Der Overconfidence-Effekt beschreibt eine kognitiveVerzerrung, bei der wir unsere Fähigkeiten, unser Wissen oder die Genauigkeitunserer Einschätzungen systematisch überschätzen. Kurz: Wir fühlen unssicherer, als wir tatsächlich richtig liegen. Das zeigt sich inalltäglichen Beispielen (»Ich fahre besser Auto als der Durchschnitt«), inProjekten (Zeit und Kosten werden zu optimistisch geplant) und bei Schätzfragen(»zu 90 % sicher« – in Wahrheit deutlich seltener korrekt).
Dieses Kapitel erklärt, was Overconfidence ist, warumsie entsteht, wo sie wirkt – und wie du sie in produktive Bahnenlenkst: mutig handeln, aber informierter; schnell entscheiden, aber mit Puffer;klar führen, aber widerspruchsfreundlich.
Was Overconfidence wirklich ist
Overconfidence ist keine Charaktereigenschaft, sondern ein systematischerFehler in der Urteilsbildung. Drei typische Facetten:
Der Kern ist die Lücke zwischen gefühlter und realerTrefferquote. Menschen, die sagen, sie seien zu 90 % sicher, sind es überviele Fragen hinweg oft deutlich seltener. Diese Miskalibrierung istrobust, gut belegt und findet sich im Business wie im Privatleben.
Warum dein Gehirn zu zuversichtlich ist
Mehrere Kräfte schieben dich in Richtung Überzuversicht:
Overconfidence fühlt sich oft angenehm und handlungsstarkan – genau deshalb bleibt sie lange unbemerkt.
Wirkung im Business
Typische Muster
Aber: Overconfidence hat eine produktive Seite.Unternehmertum braucht narrative Energie. Ziel ist nicht, Mut zu dämpfen,sondern Mut zu kalibrieren – Ambition mit Basisraten, Puffernund Lernschleifen verbinden.
Vorteile (richtig gelenkt)
Nachteile (ungelenkt)
Wirkung im Privatleben
Auch hier gilt: Ein Stück Overconfidence gibt Antrieb; unkalibrierterzeugt sie Stress, Frust und vermeidbare Fehler.
Overconfidence im digitalen Jetzt
Gegenmittel: Empfehlungen als Hypothesenbehandeln, robustheitsprüfen (»Was passiert, wenn wir Annahme X variieren?«),zweite unabhängige Begründung einholen.
Diagnostik: Wie du Overconfidence messbar machst
Praktische Gegenmaßnahmen: Ein Playbook
A) Outside View & Basisraten
B) Szenarien statt Einpunkt-Plan
C) Premortem & Red Teaming
D) Entscheidungsdesign
E) Sprache, die kalibriert
F) Mikro-Übungen
Fallgeschichte (kompakt)
Ein Team plant eine neue Dienstleistung. Frühe Signalestark, Roadmap mutig, Vertrieb verspricht Umsätze. Nach drei Wochen:Integrationsverzug, später Partner-Go-Live, zähe Kundenentscheidungen.
Mit Kalibrierung: Entscheidungstagebuch vorhanden,Premortem-Risiken mit Indikatoren, Szenarien definiert. Ampel wechselt von»optimistisch« zu »neutral«, Puffer werden freigegeben, Angebot in zweiVarianten getestet. Nach sechs Wochen: kleinere, aber stabile Traktion. Ergebnis:gleich viel Mut, smarter verteilt.
Schnellreferenz: Do’s & Don’ts
Do
Don’t
Vorteile & Nachteile im Überblick (Business &privat)
Vorteile
Nachteile
Konsequenz: Nutze die Energie der Zuversicht – balanciertdurch Basisraten, Feedback-Schleifen und Puffer.
Team-Rituale für kalibrierte Zuversicht
Häufige Missverständnisse (kurz erklärt)
EFFEKTiver organisiert durch kalibrierte Zuversicht
Wirksamkeit entsteht, wenn du klar benennst, was du weißt,und ehrlich markierst, was du nicht weißt. Overconfidence liefertEnergie, Kalibrierung liefert Struktur. In komplexen Umfeldern gewinnst du,wenn du beides kultivierst:
So schließt sich die Lücke zwischen gefühlter Sicherheit undtatsächlicher Richtigkeit – und du triffst Entscheidungen, die Wirkung zeigen, ohnedich von angenehmer Selbsttäuschung aufblähen zu lassen.
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