Wohnpsycholog Uwe Linke gibt Einblicke in den Zusammenhang zwischen Ordnung und Wohlbefinden und erklärt, warum es uns so schwerfällt, Sachen auszumisten und loszulassen.
Wie wir wohnen und wie unser Zuhause aussieht, ist laut Uweein Spiegelbild von dem, wie wir uns darstellen wollen, was praktisch ist, aber auch dem was uns unterbewusst am meisten entspricht. Manchen Menschen brauchen cleaneOberflächen, andere brauchen viele Dinge um sich herum, um sich aufgehoben zu fühlen. Wenn das Zuhause auch die Emotionen befriedigt, fühlen wir uns darin 100% wohl.
Unordnung erzeugt dabei immer Stress. Trotzdem hebenMenschen Dinge auf, weil an Sachen auch Erinnerungen und Sehnsüchte hängen: An großartige Reisen, an ein geplantes Hobby, an Menschen. Um die Dinge loszulassen, die mansachlich betrachtet nicht braucht, muss laut Uwe etwas anderes kommen, an das meine seine Wünsche und Hoffnung hängen kann. Man muss etwas anderes finden, das einen glücklich macht.
Das man sogar Sachen aufhebt, die einen an Menschenerinnern, mit denen man gar nichts mehr zu tun haben will - den Tennisschläger des Ex-Mannes - hängt damit zusammen, dass diese Dinge uns an alte, bekannte Bindungen erinnern. Diese alten Bindungssysteme sind tief ins Gehirn eingeprägt, so dass wir sie energiesparend aufrufen können. Erst wenn wir unsvon alten Konzepten - und den dazugehörigen Dingen - verabschieden, uns auf etwas Unsicheres einlassen, können neue Bindungen entstehen. Und ein Gefühl von Freiheit.
Ausmisten ist so auch immer ein Prozess des Loslassens, derein wertschätzendes Begleiten braucht. Oft es daher einfacher, wenn die Sachen noch eine weitere Benutzung kommen und nicht auf dem Müll landen.
Beim Neugestalten von Wohnungen sollte laut Uwe das Bauchgefühl der leitende Gedanke sein. Mit Moodboards und Collagen kann man passende Farben herausfinden. Wichtig ist auf jeden Fall aber genügend Stauraum für jedesFamilienmitglied, damit das Chaos gar nicht ausbricht. Auch Beschriftungen helfen, damit Ordnung gehalten werden kann.
Am Ende stauen die Leute oft, wie viel sie mit ihren vorhandenen Möbeln und Räumen machen können, wenn sie nur in sich und ihre Bedürfnisse hineinspüren.