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Cindy kabelt aus Fernost:
Cindy im pakistanischen Hochzeitsdress (western style) mit Lebensretter Waqar und Designer-Kollegen. Die pakistanischen Rechtsanwälte demonstrieren immer noch. Der Oberbefehlshaber der Armee hat der zukünftigen Regierung seine Unterstützung zugesichert der einzige Todesfall in der Zeitung ist ein einfacher Rachemord unter Gangstern und Cindy hängt immer noch in Lahore rum: “Main nashey mein hoon” (for I am somewhat drunk). Diesmal vor dem Mausoleum eines Sufi-Heiligen namens Baba Shah Jamal. Vor dem kleinen Kuppelgrab trommeln Musiker sich und ihr Publikum jeden Donnerstagabend in Trance. Auf den Gräbern ringsum sitzen Männer beim Mitternachtspicknick mit Spazigaretten. Baba Jamal soll in Ekstase einst sieben Hügel in Grund und Boden getanzt haben. Cindy verliert, nicht mehr ganz nüchtern, den berblick, was in dieser Umgebung allerdings nicht weiter auffällt. Zum Schlu gibt es dann aber doch noch ein paar simple Grundwahrheiten und ein Gedicht: “Main nashey mein hoon”.
Unsere Korrespondentin hat ihr bisher bestes Stück geschickt. Nein, nur eine Datei, aber die ist wirklich gut, richtiger Podcast-Journalism. Toll. Als Beipackzettel kam dies:
Cindy ist in Lahore, Pakistan: Dem Land, wo alle zwei Tage eine Bombe hochgeht, die Frauen im Damensitz Motorrad fahren und die Leute lustig über Sex reden: “Do you want to come?” US Proper Porno Talk. “Do you want to discharge?” Paki English.
Vielleicht hat Sex Cindy das Leben gerettet: Weil er nämlich lieber im Guesthaus auf einen reizenden Mode-Designer gewartet hat, als mit dem Fahrrad ins Internet-Cafe zu fahren, hat Cindy auch nichts von dem Selbstmord-Attentat vor dem Navy College ein paar hundert Meter vom Internet-Cafe entfernt mitbekommen. Langsam allerdings hört der Spa auf.
Gute Laune sieht anders aus. Doch der Eindruck täuscht. Das Gespräch mit dem Schriftsteller Falko Hennig war die reine Freude, schon weil es nicht von Cindy gelöscht wurde. Falko berichtet, wie er Karl May auf Kassenrollen kopierte und wie Walter Kempowski auf Flohmärkten Fotos suchte. Am Ende überreicht Andi ein tolles Geschenk.
Küchenradio wäre bei 143 Stichworten unter den Google-Top-Ten, wenn, ja, wenn Suchmaschinen schlecht produzierte Multimediadaten durchsuchen könnten. Das halbe Netz ist voller Videos und Bilder und Audios und keiner kann automatisiert wirklich erfassen, was zu sehen und zu hören ist. Das will Ronald Glasberg ändern.
Cindy hat vier Audio-Dateien geschickt, die wirken wie eine zersprungene Bierflasche: Zwei Teile folgen offensichtlich aufeinander und passen zusammen. Für die anderen zwei gilt das nicht, auch nicht nach dem zweiten Sende-Versuch. Ich versuche daher nicht mehr Sinn hinein zu schneiden, als drin ist und klebe die vier Teile zusammen, auf dass sie im Ohr des Hörers ihren Zauber entfalten. (Wieso Cindy einen 10-Minuten-Podcast in vier Teile zerlegt? Technische Gründe, nehme ich an.)
Unsere wackere Korrespondentin textete dazu:
PS: In Kerman, vier Zugstunden weiter Richtung Süden, hat Cindy Parsa und seine Frau wieder getroffen. Die beiden haben Cindy zu einem Sufi-Treffen mitgenommen und anschlieend zum Essen bei den Schwiegereltern. Und Cindy wei nicht, was sie mehr bewegt hat.
