Vor ein paar Tagen hatte ich mit meiner Tochter eine Situation, die mir wieder gezeigt hat, wie mächtig die Arbeit mit inneren Anteilen sein kann. Sie klagte über Bauchschmerzen – und als wir gemeinsam nachschauten, was dahintersteckt, wurde klar: Es war ein innerer Anteil, der unsere Aufmerksamkeit brauchte. Diese Methode stammt aus der Traumatherapie (IFS – Internal Family Systems), ist aber so einfach, dass jeder sie im Alltag nutzen kann – für sich selbst oder für die Begleitung von Kindern.
Die Arbeit mit inneren Anteilen geht davon aus, dass wir alle aus verschiedenen Teilen bestehen. Jeder dieser Anteile hat eine positive Absicht – auch wenn er sich manchmal unangenehm anfühlt. Bei Kindern zeigt sich das oft durch körperliche Symptome wie Bauchschmerzen oder Unruhe. Aber auch wir Erwachsene haben diese Anteile: Sie melden sich durch Gefühle, Gedanken oder körperliche Empfindungen, die uns sagen wollen: Hier stimmt etwas nicht – oder hier brauche ich etwas.
Wie könnt ihr das selbst ausprobieren? Hier eine einfache Anleitung für den Alltag:
1. Wahrnehmen:
Wo spürst du das Gefühl/Symptom im Körper? (z. B. Kloß im Hals, Enge in der Brust, Unruhe im Bauch)
2. Kontakt aufnehmen:
Stell dir vor, dieser Teil hätte eine Stimme.
- Was würde er dir sagen?
- Wie fühlt er sich an? (schwer, heiß, kribblig, …)
3. Verstehen:
Was braucht dieser Anteil? (z. B. Trost, Sicherheit, Pausen, gehört werden)
4. Handeln:
Gib ihm, was er braucht – manchmal reicht schon das bewusste Zuhören.
Beispiel aus dem Alltag:
Du hast seit Tagen einen Kloß im Hals. Statt ihn zu ignorieren, fragst du:
„Was will dieser Kloß mir sagen?“ – und entdeckst vielleicht einen verletzlichen Anteil, der nicht sprechen darf – und einfach nur gehört werden möchte.
Wichtig: Bei schweren Trauma-Erfahrungen immer professionelle Hilfe suchen. Aber für den Alltag ist diese Methode ein wunderbares Werkzeug, um mehr Klarheit und Leichtigkeit zu gewinnen.
Also: Innere Anteile arbeiten ist kein Hexenwerk. Es ist eine einfache, aber tiefgreifende Methode, die uns hilft, uns selbst und unsere Kinder besser zu verstehen. Probiert es aus – und denkt dran: Jeder Anteil in uns hat eine positive Absicht. Manchmal müssen wir nur zuhören.