieren kann. Das ist ja auch ein Dilemma in der Philosophie, dass man nicht überall alles so klar definieren kann, und dass über die Historie auch immer wieder nachgeschärft wird. Da natürlich auch diese Dinge immer wieder mit einbezieht. Also sehr scharfe aber auch teils unscharfe Dinge zusammenführt um daraus eben ein Verständnis über die Welt und was man in dieser Welt tun sollte und nicht tun sollte. 

    Piko: Daher kommt ja auch der Begriff Philosophie, Philo ist die Liebe oder praktisch der Liebende und Sophia ist die Weisheit. Philosophen und Philosophinnen sind Lieber*innen der Weisheit. 

    Waldseenixe: Ja und ich glaube das ist auch wirklich ein sehr wichtiger Aspekt der Philosophie, eben tatsächlich sachlich und mit Argumenten Dinge auszutauschen. Da treffen ja manchmal auch Meinungen aufeinander die stark gegensätzlich sind. Wo der eine behauptet “Dies und jenes darf man tun” und der andere behauptet “Nein, diese und jenes darf man überhaupt nicht tun”, und Leute da mit total konträren Ansichten ja auch zusammen kommen trotzdem einen geordneten und sachlichen Diskurs darüber veranstalten. Der zwar durchaus mal hitzig werden kann, aber immerhin wo man mit Argumenten und mit Logik und mit Überzeugung eben arbeiten muss, und mit guter Rhetorik. 

    Piko: Ich habe dazu ein bisschen eine kritische Perspektive, auch wenn wir jetzt betrachten, diese griechischen Männer, die dann da im Schatten wahrscheinlich sitzen und mit einander darüber philosophieren, wie die Welt so beschaffen ist und was man so tun soll und was sein muss, damit man wirklich frei ist usw. Und da drängt sich auf, dass Philosophie ganz oft das Gesellschaftsspiel von priviligierten Personen ist. Also dass, gerade jetzt in diesem klassischen Beispiel die griechischen Philosophen üblicherweise sich philosophieren leisten konnten, weil sie eben nicht arbeiten mussten. Das trifft nicht überall zu. Es gibt z.B. im Stoizismus, das ist so 300 Jahre später, so dann mehr so, es fängt schon in Griechenland an, ist dann aber schon mehr Rom. Wo es auch Sklaven-Philosophen gab und auch Kaiser-Philosophen. Also da war die Range ein bisschen größer. Aber ganz oft ist Philosophie, wie wahrscheinlich die allermeiste Wissenschaft, ein Spiel bei dem nur priviligierte Menschen mitspielen können. Vielleicht war das früher anders und wir haben einfach nur die Privilegierten überliefert bekommen. Aber das was wir wissen, sind ganz oft sind privilegierte Personen. 

    Smettbo: Genau, und wir wissen auch nicht wieviele Frauen an den Werken der Männer die überliefert worden sind beteiligt waren. Das kann ja auch eine große Rolle spielen. Wir wissen einfach nicht, wie der Einfluss dort war. Und wir wissen ja auch aus der philosophischen Geschichte oder auch aus der literarischen Geschichte, dass teilweise Werke tatsächlich von Frauen verfasst wurden, die dann von den Männern veröffentlicht wurden. Die dann einfach unter dem männlichen Namen bekannt sind und ausserdem musste man sich das ja auch dann leisten können überliefert zu werden, weil es wurden nur diejenigen Leute überliefert, die entweder für wichtig genug empfunden wurden, oder die genug Geld hatten es sich leisten zu können in Bibliotheken aufbewahrt zu werden. Es gab ja Autoren, die sich einfach eingekauft haben in Bibliotheken. Die dann gesagt haben “So, hier, ich geb euch das Geld und ihr habt meine Werke dann vorliegen deswegen” und die dann nur aus diesem Grund  auch für beachtenswert empfunden wurden. Weil sie eben in diesen Bibliotheken vorliegen. 

    Piko: Man hatte sozusagen jetzt doppelte Hürde. Erstmal brauchte man das Privileg um überhaupt die Zeit zu haben und die Zugänge zu der Ausbildung um mitphilosophieren zu können. Das ist die erste Hürde. Und die zweite Hürde: Man brauchete das Privileg, dass man auch für wichtig genug befunden wurde um überliefert zu werden. Also es ist sogar doppelt. 

    Waldseenixe: Naja, das kann man natürlich noch weiterspinnen. Ich meine es gibt ja ganze Kulturen die überhaupt keine schriftlichen Aufzeichnungen — auch bewusst keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben, obwohl sie durchaus Schriftsysteme hatten, aber wo die Schrift einfach als unzuverlässig galt und nur die mündliche sozusagen Überlieferung als zuverlässig erachtet wurde. Das gilt für die Kelten und für die ganzen germanischen Kulturen zum großen Teil, zur Zeit der Antike. Und was die an philosophischen Ideen hatten, weiß man heute eigentlich kaum noch. Weils gar nicht überliefert wurde. 

    Piko: Das ist aber jetzt — Also einmal kurz die Metaperspektive aufgemacht. Wir sprechen schon ne ganze Weile über Dinge, die jetzt 2000 Jahre vorbei sind. Und das ist auch relativ typisch an der Philosophie, dass es nicht so sehr ist: jaa, das es, das ist jetzt irgdendwie die neueste wissenschaftliche Errungenschaft und über das alte Zeug reden wir nicht mehr, sondern: Der Philosophie ist sehr bewusst, dass die ganzen Gedanken, die wir jetzt haben, sehr stark darauf basieren, was in der Vergangenheit in unserer Kultur los war. Und dass diese vergangenen Gedanken auch ihren Wert haben und uns weiter bringen können. Es gibt, also, natürlich in den letzten 100 Jahren wahnsinnig viele, auch hoch interessante und hoch komplexe, neue Entwicklungen in der Philosphie. Aber manchmal wird dieses Zitat gebracht, dass diese gesamte abendländlische Philosophie eine Fußnote zu Platon sei. D.h. Philosophie ist tatsächlich sehr geschichtsbezogen.

    Waldseenixe: Jetzt muss man auch sagen: Die Philosphie ist natürlich nichts, was sich nur mit alten, verstaubten, antiken Philosophen beschäftigt. Sondern da grade jetzt in der, in der heutigen Zeit passiert ja wahnsinnig viel. Wir sind ja geradezu in einer Epochenwende, kann man sagen. Durch die KI, durch die Robotik, durch die Digitalisierung kommen ja jetzt plötzlich wieder Fragen auf, auch noch mal die Frage “Was ist der Mensch eigentlich?” und da hat sich lange Zeit, historisch in der Philosophie hat sich der Mensch immer vom Tier abgegrenzt und da war die Vernunft immer das Ding was den Menschen sozusagen vom Tier unterschied und was ihn zur Krone der Schöpfung machte. Und jetzt fängt man an Roboter zu bauen und KI zu bauen, die unter Umständen – wie viel weit das gehen wird, weiß man heute vielleicht noch nicht, aber man muss damit rechnen, dass viele Anteile der kognitiven Fähigkeiten des Menschen irgendwann in Robotern eingebaut sind in der einen oder anderer Form oder dort irgendwie realisiert sind. Und wie unterscheiden wir uns dann eigentlich noch vom einem Roboter? Und so, dass da wieder diese Frage “Was ist der Mensch?” eigentlich noch mal wieder neu gestellt wird. ” Was ist moralisches Handeln?” auch nochmal wieder neu gestellt wird und ich glaube, da wird, werden jetzt viele Diskussionen wieder neu angestoßen. Auch durch die neuen Erkenntnisse und durch die neuen Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung und Robotik liefern.

    smettbo: Ja, genau, das was waldseenixe gerade gesagt hat, ist natürlich ganz interessant für aktuelle philosophische Fragestellungen wenn es gerade darum geht, was ist die, wenn es gerade in Richtung Posthumanismus und Transhumanismus geht. Also wenn wir uns damit beschäftigen, wie steht der Mensch im Verhältnis zur Technik und im Verhältnis dann auch zum Tier. Und welche Regeln, die dann über Jahrhunderte gegolten haben, können wir jetzt überhaupt noch aufrecht erhalten und wo müssen wir dann umdenken.

    piko: Frage: Was ist der Mensch, wenn es Computer gibt, wenn es Roboter gibt, finde ich, die kann man aus zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachten. Einerseits ein bischen betrübt, die Frage, Wie können wir unsere Besonderheit noch rechtfertigen, wenn es Sachen gibt, die auch wahnsinnig gut rechnen können. Aber andererseits auch, was, also quasi ein bischen ein Rückzugsgefecht, dass die Menschen jetzt abgelöst werden, das ist die eine Seite. Die andere Seite ist aber eigentlich eine neugierige Situation: Was könnnen wir von der Technologie lernen, was es uns dann über uns selber erzählen kann. Also gar nicht so zu versuchen zu verteidigen, dass man, das man der Mensch ist und dass das irgendwie die Krone der Schöpfung oder was auch immer ist. Sondern zu fragen: Hey wir haben jetzt diese Technologie und dadurch können wir viele Sachen besser verstehen, die in uns selber vorgehen.

    waldseenixe: Ja und ich glaube, es passiert auch noch was, das eine Rückbesinnung auf andere Dinge. Früher hat man sich so auf die Vernuft und die Rationalität und sowas, so einseitig fokusiert, weil das dasjenige war, was den Menschen von den Tieren oder von anderen biologischen Wesen unterschieden hat. Aber der Fokus war vielleicht viel zu stark gewesen. Dass wir eben die Anteile, die uns heute von einem Roboter unterscheiden, nämlich dass wir Mitgefühl haben,  dass wir überhaupt Gefühle haben, dass wir eben Glück und Leid empfinden können. Dass wir sowas wie ein Gewissen haben, was irgendwie unser moralischer Nordstern ist, wenn man so will. All das, dass das auch wieder eine andere Rückbedeutung bekommt und wieder einen Fokus bekommt, der lange auch zu stark unterschätzt war. Auch diese Entwicklung ist möglich und denkbar.

    piko: Man kann aber die Beziehung Philosophie und Digitalisierung noch mal anders, von einer anderen Perspektive betrachen. Nämlich nicht nur, was denkt die Philosophie über die Digitalisierung sondern: Was denkt die Digitalisierung über die Philosophie? Also, welche Tools sind neu dazu gekommen, die die Philosophie verwenden kann. Wenn wir beispielsweise in die Biologie gucken, gibt es mit der neuen Technologie – beispielsweise mit den Mikroskopen – einen Technikschritt, der die Wissenschaft extrem zugute kommt. Und auch in der Philosphie gibt es ein paar Sachen, viel weniger, aber es gibt sie, mit denen man sagen kann: Das ist ein Tool, eine Sache, die wir verwenden können um Philosohpie zu betreiben.

    waldseenixe: Da gibt es zum Beispiel so, da gibt es zum Beispiel ein ganz klassisches Tool, das ist in der Hermeneutik sozusagen für Textverständnis. Ich weiß, dass schon in den 90ger Jahren, ne, das war sogar schon in den 80ger Jahren der Universitätsrechner in Münster, der Superrechner, dort die größte Rechenzeit für das Bibelforschungsinstitut aufwendete, die nämlich die altgriechischen Texte sozusagen damit analysierten.

    piko: also automatisierte Textanalyse….

    waldseenixe: Ja genau, Oder zumindest einen Teil davon. Automatisiert vielleicht damals noch nicht. Aber, die damals halt einfach besser vergleichen konnte: Wo tauchen gewisse Formulierungen auf und gibt es da zeitliche Abfolgen und so weiter, zu gewissen Zeitpunkten an gewissen Orten. Das kann man natürlich mit Hilfe eines Rechners besser clustern, wenn man da ich weiß nicht wie viele altgriechische Texte vorliegen hat, als wenn man das jetzt alles per Hand durcharbeitet, ja. Also, da hat schon sehr früh eigentlich, sagen wir mal, die Digitalisierung geholfen, da einfach alte, alte Texte in ihren Kontext, in ihrem Kontext zu verstehen und überhaupt den Kontext zu identifizieren. Nach dem Motto: Zu welcher Zeit ist es geschrieben worden. An welchem Ort ist es geschrieben worden. Vermutlich anhand gewisser Formulierungen oder HInweise, die im Text enthalten waren. Und das ist ja sehr wichtig für ein, für das Verstehen eines Textes, dass man weiss, wann er etwa geschrieben worden ist. Weil Worte und Bedeutungen- oder: Worte verändern ihre Bedeutung im Laufe der Zeit. Und  dann muss man, um einen Text zu verstehen, ja auch ungefähr wissen, wann ist er ungefähr geschrieben worden, um das Ganze richtig einordnen zu können.

    piko: Ein weiteres digitales Tool für Philosphie sind Argumentationsautomatisierungen im weitesten Sinne. Das ist beispielsweise auch für gemeinsame Textarbeit, dass man einen Text auf dem Server hat und alle können ihre Notizen reinwerfen und ihre Diskussionen direkt am Text haben. Aber auch zum Beispiel Software wie ArgDown wo man die Möglichkeit hat, Argumente direkt am Computer zu visualisieren und zu sehen, wie die ineinander greifen und dadurch praktisch die eigene Argumentation stärken. Und das ganze auf die Spitze getrieben sind natürlich die Theorembeweiser, das heißt Software für formale Logik in der eher auf mathematischem Niveau, ja, letzlich auch Argumente, also, formale Logikformeln miteinander in Beziehung gesetzt werden. Das ist aber tatsächlich eher eine Stelle der tatsächlich, der formalen Logik und demnach eher ein Teil der Mathematik als ein Teil der Philosophie weil die Argumente in der Philosophie dann üblicherweise sehr stark an Begriffen hängen und nicht so sehr an Beziehungen oder an, an leicht angehbaren Formeln. Dann zum Abschluss noch die Frage: OK das ist also Philosophie, aber was bringt sie mir eigentlich?

    smettbo: Ja, ich denke, da muß man unterscheiden, was bringt es einem persönlich und was bringt die Philosophie gesamtgesellschaftlich. Also persönlich würde ich sagen, die Philosophie bringt es, den Verstand zu schärfen, Argumentationsstrategien zu entwickeln, verschiedene Konzepte kennenzulernen und diese auch mit der Lebensrealität, in der man sich befindet, zu verknüpfen. Ja, und gerade dieses Verständnis, die, das man dann entwickelt, wirkt sich natürlich auch auf den gesellschaftlichen Diskurs aus. Weil je mehr Menschen eine Meinung zu bestimmten Themen haben, desto mehr verändert sich auch die Gesellschaft. Je mehr kann dann auch der Einzelnedann auf die Gesellschaft einwirken – oder informiert einwirken.

    waldseenixe: Ja da kann man sagen, heutzutage, auch gerade durch diese schnellen Entwicklungen der Digitalisierung und der KI sind immer mehr Fragen wichtig: Wie weit wollen wir eigentlich gehen? Wie soll uns eigentlich die KI unterstützen und was soll sie eigentlich nicht tun? Diese Fragen werden ja immer dringlicher. So dass damit natürlich auch das Gebiet der Ethik, was sich ja mit solchen Fragen: Was darf ich tun, was darf ich nicht tun, was soll man tun, was soll man besser nicht tun? ja auch beschäftigt, natürlich immer wichtiger wird und es ja auch schon Beratungsgremien auch für die Politik gibt. Und genau so dass ist natürlich eine Frage wo man als Philosophin natürlich dann aktiv werden kann und sagen kann: Ich kann ja auch .. Und es ist ja immer ein Anliegen der Philosophinnen gewesen, Dinge, die in der Welt passieren, kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls auch mal zu sagen: He ich glaube, hier läuft was nicht ganz richtig. Dass die Philosophin auch ihre Ideen und ihre Erkenntnisse in die Öffentlichkeit tragen. So wie wir das jetzt mit dem Podcast machen oder auch in dem man lehrt oder in dem man auch die Politik gegebenfalls in einem Ethikrat direkt berät, wenn man dann in dieser Position ist.

    Piko: Ich bin tatsächlich ein ganz großer Freund der theoretischen Philosophie und viele von den Dingen, die ihr jetzt gerade genannt habt, beziehen sich sehr auf praktische Philosophie. Deshalb nochmal eine Perspektive auf die theoretische Philosophie, die ganz besonders durch die Wissenschaftstheorie in unsere jetzige Welt sehr stark eingreift. Indem sie nämlich darüber nachdenkt: Was ist eigentlich Wissenschaft und da vorschlägt, wie können wir begründen, dass wir sagen:  Das ist jetzt wissenschaftlich und das ist jetzt nicht wissenschaftlich.. Das heißt, auch da, es ist wieder eine Art Orientierung, es ist wieder eine Art: Was sollen wir tun tatsächlich? aber an einer anderen Stelle. Und so gibt es in der theoretischen Philosophie ganz viele Sachen, die eben fragen: Hey, was ist das eigentlich? Haben wir versucht zu klären, haben wir wahrscheinlich in typischer philosophischer Manier nicht geklärt, sondern einfach nur ein bischen entstaubt? Und wir hoffen, diese Folge hat euch viel Spaß gemacht. Wir werden euch ein paar Links in die Shownotes tun, falls ihr weiterlesen wollt  und falls ihr einzelne Begriffe oder Namen, die wir jetzt genannt haben nochmal genauer nachlesen wollt. Ansonsten bleibt uns nur noch für die Aufmerksamkeit zu danken und euch eine schöne Zeit zu wünschen. Tschüüß.

    smettbo: Tschüüs

    Waldseenixe: Ciao!

    28 min
  • hckn009: How to Haecksen-Event

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Mariechen spricht mit C_ristina, Namiko und Shan darüber, wie Haecksen-Events entstehen. Zusammen stellen sie euch vor, wie Eventorganisation und -planung bei den Haecksen funktioniert. Dabei gehen sie vor allem darauf ein, wie mensch andere mit ins Boot holt, warum ein flexibler Prozess wichtig ist und welche Dinge ein besonderes Augenmerk verdienen.

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    Stichworte

    Haecksenorga, Events, Online-Events, Planung, Team Commitment, Teamwork, Jede*r ist willkommen, Jede*r kann mitmachen, kein Vorwissen nötig, Flexibilität, fixe und nicht fixe Deadlines, Spaß, Kommunikation

    Credits
    • Redaktion & Sprechende: c_ristina, mariechen, namiko, shan
    • Produktion: naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    Mariechen: Willkommen zu einer neuen Folge vom Haecksenwerk. Ich bin Mariechen, relativ neu bei den Haecksen. Trotzdem habe ich in den letzten zwei Jahren an recht viele Haecksen-Events besucht. Die haben alle super viel Spaß gemacht.Jemand sagte im Dezember 2020: Da ist so eine rC3-Online-Event, geh doch da mal in. Und da waren dann super viele schöne Pixel und tolle Workshops, sodass ich im darauffolgenden Jahr wieder da war – und aus Versehen Haeckse geworden bin. Weil das alles toll war, spreche ich heute mit den Orga-Haecksen zum Thema “How-To Haecksen Event. Weil wie genau entsteht so ein Event und was steckt da für Arbeit dahinter? Als erstes stellt sich namiko vor.

    namiko: Ja, hi, ich bin namiko. Ich bin seit 2019 ungefähr bei den Haecksen und hab eben seit 2020 – seit der erste rC3 – in der Orga mitgeholfen. Mein erstes Chaos-Event überhaupt war der 33C3, also der bisher letzte Congress in Hamburg. Und bei mir ist außerdem noch shan.

    shan: Ja, hi, ich bin shan. Ich bin so seit dem 29C3 bei Chaos-Events. Das war, glaube ich, 2013 und organisiere jetzt so seit einigen Jahren die Haecksen-Events mit. Das Hauptaugenmerk bei uns liegt seit Anfang der Corona-Phase vor allen Dingen auf Online-Events. Und dann haben wir noch C_ristina. 

    C_ristina: Ich bin C_ristina ohne H. Und ich bin durch die Hamburger Geekfems zu den Haecksen gekommen und bin unter anderem in der Orga tätig, seitdem es die Online-Events vor allem gibt. Wir haben nun schon unterschiedliche Events in unterschiedlichen Konstellationen zusammen erfolgreich organisiert und haben mittlerweile ein sehr gut eingespieltes und zufriedenes Orga-Team. Und weil das so gut geklappt hat, möchten wir diese Erfahrung gerne mit anderen teilen. 

    Mariechen: Dann frag ich doch gleich mal dich C_ristina. Wie fangt ihr denn an mit so einem Event. 

    C_ristina: Also erstmal starten wir ganz grob mit der Planung und setzen uns einen Fokus. Also, was wird der Fokus für das Event sein? Weil dieser Fokus bestimmt dann auch danach komplett die restliche Planung, den Umfang, alles mögliche. Und es wird entschieden, was kurz- und mittelfristig festgelegt werden muss. Also welche Dinge können eine Deadline haben und welche Dinge müssen wirklich ganz fest dann einen Cut bekommen, weil sonst die Planung völlig aus dem Ruder fällt. Wir haben für uns festgestellt, dass es auch sehr wichtig ist, dass wir unserem Kern sozusagen mitteilen, wie wir Planungen innerhalb der Haecksen machen wollen und dass wir dabei sehr, sehr wichtig finden, dass wir sehr gut mit einander umgehen, achtsam miteinander umgehen. Wir legen sehr viel Wert auf Transparenz, Ehrlichkeit, Vertrauen und gegenseitige Rücksichtnahme. 

    Shan: Ja was für Ressourcen sind denn da wohl alles benötigt für so ne, so ne Veranstaltungsorganisation? Da erzählt uns namiko jetzt was zu.

    namiko: c_ristina hats ja schon erwähnt, es gibt ne gewisse Gruppe an Menschen die, die man, ich sach jetzt mal, Kernorgateam für Events bezeichnen könnte, die generell da sind und ansprechbar sind, wenn man eine Idee hat. Dazu kommen aber in der Regel immer noch ganz viele weitere Menschen, die sich nen bestimmten Themenbereich raussuchen und den dann irgendwie betreuen. Von daher kann man jetzt gar nicht so, so fest sagen: wir planen mit so und so viel Menschen. Sondern wir planen erst mal nur mit denen, die erst mal da sind für die Organisation. An Dingen fängt sowas in der Regel damit an, dass irgendwer irgendwo ein Pad erstellt und man sich erst mal zusammensetzt und überlegt, na ja, was wolln wir machen und können wir das machen und wen brauchen wir dafür. Wie viele Aufgaben ergeben sich daraus überhaupt und in welcher Reihenfolge müssen die getan werden. Also, man überlegt sich so n grobes Raster von Dingen, die einfach notwendig sind, die getan werden müssen. Und das ist so der Einstiegspunkt für Aufgaben und überhaupt zu schauen, kriegen wir das hin, haben wir Ressourcen dafür. 

    c_ristina: Genau, und dabei eben auch sehr viel Rücksicht darauf nehmen, dass wir nur soviel planen können, wie eben Ressourcen auch da sind. Also dass es nicht die Planung über alles geht, sondern eben von der Community getragen wird. 

    namiko: Genau. Diese Aufgaben ergeben sich ja auch n bisschen flexibel, weil wir mit dem Minimum eigentlich anfangen und in der Regel trifft dann so ne Idee oder Planung – wir kommunizieren das ja dann eben auch in Mailinglisten, über unseren Rocket-Chat, dass wir das irgendwas in der Pipeline haben – und in der Regel trifft das dann auch auf Interesse. Jemand kommt dazu, hat vielleicht noch ne Idee, wir könnten noch das und das machen und dann ergibt sich daraus noch was und die Person hat in der Regel dann auch Interesse daran mitzuarbeiten und vielleicht auch noch weitere Helfende dazu zu bringen.

    mariechen: Und da darf dann jeder mitmachen einfach oder wie haltet ihr das?

    namiko: Ja, genau. Wir kommunizieren, was wir machen und auch die Termine. Das ist immer eine offene Einladung, zu der jeder kommen kann, der grade Interesse hat und das erfordert auch gar nicht, dass die Person dann aktiv viel mitmacht im ersten Moment, sondern man kann auch erstmal dazukommen, so n bisschen einfach nur reinhören. Was passiert denn da? Manche Menschen tun sich dann beim ersten Treffen noch n bisschen schwer, aber beim zweiten, dritten kommt dann da ein bisschen mehr Interaktion dazu. Also als ich zum Beispiel dazu kam, hab ich, hab ich auch am Anfang gesagt so, also ich weiß nicht, ob ich das schon so machen will und ob ich mich dafür verantwortlich fühlen kann und das ist dann über die letzten zwei Jahre aber gewachsen und jetzt geht das.

    mariechen: Okay, das klingt richtig gut. 

    c_ristina: Und wir legen dabei auch ziemlich viel Wert darauf, dass diese Flexibilität eben auch bleibt, also dass Menschen selber entscheiden können, wie oft, wie viel, wie lange sie sich einbringen können und diese Ein- und Ausstiegpunkte es eben auch einer größeren Anzahl an Menschen ermöglichen, sich am Event zu beteiligen, also wirklich auch aktiv mit in die Orga zu gehen, um eben im Rahmen ihrer Möglichkeiten dann auch Teil des Teams zu werden. 

    Shan: Und dabei ist uns halt auch ganz doll wichtig, dass es Redundanzen gibt, also wenn nur eine einzelne Person für etwas verantwortlich ist und dieser Person geht’s dann plötzlich nicht so gut. Das ist uns ist und ja sehr wichtig, dass die Person dann auch aussteigen kann, aussteigen darf. Das dann aber nicht zum Scheitern des ganzen Event führen soll, versuchen wir immer dafür zu sorgen, dass alle informiert bleiben und dass alle wissen wie der Status ist und halt auch, dass nach Möglichkeit immer eine zweite Person mindestens für eine Aktivität, eine Aktion in dem, in der ganzen Projektplanung mit auf dem Laufenden ist, sich mit drum kümmert.

    namiko: Also es gibt durchaus Personen, die so den großen Überblick haben, was so alles grade passiert im Verlauf der Planung für ein Event. Aber die einzelnen Teilnehmenden in der Orga können sich ziemlich frei selbst organisieren und eben ihre eigenen, kleinen Miniteams, sag ich mal, zusammensuchen. Bei der rC3 gab es zum Beispiel auch ein World-Team der Haecksen, das eigene Meetings hatte, aber trotzdem gab es eben noch die größeren Orga-Meetings, in denen dann eben für alle die Informationen, wie auch in diesem Team der Stand grade ist, weitergetragen wurde. 

    mariechen: Das heißt, ihr habt immer mehr Kapazitäten, als ihr eigentlich bräuchtet, damit falls was schiefgeht, es doch nicht schiefgeht?

    namiko: Also ich würd nicht sagen, dass wir mehr Kapazitäten haben, als wir brauchen. Es ist eher so wie das Parkinsonsche Gesetz, also Arbeit dehnt sich ja immer auf die zur Verfügung stehende Zeit aus und so is es hier, dass Arbeit sich auf die zur Verfügung stehenden Kapazitäten ausdehnt. *lacht*

    mariechen: Ah okay, das ist klar. Wie geht ihr damit um, wenn‘s dann doch mal knapp wird?

    Shan: Ach, das ist relativ einfach. Dann kommt ein, ein netter, freundlicher Hilfeschrei über unsere Kommunikationsmedien, also kein Hilfeschrei, aber wir hatten da ne Situation in der dann ganz, ganz plötzlich ganz viel Arbeitskraft benötigt wurde und dann ham wir nen Aufruf gestartet und ham einfach gefragt, wir brauchen hier in dieser Thematik ganz dringend Hilfe, gibt’s jemand, der sich damit auskennt, der noch Ressourcen frei hat? Und ja, hinterher hatten wir viel mehr Angebote, als wir eigentlich gebraucht haben. Das war wunderschön zu sehen und hat uns doch sehr gerettet bei der Veranstaltung. 

    c_ristina: Und ich glaube wir profitieren auch sehr davon, dass wir die ganze Veranstaltung und die Orga wirklich offen lassen. Dass wir da auch sehr viel Wert drauf legen, dass es wirklich für alle, die Spaß daran haben und sich beteiligen wollen, dass es für die eben auch möglich ist.

    mariechen: Und wieviel Zeit verwendet ihr normalerweise auf so n Event?

    Namiko: Viel *lach* Also ich weiß nicht. Hat eine noch im Kopf, wieviel Stunden wir da irgendwann mal überschlagen hatten? Also wir haben irgendwann mal einen Überschlag gemacht, wieviel Zeit das gekostet hat.

    shan: Ja, das haben wir uns aufgeschrieben. Das ist in der Kategorie “Kapazitäten”, zu der C_ristina gleich noch kommt. Ja, was auf jeden Fall wichtig ist, ist, dass am Anfang der Planung der Veranstaltung für uns auch als einer der ersten Schritte die Deadlines klar gemacht werden. Es gibt ja fixe Deadlines und flexible Deadlines. Wir versuchen auszurechnen wieviel, wieviel Zeit brauchen wir denn jetzt, wenn wir zum Beispiel Sticker machen wollen oder wenn wir Pullover den Menschen zur Verfügung stellen wollen. Wie viel Zeit brauchen wir dafür? Bis wann muss unser Design stehen? Bis wann muss der Auftrag bei der Druckerei sein? Bis wann muss die Post spätestens rausgehen? Das sind Sachen, die relativ fix sind. Da lässt sich nicht viel dran drehen, weil das Event, das Datum für das Event, steht ja fest. Wir wollen das ja dann auch stattfinden lassen. Das kann man ja nicht einfach schieben. Aber verschiedene andere Dinge sind ja völlig flexibel. Wenn ich jetzt zum Beispiel vereinbart habe, dass, dass ein unserer Haecksen sich um das Design kümmert – also nicht ich, sondern wir das das vereinbart haben – und die Person das von sich aus angeboten hat und wir sagen bis dann und dann ja bräuchten wir schon n groben Vorschlag fürs Design, damit wir abstimmen können, dann ist das, dass am Anfang ja nicht wirklich n harter, ne harte Deadline steht. Wir ham irgendwann nen harte Deadline, aber am Anfang gibt es halt eine flexible und die Person, die sich drum kümmert, hat natürlich dann auch flexibel die Möglichkeit sich die Zeit dafür einzuteilen und sagt: Ja ne, heute hm kann ich nicht, heute hab ich nicht die Löffel dafür oder ich muss heute dienstlich Überstunden schieben. Und hat damit freie Verfügung über die eigene Zeit. Das ist ne wichtige Angelegenheit. Es gibt Dinge wo’s nicht wirklich ne Deadline benötigt. Was wir einfach so im Laufe der Planung dann noch flexibel besprechen oder wo uns einfällt, ach ja, das könnt man au noch machen. Das hängt ja dann zum Beispiel davon ab mit den Kapazitäten, wenn auf einmal noch Leute dazugekommen sind und dann sagen: Oh ja, ich hab noch diese Idee. Ich will das noch machen. Ja, auf jeden Fall diese fixen Deadlines am Anfang schon zu besprechen und zu sagen bis dann muss das stehen und zu sagen, dies sind kritische Faktoren, dies sind kritische Deadlines, ist sehr, sehr wichtig, damit alle Bescheid wissen, das und das muss bis dann und dann getan sein.

    namiko: Ja, und ich würd dazu vielleicht auch sagen, was die Haecksen-Orga auszeichnet, ist, dass wir auch sehr früh über solche Dinge nachdenken und in aller Regel mindestens pünktlich, wenn nicht sogar überpünktlich eigentlich mit unseren To-Dos durchkommen. 

    Shan: Ja genau, dass wir genug Puffer haben für, wenn was schiefgeht, wenn irgendwas nicht klappt, wenn ne Person oder was ausfällt oder wenn der Druck schiefgeht oder wenn irgendwas sich ganz spontan noch ändert. Im Projektmanagement gibt’s immer ne Positiv- und ne Negativrechnung und wir versuchen genug Puffer einzubauen.

    c_ristina: Genau, aber unter anderem eben auch das Ding mit der Rücksichtname. Also diese Deadlines sind nicht nur dazu da um uns Stress zu verursachen, sondern dass wir eben gegenseitig darauf achten können, was in welcher Zeit möglich ist und was nicht und darauf dann entsprechend reagieren können. Das führt dann auch dazu – also ich glaub das haben wir in den ersten Events noch so relativ naiv, aber es ist dann doch noch mal gutgegangen – gestartet mit dem Kapazitäten Management. Also tatsächlich festzustellen, wie viele Hüte haben wir zu verteilen. Wie stark legen wir Wert darauf, dass auch wirklich delegiert wird. Also dass nicht eine Person zehn Hüte unbedingt sich aufsetzten muss. Dass auch nicht unbedingt die Hut-Haeckse auch wirklich alle Aufgaben zu diesem Bereich dann erfüllen muss, sondern auch tatsächlich weitergeben kann. Dass wir erkennen, wenn Engpässe da sind, dass Engpässe auch total normal sind und dazugehören und wir eben für uns ne Handhabung dazu uns überlegt haben, die eben auch im Konsens mit dem Team dann auch stattfindet. Was wir bei den Haecksen auch haben, ist tatsächlich, dass wir auch Leute aktiv ansprechen. Also ich find das gehört für mich zumindest zum Teil auch zur Inklusion, weil es nicht jeder Person leichtfällt sich einzubringen und sofort sagt: Ich steig jetzt hier ein. Ich hab da Bock drauf. Es gibt auch Menschen, die sich über eine Einladung dann tatsächlich freuen. Und das andere ist dann auch tatsächlich festzustellen, wie das Commitment zum Team ist, also dass es innerhalb des Teams ne gewisse Verbindlichkeit geben muss, die aber innerhalb des eigenen Bedarfs, also der eigenen Möglichkeiten stattfindet, also nicht im Sinne der Überreizung der eigenen Kapazitäten stattfindet. Dabei muss man natürlich auch noch mal erwähnen, wir machen das alles in unserer Freizeit und haben in der Regel dann auch noch ne Erwerbszeit oder Care-Arbeit oder wie auch immer hinter uns und machen das eben dann auch noch zusätzlich. Und wir haben ungefähr n Zeitaufwand von circa 53 Stunden pro Person für Meetings und das sind, davon sind dann circa noch fünfzig Prozent für reine Kommunikation. Und das klingt vielleicht erst mal viel, aber das ist wirklich n Kern der Arbeit tatsächlich alle im Loop zu behalten, also dass wirklich alle, die an der Orga teilnehmen immer auf dem aktuellen Stand sind oder dass es darum geht dann tatsächlich die Kommunikation immer synchron zu halten. Also dass wirklich jede Person weiß, wo wir grade stehen, wo, wie der Status zu irgendwas ist. Das ist halt wirklich sehr wichtig, dass das dann auch stattfindet. Aber das bedeutet halt auch nicht, dass wirklich jede Person, die in der Orga ist, auch wirklich 53 Stunden lang Dinge tun muss. Also es gibt eben Haecksen, die wesentlich mehr in Meetings und Calls dann sitzen und andere die dann eben eher andere Aufgaben, die vielleicht dann nicht unbedingt den gleichen Umfang haben müssen. Es ist auch kein Wettbewerb *lacht* wer mehr Stunden irgendwie aufbringt. Wir legen da auch schon Wert darauf, dass s so ne gewisse Qualität halt auch bekommt, weil wir eben die Zeit der jeweiligen anderen Haecksen eben auch zu schätzen wissen. 

    namiko: Das ist auch so ein auch son Punkt, der noch mal zu diesem Vertrauen gehört. In der Regel zu solchen Meetings, insbesondere wenn das externe Meetings sind, die einer größeren Orga angehören, mehr als eine Haeckse. Aber eben nicht die komplette Orga Gruppe oder alle an der Orga oder an dem Aufbau des Events beteiligten Personen. Und das heißt aber auch, dass da immer das Vertrauen da ist, dass alles, was wirklich wichtig ist auch für uns auch in unser Team kommuniziert wird. Also, dass auch von außem kommende Information für uns einfach offen sind und dass da niemand ausgeschlossen wird von der Information.

    Shan: Ich wollt noch mal auf das mit dem Commitment zum Team zurück kommen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das deutlich geworden ist. Was uns wichtig ist: Ist dass, wenn eine Person festellt, dass die Kraft, die Zeit, die Fähigkeiten, was auch immer für die Aufgabe, die sie übernommen hat, nicht reichen, dann ist das nicht so, dass die Person das durchführen muss. Das ist kein Commitment zu dieser Aufgabe, sondern ein Commitment zum Team. Das heißt, es muss dieses Feedback erfolgen: “Ich kann das nicht.”, “Ich schaff das nicht.”, “Ich hab da keine Zeit für.”, “Ich fühl mich damit überfordert.”, “Ich brauche Hilfe”. Diese Kommunikation ist super wichtig, damit jemand anders das dann übernehmen kann. Nicht, dass jemand dann völlig über seine Kräfte hinaus arbeitet, weil er/sie/es sich gezwungen fühlt diese Aufgabe jetzt durchzuführen, weil sie die Aufgabe übernommen hat.  

    namiko: Genau, und es ist auch eigentich so: Selbst wenn eine Person schon sehr viel zu tun hat, hat sich bisher immer gezeigt, dass auch andere Menschen spüren “OK, da liegt viel bei einer Person” und wenn dann deren Zeit das dann erlaubt, dass die dann auch so beseite springen und sagen “hey, kann ich dir da was helfen?” Und das ist auch bei uns in der Orga eine ganz tolle Eigenschaft, der Menschen, die daran teilnehmen. Dass das einfach auch so passiert.

