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Nach über einem Jahr mal wieder ein neues Lied. Danke für eure Geduld und eure Treue.
An Deinem Tisch
Der Ballsaal ist verschlossen, mein Bett wieder verwaist
Momente unserer Zärtlichkeit nach nirgendwo verreist
Vorhänge zugezogen, kein Licht dringt hier mehr ein
Das Parkett frisch gebohnert, ich mittendrin allein
Du bist hier durchgezogen, gleich wie ein Wirbelwind
Jetzt bist Du wieder fort, ganz plötzlich und geschwind
Den Luftzug Deines Atems halt ich derweil noch fest
Dann ist da noch Dein Lachen, das Spuren hinterlässt
Der Weg der vor Dir liegt, den gehst Du jetzt allein
Da draußen in der Welt, bei Sturm und Sonnenschein
Bei jedem Deiner Schritte, bitte achte gut auf Dich
Und blickst Du mal zurück, denk bitte wohlwollend an mich
An Deinem Tisch werd ich nie sitzen, in Deinem Bette niemals liegen
Man kann zwar alles versuchen, aber sehr selten alles kriegen
Und so bleibt nur Erinnerung, an Hände auf der Haut
Du warst nur kurz zu Gast, doch liebgewonnen und vertraut
Der Weg der vor Dir liegt, den gehst Du jetzt allein
Und ich werd in dem Ballsaal wieder Solotänzer sein
Bei jedem Deiner Schritte, bitte achte gut auf Dich
Du Frau die so schnell kam und noch schneller von dannen schlich
An Deinem Tisch werd ich nie sitzen, in Deinem Bette niemals liegen
Man kann zwar alles versuchen aber sehr selten alles kriegen
Und so bleibt nur Erinnerung, an Hände auf der Haut
Du warst nur kurz zu Gast, doch liebgewonnen vertraut
© Schlockback
Was sie alle eint, ist die Zeit die tickt
Und somit jeden irgendwann in die Unendlichkeit schickt
Solang er noch hier ist fällt ihm nicht besseres ein
All auf dem Gipfel zu tanzen, immer morgens allein
Engel ohne Flügel
Du schwebst über den Boden meines stets polierten Ballsaals
und hinterlässt dabei Spuren wie niemand zuvor, unverwischbar
Mit schier brachialer Anmut hast Du mein Heiligtum betreten
und das Refugium meiner zurückgezogenen Seele im Sturm erobert
Jetzt stehst Du mittendrin im Ballsaal meiner Einsamkeit
unsicher, zierlich zerbrechlich, sensibel, verletzlich und doch
unbeirrbar, unumstößlich, felsenfest in unverrückbarer Stabilität
Du bist der Halt, der Anker, der Orientierungspunkt meines Seins
Du bist der Engel der keine Flügel braucht, weil er schweben kann
und der mit einem einzigen Handstreich meinen dunkeln Ballsaal
in ein rauschendes Meer aus schier unerschöpflichen Licht zaubert
und mich in einen nie erahnten Rausch geballten Lebens entführt
Und ich sehe Dich lächeln, und umfasse Deine zarten Hände
Nichts sehnlicher wünschend, als dass ich sie immer halten darf
Doch das einzige was auch Dir durch die Finger gleitet, ist die Zeit
Und deshalb ist unsere Begegnung endlich, Du Engel ohne Flügel
Denn mein Ballsaal ist in seinem letzten Herbst angekommen
und wird unwiderruflich den nächsten Frühling nicht mehr erleben
Es ist nicht mehr so lange hin, bis das letzte Blatt meines Daseins fällt
und mein letzter Atemzug mich vom diesseits ins Jenseits begleiten wird
Doch bis dahin streiche meinen Ballsaal bitte noch kunterbunt
Ich möchte im Rausch Deiner voll Liebe versprühten Farben gehen
bevor unsere Hände sich für immer voneinander lösen müssen
Und Du, mein Engel ohne Flügel, ohne mich weiter schweben musst
© Schlockback
Jutta
Neulich hab ich mich mit Jutta getroffen
und sie erzählte mir von dem Lied Anna
welches Andre Heller einst gesungen hat
Diese Lied handelt von einem Mann
der jahrelang tagtäglich das Grab
seiner verstorbenen Frau besucht
und ihr von seinem Alltagsleben, seinem Kummer
seinen Sorgen, seiner Einsamkeit
und seiner Liebe zu ihr erzählt
Er spricht mit ihr, so als ob sie noch da wäre
Er gestikuliert, er schreit, er singt und flüstert
und teilt mit ihr weiterhin sein irdisches Leben
Jutta sah mich an und sagte zu mir
„Ja es ist wirklich wunderschön so geliebt zu haben“
Und ich nickte nur und schwieg
Doch in mir bildeten sich tausende Gedanken
Über Jutta, das Lied Anna, welches ich gar nicht kannte
und die Liebe, die so wunderschön und doch auch schmerzlich sein kann
Und ich sah mein Bild von Jutta
so wie ich sie wahrnehme und erlebe
Diese unglaublich starke und zeitgleich verletzliche Frau
Und meine Stimme hätte am liebsten
lauthals und für jeden hörbar
in aller in Worten möglicher Deutlichkeit heraus posaunt:
Jutta, an Deinem Grab werden viele Menschen stehen
Und nicht nicht nur am Tag Deiner Beerdigung
sondern auch noch viele Jahre danach
Denn ich bin mir absolut sicher
Du wirst wunderschön geliebt
Und Du würdest eine nicht zu füllende Lücke hinterlassen
Aber was viel wichtiger ist Jutta,
Du bist noch am Leben
Und es bedarf keines Grabes
Um zu Dir zu zeigen
dass Du geliebt wirst
und dass Du liebenswert bist
Und deshalb wünsche ich Dir von ganzem Herzen
Dass Du Dein Leben jetzt genießt
Und in vollen Zügen auskostest
Und vor allem Jutta
schiebe nichts auf später
Denn später ist es vielleicht zu spät
Nichts von alledem habe ich zu Dir gesagt
Als ich Deine Worte vernahm
„Ja es ist wirklich wunderschön so geliebt zu haben“
Ich habe nur genickt und geschwiegen
Stattdessen schenke ich Dir diese Zeilen und dieses kleine Lied
mit dem Wunsch, dass Du wunderschöne Liebe erfährst
© Schlockback
Dieses Lied ist den Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine gewidmet, die in größter Not Zuflucht bei uns suchen.
