Manche Gespräche nehme ich nicht nur für euch auf, sondern auch ein bisschen für mich selbst. Dieses hier gehört definitiv dazu.
In dieser Folge spreche ich mit Anton Wieser, einem der gefragtesten Experten für Jungen-Coaching und die Stärkung von Vater-Sohn-Beziehungen. Anton ist mehrfacher Bestsellerautor, Mentaltrainer, Kinder- und Jugendcoach sowie Gründer von BoysUp und MÄNNERS.
Ich verfolge seine Arbeit seit ungefähr drei Jahren, lese seinen Newsletter und wollte schon lange mit ihm über eine Frage sprechen, die mich auch persönlich sehr beschäftigt:
Was brauchen unsere Kinder wirklich von uns – und warum reichen gute Absichten allein manchmal nicht aus?
Unser Gespräch wird schnell sehr persönlich. Ich erzähle Anton von einem Spaziergang mit meinem Sohn. Dabei sagte er zu mir:
„Papa, du bist der Einzige von uns, der beim Spazierengehen aufs Handy schaut.“
Mein erster Impuls war, mich zu verteidigen. Schließlich mache ich das aus meiner Sicht nur selten. Seine Antwort war:
„Ja. Aber von uns allen machst du es am meisten.“
Dieser Satz hat bei mir gesessen. Denn ich halte mich eigentlich für einen präsenten Vater. Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie unterschiedlich das eigene Selbstbild und die Wahrnehmung unserer Kinder sein können.
Anton spricht sehr offen über seine eigene Geschichte. Nach dem Tod seines Vaters erkannte er, wie stark ihn die Sehnsucht nach einem einzigen Satz geprägt hatte:
„Ich bin stolz auf dich.“
Er erzählt, warum er seinem Vater lange etwas beweisen wollte, wie diese Vaterwunde seinen beruflichen Antrieb beeinflusste und weshalb er seinem verstorbenen Vater schließlich einen Brief schrieb und diesen mit in den Sarg legte.
Das hat mich sehr berührt. Auch in meiner Arbeit mit erfolgreichen Menschen erlebe ich immer wieder, wie lange wir noch um die Anerkennung unserer Eltern kämpfen – selbst wenn wir längst erwachsen sind oder unsere Eltern gar nicht mehr leben.
Wir sprechen in dieser Folge unter anderem darüber,
• warum alte Vaterwunden unseren Leistungsdrang ein Leben lang beeinflussen können
• weshalb Beziehung auch zwischen erwachsenen Kindern und ihren Eltern keine Einbahnstraße ist
• was Jungen wirklich von ihren Vätern brauchen
• warum körperliche Nähe einen Jungen nicht schwach macht
• wie gemeinsame Abenteuer und Herausforderungen eine Beziehung stärken
• weshalb kleine Familienrituale Kindern Sicherheit und Halt geben
• wie wir Räume schaffen, in denen unsere Kinder freiwillig erzählen
• warum es nicht um perfekte Elternschaft, sondern um echte Verbindung geht
Anton und ich teilen außerdem unsere persönlichen Familienrituale: gemeinsame Mahlzeiten ohne Handy, bewusste Umarmungen, feste Fernsehabende, Gespräche vor dem Einschlafen und gemeinsame Erlebnisse, an die sich unsere Kinder hoffentlich noch lange erinnern werden.
Es sind keine gigantischen Gesten. Aber ich glaube ohnehin, dass Liebe nichts Gigantisches braucht.
Liebe braucht vor allem Zeit, Aufmerksamkeit und Räume, in denen wirkliche Begegnung entstehen kann.
Eine Botschaft von Anton ist mir besonders im Gedächtnis geblieben:
„Verlieb dich täglich neu in deinen Sohn.“
Schau dein Kind immer wieder bewusst an – auch wenn es gerade am Handy hängt, sich zurückzieht oder dich an deine Grenzen bringt. Und erinnere dich daran, was für ein Wunder da eigentlich vor dir sitzt.
Diese Folge ist für Väter, Mütter und alle Menschen, die mit Jungen arbeiten. Gleichzeitig ist sie eine Einladung an jeden von uns, die Beziehung zu den eigenen Eltern und die eigenen, vielleicht noch immer offenen Wunden ehrlich zu betrachten.
MÄNNERS – Vater-Sohn- und Mutter-Sohn-Reisen:
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