    Shan: Genau, das Thema Awareness ist für uns super wichtig. Wobei wir halt mit Awareness meinen diese Achtsamkeit auf sich selber, aber auch auf die anderen in dem Team. Dann auch das Bedürfnis etwas in Balance zu bekommen, ja wenn etwas in Schieflage geht. Dieses, wenn ich fühle, bei der Person oder bei der Aufgabe da läuft etwas nicht so, wie es sollte, dass ich dann meine Hilfe anbiete und sach “Du, brauchst du Hilfe oder könn wa da irgendwie helfen?” Dass es angesprochen wird. Da ist dann natürlich das mit der Belastbarkeit. Das hatten wir ja grad schon erwähnt. Ne Sache, wir haben aber auch Reflexionsrunden wo dann noch mal drüber gesprochen wird “Ist meine Wahrnehmung von dem, was ich gerade gehört habe so richtig. Ist deine Wahrnehmung die selbe?” Dass man einen Abgleich für sich selber schaffen kann mit “Ja, dat ging jetz ga nich!” oder “Vielleicht hab ich das falsch wahrgenommen.” Das ist sehr wichtig. Dann ja auch Stressreduktion, da war natürlich dieser Faktor mit den Deadlines wichtig, dass wir halt für viele Sachen einfach keine echte, harte Deadline haben, sondern die Flexibilität sich die Zeit selber einzuteilen und ja wo wo c_ristina und ich die Spezialisten sind, ist bei dem Thema Resilienz und Coping. Ähm, wir haben zum Beispiel den Anger-Exchange-Point und äh und was für uns super wichtig ist, sind die Pommes und das Soulfood. Wir haben eine lange Liste mit Rezepten, was Pommes angeht  und tauschen uns das regelmäßig mit den tollsten Sachen aus.

    c_ristina: Wobei ich auch sagen muss, innerhalb der Haecksen gibt es da relativ wenig Reibung und wenn es die gibt, dann sie immer sehr produktiv und konstruktiv. Und wir aber natürlich nicht nur innerhalb des Haecksen Universums unterwegs sind und dann mit was auch immer von außen kommt umgehen müssen. Und äh haben da eine Reihe von Coping Mechanismen auch entwickelt, um eben mit dem Stress oder mit Konflikten umgehen zu können. Und was eben auch noch wichtig ist, weswegen es auch diesen Anger-Exchange gibt, dass wir dieses diesen Frust oder Ärger oder was auch immer dann an Negativem kommt, nicht behalten, sondern dass wir den auch wirklich nach außen kommunizieren können. Dass es auch mal OK ist, sich auch einfach sich nur Luft zu machen. Ohne, dass es dabei denn um um ne, ne Sache geht, die dann abgearbeitet werden muss.

    mariechen: Und wie genau funktioniert das mit dem Anger-Exchange?

    Shan: Ja der Anger-Exchange ist irgendwann auf einer der Präsenzveranstaltungen entstanden. Das war so, dass man, ich glaube auf einem großen Tisch einen Post-It ablegen konnte, mit irgendwas über das man sich fürchterlich geärgert hat. Damit war’s dann erstmal weg. Also so so ich hab’s aufgeschrieben und weg. Und dafür hat man sich einfach den Zettel von irgendjemand anderem mitgenommen. Bei uns funktionier das jetzt halt digital. Äh wir haben einen Kanal erstellt im Rocket und in diesem Rocket Kanal schreibt man einfach das hin in kurzen Worten, was einen grad fürchterlich aufrecht und hat es damit einmal von sich gegeben. Also einmal so *Wurf Geräusch* Natürlich ist das, worüber man sich dann aufregt, nicht nicht weg, aber der Druck ist nicht mehr ganz so hoch wie vorher.

    mariechen: Klingt nach ner sehr guten Lösung.

    namiko: Und abgesehen davon, dass man dort einfach mal neuen Ärger bekommt über den man sich ärgern kann, ist der auch gelegentlich sehr unterhaltsam.

    Shan: Ach ja, genau, das hab ich vergessen. Es wird dann auf Veranstaltungen, sowohl auf den digitalen Online-Veranstaltungen als auch auf Präsenzveranstaltungen hinterher feierlich verlesen, was denn alles so in diesem Anger-Exchange gestanden hat und es führt häufig zu viel Gelächter und Freude und Spaß, dass man einfach mal sieht, worüber andere Menschen sich dann aufregen und häufig dann auch teilt. Also Gelächter nicht im Sinne von, dass man sich über die andere Person lustig macht, sondern dass man gemeinsam über diese Situation, über die man sich aufgeregt hat, lacht.

    namiko: Also nur zur Ergänzung. Es gibt nicht nur Ärger bei den Haecksen. Wir haben auch einen Joy-Exchange in dem man seine Freude auch noch mal kundtun kann. 

    mariechen: Das ist n schöner Ausgleich, denke ich.

    c_ristina: Ich denke auch, was dazu noch mit beiträgt, dass wir eben mit diesen teilweise auch konfliktbehafteten Situationen umgehen können, ist, dass wir als Haecksen relativ weiten Konsens in unseren Werten haben und dass für uns auch relativ klar ist, was für uns okay ist. Was unsere Werte sind. Worauf wir eben auch gegebenenfalls gegenlenken müssen, wenn Dinge nicht innerhalb dieser Werte stattfinden. Das kann man übrigens auch auf der Haecksen-Seite sich angucken. Auf dem Bereich „Wer sind die Haecksen?“ auf haecksen.org. 

    mariechen: Also ich hab noch nicht so ganz verstanden, wie das mit den Hüten funktioniert. Kannst du c_ristina da noch bisschen mehr zu sagen?

    c_ristina: Also ich hatte ja kurz erwähnt, dass wir eben im Kapazitätenmanagement festellen, wie viele Hüte wir brauchen. Hüte sind bei den Haecksen die Personen, die sich einen Hut aufsetzen, dann verantwortlich für n bestimmten Bereich oder für ne bestimmte Aufgabe. Und diese Hüte werden dann relativ flexibel immer mal wieder vergeben je nach Bedarf. Und bei jedem größeren Event machen wir das dann so, dass es dann zentrale Information- und Monitoring-Haecksen gibt, die eben die Kommunikation und Information zum Event überwachen und auch den Bedarf dann regelmäßig prüfen. Haben wir genügend Menschen für genügend Hüte, die angefallen sind? Müssen noch weitere Hüte verteilt werden? Und so weiter und damit wir dann auch regelmäßig dann auch gucken können, wie die Verteilung dann stattfindet. Es kann natürlich auch passieren, dass eine Haeckse mehr als einen Hut auf hat. Hängt natürlich auch von der Größe und Schwere dieses Huts ab. Was wir allerdings nicht haben mit den Hüten, sind Hierarchien. Also es gibt keine Ober-Haeckse oder Ober-Orga-Person oder so, sondern wir sind da sehr demokratisch unterwegs, dass wir sagen, wir brauchen eben auch möglichst auch die Unterstützung der Community dabei und aus dieser Community heraus kommt dann eben auch die Entscheidung zu jeglichen Themen. Insofern ist, ja, die Hierarchie eigentlich bei uns nicht so sehr das Thema. Was eher n Thema ist, sind tatsächlich Skills. Wir haben immer mal wieder den Punkt, dass Leute sich vielleicht nicht zutrauen einen Hut aufzusetzen. Hier so ein bisschen das System mit den Hüten bei den Haecksen dann noch mal erklären. Was wir sehr gerne tun im Übrigen. Dass es für uns nicht heißt, eine Haeckse setzt sich einen Hut auf und bekommt den Hut, weil schon hundert Jahre Expertise in diesem Bereich sind, sondern viel mehr da liegt ein Hut und ich find den toll. Ich möchte mir den aufsetzen. Was muss ich dafür jetzt tun? Und da kommen dann tatsächlich die Skills mit rein, die dann entsprechend für den Hut dann notwendig sind. Dies Skills, wie ich ja schon gesagt hab, müssen nicht von vornherein da sein. Es muss vor allen Dingen die Bereitschaft dafür da sein, diesen, sich dieses Huts anzunehmen. Und worauf wir eben sehr viel Wert legen, ist dann eher in Multiplikator*innen. Die Wissen weitergeben können. In der Förderung von Teilnehmer*innen in der Orga. Dass wir sagen: Okay, wir bieten Weiterbildung in bestimmten Bereichen an. Dass wir auch in den Skills keine Hierarchien aufbauen, sondern dass es uns darum geht, das Wissen so weit wie möglich zu streuen, damit eben auch so viele Haecksen wie möglich unterstützen können. Und es muss allerdings, das sei schon gesagt, so ne kleine Risikobereitschaft da sein. Also es kann auch passieren, dass das mit dem Hut eben nicht so gut klappt. Aber dafür ist auf jeden Fall immer das gesamte Orga-Team da, um dann gegebenenfalls auszuhelfen.

    Shan: Ja, was dabei auch noch wichtig ist zu erwähnen ist, wir machen das ja alle in unserer Freizeit. Wir bekommen da kein Geld für; wir machen das auch Spaß an der Freude. Und das mit dieser Risikobereitschaft und Abwägung ist noch “Ich hab jetzt Lust, das mal auszuprobieren, ich hab das noch nie vorher gemacht, ich möchte das gerne machen, ich bin da neugierig”. Und wir haben nicht diesen Anspruch, hundert Prozent perfekt zu sein, sondern dieses “wir trauen uns mal, was nicht perfekt zu machen” ist auch ganz wichtig. Also dieses, ja, “Ich würd’ das voll gerne machen, ich hab das noch nie…” und nicht, wie du schon gesagt hast, dieses “Ich habe das jetzt seit 1000 Jahren gemacht, ich bleibe jetzt aber auch, ich geb’ diese Aufgabe nicht her”. Sondern ja, ganz wichtig, dieses Multiplikation, Weitergeben, Förderung von Wissen,…

    c_ristina: Genau, aber ich glaub’ das ist auch echt so ein Haecksending. Haecksen lernen glaube ich einfach sehr gerne und es macht uns sehr viel Spaß, an Aufgaben auch einfach wachsen zu können und ich finde dass es, also im Orga Team gerade eine sehr,sehr schöne Möglichkeit, das eben zu tun, weil das Netzwerk wirklich sehr, sehr unterschiedlich ist. Wirklich sehr viele unterschiedliche Aufgaben; die Vielfalt ist einfach großartig, finde ich. Das ist für jegliche Haeckse, also ich würde es jederzeit empfehlen, ins Orga Team zu kommen. Und sei es auch einfach nur für ein Event.

    Shan: Ja und wie auch schon vorhin gesagt, es ist nicht so, dass jede dann sofort die Über-Orga übernimmt, sondern man kann auch für ganz, ganz kleine Teile, wie zum Beispiel Sticker bei irgendeinem Sticker-Anbieter mit unserm fertig designten Design bestellen übernehmen. Oder irgend’ne andere ganz kleinere Aufgabe, man muss nicht direkt volle Power und hundert Stunden darein versenken, sondern, es ist möglich, da irgendwas mit zwei, drei, vier Stunden fürs Gesamtprojekt zu machen und trotzem Teil der Orga gewesen zu sein.

    c_ristina: Genau. Und sich auch einfach mal ausprobieren zu können. Ich glaube, das ist, das darf man nicht unterschätzen, wie wertvoll das tatsächlich ist, dann das auch später dann ins Berufliche zum Beispiel auch mitnehmen zu können. Dass diese Erfahrung gemacht werden durfte, weil das vielleicht nicht unbedingt in das berufliche Skillset gehört, wo wir unterwegs sind und das tatsächlich wirklich ‘ne Bereicherung, komplett einfach der Persönlichkeitsentfaltung, der beruflichen Entfaltung etcetera.

    namiko: Ja, das ist auch so ein ganz toller Punkt bei den Haecksen, diese Hüte, wie schon gesagt, die sind nicht irgendwie traditionell vergeben oder weil jemand da ultra viel Expertise drin hat. Die meisten, die in irgendwas schon sehr, sehr viel Erfahrung haben, freuen sich ja auch, einfach mal wieder was anderes machen zu können. Einfach zu sagen, so ok, dieses Mal gebe ich diesen Hut ab, dafür kann ich jetzt irgendwo was neues lernen. Ja, weil wir ja alle einfach neugierig sind. Und das gibt wiederum die Gelegenheit für eine andere Person, diesen Hut jetzt zu nehmen und zu sagen “hey dann probier’ ich das jetzt auch mal” und in der Regel ist ja trotzdem die Haeckse, die es vorher gemacht hat noch irgendwie erreichbar und man kann sich da auch ein bisschen Erfahrung mit abholen. Und so gibt es eben auch so diesen Wissenstransfer. Ich würd’ dann vielleicht was zum Thema Termine und wie läuft das überhaupt terminlich mit der Orga ab sagen. Wir haben ja eben schon über Deadlines gesprochen. In der Regel ist die fixeste Deadline das Event an sich. Ne, es soll ja irgendwann stattfinden. Und in der Vorbereitung dafür gibt es eben ganz, ganz viele Termine- also ganz, ganz viele vielleicht nicht, aber viele Termine, die man eben benutzt zur Kommunikation, zum Absprechen, zum Organisieren, zum Aufgaben verteilen. Und da hat’s sich einfach für uns bewährt ‘ne gewisse Regelmäßigkeit zu haben. Jetzt nicht dauerhaft, also dass wir uns jedes, also generell jede Woche treffen als Orga-Team, auch wenn nichts ansteht, sondern eben: Wenn wir wissen, wir möchten ein Event machen oder da kommt ein Event, an dem wir beitragen möchten, dann fangen wir relativ früh an, einen ersten Termin zu machen und dann eben da eine gewisse Regelmäßigkeit reinzubringen. Aktuell bereiten wir jetzt auch wieder was vor und haben uns da auf einen zweiwöchigen Takt geeinigt, dass wir da uns auf jeden Fall hören. Das kann allerdings auch im Verlauf der Vorbereitung etwas variieren. Also so in der Regel sind die Termine am Anfang eher so im zwei- oder drei-Wochen Takt und je näher es an die Veranstaltung geht, desto öfter hört man sich und trifft man sich. Auch um, naja, die letzten 10 Prozent noch zu machen, die irgendwie immer noch so liegen geblieben sind. Oder um sich abzustimmen, ne. Also es wird halt auch immer enger notwendig mit der Zeit. Also je näher das Event rückt, sich noch enger abzustimmen. Wir sind natürlich bestrebt, diese Termine nicht ins Unendliche ausarten zu lassen. Also ich glaube so standardmäßig haben unsere Termine ‘nen Umfang von 30 Minuten bis höchstens 1,5 Stunden. Wenn also 1,5 Stunden, da haben wir schon verdammt viel besprochen und viel gearbeitet. Und normalerweise hangeln wir uns dann eben durch ein Pad. Also wir haben in der Regel irgendwas vorbereitet, “was wollen wir denn heute tun”, und gehen dann diese Punkte ab oder wir schauen nochmal drüber: Was haben wir denn beim letzten Mal besprochen, ist davon noch irgendwas offen, ist alles erledigt? Und schauen dann eben, was dann als nächstes noch zu tun ist.

    c_ristina: Genau und da kommt eben auch noch dieser Teil mit rein, der gegenseitigen Rücksichtnahme, dass wir deswegen auch immer schon vorab versuchen, TOPS, also irgendwelche Topics dann schon vorab in dieses Pad zu bringen, damit Leute sich auch entsprechend darauf einstellen können. Und dass wir eben uns im Umfang und im Ablauf relativ diszipliniert eben auch dran halten, weil eben wie gesagt also die meisten sind dann in ihrer Freizeit tatsächlich da und das verdient dann auch ‘ne gewisse Wertschätzung.

    namiko: Genau. Und es ist auch so: Wir versuchen, solche Termine möglichst so zu legen, dass die meisten sagen können: Ja, da kann ich, da hab ich Zeit. Natürlich kann jedem mal irgendwann was dazwischen kommen, das ist auch überhaupt nicht schlimm. Also es ist immer möglich irgendwie auch vorher jemand anderm Bescheid zu sagen: “Ja, das ist so und so jetzt gerade” oder einfach Bescheid zu sagen “Hey, ich schaff’s heut nicht” und dann wird halt beim nächsten Mal darüber gesprochen. Also war bisher bei uns eigentlich noch nie ein Problem.

    Shan: Und dadurch, dass wir diese Pads ja auch dann richtig führen, kann man auch alles hinterher nochmal nachlesen. Ich könnte also etwas – wenn ich weiß, ich kann morgen nicht – in das Pad schon ein, zwei Sachen, die mir wichtig sind oder die ich als Feedback zu geben habe, eintragen. Und dann wird das in meiner Abwesenheit schon besprochen und ich kann dann am Tag danach, oder wann auch immer ich dann Zeit habe, nochmal nachlesen “Wie war das denn?” und ich glaub’ auch so insgesamt was Awareness und Termine und sonstiges angeht, ist super wichtig zu sagen, ich glaub’ bei uns haben wir uns noch nicht ein Mal gezofft. Also es läuft alles über Konsens, es ist super harmonisch. Es gibt halt auch keine, ja, wir haben das ja schon mehrfach gesagt, es gibt keine Hierarchie. Also es gibt keinen, der sagt “So muss das laufen” und bestimmt, sondern es läuft alles darüber, dass jede teilnehmende Person die gleiche Stimmkraft hat. Also wenn jetzt eine Person sagt “Wir machen das jetzt so” das gibt’s nicht. Einfach, weil’s, ja, wir sind ‘ne gemeinschaftliche Gruppe, die das gemeinsam diese Veranstaltung organisiert, jede Stimme, die da was zu zu sagen hat, ist wichtig.Ja, was noch zu dem Thema Termine zu sagen ist, ist: Wir schicken auch meist nochmal ‘nen Reminder vor, vor allen Dingen dann, wenn die Frequenz der Termine noch recht niedrig/hoch, also wenn’s nicht so häufig Termine gibt, wenn wir jetzt zum Beispiel Abstand von ‘nem Monat haben, dann kann man das ja schon mal schnell verpeilen, dass jetzt wieder Termin ansteht. In aller Regel gibt’s dann kurz vorher nochmal ‘ne Mail. So “Wir treffen uns dann und dann wieder”. Und meistens haben wir dann auch schon ein Pad angelegt, wo dann schon so die TOPS fürs nächste Mal drinstehen, jo.

    namiko: Wir haben jetzt auch schon ganz viel über “Pads” gesprochen: unsere Informationsquelle. Magst du da noch ein bisschen mehr zu ausführen, Shan?

    Shan: Achso, ja genau. Diese Pads sind im Prinzip sowas wie… viele kennen das vermutlich, vielleicht auch nicht. Im Prinzip sowas wie ein digitaler Notizzettel, in dem wir unsere Protokolle führen. In dem wir unsere Themen, die besprochen werden müssen, aufschreiben. Und das ist ganz interessant, das ist ein praktisches Tool, wo alle Teilnehmenden gleichzeitig drin schreiben können. Die Standardeinstellung ist die, dass jede Person ‘ne eigene Farbe hat, die aber nur temporär ist. Dadurch kann man sehen, wer was geschrieben hat. Das lässt sich natürlich auch alles löschen. Also ich meine die Farbcodierungen lassen sich löschen. Und wir haben in aller Regel bei den Pads ganz ganz oben drinstehen, für welche Veranstaltung das ist, wo unser Metapad ist – das Metapad ist das Pad, in dem wir alles, was für diese Veranstaltung benötigt wird oder was von Relevanz ist für dieses Event, gesammelt wird: Weiterführende Links, externe Links, Ressourcen, Bestellseiten,… – dann kommt natürlich Datum und Zeit, also wann das Meeting begonnen hat. Ende schreiben wir eigentlich nie auf, weil das so ‘ne etwas fließende Sache ist, wir schwanken, also wenn wir mit unsern TOPS durch sind, schweifen wir immer ganz doll ab, gehen voll ins Off-Topic. Oft stehen die Teilnehmenden mit drin. Nicht immer, aber oft. Das macht insofern Sinn als dass wir sagen können, ja beim letzten Mal was Person X nicht dabei, von der Person haben wir jetzt ‘ne Weile nichts gehört, lass uns doch mal nachfragen: “Wie geht’s der Person?”. Und dann stehen da als allererstes die ganzen Themen, die zu besprechen sind und jede kann irgendwie ergänzen, was gesagt wurde, was geschrieben wurde. Jede kann es einsehen und es wird alles aufgehoben.Ziel ist es, dass wir das alles demnächst irgendwann in unser Wiki übertragen, damit auch nachfolgende Generationen an Haecksen aus dem, was wir an Learnings hatten oder was wir an Event-Organisation gemacht haben, das nachschlagen können, daraus lernen können und aus Fehlern anderer kann man ja auch lernen.

    namiko: Hm, da sagst du was mit den Learnings und auch den Fehlern oder den guten Sachen, die andere machen. Also diese Struktur, die du eben erwähnt hast, mit den Metapads, die haben wir uns ja auch abgeschaut vom Divoc und auch von der rc3. Zugegebenermaßen waren unsere Pads früher sehr lang. *lacht* Und man musste ‘ne ganze Weile scrollen. Aber weil das auch bei den Divocs so toll funktioniert hat mit den Metapads, haben wir das jetzt einfach auch mal übernommen. Und da zeigt sich halt auch wieder: Haecksen sind eben bereit, auch die Einflüsse von anderen zu sehen, wenn sie gut sind und das auch für sich anzuwenden.

    Shan: Ja, was bei dem Thema Informationen auch sehr sehr wichtig ist, ist: Ich bin nicht so der git-Mensch, ich kenne mich da mit den Begrifflichkeiten nicht aus, Fork, Merge und Pull. Ich verstehe diese Begriffe so, dass halt aus dem ursprünglichen ersten Treffen sich verschiedene Untergruppen treffen können, die dann für sich separat arbeiten; völlig unabhängig von allem andern, aber dann halt regelmäßig ein Feedback liefern “Wie ist denn der Status” oder “Wir brauchen noch Input”. Und wenn aus dieser Gruppe jetzt zum Beispiel ‘ne ganze Weile lang keine Informationen kommen, dann machen wir quasi als Überorganisation manchmal einen Pull Request und fragen “Ja, wie sieht’s denn bei euch aus, wie ist denn der Status?” Zum Beispiel die World-Gruppe arbeitet völlig unabhängig von der sonstigen Event-Organisation und der eine Teil hat mit dem anderen sehr, sehr wenig zu tun, aber zwischendurch ist es sehr, sehr gut, wenn man sich gegenseitig abgleicht: Wie sieht’s denn aus? Was ist jetzt zum Beispiel euer Layout? Habt ihr was für ein Design für die World? Macht ihr ‘nen mehrschichtigen Haecksenhut oder,… dass man auch so ein bisschen, ja, miteinander abgleicht. Das ist natürlich nicht nur für World und die Hauptorga wichtig, sondern halt auch für andere Sachen, auch externer Sync, regelmäßig, ist wichtig. Nehmen wir mal an, ich möchte jetzt gerne, dass unsere Teilnehmenden sich Pullis mit userem super coolen Logo kaufen können, dann muss das ja auch organisiert werden. Und dann muss ich regelmäßig mit der Person, die für uns diesen Verkauf macht, abklären: Wie ist denn der Status? Gibt es noch Fragen zu unserem Design? Klappt das so? Ist alles schon online? Sind die Größen verfügbar? Hast du vielleicht auch Taschen, Tüten, Beutel, Federmäppchen, die du bedrucken kannst? Wie sind die Preise? – Ja also dieser regelmäßige Sync ist ultra wichtig, damit es halt harmonisch laufen kann und es nicht irgendwie zu Stress kommt.Für uns intern nutzen wir verschiedene Kommunikationstools, ich glaub’ ich hatte das am Anfang schon mal irgendwann erwähnt, diese Rocket Räume. In diesen Rocket Räumen kann man dann auch mal eben schnell irgendwie Kleinigkeiten besprechen. Irgendwie so, oder auch noch Reminder schicken. “Wir haben heute Abend Meeting, kommt ihr denn?” oder so Sachen. Was natürlich wichtig ist bei der jetzt kommenden Veranstaltung: An der organisieren nicht nur Haecksen mit, sondern auch zwei andere Gruppen, da funktioniert das natürlich nicht mit unseren internen Kommunikationsmedien, da müssen wir dann besonders drauf aufpassen, dass wirklich alle Beteiligten die selben Zugänge haben, dass jede Person den selben Informationsstand hat, dass jede Person alles erreichen kann. Das ist für ‘ne Organisation ja sehr wichtig. Jetzt stellt man sich vor, die eine Gruppierung hat jetzt alle Informationen und die andere Person, also die andere Gruppierung erhält keine Informationen, dann steht man da wie der Ochs’ vorm Berg und weiß nicht, was Sache ist und wird vielleicht auch auf Schwierigkeiten gar nicht aufmerksam gemacht oder… So dieses, über den Kopf von anderen hinweg irgendwelche Informationen für sich behalten oder Dinge entscheiden soll es bei uns nicht geben. Und da geben wir uns unheimlich viel Mühe, dass möglichst alles für alle zur Verfügung steht.Was auch noch unheimlich wichtig für uns ist, ist die Nachbearbeitung. Dieses Learning, das hatten wir gerade schon mal kurz angesprochen, wo wir gemeinschaftlich sammeln: Was hat letztes Mal gar nicht geklappt? Was hat ganz gut geklappt, sollte ‘n bisschen verbessert werden? Und was hat wirklich gut geklappt, was war positiv? Genau so wie was wollen wir auf gar keinen Fall irgendwie, dass das jemals wieder passiert? Und auch das ist ‘ne gemeinschaftliche Arbeit, wo jede Person Input geben kann. Die Meinung kann völlig unterschiedlich sein. Für mich kann das Layout der Webseite entsetzlich gewesen sein; ich hab’ die Farbenkombination nicht gemocht; es war, obwohl wir es irgendwie vorher besprochen haben, ist es dann am Ende doch völlig anders geworden, als ich es erwartet habe und ich bin während der Veranstaltung damit nicht klargekommen, dann gebe ich dieses Feedback; Für alle anderen war das aber bezaubernd schön, dann haben wir dieses Feedback auf jeden Fall gesammelt. Das ist dann so, dass meine Meinung eine andere war, als die von den anderen Organisierenden, aber es nimmt jede*r auch wahr, dass es ‘ne andere Meinung gegeben hat.

    c_ristina: Nicht nur dass, sondern, also dass es auch bei der Nachbearbeitung nicht mehr um den Konsens geht, weil jede Haeckse das vielleicht auch tatsächlich anders empfunden hat, aber dass es eben sehr wichtig ist, dieses Feedback einzuholen, um eben noch weiter lernen zu können, wie wir Prozesse verbessern können, wie wir vielleicht ‘nen anderen Umgang finden müssen, wo wir noch irgendwas korrigieren müssen. Dass auch gerade diese Sachen sind, die eben nicht gut gelaufen sind, vor allem einen Raum finden, in dem sie stattfinden dürfen, in dem sie besprochen werden dürfen, in dem auch wirklich Personen dann auch dazu beitragen können, tatsächlich eben etwas an diesem Zustand zu verändern. Weil so harmonisch es vielleicht auch bei den Haecksen ist, um so wichtiger ist es eben auch tatsächlich das zu fördern, dass wir sagen “Wie war’s denn für dich? Haben Dinge so tatsächlich geklappt, wie wir uns das zu Anfang vorgestellt haben?” Da auch diesem Feedback wirklich den Raum zu geben.

    Shan: Und, was auch noch dazu zu sagen ist, ich glaub’ damit können wir das Ganze aber auch abschließen, ist: Wir speichern das, also wir heben das auf, sodass man auch bei der nächsten oder übernächsten Veranstaltung oder auch ein Jahr später oder zwei gucken kann: Was ist denn damals gut gelaufen, was ist damals nicht gut gelaufen? Was wirklich wichtig ist, damit wir uns weiterhin und in Zukunft immer weiter verbessern können.

    mariechen: Ich denke das, damit war’s das auch heute schon für diese Folge. 

    c_ristina: Ja, vielleicht noch ganz kurz zu wo wir sowieso bei der Nachbearbeitung sind. Ich hoffe, wir konnten unter anderem eben auch dich so ‘n bisschen mit in unser Orgateam mitnehmen. Wie das bei uns abläuft. Was so unsere Gedanken und Methodik dabei ist. Und ja, vielleicht möchtest du auch noch was ergänzen. Hat es dich hoffentlich so ‘n bisschen motiviert, vielleicht in diese Richtung, könntest du dir vorstellen, ein Teil des Teams zu werden?

    mariechen: Ja, ich finde das total spannend. Also die Herangehensweise und auch, dass man eben, wie ihr das schon genannt habt, keinen Riesenhut aufsetzen muss, wenn man mitmachen möchte, sondern auch kleine Dinge tun kann und damit mit zur Orga gehört und irgendwie auch mit dazugehört, mitmachen kann, auch wenn man noch keine Expertise hat in der Richtung. Deswegen, ja, für mich ist das spannend und wer weiß, vielleicht bin ich beim nächsten Event dann auch schon dabei und mache doch mehr Orga, als erwartet.

    Shan: Du bist auf jeden Fall herzlichst willkommen, so wie jede Haeckse für uns für die Orga herzlich willkommen ist und wer noch keine Haeckse ist, kann das bei uns natürlich immer über unsere tollen Frühstücks, die auf Twitter und auf Mastodon angekündigt werden, Haeckse werden.

    mariechen: Dafür muss man kein Frühaufsteher sein.

    alle: *lachen*

    namiko: Ja, dann war das alles für diese Folge. Wenn ihr unsere anderen Folgen hören möchtet, findet ihr sie auf unserer Homepage haecksen.org. Falls ihr keine neue Folge verpassen wollt, folgt uns auf Twitter unter @haecksenc (https://twitter.com/HaecksenC) oder auf Mastodon @haecksen (https://chaos.social/@haecksen)

    c_ristina: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal

    namiko: Bis dann, Tschüss!

    mariechen: Tschüüss!

    Shan: Bis dann, tschüü!

    50 min
  • hckn008: Sich politisch bilden (politische Bildner*in Teil 2)

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 
    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Dakoraa spricht mit Buecherwurm. Sie ist politische Bildner*in mit Schwerpunkt auf diskriminierungskritischer Bildung. Diese Folge ist der zweite Teil des Gespräches. Sie reden über Diskriminierung, sekundäre Viktimisierung, Ring Theory (also wie sollte ich mich verhalten wenn ich weniger betroffen bin) und Antidiskriminierungsarbeit als selbst gering Diskriminierte*r.

    Links
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    Stichworte

    Politische*r Bildner*in, diskriminierungskritische Bildung, Antidiskriminierungsarbeit, Arbeitsalltag

    Credits
    • Redaktion: dakoraa
    • Sprechende: dakoraa, buecherwurm
    • Weitere Stimmen: Sylvia
    • Produktion: dakoora
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    dakoraa: Leute Hallo, schön, dass ihr da seid beim Haecksenwerk Podcast. Ich bin dakoraa und heute gibt’s Teil 2 meines Gesprächs mit buecherwurm über politische Bildung. Im Teil 1 haben wir über das Berufsbild über die politischen Bilder*in gesprochen. Da ging es also darum wie wird man das, was macht eine politische Bilder*in eigentlich so? Und heute geht es dann tatsächlich um politische Bildung und Diskriminierung selbst. Buecherwurm hat viele spannende Sachen gesagt, aber es wurde bei Zeiten auch relativ krass was die Themen angeht. Am Anfang haben wir über die Initiative “Keupstraße ist überall” gesprochen. Da geht es um rechte Gewalt. Im folgenden Segment “sekundäre Viktimisierung” geht es um sekundäre Viktimisierung. Im Segment “Ring Theory” habe ich dann noch das Beispiel von Familienmitgliedern die Krebs haben benutzt, das war eigentlich tatsächlich nur ein Beispiel, wir sind da nicht ins Thema gegangen. Kapitelmarken sind entsprechend gesetzt, d.h. wenn euch einzelne dieser Themen zu sehr belasten, dann könnt ihr die mit einem guten Podcatcher einfach überspringen.

    Jetzt geht’s aber los. Und wir steigen mit der Frage ein wie buecherwurm eigentlich zum Aktivismus gekommen ist. 

    buecherwurm: Ja. Also ich war bei verschiedenen Gruppierungen und in verschiedenen Themenfeldern aktiv aber was für mich so die wichtigste Organisation in meinem politischen Leben war ist die Initiative “Keupstraße ist überall”. Das ist eine Gruppe die sich gegründet hat als rausgekommen ist, dass es eben den nationalsozialistischen Untergrund gab und dass der für den Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstrasse auch veranwortlich war. Und als dann klar wurde, dass es einen Prozess geben würde und die Betroffenen aus der Keupstrasse da auch aussagen sollten und da haben eben Menschen aus Köln zusammengetan und haben gesagt “wir wollen die Menschen begleiten wenn sie nach München zum Prozess fahren, und wir wollen für sie da sein, wir wollen sie von aussen supporten und unterstützen”. Und ja, da hat sich einige Jahre bevor es dann tatsächlich so kam, dieser Tag der Aussagen, oder wo die Aussagen begannen, eine Gruppe gefunden die kontinuierlich zusammen gearbeitet hat und eben auch versucht hat zu schauen, welche Bedarfe gibt’s denn bei Betroffenen aus der Keupstrasse, was braucht’s denn da, und wie können wir einfach auch in der Stadt und darüber hinaus auf die Situation der Betroffenen nach dem Anschlag aufmerksam machen, und wie können wir dazu beitragen, dass sich eben auch in der Stadt Menschen damit auseinander setzen, dass es diesen Anschlag gegeben hat. Und dass da erstmal in die völlig falsche Richtung ermittelt wurde. Dass Menschen, ja, Erfahrungen von einer sekundären Viktimisierung gemacht haben. Also durch die Ermittlungen wieder zusätzlich zum Opfer gemacht wurden, Verletzungen, Traumatisierungen durch die Ermittlungen erfahren haben, weil man ihnen eben auch nicht zugehört hat, nicht geglaubt hat als sie gesagt haben, dass sie glauben, dass das Nazis waren. Und, ja, für all das in der Stadt auch ein Bewusstsein zu schaffen, bzw. dazu beizutragen, dass in der Stadt ein Bewusstsein geschaffen wird. Und es zu verknüpfen mit dem konkreten Projekt der Begleitung der Betroffenen zum Prozess. Das war eine sehr, sehr wertvolle und spannende Erfahrung dort mitarbeiten zu können, die ich da gemacht habe. 

    dakoraa: Die sekundäre Viktimisierung. Ich habe immer gelernt, dass es ein ganz wichtiges Thema ist. Möchtest du darüber kurz reden was das eigentlich ist und wie das zustande kommt?

    buecherwurm: Ganz grob gesagt bedeutet das, dass Menschen eine Diskriminierung erleben und der Umgang ihres Umfelds im näheren oder im weiteren Sinne dazu führt, dass es halt nochmal eine Verletzung gibt. Also statt gestärkt zu werden und statt gemeinsam diese Verletzung irgendwie bearbeiten und dazu beizutragen, dass sie geheilt wird, werden Wunden wieder aufgerissen um in diesem Bild zu sprechen, bzw. Menschen wird nicht geglaubt, Menschen wird unterstellt, dass sie sich nur wichtig machen wollen, oder dass sie sich was einreden, oder dass sie sich in den Mittelpunkt stellen wollen, was auch immer. Und das kann sehr sehr unterschiedlich sein wie sich das äußert, das kann auch sowas sein wie, “naja, du bist ja selber schuld” oder “du hast es doch verdient wenn du dich so und so verhältst”. 

    dakoraa: Victim blaming…

    buecherwurm: Genau. 

    dakoraa: … ist so da das Schlagwort. 

    buecherwurm: Genau. Da wäre Victimblaming das Schlagwort. Aber eben auch um jetzt nochmal zu dem Kontext Keupstraße zu gehen: Da war das halt so, dass erstmal sehr sehr stark in dem Umfeld der Betroffenen selber ermittelt wurde, es wurde ihnen alles mögliche unterstellt. Man hat eigentlich jegliche Theorie für plausibel gehalten was dahinter stecken könnte hinter diesem Anschlag, außer eben, dass es weiß-deutsche Neonazis gewesen sein könnten. Es wurde Betroffenen bei der Aussage der Mund verboten, also es wurde ihnen gesagt, dass sie sowas nicht mehr sagen sollen, was ihre Verdächtigungen angeht. Sie wurden als Täter*innen behandelt usw. Und ja, das hat eben zu so einer zusätzlichen Traumatisierung geführt. Und das wird auf der Keupstraße auch teilweise als Anschlag nach dem Anschlag bezeichnet, also diese ganzen rassistisch geprägten Ermittlungen. Und dann ist da ja eine ganze Weile vergangen bis dann der NSU sich selbst enttarnt hat. Und diese ganze Zeit der Enttarnung war dann wieder eine starke psycchische Belastung für die Betroffenen. Und nachdem dann der erste Trubel was das anging auch vorbei war und klar war, die Betroffenen können Aussagen vor Gericht als, ja, Nebenkläger*innen, war auch wieder klar auch das wird wieder eine Belastung sein. Sich den Fragen zu stellen, sich aber auch der Situation zu stellen vor Gericht dann, ja, Täter*innen und Unterstützer*innen der Täter*innen in die Augen zu schauen, oder überhaupt gegenüber zu stehen. Und das waren alles Situationen wo wir halt als Initiative “Keupstrasse ist überall” gesagt haben wir wollen irgendwie dazu beitragen es für die Menschen leichter zu machen. Von angenehmer will ich da gar nicht reden, weil das weit davon entfernt angenehm zu sein. Aber ja, soweit es halt möglich ist dazu beizu– 

    dakoraa: nicht ganz so schrecklich 

    buecherwurm: ja

    dakoraa: ein bisschen weniger schrecklich, so gut es geht 

    buecherwurm: ja

    dakoraa: Ich finde das ja ein ganz schön krassen Zusammenhang. Da passiert so Leuten da passiert so fürchterliche Gewalt tatsächlich, und hinterher, weil die deutsche Mehrheitsgesellschaft nicht wahrhaben möchte, dass es rechten Terror gibt. Oder weil die Politik es nicht wahrhaben möchte, stellt die sich einfach so auf den Standpunkt “ja nee, das muss ja irgendwie ausgedacht sein” oder “es muss ja falsch sein” und so und eigentlich sind ja diese ganzen — also, das ist ja eigentlich wieder der Selbstschutz quasi. Also ich möchte mich nicht damit auseinander setzen, dass es rechte Gewalt in Deutschland gibt, dass rechte Terrorgruppe gibt also blende ich das einfach aus. Das find ich krass. Und das ist so dieses Gefühl, das glaubt niemand, das erzeugt ja auch nochmal so ein Gefühl von Angst, weil dann eben die Leute irgendwie. Also wer sagt eigentlich, dass eins sicher ist, wenn die ganzen Leute um einen rum sagen “nee, das ist gar nicht passiert”. Also dann können die ja logischerweise gar nicht die Schritte ergreifen um zu verhindern, dass sowas nochmal passiert. 

    buecherwurm: Und das sind eben auch alles Facetten davon, was ich in meiner Bildungsarbeit versuche zu vermitteln, was da halt alles so dazu gehört. Und das klar, auf der einen Seite so diese ganz alltäglichen Sachen das eine sind. So diese Mikroaggressionen und diese gar nicht böse gemeinten Sachen und es dafür gilt eine Sensibilität zu entwickeln. Aber dass halt, ja, durchaus auch bis zu staatlichem organisiertem Handeln gehen kann. Und dass es da einen Zusammenhang dazwischen gibt. 

    dakoraa: Strukturelle Diskriminierung nennt man das. Also wenn der Staat vielleicht nicht Gesetze hat, die dafür sorgen dass also die explizit sagen es wird diskriminiert, aber wenn die Institutionen vom Staat so aufgebaut sind, dass Diskriminierung da im Großem Platz hat, einfach darüber wie die Strukturen sind. Das ist dann so ein bisschen verdeckter, aber das findet auch statt. 
    Krasses Thema, sehr sehr krasses Thema. Danke dass du das auch nochmal angesprochen hast. Ich finde es wichtig da auch manchmal darüber zu reden, dass diese Viktimisierung durch die Prozesse die unser Strafrecht hat und die die Öffentlichkeit erzeugt, dass die auch nochmal schrecklichen, schrecklichen Schaden zufügen und schrecklich weh tun. 

