Migration, Männlichkeit und die unsichtbaren Dividenden der Macht
Özcan Karadeniz – Politikwissenschaftler und systemischer Berater. Referent für Community Outreach beim Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitor (NaDiRa) und Teil des Leitungsstabs am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM-Institut). Leitet Modul 5 „Migration und Männlichkeiten“ der Männerberater-Fortbildung.
• Der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor wurde 2020 initiiert, im Nachgang der Anschläge von Halle und Hanau sowie der Black-Lives-Matter-Bewegung
• Bislang ein Projekt (befristete Förderung), obwohl international eigentlich ein dauerhaftes Monitoring gefordert ist
• Längsschnittstudie mit anfänglich 20.000, aktuell rund 13.000 Teilnehmenden (Panel), mit bewusstem Oversampling von Menschen mit eigener Rassismuserfahrung
• Ziel: zivilgesellschaftliche Perspektiven in die Forschung einbringen und Ergebnisse verständlich vermitteln
• Ausgangspunkt: Rassismus als gesellschaftliches Strukturverhältnis, nicht nur als offene, absichtsvolle Diskriminierung – sondern als unbewusste Mechanismen, die Ausschlüsse produzieren
• Zentrale Analogie: hegemoniale Männlichkeit (Raewyn Connell) und patriarchale Dividende, ein Ideal, das auch ohne persönliches Erreichen Teilhabe an Macht sichert
• Übertragen auf Rassismus: die okzidentalistische Dividende (Gabriele Dietze), strukturelle Vorteile des Weißseins, unabhängig von der eigenen politischen Haltung
• Männlichkeit wird nicht als natürliche Eigenschaft, sondern als soziale Praxis verstanden
• Kritische Selbstreflexion für die Beratungspraxis: die eigene institutionelle Einbindung erkennen, Othering von Klienten vermeiden, unbewusste Zuschreibungen erkennen
• Didaktik: selbst produzierte Dokumentarfilme, Kleingruppenübungen, viel Austausch statt Frontalunterricht, ein sicherer Raum für Selbstreflexion
• Auch ein Blick auf die Kosten männlicher Sozialisation: kürzere Lebenserwartung, erschwerter Zugang zu eigenen Gefühlen, Belastung für Partnerschaft und Familie
• Rückmeldung bisheriger Durchgänge: viele Aha-Momente, als entlastend empfunden, es geht nicht ums Moralisieren, sondern ums Verstehen
Modul 5 hat denselben zeitlichen Umfang wie die anderen Module der Fortbildung. Es wurde bewusst im Curriculum nach vorne gezogen (statt Platz 9 nun Platz 5), damit die macht- und herrschaftskritischen Grundlagen den Teilnehmenden für die folgenden Module zugutekommen.
Kontakt zu Özcan Karadeniz
Webseite des Instituts
mail: karadeniz(at)dezim-institut.de
Männerberater-Fortbildung
Fachstelle Männerarbeit
Dieser Podcast wird finanziert mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).