Irgendwelche Vorschläge? berhaupt freut sich Cindy SEHR über Rückmeldungen, Vorschläge und FRAGEN zur Region. JETZT wei Cindy nämlich ALLES über den Iran, fragt sich nur noch wie lange.
ACH so, leider diesmal kein Gruppenbild. Hab mal zwei Bilder aus dem Netz runtergeladen. Das Bild von Google-Earth gibt EXAKT den Blick vom Hoteldach wieder. Bin immer noch unzufrieden… Zum Beispiel gestern die Derwische… Das wäre was gewesen… Aber irgendwie krieg ich das fürs Küchenradio in fünf Minuten nicht gebacken. Deswegen doch wieder ziemlich viel “Traveler-small-Talk” oder soll ich einfach mehr erzählen?
Hendrik Speck ist Professor für Interaktive Medien an der FH Kaiserslautern und hat an Büchern mitgeschrieben wie “Die Macht der Suchmaschinen“. Und genau darum geht´s heute im Küchenradio.
Cindy ist in Teheran angekommen und hat sich im ältesten Hotel der Stadt eingemietet. Drauen tobt der Verkehr, drinnen rastet eine bulgarische Karawane. Anfang und Ende ihrer Audio-Depesche ist so roh wie es Cindy gern hat.
Nachtrag aus dem Orient:
1. Der Polizeichef von Tehran hat sich anlälich des 29. Revolutionsjubiläums gegen rauchende Frauen in der ffentlichkeit als “soziale Abnormität” ausgesprochen.
2. Venti aus Bulgarien will weiter nach Indien fahren, und vielleicht treffen sich Cindy und er in Goa.
3. S. die junge Filmemacherin, die davon träumt, ihre Haare im Wind wehen zu lassen, hat nicht vor mit dem Rauchen in der ffentlichkeit aufzuhören.
Ein Brett, das wir alle im Kamin verheizen würden, kostet 4000 Euro und ist der Stoff, aus dem eine Geige entsteht, jenes Instrument, das dem Instrument der Instrumente am nächsten kommt: der menschlichen Stimme.
Geigenbauer Jakob Motter zeigt uns seine Werkstatt und spielt auf einem wunderbaren Kontrabass aus Ungarn, der entfernt an den Sound von Soul Coughing erinnert
Wenn es darum geht, den Klimawandel zu stoppen, ist schnell vom Emissionshandel die Rede, vor allem in Europa, ganz besonders in Deutschland. Emissionshandel – was ist das? Wie funktioniert er? Wird er die Welt retten? Eine Sendung mit der Maus und Dr. Hans-Jürgen Nantke, Leiter der Deutschen Emissionshandelsstelle.
Unsere Küchenradio-Korrespondentin rattert mit dem Trans-Asya Ekspress durch Anatolien und blickt auf schneebedeckte Berge, hinter denen die rote Sonne versinkt. Mit Cindy im Zug leben ein weltreisender Ski-Tourist, singende Menschen aus Lateinamerika und ein Kanadier, der sein MacBook mehr vermisst als Sex mit seiner Freundin. Natürlich ist der Kellner groartig.
Nach 69,5 Stunden Fahrt und einmal bersetzen mit der Fähre hat Cindy die iranische Hauptstadt Teheran mittlerweile erreicht. Auszüge aus Cindys Reisetagebuch:
“1.Der Pilav im türkischen Speisewagen war auch am zweiten Abend kalt.
2.Die lateinamerikanische Reisegruppe war unterwegs zu einer Hochzeit in Teheran.
3.Der “Chef”, der Koch und der Oberkellner haben später zwischen den Tischen getanzt.
4.Erkan-Bey, der zweite Kellner (siehe Bild) ist 1,60 gro, wohnt in Pendic, nennt sich im Internet “stealth-fighter” und hat eine Freundin.
5.Auf der Fahrt durch Anatolien wurden von Kaare (Kanada), David (Australien), Tobias (Ludwigsburg) und Cindy circa dreieinhalb Flaschen Raki und circa 20 Zigaretten konsumiert.”
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