Kann eine KI wirklich kreativ sein, im vollen, ernstgemeinten Sinne des Wortes? Sabine sagt in dieser Folge von KIRRE … na hör mal! ganz klar: Nein. Schön, ja. Eindrucksvoll, manchmal sogar verblüffend. Aber kreativ ist für sie etwas grundsätzlich anderes. Als Designerin, die seit drei Jahren intensiv mit KI-Werkzeugen arbeitet, erklärt Sabine in dieser Episode, warum sie zwischen echter menschlicher Kreativität und beeindruckender KI-Produktion einen klaren Unterschied macht, und untermauert ihre These diesmal nicht nur mit eigener Erfahrung, sondern auch mit aktueller Kreativitätsforschung.
Ausgangspunkt der Folge ist eine Definitionsfrage: Was ist Kreativität überhaupt? Sabine grenzt Kreativität bewusst ab von reiner Geschwindigkeit, reiner Masse an Output und reiner Überraschung, denn all das kann KI längst besser als jeder Mensch. Sehr konkret beschreibt sie ihren eigenen Arbeitsprozess mit Bildgeneratoren: Wird eine KI einfach machen gelassen, ohne genaue Führung, entsteht aus ihrer Erfahrung fast immer Kitsch, glatte und austauschbare Bilder, die alle irgendwie gleich wirken, weil sie letztlich einen statistischen Durchschnitt aus vorhandenem Material abbilden. Erst durch wiederholtes Nachjustieren, teils zwanzig Anläufe und mehr, sowie durch anschließende Nachbearbeitung entsteht etwas, das für sie tatsächlich brauchbar ist. Diese Beobachtung aus dem eigenen Alltag bildet die Grundlage, von der aus die Folge dann den Bogen zu größeren, wissenschaftlich fundierten Fragen schlägt.
Ein zentraler Baustein der Folge ist die Arbeit der Kreativitätsforscherin Teresa Amabile, die kreative Leistung aus dem Zusammenspiel von drei Faktoren erklärt: Fachwissen, kreatives Denken und, als entscheidendem dritten Faktor, intrinsischer Motivation. Also echtem, innerem Interesse an einem Problem, an einer Aufgabe, an einem Ergebnis. Genau diese innere Motivation, dieses Feuer, das einen dazu bringt, noch mal nachzubessern, obwohl es eigentlich schon reichen würde, fehle KI-Systemen strukturell. Sabine beschreibt anschaulich, wie sehr sie dieser Gedanke selbst überrascht hat, weil er in klare Worte fasst, was sie bislang nur gefühlt, aber nie richtig benennen konnte, nämlich dass ihr eigener Ehrgeiz und ihre Unzufriedenheit mit dem ersten guten Ergebnis Teil ihres kreativen Prozesses sind, nicht nur ein lästiges Extra.
Daran anschließend stellt Sabine ein bekanntes Experiment der Wharton School vor, bei dem Studierende und eine KI dieselbe Aufgabe lösen sollten: möglichst viele neue, innovative Produktideen zu entwickeln. Das Ergebnis war für viele überraschend, für Sabine selbst sogar ein kleiner Dämpfer fürs eigene Ego, wie sie offen zugibt. Die KI produzierte in kürzester Zeit ein Vielfaches an Ideen im Vergleich zu den Studierenden, und als alle Ideen anonym bewertet wurden, stammte ein überraschend großer Anteil der insgesamt am besten bewerteten Ideen tatsächlich von der KI. Sabine ordnet dieses Ergebnis differenziert ein, statt es einfach zu übergehen: Die KI ist demnach vor allem stark darin, viele solide, brauchbare Ideen am laufenden Band zu liefern, während der eine wirklich radikale, alles verändernde Geistesblitz weiterhin selten bleibt, egal wer ihn produziert. Sie beschreibt außerdem, wie sie ihr eigenes Vorgehen nach der Lektüre dieser Studie noch einmal bewusst reflektiert hat, um herauszufinden, an welcher Stelle im kreativen Prozess ihr eigener Beitrag tatsächlich den Unterschied macht.
Aus diesen beiden Bausteinen entwickelt Sabine eine grundsätzliche Beobachtung darüber, wie sich die Rolle kreativ arbeitender Menschen gerade verschiebt. Früher bestand ein großer Teil kreativer Arbeit darin, überhaupt erst genügend Ideen zu produzieren. Heute übernimmt das zunehmend die Maschine, in Sekundenschnelle und in schier endloser Menge. Die eigentliche menschliche Kompetenz verlagert sich dadurch immer stärker Richtung Kuratieren, Bewerten, Verwerfen und Zuspitzen, eine Fähigkeit, die aus Sabines Sicht mindestens genauso anspruchsvoll ist wie das klassische Ideenfinden, aber bislang deutlich weniger Anerkennung findet.