    Wir haben ja bereits besprochen, dass du quasi zwei unterschiedliche Alltage hast. Auf der einen Seite die, wo du nach draußen gehst und Veranstaltungen mit anderen Menschen machst. Und auf der anderen Seite die Alltage, wo du Administration machst, das auch, aber auch vor allem dich selbst in Bezug auf solche Themen weiterbildest. Jetzt würde mich ja interessieren, buecherwurm wie machst du das eigentlich dich selbst in Bezug auf solche Themen weiterzubilden? 

    buecherwurm: Bei mir besteht es aus mehreren Teilen. Wie vielleicht auch mein Nickname auch schon verrät lese ich sehr gerne und sehr viel. Und ich versuche, ja, möglichst viel was so zu verschiedensten Diskriminierungsformen publiziert wird zu lesen und mir auch ein Stück weit zu erarbeiten was da so gesagt wird. Aber ich versuche natürlich auch auf Blogs und auf Twitter viel Sachen, ja, Perspektiven mitzunehmen wo Menschen von Betroffenheiten berichten, aber auch was Analysen bezüglich verschiedenster Diskriminierungsverhältnisse angeht. Und ich versuche dann schon auch mich mit Sachen zu beschäftigen wo ich erstmal so denke “uh, das klingt irgendwie seltsam” oder wo ich sofort denke da muss ich jetzt aber widersprechen “oh nee, dass ist jetzt aber wirklich ein bisschen sehr kleinteilig”. 

    dakoraa: Wo der eigene Widerstand so angeht? 

    buecherwurm: Genau. Also meinen eigenen Widerstand auch zu erkennen und mich dann damit auseinanderzusetzen. Und vielleicht auch mit Menschen da drüber zu reden, also mit Menschen die auch Bildungsarbeit machen oder mit Menschen mit denen ich ein gutes Verhältnis habe, bzw. ich suche auch immer wieder Austausch mit Freund*innen oder Kolleg*innen, die selber von Diskriminierung betroffen sind, um Gedanken auszutauschen, um auch Perspektiven einzuholen, um, ja, zu schauen was sind denn wichtige Punkte in der Bildungsarbeit rund um diesem Thema. Und ich setze mir selber da schon auch immer die Aufgabe wenn mir Menschen sagen, dass ich sie diskriminiert habe, dass ich mich diskrimierend verhalten habe, mich da dann wirklich auch mit auseinander zu setzen und das anzunehmen. Und im Nachgang auch viel darüber nachzudenken wie hätte ich mich da anders verhalten können. Oder auch sagen die ich gesagt habe, oder Sachen die ich gemacht habe nachträglich darauf abzuklopfen: War das jetzt eigentlich so wie ich mir das auch vorstelle und wie mein Anspruch daran ist? Und wo habe ich da jetzt vielleicht doch zu, ja, paternalistisch oder zu sehr für eine Betroffengruppe der ich nicht angehöre gesprochen. Wie kann es mir noch besser gelingen meine Position da drin deutlicher zu machen, oder wo kann ich eben auch noch an andere Personen und Strukturen verweisen, die für Empowerment z.B. ein besseres, ein sinnvolleres Angebot haben. 

    dakoraa: Das hört sich ganz schön anstrengend an sich mit genau den Themen zu beschäftigen, bei denen man selbst sich möglicherweise auch diskriminierend verhalten hat. Wie geht man mit sowas emotional konstruktiv um?

    buecherwurm: Naja ich glaube viel, oder was heißt viel, aber ich glaube einige Dinge die vielleicht auch zu belastend wären, oder die zu weh tun würden sehe ich dann selber gar nicht um muss vielleicht auch drauf hingestubbst werden. Also ich bin sehr sicher, dass ich da auch mich selbst genügend austrickse, ja um eher an den Stellen zu gucken wo es nicht ganz so weh tut, aber ich versuche schon auch, wenn ich Seminare vorbereite und da so Selbstreflexionen z.B. habe, diese Sachen auch immer wieder für mich selbst zu beantworten. Und auch selbst zu schauen, wo profitiere ich denn von einem bestimmten Diskriminierungsverhältnis, wo ruhe ich mich auch auf Sachen aus. Und das was mich halt immer wieder dazu animiert weiterzumachen, auch wenn ich mich manchmal über Rückmeldungen ärgere, oder wenn ich merke “och shit, das war richtig blöd wie ich mich da ausgedrückt habe”, ist so dieses Ding von es ist einfach total wichtig, dass diese Gesellschaft sich mit Diskriminierung auseinader setzt. Und es muss soviel wie irgendmöglich dadrin passieren, und ich bin Teil dieses Machtverhältnisses, oder dieser verschiedenen diskriminierenden Machtverhältnisse und deshalb habe ich eine Verantwortung dadrin. Und wenn ich Menschen dazu kriege sich selbst auch damit auseinander zu setzen und Dinge zu refektieren und ihre Verantwortung anzuerkennen, dass sie etwas an sich selbst verändern müssen, dass sie aber auch was sagen müssen wenn ihnen das begegnet oder ihr eigenes Verhalten überdenken, oder ihre Organisation anders aufstellen müssen, dann empfinde ich das als total wertvoll. Und als was wo ich auch, ja, sage OK dann lasse ich mich mal von einer Person als verstockt und als über-PC und als social justice warrior und als was weiß ich was noch — 

    dakoraa: Das ist ja auch, also das ist ja auch wirklich verwerflich für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Also das steckt ja schon voll in dem Wort drin, dass social justice warrior, das muss ja notwendigerweise was schlechtes sein. Also ich bin jetzt natürlich ironisch. Aber das finde ich doch immer wieder beeindruckend, dass Leute denken mit social justice warrior damit kann ich sie jetzt aber kriegen. 

    buecherwurm: Ja. 

    dakoraa: Ich persönlich denke mir dann ja irgendwie auch also es ist ja schon auch so eine verflixte Situation in der man da steckt. Man versucht irgendwie, also irgendwie die Leute die sich mit sowas beschäftigen, das sind ja auch üblicherweise Leute, die irgendwie tatsächlich an ein Menschen zugewandtes Bild — also so Menschen zugewandte Werte in ihrem Inneren tragen. Also das sind meistens irgendwie linke Leute die, auf einer Ebene irgendwie — Also es gibt natürlich irgendwie auch welche die da irgendwie nur Blender sind und so, aber das sind glaube ich gar nicht so viele, sondern es gibt echt viele Leute die wollen auch einfach irgendwie das Richtige machen. Und dann sind Leute wie du die diese Arbeit die ganze Zeit irgendwie in dieser Position eigentlich diese Gesellschaft, die — also die ganze Zeit sich dem auszusetzen, auch wo sie irgendwie einfach die Gesellschaft mitgenommen haben und so. In unserer modernen Welt ist es an ganz vielen Stellen so, dass diese Realtität da draussen existiert, die unfassbares Leid anrichtet, egal was man tut. Und dass man erstmal daran nicht so viel ändern kann. Und das ist ja irgendwie, also das überhaupt zu spüren und irgendwie das auch so aktiv in seine tägliche Wahrnehmung reinzuholen. Weil das ist ja auch was du da machst. Also du gehst hin und schaust dir das an und erinnerst dich aktiv daran, dass ist ja, also das ist ja auch schonmal krass. 

    buecherwurm: Ja das klingt jetzt so ein bisschen selbstaufopferungsvoller als ich das selber formulieren würde. Natürlich kommt’s da auch immer wieder zu Situationen die weh tun, aber ich denke mir dann, dass anderen Menschen viel mehr wehgetan wird. Und ich, ja, da einfach was entgegen setzen möchte. Gar nicht so sehr um irgendwie Menschen zu retten oder so, sondern weil ich einfach denke, dass diese verdammte Gesellschaft Dinge verändern muss. Und da schon manchmal auch so eine Wut daraus spricht, die ich im direkten Seminarkontext natürlich nicht zu zeigen versuche, sondern da eher auch für Verständnis und eingehen auf Menschen stehen möchte, aber das ist auf jeden Fall was, was so ein Motivator für mich ist. 

    dakoraa: Gerade hatten wir das Thema wie wir selbst damit emotional damit umgehen können dass wir selbst auch diskriminieren. Jetzt würde mich interessieren, was können wir eigentlich tun um diejenigen zu unterstützen, die stärker von Diskriminierung betroffen sind, als wir selbst? 

    buecherwurm: Ich finds super wichtig in Situationen wo Betroffene oder potentiell Betroffene da sind und ne Diskriminierung geschieht, die Personen auch zu fragen was sie gerade brauchen, also ob sie gerade Unterstützung haben möchten und nicht einfach nur für sie zu handeln sondern halt ihnen, soweit es irgendwie möglich ist, ja , das Gefühl geben selbst entscheiden zu können was gerade passiert und sie nicht zusätzlich noch zu bevormunden, aber zum Beispiel auch zu signalisieren, dass ich da bin. Oder das ich auch für ein Gespräch zur Verfügung stehe .. danach. Dass es aber auch total wichtig ist, dass es berechtigt ist ne Erfahrung irgendwo auch nochmal zu teilen, also wenn in, zum Beispiel, nem öffentlichenVerkehrsimittel ne Diskriminierung geschehen ist und ne Person, die dort Beschäftigt war das mitgekriegt hat aber nichts gemacht hat, dass es dann durchaus legitim ist sich an das Unternehmen zu wenden und zu sagen Das und Das ist passiert und das ist nicht in Ordnung, weil eben doch ganz schnell das eigene Kleinreden da ist, “Das war alles nicht so schlimm”, oder “Es ist alles…Ich will da jetzt garnicht so eine große Sache daraus machen”, also da möchte ich zum Einen dazu ermutigen, dass das durchaus legitim ist, das viellicht auch zu unterstützen, aber vorallem halt auch da wieder die andere Seite zu sensibilisieren. Also, nur weil ich als weiße Person der Meinung bin, ich sehe keinen Rassismus heisst es nicht, dass es ihn nicht gibt, weil ich ihn einfach aufgrund meines äußeren Erscheinungsbilds garnicht zwangsläufig, also garnicht erfahre und damit garnicht zwangsläufig mitkriege. Und erst wenn ich mir gewahr werde, dass andere Menschen ihn aber … sowohl erleben kriege ich eine Perspektive dazu was eigentlich in unserer Gesellschaft so im Alltag passiert.

    dakoraa: Und wenn ich irgendwie das Leid was da an Menschen verübt wird nicht sehe, dann kann ich da ja auch nichts dagegen tun. Und dann entsteht ja vielleicht auch wieder son Gefühl “Ey mir passiert ja ne Scheisse und das sieht nicht mal jemand, also gibts da auch überhaupt keine Chance dass es besser wird”.Und dann irgendwie hinzugehen und zu sagen “Ey, ich biete dir Unterstützung an, wenn du sie haben möchtest von so ner take-it-or-leave it stance” das sagt ja dann zumindest schon mal, “Du bist hier nicht komplett alleine”. So. Deswegen ist dieses mit “Ich sehe Marginalisierung nicht” ist ja eigentlich garnicht nicht so ne …. gute Position auf die man sich stellen kann, weil sie eben auch völlig … weil sie es völlig unmöglich macht was dagegen zu tun. Es gibt da einen spannenden Ansatz, den ich gerne mit euch teilen würde. Und zwar die Ring Theory von Susan Silk. Es gibt ja diese emotionale Belastung die da passiert und wenn jetzt, keine Ahnung, Familienmitglieder von mir Krebs haben oder so, dann geh’ ich vielleicht nicht zu dem Familienmitglied hin, das gerade Kreb shat und sag’ “Hier das belastet mich jetzt aber, dass du Krebs hast”. Weil das wäre ja irgendwie uncool. Also vermutlich belastet es die ja noch mehr. Und wenn … das jetzt mein Onkel ist, dann geh’ ich vielleicht auch nicht zur Tante hin und sag’,  “Ey mich belastet das so sehr, dass der Onkel Krebs hat”, weil sie es vermutlich mehr belastet als mich. Aber ich kann ja durchaus hingehen zu einer Person die tendenziell weniger betroffen ist.
    Zu einem Freund hingehen und sagen “Ey, das belastet mich, dass ein Familienmitglied von mir Krebs hat”. Und dann ist das ja auch voll legitim mir den emotionalen Support zu holen. Ich sollte mir halt den emotionalen Support von Leuten holen die nicht notwendigerweise noch stärker betroffen sind. Also keine Ahnung, wenn es jetzt um Sexismus geht, dann sollte ein Typ vielleicht nicht zu einer Frau hingehen und sagen “mich belastet Sexismus so sehr”, sondern eben immer versuchen Leute zu finden die auch die Kapazität haben diesen emotionalen Support zu geben. Und das ist ganz oft das Gefühl was ich bei diesen Debatten habe, also es geht dann ganz oft darum irgendwie mit wem man da redet sollte und ganz oft ist es einfach so von wem kann ich mir eigentlich den emotionalen Support holen der weniger betroffen ist als ich, die auch irgendwie tatsächlich die Kapazität dazu haben, anstatt Betroffene noch mehr Arbeit aufzubürden. Also mit Behinderungen oder mit Krankheiten ist es ganz oft so, dass dann irgendwie so den kranken oder behinderten Menschen irgndwie dann auch noch von aussen “es belastet mich so, dass du krank bist!” ich… boah mich auch, aber ey, wieso redest du halt mit mir und so. Ich persönlich versuche dann wenn es bei mir mit anderen Leuten, also wenn ich mit anderen Leuten umgehe dann irgendwie mir auch zu überlegen, wie kann ich jetzt hier eigentlich irgendwie eine Gemeinsamkeit herstellen und so, zu sagen ich sehe was dich belastet, ich merke das, ohne denen jetzt auch noch meine Emotionen aufzubürden, sondern da tatsächlich so das Gefühl entstehen zu lassen wir sind da gemeinsam, also wir können versuchen es gemeinsam zu machen, ohne es den Leuten aufzuzwingen. Weil irgendwie ist es halt immernoch ihre Wahl. Ich kann halt Leuten anbieten, hier du kannst von mir emotionalen Support haben wenn du den möchtest, aber ob die den dann annehmen, ist ihr gutes Recht das zu tun oder nicht zu tun. 

    buecherwurm: Ja und das würde ich für meine Arbeit da auch sagen, wieso sollte ich von einer speziellen Diskriminierungsform nicht betroffene Person nicht dazu arbeiten und bei andere in ihrem Reflektionsprozess als selber Nichtbetroffene nicht begleiten können. Also es müssen ja auch nicht selbst Betroffene sich das auch noch aufbürden. Klar, es ist eine Frage von Menschen das wollen und wo es auch um materielle Resourcen geht gar keine Frage, aber gleichzeitig finde ich es auch eine Verantwortung aus einer nicht betroffenen oder nicht spezifisch betroffenen Position heraus da zur Verfügung zu stehen um halt Ideen zu entwickeln, um vielleicht auch mal nicht ganz so einfache Diskussionen zu führen, wieso eine bestimmte Aussage eben verletzend sein kann, und eine Diskriminierung ist. Das kann ich ja manchmal auch leichter aus einer nicht direkt betroffenen Perspektive oder anders, vielleicht nicht leichter, aber anders. Und das wiegt es aber natürlich nicht auf, dass Betroffene zu ihrer spezifischen Betroffenheit und zu der Diskriminierungsform eben auch gehört werden müssen. Und es eben auch wichtig ist Menschen dazu zu bringen, dass sie da zuhören und dass sie das ernst nehmen was gesagt wird. 

    dakoraa: Dieser emotionale Prozess auch bei Leuten die irgendwie krass sexistisch sind, der muss ja irgendwie passieren. Also da muss ja irgendwie ein emotionaler Prozess passieren, und ich persönlich stelle mich auch auf die Position dass ich sage ich finde es gut, wenn da irgendwie diese Leute bei diesem Prozess emotionalen Support bekommen weil es dann effektiver ist. Rein aus so einer Utilitarismus-Perspektive: Ey, wir befinden uns nicht in einer Gesellschaft in der wir Sexismus einfach so abschaffen können, sondern das existiert jetzt halt erstmal und ich finde alles gut, was dafür sorgt, dass es weniger wird und so. Und wenn dann nicht ich, also wenn dann nicht Frauen diese Arbeit machen müssen diesen emotionalen Support zu leisten, dann ist das genau das richtige. Was man dann eben da nicht möchte ist dieses quasi für Frauen dann einfach zu sagen: Nee, ich kann das jetzt vollständig machen, boah ey, also ich bin so ein cooler Dude, so dass ich quasi eigentlich schon genau weiß was Frauen eigentlich wollen und was für Frauen genau richtig ist und erhebe mich dann wieder so, also ich spreche dann für die nicht nur im Sinne von Advocacy, also dass ich als Advokat für sie auftrete, sondern dass ich als komplett für sie spreche und ihnen auch sage was sie eigentlich wollen. Und das ist immer so ein krasses Spannungsfeld was irgendwie glaube ich auch so den Kern von dieser Art von wie man sich eigentlich mit Marginalisierung auseinander setzt. 

    buecherwurm: Also es ist ja auch um das  nochmal auf den Seminarkontext zu übertragen, natürlich kann ich mit  einer Gruppe mögliche oder mehrere Handlungsoptionen erarbeiten in einer  konkreten Situation. Aber was dann in der Situation dann das “richtige”  Handeln ist, das kann dann halt erst in der Situation entschieden  werden. Und wenn da halt eine betroffene Person da ist, dann liegt das auch in ihrere Hand zu sagen, was ist denn jetzt die für mich beste Handlung von Verbündeten. Aber ich kann halt trotzdem vorbereitend mit Menschen überlegen welche Handlungsoptionen gibt’s denn, und ich muss nicht darauf warten dass eine direkt betroffene Person mir sagt “jetzte mache bitte das und das” oder “jetzt wäre mal Zeit zu handeln”, sondern ich muss halt auch da wieder die Veranwortung übernehmen, dass ich mich verpflichtet fühle oder dass ich mich verantwortlich fühle zu handeln. Und das ist was, was für mich so der zentrale Bestandteile in all diesen Seminaren ist. Und ich hatte einmal so eine Situation mit einer Person, die sich vorher noch gar nicht so viel mit Rassismus und Diskriminierung beschäftigt hat und dann haben wir uns die verschiedenen Ebenen von Diskriminierung angeschaut, also sowohl die individuelle, also was ist bei mir und in der Interaktion mit einer konkreten anderen Person, was ist auf einer strukturellen also gesellschaftlichen Ebene, und was ist auf so einer ideologisch diskursiven Ebene, also Sprache, Medien, Bilder und so in Bezug auf Diskriminierung. Und die meinte irgendwann “Boah, ich habe gerade gecheckt, das ist ja einfach überall! Und das ist allumfassend! Und das ist gerade für mich eine total wichtige Erkenntnis!” Und ich fand das so eine gute Situation und auch so eine mutige Aussage, weil für mich da auch rauskam sie reproduziert jetzt nicht nur gerade, dass es gerade angesagt ist zu sagen das ist allumfassend, sondern für sie war das gerade eine Erkenntnis wie das auch alles zusammenspielt. Und dass es eben halt nicht reicht zu sagen “Ok, dann benutze ich jetzt halt dieses Wort nicht mehr”, oder “dann trage ich das Kostüm nicht mehr”, oder “wenn in der Bahn jemand angemacht wird sage ich was dazu”. Sondern dass es halt viel viel umfassender ist. Und ja, das ist so ein Prozess und so eine Erfahrung die mich immernoch total berührt wenn ich daran denke. 

    dakoraa: Ja, und dann gibt es dann natürlich auch diesen Punkt wo man dann versteht, es gibt keinen Weg wie alles wieder gut wird, weil diese Welt halt einfach nicht gut ist. Sondern man muss dann halt sich überlegen, wie gehe ich mit einer Welt um, in der auch Leid passiert. Also wie kann auch ich selber in einer Welt leben in der ganz viel Leid eistiert ohne es irgendwie zu versuchen zu verstecken oder zu verneinen, aber auch ohne irgendwie selber daran zugrunde zu gehen emotional, weil das bringt ja auch niemandem was. Also mir persönlich als Frau oder Autistin bringt es halt nichts wenn Männer oder neurotypische Menschen sich dafür schlecht fühlen dass es Ableismus gibt oder Sexismus. Sondern ich möchte halt, dass sie was tun. 

    Wir haben eine Publikumsfrage. Grüß dich Sylvia, was ist deine Frage? 

    Sylvia: Also was mich brennend interessiert, auch auf die aktuelle Situation gemünzt, mit Covid mit dem Einfluss auf uns, teilweise rechten Gruppierungen, was ja signifikant ist. Hast du damit irgendwas zu tun? Oder inwiefern kommt dir sowas mal unter und ist das für dich überhaupt ein Thema? Weil ich finde es ist einfach ein Thema, ne?

    buecherwurm: Ja. Ich verfolge das mehr oder weniger aus der Ferne. Vor Corona habe ich mir solche Veranstaltungen auch selber angeschaut aber gerade aufgrund, ja, der Kontaktreduzierung mache ich das nicht. Und ich versuche aber einen Überblick zu behalten was da gerade passiert, lese allerdings nur sporadicsh Telegram-Sachen und stattdessen mehr über das was da berichtet wird. Und mache jetzt so im letzten Jahr auch immer wieder Vorträge wo es um Hintergründe von Verschwörungsideologien und Verschwörungsdenken geht, und auch Argumentationstrainings und Handlungstrainings wo es darum geht wie kann ich mich denn verhalten, wie kann ich mich positionieren. Welche Möglichkeiten der Intervention habe ich, wenn in meinem Umfeld eine verschwörungsideologische Aussage getätigt wird, oder diskriminierende Aussagen im Kontext Corona geäußert werden. Es gibt da natürlich keine Wundermittel und keine Allheilmittel. Aber ich habe schon das Gefühl, dass es Menschen hilft einfach Dinge ausprobieren zu können und sich mit andern auszutauschen: “was hast du denn in einer vergleichbaren Situation gemacht?” Da gibt es einfach auch einen großen Bedarf auch für sich selber rauszufinden wo liegen denn meine Grenzen? Bis wohin bin ich denn noch bereit mich in eine Kommunikation mit einer Person zu begeben, ab wo macht’s aber auch keinen Sinn mehr. Also wie tief muss eine Person drin sein wo ich dann sage “Ok, nee, das ist jetzt Zeitverschwendung da noch irgendwas zu versuchen” bzw. ich versuche in den Seminaren dann auch immer darauf hinzuweisen es geht gar nicht zwangsläufig nur um die Person die eine bestimmte Aussage tätigt, sondern es geht immer auch um die Personen die das mitkriegen, die eben auch Zielgruppe meines Handelns sind. Und ich kann dann eben auch die überzeugen, oder ich kann dazu beitragen, dass Menschen nicht zusätzlich verletzt werden, oder ich kann durch meine Positionen und durch meine Haltung eben auch dazu beitragen, dass Sachen zumindest nicht unhinterfragt und unwidersprochen stehen bleiben. 

    dakoraa: Also so dieses Themenfeld wie gehe ich eigentlich damit um, wenn irgendwie Leute in meinem Umfeld auch abgedriftet sind in irgendwelche Verschwörungsideologien oder eben irgendwelche marginalisierenden Ideologien. Wie gehe ich eigentlich damit um? 

    Sylvia:  Ja also das finde ich teilweise auch wirklich schwierig, ich sehe das  zweigleisig erst schonmal offensichtlichen Unsinn vielleicht, aber es gibt ja auch wirklich Aussagen, da muss man erstmal erkennen, dass das Quatsch ist vielleicht. Einfach auch schonmal die Unterscheidung was ist denn jetzt eine Verschwörungstheorie, und wie könnte man dann Menschen aus dem eigenen Umfeld eben dann auch ebenso dazu bringen zu hinterfragen.

    buecherwurm: Ja, also die Fragen die du aufgeworfen hast sind auf jeden Fall Fragen die ganze Workshoptage füllen, daher kann da ich da jetzt nicht so wirklich was auch nur annähernd Befriedigendes zu den Fragen sagen. Aber dieses Dechiffrieren von Aussagen ist total wichtig, aber auch überhaupt zu widersprechen finde ich schon viel viel wichtiger, als dass es eine total ausgeklügelte Gegenargumentation sein muss. Und gar nicht den Anspruch zu haben, dass es die Person sofort überzeugt was ich sage, das werden wir in den allerwenigsten Fällen erreichen. Aber eben die Hoffnung zu haben, was, ja, was auszusähen was vielleicht weiterwirkt und was vor allem vielleicht bei Umstehenden auch was bewirken kann. 

    dakoraa: Wir hatten gerade das Thema wie geht man eigentlich eben mit Leuten um die mit so ein bisschen komischen Verschwörungsideologien daher kommen und wie kommuniziert man mit denen. Ich glaube wir konnten da so ein bisschen abschließen, dass es da keine so wirklich befriedigende Antwort gibt. Sondern dass das Feld eben sehr schwierig ist. Was ich persönlich da so ein bisschen mitgenommen haben ist, dass es schonmal hilft irgenwie dieses soziale Feedback zu geben: “Ey, das finde ich jetzt nicht gut was du sagst!” Also gar nicht auf diese Argumentative Ebene zu gehen sondern zu sagen “Ey, das stört mich”. Weil oft ist es ja dann auch das persönliche Verhältnis, was viel mehr bewegt.

    Haecksenwerk getan, wir sind am Ende! Das war mein Teil 2 meines Gesprächs mit buecherwurm über politische Bildung. Ich hoffe es hat euch gefallen und ihr konntet etwas mitnehmen. ChaosMachtSchule@home “wie werde ich” ist eine Veranstaltung von Chaos macht Schule Hannover, das findet jeden letzten Mittwoch im Monat um 19 Uhr in unserem BigBlueButton statt. Die Termine werden vorher unter hannover.ccc.de angekündigt, da könnt ihr sehen welche Themen als nächstes dran sind. Und wenn ihr jetzt die erste Folge hören wollt, oder den Podcast abbonnieren wollt, oder das Transkript oder die ShowNotes einsehen wollt, dann geht doch zu podcast.haecksen.org, da findet ihr das alles. Ich bin dakoraa, und vielleicht sehen wir uns mal wieder beim Haecksenwerk, aber bis dahin gibt es auf jeden Fall viele andere spannende Folgen von anderen Menschen aus dem Haecksenwerk-Podcast-Kollektiv. 

    41 min
  • hckn007: Wie werde ich Politische Bildner*in?

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk!

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Dakoraa spricht mit Buecherwurm. Sie ist politische Bildner*in mit Schwerpunkt auf diskriminierungskritischer Bildung. Sie spricht darüber, was eine politische Bildner*in so tut und wie eins den Beruf erlernt. Ausserdem auch darüber, was für eine Bedeutung der Job in Buecherwurms Leben einnimmt. Dies ist eine Aufzeichnung der Veranstaltung Chaos macht Schule@Home “Wie werd ich… ?”. Aufgrund der Länge des Gesprächs erscheint es in zwei aufeinanderfolgen Episoden.

    Korrektur: Gegen Ende wird bei den Empfehlungen Daniel Donkovsky gesagt, gemeint ist aber Daniel Donskoy.

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      • Kidz-Podcast: https://www.kidz-podcast.de
    Stichworte

    Politische*r Bildner*in, diskriminierungskritische Bildung, Antidiskriminierungsarbeit, Arbeitsalltag

    Credits
    • Redaktion: dakoraa
    • Sprechende: dakoraa, buecherwurm
    • Weitere Stimmen: Sylvia
    • Produktion: dakoora
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    dakoraa: Leute Hallo! Schön, dass ihr da seid bei einem haecksenwerk-Podcast. Ich bin dakoraa und das Thema lautet heute “Wie werd ich politische Bildner*in?” mit Schwerpunkt diskriminierungskritischer Bildung. Das ist der Mitschnitt vom Chaos macht Schule@Home “Wie werd ich…”-Event am #rC3, da haben wir uns nämlich buecherwurm eingeladen, um über den Beruf zu reden. Das Event war ganz schön lange und buecherwurm hat viele spannende Sachen gesagt, deswegen haben wir die Episode zweigeteilt. Heute gibt es erstmal so die Metathemen, also: Was macht ne politische Bildner*in eigentlich so genau? Und wie wird eins das? Und irgendwann demnächst werden wir dann noch tief ins Thema einsteigen und tatsächlich darüber reden, wie eins sich eigentlich auf die konstruktive Weise mit der Diskriminierung, die die Gesellschaft ausübt; und der Diskriminierung, die eins selbst ausübt, auseinander setzen kann. Um diese thematische Zweiteilung tatsächlich hinzubekommen ist die Aufnahme leider so ein bisschen zerstückelt. Ich hab mich da jetzt sehr bemüht, nochmal die Segmente aneinander zu setzen, und quasi diese thematische Trennung wirklich sauber zu machen, aber eventuell wird man in der Aufnahme da noch so ein paar Artefakte von hören. Dafür ist es inhaltlich um so spannender. Zeitreisen funktionieren ja eigentlich nicht, trotzdem möcht ich’s mal versuchen und sag direkt in die Vergangenheit: buecherwurm Hallo, schön, dass du da bist.

    buecherwurm: Ich, ja, bin buecherwurm, lebe in Köln und mach da seit mittlerweile schon einigen Jahren politische Bildung freiberuflich – hauptsächlich eben im Themenschwerpunkt diskriminierungskritische Bildungsarbeit und Extremrechte und wurde von Karo gefragt, ob ich etwas darüber erzählen würde, wie ich dazu gekommen bin und was ich da eigentlich so mache. Und ich bin sehr gespannt auf unser Gespräch.

    dakoraa: Ja, dann würde ich sagen steigen wir da direkt mal ein, und zwar mit der Frage: Was ist das eigentlich?

    buecherwurm: Ich glaube das Spektrum was politische Bilder*innen machen ist relativ groß. Ich selber mach’ entweder Vorträge, die von irgendwelchen Organisationen organisiert werden und die mich dann einladen für eine Abendveranstaltung oder auch mal für ein Tagesseminar, wo ich dann zu einem bestimmtem Thema einen ganzen Tag mit einer Gruppe gestalte. Oder ich mache auch mehrtägige Veranstaltungen, entweder so ein Wochenendseminar oder auch mal eine ganze Woche, wenn ich z.B. junge Menschen ausbilde damit sie selber im Rahmen des Netzwerk für Demokratie und Courage beispielsweise Projekttage an Schulen machen.

    dakoraa: Kann man das so sagen, dass du quasi Antidiskriminierungsarbeit machst?

    buecherwurm: Ja das ist auf jeden Fall auch ein Teil von Antidiskriminierungsarbeit. Wobei es mir da hauptsächlich um den Teil von Nichtbetroffenen Personen geht, also die von einer speziellen Diskriminierungsform z.B. nicht betroffen sind, sich aber gerne damit beschäftigen wollen und, ja, reflektieren wollen und Möglichkeiten, wie sie sich in diesem Machtverhältnis verhalten können finden wollen.

    dakoraa: D.h. du machst dann quasi eher so den Teil der Antidiskriminierungsarbeit der sich quasi nicht an die Gruppen der Diskriminierung erfahren wendet, sondern du wendest dich eher an die ganzen anderen Leute, und bringst denen dann quasi bei, oder versucht mit denen gemeinsam zu erarbeiten, wie es eigentlich möglich wäre so diese Diskriminierung die auf jeden Fall stattfindet zu reduzieren?

    buecherwurm: Ja. Also ich mache keine Empowerment-Arbeit, bspw. für konkret diskriminierte Gruppen. Ich habe zwar auch schon mit Mädchen und Frauen gearbeitet, wo es dann schon auch den empowernden Charakter hatte. Und wenn ich bspw. im Themenfeld Sexismus was mache kann ich ja durchaus aus einer eigenen Betroffenheit sprechen, aber ich empfehle dann schon auch weiter wenn es Gruppen gibt, die so eine Betroffenenarbeit machen falls halt doch Menschen aus einer Gruppe von Betroffenen in der Gruppe sind. Aber hauptsächlich geht es in den Seminaren darum wie kann ich aus einer, ja, auf den ersten Blick unbeteiligten Position heraus mich zu dem Thema verhalten, welche Möglichkeiten habe ich und wie kann ich vielleicht auch meine eigene Organisation aufstellen, um mit Diskriminierung insgesamt umgehen zu können und eigene Diskriminierung abzubauen. 

    dakoraa: Ich verwende da persönlich immer den Begriff Geringmarginalisierte, weil die sind ja auch gar nicht mal nicht gar nicht marginalisiert, aber zumindest oft dann doch eher diejenigen die mit ein bisschen weniger zu kämpfen haben, und da gibt’s dann ja quasi immer doch eben so Unterschiede und dann gerade als Person die eben nicht von was betroffen ist, ist es eigentlich wichtig sich zu überlegen, wie kann ich eigentlich quasi die Leute, die die Diskriminierung am eigenen Leib wirklich stark erleben, stärken.

    buecherwurm: Genau. Oder auch wenn es halt um Sexismus geht kann es ja trotzdem sein, dass eine Person bspw. von Ableismus betroffen ist, dann ist sie halt bswp. als cis-Mann nicht von Sexismus betroffen aber sie macht ja trotzdem auch Diskriminierungserfahrungen, aber halt in einer anderen Diskriminierungsform. Und diese Überschneidung muss ich natürlich immer auch mitberücksichtigen, und trotzdem muss ich’s auch auf der anderen Seite wieder von einander trennen, denn nicht jede Diskriminierungserfahrung mit einander vergleichbar ist.

    dakoraa: Das ist dieses Feld der Intersektionalität. Also eben sich auch tatsächlich genau anzuschauen von welchen mehreren Sachen oder einzelnen Sachen ist eigentlich eine Person betroffen und dann da eben die Ähnlichkeiten zu sehen aber vor allem eben auch die Unterschiede wahrzunehmen. Dass dann vielleicht so die Experience von einer Frau vs. einer behinderten Frau, die sind vielleicht irgendwie unterschiedlich. Der Seximus ist dann auch nicht der gleiche. Intersektionalität ist, glaube ich, auch ein Konzept was aus der schwarzen Antirassismus-Bewegung kommt, das möchte ich persönlich zumindest immer dazu sagen, weil das dann ja doch eben auch wichtig ist zumindest zu honorieren, dass es die Leute sind, die die Arbeit dann auch tatsächlich gemacht haben das mal zu beschreiben. 

    buecherwurm: Genau. Kimberlé Crenshaw hat diesen Namen auch geprägt, eine schwarze US-amerikanische Anwältin, die eben genau darauf gestoßen ist, dass es Diskriminierung in einem Unternehmen gab, wo aber schwarze Männer gearbeitet haben und weiße Frauen gearbeitet haben, und es dadurch eben für schwarze Frauen nicht möglich war Diskriminierung rechtlich geltend zu machen, weil eben sowohl schwarze Menschen als auch Frauen dort beschäftigt waren.

    dakoraa: Also Kimberlé Crenshaw, auf jeden Fall eine Person, die man mal im Internet recherchieren kann. Buecherwurm, wie bist du eigentlich zur politischen Bildung gekommen? 

    buecherwurm: Ich habe mich schon seit meiner späteren Jugend sag ich mal mit dem Thema Diskriminierung beschäftigt und mich auch in dem Thema engagiert. Mein erster Versuch da Bildungsarbeit zu machen war glaube ich in der Oberstufe als ich in einer Projektwoche selber ein Projekt zum Thema extreme Rechte anleiten wollte, was ich dann nicht durfte, weil’s zu politisch war. Aber ja, nachdem ich dann von der Schule weg war habe ich dann irgendwann beim Netzwerk für Demokratie und Courage so eine Teamschulung gemacht. Das ist ein Projekt was Projekttage in Schulen, die eben von jungen Menschen selber durchgeführt werden, anbietet. Und dann habe ich angefangen dort Projekttage zu teamen, habe dann eine Trainer*innen Ausbildung gemacht, so dass ich angefangen habe selber Teamende auszubilden und habe parallel dazu dann auch für anderen Organisationen, die mich gefragt haben, solche Workshops und Seminare gemacht und bin da ein Stück weit immer weiter reingeraten. Das war eigentlich nie so eine bewusste Entscheidung “ich mache das jetzt zu meinem Beruf”, sondern es hat sich einfach — es ist immer mehr geworden an Anfragen und das hat mir Spaß gemacht und ich habe das Gefühl gehabt, dass ich das was ich da mache irgendwie auch kann. Und irgendwann habe ich dann gesagt, Ok, dann akzeptiere ich das jetzt so und dann ist das jetzt erstmal mein beruflicher Alltag diese Seminare zu machen. Und dadurch, dass ich auch davon leben kann hat es dann ganz gut gepasst.

    dakoraa: Heißt du hast also nicht einen Job gesucht und wolltest irgendwie Geld verdienen, und hast dann beschlossen du machst jetzt eine Ausbildung zur politischen Bilderin, sondern du hast quasi vorher schon Aktivismus gemacht und hast dann irgendwann gemerkt das ist wichtig, das möchte ich tun und hast daraus dann einen Beruf gemacht. Keks fragt: Mich würde interessieren wie sich der Weg von der konkreten Organisation von wo du gestartet hast hin zur komplett selbständigen Arbeit gestaltet hat.

    buecherwurm: Ich versuche mal auf die Frage von Keks zu antworten und mache es mir leicht, weil irgendwann war so klar ich muss mich selbst um Krankenkasse kümmern und damit geht dann auch einher, dass ich das mit der Steuer machen muss und eigentlich war tatsächlich dadurch dann so für mich klar OK, dann ist jetzt wohl der Punkt gekommen wo ich mich dann halt dafür entscheide, dann bin ich jetzt halt freiberuflich tätig. Aber es gab meinerseits nie so eine konkrete Entscheidung OK, ich bemühe mich jetzt um mehr Aufträge, sondern das ist tatsächlich einfach so entstanden und ich habe dann halt immer weniger andere Sachen gemacht und mehr von den Bildungsangeboten.

    dakoraa: Also du hast es einfach gemacht und dann wurde es mehr und dann hast du Leute gefunden die dich auch bezahlen wollten. Und dann wurde auch das mehr und dann ist es quasi so einfach organisch gewachsen.

    buecherwurm: Genau. Also ich habe mich nie bemüht, dass ich gebucht werde, sondern es war halt eher — also ich habe einfach den großen Vorteil über das Netzwerk über Demokratie und Courage total viel machen zu können und über das DGB Bildungswerk Sachsen machen zu können usw. Und dadurch wird mir quasi viel Aquise abgenommen und es ist immer wieder so, dass Leute in meinen Seminaren sitzen und dann halt danach fragen ob ich für eine bestimmte andere Veranstaltung auch noch buchbar bin. Und weil gerade die Frage im Chat ist, wie das mit dem Hauptklientel ist. Ich mache viel für junge Menschen die nicht mehr in der Schule sind, die sich für ein Thema interessieren. Ich mache aber auch Sachen für Sozialarbeiter*innen von einem bestimmten Träger der mich bucht, oder sogenannte Bildungsurlaube für das DGB-Bildungswerk. Also wo man dann auch so Wochenseminare zu einem bestimmten Thema anbieten kann und dann melden sich da Menschen an. Ich bin aber auch in Lehrerkollegien unterwegs, oder, ja, bei offen ausgeschriebenen Seminaren. Das ist sehr, sehr unterschiedlich. Ich mach grade eher wenig mit Jugendlichen selber und halt viel mehr mit Multiplikator*innen, beziehungsweise, ja mit Menschen, die ihre eigene Schulzeit zumindest schon ein, zwei Jährchen hinter sich gelassen haben.

    dakoraa: Kannst du das mal für uns plastisch machen, buecherwurm? Wie sieht eigentlich so ein konkreter Arbeitsalltag für dich aus?

    buecherwurm: Es gibt zwei Sorten von Arbeitsalltag. Der eine Arbeitsalltag ist, dass ich morgens aufstehe und mit Twitter Kaffee trinke und mir versuche einen Überblick zu verschaffen, was so passiert ist. Dann mal gucke wo ich noch Konzepte schreiben muss, wo ich Abrechnungen machen muss – ganz furchtbar, es gibt wenig, das ich mehr hasse als Abrechnungen zu machen – Dokumentationen von vergangenen Seminaren erstellen. Oder irgendwelche Absprachen mit Ko-Referent*innen treffen oder mit Organisierenden. Oder selbst Visualisierungen vorbereiten, also Sachen, die ich dann Seminaren zeige, zur Verdeutlichung von dem was ich beispielsweise auch erzähle. Oder Materialien zusammen stellen mit denen ich arbeiten möchte. Das ist so der eine Arbeitsalltag, würde ich mal sagen.

