In fast allen Haushalten finde ich beim AusmistenBriefmarkensammlungen. In den 70er und 80er Jahren waren Briefmarken die Aktiendes kleinen Mannes – sie versprachen enorme Wertsteigerungen. Briefmarkensammelnwar ein Volkshobby, viele Leute hatten sogar ein Abo bei der Deutschen Post fürdie neu erschienenen Marken.
Mit Tobias Huylmans vom Auktionshaus Heinrich Köhler sprecheich darüber, wie man heute diese Briefmarken bewertet und verkauft. HerrHuylmans bezeichnet sich selbst als Briefmarken-Junkie und ist seit 25 Jahrenim Geschäft, kennt sich also bestens aus. Das Auktionshaus Heinrich Köhler, dasauf philatelistisches Material und Postgeschichte spezialisiert ist, existiertseit 1913 und ist damit das älteste Briefmarkenauktionshaus Deutschlands undeines der ältesten der Welt.
Am meisten haben mich folgende Einsichten überrascht:
Briefmarkensammlungen, die vor allem aus Marken nach 1950bestehen, sind in der Regel nicht sehr viel wert. Die Post druckte die Markendamals schon in hoher Auflage, so dass die erhofften Reichtümer für die Erben meistausbleiben. Als grobe Regel gilt: je langweiliger und einfarbiger die Markenaussehen, desto wertvoller sind sie.
Wenn man Briefmarken erbt, unbedingt nach Kaufbelegen vonHändlern oder Auktionshäusern sowie nach Echtheitszertifikaten suchen. Nichtrelevant sind die Zahlungsbelege der Deutschen Post für Abos. Die Preise, dieim bekannten Michel-Katalog stehen, entsprechen nicht dem Marktwert. Dieseliegen 60-97 Prozent darunter.
Die heutigen Sammler sind hochspezialisiert. Sie sammelnbeispielsweise die Postgeschichte ihres Heimatortes, bestimmte Ausgaben vonBriefmarken aus Bayern oder Preußen, aus den deutschen Kolonien oder den ehemaligendeutschen Abstimmungs- und Nebengebieten wie Allenstein, Marienwerder, Memeloder Saar.
Interessant sind alte Briefe mit Marke – am besten in einerschönen Schrift mit einer Adresse in Übersee oder Briefe, die mit derZeppelinpost transportiert wurden. Besonders die Briefe, die mit dem 1937 beiLakehurst abgestürztem Zeppelin transportiert wurden, sind bei Sammlerngesucht.
Richtig wertvoll ist der schwarze Einser von 1849, die erstedeutsche Briefmarke. Die Briefmarke wurde 2024 für 440.000 Euro versteigert. DenBaden-Fehldruck hat Heinrich Köhler 2019 für 1,26 Millionen Euro verkauft hat. Gesuchtist auch der Sachsen-Dreier von 1850, eine rote Marke, die bei Ausgabe 3Pfennige kostete und 2022 von Heinrich Köhler für 260.000 Euro versteigertwurde.
Interessant können auch alte Bücher über Briefmarken oderMemorabilia wie Zeppelin-Geschirr sein. Diese Sachen werden ebenfalls von denBriefmarkenhändlern verkauft.
Briefmarken werden heute vor allem über Auktionen oderHändler verkauft. Beide sind Ansprechpartner, wenn man Briefmarken verkaufenwill. Einfach Fotos der Sammlung an die Unternehmen schicken – die meistenmachen eine kostenlose Schätzung. Wenn die Sammlung besondere Marken enthält,lohnt sich die Einlieferung in eine Auktion. Einfachere Sammlungen werden ggfs.angekauft.
Briefmarken, die kein Händler kaufen will, kann man entwederan lokale Briefmarkenvereine verschenken (eine Übersicht bietet der BundDeutscher Philatelisten, siehe Linkliste) oder an die gemeinnützigeOrganisation Bethel spenden. Bei Bethel bereiten Menschen mit Behinderung dieBriefmarken auf und verkaufen sie als Kiloware.
Hier die Links der Folge
Auktionshaus Heinrich Köhler https://heinrich-koehler.de/de
Bund Philatelistischer Prüfer: https://www.bpp.de/
InternationalAssociation of Philatelic Experts, AIEP: https://www.aiep-experts.net/
Bethel: https://www.bethel.de/briefmarken-fuer-bethel
Bund Deutscher Philatelisten https://www.bdph.de/