Die Kernaussage der Folge lässt sich klar zusammenfassen: KI ist für Sabine ein Werkzeug wie ein Bleistift, mächtig, schnell, in der Lage, enorme Mengen an Material zu produzieren, aber ohne eigene kreative Absicht und ohne inneres Interesse an der Sache. Erst in menschlicher Hand, geführt von Erfahrung, Auswahl und echter Verantwortung für das Ergebnis, kann daraus etwas wirklich Kreatives entstehen. Künstliche Kreativität als eigenständiges Phänomen existiert für Sabine nicht, KI als kreatives Werkzeug in menschlichen Händen dagegen sehr wohl, und genau in diesem Unterschied liegt für sie der entscheidende Punkt der gesamten Folge. Besonders bemerkenswert an dieser Episode ist, dass Sabine ihre persönliche Haltung diesmal nicht nur aus dem eigenen Bauchgefühl heraus begründet, sondern bewusst mit externer Forschung abgleicht, auch dort, wo die Ergebnisse ihrer eigenen Intuition zunächst zu widersprechen scheinen.
Diese Episode eignet sich besonders für alle, die sich mit folgenden Themen beschäftigen: künstliche Kreativität, KI und Design, KI-Bildgenerierung, Kreativitätsforschung, Teresa Amabile und intrinsische Motivation, KI-Ideengenerierung und die Wharton-Studie, der Unterschied zwischen menschlicher und maschineller Kreativität sowie die veränderte Rolle kreativ arbeitender Menschen im Zeitalter generativer KI. Die Folge passt außerdem zu Suchanfragen wie: Kann KI wirklich kreativ sein? Was sagt die aktuelle Forschung zu KI und Kreativität? Ist KI besser darin, Ideen zu finden, als Menschen? Was bleibt von menschlicher Kreativität übrig, wenn KI Ideen produziert?
KIRRE … na hör mal! ist ein deutschsprachiger Podcast über künstliche Intelligenz und ihre Auswirkungen auf Alltag, Kreativität und Arbeit, moderiert von Sabine, auch bekannt als Applebee, Grafikdesignerin mit langjähriger Erfahrung und seit drei Jahren intensiver KI-Nutzerin. Der Podcast richtet sich an kreative und wissensbasierte Selbstständige, die KI weder unkritisch feiern noch pauschal verteufeln wollen, sondern einen ehrlichen, humorvollen und reflektierten Umgang damit suchen. Jede Folge widmet sich einem konkreten Aspekt der KI-Nutzung im Alltag, von Beziehungen über Arbeit bis hin zu Kreativität, Wahrheit und Gesellschaft.
Wenn du eine eigene Meinung, ein Gegenbeispiel oder eine persönliche Geschichte zum Thema künstliche Kreativität hast, schreib Sabine gerne, sie freut sich über jede Zuschrift und nimmt gute Denkanstöße auch gerne mal in einer der nächsten Folgen auf. Selbstständige merken heute schnell, dass die eigene Positionierung im KI-Zeitalter unklar geworden ist. Wer Unterstützung dabei sucht, den eigenen kreativen Blick trotz KI-Unterstützung sichtbar zu halten, sie freut sich über eure E-Mails.
Gerade das Thema dieser Folge, die Frage, was am Ende wirklich von einem selbst in einem Ergebnis steckt, betrifft nicht nur Designerinnen und Designer, sondern alle, die beruflich mit KI-Werkzeugen arbeiten und dabei ihre eigene Handschrift nicht verlieren wollen.
Weiterführende Links:
Kontakt für eigene Meinungen, Gegenbeispiele und Geschichten: [email protected]
Teresa Amabile – Componential Theory of Creativity (Harvard Business School, Originalarbeit): https://www.hbs.edu/ris/Publication%20Files/12-096.pdf
Wharton-Studie „Ideas are Dimes a Dozen" – KI vs. Studierende bei der Ideenfindung: https://mackinstitute.wharton.upenn.edu/wp-content/uploads/2023/08/LLM-Ideas-Working-Paper.pdf
Ethan Mollick – „Automating Creativity" (Rekombinations-These, One Useful Thing): https://www.oneusefulthing.org/p/automating-creativity
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