    Der andere Arbeitsalltag ist, wenn ich auf so nem Wochenseminar beispielsweise bin, dann bin ich in einer Bildungsstätte, wo es morgens zwischen 8 und 9 Frühstück gibt. Und so ein klassischer Seminartag geht mit einem Energizer oder einem Warm-Up los. Also einer kleinen gemeinsamen spielerischen Methode, wo wir den Körper und auch das Hirn ein bisschen aktivieren. Dann gibt es eine Ist-was-Runde: Ist irgendwas zu klären, bevor das Seminar so richtig losgehen kann? Ja, und dann beginng das Seminar, beziehungsweise schließt das Seminar an den Tag vorher an. Klassische Seminarzeiten sind dann von 9 bis 18:30 mit ner Mittagspause von, zwischen einer und drei Stunden. Und, ja, so ein Seminar ist dann so eine Mischung aus Input, also dass ich was an einem Flipchart oder an einer Pinnwand referiere, oder wer anders was referiert. Oder dass Teilnehmende Gruppenarbeiten machen. Oder auch, dass es Methoden zur Selbstreflexion gibt, wo ich dann in erster Linie da bin und ansprechbar bin oder auch mal in die Gruppen reingehe und gucke, obs irgendwas gibt, wo ich die Gruppen unterstützen kann. Die Arbeitsergebnisse werden dann irgendwann wieder zusammengeführt. Ja und so verläuft dann der Tag und mittags wollen alle spazieren gehen. Und ich will nicht rausgehen, weil Natur und ich, das funktioniert nicht so gut. Und dann muss ich mit meiner Ko-Teamer*in aushandeln, wie wir das jetzt machen mit unserer gemeinsamen Vor- und Nachbereitung, was sich aber immer irgendwie lösen lässt. Und wenn das dann so ein längerfristiges Seminar ist, dann ist meistens auch abends noch irgendwas – entweder organisiert. Wir hatten letztens einen total schönen Vorleseabend. Also da haben wir aus so einem Kinderbuch vorgelesen gegenseitig. Oder wir gucken einen Film zusammen. Oder sitzen einfach nur gemeinsam irgendwo rum und quatschen. Oder es gibt noch einen Austausch zu einem bestimmten Thema. Das ist also so ganz unterschiedlich.

    dakoraa: Wenn jetzt hier gerade Leute zuhören, die sich denken: Ey, politische Bildung, das ist, hört sich cool an, das würde ich jetzt auch gerne machen. Was würdest du den Leuten raten, gibt es da irgendeine Ausbildung, die eins machen kann oder wie läuft das?

    buecherwurm: Ich weiß gar nicht, ob ich so richtig Ratschläge geben kann, wie man selber politische Bildner*in wird. Ich würde sagen, Seminare besuchen ist ganz, ganz wichtig. Die ein oder andere Ausbildung machen um da auch Netzwerke nutzen zu können und um überhaupt rauszufinden zu können, was möchte ich denn eigentlich machen und was kann ich denn machen. Und, ja dann auch – ja klar, es ist eine Möglichkeit, über eine eigene Homepage sich, sich selbst anzubieten. Es kann aber halt auch sinnvoll sein, sich über zum Beispiel mobile Beratung zu vernetzen oder sich über Gewerkschaften in dem Themengebiet sich zu vernetzen. Ich glaube, es ist sehr, sehr schwierig, komplett von außen da irgendwie reinzukommen, aber, ja, teilweise gibt es auch Stellen als Bildungsreferent*innen aber wenn ihr selber ‘n Thema habt, wo ihr euch gut auskennt und wo ihr gerne zu arbeitet, dass dann irgendwelchen Organisationen anzubieten. Auch VHS kann so eine Gelegenheit sein, also Volkshochschulen, um so einen Einstieg zu finden.

    dakoraa: Was für eine Ausbildung oder für ein Studium würde da naheliegen?

    buecherwurm: Ich selber habe Soziologie studiert, aber ja, das lässt sich mit verschiedensten Abschlüssen beziehungsweise auch ohne Abschluss teilweise machen. Ich glaube, die Praxis ist viel, viel wichtiger als das Studium, weil ja die Expertise in dem Bereich auf jeden Fall in der Praxis liegt. Und da gibt es ja beispielsweise auch so Fortbildungen wie “Social Justice” oder “Anti Bias” was so Bildungsansätze sind, die sich mit dem Thema Diskrimierung befassen. Und über so eine Fortbildung dann in so ein Netzwerk zu kommen kann halt eine Möglichkeit sein, oder BETZAVTA was auch eine Form von Demokratiepädagogik ist, wo es so Ausbildungen gibt.

    dakoraa: Wem würdest du empfehlen, das eher nicht zu machen? Also unter welchen Umständen sollte ich mir vielleicht noch mal überlegen, ob das, ob das wirklich so das Richtige für mich ist?

    buecherwurm: Wenn ich einein sehr verbindlichen Alltag brauche, ist es schwierig. Das ist so die eine Ebene. Wenn ich gerne anderen Menschen nur die Welt erkläre, würde ich Menschen auch bitten, die Finger davon zu lassen, weil Bildungsarbeit eben nicht ist, Anderen die Welt zu erklären sondern andere Menschen auch, ja, auf einen Reflexionsprozess zu begleiten und gar nicht selber alles zu wissen, sondern oft auch einfach Fragen zu stellen und Impulse zu setzen und Menschen selber drauf kommen zu lassen, und ihnen zu zeigen, wie sie an einer bestimmten Stelle gerade wichtige Infos sich erschließen können.

    dakoraa: Demut sollte eins besitzen?

    buecherwurm: Ja, auf jeden Fall. So ein gewisses Wissen über ein Themengebiet ist natürlich wichtig, weil ich ja schon auch ne Grundlage brauche, auf der ich so ein Seminar konzipiere und ne Intensität von Beschäftigung ist auch notwendig weil sonst fühlen die Personen sich auch so ein bischen verarscht, wenn sich rausstellt, dass die Person eigentlich selber nur so ein oberflächliches, so eine oberflächliche Beschäftigung mit einem bestimmten Thema hat. Und es fällt euch dann auf die Füße, und das ist auf jeden Fall dann, ja, möglicherweise ein schlechtes Feedback, aber…

    dakoora: …also, inhaltlich viel Wissen aber trotzdem noch im Auge behalten, wo sind eigentlich die Grenzen von meinem eigenen Erfahrungshorizont und von meinem eigenen Wissen?

    buecherwurm: Also ich brauche ein inhaltliches Wissen, ich brauche eine bestimmte Methodenkompetenz, also ich muss Methoden kennen, mit denen ich arbeiten kann, und ich brauch, ja, so ein Gespür für ne Gruppe, für eine Gruppendynamik und Empathie um mich eben auch auf Menschen einzustellen und zu merken, was vielleicht gerade wichtig ist und was vielleicht eine Gruppe gerade braucht. Und das kann ich natürlich nicht immer jedem einzelnen Individuum Recht machen und gerecht werden, aber ich muss mich soweit in eine Gruppe einfühlen, dass ich nicht komplett gegen die Gruppe arbeite.

    dakoraa: Man muss ja dann irgendwie auch am Schluss, also, man, man hört dann irgendwie Kritik, nimmt man am ehesten von den Leuten an, denen man vertraut, wo man auch das Gefühl hat, wir sind hier zusammen in dieser Sache und wo man dann, wo man irgendwie auch eine Gemeinsamkeit herstellt.

    buecherwurm: Gibt es denn sonst noch Fragen?

    Sylvia: Eigentlich nicht, grad nur die letzten, der letzte Absatz würde mir total schwer fallen, wenn ich jetzt wirklich einer, in einer Gruppe Rechtsradikaler sitzen würde, dann würds mir echt schwer fallen. Also ich schätze mal, dass würd wahrscheinlich nicht so häufig vorkommen, aber dann würd es mir sehr schwer fallen ne Gemeinsamkeit zu finden und da dann irgendwie ne Umkehr zu schaffen oder hmm, das finde ich schwierig.

    dakoraa: Danke dir für den Beitrag Sylvia. Das war Sylvia, die ist mit in dem Big Blue Button Raum, in dem wir gerade aufnehmen, und hat sich zu Wort gemeldet. Ich würde sagen, der Kommentar leitet sehr schön direkt in die nächste Frage über, nämlich: Was müssen eigentlich solche Gruppen mitbringen, damit politische Bildung und solche Events da überhaupt funktionieren können?

    buecherwurm: Das kommt sehr auf den Kontext an. Es gibt viele Seminare da ist es schon Voraussetzung, dass es so ein Eigeninteresse der Teilnehmenden gibt. Aber es gibt schon auch Seminare wo dann beispielsweise ganze Kollegien reingesetzt werden und die einzelnen nicht so viele Möglichkeiten haben, nicht teilzunehmen oder was anderes zu machen. Und dann kann es schon auch schwierig werden, weil die Personen sich nicht von sich aus mit dem Thema auseinandersetzen. Aber jetzt zum Beispiel eine Gruppe von rechten Jugendlichen würde ich gar nicht als Auftrag annehmen, weil das in meinen Augen nicht funktioniert da ein Seminar zu dem Thema Diskriminierung zu machen. Es kann immer sein, dass einzelne Leute in einer Gruppe sitzen, die doch ein relativ diskriminierendes Welt- und Menschenbild haben, und wo ich dann schon auch mal mit, … also in eine Diskussion gerate oder auch in eine Diskussion gehen muss und mich dann auch mal positionieren muss, aber wenn ich merken würde ich sitze gerade in einem Raum, wo eigentlich nur der rechte verstockte Anteil eines Kollegiums ist, würde ich auch die Frage stellen: Bringt es gerade was, dieses Seminar zu machen? Oder breche ich das nicht besser ab?

    dakoraa: Also so gesehen ist quasi Freiwilligkeit schon auch eine Voraussetzung, um diese… diese Workshops machen zu können?

    buecherwurm: Für die meisten Sachen ja. Also wenn Einzelne nicht freiwillig da drin sind, dann können die mitschwimmen… 

    dakoraa: Die gehen dann quasi in der Gruppe unter und es geht dann eigentlich… der Rest der Gruppe schafft es dann irgendwie, dieses Gruppengefüge zusammen zu halten?
    Wenn ich jetzt… Angenommen ich habe jetzt so diese zwei Kollegen in meiner Stufe oder in meinem Kollegium und der Rest der Kollegen ist eigentlich voll ok: Gibt es da Tipps, was ich mit diesen zwei Leuten machen kann? Also als Gruppe; wie kann ich damit als Gruppe umgehen?

    buecherwurm: Na eine Möglichkeit ist halt, ihnen dann widersprechen, wenn sie halt irgendwas sagen. Ne Möglichkeit ist, ihnen ganz subtil unsubtil das Buch von beispielsweise Alice Hasters zu schenken. Ne Möglichkeit ist, das Gespräch mit ihnen zu suchen und die eigene Perspektive auf ihr Verhalten zu schildern. Ne Möglichkeit ist, sowas auch als Gruppe zusammen zu machen. Ne Möglichkeit kann sein, sich als Gruppe zu entscheiden, wir wollen jetzt die und die Fortbildung und wir wollen das ihr mitkommt und euch das mal anhört. Vielleicht ist auch so eine Empfehlung statt nem Buch ein Podcast, das ist mir nämlich eben eingefallen, dass ich als eine ganz wichtige Quelle für meine Informationen – und auch was so Perspektiven von Menschen angeht – Podcasts gar nicht erwähnt hab, wo es sehr viele gute Podcasts in den verschiedensten Feldern rund um Diskriminierung gibt. Ja und zu der Frage, was ich da mit Kolleg*innen machen würde: Ja das reicht halt von so unterschwelligen Beeinflussungsversuchen bis auch hin zu konkreten Ansagen, dass das Verhalten kontraproduktiv ist, dass das Verhalten verändert werden muss. Ja. Es kommt total auf die jeweilige Situation an. Manchmal kann auch eine Hierarchiestufe höher so eine Möglichkeit der Intervention sein.

    dakoora: Ich persönlich mach mir manchmal die Arbeit, wenn ich jetzt tatsächlich gemerkt hab, hier steht so eine Person vor mir, die eigentlich irgendwie, mit der ich eigentlich nicht klar komme, ich persönlich geh dann meistens, … ich persönlich schalt dann irgendwie so diesen Teil von mir, der irgendwie jetzt hier gerne konstruktiv auf Menschen blicken soll, … ich schieb das so ein bisschen zur Seite und versuch dann manchmal einfach tatsächlich zu verstehen wie diese Leute ticken und versuch dann zu fragen – gar nicht mit dem Ziel jetzt von irgendwas zu überzeugen, weil das kann eh nicht klappen – sondern hör einfach mal zu, um auch zu verstehen dieses Weltbild, um zu verstehen, wie dieses Weltbild funktioniert und wie die so ticken. So. Manchmal passierts dann ja tatsächlich, dass man irgendwie feststellt, was eigentlich mit den Leuten abgeht, weil oft sind das ja dann irgendwie, … also so, so auch subjektive Schicksale, die dann dastehen, also es heißt jetzt nicht, dass die tatsächlich irgendwie stark getroffen sind von irgendwas, aber die fühlen sich dann irgendwie auf eine Weise schlecht behandelt oder so, und dann einfach so aus Interesse: Was geht da eigentlich? Irgendwie um das auch so ein bisschen zu verstehen.

    buecherwurm: Ich habe gerade die Frage im Chat, sehe ich gerade, nach Podcasts, die ich empfehlen würde: Auf jeden Fall Feuer und Brot, wo Alice Hasters dabei ist, aber auch Rice and Shine, wo es um viet-deutsche Perspektiven geht, Die neue Norm ist ein Podcast, wo es um Behinderungen geht, den ich sehr schätze, der Lila Podcast, wo es um Feminismus und daher notwendigerweise auch immer um Sexismus geht.

    dakoraa: Ich persönlich mag auch Halbe Kartoffl ganz gerne. Ich sehe in meinem Podcatcher gerade noch den Kidz-Podcast, der…, wo es eigentlich um Pädagogik – Traumapädagogik – geht, aber natürlich auch viele von diesen…, von den Themen, wie geht man mit traumatisierten Menschen um, angeschnitten werden und den ich persönlich sehr spannend finde. Im Chat kam gerade noch Auf eine Tüte sei auch noch ganz gut. Auf eine Tüte heißt der Podcast. Und dann hatte Sylvia glaube ich auch noch eine Empfehlung.

    Sylvia: Ja also, zwei Dinge: Erstens finde ich den Ansatz total spannend, also nicht nur das Empowerment sondern einfach auch die andere Seite, dass man Menschen beibringt, dass Verhaltensweisen für andere abwertend sein können, ne, und einem das gar nicht so bewusst ist manchmal. Und wo wir beim Bücher lesen sind, also ich persönlich hatte da wirklich nen Spiegel vor Augen in Miniatur-Alltagsdingen, wo ich mich eigentlich wirklich als absolut antirassistisch bezeichnen würde, aber als ich das Buch von “Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen” von Alice Hasters gelesen hab, also das ist so wirklich ein …, ein Aha-Erlebnis nach dem anderen.

    buecherwurm: Was kein Podcast ist, was ich aber auch sehr spannende Perspektiven fand, war von Daniel Donkovsky (nachträgliche Korrektur: gemeint ist Daniel Donskoy) Freitagnacht Jews, so ein YouTube-Format, also eigentlich ein Fernsehformat, aber bei YouTube zu finden, wo es so verschiedene jüdische Perspektiven auf bestimmte Themen gab.

    dakoraa: Das war es dann auch schon mit dem haecksenwerk – zumindest mit dieser Episode. Vielen Dank an buecherwurm für Besprechen von diesem Thema und wenn euch der Rest des Gesprächs interessiert, der kommt in den nächsten Wochen irgendwann im haecksenwerk-Feed.

    Chaos macht Schule@Home “Wie werd ich… ?” ist eine Veranstaltung von Chaos macht Schule Hannover. Die findet jeden letzten Mittwoch im Monat um 19:00 Uhr in unserem Big Blue Button statt. Die Veranstaltungen werden vorher auf hannover.ccc.de angekündigt, da könnt ihr euch also informieren.

    Den Podcast-Feed, wo dann der Rest vom Gespräch hochgeladen wird, den findet ihr unter podcast.haecksen.org. Ich bin dakoraa und danke euch fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal beim haecksenwerk-Podcast!

    34 min
  • hckn006: How to #rC3 und #JADIP 2021

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    melzai, Piko und naerrin stellen euch kurz vor was diese #rC3, die remote Chaos 3xperience, sein soll. Und natürlich was gemeint ist, wenn wir sagen “in der world”. Dazu verlesen sie noch Tipps von anderen Haecksen, wie mensch entspannte vier Tage im Chaos verbringen kann. Und sie stellen einige Talks und Workshops aus dem “Just another Day in Paradise”-Programm der Haecksen sowie einige Talks anderer Kanäle vor.

    Korrektur: Es wird dieses Jahr (genauso wie letztes Jahr) kein Wiki geben. Die Orientierung läuft über den Hub (Adresse noch unbekannt, Ticket benötigt) und über den rC3 Rocket-Chat, siehe: https://events.ccc.de/2021/12/20/rc3-was-wie-wo/ Wir liefern die Adresse des Hubs nach, wenn sie uns bekannt ist.

    Links
    • haecksenwerk abonnieren: https://www.haecksen.org/feed/mp3/ Haecksen: https://www.haecksen.org/
    • https://twitter.com/HaecksenC und https://chaos.social/@haecksen
    • Tickets: https://tickets.events.ccc.de/RC3-21/
    • Eventphone: https://eventphone.de/blog/2021/11/16/rc3-2021-nowhere/
    • Allgemeiner Fahrplan: (leider noch kein Link vorhanden)
    • Haecksen-Fahrplan: https://pretalx.c3voc.de/rc3-2021-haecksen/schedule/
    • Platzreserverierung für Workshops bei den Haecksen (Besuch benötigt kein rC3 Ticket): https://pretix.eu/haecksen/haecksen2021/
    • Allgemeine Informationen: https://events.ccc.de/2021/12/20/rc3-was-wie-wo/
    • Rocket-Chat: https://chat.rc3.world/
    • Infodesk: Im Rocketchat https://chat.rc3.world/channel/infodesk oder per E-Mail: [email protected]
    • Haecksen-Merch bei Breenbüdel: https://www.breenbuedel.de/haecksen/
    • C3 Awareness-Team: https://twitter.com/c3awareness
    • GPN-Gulash-Rezept: https://entropia.de/GPN16:Gulasch
    • Beispiel Bottle Drop Point Homeedition: https://chaos.social/web/statuses/105458531176014277
    • Workadventure testen: https://kraut.world
    • The Hub: ?
    • How to Install OBS: https://events.haecksen.org/talk-material-r2r.html

    Erwähnte Talks und Workshops:

    • Goodie Bag Gefrickel
    • Cyberpunk 2022 – wo Brain-Computer-Interfaces auf Grundrechte treffen
    • Wikipedia – let’s get started
    • Haecksen-LateNight Dinner (Frühstück in Neuseeland)
    • Haecksen-Assembly
    • How to haecksenwerk
    • Operation Mindfuck Vol. 5
    • The Coronavirus Structural Task Force
    • Tales from the Quantum Industry
    • Menschen könnten wütend werden- das BMBF, die Not-Hilfe und das IFG
    • Nationale Bildungsplattform
    • Hacking Containers, Kubernetes and Clouds
    • Facebook Files Explained
    • Reclaim Your Face! The European Citizens Initiative for a ban on biometric mass surveillance
    • Digitalisierung. In einer Pandemie. Im Gesundheitsamt!
    • Practical bruteforce of military grade AES-1024
    • Erklärhaj machts!
    Stichworte

    Jahresendevent, #rC3, remote Chaos Experience, Just another Day in Paradise, #JADIP, Talks, Workshops, World, Workadventure, Fahrplan

    Credits
    • Redaktion: melzai, Piko, naerrin
    • Sprechende: melzai, piko, naerrin
    • Produktion: naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    melzia: Hallo und Willkommen zu einer neuen Folge von haecksenwerk, ich bin melzai und mache die Folge zusammen mit piko

    piko: Hallo!

    melzai: und naerrin

    naerrin: Hallo!

    melzai: Diese Folge geht über den #rC3, die zweite remote Chaos Experience, und was man dafür braucht, was man erleben sollte, könnte, müsste – vielleicht? Die Vorbereitungen laufen dafür schon seit ca. September oder ehrlich gesagt bei den Haecksen glaube ich schon seit Juli. Sodass wir zwischen den Jahren vom 27.-30.12. wieder was Schönes machen können. Normalerweise gäbe es da ja ein Treffen in der realen Welt mit bis zu 17.000 Besuchern – dieses Jahr wieder das zweite Mal wegen der Pandemie machen wir das im Internet. Und im Internet kann man viele tolle Dinge machen. Der besondere Schwerpunkt hier in der Folge ist das, was man dafür braucht, um da gut teilnehmen zu können, um orientiert zu bleiben, und außerdem setzen wir natürlich einen besonderen Schwerpunkt auf das Programm der Haecksen. Die Talks, Workshops und Sessions der Haecksen laufen dieses Jahr unter dem Motto “Just Another Day in Paradise”. Und dementsprechend fangen wir an mit dem Überblick. Piko, kannst du uns erklären, wie das Ganze funktioniert?

    Piko: Ja, wie du schon gesagt hast, üblicherweise ist es eigentlich vor Ort und dieser remote Congress hat ein paar Besonderheiten oder Unterschiede zu den normalen Congressen. Aber auch die Congresse sind … des Chaos Computer Clubs sind, ja, einfach besondere Veranstaltungen. Die Organisation zum Beispiel wird üblicherweise von vielen kleinen Einheiten, von Teams gemacht, die sich ziemlich selbstständig organisieren, die dann zu einer gesamten Veranstaltung zusammengefasst werden; und die alle ehrenamtlich daran arbeiten, dass die ganze Veranstaltung total toll und schön wird für alle. Das Motto dieses Jahr von der ganzen remote Chaos Experience ist “Nowhere” – das lässt sich, wenn man es nur liest, auf zwei Arten lesen: nämlich “Now here” und “Nowhere”, also da ist schon auch eine Zweideutigkeit mit der wir spielen können. Aber davon ab haben die Haecksen ihr eigenes Motto und so ein Bisschen auch ihre eigene Planung. Und das Motto der Haecksen ist: Just another Day in Paradise. Neben diesem großen Motto und der Thematik, ist eigentlich ziemlich vieles wie immer für alle Besuchenden. Es gibt einen großen Fahrplan, es gibt wieder ganz viele Vorträge, Lightning Talks, Workshops, Selforganized-Sessions, wo man sich einfach anmelden kann und – oder auch direkt vorbei kommen kann und spannende Sachen lernen kann. Es gibt wieder ganz viel Chaos in der World. Und was genau die World ist, das kriegen wir nachher raus. Weitere Links kommen auf einem Blogpost am 27.12., d.h. an Tag 1, damit ihr auch nochmal ein bisschen besser euch orientieren könnt. Und viele Sachen sind einfach jetzt noch nicht fest, oder nicht klar. Das werdet ihr auch nachher noch merken, wenn wir mal erwähnen, dass wir darüber noch nichts genaues wissen. Wie gesagt, die Haecksen haben ihr eigenes Motto, sie haben ihren eigenen Channel, sie haben ihren eigenen Merch, wir haben viele Sachen, wir werden einen eigenen Ort in der Welt haben, und dort könnt ihr vorbei kommen. Aber was genau das ist, erzählt uns jetzt naerrin.

    naerrin: Stichwort World. Was ist das? Die World so wie sie genannt wird im Kurzen, ist eine 2D-Welt in der Menschen sich begegnen können. Und zwar funktioniert das Ganze so ein bisschen wie ein Computerspiel. Man kann mit einem Avatar herumlaufen und eben andere treffen, nur dass das nicht irgendwelche Bots sind, sondern halt Menschen. Wenn man in die World eintritt, dann wird man um die Freigabe der Webcam und des Mikros gebeten, nämlich wenn man dann andere Menschen trifft in einem bestimmten Umkreis kann man plötzlich spontan ein Gespräch anfangen. Und das kann zu sehr lustigen Situationen führen, weil Mensch meist nie weiß, wer da vor einem steht und ob der nicht gerade irgendwie auf Fuerteventura am Strand sitzt. *lacht* Das ist letztes Jahr einmal passiert. Menschen kommen von überall auf der Welt in die World und laufen da rum, und man kann viele interessante Begegnungen haben. Deswegen ist es auch total wichtig wenn man solche Begegnungen haben möchte, dass man ein Headset dabei hat und seine Webcam anmacht, das hilft nämlich um solche Begegnungen überhaupt haben zu können. Und ja, dann kann man da rumlaufen und Dinge entdecken. Die Basis für die World ist das Workadventure, das, ja, jetzt zur Pandemie wurde es tatsächlich dazu entwickelt, oder wurde es deswegen weiterentwickelt, ich weiß es gerade nicht mehr. Auf jeden Fall ist das die Basis davon. 

    melzai: Thema World: Es gibt einen Talk bei den Haecksen im Haecksen-Stream über das Workadventure von dem Entwickler von Workadventure. Da kann man dann seine Fragen auch bringen. 

    piko: Was kann man denn sonst noch so in der World entdecken, naerrin?

    naerrin: Also, die World wurde von unglaublich vielen Menschen zusammengebastelt und kreiert, Räume wurden erfunden und gepixelt und gemappt, die man alle entdecken kann. Und da wurden natürlich auch total viele lustige Sachen versteckt, sowas wie Labyrinthe oder Rätsel. Ich glaube es gibt auch irgendwie eine Art Quizz-Rally in diese Richtung, davon habe ich schon gehört, verschiedene Spiele, aber eben auch Informationen. Was ja so einen Congress oft ausmacht, ist dass man zwischen den Assemblies hin und her laufen kann, und verschiedene Dinge entdecken kann. Also Gruppen, die sich einem bestimmten Thema widmen, bestimmte Informationen teilen. Und das Ganze funktioniert in der World auch, indem nämlich die Assemblies als, ja, kleine Bereiche der World da sind, so dass man da hingehen kann und sich eben angucken kann was die so für Informationen bereit stellen. Also bei den Haecksen z.B. wird es einen Raum geben wo unsere Memorials dargestellt werden, d.h. ja, Gedenkorte, Erinnerungsorte, ähm wie nennt man das, piko? 

    piko: Das war ‘ne lange Diskussion wie man das nennt! Aber einfach Informationsorte über weibliche Vorbilder in, ja, Wissenschaft, in Technologie, an die wir erinnern wollen, oder eher auf die wir aufmerksam machen wollen. 

    naerrin: Genau. Also solche Informationen jedenfalls, das ist was man bei den Haecksen entdecken kann. Und ich bin mir sicher, dass wieder sehr, sehr viele andere Assemblies auch furchtbar interessante Informationen teilen, mit denen sie sich eben beschäftigt haben und von denen sie gerne hätten, dass Menschen darüber Bescheid wissen. Ja und was zuletzt natürlich auch total Spaß macht ist einfach mit anderen Menschen die man kennt gemeinsam durch die World jagen und gucken was es einfach zu entdecken gibt, und wo irgendwelche, ja, Ostereier versteckt sind *kicher*. Was man z.B. in der Haecksen-Welt auch noch finden kann ist die Podcast-Hütte. Da könnt ihr unsere Folgen erkunden. Und vielleicht sitzt da ja auch gerade eine von uns rum, dann könnt ihr mit uns sprechen. Sowas geht da auch. In jedem Fall haben wir gesagt bekommen, dass wir nochmal darauf aufmerksam machen sollen: Habt bitte keine falsche Scheu vor anderen Menschen in der 2D-Welt. Traut euch irgendwo Hallo zu sagen, es wird belohnt durch viele schöne Congress-Erlebnisse und zusammen erlebt mensch einfach mehr. Zum Beispiel inspirierende Ideen teilen, oder Ecken zusammen entdecken. Also: Mut fassen Fragen zu stellen, Workshops mitmachen usw. das ist auch im 2D-Congress ganz wichtig. Tu’ was, statt konsumier’ was! Das war ein Zitat von einer kleinen Umfrage die wir gestartet haben. Was ist denn noch so wichtig, auf der rC3?

    melzai: Die Toiletten auszuprobieren, würd’ ich mal meinen.

    *naerrin lacht*

    melzai: Also die Wahrscheinlichkeit, dass das Objekt was ihr da seht eine Funktion hat ist relativ hoch. Solltet ihr mal ausprobieren *lacht*. Geht nicht davon aus, dass Dinge nur zur Dekoration da sind. 

    naerrin: Es gibt immer so ein paar Sachen die auch wichtig sind. Was denn noch, melzai?

    melzai: Überall wo Menschen sich begegnen sollte man immer daran denken, dass man auch nett zueinander ist. Dass man auf einander zugeht und da die Grenze von anderen Menschen respektiert. Und durchaus auch Interesse an den anderen Menschen zeigt. Jedesmal wo das nicht erfolgt, wenn ihr euch unsicher fühlt, wenn ihr euch nicht wohl fühlt, gibt’s z.B. das Awareness-Team innerhalb vom Remote-Congress, an das ihr euch wenden könnt als erste Anlaufstelle. 

    piko: Ok. Jetzt haben wir so ein bisschen einen Überblick gebracht, und ich würde euch jetzt ein bisschen was erzählen über Infrastruktur. Denn überall wo Chaos, also CCC drauf steht, ist üblicherweise ganz viel Freude an unteschiedlicher Infrastruktur drin. Üblicherweise gibt es für die CCC-Events ein Wiki. Wir haben jetzt, Stand Aufnahme, noch kein Wiki für die rC3 gefunden, haben aber Vertrauen, dass da noch eins aufploppen wird. In den Wikis findet ihr üblicherweise ganz viel Informationen um euch zu orientieren. Ganz viele Links, auch die Hinweise auf die Self-Organized-Sessions, also die Workshops, und auch Möglichkeiten, ja, euch einfach in der World besser zu orientieren. Es gibt üblichweise auch ein Info-Desk, d.h. ein Ort wo man einfach mit allen dummen Fragen hinkommen kann, das ist wahrscheinlich dann auch in Anführungszeichen “physisch” in der World zu finden, aber wahrscheinlich auch anders erreichbar. Es wird einen Fahrplan geben, also die Schedule wo die ganzen Talks und Vorträge vorbereitet sind. Und man sollte sich auch im Vorhinein selber einen Fahrplan für sich selber machen. Das heißt einmal durchgehen, die ganzen Talks durchgehen, es wird nämlich eine riesige Liste sein, und überlegen wo man wann hin will. Weil, das will man eigentlich nicht machen während schon andere Sachen passieren und während der Congress oder die rC3 schon läuft. Uns wurde dann von Haecksenseite auch noch empfohlen man sollte sich vorher dann auch wirklich bei Bekannten abmelden und Essen planen, weil man da schon in einer anderen Welt versinken kann. Bei den Vorträgen kommen oft auch Fragen auf. Und die kann man wie in einem normalen Vortrag auch über’s Internet stellen. Und zwar gibt es da Pads. Da wird höchstwahrscheinlich auch immer am Anfang des Vortrags darauf hingewiesen wo man das machen kann. Ansonsten finden sich sicher die Links im Wiki. Und es gibt nicht nur die offiziellen Talks, die dann auch aufgezeichnet werden. Sondern auch Self-Organized-Sessions (SoS). Das Wort haben wir ja auch schon häufiger erwähnt. Und zwar self-organized-sessions zu ALLEN denkbaren Themen. Denkt deshalb daran, die Sachen, die im Hauptfahrplan angekündigt werden, sind üblicherweise Sachen die aufgezeichnet werden. Die man also später auch noch anschauen kann, wenn man z.B. einen Januar-Blues hat. Aber die SoS, da möchte man eigentlich hin. Und das ist auf der rC3 genauso wie auf dem richtigen Congressen wo man dann auch vor Ort ist und auch sowohl auf der rC3 als auch auf den Congressen lernt man in den SoS Leute kennen und kann mit denen dann, ja, es heißt Chaos-COMMUNICATION-Congress, und auch die rC3 soll ein bisschen Kommunikation ermöglichen. 

    melzai: Es gibt ausserdem noch Teleshopping. Und ich weiß nicht, ob die das aufzeichnen. Das heißt wenn ihr ganz spät Abends möglicherweise einen late-night-Blues habt, dann könnt ihr ein Plastikaktus ersteigern im Teleshopping. 

