2025 feiert das Karlsruher Institut für Technologie sein 200-jähriges Bestehen. Unter dem Einfluss Frankreichs begann in den 1820er Jahren ein allmählicher Prozess der Verwissenschaftlichung technisch geprägter Berufsfelder. So wurde die Polytechnische Schule 1825 in Karlsruhe nach dem Vorbild der École Polytechnique in Paris gegründet. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein war Karlsruhe Schauplatz einer stetigen Emanzipation der Ingenieurs- und Naturwissenschaften vom klassischen universitären Fächerkanon. Während Angehörige des Adels an traditionellen Universitäten wie Heidelberg oder Freiburg Philosophie oder Philologie belegten, studierten wohlhabende Bürger in Karlsruhe Architektur, Maschinenbau oder Chemie. Nur langsam konnten Technische Hochschulen wie die in Karlsruhe das Prestige der alten Universitäten erreichen. Als Triebfeder der Industrialisierung aber war ihr Aufstieg unaufhaltsam. Im 20. Jahrhundert schließlich war die Trennung unübersehbar: die Humanities, als Wissenschaften vom Menschen auf der einen Seite, und die Ingenieurs- und Naturwissenschaften auf der anderen Seite bildeten nach der These des englischen Physikers und Romanautors Percy Snow zwei streng getrennte Wissenschaftskulturen, zwei Galaxien, die wenig miteinander kommunizieren.
Interviewpartnerin: Rafaela Hillerbrand, ITAS, KIT
https://www.200jahre.kit.edu/
Campus Report vom 4. März 2025