Am Morgen des 14. Mai 2026 drangen mehrere junge Männer in ein Wohnhaus in Kaminokawa in der Präfektur Tochigi ein. Der Raubüberfall eskalierte tödlich: Die 69-jährige Eiko Tomiyama wurde getötet, ihre beiden erwachsenen Söhne wurden schwer verletzt. Der Mann, den die Polizei später als mutmaßlichen Drahtzieher der gesamten Tat bezeichnete, hatte Japan zu diesem Zeitpunkt bereits verlassen.
In dieser Folge betrachten zwei Gastgeber den Fall sachlich und chronologisch – von dem gewaltsamen Eindringen in das Haus bis zu den späteren Ermittlungen gegen mehrere Tatverdächtige.
Nach bisherigen Ermittlungsangaben wurden vier 16-jährige Schüler aus der Präfektur Kanagawa als mutmaßliche unmittelbare Tatbeteiligte festgenommen. Tomiyama wurde mit einem Brecheisen und einem Messer angegriffen. Auch ihre beiden Söhne wurden verletzt. Zudem wurde der Familienhund getötet.
Wenig später nahm die Polizei ein Ehepaar im Alter von 28 und 25 Jahren fest, das den Jugendlichen den Ermittlungen zufolge über eine Nachrichten-App aus der Entfernung Anweisungen gegeben haben soll. Die Polizei untersuchte dabei insbesondere, wie die Beteiligten miteinander kommunizierten und welche Aufgaben den einzelnen Personen zugewiesen wurden.
Im weiteren Verlauf rückte ein mutmaßlicher übergeordneter Drahtzieher in den Mittelpunkt. Gegen den 48-jährigen Kazuhiko Masuda wurde ein Haftbefehl erwirkt; nach Angaben der Ermittler soll er Japan verlassen haben und sich anschließend über China nach Südostasien bewegt haben. Gegen ihn wurde international gefahndet.
Der Fall steht zugleich im Zusammenhang mit den sogenannten „Tokuryū“, anonymen und wechselnden kriminellen Gruppen, die über soziale Netzwerke und Nachrichten-Apps Personen für einzelne Straftaten anwerben können. Die Ermittler untersuchten deshalb nicht nur die konkrete Tat, sondern auch mögliche Verbindungen zu einer größeren kriminellen Struktur. Das japanische Polizeipräsidium weitete die Informationssammlung zu möglichen Zusammenhängen mit weiteren Fällen aus.
Auch der Umgang mit den minderjährigen Tatverdächtigen ist ein wesentlicher Teil des Falls. Die vier Jugendlichen wurden zunächst an das Familiengericht verwiesen. Im Juli 2026 wurde einer der 16-Jährigen zur strafrechtlichen Verfolgung an die Staatsanwaltschaft zurückverwiesen; anschließend wurde er wegen unter anderem des Verdachts des schweren Raubes mit Todesfolge angeklagt.
Der Fall zeigt damit, wie sich moderne organisierte Raubdelikte von der unmittelbaren Tat bis zur übergeordneten Planung über mehrere Ebenen erstrecken können. Gleichzeitig muss zwischen bestätigten Festnahmen und Gerichtsentscheidungen, polizeilichen Ermittlungsannahmen und noch offenen Fragen zur Gesamtplanung unterschieden werden.
Im Mittelpunkt stehen deshalb nicht nur die Gewalt selbst, sondern auch die Rekrutierung sehr junger Menschen, die Nutzung digitaler Kommunikation und die Schwierigkeit, einen mutmaßlichen Drahtzieher zu verfolgen, wenn dieser das Land bereits verlassen hat.
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