    *naerrin lacht*

    piko: So viel zum Fahrplan! *lacht* Da kommen später noch ein paar Empfehlungen. Wir hatten neben dem Fahrplan auch schon die World erwähnt, und da müssen wir noch eine Sache erwähnen: Es gibt nämlich Tickets. Es gibt sehr viele Menschen, die bei der rC3 dabei sein wollen und deshalb kann es sein, dass die World einfach überlastet ist von so vielen Leuten die da dabei sein wollen. Und aus diesem Grund gibt es Tickets. Die gibt’s für kostenlos, aber man muss sie trotzdem vorher klicken. Und wenn man aber nur in Talks und Workshops gehen will, dann sind die nicht nötig. Das ist wirklich nur für die World. Ganz ähnlich wie Infrastruktur auf dem Congress, haben wir auch auf der rC3 ‘ne Möglichkeit freiwillige Helfer und Helferinnen zu organisieren. Und das tut man über den Himmel. Das heißt wenn man freiwillig hilft, dann ist man ein Engel. Das Schöne am Engeln ist nicht nur, dass man hilft eine unglaublich tolle Veranstaltung möglich zu machen, sondern man kann dabei auch interessante Menschen kennen lernen. Und oft auch total interessante Tätigkeiten ausführen. Deshalb ist es total empfehlenswert sich zum Engeln anzumelden. 

    melzai: Die Engel bei den Haecksen heißen Elfen, weil tatsächlich die Haecksen so viel zu tun haben, dass wir mehrere Schichtbereiche aufbauen müssen um unsere Workshops und den Streaming-Channel zu betreiben. Und dementsprechend ist bei uns der Begriff “helfende Elfe”.

    piko: Ausserdem genauso wie der Himmel als Infrastruktur übernommen wurde, gibt es auch noch das POC, d.h. das Event-Phone. Wir werden ein Telefonnetz mit 4- oder 5-stelligen Telefonnummern auf der rC3 haben, wo man dann da anrufen kann. Denn ein Telefonnetz ist besser als kein Telefonnetz. Und genauso gibt es auch noch die Chaos-Post, die auch noch ein bisschen anders funktionieren wird als auf den echten Kongressen, in denen man einfach so Briefe austragen kann, sondern das muss jetzt natürlich alles elektronisch passieren. Zuletzt für weitere Kommunikation kann man auch auf Twitter gehen, oder auf Mastodon. Und da sind die enstprechenden Hashtags #rC3 oder für die Haecksenveranstaltung #JADIP. Als letztes auch auf der rC3 gibt es Merch, es gibt auf alle Fälle Haecksen-Merch. Wundervollen Haecksen-Merch, den wir euch in den Shownotes verlinken werden. 
    Jetzt haben wir neben den Gedanken die wir uns jetzt hier so gemacht haben auch noch über 100 Haecksen befragt, was sie für eine chaos-remote-experience brauchen, und was Mensch nicht verpassen sollte. Und es folgen die Antworten die wir bekommen haben, die wir euch jetzt einfach mal vorlesen. 

    Wir haben drei Fragen gehabt. Und die erste ist: Was braucht mensch eigentlich für eine rC3?

    • Mate und genug Essen im Haus für 4 Tage 😀
    • In der 2D Welt Wesen anzprechen. Das ist sehr wichtig hier die Scheu zu überwinden.
    • Man braucht Waffeleisen und Zutaten für das C3-Waffel-Operation-Center (C3WOC) Rezept, nach Belieben.
    • Einen großen Topf voll GPN Gulasch! Gibt auch eine vegane Variante 😉 Wenn man die 100 Portionen auf 4-8 herunterrechnet ist man gut versorgt. (Piko: Link ist in den Shownotes: https://entropia.de/GPN16:Gulasch).
    • Man braucht bunte Beleuchtung, nur so kommt Kongressgefühl auf. Und ausserdem braucht man — na, man kann eine brauchen, eine Winkekatze im Hintergrund. 
    • Und einen bottle-drop-point für zu Hause, damit man immer weiß wo die Flaschen abzuladen sind. https://chaos.social/web/statuses/105458531176014277 
    • Es ist sehr wichtig, sich zuvor den Veranstaltungsplan anzuschauen und eine  grobe Planung für sich aufzustellen. Man kann aber auch gerne mal zwei parallel laufende Talks festhalten. Die Priorität bekommt man dann im Laufe des Tages raus. Und vor allem aber auch die Entwicklung über den rC3 spontan auf sich zukommen zu lassen, weil so viel während des rC3’s ins Programm selbst reinorganisiert wird. 
    • Man braucht einen vollen Kühlschrank, und eine Abwesenheitsmeldung an die ganze Familie, man braucht Pausen und Spaziergänge an der frischen Luft, um sich wieder zu erden. 
    • Und einen Block für Notizen.
    • Und man sollte ab zu einmal an die armen Kollegen*innen in der Firma denken, die nun alleine arbeiten 😉
    • Und eine ganz wichtige Empfehlung ist: Wenn euch die Welt zu groß, zu krass oder zu viel erscheint, dann nehmt euch Gruppen, geht zusammen in ein von der Welt unabhängiges BigBlueButton oder Jitsi oder irgend ‘ne andere Konferenz, und lauft zusammen durch die Welt und kommentiert die zusammen. Das macht viel mehr Spass als da alleine rumzulaufen. 
    • Und bei all dem ganzen Gewusel mit Talks und World, sollte man das Duschen nicht vergessen. Und ich möchte an dieser Stelle noch hinzufügen: Schlafen und Essen ist auch nie verkehrt *lacht*
    • Das ist die traditionelle 6:2:1-Regel und ihr dürft jetzt die Zahlen auf die verschiedenen Tätigkeiten selbstständig zuordnen.

    Piko: Die zweite Frage die wir gestellt haben war: Was sollte mensch vorher wissen? Habt ihr Ressourcen, die wir verlinken können?

    • Zum Beispiel eine Resource wo ein Mensch ein Workadventure mal testen kann, für viele ist das ja neu, das kann man z.B. auf https://kraut.world anscheinend einmal ausprobieren, sich einen Avatar aussuchen und einmal durch die Gegend hoppeln. 
    • Und mensch sollte wissen, dass es verschiedene Streams gibt, mehrere Kommunikationskanäle und wie man bei Talks Fragen stellen kann. Um darauf gleich noch zu antworten: Meistens wird ein Hashtag genannt in den Talks, dass man über Social Media eine Frage einreichen kann, die Signal-Angel werden dann nämlich diese Fragen aufschnappen und den Menschen zuwerfen, die die Fragen dann stellen können. Oder es gibt Pads in die man Fragen eintragen kann. Meistens wird das in den Talks direkt erwähnt. 
    • Wenn man ein spannendes Kamerabild an die anderen Leute streamen möchte, könnte man sich vorher einmal OBS installieren und dementsprechend Animationen herstellen.

    Piko: So, und unsere dritte Frage war: Was sollte mensch nicht verpassen? Was sollte mensch unternehmen?

    • Im Normalfall: Den Ticketverkauf ;). Die Minispiele in der World fand ich unternehmenswert. 
    • In der 2D Welt Leute (Bekannte und Unbekannte) treffen, zusammen die 2D-Welt erkunden oder einfach irgendwo herumsitzen und unterhalten, manchmal sind die Zufallsbegegnungen die spannendsten Erlebnisse (statt wenn man nur dem offiziellen Programm folgt).
    • Wie üblich gilt beim Congress wie beim rC3, dass man sich bevorzugt auch mindestens ein Talk oder Workshop aussucht von dem man überhaupt nichts versteht, dann geht man da rein, das könnte ja dein nächstes Hobby sein! 
    • In der 2D-Welt nach verborgenen Dingen und Wegen suchen.
    • Oder einfach mal im Workadventure die Zeit vergessen und die Welt entdecken.  
    • Wenn du dich irgendwann aber nicht mehr in der World wohl fühlst, dann exit world. Du kannst auch das Browser-Fenster einfach schließen und das ist total in Ordnung. 

    naerrin: Ja. Das waren zusammengefasst die Sachen, die Haecksen uns zugeworfen haben auf unsere Fragen.

    melzai: Aber neben der World gibt es auch natürlich Veranstaltungen die fest jetzt schon im Programm stehen, und wir haben uns mal das komplette Veranstaltungsprogramm angeschaut mit dem Schwerpunkt auf die Haecksen-Pläne und geben euch jetzt unsere Empfehlungen. Ihr müsst immer dabei dann am Ende dann nochmal schauen kurz bevor das Event dann anfängt oder auch immer am Morgen des jeweiligen Tages, ob der Talk, der Workshop etc. in der Form tatsächlich noch so stattfindet, einfach weil Menchen, das Leben ändern sich halt, vor allem in der remote Situation, Verfügbarkeiten verändern sich halt. Und bei den Haecksen-Workshops solltet ihr schauen, dass ihr möglicherweise einen Platz reservieren solltet. Wir verlinken den Ort wo ihr das machen könnt, so dass ihr mit Sicherheit rein kommt. Und jetzt fangen wir mal mit den Highlights an, nicht wahr? Naerrin, was sind denn so deine Highlights? 

    naerrin: Ich habe mir drei rausgepickt und fange ganz uneigennützig mit dem Goodie-Bag-Gefrickel an. Die Haecksen haben wieder ein Goodie-Bag zusammengestellt, d.h. ein Beutelchen das man sich bestellen kann, wo Überraschungsteile drinnen sind mit denen etwas gebastelt werden kann. Es wird für die Goodie-Bags eben einen Workshop geben an Tag 1 und schon um 13 Uhr den ich zusammen mit C_ristina geben werde, und da gucken wir dann was da so drin ist und was sich damit bauen lässt. Die zweite Sache auf die ich mich eigentlich echt richtig freue ist “Cyberpunk 2022”. Das ist ein Talk in dem es darum geht, wie Brain-Computer-Interfaces auf Grundrechte treffen. Super spannendes Thema. Und das Dritte was ich richtig gut finde, aber tatsächlich als Workshop auch schon einmal mitgenommen habe, aber deswegen auch weiß, dass es spaßig und spannend wird, ist der “Wikipedia Lets get started” Workshop an Tag 4 der gegen Mittag stattfinden wird. Und zwar geht es da darum, wie Frauenbiographien in die Wikipedia kommen können. 

    piko: Ich habe mir eher so richtige Haecksen-Meta Dinge ausgeguckt. Und zwar gibt es natürlich für jede größere Chaos-Veranstaltung ein Haecksen-Frühstück, nur dass es diesmal kein Haecksen-Frühstück ist, sondern ein Haecksen late-night-dinner. Ein bisschen entschuldigend ist es eigentlich ein Frühstück in Neuseeland, dann geht das schon. Und das ist an Tag 3 abends. Jede Person die sich interessieren würde Haeckse zu werden und sich in unserer Selbstdefinition wiederfinden würde, die darf gerne vorbei kommen und uns kennen lernen, rausfinden ob sie bei uns mitmachen will, und wenn sie dann da ist auch direkt mitmachen. Das ist das Erste. Mein zweites Ding ist ein Talk nachmittags an Tag 4, d.h. so eher am Ende, indem es darum geht was sind so die schönsten Orte der Haecksen-Assembly gwesen? Und inwiefern haben wir uns da besonders ins Zeug gelegt. Der Talk wird aufgezeichnet. Dann habe ich noch einen Workshop, nämlich howto-Haecksenwerk. Da geht es darum: Wie machen wir eigentlich Haecksenwerk und wie kann teilnehmen, wie kann man uns helfen, wie kann man auch einen tollen Podcast machen. Und die vierte Sache ist “Operation Mindfuck”. Eine super interessante Reihe mit sehr witzigen nerd-sniping Themen, sehr kurzweilig. Und das wird an Tag 1 spät abends sein. Melzai, was hast du so? 

    melzai: Ja ich habe mir bei einem Talk noch bei den Haecksen rausgepickt und dann habe ich mir den mal den gesamt momentan verfügbaren Fahrplan angeschaut, das ändert sich vermutlich noch in den nächsten Tagen. Ihr solltet auf jeden Fall immer wieder mal reinschauen. Der Talk bei den Haecksen den ich besonders interessant finde ist “The Corona Virus Structured Task Force” der ist an Tag 1 und da geht’s um das Team der Wissenschaftler*innen, die in der Stukturbiologie arbeiten und dementsprechend Protein-Strukturen aufklären. Und daraus z.B. das Coronavirus graphisch aufbereitet haben, so dass es in der Öfffentlichkeitskommunikation in den letzten zwei Jahren verwendet werden konnte, neben anderen Dingen. Soweit wir wissen wird dieser Talk nicht aufgezeichnet, d.h. wenn ihr den sehen wollt müsst ihr direkt vorbei kommen zu diesem Termin. Und dann habe ich mir noch den Rest des Programms ein bisschen angeschaut. Es war ein bisschen schwierig rauszupicken, was wir hier jetzt erwähnen. Das Erste was ich gefunden habe war in der Chaoszone “Tales from the Quantum Industry” wo eine Person darüber redet wie realistisch quantum computing eigentlich ist, wenn man z.B. die gate times vergleicht mit der Komplexität der Algorithmen. Das hört sich sehr passend an. 

    *naerrin lacht*

    melzai: Dann haben wir noch ‘nen Vortrag — ja der ist sehr spannend — dann haben wir noch einen Vortrag drüben im xHain, es geht um die Corona Nothilfe für Studierende, wie das funktioniert oder nicht funktioniert. Es haben Menschen über das Informationsfreiheitsgesetzt Anfragen gemacht und die Privatkorrespondenzen rausgezogen und das sieht so aus wie als wäre es nicht schön. Dann gibt es im Sendezentrum noch die nationale Bildungsplattform. Anscheinend soll etwas entstehen und es ist gerade in der EU weiten Ausschreibungsphase. Und was das ist, ich denke das wird sicherlich interessant, das sollte man sich auf jeden Fall mal anschauen. Jetzt gehen wir rüber zu ein bisschen mehr Technik. In der c-base gibt es einen Vortrag über containers “Hacking Containers, Kubernetes and Clouds”, und da geht’s darum wie man eigentlich ein open shift cluster hackt. Das open shift cluster soll fully security compliant sein, dementsprechend sollte es eigentlich nicht so einfach hackbar sein. Dann bin ich schon gespannt was die Person zu erzählen hat. Ausserdem gibt es einen Vortrag in der c-base über die Facebook-Files, d.h. falls ihr das am Rand mitbekommen habt, kriegt ihr da einen schnellen Überblick in 30min: Was ist da drin, worum geht’s da, wie sieht’s aus? Und dann leitet das natürlich schon so ein bisschen über zu dem Vortrag “Reclaim your face” von der c-base über die Initiative für einen Bann gegen biometrische Massenüberwachung. Was natürlich eins der Kernthemen des CCCs sind. Um in einen etwas Pandemie-orientierten Bereich zurück zukehren, es gibt eine Person die einen Vortrag darüber hält in der Chaos-West assembly, über die Digitalisierung in der Pandemie im Gesundheitsamt. Ich glaube das kann nur sehr amüsant werden und ich hoffe sie haben’s geschafft am Ende dieses Gesundheitsamt zu digitalisieren. Dann, bevor wir zum letzten Talk kommen, hätten wir noch die Bruteforce-Attacke auf den AES-1024, dementsprechen haben sich Leute “data vaults” angeschaut und festgestellt die Dinger sind gar nicht mal so sicher. Was das ist, wie das funktioniert und wie möglicherweise die Fixes jetzt sind findet ihr dann in dem Talk von der Remote-Rhein-Ruhr-Stage raus. Und als letztes, weil die ganze Nerdszene so sehr auf Experimente steht, hat sich offensichtlich die Remote-Rhein-Ruhr-Stage überlegt, dass Erklärhaj weitere Experimente auf der Bühne macht. Erklärthaj hat fünf Events wo es um Experimente geht.

    Piko: Nachdem wir jetzt eine riesige Menge Information gegeben haben, mit was diese rC3 ist, was die World ist, was man da machen muss, was Vorträge sind und welche Vorträge man anschauen muss, was es sonst an Infrastruktur gibt, sind wir durch eine total informative Podcastfolge durchgekommen und auch durch ein super informatives spannendes Jahr. Das heißt, das ist die letzte Folge für dieses Jahr und im nächsten Jahr geht es weiter mit dem Haecksenwerk. Wir haben ganz viele spannende Themen an denen gerade ganz verschiedene Redaktionsteams arbeiten. Und wir freuen uns schon sehr darauf das alles mit euch zu teilen. Habt ein schönes Jahresende und einen unter den gegebenen Umständen bestmöglichen Start ins Jahr 2022. Wenn ihr die nächste Folge nicht verpassen wollt, dann abonniert unseren Podcast. Ihr findet den Link in den Shownotes, oder unter podcast.haecksen.org, oder ihr folgt uns auf Twitter @haecksenc oder auf Mastodon unter @[email protected]. Bis zum nächsten Mal! Tschüss!

    naerrin: Tschüss!

    melzai: Tschüss!

    29 min
  • hckn005: GeekEnd 2021

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Wenn Haecksen sich ein Wochenende lang zusammenrotten und Dinge lernen, Ideen entwickeln und der Spaß auch nicht zu kurz kommt, dann nennen wir das GeekEnd. In dieser Folge sprechen Phoibi, Piko und naerrin über das GeekEnd, das im Oktober stattfand und sie haben auch wieder fleißig Stimmen eingesammelt. Es gab spannende Workshops, intensive Arbeit und einen Abend voller Kultur und Spiele.

    Präzisierung von chjana zu ihren Aussagen über die Git-Historie: 1. Git wurde von Linus Torvalds entwickelt aber GitHub wurde eigentlich erst von anderen Leuten gehostet. 2. Linus Torvalds hat damals Git als Ersatz von Bitkeeper entwickelt statt BitBucket. (Das ist noch korrekt, dass BitBucket auch git-basierte Hosting Service (commercial) und eine Alternative zu GitHub ist.

    Links
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    • Haecksen: https://www.haecksen.org/
    • Social Media: twitter.com/HaecksenC und chaos.social/@haecksen
    Stichworte

    GeekEnd, Haecksen, Zukunft, Ziele, Workshops, Community

    Credits
    • Redaktion: Phoibi, Piko, naerrin
    • Sprechende: Phoibi, Piko, naerrin
    • Weitere Stimmen: melzai, sandala, Finja, Bugspriet, chjana, namiko
    • Produktion: naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    Phoibi: Willkommen zu einer neuen Folge vom Haecksenwerk. Ich bin Phoibi und mache die Folge zusammen mit Piko…

    Piko: Hallo!

    Phoibi: …und mit naerrin…

    naerrin: Hallo!

    Phoibi: Wir reden über das GeekEnd, das am 9. und 10 Oktober 2021 stattgefunden hat. Das war zwar schon das vierte GeekEnd, aber das erste online: also unsere virtuelle Premiere. Am Anfang wird es ein bißchen was zur Historie des GeekEnds geben, und dann natürlich viele Eindrücke aus einzelnen Veranstaltungen. Wir haben intensiv miteinander gefrühstückt, wir haben in Workshops zusammen gearbeitet, wir haben uns Neues gegenseitig beigebracht, wir haben uns mit Spielen und Kultur amüsiert, und uns, auch so, ausgetauscht. Auf jeden Fall hatten wir ganz viel Spaß!

    Piko: OK! Das haben wir also alles gemacht. Aber was ist eigentlich genau ein GeekEnd? Dazu habe ich melzai befragt, sie ist ganz offenbar unsere Historienhaeckse, denn in Folge 3 hat sich auch schon über die inzwischen dreißigjährige Geschichte der Haecksen gesprochen. Also, melzai, wann kam eigentlich die erste Idee für ein GeekEnd, und wieso kam es dazu?

    melzai: Ich glaube vor ca. vier Jahren waren wir ca. dreihundert Haecksen. Das sind extrem viele Haecksen. Und dann stellt man halt fest: man sitzt auf dem congress, und hat 300 Haecksen, und irgendwie muss man sich Gedanken darüber machen, wie man sich jetzt eigentlich strukturiert. Es gibt soviel Möglichkeiten, was man zusammen tun könnte, aber man muss die auch besprechen, und dafür braucht man Zeit. Bis dahin, bis 2018, haben sich die Haecksen vor allem auf den Congressen getroffen, also auf den zwischen-den-Jahren-Veranstaltungen vom CCC, und da läuft ja dann parallel noch vier Haupttracks und dann mehrere Nebentracks, die ganzen Workshoptracks, Assembly, Party, usw. usf. Da mal alle in einen Raum für eine Stunde zu bekommen und mal über inhaltliche Dinge zu reden, hat einfach so nicht mehr funktioniert. Die Interessen waren ganz klar da, sich mal zu treffen, aber man musste ein neues Format entwickeln. Und da haben wir uns bei CCC angelehnt, beim CCC gibts häuftig so genannte GeekEnds, das sind Wochenenden wo man sich als Kleingruppe treffen kann, um mal zum Beispiel inhaltlich zu arbeiten. Dafür gibts auch ein bisschen Förderung, und 2018 haben wir es dann tatsächlich geschafft, es zu machen.

    Piko: Wie lange haben wir dafür planen müssen vorher?

    melzai: Die Idee kam aufm Congress auf, es wurde beschlossen: Ja, wir machen das, und dann haben wir im Februar tatsächlich mit der Planung angefangen, weil man braucht einen Ort dafür, man muss überhaupt feststellen: wie teuer wird sowas? Je nachdem, auf welchem Niveau man das rechnet, wieviel sind die Leute bereit zu zahlen auch? Wie teuer sind die Anfahrtskosten? Und dann kommt natürlich die Frage dazu: wieviel Menschen kommen dann wirklich? Viele Menschen in Gruppen sind eher passive Mitglieder und hören zu; wenige gestalten. Da gibt es sone Grundregel: so ungefähr 10 Prozent gestalten, 90 Prozent hören zu. Und je gößer man wird, desto eher sollte man immer wieder versuchen, diese 10 Prozent, und vielleicht werden es ja auch mal 20 Prozent, zu ermöglichen, dazu Möglichkeiten zu schaffen. Aber wieviel sind bei uns dann… am Anfang… 2018… wie viele Haecksen kommen wirklich, wenn wir uns diese organisatorische Mühe machen und einen Ort finden? Naja, also haben wir im Februar überlegt, wo wir hingehen könnten, und dann haben wir uns überlegt: Mitte Deutschland, also haben wir beim flipdot angefragt in Kassel, und die waren so nett und haben uns ihren Hackspace zur Verfügung gestellt. Dann haben wir da noch ne recht günstige Unterkunft gefunden, und Kassel liegt auch noch gut erreichbar an den Bahntrassen, und dann haben wir es tatsächlich geschafft, es zu machen. Der CCC hat, denke ich, Reisekosten übernommen, da hat er viel geholfen, so dass auch Studierende oder auch Menschen mit geringem Einkommen kostenneutral kommen konnten. Ich glaube, es waren dann am Ende 12 Haecksen da.

    Piko: Was waren da so Inhalte? Wurde da vor allem einander Sachen beigebracht oder Sachen organisiert?

    melzai: Ja, da hat sich tatsächlich über die letzten Jahre nicht viel getan, das ist das Spannende daran. Weil wir legen den Schwerpunkt vormittags auf Orgaarbeit, ein bis zwei Stunden jeweils, um irgendwelche komplexen, politischen Fragen zu beantworten: Wo stehen wir eigentlich zu Frage X, oder was ist eigentlich unsere Vision von der Welt, oder mit welchem Projekt würden wir als nächstes vorangehen… und stellen da auch so Gretchenfragen, das klappt immer ganz gut nach dem Frühstück. Und dann kommt das Mittagessen als Erlösung, danach sind wir bis jetzt immer, bisher bei allen GeekEnds, in die Workshopphase übergegangen, wo zum Beispiel Leute Kurzvorträge halten, zum einen, um den anderen Haecksen jeweils zu zeigen, wie unterschiedlich Haecksen sind… sehr unterschiedlich!

    Piko: Was gibts denn da für Themen in den Kurzvorträgen?

    melzai: Also in den Lightning Talks hatten wir wirklich alles: Menschen machen was gegen digitale Gewalt, andere Menschen forschen im IT-Bereich, wiederum gibt’s Menschen, die arbeiten als Ingenieur*innen im Bereich für Fahrzeugbau…

    Piko: Ok. Das war also das erste GeekEnd. Und… danach?

    melzai: Ja, die sind ziemlich ähnlich geblieben. Die Fragen, die wir vormittags beantworten, werden immer spezieller, auch der kleine Einschub über Finanzen wird dann immer interessanter in letzter Zeit. Die Vereinsgründung steht ja grade an, das heisst, die kleinen organisatorischen Themen, die wir besprechen, werden immer wichtiger, also viel wegweisender, zielführender. Die haben einen bestimmten Zweck. Das heisst, es ist wahnsinnig wichtig, die zu machen, sonst können wir nicht weiter machen bei diesen Details. Und dann geht natürlich nachmittags dieses skillsharing los.

    Piko: Also dieses erste GeekEnd war in Kassel. Wenn das jetzt das vierte ist, wie waren die zwei anderen?

    melzai: Also der Ort hat ein bißchen gewechselt… weil wir haben dann festgestellt, die Transportwege zwischen dem Ort des GeekEnds und dem Übernachtungsort, und wie kriege ich Essen dahin usw., das ist von der Logistik recht zeitaufwändig gewesen. Also haben wir gedacht bei der nächsten Runde buchen wir uns einfach direkt in die Jugendherberge und haben da Essen am Ort. Da haben wir aber übersehen, dass viele Menschen bestimmte Bedürfnisse haben bezüglich Essen, und dass das in der Jugendherberge nicht unbedingt ganz funktioniert, das heisst, das dritte geekend haben wir dann bei Entropia gemacht und da hat eine freundliche Gruppe für uns auch gekocht. Das hat ziemlich gut funktioniert muss ich sagen. Und jetzt haben wir natürlich ein virtuelles geekend und dann schauen wir nach Corona, was es das nächste Mal wird.

    naerrin: So. Und nach diesem kleinen Rundumschlag von melzai, gucken wir nochmal genauer was diesesmal passiert ist. Ein bisschen hat Phoibi ja am Anfang schon erzählt. Für mich persönlich war’s auch das erste Geekend. Kleines Zwischenfazit an dieser Stelle: Ich kann’s jetzt kaum erwarten das Mal vor Ort mitzumachen *kichert*. Aber gut. Was ist denn eigentlich passiert? Reden wir doch mal zusammen. Wie war das Geekend, Piko?

    Piko: Cool. Sehr intensiv! Fasst so cool wie vor Ort.

    naerrin: *lacht* Das ist gut!

    Piko: Ich hatte ja schon die Ehre vor Ort dabei zu sein, aber auch online haben wir es wirklich geschafft viel inhaltlich zu lernen aber uns auch viel zu vernetzen und viel Energie für die Haecksen weiterhin zu mobilisieren. Wir hatten ein gutes halbes Duzent inhaltliche Vorträge oder Workshops. Da haben wir immer mal wieder einsprängsel im Podcast über die Themen und was so alles passiert ist. Aber wir haben auch diese, ja, traditionellen Haecksen-Themen, das heißt die Orga-Sachen und, ja, wie wir uns die Entwicklung der Haecksen-Gruppe so vorstellen. 

    Phoibi: Ich überlege gerade, was mir so am besten gefallen hat, oder beziehungsweise hängen geblieben ist. Und einerseits ja wirklich dieses zusammen an der Zukunft arbeiten, schon Orga im Hinblick auf das JahresEndEvent, aber auch so in einem Workshop Ziele formulieren für die weitere Zukunft der Haecksen. Und sonst bin ich tatsächlich für den Spaß-Spaß, und ich fand die Spieleabende sehr nett. Code-Names, broken picture phones, und das ganze dann mit ‘ner Schellackplattenuntermalung, das war sehr angenehm, ehr nett abends. 

    Piko: Ja das Haecksen-Geekend ist schon irgendwie ‘ne, mhh, CCC-Veranstaltungs-ähnliche Veranstaltung, d.h. wir haben sehr viel Spaß an kreativen Spielen, aber auch Spaß am Lernen, so neue Dinge kennen lernen, Dinge von denen man überhaupt keine Ahnung hat. Und da war wirklich viel davon dabei. 

    naerrin: Ja. Ein Ding von dem ich wirklich überhaupt kein Ahnung hatte vor dem Geekend war, inwiefern künstliche Intelligenz sozusagen im Export eingesetzt wird. Und da gab es einen spannenden Vortrag zu. Aber er war auch speziell spannend. Also man muss schon auch Lust drauf haben, sich so diese Regeln einmal kurz zu geben, wie funktioniert Export eigentlich, und dann was hat das ganze mit K.I. zu tun. Weil das so spannend war, habe ich bugspriet, die den Vortrag gemacht hat, gebeten kurz ihren Vortrag zu — ja, nicht zusammenzufassen, aber mal kurz drüber zu sprechen was da so gab. 

    Bugspriet: Ja ich bin die Claudia, online auch als bugspriet unterwegs, im normalen Leben gebe ich Schulungen zum Thema Zollrecht, Warenursprung und Präferenzen. D.h. wie bekomme ich möglichst günstige Zollsätze, wie exportiere ich Waren legal, ich stell’ halt immer wieder fest, wie schwierig das ist, das ganze in Unternehmen auch in der IT umzusetzen, bzw. die Begehrlichkeiten, da die Verantwortung einfach an ein Programm oder wie man jetzt vieles nennt, was es nicht ist, an eine künstliche Intelligenz umzusetzen. Da habe ich ganz einfach mal beschrieben wo da die Grenzen sind und welche Ansprüche es überhaupt da gibt, welche Probleme es da umzusetzen gibt, im normalen Alltag, den man so in den Firmen hat. Dass man als IT-Mitarbeiter oder als Ersteller einer Software gar nicht so schnell in die Verantwortung rutschen kann, weil das halt auch schon wirklich der Gesetzgeber vorgesehen hat, dass hier wirklich dann auch eine Person verantwortlich sein muss, die auch die entsprechenden Hintergründe, die Entscheidungswege einer Software kennen muss. Und da sind wir wirklich mal ins Detail gegangen, von der Exportkontrolle zu der Bestimmung von Waren wie der Zoll das macht, praktisch einmal die andere Seite angeguckt, um dann auch mal den Schnitt von der IT, vom Mitarbeiter, zum Zoll mal für den Normalsterblichen zu sehen. Also das meiste was als KI angeboten wird, das sind einfach nur intelligente Datenbanken, das macht auch sehr großen Sinn. Es ist aber durchaus mit Potential versehen ‘ne künstliche Intelligenz einzusetzen, Fehler zu erkennen oder die ganze Bandbreite an Möglichkeiten im Vorfeld einzuschränken um das für die Mitarbeiter im Unternehmen einfach auch ein bisschen überschaubarer zu machen auf welcher Grundlage sie entscheiden, oder welche typischen Fehler da auftreten können. Das ist schonmal ein ganz guter Anlass um ‘ne Überprüfung zu starten, oder auch um Prozesse zu vereinfachen. Ich sag’ mal wenn ich Stahl exportiere, muss ich nicht die Vorschriften für Lebensmittelrecht kennen. Das kann ich dann alles schonmal raus schubbsen, Stahl ist kein Lebensmittel, also: Filter! 
     
    Piko: Wir hatten aber nicht nur inhaltliches, sondern wir haben auch, ja, die Haecksen-Meta-Themen, d.h. einerseits hatten wir zwei Frühstücke, wo sich Neugierige bei uns treffen konnten und Haeckse werden, wo wir einfach mal gemeinsam nett frühstücken konnten und Croisant-Taktiken ausprobieren konnten. Bei den Haecksen-Frühstücken gibt’s inzwischen ein Problem, nämlich sie sind sehr groß. Das führt dazu, dass wir uns teilweise tatsächlich in kleinere Gruppen aufteilen. Das ist in großen Räumen möglich indem wir einfach kleinere Gruppen um Tische machen und teilweise inhaltlich uns gruppieren, teilweise einfach zufällig. Online funktioniert das natürlich hervorragend. Es war natürlich ein BigBlueButton in dem wir uns getroffen haben, d.h. es gab Breakout-Räume und wir haben einfach einander in Kleingruppen kennengelert, was total cool war. Aber es gab nicht nur Frühstücke als sozusagen Haecksen-Meta-Themen, sondern wir haben auch ein bisschen darüber gesprochen was unsere Zukunft betrifft. D.h. einmal haben wir über unsere Ziele gebrainstormt, andererseits haben wir über die Vereinsgründung gesprochen. Ausserdem hat sich eine Idee von Mentoring innerhalb der Haecksen gebildet, d.h. dass sich Haecksen bereit erklären Neu-Haecksen an die Hand zu nehmen. 

    naerrin: Also auch so eine Art Verbesserung der Willkommenskultur. Sie ist ja schon ziemlich gut und eigentlich echt grandios *lacht*, so hallo da bist du, mach einfach mit. Aber manchmal sind doch vielleicht viele Strukturen da, die von aussen gar nicht so richtig durchsichtig sind und dafür ist das glaube ich auch echt gut. Und dieses Mentoring entwickelt sich jetzt gerade. 

    Piko: Ich finde auch gar nicht dass wir so “Hallo da bist du, mach einfach mit” sind, das klingt für mich eher nach ‘nem ganz normalen CCC, sondern die Haecksen sind schon eher so “Schön, dass du da bist, du kannst hier mitmachen wenn du magst. Meld’ dich doch auf’m Rocket-Chat an, dann kannst du besser mitmachen! Wenn hier genauer mitmachen willst, dann kannst du die ansprechen.” Also ich finde die Haecksen im Vergleich zu vielen anderen Gruppen sind die Haecksen da schon sehr, sehr weit. 

    naerrin: Ja. 

    Piko: Dadurch, dass wir aber halt so groß geworden sind, ist es super schwierig ‘nen Überblick zu bekommen, gerade wenn du neu einsteigst bist du total überfahren. 

    Phoibi: Ja, und du kannst da zwar Klarheit reinbekommen indem du Fragen stellst, aber ich glaub’ dieses offene, weite ist auch nicht für jede Person etwas, ne? Die brauchen dann jemand der sie an die Hand nimmt und zeigt “hier geht’s lang”, weil die sich dann vielleicht nicht trauen reinzugehen und einfach mal mitzumachen. 

    Piko: Unter anderem dafür gibt es ja auch die Hüte. Wir haben sozusagen Ansprechpartner*innen, die sich auch total drum kümmern auch ansprechbar zu sein und Leute in ihre Gruppen reinzuholen. Das sind die Hüte. Das ist jetzt vielleicht nicht nur ein Wortspiel auf Haecksen-Hüte — 

    naerrin: *kichert*

    Piko: — Haecksen können sich Hüte aufsetzen wenn sie eben als Ansprechpartnerinnen für bestimmte Themen oder bestimmte Projekte fungieren wollen. Aber es heißt eben nicht, dass sie irgendwie die Koordinatorinnen, also die Chefin von diesem Projekt sind, sondern einfach dass sie wissen wo man einsteigen kann. Und ich finde das ist ‘ne super Möglichkeit und ziemlich vorbildlich auch neue Leute reinzuziehen und eben nicht irgendwo den geheimen Verfahrensbeirat zu haben der alles entscheidet. Das ist ‘ne Sache die den Haecksen super wichtig ist, dass wir transparent sind.

    naerrin: Ich glaube was relativ vielen — behaupte ich jetzt einfach mal so — gefallen hat, war tatsächlich der Zieleworkshop. Den hatten wir am Sonntag und der hat quasi die Frage gestellt wo möchten die Haecksen sein, was möchten sie machen in einem Jahr, in zwei Jahren, in fünf Jahren oder in zehn Jahren. Weil vieles praktisch läuft, habe ich jedenfalls das gefühl bisher, wurde halt nicht einfach so rumdiskutiert, sondern es wurden Ziele aufgeschrieben, immer in — wie erklärt man dieses Prinzip eigentlich? 

    Phoibi: Ich weiß gar nicht wie’s heißt, aber es war sehr methodisch jedenfalls, es hat wahrscheinlich auch echt ‘nen Namen. Wir hatten ‘ne rießen Tabelle und jedes konnte da ein Zielvorschlag eintragen, nee drei sogar, drei! Und dann ging’s immer reihum und die nächste Person konnte dann was ergänzen und dann — wie so ‘ne Lawine irgendwie — dann hat dir das wieder ‘ne Idee gebracht und das hast du dahinter geschrieben. Und dann hatten wir hinterher ‘ne rießen Zielesammlung. 

    Piko: Und am Ende haben wir versucht das nochmal irgendwie zu gruppieren, ob das jetzt alles — welche Ziele denn eher in Richtung Inklusion gehen, welche eher in Veranstaltungsorga gehen, welche eher in mehr Liebe in der Welt gehen. 

    naerrin: Ja. 

    Piko: Und dann, ganz am Ende, haben wir geschaut welche Ziele für welche Leute am wichtigsten sind, d.h. ich glaube jedes konnte Punkte verteilen und hat dann die Punkte dahin gemacht wo die Ziele für sie am wichtigsten war. 

