Er wird manchmal als der «achte Bundesrat» bezeichnet: Bundeskanzler Viktor Rossi. Im Gespräch mit Nicoletta Cimmino gewährt der Berner einen Blick hinter die Kulissen des Bundeshauses - und erzählt, er habe als Jugendlicher nicht mal gewusst, dass es überhaupt einen Bundeskanzler gebe.
Sein Lebensweg verlief nicht geradlinig. Nach der achten Sekundarklasse durfte er nicht weiter in die Schule. Aus disziplinarischen Gründen wurde er ausgeschlossen. Er begann eine Kochlehre. Ein erster Bruch im Lebenslauf und die Möglichkeit, sich zu besinnen: «Wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen drei Finger auf einen selbst.»
Rossi, Sohn eines italienischen Vaters und einer slowenischsprachigen Mutter aus Kärnten, holte nach der Lehre das Gymnasium nach und studierte Wirtschaft und Recht an der Universität Bern. Seine Karriere führte ihn in die Stadt Biel. Er wurde Direktor der kaufmännischen Berufsschule, dem heutigen BFB. «Dabei sprach ich am Anfang schlecht Französisch».
Mehrsprachigkeit ist für den Bundeskanzler der Kern der Schweiz: «Eine Sprache ist mehr als ein Kanal zum Verstehen".
Im Klartext erzählt Viktor Rossi auch davon, was ihm Italien heute bedeutet, wie er als Lehrling einmal für die erste Schweizer Bundesrätin, Elisabeth Kopp gekocht habe. Und im Bezug auf die
digitale Empörungsökonomie plädiert er für Gelassenheit: «Man muss nicht auf alles in drei Sekunden reagieren», sagt er mit Blick auf den jüngsten verbalen Angriff des US-Präsidenten auf die Schweiz anlässlich des World Economic Forums (WEF).