Futtertrog
Ja die Städte liegen in Trümmern
Zerstört auch die kritische Infrastruktur
Menschen begeben sich auf die Flucht
vor Mord, Vergewaltigung und Tortur
Doch was wollen die bei uns?
Was haben wir mit denen am Hut?
Die nehmen Platz weg, kosten Geld
und tuen unserem Land nicht gut
Und warum schicken wir denen Panzer?
Bauen deren Städte wieder auf?
Wir sind doch nicht deren Weihnachtsmann
und nicht im Sommerschlussverkauf.
Die sollen mal gucken wo sie bleiben
am besten, wenn sie sich ergeben
Dann ist endlich wieder Ruhe
und wir können wieder günstiger leben
Unsere Hintern mögen es muckelig warm
und das für möglichst wenig Geld
Was interessieren uns da Menschenrechte
und was schert uns der Rest der Welt?
Es ist doch egal, wer was wann tat
Die Wahrheit sagte oder log
Hauptsache wir sitzen erste Reihe
am prall gefüllten Futtertrog
Es zählt nur Knete, Gold und Zaster
als einzig wahre moralische Instanz
Humanismus ist teurer Luxus
Das wissen Berta, Hans und Franz
© Schlockback
Sommer 2022
Heut hat´s den ganzen Tag geregnet
Der lange Sommer ist nun vorbei
Er bescherte uns sehr viel Sonne
Klar blauen Himmel und Hitzefrei
Es war der Sommer auf der Schiene
denn viele fuhren mit der Bahn
Einige kamen sogar pünktlich
und andere gar nicht erst an
Es war der Sommer ohne Masken
Trotz einer Welle die es gab
Manch einer hatte kaum Symptome
Manch anderer endete im Grab
Das war der Sommer 22
Einzigartig eigentlich
Doch für mich war er vor allem
der zweite Sommer ohne Dich
Wir hatten trotz der Hitze Angst
Dass wir im Winter alle frieren
Und durch die vielen hohen Kosten
Unser Erspartes komplett verlieren
Und während wir an Stränden lagen
Mit kalten Drinks und leckerem Eis
Verteidigten Andere ihre Heimat
Und ihr Leben war oft der Preis
Einen Rekord an Sonnenstunden
verkündete uns die Wetterfee
Mangel an Wasser, trockener Boden
Tat deshalb nicht nur den Bauern weh
Das war der Sommer 22
Einzigartig unterm Strich
Doch für mich war er vor allem
der zweite Sommer ohne Dich
© Schlockback
Der Witwer
Er steht noch auf, wie jeden Tag
und legt sich abends wieder hin.
Es ist sein Puls, der weitermacht
Ohne Frage nach dem Sinn.
Er tanzt musiklos seine Schritte
Im Ballsaal seiner Phantasie
In dem es sie und ihn noch gibt
Andere tanzen hier nie
Von allen Worten die sie sprachen
Erinnert er nur noch die Silben
Sie entrinnt ihm Tag für Tag
wie auch die Fotos, die vergilben
Er kann sie riechen, kann sie spüren
In diesem Haus, so ganz alleine
Schmeckt ihren Kuss auf seinen Lippen
So einsam ohne seine Eine
Er fühlt sich wie ein Baum ohne Wald – Wald ohne Baum
In ner Gegenwart ohne jedes Glück
Mit ihren Lieblingsblumen in seiner Hand
Kehrt der Witwer zu seiner Frau zurück
© Schlockback
Ein Live-Mitschnitt von einem Konzert aus dem Jahr 2017 in Bochum-Wattenscheid.
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