    Phoibi: Genau. Und es gab auch noch den Aufruf wenn ihr Lust habt, könnt ihr euch ja schonmal mit den Zielen beschäftigen und euch vielleicht irgndwas ausdenken wie ihr daran arbeiten wollt. Und vielleicht ‘ne kleine Gruppe gründen, die sich damit beschäftigt, ‘n Kanal im Rocket-Chat, was auch immer.

    naerrin: Also ich erinnere mich auf jeden Fall dran, dass ein Ziel das ziemlich oft gefallen ist, in der ein oder anderen Variante von Umsetzungsmöglichkeit, definitiv war, dass mehr FINTA-Speaker*innen auf Veranstaltungen sichtbar werden. Und die Frage dahinter ist: Wie kriegt man das hin? Wie empowert man Menschen sich hinzustellen und sich, ja, sozusagen zu exponieren, so fühlt es sich ja manchmal noch an, und wie wird das alltäglicher. Wie wird es einfach normal und nicht etwas, das man sich als Ziel setzen muss? 

    Piko: Die Speakerinnen auf dem GeekEnd waren ja alle bloß FINTA, unter anderem chjana, die über Github gesprochen hat. 

    naerrin: Genau. Und uns hat nicht nur interessiert was sie so in ihrem Git-Workshop gemacht hat, sondern uns hat auch Jana noch ein bisschen interessiert und Phoibi hat sie ausgefragt. 

    Phoibi: Ich habe hier als erste Frage: chjana wie bist du dazu gekommen Informatik zu studieren und nicht was ganz anderes? 

    chjana: Eigentlich ich habe für meinen Bachelor Mathematik studiert, aber allgemein wie ich erst angefangen habe Informatik mich interessiert hab’, ist also ich etwa 10 Jahre alt war oder so gab es eine kleine Privatschule neben wo ich gewohnt habe viele andere Freunde haben angefangen da zusammen diese Programmierung zu lernen und dann war ich auch daran interessiert weil die anderen Freunde das gemacht haben. 

    Phoibi: Du hast eben gesagt, du hast Bachelor in Mathematik gemacht? 

    chjana: Ja. 

    Phoibi: Das heißt du hast du hast dich schon immer für Naturwissenschaften und sowas interessiert? 

    chjana: Ja, in Korea gibt es eigentlich ein paar Schulen hauptsächlich für Naturwissenschaften spezialisiert sind. Und ich habe da auch in solche Gymnasium gegangen und so, ja. 

    Phoibi: Wie bist du dann nach Deutschland gekommen und zu deiner Promotion? 

    chjana: Mein Master-Betreuer war eigentlich Deutscher und nachdem ich mein Masterstudium fertig gemacht habe, hat er weiterempfohlen dass ich weiter meine Promotion in Deutschland mache, wo er selber eigentlich promoviert hat. Wenn man eine Empfehlung hat, dann ist es viel einfacher diese Stelle zu bekommen, ja. 

    Phoibi: Also das heißt dein Weg in die Promotion war gar nicht so schwierig, aber so der Anfang ins Mathematik- und Informatik-Studium, war das einfach oder schwieriger? 

    chjana: Ja ich glaube es wäre gut wenn du ein bisschen genau erzählst, was schwierig eigentlich bedeutet. 

    Phoibi: Ja, ich hab’ gemeint, dass es in Deutschland so ist, dass so naturwissenschaftliche Studiengänge, Mathematik, Informatik und sowas in der Art, nicht so Studiengänge für Frauen sind, das sehr viele Männer machen, und es nicht leicht ist sich da an einem Platz zu finden und sich wohl zu fühlen. Ist das in Korea anders? 

    chjana: Ich würde sagen Korea ist ein bisschen anders, da gibt es auch zuviele Studi– z.B. in Asien eigentlich auch für Frauen, ein bisschen relativ besser als in Deutschland ist. Bei mir war meine Mutter Mathematik-Lehrerin und als ich sehr jung war, acht Jahre alt, oder sieben Jahre alt, hat sie angefangen mir zu erklären sehr einfache mathematische Konzept. Und ja, das ist auch immer sehr schön wenn man eine Lehrerin hat die gleiche Geschlecht wie ich ist, und sowas erklärt, das motiviert natürlich sehr viel Schülerinnen. Und dann habe ich so angefangen und danach habe ich eigentlich immer sehr wohl gefühlt, oder habe mich immer sehr sicher gefühlt wenn ich eigentlich eher Naturwissenschaft gelernt habe. So als ich an der Uni studiert hab’ gab es sehr sehr wenige Frauen, das war nicht so krass wie in Deutschland, trotzdem waren wir 1:6 oder so. Damals habe ich gedacht, dass das einfach normal sein würde. Das habe ich erst eigentlich in den letzten ein paar Jahren gefühlt, dass eigentlich sehr sehr schön ist wenn ich mehrere weibliche Kollegen hab auf Arbeit. Aber als ich jung war hatte ich solche Gelegenheit nicht und ich hab mir gar nicht vorgestellt, dass das möglich sein könnte. Aber jetzt habe ich gelernt, dass eigentlich ich sehr gerne mehr weibliche Kollegen auf Arbeit haben würde. Das eigentlich ändert sich aus mehreren Art und Weise, ja. 

    Phoibi: Wie bist du dann zu den Haecksen gekommen, die ja extra Raum für Frauen, Trans* und Inter-Menschen sind? 

    chjana: Haecksen wurde ich erst bekannt geworden bei CCC und das fand ich sehr interessant, welche Programm eigentlich Haecksen bei CCC gemacht haben. Und dann war ich auch bei ein paar Frühstücken, ja aber war ich auch nicht so aktiv, aber irgendwann mal habe ich gelesen, dass Piko diese Python für Leute beibringen wollte und ich habe gedacht das ist eigentlich was ich mich interessieren würde und was ich sehr gerne machen kann. Und dann habe ich da angemeldet und dabei hat Sandala mir gesagt, dass ich auch Github-Workshop anbieten kann. Dann habe ich gesagt, ja das ist sehr gute Gelegenheit, ich mehr Beiträge machen kann. Und das ist so passiert. 

    Phoibi: Wieso hast du da Lust drauf? 

    chjana: So auch bei diese Python-Workshop bei Piko und so weiter, habe ich immer gedacht, dass die beste oder effizienteste Weg wie ich auf andere Leute beeinflussen kann, in gute Art, und wie ich die Gesellschaft und Leuten mehr besser machen könnte, habe ich immer gedacht, dass wenn ich etwas technisches beibringe. Und das ist nicht nur für Frauen, weil ich auch, habe ich ja ein bisschen auch für Geflüchtete das auch schonmal gemacht und auch ich möchte sehr gerne mehr weibliche Kollegen auf meiner Arbeit haben *lacht*, das finde ich auch schön wenn mehrere Frauen technische beschäftigen könnten. 

    Phoibi: Ich habe da jetzt so rausgehört, so ein Antrieb ist eine bessere Gesellschaft und da denkst du es ist wichtig, dass viele Technologien beherrschen und damit umgehen können. Habe ich das richtig verstanden? 

    chjana: Ja.

    Phoibi: Ok. Genau, wir sagten ja schon: Github, es war ja aber glaube ich, nicht nur Github, sondern es gibt ja auch noch andere Sachen mit git… was gibt’s denn da noch so?

    chjana: Natürlich bekannt ist gitlab, und eigentlich kann man natürlich self hosting machen, git ist sowieso Open Source Projekt, und eigentlich auch diese kommerzielleSoftware, die wie git ist, aber ein bißchen anders funktioniert, zum Beispiel diese bitbucket usw., aber, ich glaube, das ist wahrscheinlich auch auf Git-Basis, ich bin nicht sicher, und da gibt es auch die andere Art von Version Control, die älter sind z.B. Mercurial und auch SVNusw., aber wahrscheinlich benutzt man nicht mehr. 

    Phoibi: Github war mal Open Source und ist es jetzt nicht mehr – oder was ist die Geschichte dahinter?

    chjana: Eigentlich ist das nicht so präzisiert. Git ist eigentlich wie Software oder Projekt, und Github ist nur eine Hosting Platform, also was passiert ist, das ist sehr ähnlich wie diese big blue button hier, funktioniert so, sie haben eigene Code, wie man solche Service ausführen kann, das kann man auf einem eigenen Server einstellen wie die Haecksen oder man auch Service benutzen, die schon Cloud läuft und Github ist eigentlich eine Hostingservice für Git. Insofern: Git ist Open Source.

    Phoibi: Ja, ich hatte jetzt im Hinterkopf, dass Github ne Wandlung durchgemacht hat, dass es aufgekauft wurde.

    chjana: Jaja, von Microsoftwahrscheinlich, ja.

    Phoibi: Und das das dann dazu geführt hat, dass manche Leute son bißchen Abstand von Github genommen haben, ist das richtig? Weil es Microsoft gehört.

    chjana: Soweit ich weiß das, haben viele Leute schon davor viel Abstand genommen *lacht* weil eigentlich das ist auch zentralisierte Plattform grade. Ich glaube nicht, dass das plötzlich deswegen schlechter geworden ist, war schon davor, gab es schon… eher ich würde nicht sagen technische aber mehr politische Probleme, gab es immer und noch und wahrscheinlich auch weiter…

    Phoibi: Und wie kommt es andererseits, dass Github dann so bekannt ist und bei Anwendern auch beliebt?

    chjana: Ich weiß nicht wie genaue Geschichte ist, aber eigentlich diese git software selber wurde von Linus Torvals entwickelt, der auch Linux entwickelt hat. Und am Ende hat er entschieden, dass er eigene Software weiter entwickeln wird, vielleicht hat er gefunden, dass ein paar Zeilen bei bitbucket nicht so schön waren oder auch weil es kommerzielle Software war, und dann hat er wahrscheinlich auch selber bei github gehostet, ich bin nicht sicher, und deswegen wurde eigentlich Github die bekannteste Hosting.

    Phoibi: Und was denkst Du, warum viele Menschen Github benutzen?

    chjana: Davor gab es nicht so viel andere Auswahl. So davor gab es SVN, bitbucket, Mercurial usw. und Github isPhoibi:t wahrscheinlich die erste Hosting Plattform, die git weiter verbreitet hat, und das ist immer so, dass wenn andere, viele Nutzer schon gibt, dann ist es einfacher diese Sachen zu teilen, auch Forks zu machen und miteinander weiter arbeiten… wahrscheinlich deswegen.

    Phoibi: Ja. Also viele, die git lernen wollen und sich vorher noch nicht damit beschäftigt haben, die finden das vielleicht auf den ersten Blick ein bißchen abschreckend oder einschüchternd. Wie schwierig ist es denn, Anfänger*innen git und Github beizubringen?

    chjana: Eigentlich fand ich sehr gut, als wir dieses Mal bei Haecksen git Workshop gemacht haben. Eigentlich di meiste Schwierigkeiten kommt daraus, dass wir alles direkt schwierig gemacht haben und ich nicht direkt sehen konnte, was, womit eigentlich die Leute Schwierigkeit hatten, diese Interaktion Problem. Generell finde ich sehr schwierig, nicht nur speziell bei git, sondern allgemein technische Sachen zu Anfänger*innen beizubringen, Programmiersprache usw., weil, nachdem man das lernt, das wurde meine Wahrnehmung sehr anders, und wenn ich mehrmals das benutze nehme ich sehr viel technische Sachen eher als natürlich an, oder ich sehe einfach anders.Aber wenn ich das beibringen will, sollte ich auch selber auch gut vorstellen können, wie, von diese Leute, die das nicht können, das vorstellen kann, so das finde ich als eine Herausforderung allgemein.chjana:

    Phoibi: Mmh, ich verstehe. So die Perspektive der Anfänger*in zu übernehmen…

    chjana: Genau, genau.

    Phoibi: Danke, chjana. Ich hab jetzt keine Fragen mehr. Das war sehr interessant.

    chjaja: Danke, danke.

    naerrin: Das war das spannende Gespräch mit chjana. Ja. Kommen wir doch mal zu anderen Dingen, die wir sonst noch gemacht haben. Wo ist denn jetzt dieser Spaß gewesen?

    Piko: Wir haben ein bißchen Spiele gespielt. Im Internet gibt es ja nochmal n paar Spiele und das war ganz schön. Aber was viel interessanter war, waren die Schellackplatten.

    naerrin: *lacht* Ja, shan hat ein altes Koffergrammophon ausgepackt und das Grammophone aufgezogen mit der schönen Handkurbel, und dann ging es knisternd los.

    Piko: Es war ein sehr analoges Erlebnis, das wir digital übertragen über das Internet bekommen haben.

    Phoibi: Ja das stimmt *lacht* und es waren auch einige Schlagerperlen der … weiß ich nicht… dreißiger, vierziger Jahre dabei, mit echt interessanten Texten *lacht*

    naerrin: In jedem Fall hat es dazu geführt, dass Haecksen riefen: noch eins! (lacht)

    Phoibi: Ja!

    naerrin: Ich mag den Charme dieses mechanischen Gerätes auf jeden Fall sehr, aber zu oft kann man es tatsächlich nicht machen, weil es doch eine recht brachiale Methode ist, Ton aus etwas heraus zu bekommen… (lacht)

    naerrin: Bei welchen Workshops ward ihr denn so? 

    Piko: Beim Sprechworkshop. 

    Phoibi: Den hast du ja selber gemacht!

    Piko: *lacht*

    Phoibi: Ich war da! Ich war im Sprechworkshop. Das hat mir sehr gut gefallen. Also es ging darum die Stimme zu schulen bzw. zu gucken wie ich anders sprechen kann, dass ich in Gesprächen anders wirke, z.B. selbstbewusster. Und es waren halt ganz viele praktische Übungen dabei, für die man jetzt kein technisches Vorwissen brauchte. Also es war tatsächlich Spaß. Es war lustig. Und es gab auch noch theoretischen Input und was für’s Leben. 

    Piko: Awwe! Das geht natürlich total runter wie Öl! Ich war glaube ich bei allen Meta-Haecksen-Themen Workshops, und bei keinem einzigen inhaltlichem Workshop. Und hab’ halt meinen Workshop gegeben. 

    naerrin: Ah, doch! Du bist noch ganz kurz bei so ‘ner Art Workshop vorbei gekommen. Du warst — 

    Piko: Beim Podcast?

    naerrin: Nee! Ja, auch, genau! Es gab ja einen Podcast-Workshop, den hab’ ich gegeben. Da sind eifrige Menschen vorbei gekommen, die sich das Podcasten angucken wollten und mitmachen wollten. Das war sehr cool. Aber du bist auch am Samstag Abend bei meinem absurden kulturellen Versuch, über künstliche Intelligenz und Literatur zu reden, vorbei gekommen. 

    Piko: Stimmt! Das war richtig cool! 

    naerrin: *lacht* Einer der Workshops, den ich leider verpasst habe, war der von namiko, die nämlich über die World erzählt hat und Haecksen beigebracht hat wie man in der World mitmachen kann oder wie man sie aufbauen kann und helfen kann schöne Umgebungen zu gestalten in denen sich Menschen virtuell treffen können. Weil ich den Workshop verpasst habe — 

    Piko: Ich liebe es wie — 

    naerrin: Ja? 

    Piko: diese Begriffe einfach inzwischen stehen. Genauso wie “Engel”. 

    naerrin: Oh jaha! *lacht*

    Piko: Und ich glaube für ein paar Leute müssen wir erklären was die “World” ist. 

    naerrin: Genau. Das dachte ich nämlich auch, und weil ich das einfach so ein gutes Thema finde und weil das die Leute betrifft die auch auf die diesjährige rC3 kommen wollen habe ich mir namiko geschnappt und sie gebeten ein paar Sätze zu ihrem Workshop zu sagen. Und deswegen werden wir gleich hören was die World ist! 

    namiko: Hi, ich bin namiko. Ich bin jetzt so seit, mhh, vielleicht so zwei Jahren bei den Haecksen. Seit letztem Jahr eher aktiver. Und habe beim Geekend eben einen Workshop gehalten über die World bei der rC3 und wie man die Maps dafür erstellt, was man dazu alles braucht und was man so zu beachten hat dabei. Da ich die Haecksen-Map im letzen Jahr gemacht habe, natürlich noch zusammen mit anderen, lag das einfach nahe, dass man mich gefragt hat ob ich das noch weiteren Haecksen zeigen könnte und beibringen könnte, weil viele gesagt haben sie hätten eigentlich Lust darauf das zu machen, bräuchten aber einfach auch einfach jemanden der ihnen das mal kurz zeigt. Die World ist eigentlich sowas wie ‘ne Platform, also im letzten Jahr gab’s halt eben diese französischen Entwickler, die das Work-Adventure, wie es richtig heißt, entwickelt haben, eigentlich um ihr Büro nachzubauen und sich quasi virtuell trotzdem auf dem Flur begegnen zu können, weil dann auch immer so ein Kamerabild aufpoppt wenn man mit seinen Figürchen da rumläuft und sich begegnet, um einfach auch in der Pandemie und in der Zeit des Home-Office trotzdem so dieses Feeling rüber zu bringen, dass man irgend jemandem auch mal zufällig über den Weg läuft oder so, den Kaffee auf dem Flur zusammen trinkt. Das war, muss man so sagen, das richtige Ding zur richtigen Zeit und ist ja dann eben auch für die rC3 als Begegnungsplatform benutzt worden. Und es gab eben so eine große Lobby, von dort gingen ganz viele Ausgänge in verschiedene Gegenden raus und das waren eben die Assemblies so wie sie auf dem Congress auch Assemblies sind, und jede Gruppe die wollte konnte dann eben so ihren Space so wie unseren Haecksen-Hut damlas einfach beitragen und damit anbieten. Ich fand’s auch total toll was sich manche Leute da ausgedacht haben. Mein persönliches Highlight war, ich weiß jetzt leider nicht mehr in welchem Space das war, aber da hatte jemand ein Tic-Tac-Toe-Spiel aus Karten gemacht und immer wenn man auf ein bestimmtes Feld gelaufen ist ist man dann rumgesprungen auf eine andere Karte und dann war dieses Feld ausgefüllt. Und das sieht total unscheinbar aus, in Wirklichkeit sind das aber mehrere hundert Karten um alle möglichen Kombination abzudecken. Also ich hab noch so ‘ne Liebe für die theoretische Informatik behalten und weiß, dass das im Prinzip ‘n Automat ist und deswegen fand ich das total toll *lacht*, dass sich jemand die Arbeit gemacht hat! 
    [Fadeout]: Und dieses mal verstecken wir bestimmt auch selber noch ‘n bisschen mehr.

    Piko: Ja, kommen wir zum Fazit! Es ist viel ins Rollen gekommen mit dem Geekend, wie bei jedem Geekend. Einerseits haben wir uns super vernetzt und kennengelernt, andererseits sind ‘n paar, mh ja, Sachen wieder aufgewacht. Beispielsweise die Idee, dass wir unsere regionalen Gruppen wieder etwas reaktiveren. Wir haben Haecksen in Hamburg, Berlin, Göttingen, Karlsruhe, und wo weiß ich noch!

    naerrin: Ganz neu in Leipzig!

    Piko: Genau! In Leipzig gründet sich gerade eine. Und die wollen wir erstens ein bisschen mehr vernetzen, und andererseits, ähm ja, die sind während der Pandemie natürlich ein bisschen in dem großen Haecksen-Konglomerat aufgegangen, weil es eben nicht die Möglichkeit gab sich offline zu treffen. Und dann konnte man sich online ja immer als ganze Haecksen treffen. Andererseits gab es einige Situationen auf dem Geekend. 

    naerrin: *lacht* Ja, zwischendurch fanden dann auch Gespräche statt, die quasi eine Hinführung dazu sind, dass es irgendwann eine Haecksen-Punk-Band gibt. Ich bin gespannt was da passiert!

    Piko: Ja und augenscheinlich gibt es auch einen ganzen Haufen Gaming-Haecksen, das heißt auch da wird sich wahrscheinlich was Lustiges gründen. Die andere Sache, die ich — Ah! Die habe ich noch niemandem erzählt! Was mir aufgefallen ist, dass es auch sehr viele sehr  Phliosophie interessierte Haecksen gibt, und vielleicht gründet sich da demnächst ein Gesprächskreis oder es gibt einen Aufruf — 

    naerrin: Uhh! 

    Piko: — falls da irgendwie Zeit dafür existiert,

    naerrin: *kichert*

    Piko: denn die Haecksen haben jetzt auch ‘n ziemlich vollen Terminplan. Ja auf alle Fälle haben wir viel gelernt, wir haben uns vernetzt und wir haben viel Spaß gehabt. Und deshalb haben wir noch einen Aufruf an Haecksen, die sich noch nicht auf ein Geekend getraut haben.

    Phoibi: Wenn du dich noch nicht getraut hast auf einem Geekend vorbei zu schauen, dann probier’s doch einfach beim nächsten Mal, das wird es nämlich ganz bestimmt geben. Und das ist gar nicht so schwierig dabei zu sein. 

    Piko: Oft gibt’s ‘ne kleine anfängliche Hürde, aber danach hat Haeckse sehr viel Spaß. Vor allem an dem gemeinschaftlichen Gefühl zusammen tolle und auch wichtige Dinge anzugehen. 

    Phoibi: Das ist dann eigenltich quasi ein Selbstläufer, wenn wir dann zusammen Ideen austauschen, dann stellt auch jedes fest: “Oh! Das kann ich ja doch, obwohl ich’s gar nicht gedacht hätte.” Und mit ein bisschen ausprobieren klappt das dann auch ganz gut. Das nächste Geekend kommt bestimmt, gibt’s schon ein Datum?

    naerrin: Spätestens Oktober 2022, also nicht wirklich ein Datum, aber spätestens. Und es gibt sogar in Diskussionen, dass es eine Hybrid-Veranstaltung wird. 

    Phoibi: Das ist ja super!

    Piko: Ja!

    Phoibi: Dann kann eins hinfahren, wenn es möchte, aber wenn das aus verschiedenen Gründen nicht geht, einfach auch vom Sofa aus teilnehmen. Also für jeden möglich. 

    Piko: Mhm. [zustimmend]

    naerrin: Wir lassen unsere Folge über das Geekend jetzt noch mit ein paar Statements von einigen Haecksen, die teilgenommen haben ausklingen. 
    naerrin: Wir haben sandala und finja gebeten, die auch jeweils zum ersten mal beim Geekend dabei waren, mal kurz zu sagen wie’s lief. 

    sandala: Also es war auch natürlich mein erstens Geekend. Ich hätte eigentlich erwartet, dass noch mehr Menschen kommen. Ich war etwas überrascht, weil ja auch mehrfach gesagt wurde, dass wir bald die 500 knacken auf der Mailing-Liste, und das dann doch “nur” (in Anführungszeichen) 20-30 wirklich aktiv zu sein scheinen — oder was heißt aktiv, aber zumindest sich die Zeit nehmen beim Geekend vorbei zu schauen. Davon war ich etwas überrascht. Aber ansonsten fand ich’s sehr schön. Also mir hat’s super gefallen. Ich hab’ nicht alles mitgemacht natürlich, aber mir war’s wichtig bei dem Ziele-Workshop dabei zu sein. Und da hat mir einfach die Energie die dort in dem virtuellen Raum herrschte echt super gut gefallen. Dass es so eine Bereitschaft gab sich gegenseitig zu ergänzen, zu unterstützen, Ideen weiterzuspinnen. Und das alles eben in einem so super vorbereiteten Setting, das hat einfach wahnsinnig Spaß gemacht. Aber es hatte auch so einen Drive und so einen inspirierenden, motivierenden Charakter, das hat richtig Bock gemacht fand ich. Ich habe ein tolles neues Spiel gelernt, nämlich Broken Picture Phone *lacht’. Das ist eine Kombination, also es ist ein, so Richtung Montagsmaler, ein Ratespiel. Die Mitspielenden können jeweils ein Begriff eingeben, den muss dann die nächste Person malen, oder zeichnen, und wiederrum die nächste Person muss das Gezeichnete wieder in einen Begriff umdeuten. Und danach kann man eben so, wie so Bücher oder so Broschüren ausgeben, wo man dann mit Namen eben sieht “Ah, Person A hat dieses und jenes eingegeben, und daraus ist dann das entstanden und dann das”. Das fand ich total schön und werde das sicherlich in mein privates Repertoire übernehmen. Also ich persönlich wollte auch sehr gerne an dem Podcast Workshop teilnehmen, weil mir dieser Haecksen-Podcast, was ja noch ein sehr junges Projekt ist, unglaublich gut gefällt und ich die bisherigen Folgen sehr gefeiert habe. Und weil’s eben vielleicht auch ‘ne Option ist im nächsten Jahr mich selber in dem Podcast-Kollektiv einzubringen und deshalb wollte ich da sehr gerne reinschnuppern um zu gucken wir das so geht und wer da so aufschlägt. Und das war eben so ein super praxisorientierter Workshop, der einen total guten Einblick gegeben hat in die Prozesse, die hinter dieser Podcast-Produktion eben stecken. Und das wurde dann auch gleich so konkret, dass wir nach Themen gebrainstormt haben und sogar so ‘ne Art Teambildung stattgefunden hat. Das war total so hands-on und hab richtig Bock gehabt mitzugestalten, also ja, war sehr inspirieren. Und vor allem, ja, gab es selbstgezeichnete Folien! Yeah! *lacht* Das war auch noch ein total cooles Schmankerl, ja. 

    finja: Also ich fand beim Geekend vor allem erstmal die allgemeine Stimmung ganz toll, also den Umgang miteinander den ich dort so erlebt habe, und es war jetzt eben auch meine erste größere Haecksen-Veranstaltung, also mein erstes Geekend und eben auch allgemein die größere Veranstaltungen bei den Haecksen jetzt. Und ich fand das eben sehr schön, dass man da dieses gemütliche Beisammensein, z.B. beim Haecksenfrühstück hatte und da einfach so ein bisschen erzählen konnte oder chatten konnte wie man sich halt gefühlt hat. Dann gab’s dort auch eine kleine Vorstellungsrunde, das fand ich eben sehr schön. Und auch allgemein diese Ermunterung, dass man eben einfach überall mitmachen konnte. Also einfach drauf los mitmachen, diese allgemeine Attitüde, das hat mir sehr gut gefallen. Was ich als größeren Punkt sozusagen neues erfahren habe jetzt eben auf dem Geekend war auch das System Haecksen, weil ich habe halt immer bei dem ein oder anderen kleinen Treffen mal mit rein geguckt, aber vieles war mir noch nicht so ganz bewusst. Und zu dem System, wie ich das jetzt so genannt habe, also darunter zählt eben auch diese Ermunterung, dass man eben einfach überall mitmachen kann. Und auch allgemein, dass es da eben kaum Hürden gibt, dass die Leute total nett zu einander sind. Und dass man dann eben auch in dem Rocket-Chat von den Haecksen bspw da ganz viele Themen-Channels hat, wo man dann auch einfach reingehen kann. Also sprich, es hat mir halt sehr geholfen auch so kleine Hürden abzubauen wenn’s jetzt eben um den Umgang miteinander geht, bzw. einfach das Mitmachen und das Beteiligen bei den Haecksen. Was habe ich ansonsten an Fachwissen so ein bisschen gelernt auf dem Geekend? Also ich habe mich ganz doll gefreut, dass ich den Workshop für OBS mitnehmen konnte und dort ein bisschen was gelernt habe, wie man OBS für Videokonferenzen einsetzen kann. Ich persönlich benutze das privat immer zur Bildschirmaufnahme und deswegen war das für mich eben auch sehr interessant das mal zu sehen. Zum Beispiel habe ich aber auch gelernt wie Folgen für diesen Podcast hier entstehen und wie man sich dort einbringen kann, und das fand ich auch sehr interessant. Für mich war persönlich auch noch ganz wichtig, dass es als Remote-Verantstaltung stattgefunden hat, weil ich derzeit im Ausland lebe und es derzeit für mich deswegen ein bisschen schwierig wäre irgendwo vor Ort zu sein. Deswegen fände ich das auch ganz gut, wenn es in Zukunft vielleicht auch entweder noch ‘ne Weile als Rremote-Veranstaltung stattfinden könnte, vielleicht auch sich abwechseln könnte als Präsenzveranstaltung, Remote-Veranstaltung, vielleicht könnte das ja gehen, oder dann eben als Hybrid-Veranstaltung. Da bin ich auf jeden Fall mal sehr gespannt wie sich das in Zukunft entwickeln könnte. 

    naerrin: Das war’s jetzt mit unserer Folge. Wir hoffen ihr habt einen schönen Einblick bekommen, was das Geekend so ist und warum wir das so toll finden, und auch unbedingt möchten, dass wieder vor Ort eins stattfinden kann. Wenn ihr Lust auf mehr habt von den Haecksen, dann folgt uns auf Twitter unter @HaecksenC, oder hört in unsere anderen Folgen rein die es schon gibt, unter podcast.haecksen.org. Und wenn ihr Feedback für uns habt könnt ihr das auch gerne loswerden, entweder auch auf Twitter, 

    Piko: oder auf Mastodon im Fediverse unter chaos.social/@haecksen

    naerrin: oder unter der Email-Adresse podcast (at) haecksen.org

    Phoibi: In nächster Zeit wird garantiert auch wieder ein Frühstück geben, wo es die Möglichkeit gibt als interessierte Person einfach mal dabei zu sein, oder dann direkt Haeckse zu werden, spätestens auf dem Jahres-End-Event. 

    Piko: Tschüss! 

    naerrin: Bis zum nächsten mal.

    Phoibi: Tschüss!

    48 min
  • Just another Day in Paradise (CfP)

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk!

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Das Jahr neigt sich dem Ende und es wird wieder eine remote Chaos 3xperience geben. Die Haecksen stellen gerade unter dem Motto “Just another Day in Paradise” ihr Programm für diese Jahresendveranstaltung zusammen. Und wir suchen Eure Beiträge. naerrin und c_ristina stellen euch den Call for Participation vor und laden euch ein mitzumachen!

    Links
    • haecksenwerk abonnieren: https://www.haecksen.org/feed/mp3/
    • Just another Day in Paradise, CfP: https://pretalx.c3voc.de/rc3-2021-haecksen/cfp
    • Twitter: @HaecksenC
    • Eventseite der Haecksen: https://events.haecksen.org/
    • Eventseite des CCC mit allen Infos zur #rC3 2021: https://events.ccc.de/
    Stichworte

    Haecksen, Programm, CfP, Just another Day in Paradise, #JADIP, remote Chaos Experience 2021, #rC3

    Credits
    • Redaktion: c_ristina, naerrin
    • Sprechende: c_ristina, naerrin
    • Produktion: naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    naerrin: Willkommen zu einer neuen Folge haecksenwerk – zu einer eher etwas kürzeren Folge, denn sie ist ein bisschen in eigener Sache. Ich bin naerrin, und bei mir ist ausserdem c_ristina.

    c_ristina: Moin.

    naerrin: Das Jahr neigt sich ja schon etwas dem Ende und es wird auf jeden Fall wieder eine remote Chaos 3xperience geben. Die Haecksen stellen gerade unter dem Motto “Just another Day in Paradise” ihr Programm für diese Jahresendveranstaltung zusammen. Und wir suchen Eure Beiträge. Unser Call for Participation ist offen! Und c_ristina, sagt uns jetzt nochmal was genau da drin steht.

    c_ristina: Liebe Haecksen, liebes Ally, hast Du Lust den Haecksen-Fahrplan beim Jahresendevent mit Deinen Highlights, Projekten, Workshops zu bereichern oder Gemeinschaftsaktionen wie Brotbacken und Haecksenfrühstücke zu veranstalten? Dann reiche uns Deine Vorschläge und evtl. Zeitwünsche bitte bis zum 24.11.2021 ein, damit wir den Fahrplan erstellen können!

    Unter dem Motto “Just another day in paradise” (#JADIP) wollen wir ein Event gestalten mit den Themenschwerpunkten “Kunst, Kultur und Erholung”, “Soziales & Gesellschaft”, “Feminismus”, “Umwelt” und natürlich auch “PaNdEmIe” – unter anderem!

    Und wir freuen uns über jeden Beitrag, egal wie kreativ, technisch, nieschig oder altbacken es dir grade vorkommt. Es gibt so viele spannende Haecksen (und Allies), und unser Programm soll genau diese bunte Community widerspiegeln! Um uns die Organisation etwas einfacher zu machen nutzen wir dieses Jahr pretalx, bitte trag deine Idee dort ein – Du findest den Link auf unserer Eventseite und in den Shownotes.

    Wir bieten Euch unterschiedliche Slotlängen an, jenachdem in welchem Format Du einreichts.

    Nochmal kurz zusammengefasst: der Einreichungsschluß ist der 24.11. um 23 Uhr 42, und die finale Zu- oder Absage erhältst Du am 4.12.

    naerrin: Reicht eure Talks und Workshops zahlreich ein. Wir freuen uns auf jeden Fall auf eure Vorschläge.

    Und bald erscheint auch wieder eine längere Folge des haecksenwerks, ich habe nämlich mit Piko und Phoibi zusammen eine Folge über das GeekEnd gemacht, das im Oktober stattgefunden hat. Dafür haben wir auch wieder zahlreiche weitere Stimmen eingesammelt.

    Und wer keine Folge verpassen möchte, findet in unseren Shownotes den Feed zum Abonnieren, und ansonsten folgt uns auch gerne auf Twitter unter @HaecksenC. Und unsere Folgen findet ihr auch unter podcast.haecksen.org. Für Feedback und dergleichen – ihr wisst schon – könnt ihr uns auch immer wieder anschreiben unter podcast at haecksen.org.
    Ja, das war’s dann auch schon, dann sagen wir für dieses Mal Tschüss.

    c_ristina: Das war’s auch von meiner Seite und ich freue mich auf eure Einreichungen!

    naerrin: Tschüss!

    4 min
  • hckn003: Wer sind die Haecksen?

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk!

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast (Feed) möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Gelantine und naerrin sind der Frage nachgegangen: Wer sind die Haecksen? Sie haben dazu Stimmen eingefangen und sich für ein längeres Gespräch virtuell mit melzai getroffen. Sie ist seit 10 Jahren bei den Haecksen und kann einiges zur Geschichte sagen. Und melzai weiß natürlich auch über die aktuellen Projekte gut Bescheid, deswegen kann sie auch ein bisschen über die nähere Zukunft der Haecksen erzählen.

    Links
    • Haecksenseiten: https://www.haecksen.org und http://events.haecksen.org
    • Twitter: @HaecksenC
    • Verlesung des Ärgers (36C3): https://media.ccc.de/v/36c3-112-feierliche-verlesung-des-gesammelten-rgers
    • Feinstaubsensor (Bits & Bäume): https://media.ccc.de/v/bub2018-153-feinstaubsensor_selbstgebaut
    • Die Einflüsse von Covid-19 auf das Umfeld der Haecksen: https://www.haecksen.org/projekte/die-einflusse-von-covid-19-auf-das-umfeld-der-haecksen/
    • Rückblick auf das Camp 2019: https://www.haecksen.org/women/cccamp19-ruckblick/
    • Webseite und Twitter des CCC: https://www.ccc.de und https://twitter.com/chaosupdates
    • Entropia (Erfa des CCCs in Karlsruhe): https://entropia.de
    • Bits & Bäume: https://bits-und-baeume.org/de
    • DiVOC Reboot to Respawn: https://di.c3voc.de/r2r:start
    Stichworte

    Haecksen, Geschichte der Haecksen, Veranstaltungen, Mitmachen, Projekte der Haecksen, Haecksenfrühstück, joy exchange, anger exchange

    Credits
    • Redaktion: Gelantine, naerrin, melzai
    • Sprechende: Gelantine, naerrin, melzai
    • Weitere Stimmen: waldwesen, janepie
    • Produktion: Gelantine, naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    gelantine: Wilkommen zur dritten Folge, ich bin Gelantine von den Haecksen und wenn ihr wissen wollt, wer die Haecksen sind und was wir so machen, dann seid ihr hier genau richtig. Ich sitze hier zusammen mit naerrin.

    naerrin: Hallo ich bin naerrin und wir beide führen euch heute zusammen durch diese Folge. Wir haben mit Melzai darüber geredet wer die Haecksen sind, was wir machen, wie man Haeckse werden kann. Und damit nicht nur wir reden haben wir auch noch Stimmen von anderen Haecksen eingefangen und sie gefragt: Was sind die Haecksen für dich und was machst du bei den Haecksen?

    gelantine: Ich würd sagen wir starten jetzt direkt los und hören uns zur Einstimmung mal an, was die Haecksen für waldwesen und janepie sind.

    waldwesen: Für mich sind die Haecksen ein Lagerfeuer. Vor allen Dingen für weibliche Hackerinnen und sind da einfach die Möglichkeit zusammen zu kommen und sich vielleicht gegenseitig ein bisschen Mut zu machen. Weil dieses große Chaos und auch das Feld von Technik ist gerade für Menschen aus dem weiblicheren Spektrum vielleicht ein bisschen schwieriger. Und an diesem Lagerfeuer kann man Mut sammeln, um zu anderen Teile des Chaos oder auch zu neuen Technikfeldern aufzubrechen und sich da einfach gegenseitig zu unterstützen; und da rein zu finden, einen Anfang zu finden und sich zu trauen etwas anzufangen. Das sind für mich die Haecksen. Das ist auch so der Weg wie ich zu den Haecksen gekommen bin. Ich habe die Haecksen ganz klassisch auf ‘nem Congress, ‘nem Frühstück kennengelernt und war einfach total begeistert davon, von diesem, ja, Geist des gegenseitigen Unterstützens, des sich gegenseitig Dinge empfehlen, sagen: Hey, hier hast du das schonmal angeguckt und das ist witzig und das hat Spaß gemacht und ich hab da ‘nen Vortrag gesehen. Das hat einen einfach unheimlich mitgezogen und unheimlich Spaß gemacht. Oder macht immer noch Spaß.

    janepie: Die Haecksen sind für mich persönlich eine Community in der ich mich zu Hause fühle und in der nichts von mir erwartet wird, ich aber alles machen kann. Und ist für mich auch ein Anschluss an den CCC, der es einfacher macht reinzukommen. Weil, das ändert sich momentan auch, aber viele von den Hackspaces und Erfas sind nicht gut darin neue Leute aufzunehmen, obwohl sie es gerne machen würden. Aber die machen sich wenig Gedanken darum, wie Leute, die irgendwie zur Tür reinschneien und noch nie da waren, eigentlich integriert werden müssen. Was aber, wie gesagt, an vielen Stellen schon viel viel besser wird. Und wo viel passiert.

    gelantine: Ja, nach diesen ersten Eindrücken wünschen wir euch jetzt viel Spaß mit unserem Gespräch zusammen mit melzai. Sie ist hier in unserer Runde eine der Haecksen, die schon lange dabei ist und viel Spannendes zu erzählen hat.

    melzai: Jetzt müssen wir schnell noch einen kurzen Zwischenstopp machen: Diese Podcastfolge wurde bereits an Ostern aufgenommen, wie ihr noch hören werdet. Zu diesem Zeitpunkt haben wir Haecksen gerade die Entscheidung zur Öffnung auf FINTA – FINTA steht für Frauen, inter, nichtbinäre und trans Menschen – vorbereitet, die dann im Juni auch so verabschiedet wurde. In Bezug auf Gender bewegen wir uns in dieser Folge zwischen der an Ostern noch geltenden strengeren Zugangsbeschränkung und der Hoffnung, dass wir, die Haecksen, die Öffnung auf FINTA auch tatsächlich entscheiden werden. Diese Folge hält also tatsächlich ein kleines Stück Zeitgeschichte fest.

    naerrin: Als, ich sag mal, Neuhaeckse, die gerade erst reingepurzelt ist, frage ich jetzt einfach mal direkt melzai (lacht): Wer sind die Haecksen?

    melzai: Da muss man jetzt die ganz, das ganz dicke Geschichtsbuch rausholen und aufklappen. Also blättern wir jetzt mal 30 Jahre zurück (lacht). 1989/1990 haben sich zwei Frauen getroffen auf einer Konferenz, auf einer Jahresendkonferenz und festgestellt, sie sind ja nur zu zweit. Und haben dementsprechend als Konsequenz daraus die Haecksen gegründet. Die Konferenz ist die Konferenz vom Chaos Computer Club – das ist der CCC abgekürzt – der den Schwerpunkt auf digitale Bildung, digitale Bürgerrechte, aber auch an Spaß an Technik, Interesse an Technik, Kreativer Umgang mit Technik hat; und häufig wird der Begriff Hacker in dem Kontext verwendet. Das Wortspiel auf Hacker ist dann dementsprechend, sind die Haecksen. Die werden mit A E geschrieben und sind 30 Jahre alt und sind stark mit dem CCC assoziiert und treffen sich häufig auf den lokalen Veranstaltungen des CCCs.

    naerrin: Was machen die da so?

    melzai: Mhm, wir nehmen ja den Podcast mitten in Corona auf, dementsprechend sind wir alle sehr virtuell unterwegs, sonst könnte ich sagen, Was machen sie da so?, sie treffen sich auf zum Beispiel lokalen Events. Das letzte Jahr war jetzt extrem virtuell, die Haecksen sind stark dezentral verteilt, wir sind grad 450 Menschen, verteilt über den vor allem deutschsprachigen Raum; aber auch immer mehr Menschen, die den Schwerpunkt Englisch haben. Und die Haecksen machen das, wozu sie Lust haben. Nicht wahr? Wir machen hier gerade Podcast. Wir haben festgestellt, wir haben Lust dazu, also machen wir jetzt einen Podcast und haben zum Glück auch viele Menschen, die das schon ausprobiert haben – also wird der Podcast sogar auch noch interessant. Klasse Sache! (lacht) Und dafür gibt es allerdings, … es gibt ‘ne InfoSec Haecksengruppe mit ungefähr 50 Mitgliedern; es gibt ein paar die interessieren sich für Klima; es gibt den Buchclub, der liest ein Buch über Community Management gerade zusammen, um besser zu verstehen, wie man 450 Menschen eigentlich zu vollen Kapazitäten da ermöglicht; es gibt lokale Gruppen, die machen das, was ihnen gefällt: das ist dann manchmal ein Gesprächskreis, also die reden viel, aber manchmal machen sie auch Hardwaresachen so wie den Feinstaubsensor, mit dem sie zur Bits & Bäume Konferenz gehen. Anlaufstelle für junge Menschen zum Beispiel. Wir hatten jetzt gerade auf dem letzten Ostern, da gab es ja die DiVOC-Veranstaltung Reboot to Respawn und da gab’s zum Beispiel eine Ask Me Anything für das Informatikstudium – von Haecksen, die selber gerade im Studium sind, die sich teilweise das Studium selber auch finanzieren; all die wichtigen Fragen, die man da natürlich hat. Gerade ist ja Berufsorientierung ein bisschen schwierig. Und auch dafür interessieren sich einige Haecksen und bieten ihr Wissen an.Was möchtet ihr denn innerhalb der Haecksen tun?

    naerrin: gelantine fang du doch an.

    gelantine: Ich bin glaub ich schon eine Weile auf der Liste und hatte aber am Anfang Schwierigkeiten reinzukommen. Es hat ziemlich lang gedauert. Für mich war das erst mal so wow, mega die große Spielwiese. Voll spannend, es passiert irgendwie ganz viel. Manchmal aber bleibt es aber auch irgendwie stehen, wie das halt so ist wenn sich Gruppen zusammenfinden. Und war dann irgendwie erstmal nur so dabei und hab mitgelesen. Genau, und dann kam irgendwann das mit dem Podcast hier auf. Das hat mich eigentlich total abgeholt. Es waren auch nicht gleich so viele auf einmal. Also das halt auch immer so ein Punkt: Überschaubarer. Und setze da jetzt eigentlich auch so mein Schwerpunkt rein, hier irgendwie aktiver mitzumachen. Und mich da auch so technisch in so Sachen reinzulesen. So deswegen seh ich mich da momentan am meisten. Und bei dir naerrin?

    naerrin: Ja, ich, ich hab ja grad schon gesagt, ich bin eine Neuhaeckse, ich bin schon eine Weile drum rum geschlichen. Vor allem auf den CCC Veranstaltungen und hab mich aber nie so richtig getraut. Es war jetzt tatsäclich auch erst nach dem rC3 wo ich gesagt hab, jetzt dann doch mal auf die Mailingliste, und mal genauer hingucken. Ja und dann bin ich spontan eigentlich auch gleich an die Stelle reingepurzelt, wo eben der podcast aufkam als Thema wieder und deswegen habe ich mich da gleich dann eingebracht weil ich mir da auch dachte, wenn ich mich einer Gruppe irgendwie zugehörig fühlen möchte, möchte ich auch etwas mithineintragen und da war auch gleich etwas wo ich Anschlussfähigkeit gefunden hab. Und was ich eben auch sehr schön fand war, dass das auch niemand hinterfragt hat. (lacht)

    gelantine: Ja.

    naerrin: Man kommt einfach an und sagt ich möchte mitmachen und jemand sagt: Juchu!. Und das war sehr schön und ich glaube das ist auch das was mich so überhaupt auch auf den CCC-Veranstaltungen so’n bisschen gefreut hat, so ganz grundsätzlich. Dass man in vieles reingucken kann und das selten irgendwie gefragt wird, was willst du eigentlich hier, sondern jeder versucht zu zeigen: Das sind Dinge, mit denen wir kreativ Sachen machen können und jetzt mach doch einfach mal mit. So. Ja, dafür bin ich da. Zum Mitmachen. Hat das eigentlich die Frage beantwortet?

    melzai: Auf jeden Fall. Ich denke, ein wichtiger Aspekt im CCC-Bereich ist halt, dass sich andere Menschen darüber freuen, wenn man Interesse zeigt und dass das gefeiert wird. Weil das ist der erste Schritt um was Neues zu entdecken. Vielleicht führt das Neue dann zu einer Verbesserung. Auf jeden Fall führt es zu mehr Wissen. Vielleicht auch über Dinge, die so nicht funktionieren. Aber es ist dann eine Weiterentwicklung wohin es auch immer geht. Das ist das, was ich auch im CCC Umfeld so spannend finde. Das ist der Wunsch und das Interesse da existiert einfach weiter zu gehen, auszuprobieren. Möglicherweise einer der Schritte wird dann Erfolg haben und irgendwann wird es dann auch perfekt sein aber am Anfang vielleicht nicht.(lacht)

    naerrin: Ja, ich glaube was vielleicht an dieser Stelle ganz gut passt, ist so n bischen die Frage aufzuwerfen, was denn eigentlich so das Selbstverständnis der Haecksen noch mal genauer ist, oder wie dieses Leitbild eigentlich aussieht. Weil, wenn man zum Beispiel über den Congress läuft, dann sieht man ja sehr viele Gruppen und irgendwie kann man sich ja auch so n bischen aussuchen, wo man sich näher einbringen möchte. Aber auch warum entscheidet man sich für die Haecksen?

    melzai: Wir haben den Hut auf der Assembly. (lacht)

    naerrin: (lacht) Und ein Lagerfeuer.

    melzai: Oh ja, das Lagerfeuer. Da gibt es immer Sticker. Na ich denke, man sieht, dass da ganz viel Freude dabei herrscht. Das man feststellt, dass es da noch zwei, drei andere gibt, die man vorher nicht kannte aber mit denen man was ganz tolles auf die Beine stellen kann. Und dann stellt man fest, wenn ich da jetzt ein bischen was von meinen Interesse reingesteckt und es hat funktioniert. Dann könnte ich ja vielleicht mein anderes Interesse, wo ich die ganze Zeit mit alleine war zum Beispiel. Interesse und Technik und tendenziell Frauen ist ja auch, sind ja wenige. Man ist sehr verteilt in der Welt. Da könnte ja was besseres noch raus kommen. Da könnte ich ja auch diesem Interesse nachgehen mit dieser Gruppe und dann geht man noch einen Schritt weiter.Deswegen, wir haben uns mal vor ich glaube zwei Jahren – also vor drei Jahren waren wir dann so viele, dass wir angefangen haben uns nicht nur auf dem Congress zu treffen sondern auch ein sogenanntes GeekEnd zu veranstalten. Das ist eine Wochenendveranstaltung, die auch von Geldern des CCC unterstützt werden. Die übernehmen gern mal Übernachtunskosten oder Reisekosten. Da kann man sich dann mal zusammensetzen, ungefähr 20 Haecksen zum Beispiel, und mal drüber reden: Wer sind wir eigentlich, wo wollen wir eigentlich hin? Was ist unser Leitbild, was ist unsere gemeinsame Vision. Dabei kam raus durch eine Unmenge an Post-It’s kleben: Wir machen das was uns Spaß macht. Und die Nachbarhaeckse ermutigt die Haeckse, die was versuchen möchte, dass sie es probiert. Und wenn sie vielleicht einen Tipp hat, wie es funktionieren könnte, wie man ein Problem überwinden kann, dann gibt sie diesen Tipp. Haecksen ermöglichen Haecksen, Dinge zu erreichen und letztendlich ist das Ziel halt natürlich am Ende: gleiche Rechte, gleiche Möglichkeiten, ein gleich qualitativ hochwertiges Leben wie alle anderen Menschen auf dieser Welt. Und dahin wollen wir gehen. Und wir sind der Meinung, wir machen das halt mit Spaß, und mit gegenseitig helfen und zusammenarbeiten. Das bedeutet natürlich auch, dass, wenn die Haecksen versuchen, die Welt so umzuändern, so dass alle Menschen die gleichen Rechte haben, dann gibt es natürlich jetzt in der Welt sind Dinge, die sie ärgern. Da gibt es seit ein paar Jahren eine Installation bei uns in unserer Assembly, nennt sich anger exchange point, die haben wir jetzt auch umgezogen in die virtuelle Assembly, wo Menschen ihren Frust hinterlassen.Der Trick ist, die reale Installation ist: man wirft seinen Ärger auf einen Zettel geschrieben rein und zieht einen neuen. Das heißt, man wird ihn los und dafür bekommt man einen anderen. Dann erfährt man was darüber, was eine andere Person ärgert. Interessanterweise schmeißen viele Menschen mehr Ärgern rein als sie rausziehen; also bleiben am Ende Ärgerzettel übrig und die werden dann feierlich verlesen. Das kann sehr feministisch, sehr gesellschaftskritisch sein. Das kann aber auch sehr witzig werden und wir haben Menschen, die das enstprechend improvisierend vertonen. Was ärgert euch denn so? Wenn ihr euch so den Zustand der Welt anguckt.

    gelantine: (lacht) Ist natürlich ne gute Zeit, um nach dem Zustand der Welt zu fragen. Ja, was mir spontan so dazu einfällt weil ich grad mehrere Jobwechsel auch hinter mir hatte. Ich bin 1.54m groß. Bin also eine kleine Frau erstmal von der Größe. Und wie das halt so ist, ihr könnt euch das ganz gut vorstellen, ich rufe in den Leuten immer so was, oder was heißt ich ruf das in ihnen vor, die Leute sehen in mir immer so was ganz Süßes, Niedliches, und was sehr Kindliches. Ich brauch immer so Monate um herauszuarbeiten, dass ich ein erwachsener Mensch bin, der ganz normal Dinge verrichtet wie auch jeder andere erwachsene Mensch und auch normal angesprochen werden möchte. Das ist was, das begleitet mich irgendwie schon ewig. Das ist immer so ein Mix aus Ärger; manchmal resignier ich auch. Manchmal bin ich auch einfach wütend und kommunizier das auch direkt. Ja, ich glaube, ich würde so sagen, das ist was, was mich so richtig, richtig doll wütend macht, ja.

    naerrin: Bei mir ist es grade vor allem diese Inkongruenz der Welt. Man hat auf der einen Seite wissenschaftliche Fakten oder Studien und Dinge die ganz eindeutig auf etwas hinweisen und dann sitzen da Politker*innen, die einfach nichts tun – gefühlt. Ich glaube, das finde ich momentan eigentlich mit am schwierigsten irgendwo – auch auszuhalten. Das macht mich recht wütend. Dass man ja, auch wie bei der Klimakrise, dieses Gefühl hat, so oft man sich auf die Straße stellt, so oft man irgendwie ein Plakat aus dem Fenster hängt, weil Demos vielleicht momentan auch nicht so dass sind, was so richtig sinnvoll ist im Sinne von Menschen schützen, ja. Es kommt so wenig an.

    melzai: Passend dazu: Ich hab ein Kind in der Kita. Wir rollen also jeden Tag die Würfel und schauen mal, welche Variante der Erkältung das Kind mit nach Hause bringt. Und wenn sie sich wenig sehen, die Kinder, dann verteilen sie untereinander ziemlich heftige Erkältungen. Unser Kind ist alle zwei Wochen krank. Und jedes Mal dürfen wir ausrollen, was es denn diesmal ist in der Hoffnung, dass es doch bitte nur die Erkältung also ein Schnupfen, also die oberen Atemwege. Ach ne, ein Schnupfen ist auch ein Symptom für Corona bei kleinen Kindern. (lacht) Ja, es wär schon schön, wenn man den Wissenschafter*innen, die diese ganzen Modellrechnungen machen, die sich immer und immer wieder bestätigen. Dass man dann auch mal was macht. Thema Klimawandel ist das selbe. Und ich bin zu groß, Kleidung passt mir nicht. Es ist so ärgerlich. Ich habe nur zu kurze T-Shirts. Bin schon kurz davor, Nähen zu lernen um das Problem zu lösen.

    gelantine: (lacht) Ja, kenn ich auch ganz gut in die andere Richtung. Ich hab so kleine Füße, kann mir immer Glitzerschuh kaufen. (lacht)

    melzai: Mein Kind liebt die. Glitzer und Bunt.

    gelatine: (lacht) Kann ich mir vorstellen.

    naerrin: Dann haben wir, glaub ich jetzt ganz offiziell ‘ne Runde anger exchanged. (lacht)

    melzai: Und dabei gelacht.

    gelatine: Definitiv.

    melzai: Das ist der Trick. Bei dem rocket chat der Haecksen gibt es auch den Joy Exchange. Die Welt besteht nicht nur aus Wut sondern auch aus Dingen, über die man lachen kann, über die man sich auch freuen kann. Und der Trick ist halt, dass man sich die negativen Sachen immer besonders gut merken kann.  Es ist auch grade ein bisschen schwierig, die guten zu sehen aber beides braucht man.

    gelatine: Definitiv.

    melzai: Glitzerschuhe.

    naerrin: Gut, dann stelle ich jetzt einfach mal so die Frage: Was machen Haecksen denn? Also treffen sich, planen Dinge, sind dezentral vernetzt und bauen sich dabei gegenseitig auch auf Sachen anzugehen aber was gehen sie denn so an? Außer diesem Podcast ganz offensichtlich… .

    melzai: Ich glaube grade findet sich eventuell ne Capture the Flag/CTF-Gruppe. Für die Leute, die es nicht wissen: Capture the Flag ist ein Spiel bei dem ein Team versucht ein Server einzunehmen, der für dieses Spiel auch ausgewiesen ist. Macht es nicht bei den anderen Servern. Man braucht dafür bis zu einem gewissen Grad technisches Wissen aber tatsächlich gibt es viele CTFs die inkrementell aufgebaut sind. Also sehr stufenförmig, das heißt die ersten schafft man vielleicht  selbst oder mit Hilfe und die weiteren Stufen schafft vielleicht einer aus dem Team und die Person bringt dann den anderen bei, warum dieser Hack jetzt der richtige war. Zum Beispiel. Da kann man also wahnsinnig viel lernen. Und es gibt diverse Haecksen, die machen das auf Anfängerniveau es gibt aber auch Haecksen die sind sehr gut. Was passiert grad noch? 

    naerrin: Hm, heute morgen wurden ein paar Sachen erzählt. Kurzzeitgedächtnis. 

    melzai: Es passiert so viel, es ist wahnsinnig schwierig. Also  für den remote Chaos Communication Congress, den rc3, der ja zwischen den Jahren 2020 passiert ist, das heißt zwischen den Jahren ist immer der 27. – 30. einschließlich, vier Tage, ehm haben bei uns das Haecksen-Team ne 3D, ne Tschuldigung, 2D Pixel Welt aufgebaut mit ca 7 Mio. Pixel, hat dazu noch gleichzeitig auf der Homepage einen kompletten Event-Bereich geschaffen, wo man die Workshops der Haecksen finden kann. Und so weiter und so fort. Es ist so viel Arbeit dass tatsächlich jetzt auf dem Oster-Event, während wir hier gerade den Podcast aufnehmen auf dem Oster-Event so viel passiert, dass wir schon gar nicht mehr den Überblick haben. Weil, es gibt was zu Datenschutz, es gab n Workshop zu OBS, es gibt was über Hackathons, oder…

    naerrin: Bootstrap-Workshop

    melzai: Bootstrap, ja. es gibt das Treffen von Betroffen mit ADHS aus dem FNIT-Bereich. FNIT heißt Frauen, nicht-binär, inter und trans. Tatsächlich hat der Umgang mit ADHS eine Genderkomponente und wird vor allem im Bereich FNIT schwer erkannt, seltener erkannt und dementsprechend anders behandelt wenn überhaupt. Die Menschen finden also viel später heraus, dass sie zum Beispiel ADHS tatsächlich haben um dann die Strategien, die ihnen wirklich helfen im Leben zu entwickeln.

    naerrin: Noch dazu ändert es sich da auch sowieso gerade wie wie fern Erwachsene von ADHS betroffen sind. Also, man muss da gleich an zwei Fronten kämpfen. Zum einen als erwachsener Mensch und zum anderen eben mit einem bestimmten Genderaspekt einfach.

    melzai: Was machen wir sonst noch? Wir hatten eine Corona-Studie, die haben wir Studie genannt.Die haben wir in der Datenschleuder veröffentlicht letztes Jahr. Da haben wir mal ne Umfrage freigeschaltet um festzustellen wie die Belastung  eigentlich wirklich aussieht. Mussten dann glücklicherweise feststellen, dass sich Haecksen sehr wohl gefühlt haben trotz Lockdown also im relativen Vergleich zu der Tatsache, dass FNIT-Personen stark betroffen sind weil schlechter bezahlt, schlechtere Jobstabilität, zusätzliche Care Arbeit, waren die Menschen in unserer Blase tendenziell stabil abgesichert. Wenn auch, es war nicht super. Aber sie waren stabil abgesichert immerhin. Das kann man nachlesen in unserem Blog und in der Datenschleuder Ende 2020. Und wir gucken uns auch grade mal wieder einen Fall bei den CCC Erfas an. Da gab es wohl mal wieder eine Runde sexistische Kackscheiße. Dafür sind wir dann eben auch im Hintergrund da.

    gelatine: Was bei den Haecksen auch noch passiert, was ich auch ganz wichtig und gut finde. Gerade wenn man neu bei den Haecksen ist und Probleme hat oder sich nicht traut und nicht so schnell und gut reinkommt. Es gibt immer wieder auf diversen Events auch ganz viele selbst organisierte Workshops. Ich würd sagen vom Spektrum hin vom lustiger Quatsch bis zu sehr ernsthaften Dingen. Ich hatte zum Beispiel beim rC3 war ich bei einem kleinen Contest, ein Microcontroller-Fun-Contest, wo wir auf einem 1 bis 1×3 cm großen Minibildschirm quasi einen kleinen Trickfilm entworfen haben, programmiert haben. Daraus entstandt dann auch über den rocket der Channel Mikrocontroller-Fun wo wir auch noch planen uns einmal im Monat zu treffen und da zusammen daran rumwerkeln. Was ich super toll finde, dass sich einfach aus Workshops heraus dann auch so kleine Gruppen entstehen und dann irgendwie am Ende sogar viel mehr daraus wird. Mal gucken halt, wo das hinführt.

    melzai: Das Spannende an dem Thema Mikrocontroller ist ja, dass in der Haecksen Goodie Bag vom letzten Jahr, also für die für den rC3 gab’s ne Haecksen Goodie Bag, die war voll mit Stickern und allem drum und dran. Da haben sich ne ganze Menge Leute wahnsinnig viel Mühe gegeben. Es gab sogar selbst genähte Masken da drin.

    gelantine: Genau.

    melzai (holt tief Luft):Und da lag dieser Microcontroller drin, und das Wichtige daran war: Die Leute, die die Goodie Bag bestellt haben, wussten nicht, dass der da drin liegt. Und dementsprechend ham sie, ohne dass sie’s wussten, ein Microcontroller bekommen und hatten plötzlich dieses Stück Technik in der Hand, was schon fertig geflasht war. Was sie jetzt nur noch hätten benutzen müssen. Sie mussten also gar nicht die

    gelantine: Ja.

    melzai: Bestellseite durchklicken oder die Kennung kennen, um das Richtige zu bestellen.Sondern sie hatten’s schon in der Hand, und es gab auch gleich noch nen Workshop. Und da haben möglicherweise mehrere Menschen das erste Mal in ihrem Leben wirklich nen Mircocontroller angefasst und ihn auch noch verwendet. Um diese Barriere Technik zu erfahren. Es ist ja auch was Haptisches, nicht wahr. 

    gelantine: mhm

    melzai: Auch das ist Technik. Und das ist vielleicht Technik, die ich auch können könnte.

    gelantine: Ja. 

    melzai: Genau. (Kurze Pause) Was auch grad passiert ist, dass eine Vereinsgründung vorbereitet wird. Das ist auf der bürokratischen Ebene was, was ganz wichtig ist, und wir wollen auch drüber reden, was in der Zukunft passiert. Die Haecksen überlegen, ob es nicht eventuell ein spezifisches Haecksen-Konferenzformat geben soll. Und da werden sich die Fachmenschen die hier der Zuhörenden sich erinnern, das hat Haftungsgründe. Da gibt es Haftungsprobleme, da muss man drüber reden. Dafür bräuchte man, wenn es geht, einen funktionierenden Verein, wo man sich auf Gouvernance-Strukturen geeinigt hat, so dass dieser Verein dann  entsprechende Verträge unterschreiben kann.
    (Kurze Pause)
    Und dann, in 2 Jahren ungefähr, äh, müsste eigentlich auch das CCC-Sommer-Camp sein. Das findet Mitte August statt, und letztes Mal waren wir das erste Mal mit ner Haecksen-Village da. Und die war fantastisch! Das war grandios. Wenn ihr glaubt, unsere Assembly ist gut, nein, die Haecksen-Assembly auf dem Sommer-Camp ist noch viel besser. Und dementsprechend, ähm, wird das wahrscheinlich auch eins der wichtigsten Punkte sein in zwei Jahren. Weil einfach, dann übernachtet man quasi mit anderen Haecksen und ihren Partnern, Partner*innen. Die Kinder kommen auch teilweise mit. Da in der Ecke sitzt eins am Lagerfeuer und redet über die Dinge, und hat Zeit dafür.

    naerrin: Ja. Da freue ich mich auch schon drauf, also beim letzten Camp, 2019, bin ich da auch schon öfter vorbeigeschlichen. (lacht) Es war schön; ich habe bei der Seed-Exchange-“Stelle” ein paar Samen mitgenommen für den Garten – und auch welche hinterlassen – natürlich; because of „Exchange“. Das heißt, eventuell, vielleicht hat ja sogar irgendwer gerade Liebstöckel von mir im Garten stehen, der sich so langsam wieder aus dem Boden schält…Ja, ich glaube, das ist auch so ein bisschen das, wo wir vielleicht selber nochmal kurz sagen können: Was bedeutet das eigentlich für uns? Ich fang einfach mal an, weil: Ich hab’s ja schon ein bisschen gesagt. Ich bin so ein bisschen rumgeschlichen und hab auch so versucht, in diesem ganzen CCC-Umfeld so meinen Anknüpfungspunkt zu finden und, ähm, den habe ich am ehesten dann tatsächlich bei den Haecksen gefunden. Also, erst so ein bisschen aus der Distanz und dann habe ich mich jetzt halt doch reingeworfen und ich finde es auch sehr schön was ja auch in den ganzen Aktionen, die wir jetzt schon so beschrieben haben zum Tragen kommt, ist: es geht einfach verdammt viel um Gemeinschaft und das ist – glaube ich – das, was es dann auch für mich bedeutet: So eine Gemeinschaft zu haben, in der man auch mit seinen Ideen hinkommen kann oder mit den Fertigkeiten, die man bisher hat und zusammen gucken kann, was man machen kann. Genau. So die Frage, wie fühlt es sich an, neu bei den Haecksen anzukommen? Ein bisschen verrückt, weil einen niemand so behandelt, als wäre man neu (lacht), und jeder einfach so tut als… ja… man ist einfach dann da und das ist sehr schön.Ja, wie war das für dich, Gelantine? (Gelantine lacht) Oder, beziehungsweise: was bedeutet es für dich?

    gelatine: Was ich wirklich schon finde und für mich auch am Anfang sogar ungewohnt war is, diese ganze Gruppe bietet einem auch so einen großen Rahmen an so eigenen Möglichkeiten zu interagieren und zu kommunizieren. Wenn ich zum Beispiel einfach natürlich eine rein technische Frage hab, kann ich das halt so ganz ohne ein unangenehmes Gefühl in den Raum werfen und schauen was daraus wird. Und ich merke das zum Beispiel schon dass ich in einem eher männlichen Umfeld sag ich mal schon Hemmung hab einfach ne Frage zu stellen im Bezug auf Technik weil halt im Hintergrund immer so dieses kleinen nagende Gefühl ist wie der Blick von den männlichen Kollegen auf mich ist, sozusagen. Weil ich ja quasi nur eine Frau bin sozusagen. Das Gefühl hab ich schon manchmal, nicht überall. Manchmal ist das so. Nicht überall. Das finde ich halt schön und auch so generell also dieses aufgenommene Gefühl in der Gruppe und ja, dass irgendwie viel passiert und man halt sich überall seine Rolle finden kann wo man mit machen möchte. Und du bist ja schon länger dabei melzai. Wie ist das denn, wie war das denn vielleicht auch für dich? Ganz am Anfang mal, vielleicht weißt du das noch. 

    melzai: Ja, da kommen wir gleich zu dem Punkt, was mich außerdem noch ärgert. Es ist so, dass die Haecksen kaum eine Geschichtsschreibung haben. Das bedeutet, man kann nicht in den alten Aufzeichnung nachschauen wie das damals war sondern die Aufzeichnungen, Erinnerungen fangen erst an seitdem wir angefangen haben, Schriftstücke zu verfassen, einen Blog zu führen und so weiter und so fort, auf den Congressen sichtbarer wieder zu werden. Ich bin vor zehn Jahren zu den Haecksen gekommen. Das war noch zu Zeiten als der Chaos Communication Congress in Berlin war, es war der vorletzte Congress in Berlin.Das ist jetzt für die interne CCC Zeitrechnung ein Referenzrahmen. Da war nichts. Da gabs keine Vision, da gabs irgendwie die Idee: ja, Gleichberechtigung ist ja schon das, was wir wollen aber nichts. Das war nicht: Wie machen wir es, in welcher weise arbeiten wir miteinander und erreichen das zusammen. Das was es grad so gab war das Haecksenfrühstück und dann die Hoffnung das es danach noch ein, zwei Vorträge gibt von Haecksen für andere Haecksen, so dass dann Wissen geteilt werden konnte und das war’s. Es war komplett leer. Das lag daran, dass sich in den Jahren davor sich die Haecksen innerlich ein bischen zerlegt haben und daraus kein guten Weg raus gefunden haben. Und dann haben wir vor 10 Jahren immer mal wieder mit ein paar Haecksen, die jetzt glaube ich eventuell nicht mehr dabei sind aber zu dem Zeitpunkt halt aktiv waren, zumindest das Haecksenfrühstück im nächsten Jahr veranstaltet. Wir haben den Server gefunden, wo der war. Den haben wir zu einem Ort umgezogen, einen technischen Ort wo wir ihn auch administrieren konnten. Wir haben Haecksen-Adminen gefunden die mit dem Server umgehen wollten um das Ding zu fixen.  So dass es ein Server ist, den man benutzen kann, auf den man neue Dinge installieren kann. Und wir haben im Congress wieder den Haecksenraum bekommen. In Hamburg war es ja dann möglich noch kleinere Räume zu bekommen. Wir waren halt noch nicht in Messehallen. Messehallen sind sehr schwierig abzuteilen, auch akustisch ist das eine extreme Herausforderung. Deswegen haben wir momentan eben eine relativ große Assembly. In Hamburg hatten wir noch einen Raum, so dass man manchmal die Türen zu machen konnte wenn es zum Beispiel um Gespräche über Themem geht, für die Menschen einen Schutzraum brauchen. Und daraufhin kam es Stück für Stück. Plötzlich sind neue Haecksen aufgetaucht, die verstanden haben, dass wir eingentlich alles tun und lassen können was wir wollen aber es braucht jemand der es auch tut oder lässt. Und dann sind wir Stück für Stück immer weiter gekommen. Das war ungefähr 2014, 2015. Ich glaube 2016 war #metoo. Ungefähr ein Jahr davor, ein bis zwei Jahre davor konnte man plötzlich sehen wie Menschen sich wieder stark aktiv für Feminismus angefangen haben zu interessieren, sich einzusetzen, sich in Gruppen zusammen zu finden und sich zum Beispiel bei den Haecksen zusammen zu finden um das thematisch weiter zu entwickeln. Ja, jetzt sind wir hier jetzt angekommen, wo wir 450 sind, einen viel besseren Griff darauf haben was wir eigentlich sind, was wir wollen, wie wir es erreichen wollen und dass wir Dinge auch umgesetzt bekommen. Dass wir uns nicht überanstrengen, Dass wir auch Finanzmittel in einer kleinen Menge, aber wir haben sie zur Verfügung. Wir können sie einsetzen um Dinge zu ermöglichen. Das ist echt super, muss ich sagen. Das waren zehn Jahre echt harte Arbeit und es ist super, dass wir jetzt so weit sind.

    naerrin: Es lebt auf jeden Fall stark von denen Menschen die eben mitmachen und einen Unterschied machen wollen. Genau. Ja, mitmachen. (lacht). Wie kann man denn mitmachen?

    melzai: Ja, bei den Haecksen kommt mal rein, wenn man eine Haeckse trifft. Dass ist so der, das ist wirklich der Dreh- und Angelpunkt. Wenn rman nur von den Haecksen gelesen hat, kommt man nicht in die Haecksen rein. Traditionell schreiben Menschen gerne mal eine E-Mail an info aet haecksen.org und sagen Bescheid: Ich möchte mitmachen! Und dann kommt die Antwort: Ja, wir haben demnächst ein reales oder virtuelle Haechsenfrühstück. Komm doch da vorbei, aber bitte lies vorher noch unser Selbstbild. Denn der Zugang zu den Haecksen ist auf Genderbasis beschränkt und man muss da kurz mal nachschauen ob man reinpasst oder nicht. Das ist ganz wichtig. Man schickt also die E-Mail nach info aet haecksen.org, trifft dann hoffentlich im realen oder virtuellen Raum eine Haeckse, schaut ob man auch selber die Haecksen überhaupt mag. Weil es kann ja auch sein, dass das nicht die Community ist, die man grade sucht. Und dann, wenn man möchte, tritt man ein. Und wenn man einmal auf der Mailingliste ist, dann hat man eigentlich Zugang zu allen anderen technischen Systemen. Man wird halt immer, es wird halt immer geprüft ob die Mailadresse auf der Mailingliste steht. Wenn ja, dann wird man freigeschaltet für x, y, z. und bekommt dann zum Beispiel Zugang in demnChat oder so. Da gibt es dann eigentlich keine Barrieren mehr. Aber vielleicht möchte man sich nicht mit fünfzehn Accounts zuschmeissen. Das ist halt eher eine weise Entscheidung, sich zu überlegen, was braucht man wirklich.

    naerrin: Also, ich hab es so gemacht, dass ich mir erst mal angeguckt habe, so ein bischen für zwei drei Tage was so auf der Mailingliste passiert ist und was für Aktionen auch oder Treffen mitgeteilt wurden und hab dann immer dann noch einen Account angelegt, wenn mir etwas Neues quasi untergekommen ist. Zum Beispiel dann in den rocket chat oder eh, ja, was war denn da noch? Ach ja, für die Pads brauchte ich dann Zugang wenn ich beim Podcast mitmachen möchte. Da kann man sich dann so nach und nach durch klicken, das ist eigentlich ganz angenehm.

    gelatine: Ja, manchmal sitzt auch eine Haeckse neben einem ohne dass man davon weiß. So bin nämlich ich zu den Haecksen gekommen. Ich hatte bei einem Job, den ich nicht mochte, eine richtig richtig nette Kollegin, das war ne ganz coole Socke. Und bei einer Weihnachtsfeier und einem großen Glas Wein haben wir dann angefangen über die Haecksen zu sprechen, beziehungsweise hatte ich vorher mal was gelesen und dann darüber erzählt. Und dann saß sie die ganze Zeit schweigend neben mir und ich dachte mir: Mensch will sie nicht irgendwann mal was sagen (lacht) und dann war so “Ja, ich bin eine Haeckse. Herzlich Willkommen!” (lacht) War ein guter Moment. Da habe ich mich richtig drüber gefreut.

    melzai: Es gibt tatsächlich eine Person, die die Haecksen von außen durchaus mal länger beobachtet hat und die meinte: ” es gibt kaum Aufzeichnungen über euch bis auf eure Homepage und das war es. Und dabei existiert ihr schon seit dreißig Jahren.” Wir sind auch am Überlegen wie wir das ändern können. Es gibt zum Beispiel Sticker oder so, so dass man eine Haeckse vielleicht auf DER Techkonferenz oder auf der Linguistikkonferenz oder wo auch immer auch erkennen kann. Und sagen kann: “Hej, wir beide gehören zusammen. Wir haben ähnlich Interessen möglicherweise.”

    naerrin: Ich kommen noch aus einer anderen Community in der ich mich auch noch bewege und wir haben als Erkennungsmerkmal ein grünes Bändchen. Also, wenn jemand irgendwie relativ auffällig an seiner Tasche, Kleidung oder whatever ein grünes Bändchen platziert hat, dann kann man eigentlich davon ausgehen, dass man diese Person mal fragen kann ob sie nicht auch daher kommt. Das ist eigentlich auch ganz schön. Also vor allem auf Festivals wird sowas dann natürlich auch genutzt und auf Veranstaltungen wo man interessensbedingt sich über den Weg laufen könnte. Weil es auch ansonsten über die ganz Welt eigentlich verteilt ist. Da leben auch einige in verschiedenen Ländern.

    melzai: Das ist sicherlich hilfreich.

    naerrin: Genau, dann frag ich dann dich auch gleich einfach. Bei den Punkten, die wir davor hatten, ist dir da irgendwie noch was, ehm.

    melzai: Wir haben noch nicht darüber geredet, was ich im Kontext der Haecksen mache. (lacht)

    naerrin: Oh stimmt, ja. Das könnten wir noch machen.

    melzai: Das ist tatsächlich eine ganze Menge deswegen war ich der Meinung, wir sollten das mal also auf die Geschichtsschreibung. Weil vielleicht auch viele nicht merken, wieviel Arbeit es im Hintergrund ist. Das ist halt so.

    naerrin: Ja, ist ja auch oft ungleich verteilt, sag ich mal. Man sieht halt schon auch, dass es oft die ähnlichen, gleichen Menschen sind, die sich eben aktiv einbringen. Und das viele halt  partizipieren indem sie konsumieren. Ja, so eine Community dann zusammenzuhalten, immer mit wenigen Aktiven, macht es halt schwer. Das kann ich mir schon ganz gut vorstellen.

    melzai: Und ich glaube, wir haben dieses Jahr halt die Kapazität, wir haben uns jetzt überhaupt uns bewiesen über die letzten Jahre, dass wir es können. Egal, was wir uns vornehmen, wir kriegen das hin. Ob wir ein Projekt vornehmen auf der assembly? Kriegen wir hin. Ob wir technisch starke Workshops aufsstellen wollen? Kriegen wir hin.  Alle gehen raus aus dem Workshop und sind zufrieden. Ob wir ein Village auf dem Camp aufbauen können? Kriegen wir auch hin. Können wir mithelfen bei Congress-Orga, DIVOC-Orga etc, in Vorständen und tatsächlich einen sinnvollen Beitrag leisten? Kriegen wir alles auch hin.

    Und ich denke da sind wir jetzt quasi an der Endphase, wo wir feststellen, wir kriegen es alles gestemmt. Wir haben super Teamwork, unser, wir machen regelmässig Feedback-Sessions, in dem stehen immer nur positive Kommentare. Wir arbeiten keinen mehr durch, das heißt, die Menschen, die bei uns aus der Orga-Phase rauskommen, können das Event für das sie organisiert haben, tatsächlich aktiv genießen. Das ist eine Schwäche, die im CCC sehr stark verbreitet ist, dass das nicht passiert, dass die Leute ausbrennen. Und dementsprechend würd ich sagen, wir haben uns jetzt echt von A bis Z alles bewiesen, was es auf der ganzen Projekt, Workshop, konzeptionellen Sache zu beweisen gibt. Und deswegen können wir jetzt vielleicht auch einen Schritt zurücktreten und sagen: Wir sind super souverän, lass uns doch jetzt mal uns über unsere internen Inhalte unterhalten. Das ist halt eine Komponente, wo der ich halt viel zu tun habe weil ich quasi, denke ich, eine der Dreh- und Angelpunkte bin für so Richtungsentscheidungen. Was nicht heißt, dass ich die entscheide sondern dass ich die inhaltlich vorbereite. Dass ich tendenziell diejenige bin, die zum Beispiel auch prüft: Ist das jetzt gut genug, ist das jetzt verständlich? Brauchen wir da noch mehr? Gibt es da vielleicht jemand der noch was weiß von den Haecksen? Ich kenne sehr viele Haechḱsen zumindest vielleicht nicht persönlich aber auch von ihrem Wissen her. Dann kann man, dann kann man die spezifisch anfragen und die sind sehr gerne zu geben, man muss sie nur manchmal halt aufwecken und sagen: Hier haben wir grad einen relevanten Teil für dich. 

    Und dazu gehört auch das, gewisse inhaltliche Vorbereitungen brauchen neue Workshopkonzepte. Wir haben letztes Jahr nen Leitfaden für Konflikte zusammengestellt, und der ist eigentlich so ziemlich  fertig, so dass wir, mit 450 Mitgliedern im Rocket-Chat, auf der Mailingliste, wenn da zwei aneinander geraten, ist das normal, also suchen wir nen Weg raus, aber dafür braucht’s vielleicht ne Handreichung, auf die sich viele Haecksen geeinigt haben. Wie der Weg raus zum Beispiel sein könnte. Das sind so die Arbeiten, die ich mache. Und natürlich! Wie sich das gehört. Ich schau auf die Finanzen. (Gekicher) Es muss ein paar wenige geben, die wissen, wie es mit den Finanzen steht, und unser Konto liegt momentan noch bei Entropia. Wir sind da als Projekt geführt. Entropia ist gemeinnützig. Das ist der Erfa des CCCs – Erfa steht für Erfahrensaustauschkreis. – in Karlsruhe, der auch die Gullasch Programmier Nacht durchführt. Genau, und ich hoffe demnächst, dass mir ein bisschen mehr technische Schwerpunkt bei, also ich persönlich, dass ich mehr Zeit für einen technischen Schwerpunkt bei den Haecksen habe. Weil ich ja Bioinformatikerin bin mit Promotion und ein bisschen Quantum Computing mache. Und ich glaube dass wär zumindest für mich persönlcih ein Gewinn, wenn ich ein bisschen mehr Zeit da rein stecken könnte.

    naerrin: Und die anderen Aufgaben ein bissschen breiter verteilt werden, genau. Ja. Hm, was sind denn so an den Veranstaltungen, wo die Haecksen mit beteiligt sind oder selbst machen? So die jährlichen Fixpunkte, an denen man sich orientieren kann, wenn man mal ein bisschen näher mit den Haecksen interagieren möchte oder überlegt Mitglied zu werden.

    melzai: Hmm, das ist eine gute Frage. Historisch gesehen waren das die Congresse und werden es wahrscheinlich auch immer noch sein. Ähm der Congress früher hatte vielleicht 100 Besucher, vor 30 jahren, und jetzt sind’s 17.000. Daaa ham wir schon Probleme alle Haecksen überhaupt rein zu bekommen. Aber netter Tipp, der dritte öffentliche pre sale Termin ist der Geheimtipp unter den Ticketskaufern (Kichern im Hintergrund). Stoniert erst dann euer Hotelzimmer. Nur mal so. Da haben wir, glaub ich, noch dreißig Haecksen durch gekriegt bei dem letzten Termin. Das ist, war und das war locker möglich. Dazu gibt’s auch noch das Camp alle 4 Jahre im August. In letzter Zeit waren immer mehr Haecksen auch auf den lokalen Veranstaltungen da, oder zeigen, dass sie Haecksen sind in ihrem lokalen Erfa. Aber ehrlich gesagt sind über  die Hälfte der Haecksen nicht in dem lokalen Erfa oder Hackspace  angeschlossen; die sind alleine da unterwegs. Was bedeutet unsere Mailingliste, unsere virtuellen Treffen sind für Menschen, die alleine unterwegs sind, der erste Kontaktpunkt. Und wir haben jetzt seit drei Jahren das Haecksen Geekend, tendenziell im frühen Herbst, auch um zu enscheiden, was brauchen wir für den Kongress oder machen wir nichts, könnte ja auch ne Option sein, dabei. Auch um Richtungsentscheidungen abzusprechen.

    naerrin: Natürlich auch das Haecksen Frühstück, das findet ja auch nicht nur jeweils auf den Veranstaltungen statt, sondern zwischendurch auch hin und wieder, meine ich mitbekommen zu haben…

    melzai: Ja: Corona machts möglich (lacht)

    naerrin: Sonst nur auf Veranstaltungen?

    melzai: Wer weiß – wir sind jetzt 450, vielleicht gibt es jetzt ab sofort immer regelmäßige virtuelle Haecksenfrühstücke, aber nach Corona werden die lokalen Gruppen auch wieder anfangen, sich zu treffen und möglicherweise sehr beschäftigt sein. Vielleicht wird das Haecksen Frühstück dann auch so etwas wie ein Vernetzungstreffen auch zwischen den lokalen Gruppen. Ich glaube, das wird noch alles sehr, sehr spannend, Da sind ganz viele Leute, die jetzt wirklich darauf warten, dass dieses Corona vorbei ist, damit sie weitermachen können. Wir haben nämlich auch, im Gegensatz zu anderen Gruppierungen, stetigen Zulauf. Wir sind in den letzten zwei Jahren um jeweils siebzig Personen gewachsen: das heißt ein bis zu siebzigprozentiges Wachstum zu verdauen, ist eine extreme Herausforderung. Letztes Jahr waren es, während Corona, waren es vierzig Personen, die neu zu den Haecksen dazugekommen sind. Und es geht grade weiter in 2021. Ich denke, das wird es ab sofort real und virtuell geben, Wenn Menschen aktiv werden und das auch natürlich machen. Wir sind, sind basisdemokratisch orientiert,  das heißt: Jede kann, wenn sie möchte. Das wäre doch schön.

    naerrin: Wenn Du anderen Menschen erzählst, dass Du eine Haeckse bist, was sind da so die gängigen Missverständnisse oder vielleicht auch Vorurteile, die Dir da, eventuell im ersten Moment, begegnen könnten?

    melzai: Oh dafür gibt es eine schöne Geschichte: da waren wir auf dem letzten Camp und sind da mit der kleinen Eisenbahn, die mit Diesel betrieben wird, einmal rund ums Camp gefahren – es gab da so eine kleine Eisenbahn und wenn ihr die Einführung hattet, dann durftet ihr sie auch fahren, Neya hat sie gefahren, eine Haeckse – und jemand meinte vorne im Führerstand “Oh, die Hacksen sind on board!”. Zufälligerweise waren noch weitere Haecksen an Bord. Und die Kinder, die mitgefahren sind, hatten plötzlich Angst. “Waaas, hier gibt’s Hexen?? Oh mein Gott!” Die Eltern, die wussten, was die Haecksen wirklich sind, drehten sich mit einem sehr schuldbewussten Blick zu den Haecksen, die ihr Haecksen-T-Shirt anhatten um, die hinter ihnen saßen, um, und fingen dann an zu erklären, dass eigentlich der Begriff “Hexe” vor vielen hundert Jahren ja eigentlich in einem ganz anderen Kontext verwendet worden ist, um Frauen auf den Scheiterhaufen zu bringen usw. usf.; und übrigens auch Menschen jüdischen Glaubens und Homosexuelle. Und dementsprechend sind Hexen gar nicht so gefährlich, sondern es sind die Geschichten, die über sie erzählt werden, und die leider immer noch erzählt werden, die dann bei den Kindern Angst machen, wenn es “Hexen” gibt. Das ist eines der Mißverständnisse, die wir bei Kindern haben. Und das ist ja durchaus auch einer der Gründe, warum wir “Haecksen” heißen. Da müsst ihr Euch mal ein bischen genauer mit der Zeit der Hexenverbrennung beschäftigen; wir hatten da auch mal was bei 36C3 aufgenommen, im “Jahresrückblick der Hexen”, das findet sich auf media.ccc.de, und da das Thema ein bißchen erklärt: weswegen das, was da passiert ist, eigentich eine Frauenverfolgung war, und Verfolgung von homosexuellen Menschen und Menschen jüdischen Glaubens und nicht des Aussortieren von wenigen unliebsamen Menschen oder die Kirche hat Dinge getan… Das war was Weltliches, was da passiert ist.

    Das zweite Missverständnis was es da gibt, ist tatsächlich: um Haeckse zu sein, muss man irgendwie technische Supernerdin sein. Der Schwerpunkt bei den Haecksen ist Interesse an Technik und das, was Technik mit den Menschen und der Gesellschaft macht. Es gibt welche, die sind richtig gut… es gibt aber auch viele Felder der Informatik: nur, weil man in einem Feld richtig gut ist, heißt das nicht, dass man in einem anderen Feld auch nur ein Fünkchen von Ahnung hat. Und: es gibt wahnsinnig viele andere Aktivitäten bei den Haecksen, zum Beispiel reden Menschen über die Auswirkungen von zum Beispiel künstlicher Intelligenz, von machine learning auf die Gesellschaft, auf die biases, die da drin stecken. Es sind aber auch Menschen unterwegs, die sich darüber austauschen, wie man ein Brot backt, wie man mit krass teuren Nähmaschinen tolle Kleidung näht, zum Beispiel Hosen mit Taschen; da gibt es Klima, Kunst, Musik… das bedeutet, es geht um das Interesse an Technik und die Einstellung, Dinge ausprobieren zu wollen und nicht tatsächlich das Können in Technik und man müsse da irgendwie eine Prüfung ablegen. Das ist ein gängiges Missverständnis innerhalb vom CCC auch, was man “haben muss”, um in den CCC reinzukommen. aber auch, was man “haben muss”, um bei den Haecksen reinzukommen. Bei den Haecksen muss man zu einem Frühstück erscheinen, sich die Gruppe anschauen und selber finden, dass man da mitmachen möchte, und dass man sich in der Selbstdefinition wiederfinden kann.

    naerrin: Ich finde auch so diesen kreativen Aspekt eigentlich am wichtigsten: Es ist nicht so, dass ich der absolute Technikmensch bin, eigentlich gar nicht, aber wenn ich Dinge machen möchte, dann versuche sie halt. Das fing damit an, dass ich mit sechzehn irgendwelche html-Seiten zusammengebastelt habe, und mir das mit selfhtml.org beigebracht habe. Und so ist dann irgendwie glaube ich auch grundsätzlich so ein Interesse drangeblieben, auch zu gucken, wenn mir etwas Neues begegnet, wie gehe ich damit um? Wie kann ich das, was ich haben möchte, umsetzen und probieren? Darum geht es irgendwie so. Und das kann man als technischer Mensch, das kann man als geisteswissenschaftlicher Mensch…

    melzai: …das kann man mit ner formalen Ausbildung, das kann man ohne ne formale Ausbildung… das kann man einfach tun. Und wir sind voll dafür, Dinge zu tun, anstatt zu warten. Natürlich sollte man – wir sind im Schwerpunkt Technikfolgenabschätzung nich wahr – sich Gedanken machen, aber da sind noch andere, die sich möglicherweise ähnliche Gedanken machen. Und dann spricht man zusammen und bekommt eine bessere Einschätzung von dem, was man da vorhat, und dann “kann mans einfach tun!”. Das ist der Kern der Sache.

    naerrin: Vielfältige Perspektiven einbringen…

    melzai: Lass es krachen, ja. Es gibt keinen Grund, es nicht zu machen!

    naerrin: Und es soll ja auch für die Gesellschaft sein, und wenn nicht jeder aus der Gesellschaft sich irgendwie mit einbringen kann, weil irgendwelche Hürden bestehen, dann ist es auch schwierig, einen Mittelweg zu finden, der dann die Gesellschaft auch verändert irgendwo. Das ist jetzt vielleicht für ein Podcast-Ende eventuell etwas zu tragisch formuliert (lacht) aber… ja… das ist einfach das Tolle: anpacken und machen…

    melzai: …zusammen machen, das ist der Vorteil. Und dann ab und an mal ne Feedbackrunde laufen lassen und feststellen “Woah, die haben noch bessere Vorschläge als die, mit denen ich angefangen habe, das wird noch besser und toller, und die bringen das mit, was ich brauche, aber nicht kann und dadurch wirds noch schöner”. Das ist der Wunsch am Austausch, und am Machen und einfach Ausprobieren. Und egal auch wie alt die sind, Haecksen sind sehr altersdivers,  das heißt wir haben Haecksen, die sind sechzehn und wir haben Haecksen, die sind um die sechzig, dass heißt wir spannen einen ganz weiten Rahmen auch von Vorwissen, technisch wie auch gesellschaftlich, von Erinnerungen, wie war es damals oder wie sieht man die Welt jetzt. Es ist wahnsinnig spannend auch bei gesellschaftlichen Themen nach Feedback zu fragen von den anderen auf der Liste, weil wahnsinnig unterschiedliche Stimmen zurückkommen, die alle valide sind, und die ohne viel Aufwand plötzlich dieses Thema ganzheitlicher mithelfen zu erfassen. Und die Menschen teilen einfach, das ist toll. 

    naerrin: Ja! Gut, dann würde ich sagen… sind wir mit unserem Gespräch am Ende.

    gelatine: So, zum Schluss erzählen uns nochmal waldwesen und janepie, wie sie sich bei den Haecksen einbringen.

    waldwesen: Ich mach bei den Haecksen oft Eventorga, zwar zur Zeit etwas weniger, als ich gerne würde, aber zum Beispiel das Camp 2019 habe ich mitorganisiert. Ich kümmere mich aber auch um Kommunikationsthemen, bin im Redaktionsteam für die Inhalte auf der Website, und auf Events halte ich gern Lightning Talks oder Workshops zu Dingen, die mich eben gerade interessieren, das kann von Bierbrauen über Zusammenarbeits- und Organisationsformen bis zu einem OBS Workshop gehen. Womit ich mich aktuell auch gerade noch beschäftigt habe, ist das Thema Begriffsdefinitionen: Was ist eigentlich eine Haeckse, ist das einfach nur die weibliche Form für Hackerin? Sind alle Haecksen mit “ae” auch Hexen mit “e” und “x”, im Sinne von “Die Zauberin”, ja oder nein oder nur ein bisschen? Auch das beschäftigt mich grade.

    janepie: Ich bin selber jetzt irgendwie seit zwei, drei Jahren dabei, bin beim Congress bei einem Haecksen Workshop gewesen, hab mich da mit einer anwesenden Haeckse ein bißchen unterhalten, was die Haecksen eigentlich sind und wurde dann auf die Liste gesetzt, bin irgendwie direkt in so Organisationszeugs reingefallen weil da gabs dann ein Geekend und da mussten Anmeldungen gemanagt werden, und ich hab irgendwann meine Hand hochgehalten und gesagt “Ja, ich habe Zeit” und seitdem tue ich Dinge. Ich mach generell viel Organisation, gerade von Veranstaltungen und gemeinsamen assemblys oder Ähnlichem, ich bin sowas wie die “Infrastruktur-Haeckse”, weil ich komme vom Dorf, und da hat man viele Sachen einfach, sowas wie den Pavillon, den man mal im Garten aufstellen kann oder ähnliches. Ich habe ein großes Auto und deshalb kann ich Dinge sehr gut irgendwo hinfahren. Ansonsten bin ich Regiosprecherin für die Haecksen: die Regiotreffen sind alle Veranstaltungen in Zusammenhang des CCC, an der Vertreter*innen der einzelnen, regionalen CCC-Gruppen sich treffen um sich zu vernetzen, über Dinge zu sprechen und auch zu versuchen, den Club ein bißchen insgesamt voranzubringen. Ansonsten hüpf ich immer mal irgendwo durch die Gegend, lese mal mit im Buchclub, schreib gerne im Rocket Chat, er ist sehr schön, er ist wie’n Wohnzimmer.

    gelantine: So das war’s erst mal mit unserer Folge. Wenn  euch die Folge gefallen hat und ihr Lust auf mehr habt, dann folgt uns auf Twitter @HaecksenC, oder hört in unsere Folgen unter podcast.haecksen.org rein.

    naerrin: Schreibt uns auch gerne Feedback an podcast aet haecksen.org. Und wenn ihr Lust habt, mal bei einem Haecksen Frühstück reinzuschauen und mitzumachen dann schreibt uns an info aet haecksen.org. Das wars für dieses Mal. Tschüß!

    49 min
  • hckn002: Das Informatikstudium

    Willkommen zu einer weiteren Folge Haecksenwerk! 

    Haecksenwerk ist das Podcastkollektiv der Haecksen. Es geht um die ganze Bandbreite von Technik, Kultur und Feminismus. In unserem Podcast möchten wir Einblicke in Themen geben, die uns bewegen.

    Romy spricht mit Janina über ihren Weg in die Informatik: Warum hat sie sich für ein Informatikstudium entschieden? An welchen Projekten hat sie mitgearbeitet? Und vor allem: Wie war für sie als Frau der Einstieg ins Berufsleben? Zusammen reden sie über die verschiedenen Herausforderungen, die dieser Berufsweg mit sich bringt.

    Stichworte

    Informatik, Informatikstudium, IT, Frauen in IT

    Links
    • https://www.einstieg-informatik.de/
    • https://www.uni-bremen.de/studium/orientieren-bewerben/studienangebot/dbs/study/25
    • https://www.informatica-feminale.de/
    • Romy auf Twitter: https://twitter.com/War_Bryde
    • Janina auf LinkedIn: https://de.linkedin.com/in/janina-jaeger
    Credits
    • Redaktion: Romy
    • Sprechende: Romy, Janina
    • Produktion: Romy, naerrin
    • Coverart: https://mullana.de/
    Transkript

    Romy: Hallo Janina. Schön, dass Du heute dabei bist und Dich bereit erklärt hast, an diesem Podcast teilzunehmen. Es geht um Dein Studium: Du hast ja Informatik studiert, und da haben wir bis jetzt eigentlich noch gar nicht richtig drüber geredet… wie das passiert ist, dass Du Informatik studiert hast. Kannst Du mir darüber was erzählen? Ich weiß, dass Du nach dem Abi erstmal ein freiwilliges soziales Jahr gemacht hast, und dann mit dem Studium angefangen hast. Was ist da passiert?

    Janina: Ich habe mit dem Abitur nicht so richtig gewusst, was ich anfangen soll mit meinem beruflichen Leben, und habe das soziale Jahr nutzen wollen, um das herauszufinden. Ich habe schon immer viele Interessen in alle Richtungen gehabt. Eine zeitlang habe ich in Richtung Grafik/Design überlegt, oder Musik, und bin ein bißchen hin- und hergeschwankt. Dann habe ich ein eigentlich sehr unsoziales soziales Jahr gemacht, bei dem ich viel im Büro tätig war. Ich habe viel auch stupide Arbeit machen müssen, wie Excel-Tabellen abtippen. Dabei habe ich gemerkt, dass es mir wichtig ist, etwas zu lernen, bei dem ich nachdenken kann, mir Sachen überlegen und konzipieren. Ich wollte etwas machen, wo ich gefordert werde. Ich habe dann, aus einem ziemlichen Bauchgefühl heraus – nachdem ich bei der künstlerischen Schiene gedacht habe, oh, das wird mir zu heikel, nachher bin ich nicht gut genug, ich suche lieber etwas, wo ich flexibel bin und arbeiten kann und was mir relativ zukunftsträchtig erscheint, wo auf jeden Fall die Chance besteht, später einen Job zu finden. Ich bin sehr rational rangegangen, und habe dann gedacht: Ok, was ist eigentlich mit Informatik? Ich habe selber keine Erfahrung im Programmieren oder basteln gehabt. Ich habe aber früher schon gerne computergespielt und war auch gut in Mathe und habe Mathe-Leistungskurs im Abi gemacht. So dachte ich, dass ich ein gewisses mathematisches Vorwissen habe, technisch interessiert bin ich auch und ich kann grundlegend mit einem Computer umgehen. Und für meinen Standort in Bremen hieß es, dass keine Vorkenntnisse erforderlich sind, dass ich ohne Vorkenntnisse im Programmieren dieses Studium dort starten kann – und habe mich dann einfach eingeschrieben. Ich dachte mir: Das probiere ich jetzt; zum Schock meiner Schwester (lacht).

    Romy: (lacht) Ja, das glaube ich. Dass Du Mathe-Leistungskurs hattest, wusste ich bisher nicht, das ist ja auch heftig. Ich glaube, das war schon eine gute Vorbereitung auf das Studium, oder? Geschadet hat es bestimmt nicht.

    Janina: Nee, auf keinen Fall! Mathe war schon etwas, wo im Studium ausgesiebt wurde: Die Prüfungen waren relativ schwierig, weil man aufgrund von Umstrukturierungen des Studiums dort vier Semester Mathe in zwei gepackt hat. Man musste da ganz schön dranbleiben, um den Matheteil zu schaffen. Es hast mir sehr geholfen, dass ich im Vorfeld den Leistungskurs hatte und interessiert an diesen logischen Abfolgen war. Das war gut, wobei nur der Leistungskurs allein nicht ausgereicht hat. Da kamen auch Themen, die mir neu waren, wo ich dachte: Phew…gut! Aber allein so ein Grundgefühl, dass man sich mit Logik auseinandersetzt bzw. logische Abfolgen verstehen kann – das war schon wichtig am Anfang des Studiums.

    Romy: Wie war das mit der Aufteilung von Mädels und Jungs bei Euch im Studium?

    Janina: Da hatte ich Glück. Bremen ist ein Studienort, wo etwas anders gelehrt wird: es ist eine Reformuni aus den Siebzigern, und die hatten zu Beginn, also als sie anfingen, Studiengänge anzubieten, eine Art “Kuschelpolitik”, wie es abfällig genannt wurde, und das bedeutet, dass man keine Klausuren schreibt, sondern dass ganz viel Arbeit in Gruppenarbeit erledigt werden muss. Und als einer der wenigen Studiengänge hat sich die Informatik das beibehalten. Ich glaube, dass ist ein Grund, warum da ein relativ hoher Frauenanteil ist, zumindest in den ersten Semestern. Wir sind mit 400 Menschen gestartet, und davon waren bestimmt 30 Frauen. Ich war überrascht, wie viele Frauen es sind. Ich hatte mich mental schon auf sehr wenige eingestellt und war sehr positiv überrascht, dass es dann doch ein paar mehr sind. Nicht alle haben bis zum Ende durchgehalten…

    Romy: …aber Du hast das Studium ja durchgezogen. Gab es für Dich irgendeinen Moment, wo Du dachtest “Oah ne, jetzt hab ich doch keinen Bock mehr”?

    Janina: Ja, auf jeden Fall. Also ich war wirklich… Für mich war das ein totaler Segen, dass das Studium in Bremen so gruppenorientiert aufgebaut war, weil ich gemerkt habe, dass ich halt in der Gruppe richtig gut lernen kann. Und hatte auch Glück, dann auch Menschen kennen zu lernen, die sehr auch aufgeschlossen war, und wo man dann auch sich gegenseitig unterstützt hat. Also das – ich glaub, wenn ich woanders studiert hätte, wo man alleine Klausuren schreibt, hätt’ ich wahrscheinlich – also ich kann mir gut vorstellen, dass ich irgendwann abgebrochen hätte. Weil es schon – es ist relativ abstrakt, womit man sich da beschäftigt, nicht sehr praxisnah am Anfang. Das ist sehr schwer da dran zu bleiben und auch – es gibt leider auch sehr viele komische Menschen in diesem Studiengang. Das alles hätte auch dazu führen können, dass ich abbreche, aber ich hab halt nette Freunde kennengelernt und so’n guten Druck gehabt um mich rum und die Bedingungen im Bremen waren einfach so, dass ich dann auch gut durchhalten konnte und durchgezogen hab. Ich sag mal so bis zum Vordiplom – sozusagen – war, war das, ja war ich noch so’n bisschen unklar oder unsicher, ob das wirklich das ist, was ich machen sollte. So auch wenn die ersten fachlichen Rückschläge kommen, oder irgendwelche Prüfungen nicht so gut waren, zweifelt man schon. Aber es, ja, ich hab auf jeden Fall dann irgendwann die Kurve gekriegt, hab gesagt es funktioniert gut, ich lerne was, ich komm voran und bin dann dabei geblieben. Bin auch relativ straff durch dieses Studium gerauscht, muss ich sagen. Also ich hab nicht viel rechts und links geguckt (lacht).

    Romy: Und nach deinem Studium, wie war dann dein, dein Einstieg ins Arbeitsleben?

    Janina: Ja, das habe ich ganz geschickt gemacht, ich hab’ während des Studiums beim Fachbereich angefangen zu arbeiten als studentische Hilfskraft. Und zwar habe ich mich sehr für den Bereich Bioinformatik interessiert, der in Bremen leider abgeschafft wurde…

    Romy: Oh…

    Janina: Also es gab so’ne ganz kleine Arbeitsgruppe im Bereich Techno-Mathematik, das ist ein Studiengang auch in Bremen – in Kombination aus Physik, Mathe und Informatik – und die hatten so’n Minibereich Bio-informatik, in den ich so’n bisschen eingestiegen bin. Und die haben mich tatsächlich auch nach meinem Diplom eingestellt; als sozusagen informatische Unterstützung in ihrem Team dort. Also ich hab dann ‘n bisschen bei Forschungsprojekten mitgearbeitet und die… so… informatischen Beratungen gemacht bei einigen Sachen. Das war sehr spannend, aber auch ‘n ganz sanfter Einstieg in die… in die Informatikwelt. Kein Vergleich zur Wirtschaft, würde ich sagen.

    Romy: Hmh, das kann ich mir vorstellen.

    Janina: [unverständlich] Und halt weiterhin auch Forschung und ja,… also es gab so’n paar Projekte auch dann mit… mit Unternehmen, also die waren ‘ne technische Ausrichtung diese Arbeitsgruppe, die hatten auch zum Beispiel auch so was mit so richtig Ingenieursunternehmen wie Thyssenkrupp zu tun, wo die irgendwelche so Prüfanlagen für Motoren oder so machen wollten. Also es war schon relativ, ja, sehr konkret und weniger abstrakt. Aber da habe ich… ja, ich hab schon ein bisschen ausprobieren können, aber der große Einstieg kam tatsächlich erst, als ich meinen Job in Hamburg angenommen habe bei ‘ner kleinen IT-Firma. Also da bin ich dann als Softwarentwicklerin voll eingestiegen.

    Romy: Hmh, und da warst du die einzige Frau im Team?

    Janina: Es gab noch eine, aber ich erinner mich noch sehr lebhaft an das zweite Vorstellungsgespräch, wo ich dann mit dem Chef gesprochen habe, auch über das Gehalt diskutiert und wir uns dann einigen konnten und er mich dann sozusagen halt allen Kollegen einmal vorstellte und im Entwicklerbüro mich reinstellte mit: Guckt mal, ich hab ‘ne Frau eingestellt! Und da war so ein “Oh”.

    Romy: (lacht)

    Janina: Also als ich angestellt wurde, war eine Frau bisher nur da und wir sind tatsächlich aber ein bisschen größer geworden und haben auch zwei Auszubildende angestellt; und dann waren wir zwischendurch tatsächlich im Entwicklerteam auch vier Frauen. Das war ganz cool.

    Romy: Hmh. Jetzt ist es ja so, dass du dich erstmal für eine andere beruflich Laufbahn entschieden hast, könntest du dir dann vorstellen, wieder zurückzukehren in den IT-Bereich so komplett?

    Janina: Ja, auf jeden Fall, also ich hab so’n Bruch mal gebraucht, ‘n bisschen Fühler auszustrecken nach was anderem, aber ich finde es nach wie vor eine sehr spannende Branche und merke auch, dass es immer wichtiger ist, dort Menschen zu haben, die so’n bisschen beide Seiten sehen können. Also Menschen, die keine IT-Erfahrung haben und die ITler zusammenbringen. Also es ist auf jeden Fall… also die Position finde ich noch sehr reizvoll da so’n Mittler zu sein…

    Romy: Hmh…

    Janina: …und auch tatsächlich die Diversität sehe ich noch als großes … ‘ne große Aufgabe, dass noch mehr Frauen in der Branche arbeiten und auch nicht nur irgendwie an unterer Stelle oder an Design-Stelle oder so, sondern auch wirklich in Leitungen von Softwareteams und so, das finde ich schon… da kann man seinen Beitrag noch zu packen. Also konkret bin ich noch nicht geworden, aber ich habe schon gedacht: Na gut, ganz vorbei ist es noch nicht und ich mach auch manchmal noch nebenbei so kleinere Projekte, wie an der Homepage basteln für meine Schwester oder für Freunde. Also so ganz weg bin ich auch noch nicht.

    Romy: Ne, deinen einen Fuß hast du quasi noch in der Tür.

    Janina: Ja und es ist nach wie vor ein spannender Bereich, da passiert ja auch viel. Also ich würde nicht sagen, dass ich dem komplett jetzt den Rücken gekehrt habe. Nein.

    Romy: Genau, also, da hast du halt eigentlich jetzt schon meine nächste Frage vorweggenommen. Ich wollte nämlich eigentlich fragen, ob du denn Mädchen und Frauen generell ermutigen würdest mehr in den MINT-Bereich auch einzusteigen? Denn das ist ja auch nach wie vor immer noch ein Thema, dass in diesen Bereichen oder in diesem Bereich halt viel zu wenig Frauen vertreten sind

    Janina: Ja…

    Romy: Ja auf jeden Fall, ne?

    Janina: Ich würde jedem Mädchen, jeder Frau, die sich dafür interessiert, sagen: macht es ruhig, traut euch. Ich muss auch sagen, das Studium war schon ne harte Nuss, das ist aber auch jetzt schon ‘n paar Jährchen her, dass man da einfach sich durchbeißt und auch dranbleibt. Im Arbeitsleben hingegen habe ich halt da weniger Probleme gehabt, mich zu behaupten, sozusagen, sondern im Gegenteil, dass … hab gemerkt, dass es in Teams viel besser funktioniert, wenn da Männer und Frauen sind – also diese einseitigen Teams sind einfach schwierig. Und man arbeitet dann auch, wenn man arbeitet, immer gemeinsam. Also diese Einzelarbeit, diese alte Sicht auf Informatik, dass man da alleine vor seinem Computer rumpuzzelt, dass ist einfach nicht realitätsnah.

    Romy: Hmh…

    Janina: Also du musst in der Informatik in Gruppen zusammen arbeiten und das ist, glaub ich, kommt vielen Mädchen und Frauen entgegen, dass man halt da nicht allein gelassen wird und deswegen: auf jeden Fall, kann ich auch jeden ermutigen, weil es macht auch sehr viel Spaß. Also wenn man wirklich Lust hat an so abstrakten Gebilden und Konzeptionen und logischen Sachen, das macht richtig Spaß. Also ich weiß noch, wie ich das erste Mal was programmiert habe, was dann am Ende auch funktioniert hat.

    Romy: Hmh…

    Janina: Das macht richtig viel Spaß, wenn man das erstmal geschafft hat und sieht, was man dann auch zum Leben erweckt, das ist schon […] Ich würde es jedem, der Lust hat dazu hat, oder der sich auch einfach nur dafür interessiert: ausprobieren! Ja!

    Romy: Ich kann das grade auch so ein bißchen nachvollziehen, weil ich ja momentan selber auch dabei bin programmieren zu lernen mit Python, und das ist halt einfach so … also, dass man da selber so ein Programm schreibt, was erschafft, was dann funktioniert, das finde ich halt superspannend. Mir macht das halt auch richtig großen Spaß. Hast Du denn eine Programmiersprache, die Du besonders toll findest?

    Janina: Nee, da bin ich tatsächlich relativ offen. Im Studium hab ich ja auch erst programmieren gelernt und diese objektorientierte Programmierung, also Sprachen wie Java und C++, da kann man einfach sehr viel mit machen, ohne dass man sich mit rudimentärer Programmierung beschäftigen muss. Das finde ich auf jeden Fall spannender, als wenn ich sozusagen einem technischen Gerät noch 1 und 0 beibringen muss. Es gibt mehrere Level, auf denen man programmieren kann. Diese höhere Ebene, wo man mit abstrakten Objekten arbeitet, das fand ich auf jeden Fall wahnsinnig spannend, da ist viel möglich und das habe ich sehr gern gemacht. Mit Python habe ich meine Diplomarbeit geschrieben…

    Romy: Ah! Cool!

    Janina: …auch eine lustige Sprache auf jeden Fall! Da bin ich gar nicht so fokussiert. Das, mit dem man grade arbeitet, das kann man halt am besten. Und ich habe dann während der Arbeit viel mit C# (c sharp) gearbeitet, halt mit dem Microsoft Framework, das ist, ähnlich wie Java, auch objekt orientiert, und hat auch … also ich finde, wenn man schöne Sachen schreiben kann und das gut bildlich darstellen kann, das macht mir auf jeden Fall mehr Spaß als diese ganz rudimentäre Programmierung wie C, wo man irgendwie noch sich selber Speicher schreiben muss und sehr auf einer Computer Sprachebene ist und nicht so abstrakt schreiben kann. Da bin ich eher auf den Höher-Level (?Levi?) Sprachen gerne gewesen.

    Romy: Ah, ok. Ja, unsere Zeit ist jetzt schon fast vorbei, aber ich habe noch eine Frage für Dich, und zwar: was nervt Dich an Technik am meisten?

    Janina: (lacht) Vieles. Also was mich jetzt aktuell, in meinem aktuellen Umfeld nervt, ist, dass viele Dinge nicht intuitiv verständlich sind. Also mich daran, dass Menschen, die eben nicht Informatik studiert haben, an vielen Sachen scheitern, weil es einfach nicht selbsterklärend ist, oder weil ihnen Hintergrundwissen fehlt. Also, ich arbeite grade mit Menschen, die eben keinen IT-Hintergrund haben und bin diejenige, die immer irgendwelche Computerprobleme fixen muss – und das nervt total. Wenn Technik etwas selbsterklärender wäre (beide lachen)…

    Romy: Hast Du da ein konkretes Beispiel, was Dir grade einfällt?

    Janina: Ja. Tatsächlich sehr aktuell ist das Thema – da wir in unserem Team jetzt auch alle im Home Office sind und remote arbeiten und uns aber über Konferenzen immer zusammenschalten, über Skype tatsächlich … jeden Montag, wenn wir ein Meeting haben, startet es mit: “Könnt ihr mich hören?” “Ich höre Euch nicht.” “Ich probiere nochmal was.” Und meine Kolleg*innen haben große Probleme damit, wenn sie Monitore anschließen, Kopfhörer, Headsets, die Einstellungen hinzubekommen, dass man sie dann hört und dass sie uns hören (beide lachen) … das ist, immer wieder aufs Neue… wo ich denke: das machen wir doch schon seit Monaten. Aber das scheint einfach schwierig zu sein, zu verstehen, was passiert, wenn ich etwas einstöpsele, abstöpsele, was passiert mit dem Computer dann, wo muss ich was einstellen… das sind so Sachen, die für mich selbstverständlich sind, wo ich denke, ach… sind sie aber anscheinend nicht. Da würde ich mich freuen, wenn es entweder einfacher erklärt und verständlich wäre, oder sich das Technikwissen in der Gesellschaft noch etwas mehr verbreitet.

    Romy: Ja, ich glaube, da kann man sich von beiden Seiten noch ein bißchen mehr entgegenkommen. Ja, den Eindruck habe ich auch.
    Vielen Dank für Deine ausführlichen Schilderungen. Das hat großen Spaß gemacht mit Dir. Ich hoffe, das war für Dich auch in Ordnung.

    Janina: Ja, auf jeden Fall!

    Romy: Genau. Dann bedanke ich mich erstmal ganz herzlich bei Dir.

    19 min

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